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Full text of "Centralblatt für Bakteriologie und Parasitenkunde"

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für 


Bakteriologie  und  Parasitenkunde. 


X.  Band. 


£  WTRALBIATT 


für 


Bakteriologie  uod  Parasitenkunde. 


In  Verbindung  mit 
Geh.  Hofrath  Professor  Dr.  Leuckart 

in  Leipzig 
and 

Professor  Dr.   Loeffler 

in  Greifswald 
herausgegeben  yon 

Dr.  Oscar  UMworm  in  Cassel. 


X,  Band. 

Mit  1  Tafel  und  9  Abbildungen  im  Texte. 


Jena, 

Verlag  von  Gustav  Fischer. 

1891. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  Hott.  Prot  Dr.  Lenckart  im  Pnfisnr  Dr.  Loefter 

m  Letpxif  In  ürelfrvsM 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJUworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band,  -o-         Jen»,  den  a  Juli  189 1.  -o-  No.  1. 


Prell  Ar  den  Band  (S6  Humen)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  twti  Binde. 

— »|    Zu  bestehen  durch   alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten,    f«— 

Die  Redaktion  des  „CentraMatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen*  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Zur  Frage  der  Scharlaohdiphtheritis. 

Von 

Dr.  F.  Tangl, 

Assistent  am  pathologischen  Institute  der  Universität  Tubingen. 

Die  viel  umstrittene  Frage,  ob  die  Scharlachdiphtheritis  mit  der 
genuinen  Diphtherie  ihrem  Ursprünge  nach  identisch  sei  oder  nicht, 
wurde  in  letzter  Zeit  der  H  en  och  -Heu  bner*  sehen  Ansicht  ent- 
sprechend von  den  meisten  Klinikern  dahin  beantwortet,  dass  diese 
Affektionen  ätiologisch  von  einander  zu  trennen  seien.  So  beweis- 
kräftig auch  die  verschiedenen  klinischen  Symptome  und  theilweise 

X.M.  1 

2878 


2  Tangl, 

auch  die  pathologisch-anatomischen  für  diese.  Ansicht  sprechen,  so 
bleibt  es  doch  unleugbar,  dass  man  denselben  den  Werth  eines  ent- 
scheidenden Argumentes  nicht  beimessen  kann,  was  ja  wohl  auch 
schon  aus  dem  Umstände  hervorgeht,  dass  die  gegenteilige  Ansicht 
auch  jetzt  noch  besonders  zwischen  den  französischen  Klinikern  zahl- 
reiche Anhänger  hat. 

Da  es  bei  dieser  Frage  wesentlich  darauf  ankommt,  ob  bei 
beiden  Prozessen  dasselbe  pathogene  Agens  gegenwärtig  ist  oder 
nicht,  so  liegt  es  auch  in  der  Natur  der  Sache,  dass  weder  die 
pathologisch -anatomischen,  noch  die  klinischen  Beobachtungen  zur 
endgiltigen  Entscheidung  führen  konnten.  Diese  kann  man  nur  von 
direkt  auf  die  Aetiologie  gerichteten  Untersuchungen  erwarten. 

Wenn  auch  die  Aetiologie  des  Scharlachs  eine  völlig  unbekannte 
ist,  da  wir  Ober  das  Scharlachkontagium  zur  Zeit  gar  nichts  wissen, 
so  haben  die  bakteriologischen  Forschungen  bezüglich  der  Aetiologie 
der  genuinen  Diphtherie  zu  solchen  Ergebnissen  geführt,  dass  man, 
auf  sie  gestützt,  an  die  Entscheidung  der  uns  beschäftigenden  Fragen 
herantreten  kann.  Dazu  genügt  es  ja,  dass  man  wenigstens  von 
einer  der  zwei  fraglichen  Infektionskrankheiten  den  Erreger  kennt, 
und  da  können  wir  nunmehr  von  der  genuinen  Diphtherie  f  a*t  mit 
Gewissheit  behaupten,  dass  ihr  Erreger  derKlebs-Loeffler' sehe 
Diphtheriebacillus  ist.  Ich  wenigstens  muss  das  nach  meinen 
Untersuchungen,  die  ich  im  Laufe  des  vergangenen  Jahres  hier  im 
Institute  ausgeführt  habe  und  die  demnächst  ausführlich  publizirt 
werden  sollen,  annehmen,  und  schliesse  mich  also  ohne  weiteres  Den- 
jenigen an,  die  diesen  Bacillus  als  den  Erreger  der  Diphtherie 
betrachten. 

Auf  Grund  dieser  Auffassung  ist  es  selbstverständlich,  dass  wir 
nun  die  definitive  Entscheidung  der  Identität  resp.  Nichtidentität  der 
Scharlachdiphtheritis  und  der  genuinen  Diphtherie  von  bakteriolo- 
gischen Untersuchungen  erwarten  müssen,  deren  erste  Aufgabe  nun- 
mehr die  ist,  festzustellen,  ob  in  allen  Fällen  typischer  Scharlach- 
diphtheritis (nekrotisirende  Scharlachangina)  der  Klebs-Loeffler- 
sche  Diphtheriebacillus  in  der  Mund-  resp.  Rachenhöhle  vor- 
handen ist  oder  nicht. 

Soweit  ich  aus  der  mir  vorliegenden  Litteratur  ersehen  kann, 
sind,  trotzdem  schon  von  verschiedenen  Forschern  daraufhin  gerich- 
tete Untersuchungen  ausgeführt  wurden,  noch  immer  nicht  so  viele 
Fälle  geprüft,  dass  man  aus  den  bekannt  gemachten  Resultaten  einen 
zwingenden  Sehluss  ziehen  müsste.  Deshalb  dürfte  es  vielleicht  ge- 
rechtfertigt erscheinen,  wenn  ich  ebenfalls  mit  dem  Untersuchungs- 
resultate einiger  Fälle  einen  kleinen  Beitrag  zu  dieser  Frage  zu  lie- 
fern trachte. 

In  Loeffler's1)  erster  Arbeit  finden  wir  5  Fälle  von  Schar- 
lachdiphtheritis angeführt,  von  welchen  er  bei  vieren  den  Diph- 
theriebacillus nicht  fand;  beim  fünften,  der  am  18.  Krankheits- 
tage zur  Sektion  kam  und  abweichend  von  den   übrigen  4  Fällen 


1)  Loeffler,  Mittheilungen  au«  d*m  kaiaerl.  GetwidhttteAiiite.  Bd.  II.  p.  439. 


fear  Frage  dar  Scharlachdiphtheritis.  3 

ausgedehnten  Kroap  des  Larynx  und  der  Trachea  zeigte,  fand  er  in 
den  mikroskopischen  Schnitten  die  Stäbehen. 

Babes1)  gibt  an,  dass  er  den  Diphtheriebacill  us  nur 
bei  „konsekutiven,  sekundären,  nach  Scharlach  auftretenden  wahren 
diphtheritischen  und  kroupösen  Prozessen"  gefunden  bat  und  nicht 
bei  der  gewöhnlichen,  mit  Scharlach  einhergehenden  diphtheritischen 
Angina. 

Hof  man  v.  Welle  nhof  *)  hat  von  19  Fällen  von  Scarlatina 
mit  ganz  unbedeutender  Rachemtffektion  bis  zu  tiefgreifender  Zer- 
störung im  Pharynx  nur  in  6  Fällen  Kulturen  des  „morphologisch 
so  zu  bezeichnenden14  Loeffl  er 'sehen  Bacillus  gefunden,  welche 
sämmtlich  nicht  virulent  waren. 

Kolisko  und  Palt  auf*)  geben  an,  dass  sie  bei  der  gewöhn- 
lichen, mit  dem  Scharlach  einhergehenden  diphtheritischen  Angina  die 
Loeffl er' sehen  Bacillen  konstant  vermissten. 

Escherich  hat,  wie  dies  Holzin  ger4)  in  seiner  Dissertation 
anführt,  7  Fälle  von  Scharlachdiphtheritis  auf  Loe ff ler 'sehe 
Bacillen  untersucht  Von  diesen  7  Fällen  konnte  er  in  2  den 
Diphth  eriebacillus  nachweisen;  in  3  Fällen  wurden  mit  den 
angeblichen  Diphtheriebacillen  keine  Thicrexperimente  ausgeführt. 

He  üb  n  er*)  vermisste  in  5  Fällen  .von  Scharlachdiphtheritis 
den  Loe  ff  ler'  sehen  Bacillus,  während  er  ihn  bei  der  primären 
Diphtherie  fast  ausnahmslos  nachweisen  konnte. 

Wurtz  und  Bourges6)  haben  11  Fälle  von  pseudomembra- 
nöser Scharlachangina  auf  die  Klebs-  Loe  ff  ler'  sehen  Bacillen 
geprüft  In  9  Fällen,  wo  die  Angina  frühzeitig  auftrat,  konnten  sie 
den  Bacillus  niemals  finden.  In  2  Fällen  hingegen,  wo  die  An- 
gina am  7.  resp.  am  36.  Tage  mit  dem  Erscheinen  des  Exanthemes 
auftrat,  fanden  sie  den  Diphtheriebacillus,  dessen  Identität  sie 
aber  nur  morphologisch  und  kulturell  nachwiesen. 

Wie  aus  den  angeführten  Arbeiten  hervorgeht,  finden  wir  nur 
bei  Escherich  und  Wurtz  und  Bourges  in  einzelnen  Fällen 
Angaben  von  positivem  Befund,  an  den  ich  jedoch  weiter  unten  einige 
Bemerkungen  knüpfen  möchte. 

Meine  Untersuchungen  erstreckten  sich  auf  7  Fälle  von  Schar- 
lachdiphtheritis. 5  dieser  Fälle  habe  ich  durch  die  Güte  des  Herrn 
Prof.  Jürgensen  aus  der  Poliklinik  in  Tübingen  zur  Untersuchung 
bekommen ;  2  Fälle  habe  ich  an  der  inneren  Abtheilung  des  städti- 
schen Krankenhauses  am  Urban  in  Berlin  mit  der  liebenswürdigen  . 
Erlaubniss  des  Direktors,  Herrn  Prof.  A.  Fraenkel,  untersucht. 

In  allen  diesen  Fällen  war  auf  einer  oder  beiden  Tonsillen,  in 
einigen  auch  auf   den  Gaumenbögen,  ein    deutlicher,   grauweisser, 

1)  Babes,  Wiener  klio.  Wochenschr.  1889.  No.  14. 

i)  Hof m ad,  Wiener  medic.  Wocheoschr.  18SS.  No.  8  u.  4. 

8)  Kolisko  u.  Pal  tauf,  Wiener  kiin.  Wochenschr.  1889.  No.  8. 

4)  Hol  tinger  t  Znr  Frage  der  Scharlachdiphtherie.  Inaug-Diasert.  München  1889. 

5)  Heuboer,  Jahrbuch  f.  Kinderhellkunde.  Bd.  XXXI.   1890.  Heft  1  u.  9. 

6)  Wart»  et  Bourges,  Recherche«  bacteriologiques  sur  rangine  pseudo-diphthä- 
nqu«  de  la  seariatine.     (Arch.  de  medec.  experim.  etc.  1890.  No.  8.) 

1* 


4  Tangl, 

pseudomembranöser  Belag  sichtbar,  der  der  Schleimbaut  fest  aufsass. 
In  einem  Falle,  der  zur  Sektion  kam»  waren  auf  der  Rachenschleim- 
haut zahlreiche,  theilweise  zusammenfliessende  Geschwüre  mit  schmu- 
tzig grauem  Grunde. 

In  jedem  dieser  7  Fälle  nahm  ich  die  Abimpfung  direkt  von  den 
Belägen  an  den  Tonsillen  vor.  Sechsmal  geschah  diese  Abimpfung 
vom  Lebenden;  in  einem  Falle  bei  der  Autopsie.  Die  ausgeglühte 
Platinnadel  wurde  jedesmal  fest  auf  den  Belag  gedruckt  und,  wenn 
es  ging,  etwas  von  diesem  abgezogen.  Mit  der  so  infizirten  Nadel 
bestrich  ich  die  Oberfläche  von  2—3  Glycerinagarröhrchen  and 
stellte  dieselben  dann  in  den  Brutschrank.  Es  ist  dasselbe  Ver- 
fahren, welches  ich  bei  meinen  Fällen  von  genuiner  Diphtherie 
immer  anwandte  und  welches  ich  als  ganz  zuverlässlich  er- 
kannt habe. 

Was  nun  das  Resultat  dieser  bakteriologischen  Untersuchung 
betrifft,  so  kann  ich  mich  ganz  kurz  fassen,  da  alle  7  Fälle  ein  ganz 
einstimmiges  Resultat  ergaben,  welches  mit  den  Angaben  der  meisten 
Untersucher  übereinstimmt.  Es  wuchsen  nämlich  in  keinem  einzigen 
derselben  die  Klebs-Loeffl er' sehen  Bacillen,  während  ich,  wie 
bereits  erwähnt,  mit  demselben  Kulturverfahren  in  17  Fällen  von 
genuiner  Diphtherie  die  Bacillen  stets  nachweisen  konnte.  In  den 
Kulturen  wuchsen  aber  in  jedem  Falle  ausser  den  mehr  oder  minder 
zahlreichen  saprophytischen  Bacillen  und  Kokken  ziemlich  viel  Kolo- 
nieen  von  Streptokokken.  Ueber  diesen  Befund  erlaube  ich  mir 
weiter  unten  noch  einige  Bemerkungen  zu  machen. 

Vorerst  habe  ich  noch  dem  Gesagten  einige  ergänzende  Worte 
hinzuzufügen. 

Ich  habe  bereits  erwähnt,  dass  meine  Fälle  alle  typische 
Fälle  von  Seh  arlachdip htheritis  waren.  Ich  muss  das 
betonen,  da  es  bekannterweise  eine  unerlässliche  Forderung  ist,  bei 
Untersuchungen  über  die  ätiologische  Bedeutung  eines  Mikroorganismus 
vorerst  nur  typische  Fälle  heranzuziehen.  Soweit  ich  klinischer- 
seits  unterrichtet  bin,  trat  bei  allen  die  pseudomembranöse  Entzündung 
im  Rachen  in  der  ersten  Krankheitswoche  auf,  wie  denn  auch  der 
weitere  Verlauf  ein  der  Scharlachangina  charakteristischer  war,  in 
Heilung  ausging,  ohne  dass  sich  Kroup  der  Luftwege  dazu  gesellt  und 
ohne  dass  später  Lähmungen  aufgetreten  wären.  (Es  liegt  ausser- 
halb des  Rahmens  dieser  Mittheilung,  die  klinischen  wie  pathologisch- 
anatomischen Charakteristika  alle  anzuführen,  und  begnüge  ich  mich  des- 
halb mit  den  erwähnten.)  Nur  ein  schwerer  Fall,  wo  aber  die  Ver- 
änderungen im  Rachen  nicht  besonders  tiefgehende  waren,  endete  tödt- 
lich.  Hier  waren  im  Kehlkopfe  und  Luftröhre  auch  keine  pseudo- 
membranösen Prozesse  zu  sehen.  Es  dürften  also  meine  Fälle  zu 
jenen  pseudomembranösen  Scharlachanginen  gehören,  die  Wurtz 
und  Bourges  als  „angines  pseudo-membraneuses  pröcoces"  be- 
zeichnen, im  Gegensatze  zu  jenen,  wo  die  Beläge  spät  nach  dem  Er- 
scheinen des  Exanthems  auftreten. 

Noch  einen  Punkt  möchte  ich  hervorheben.  In  zweien  meiner 
Fälle  (aus  der  Tübinger  Poliklinik)  habe  ich  gleich  am  ersten 


Aar  fragt  der  ScharUchdipntheritis.  5 

Tage,  an  demBeläge  an  den  Tonsillen  sichtbar  waren, 
die  Abimpfung  vorgenommen.  Ich  hebe  das  deshalb  hervor, 
weil  Baumgarten  gegen  die  negativen  Befunde  von  Diphtherie- 
bacillen  bei  Scharlachdiphtheritis  den  wohlberechtigten  Einwand  er- 
hob, dass  die  Diphtheriebacillen,  trotzdem  sie  anfangs  dagewesen 
waren,  vielleicht  nur  deshalb  fehlen,  weil  sie  „durch  eine  besonders 
kräftige  Aktion  des  mitvorhandenen  Streptococcus  schneller  ver- 
schwunden sind,  als  in  anderen  Fällen/'  Thatsächlich  finden  wir  auch 
fast  bei  keinem  der  angeführten  Autoren  eine  nähere  Zeitangabe 
darüber,  wie  spät  sie  nach  den  ersten  Symptomen  der  Angina  die 
bakteriologische  Untersuchung  vornahmen.  Wurtz  und  Bourges 
geben  genau  die  Zeit  an.  Sie  impften  fast  in  allen  Fällen  in  den 
ersten  Tagen  nach  dem  Auftreten  der  Angina.  Diese  Fälle,  sowie 
meine  beiden  erwähnten  dürften  also  wenigstens  einigermaassen  dem 
Einwände  Baumgarten's  begegnen1).  Freilich  müssen  noch  zahl- 
reichere ähnliche  Fälle  untersucht  und  das  Augenmerk  speciell  darauf 
gerichtet  werden,  ob  nicht  etwa  zu  jener  Zeit,  wo  noch  keine  Beläge 
im  Rachen  vorhanden  sind,  sondern  nur  eine  entzündliche  Röthe,  vi- 
rulente Diphtheriebacillen  in  kleiner  Zahl  vorhanden  sind. 

In  jedem  meiner  Fälle  wuchsen  in  den  angelegten  Kulturen 
ziemlich  zahlreiche  Streptokokkenkolonieen,  wie  das  auch  die  meisten 
Forscher  angeben.  Die  in  einigen  Fällen  reingezüchteten  Strepto- 
kokken boten  weder  ein  morphologisches  noch  kulturelles  Unter- 
scheidungsmerkmal von  den  Streptokokken  des  Erysipels,  so  dass  ich 
diese  beiden  für  identisch  halte,  da  auch  ihr  pathogenes  Verhalten 
ein  identisches  war.  Wurtz  und  Bourges  halten  den  von  ihnen 
reingezüchteten  Streptococcus  für  einen  nahen  Verwandten  des 
Erysipelcoccus,  aber  nicht  für  identisch  mit  demselben.  Die  von 
ihnen  angeführten  morphologischen  und  kulturellen,  wie  auch  pathoge- 
netischen Unterschiede  sind  aber  so  unwesentlich,  dass  unserer  An- 
sicht nach  dieselben  nicht  ausreichen,  beide  Kokkenarten  von  einander 
zu  trennen,  ebenso  wenig  wie  die  angeblichen  Unterschiede  zwischen 
den  pyogenen  Streptokokken  und  den  Erysipelkokken  ausreichen,  die 
Identität  derselben  zu  widerlegen.  Ueber  die  Bedeutung  der  Strepto- 
kokken bei  Scharlach  können  wir  heute  noch  kein  endgiltiges  Ur- 
theil  fällen,  da  wir  über  das  Scharlachkontagium  gar  nichts  wissen. 
Wenn  wir  aber  auch  über  das  Verhältniss  der  Streptokokken  zum 
Scharlach  noch  nichts  sicheres  wissen,  so  ist  es  doch  nach  den  Untersu- 
chungen von  Baumgarten*),  Loeffler,  Heubner*),  A.  Fraen- 
kel  und  Freudenberg4),  Babes  und  Raskin5)  etc.  wahr- 
scheinlich, dass  die  Streptokokken  beim  Zustandekommen  der  diphthe- 
rischen i.  e.  nekrotisirenden  Entzündung  des  Rachens  eine  wesent- 
liche Rolle  spielen,  obzwar  es  vorderhand  nicht  festzustellen  ist,  welche 
Rolle  dabei  dem  spezifischen  Scharlachgifte  zukommt. 


1)  Biom  garten,  Jahresbericht  ftir  18S9.  p.  315.     Anmerkung. 

2)  Baumgarten,  Lehrb.  d.  pathol.  Mykologie.  Bd.  I. 

3)  Heubner,  Volkmann's,  klln.  Vorträge.  No.  833. 

4)  A.  Praenkel  and  Freudenberg,  Ctbl.  f.  klin.  Med.  1SS6.  Mr.  46. 
6)  Baskin,  Ctbl.  f.  Bakt.  Bd.  V. 


ß  Tangl,  Zar  Frage  der  Seharlachdiphtheritls. 

Das  Resultat  der  bakteriologischen  Untersuchung  meiner  7  Fälle 
zwingt  mich  also,  mich  der  Henoch-Heubner'schen  Ansicht 
anzusch  1  i essen  und  anzunehmen,  dass  die  genuine 
Diphtherie  und  die  Scharlachdiphtheritis  ätiologisch 
verschieden  sind.  Derselben  Ansicht  schlössen  sich  auch  bisher 
fast  alle  Forscher  an,  die  diese  Frage  von  der  bakteriologischen  Seite 
in  Angriff  nahmen.  Trotzdem  dürfen  wir  aber  nicht  vergessen,  dass 
für  die  Richtigkeit  dieser  Ansicht  der  end  gilt  ige  Beweis  noch 
nicht  erbracht  ist.  Dazu  sind  im  Ganzen  noch  viel  zu  wenig 
Fälle  untersucht,  auch  geht  es  aus  den  bisherigen  Untersuchungen, 
wie  bereits  erwähnt  wurde,  noch  nicht  sicher  hervor,  dass  die  Diph- 
theriebacillen  auch  beim  frühesten  Anfange  der  Angina  schon  fehlen 
und  nicht  nur  später  von  anderen  Mikroben  überwuchert  werden. 
(Baumgarten.) 

Sollten  nun  die  künftigen  Untersuchungen  ergeben,  wie  es  auch 
höchst  wahrscheinlich  ist,  dass  thatsächlich  in  allen  Fällen  von  typi- 
scher Scharlach  d  iphtheri  tis  d.  h.  nek rot isiren der  Scharlach  - 
angina  der  Diphth criebacillus  immer  fehlt  —  so  wäre  damit 
noch  immer  nicht  die  Möglichkeit  widerlegt,  dass  in  einzelnen  Fällen 
sich  die  Diphtherie  als  sekundäre  Komplikation  zu  einem  bereits 
bestehenden  Scharlach  hinzugesellen  kann.  Für  diese  Möglichkeit 
sprechen  bereits  einige  positive  Angaben. 

So  führt  Holzinger  die  von  Escherich  ausgeführte  bakte- 
riologische Untersuchung  von  7  Fällen  von  Scharlachdiphtheritis  an. 
In  2  Fällen  war  das  Resultat  negativ,  in  3  Fällen  wurden  die  an- 
geblichen Diphtheriebacillen  nicht  durch  Thierversuche  geprüft  und 
somit  auch  ihre  Echtheit  nicht  bewiesen.  Nur  in  2  Fällen  bestätigte 
auch  das  herangezogene  Thierexperiment,  dass  die  reinkultivirten  Ba- 
cillen echte  Diphtheriebacillen  waren.  In  einem  Falle  wurden  aber 
die  virulenten  Diphtheriebacillen  erst  am  26.  Tage  nach  dem  Er- 
scheinen des  Exanthems  aus  den  Belägen  neben  zahlreichen  Strepto- 
kokken herausgezüchtet  In  dem  zweiten  Falle  wurden  am  9.  Krank- 
heitstage die  echten  Diphtheriebacillen  in  den  Belägen  gefunden. 

Loeffler  hatte  einen  Fall,  wo  er  am  18.  Krankheitstage  in  den 
Pseudomembranen  des  Rachens  und  der  Luftwege  die  Bacillen  (aller- 
dings nur  mikroskopisch)  nachweisen  konnte.  Dieser  Fall  unter- 
scheidet sich  also  von  seinen  anderen  4  Fällen  schon  dadurch,  dass 
Kroup  der  Luftwege  auch  vorhanden  war.  Auch  W u r t z  und  Bour- 
ges  haben  2  Fälle  —  die  sie  als  „angines  pseudomembraneuses 
tardives"  von  der  typischen  Scharlachdiphtheritis  trennen  — 
wo  sie  angeblich  Diphtheriebacillen  fanden.  Es  ist  jedoch 
fraglich,  ob  das  die  echten  virulenten  Bacillen  waren,  da  sie  keine 
Thierexperimente  anstellten.  —  Alle  diese  Fälle  mit  positivem  Be- 
funde sind  mehr  oder  minder  von  den  typischen  Fällen  der  Schar- 
lachdiphtheritis verschieden,  die  meisten  sogar  in  solchem  Grade, 
dass  es  die  Autoren  selbst  hervorheben  und  diese  Fälle  von  den 
übrgen  trennen.  So  geben  auch  Kolisko  und  Paltauf  und  Babes 
an,  dass  sie  den  Diphtheriebacillus  bei  Diphtherie  und  Kroup,  die 
als  Komplikation  zu  Scarlatina  hinzugetreten  waren,  fanden,  während 


Von  frodor,   fear  Prag«  der  Immunisation  durch  AlkaJiaation.  7 

sie  ihn   bei   der  gewöhnlichen  mit  dem  Scharlach   einbergehenden 
diphtheritischen  Angina  konstant  vermissten. 

Allerdings  sind  bisher  nur  sehr  wenig  Fälle  mit  unbezweifelbaren 
positiven  Bacillenbefunden  bekannt.  Sollten  aber  weitere  Untersu- 
chungen tbatsächlich  ergeben,  dass  alle  Fälle  mit  Diphtheriebacillen 
atypische  Fälle  von  Scharlachdiphtheritis  sind,  so  müssten  diese  ätio- 
logisch als  Komplikation  von  Scharlach  mit  Diphtherie,  von  der  ge- 
wöhnlichen, häufigeren  Scharlachdiphtheritis  —  ohne  Diphtherie- 
bacillen —  unbedingt  zu  trennen  sein.  Den  Aufschluss  über  diese 
nicht  nur  wissenschaftliche,  sondern  auch  eminent  praktische  Interessen 
bietenden  Frage  zu  bringen,  wird  die  weitere  Aufgabe  nicht  nur 
bakteriologischer,  sondern  eingehender  klinischer  und  pathologisch- 
anatomischer  Untersuchungen  sein. 


Zar  Frage  der  Immunisation  durch  Alkalisation. 

Von 

Prof.  von  Fodor 

in 

Budapest. 

Herr  Dr.  S.  Chor  wiederholte  im  Pasteur-Institute  meine  Ver- 
suche Ober  Immunisation  mittelst  Alkalisation  *).  Seine  Ergebnisse 
stehen  im  Widerspruche  mit  meinen  Versuchsresultaten1).  Chor 
folgert  nun,  dass  die  Alkalisation  des  Organismus  mit  Natrium- 
bydrocarbonat  keine  „therapeutische  Wirkung11  gegen  Milzbrand  besitzt. 
Chor  beruft  sich  auch  auf  Behring,  welcher  in  einer  kürzlich 
veröffentlichten  Abhandlung s)  kurz  erwähnt ,  dass  seine  Versuche 
mit  Alkalisation  negativ  ausgefallen. 

Ich  kann  auf  Behring* s  Aeusserung  nicht  weiter  eingehen, 
solange  keine  näheren  Angaben  Ober  seine  Versuche  vorliegen. 

Auch  gegen  die  Versuche  Chor's  habe  ich  nichts  einzuwenden. 
Dieselben  wurden  unter  der  ausgezeichneten  Leitung  Metschui- 
koff's  und  in  derselben  Weise  ausgeführt,  wie  ich  meine  Versuche 
anstellte.  Gegen  die  Schlussfolgerung  Chor's  muss  ich  jedoch 
entschieden  Verwahrung  einlegen.  Gegenüber  seinen  negativen  Re- 
sultaten stehen  meine  positiven,  und  es  kann  nicht  ignorirt  werden, 
dass,  während  meine  nicht  alkalisirten  Kontrollkaninchen  sämmtlich 
an  Milzbrand  zu  Grunde  gingen,  von  den  alkalisirten  37  %  am  Leben 
blieben. 

Viel  richtiger  verfährt  Chor,  wenn  er  aufzuklären  sucht,  warum 
meine  Ergebnisse  mit  den  seinigen  nicht  im  Einklänge  stehen.  Seine 


1)  Ctntralblatt  f.  Bakteriologie    Bd.  VIL  No.  24. 
5)  Annalas  de  lliutitut  Pastenr.  1891.  No.  5. 
|)  Ztltochr.  f.  Hjgfen«.  1890.  p.  463. 


Vermuthungen  sind  jedoch  so  sehr  unbegründet  und  hinfällig,  dass 
dieselben  gar  nichts  zur  Aufklärung  beitragen  können. 

Eine  zufriedenstellende  Erklärung  dar  widersprechenden  Ergeb- 
nisse ist  derzeit  wohl  nicht  zu  geben.  Auf  eine  mögliche  Ursache 
aber  kann  ich  nicht  umhin,  schon  jetzt  hinzuweisen.  Chor  experi- 
mentirte  mit  besonders  heftig  wirkenden  Milzbrandkultaren,  während 
meine  Kulturen  im  Allgemeinen  von  schwächerer  Wirkung  waren. 
Chor' s  Infektionen  tödteten  im  Allgemeinen  in  48,  ja  sogar  schon 
in  24  Stunden,  während  meine  Versuchstiere  (die  nicht  alkalisirten 
Kontrollthiere)  im  Allgemeinen  am  3.  bis  5.  Tage  eingingen. 

Aus  meinen  Versuchsreihen  ist  sogar  klar  ersichtlich,  dass  bei 
solchen  Impfungen,  die  mit  virulenteren,  schon  nach  24—30  Stunden 
tödtenden  Anthrazkulturen  angestellt  wurden,  die  Alkalisation  einen 
viel  geringeren  (oder  gar  keinen)  Erfolg  hatte  (Versuchsreihe  3,  5,  6), 
als  bei  Impfungen  mit  milderen  Anthraxkulturen  (Tod  nach  3 — ö 
Tagen;  Versuchsreihe  4,  1,  2). 

Meine  Versuche  über  Immunisation ,  welche  ich  auch  nach 
meiner  oben  citirten  Publikation  fortsetze,  belehren  mich,  dass  es 
noch  zahlreicher  und  umsichtiger  Untersuchungen  bedürfe,  ehe  man 
über  die  Wirkung  der  Alkalisation  oder  Acidisation  des  Organismus 
ein  klares  und  vollständiges  Bild  gewinnen  wird.  Einige  lehrreiche 
Daten  in  dieser  Beziehung  hofie  ich  in  kurzer  Zeit  veröffentlichen 
zu  können. 

Budapest,  12.  Juni  1891. 


Eine  bewährte  Methode  zur  Reinigung  gebrauchter 
Objektträger  und  Deckglaschen. 

Von 

Dr.  med.  Friedrieh  Knauer, 

Assistenten  an  der  bakteriologisch-hygienischen  Abtheilang  des  Schmitt' sehen 
Laboratoriums  an  Wiesbaden. 

Eine  Notiz  in  No.  32  des  laufenden  Jahrganges  der  „Pharma- 
zeutischen Zeitung44  von  Dr.  Max  Holz:  „Das  Reinigen  von  Deck- 
und  Objektgläschen  für  bakteriologische  Untersuchungen44  veranlasst 
mich,  nachstehend  eine  Methode  bekannt  zu  geben,  nach  welcher  in 
neuerer  Zeit  im  Schmitt1  sehen  Laboratorium  zu  Wiesbaden  mit 
ausgezeichnetem  Erfolge  die  zu  bakteriologischen  Untersuchungen 
benutzten  Objektträger  und  Deckglftschen  zum  Wiedergebrauche  prä- 
parirt  werden. 

Der  Hergang  ist  folgender: 

Man  legt  die  zu  reinigenden  Objektträger  und  Deckgläschen  in 
einen  auf  dem  Arbeitstische  stehenden  emaillirten  Blechtopf  oder 
glasirten  irdenen  Topf,  welcher  etwa  */,  Liter  einer  10°/0  Ljrsol- 
lösung  enthält  Haben  sich  circa  60  bis  80  Präparate  darin  ange- 
sammelt, so  stellt  man  das  Oefäss  auf  eine  halbe  Stunde  in  strö- 


Ein«  bewährt«  Methode  x.  tteimgung  gebrauchter  Objektträger  o.  Deckgläschen.      9 

menden  Dampf  oder  kocht  20  bis  30  Minuten  Aber  einer  offenen 
Flamme,  wobei  man  zweckmässig  einigemale  umschwenkt  oder  mit 
einem  Glasstabe  umrührt. 

Nach  dieser  Zeit  braust  man  sofort,  ohne  abzukühlen  oder  die 
Lysollösung  abzugiessen,  unter  der  Wasserleitung  mit  starkem 
Strahle  so  lange  ab,  bis  nur  noch  klares  Wasser  in  dem  Gefässe 
steht,  and  trocknet  dann  die  einzeln  herausgenommenen  Gläschen  mit 
einem  weichen,  reinen,  fettfreien  Tuche  sorgfältig  ab. 

Durch  diese  Behandlung  sind  Objektträger  und  Deckgläschen 
wie  neu,  und  man  hat  nicht  zu  befürchten,  durch  etwa  daran  haften 
gebliebene  Ueberreste  früherer  Präparate  in  seinen  Untersuchungen 
irre  geleitet  zu  werden. 

Nach  vorstehender  Methode  habe  ich  mehrere  hundert  Deck- 
glaspräparate  behandelt  mit  stets  gleich  gutem  Erfolge.  Von  52 
Stück  über  2  Jahre  alten  Präparaten,  welche  zu  Klumpen  von  6  bis 
8  Stück  so  fest  mit  einander  verklebt  waren,  dass  eine  mechanische 
Trennung,  ohne  die  Gläser  zu  zerbrechen,  nicht  möglich  war,  und 
welche  deshalb  in  diesem  zusammengebackenen  Zustande  in  die  10  °/0 
Lysollösung  gebracht  und  30  Minuten  gekocht  wurden,  waren  49 
Stück  tadellos  rein  und  nur  3  Stück  mussten  als  unbrauchbar  aus- 
geschieden werden. 

Die  Fälle,  wo  solche  2  und  mehr  Jahre  alte  Präparate  zur  Rei- 
nigung kommen,  werden  in  der  bakteriologischen  Praxis  wohl  zur 
Seltenheit  gehören,  und  man  wird  es  in  der  Regel  mit  Präparaten 
zu  thun  haben,  deren  Alter  nach  Wochen,  höchstens  nach  Monaten 
zahlt. 

Bei  frischeren,  bis  14  Tagen  alten  Präparaten  erzielte  ich  schon 
durch  15  Minuten  langes  Kochen  in  nur  5  °/0  Lysollösung  eine  voll- 
kommene Reinigung  der  Gläschen. 

Um  das  beim  Reinigen  häufig  vorkommende  Zerbrechen  der 
dünnen  Deckgläschen  möglichst  zu  vermeiden,  ist  es  empfehlenswert!), 
dieselben  von  den  Objektträgern  abzuheben  (dies  gelingt  sehr  leicht, 
wenn  man  letztere  über  einer  Flamme  etwas  erwärmt)  und  in  einem 
besonderen,  entsprechend  kleineren  Gefässe  zu  kochen.  Beim  Kochen 
hat  man  darauf  zu  achten ,  dass  die  Gläschen  von  der  Flüssigkeit 
stets  ganz  bedeckt  sind. 

Die  Vorzüge  der  oben  beschriebenen  neuen  Methode  lassen  sich 
kurz  in  folgende  drei  Sätze  zusammenfassen: 

1)  Die  Präparate  werden  absolut  sicher  desinfizirt. 

2)  Aetzende  Substanzen,  wie  Schwefelsäure  u.  derg'L,  kommen 
nicht  zur  Verwendung. 

3)  Die  Reinigung  der  Deckgläschen  und  Objektträger  ist  eine 
vollkommene. 

Wiesbaden,  27.  Mai  1891. 


10  Ludwig, 

Der  Milch-  and  Rothfluss  der  Bäume  and  ihre  Urheber. 

Vorläufige  Mittheilung 

von 

Prof.  Dr.  F.  Ludwig1). 

Merkwürdigerweise  hat  mau  bis  vor  kurzer  Zeit  von  botanischer 
Seite  den  Schleimflüssen  der  Bäume  durchaus  keine  Aufmerksamkeit 
gewidmet.    So  konnte  Verf.  die  pathogenen  Schleimflüsse  als  neu 
für  die  Botaniker  schildern,   von  denen  der  weisse  Schlei m- 
fluss  der  Eichen,  Birken,  Salicineen  etc.  durch  einen   Spaltpilz, 
Leuconostoc  Lagerheimii  Ludw.,  dem  nächsten  Verwandten 
des  Urhebers  der  Dextningährung    der  Rübenmelasse,  verursacht, 
unter  den  genannten  Bäumen  grossen  Schaden  anrichtet,  zumal  ihm 
die   Alkoholgährung  erzeugenden  Pilze   Endomyces  Magnusii 
Ludw.  und  die  von  Hansen  Saccharomyces  Ludwigii   ge- 
nannte Hefe  beigesellt  sind,  von  denen  der  eine  bei  der  Begründung 
des  Bre fei <T sehen  Pilzsystems  eine  Hauptrolle  spielt,  der  andere 
zu  der  Entstehung  der  Heferassen  nach  den  Untersuchungen  E.  C  h  r. 
Hansen 's    neue   Aufschlösse    gebracht   hat     Der   andere,    der 
braune  Schleimfluss  der  Apfelbäume,  Birken,  Pappeln,  Ross- 
kastanien etc. ,  welcher  unter  den  Obst-  und  Chausseebäumen  nicht 
unbedeutende  Verheerungen  anrichtet,  wird  erzeugt  durch  Spaltpilze 
(Micrococcus  dendroporthos  Ludw.),  denen  gleichfalls   ein 
Hyphomycet  Torula  monilioides  Corda  in  einer  Rinden-  und 
einer  submersen  (hyalinen)  Form  beigesellt  ist  Es  ist  wahrscheinlich, 
dass  die  genannten  Pilze  ursprünglich  als  saprophyte  Bewohner  der 
ausfliessenden  Baumsäfte  aufgetreten  und  erst  nachträglich  zu  fakul- 
tativen Parasiten  geworden  sind.    Es  hatte  daher  ein  besonderes  In- 
teresse, die  in  den  ausfliessenden  Baumsäften  auftretenden  Pilze  ge- 
nauer zu  studiren.     Ich  habe  darin  zunächst  im   Spätsommer    des 
vorigen  Jahres  auf  den  Stümpfen  alter,  gesunder  B  uchen,  die  beim 
Bau  einer  Eisenbahn  bei  Schmalkalden  gefällt  worden   waren,  einen 
rothen  Schleim  beobachtet,  welcher  aus  fädige»  Bakterien  (Beggia- 
toa    oder   Leptothrix)     und     aus     einem     dem    Fusarium 
moschatum  Kitasato  identischen  oder  nahe  verwandten  Pilz  (mit 
sichelförmigen  Sporen)  zusammengesetzt  war.     Brefeld  und  sein 
Assistent  Dr.  L  i  n  d  a  u  haben  bei  Münster  unter  gleichen  Verhältnissen 
einen  ausserordentlich  interessanten,  zu  den  Hemiasci  gehörigen 
Pilz,  Ascoidea  rubescens,  aufgefunden,  welcher  Conidien  und 
Sporangien  bildet,  und  Sorokin  hatte  kurz  zuvor  einen   weiss- 
lichen  Baumschleim  gefunden,  welcher  aus  einer  gleich  interessanten 
Spaltpilzart,  Spirillum  endoparagogicum  Sorok.,  bestand  und 
fast  in  Reinkultur  diesen  Schleim  bildete. 

In  diesem  Frühjahr  hatte  ich  nun  Gelegenheit,   weitere  hierher 
gehörige  Erscheinungen  so  auffälliger  Natur  zu  beobachten,  dass  ich 

2)  Zuerst  mitgetheilt  im  Ver.  d.  Naturfreunde  au  Greis. 


D«r  Milch-  und  Rothflnss  der  BAume  und  ihre  Urheber.  \\ 

kaum  glauben  möchte,  dass  dieselben  bisher  dem  Auge  der  Natur- 
forscher und  Forstleute  nur  entgangen  seien,  vielmehr  es  für  wahr- 
scheinlich  halte,  dass  dieselben  erst  in  der  Neuzeit  in  so  auffälliger 
Weise  aufgetreten  sind. 

Am  Ende  des  Februar  und  Anfang  März  dieses  Jahres  wurden 
um  Greiz  in  verschiedenen  Forstabcheilungen  zahlreiche  Birken  ge- 
fällt und  Hainbuchen  abgeästet  In  dem  hierdurch  bedingten  Saft- 
fluss  fand  ich  bereits  in  den  kalten  Tagen  um  Mitte  April  bei 
Schneegestöber  und  Graupelwetter  weissliche  Pilzschleimmassen, 
welche  die  Oberfläche  der  Birkenstümpfe  bedeckten.  Als  dann  mit 
Anfang  Mai  sehr  warmes  Wetter  eintrat,  erreichte  die  Entwickelung 
des  weissen,  wässrigen,  zuletzt  zähen,  auswurfähnlichen  Schleimes 
ihre  Höhe.  Jetzt  war  von  den  im  ganzen  Greizer  Wald 
zerstreuten  neuen  Birkenstöcken,  deren  Zahl  wohl  über 
100 betrug,  kein  einziger,  welcher  den  Pilzschleim  nicht 
in  reichlichstem  Maasse  entwickelte.  Anfangs  auf  der 
saftigen  Schnittfläche  nur  kleine  weissliche  Raschen  darstellend, 
bildete  derselbe  jetzt  eine  rahmähnliche,  mehrere  cm  dicke 
Masse,  welche  von  den  Birkenstöcken,  welche  nun  weithin 
durch  den  Wald  leuchteten,  in  enormen  Mengen  zu  Boden 
floss.  Ein  gleich  auffälliges  Bild  boten  die  Hainbuchen.  Von 
den  geästeten  Hainbuchen  waren  nur  etwa  10— 20°/0  von  den 
Pilzen  befallen;  bei  ihnen  floss  aber  und  tropfte  von  allen  Ast- 
wunden  bis  zu  dem  Gipfel  hinauf  stockwerkhoch  die  weisse 
Pilzmasse  herab.  Bei  manchen  der  mächtigen  Hainbuchen 
hatten  sich  mehrere  Stromrichtungen  am  Stamme  herab  gebildet  und 
es  sah  aus,  als  ob  sich  mächtige  Ströme  von  Milch  aus 
allen  Aststümpfen  ergössen.  Bei  einzelnen  Hainbuchen  er- 
goss  sich  anstatt  des  milchähnlichen  Flusses  eiu  rosenrother 
Strom  am  Stamme  herab,  und  auch  bei  manchen  Birken 
färbten  sich  einzelne  Partieen  des  Schleimes  rosenroth. 
Daneben  traten  hier  zuweilen  auch  bräunliche  Stellen  auf. 

Die  Untersuchung  der  Schleimmassen  von  zahlreichen  Bäumen 
ergab  zwar  eine  ganze  Anzahl  von  Beimengungen  verschiedenster 
Pilze,  auf  den  Birkenstöcken  auch  zahlreiche  Hefeconidien,  welche 
in  den  wärmeren  Tagen  draussen,  regelmässig  aber  im  Zimmer  leb- 
hafte Alkoholgährung  des  Birkensaftes  erzeugten,  Bakterien,  besonders 
saprophyte  Bacillen,  die  häufig  den  Schleim  rasch  in  stinkende  Fäul- 
nis versetzen,  in  der  Hauptsache  bestand  aber  der  weisse 
Schleim  des  Milchflusses  aus  einer  neuen  Art  von 
Endomyces,  von  der  anfänglich  Ascus  anlagen  von  ähnlicher 
Art  wie  bei  Endomyces  deeipiens  Tul.  gefunden,  später 
aber  nur  die  Oi  dien  form  und  Chlamydosporen  beob- 
achtet wurden.  Die  Oidien  bilden  rundliche  oder  längliche  Zellen, 
wie  die  von  E.  deeipiens,  sie  stimmen  mit  letzteren  aber  nicht 
überein,  während  die  Chlamydosporen  beider  Arten  gleiches 
Aussehen  und  ähnliche  Grössenverhältnisse  haben.  Der  Endo- 
myces deeipiens  tritt  bekanntlich  im  Herbst  auf  den  Frucht- 
körpern des  Hallimasch  auf,  auf  welchem  er  viersporige  Asken, 
Oidien  und  Chlamydosporen  bildet. 


> 


12  Ludwig, 

Der  durch  mächtiges  Mycel  charakteristischer  Verzweigung, 
Asken-,  Sporenbildung  etc.  wesentlich  ausgezeichnete  Endomyces 
M  a  g  n  u  s  i  i  Lud w.  der  gährenden  Eichen  tritt  mit  phänologischer  Pünkt- 
lichkeit um  die  Blütezeit  des  schwarzen  Holländers  und  des  Roggens  im 
Sommer  auf  und  verschwindet  im  August  Der  neue  Endomyces 
des  Milchflusses  der  B&ume  tritt  bereits  im  Nachwinter  auf  und 
scheint  im  Mai  das  Ende  seiner  Entwickelung  gefunden  zu  haben. 
Wir  wollen  ihn  daher  vorläufig  als  Endomyces  vernalis  n.  sp. 
bezeichnen.  Seine  Mycelfäden,  die  meist  nur  3—4  /*  dick  sind,  er- 
scheinen wenig  verzweigt  Auf  Milch  bildeten  dieselben  ebenso  wie 
die  der  beiden  anderen  Endomyces  arten  Oidien.  Einige  im 
Schleim  versteckte  Asken,  welche  reife  Sporen  zu  enthalten  schienen, 
waren  13 — 14  n  lang  und  13  /*  breit,  doch  konnte  deren  Zusammen- 
hang mit  dem  Mycel  nicht  sicher  ermittelt  werden.  Die  verzweigten 
Hefenester,  welche  die  Alkobolg&hrung  erzeugen,  schienen  dagegen 
mit  den  Endomycesfäden  stellenweise  fest  zusammenzuhängen. 

Dass  die  Baumflüsse,  sowohl  die  pathogenen  wie  die  saprogenen, 
eine  Fundgrube  merkwürdiger  Pilze  sind,  habe  ich  schon  früher  hervor- 
gehoben und  ist  auch  neuerdings  von  Brefeld  betont  worden.  Es 
hat  dies  ein  besonderes  Interesse,  seitdem  Brefeld  in  überzeugendster 
Weise  die  verschiedenen  Pilzfruchtformen  aus  denen  der  Phycomyceteo 
abgeleitet  und  den  Ursprung  der  Ascomyceten  und  Basidiomyceten 
bei  den  letzteren  dargethan  hat.  Es  haben  sich  von  den  aus  den 
Wasseralgen  hervorgegangenen  Pilzen,  deren  uiederste  Abtheilungen 
noch  ein  (sexuelles)  Wasserleben  führen,  in  den  Saftflössen  der 
B&ume  ganz  besonders  jene  Mittelformen  und  niedere 
Ascomycetenformen  erhalten,  die  heute  als  Binde- 
glieder zwischen  den  Phy  comyceten  und  höherenMy- 
comyceten  zu  betrachten  sind.  Es  gilt  das  von  der  As- 
coidea  rubescens  Bref,  welche  selbst  zu  den  Mesomyceten  ge- 
hört, wie  auch  von  den  niedersten  Ascomyceten  Endomyces  Mag- 
nusii  und  E.  vernalis.  Auch  bei  dem  parasitischen  E.  decipiens 
ist  die  Entwickelung  aus  Formen  der  Baumflüsse  nicht  unwahrschein- 
lich, da  ja  der  Hallimasch  selbst  Parasit  der  Bäume  ist  und  da 
nach  Brefeld  das  E.  decipiens  nicht  erst  in  den  Lamellen  des 
Agaricus  melleus  sich  ansiedelt,  sondern  bereits  in  den  Frucht- 
körperanlagen vorhanden  ist  Gleiches  gilt  auch  für  den  von  Fayod 
als  E  n  d  o  m  y  c  e  8  beschriebenen  Parasiten  des  A  g.  r  u  t  i  1  u  s ,  wahrend 
der  bisher  als  Flechtenpilz  (Ephebella  Hegetschweileri  Itzigs.) 
beschriebene  mit  einer  Alge,  Scytonema  vergesellschaftete  Pilz, 
der  neuerdings  von  Zukal  Endomyces  Scytonematis  benannt 
wurde,  auf  Scytonema  schmarotzt.  Ob  es  sich  hier  wirklich  um 
einen  Endomyces  handelt,  bleibt  noch  näher  zu  untersuchen. 

Der  rosenrothe  Schleim,  welcher  mit  dem  Endomyces  häufig 
zusammen  vorkommt,  besteht  aus  perlschnurartig  zusammenhängenden 
oder  ästige  Hefesprossungen  bildenden  oder  freien  elliptischen,  8—10// 
langen,  6—7  /ti  breiten  Zellen  mit,  wie  es  scheint,  feinkörniger  Mem- 
bran und  erinnert  mehrfach  (besonders  an  die  Figuren  8  z.  Th.,  9, 10, 
3  —  hantelähnliche  Bildungen  finden  sich  öfter  — )  an  den  von  v. 
Wettstein  beschriebenen  pathogenen  Rhodomyces  Kochii  v. 


Per  Milch-  and  Rotbflass  der  Bäume  and  ihre  Urheber.  13 

Wettet  (Sitzber.  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.  Bd.  XCL  Abt.  I.  Febr.-Heft. 
1885).  Die  Form  sei  einstweilen  als  Rhodomyces  (?)  dendro- 
rbous  bezeichnet 

Wie  bereits  erwähnt,  sind  es  mehrere  Pilze,  deren  einzelne  Fäden 
oder  Zellen  kaum  Färbung  zeigen,  die  aber  einen  rothfarbenen  Schleim 
bilden,  Ascoidea,  Fusarium,  Rhodomyces.  Es  sei  hier  auch 
erwähnt,  dass  ich  aus  gewöhnlicher  obergähriger  Bierhefe  einen  röth- 
lichen  Alkoholauszug  erhielt,  (ranz  alte  Kulturen  von  Endomyces 
M  a  g  n  u  s  i  i  zeigten  bei  mir  früher  gelbbraune  Färbung.  Ob  auch  auf 
den  Birkenstöcken  die  gelbbraunen  Schleimstellen  einem  Endomyces 
angehören  —  es  fanden  sich  in  ihnen  gelbbraune  Ghlamydosporen  etc. 
z.  Th.,  wieder  farblose  Hyphen  aussendend,  konnte  nicht  entschieden 
werden. 

Jedenfalls  kann  zunächst  nur  fleissiges  Durchmikroskopiren  der 
verschiedenen  Schleimsorten  und  können  danach  erst  Reinkulturen 
von  den  höchsten  Sporenformen  aus  den  ganzen  Entwicke- 
lungsgasg  der  betheiligten  Pilze  enthüllen,  da  Kulturen  von  Oidien, 
Conidien  etc.  nieist  nur  endlose  Generationen  niederer  Fruchtformen 
ergeben. 

Sind  nun  der  besprochene  Milch-  und  Rothfluss,  da  wo  sie  an 
lebenden  Bäumen  auftreten,  schädlich?  Meine  bisherigen  Beobach- 
tungen dürften  die  Frage  bejahen.  Einmal  zeigte  ein  Vergleich  aller 
beschnittenen  Bäume,  dass  solche,  deren  Astwunden  mit  Pilz- 
schleim bedeckt  waren,  weit  länger  bluteten,  als  andere.  Hierdurch 
müssen  die  Bäume  schliesslich  entkräftet  werden  und  es  treten  an 
den  feuchten  Wundstellen  leicht  allerlei  Saprophyten  auf.  Dann  findet 
ein  langsameres  und  unvollständigeres  Vernarben  der  Wunden  statt, 
als  unter  normalen  Verhältnissen.  Einige  Hainbuchen  an  dem  Ort 
des  üppigsten  Auftretens  des  Milch-  und  Rothflusses  zeigten  so  ab- 
norme Vernarbungswülste,  dass  ich  nicht  umhin  konnte,  anzunehmen, 
dass  auch  sie  früher  an  diesen  Flüssen  litten. 

Die  weite  Verbreitung  der  Blutungspilze  der  Bäume  scheint  auf 
eine  Infektion  durch  Vermittelung  des  Windes  hinzudeuten;  doch 
tragen  mehr  oder  weniger  regelmässig  sicherlich  auch  die  Insekten 
zur  Verbreitung  der  Pilzkeime  bei.  Insekten  —  namentlich  Fliegen 
und  Mücken  —  traf  ich  allenthalben  auch  schon  um  Mitte  April,  als 
ich  die  Erscheinung  zuerst  beobachtete.  An  einzelnen  Bäumen  waren 
aoch  Coccinellen  in  Menge  vorhanden.  Bei  der  Infektion  der  Wurzel- 
stöcke der  Birken,  die  so  rasch  und  fast  ausnahmslos  erfolgt,  wäre 
auch  noch  an  eine  Infektion  vom  Boden  aus  zu  denken,  der  beim 
Verschleppen  der  gefällten  Bäume  und  des  Reisigs  aufgewühlt  und 
aufgewirbelt  und  direkt  auf  die  Stöcke  verzerrt  wird.  Es  bedarf  noch 
besonderer  Untersuchungen,  ob  die  Sporenformen  der  Flusspilze  im 
Boden,  dem  sie  an  manchen  Stellen  literweise  zufliessen,  eine  weitere 
Entwickelung  durchmachen  und  ob  welche  derselben  hier  eine  längere 
Keimfähigkeit  behalten. 

Greiz,  am  10.  Mai  1891. 


14  TeUoUV 


Referate. 


Yalllard  et  Vincent,  Sur  le  poison  tätanique.    (La  Semaine 
m6d.  1890.  No.  51.  p.  425.) 

Id  der  Sitzung  der  Soci6te  de  biologie  zu  Paris  vom  15.  No- 
vember 1890  berichtete  Vaillard  über  die  gemeinschaftlich  mit 
Vincent  ausgeführten  Untersuchungen  über  die  chemische  Natur 
des  Tetanusgiftes. 

Eine  20  Minuten  lang  andauernde  Einwirkung  einer  Temperatur 
von  60°  C  schwächt  das  Tetanustoxin  ab,  und  dieselbe  Zeit  bei 
65  °  C  gehalten,  verliert  es  seine  Wirksamkeit  vollständig.  Sehr 
rasch  wird  es  auch  unter  dem  Einflüsse  von  Luft  und  Licht  abge- 
schwächt Bei  Luftzutritt  und  einer  32  stündigen  Insolationsdauer 
verliert  die  Flüssigkeit  ihr  toxisches  Vermögen  gänzlich,  sie  behalt 
es  hingegen  unverändert  bei,  wenn  die  Insolation  bei  Sauerstoffab- 
schluss  erfolgt  Das  Ansäuern  des  Filtrats  ändert  nichts  au  dessen 
toxischen  Eigenschaften.  Absoluter  Alkohol  fällt  das  Toxin  theil- 
weise  aus  und  das  Präzipitat  bringt  bei  Thieren  tetanische  Erschei- 
nungen hervor.  Das  Tetanusgift  wird  vou  gewissen  Niederschlägen, 
wie  Kalk-  oder  Thonerdephosphat,  aus  der  Lösung  zum  Theile  mit- 
gerissen. Wenn  man  einen  solchen  sorgfältig  mit  sterilisirtem  Wasser 
ausgewaschenen  Niederschlag  noch  feucht  in  stecknadelkopfgrossen 
Dosen  an  Meerschweinchen  verimpft,  erzeugt  er  intensiven  und  tödt- 
lichen  Tetanus.  Der  im  Vakuum  getrocknete  und  bei  freiem  Luft- 
zutritt einen  Monat  lang  aufbewahrte  Niederschlag  löste  in  der 
kleinen  Menge  von  0,5  mg  bei  einem  Meerschweinchen  typischen 
Tetanus  aus  und  führte  in  5  Tagen  zum  Tode  des  Versuchstieres. 
Die  in  dem  Präzipitate  enthaltene  wirksame  Substanz  dialysirt  lang- 
sam, aber  vollständig. 

Das  Tetanusgift  ist  demnach  kein  Alkalofd,  es  steht  den  Dia- 
stasen  und  dem  Schlangengifte  nahe.  Es  verhält  sich  wie  diese  un- 
wirksam, wenn  es,  selbst  in  grossen  Dosen,  in  den  Magen  gebracht 
wird.  Dagegen  entfaltet  es  wie  die  Diastasen  im  Kreislaufe  in  mini- 
malsten  Dosen  —  0,5  mg  des  Kalkphosphatpräzipitats  enthält 
0,05  mg  organischer  Substanz  —  eine  energische  Wirkung. 

Kräl  (Prag). 

Pia,  E.  F.,  De  los  adelantos  que  en  la  patogenia  de) 

titanos  ha  realizado  la  teoria  parasitaria.    (Crönica 

mädico-quirürgica  de  la  Habana.  1891.  No.  3.) 

Ein  in   der  Gesellschaft  für  klinische  Studien  am  10.  Februar 

dieses  Jahres  gehaltener  Vortrag,  worin  Verf.  unter  Vorzeigung  von 

Präparaten  die  Geschichte  des  Nicolai  er9  sehen  Bacillus  und 

dessen   ursächliches  Verhältniss  zum   Starrkrampf  auseinandersetzt 

und  die  noch  immer  dagegen  erhobenen  Einwände  widerlegt. 

Sentinon  (Barcelona). 


Tetanus.  —  Lepr«  15 

Brusehettlni,  A.9  Sulla  diffusione  nelT  organismo  del 
veleno  del  tetano.  (La  Ritorma  med.  1890.  No.  225. 
p.  1346.) 

Um  kennen  zu  lernen,  wie  das  Tetanusgift  von  der  Stelle  aus, 
wo  es  gebildet  wird,  sich  im  Körper  verbreitet,  ob  es  eiue  bestimmte 
elektive  Wirkung  für  gewisse  Organe  und  Gewebe  besitzt  und  auf 
welchen  Wegen  es  vom  Organismus  eliminirt  wird,  unternahm  Verf. 
eiue  Reihe  von  Versuchen,  bei  welchen  er  das  Blut,  Aufschwemmun- 
gen vom  centralen  Nervensystem,  von  den  Nieren,  Nebennieren  und 
der  Leber  aus  solchen  Kaninchen,  die  mit  dem  von  Tizzoni  und 
Cattani  isolirten  Tetanusgift  oder  mit  filtrirten  und  als  steril  be- 
fundenen Kulturen  tetanisirt  worden  waren,  an  frische  Thiere  sub- 
kutan verimpfte. 

Bei  diesem  Vorgange  zeigte  sich  das  Blut  der  chemisch  tetani- 
sirt en  Kaninchen  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  sehr  toxisch  und  tödtete 
die  Versuchstiere  am  4.  Tage.  Nach  subkutaner  Injektion  wirkte 
in  2  Fällen  von  4  die  Intumescentia  lumbalis  toxisch,  in  2  Fällen 
brachte  die  Emulsion  vom  Bulbus  und  von  der  Intumescentia  cervicalis 
bei  Thieren  keine  tetanischen  Erscheinungen  hervor.  Nach  Injektionen 
in  den  Ischiadicus  war  die  Int.  lumbalis  immer  (8  Fälle)  giftig, 
3  Versuche  mit  der  Emulsion  vom  Bulbus  und  von  der  Int.  cervicalis 
blieben  resultatlos.  Nach  subduraler  Injektion  war  in  der  Mehrzahl 
der  Fälle  Gehirn  und  Bulbus  toxisch,  die  Injektion  mit  der  Emulsion 
der  Int.  lumbalis  hingegen  blieb  immer  erfolglos.  Konstant  negative 
Resultate  ergaben  ferner  Injektionen  mit  Aufschwemmungen  von 
lieber  und  Nebennieren.  Im  Gegensätze  hierzu  erwiesen  sich  die 
Nieren  immer  eminent  toxisch. 

Das  Tetanusgift  verbreitet  sich  demnach  in  einer  dem  Wuthgifte 
analogen  Weise  entlang  dem  Nervensystem  und  durch  das  Blut. 
Die  Diffusion  findet  im  auf-  und  im  absteigenden  Sinne  statt  und 
ebensowohl  bei  direkter  Einführung  des  Giftes  in  das  Nervensystem, 
als  auch  wenn  es  in  das  subkutane  Bindegewebe  injizirt  wird.  Das 
langsame  Fortschreiten  der  Diffusion  im  Nervensystem  schliesst  die 
Annahme  aus,  dass  die  Giftigkeit  des  letzteren  nur  einfach  von  jener 
bereits  im  Blute  beobachteten  abhänge.  Das  Tetanusgift  wird,  wenn 
es  in  das  Blut  gelangt  ist,  vom  Organismus  durch  die  Nieren  aus- 
geschieden. Kr  dl  (Prag). 

Boinet,  Edouard,  La  L&pre  ä  Hanoi  (Tonkin).  (Revue  de  M6d. 
X.  1890.  No.  8.  p.  609.) 
In  dem  wenig  bewohnten  Hochlande  und  in  den  Gebirgen  von 
Tonkin  ist  Lepra  selten,  im  Delta  hingegen  häufig  anzutreffen.  Es 
sind  in  der  Nähe  der  dichten  Bevölkerungscentren  des  Landes  mehrere 
Leproserien  vorhanden,  von  welchen  das  Lepradorf  von  Hanoi',  etwa 
2  Kilometer  von  der  gleichnamigen  französischen  Niederlassung  ent- 
fernt, eines  der  merkwürdigsten  Lepraasyle  darstellt.  Hier  leben  die 
Kranken  in  einer  von  undurchdringlichen  Bambushecken  umschlossenen 
and  von  Pfützen  durchzogenen  Niederung  in  engen  Strohhütten  unter 
den  denkbar  schlechtesten  hygienischen  Verhältnissen,  den  Friedhof 
mit  den  nachlässig  mit  Erde  bedeckten  leprösen  Kadavern  in  un- 


16  Lepra.  —  Aktinomykvst. 

mittelbarer  Nähe  ihrer  Wohnstätten.  Verf.  führt  zwei  Fälle  an, 
bei  welchen  die  Uebertragung  der  Lepra  vom  Kadaver  auf  den  ge- 
sunden Menschen  stattgefunden  hatte.  Die  Lepra  erscheint  nur  aus- 
nahmsweise vor  dem  3.  und  entwickelt  sich  selten  mehr  nach  dem 
40.  Lebensjahre.  Nach  den  Angaben  der  Dorfvorstände  und  der  Le- 
prösen sollen  80—90°/«  der  Kinder  von  Leprösen  wieder  leprös 
werden.  Indes  konnte  Verf.  bei  80  genau  beobachteten  Fällen  61- 
mal  die  Abwesenheit  der  Erblichkeit  sicherstellen  und  auch  bei  den 
übrigen  19  Fällen  war  eine  andere  Uebertragungsart  nicht  ausge- 
schlossen, wofür  das  späte  Auftreten  der  Lepra  bei  Kindern  und  ihre 
relative  Immunität,  wenn  sie  rechtzeitig  von  ihren  leprösen  Eltern 
entfernt  werden,  spricht  Fälle  von  kongenitaler,  konzeptioneller  oder 
tardiver  hereditärer  Lepra  kamen  in  Hanoi  nicht  zur  Beobachtung. 
Obzwar  viele  gesunde  Individuen  eine  Reihe  von  Jahren  (ö  Fälle 
durch  8—10  Jahre)  in  engster  Intimität  mit  Leprösen  zusammen- 
lebten, ohne  die  Krankheit  zu  acquiriren,  geht  andererseits  am  einigen 
mitgetheilten  Fällen  eigener  Beobachtung  hervor,  dass  Lepra  Ober- 
tragbar  ist.  Die  Ansteckung  kann  erfolgen  1)  bei  verlängertem 
Aufenthalte  in  einer  Strohhütte,  die  mit  Leprabacillen  aus  den  einge- 
trockneten Sputa,  aus  Epidermisschuppen,  etc.  imprägnirt  ist;  2)  durch 
intimen  Verkehr;  3)  durch  den  Gebrauch  der  annamitischen  Pfeife, 
welche  von  Mund  zu  Mund  geht,  ohne  gereinigt  zu  werden;  4)  durch 
die  Gewohuheit  annamitischer  Mütter,  den  Reis  zu  kauen  und  direkt 
in  den  Mund  ihrer  Säuglinge  zu  schieben;  5)  durch  die  Benützung 
der  Utensilien  von  Leprösen  und  6)  vielleicht  auch  durch  den  Ge- 
nuas des  von  Leprösen  verunreinigten  Wassers. 

Uebertragungsversuche  auf  Affen,  Hunde  und  Ziegen  durch  Ver- 
impf ung  von  Blut,  Eiter  und  Reinkulturen  gaben  negative  Resultate. 
Im  Blute  Lepröser  konnte  der  Leprabacillus  häufig  gefunden  werden, 
besonders  im  Blute  aus  Knoten,  weniger  häufig  im  Blute  aus  der 
normalen  Fingerpulpa.  .Reinkulturen  des  Leprabacillus  auf  Agar 
entwickelten  sich  bei  der  ziemlich  konstanten  natürlichen  Temperatur 
von  30—32°  C  in  circa  6  Tagen.  Die  mikroskopische  Untersuchung 
derselben  Hess  die  verschiedenen  Evolutionsformen  des  Mikroorganis- 
mus sehen. 

Eine  ausführliche  Darstellung  der  verschiedenen  Lepraformen, 
wie  sie  in  Tonkin  vorkommen,  ferner  Vorschläge  von,  den  Lokalver- 
hält uissen  angepassten,  prophylaktischen  Maassnahmen  bilden  den 
Schluss  der  Arbeit.  Kräl  (Prag.) 

Fischer,  W.,  Beitrag  zur  Aetiologie  der  Aktinomykose. 
(Centralbl.  f.  Chirurg.  1890.  No.  22.  p.  413.) 
Ein  ländlicher  Arbeiter  stach  sich  beim  Kauen  eines  Gersten- 
kornes die  Granne  desselben  in  die  Zunge  ein.  Letztere  schwoll  nach 
8  Tagen  an  der  verletzten  Stelle  an,  die  Geschwulst  erreichte  nach 
14  Tagen  Haselnussgrösse  und  wurde  nach  18  Tagen  gespalten.  Der 
in  diskreter  Menge  vorhandene  Eiter  und  die  Granulationen  enthielten 
unzählige  gelbe  Körnchen,  welche  sich  mikroskopisch  als  typische 
Strahlenpilze  erwiesen.  Das  mitentfernte  Grannenfragment  war  vom 
Pilze  durchwachsen  und  auch  die  Grannenstacheln  mit  Pilzdrüseu  be- 


Purpura  haemorrhagica.  ]7 

deckt  Mit  Recht  empfiehlt  Verf.  die  Untersuchung  des  aktin  onko- 
tischen Eiters  auf  etwa  vorhandene  Pflanzentheile,  um  die  Aetiologie 
der  Erkrankung  klar  zu  stellen.  Kral  (Prag). 

Kolb,   M.,    Zur    Aetiologie    der    idiopathischen    Blut- 
fleckenkrankheit (Purpura  haemorrhagica,    Morbus 
maculosus  Werlhofii).    (Arbeiten  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheits- 
amte.   Bd.  VII.  S.  60.) 
Kolb  hatte  Gelegenheit,  5  Fälle  der  genannten  Krankheit  zu 
untersuchen,  von  welchen  3  tödtlich  endigten.    Im  Blute  der  Lebenden 
waren  keine  Bakterien  zu  finden,  dagegen  Hess  sich  in  den  Organen 
der  3—4  Stunden  nach  dem  Tode  obduzirten  Verstorbenen  durch 
Färbung,  Kultur  und  Thierversuch  eine  bestimmte,  nach  den  beweisen- 
den Untersuchungen  des  Autors  als  die  Ursache  der  Krankheit  anzu- 
sehende Bakterienart  ermitteln. 

Sie  besteht  in  ovalen,  etwas  plumpen  Stäbchen  mit  abgerundeten 
Enden,  ohne  Eigenbewegung,  meist  in  Form  von  Diplobacillen  an- 
einanderhängend  und  ab  und  zu  Scheinfaden  bildend.  Im  Thierkörper 
erscheinen  sie  etwas  grösser  und  haben  hier  manchmal  auch  eine 
schwer  färbbare  Kapsel,  welche  in  Kulturen  stets  fehlt.  Sie  wachsen 
auf  den  gebräuchlichen  Nährboden  bei  Zimmer-  und  Körpertemperatur. 
Das  Optimum  liegt  bei  30-36° ;  unter  +  3°  und  über  43°  C  findet 
keine  Entwickelung  mehr  statt;  bei  56,5°  C  gehen  sie  zu  Grunde; 
Sporen  werden  nicht  gebildet.  Die  Aufnahme  der  Anilinfarben  erfolgt 
etwas  langsam,  das  Gram1  sehe  Verfahren  ist  nicht  anwendbar. 

Der  Bacillus,  ein  fakultativer  Aerobe,  bevorzugt  alkalische  Nähr- 
medien und  bildet  auf  Gelatine  den  Typhusbakterienkolonieen  ähn- 
liche, leicht  abhebbare  Ansiedelungen  mit  gebuchteten  und  gezackten 
Randern.  Diese  Lappung  tritt  auf  Blutserum  und  Agar  zurück.  Auf 
Kartoffeln  entsteht  ein  weisser,  feucht  glänzender,  leicht  abhebbarer 
Streifen.  Flüssiges  Blutserum  und  Bouillon  trüben  sich  bald ;  letztere 
wird  in  der  Folge  unter  Abscheidung  eines  Bodensatzes  wieder  klar. 
Thierversuche  machte  Verf.  im  Ganzen  405.  Bei  den  empfäng- 
lichen Thieren  erfolgte  Blutaustritt  in  die  verschiedensten  Organe. 
Zu  jenen  gehören  Hunde,  weisse  und  Feld-Mäuse  und  namentlich  Ka- 
ninchen, während  Meerschweinchen  fast  und  Tauben  ganz  refraktär 
sich  verhalten.  1  Tropfen  Bouillonkultur  tödtet  Mäuse  nach  2—3 
Tagen;  im  Blute  und  in  den  Organen,  besonders  in  der  Milz  und 
Leber,  dagegen  selten  in  den  Lungen  werden  die  Bacillen  in  grosser 
Menge  gefunden.  Kaninchen  erkranken  nach  intraabdomineller  In- 
jektion von  '/* — 1  <Hm  und  sterben  von  mehr  als  1  cem  Bouillon- 
kultur binnen  1—3  Tagen  mit  charakteristischen  Blutaustritten. 
Hunde  bekommen  auf  0,3—1  cem  hämorrhagische  Infektion  und  er- 
liegen derselben  nach  Einverleibung  von  2  cem  der  Kulturen.  Ihre 
Virulenz  scheint  vom  10.  Tage  an  allmählich  abzunehmen,  sie  kann 
jedoch  durch  Impfung  auf  Feldmäuse  ihren  ursprünglichen  Grad,  ja 
noch  in  gesteigertem  Maasse  erreichen. 

Auch  Injektionen  von  Kulturen,  welche  durch  Erwärmen  auf 
57,5°  C  oder  Filtriren  durch  Thonzellen  keimfrei  gemacht  sind,  tödten 
in  einer  Dosis  von  0,3—0,5  cem  Mäuse  und  von  3  cem  Kaninchen 

Z.B4.  % 


Ig  Pemphigus  —  Fanu. 

unter    den    gleichen  pathologisch-anatomischen    Erscheinungen    wie 
keimhaltige. 

13  gut  gelungene  photographische  Abbildungen  des  hämorrhagisch 
erkrankten  Hautorgans  zweier  Versuchsthiere,  von  Ausstrich-  und 
Schnittpräparaten,  sowie  von  2  Platten-  und  1  Strichkultur  vervoll- 
ständigen die  Arbeit.  Das  Photogramm  der  letzteren  zeichnet  sich 
durch  das  Fehlen  aller  störenden  Reflexe,  die  oft  nicht  leicht  zu  ver- 
meiden sind,  aus.  Heim  (Würzburg). 

Faber,  Knud,  üeber  den  akuten  kontagiösen  Pemphigus. 
(Monatshefte  f.  prakt  Dermatologie.  Bd.  X.  1890.  S.  253.) 
Faber  hatte  Gelegenheit,  eine  kleine  Endemie  des  Pemphigus 
acutus  neonatorum  in  Kopenhagen  zu  beobachten,  welche  da- 
durch interessant  war,  dass  als  Infektionsquelle  eine  erwachsene  Person 
cruirt  werden  konnte.  Die  Mutter  des  zuerst  angegriffenen  Kindes 
hatte  drei  Tage  vor  der  Erkrankung  desselben  einen  Ausschlag  auf 
einer  Wage  bekommen,  der  als  Impetigo  contagiosa  diagnosti- 
zirt  wurde.  Ausser  ihrem  eigenen  Kinde  hatte  sie  auch  das  zweite, 
ebenfalls  zuerst  auf  dem  Kinn  angegriffene,  kurz  vor  dessen  Erkran- 
kung gesäugt  und  das  dritte  Kind  lag  im  Bett  nebenan.  Der  Zu- 
sammenhang zwischen  der  Krankheit  der  Mutter  und  der  Kinder 
wurde  noch  klarer,  als  das  zweite  Kind,  nachem  es  zu  seiner  eigenen 
Mutter  zurückgekommen  war,  bei  dieser  gleichfalls  eine  Impetigo 
contagiosa  hervorrief.  Verf.  kommt  daher  zu  dem  Schluss,  dass 
der  Unterschied,  der  zwischen  dem  Pemphigus  neonatorum  und 
der  Impetigo  contagiosa  gemacht  wird,  unberechtigt  ist;  „es  ist 
dieselbe  Krankheit,  die  nur  in  den  verschiedenen  A eiteren  mit  verschie- 
denem Habitus  auftritt.14  Die  bakteriologische  Untersuchung  des  In- 
halts einer  noch  ganz  frischen  Blase  ergab  den  Staphylococcus 
pyogen  es  aureus  und  eine  andere,  bedeutend  kleinere,  für  Mause 
nicht  pathogene  Staphylokokkenart,  die  auch  auf  den  Menschen  über- 
tragen, keine  Reaktion  hervorrief.  Beide  Bakterienarten  sind  selbst- 
verständlich, wie  Verf.  hervorhebt,  für  die  Aetiologie  des  Prozesses 
bedeutungslos,  so  dass  also  für  den  Augenblick  die  Ursache  des  an- 
steckenden Pemphigus  noch  nicht  nachgewiesen  ist 

Ledermann  (Breslau). 

Morris,  Malcolm,  An  extensive  case  of  favus.  (The  Brit 
Journ.  of  dermatology.  1891.  April.) 
Morris  berichtet  ausführlich  über  einen  Fall  von  ausgedehntem 
Favus,  bei  welchem  der  zum  grossen  Theil  der  Haare  beraubte  Kopf, 
der  Rücken,  die  Hand-  und  Fussnägel  mit  den  charakteristischen 
Scutulis  besetzt  waren.  Die  Kranke  starb  an  Phthisis.  Auffallend 
ist  erstens  die  hochgradige  Nagelerkrankung,  die  zu  völligem 
Schwund  der  Hornsubstanz  geführt  hatte,  sodann  die  schnelle  Aus- 
breitung des  seit  14  Jahren  bemerkten,  jedoch  ziemlich  stabil  ge- 
bliebenen Prozesses  in  den  letzten  zwei  Monaten  zugleich  mit  dem  Ein- 
setzen der  akuten  Phthise.  Zum  Schluss  macht  Verf.  auf  das  seltene 
Vorkommen  von  Favus  in  London  aufmerksam  und  zählt  die  in  den 
letzten  Jahren  dort  beobachteten  Fälle  auf.  Ledermann  (Breslau). 


öhrerkimDkuogtn  und  Diphtherie.  19 

Moos,  S.,  Histologische  and  bakteriologische  Unter- 
suchungen über  Mittelohrerkrankungen  bei  den 
verschiedenen  Formen  der  Diphtherie.  (S.-A.  a.  d. 
Zeitschr.  f.  Obrenheilknnde.  Bd.  XX.)  8°.  30  S.  8  Tafeln.  Wies- 
baden 1890. 

Verf.  führt  aus,  dass  die  primäre  Bachendiphtherie  seltener  mit 
Affektionen  des  Mittelohrs  komplizirt  ist,  als  die  Scharlachdiphtherie; 
dass  ferner  bei  letzterer  die  Mittelohraffektionen  häufiger  doppelsei- 
tig, bei  der  primären  Rachendiphtherie  häufiger  einseitig  sind;  end- 
lich, dass  Parotitis  bei  der  primären  Rachendiphtherie  höchst  selten 
vorkommt  Nach  den  Beobachtungen  des  Verf.'s  kann  diphtherische 
Mittelohraffektion  längere  Zeit  bestehen  ohne  manifeste  Symptome, 
ohne  Eiterung,  ohne  Perforation  u.  s.  w.  Die  Dauer  der  Krankheit 
aber  beträgt  in  den  mit  Tod  endenden  Fällen  durchschnittlich  6,1  Tage. 
Bei  den  angedeuteten  Verschiedenheiten  im  Verlaufe  der  genui- 
nen und  der  Scharlachdiphtherie  bezüglich  der  Ohrerkrankungen 
suchte  M.  festzustellen,  ob  und  welcher  anatomischer  Unterschied 
zwischen  beiden  bestände,  und  ob  dieselben  durch  verschiedene  Mikro- 
organismen hervorgerufen  würden.  Er  machte  6  Sektionen  an  Diph- 
therie mit  Ohraffektionen  zu  Grunde  gegangener  Kinder,  von  denen 
je  3  an  Diphtherie  bezw.  Scharlach  gelitten  hatten.  Von  den  3  Diph- 
therischen waren  2  5  Jahre,  1  3  Jahre  5  Monate  alt;  sie  waren  2, 
6  bezw.  8  Tage  krank  gewesen;  von  den  3  Scharlachkranken  waren 
2  1  Jahr  10  Monate,  das  dritte  7  Jahre  alt,  sie  waren  5,  18  bezw. 
38  Tage  krank  gewesen. 

Der  äussere  Gehörgang  war  in  allen  Fällen  frei,  das  Trommel- 
fell nicht  perforirt,  jedoch  serös  durchfeuchtet,  glanzlos,  die  Schleim- 
haut desselben  in  3  Fällen  injizirt.  Der  Binnenraum  der  Pauken- 
höhle enthielt  in  2  Fällen  eine  gelbgrünliche,  trübe  Flüssigkeit, 
welche  abgestossenes  Epithel  und  Körnchenzellen  enthielt.  In  einem 
Fall  von  nekrotischer  Scharlachangina  bestand  Nekrose  der  knorplig- 
häutigen Tuba.  In  der  Schleimhaut  der  Labyrinthwand  sah  M.  schon 
vom  2.  Tage  an  die  Blutgefässe  grossentheils  strotzend  mit  Blut  ge- 
fallt, hier  und  da  durch  Einwirkung  der  in  allen  Fällen  vorhandenen 
Mikrokokken  nekrotisch  und  in  Folge  dessen  kleinere  und  grössere 
Blutungen.  Die  ganze  Dicke  der  Schleimhaut  war  durchsetzt  von 
einem  Netz  von  Fibrin,  dessen  Maschen  infiltrirt  waren  mit  Leuko- 
cyten.  Diese  verwandeln  sich  des  Weiteren  in  Körnchenkugeln,  zer- 
fallen theil weise  oder  verfallen  der  hyalinen  Degeneration.  Eine 
Pseudomembran  auf  der  Schleimhaut  der  Labyrinthwand  fand  sich 
nur  in  einem  von  den  6  Fällen.  Dagegen  zeigten  die  knöchernen 
Theile  der  letzteren  und  die  Binnenmuskeln  des  Ohrs  tiefgreifende 
Veränderungen. 

An  Mikroorganismen  fand  M.  mikroskopisch  —  von  Züchtungs- 
versuchen erwähnt  er  nichts  —  keine  Bacillen,  sondern  nur  „Mikro- 
kokken und  Streptokokken14,  und  zwar  ganz  gleichartig  bei  genuiner 
wie  bei  Scharlachdiphtherie.  Bei  septischer  Diphtherie  waren  die- 
selben nur  in  grösserer  Verbreitung  vorhanden. 

Bei  der  sogenannten  Scharlachdiphtherie  wird  uns  das  nicht 
wundern,  da  ja  diese  überhaupt  durch  Streptokokken  erzeugt  wird. 

8* 


20  UntersttcbttngsmeJli.Mlen,  Iu»tram«at6  etc. 

Das  gleiche  Verhalten  bei  genuiner  Diphtherie  erklärt  M .  wohl  mit 
Recht  durch  die  Erfahrung,  dass  die  spezifischen  Bacillen  sich  im 
Organismus  von  der  Infektionsstelle  aus  nicht  weiter  verbreiten, 
während  die  sekuudär  eingewanderten  Mikrokokken  dies  thun. 

Kine  historische  Uebersicht  über  die  Veröffentlichungen,  be- 
t  reffend  den  Diphtheriebacillus,  ein  Litteraturverzeichniss  und 
12  vorzügliche  Lithographieen,  die  M/s  mikroskopische  Befunde  er* 
läutern,  vervollständigen  die  lesenswerthe  Studie. 

M.  Kirchner  (Hannover). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Hlppins,  Ein  Apparat  zum  Sterilisiren  der  Milch  im 
Hause.  (Berlin,  klinische  Wochenschrift.  1890.  No.  45.) 
Der  Wunsch,  die  mit  der  Handhabung  des  Soxblet' sehen  Appa- 
rates verbundene  Unbequemlichkeit  und  Arbeit  zu  vermeiden,  hat  den 
Verf.  zur  Konstruktion  eines  Milchsterilisirungsapparates  geführt,  die 
auf  dem  gleichen  Prinzip  beruht,  wie  der  vom  Ref.  angegebene.  Die 
Milch  befindet  sich  in  einem  1  Liter  fassenden  bitnförmigen  Gefäss  aus 
Glas,  das  unten  einen  mit  Glashahn  verschliessbaren  Aüsfluss,  oben 
eine  weite  Oeffnung  besitzt  Dieselbe  ist  durch  einen  luftdicht  scblies- 
senden  Deckel  verschlossen,  der  in  einem  abwärts  gekrümmten  Glas- 
rohr ein  Wattefilter  trägt  Der  ganze  Apparat  steht  in  einem  Blech- 
gestell und  ist  ausserdem  nur  mit  2  Saugflaschen  und  4  Saugern 
ausgerüstet.  Die  Sterilisirung  soll  nicht  im  Wasserbad,  sondern  über 
freiem  Feuer  geschehen,  wobei  durch  Einsetzen  eines  Soltmann- 
schen  Rückflusskühlers  das  Ueberkochen  der  Milch  verhindert  werden 
soll.  Das  Ganze  macht  den  Eindruck  eines  kostspieligen  und  kom- 
plizirten  Laboratoriumversuches,  dürfte  aber  für  die  Sterilisirung  im 
Hause,  abgesehen  von  anderen  Mängeln,  viel  zu  kostspielig  und  zu 
zerbrechlich  sein.  Escherich  (Graz). 


Litten,  M.9  Die  Centrifuge  im  Dienste  der  klinischen 
Medicin.  (Deutsche  med.  Wochenschrift  1891.  No.  23.) 
Litten  berichtet  über  die  Resultate,  welche  unter  Anwendung 
einer  von  Stenbeck  konstruirten  Handcentrifuge  bei  der  Unter- 
suchung verschiedener,  besonders  pathologischer  Körperflüssigkeiten 
erzielt  wurden.  In  bakteriologischer  Hinsicht  erwähnt  er,  dass  diese 
Methode  für  die  Auffindung  vereinzelter  Tuberkelbacillen  im  Urin  etc. 
mit  V  ortheil  zu  verwenden  sei.  Für  die  Untersuchung  des  Harns 
auf  anderweitige  Bakterien  hat  das  Verfahren  noch  den  besonderen 
Vorzug,  dass  man  eine  Vermehrung  etwaiger  nachträglich  in  den 
Urin  gelangter  Mikroben,  welche  sich  sonst  im  stehenden  (sedimen- 
tirenden)  Urin  reichlich  entwickeln,  vermeidet,  da  meist  schon  ein 


fiehutnmpftiDg,  kftnsti.  Infektionskrankheiten,  fentwickelungsheknmüng  etc.        21 

einmaliges  Centifugiren  von  3  Minuten  Dauer  genügt,  um  sämmtliche 
körperliche  Elemente  auszufällen.  In  Urinen,  welche  mittelst  vorher 
ausgeglühten  Katheters  entleert  wurden,  konnte  L.  öfters  durch  mikro- 
skopische Untersuchung  des  mittelst  der  Centrifuge  erhaltenen  Sedi- 
mentes Mikroorganismen  in  reichlicher  Menge  nachweisen.  Speziellere 
Thatsachen  sollen  später  mitgetheilt  werden.  Die  Angabe  von 
Bizzozero,  dass  sich  in  frisch  gelassenem  Harn  nicht  selten  Sac- 
charomyces  finde,  konnte  L.  nicht  bestätigen.  Auch  ttir  die 
Untersuchung  von  pleuritischen  Exsudaten  —  namentlich  der  fibrin- 
reichen, rasch  erstarrenden,  aus  welchen  man  durch  Centrifugiren  die 
corpusculären  Elemente  noch  vor  der  Gerinnung  ausfällen  kann  — 
von  Cystenflössigkeiten  u.  s.  w.  empfiehlt  Verf.  das  von  ihm  ge- 
schilderte Verfahren.  R.  Stern  (Breslau). 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Horwitz,  Orville,  Apparent  antagonism  between  the 
Streptococci  of  Erysipelas  and  Syphilis.  (Philadelphia 
Med.  News.  No.  949.  1891.  p.  324.) 

Verf.  berichtet  über  2  Fälle  von  Syphilis,  die  der  spezifischen 
Behandlung  eine  längere  Zeit  widerstanden,  dann  aber  nach  dem 
Auftreten  eines  zufällig  acquirirten  Erysipels  rasch  der  Heilung  zuge- 
führt wurden.  Bei  dieser  Heilung  oder  zum  mindesten  Virulenz- 
modifikation der  Syphilis  durch  die  Invasion  mit  Erysipel  scheint 
ein  gewisser  ähnlicher  Antagonismus  zwischen  den  Mikroben  der 
beiden  Krankheiten  zu  bestehen,  wie  er  zwischen  dem  Fried I  an- 
der1 sehen  Pneumobacillus  und  dem  An  thraxbacillus 
und  zwischen  anderen  Mikroorganismen  vorhanden  ist 

Kr41  (Prag). 

Bombieci,  CL,  Sulla  resistenza  alla  putrefazione  del 
virus  tetanico.    (La  Riforma  med.  1890.  No.  227.  p.  1360.) 

Die  Ergebnisse  seiner  Untersuchungen  über  die  Widerstands- 
fähigkeit des  tetanischen  Virus  gegen  Fäulnissprozesse  führen  Verf. 
zu  den  nachfolgenden  Schlüssen. 

Der  Tetanusbacillus  widersteht  der  Fäulniss  sehr  lange, 
mag  sie  an  der  Luft,  im  Wasser  oder  in  der  Erde  vor  sich  gehen. 
Die  Widerstandsfähigkeit  ist  bei  einer  etwas  höheren  und  konstanten 
Temperatur  grösser;  sie  war  geringer,  wenn  am  Beginne  des  Ver- 
suches eine  sehr  niedrige  Temperatur  herrschte.  Zunächst  findet  im 
Fäulnissherde  eine  Vermehrung  der  Tetanusbacillen  statt,  die  später 
sistirt;  dann  werden  nur  mehr  Sporen  gefunden  und  schliesslich  lässt 
sich  das  Vorhandensein  des  Mikroorganismus  durch  kein  Mittel  mehr 
nachweisen.  Daneben  geht  gleichzeitig  eine  graduelle  Abschwächung 
und  der  endliche  Verlust  der  Virulenz  des  Tetanusbacillus 
einher.     Bei  der  Fäulniss  unter  der  Erde  gelangen   die  Bacillen, 


22        dchotsimpfang,  kBnttt.  Infektionskrankheiten,  £ntwickelang»Deaunitng  etc. 

wenn  sie  im  Fäulnissherde  verschwunden  sind,  in  das  benachbarte 
Erdreich,  was  mit  vieler  Wahrscheinlichkeit  eher  einer  Vermehrung 
der  Tetanusbacillen  daselbst,  als  einem  Transporte  durch  Filtrations- 
wässer zugeschrieben  werden  könnte.  Dieser  (Jebertritt  der  Tetanus- 
bacillen aus  dem  Fäulnissherde  in  die  Nachbarschaft  wurde  unter 
Sand  nie  beobachtet.  Die  Infektion  des  Bodens  liesse  sich  demnach 
durch  das  Begraben  tetanischer  Kadaver  im  Sand  wesentlich  be- 
schränken. Kräl  (Prag). 

BombiccI,  L.,  Della  disinfezione  degli  ambienti  infetti 
da  virus  tetanico.  (La  Biforma  med.  1890.  No.  234.  p.  1400.) 
Tetanussporen  werden  von  Kalkmilch  nicht  abgetödtet  und 
schwefelige  Säure  bewirkt  nur  eine  Abschwächung  derselben.  Da- 
gegen üben  Chlorgas,  käuflicher  Chlorkalk  und  Steinkohlentheer  eine 
kräftige  desinfizirende  Wirkung  auf  Tetanussporen  aus.  Chlorkalk 
verliert  durch  Versetzen  mit  Kalkmilch  nichts  von  seinem  desinfizi- 
renden  Vermögen. 

Verf.  empfiehlt  daher  zur  Desinfektion  von  mit  Tetanusvirus  in- 
fizirten  Räumen  und  zwar  für  die  atmosphärische  Luft  nascireudes 
Chlorgas,  für  Mauerwände  Chlorkalk  10,  Wasser  100;  oder  besser 
Chlorkalk  10,  Aetzkalk  25,  Wasser  100,  da  diese  Mischung  gleich- 
zeitig als  Dcsinfektions-  und  als  Tünchmittel  dienen  kann,  und 
schliesslich  für  Holzwände  den  Steinkohlentheer.        Kräl  (Prag). 

CantanI,  A»,  Süll'  antisepsi  intestinale.  (Giorn.  intern, 
deile  scienze  med.  1890.  Fase.  19.  p.  741.) 
Die  im  Darmkanal  des  lebenden  Organismus  angesiedelten  patho- 
genen  Mikroorganismen  können  daselbst  wohl  nur  in  den  seltensten 
Fällen  durch  chemische  Agentien  abgetödtet  werden,  es  dürfte  indes 
genügen,  sie  an  ihrer  Vermehrung  zu  hindern  oder  sie  abzuschwächen. 
Dies  wurde  durch  Einführung  verschiedener  Antiseptika  per  os  und 
per  anum  zu  erreichen  versucht.  Auf  ersterein  Wege  konnten  nur 
solche  Stoffe  eingeführt  werden,  die  im  Magen  keine  Verände- 
rungen erleiden,  aber  auch  wegen  ihrer  Unlöslichkeit  auf  die  Darm- 
wandungen und  die  Mucosa  keine  desinfizirende  Wirkung  ausüben, 
während  die  flüssigen  absorbirbaren  Desinfektionsmittel  ihrer  Giftig- 
keit halber  bloss  in  kleinsten  Mengen  anwendbar  sind  und  kaum  un- 
zersetzt  dorthin  gelangen,  wo  sie  wirken  sollen.  Der  letztere  Weg 
ist  der  nächste  und  kürzeste.  Mittelst  Enteroklyse  kann,  entsprechend 
der  Höhe  der  Flüssigkeitssäule,  das  Desinfiziens  bis  in  den  Magen 
getrieben  werden  und  in  allen  Theilen  des  Darmkanals  seine  volle 
Wirksamkeit  entfalten.  Es  stellte  sich  heraus,  dass  neben  anderen 
mehr  oder  weniger  wirksamen  Stoffen  die  Gerb-  und  die  Phenyl- 
säure  die  zweckentsprechendsten  Desinfektionsmittel  sind.  Insbe- 
sondere die  Gerbsäure  kann  in  solchen  Mengen  und  Konzentrations- 
graden angewendet  werden,  wie  es  per  os  unthunlich  wäre.  Sie  hebt 
die  vegetative  Thätigkeit  der  Bakterien  auf  und  macht  gleichzeitig 
die  von  ihnen  erzeugten  Gifte  unschädlich.  Kommabacillen  in  Fleisch- 
brühe bei  37°  werden  von  einer  0,5  ü/0  Gerbsäurelösung  in  der  Eut- 
wickelung  gehindert  und  der  grösste  Theil  derselben  binnen  6  Stunden 


Sdrataimpfang,  kttnatl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelung&heintnting  etc.         23 

abgetödtet,  von  einer  1,50|0  Lösung  schon  nach  1  V2  Stunden.  Eine 
sterilisirte  Kommabacillenbouillonkultur  bringt  beim  Hunde,  intraperi- 
toneal injizirt,  Vergiftungserscheinungen  hervor.  Das  Thier  bleibt  ge- 
sund, wenn  die  Kultur  mit  0,6%  Gerbsäure  versetzt  worden  war. 
Wahrscheinlich  gehen  die  Gifte  unschädliche  Tanninverbindungen  ein. 
Gegen  Darmkatarrhe  mit  Diarrhöe  und  gegen  Dysenterie  bildet 
die  Tanninenteroklyse  ein  vorzügliches  Mittel.  Sie  scheint  im  Initial- 
stadium bei  Ileotyphus  ähnlich  wie  die  Salzsäure-  und  die  Phenyl- 
säureenteroklyse  abortiv  zu  wirken.  Kr 41  (Prag). 

Linossier,  6L,  Action  de  l'acide  sulfureux  sur  quelques 
Champignons  införieurs  et  en  particulier  surles  le- 
vüres  alcooliques.  (Annales  de  l'lnstitut  Pasteur.  Tome  V. 
1891.  No.  3.  p.  171.) 

Die  Giftigkeit  der  schwefligen  Säure  ist  sehr  verschieden,  nicht 
nur  den  verschiedenen  Organismen  gegenüber,  sondern  auch  bei  der- 
selben Spezies  nach  der  Zeitdauer  der  Einwirkung,  der  Temperatur, 
der  chemischen  Zusammensetzung  des  Substrates,  in  welchem  die 
Einwirkung  stattfindet;  sie  variirt  mit  dem  Alter  des  betreffenden 
Organismus,  mit  der  individuellen  Widerstandsfähigkeit  jeder  einzelnen 
Zelle,  und  diese  Widerstandfohigkeit  ist  oft  sogar  bei  Zellen  derselben 
Züchtung  eine  sehr  verschiedene.  Doch  gibt  es  für  jede  Art,  unter 
gleichen  Versuchsbedingungen,  Dosen,  welche  nie  tödten,  solche,  welche 
manchmal  tödten,  und  solche,  welche  immer  tödten;  die  letzteren 
wurden  vom  Verf.  bestimmt. 

Er  benutzte  Lösungen  von  schwefliger  Säure  in  destillirtem 
Wasser,  welche  im  Liter  600,  200,  100,  40,  20,  10,  4  und  2  ccm 
Gas  enthielten.  Auf  100  ccm  jeder  dieser  Lösungen  gab  er  1  ccm 
einer  Reinkultur  des  zu  untersuchenden  Pilzes.  Nach  verschiedeneu 
Zeiträumen  wurden  Tropfen  herausgenommen  und  in  eine  der  Art 
des  betreffenden  Pilzes  zusagenden  Nährlösung  gegeben,  um  hier  das 
etwaige  Wachsthum  zu  beobachten.  Die  Versuche  wurden  mit  den 
folgenden  Pilzen  angestellt: 

Eine  Bierunterhefe,  zwei  Hefen  von  Trauben,  drei  Hefen  von  Erd- 
beermost, eine  Hefe,  welche  von  Duclaux  Mycolevüre  genannt  ist,  zwei 
Varietäten  vonMycoderma  viui,  der  Soorpilz  und  Aspergillusniger. 

Er  erhielt  die  folgenden  Resultate: 

Eine  Lösung,  die  ein  Fünftel  ihres  Volums  an  schwefliger  Säure 
enthält,  tödtet  die  obengenannten  Arten  innerhalb  einer  Viertelstunde, 
mit  Ausnahme  des  Soorpilzes;  bei  diesem  bedarf  man  nämlich  dazu 
500  ccm  im  Liter. 

Eine  zehnstündige  Einwirkung  wirkt  auf  alle  die  angeführten 
Arten  tödtlich,  wenn  die  Lösung  im  Liter  100  ccm  schweflige  Säure 
enthält 

Wenn  die  Einwirkung  24  Stunden  dauert,  sind  nur  noch  40  ccm 
der  Säure  auf  den  Liter  nöthig,  um  die  Arten  zu  tödten,  mit  Aus- 
nahme einer  der  Varietäten  von  Mycoderma  vini,  das  100  ccm  be- 
darf. Wie  Verf.  selbst  hervorhebt,  gelten  die  angeführten  Zahlen 
nur  für  die  angegebenen  Versuchsbedingungen. 

Emil  Chr.  Hansen  (Kopenhagen). 


24        8cbutslmpfung,  kttnsti.  Infektionskrankheit«^  Entwieketnngsnei&iDiliig  etc« 

Billings,  Frank  S.9  Preventive  inoculation.  (The  Times 
and  Register.  Vol.  XXL  1890.  No.  9.) 
Der  Aufsatz  zerfällt  in  zwei  Theile:  experimentelle  Impfung 
und  Schutzimpfung.  Der  zweite  Theil  fasst  die  bisherigen  Ergeb- 
nisse der  verschiedenen  Schutzimpfungen  zusammen  und  bietet  nichts 
wesentlich  Neues.  Der  erste  Theil  dagegen  zeugt  von  einer  so  eigen- 
tümlichen Auffassung  der  Bakteriologie,  dass  man  entweder  an- 
nehmen muss,  der  Verfasser  habe  sich  nicht  eingehend  mit  Bak- 
teriologie beschäftigt,  oder  dass  seine  Thierexperimente  nicht  recht 
geglückt  seien  und  ihn  dies  zu  solchen  Behauptungen  geführt 
habe.  Wenn  der  Verf.  das  Wort  kontagiös  so  erklärt,  „dass  das- 
selbe logisch  gesprochen  nur  das  In  -  Berührung  -  Kommen  mit  einem 
ansteckenden  Element  ohne  Rücksicht  auf  dessen  Ursprung  be- 
deutet", so  dürfte  er  mit  seiner  Definition  ziemlich  allein  stehen. 
Der  Verfasser  nimmt  einen  ganz  eigentümlichen  Standpunkt  ein, 
wenn  er  schreibt:  „Ein  moderner  Schriftsteller  sagt,  dass  der 
ausschlaggebende  Beweis  der  Kontagiosität  der  Tuberculose  erst 
erhalten  wurde,  als  die  Erfolge  der  Impfung  von  Kaninchen 
und  Meerschweinchen  bekannt  wurden.  Unsinn  1  Der  ausschlag- 
gebende Beweis  ist  der  Erfolg  der  Berührung  zwischen  gesunden 
und  kranken  Individuen  der  Art,  bei  welcher  die  Krankheit  natür- 
licherweise auftritt  oder  auf  natürlichem  Wege  durch  Zufall  über- 
tragen wird.  Nach  diesen  absurd  unlogischen  Beobachtern  patho- 
logischer Erscheinungen  würde  die  Syphilis  nicht  kontagiös  sein, 
weil  sie  nicht  durch  Impfung  auf  Hausthiere  übertragbar  ist" 
Ebenso  merkwürdig  ist  die  Ansicht,  „dass  eine  exogene  Krankheit 
eine  solche  ist,  welche  beständig  den  Ort  ihres  ersten  Ursprungs 
nicht  in,  sondern  ausserhalb  eines  thierischen  Organismus  fin- 
det, also  in  der  Erde  etc."  Eine  Krankheit,  die  in  der  Erde 
beginnt  und  dann  sich  auf  Thiere  überträgt,  dürfte  wohl  noch  un- 
bekannt sein.  Migula  (Karlsruhe). 

Stepp,  Ueber  die  Chloroformbehandlung  des  Typhus. 
(Münchner  med.  Wochensch.  1890.  No.  46.) 

Verf.  hat  18  Fälle  von  Typhus  durch  innerliche  Dareichung  des 
Chloroforms  (1,0 :  150,0  in  3  Theilen  täglich)  behandelt  und  glaubt 
dadurch  jedesmal  die  Krankheit  günstig  beeinflusst  zu  haben.  Er 
erreichte  Abnahme  der  Somnolenz  und  Delirien,  Reinigung  der  Zunge, 
Besserung  des  Allgemeinbefindens  und  Abkürzung  des  Fieberstadiums, 
dessen  Dauer  bei  dieser  Behandlung  in  dem  schwersten  Fall  19,  in 
dem  günstigsten  nur  8  Tage  betrug.  Unangenehme  Nebenwirkungen 
des  Mittels  hat  Verf.  niemals  gesehen,  wie  ja  auch  die  verabreichte 
Dose  zu  klein  war,  um  Schaden  anzurichten. 

Verf.  nimmt  an,  dass  das  Chloroform  den  Körper  unzersetzt 
passirt  und  auf  seinem  Wege  in  demselben  Gelegenheit  findet,  die 
Typhusbacillen  vermöge  seiner  antibakteriellen  Eigenschaften  un- 
mittelbar zu  schädigen.  Kubier  (Oldenburg). 


fektoriol.  Tom  St.  intertutftonaitii  medidoUehtn  ttongretM  tu  Berlin.  25 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 


Bakteriologisches  vom  X.  internationalen  medicinischen 
Kongresse  zn  Berlin,  4.-9.  August  1890. 

(SchlllM.) 

Ans  den  Abtheüungs-Sitzungen. 

VIU.  Abtheilung:  ftebartohfllfe  and  Gynäkologie 

Herr  Sein  (Kiew),  Asepsis  oder  Antisepsis  bei  Lapara- 
tomieen? 

Die  Hauptaufgabe  der  moderneu  Prophylaxe  besteht  darin,  die 
Sterilität  der  Wunde  zu  erreichen.  Ebenso  müssen  alle  Gegenstände, 
welche  mit  der  Wunde  in  Berührung  kommen,  sterilisirt  werden,  wozu 
sich  am  besten  gespannter  Dampf  von  110—120°  C  eignet  Sterili- 
sirtes  Wasser  ist  in  den  Krankenhäusern  mit  centraler  Wasser- 
heizüng  vorhanden  und  kann  direkt  den  Leitungsröhren  entnommen 
werdeu,  überdies  wird  es  an  der  Klinik  des  Vortr.  noch  durch  ein 
Paste ur-Chamberl an d'sches  Filter  filtrirt.  Durch  lang  an- 
dauerndes Waschen  der  Luft  des  Operationszimmers  mit  stark  zer- 
streutem Strahl  aus  der  Wasserleitung  kann  der  Keimgehalt  der 
Luft  beträchtlich  vermindert  werden.  Einmal  wurden  auf  den  während 
einer  halben  Stunde  vor  der  Operation  exponirten  Platten  gar  keine 
und  auf  den  während  der  Operation  exponirten  nur  eine  einzige 
Kolonie  erhalten.  Die  in  letzter  Zeit  vorgenommene  systematische 
Durchspülung  des  Operationsraumes  scheint  die  Luft  fast  sicher  von 
Bakterien  zu  befreien. 

Mit  solchen  Maassregeln  können  sterile  Wunden  erzielt  werden. 
Aus  den  exzidirten  Gewebsstücken  wurden  Röhrchen-  und  Platten- 
kulturen auf  den  verschiedenen  Nährböden,  meistenteils  nach  Be- 
endigung der  Operation  angelegt,  wobei  begreiflicherweise  nicht  immer 
alle  bakteriologischen  Kautelen  beobachtet  werden  konnten.  Trotzdem 
erwiesen  sich  in  4  von  7  Fällen  die  Gewebe  aus  der  Bauchwunde 
als  vollkommen  steril.  Blut  und  Blutgerinnsel,  die  mit  dem  Schwämme 
aus  dem  Grunde  des  Douglas9 sehen  Raumes  herausgeholt  wurden, 
zeigten  sich  in  5  von  10  Fällen  ebenfalls  steril.  Ausserdem  unter- 
suchte Vortr.  noch  Ascitesflüssigkeit,  Thromben  aus  dem  torquirten 
Theile  der  Cyste  etc.,  schliesslich  auch  Stückchen,  die  von  der  Schnitt- 
flache des  Stieles  stammten  und  sich  in  6  von  9  Fällen  steril  er- 
lesen. (Vortr.  demonstrirt  verschiedene  bisher  steril  gebliebene  Ge- 
webe aus  der  Bauchwunde  und  der  Bauchhöhle.) 

Den  bakteriologischen  Resultaten  entsprechen  die  klinischen  Be- 
obachtungen an  87  nach  diesen  Prinzipien  ausgeführten  Laparotomien : 
Mortalität  2,2°/o»  Morbidität  (d.  h.  Fieber  über  38°)  22,7  •/, . 


2(J  Bakteriol.  vom  X.  JDt«r»a|ioiiAl«n  nM4iciniac)i6ii  &oagrttn  tu  ttartb. 

Die  rationellste  Prophylaxe  der  Wunde  sollte  demnach  eigentlich 
weder  als  aseptische  noch  als  antiseptische  Methode  angesehen  werden, 
sondern  wäre  besser  als  Sterilisationsmethode  der  Wund- 
behandlung zu  bezeichnen.  Weil  aber  sterile  Luft  bisher  nicht 
sicher  beschaffbar  ist,  darf  wohl  in  der  Qberwiegenden  Mehrzahl  der 
Fälle  von  der  Einführung  massiger  Quantitäten  von  Desinfektions- 
mitteln in  die  Wunde  noch  nicht  völlig  Abstand  genommen  werden. 

XVII.  Abtheilung:  Gerichtliche  Medieln. 

Herr  Kratter   (Innsbruck),    Ueber    die    Bedeutung    der 
Ptomalne  für  die  gerichtliche  Medicin. 

Vortr.  prüfte  das  Verhalten  von  Strychnin  gegen  Kadaverextrakte 
(Selmi'sche  Ptomalne)  und  faud,  dass  der  Strychninnachweis  durch 
dieselben  nicht  gestört  wird.  Es  konnte  aus  Leichenteilen  von  nach 
3  Monaten  exhumirten  Kadavern,  mit  denen  es  vermengt  wurde,  rein 
abgeschieden  werden. 

Die  bahnbrechenden  Arbeiten  Brieger's  haben  der  Lehre  von 
den  Ptomalnen  eine  ganz  neue  Richtung  gegeben.  Während  die 
Selmi 'sehen  Ptomalne  Körper  von  unbekannter  Zusammensetzung 
sind,  hat  er  chemische  Individuen  aus  Leichen  abgeschieden  und 
deren  Eigenschaften  festgestellt  Vortr.  konnte  aus  1625  g  4  Monate 
lang  gefaulten  Organtheilen  eines  an  Sublimatvergiftung  verstorbenen 
Mannes  unter  peinlicher  Einhaltung  quantitativer  Kautelen  ausser 
Methylamin  und  Trimethylamin  folgende  B  rieger 'sehe  Ptomalne 
analysenrein  abscheiden:  Kadaverin,  Putrescin  und  Mydin,  und  da- 
durch den  Nachweis  erbringen,  dass  diese  Körper  auch  in  geringen 
Mengen  fauler  Organe  auffindbar  seien  und  dass  die  Anwesenheit 
von  Sublimat  in  Mengen,  welche  den  Menschen  tödten,  im  Körper 
die  Bildung  von  PtomaYnen  nicht  zu  stören  vermöge.  Der  Umstand, 
dass  die  Brieger 'sehen  Ptomalne  nicht  gleichzeitig,  sondern  nach 
einander  auftreten  und  theilweise  wieder  verschwinden,  während 
andere  sich  neu  bilden,  ist  forensisch  wichtig.  In  den  ersten  2  Tagen 
ist  nur  Cholin  vorhanden,  dann  entsteht  Neuridiu,  während  das  Cbolin 
allmählich  verschwindet,  dafür  erscheint  jetzt  Trimethylamin.  Das 
Neuridin  ist  nach  14  Tagen  völlig  verschwunden.  Erst  aus  den  Pro- 
dukten späterer  Fäulnissstadien  wird  Kadaverin,  Putrescin  und  Saprin 
gewonnen.  Diese  ungiftigen  Ptomalne  treten  früher  auf,  als  die 
giftigen  Kadaverdiamine,  die.  erst  nach  2— 3  wöchentlicher  Fäulniss 
oder  sogar  erst  nach  Monaten  gebildet  werden.  Es  scheint  nicht 
ausgeschlossen,  dass  für  die  Bestimmung  der  Zeit,  wie  lange  eine 
Leiche  im  Wasser,  in  der  Erde,  im  Boden  gelegen  sei,  aus  einer  ge- 
nauen Kenntniss  der  Aufeinanderfolge  und  des  Verschwindens  der 
Ptomalne  eine  exakte  wissenschaftliche  Grundlage  geschaffen  werden 
kann. 

VI  Abtheilung:  Kinderheilkunde. 
Herr  Escherich  (Qraz),    Ueber  Milchsterilisirung   zum 
Zweck  der  Säuglingsernähruag  mit  Demonstration 
eines  neuen  Apparates. 
Nachdem  es  sich  als  undurchführbar  herausgestellt  hat,  den 


ftaktoriol.  Tum  X.  intornatioDaien  medicinischen  ftongfeiM  fcu  ttartin.  27 

Kontakt  der  Milch  mit  der  Luft  gänzlich  zu  vermeiden,  stehen  wir 
vor  der  Aufgabe,  die  in  die  Milch  gelangten  Keime  möglichst  bald 
zu  tödten  und  die  Milch  in  diesem  sterilen  Zustande  zu  erhalten. 
Das  Erstere  wird  allgemein  durch  Erhitzen  im  Wasserbade  oder  im 
strömenden  Dampf  in  einer  für  die  Zwecke  der  S&uglingsernährung 
genügenden  Weise  erreicht  Die  schwierigere  zweite  Aufgabe  ist 
durch  den  S  o  x  h  1  e  t '  sehen  Apparat  zum  ersten  Male  und  in  glänzender 
Weise  gelöst  worden.  Allein  die  Verbreitung  desselben  blieb  doch 
nur  auf  den  kleinsten  Bruchtheil  der  Bevölkerung  beschränkt,  der 
über  die  Mittel,  den  Zeitaufwand  und  den  Grad  von  Intelligenz  ver- 
fügt, wie  er  zur  Anschaffung  und  zur  Handhabung  desselben  nöthig 
ist  So  einfach  das  demselben  zu  Grunde  liegende  Prinzip  in  der 
Theorie  erscheint,  so  wenig  einfach  gestaltet  es  sich  in  der  Praxis 
wegen  der  damit  verbundenen  Vervielfältigung  der  Flaschen  und 
Saugapparate,  der  grossen  Zahl  und  raschen  Abnützung  der  einzelnen 
Bestandteile.  Besonders  bemerkbar  machen  sich  diese  Nachtheile 
da,  wo  es  sich  um  Versorgung  einer  grösseren  Zahl  von  Kindern 
handelt,  also  in  Säuglingsspitälern,  Kleinkinderbewahranstalten  etc. 
Der  Vortr.  demonstrirt  einen  von  ihm  angegebenen,  auf  anderem 
Prinzip  beruhenden  Apparat,  der  von  Th.  Pi  m  pe  in  Magdeburg  her- 
gestellt ist  Der  zur  Aufbewahrung  der  Milch  dienende  cylindrische 
Blechtopf  trägt  am  Boden  den  Ausflusshahn  für  die  Milch;  er  ist 
durch  einen  Deckel  luftdicht  verschlossen,  an  welchem  ein  Sicher- 
heitsventil und  ein  Luftfilter  angebracht  ist,  durch  das  die  Luft  nach 
Oeffnung  eines  gewöhnlich  geschlossenen  Ventils  unter  Zurücklassung 
der  Keime  in  das  Innere  des  Topfes  eindringen  kann.  Ist  dies  der 
Fall,  so  kann  durch  Drehung  des  Hahnes  jederzeit  eine  beliebige* 
Milchmenge  entnommen  werden,  während  der  im  Innern  enthaltene 
Rest,  ebenso  wie  iu  den  Sox  hl  et1  sehen  Flaschen,  frei  von  Keimen 
und  somit  zum  Genuas  des  Säuglings  brauchbar  bleibt.  Die  in  dem 
Topf  enthaltene  Milch  wird  in  der  gewöhnlichen  Weise  durch  */*- 
stündiges  Erhitzen  im  Wasserbade  sterilisirt.  Dem  Apparate  sind 
ausserdem  noch  eine  Saugflasche,  auf  welche  die  von  dem  Vortr. 
modifizirten  Ernährungsvorschriften  für  Tagesmenge,  Zahl  und  Grösse 
der  Mahlzeiten  in  schwarzer  Schrift  eingebrannt  sind,  ein  Wärmebecher 
und  2  Säuger  beigegeben.  Von  dem  Grade  der  Sterilität,  der  in  dem 
Apparat  erreicht  wird,  sowie  davon,  dass  auch  bei  wochenlanger 
Aufbewahrung  eine  Infektion  von  aussen  nicht  hinzutritt,  hat  sich 
der  Vortr.  in  zahlreichen  Versuchen  und  auch  praktisch  überzeugt. 
Die  Vorzüge  des  Apparates  liegen  in  der  Einfachheit  der  Bestandteile 
und  der  Technik,  Unzerbrecblichkeit  und  der  Billigkeit  des  Preises. 
Dieselben  lassen  ihn  besonders  geeignet  erscheinen  zur  Verwendung 
bei  der  Sterilisirung  in  Centralstellen,  insbesondere  in  Molkereien. 
Nur  dadurch,  dass  die  sterilisirte  Milch  zu  einem  billigen  Preise  in 
der  für  den  Säugling  nöthigen  Zubereitung  und  in  einer  Form  ge- 
reicht wird,  die  sie  vor  jeder  Verunreinigung  schützt,  erscheint  die 
Versorgung  breiterer  Volksschichten  mit  diesem  für  die  Säuglingswelt 
unersetzlichen  Nahrungsmittel  möglich. 


28  Hau«  Lttteratuf. 


Neuo  Litteratur 


Da.  Abthub  WOanuae, 

la  1 


¥11111,  0.,  Mycological  notes  II.    (Journ.  of  Mycol.  1891.  Vol.  Tl.  No.  4.  p.  178-184.) 

(Glhmng,  Fäulnis»,  BtoftVechselprodukte  aiw.) 

fraakwad,  P.  F.,  etaaley,  A^  and  View,  W.,  Fermcntations  induccd  by  the  pMino- 
coccus  of  Friedlander.     (Transaet  of  Um  Cham.  80c.  1891.  p.  «AS— 170.) 

Beateaaagea  4er  Bakterie»  am*  Paraattea  nr  aabelebtea  Katar. 


Stiekar,  A.,  Die  Gefahren  der  Protozoon  dar  Schlachtthiere  für  den  Menschen.  (Arch. 
f.  animal.  Nahningsmlttalkunde.  Jahrg.  6.  1890.  No.  8,  6/7.  p.  18—80,  86—86) 

Beateaaagea  «er  Bakteriea  and  Paraattea  aar  Mebtea  Katar« 

Krankkeämmgmde  Bmktmrim  und  Pm+tiU*  6*t  Meiudun. 
A.     JmfekUOM  AU^memhraniMcüen. 

Sforaa,  C,  Sülle  plu  frequenti  ad  importanli  malattia  dlnfeaionc  osservate  aal  r.  esercito 
italiano  duraata  il  daeaanio  1878—1887.  (Bit.  dlgieoe  a  sanith  pabbl.  1880.  Mo.  8, 
16    p  869—874,  641—649.) 

Exsmthematiftche  Knakhettea. 

(Pocken  [ Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Rfttheln,  Scharlach,  Friese),  Windpocken.) 

Deutl,  J.,  Analekten  und  Mittheilungen  über  neuere  Fortschritte  im  Impfwesen.     (Oester- 

relch.  Sanititswesen.  1891.  No.  17.  p.  199—188.) 
Guinon,  L.,    Ettologie   et  prophylaxic   de  la  scarlatine.     (Propres  m4d.    1891.    No.  10. 

p.  186—189.) 
Loekwood,  T.  C,   Rubeola,  some  remarks  upon  an  epidemlc  of.     (Maritime  Med.  News 

Halifax.  1891.  p.  81.) 
Zhoril,    Mittheilungea   aus   der  Blattern-Abtheilung   des    Kaiser  Frans  Joseph-Spilales. 

(Oesterreich.  Sanititswesen.  1891.  No.  90.  p.  71—77.) 

Cholera,  Typhös,  Bahr,  Gelbfieber,  Peet 

Sedgwiek,  W.  T. ,   An   epidemlc  of  typhoid  fever  in  Lowell,  Mass.    (Boston  Med.  and 

Sarg.  Journ.  1891.  No.  17,  18.  p.  897—408,  496—480.) 
Wortabet,  J. ,    Cassation    of  cholara  in  northern  Byria.     (Lancet.  1891.  Vol.  I.  No.  19. 

p.  1086—1087.) 


Neue  LUterernr.  29 

WimdiDfektioitiknuikhfliUiL 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,   acutes  purulentes  Oedem,  Pjrimie,  8epriklmie, 
Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundflulniss.) 

Gtrsl,  J.f  Erysipel«  primitif  de  la  leugne.     (AodsJ.  d.  msimd.  de  l'oreüle,  da  larjrnx  etc. 

1891.  No.  5.  p.  505— 506.) 
Jordan,  IL,   Die  Aetiologie   des  Erysipels.    (Beitr.  s.  klin.  Cbir.     Red.  ▼.  P.  Brnos. 

Bd.  VII.  1891.  Heft  5.  p.  675—676.) 
Behlatter,  0.f   Ein  Fall  tob  Wundinfektion   durch  Maul-  und  Klauenseuche  beim  Men- 

Koen  (Aphthae   epiaooticae).     (Beitr.    s.   klin.   Cbir.     Red.  ▼.  P.  Brnos.     Bd.  VII. 

1691.  Heft  5.  p.  656—656.) 

InfetöonigeMlrwDJf^ 
(Lepra,  Tubereulose  [Lupus,  Bkrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  Teoerischen 

Krankheiten].) 

U  Deute ,  Les   tuberculoses   loeales   et   leur   traitement    (Gas.  med.  de  Paris.    1690. 

No.  51.  p.  601—604.) 
Kflard,  H.  G.,  Luput.    (Journ.  of  Gutan.  and  Genito-urin.  Oiseas.  1691.  No.  5.  p.  161— 

174.) 
Bona,  I ,  BztragenitsJe  8yphflisinfektion  mit  Rficksiefat  auf  die  heimischen  (ungarischen) 

Verhältnisse.     (Monaten,  f.  prakt   Oermatol.  Bd.  XU.  1691.  Heft  10.  p.  469—468.) 
et  Bona  Martina,  J.  T. ,    A  tubereulose   pulmonar  e   o  clima  de  altitude  da  serra  da 

Estrella.    (Journ.  de  U  soe.  d.  sc.  med.  de  Lisboa.  1690.  p.  958-296.) 

Diphtherie  und  Group,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemiiehe  Gerickstam, 
M raupe,  Röckfallflfleber,  Osteomyelitis. 

Buk,  IL,  Ein  Fall  von  Influenae  mit  tödtlichem  Verlaufe.    (Ber.  d.  k.  k.  Krankenanst. 

Kndolph-gtiftuog  In  Wien  (1889).  1890.  p.  97t.) 
BtrWer,  H.,  De  quelques  associations  microbiennes  dans  la  diphtherie.    (Arch.  de  m^d. 

•zpertment  1891.  No.  3.  p.  861—578) 
Csmsdahat,  P.  A.,  Etüde  sur  la  grippe  dans  la  15.  region  de  eorps  d'armee.     (Marseille 

»ed.  1890.  p.  780,  895.) 
DuMoilin,  *T.f    Sur   l'etiologie  de   nnfluenta.     (Annal.   de   la  soc.  de  med.  de  Gaod. 

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Howard,  B.,  Personal  obsenrations   of  the  course   of  influensa  and   of  cholera  in  Asia 

during  the  reeent  epidemics  of  these  diseases.     (Laneet.  1891.  Vol.  I.  No.  19.  p.  1087.) 
Jordan,  M ,   Ueber    die  akute  infektiöse  Osteomyelitis  des  oberen  Femurendes      (Beitr. 

z.  klin.  Chir.    Red.  t.  P.  Bruns.    Bd.  VII.  1891.  Heft  5.  p.  495—608.) 
Uwtni,  A.v   Des  reetdires   de   la  grippe  en  1891  et  des  mesures  propbjlactiques  que 

ricUment  les  epidemies  de  grippe,    non  »eulement  en  Tue  de  leur  reapparition  pdrio- 

tique,  mais  eneore  en  Tue  des  cas  de  rtcidire  indiriduelle  qui  suirent  oes  dpiddmies. 

(Ber.  d*h7g.  1891.  No.  5.  p.  478,  481.) 
I&ldaai,  A. ,   A  propofito   dl  un  easo  dlnfluenaa  in  indiriduo  afletto  in  preeedenaa  da 

iofesione  palustre.     (Gas*,  d.  ospit.  1890.  No.  47.  p.  970—871.) 
EkoQmki,  D.  P. ,    Ueber  die  gegenwärtige  Influenaa-Epidemie   in  Bestellung   auf  die 

Veränderungen  der  Witterung  und  ihren  Einflnss  auf  die  Sterblichkeit  im  Allgemeinen. 

(Weetnik  oben.  big.  sudeb.  i  prakt.  med.  Bd.  VII    1890.  p.  141—168.  Bd.  VIII.  1891. 

P-  S9-60,  181—169.)    (Russisch.] 
Bbffrisd,  C.  A.,  Studie*  on  the  inflnenaa  as  occurring  in  Russia.     (Med.  Record.  1891. 

No.  19.  p.  551—558) 
'feequart,  A.,   L'epidemie   de  grippe  de  1884/85  k  Bruzelles.     (Arch.  de  med.  et  chir. 

prat.  BruxeUes.  1890.  p.  169.  184.) 
"TBipaan,  X.  M.f   The  cause*  of  death  in  diphtherie,  with  notes  on  treatment     (Practi- 

tioner.  1890.  Dec  1891.  Jan.  p.  496—486,  1—14.) 
v*tat  et  Bernau,  Du  gonoeoque  en  mldecine  legale.    (Annal.  d*hyg.  publ.   1891.  No.  5. 

P  446—447.) 

Andere  infeküöee  AUgemeinkraakheiten. 

•**»f,  0.  0.,  Malte  (remittont)  ferer.    (Brit  Med.  Journ.  No.  1586.  1891.  p.  1066— 
104T.)  V 


30  Nett«  Litteraiur. 

B.    Infektiöse  Lokalkrankkeiten. 

Haut,  Muskels,  Knochen. 

Claisse,  F.,    Not*  sur    uu  cai»  da  parpura  k  pneumoooque.     (Arch.  de  me*d*  expanmeot 
1891.  No.  8.  p.  379-885) 

Augen  and  Ohren. 

Moo#t  8. ,    Histological  and  bacterial  inTestigation*   of  middle-ear  diaease  üi  th«  varioas 
types  of  diphtheria.     (Arch.  of  Otology,  New  York  1891.  p.  58^78) 

Krankheitserregende  Bakterien  tmd  Parasiten  hei  Menschen  umd  ThiereM. 

MDibrand. 

Xartinotti,  G.f  q.  Barbaecd,  0.,  Uebar  die  Physiopathologie  das  Milabrandaa.     (Portachr. 
d.  Medic.   1891.  No  9,  10.  p.  371-386,  411-  414.) 

Krankkertsei  regende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Tkieren, 

Bangethtere. 

A.     Infektiöse  Angemtinh'ankk§ittn. 

An» tackende    Krankheiten    anter   den  Haasthieren   in  Norwegen   im  1.  Vierteljahr  1891. 

(VeröffenU*  d.  kai*.  Gesundn-Amtes.  1891.  No.  19.  p.  298.) 
Preussen.     Reg. -Bez.  Merseburg.     Verfügung,  betr.  die  Anzeige  bei  Thier»eucb«n.     Vom 

84.  November  1890.    (VeröffenU.  d  kaia.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  8Q.  p.  818—313.) 
Stand  dar  Thierseucben  in  Ungarn  während  der  Zeit  Tum  81.  Deaamber  1880  bis  8.  April 

1891.     (VeröffenU.  d.  kaia.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  90.  p.  SU.) 

Tobercnleee  (Perlsnchfy  • 

Chünard,    Sur   un  moda  posaibie   de  transmissioo   de   la  tubarcalose  ehern   laa  anhnanx. 

(Lyon  med.  1891.  No.  80.  p.  76—77.) 
Jensen,  0.  0.f  Tuberculose  beim  Hund  und  bei  der  Katse.     (Deutsche  Zeitach r.  f.  Thtar* 

medic.  Bd.  XVU.  1891.  Haiti,  p.  995—884.) 

B.     Infektiöse  Lokatkrankheüen. 

Bnderlen,  B.,  Primäre  infektiöse  Pyclo- Nephritis  beim  Rind.     (Deutsche  ZeiUchr  f.  Thier- 

medic.  Bd.  XVU.  1891.  Heft  4.  p.  825— 348.) 
Oaltiar,  V  ,   Nouvelles   exparlences  tendant   k  d4mootrer   le  role  de»  fourragas  dans  la 

genese    das   pnaumo-ententes   infactieusas    du   cheval.     (Rec.  de  mld.  v&erio.    1891. 

No.  8.  p.  808—817.) 
Höflich,  Dia  Pyelonephritis  baciüosa  das  Rindes.    (Monatah.  f.  prakt.  Thierheilk.  Bd.  IL 

1891.  Heft  8.  p.  837— 575.) 

Kranhheüeert'tgendt  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pfiamen. 

Atlanten,  0,  F.,    Anthraenosa  . of   cotton.     (Journ.   of  Myool.    189t«    Vol.  VI.    No.  4. 

p.  178-178.) 
Piere«,  W.  B.f    Tuberculosis   of  the  oliva.    (Journ.   of   MycoL    189  t.  Vol.  VI.   N».  4. 

p.  140—163.) 
81eaklnf    Dia   Bakteriologie   in   ihrer  Anwendung   auf  die  Landwirtschaft    (Ffinlins/s 

landwirthschaftl.  Zeitg.  1891.  No.  10.  p  808—805.) 
8mith,  X.  F.,  The  paacb  rosetta.     (Journ.  of  Mycol.  1891.  Vol.  VI.  No.  4    p   143—148.) 
South worth,  X.  A»,   Ripe  rot   of  grapes  and  apples.     (Journ.  of  llycol.  1891.  Vol.  VI. 

No.4.  p.  164— 178.) 


Nana  Litteretur.  31 


Scbulzimpftingen,  kflnstllehe  Infektionskrankheiten,  Entwicke- 
Inngshemmang  and  Yerniehtnng  der  Bakterien  mit  besonderer 
Beriekslehtlniig  der  Arbeiten  Über  das  Koch 'sehe 
Hefirerftüiren  gegen  Tnberenlose. 

A.  C.  1,,   CoDgeniUl  tuberculoais  and  its  relations  to  predisposition  to  tabercalar  infec- 

tion.    (St.  Louis  cliniqae.  1891.  No.  4.  p.  144—145.) 
Kemacki,  K-,   Uebor   die  Eigenschaft  der  Antiseptica,  die  Alkoholgfthrung  an  beschleu- 
nigen and   ober  gewisse  Abhängigkeit   ihrer  Kraft  too   der  chemischen  Baustruktur, 

der  Pennentmenge    and    der  Vereinigung   mit   einander.     (Arch.    f.    d.    ge».  Pbysiol. 

Bd  XLIX.  1891.  Heft  S/4,  p.  119— 140.) 
?  Armin,  üeber  den  Werth  des  Koeb'scben  Heilmittels.    (Allgem.  medic.  Central-Zeltg. 

1891.  No.  40.  p*  985—988.)  ,     •- 
Clor,  8:,  Trsltement'  du  cjiärbon  per  Je  bicarbonate  de  soude  d'epres  la  methode  de  M. 

Fodor.    (Anna!  de  l'Instit.  Pastenr.  1891.  No.  5.  p.  837—843.) 
Emmerich,  E.,  Dia  Ursache  der  Immunität,  die  Heilang  von  Infektionskrankheiten»,  spe- . 

riell  des  Rothlanfea  der  Schweine  and  ein  neaes  SchatsimpfangsTerfahren  gegen  diese 

Krankheit.    (Mönch,  medic.  Wochensehr    1891.   No.  19,  80.  p  389—849,  853—857.) 
Krankreich.    Rhdne-Departement.     Instruktion,    betr.    die  Desinfektion  bei  ansteckenden 

oder  epHemfecben   Krankheiten      (Veroffentl.  d.  kais.  Geäundh. -Amtes.  1891.  No.  19. 

p,  309-808.)  " 

Gilbert,  A.,  et  (Hxode,  J.,  Flevre  typhoide  expörimentale.    (Compt  rend.  de  la  soc.  de 

biol.  1891.  No.  15.  p  802—805.) 
Herieoart  et  Riebet,  0.,    Nonvelles  exptriences   sar   les  effets   des  Injections   de  serum 

dsu  U  tabereuloee.    (Campt,  rend.  de  la  soc    de  biol.  1891.  No.  17.  p.  835—845.) 
Hollweg,   üeber  die  sogenannte  Reaktion  bei  Anwendung  der  Koch'schen  Heilmethode. 

.Deouche  McditinaJ-Zeitg.  1891.  No.  41    p.  486-487.) 
I»gals,  S.  F.,  The  Shorley*Gibbes  treatment  of  pulmonary  tnberculosis.    (St.  Louis  cli- 

nique.  1891.  No.  4.  p.  146—149.) 
Jones,  C.  IL,  and  Jeffiries,  J.  A. ,    Report  on  seven  eases   of  tabercolosis  treated  with 

RtraUloid.    (Boaton  Med.  and  Sarg.  Journ.  1891.  No.  19.  p.  445— 448) 
Kelly,  J.  E,  Kocbism  in  genito-arinary  disease.     (New  York  Med.  Journ.  1891.  No.  90. 

p.  564—559.)  . 
Kinyoaa,  J.  J.t  Professor  Koch's  reported  views  regarding  the  action  and  administration 

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1891.  Vol.  VI.  No.  18.  p.  308—909.) 
Klein  wichter,   Bericht   Über   Erfahrungen    mit   dem  Koeb'scben  Heilmittel.     (Deutsche 

medic.  Wochenschr.  1891.  No.  90,  31.  p.  694-696,  720-724) 
T  KrjmiU,  L.,   Ein  Beitrag  aam  Verhalten  der  Tuberkelbacillen  bei  Lupus  anter  Ein- 
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P-  745-746.) 
Liebreich,  0.,  Ueber  den  therapeutischen  Einfloss  der  Cantharidinsaure  auf  den  Lupus, 

erkannt  durch  eine  neue  Beleuchtungsmethode.     (Therapeut    Monatsh.    1891.    No.  5. 

P  284-288.) 
Äiehslson,  üeber  3  nach  Koch's  Methode  erfolgreich  behandelte  Fälle  von  Tubercolose 

«W  fthletahaute  der  oberen  Luftwege.     (Deutsche  medic.  Wochenschr.  1891.  No.  21. 

P-  717—720.) 
Koran,  IL,  hioculation  en  serie  d'une  tumear  epitheliale  de  la  souris  blanche.     (Compt. 

rend.  de  la  soc   de  biol.  1891.  No.  15.  p.  889— 290  ) 
ItHtr,  J.,  Mittheilungen    Aber   Cantharidinbehandlung.      (Therapeut.    MonaUh.    1891. 

No.  5:  p.  278— 977.) 
lettaana,  J.,  Ueber   die   Wirkung   des    Tuberculin  auf   Lupus,    Lepra,   Syphilis   und 

^Mnssü  vulgaris      (Wien.  Klinik.  1891    No.  5/6.  p.   127—178.) 
rotrir,  t ,  Les  vaccinations  antirabiques  k  l'Institut  Pastear  en  1890.     (Annal.  de  l'In- 

*t.  Pastenr.  1891.  No.  5.  p.  344—848  ) 
**%  M ,  Una  soepecha  referente  k  la  composicion  del  liquido  que  emplea  Koch  en  la 

euseion  de  la  tubereuiosis.     (Gac  med.  catal.  1890.  p.  789.) 
*•  Beul,  R.t  e  Faaa,  M.,   TentAtivi  di  cura  della  tubercolosi  sperimentale  mediante  la 

UbJs  di  Koch.    (BIt.  clin.  e  terapeut.  1891.  No.  5.  p.  225—998.) 
StvQUod,  Conference   da  18  arril  1891   aar   les  reeultats  obtenus  pendant    les  quarre 


32 


Haas  Littaratur. 


prämiere  moU  da  treitemeut  Koch.    (Rer.  med.  de  1a  Baisee  rem,  18f  1.  Ho.  5   p.  S4t- 

960.) 
Barffliod,    Le   treltement  Koch.     (Sonderdr.)     gr.  8«.     IS    p.    n.    1    Tak.   e.    48  Ttf 

Oonf  (Henri  StapeJmohr)  1881.  8  ht 

Riotikow,  A.,  Beitrag  mar  Behandlung  beginnender  Lungcntubcrculaco  mit  Kocfc's  Tiber- 

calin.     Inaag.-Diss.     8«.     84  p.     Greifewald  (Druck  t.  JuL  Abel)  1891. 
▼.  Back,  K.,    A  eontribution  to  the  eünicaJ  usee  of  Profeetor  Koca's  remedy  Ibr  tuber- 

cnloeie.    (Med.  Beeord.  1891.  Ho.  81.  p.  888—698.) 
Sehwabaea,  üeber  den  Verlauf  eitriger  Mittelobrentsundaagan   bei  Tabcrculoaca  iibbt 

der   Bebendlang  mit  TubercuUn.       (Deutsche    medic   Wochenechr.    1881.    No.  10 

p.  898—694.) 
Bohkliarerski,  A.  Sn   Phthise  and  Dr.  Koch.     16«.    46  p.    Kiew  (KnshneraeT  k  Coi 

1890.     [Russisch] 
Starr,  K.  F.,   Wbet  about   dr.  Koch,   end  wbei  about  latenter*  speculatirc  anedmme? 

(Atlanta  Med.  end  Sarg.  Joarn.  1891.  May.  p.  186—188.) 
Trije,  0M  a.  Taagl,  F.,   üeber   die   aatitubereuldee  Wirkang   dee  Jodoforms   and  Iber 

die  Formen  der  Impftaberculosc  bei  Impfung  mit  experimentell  ebgeeehwichtna  Tuberkel- 

bacillcn.    Vorläufige  Mittheilang.    (Bert  klin.  Wochenechr.  1881.  No.  SO.  p.  484—487 .) 


Inhalt 


Origimnlmittheüangmi. 


Fodor,  Zar  Frage  der  Immonieation  darch 

Alkalisation.    (Orig.),  p.  7. 
Kammer,  Friedrieh,  Eine  bewährte  Methode 

aar  Reinigung   gebrauchter  Objektträger 

and  Deckgllschen.    (Orig.),  p.  8. 
Ludwig,  F.,  Der  Milch-  and  Botbnui*  der 

Bäume  und  ihre  Urheber.  (Orig  ),  p.  10. 
Tangl,  F.,   Zar  Frage   der  Scharlacbdiph- 

therilU.   (Orig.),  p.  1. 


La    Lepre    k    Hanoi 


idouard 
(Tonkin)f  p.  15. 

Bruschettüii,  A.,  Sulla  diffusione  nell*  or- 
ganiemo  del  Teleno  del  tetano,  p.  16 

Faber,  Xaud,  üeber  den  akuten  konta- 
gi6»en  Pemphigus,  p.  18. 

Fischer,  W.,  Beitrag  sur  Aetiologie  der 
Aktinomykose,  p.  18. 

Kolb,  X,  Zur  Aetiologie  der  idiopathischen 
Bltttfleckenkrankheit  (Purpura  haemor- 
rhagica,  Morbus  maculosus  Werlhofli), 
p.  17. 

Moos,  8.,  Histologische  und  bakteriolo- 
gische Untersuchungen  ober  Mittelohrer- 
krankungen bei  den  verschiedenen  For- 
men der  Diphtherie,  p.  19. 

Xorrii,  Malcolm,  An  extensiTe  oase  of 
favus,  p.  18. 

Fla,  X.  F.,  De  los  adelantos  que  en  ia 
patogenia  del  tetanos  ha  realimado  la 
teoria  parasitaria,  p.  14. 

Vaillard  et  Vinosat,  Sur  le  poison  teta- 
niqoe,  p.  14. 


Hlppias,  Ein  Apparat  aum  SterBiairen  der 

Milcb  im  Hanse,  p.  SO. 
Littaa,  X.,  Die  Ccatriiage  im  Dienste  der 

klinischen  Medfcu,  p.  SO. 


6<&utaimpfuag 
krankheiten,  Sa 
aad  Veraieatuag  dar 


BUU&gs,  Fraak  8.,  Preventhre  inoculation, 

p.  84. 
Bombioei,  O.,  Sulla  reaistenaa  all»  putrerV 

•lone  del  Tims  tetanlco,  p.  81. 
Bombioei,  L.f  Della  disiafeaione  degli  am 

bienti  infetti  da  virus  tetanico,  p.  SS. 
Oaataai,  0.,  Süll'  antisepei  intestinale,  p.  St 
Horwiti,    Orrille,    Apparent   antagonum 

betweeu    the   Streptococci    of  Erysipel" 

and  Syphilis,  p.  Sl. 
LiaoasJar,  O.,   Action   de  l'acide  salfnreu 

sur   quelques  Champignons  iafarieu»  et 

en  particulier  sur  les  lerures  afeootiques, 

p.  88. 
Stepp,    Ueber   die  Chloroformbebandlung 

des  Typhus,  p.  84. 


Origiaalaariaats  aber  l 
Bakteriologisches   rom  X.  inter- 
nationalen mediciniscaen 
Kongresse  au  Berlin, 
4—9.  August  1880.    (8chlaat.) 
Xscherioh,    Ueber  MUehsterilisirung   sum 
Zweck  der  Säuglingsernährang   mit  De- 
monstration eines  neuen  Apparates,  p.  S8. 
Kratter,    Ueber   die   Bedeutung   der  Pto- 
maine  für  die  gerichtliche  Medkin,  p.  86. 
Bada,  Asepsis  oder  Antisepsis  bei  Lapara- 
tomieen?  p.  86. 

Heue  Uttaratar,  p.  98. 


»  aecMmeku«!  (Bwaui  rohl«)  Im  Jm*. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Gel  Hofr.  Prot  Dr.  Leackart  m  Profewr  Dr.  Loeffler 

In  Ulpdf  te  Gralfewild 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJTilworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band.         -»-        Jena,  den  38.  Juli  1891.  -»-        No.  8/8. 


Preis  Ar  den  Band  (M  Hummern)  14  Mark. 

Jlhrlich  erscheinen  iwei  Bände. 

~-»J[    Zu  beliehen  durch   alle  Buchhandlungen  und  Pottanstalten.    %*— 

Die  Redaktion  des  „CentraMatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde*' richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Binsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen*  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original- Mittheilungen. 


Fernere  Untersuchungen  über  das  Tetanus- Antitoxin  ')• 

Vorgetragen  vor  der  TL  Accademia  dei  Lincei  in  der  Sitzung  vom 

10.  Mai  1891 

▼on 

Prof.  Guido  Tlzzoni  und  Dr.  med.  ftluseppina  Cattanl. 

Um  unsere  Untersuchungen   Qber   die  Tetanus  -  Immunität   zu 
vervollständigen,  blieb  uns  noch  die  Lösung  einiger  Fragen  übrig, 


1)  Vtrgl.  Centralblatt  für  Bakteriol.  und  Paratitsnk.  Bd.  IX.  1891.  8.  686. 
X.M.  3 


34  Tiiaoni  und  Cattani, 

nämlich  ob  das  Tetanus- Antitoxin  sich  wie  ein  Serin,  oder  wie 
ein  Globulin  verh&lt,  ob  es  sich  nicht  nur  in  dem  Blut,  sondern  auch 
in  den  Muskeln  und  Eingeweiden  der  gegen  Tetanus  immunen  Thiere 
befindet,  endlich  ob  diese  Substanz  nach  ihrer  bolirung  in  trocknem 
und  relativ  reinem  Zustand  fähig  ist,  gleich  dem  natürlichen  Blut- 
serum eine  antitoxische  Wirkung  auf  den  Tetanus  auszuüben,  und 
zwar  nicht  nur  im  Glas,  was  wir  schon  durch  frühere  Untersuchun- 
gen ' )  festgestellt  hatten,  sondern  auch  im  Thierkörper  selbst. 

Um  die  erste  Frage  zu  beantworten,  versuchten  wir,  in  dem 
Blutserum  des  immunen  Hundes  die  Globuline  von  den  Sero-Albu- 
minen zu  trennen,  um  getrennt  mit  jedem  von  beiden  zu  experi- 
mentiren.  Unter  den  verschiedenen  Verfahrungsweisen ,  welche  die 
Chemie  uns  zu  dieser  Trennung  darbot,  Hessen  wir  diejenige  zur 
Seite  liegen,  bei  welcher  die  Fällung  der  Globuline  dadurch  be- 
wirkt wird,  dass  man  einen  Strom  von  Kohlensäure  eine  gewisse  Zeit 
lang  durch  das  mit  Wasser  verdünnte  Blutserum  streichen  lässt, 
weil  dieses  Verfahren  unsicher  ist,  indem  sich  möglicherweise  ein 
Theil  der  Globuline  in  einem  Ueberschuss  des  Fällungsmittels  wieder 
auflöst. 

Von  den  übrigen  Prozessen  zur  Niederschlagung  der  Globuline 
entsprach  unsern  Wünschen  weder  die  Neutralisation  des  Blutserums 
mit  Essigsäure  und  darauf  folgende  Verdünnung  mit  Wasser,  noch 
die  Dialyse,  und  zwar  wegen  der  Schwierigkeit,  durch  die  darauf 
folgende  Filtrirung  den  sehr  feinen,  leichten  Niederschlag,  der  bei 
dieser  Behandlung  sich  bildet,  vollkommen  abzuscheiden. 

In  unserm  Falle  aber  war  eine  vollkommene  Trennung  der  Sero- 
Albumine  von  den  Globulinen  unbedingt  nothwendig  wegen  der  schon 
von  uns  festgestellten  Thatsache*),  dass  das  Tetanus -Antitoxin 
schon  in  sehr  geringer  Menge  genügt,  um  das  Tetanusgift  zu  zer- 
setzen. 

Um  den  durch  die  beiden  genannten  Verfahrungsweisen  erhaltenen 
Niederschlag  vollkommen  abzutrennen,  nahmen  wir  zuletzt  unsere 
Zuflucht  zur  Filtrirung  durch  kleine  Chamberl and' sehe  Filter. 
Auf  diese  Weise  war  es  uns  in  der  That  gelungen,  ein  vollkommen 
klares  Filtrat  zu  erhalten,  welches  auf  das  Tetanusgift  keine  Wirkung 
ausübte.  Da  es  uns  ausserdem  bekannt  war,  dass  diese  Filter  im 
Anfang  der  Filtration  nicht  nur  feste  Substanzen  zurückhalten,  sondern 
auch  einige  in  der  Flüssigkeit  aufgelöste,  und  da  wir  ausserdem  bei 
den  verschiedenen  anzustellenden  Versuchen  nur  über  kleine  Mengen 
von  Serum  für  jeden  einzelnen  verfügen  konnten,  so  haben  wir 
untersucht,  ob  eine  kleine  Menge  Blutserum  des  immunen  Hundes, 
durch  das  Chamberl  and' sehe  Filter  filtrirt,  ihre  Wirkung  auf  das 
Tetanusgift  beibehalte,  oder  nicht,  um  festzustellen,  ob  die  von  uns 
mit  den  durch  Porzellan  filtrirten  Flüssigkeiten  angestellten  Versuche 
beachtbar   seien.     Da   wir   nun  gefunden  haben,  dass  die  kleinen 

1)  Tiizoni  e  Cattani,  Sul  modo  di  conferir*  ad  aleuni  animali  1' immonita 
contro  il  tetano.  Nota  letta  all'  Accademia  delle  Scieoaa  di  Bologna  oella  seduta  del 
11  Oennaio  1891.  (Riforma  med.  No.  10.  Goonaio  1891.  Centralblatt  für  Bakteriol. 
u.  i.  w.     Bd    IX.  1891.) 

2)  Tissoni  e  Cattani,  1.  c. 


Fernere  Untersuchungen  über  da»  Tetanus-Antitoxin.  35 

Mengen  von  Serum  beim  Durchgang  durch  das  Porzellanfilter  von 
ihrer  antitoxischen  Kraft  verlieren,  so  haben  wir  keine  Rücksicht  auf 
die  Resultate  nehmen  können,  welche  wir  durch  Filtrirung  von  Serum 
erhalten  hatten,  in  welchem  die  Globuline  nach  den  beiden  angegebenen 
Methoden  niedergeschlagen  worden  waren. 

Ausserdem  hat  uns  einer  der  verschiedenen  von  uns  versuchten 
Prozesse  reine,  positive  Resultate  gegeben  und  uns  erlaubt,  daraus 
Folgerungen  in  Beziehung  auf  die  erste  uns  vorgelegte  Frage  zu 
ziehen:  dies  war  die  Methode  von  Hammarsten,  die  Fällung 
der  Globuline  durch  Magnesiumsulfat. 

Dm  diesen  Prozess  auszuführen,  nahmen  wir  1  ccm  Blutserum 
des  immunen  Hundes  und  fügten  dazu  Krystalle  von  Magnesium- 
sulfat, bis  ein  Theil  derselben  bei  30  °C  in  der  Wärmekammer 
auf  dem  Boden  des  Gefösses  ungelöst  zurückblieb.  Als  die  zur 
Trennung  des  Niederschlags  nöthige  Zeit  vorüber  war,  filtrirten  wir 
bei  derselben  Temperatur,  wuschen  lange  Zeit  mit  gesättigter  Auf- 
lösung von  Ifagnesiumsulfat  aus,  und  endlich  brachten  wir  sowohl 
das  Filtrat,  wie  den  Niederschlag  (diesen  in  ein  wenig  destillir- 
ten,  sterilisirten  Wassers  suspendirt),  um  die  Salze  abzuscheiden, 
bei  35*  G  in  zwei  kleine  Dialysatoren  gegen  vieles  Wasser,  wobei 
wir  uns  immer  steriler  Gefässe  und  Flüssigkeiten  bedienten.  Zu- 
letzt wurde  sowohl  das  Filtrat,  als  auch  den  Niederschlag,  worin 
die  Globuline  nach  der  Dialyse  durch  Hinzufügung  eines  Tropfens 
einer  Lösung  von  kohlensaurem  Natron  gelöst  worden  waren,  zwei 
Stunden  lang  in  Berührung  mit  V*  ccm  filtrirter  Tetanuskultur  gelassen 
und  dann  unter  die  Schenkelhaut  zweier,  ungefähr  gleich  schwerer 
Kaninchen  injizirt.  Von  diesen  Thieren  starb  das  mit  dem  Filtrat 
injizirte  nach  30  Stunden  unter  allen  Symptomen  des  akutesten 
Tetanus,  als  wäre  ihm  einfach  filtrirte  Kultur  eingespritzt  worden; 
dasjenige  dagegen,  welches  die  Injektion  des  Niederschlages  erhielt, 
zeigte  kein  einziges  Symptom  von  Tetanus,  nicht  einmal  Abmage- 
rung. 

Diese  Thatsache  Hess  uns  folgern,  dass  das  Tetanus- Antitoxin 
nicht  ein  Serin  ist,  sondern  ein  Globulin,  oder  eine  andere  Substanz, 
welche  aber  vom  Globulin-Niederschlage  mitgerissen  wird. 

Um  nun  den  Widerspruch  zu  erklären,  welcher  zwischen  dieser 
Thatsache  und  der  andren,  früher  von  uns  festgestellten1)  besteht, 
dass  das  Blutserum  des  immunen  Hundes  seine  antitoxische  Eigen- 
schaft auch  dann  noch  behält,  wenn  es  gegen  grosse  Wassermassen 
und  lange  Zeit  hindurch  dialysirt  worden  ist,  bis  es  vollkommen 
neutral  reagirte,  braucht  man  sich  nur  zu  erinnern,  dass  bei  unseren 
Untersuchungen  die  durch  Dialyse  niedergeschlagenen  Globuline  sich 
in  filtrirter  Tetanuskultur  wieder  auflösten,  mit  welcher  man  das 
Serum  zusammenbrachte,  um  seine  antitoxische  Wirkung  zu  prüfen, 
und  welche  alkalisch  reagirte. 

Dies  erklärt  auch  den  Unterschied  zwischen  unseren  Resultaten 


l)TizzonieC*ttani,  Stüle  proprieta  dell' antitoasina  del  tetano.     (R.  Aecad. 
dei  Line«i,  seduta  del  19  Aprüe  1891.) 

3» 


36  Tinoni  and  Cattani, 

und  denen  Buchner's1)  und  Hankin's*),  welche  gefanden  haben, 
dass  das  durch  die  Dialyse  aller  seiner  Salze  beraubte  Blut  seine 
keimtödtende  Kraft  verliert,  was  der  letztere  dieser  Beobachter  eben 
der  Fällung  der  Globuline  zuschreibt 

Die  von  uns  in  Betreff  des  Tetanus -Antitoxins  erhaltenen 
Resultate,  worüber  oben  berichtet  worden  ist,  haben  keine  Beziehung 
zu  anderen,  da  sich  bis  jetzt  Niemand  damit  beschäftigt  hat,  aus 
dem  Blut  natürlich  oder  künstlich  immuner  Thiere  in  trockenem 
Zustande  die  gegen  ein  bestimmtes  Bakteriengift  wirksame  Substanz 
rein  darzustellen. 

Nur  Hankin3)  hat  in  trockenem  Zustande  aus  der  Milz  und 
dem  Blute  von  Mus  decumanus  eine  Substanz  erhalten,  welche 
den  Milzbrandbacillus  eine  keimtödtende  Wirkung  ausübt;  aber  da 
die  Infektion,  in  welcher  diese  Thatsache  erforscht  wurde,  von  dem 
Tetanus  ganz  verschieden  ist,  und  da  wir  mehr  die  antitoxische 
als  die  keimtödtende  Eigenschaft  dieser  Substanz  in  Betracht  gezogen 
haben,  so  können  wir  zwischen  unserer  Substanz  und  der  von  H  a  n  k  i  n 
isolirten  nur  eine  sehr  entfernte  Vergleichung  anstellen. 

Doch  finden  sich  zwischen  den  beiden  Substanzen  Aehnlichkeiten 
und  Unterschiede.  Die  Aehnlichkeit  besteht  nur  darin,  dass  beide 
Stoffe  sich  wie  Globuline  verhalten,  und  in  beiden  Fällen  wie  Globu- 
line, welche  durch  das  Niederschlagen  mit  Alkohol  nicht  auf  die 
Dauer  unlöslich  gemacht  werden. 

Unter  den  mehrfachen  Unterschieden  besteht  vor  Allem  der, 
dass  das  Tetanus  -  Antitoxin  sich  nicht,  wie  die  keimtödtende 
Substanz  des  Milzbrands,  durch  seine  alkalische  Reaktion  von  den 
anderen  Globulinen  unterscheidet.  In  der  That  haben  wir  beobach- 
tet, dass,  wenn  man  dem  Blutserum  des  immunen  Hundes  durch 
Dialyse  alle  seine  Salze  entzieht,  bis  es  vollkommen  neutral  reagirt, 
und  dadurch  seine  Globuline  gefällt  werden,  diese  Reaktion  sich  nicht 
ändert,  also  nicht  nach  und  nach  alkalisch  wird,  wie  es  bei  den 
Untersuchungen  Hankin 's  mit  der  keimtödtenden  Substanz  des 
Milzbrands  geschah,  wenn  die  Globuline  durch  HinzufQgung  einer  Neu- 
tralsalzlösung sich  wieder  auflösen.  Zweitens  hat  die  von  Hank  in 
i&olirte  keimtödtende  Substanz  nicht  ganz  dieselbe  Wirksamkeit,  wie 
das  Serum  der  Ratte,  dem  sie  entnommen  wurde,  weswegen  Versuche, 
die  an  Thieren  gegen  die  Milzbrandaffektion  mit  der  enteren  unter- 
nommen wurden,  viel  weniger  befriedigend  ausfielen,  als  die  mit  der 
zweiten  angestellten,  abweichend  von  dem,  was  mit  dem  Tetanus- 
Antitoxin  geschieht,  wie  wir  weiter  unten  zeigen  werden. 

Als  letzten  Unterschied  finden  wir  endlich,  dass  bei  der  Berei- 
tung des  Tetanus-Antitoxins  diejenigen  Methoden  nicht  anwendbar 
sind,  deren  sich  Hankin4)  vorzugsweise  bedient  hat,  um  die  keim- 


1)  Büchner,  Ueber  die  nähere  Natur  der  bakterientödtenden  Substanz  im  Blut- 
serum.   (Centralbl.  f.  Bakteriologie  u.  a.  w.  Bd.  VI.  No.  21.  Not.  1889.) 

2)  Hankin,    Ueber   den    schattenden  Eiweisskörper   der  Ratte.     (Centralbl.   für 
Bakteriologie  u.  s.  w.  Bd.  IX.  No.  10.  13.  Man  1891.) 

8)  Hank  in    1.  c. 
4)  Hankin  L  c 


Fernere  Untersuchungen  ober  das  Tetanus-Antitoxin.  37 

tödtende  Substanz  des  Milzbrandes  zu  isoliren  und  zu  reinigen.  In 
der  That  haben  wir  gefunden,  dass  die  Wirkung  des  Tetanus-Anti- 
toxins ganz,  oder  fast  ganz  zerstört  wird,  wenn  sein  alkoholischer 
Niederschlag  durch  eine  Lösung  von  Natronsulfat  (ein  Theil  ge- 
sättigter Lösung  auf  9  Theile  Wasser)  extrahirt  und  das  Extrakt 
nach  24  Stunden  von  neuem  mit  Alkohol  gefällt  wird.  So  wie 
wir  gefunden  haben,  dass  die  blosse  Wirkung  der  schwefelsauem 
Natronlösuug  in  der  angegebenen  Stärke  und  Dauer,  sowie  auch 
eine  blosse  zweite  Niederschlagung  durch  Alkohol  die  Kraft  des  Te- 
tanus-Antitoxins durchaus  nicht  verändert,  so  gewiss  ist  es  auch, 
dass  dieses  Resultat  von  der  Verbindung  der  beiden  chemischen  Ein- 
wirkungen abhängt  Wir  wissen  nicht,  wie  diese  Thatsache  zu  er- 
klären sei,  welche  schon  für  sich  die  leichte  Veränderlichkeit  des 
Tetanus- Antitoxins  anzeigt;  vielleicht  könnte  es  davon  abhängen,  dass 
das  Antitoxin  nach  längerem  Aufenthalt  in  der  schwefelsauren  Natron- 
lösung sich  nicht  mehr  durch  Alkohol  niederschlagen  liesse,  aber  wir 
haben  keine  hinreichenden  Beweise  dafür,  um  es  mit  Sicherheit  be- 
haupten zu  können. 

Aus  dem  Gesagten  folgt  also,  dass  das  Tetanus -Antitoxin 
und  die  keimtödtende  Substanz  des  Bacillus  anthracis  sich 
beide  wie  Globuline  verhalten,  aber  das  Eine  ist  von  dem  Andern 
durchaus  verschieden  und  weicht  von  ihm  in  mehreren  wesentlichen 
Eigenschaften  ab. 

In  Bezug  auf  die  zweite  Frage,  die  wir  uns  vorgelegt  hatten, 
haben  wir  Untersuchungen  ausser  am  Blute  auch  an  Muskeln,  Milz 
und  Leber  angestellt. 

Was  das  Blut  betrifft,  so  hat  sich  herausgestellt,  dass  dieses 
direkt  aus  der  Carotis  unter  Alkohol  aufgesammelt,  gegen  das  Tetanus- 
gift sehr  wirksam  ist,  ebenso  sehr,  als  das  vom  Blute  getrennte 
Serum  desselben  Thieres,  wenn  nicht  mehr.  Dagegen  ist  das  Koagulum, 
welches  nach  vollkommener  Abtrennung  des  Serums  zurückblieb, 
nachdem  man  es  im  luftleeren  Räume  über  Schwefelsäure  getrocknet 
hatte,  ganz  wirkungslos. 

Um  an  den  Organen  und  Geweben  Versuche  anzustellen,  haben 
wir  von  dem  gegen  Tetanus  immun  gemachten,  durch  Verblutung 
getödteten  Hunde,  die  grossen  Muskelmassen,  die  Leber  und  die 
Milz  entnommen,  sie  in  kleine  Stückchen  zertheilt  und  bei  niedriger 
Temperatur  zwölf  Stunden  lang  mit  Wasser  ausgezogen,  zuletzt 
einen  Theil  davon  durch  das  Chamberl  and  'sehe  Filtrum  filtrirt. 
Beim  Experimentiren  mit  diesen  drei  filtrirten  wässerigen  Extrakten 
ist  es  uns  nie  gelungen,  die  Wirkung  des  Tetanusgiftes  ganz  ver- 
nichtet zu  sehen.  Dasselbe  war  der  Fall  bei  Anwendung  des  trockenen, 
alkoholischen  Niederschlags  dieser  Extrakte,  mochten  sie  filtrirt  sein 
oder  nicht;  ebensowenig  wenn  der  Niederschlag  in  Wasser,  als  wenn 
er,  um  die  Globuline  besser  zu  lösen,  in  O,75prozentiger  Chlornatrium- 
lösung aufgenommen  wurde.  Dasjenige  von  diesen  Extrakten,  welches 
die  geringsten  antitoxischen  Eigenschaften  besass,  war  das  der  Leber, 
dann  folgte  das  der  Muskeln  und  zuletzt  das  der  Milz.  Bei  Ver- 
suchen mit  dem  aus  der  Leber  und  den  Muskeln  erhaltenen  Materiale 
traten  Tetanusf&lle  ein,  welche  in  30—48  Stunden  mit  dem  Tode 


38  Tissoni  and  Cattani, 

endigten,  wie  wenn  bloss  filtrirte  Tetanuskultur  injizirt  worden  wäre; 
einen  kleinen  Vortheil  zu  Gunsten  der  Muskeln  erhielten  wir  mit 
dem  einfachen  filtrirten  wässerigen  Extrakte«  denn  das  Thier,  welchem 
dieses  Extrakt  zugleich  mit  filtrirter  Tetanuskultur,  mit  der  es  Tier 
Stunden  lang  in  Berührung  gewesen  war,  injizirt  wurde,  zeigte  nur 
örtliche  tetanische  Erscheinungen  und  vorübergehende  Abmagerung. 
Man  kann  die  Ansicht  ausschliefen,  als  hinge  dieses  Resultat  von 
einer  Veränderung  der  Giftigkeit  der  Tetanuskultur  ab,  welche  durch 
die  saure  Reaktion  des  wässerigen  Muskelextraktes  hervorgerufen 
wurde,  denn  dieses  Extrakt  wurde  alkalisch  gemacht,  bevor  man 
seine  antitoxische  Wirkung  untersuchte.  Mit  der  Milz  erhielten  wir 
bei  den  meisten  Versuchen  nur  örtliche  tetanische  Erscheinungen  und 
Abmagerung  des  Thieres.  Es  war  nun  natürlich,  dass  wir  die  schwach 
antitoxische  Wirkung  einiger  unserer  Extrakte,  welche,  wie  gesagt, 
die  Giftigkeit  der  filtrirten  Tetanuskulturen  in  verschiedenem  Maasse 
zu  vermindern,  aber  niemals  ganz  zu  zerstören  vermochte,  der  ge- 
ringen, in  den  Gefftssen  des  durch  Verblutung  getödteten  Thieres 
gebliebenen  Blutmenge  zuschrieben.  Dies  erklärt  ohne  Zweifel  die 
stärkere  antitoxische  Wirkung,  die  wir  in  der  Milz  fanden,  gegenüber 
der  Leber  und  den  Muskeln,  da  das  erstere  dieser  Organe  unvergleich- 
lich blutreicher  ist,  als  das  andere  untersuchte  Organ  und  die  Muskeln. 

Dasselbe  negative  Resultat  bezüglich  der  Gegenwart  des  Anti- 
toxins erhielten  wir  bei  der  Taube  mit  dem  wässerigen  Extrakte  der 
Muskeln  und  Organe  (Leber,  Herz,  Milz). 

Aus  den  zur  Lösung  unserer  zweiten  Frage  angestellten  Ver- 
suchen konnte  man  den  Schluss  ziehen,  dass  das  Tetanus-Antitoxin 
weder  in  den  Geweben  (Muskeln)  noch  in  den  Organen  (Leber,  Milz) 
vorhanden  ist,  und  dass  es  sich  im  Blute  vorzüglich  im  Serum  vor- 
findet. 

Diese  unsere  Folgerung  unterscheidet  sich  also  wesentlich  von  den 
von  Andern  für  andere  Infektionen  gezogenen.  So  hat  Foä1)  kürzlich 
aus  Muskeln  und  Eingeweiden  von  Kaninchen,  welche  mit  dem  Pneu- 
monococcus  von  Fraenkel  infizirt  waren,  eine  Substanz  erhalten, 
welche  fähig  ist,  andere  Kaninchen  gegen  diese  Infektion  immun  zu 
machen,  und  V  a  8  s  a  1  e  und  Montanari*)  haben  denselben  Zweck  mit 
dem  Glyzerinextrakt  aus  hepatisirter  Menschenlunge  erreicht.  End- 
lich hat  Hankin8)  aus  der  Milz  der  Ratte  eine  Substanz  von  dem- 
selben Charakter  isolirt,  wie  diejenige,  welche,  aus  dem  Blutserum 
desselben  Thieres  bereitet,  ebenfalls  keimtödtende  Kraft  besitzt  und 
gegen  Milzbrand  immun  macht 

Um  die  letzte  der  uns  gestellten  Fragen  zu  beantworten,  haben 
wir  zahlreiche  Experimente  an  Kaninchen  und  Mäusen  mit  dem 
trockenen  alkoholischen  Niederschlage  aus  dem  Blutserum  des  gegen 
Tetanus  immunen  Hundes  angestellt. 

1)  Pok,  SnlU  immunita  veno  il  diplococco  pn«umonico.  (L'  Obaervatore ,  Gas. 
med.  di  Törin o,  25  dicembre  1890.) 

2)  V  a  s  »  a  I « ,  F. ,  e  Montanari,  F. ,  Sali'  immunita  contra  il  diplococco 
pneumonico,  conferita  coli'  estratto  glicerinioo  di  polmone  epatiazato.  (Gas.  degli  OspiUli. 

3)  Hankin  1.  c. 


fernere  UnterBnchungeo  Über  das  Tetanus-Antitoxin.  39 

Wir  erinnern  vor  Allem  daran,  dass  die  Toxizität  der  von  uns 
bei  diesen  Untersuchungen  gebrauchten  Tetanuskulturen  so  bedeutend 
war,  dass  Kaninchen  von  mittlerer  Grösse,  ungefähr  1300—1500  g 
schwer,  nach  Unterhautinjektion  von  1/10  Tropfen  dieser  Kultur  schon 
nach  20  Stunden  örtliche  tetanische  Symptome  zeigten;  nach  30 
Stunden  erschien  das  vollständige  Bild  des  experimentellen  Tetanus, 
uüter  welchem  sie  70  Stunden  nach  der  Injektion  starben. 

Dieselbe  Menge  von  Kultur,  wenn  sie  einem  grossen,  weissen  Mus 
decumanus  unter  die  Haut  gespritzt  wurde,  tödtete  denselben 
Dach  18—20  Stunden  unter  sehr  heftigen  tetanischen  Erscheinungen, 
und  500  Tropfen  derselben  Kultur,  einer  weissen  Maus  subkutan  in- 
jizirt,  genügte,  um  bei  diesem  Thiere  nach  19  Stunden  die  ersten 
Symptome,  nach  48  Stunden  das  vollständige  Bild  des  Tetanus  und 
nach  55  Stunden  den  Tod  hervorzubringen. 

Nach  Feststellung  dieser  Thatsachen  untersuchten  wir,  ob  es 
durch  vorhergehende,  gleichzeitige  oder  nachfolgende  Injektion  starker 
Dosen  von  Tetanus- Antitoxin,  mit  Alkohol  gefällt,  in  wenig  Wasser 
gelöst,  möglich  wäre,  die  bei  Kaninchen  durch  einen  einzigen  Tropfen 
filtrirter  Tetanuskultur  hervorgebrachten  Symptome  zu  verhüten,  zu 
verzögern  oder  nur  weniger  heftig  zu  machen.  Aber  soviel  wir 
auch  die  Zeitzwischenräume  zwischen  der  Injektion  des  Tetanusgiftes 
und  der  des  Antitoxins  wechseln  Hessen,  so  verschiedene  Wege  wir 
auch  zur  Einführung  des  letzteren  in  den  Organismus  wählten,  so 
gelang  es  uns  doch  bei  dem  Kaninchen  niemals,  weder  die  Entwicke- 
lung  der  tetanischen  Erscheinungen  zu  verhüten,  noch  sie  zu  heilen 
oder  nur  ihre  Heftigkeit  zu  vermindern,  wenn  sie  sich  einmal  ent- 
wickelt hatten.  Bei  diesen  Experimenten  wurde  das  Antitoxin  unter 
die  Haut  an  derselben  Stelle  injizirt,  wo  die  Einspritzung  des  Teta- 
nusgiftes gemacht  worden  war  oder  gemacht  werden  sollte,  in  ein 
Blutgefäss,  unter  die  Dura  mater  und  sogar  in  den  Nervenstrang 
des  inokulirten  Gliedes ;  in  einigen  Fällen  wurde  die  Injektion  mehr- 
mals wiederholt,  aber  immer  ohne  Wirkung. 

Dagegen  ist  es  uns  bei  Mus  decumanus  albinus  gelungen, 
durch  das  Tetanus-Antitoxin  in  getrocknetem  Zustande  Immunität  ge- 
gen Tetanus  hervorzubringen,  wie  durch  das  Blutserum  des  immunen 
Hundes.  2  bis  3  cg,  und  vielleicht  noch  weniger,  von  in  Wasser  ge- 
löstem und  in  die  Bauchhöhle  injizirtem  Antitoxin  genügen,  um  eine 
Ratte  gegen  Tetanus  immun  zu  machen.  Diese  Immunität  jedoch 
hat,  wie  auch  die  direkt  durch  Blutserum  hervorgebrachte,  gewisse 
Grenzen,  sowohl  in  Bezug  auf  die  Menge  des  Tetanusgiftes,  welche 
das  Thier  ertragen  kann,  als  auch  in  Bezug  auf  ihre  Dauer. 

Was  den  ersten  Punkt  betrifft,  so  haben  wir  gefunden,  dass  man 
einer  immunen  Ratte,  ohne  dass  das  Thier  im  Geringsten  darunter 
leidet,  bis  zu  0,2  ccm,  soviel  als  6  Tropfen,  der  filtrirten  Kultur  in- 
jiziren  kann:  eine,  absolut  betrachtet,  ziemlich  geringe  Menge,  die 
aber  sehr  gross  erscheint,  wenn  man  sie  mit  derjenigen  vergleicht, 
welche  bei  nicht  immunisirten  Thieren  in  kurzer  Zeit  Tetanus  und 
Tod  hervorbringt 

In  Beziehung  auf  den  zweiten  Punkt  haben  wir  gefunden,  dass 
bei  einem  Mus  decumanus  albinus  6  Tage  nach  Beibringung  des 


40  «Jansoö, 

Tetanusantitoxins  und  5  Tage  nachdem  das  Thier  sich  gegen  eine 
Injektion  von  Tetanusgift  immun  gezeigt  hatte,  eine  zweite  Injektioo 
desselben  Giftes  in  derselben  Dosis  schon  leichte  örtliche  Symptome 
hervorrief,  welche  keine  Neigung  hatten,  allgemein  zu  werden,  die 
aber  genügten,  um  uns  zu  beweisen,  dass  die  der  Ratte  durch 
Antitoxin  übertragene  Immunität  gegen  das  Tetanusgift  schon  nach 
so  kurzer  Zeit  anfängt,  schwächer  zu  werden.  Wir  hielten  es  daher 
für  unnöthig,  die  Injektion  von  Tetanusgift  mehrmals  zu  wiederholen, 
um  zu  sehen,  wann  diese  Immunität  vollständig  erschöpft  wäre,  denn 
einige  kürzlich  an  Kaninchen  beobachtete  Thatsachen  haben  uns  die 
Möglichkeit  bewiesen,  dass  auch  bei  Thieren,  welche  gegen  Tetanus 
sehr  empfindlich  sind,  das  Ueberwinden  einer  oder  mehrerer  leichter 
Tetanusvergiftungen  im  Stande  ist,  wenigstens  innerhalb  gewisser 
Grenzen,  Immunität  gegen  diese  Infektion  hervorzubringen. 

Endlich,  nachdem  die  Möglichkeit  bewiesen  war,  dem  Mus  de- 
cumanus  durch  Injektion  des  Antitoxins  in  getrocknetem  Zustand 
Immunität  gegen  Tetanus  zu  verschaffen,  wollten  wir  versuchen,  ob 
man  durch  diese  Substanz  bei  diesem  Thiere  auch  den  schon  ent- 
wickelten Tetanus  heilen  könne,  was  wir  schon  früher1)  durch  Injek- 
tion von  Blutserum  des  immunen  Hundes  vergeblich  zu  erreichen 
versucht  hatten. 

Aber  in  dieser  Beziehung  haben  wir  sowohl  bei  Mus  de  cu- 
manus als  bei  Mus  musculus  albinus  dieselben  negativen 
Resultate  erhalten  wie  beim  Kaninchen. 

Auch  durch  Injektion  starker  Dosen  von  Antitoxin,  welche  beim 
ersten  Anfang  der  tetanischen  Symptome  und  in  einigen  Fällen  mehr- 
fach wiederholt  wurden,  ist  es  uns  niemals  gelungen,  irgendwie  den 
Verlauf  des  Tetanus  zu  beeinflussen,  auch  wenn  wir  versuchten, 
durch  Injektion  sehr  kleiner  Mengen  des  Giftes  einen  möglichst 
langsamen  Verlauf  der  tetanischen  Vergiftung  hervorzubringen. 

Bologna,  Mitte  Mai  1891. 


Versuche  zur  Erlangung  künstlicher  Immunitat  bei 
Variola  vaccina. 

Vortrag,  gehalten  in  der  Gesellschaft  der  schwedischen  Aerzte 
den  12.  Mai  1891 

von 

Dr.  Carl  Janson 

in 

Stockholm. 

Im  Mai  1888  hielt  ich  in  der  Gesellschaft  der  schwedischen 
Aerzte  einen  Vortrag  über  Schutzimpfung  und  Immunität*),  in  dem 
ich  hervorhob,  dass  die  Immunität  für  eine  Infektionskrankheit  wahr- 

1)  Tizsoni   «  Cattanf,    Sul    modo   di   oonferire   ad    alcuni    animali  rimmuniU 
contra  il  totano,  1.  c. 

2)  Hygiea.     Oktober  1888. 


Versuche  »ur  Erlangung  künstlicher  Immunität  bei  Variola  Vaccine.  4l 

scheinlich   durch   die  von   den  Mikroben  gebildeten  Stoffwechselpro- 
dukte hervorgerufen  würde ').    Ich  glaubte  auch,  dass  es  dieselben 
Stoffe  wären,  welche  es  machten,  dass  die  Krankheit  zur  Gesundheit 
führte  und  dass  man  eine  Infektionskrankheit  dadurch  heilen  könnte, 
dass  man  diese  Stoffe  in  angemessenen  Dosen  in  den  Organismus  ein- 
verleibte.   Für  meine  Ansicht  über  die  Immunität  hatte  ich  eine  Stütze 
in  der  Autorität   verschiedener  Personen  —  ich  nenne  nur  Chau- 
veau,  welcher,  soviel  ich  weiss,  als  erster  von  alleu,  bereits  1880 
diese  Ansicht  aussprach,  und  überdies  sprachen  ein  paar  Experimente 
dafür.    Beumer  hatte  durch  dasselbe  Bakterienprodukt  bei  Ratten 
Immunität  für  Typhotoxin  erlangt,  d.  h.  Immunität  für  eine  Intoxi- 
kation, nicht  für  eine  Infektion;   das  aber  sind  doch  Dinge,  welche 
einander  sehr  nahe  stehen,  und  vor  allem  hatten  Salmon   und 
Smith  Tauben  gegen  Schweinepest  (Hog-cholera)  durch  sterilisirte 
Bakterienkulturen  immunisirt.    Diese  letzteren  Experimente  sind  dann 
von  Seiander  in  Annales  de  Mnstitut  Pasteur  1890  mit  Recht 
scharf  kritisirt  worden;  damals  aber  hielt  man  sie  für  gut.    Se- 
iander hat  unter  anderem  gezeigt,  dass  man  die  von  Natur  refrak- 
tären Tauben  nicht  auf  diese  Weise  immun  machen  kann.    Die  ameri- 
kanischen Verfasser  sind  von  der  natürlichen  Immunität  der  Thiere 
und  dem  niedrigen  Virulenzgrade  ihrer  Kulturen   getäuscht  worden. 
Mit  Kaninchen  dagegen  gelingt  der  Versuch.    Später  haben  Roux 
und  Chamberland,  Charrin  u.a.  diese  Sache  bewiesen;  damals 
aber  hatte  ich  mich  nur  auf  Vorstehendes  zu  stützen.    Für  die  Heilung 
einer  Infektionskrankheit  durch  Bakterienprodukte  sprachen  dagegen 
nur  einige  theoretische  Raisonnements ;  ich  jedoch  war  lebhaft  davon 
überzeugt,  dass  dem  so  war.  —  Um  diese  Sachen  zu  beweisen,  stellte 
ich  verschiedene  Versuche  an,  die  ich  im  Juni  1888  begann,  und  ich 
wählte  Variola  vaccina  als  die  zum  Experimentiren  geeignete  Krank- 
heit   Man  kannte  deren  Mikrobe  allerdings  nicht,  doch  zweifelte  wohl 
Niemand  daran,  dass  die  Krankheit  durch  eine  solche  hervorgerufen 
wurde;  man  konnte  sie  zu  jeder  Zeit  auf  Menschen  und  gewissen 
Thieren  reproduziren ;    sie   war    ungefährlich,   und    eine    natürliche 
Immunität  für  dieselbe  kam   selten  vor.    Vielleicht  hätte  ich  zuerst 
an  Thieren  Versuche  anstellen  sollen,  die  geeignetsten  jedoch,  näm- 
lich Kälber,  waren  indessen  ihrer  Kosten  wegen  schwer  zu  beschaffen 
und  zu  unterhalten,  weshalb  ich  —  mit  gütiger  Erlaubniss  des  Ober- 
arztes, Professor  Medin  —  meine  Experimente  an  Kindern  im  allge- 
meinen Kinderhause  (Findelbause)  zu  Stockholm  begann  und  darnach 
vielleicht  mit  Thieren  Experimente  zu  machen  gedachte.    Ich  beab- 
sichtigte meine  Experimente  so  anzustellen,  dass  ich  soviel  wie  mög- 
lich Vaccine  sammeln,  dieselbe  sterilisiren  und  sie  subkutan  nicht 
geimpften  Kindern  einspritzen  wollte,  wonach  deren  Immunität  durch 
Impfung  geprüft  werden  sollte.    Ich  wollte  auch  Experimente  mit 
anderen  Flüssigkeiten  von  Geimpften  anstellen,  und  zwar  mit  Blut 
und  Milch.    Ferner  wollte  ich  zu  verschiedenen  Zeitpunkten  nach  der 
Inokulation  sehen,  ob  ich  durch  Einspritzung  dieser  Flüssigkeiten 
dem  Vaccinationsprozesse  Einhalt  thun  könnte.    Ich  gestatte  mir, 

1)  In  Uebereinstimmuog  mit  der  sog.  Gegengifttheorie. 


42  «Uftsotk, 

hier  anzudeuten,  dass  dies  die  ersten  chemischen  Immunisirangsver- 
suche  an  Menschen  sind  und  so  viel  ich  weiss  die  ersten  Experimente, 
welche  geplant  und  ausgeführt  worden  sind,  um  eine  Infektionskrank- 
heit durch  Bakterienprodukte  zu  heilen. 

Mitte  Juni  1888  begann  ich  meine  Experimente  mit  Kindern, 
wobei  ich  Vaccine  vom  8. — 10.  Impfungstage  sammelte,  dieselbe 
mit  physiologischer  Kochsalzlösung  verdünnte,  durch  diskonti- 
nuirliche  Sterilisation  einige  Tage  lang  sterilisirte  und  Kontroll- 
kinder damit  impfte,  um  zu  sehen,  ob  sie  steril  war,  wonach  ich 
sie  ungeimpften  Kindern  subkutan  einspritzte,  welche  ich  dann  in 
1 — 7  Tagen  vaccinirte.  Ich  hatte  Schwierigkeit,  Vaccine  in  grosse- 
rer Menge  zu  sammeln,  doch  gelang  es  mir  einmal,  1  ccm  zu  erhal- 
ten. In  keinem  dieser  Fälle  habe  ich  Immunit&t  erlangen  können, 
mehrmals  aber  veränderte  sich  der  Verlauf  so,  dass  am  Einstiche 
zu  Anfang  des  dritten  Tages  Papeln  auftraten,  anstatt  zu  Anfang 
des  vierten,  und  dass  die  Vesikeln  früher  als  gewöhnlich  eintrock- 
neten. In  einem  Falle,  wo  ich  den  20.,  21.,  22.  und  23.  September 
*L  ccm  Vaccine  eingespritzt  und  den  25.  vaccinirt  hatte,  zeigten 
sich  Tags  darauf  Papeln  und  den  28.  Vesikeln,  welche  den  2.  Oktober 
mit  Kruste  versehen  waren  und  also  einen  beschleunigten  Verlauf 
zeigten,  wie  man  ihn  bei  der  Revaccination  oft  beobachtet  Einen  solchen 
Verlauf  hatte  ich  noch  einige  andere  Male  zu  sehen  Gelegenheit 
Als  ich  einige  Kinder  auf  diese  Weise  behandelt  hatte,  hielt  ich  dafür, 
dass  man  untersuchen  sollte,  welchen  Tag  Immunität  bei  der  Impfung 
einträte,  um  zu  wissen,  von  welchem  Tage  die  Lymphe  anzuwenden  sei. 
Als  ich  in  den  gewöhnlichen  Handbüchern  nachsah,  war  diese  Sache 
mit  keinem  Worte  darin  erwähnt,  weshalb  ich  versuchte,  selbst  diese 
Sache  zu  ergründen.  Am  22.  Juli  impfte  ich  ein  Kind,  welches  auf 
jedem  Arme  eine  Je nn er' sehe  Blase  hatte  und  am  14.  Juli  geimpft 
war.  Am  folgenden  Tage  hatte  ich  Papeln,  diese  gingen  indessen 
herab,  und  es  kamen  keine  Vesikeln.  Am  9.  Tage  war  also  nahezu 
Immunität  eingetreten.  Am  8.  Tage  bekam  ich  auch  Papeln,  des- 
gleichen am  7.;  in  einem  Fall  mit  nur  einer  Vesikel  schlugen  auch 
3  Impfstiche,  geimpft  am  7.  Tage,  an.  Am  6.  Tage  schlug  die  Vaccine 
in  allen  Fällen  an.  Um  zu  sehen,  wie  sich  die  Vesikeln  entwickelten, 
vaccinirte  ich  nun  dieselben  Kinder  Tag  für  Tag,  bis  ich  Reaktion 
erhielt;  zusammen  genommen  vaccinirte  ich  14  Kinder  auf  diese 
Weise.  Die  Impfstiche  am  l.,  2.  und  3.  Tage  entwickeln  sich  wie 
gewöhnlich,  die  aber  am  4.  ö.  und  6.  Tage  zeigen  schon  am  Tage 
nach  der  Impfung  Papeln  und  Tags  darauf  Vesikeln;  es  sieht  so  aus, 
als  hätten  sie  Eile,  ihre  Vorgänger  zu  erreichen.  Sie  trocknen  alle 
gleichzeitig,  sind  da  aber  von  verschiedener  Grösse,  die  zuletzt  ge- 
impften kleiner  als  die  ersten,  und  zwar  z.  B.  3—4  mm  gegen  1  cm 
im  Durchmesser.  Vom  7. — 10.  Vaccinationstage  erhält  man  bei  der 
Impfung  bloss  Papeln,  welche  immer  kleiner  werden;  am  11.  und 
12.  Tage  aber  entstehen  nicht  einmal  Papeln.  Hieraus  sieht  man, 
dass  die  Immunität  allmählich  und  nicht  plötzlich  auftritt,  dass  sie 
sozusagen  mit  der  Vesikelbildung  beginnt  und  am  11.  und  12.  Tage 
komplett  ist,  dass  der  6.  Tag  der  bedeutungsvollste  ist  und  fast  voll- 
ständige Immunität  mit  sich  bringt.     Ich  habe  über  diese  Verhält- 


Versuche  nr  Erlangung  künstlicher  Immunität  bei  Variola  vacclni.  43 

nisse  etwas  ausführlicher  berichtet,  obgleich  in  dieser  Hinsicht  schon 
Untersuchungen  —  welche  ich  gleich  nennen  werde  —  gemacht 
worden  sind ;  ich  habe  mich  jedoch  darüber  geäussert,  weil  die  ge- 
wöhnlichen Handbücher  nichts  davon  erwähnen  und  man  diese  Sache 
im  Allgemeinen  vergessen  zu  haben  scheint,  obgleich  sie  nicht  allein 
in  theoretischer  Beziehung  von  ausserordentlich  grosser  Bedeutung 
ist,  sondern  auch  zur  Lösung  der  Frage,  wann  der  Vaccinirte  vor 
Variola  geschützt  ist  Bereits  Sacco  machte  zu  Anfang  dieses 
Jahrhunderts  diesbezügliche  Untersuchungen,  indem  er  Vaccinirten 
Variola  einimpfte. 

Bei  der  Impfung  während  der  ersten  5  Tage  bekam  er  fast 
immer  gutarige  Variola,  am  6.  und  7.  Tage  trat  nur  Lokalerup- 
tion ein,  welche  bei  der  Impfung  am  8.— IL  Tage  immer  unbe- 
deutender wurde,  und  am  11. — 13.  Tage  ward  das  Impfungsresultat 
negativ.  Dies  stimmt  ja  mit  unsern  Untersuchungen  ganz  ge- 
nau überein.  Ztfhrer  in  den  30er  Jahren,  Kuhn  in  den  40er  und 
Vetter  in  den  60er  Jahren  haben  ungefähr  dasselbe  Resultat  er- 
halten l),  haben  aber  über  den  6.  Tag  hinaus  nie  Vesikeln  bekommen; 
in  einem  Falle  erhielt  ich  solche  am  7.  Tage.  Dagegen  will  ich 
gegen  eine  Aeusserung  von  Paulsen  in  Medicinisk  Aarskrift  (med. 
Jahresschrift)  1891  Einspruch  thun,  dass  nämlich  am  8.  Tage  nach 
gelungener  Vaccinirung  die  wiederholte  Vaccinirung  anschlägt;  dann 
aber  schlägt  sie  niemals  an.  Während  ich  hier  von  meinem  eigent- 
lichen Gegenstande  abweiche,  will  ich  erwähnen,  dass  ich  nie  Pusteln 
an  der  Vaccine  gesehen  habe.  In  den  meisten  Beschreibungen  über 
Vaccine,  die  ich  gesehen  habe,  steht  ungefähr  so,  dass  am  8.,  nach 
andern  am  10.  Tage  sich  der  Inhalt  der  Vesikeln  „trübt"  und  eiterig 
wird.  Dies  geschieht  bestimmt  nur  ausnahmsweise,  z.  B.  wenn  man 
eine  Eiterinfektion  mit  bekommen  hat  Der  Inhalt  der  Vesikeln  ist 
z.  B.  am  10.  Tage  rein  serös;  die  Vesikeln  haben  allerdings  das 
Aussehen  von  Pusteln,  sind  es  aber  nicht 

Bezüglich  der  Zeit  für  das  Eintreten  der  Immunität  wandte  ich  zu 
meinen  Versuchen  Lymphe  vom  6.  und  auch  von  den  folgenden  Tagen 
an,  ohne  zu  einem  anderen  Resultate  als  dem  im  Vorstehenden  bereits 
geschilderten  zu  kommen.  Da  ich  dafür  hielt,  dass  die  immunisirenden 
Stoffe  in  allen  Flüssigkeiten  des  Körpers  enthalten  sind,  wandte  ich 
sterilisirtes  Blutserum  von  einem  vaccinirten  Kalbe  an,  welches  am 
6.  Tage  geschlachtet  worden  war,  doch  in  keiner  grösseren  Dosis  als 
5  g  und  ohne  Resultat  Ich  vaccinirte  mehrere  Ammen,  und  wenn 
ich  nach  1 — 2  Wochen  deren  Brustkinder  vaccinirte,  schlug  die  Vac- 
cine stets  an  und  entwickelte  sich  normal  Ich  machte  jedoch  niemals 
eine  subkutane  Injektion  von  Milch. 

Ferner  spritzte  ich  auch  vaccinirten  Kindern  sterile  Lymphe  zu 
verschiedenen  Zeitpunkten  nach  der  Inokulation  ein,  erreichte  aber 
nichts  anderes,  als  einen,  wie  es  schien,  beschleunigten  Verlauf  der 
Vaccine.  Nachdem  ich  mit  diesen  auf  verschiedene  Weise  variirten 
Versuchen  ungefähr  1  Jahr  lang  angehalten  hatte,  hörte  ich  mit 
dem  Vorsatze  auf,  dieselben  bei  Gelegenheit  von  neuem  wieder  auf- 
zunehmen. 

1)  H.  B  o  h  n ,  Handbuch  der  Vaccinatiön, 


44      Jansoii,  Versuch«  sur  ferlaagiing  kunttl.  Immunität  bei  Variola  vaoeU*. 

Aus  verschiedenen  Gründen  dauerte  dies  bis  zum  November 
vorigen  Jahres,  bis  ich  meine  Experimente  wieder  aufnahm,  dieses 
Mal  an  Kälbern.  Durch  das  freundliche  Entgegenkommen  des  ersteo 
Stadtarztes  Dr.  Linroth  durfte  ich  meine  Kälber  im  Stall  der 
unter  der  Gesundheitsbehörde  stehenden  Vaccinationsanstalt  halten, 
und  ausserdem  stand  mir  der  Vorsteher  derselben,  Dr.  Kjerrulf, 
in  der  zuvorkommendsten  Weise  mit  Rath  und  That  bei. 

Ich  benutzte  drei  bis  vier  Monate  alte  Kälber,  spritzte  ihnen 
unter  die  Bauchhaut  anfangs  durch  Erwärmung  sterilisirte  Kalb- 
Vaccine  ein,  worauf  ich  sie  nach  1—3  Tagen  vaccinirte.  Stets  über- 
zeugte ich  mich  durch  Kontrollimpfung  auf  Kinder  davon ,  dass  die 
erwärmte  Vaccine  impfsteril  war,  wie  ich  auch  die  virulente  durch 
Kontrollimpfung  prüfte.  Die  eingespritzte  Menge  betrug  4,  5  und 
8  g.  Das  erste  Kalb  musste  zu  Anfang  des  Versuches  wegen  ein- 
getretener Diarrhöe  geschlachtet  werden,  bei  den  beiden  anderen 
entwickelte  sich  die  Vaccine  normal. 

Ich  ging  nun  zu  Immunisirungsversuchen  mit  Blutserum  von 
vaccinirten  Kälbern  über.  Um  dies  zu  erhalten,  sammelte  ich  d&s 
Blut  aus  der  Vena  jugularis  beim  Schlachten,  Hess  es  2  Tage  auf 
Eis  stehen,  mischte  das  Serum  mit  etwas  Sodalösung,  um  der  Koa- 
gulation bei  der  10—15  Minuten  langen  Erwärmung  bis  65— 70°C 
zuvorzukommen,  welche  letztere  nun  erfolgte.  Diese  Erwärmung  ist 
nothwendig,  denn  es  ist  bewiesen,  dass  das  Blut,  vom  8.  Tage  an 
wenigstens,  das  Vaccinekontagium  enthält,  und  Reiter  vergleicht 
das  Blut  mit  Lymphe  in  1200  fach  er  Verdünnung.  Es  hatte  sich  bei 
Versuchen,  welche  ich  mit  Vaccine  gemacht  hatte,  gezeigt,  dass  eine 
solche  Erhitzung  genügend  ist,  das  Kontagium  zu  tftdten  '). 

Ich  brauche  wohl  kaum  anzudeuten,  dass  meine  Versuche  mit 
impfsteriler  Vaccine  und  sterilem  Blute  ganz  anderer  Natur  sind,  ab 
die,  welche  an  Pferden  und  Kälbern  mit  subkutaner  und  intravenöser 
Injektion  von  virulenter  Vaccine  von  Chauveau  oder  mit  Trans- 
fusion von  unsterilisirtem  Blute  von  Reynaud  und  von  L 
Pfeiffer  in  Weimar  an  Kälbern  gemacht  worden  sind. 

AnfangB  wandte  ich  kleine  Quantitäten  Serum,  12—15  g,  sd, 
ging  aber  bald  zu  grösseren  über.  Es  sah  nun  aus,  als  ob  ich  auf 
gutem  Wege  sei,  zum  Ziele  zu  kommen.  Kalb  XIII  bekam  40  g  auf 
obengenannte  Weise  sterilisirten  Blutserums  subkutan,  genommen  am 
6.  Vaccinationstage,  und  Kalb  XIV  erhielt  50  g  von  demselben 
Serum.  Das  erstere  Kalb  wurde  unmittelbar  darnach  vaccinirt,  das 
letztere  nach  6  Tagen.  Bei  dem  ersteren  entwickelte  sich  die  Vac- 
cine schlecht  und  ging  kaum  weiter,  als  bis  zur  Papelbildung,  und 
bei  dem  anderen  trockneten  die  Vesikeln  schnell  und  erreichten  nur 
die  Grösse  eines  Hanfkornes  oder  einer  Erbse.  Voller  Hoffnung  in- 
jizirte  ich  nun  90,  100,  60  und  70  g  Blutserum,  genommen  vom  5. 
und  9.  Vaccinationstage,  und  die  Kälber  wurden  theils  gleich,  theils 
Tags  darauf  oder  am  4.  und  9.  Tage  darnach  vaccinirt;  in  diesen 
Fällen  aber  entwickelte  sich  die  Vaccine  normal.     Ich  brach  nun 

1)  Braidwood  und  Vicher  geben  an,   dass  das  KonUuriam   bei  «fii°  C  uud 
darüber  in  einigen  Minuten  getödtet  wird.  *v°n»giam   bei  6ö,S    u 


WysaokowieB,  Zur  Frage  von  der  LokftJfatton  des  Tollwnthvirus  ete.       45 

meine  Versuche  ab,  nachdem  ich  18  Kälber  dazu  verwandt  hatte, 
und  zwar  hauptsächlich  darum,  weil  ich  nicht  glaubte,  dass  ich 
ohne  allzu  viele  Experimente  an  das  gesteckte  Ziel  kommen  würde, 
und  überdies  waren  die  Versuchsthiere  recht  theuer. 

Sollte  ich  Gelegenheit  haben,  damit  fortzufahren,  würde  ich  viel- 
leicht das  Blut  nicht  früher  nehmen,  als  nach  dem  12.  Vaccinations- 
tage  und  bedeutend  grössere  Mengen  als  bisher  verwenden. 


Zur  Frage  von  der  Lokalisation  des  Tollwuthvirus 
im  Organismus  der  Thiere. 

[Aus  der  bakteriologischen  Station  der  medizinischen  Gesellschaft 

zu  Charkow.] 

Von 

Dr.  W.  Wyssokowiez. 

Seitdem  Pasteur's  Schutzimpfungen  gegen  die  Hundetollwuth 
praktisch  angewandt  werden,  unterscheiden  wir  zwei  Grade  starken 
angeschwächten  Giftes.  Das  Gift  der  Strassentollwuth  und  Virus  fixe 
oder  das  Gift  der  Kaninchentollwutb.  Wird  einem  Kaninchen  durch 
Trepanation  eine  Emulsion  aus  dem  Rückenmark  eines  in  Folge  natür- 
licher Tollwuth  gefallenen  Hundes  oder  eines  anderen  Thiere«  (Wolf, 
Katze,  Esel  u.  A.)  in  der  Quantit&t  von  0,1—0,2  ccm  unmittelbar 
unter  die  Dura  mater  eingeimpft,  so  erkrankt  gewöhnlich  das  Kanin- 
chen am  14.— 15.— 16.  Tage  und  geht  2  oder  3  Tage  darauf  zu  Grunde. 
Dies  ist  die  Strassentollwuth.  Das  Rückenmark  eines  an  Tollwuth 
krepirten  Kaninchens  einem  anderen  folgerecht  übertragend,  be- 
merkte Pas  teur ,  dass  die  Inkubationsperiode  allmählich  abnahm,  bis 
sie  7  Tage  erreichte,  auf  welchem  Punkte  sie  stehen  blieb  und  sich 
selbst  nach  tausend  Unterimpfungen  nicht  weiter  verändert  Bei  uns 
dauert  diese  Inkubationsperiode  wegen  einer  kleineren  Kaninchen- 
rasse gewöhnlich  5,5  Tage;  aber  auch  bei  uns  blieb  sie  nach  drei- 
jähriger Praxis,  in  welcher  Zeit  über  tausend  Kaninchen  geimpft 
wurden,  dieselbe.  In  seltenen  Fällen  kann  man  den  Anfang  der  Er- 
krankung nach  6—7  Tagen  beobachten,  als  Regel  aber  erst  am  6. 
Tage.  Dabei  gehen  aber  die  nach  5,5  Tagen  erkrankten  Kaninchen 
gewöhnlich  nach  3  und  4  Tagen  zu  Grunde,  während  die  später  er- 
krankten oft  vor  dem  3.  und  4.  Tage  sterben,  so  dass  im  Allgemeinen 
die  Zeit  vom  Anfang  der  Impfung  bis  zum  Tode  der  Thiere  bei  allen 
sich  mehr  oder  weniger  ausgleicht  Dies  ist  die  Laboratoriums- 
kamnchentollwuth. 

Der  so  grosse  Unterschied  in  der  Virulenz  des  Laboratoriums  — 
Virus  fixe  —  tritt  auch  bei  den  Impfungen  der  Hunde  hervor.  Diese 
erkranken  gewöhnlich,  nachdem  ihnen  die  Laboratoriums-virus  fixe 
unter  die  Dura  mater  eingeimpft  ist,  spätestens  nach  7—8  Tagen  und 
krepiren  dann  in  2—3  Tagen. 


46  Wyssokowle», 

Erscheint  aber  in  diesen  Fällen  die  Inkubationsperiode  so  kurz, 
so  geschieht  es  nur  nach  Impfung  in's  Gehirn.  Nach  Impflingen  in 
andere  Theile  des  Körpers,  wie  auch  nach  Verwundungen  durch  tolle 
Thiere  verlängert  sich  die  Inkubationsperiode  bedeutend  (bis  zu  einem 
Monat)  und  kann  sogar  ein  halbes  Jahr  und  noch  mehr  erreichen. 
Da  das  Bild  der  Erkrankung  hauptsächlich  auf  eine  Verletzung  des 
Centralnervensystems  hinweist,  so  konnte  man  auch  glauben,  dass  beim 
Einfahren  des  Giftes  in  weitabgelegene  Theile  des  Körpers  es  viel 
mehr  Zeit  brauchen  muss,  um  allmählich  sich  verfliesseud  und 
aus  einer  Lymphdrüse  in  die  andere  übergehend,  endlich  das 
Blutsystem  zu  erreichen  und  dann  erst  mit  dem  Blutstrom  in  das 
Nervensystem  hineingebracht  zu  werden.  Doch  vor  Pasteur  hatten 
wir  nur  eine  sehr  unbestimmte  Vorstellung  sowohl  von  der  Eigen- 
schaft des  Giftes,  als  auch  von  der  Art  seiner  Verbreitung,  und  erst 
Pasteur  klärte  einigermaassen  diese  Frage  auf.  Indem  er  die 
Giftigkeit  verschiedener  Gewebe  und  Organe  an  Tollwuth  gefallener 
Thiere  experimentell  an  Thieren  prüfte,  fand  er1),  dass  sie  haupt- 
sächlich im  Gehirn  und  Rückenmark  konzentrirt,  am  meisten  aber 
im  verlängerten  Marke,  dessen  Veränderungen  die  Grundlage  der 
wichtigsten  Symptome  dieser  Erkrankung  bilden,  centralisirt  ist.  Von 
den  anderen  Organen  erwiesen  sich  nur  die  Speicheldrüsen  am  meisteo 
virulent.  Aber  zu  gleicher  Zeit  glaubte  er,  dass  das  Gift  der  Toll- 
wuth sich  auch  im  Blute  (also  auch  in  anderen  Organen?)  befinde, 
wenn  auch  nicht  in  so  starkem  Grade  (resp.  nicht  so  konzentrirt), 
und  dass  das  Gift  sich  im  Organismus  verbreite  und  bis  zum  Nerven- 
system längs  den  Blutadern  gelange.  Ohne  in  seinen  späteren  Er- 
forschungen die  Verbreitung  des  Giftes  längs  den  Nerven  zu  ver- 
neinen, bewies  Pasteur  durch  seine  Experimente  die  Möglichkeit 
des  Ansteckens  der  Kaninchen  nach  den  Injektionen  des  Giftes  gerade 
ins  Blut 

Nicht  ganz  gleiche  Resultate  erzielten  andere  Forscher.  Di 
Vestea  und  Zagari')  und  später  Bardach3),  de  Blasi  und 
Rus80  Travali4)  und  Andere  bewiesen,  dass  das  Gift  nach  dem 
Bisse  nicht  mit  dem  Blute,  sondern  längs  den  Nerven  das  Central-, 
nervensystem  erreicht;  dass  die  Nerven  der  gebissenen  Extremität 
mehr  Gift  enthalten,  als  der  entsprechenden  Ungebissenen.  Obgleich 
diese  Beobachtungen  von  Roux6)  (aus  dem  Laboratorium  von 
Pasteur)  in  allen  von  ihm  geprüften  Fällen  nicht  bekräftigt  wurden, 
so  kann  ihre  Richtigkeit  doch  nicht  verneint  werden.  Weiter  gab 
Galtier6)  an,  dass  Einführung  starken  Giftes  unmittelbar  ins  Blut 
nicht  nur  grosse  Thiere  (Schafe  und  Ziegen)  nicht  ansteckt,  sondern 
sie  dabei  sogar  für  spätere  Ansteckung  von  starkem  Gifte  durch  Tre- 1 
panation  unempfänglich  macht;  auf  diese  Weise  kann  man  seiner 
Meinung  nach  die  von  tollen  Thieren  Gebissenen  mit  Erfolg  kuriren, 

1)  Le  traitement  de  la  rag«.  M.  Pasteur.    (Ext  de  la  Revue  Seientif.  1886.) 

2)  Bakter.  Jahresber.  v.  Baumgarten.     1886  u.  1887.  i 
8)  Annale»  de  rinatitnt  Pasteur.     1888.  8.  18.  ' 

4)  Centralbl.  f.  Bakter.  Bd.  VI.  S.  27. 

5)  Annal.  de  linst  Pasteur.     1888.  8.  18. 

6)  Centr.  f.  Bakter.  Bd.  V.    1889.  S.  825.  i 


Zar  Prag«  ron  d.  Lokalisation  d.  Tollwathviras  im  Organismus  d.  Thiere.       47 

Diese  Beobachtungen  wurden  vonRoux  und  Nocard1)  theils  auch 
ton  Protopopow*)  bestätigt. 

Sehr  interessant  waren  in  dieser  Hinsicht  Hei  mann 's*)  Be- 
obachtungen über  die  Einführung  starken  Giftes  in  das  subkutane 
Zellengewebe,  ohne  jedoch  dabei  die  Muskeln  zu  verletzen  —  Thiere 
bleiben  nicht  nur  unangesteckt,  Bondern  Hunde,  Affen  und  sogar  Ka- 
ninchen gewinnen  Immunität.  Diese  Beobachtungen  benutzend,  fing 
Ferra n  4)  an,  sogar  Menschen,  die  von  tollen  Thieren  gebissen  waren, 
zn  kuriren,  ihnen  grosse  Dosen  Virus  fixe  (bis  40  ccm)  in  mehreren 
Malen  unter  die  Haut  einspritzend.  Duclaux6),  der  diese  Arbeit 
referirte  und  ebenfalls  Baumgarten  billigten  diese  Methode,  als 
eine  sehr  gefährliche,  nicht,  da  auch  im  Laboratorium  von  Pasteur, 
w  eben  solche  Experimente  vorgenommen  wurden,  gefunden  war, 
dass,  wenn  viele  Hunde  nach  der  unmittelbaren  Einimpfung  des  Virus 
fixe  in  das  subkutane  Zellgewebe  auch  am  Leben  blieben,  manche 
unter  ihnen  dennoch  an  Tollwuth  zu  Grunde  gingen.  Hierher 
können  noch  die  Experimente  von  A.  Celli  hinzugefügt  werden,  die 
gezeigt  haben,  dass  das  Einführen  des  Rückenmarks  toller  Thiere  in 
die  Höhlung  des  Bauches  der  Kaninchen  immer  bei  ihnen  nach  10— 
20  Tagen  Tollwuth  hervorruft 

Womit  kann  man  aber  solche  verschiedene  Meinungen  erklären? 
Bevor  wir  zur  Behandlung  dieser  Frage  übergehen,  wollen  wir  zu- 
erst nachsehen,  was  uns  die  letzten  Arbeiten  über  das  Befinden  des 
Giftes  der  Tollwuth  in  anderen  Organen  lehren. 

Bujwid*),  der  Erste,  der  in  Russland  (Warschau)  die  Im- 
pfungen der  Tollwuth  angefangen  hatte,  fand,  dass  ausser  Rückenmark, 
Nerven  und  Speicheldrüsen  ebenfalls  auch  das  Blut  der  an  Tollwuth 
erkrankten  Thiere  Gift  enthält,  obgleich  weniger,  als  das  Rückenmark. 
Widersprechende  Resultalte  in  Bezug  der  Ansteckungskraft  des  Blutes 
erklärt  er  dadurch,  dass  das  Blut  seine  Ansteckungsfähigkeit  nur  so 
lange  erhält,  als  das  Thier  am  Leben  ist  und  dass  schon  12  Stunden 
nach  dem  Tode  das  Oift  aus  dem  Blute  verschwindet  und  es  nicht 
mehr  ansteckend  wirkt 

Nach  Nuttal's7)  und  Buchner's*)  Forschungen,  die  be- 
wiesen haben,  dass  das  Blutserum  resp.  Blut  recht  starke  Bakterien 
vernichtende  Eigenschaften  besitzt,  könnte  man,  wenn  auch  etwas 
zögernd,  annehmen,  dass  das  Oift  möglicher  Weise  auch  ins  Blut 
wie  zur  Zeit  der  Ansteckung,  so  auch  während  der  folgenden  Krank- 
heit geräth,  dass  es  aber  meistenteils  deshalb  in  ihm  nicht  aufzufin- 
den ist,  weil  es  im  Blute  schnell  vernichtet  wird;  Experimente  sprechen 
aber  nicht  für  diese  Erklärung.  Dr.  Tscherewkow's  For- 
schungen zeigen  wenigstens,  dass  das  aus  den  Adern  frischgelassene, 

1)  Annalw  de  l'Institot  Pasteur.     1888.  8.  341. 

2)  Centralbl.  f.  Bakt  Bd.  V.  8.  721. 

3)  Centralbl.  f.  Bakter.  Bd.  V.  1889.  8.  583. 

4)  Baumgart.  Jahresber.  1888.  S.  99. 

5)  Annales  de  l'Iastitnt  Pasteur.   1888.  8.  97. 

6)  Metoda  Pasteur'a.  Warssawa  1887. 

7)  Zeitschrift  für  Hygiene.  Bd.  IV. 

S)  Centralb.  f.  Bakter.  Bd.  IV.  No.  21. 


48  Wyasokowlc*, 

defibrinirte  und  mit  einer  Rückenmarkemulsion  etwa  im  VerhAltniss  von 
10  :  2  vermischte  Blut  ein  Kaninchen  mit  normaler  Inkubationsperiode 
ansteckte  und  zwar  nach  Verlauf  bis  zu  7  Stunden,  d.  h.  der  Zeit, 
in  welcher  nach  N u  1 1 a l's  schon  erwähnten  Beobachtungen  die  Wirkung 
des  Serums  auf  die  Bakterien  gewöhnlich  aufhört,  die  lebendigen 
Eigenschaften  des  Blutes  verschwinden  und  mit  ihnen  auch  die  Mög- 
lichheit des  Vernichtens  der  Bakterien.  Also  kann  uns  auch  diese 
Eigenschaft  des  lebendigen  Blutes  die  verschiedenartigen  Resultate 
hinsichtlich  der  Ansteckungsfahigkeit  des  Blutes  nicht  erklären.  Ver- 
schiedene Organe,  wie  Leber,  Milz,  Nieren  u.  A.  enthalten  nach 
Bujwid  auch  kein  Gift.  Weiter  fanden  Perroncito  und  Carita1), 
dass  das  Qift  der  Tollwuthauch  in  die  Milch  übergeht.  Bar  dach3) 
best&rkte  dieses  durch  Verimpfung  der  Milch  einer  später  an  Toll- 
wuth  zu  Grunde  gegangenen  Frau  auf  ein  Kaninchen;  Roux3) 
dagegen  verneint  dieses  und  hält  das  Uebertragen  der  Ansteckung 
in  die  Milch  nur  in  besonderen  Fällen  für  möglich.  Für  die  Ver- 
breitung der  Krankheit  hat  dieser  umstand  jedenfalls  keine  Bedeu- 
tung, da  nach  Nocard's  und  Roux's  Aussage  durch  das  Futter 
das  Gift  der  Tollwuth  nicht  ansteckt  Bei  Noca  rd 4)  frass  ein  Fuchs 
mehrere  Rückenmarke  an  Tollwuth  krepirter  Füchse  und  Hunde  und 
erkrankte  dennoch  nicht;  dabei  gewann  er  aber  auch  keine  Immunität, 
denn  von  starkem  Gilfte  angesteckt,  krepirte  er  zu  gewöhnlicher 
Zeit  an  der  Tollwuth.  Celli  und  de  Blasi 5)  fanden  auch  die  Milch 
toller  Thiere  nicht  ansteckungsfähig  und  konnten  auch  im  Blute  toller 
Thiere  das  Gift  der  Tollwuth  nicht  entdecken.  Ebenfalls  kann  man 
ungeachtet  der  verschiedenen  Meinungen  von  Peroncito  und  Carito 
einerseits,  Celli,  de  Blasi,  Zagari"),  Roux  andererseits  zur 
Ueberzeugung  kommen,  dass  die  Tollwuth  von  der  Mutter  auf  den 
Fötus  nicht  übergehen  kann. 

Nach  den  bis  jetzt  erwähnten  Beobachtungen  ergibt  es  sich  also, 
dass  das  Gift  der  Tollwuth  stets  im  Centralnervensystem ,  in  den 
grossen  Nerven,  die  von  ihm  ausgehen,  und  von  den  Organen  nur 
in  den  Speicheldrüsen  sich  befindet;  und  zwar  kann  das  Gift  nach 
Roux's7)  Beobachtung  im  Speichel  zuweilen  sogar  3  Tage  vor  dem 
Anfange  der  Erkrankung  erscheinen. 

Gleich  der  Milchdrüse  gibt  es  schon  Vermuthungen  über  den 
Uebergang  des  Giftes  der  Tollwuth  auch  in  die  Pankreas,  doch  hat 
dieses  noch  wenig  Glaubwürdigkeit. 

Von  den  anderen  Theilen  bietet  die  Rückenmarksflüssigkeit  be- 
sonderes Interesse.  Hier  gerade,  könnte  man  glauben,  muss  das  Gift 
der  Tollwuth  lokalisirt  sein ;  in  der  Wirklichkeit  ergibt  sich  aber  das 
Entgegengesetzte. 

Es  ist  bekannt,  dass  die  Versuche  der  Forscher  einen  pathogenen 


1)  Annal.  de  l'Instltut  Pastour.    1887.  8.  177. 
S)  Ib.  8.  180. 
8)  Ib.  S.  181. 

4)  Ibidem. 

5)  Centr.  f.  Baktor.  Bd.  VL  S.  411. 

6)  Centr.  f.  Baktor.  Bd.  V. 

7)  Annales  de  l'Institut  Putenr.    1890.  No.  8. 


Zar  Frage  von  d.  Lokalisation  d.  ToUwuthyirus  im  Organismus  d.  Thiere.       49 

Mikroorganismus  im  Rückenmark  toller  Thiere  zu  finden,  bis 
jetzt  ohne  Erfolg  blieben,  obgleich  Niemand  an  der  Anwesenheit  eines 
organisirten  Erregers  im  Rückenmark  zweifelte.  Die  Untersuchung  des 
Rückenmarkgewebes  auf  Mikroorganismen  ist  seiner  fetten,  die  Prä- 
parate beschmierenden  Eigenschaft  wegen  in  gewissem  Grade  schwierig. 
Daher  schien  es  a  priori  gelegen,  ihn  in  der  reinen  und  klaren 
Flüssigkeit  der  subarachnoidalen  Räume  der  tollen  Thiere  oder  des 
Menschen  zu  suchen.  Zu  diesem  Zwecke  benutzte  ich  mehrere  Autop- 
sieen  und  konnte  bei  der  Untersuchung  der  Rückenmarksflüssigkeit 
ausser  einer  geringen  Zahl  etwas  veränderter  Leukocyten  und  endote- 
lialer  Zellen  nichts  Besonderes  auffinden.  Die  zu  gleicher  Zeit  vor- 
genommenen Impfungen  an  Kaninchen  ergaben,  dass  nicht  nur  die 
Kückenmarksflüssigkeit,  sondern  auch  die  Flüssigkeit  der  Seitenven- 
trikel kein  Gift  enthält. 

Ich  beobachtete  folgende  Fälle: 

I.  Alexandrow,  40  Jahre  alt,  stark  zerbissen  von  einem  Wolfe 
am  Gesicht  (siehe  die  Ber.  der  bakter.  Station  fürs  Jahr  1889.  No.  4). 
Erkrankt  an  Rabies  am  2.  Oktober,  gestorben  am  23.,  Autopsie  am 
24.  Bei  der  Autopsie  wurde  im  Rückenmark  eine  venöse  Hyperämie 
und  ein  recht  bedeutendes  Oedem  der  Gehirnhäute  konstatirt.  In 
sterilisirte  Gläschen  wurde  von  verschiedenen  Stellen  die  Oedem- 
flüssigkeit  aufgesammelt,  ebenfalls  ein  Stückchen  des  verlängerten  Ge- 
hirns und  an  demselben  Tage  wurden  mehrere  Kaninchen  geimpft. 

Dem  Kaninchen  No.  1  wurde  unter  die  Dura  mater  0,3  ccm  klare 
Oedemflüssigkeit,  die  von  der  Basis  des  Gehirns  beim  Eintritt  in  die 
Rückgratsöffnung  genommen  war,  eingeimpft. 

Kaninchen  No.  2  bekam  0,3  ccm  ebenfalls  klarer  Oedemflüssigkeit 
unter  die  Pia  mater.  No.  3  —  0,3  ccm  der  Flüssigkeit  der 
Seitengehimventrikel.  No.  4  —  0,2  ccm  Rückenmarksemulsion.  Ka- 
ninchen No.  4  erkrankte  am  15.,  krepirte  am  17.  Tage,  die  übrigen 
drei  blieben  am  Leben. 

IL  W.  Saweljew,  27  Jahre  alt,  ist  von  einem  Hunde  an  bei- 
den Händen  gebissen  (siehe  No.  8) ;  erkrankte  am  23.  Dezember,  starb 
am  25.,  Autopsie  am  27.    Von  ihm  wurden  4  Kaninchen  geimpft. 

No.  1  bekam  0,4  ccm  etwas  trüber  Oedemflüssigkeit. 

No.  2  0,3  ccm  Flüssigkeit  der  Seitengehimventrikel. 

No.  3  und  No.  4  Rückenmarksemulsion. 

No.  3  erkrankte  am  15.,  krepirte  am  17.  Tage. 

No.  4  erkrankte  am  27.,  krepirte  am  29.  Tage. 

No.  2  erkrankte  am  30.,  krepirte  am  32.  Tage. 

No.  5,  vom  Rückenmark  des  letzten  Kaninchens  angesteckt,  er- 
krankte am  15.,  krepirte  am  17.  Tage. 

No.  1  blieb  am  Leben. 

HL  Mit  dem  Rückenmark  eines  an  der  Tollwuth  am  13.  Mai 
auf  der  Semigradschen  Strasse  umgekommenen  Hundes  wurde  ein 
Kaninchen  geimpft  und  mit  der  Gerebrospinalflüssigkeit  ein  anderes. 

Inzwischen  ist  zu  bemerken,  dass  ganz  klare  und  blutlose  Flüs- 
sigkeit in  für  ein  Experiment  hinreichender  Menge  beim  Hunde  sehr 
leicht  zu  bekommen  ist,  wenn  man  seinen  Kopf  etwas  nach  vorne 

X.B4.  £ 


50  Wyisokoirict, 

beugt  und  zwischen  den  ersten  Wirbeln  in  den  Zwischenraum  ein* 
dringt. 

Das  erste  Kaninchen  erkrankte  am  12.,  krepirte  am  14.  Tage; 
das  zweite,  mit  Gerebrospinalflüssigkeit  geimpft,  blieb  am  Leben. 

IV.  und  V.  Zwei  Hunde  wurden  durch  Trepanation  unter  die  Dan 
mater  mit  dem  Virus  fixe  geimpft.  Der  eine  erkrankte  am  8.,  kre- 
pirte am  9.  Tage;  der  zweite  erkrankte  am  7.,  krepirte  am  12.  Tage. 
Von  beiden  wurde  die  Rückenmarksflüssigkeit  und  Stückchen  vom 
Rückenmark  aufbewahrt 

Kaninchen,  die  mit  der  Rückenmarksemulsion  geimpft  wurden, 
erkrankten  nach  5,5  und  krepirten  am  7.  und  8.  Tage;  Kaninchen, 
mit  der  Rückenmarksflüssigkeit  geimpft,  blieben  am  Leben.  (Seitdem 
sind  6  Monate  vergangen.) 

Obgleich  die  Zahl  meiner  Beobachtungen  nicht  gross  ist,  so 
fand  ich  es  doch  überflüssig,  noch  weitere  Experimente  in  dieser 
Richtung  vorzunehmen,  da  nicht  nur  die  Rückenmarksflüssigkeit,  die 
das  Rückenmark  von  aussen  bespült,  sondern  auch  die  Flüssigkeit 
der  Seitenventrikel  im  ersten  Falle  sich  als  unansteckungsfähig  er- 
wies und  nicht  nur  nach  der  gewöhnlichen  Impfung,  sondern  auch 
nach  dem  Einführen  des  Giftes  direkt  unter  die  Dura  mater  (Fall  4 
und  5). 

Erst  sp&ter,  als  ich  die  Litteratur  dieser  Krankheit  genauer 
studirte,  fand  ich  bei  Pasteur1)  eine  Hindeutung  darauf,  dass 
er  beobachtet  habe,  dass  die  cerebrospinale  Flüssigkeit  sich  zuweilen 
als  unansteckend,  ein  anderes  Mal  wieder  ansteckend  erweist,  und 
dass  manchmal  diese  Flüssigkeit,  wenn  sie  klar  ist,  Gift  enthält, 
ein  andermal,  obgleich  trübe,  während  sie  nicht  giftig  ist 

Ausführlich  beschreibt  er  leider  seine  Experimente  in  dieser 
Richtung  nicht,  daher  wird  es  schwer,  zu  urtheilen,  inwiefern  sein 
Hinweis  für  bewiesen  gehalten  werden  kann. 

Auf  Grund  meiner  Beobachtungen,  die  mit  allen  Vorsichtsmaass- 
regeln,  die  für  ein  richtiges  Resultat  nöthig  sind,  ausgeführt  wurden, 
halte  ich  es  für  möglich,  zu  behaupten,  dass  die  Cerebrospinalflüssig- 
keit  das  Gift  der  Tollwuth  nicht  enthält.  So  kommen  auch  in  Be- 
zug auf  die  Frage,  ob  das  Gift  im  Blute  vorhanden  sei,  die  meisten 
Forscher  (unter  ihnen  auch  manche  Schüler  von  Pasteur,  z.  B. 
Roux*)  hat  sich  schon  längst  in  diesem  Sinne  geäussert)  zu 
demselben  Resultate. 

Wie  können  nun,  frage  ich  nochmals,  die  widersprechenden  Re- 
sultate über  das  Verhältniss  des  Blutes  zum  Gifte  erklärt  werden? 
Vor  allem  müssen  die  Eigenschaften  des  Giftes  aufgeklärt  werdeo. 

Schwerlich  kann  Jemand  noch  zweifeln,  dass  das  Gift  der  Toll- 
wuth, welches  in  den  Organismus  geräth  und  dort  unzweifelhaft 
wächst,  nicht  als  einfache  chemische  Substanz,  sondern  als  organi- 
sirter  niedriger  Organismus  betrachtet  werden  muss.  Da  es  weder 
in  dem  unter  der  Haut  befindlichen  Zellengewebe,  noch  im  Blute 
Ansteckungsfähigkeit  besitzt  und  sich  immer  im  Gehirn  und  Rücken- 


1)  L.  c.  s.  5. 

2)  Annales  de  1' Institut  Pasteur.    1887.  S.  U4. 


Zur  Frage  von  d.  Lokaltation  d.  Toll wath virus  im  Organismus  d.  Thiere.       51 

mark  befindet,  von  wo  es  gewöhnlich  auch  auf  die  peripherischen 
Nerven  und  zwar  nur  auf  die  grossen  übergeht,  und  da  es  in  die 
Rückenmarksflüssigkeit,  sogar  auch  in  die  der  Gehirnventrikel  nicht 
übergeht,  so  erscheint  es  sehr  naheliegend,  sich  die  infizirende  Ursache 
vielleicht  als  Plasmodium  von  protoplasmatischer  Bildung  vorzustel- 
len, welches  die  Fähigkeit  zum  allmählichen  Weiterwachsen  und  zur 
Verbreitung,  und  zwar  nur  längs  der  Nerven,  da  es  nur  in  der 
Nervensubstanz  die  nöthigen  Bedingungen  für  seine  weitere  Ent- 
wickelung  findet,  besitzt. 

Um  aber  die  Möglichkeit  der  Infektion   durch  das  Impfmaterial, 
das  ins  Blut  geräth,  sich  zu  erklären,  muss  man  sich  an  die  Forschun- 
gen wenden ,  die  das  Schicksal  der  fremdartigen  Substanzen,  welche 
überhaupt  auf  diese  oder  jene  Weise  ins  Blut  gerathen,  und  der 
Bakterien  insbesondere,  aufklären.    Die  von  mir  in  dieser  Richtung 
angestellten  Untersuchungen,  welche  die  im  Jahre  1886  in  der  Zeit- 
schrift für  Hygiene  publizirten  Beobachtungen  ergänzen,  zeigen,  dass 
fremdartige  Substanzen,  unter  ihnen  also  auch   die  Bakterien,  im 
Blute  nicht  lange  zirkuliren,  sondern  sogar  in  sehr  grossen  Massen 
(40  Millionen  bei  einem  Kaninchen)  schnell,  nach  2—3—4  Stunden, 
in  verschiedene  Organe,  besonders  in  die  Leber,  Milz  und  Rückenmark, 
eliminirt   werden.     Theils   gehen   die  lebendigen    Organismen    viel- 
leicht schon  im  Blute,  hauptsächlich  aber  in  diesen  Organen,  je  nach 
der  Gattung    der  Bakterien,  schneller    oder  langsamer   zu  Grunde. 
Was  andere  Organe  und  Gewebe  betrifft,  so  haben  sehr  sorgsam 
ausgeführte  Experimente  mit  solchen  niedrigen  Organismen,  die  be- 
kanntlich sehr  resistent  sind  und  lange  (ganze  Monate)  in  den  Ge- 
weben des  Thieres  nicht  umkommen,  wie  z.  B.  die  Sporen  des  He u- 
bacillus,  bewiesen,  dass,  wenn  sie  nach  einer  Injektion  ins  Blut  in 
einem  erbsengrossen  Stückchen  Gewebe  aus  der  Leber,   Milz  oder 
Knochenmark  in  der  Zahl  von  mehreren  Zehntausend  gefunden  werden, 
in  den  Nieren  und  der  Lunge  nur  Hunderte  vorhanden  sind,  während  in 
den  Muskeln  und  im  Gehirn  in  einem  ebenso  grossen  Stückchen  nur 
ein  oder  zwei  Keime,  und  sogar  nicht  immer,  aufgefunden   werden. 
Es  ergibt  sich  also,  dass  das  Gehirn  ein  solches  Organ  ist,  in  welches 
aus  dem  Blute  fremdartige  Substanzen  nur  in  sehr  geringer  Menge, 
und  sogar  nicht  immer,   eindringen.    Findet  man  aber   beim  Kanin- 
chen beim  Einführen  einer  sehr  grossen  Menge  Sporen  des  Heuba- 
cillus  ins  Blut  diese  letzteren  nicht  immer  im  Gehirn,  so  ist  es 
auch  begreiflich,  dass  bei  grösseren  Thieren,  bei  denen  im  Vergleich 
weniger  fremdartige  Substanzen  ins  Blut  gerathen,  die  Chancen  für 
ihre  Ablagerung  in  das  Gehirn  sehr  gering  sind.     Auf  diese  Weise 
wird  es  auch  begreiflich,  warum  die  Forscher  beim  Einführen  des 
Giftes  ins  Blut  oft  keine  Ansteckung  des  Thieres  an  Tollwuth  be- 
kamen.   Die  Rolle  des  Blutes  muss  also  bei   der  Infektion  für  sehr 
gering  gehalten   werden.      Wenn  die  den  Herd  der  Infektion  un- 
mittelbar bespülende  Flüssigkeit,  d.  h.  die   Cerebrospinalflüssigkeit, 
kein  Gift  enthält,    so  erscheint    die  Möglichkeit  der  Existenz   im 
Blute  der  an  Tollwuth  erkrankten  Thiere  sehr  zweifelhaft.    Freilich 
sind  zur  Aufklärung  des  unmittelbaren  Verhältnisses  des  Blutes  und 
anderer  Organe  eines    gesunden  Thieres   zum  Gifte   der  Tollwuth 

4* 


52  Schalt!, 

noch  weitere  experimentelle  Erforschungen  noth wendig;  sie  sind  auch 
schon  bei  uns  auf  der  Station  von  Dr.  Tscher ewkow  angefangen; 
jedenfalls  muss  aber  auf  Grund  des  eben  Dargelegten  die  Haupt- 
rolle in  Bezug  auf  die  Symptome  der  Erkrankung  und  auch  die  Ver- 
breitung des  Giftes  im  Organismus  dem  Nervensystem  zugeschrieben 
werden. 

Von  allen  Erscheinungen  dieser  Erkrankung  ist  besonders  der 
Umstand  interessant,  dass  entgegen  allen  übrigen  Organen  die 
Speicheldrüsen  immer  Gift  enthalten  und  seine  Anwesenheit  im 
Sekret  oft  schon  sehr  früh  offenbaren  (siehe  Roux  L  c). 

Der  nächste  Grund  dieser  besonderen  Eigenschaft,  der  helles 
Licht  auf  die  physiologischen  Verhältnisse  dieser  Organe  zum  Ner- 
vensystem werfen  kann,  wenn  er  aufgeklärt  sein  wird,  bleibt  aber 
jetzt  noch  für  uns  dunkel. 

Charkow,  2./14.  Mai  1891. 


Zur  Frage  von  der  Bereitung  einiger  Nährsubstrate. 

[Aus  dem  klinisch-bakteriologischen  Laboratorium  des  Herrn  Professor 
Afanasiew  im  klinischen  Institute  der  Grossfürstin  Helena  Pawlowna 

zu  St.  Petersburg.] 

Von 

Dr.  med.  N.  K.  Schultz 

in 

St.  Petersburg. 

Seit  1885  als  Assistentin  am  bakteriologischen  Laboratorium  von 
Prof.  Afanasiew  thätig,  habe  ich  vollauf  Gelegenheit  gehabt,  die  Zu- 
bereitung von  Nährsubstraten  für  die  Mikrobenkultur  praktisch  kennen 
zu  lernen.  Es  ist  diese  Arbeit  eine  zeitraubende,  mühsame,  bean- 
sprucht grosse  Genauigkeit  und  führt  häufig  zu  Misserfolgen.  Die 
von  Koch  so  zweckmässig  in  die  Bakteriologie  eingeführten  gallert- 
artigen Nährsubstrate  müssen  folgenden  Ansprüchen  genügen: 

1)  reichliches  Emporblühen  der  Kulturen; 

2)  Durchsichtigkeit  behufs  genauerer  Kontrolle  des  Wachs- 
thums  und  der  zufälligen  Verunreinigungen. 

Diese  beiden  Eigenschaften  zu  erzielen  gelang  mir  anfänglich 
nicht;  ich  versuchte  die  Hauptbestandteile  unserer  Nährsubstrate 
kennen  zu  lernen,  stellte  allerlei  Proben  und  die  Nährsubstrate  auf 
verschiedene  Weise  her,  und  hoffte  ich  so  die  Bedingungen  für  sichere 
Herstellung  guter  Nährböden  zu  finden.  Man  sollte  glauben,  dass 
diese  Frage  seit  1881,  wo  Koch  (1)  die  gallertartigen  Nährböden  in 
die  Bakteriologie  eingeführt,  vollkommen  erledigt  sei.  Es  ist  die  Be- 
reitung derselben  schon  in  verschiedenen  Abhandlungen  und  Lehr- 
büchern beschrieben  worden;  die  Schwierigkeiten  aber,  die  sich  der 
praktischen  Ausführung  entgegenstellen,  sind  noch  nicht  beseitigt  und 
wage  ich  es  deshalb,  auch  meine  Erfahrungen  auf  diesem  Gebiete  zu 


Zar  Frag«  von  dar  Bereitung  einiger  Nährsubstrate.  53 

veröffentlichen.  Ich  behandle  in  Folgendem:  Die  Bereitung  von 
Bouillon,  Nährgelatine  und  Nähragar,  ihre  Klärung  und  Filtration, 
und  bringe  eine  genauere  Methode  der  Neutralisation  in  Vorschlag. 
Dann  bespreche  ich  eingehender  den  Einfluss  der  Reaktion  auf  die  Be- 
reitung der  Nährböden. 

Das  Klären  mit  Ei  weiss.  In  der  Kochkunst  ist  das  Klären 
von  gallertartigen  Flüssigkeiten  mit  Eiweiss  schon  längst  bekannt. 
Zur  Erleichterung  des  langsamen  und  mühsamen  Filtrirens  solcher 
ist  es  auch  in  der  Bakteriologie  eingeführt,  in  vielen  Handbüchern 
bereits  empfohlen  und  genau  von  Proust  (2)  beschrieben.  Zweck 
des  Klärens  ist,  die  Filtration  zu  erleichtern,  indem  an  Stelle  der 
Trübung  sich  grosse  feste  Flocken  absetzen. 
*  Ueber  das  Klären  selbst  möchte  ich  einige  Worte  sagen. 
P$  Das  Weisse  von  1—2  Eiern  wird  gerührt,  mit  der  2— 3fachen 
Menge  kalten  Wassers  versetzt  und  zum  Nährsubstrat  hinzugegeben. 
Die  Temperatur  des  Nährsubstrats  darf  hierbei  nicht  höher  als 
40—50°  sein,  da  bei  60°  die  Eiweissstoffe  bereits  gerinnen  und  wir 
dahin  streben,  vor  Beginn  der  Gerinnung  eine  innige  Vermischung 
zu  erzielen.  Nur  unter  dieser  Bedingung  kann  das  Eiweiss  jede 
Trübung  beseitigen.  Bierauf  muss  die  Mischung  gut  gerührt  und 
10—15  Minuten  lang  auf  offenem  Feuer  stark  gekocht  werden,  damit 
sich  harte  Flocken  bilden;  geschieht  das  Kochen  nicht  lange  und  stark 
genug,  so  bleiben  die  Gerinnsel  schleimig  und  beim  Filtriren  ver- 
kleben sie  das  Filter.  Hierbei  möchte  ich  erwähnen,  dass  wir  aus 
praktischen  Gründen  beim  Kochen  auf  offenem  Feuer  stets  einen 
gusseisernen  emaillirten  Kessel  (mit  Deckel)  verwenden. 
>  -In  unserem  Laboratorium  wird  Nährgelatine  stets  mit  Eiweiss 
geklärt;  bei  Nähragar  wirkt  es  wenig  und  gute  Bouillon  kann  man 
ganz  ohne  Klären  bereiten ;  das  Eiweiss  setzt  man  nach  Belieben  zu. 

Die  Reaktion.  Die  Reaktion  muss  eine  zweckentsprechende 
sein,  sonst  wachsen  die  Mikroben  nur  kümmerlich,  und  kann  das 
Wachsthum  mitunter  sogar  ganz  ausbleiben.  So  hat  Loeffler  (3) 
beobachtet,  dass  der  Bacillus  diphthericus  auf  Nährgelatine 
nicht  immer  gedeiht  und  glaubt  er  die  Ursache  davon  in  der  Reaktion 
des  Nährbodens  suchen  zu  müssen.  Ausserdem  hat  aber  die  Reaktion 
eine  nicht  geringe  Bedeutung  bei  der  Zubereitung  der  Nährsubstrate. 

Schwer  wurde  es  mir,  künstliche  Nährböden  richtig  zu  neutra- 
lisiren.  Die  Reaktion  wird  gewöhnlich  mit  Lackmuspapier  bestimmt, 
doch  ist  dies,  meiner  Ansicht  nach,  gar  nicht  genau  genug.  In 
Handbüchern  für  Chemie  wird  gut  bereitetes  Lackmus  sehr  empfohlen 
—  aber  bekommen  wir  häufig  solches?  Misserfolge  bei  Bereitung  der 
Nährböden  konnte  ich  häufig  nicht  anders,  als  durch  ungenaue  Neu- 
tralisation erklären,  und  versuchte  ich  daher  durch  Titriren  bessere 
Resultate  zu  erzielen.  In  der  That  überzeugte  ich  mich  bald  von 
den  grossen  Vorzügen  des  Titrirens.  Die  geringe  Mühe,  welche  das 
Titriren  verursacht,  wird  durch  die  Genauigkeit  und  Sicherheit  der 
Resultate  reichlich  aufgewogen.    Ich  kann  es  nicht  genug  empfehlen. 

Betrachten  wir  jetzt : 

1)  Welche  Flüssigkeiten  einer  Neutralisation  bedürfen. 

2)  Die  Indikatoren. 


54  fichnltz, 

3)  Den  Vorgang  der  Neutralisation  und  die  Flüssigkeiten,  die 
man  dazu  braucht. 

1)  Bei  der  Neutralisation  von  Bouillon  bildet  sieb  ein  Nieder- 
schlag, welcher  vor  dem  Zusatz  von  Gelatine  oder  Agar-Agar  durch 
Filtration  zu  entfernen  ist,  weil  eben  Bouillon  viel  leichter  zu  filtriren 
ist  als  Nähragar  und  Nährgelatine.  Deshalb  muss  die  Bouillon  gleich 
nach  dem  Kochen  (und  der  Beseitigung  der  dabei  gebildeten  Eiweiss- 
flocken  durch  Filtration)  neutralisirt  werden.  Wir  erhalten  so  eine 
klare  Flüssigkeit,  in  der  die  Gallerte  gelöst  wird. 

2)  Nach  wiederholten  Versuchen  mit  verschiedenen  Indikatoren: 
Phenolphtalein,  Rosolsäure,  Methylorange  und  Lackrousstinktur,  bin 
ich  zur  Ueberzeugung  gekommen,  dass  Phenolphtalein  am  zweckent- 
sprechendsten ist.  Es  ist  ein  grau-gelbes  Pulver,  das  im  Weingeist 
(1:300)  gelöst  wird;  die  Lösung  ist  fast  farblos,  wird  durch  Zusatz 
von  Alkali  intensiv  roth.  Phenolphtalein  ist  ein  sehr  empfindlicher 
Indikator,  nach  Lück  sollen  Spuren  von  Alkali  genügen,  die  Färbung 
noch  wahrnehmbar  zu  machen  (1 :  100000  Wasser).  Ich  benutze  jetzt 
stets  PhenolphtaleTn ,  einmal  seiner  grossen  Empfindlichkeit  wegen, 
dann  aber  auch  weil  es  so  sehr  genau  den  Uebergang  von  saurer  zu 
alkalischer  Reaktion  zeigt.  Bei  saurer  Reaktion  ist  die  Losung  farb- 
los, bei  alkalischer  —  schwachrosa  bis  intensiv  roth,  je  nachdem  wie 
viel  freies  Alkali  in  Lösung  ist  Die  anderen,  von  mir  benutzten 
Indikatoren  geben  bei  Veränderungen  der  Reaktion  nur  ganz  allmählich 
eine  andere  Färbung,  ohne  dass  die  Grenze  eine  scharfe  war.  Ich 
musste  also,  um  genau  zu  arbeiten,  stets  eine  Probe  des  zu  ge- 
brauchenden Indikators,  sowohl  in  saurer  als  auch  in  alkalischer  Lö- 
sung zum  Vergleiche  vor  Augen  haben. 

3)  Unsere  Nährböden  werden  meist  mit  Soda  neutralisirt,  wobei 
freie  Kohlensäure  entsteht.  Diese  freie  Kohlensäure  beeinflusst  die 
Farbe  einiger  Indikatoren  (4)  (Phenolphtalein,  Rosolsäure,  Lackmus- 
tinktur) dermaa8scn,  dass  man  noch  mit  sauren  Flüssigkeiten  zu  thun 
zu  haben  glaubt,  wenn  dieselben  schon  neutral  oder  sogar  alkalisch 
geworden  sind,  weshalb  ich  jetzt  zur  Neutralisation  immer  eine  Lösung 
von  Aetznatron  benutze.  Zu  meinen  ersten  Versuchen  nahm  ich  eine 
Normallösung  von  Aetznatron  und  bereitete  mir  aus  derselben  genau 
mit  der  Bürette  '/io  Lösung.  Meist  aber  genügt  eine  einfache  4°/0 
Lösung  desselben,  aus  der  man  sich  0,4  °/0  Lösung  herstellt. 

Die  Titration  führe  ich  folgendermaassen  aus:  Mit  graduirter 
Pipette  wird  1  cem  Bouillon  genau  abgemessen,  in  ein  Bechergläseben 
gegossen  und  ein  Tropfen  Phenolphtalein  zugesetzt  (das  Gläschen 
steht  auf  weissem  Papier,  was  die  Färbung  viel  deutlicher  macht). 
Jetzt  wird  0,4  °/0  Aetznatronlösung  tropfenweise  zugegossen,  bis  eine 
schwachrosa  Färbung  erscheint.  Sowohl  vor  Beginn  der  Titration 
wie  auch  nach  Beendigung  derselben  wird  der  Stand  des  Niveaus 
notirt.  Dieses  Titriren  wird,  der  Genauigkeit  des  Resultats  wegen, 
dreimal  gemacht  und  gibt  die  mittlere  Zahl  der  Bürettentheilstriche 
an,  wie  viel  Alkali  erforderlich  ist,  um  die  beabsichtigte  Reaktion  in 
1  cem  Bouillon  hervorzubringen.  Die  erhaltene  Zahl  wird  mit  der 
Zahl  der  cem  der  gesammten  zu  neutralisirenden  Bouillon  multipli- 
zirt  und  das  Produkt  durch  10  dividirt,  weil  eben  die  Neutralisation 


Zur  Frage  you  der  Bereitung  einiger  NSfarsiibstrate.  55 

des  Gesammtquantums  der  Bouillon  mit  der  starken  4  °/0  Aetznatron- 
lösuog  geschieht.  Ist  z.  B.  zur  Neutralisation  eines  ccm  Bouillon 
0,25  ccm  0,4  °/0  Losung  nöthig,  so  braucht  man  fdr  1000  ccm  Bouillon 
250  ccm  0,4  °/0  Lösung  oder  25  ccm  4  °/ö  Aetznatronlösung.  Auf 
diese  einfache  Weise  ist  es  möglich,  eine  beliebige  Reaktion  der 
Bouillon  zu  bekommen  und  wenn  man  alles  zur  Titration  Nöthige 
fertigstellt,  geht,  nach  etwas  Uebung,  die  Sache  sehr  rasch.  Die 
rothe  Färbung  durch  Phenolphtaleün  bedeutet,  dass  schon  freies  Al- 
kali in  der  Lösung  enthalten  ist,  dieselbe  also  alkalisch  ist.  Wenn 
die  rothe  Färbung  nicht  wahrnehmbar,  aber  nach  Zusatz  von  einem 
Tropfen  (ca.  0,05  ccm)  sich  zeigt,  so  halte  ich  die  Lösung  für  neu- 
tral. Dieselbe  Reaktion  zeigt  Wasser.  Welche  Reaktion  bei  Berei- 
tung der  einzelnen  Nährböden  die  zweckentsprechendste  ist,  werde 
ich  bei  Beschreibung  der  Herstellung  angeben. 

Bouillon.  Bouillon  kann  auf  verschiedene  Art  bereitet  werden. 
Nach  Miquel  (5)  kocht  man  ein  Stück  Fleisch  mehrere  Stunden 
lang;  nach  Loeffler  (6)  wird  feingehacktes  Fleisch  mehrere  Stun- 
den lang  in  Wasser  digerirt  und  sodann  nach  Entfernung  des  Flei- 
sches das  Fleischwasser  allein  gekocht.  Fraenkel  (8)  und  Hei- 
denreich (7)  wollen  das  gehackte  Fleisch  direkt  in  Wasser  kochen. 
Bei  uns  wird  die  Bouillon  gewöhnlich  nach  Loeffler  bereitet  und 
ist  sie  mir  am  geläufigsten.  Nie  jedoch  habe  ich  verstehen  können, 
weshalb  Loeffler  (6),  Hueppe  (10)  und  Andere  mehr  verlangen, 
dass  man  das  Fleisch wasser  1—2  Stunden  lang  kochen  soll.  Gibt 
Miquel  (5)  an,  dass  ein  Stück  Fleisch  stundenlang  kochen  soll,  so 
ist  es  sehr  begreiflich,  dass  in  kürzerer  Zeit  nicht  alle  löslichen 
nahrhaften  Bestandtheile  dem  unzerkleinerten.  Fleisch  entzogen  wer- 
den können.  Verfährt  man  aber  nach  Loeffler 's  Angabe,  so 
werden  diese  Bestandtheile  des  feingehackten  Fleisches  bereits  vom 
Wasser  ausgezogen  und  wir  kochen  also  später  nur  die  schon  ge- 
lösten Nährstoffe. 

Beim  Zubereiten  von  Bouillon  bilden  sich  zwei  ganz  verschiedene 
Niederschläge,  die,  um  reine  Bouillon  zu  erbalten,  eliminirt  werden 
müssen.  Der  eine  entsteht  beim  Kochen  des  Fleischwassers  und 
besteht  aus  geronnenen  Eiweissstoffen,  die  in  kaltem  Wasser  löslich 
sind  (die  durch  Hitze  gerinnbaren  Substanzen  Baumgarten' s)  (9). 
Der  andere  Niederschlag  bildet  sich  beim  Neutralisiren  der  sauren 
Bouillon  und  beim  nachträglichen  Kochen  derselben;  es  sind  Trü- 
bungen und  Flocken  (Neutralisationsniederschläge  Baumgar- 
ten's) (9). 

Meist  findet  man  die  Angabe,  das  Fleischwasser  gleich  vor  der 
Ausscheidung  der  Eiweissstofie  zu  neutralisiren,  und  erhält  dann 
beim  Kochen  ein  Gemisch  beider  Niederschläge.  Beim  Arbeiten 
aber  mit  solchen  zusammengesetzten  Flüssigkeiten,  wie  es,  vom  che- 
mischen Standpunkte  angesehen,  Bouillon  und  überhaupt  alle  unsere 
Nährsubstrate  sind,  ist  es  viel  bequemer,  die  einzelnen  Niederschläge 
nach  einander  zu  entfernen  und  sich  dabei  nach  deren  Eigenschaften 
zu  richten. 

In  unserem  Falle  können  die  gelösten  Eiweissstoffe  der  Bouillon 
schon  vor  der  Neutralisation  durch  starkes,  10—15  Minuten  währen- 


56  Schnitz, 

des  Eocben  auf  freiem  Feuer  and  nachfolgender  Filtration  vollstän- 
dig entfernt  werden.  Die  eiweissfreie  Bouillon  ist  ganz  durchsichtig 
und  wird  erst  bei  Neutralisation  wieder  trübe.  Diesen  zweiten  Nie- 
derschlag fällt  man  durch  abermaliges,  etwa  5  Minuten  langes, 
starkes  Kochen  auf  freiem  Feuer  und  darauf  folgendes  heisses 
Filtriren. 

Viele  Autoren,  wie  Loeffler  (6),  Heidenreich  (7),  Miquel 
(5),  Hueppe  (10),  v.  Ermengen  (11),  C.  Fraenkel  (8),  Du- 
b  i  e  f  f  (12)  und  Andere  mehr  erwähnen,  dass  eine  neue  Ausscheidung 
in  Form  von  Flocken  und  Trübungen  auch  nach  der  Filtration  und 
Sterilisation  noch  zu  Stande  kommen  kann.  Auch  mir  ist  das  früher 
sehr  häufig  vorgekommen.  In  diesem  Falle  wird  abermaliges  Kochen, 
Filtriren  und  behutsames  Neutralismen  empfohlen.  Ob  nicht  das 
von  Vielen  empfohlene  anhaltende  Kochen  die  Beseitigung  dieser 
Trübung  zum  Zweck  hat? 

Durch  das  Gerinnen  der  löslichen,  im  Fleischwasser  befindlichen 
Eiweissstoffe  wird  die  Bouillon  einigermaassen  geklärt ;  um  die  Wir- 
kung zu  verstärken,  kann  man  dem  Fleischwasser  noch  das  Weisse 
von  2  Eiern  zusetzen. 

Die  Bereitung  der  Bouillon.  Zur  Herstellung  eines 
Liters  Bouillon  sind  500  g  Fleisch,  1000+300  ccm  destillirten 
Wassers,  10  g  Pepton  und  5  g  Kochsalz  erforderlich.  (300  ccm 
Wasser  füge  ich  hinzu,  um  den  Verlust  während  des  Kochens  aus- 
zugleichen.) 500  g  Fleisch  bester  Qualität,  ohne  Fett  und  Sehnen, 
werden  gehackt,  in  ein  gläsernes  Oefäss  mit  Deckel  gelegt  und  mit 
1000  +  300  ccm  destillirtem  Wasser  übergössen  und  bis  zum  näch- 
sten Tage  an  einem  kühlen  Orte  aufbewahrt.  Um  das  Fleischwasser 
vom  Fleische  zu  befreien,  filtrirt  man  es  durch  vierfache  Marly,  und 
um  nichts  zu  verlieren,  drückt  man  es  mit  den  Händen  aus.  Das 
so  gewonnene  Fleischwasser  wird  in  einen  Kessel  gegossen,  10  g  Pep- 
ton, sie,  5  g  Kochsalz  und  2  Eiweiss  hinzugefügt  und  auf  der  Gas- 
flamme während  15  Minuten  gekocht.  Dann  wird  die  klare  Bouillon 
neutralisirt  und  zwar  auf  folgende  Weise:  Zuerst  wird  durch  Filtriren 
bestimmt,  wieviel  von  der  schwachen  (0,4  °/0)  Lösung  zur  Neutra- 
lisation von  1  ccm  Bouillon  erforderlich,  und  danach  berechnet,  wie- 
viel starke  (4  °/0)  Lösung  man  braucht,  um  die  ganze  Menge  der 
vorhandenen  Bouillon  zu  neutralisiren.  Ich  neutralisire  meist  bis  zu 
schwach  alkalischer  Reaktion,  d.  h.  bis  Spuren  einer  rosa  Verfärbung 
durch  Phenolphtalein  wahrnehmbar  sind.  Die  jetzt  wieder  trübe 
Bouillon  wird  in  den  Eisenkessel  zurückgegossen,  100  ccm  Aqua  dest. 
zugegeben,  5  Minuten  lang  stark  gekocht  und  kochend  filtrirt. 
(Wer  sehr  genau  arbeiten  will,  kann  die  jetzt  ganz  klare  Flüssigkeit 
abkühlen  lassen  und  nochmals  filtriren,  man  entfernt  auf  diese  Weise 
sowohl  die  Trübungen,  welche  in  heisser,  als  auch  die,  welche  viel- 
leicht in  kalter  Bouillon  entstehen.)  Kocht  man  die  Bouillon  nur 
eben  5  Minuten  lang,  so  bleibt  die  Reaktion  unverändert,  bei  zu 
langem  Kochen  wird  sie  sauer.    (G.  Fraenkel). 

So  wird  Bouillon  bereitet,  welche  als  Nährbouillon  dienen  soll, 
und  solche,  welche  zur  weiteren  Bereitung  von  Nährgelatine  und 
Nähragar  bestimmt  ist.     Nur  bei  letzterer   kann  man  das  zweite 


Zur  Frage  tob  dar  Bereitung  einiger  Nährsubstrate.  57 

Kochen  (nach  der  Neutralisation)  auslassen,  weil  in  diesem  Fall  die 
Neutralisationsniederscbläge  nicht  hinderlich  sind. 

Nähragar.  Agar-Agar  wird  ans  Algen,  die  in  Japan  und  an 
der  Küste  des  indischen  Oceans  vorkommen,  bereitet.  Die  Gewin- 
nung der  Gallerte  aus  der  Pflanze  geschieht  nach  dem  französischen 
Chemiker  Payen  (13)  auf  folgende  Weise:  Die  Pflanze  wird  in  eine 
schwache,  kalte  Lösung  von  Salzsäure  gebracht,  die  später  durch 
Abspülen  mit  Wasser  entfernt  wird;  dann  legt  man  dieselbe  in  eine 
schwache,  kalte  Lösung  von  Ammoniak,  worauf  abermals  Abspülen 
mit  kaltem  Wasser  folgt.  Während  dieser  Prozedur  verlieren  die 
Algen  53°/0  ihres  Gewichtes  an  Mineralsalzen,  Farbstoffen  und  or- 
ganischen Bestandteilen.  Der  Rest  wird  in  Wasser  gekocht,  die 
Gallerte  löst  sich  in  demselben  und  wird  dann  vom  unbrauchbaren 
Bodensatz  abgegossen.    Payen  erhielt  so  reine  Gallerte. 

Wie  der  bei  uns  käufliche  Agar-Agar  hergestellt  wird,  konnte 
ich  nicht  in  Erfahrung  bringen. 

Elementarbestandtheile  des  Agar-Agar.  Der  von 
Payen  (13)  aus  Gelidium  corneum  extrahirte  Agar-Agar  besteht 
nach  seiner  Analyse  aus  Kohlenstoff,  Sauerstoff  und  Wasserstoff; 
dasselbe  fand  Parumbaru  (bei  Greenisch  citirt),  der  mit  japa- 
nischem Agar-Agar  arbeitete.  Apotheker  Greenisch  gibt  an,  dass 
der  Fucus  amylaceus  aus  Kohlenstoff  und  Wasserstoff  besteht, 
Haeppe  (10)  hält  die  Gallerte  auch  für  ein  Kohlenwasserstoffpro- 
dukt. Hieraus  ist  ersichtlich,  dass  die  Elementarbestandtheile  des 
Agar-Agar  qualitativ  noch  nicht  bestimmt  sind. 

Eigenschaften  des  Agar-Agar.  Der  Agar-Agar  ist  eine 
Gallerte,  die  in  kaltem  Wasser  quillt  und  sich  in  heissem  Wasser 
nach  langem  Kochen  löst.  PhenolphtaleYn  wird  durch  die  wässrige 
Losung  der  Gallerte  nicht  gefärbt,  doch  genügt  der  Zusatz  eines 
Tropfens  der  schwachen  (0,4  °/0)  Aetznatronlösung,  um  die  Farbe 
wahrnehmbar  zu  machen.  Die  Lösung  zeigt  also  wie  Wasser  neu- 
trale Reaktion.  Längere  Zeit  dauernde  hohe  Temperatur  beeinträch- 
tigt die  Gallerteigenschaften  nicht.  Payen  schätzt  Agar-Agar  als 
Gallerte  zehnmal  höher  als  die  beste  Gelatine;  als  Zusatz  zur  Bouil- 
lon wird  daher  auch  viel  weniger  gebraucht.  Nach  Graham 's  (15) 
Beobachtungen  geht  die  Diffusion  einer  Lösung  von  Krystallen  in 
japanischem  Agar-Agar  ebenso  rasch  wie  in  Wasser  vor  sich,  was 
nach  seiner  Angabe  mit  gefärbten  Krystallen,  wie  saures  chrom- 
saores  Kali,  sehr  schön  demonstrirbar  ist. 

Die  Bereitung  von  Nähragar  I.  Bis  vor  Kurzem  haben 
wir  das  Nähragar  gewöhnlich  auf  folgende  Weise  bereitet:  Wir  ver- 
fertigten uns  1  Liter  neutraler  oder  schwach  alkalischer  Bouillon. 
Die  Bouillon  wird  in  einen  Kolben  gegossen  und  15  g  Agar-Agar 
hinzugethan,  worauf  es  auf  12—15  Stunden  in  den  Dampfkochtopf 
gestellt  wird.  Zuerst  muss  es  mehrmals  stark  geschüttelt  werden, 
weil  sich  sonst  das  Agar-Agar  absetzt  und  nicht  löst.  Nach  voll- 
ständiger Lösung  wird  das  Nähragar  in  den  heissen  Trichter  ge- 
gpBsen  und  filtrirt.  Die  Bereitung  des  Näbragars  erfordert  mehr  als 
einen  Tag,  doch  ist  es,  nachdem  es  mehrere  Stunden  siedend  im 
Dampfkochtopf  gestanden,  so  vollständig  [sterilisirt,  dass   die  Zube- 


58  Schalt*, 

reitung  unterbrochen  und  zu  gelegener  Zeit  wieder  aufgenommen 
werden  kann. 

Die  lange  Dauer  des  Lösens  und  die  Schwierigkeiten  bei  der 
Filtration  veranlassten  mich,  nach  der  Ursache  dieser  Uebel  zu  suchen, 
um  sie  eventuell  zu  beseitigen. 

Verhältniss  von  Agar-Agar  zu  Säuren  und  Alka- 
lien. Nach  vielfachen  Versuchen  gelangte  ich  zu  der  Ueberzeugung, 
dass  die  Lösung  von  Agar-Agar  ganz  verschiedene  Eigenschaften 
zeigt,  je  nach  der  Reaktion  der  Flüssigkeit,  in  der  Agar-Agar  gelöst 
wurde.  Beim  Lösen  desselben  in  schwach  alkalischer  Bouillon  er- 
halten wir  eine  dicke  klebrige  Flüssigkeit,  die  schnell  erstarrt.  Ge- 
schieht das  Lösen  in  saurer  Flüssigkeit  (0,1  %  Schwefelsäure  genügt), 
so  ist  das  Resultat  eine  durchsichtige,  beim  Erkalten  nicht  erstarrende 
Flüssigkeit  Hieraus  folgt,  dass  eine  schwach  alkalische 
Reaktion  den  Werth  des  Agar-Agar  als  Gallerte 
steigert,  eine  saure  kann  ihn  ganz  aufheben.  Setzt  man 
der  schwach  alkalischen  Lösung  eine  genügende  Menge  Säure  zu,  so 
erstarrt  dieselbe  beim  Erkalten  nicht,  neutralisirt  man  aber  eine 
saure  Lösung,  so  erstarrt  dieselbe  auch  nicht  mehr.  Der  Werth 
der  Gallerte  kann  also  durch  Säuren  verringert  wer- 
den, ohne  dass  nachträgliches  Neutralisiren  ihn  wie- 
der herstellt 

Lassen  wir  jetzt  die  durch  die  Reaktion  veranlassten  grossen 
Schwankungen  bei  Seite  und  wenden  wir  uns  den  geringen  Abwei- 
chungen zu,  die  bei  den  gewöhnlichen  bakteriologischen  Arbeiten  vor- 
kommen, so  sehen  wir,  dass  sogar  bei  ihnen  das  Nähragar  ver- 
schiedene Eigenschaften  zeigt,  je  nachdem  die  zur  Lösung  ver- 
wandte Bouillon  neutralisirt  war  oder  nicht  Bemerkt  muss  noch 
werden,  dass  die  Reaktion  nicht  nur  den  Werth  der  Gallerte  beein- 
flusst,  sondern  auch  auf  Löslichkeit,  Festigkeit,  Farbe,  Durchsichtig- 
keit, Filtrationsvermögen  und  die  Menge  des  ausgeschiedenen  Konden- 
sationswassers wirkt  Wir  unterscheiden  scharf  bei  Zubereitung  von 
Nähragar:  1)  Nähragar,  der  mit  säuerlicher  Bouillon  und  nachträg- 
liche Neutralisation  bereitet  ward  und  2)  solchen,  der  direkt  mit 
neutralisirter  Bouillon  bereitet  ward. 

1)  Agar-Agar,  in  nicht  neutralisirter  Bouillon  gekocht,  löst  sich 
und  filtrirt  verhältnissmässig  rasch;  der  gewonnnene  Nähragar  ist 
schwach  gelblich,  ziemlich  durchsichtig,  schlüpferig,  wässerig  und 
scheidet  viel  Kondensationswasser  aus.  Er  erstarrt  unter  40° ;  hält, 
in  schräge  Lage  gebracht,  nicht  fest  und  ist  zu  Plattenkulturen  nicht 
zweckmässig. 

2)  In  neutralisirter  Bouillon  gekochter  Agar-Agar  ist  langsamer 
löslich  und  filtrirt  schlecht  Der  gewonnene  Nähragar  hat  eine  roth- 
bräunliche Farbe  und  ist  wenig  durchsichtig.  Er  scheidet  wenig 
Kondensationswasser  aus,  ist  fest,  trocken ;  beim  Erstarren  in  schräger 
Lage  hält  er  recht  gut,  ist  zur  Plattenkultur  geeignet  und  erstarrt 
bei  40°  sehr  schnell. 

Aus  Obigem  gebt  hervor,  dass  Nähragar  leichter  aus  säuerlicher 
Bouillon  zu  bereiten  ist,  weil  er  sich  schneller  löst,  besser  filtrirt 
Die  zur  Bereitung  des  Nähragar   vorgeschlagenen  neuen  Methoden 


2nr  Frage  too  der  Bereitung  einiger  NXhrsnbttrato.  59 

basiren  häufig  auf  dem  Einfluss  der  Säuren  auf  den  Agar.  So  weicht 
Scbottelius  (16)  seinen  Agar-Agar  5  Minuten  lang  in  Salzsäure 
(2°/0  Losung),  spült  ihn  ab  und  kocht  ihn  in  nicht  neutralisirter 
Bouillon.  Richter  (17)  kocht  Agar-Agar,  grösserer  Löslichkeit 
wegen,  in  Moselwein,  der  nach  König  (18)0,79°/,»  freie  Säure  ent- 
hält. Er  nimmt  2°/0  Agar-Agar  und  fügt  ihm  noch  2°/0  Gelatine 
hinzu.  Tisch  Utk  in  (19)  weicht  ihn  in  eine  5°/ö  Essigsäurelösung 
und  kocht  ihn,  nach  erfolgter  Abspülung  in  Wasser,  in  nicht  neutra- 
lisirter Bouillon.  Wie  schon  erwähnt,  kann  man  das  Lösen  des  Agar- 
Agar  ohne  Zusatz  von  Säuren  etwas  beschleunigen,  wenn  man  ihn  in 
nicht  neutralisirter  Bouillon  kocht,  weil  Bouillon  immer  etwas  sauer 
ist.  So  verfahren  Hu eppe  (19),  Freudenreich  (20),  Baum- 
garten u.  A.  m.  Ehe  ich  die  Eigenschaften  des  Agar-Agar  ge- 
nauer kennen  gelernt,  machte  ich  es  ebenso  (21).  Man  gewinnt 
eigentlich  nichts  beim  Kochen  des  Agar-Agar  in  säuerlicher  Bouillon, 
da,  wie  schon  angeführt,  der  dadurch  verringerte  Werth  der  Gallerte 
nicht  wieder  restaurirt  werden  kann. 

Das  Kochen  des  Agar-Agar  in  nichtneutral isirter  Bouillon  sowohl 
als  auch  in  neutraler  ist  entschieden  mangelhaft,  und  sind  beim 
Vergleichen  der  Lösungen  untereinander  die  Mängel  ganz  verschieden. 
Es  schien  mir  daher  nicht  unmöglich,  eine  solche  Reaktion  zu  be- 
wirken, die  die  Vortheile  des  einen  und  des  anderen  Verfahrens,  wenn 
auch  abgeschwächt,  aufweist.  Bouillon  ist  stets  sauer,  die  Intensität 
ihrer  Säure  aber  schwankt  in  gewissen  Grenzen.  Um  1000  ccm 
Bouillon  vollständig  zu  neutralisiren,  braucht  man  gewöhnlich  20— 
35  ccm  4  °/0  Lösung  von  Aetznatron ;  es  galt  daher  eine  solche  Re- 
aktion zu  finden,  die  bei  Anwendung  von  0  ccm  bis  20—35  ccm  der 
4%  Lösung  die  besten  Resultate  gibt. 

Zu  diesem  Zwecke  nun  habe  ich  viele  Versuche  angestellt:  habe 
die  Bouillon  ganz  neutralisirt;  beim  nächsten  Versuche  5  ccm  weniger 
zugesetzt  ( — 5);  beim  nächsten  Versuch  6  ccm  weniger  (—6)  u.  s.  f. 

Neutralisiren  wir  nun  mit  8—10  ccm  4%  Lösung  weniger, 
als  zur  völligen  Neutralisation  nöthig,  so  erhalten  wir,  bei  obenge- 
nannter Bereitungsweise,  sehr  schönen  Nähragar,  der  nicht  zu  stark 
gefärbt  und  doch  ganz  fest  ist  Ein  solcher  Nähragar,  in  schräger 
Lage  erstarrt,  kann  sofort  benutzt  werden ;  die  Kulturen  lassen  sich 
beim  Deberimpfen  gut  einreiben;  er  bat  genügendes  Kondensations- 
wasser, hält  im  Thermostaten  ohne  jeden  Nachtheil  eine  Temperatur 
von  50°  C  aus  und  hat  einen  Schmelzpunkt  von  97 D  C.  Sehr  viele 
Mikroben  wachsen  auf  solchem  Nähragar  vortrefflich,  doch  gibt  es 
auch  solche,  die  eine  vollständige  Neutralisation  verlangen;  deshalb 
empfiehlt  es  sich,  nachträglich  Partieen  Nähragars  durch  Zusatz  von 
0,8  ccm  4  °/0  Lösung  auf  jede  100  ccm  Nähragar  definitiv  zu  neu- 
tralisiren. Beim  Erhitzen  bildet  sich  von  Neuem  ein  Niederschlag, 
der  durch  Filtration  entfernt  wird. 

Löslichkeit  Agar-Agar  ist  sehr  schwer  löslich  und  werden 
deshalb  auch  verschiedene  Arten  der  Lösung  empfohlen.  Gekocht 
wird  er  im  Damfkochtopf,  im  Autoklaven,  auf  freiem  Feuer  und  im 
Wasserbade.  Auch  die  Angaben  über  die  dazu  erforderliche  Zeit 
sind  Behr  verschieden :  C.  F  r  ae  n  k  e  1  (8)  stellt  ihn  auf  mehrere  Stunden 


60  8ch«lt«, 

in  den  Dampftopf;  Flügge  (22)  kocht  ihn  10—12  Stunden  mit 
kleiner  Gasflamme;  Dubieff  (12)  ebenso,  doch  nar  4 — 5  Standen 
lang;  Hueppe(lO)  kocht  ihn  viele  Stunden  im  Wasserbade;  Richter 
(17)  löst  ihn  rasch  in  Moselwein;  van  Puteren(23)7 — 10  Minuten 
lang  in  Molken;  Tischutkin  3—5  Minuten  in  Bouillon,  nachdem 
er  ihn  mit  Essigsäure  bearbeitet. 

Die  Dauer  des  Prozesses   der  Lösung   hängt  von  dreierlei  ab: 

1)  von  der  Reaktion  der  Flüssigkeit,  in  der  Agar-Agar  gekocht  wurde; 

2)  vom  Prozentgehalt  des  Agar-Agar  in  der  Flüssigkeit  und  3)  davon, 
wie  er  gelöst  wird.  Diese  drei  Unterschiede  erklären  die  scheinbaren 
Widersprüche  der  Autoren  zur  Genüge. 

1)  Ueber  den  Einfluss  der  Reaktion  habe  ich  schon  gesprochen. 

2)  Dass  l°/0  Agar-Agar  unter  sonst  gleichen  Umständen  sich 
leichter  löst,  als  bei  höherem  Prozentgehalte,  habe  ich  mehrfach  be- 
obachtet. 

3)  Was  die  Art  des  Kochens  betrifft,  so  kann  ich  nur  von  der 
im  Dampfkochtopfe  und  der  auf  freiem  Feuer  sprechen  —  die  anderen 
Methoden  konnte  ich  nicht  untersuchen.  Stellen  wir  einen  Kolben 
mit  Bouillon  und  ungelöstem  Agar-Agar  in  den  Dampfkochtopf,  so 
sinkt  der  Agar-Agar  unter  und  mischt  sich  nur  bei  häufigem  Schütteln. 
Auf  freiem  Feuer  wirft  die  Bouillon  im  Sieden  den  Agar-Agar  umher 
und  mischen  sich  die  Stoffe  also  innig  und  beständig  von  selbst  Zu 
letztem  Verfahren  gehört  viel  weniger  Zeit,  ob  es  aber  nur  die  Be- 
wegung der  Flüssigkeit  ist,  die  den  Unterschied  veranlasst  oder  ob 
noch  andere  Umstände  in  Betracht  kommen,  kann  ich  nicht  entscheiden. 

Das  Kochen  des  Agar-Agar  im  Autoklaven  wird  von  Freuden- 
reich und  Gi  lieb  au  (20)  sehr  empfohlen,  sie  geben  an,  rasch 
sehr  durchsichtiges  Nähragar  erhalten  zu  haben.  Roux  soll  auch 
dieses  Verfahren  mit  Erfolg  benutzen.  Doch  kann  kaum  der  Auto- 
klave  ein  allgemein  verbreiteter  Apparat  werden. 

Bei  ungenügendem  Kochen  sieht  man  nach  der  Filtration  und 
Sterilisation  des  Nähragar  eine  Flockenbildung  in  vorher  ganz  klarer 
Flüssigkeit  entstehen. 

Woran  aber  erkennen  wir,  ob  der  Agar-Agar  genügend  gelöst 
war?  Ich  beobachtete  folgende  Kennzeichen:  der  gelöste  Agar-Agar 
muss  ganz  klar  oder  gleichmässig  trüb  sein,  darf  durchaus  keine 
Flocken  oder  Stücke  enthalten.  Die  Niederschläge  müssen  deutlich 
und  fest  am  Boden  liegen,  so  dass  die  klare  Flüssigkeit  leicht  abzu- 
heben ist 

Das  Klären  von  Nähragar.  Klären  mitEiweiss  ist  zweck- 
los. Die  Hauptbedingung,  auf  die  Acht  zu  geben,  um  klares  Nähr- 
agar zu  erhalten,  ist  die  vollständige  Lösung  und  das  völlige  Nieder- 
schlagen des  Bodensatzes. 

Die  Bereitung  von  Nähragar  II.  Basirend  auf  der 
Erfahrung,  dass  Nähragar  sich  auf  freiem  Feuer  rascher  löst  (wie 
oben  angeführt),  gehe  ich  zur  Bereitung  unseres  Nähragar  II  über. 

In  einen  emaillirten  gusseisernen  Kessel  giesst  man  3—4  Liter 
destillirten  Wassers  und  bringt  dasselbe  zum  Kochen ;  dann  fügt  man 
20  g  feingeschnittenen  Agar-Agars  hinzu  und  kocht  ca.  2  Stunden. 
Der  Kesseldeckel  wird  fast  ganz  geschlossen,  um  stärkeres  Sieden  zu 


fcttr  Wage  von  der  Bereitaa;  einiger  NährsntstraU.  ßi 

erlangen.  Nach  Ablauf  der  2  Stunden  wird  1  Liter  schwach  alka- 
lischer Bouillon  zugegossen  und  dann  weiter  gekocht,  so  lange,  bis 
nur  1  Liter  Nähragar  nachbleibt,  was  im  Ganzen  ungefähr  3  Stunden 
beansprucht  Agar-Agar  brennt  gar  nicht  bei  emaillirtem  Kessel- 
boden an,  und  man  braucht  nicht,  beim  lang  anhaltenden  Kochen, 
iortwährend  dabei  zu  stehen  und  zu  rühren.  Die  trübe  Flüssigkeit 
wird  dann  direkt  im  heissen  Trichter  filtrirt.  Auf  diese  Weise  er- 
hält man  sehr  guten  Nähragar  von  blasser  Färbung,  genügender 
Festigkeit,  der  recht  durchsichtig  ist.  Die  ganze  Zubereitung  ist  in 
einigen  Stunden  beendet 

Diese  Art  der  Losung  von  Agar-Agar  wirkt,  wie  es  scheint,  etwas 
verringernd  auf  den  Werth  des  Agar-Agars  als  Gallerte,  wenigstens 
erhält  man  bei  gleicher  Dosirung  festeren  Nähragar  nach  I,  als  nach 
II.  Vielleicht  hat  die  Art  des  Kochens  auf  das  Sauerwerden  der 
Bouillon  Einfluss.  Wie  es  auch  sei,  kann  man  diese  kleine  Differenz 
beseitigen  durch  Hinzugeben  von  20  g  Agar-Agar  statt  15  g,  und 
durch  vollständige  Neutralisation  der  Bouillon. 

Zur  Sterilisation  werden  die  Probirgläser  mit  Nähragar  3  Tage 
nach  einander  auf  eine  Stunde  in  den  Dampfkochtopf  gestellt  und 
ist  ihr  Inhalt  dann  absolut  keimfrei.  Ein  so  langes  Stehen  in  hoher 
Temperatur  verdirbt  den  Nähragar  nicht,  es  wird  sogar  dadurch 
durchsichtiger.  Falls  der  Nähragar  etwas  weich  .oder  wässerig  ist, 
was  besonders  nach  Zusatz  von  Glycerin  geschehen  kann,  so  stellt 
man  die  Probirgläschen  an  einem  warmen  und  trockenen  Ort  Hier 
trocknen  sie  sehr  rasch  ein  und  der  Nähragar  wird  ganz  fest  Der 
Zusatz  von  Glycerin  oder  Zucker  wird  nach  der  Filtration  zuge- 
geben. 

Nährgelatine.  Darstellung  und  Eigenschaften  der- 
selben. Bekanntlich  wird  Gelatine  durch  langes  Kochen  aus  thie- 
rischen  Sehnen  und  Knochen  gewonnen  und  übernimmt  die  Technik 
das  Umsetzen  der  thierischen  Bestandteile  in  reine,  durchsichtige, 
leicht  lösliche  Gallerte. 

Kocht  man  Gelatine  zu  lange,  so  erstarrt  sie  nicht  mehr  beim 
Erkalten,  sondern  bleibt  flüssig ;  dasselbe  bewirken  verdünnte  Säuren. 

Gelatine  besteht  aus  Kohlenstoff,  Wasserstoff,  Sauerstoff  und 
Stickstoff  und  gehört  nach  Drechsel  (24)  unter  die  Eiweissstoffe, 
in  die  Gruppe  der  Glutinoide. 

Gelatine  reagirt  schwach  sauer,  weshalb  man  bei  Neutralisation 
der  Bouillon,  in  welcher  Gelatine  gekocht  werden  soll,  Alkali  bis  zu 
schwach  rother  Färbung  des  PhenolphtaleXn  zusetzt  Dieser  kleine 
Deberschuss  von  Alkali  genügt  zur  Neutralisation  der  Gelatine  — 
die  Mikroben  gedeihen  gut. 

Die  Zubereitung  der  Nährgelatine  ist  viel  leichter,  als  die  des 
Nähragar,  weil  eben  Gelatine  viel  leichter  löslich  ist  Bisweilen 
kommen  auch  unangenehme  Zufälle  vor.  Es  geschieht,  dass  viele 
Mikroben  entweder  gar  nicht  oder  nur  kümmerlich  wachsen  —  dann 
trägt  gewöhnlich  die  Reaktion  die  Schuld  daran.  Obgleich  man 
meist  durchsichtige  Gelatine  bekommt,  so  geschieht  es  doch  zuweilen, 
dass  dieselbe  nach  Filtration  und  Sterilisation  trübe  wird. 


C2  Schalt!, 

C.  Fraenkel  (8)  erwähnt  dessen  auch  in  seinem  Lehrbach  und 
nimmt  als  Ursache  einen  Ueberschuss  von  Alkali  an;  eine  Ansicht, 
der  ich  mich  durchaus  anschliesse. 

Bei  der  Bereitung  von  Nährgelatine  gibt  es  dreierlei  Nieder- 
schläge: die  zwei  bei  der  Bouillon  schon  besprochenen  und  endlich 
noch  eine  feine  Trübung,  welche  in  jeder  Lösung  von  Gelatine  vor- 
handen ist  und  leicht  durch  Klärung  mit  Eiweiss  und  Filtration  zu 
beseitigen  ist 

In  mehreren  Lehrbüchern  wird  vorgeschlagen,  die  Nährgelatine 
längere  Zeit  hindurch  zu  kochen.  Zur  Losung  ist  das  unnütz,  da 
dieselbe  in  heisser  Bouillon  momentan  geschieht.  Waren  die  Nieder- 
schläge der  Bouillon  schon  früher  entfernt,  so  genügt  zum  Besei- 
tigen der  Trübungen  in  der  Gelatine,  mit  Hilfe  von  Eiweiss,  ein 
16  Minuten  langes  Kochen. 

Die  Bereitung  der  Nährgelatine.  In  1  Liter  schwach 
alkalischer,  heisser  Bouillon  zum  zweiten  Mal  gekocht  und  heiss 
filtrirt,  wird  50—100  g  Gelatine  gelöst  und  dann  200  cm  destillirttu 
Wassers  zugegossen,  die  erhaltene  Lösung  bis  auf  40°  abgekühlt 
und  2  Eiweiss  (die  vorher  mit  der  2— 3  fachen  Menge  Wasser  ver- 
rührt wurden)  zugegeben  und  während  10—15  Minuten  stark  gekocht 
Dabei  wandelt  sich  die  vorher  trübe  Flüssigkeit  in  eine  klare,  hell- 
gelbe, in  der  harte  Flocken  geronnenen  Ei  weisses  vertheilt  sind. 
Man  filtrirt  sie  durch  vierfach  gefaltete  Marly  und  dann  durch  heisse 
Trichter.  Die  Nährgelatine  wird  zum  Schlüsse  noch  3  Tage  nach 
einander  täglich  auf  eine  halbe  Stunde  in  den  Dampfkochtopf  ste- 
rilisirt 

Das  Filtriren  der  Nährsubstrate.  Das  Filtriren  der 
Nährsubstrate  erfordert  recht  viel  Geduld.  Ein  rasches  Filtriren  ist 
gewöhnlich  unmöglich,  eine  dicke  Gallerte  kann  nicht  anders  als  lang- 
sam durchlaufen;  doch  kann  auch  dieses  etwas  erleichtert  werden. 

1)  Enthält  die  zu  filtrirende  Flüssigkeit  Ei weissstoffe ,  welche 
zu  eliminiren  sind,  so  muss  sie  stark  gekocht  werden,  damit  die  schlei- 
migen Eiweissstoffe  den  Filter  nicht  etwa  verkleben. 

2)  Zeigt  die  Flüssigkeit  eine  feine  Trübung,  die  durch  den  Filter 
nicht  beseitigt  wird  oder  denselben  verunreinigt,  so  muss  mit  Eiweiss 
geklärt  werden. 

3)  Es  empfiehlt  sich,  die  Gallerte  durch  beisse  Wassertrichter 
zu  lassen,  damit  sie  flüssiger  bleibt. 

4)  Falls  das  Filtriren  sehr  langsam  geht,  muss  der  Trichter 
zugedeckt  werden,  da  sonst  durch  das  Verdunsten  des  Wassers  die 
Gallerte  immer  zäher  wird;  die  Filtration  kann  sogar  zum  Stillstand 
kommen. 

Um  ganz  klare  Flüssigkeit  zu  erhalten,  thut  man  wohl,  den 
ersten  Theil  des  Filtrats  in  den  Trichter  zurückzugiessen,  resp.  ein 
zweites  Mal  zu  filtriren. 

Bei  Befolgung  obiger  Regeln  filtrirt  die  Bouillon  sehr  gut 

Das  Filtriren  von  Nährgelatine  geht  nicht  immer  gleicherweise 

vor  sich :  nicht  ganz  neutrale  filtrirt  rasch  und  von  Anfang  an  klar; 

bei  alkalischer  geht  es  rasch,  aber  trübe,   und  wird  die  Lösung  nur 

bei  langsam  tröpfelnder  Filtration  vollkommen  klar;  also  mit  2—3- 


fcnr  Frage  von  der  Bereitung  einiger  tf&hrsubstrate.  §$ 

fächern  Filter  und  nicht  allzu  heissen  Trichtern  wird  am  besten 
filtrirt. 

Am  schwierigsten  ist  gewöhnlich  das  Filtriren  des  Nähragars, 
weshalb  es  auch  verschiedene  Angaben  gibt,  um  diese  Arbeit  zu  er- 
leichtern. Manche  filtriren  es  gar  nicht,  sondern  bringen  es  nur  an 
einen  warmen  Ort  und  lassen  die  Niederschläge  sich  absetzen. 
A.  Fraenkel  (25)  nimmt  die  klare  Flüssigkeit  mit  der  Pipette  ab ; 
Freudenreich  (20)  giesst  sie  ab;  Flügge  (22)  lässt  die  Flüssig- 
keit im  Cylinder  erstarren  und  schneidet  das  Unreine  herunter. 
Jakobi  (26)  filtrirt  durch  Watte  unter  erhöhtem  Druck,  Freu- 
denreich (20)  im  Autoklaven,  van  Puteren  (23)  in  verdünnter 
Luft  u.  s.  w. 

Es  ist,  wie  ersichtlich,  in  Bezug  auf  diese  Frage  schon  viel  ge- 
arbeitet worden,  ohne  dass  jedoch  eine  der  vorgeschlagenen  Methoden 
allgemein  geworden  wäre. 

Es  ist  mir  nicht  gelungen,  das  Nähragar  durch  Abgiessen  von 
den  Niederschlägen  so  klar  zu  bekommen,  wie  das  filtrirte;  eine 
Kombination  beider  Mittel  kann  aber  manchmal  das  sicherste  Resul- 
tat geben. 

Bei  der  Bereitung  von  Nähragar  I  verfahren  wir  folgender- 
maassen :  Nachdem  das  Agar-Agar  10  Stunden  im  Dampfkochtopf  ge- 
standen bat,  wird  geschüttelt  und  das  Nähragar  in  grosse  Probir- 
gläser  oder  in  cylindrische  Gefässe  gegossen  (zur  Erleichterung  des 
Abgiessens),  wieder  in  den  Dampfkochtopf  gebracht  und  dort  bis 
zum  vollständigen  Absetzen  des  Niederschlages  gelassen.  Gewöhn- 
lich erhält  man  eine  klare  Flüssigkeit,  die  verhältnissmässig  leicht 
filtrirt,  wenn  vorher  nur  bis  zu  ( —  8)  oder  (—  10)  neutralisirt  war. 

Bei  der  Bereitung  des  Nähragar  II  ist  eine  Absetzung  der  Nie- 
derschläge unnütz;  solches  Nähragar  filtrirt  gut  und  braucht  dazu 
ungefähr  eine  Stunde. 

Im  Interesse  der  Filtration  ist  eine  vollständige  Lösung  des 
Agar-Agar  und  eine  nicht  allzu  grosse  Zähigkeit  der  Gallerte  erfor- 
derlich ;  je  zäher  die  Gallerte  ist,  desto  schwerer  geht  die  Filtration. 
Eine  gewisse  Zähigkeit  ist  wohl  für  unsere  Arbeit  unbedingt  nöthig, 
ein  Deberfluss  aber  sehr  zeitraubend,  wie  bei  der  Lösung  von  Agar- 
Agar,  so  auch  bei  der  Filtration.  Eben  diesen  Grad  der  Zähigkeit 
habe  ich  lange  gesucht. 

Aus  dem  Gesagten  ziehe  ich  folgende  Schlüsse: 

1)  Es  empfiehlt  sich,  die  bei  der  Bereitung  der  Nährsubstrate 
sich  bildenden  Niederschläge  einzeln  zu  entfernen,  weil  jeder  Nieder- 
schlag seine  besonderen  Eigenschaften  hat. 

2)  Bei  der  Neutralisation  ist  Lackmuspapier  nicht  zuverlässig 
und  die  Reaktion  durch  Titriren  festzustellen. 

3)  Phenolphtaleln  ist  ein  sehr  genauer  Indikator. 

4)  Die  Bouillon  muss  vor  dem  Zusatz  von  Agar-Agar  oder  Ge- 
latine neutralisirt  werden. 

5)  Agar-Agar  erfordert  zu  vollständiger  Lösung  langdauerndes 
Kochen. 

6)  Nährgelatine  muss  nur  wenig  gekocht  werden. 


ß4  So hnlti)  £ur  Fragt  von  dar  Bereitung  einiger  ftährsubstrat*. 

Dieses  befolgend,  habe  ich  wirklich  sehr  gute  Bouillon,  Nahragar 
und  Nährgelatine  bereitet.  Erst  allmählich,  in  dem  Maasse,  als  ich 
die  Eigenschaften  unserer  Nährsubstrate  näher  kennen  gelernt,  wurde 
es  mir  klar,  woran  das  häufige  Misslingen  bei  ihrer  Zubereitung  lag, 
und  wurde  es  mir  dann  auch  möglich,  die  Mängel  der  Bereitung 
wenigstens  theilweise  abzustellen.  Viel  Spielraum  aber  ist  noch  zur 
Arbeit  auf  diesem  Gebiete  vorhanden ! 

Zum  Schluss  fühle  ich  mich  verpflichtet,  meinen  innigsten  Dank 
Herrn  Prof.  Afanasiew  für  die  Leitung,  welche  er  bei  meinen 
bakteriologischen  Studien  mir  angedeihen  liess,  auszusprechen. 


Litteratur. 

1)  Koch,  lfittheilangen  aus  dem  Gesundheitsamt«.  Bd.  I.  1881. 

2)  Proast,  Revue  d'hygiene  et  de  police  sanitaire.  T.  VI.   1884.  p.  917. 

3)  Loeffler,     Centralblatt    für    Bakteriologie    und    Paratitenknnde.      Bd.    VII. 
1890.   p.  629. 

4)  Böckmann,    Chemisch  -  technische    Untersuchungsmethoden.     2.  Aufl.     Bd.  I 
p.  96—109. 

6)  lfiquel,  Les  organismes  vivants  de  l'atmosphere.  1888.  p.  161. 
6}  Loeffler,  Mittheilungen  aus  dem  Gesnudbeitsamte.  Bd.  II. 

7)  Heide li reich,  Methoden  der  Untersuehung  der  Mikroorganismen.  [Russisch. 

8)  C.  Fraenkel,  Grund  riss  der  Bakterien  künde.  J887  und  1890. 

9)  Baumgarten,  Lehrbuch  der  pathologischen  Mykologie.  1.  Hälfte.  1886 

10)  Hueppe,  Die  Methoden  der  Bakterien  forsch  ung.  1889. 

11)  v.  Ermengen,  Manuel  technique  de  microbiologie.  p.  240. 

12)  Dubieff,  Manuel  pratique  de  microbiologie.  p.  246. 
18)  Payen,  Comptes  rendus.  T.  XLIX.  1869. 

14)  Qreenisch,    Pharmazeutische  Zeitschrift  Russlands.  Bd.  XX.  p.  601. 
16)  Graham,  Philosophical  Transactions.  1861. 

16)  Schottelius,    Centrmlblatt    für   Bakteriologie   und  Parasitenkunde.     Bd.  II. 
1887.  p.  97. 

17)  Richter,  Berliner  klinische  Wochenschrift.  1887.  No.  82.  p.  600. 

18)  König,  Zusammensetzung  der  menschlichen  Nahrung»-  und  GennssmitteJ.  1889 

19)  Tischutkin,  Wratoch.  1890.  No.  8. 

20)  Freudenreich,  Centnilblatt  für  Bakteriologie  und  Parasitenkunde.  Bd.  111. 
p.  797. 

21)  M.  J.  Afanasiew,    Kalender   för  Aerzte.    1888.    Artikel:  „Ueber  die  Fort- 
schritte der  Bakteriologie.14     [Russisch.] 

22)  Flügge,  Die  Mikroorganismen,  p.  660. 
28)  Van  Puteren,  Wratsch.  1888.  No.  16. 

24)  E.   Drechsel,     Ladenburg's    Handwörterbuch    der    Chemie.      Artikel : 
„Ueber  Eiweisskörper." 

25)  A.  Fraenkel,  Zeitschrift  für  klinische  Medicin.   Bd.  X.  1886. 

26)  Jacobi,  Centralblatt  für  Bakteriologie  und  Parasitenkunde.  Bd.  III.  No.  17 

St.  Petersburg,  30.  April  1891. 


Kaufmann,  Ueber  einen  nenen  Nährboden  für  Bakterien,  f>5 


Ueber  einen  neuen  Nährboden  für  Bakterien. 

[Aas  der  zoologischen  Station  zu  Neapel] 

Von 

Dr.  P.  Kaufinann 
z.  Z.  in  Alexandrien. 

ZüchtnngsverBuche,  die  ich  mit  dem  sogenannten  Jequirity- 
bacillus  und  dem  wahrscheinlich  identischen  Megaterium  in 
Jequirityinfus  anstellte,  fahrten  mich  dazu,  das  Letztere  genauer  in 
Bezug  auf  seine  Verwendbarkeit  als  Bakteriennäbrboden  zu  prüfen. 
Das  Resultat  war  ein  günstiges  und  ich  erlaube  mir  deshalb,  das- 
selbe hier  in  Kürze  mitzutheilen. 

Ich  stellte  mir  meine  Nährflüssigkeit  in  folgender  Weise  her: 
10  gr  Jequiritysamen  *)  wurden  durch  Zerstampfen  im  Mörser  ent- 
schält und  die  entschälten  Samen ,  deren  Tlcwicht  jetzt  nur  noch  ca. 
8  gr  betrug,  mit  100  ccm  Wasser  während  2  Stunden  im  Dampf- 
sterilisator gekocht;  das  Ganze  wurde  kalt  (es  bildet  sich  beim  Ab- 
kühlen ein  Niederschlag)  filtrirt.  Die  resultirende  Flüssigkeit  von 
hellgelber  Farbe  reagirte  neutral  bis  ganz  schwach  alkalisch  und 
war  für  die  Mehrzahl  der  von  mir  benutzten  Bakterien  ohne  Weite- 
res als  Nährboden  zu  verwerthen.  Die  Flüssigkeit,  welche  ich  der 
Kürze  halber  Jequiritylösung  nennen  will ,  brauchte  nur  noch  in 
Reagenzgläser  gefüllt  und  in  der  üblichen  Weise  sterilisirt  zu  werden. 

Bezüglich  ihres  Verhaltens  zur  Jequiritylösung  konnte  ich  die 
Bakterien  in  3  Kategorieen  theilen: 

1)  in  solche,  welche  die  Farbe  der  Lösung  unverändert  liessen ; 
es  waren  dies  mit  wenigen  Ausnahmen  diejenigen,  welche  gar  nicht 
oder  nur  schlecht  wuchsen  und  dementsprechend  nur  geringe  Trübung 
oder  geringen  Bodensatz  bildeten ; 

2)  solche,  welche  eine  Entfärbung  und 

3)  solche,  welche  eine  Grünfärbung  hervorriefen. 

Es  ergaben  sich  also  3  Farbennuancen.  Eine  nähere  Prüfung 
zeigte,  dass  die  grünen  Kulturen  alkalisch  reagirten,  dass  die  Ent- 
färbung dagegen  auf  Säurebildung  beruhte.  Dies  wurde  durch  das 
chemische  Experiment  bestätigt.  Alkalisirt  man  nämlich  die  Lösung, 
so  erfolgt  Grünfärbung,  setzt  man  dagegen  zu  der  grüngefärbten 
oder  der  gewöhnlichen  Jequiritylösung  Säure  hinzu,  so  tritt  Ent- 
färbung ein  *). 

Wir  besitzen  also  in  der  Jequiritylösung  ein  Nährmittel,  das 
uns  in  den  Stand  setzt,  ohne  Weiteres  die  Alkalibildner  von  den 

1)  Die  Samen  sind  bei  Merk  (0,60  Mk.  pro  Kilo)  erhältlich.  Beim  Manipullren 
mit  denselben  ist  mit  Vorsicht  su  verfahren,  de  Jequiritvstaub,  anf  Schleimhäute  ge- 
lingt, daselbst  Entsendung  hervorrufen  kann. 

2)  Durch  Imprägnation  von  Flltrirpapier  mit  einer  stark  konsentrirten  Lösung  ver- 
mochte ich  ein  namentlich  für  Untersuchung  auf  Alkali  ziemlich  brauchbares  Reagens- 
P»pier]herzustelleu. 

*.*«.  5 


66  Kaufmann, 

Säurebildnern  in  zwar  etwas  weniger  vollkommener,  dafür  aber  in 
einfacherer  und  weniger  umständlicher  Weise  als  nach  der  Pe- 
trus chky 'sehen  Methode  zu  trennen.  Was  die  Farbenreaktion  be- 
sonders werthvoll  machte,  war  der  Umstand,  dass  sich  durch  die- 
selbe nicht  nur  einige  in  Bouillon  und  den  anderen  Nährböden 
wenig  oder  garnicht  different  wachsende,  im  Uebrigen  verschiedene, 
sondern  auch  scheinbar  identische  Arten 9  wie  Typhusbacillus 
und  Bacillus  coli  mobilis  (Messea)  sehr  schön  unterscheiden 
Hessen.  Der  Letztere  bildet  nämlich  Säure  und  entfärbt  demgemäss, 
während  der  Typhusbacillus  die  Lösung  etwas  alkalisch  macht 
und  demnach  eine  Grünfärbung  bewirkt1).  Dieser  Unterschied  tritt 
übrigens  auf  einem  durch  Zusatz  von  Agar  zur  Lösung  gebildeten 
Nährboden  noch  viel  deutlicher  zu  Tage.  Ich  komme  darauf  weiter 
unten  zurück. 

Für  Bakterien,  welche  nur  schwach,  wie  Dennecke's  Diph- 
theritisbacillus  etc.,  oder  garnicht  wachsen,  wie  Vibrio 
Proteus  (Finkler),  Cholera  asiatica,  Vibrio  Metscb- 
nikoff,  Sarcina  aurantiaca,  rosea  etc.,  stellte  ich  in  der 
Folge  eine  alkalische  Lösung  dar  (etwa  6  Tropfen  konzentrirter 
Sodalösung  auf  100  cem  Jequiritylösung)  und  zwar,  wie  aus  der 
Tabelle  ersichtlich  ist,  mit  gutem  Erfolge. 

Setzte  ich  zur  Jequiritylösung  15  °|0  Gelatine  hinzu,  so  trat  ge- 
wöhnlich schwach  saure  Reaktion  ein,  so  dass  ein  Bakterienwachs- 
thum  im  Allgemeinen  nicht  stattfand.  Nur  Staphylococcus 
pyogenes  aureus  gedieh  gut;  auch  Spirillum  tyrogenum 
(Den necke),  blaue  Milch  und  grüner  Eiter  wuchsen  langsam  unter 
Bildung  von  braunem  Farbstoff.  Bessere  Resultate  lieferte  eine  al- 
kalische Jequiritygelatine. 

Bei  Zusatz  von  lf/t — 2  °/o  Agar-Agar  zur  Lösung  erhielt  ich 
einen  Nährboden,  auf  dem  die  meisten  Bakterien  gut  wuchsen.  Die 
Farbendifferenz,  welche  bei  der  Jequiritylösung,  der  neutralen  sowohl 
wie  der  alkalischen,  zuweilen  in  recht  frappanter  Weise  in  die  Er- 
scheinung trat,  war  in  Gelatine  und  Agar  weniger  deutlich  ausge- 
sprochen. Nur  bei  einzelnen  Arten  kamen  sehr  deutliche  Unter- 
schiede zustande.  So  z.B.  entstand  bei  Kultivirung  von  Bacillus 
typhi  abdominalis  auf  neutralem  Agar  schwache  Grünfärbung, 
wobei  die  Transparenz  des  Agar  erhalten  blieb,  während  coli  mo- 
bilis eine  weissliche  Trübung  des  Agar  verursachte. 

In  der  folgenden  Tabelle  habe  ich  meine  Versuchsresultate  kurz 
zusammengestellt.  Die  Temperatur,  unter  der  ich  die  Kultivirung 
vornahm,  war,  abgesehen  von  den  Gelatinekulturen  und  gewissen, 
nur  bei  niederen  Graden  gut  gedeihenden  Arten,  Brüttemperatur2). 


1)  Dies«  in  scheinbarem  Gegensats  ran  Petruschk  y' sehen  Befand  stehende 
Thatsache  lässt  sich  ungeswungen  ans  der  yon  Th.  Smith  neuerdings  betonten  Fähig- 
keit der  Bakterien  erklären,  je  nach  dem  Medium,  in  weichem  sie  sich  befinden,  bald 
Saure,  bald  Alkali  su  bilden. 

%)  Die  Originalkulturen  sind  mir  liebenswürdiger  Weise  von  Herrn  Dr.  Kruse 
sur  Verfügung  gestellt  worden,  die  Kulturen  Ton  Typhus  abdominalis  und  typhuslhn- 
Jichen  Bakterien  verdanke  ich  Herrn  Dr.  Maurea, 


Üeber  •inen  neuen  Nährboden  Ar  Bakterien. 


67 


Tabelle  I. 

Zeichenerklärung :     —  m  nicht  gewachsen.     1  ■«■  schlecht  gewachsen.     2  «  ziemlich  gut 
gewachsen.     8  »  gut  gewachsen. 


Bakterienart 


r 


eqolritylösong 


Sardna  anrant.        .     . 
Sarcina  roaem      .     .     . 
Stapbyl.  pyog.  aureus 
Staphyl.  pyog.  albus 
Staphyl.  pyog.  ritrens 
B.  prodigiosus     •     .     . 
B.  pyocyaneus     .     .     . 
B.  subtilia      .... 
B.  lactis  cyanogenus 
B.  acidi  lactis      ... 
B.  anthrada 
Pneomobadllua  (P  r  i  e  d  I 

B.  mallei         .... 


B.  toberculosls         .     . 

B.  typhi  abdom.      .     . 

B.  coli  mobilia  (Messe») 

Tjphusfihnl.    a.    Leberab- 

scess 

B.  neapolit  (Emmerich) 

B.   caricida    (B  r  i  e  g  e  r) 

8p.  Cholera  aaiat.  .  . 
Vibrio    Proteus    (Fink* 

ler-Prior)  .  .  . 
8P-    tyrogenum     (Den- 

necke) 

Vibrio  Metschnikoff     .     . 

B.  diphtherit 

Hog-Chotara  (Billings) 
Svinepest  (8elander) 

Frettchenaeuehe       .     .     . 


1 


Alkal.  Jequir. 
Gelatine 


2 
1—2 

3' 
1—2 


Neutr.  Jequir. 
Agar 


2—3 

1 

8 

3 
2—3 

8 
2—3 

8 

2 

8 
2—3 

8 

2—3 
2 

8 
3 

2—3 

8 
2 


1—2 
3 


Färbung  der 
Jequir. - 
Lösung 


Entfärbung. 


Grttnfärbung. 


Entfärbung. 

Schwache 
Grfinftrbung. 


Entfärbung 

Grflnflrbung. 

8tarke 
Giüofirbung. 
Grflnflürbnng 
wie  Typhus. 


Entfärbung. 


,  Grttnfltrbung. 

t» 
I        Starke 
|  GrÜnfärbang. 


Das  schwache  Wachsthum  einzelner  Arten  in  alkalischer  Jequi- 
ritylösung kann  seinen  Grund  in  der  zu  geringen  oder  zu  starken 
Alkalescenz  der  Lösung  haben;  dafür  spricht  wenigstens  die  Beob- 
achtung, dass  Tuberkelbacillen  in  schwach  alkalischer  Jequiritylösung 
nicht  gut  gedeihen,  in  stark  alkalischer  dagegen  vorzüglich  (8  Tro- 
pfen koozentrirter  Sodalösung  auf  100  ccm  Jequiritylösung).  Selbst- 
verständlich kommt  hier  auch  noch  der  Virulenzzustand  der  Bak- 
terien in  Betracht;  es  kann  z.  B.  bereits  ein  hoher  Grad  von  Ab- 
schwftchung  in  der  Originalkultur  bestehen.  Insofern  darf  die  von 
nur  aufgestellte  Tabelle,  so  weit  es  sich  um  Unterschiede  wie  „ziem- 
lich gutes"  und  „gutes  Wachsthum44  handelt,  keinen  Anspruch  auf 
absolute  Richtigkeit  machen.    Bezüglich  des  auffallend  guten  Ge- 


68 


Kaufmann,    Ueber  einen  neuen  Nährboden  flr  Bakterie«. 


deibens  von  Tuberkelbacillen  auf  gewissen  Jequiritynährböden  ist 
mir  bereits  der  Einwand  gemacht  worden,  dass  die  Bacillen  in  ein 
saprophytischeres  Stadium  getreten  sein,  d.  h.  dass  sie  an  Patho- 
genität verloren  haben  könnten ;  ich  kann  dem  vorläufig  nicht  wider- 
sprechen. Nur  ganz  genaue  vergleichende  Untersuchungen  können 
hierüber  Gewissheit  verschaffen. 

Einigen  alkalischen  Lösungen  setzte  ich  Pepton  zu,  anderen 
Glycerin,  wieder  anderen  Pepton  und  Glycerin,  sowie  Pepton  und 
Salz.  Versuche  mit  solchen  Nährböden  haben,  wie  aus  Tabelle  II 
ersichtlich,  zu  theilweise  sehr  guten  Resultaten  geführt. 

Tabelle  IL 


Bakterienart 


B.  laetis  cyanogenns 
B.  acidi  laetis     .     .     . 
Pneamobacillns  (P  r  i  e  d  1 
B.  tnberculosfo         .     . 
8p.  cbolerae  aaiat. 
B.  dipbtherit.      .     .     . 
B.  anthracJs        .     .     . 
Vibrio  Metschnikoff     . 
B.  mallei        .... 
Sarc.  aarantiaca      .     . 
Sarc.  rosea     .... 


Alkal.  Jeqair.- 
Losnng  -f-  20/0 
Pepton 


Alkal.  Jequir- 

Ldsung  +  6«/o 

Glycerin 


Alkal.  Jeqair. 

Lösnng  4  *% 

Pepton  +  6  <ft 

Glycerin 


3 
1—2 


8 

*— 3 

2—3 
2 


Alkal.  Jeqair. - 

Losung  +  t«ft 

Pepton   + 

0,6%  SeJs 


Ich  möchte  hervorheben,  dass  Tuberkelbacillen  in  alkalischer 
Peptonjequiritylösung  schon  innerhalb  3  Tagen  eine  starke  Vermeh- 
rung zeigten,  so  dass  deutliche  Trübung  der  Nährflüssigkeit  eintrat 
Weniger  günstig  erwies  sich  für  Tuberkel-  und  Diphtheritisbacillen 
eine  Jequiritygelatine,  der  Pepton  zugesetzt  war,  während  Mikro- 
organismen, wie  Pneumobacillus  (Friedländer)  und  Vibrio 
Metschnikoff  ganz  vorzüglich  in  derselben  gediehen.  Für 
anaörobe  Arten  dürften  sich  Versuche  mit  Zusatz  von  Zucker  etc. 
empfehlen;  einige  fakultativ  anaerobe  Bakterien  wie  Milchsäure 
Hessen  sich  sehr  gut  in  hoher  Schicht  von  alkalischer  Jequiritygela- 
tine  züchten. 

Behandelte  ich  ältere  Kulturen  mit  Salpetersäure,  so  entstand 
zuweilen  Rosa-  bis  Rothfärbung.  In  einer  Kultur  wie  Bacillus 
prodigiosus  in  neutraler  Jequiritylösung  trat  schwache  Rosafar- 
bung  ein;  dasselbe  zeigte  sich  bei  Pneumobacillus  (Fried- 
länder) in  alkalischer  Glycerinjequiritylösung,  sowie  bei  Hogcholera 
und  Swinepest  (Seiander)  in  neutraler  Jequiritylösung.  Starke 
Rosafärbung  zeigten  Bacillus  neapolitanus  (Emmerich), 
Frettchenseuche  und  typhusähnlicher  aus  Leberabscess  in  neutraler 
Jequiritylösung. 

Starke  Rothfärbung  trat  bei  einer  Kultur  von  Cholera  asiatica 
in  alkalischer  Peptonsalzjequiritylösung  ein.     Ob  es  sich  hier  um 


L  n  fc  »/  s*c  h  ,  Bemerkungen  ktt  lt.  Stern's  fte/erat.  ß§ 

einen  der  Indolreaktion  analogen  Vorgang  oder  gar  um  denselben 
handelt  —  es  könnten  sich  ja  Nitrite  in  der  Jequiritylösung  gebildet 
haben  —  wage  ich  nicht  zu  entscheiden.  Meine  Befunde  regen 
jedenfalls  zu  mancherlei  Versuchen  an.  Wie  verhalten  sich  die  Kul- 
turen zur  Kitas ato* sehen  Indolmethode?  Wie  verhalten  sie  sich 
den  verschiedenen  anderen  Reagentien  gegenüber?  Lassen  sich  noch 
andere  Sameninfuse  als  Nährböden  mit  Erfolg  benutzen  ?  Das  sind 
Fragen,  deren  Erledigung  vielleicht  zu  manchen  werthvollen  Befun- 
den fahren  könnte.  Ich  möchte  hier  übrigens  noch  erwähnen,  dass 
bei  Säureüberschuss  einzelne  Kulturen  eine  braune  Färbung,  einzelne, 
wie  Hogcholera,  merkwürdiger  Weise  und  in  scheinbarem  Wider- 
spiuch  zu  meinen  obigen  Angaben  starke  Grünfärbung  annahmen. 

Zum  Schluss  möchte  ich  es  nicht  unterlassen,  gewisser  Nach- 
theile zu  gedenken,  welche  die  Benutzung  des  Jequiritynährbodens 
mit  sich  führt.  Es  scheint  nämlich,  dass  bei  einigen  beweglichen 
Arten,  wie  coli  mobilis,  in  der  Lösung  sehr  schnell  eine  Ver- 
langsamung resp.  ein  Aufhören  der  Beweglichkeit  eintritt  und  dass 
dementsprechend  bei  diesen  wie  bei  einzelnen  anderen  eine  Weiter- 
kultivirung  durch  mehr  als  3—4  Generationen  nicht  möglich  ist. 
Des  Weiteren  fand  ich,  dass  bei  Färbungen  mit  Methylenblau  und 
anderen  Farbstoffen  eine  Mitfärbung  der  Jequiritylösung  das  Bild 
undeutlich  machte.  Es  gelang  mir  indessen  schliesslich,  diesen 
Fehler  zu  eliminiren,  wenn  ich  die  Deckgläschen  vor  der  Färbung  in 
einer  Säurelösung  (1— 5°/0)  und  sodann  in  Wasser  abspülte.  Fär- 
bungen nach  Gram  resp.  nach  der  W  e  i  g  e  r  t *  sehen  Fibrinfärbungs- 
methode ergaben  brauchbare  Bilder. 

Der  Werth  der  Jequiritynährböden,  speziell  der  Jequiritylösung 
scheint  mir  in  dreierlei  zu  bestehen: 

1)  ist  die  Darstellung  des  Nährmediums  eine  äusserst  einfache; 

2)  vermag  man  mit  derselben  einzelne  bisher  schwer  trennbare 
Arten  besser  zu  unterscheiden; 

3)  wird  das  Wachsthum  gewisser  Bakterien,  wie  Bacillus 
pyoeyaneus,  mehr  begünstigt,  als  in  irgend  einem  der  anderen 
Nährböden. 

Neapel,  21.  Mai  1891. 


Bemerkungen  zu  E.  Stern 's  Referat  über  meine 

»Untersuchungen  über  die  Ursachen  der  angeborenen 

und  erworbenen  Immunität." 

Yen 

Dr.  0.  Lubarsch, 

Priyatdocent  und  L  Assistent  am  pathologischen  Institute  in  Zürich. 

In  Nr.  15  des  IX.  Bandes  dieses  Centralblattes  befindet  sich 
ein  Referat  von  B.  Stern  über  meine  oben  genannte  Arbeit,  welches 
mich  zu  meinen  grossen  Bedauern  zu  einigen  Bemerkungen  zwingt 
Nicht,  weil  ich  mich  der  Hoffnung  hingäbe,  dass  durch  derartige 


90  Lubarsct), 

wissenschaftliche  Polemiken  zur  Klärung  der  schwebenden  Streit- 
fragen etwas  Wesentliches  beigetragen  werden  könnte.  Soweit  über- 
haupt die  Angriffe  des  Herrn  Referenten  sachlicher  Natur  sind,  könnte 
ich  Gelegenheit  nehmen ,  dieselben  an  einem  anderen  Orte  zu  be- 
rücksichtigen. Da  aber  der  grösste  Theil  des  Referats  in  dem  Ver- 
suche gipfelt,  mir  eine  Reihe  von  Widersprüchen  und  unlogisches 
Auseinandersetzungen  nachzuweisen  und  auch  das  fachwissensch&ft- 
liche  Publikum  naturgemäss  abgeneigt  ist,  sich  durch  eigene  Lektüre 
einer  so  umfangreichen  Abhandlung  ein  selbständiges  Urtheil  zu 
bilden,  so  bin  ich  zu  dieser  Erwiderung  gezwungen.  Nicht  um  den 
Herrn  Referenten  von  seinem  Unrecht  zu  überzeugen,  wohl  aber  üb 
zu  verhindern,  dass  bei  dem  Publikum  einer  der  verbreitetsten  bak- 
teriologischen Fachschriften  die  Anschauung  erweckt  wird,  meine 
Arbeit  bestände  nur  aus  einer  Sammlung  mehr  oder  weniger  durch- 
sichtiger Widersprüche,  schreibe  ich  diese  Entgegnung. 

Den  ersten  Widerspruch  sieht  der  Herr  Referent  in  meiner  Stellung 
zur  Retentionstheorie.  Nachdem  ich  auf  S.  47  erklärt  habe,  dass  die 
Retentionshypothese  „unter  allen  Umständen  den  Todesstoss  empfängt 
soll  ich  damit  noch  nicht  „mein  letztes  Wort  gesprochen  habend 
und  auf  S.  152  die  Entdeckung  von  Behring  und  Kitasato  ab 
eine  fundamentale  Thatsache  bezeichnen,  welche  die  Retentionshjpo- 
these  zum  entscheidenden  Siege  zu  führen  scheint  Ich  will  keinen 
Werth  darauf  legen,  dass  der  Herr  Referent  anstatt  der  von  mir 
gebrauchten  Wendung  „Behring' 8  und  Kitasato's  Nachweis  «N 
scheint  als  eine  fundamentale  Thatsache  u.  s.  w "  mich  positiver 
sprechen  lässt;  allein  ich  bedaure,  dass  er  den  darauf  folgenden 
Satz  nicht  mitgetheilt  hat.  Derselbe  lautet:  „Allein  sie  (die  von 
Behring  gefundene  Thatsache)  ist  auch  mit  der  Anschauung  ver- 
einbar, dass  die  immunisirenden  Stoffe  eine  Abänderung  des  oku- 
lären Stoffwechsels  bewirken;  denn  noch  ist  der  Nachweis  nicht 
geführt,  dass  das  übertragene  Blut  die  immunisirenden  Stoffe  in  der- 
selben Menge  enthält,  wie  in  dem  zuerst  immunisirten  Thier.u  Aas 
diesem  Satz  geht  wohl  unzweifelhaft  hervor,  dass  nach  meiner  An- 
schauung auch  die  Entdeckungen  Behring's  und  Kitasato's 
nicht  geeignet  sind,  die  Reotentionshypothese  zu  beweisen.  Im 
Uebrigen  gebe  ich  dem  Herrn  Referenten  gern  zu,  dass  ich  in  diesen 
Dingen  mein  letztes  Wort  noch  nicht  gesprochen  habe.  Wer  heute 
die  Vermessenheit  begehen  wollte,  in  der  Immunitätsfrage  ein  letztes 
Wort  zu  sprechen,  würde  sich  damit  die  völlige  Sicherheit  ver- 
schaffen, etwas  Unrichtiges  zu  behaupten  oder  —  er  mQsste  ein 
Genie  sein,  dem  die  Natur  es  vergönnt,  auch  ohne  logische  Beweis- 
führung intuitiv  das  Richtige  zu  treffen. 

Im  Weiteren  bemängelt  der  Herr  Referent  meine  Definition  der 
Immunität  und  bezeichnet  dieselbe  als  „offenbar  unzureichend/1  Der 
Begriff  der  Immunität  sei  nicht  nur,  wie  ich  meinte,  ein  klinischer 
gewesen,  sondern  er  s  e  i  es  n  o  c  h.  Der  Herr  Referent  hat  wiederum 
ein  kleines  Wort  übersehen.  Ich  habe  nicht  gesagt,  dass  der  Im- 
munitätsbegriff nur  ursprünglich  ein  klinischer  gewesen  sei,  son- 
dern dass  er  ursprünglich  ein  rein  klinischer  war,  d.  h.  er  ist  auch 
heute  noch  ein  klinischer,  aber  glücklicherweise  nicht  mehr  ausschliess- 
lich  ein    klinischer,    sondern  ebenso  ein   allgemein  pathologischer, 


Bemerkungen  in  ft.  Starn's  fcUferfct  ^( 

Wäre  er  auch  heute  noch  nur  ein  klinischer  Begriff,  so  wäre  er  jetzt  noch 
ebenso  unklar  wie  vor  2000  Jahren.  Den  besten  Beweis  dafür  liefert 
der  Herr  Referent  selbst  Er  versteht  unter  einem  immunen  Orga- 
nismus einen  solchen,  der  nach  dem  Eindringen  pathogener  Organis- 
men nicht  erkrankt  Aus  jedem  Handbuch  der  Logik  würde  der 
Herr  Referent  ersehen  können,  dass  es  ein  wesentliches  Erforderniss 
für  jede  Definition  ist,  nur  objektive  Merkmale  zu  enthalten;  der 
grösste  Fehler  ist  es  sicher,  in  eine  Begriffsbestimmung  Merkmale 
aufzunehmen,  die  selbst  erst  wieder  einer  Erklärung  bedürfen.  Der 
Begriff  der  Erkrankung  ist  nun  aber  ein  derartiger,  dass  er  heute 
wissenschaftlich  überhaupt  noch  nicht  allgemein  festgestellt  werden 
kann.  Ob  eine  Ratte,  welche  nach  Impfung  mit  Milzbrand  ledig- 
lich eine  ausgebreitete  Entzündung  und  Nekrose  an  der  Impfstelle 
erleidet,  als  „krank44  betrachtet  werden  soll  oder  nicht,  das  steht 
mehr  oder  weniger  in  der  subjektiven  Entscheidung  des  Beobachters 
und  kann  auch  mit  Zuhilfenahme  sämmtlicher  klinischer  Untersuchungs- 
methoden nicht  objektiv  entschieden  werden.  Ob  sich  aber  die 
eingedrungenen  Bakterien  vermehren  oder  nicht,  ist  ein  objektives 
Merkmal,  welches  mit  Sicherheit  mittelst  der  bakteriologischen  Metho- 
den entschieden  werden  kann.  Zudem  ist  es  ein  Merkmal,  welches 
selbst  in  voller  Uebereinstimmung  steht  mit  den  bei  Menschen  oder 
Thieren  beobachteten  Tbatsachen.  Es  gibt  keine  Infektionskrankheit 
ohne  eine  zum  mindesten  lokale  Vermehrung  der  eingedrungenen 
Bakterien  und  es  gibt  umgekehrt  keinen  Fall  von  absoluter  Immuni- 
tät, bei  welcher  die  Mikroorganismen  eine  Vermehrung  erlitten. 

Wenn  endlich  ein  Widerspruch  darin  bestehen  soll,  dass  ich 
auf  S.  119  vier  Möglichkeiten  für  die  Immunität  gegen  Milzbrand 
aufstelle,  so  hat  der  Hr.  Referent  wiederum  übersehen,  dass  die  Auf- 
stellung a  priori  d.  h.  ohne  Berücksichtigung  der  thatsächlichen 
Verhaltnisse  rein  theoretisch  gemacht  ist  und  ausserdem  für  die  ge- 
sammte  Immunität  (absolute  und  relative)  gilt. 

Ich  komme  nun  zu  einem  Punkt,  dessen  Besprechung  mir  be- 
sonders peinlich  ist,  weil  hier  Prioritätsfragen  ins  Spiel  kommen,  auf 
die  ich  allerdings  keinen  Werth  zu  legen  pflege.  Der  Hr.  Referent 
schreibt:  „Flügge  hat  bekanntlich  nachgewiesen,  dass  das  Blut  eines 
mit  Milzbrand  infizirten  Kaninchens  bereits  zu  einer  Zeit  seine  bak- 
terientddtende  Eigenschaft  verliert,  zu  welcher  in  den  grossen  Ge- 
lassen Bacillen  noch  nicht  nachweisbar  sind.  L.  hat  diesen  Versuch 
mehrmals  und  stets  mit  dem  gleichen  Resultat  wiederholt.44  Der 
Hr.  Referent  pflegt  bekanntlich,  wenn  ich  über  eine  Frage  sechs  bis 
acht  eindeutige  Versuche  p  u  b  1  i  c  i  r  e ,  dieselben  einfach  damit  abzu- 
thuD,  dass  sie  zu  gering  an  Zahl  sind.  Es  wird  daher  Niemand 
zweifeln,  dass  bei  der  grossen  Skepsis  des  Herrn  Referenten  der  „be- 
kanntliche  Nachweis  von  Flügge  durch  zahlreiche,  durchaus  ein- 
wandsfreie  Versuche  erbracht  ist.  Allein  so  sehr  ich  auch  die  Litte- 
ratur  durchforscht  habe,  so  ist  es  mir  bis  heute  unmöglich  gewesen, 
auch  nur  einen  einzigen  beweisenden  Versuch  von  Flügge 
zu  entdecken.  Alles,  was  überhaupt  in  dieser  Beziehung  von  F 1  ü  g  g  e 
veröffentlicht  ist,  befindet  sich  im  4.  Bd.  der  Zeitsch.  f.  Hygiene. 
&  229.  Hier  führt  Flügge  einen  Versuch  an,  dass  das  defibrinirte 
Blut  eines  mit  Milzbrand  geimpften   und  bereits  deutlich  kranken 


72  Lubtticlt, 

Kaninchens,  obgleich  sich  in  den  grösseren  Gefassen  keine  Milzbrand- 
bacillen  nachweisen  Hessen,  nur  noch  sehr  geringe  baktenenUxltenüe 
Eigenschaften  gegenüber  dem  Milzbrand  besass.    Flügge  deutet 
diesen  Versuch  allerdings  ähnlich  wie  Stern;  nachdem  aber  durcn 
die  Untersuchungen  von  Nissen,  mir  und  Behring  und  Nissen 
gezeigt  worden   ist,  dass   es  Kaninchen  gibt,  deren  Bluteeram    gar 
keine  oder  nur  sehr  wenig  Milzbrandbacillen  tödtet,  wird  wohl  flügge 
selbst  diesen  einen  Versuch  kaum  noch   als  beweisend  ansehen,    hs 
konnte  die  vorliegende  Frage  eben  nur  durch  Versuche  an  ein  und 
demselben  Thier  entschieden  werden.    Dass  diese  Art  des  Lxpen- 
mentirens  an  einem  und  demselben  Individuum  selbständig  von  mir  ; 
ein-  und  durchgeführt  worden  ist,  wird  wohl  selbst  der  Hr.  Referent 
nicht  bestreiten  können,  wenn  er  es  auch  in  seinem  Referat  sorgfäl- 
tig verschwiegen  hat.    Nur  auf  diese  Weise  habe  ich  zeigen  können,  j 
dass   das  Blut  eines    Kaninchens,   welches   vor  der  Impfung  circa 
1400  Milzbrandbacillen  vernichtete,  bereits  8  Std.  nach   subkutaner  ; 
Milzbrandimpfuug  jede  tödtende  Eigenschaft  eingebüsst  hatte.     Aber 
auch  darin  unterscheiden  Bich  meine  Versuche,  dass   dieser  Verlust 
der  bakterientödtenden  Eigenschaft  bereits  eintritt  zu  einer  Zeit ,  wo 
das  Thier  noch  nicht  die  geringsten  Krankheitserscheinungen  darbietet, 
wo   ferner  überhaupt  noch  keine  Bacillen  in   den   Kreislauf  einge- 
drungen sind;  denn  wie  ich  an  anderen   Orten  (dieses  Ceutralblatt. 
Bd.   VI   und  Virch.  Archiv.  Bd.  CXXIV)   mitgetheilt  habe,   findet 
der  Uebergang  der  Milzbrandbacillen  von  der  Impfstelle   ins  Blut 
erst  sehr  spät  BtatU    Ob  man  demnach  meine  Versuche  als  Wieder- 
holungen des  Flügge' sehen  Versuchs  betrachten  rauss,  das  über- 
lasse ich  gern  dem  Urtheil  meiner  Leser. 

Endlich  wiederholt  der  Hr.  Referent  seinen  Wiederspruch  gegen 
meine  Anschauung,  dass  das  extravaskuläre  Blut  von  Kaninchen  und 
Katzen  bedeutend  mehr  Milzbrandbacillen  vernichten  könoe,  als  das 
in  den  Gefassen  kreisende  Blut  Mir  ist  dieser  Widerspruch  besonders 
nach  meinen  diesbezüglichen  Ausführungen  in  der  referirten  Arbeit 
so  völlig  unbegreiflich,  dass  ich  nochmals  den  Versuch  einer  Klar- 
legung machen  muss.  Ich  hatte  unter  anderem  nachgewiesen,  dass 
ein  Kaninchen,  von  dem  1  cem  extravaskuläres  Blut  21/^  Millionen 
Milzbrandbacillen  vernichtete,  nach  direkter  intravenöser  Einspritzung 
von  16000  Milzbrandbacillen  prompt  an  Milzbrand  starb.  Wenn 
dieser  und  ähnlichen  Thatsachen  gegenüber  der  Hr.  Referent  es  noch 
für  möglich  hält,  dass  auch  das  zirkulirende  Blut  dieses  Kaninchens 
die  Fähigkeit  besessen  hätte,  21/*  Mill.  Bacillen  zu  vernichten,  so 
ist  dies  nur  verständlich,  unter  der  Voraussetzung,  dass  die  einge- 
spritzten 16000  Milzbrandbacillen  der  Berührung  mit  dem  Blute  voll- 
kommen entzogen  wurden,  und  dann  nach  einer  bestimmten  Ver- 
mehrung die  Widerstände  des  Blutes  brachen.  Der  Hr.  Ref.  führt 
ja  auch  zur  Stütze  dieser  Anschauung  die  Versuche  von  Wyssoko- 
wiez  an;  allein  durch  diese  Versuche  ist  lediglich  nachgewiesen, 
dass  die  in  die  Blutbahn  eingeführten  Bacillen  in  den  engen  Kapillaren 
von  Milz,  Leber  und  Knochenmark  zurückbehalten  und  theilweise 
von  Endothelzellen  aufgenommen  werden.  Selbst  dies  ist  aber  nur 
dann  nachzuweisen,  wenn  man  grössere  Mengen  von  Bacillen  ein- 
spritzt; nimmt  man  wenig,  so  ist  es  auch  noch  nach  6  bis  8  Std, 


Bemerkungen  in  R.  Stern's  Referat*  73 

schwierig,  beim  Kaninchen  diese  Bacillen  [wieder  aufzufinden;  man 
erhält  vielmehr  den  Eindruck,  als  ob  in  der  That  eine  Anzahl, 
aber  nicht  alle  Bacillen  vernichtet  wären.  Wo  man  sie  aber  fin- 
det, liegen  sie  durchaus  frei  in  den  Blutgefässen  und  nicht  in 
Zellen.  Da  also  diese  eingeführten  Bacillen  stets  sämmtlich  oder 
theilweise  mit  dem  sich  immer  erneuernden  Blute  in  Berührung 
bleiben,  so  begreife  ich  nicht,  wie  das  betreffende  Thier  an  Milzbrand 
sterben  könnte,  wenn  das  cirkulirende  Blut  die  Fähigkeit  besässe, 
ebenso  wie  ausserhalb  des  Körpers  2l/2  Mill.  Bacillen  zu  vernichten, 
und  ich  glaube  allerdings,  dass  daraus  der  Schluss,  dass  die  bak- 
terientödtende  Eigenschaft  des  intravaskulären  Blutes  geringer  ist, 
als  die  des  extravaskulären  mit  zwingender  Notwendigkeit  vernünf- 
tiger Weise  gezogen  werden  muss. 

Zum  Schluss  des  Referates  wird  mir  dann  noch  vorgeworfen, 
dass  ich  völlig  widersprechende  Ansichten  über  die  Bedeutung  der 
bakterientödtenden  Eigenschaften  des  Blutes  in  meinen  verschiedenen 
Arbeiten  äussere.  Zum  Beweise  dafür  werden  vier  verschiedene 
Stellen  angeführt,  an  denen  ich  zweimal  die  Existenz  der  bakterien- 
tödtenden Eigenschaften  des  Blutes  zugeben  und  zweimal  leugnen 
soll.  Allein  in  der  einen  angezogenen  Arbeit  „über  die  Ursachen  der 
Immunität14  (Fortschritte  der  Med.  1890.  No.  17)  dürfte  es  selbst  der 
Referirkunst  des  Herrn  Stern  nicht  gelingen,  auch  nur  ein  Wort 
ausfindig  zu  machen,  mit  dem  ich  bestritte,  dass  auch  dem  zirku- 
lirenden  Blute  die  Fähigkeit  zukommt,  Bakterien  abzutödten.  Der 
2.  angeführte  Passus  aus  der  referirten  Arbeit  kann  allerdings  aus 
dem  Zusammenhang  gerissen  so  aufgefasst  werden,  wie  der 
Hr.  Ref.  seine  Leser  glauben  machen  will. 

Im  Zusammenhang  aber  wird  die  Bedeutung  des  Satzes 
„und  diese  bakterientödtende  Eigenschaft  des  cirkulirenden,  nun 
gar  zellfreien  Blutes  ist  bis  jetzt  durch  nichts  bewiesen",  sofort  klar. 
Derselbe  richtet  sich  gegen  die  Anschauung  des  Referenten,  dass 
das  zirkulirende  Blut  genau  ebenso  viel  Bacillen  abtödten  könne,  als 
das  aas  den  Gefässen  entnommene  defibrinirte  Blut  „Und  diese 
Eigenschaft",  sage  ich  darauf,  „ist  bis  jetzt  durch  nichts  bewiesen.4' 
Im  Uebrigen  habe  ich  in  dieser  Frage^von  Anfang  an,  den  Stand- 
punkt vertreten,  dass  auch  das  zirkulirende  Blut  gewisser  Thiere 
Bakterien  abtödten  kann.  Ich  habe  mich  aber  dagegen  gerichtet,  dass 
diese  von  mir  nie  geleugnete  Eigenschaft  lediglich  den  flüssigen  und 
nicht  den  cellulären  Bestandteilen  des  Blutes  zukäme.  Es  würde 
zu  weit  führen,  hier  die  grosse  Anzahl  von  experimentellen  Be- 
weisen aufzuzählen,  welche  von  mir  und  unfreiwillig  unter  andern 
auch  vom  Herrn  Referenten  für  diese  Anschauung  beigebracht  sind. 

Ich  kann  diese  Ausführungen  nur  mit  dem  nochmaligen  Aus- 
druck meines  Bedauerns  schliessen,  die  Spalten  dieses  Blattes  für 
derartige  Dinge  in  Anspruch  nehmen  zu  müssen;  ich  kann  aber 
schon  jetzt  die  Versicherung  geben,  dass  für  mich  die  ganze  Ange- 
legenheit hiermit  erledigt  ist  und  bleiben  wird,  auch  wenn  der  Ref., 
woran  ich  nicht  zweifle,  dabei  beharrt,  meine  Arbeiten  missgünstig 
zu  beurtheilen. 

Zürich,  den  13.  Mai  1891. 


74  Btara,  Brwidaraagi 


Erwiderung 


▼on 

Dr.  Richard  Stern, 

Assistenzarzt  an  der  mediciaischcn  Kliiük  zu  Breslau. 

Herr  Lubarsch  versucht,  in  vorstehenden  „Bemerkungen" 
nein  in  dieser  Zeitschrift  erschienenes  Referat  Ober  seine  Arbeit: 
„Untersuchungen  über  die  Ursachen  der  angeborenen  und  erworbenen 
Immunität"  zu  bemängeln;  er  benützt  hierzu  zwei  verschiedene 
Methoden : 

1)  behauptet  er,  die  von  mir  gegen  seine  Versuche  und  Folge* 
rungen  erhobenen  Einwände  seien  nicht  genügend  begründet  und  die 
ihm  von  mir  durch  wörtliche  Citate  aus  seinen  Arbeiten  nach- 
gewiesenen Widersprüche  seien  nur  scheinbar  vorhanden.  Hierbei 
sucht  Herr  Lubarsch  theils  seinen  eigenen  Worten  durch  nach- 
trägliche Erläuterungen  eine  Deutung  zu  geben,  die  vorher  Niemand 
aus  ihnen  herauslesen  konnte;  theils  schreibt  er  mir  Behauptungen 
und  Ansichten  zu,  die  ich  niemals  ausgesprochen  habe.  Wollte  ich 
auf  Einzelheiten  eingehen,  so  müsste  ich  für  meine  Erwiderung 
ebensoviel  Raum  beanspruchen,  wie  Herr  L.  für  seine  „Bemerkungen1; 
dies  scheint  mir  jedoch  nicht  im  Interesse  der  Leser  dieser  Zeit- 
schrift zu  liegen,  und  deshalb  verzichte  ich  darauf. 

2)  spricht  Herr  Lubarsch  wiederholt  davon,  ich  suchte  und 
„pflegte"  seine  Arbeiten  zu  diskreditiren.  Dies  könnte  bei  dem 
Leser  den  Glauben  hervorrufen,  dass  ich  es  mir  zu  einer  ständi- 
gen Aufgabe  gemacht  hätte,  Lubarsch' sehe  Publikationen  in 
absprechendem  Sinne  zu  referiren.  Demgegenüber  möchte  ich  er- 
wähnen, dass  ich  ausser  einer  Anmerkung  in  einer  früheren  Ar- 
beit („Ueber  die  Wirkung  des  menschlichen  Blutes  und  anderer 
Körperflüssigkeiten  auf  pathogene  Mikroorganismen.44  Zeitschrift  f. 
klin.  Med.  Bd.  XVIII.  p.  66)  und  dem  hier  in  Rede  stehenden 
Referat  über  Herrn  Lubarsch  und  seine  Arbeiten  nichts  ge- 
schrieben habe.  Beide  Male  habe  ich  in  rein  sachlicher  Weise  die 
Einwände,  welche  sich  mir  gegenüber  den  von  Herrn  L.  aufgestellten 
Behauptungen  aufdrängten,  geltend  gemacht;  beide  Male  hat  Herr 
L.  gegen  mich  den  durch  nichts  begründeten  Vorwurf  erhoben,  ich 
suchte  seine  Versuche  und  Arbeiten  zu  „diskreditiren";  beide  Male 
hat  er  die  Mängel  seiner  Beweisführung  durch  persönliche  Invektiven 
zu  verdecken  gesucht 

Schon  früher  hat  sich  Herr  Lubarsch  in  einer  wissenschaft- 
lichen Polemik  einer  unpassenden  Form  bedient,  wie  er  dies  nach- 
träglich mit  Bedauern  selbst  zugestanden  hat  (vgl.  Sep.-Abdr.  der 
„Untersuchungen"  etc.  p.  97.  Anm.)  Es  ist  daher  die  Hoffnung 
nicht  ganz  ungerechtfertigt,  dass  sich  auch  in  diesem  Falle  später 
bei  ihm  Selbsterkenntniss  und  Bedauern  einstellen  werden. 


Algen  und  Bakterien.  75 


Referate. 


Beyerinek,  M.  W.,  Kulturversuche  mit  Zoochlorellen, 
Liehen engoüidien  und  anderen  niederen  Algen. 
(Bot.  Ztg.  1890.  No.  46—48.) 
Die  Arbeit  enthält  eine  Reihe  von  Beobachtungen  und  Ver- 
suchen, die  auch  in  dieser  Zeitschrift  besprochen  zu  werden  ver- 
dienen. Es  ist  dem  Verfasser  gelungen,  durch  die  Gelatinemethode 
eine  Anzahl  von  Algen  zu  isoliren  und  zu  kultiviren,  die  zu  den 
Pepton-Kohlenstoffmikroben  gehören.  (In  seiner  Arbeit  über  Licht- 
Dahrung  und  plastische  Nahrung  der  Lichtbakterien  unterscheidet 
Verf.  nach  der  Natur  der  Körper,  denen  die  Mikroben  den  Ernäh- 
rungsstickstoff  entlehnen  können :  1)  Peptonkohlenstoffmikroben, 
2)  Peptonmikroben,  3)  Amidmikroben,  4)  Nitrat-  und  Ammonmi- 
kroben.)  Es  sind  diese  Algen,  die  als  Stickstoffquelle  ein  Pepton, 
als  Kohlenstoffquelle  freie  Kohlensäure  oder  bei  deren  Mangel  eine 
Zuckerart  etc.  nöthig  haben,  Chlorella  vulgaris  n.  sp.,  eine 
sich  ausschliesslich  durch  fortgesetzte  Zweitheilung  vermehrende 
Alge,  welche  in  Gräben  und  stagnirenden  Gewässern  sehr  häufig 
ist,  die  Grünfärbung  des  Wassers  (mit  der  zweiten  Art  gemeinschaft- 
lich) bewirken  kann  und  nach  den  Reinkulturen  der  Hydrazoochlo- 
rellen  mit  der  Zoochlorella  conduetrix  Brandt,  dem  Chloro- 
phyll der  Hydra  viridis,  von  Stentor  polymorphus  etc. 
identisch  ist  (die  Zoochlorellen  von  Spongilla  fluviatilis, 
Zoochlorella  parasitica  Brandt  gehören  dagegen  allem  An- 
schein nach  zu  einer  anderen,  im  Wasser  verbreiteten  Alge,  Chlo- 
rella infusionum  n.  sp.,  die  mit  Chlorococcum  infusio- 
num  Rabenhorst  identisch  sein  dürfte);  ferner  Scenedesmus 
acutus,  deren  spitze  Zellen  bei  hohem  Nährgehalt  der  Gelatine 
sich  abrunden  und  auch  bei  den  Tochterzellen  kuglig  bleiben,  Chlo- 
rosphaera  limicola  n.  sp.,  welche  auch  in  den  Gelatinekulturen 
Schwärmsporen  bildet,  und  die  nur  vereinzelte  Schwärmer  liefernden 
(iooidien  der  Physcia  parietina.  Den  Doppelparasitismus  der 
letzteren  stellt  sich  Verf.  nach  seinen  Kulturergebnissen  so  vor,  dass 
die  Alge  Cystococcus  humicola  von  dem  farblosen  Ascomy- 
ceten  Peptone  erhält  und  diesem  dafür  Zucker  zurückgibt.  Der 
Ascomycet  ist  ein  Ammonzuckerpilz.  Zucker  und  Ammonsalz  er- 
zeugen neben  dem  Pilzprotoplasma  und  innerhalb  des  letzteren  Pep- 
tone, welche  nach  aussen  diffundiren  und  zusammen  mit  der  Kohlen- 
saure das  Wachsthum  und  die  Zuckerbildung  von  Cystococcus 
humicola  ermöglichen. 

Bei  den  Kulturen  der  Chlorella  vulgaris  hat  Verf.  einen 
eigentümlichen  Fall  eines  nur  in  den  Laboratorien 
herstellbaren  symbiotischen  Verhältnisses  zwischen 
niederen  Algen  und  den  „kochfesten44  Bakterien  nach- 
gewiesen. Die  Arten  der  bei  Kochhitze  resistenten  Bakterien  sind 
noch  nicht  näher  bearbeitet  worden.    Verf.  hat  im  Laufe  der 


76  Algen  nnd  fcaktorien.  —  Nitrifikation. 

Zeit  wenigstens  zehn  wohl  erkennbare  Formen  zu  Gesicht  bekommen. 
Nur  eine  davon,  Bacterium  fabaceum  n.  sp.  aus  fauligen  Boh- 
neninfusen,  verflüssigt  die  Nährgelatine  nicht,  alle  übrigen  thun  dies 
unter  bestimmten  Umständen  mehr  oder  weniger  deutlich,  in  sehr 
hohem  Maasse  z.  B.  die  bekannten  Heu-  und  Kartoffelbacillen  und 
die  Bakterien  der  Darmfäulniss  (Bacillus  putrefaciens  coli). 
Während  nun  die  Chlorellakulturen  durch  andere  Bakterien  sehr 
bald  zu  Grunde  gerichtet  werden,  machte  Verf.  die  merkwürdige 
Entdeckung,  dass  die  letzteren  kochfesten  Bakterien,  die 
ausserordentlich  häufig  im  Erdboden,  im  Humus,  auf  Pflanzenblät- 
tern etc.  vorkommen,  mit  diesen  Algenkulturen  im  Verhält- 
niss  gegenseitiger  Förderung  stehen,  da,  wo  Eiweiss- 
körper  oder  Gelatine  in  der  Nahrung  gegenwärtig  sind,  daher  das 
Eiweiss  zerlegende  Enzym  der  kochfesten  Bakterien  zur  Wirkung 
kommen  konnte.  Bei  der  Einwirkung  des  Trypsins  ent- 
stehen zwei  Peptonarten.  Aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  kommt  hiervon  die  eine  Art  den  kochfesten  Bak- 
terien zu  gute,  während  die  andere  oder  alle  beide 
Arten  von  Peptonen  für  die  grünen  Algen  assimilir- 
bar  sind. 

Für  die  Ubiquität  der  Bakterien  auch  in  lebenden 
Organismen  liefern  beiläufige  Beobachtungen  des  Verf/s  einen 
weiteren  Beitrag.  Die  sauber  abgespülten  Hydrakörper  enthielten 
(neben  Algen  und  anderen  Organismen)  zahlreiche  Bakterienarten 
die  sich  in  den  Gelatinekulturen  weiter  entwickelten,  so  sehr  häufig 
ein  gelbes,  ein  braunes,  ein  grünliches,  ein  rothes  und  ein  sehr  in- 
teressantes violettes  Pigmentbacterium,  lauter  Arten,  die  Verf. 
auch  bei  Wasseruntersuchungen  antraf.  Auch  die  äusserlich  sterili- 
sirten  Thalluslappen  der  Physcia  parietina  enthielten  so  zahl- 
reiche Bakterienkolonieen,  dass  es  nur  durch  besondere  Vorkehrungen 
möglich  war,  die  Gonidien  dieser  Flechte  für  die  Gelatinekultur  zu 
isoliren.  Ludwig  (Greiz). 


Wortmann,  J.,  Ueber  die  neuesten  Untersuchungen  be- 
züglich der  Organismen  der  Nitrifikation  und  ihre 
physiologischeBedeutung.  (Landwirthschaftliche Jahrbücher. 
Bd.  XX.  1891.  p.  175—184.) 
In  der  vorliegenden  Abhandlung  wird  zunächst  aus  einander  ge- 
setzt, dass  die  kürzlich  erfolgte  definitive  Lösung  der  Frage  hinsicht- 
lich der  Nitrifikationsvorgänge  zum  nicht  geringsten  Theil  auf  den 
früheren  von  negativen  Erfolgen  begleiteten  Versuchen  beruht.   Der 
Verf.  erwähnt  zunächst  kurz   die  Resultate  der  auf  diesen  Gegen- 
stand bezughabenden  Arbeiten  von  Seh lö sing  und  Müntz,  He- 
raeus,  A.  B.  Frank,  Celli  und  Marino  Zucco,  Adametz, 
Landolt,  Plath,  Baumann,  Warington,  Percy  undGrace 
Frankland,  welche  alle  insgesammt  kein  sicheres,  positives  und 
unzweideutiges  Resultat  bezüglich  der  Ursachen  der  Nitrifikation  er- 
geben hatten,  indem  es  nicht  gelungen  war,  den  wirklichen  nitrifizi- 
renden  Organismus  aufzufinden  und  zu  isoliren. 


Nitrifikation.  77 

Auf  den  Untersuchungen  der  früheren  Forscher,  besonders  von 
Schlösing  und  Müntz  fassend,  meinte  nun  S.  Winogradsky, 
dass  wie  die  Schwefel-  und  Eisenbakterien  Schwefelwasserstoff  und 
Eisensalze  zu  oxydiren  vermögen,  so  müsste  es  auch  eine  ganz  be- 
sondere Art  von  Mikroorganismen  geben,  welche  die  Ammoniaksalze 
in  Nitrite  und  Nitrate  fiberführen;  dass  diese  Bakterien  bisher  noch 
nicht  hätten  isolirt  werden  können,  beruhe  wahrscheinlich,  ebenso  wie 
bei  den  Schwefel-  und  Eisenbakterien,  darauf,  dass  dieselben  auf  der 
sonst  zu  diesen  Zwecken  verwendeten  Nährgelatine  sich  nicht  züchten 
lassen.  Winogradsky  glaubte  daher  zur  Isolirung  der  Nitri- 
fikationsorganismen  im  Allgemeinen  nach  folgendem  Plane  vorgehen 
zu  mössen: 

Zunächst  werden  die  Kulturbedingungen  in  Nährflüssigkeiten, 
welche  ausgesprochen  günstig  für  die  Nitrifikations-  und  ungünstig 
für  die  Reduktionsvorgänge  sind,  untersucht;  darauf  werden  unter 
diesen  konstanten  Bedingungen  so  lange  Kulturen  gemacht,  bis  alle 
die  in  den  Kulturen  enthaltenen  Bakterienarten,  welche  den  günstigen 
Nitrifikationsbedingungen  nicht  angepasst  waren,  zu  Grunde  gegangen 
sind.  Sind  auf  diese  Weise  konstante  Kulturen  mit  intensiver  Nitri- 
fikation erzielt,  so  werden  die  vorhandenen  Arten  zu  isoliren  ver- 
sucht, um  dieselben  dann  auf  ihr  Nitrifikationsvermögen  einzeln  zu 
prüfen. 

Nach  Winogradsky 's  Versuchen  fand  nun  die  Nitrifikation 
am  energischsten  statt 9  wenn  er  dazu  ausschliesslich  Lösungen  an- 
organischer Salze  in  sehr  reinem  natürlichen  Wasser  (Züricher  See- 
wasser) benutzte.    Als  besonders  günstig  erwies  sich  folgende  Nähr- 

100  g  Züricher  Seewasser. 

1  g  Ammoniumsulfat. 

1  g  Kaliumphosphat. 

Ferner  erhielt  jedes  Kulturgefäss  auf  100  ccm  Flüssigkeit  0,5— 
1  g  basisch-kohlensaure  Magnesia. 

Wurde  nach  dem  Sterilisiren  dieser  Nährlösung  darin  eine  Spur 
schon  nitrifizirter  Flüssigkeit  eingeimpft,  so  trat  schon  am  4  Tage 
eine  gute  Reaktion  mit  Diphenylamin  ein,  am  15.  Tage  war  jede  Spur 
von  Ammoniak  verschwunden. 

Angesetzte  Gelatineplattenkulturen  wiesen  zwar  noch  ver- 
schiedene Organismen  in  den  vorerwähnten  Kulturen  auf,  auch  solche, 
welche  die  Gelatine  rasch  verflüssigten,  doch  verloren  sich  letztere 
bei  zunehmendem  Alter  der  Kulturen;  nach  3  Monaten  war  die  Be- 
völkerung konstant  geworden  und  wurde  nunmehr  auf  ihr  Nitrifika- 
tionsvermögen geprüft. 

Aus  den  Kulturen  wurden  3  Bakterienarten,  ein  Oidium  und 
ein  sprosspilzartiger  Organismus  isolirt 

Die  in  der  dünnen  Oberflächenhaut  der  Nitrifikationskulturen 
befindlichen  Organismen,  insbesondere  das  Oidium,  ergaben 
Dach  dem  Isoliren  bei  der  Prüfung  keine  Nitrifikation.  Die 
Flüssigkeit  selbst  war  klar  und  nur  zur  Zeit  der  heftigsten  Nitri- 
fikation schwach  opaleszirend »  eine  Erscheinung,   die  jedoch  bald 


78  Nitrifikation. 

vorüberging  und  von  einem  lebhaft  beweglichen,  ovalen  Organismus 
herrührte. 

Der  Zusatz  einer  abgemessenen  Quantität  Ammoasulfat  zn  der 
schon  nitrifizirten  Kulturflüssigkeit  behufs  Verlängerung  des  Pro- 
zesses bewirkte  auch  die  Vermehrung  eines  Pilzes,  der  äs  grau-ge- 
latinöse Masse  den  Bodensatz  von  Magnesiumkarbonat  bedeckte. 
Diese  Flocken  bestanden  aus  demselben  ovalen  Bakterium,  welches 
anfangs  eine  Trübung  in  der  Flüssigkeit  hervorgebracht  hatte.  Diese 
Zoogiften  schienen  aktiv  sich  an  das  Karbonat  zu  begeben  und  es 
eingehüllt  zu  haben. 

Es  wurden  nun  auch  in  Nährlösungen,  die  völlig  frei  von  orga- 
nischen Substanzen  waren,  von  diesen  Flocken  Kulturen  gemacht 
Hierbei  verschwanden  die  übrigen  Formen,  weil  ihnen  die  organische 
Substanz  fehlte,  schon  nach  der  zweiten  Aussaat,  nur  der  spross- 
pilzähnliche  Organismus  hielt  noch  an  und  Hess  sich  auch  durch 
weitere  Kulturen  nicht  unterdrücken.  Diese  Flüssigkeit  brachte  nur 
regelmässig  Nitrifikation  zu  Stande.  Aus  solchen  Kulturen  wurde  auf 
Gelatine  nur  der  Sprosspilz  in  reinem  Zustande  erhalten,  das  Bak- 
terium vermehrte  sich  nicht  Von  dem  isolirten  Sprosspilze  wurden 
sodann  spezielle  Nitrifikationskulturen  angestellt,  in  welchen  er  sich 
aber  nur  ganz  unmerklich  vermehrte.  Er  hatte  also  mit  der  Nitri- 
fikation nichts  zu  thun. 

Jetzt  musste  vielmehr  dem  anderen  Organismus,  dem  ovalen 
und  sich  in  den  Kulturen  stark  vermehrenden  Bakterium,  die  nitri- 
fizirende  Kraft  allein  innewohnen. 

Dm  nun  das  Bakterium  von  dem  Sprosspilze  zu  befreien,  wur- 
den mit  Kapillarröhren  genommene  Tropfen  mit  Gruppen  von 
Kalciumkarbonatkry8tallen,  welche  durch  Bakterienzooglöen  zu  deut- 
lich sichtbaren  Klumpen  zusammengeballt  waren,  auf  Gelatine  gebracht. 
Manche  derselben  ergaben  Kolonieen,  in  diesen  war  der  Sprosspilz 
mit  vorhanden;  manche  blieben  unverändert,  in  diesen  war  der  Spross- 
pilz nicht;  letztere  wurden  deshalb  zur  Reinkultur  genommen.  In 
allen  Fällen  trat  Nitrifikation  ein,  wenn  auch  erst  nach  Verlauf  von 
3  Wochen,  was  wohl  an  der  zu  geringen  Menge  des  Aussaatmaterials 
liegen  oder  vielleicht  auch  die  Folge  eines  durch  die  vielfache  Behand- 
lung entstandenen  Zustandes  der  Zellen  sein  konnte.  Nach  einem 
Monat  hatten  sich  schliesslich  in  3  Kolben  messbare  Mengen  Salpeter- 
säure  gebildet,  und  mit  Ausnahme  eines  einzigen  enthielten  alle 
Kolben  Reinkulturen,  welche  auf  Gelatine  ausgesäet,  fortdauernd 
steril  blieben. 

Der  so  isolirte,  nitrifizirende  Organismus  ist  von  kleinen  Dimen- 
sionen, mehr  oder  weniger  gestreckt,  ellipsoidisch,  etwa  0,9—1,0  u 
breit  und  1,1—1,8  /u  lang.  Er  vermehrt  sich  durch  Theilung;  die 
Zellen  sind  im  Ruhezustande  zu  Zooglöen  vereinigt,  zeitweise  aber 
auch  beweglich.  Nach  der  Theilung  der  Zellen ,  welche  nur  senk- 
recht zur  Längsaxe  geschieht,  findet  eine  baldige  Trennung  der- 
selben statt.  Fadenbildung  und  Sporen  wurden  nicht  beobachtet 
Winogradsky  zählt  daher  den  Organismus  nicht  der  Gattung  B  a  c  i  1  • 
1  u  8  zu,  sondern  bringt  ihn  in  eine  neue  und  nennt  ihn  N  i  tr  om  onas. 
Der  stete  Kontakt  der  Nitromonadenzellen  mit  den  am  Boden  des 


Nitrifikation.  —  Gfthrong.  79 

Kalturge&sses  befindlichen  Kalkkrystallen  ist  nach  Winogradsky 
eine  aktive  Erscheinung  derselben,  und  ist  deshalb  von  Bedeutung, 
weil  wahrscheinlich  dieser  Organismus  auch  die  Aufgabe  habe,  die 
Erdkarbonate  zu  zersetzen,  wodurch  er  also  den  Kreislauf  des  Kohlen- 
stoffes auf  der  Erde  regele,  indem  er  verhindere,  dass  sich  die 
Kohlensaure  als  Erdkarbonat  festsetze. 

Die  Ernährungsftbigkeit  ohne  jede  Spur  von  organischer  Sub- 
stanz bei  Salpeterorganismen  hatte  schon  H  e  r  a  e  u  s  erkannt  H  u  e  p  p  e 
erblickt  darin  eine  „Chlorophyllwirkung  ohne  Chlorophyll11  und  nimmt 
an,  dass  die  Kohlensäure,  indem  sie  dem  Pilze  den  Kohlenstoß  lie- 
fert, den  Sauerstoff  zur  Nitrifikation  des  Ammoniaks  hergibt  In 
solchem  Falle  mfisste  aber  auch,  was  in  der  That  nicht  geschieht, 
Nitrifikation  ohne  freien  Sauerstoff  stattfinden.  Winogradsky 
hat  nun  konstatirt,  dass  in  Nährlösungen,  die  völlig  frei  von  jeder 
Spar  organischer  Substanz  waren,  die  Nitromonas  sich  auch  ohne 
Licht  vermehrte.  Er  bestimmte  den  Kohlenstoff  der  von  dem  Nitri- 
fikationsorgaoismus  gebildeten  organischen  Substanz  quantitativ  nach 
der  von  ihm  etwas  abgeänderten  Methode  von  Wolf,  Degner  und 
Herzfeld  (Zersetzung  der  organischen  Substanz  mittelst  Schwefel- 
säure und  Kaliumbichromat  und  Bestimmung  des  Kohlenstoffes  aus 
der  entweichenden  Kohlensäure).  In  vier  Kulturen  wurde  je  10,2, 
7,1,4,8  und  4,6  mg  assimilirten  Kohlenstoffes  gefunden,  wobei  je 
928,  604  und  in  der  vierten  83,5  mg  Salpetersäure  gebildet  waren. 

Nach  Winogradsky's  Ansicht  wird  der  Sauerstoff  der  aufge- 
nommenen Kohlensäure  nicht  zur  Oxydation  des  Ammoniaks  verwendet 
und  die  aufgenommene  Kohlensäure  nicht  zersetzt  Es  entsteht  viel- 
mehr wahrscheinlich  aus  Kohlensäure  und  Ammoniak  ein  Amid, 
vielleicht  Harnstoff,  welcher  aus  jenen  beiden  Verbindungen  auch  im 
thierißchen  Körper  sich  bildet  und  auch  künstlich  so  dargestellt 
werden  kann.  Da  nun  gewisse  Bakterien  den  Harnstoff  zur  Ernäh- 
rung benutzen  können,  so  würden  die  Nitromanoden  nur  das  vor 
anderen  Bakterien  voraushaben,  dass  sie  sich  ihren  Harnstoff  selbst 
zu  bilden  vermögen. 

Diese  Untersuchungen  von  Winogradsky  haben,  wie  Wort- 
mann am  Schluss  seiner  Abhandlung  hervorhebt,  unter  Anderem  „zu 
dem  ganz  überraschenden,  aber  sicher  bewiesenen  Resultate  geführt, 
dass  einer  der  geltenden  Hauptsätze  der  Pflanzenphysiologie,  dass 
nur  die  chlorophyllhaltigen  Zellen  im  Stande  sind ,  Kohlensäure  zu 
assimiüren,  mit  einem  Schlage  sich  verändert44.  Ebenso  haben  diese 
Untersuchungen  auch  ein  klares  Licht  geworfen  in  die  verwickelten 
Beziehungen  der  kleinsten  Lebewesen  zu  den  höheren  Organismen 
und  der  gesammten  Natur.  Otto  (Berlin). 

Raum,  Johannas,  Zur  Morphologie  und  Biologie  der 
Sprosspilze.  (Zeitschr.  f.  Hyg.  Bd.  X.  1891.  Heft  1.) 
Verf.  berichtet  zunächst  ausführlich  über  seine  Studien,  die  er  an 
10  Hefearten  angestellt,  um  gewisse  Angaben,  die  sich  in  der  Litte- 
ritur  über  Kerne,  kernartige  Gebilde,  Vakuolen,  Sporen-  und  Spross- 
bildoog  der  Hefen  finden,  einer  Nachprüfung  zu  unterziehen.  Um 
guz  reines  Material  zu  haben,  ging  er  von  Ein-Zellkulturen  aus. 


3A  &tirang. 

Infolge  dieser  Untersuchungen  ist  R.  zu  behaupten  geneigt,  „dass 
die  [Hefezellen  keine  Kerne  im  eigentlichen  Sinne  des  Wortes  be- 
sitzen*4, obwohl  er  zugibt,  dass  mitunter  in  Hefezellen  „in  der  That 
Dinge  angetroffen  werden,  die  an  den  Kern  erinnern".  Sehr  häufig 
finden  sich  in  den  Hefezellen  gewisse  Granula,  welche  mit  Loeff  1  er- 
schein Methylenblau  und  Bismarckbraunnachfiürbung  (Ernst)  einen 
gesättigt  schwarzen  oder  dunkelbraunen  Ton  annehmen,  bei  Doppel- 
färbung mit  Eosin  resp.  Rose-Bengale  +  Methylenblau  aber  dunkel- 
violett  gefärbt  werden;  sie  sind  den  „sporogenen  Körnern"  resp. 
Granulis  der  Bakterien  gleichzustellen.  Sie  fanden  sich  1)  bei  sammt- 
lichen  10  untersuchten  Hefearten ;  2)  aber  nicht  als  konstantes  Attribut 
jeder  einzelnen  Hefezelle,  3)  sie  variiren  nach  Grösse,  Form,  Zahl 
und  Lagerung  auf  das  Mannigfaltigste;  4)  doch  lässt  sich  für  jede 
Hefeart  eine  gewisse  typische  Form  herausfinden ;  5}  sie  sind  augen- 
scheinlich ohne  Membran  und  strukturlos;  6)  von  halbflüssiger  Kon- 
sistenz und  „vermögen  unter  temporärem  Verlust  ihrer  sphärischen 
Form  von  einer  Stelle  nach  einer  anderen  überzuwandern44;  7)  über 
ihre  chemische  Zusammensetzung  lässt  sich  vorläufig  noch  nichts 
näheres  sagen;  8)  ihnen  fällt  nicht  allein  in  den  ruhenden,  sondern 
auch  in  den  sprossenden  und  sporenbildenden  Hefezellen  eine  Rolle 
zu.    Einzelheiten  müssen  im  Original  eingesehen  werden. 

Was  die  Vakuolen  in  den  Hefezellen  anlangt,  so  hebt  R.  hervor, 
„dass  ihre  Charakteristik  wesentlich  eine  negative  ist44 ;  von  allen  ähn- 
lichen Gebilden  sind  sie  scharf  durch  ihr  refraktäres  Verhalten  gegen 
Färbemittel  unterschieden  (doch  gelang  es  R.  mittelst  Ueberosmium- 
säure  und  Methylenblau  bei  S.  glutinis  „auch  die  Vakuolen  (?)  als 
electiv  tingirbare  Gebilde  zu  differenziren)".  Verf.  wirft  daher  die 
Frage  auf,  ob  wir  auch  den  Ausdruck  Vakuolen  stets  nur  auf  iden- 
tische Gebilde  anwenden?  Vakuolen  wurden  nur  bei  einer  einzigen 
Hefeart  (aus  Kephir)  von  R.  vermisst  Er  hatte  den  Eindruck,  als 
ob  sie  sich  besonders  bei  unter  ungünstigen  Bedingungen  gehaltenen 
Hefezellen  fanden.  Sie  liegen  central  oder  exzentrisch,  mitunter 
grössere  und  kleinere  in  einer  Zelle,  auch  wohl  umgeben  von  Granulis. 

In  Bezug  auf  Spross-  und  Sporulationsvorgänge  spricht  er  ihnen 
eine  direkte  und  konstante  Theilnahme  vollkommen  ab.  Was  die 
Frage  ihrer  Herkunft  anlangt,  so  hält  er  sie  für  „spezifisch  ver- 
änderte protoplasmatische  Körner,  welche  allmählich  emporgewachsen, 
resp.  bis  zu  dieser  oder  jener  Grenze  aufgequollen  sind44. 

Die  Bildung  der  Granula  und  Vakuolen  sei  also  als  Ausdruck 
dieser  oder  jener  Modifikation  der  Ernährungsvorgänge  in  den  Hefe- 
zellen anzusehen.  Was  die  Fortpflanzung  der  Hefezellen  anlangt, 
so  hat  R.  die  Sprossung  bei  allen  10  untersuchten  Hefearten  kon- 
statirt,  während  er  die  Sporenbildung  in  einigen  Fällen  vennisste. 
Meist  finden  sich  bei  jeder  Mutterzelle  nur  eine,  bei  der  Rosahefe 
aber  3,  5  und  mehr,  und  zwar  mitunter  gl  eich  grosse!  Sprossen. 
Diese  sitzen  gewöhnlich  am  schmäleren  Ende  der  Mutterzelle,  mit- 
unter als  direkte  Fortsetzung,  aber  auch  im  Winkel  aufgesetzt,  die 
Form  der  Mutterzelle  möglichst  wiederholend.  Sie  finden  sich  sehr 
zahlreich  bei  Ueberfluss  an  Nährmaterial,  fehlen  aber  selbst  in  alten 
Kulturen  nicht  ganz.     Die  Sprossung  erfolgt    auf  4  fache  Weise: 


Gflfcraof.  81 

1)  ohne  Antheil  von  Granula  und  Vakuolen ;  2)  unter  Mitwirkung  der 
Granula  allein;  3)  unter  alleiniger  Theilnahme  von  Vakuolen;  4)  unter 
Mithülfe  sowohl  der  Granula  als  auch  der  Vakuolen.  Von  der  sonst 
vielfach  behaupteten  primären  Betheiligung  der  Zellmembran  und 
sekundären  des  Plasmas  in  den  ersten  Phasen  der  Sprossung  hat 
sich  R  nicht  überzeugen  können.  Die  jüngsten  Sprossen  sah  er  stets 
als  winzige  aufgesetzte  Sphären,  welche  sich  gleich  dem  Leibe  der 
Mutterzelle  mit  Bismarckbraun  färben.  Eine  distinkt  gefärbte  Zell- 
membran hat  Verf.  nie  wahrgenommen,  auch  nicht  doppelte  Kon- 
toaren ;  vielleicht,  wie  er  meint,  infolge  der  angewandten  Methode. 
Die  wichtigste  Rolle  bei  der  Sprossung  falle  dem  Zellprotoplasma  zu. 
„Von  der  Zelle  schnürt  sich  ein  verhältnissmässig  geringer  Theil  ihrer 
Substanz  ab,  welcher  von  der  Mutterzelle  gewissen  Vorrath  an  schwarzen 
Granula  erhalten  kann.  Im  Laufe  weiterer  Entwicklung  nimmt  das 
Tochterelement  an  Grösse  zu,  wird  der  Mutterzelle  ähnlich  und  er- 
leidet, diesen  oder  jenen  äusseren  Bedingungen  entsprechend,  dem 
Matterelemente  gleich,  entweder  die  granuläre  oder  vakuoläre  Meta- 
morphose." 

Auch  die  Sporenbildung  ist  unabhängig  von  der  Bildung  von 
Granalis  und  Vakuolen.  So  fehlt  sie  z.  B.  bei  S.  glutinis,  bei 
welcher  Art  sich  sowohl  Granula  als  auch  Vakuolen  finden. 

Andererseits  sind  häufig  auch  sporentragende  Hefezellen  frei  von 
Granulis  und  Vakuolen.  Bei  der  Färbung  mit  Methylenblau  und 
Bismarckbraun  erscheinen  die  Sporen  blau  in  braunem  Protoplasma, 
meist  kugelig  oder  von  der  Gestalt  eines  Hühnereies  ohne  jede  Vor- 
spränge. Einen  kernkörperchenhaltigen  Kern  konnte  R.  darin  nicht 
nachweisen.  Bei  seiner  kleinen  weissen  Hefe  fand  er  nur  eine 
Spore  in  jeder  Zelle,  bei  anderen  Arten  bis  4.  Mitunter  finden  sich 
in  ein  und  derselben  Zelle  neben  ausgebildeten  Sporen  noch  eigen- 
tümliche Körper,  strukturlose  Sphären  oder  Ellipsoide,  welche  sich 
mit  Bismarckbraun  färben  und  vielleicht  als  unreife  Sporen  aufzu- 
fassen sind.  In  länglichen  Zellen  pflegten  die  Sporen  in  Reihen 
hinter  einander,  in  mehr  sphärischen  Zellen  dagegen  in  Haufen  grup- 
pirt  zu  sein.  Den  Vorgang  der  Sporenbildung  legt  sich  R.,  wie  folgt, 
zurecht:  „Zuvörderst  grenzt  sich  im  Zellplasma  ein  sphärischer,  nicht 
allzukleiner  Theil  desselben  ab,  welcher  die  Fähigkeit,  sich  mehr 
oder  minder  intensiv  mit  Bismarckbraun  zu  färben,  behält;  allmählich 
wachst  diese  Sphäre  an,  indem  sie  die  Fähigkeit,  Bismarckbraun  auf- 
zunehmen, einbOsst,  die  Affinität  zu  Methylenblau  aber  erwirbt;  in 
dem  Maasse,  als  die  Sporen  reifer  werden,  wird  auch  ihre  blaue  Farbe 
succesBive  immer  gesättigter.  Doch  nicht  alle  Abschnitte  des  Zell- 
plasmas machen  den  ganzen  Entwickelungscyklus  gleich  schnell  durch : 
zur  Zeit,  wo  einige  von  ihnen  die  höchste  Stufe  ihrer  Entfaltung  er- 
reicht haben,  befinden  sich  die  anderen  noch  in  früheren  Phasen. 
Ke  schwarzen  Granula,  welche  eventuell  in  den  Hefezellen  während 
ihrer  Sporulation  vorhanden  sind,  gruppiren  sich  meistentheils  an  der 
Peripherie  der  Anlagen  resp.  der  Sporen  selbst" 

In  einem  zweiten  Theile  seiner  Arbeit  behandelt  R.  Impfversuche 
n»t  Hefen  bei  Kaninchen  (17  Versuche  bei  10  Thieren). 

Die  Hauptresultate  sind  folgende: 
x.M.  6 


82  G&hrung.  —  Chemische  Verginge  tm  Dann. 

Nach  intravenöser  Injektion  von  Hefekultursuspension  kann  die 
Temperatur  annähernd  um  l1//  C  ansteigen  und  zwar  oft  sehr  bald 
nach  der  Injektion  und  ohne  nachweisbare  Athemnoth.  Bei  anderen 
Thieren  trat  aber  sehr  schnell  hochgradige  Dyspnoe  auf  unter  Sinken 
der  Temperatur.  Das  erwähnte  Fieber  ging  meist  in  Genesung  aus, 
während  die  Dyspnoe  gewöhnlich  mit  tödtlichem  Kollaps  endete.  Das 
Fieber  trat  auf  meist  bei  Injektiou  kleinerer  Dosen  (ca.  1  ccm) ;  die 
Dyspnoe  mit  Kollaps  nach  grossen  Dosen  (2  ccm).  Blutstropfen  bei 
dyspnoetischen  Thieren  aus  der  Nase  entnommen,  erwiesen  sich  steril. 
R.  schliesst  daraus,  dass  die  eingespritzte  Hefe  gar  nicht  in  den 
grossen  Kreislauf  gelangte.  Die  Unterschiede  im  Krankheitsbilde  bei 
verschieden  grossen  Mengen  der  eingespritzten  Hefe  glaubt  R.  am 
besten  durch  die  grössere  oder  geringere  Zahl  von  Embolieen  im  Lun- 
genkreislauf zu  erklären.  Diese  sind  naturgemäss  um  so  zahlreicher, 
je  grösser  die  eingespritzte  Menge  war;  sie  kommen  um  so  leichter 
zu  Stande,  je  grösser  die  Einzelzellen  der  betreffenden  Hefeart  sind. 
R.  meint  hierdurch  die  stärker  ausgesprochenen  Symptome  bei  In- 
jektion von  Hefen  mit  grösseren  Einzelzellen  erklären  zu  müssen. 
An  weniger  hochgradige  Embolieen  vermöge  sich  das  Thier  gewisser- 
maassen  zu  accommodiren.  Dann  hätten  die  Hefezellen  Zeit,  ihre 
pyrogene  Thätigkeit  zu  entfalten.  Bei  ausgedehnten  Embolieen  treten 
die  Störungen  des  Lungenkreislaufs  mit  allen  ihren  Konsequenzen 
naturgemäss  viel  schärfer  hervor.  Pathologisch-anatomisch  war  bei 
den  im  Kollaps  zu  Grunde  gegangenen  Thieren  ausser  „Obstruktion 
der  Lungengefässe  mit  Hefezellen  und  konsekutiver  Dilatation  der  Ge- 
fasse  und  Ueberfüllung  derselben  mit  geformten  Blutelementen11  nichts 
nachzuweisen.  Innere  Organe  meist  normal,  ausser  bei  einem  nach 
Sooreinspritzung  zu  Grunde  gegangenen  Versuchstiere,  bei  dem  auch 
kleine  Herde  in  Nieren  und  Leber  beobachtet  wurden.  In  den  Lungen- 
schnitten Hessen  sich  die  Hefezellen  mit  Em  st9  scher  Färbung  nicht 
gut  nachweisen,  sehr  gut  dagegen  (nach  Sublimatfixation)  mit  Hänia- 
toxylin  mit  Safranin.  Das  Protoplasma  der  Hefezelle  war  hier  roth- 
gelb, die  Granula  dunkelblauviolett 

Erwähnenswerth  erscheint  mir  noch  die  nebenbei  vom  Verf. 
gemachte  Beobachtung,  dass,  wenn  bei  verunglückten  intravenösen 
Injektionen  die  Suspension  fälschlich  ins  subkutane  Gewebe  des  Ohres 
injizirt  wurde,  sich  kleine  Anschwellungen  bildeten,  welche  nach  2— 
3  Wochen  eröffnet  einen  weisslichen,  käsigen  Brei  enthielten.  In 
diesem  Hessen  sich  zahlreiche  gut  färbbare  Hefezellen  nachweisen; 
auch  gelang  es,  die  Hefeart  daraus  wieder  herauszuzüchten.  Bei 
Ausschluss  der  unmittelbaren  Einwirkung  des  Blutes  können  also 
die  Hefezellen  längere  Zeit  im  Thierkörper  ihre  Lebensfähigkeit  be- 
wahren. Gzaplewski  (Görbersdorf  i.  Schi.). 

Macfadyen,  A.,  Nencki,  M.  und  Sieber,  N.,  Untersuchungen 
über    die    chemischen    Vorgänge   im    menschlichen 
Dünndarm.    (Arch.  f.  exper.  Pathol.  u.  Pharmakol.  Bd.  XXVIII.) 
Die  Verff.  stellten  ihre  Versuche  an  einer  Frau  an,  welche  auf 
der  Koch  er 'sehen  Klinik  in  Bern  wegen  einer  incarcerirten  Her- 
nie operirt  worden  war,   wobei  wegen  Gangrän  des  eingeklemmten 


Chemische  Vorginge  im  Darm.  83 

Dannstückes  letzteres  entfernt  and  ein  Anas  praeternaturalis  ange- 
legt werden  mnsste.  Das  excidirte  Darmstück  war  gerade  das  in 
das  Coecum  einmündende  Ende  des  Ileum.  Es  bot  sieb  also  hier  — 
wohl  zum  ersten  Male  beim  Menschen  —  die  Gelegenheit,  den 
Speisebrei  nach  Einwirkung  der  ganzen  Dünndarmverdauung  zu  un- 
tersuchen. Die  Patientin  erhielt  eine  abgewogene,  von  ihr  selbst  ge- 
wählte Kost,  welche  aus  Fleisch,  Brot,  Milch,  Bouillon,  Eiern,  Gries- 
brei  etc.  bestand.  Bei  dieser  Nahrung  waren  die  sich  aus  der  Fistel 
entleerenden  Massen  dünnbreiig ;  wurde  vegetabilische  Kost  —  Erb- 
senmuss  —  gegeben,  so  wurde  der  Darminhalt  sogleich  konsistenter. 

Von  den  zahlreichen  interessanten  Beobachtungen  der  Verff. 
können  hier  nur  diejenigen  hervorgehoben  werden,  welche  in  bakte- 
riologischer Hinsicht  von  Wichtigkeit  sind.  Bei  der  oben  angegebenen, 
vorwiegend  aus  Eiweiss  bestehenden  Kost  war  der  aus  der  Fistel 
fliessende  Darminhalt  in  der  Regel  fast  geruchlos,  von  etwas  brenz- 
lichem  und  an  flüchtige  Fettsäuren  erinnerndem,  seltener  von 
schwach  fauligem  Geruch.  Die  Reaktion  desselben  war  gewöhnlich 
sauer;  die  Acidität,  auf  Essigsäure  bezogen,  betrug  durchschnittlich 
0,1  % ;  nur  einmal,  nach  Ernährung  mit  Erbsenmuss,  wurde  neutrale 
Reaktion  gefunden.  Der  von  den  morphotischen  und  ungelösten  Be- 
standteilen abfiltrirte  Darminhalt  enthielt  in  der  Hitze  koagulirendes 
Eiweiss,  Mucin,  Peptone,  Dextrin,  Zucker,  Gährungs-  und  Paramilch- 
säure,  geringe  Mengen  flüchtiger  Fettsäuren,  hauptsächlich  Essig- 
säure, ferner  Gallensäuren  und  Bilirubin,  welch  letzteres  an  der 
Luft  in  Biliverdin  überging. 

Der  nur  schwache  und  nicht  immer  faulige  Geruch  des  Darmin- 
halts sprach  bereits  gegen  eine  intensivere  Zersetzung  durch  Bak- 
terien. Die  nähere  Untersuchung  zeigte  denn  auch,  dass  die  End- 
produkte der  Eiweissfäulniss  entweder  gänzlich  fehlten  oder  nur  in 
Spuren  vorhanden  waren.  Spuren  von  Indol  konnten  allerdings  im 
Danninhalt  nachgewiesen  werden;  auch  enthielt  der  Harn  Indoxyl- 
schwefelsäure.  Die  Versuche,  Leucin  und  Tyrosin  im  Darminhalt 
nachzuweisen,  fielen  negativ  aus.  Eiweisszersetzung  durch  Bakterien 
kann  also  im  Dünndarm  höchstens  in  sehr  geringem  Umfange  vor 
sich  gehen. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  des  Darminhalts  zeigte,  dass 
Spaltpilze  darin  in  grosser  Menge  vorhanden  waren.  Vereinzelte 
Bakterien  Hessen  sich  schlecht  oder  gar  nicht  färben.  Bei  der  Un- 
tersuchung im  hängenden  Tropfen  ergab  sich,  dass  einzelne  Bakterien 
Eigenbewegung  besassen,  die  meisten  waren  unbeweglich. 

Kulturen  auf  Agar-Agar  und  Gelatine  wurden  im  Ganzen  zwei- 
mal nach  Fleischkost  und  einmal  nach  Ernährung  mit  Erbsenmuss 
angelegt;  auch  anaerobiotische  Kulturen  wurden  hergestellt. 

Nach  Fleischkost  fanden  die  Verff.  u.  A.  3  Arten,  welche  durch 
ihr  konstantes  Auftreten  bemerkenswert  waren: 

1)  einen  die  Gelatine  rasch  verflüssigenden  Bacillus:  „Bacil- 
lus liquefaciens  ilei"; 

2)  einen  dem  Bacterium  coli  commune  ähnlichen  Ba- 
cillus; 

3)  ein  ovales,  Gelatine  nicht  verflüssigendes  Bacterium. 


84  Chemisehe  Vorgingt  im  Darm. 

Ausserdem  wurden  noch  vereinzelte  Kolonieen  von  5  anderen 
Arten  von  Mikroorganismen  (darunter  eine  Hefeart  und  ein  Schim- 
melpilz) gefunden.    Obligat  anaerobe  Arten  waren  nicht  vorhanden. 

Nach  Ernährung  mit  Erbsenmuss  wurden  7  Mikrobenarten  iso- 
lirt:  ein  Gelatine  verflüssigender  Streptococcus,  3  BacillenarteD, 
davon  eine  dem  Bacterium  coli  commune  sehr  ähnlich,  2 
Diplokokken  und  Hefearten.  Von  den  bei  Fleischkost  erhaltenen 
Arten  wurde  hier  nur  das  dem  Bacterium  coli  commune  ähn- 
liche Kurzstäbchen  wiedergefunden.  Als  Patientin  später  wieder 
Fleischkost  erhielt,  wurden  zum  Theil  andere  Arten  isolirt,  als  das 
erste  Mal;  es  wurden  auch  Versuche  mit  Zucker-  und  Glycerin- 
gelatine  angestellt 

Von  den  isolirten  Arten  wurden  7,  die  sich  am  häufigsten  fan- 
den, näher  untersucht1),  namentlich  auch  bezüglich  ihrer  chemische 
Wirkungen : 

1)  Das  „Bacterium  Bischleri",  dem  Bacterium  coli 
commune  sehr  ähnlich,  zersetzt  Traubenzucker  unter  Bildung  von 
Aethylalkohol,  inaktiver  Milchsäure  und  Essigsäure.  (Das  Bacte- 
rium coli  commune  bildet  dagegen  optisch  aktive  Milchsäure.) 
Auf  Eiweissstoffe  wirkt  dieser  Bacillus  nicht  ein. 

2)  Der  „Streptococcus  liquefaciens  ilei  s.  acidi  lac- 
tici"  zersetzt  Zucker  unter  Bildung  inaktiver  Milchsäure.  Die  Wir- 
kung auf  Eiweiss  wurde  nicht  ausreichend  untersucht 

3)  Das  „Bacterium  ilei  Frey44  zersetzt  Zucker  unter  Bildung 
von  Bernsteinsäure  und  aktiver  Paramilchsäure,  verändert  Eiweiss 
nicht. 

4)  Der  „Bacillus  liquefaciens  ilei44  zersetzt  Traubenzucker 
nur  in  geringem  Umfange,  dagegen  Eiweiss  in  stärkerem  Maasse. 
Die  Zersetzungsprodukte  des  Eiweiss  sollen  näher  untersucht  werden. 

6)  Das  „Bacterium  ovale  ilei**  wirkt  nicht  auf  Eiweiss,  zer- 
setzt Zucker  unter  Bildung  von  Paramilchsäure. 

6)  „Der  schlanke  Bacillus  des  Henmu  verhält  sich  bezüglich 
seiner  chemischen  Wirkung  im  Wesentlichen  wie  der  vorige. 

7)  „Das  mit  dem  Bacterium  lactis  aörogenes  (Esche- 
rieh)  wahrscheinlich  identische  Kurzstäbchen44  zersetzt  Zucker  unter 
Produktion  von  Alkohol,  Essigsäure,  Bernsteinsäure,  aktiver  Milch* 
säure. 

Auch  die  Bakterien  im  Dickdarm  wurden,  nachdem  Patientin 
2  Monate  lang  keine  Def&kation  gehabt  hatte,  untersucht  Der  Dick- 
darm wurde  mit  steriler  Kochsalzlösung  vom  Rectum  aus  ausgespült 
und  nach  einigen  Minuten  Proben  der  aus  dem  oberen  Ende  des 
Dickdarms  herausfliessenden  Flüssigkeit  entnommen;  es  fanden  sich 
Streptokokken,  Kurzstäbchen  und  feine  Bacillen.  Alle  Kulturen  des 
Dickdarminhalts  hatten  einen  widrigen  Fäulnissgeruch. 

Die  im  Dünndarm  vorkommenden  Mikroorganismen  scheinen 
schon  in  gesundem  Zustande  je  nach  den  Nahrungsstoffen  und  ihrer 
Zubereitung  zu  wechseln.    Charakteristisch  für  dieselben  scheint  es 


1)  Besnglieh  der  näheren  Angaben  Aber  die  Beschaffenheit  der  Knitaren  etc.  mm 
auf  die  Arbeit  selbst  verwiesen  werden. 


ftaerfUre  Infektion  4«s  Fötus  (MUsbrand).  86 

zu  sein,  dass  sie  vorzugsweise  Dicht  Eiweiss,  sondern  Kohlehydrate 
zersetzen.  Die  Menge  der  aus  dem  Zucker  entstandenen  organischen 
Sauren  ist  so  beträchtlich,  dass  weder  die  Galle  und  das  Pankreas- 
sekret  noch  das  von  der  ganzen  Dünndannschleimhaut  abgesonderte 
Alkali  hinreicht,  um  den  Ghymus  zu  neutralisiren ;  diese  Säuren  ver- 
hindern die  Eiweissgährung  und  schränken  auch  die  Zersetzung  der 
Kohlehydrate  ein.  Wurde  Bouillon ,  welche  0,1  °/0  Milch-  oder 
Essigsäure  rathielt,  mit  den  aus  dem  Dünndarm  isolirten  Bakterien 
iofizirt,  so  wurden  letztere  zwar  nicht  abgetödtet,  aber  doch  in  ihrer 
Entwicklung  gehemmt  — 

Auf  Grund  ihrer  Beobachtungen  beantworten  die  Verff.  eine  vor 
mehreren  Jahren  von  Pasteur  angeregte  Frage  über  die  Notwen- 
digkeit der  Spaltpilze  bei  der  Zersetzung  der  Nahrungsstoffe  im 
Darmkanal  für  den  Menschen  in  verneinendem  Sinne.  Pasteur 
hatte  den  interessanten  Versuch  vorgeschlagen,  einem  Thiere  von 
der  Geburt  an  lediglich  sterilisirte  Nahrung  zu  reichen;  er  hielt 
es  für  wahrscheinlich,  dass  unter  diesen  Bedingungen  das  Leben  un- 
möglich wäre.  Indes  hat  die  Frau,  an  welcher  die  Verff.  ihre  Be- 
obachtungen anstellten,  volle  6  Monate  mit  Ausschluss  der  Dick- 
darmverdauung gelebt  und  sogar  Eiweiss  angesetzt.  (Nach  dieser 
Zeit  wurde  durch  Kocher  der  Dünndarm  mit  dem  Dickdarm  wieder 
vereinigt.)  Da  nun  eine  erhebliche  Zersetzung  des  Speisebreies  durch 
Mikroorganismen  erst  im  Dickdarm  stattfindet,  so  scheint  in  der 
Tbat  die  Wirkung  der  Bakterien  nicht  unbedingt  nothwendig  für  die 
Verdauung  zu  sein.  Ja  noch  mehr:  die  im  Dickdarm  entstehenden 
Zersetzungsprodukte  des  Eiweiss,  wie  das  Indol,  Skatol,  Phenol  u.  s.  w., 
die  verschiedenen  hier  entstehenden  Gase  sind  sämmtlich  keine  Nah- 
roogsstoffe;  „der  Organismus  bedarf  ihrer  nicht,  sie  sind  ihm  im 
Gegentheil,  sobald  sie  in  grosserer  Menge  im  Darm  entstehen,  schäd- 
lich and  lästig".  R.  Stern  (Breslau). 

Blrch-Hlrschfeld,  Ueber  die  Pforten  der  placentaren  In- 
fektion des  Fötus.  (Ziegler's  Beiträge  zur  pathologischen 
Anatomie  und  zur  allgemeinen  Pathologie.    Band  IX.    Heft  3.) 

Die  bisherigen  experimentellen  Untersuchungen  geben  keinen 
Aafschluss  darüber,  ob  die  Uebertragung  einer  Infektion  von  der 
Matter  zum  Fötus  in  der  Placenta  stattfinden  kann,  und  darüber,  auf 
welchen  Bahnen  und  unter  welchen  Bedingungen  ein  solcher  Uebergang 
etwa  erfolgt.  Aus  den  bisherigen  Erfahrungen  beim  Menschen  ergibt 
sich  die  Möglichkeit  des  U eberganges  der  Infektion  auf  den  Fötus; 
keineswegs  aber  erfolgt  derselbe  regelmässig. 

Verf.  hat  es  versucht,  auf  Grund  fremder  und  eigener  Versuche 
einen  Einblick  in  die  Art  des  Ueberganges  pathogener  Bakterien  aus 
dem  mütterlichen  Blute  auf  den  Fötus  zu  gewinnen. 

Zu  seinen  Versuchen  verwendete  Verf.  Milzbrandbacillen,  hebt 
dabei  hervor,  dass  sich  die  für  den  Milzbrand  gewonnenen  Erfah- 
rungen nicht  ohne  weiteres  auf  andere  Erreger  von  Infektionskrank- 
heiten übertragen  lassen. 

Birch-Hirschfeld  richtete  seine  Aufmerksamkeit  besonders 
uf  die  mikroskopische  Untersuchung  der  Placenta,  da  nur  auf  diese 


gg  PlacenUre  Infektion  des  Fötus  (M ilsbrud). 

Weise  ein  Einblick  in  die  Bedingungen  und  Wege  der  placentaren 
Infektion  des  Fötus  gewonnen  werden  konnte. 

Die  vom  Verf.  benutzten  Milzbrandkulturen  waren  ausserordent- 
lich wirksam. 

Die  Versuche,  welche  Verf.  angestellt  hat,  ergaben  folgende  Re- 
sultate :  Von  2  mit  Milzbrand  geimpften  trächtigen  Ziegen  mit  je 
2  Föten  ergab  die  Untersuchung  in  beiden  Fällen  einen  positiven 
Nachweis  der  Milzbrandbacillen  im  fötalen  Körper.  —  Von  3  mit 
Milzbrand  geimpften  trächtigen  Kaninchen  mit  zusammen  11  Föten 
fiel  ein  Fall  mit  6  Früchten  negativ  aus,  während  2  Fälle  mit  3  und 

2  Föten  ein  positives  Resultat  ergaben.  —  Eine  mit  Milzbrand  ge- 
impfte trächtige  Hündin  erlag  der  Infektion,  doch  waren  die  in  der 
Nacht  vor  dem  Tode  geworfenen  3  Jungen  frei  von  Milzbrand.  — 
Von  4  durch  Milzbrand  getödteten  trächtigen  weissen  Mäusen  ergaben 

3  mit  zusammen  19  Föten  negative  Resultate;  in  einem  Falle  wurde 
aus  der  Leber  von  2  Föten  durch  Kulturen  Milzbrand  nachgewiesen. 

Die  zur  mikroskopischen  Untersuchung  gelangten  Schnitte  wurden 
in  der  Regel  durch  Uteruswand,  Placenta  und  Eihäute  gelegt,  bei  den 
Mäusen  und  bei  einem  Kaninchen  mit  Embryonen  einer  früheren 
Entwicklungszeit  gleichzeitig  durch  den  im  Zusammenhang  mit  Pla- 
centa und  Eihäuten  eingebetteten  Embryo. 

Von  besonderem  Werthe  sind  die  Angaben  des  Verf.'s  über  den 
Bau  der  Placenta  bei  den  verschiedenen  Arten  der  Versuchsthiere 
und  die  Erläuterung  der  Bacillenbefunde  an  der  Hand  der  betreffen- 
den Erfahrungen. 

Bei  der  einen  Ziege  hatte  ein  Durchtritt  von  Milzbrandstäbchen 
aus  den  (bluthaltigen)  intervillösen  Räumen  in  die  Zotten  stattge- 
funden. Eine  genaue  histologische  Untersuchung  der  betreffenden 
Placenten  ergab,  dass  hier  der  Eintritt  von  Bacillen  in  das  Zotten- 
gewebe durch  Unterbrechungen  des  Zottenepithels  erleichtert  worden 
war.  Trotzdem  hatte  eine  reichliche  Invasion  der  Placenta  foetalis 
nicht  stattgefunden.  In  einer  anderen  Placenta,  in  welcher  Epithel- 
läsionen nicht  erkennbar  waren,  wurden  Bacillen  in  den  fötalen  Zotten 
nicht  aufgefunden.  Auf  Grund  des  Zusammenfallen  der  Epithel- 
läsionen mit  der  besonderen  Reichlichkeit  der  Bacillen  in  den  Blut- 
räumen des  mütterlichen  Theiles  hält  es  Verf.  für  wahrscheinlich, 
dass  die  Läsion  des  Zottenepithels  durch  die  reichliche  Wucherung 
von  Milzbrandbacillen  an  ihrer  Oberfläche  hervorgerufen  werde,  wie 
denn  auch  ein  Durchwachsen  der  Bacillen  in  das  Zottengewebe  durch 
die  Entwickelung  eines  förmlichen  Bacillenrasens  an  des  Epithelüber- 
zuges beraubten  Stellen  ihrer  Oberfläche  begünstigt  wird. 

Bei  der  zweiten  Ziege  fanden  sich  in  den  mütterlichen  Blut- 
räumen der  Placenta  überall  einzelne  oder  in  kleinen  Gruppen  liegende 
Milzbrandbacillen.  Läsionen  des  Zottenepithels  waren  nicht  nachzu- 
weisen und  innerhalb  der  fötalen  Placentargeftose  waren  Bacillen 
nicht  aufzufinden. 

In  der  Kaninchenplacenta  zeigt  sich  eine  nahe  räumliche  Be- 
ziehung zwischen  mütterlichen  und  fötalen  Bluträumen.  Die  Ver- 
breitung der  Milzbrandbacillen  war  in  sämmtlichen  untersuchten  Pla- 
centen eine  reichliche;  immerhin  zeigten  sich  Differenzen  hinsichtlich 


Placentae  Infektion  des  Fötus  (Milsbrand).  £7 

der  Dichtigkeit  der  Bacillenlager.  Es  hatte  hier  eine  Invasion  der 
Eihäute  von  der  Placenta  aus  stattgefunden.  Diese  Invasion  erklärt 
sich  aus  dem  Durchwachsen  der  in  den  feinen  Bluträumen  der  Spon- 
giosa  stecken  gebliebenen  und  gewucherten  Bacillen  in  das  epithel- 
lose Gewebe  der  Uaftwurzeln.  Im  Choriongewebe  und  an  den  Ei- 
häuten mussten*  die  Bacillen,  wie  ihre  Entwickelung  in  Form  dichter 
Rasen  zeigten,  besonders  günstige  Verhältnisse  gefunden  haben  und 
hier  bot  sich  dann   Gelegenheit    zum  Eindringen    in  die   Chorion- 


An  vielen  Bacillen  fand  man  Degenerationserscheinungen,  welche 
an  bestimmte  Bezirke  gebunden  waren.  Die  in  die  intervillösen 
Räume  und  in  die  Venenlakunen  gelangten  Bacillen  hatten  sich  wahr- 
scheinlich innerhalb  derselben  noch  vermehrt,  wofür  ihr  Auftreten 
in  Haufen  und  das  Vorkommen  längerer  fadenartiger  Formen  spricht. 
Offenbar  war  jedoch  bald  eine  Degeneration  der  Bacillen  eingetreten. 
Es  liegt  die  Annahme  nahe,  dass  der  verminderte  Sauerstoffgehalt 
in  diesen  Räumen,  in  denen  das  Blut  offenbar  ohnehin  langsam  strömt, 
schädigend  auf  die  Bacillen  einwirkte. 

In  der  Placenta  der  Maus  ist  die  Abgrenzung  zwischen  dem 
uterinen  und  embryonalen  Antheil  scharf  ausgesprochen.  Dem  ent- 
sprechend fand  man  denn  auch  bei  den  an  Milzbrand  verendeten 
Mäusen  reichliche  Bacillen  in  den  Bluträumen  der  mütterlichen  Pla- 
centa, niemals  aber  Bacillen  in  den  fötalen  Gefässen.  Nur  einmal 
wies  eine  Kulturprobe  den  Uebergang  auf  den  Fötus  nach. 

Auch  die  Verbreitung  der  Bacillen  im  Fötus  zeigte  bei  den  einzelnen 
Versuchsthieren  erhebliche  Unterschiede.  Ueberall  war  die  intra- 
vasculäre  Lage  der  Milzbrandbacillen  deutlich  erkennbar.  Alle  Be- 
funde deuteten  darauf  hin,  dass  die  Invasion  in  erster  Linie  die 
Fötusleber  trifft  und  dass  in  dieser  auch  die  Stätte  für  die  Vermeh- 
rung der  eingedrungenen  Bacillen  liegt. 

Auf  den  Uebergang  der  Infektion  auf  den  Fötus  können  von 
Einfluss  sein  die  ungleiche  Empfänglichkeit  der  Versuchstiere,  die 
Krankheitsdauer,  Ungleichheiten  im  Baue  der  Placenta  der  einzelnen 
Thiergattungen,  die  Methode,  namentlich  Ungleichheiten  in  der  Art 
der  Impfung  und  hier  wieder  Unterschiede  in  der  Menge  der  infek- 
tiösen Substanz  und  betreffs  der  Topographie  der  Infektionsstelle, 
ferner  der  Termin  der  Infektion  der  Placenta,  der  Grad  der  Virulenz 
der  verwendeten  Kulturen,  wobei  nicht  nur  die  Vermehrungsfähigkeit 
der  Bacillen,  sondern  auch  die  Konzentration  der  von  den  letzteren 
gebildeten  schädlichen  Stoffe  in  Betracht  kommt. 

Verf.  ist  der  Ansicht,  dass  die  gesunde  Placenta  weder  für  fein 
vertheilte,  nicht  vermehrungsfähige  Fremdkörper,  noch  für  Mikro- 
organismen ohne  weiteres  den  Durchtritt  in  die  fötalen  Blutwege  ge- 
stattet. Dass  die  physiologische  Placenta  sonach  ein  vollkommenes 
Filter  abgibt,  gibt  Verf.  zu ;  nur  hebt  er  hervor,  dass  dieses  Filter 
durch  den  Einfluss  in  die  Placenta  eingeschwemmter,  pathogener  Mi- 
kroorganismen durchlässig  werden  kann.  Nach  seiner  Ansicht  kann 
bei  reichlicher  Entwickelung  von  Milzbrandbacillen  in  der  Placenta 
tta  förmliches  Durchwachsen  der  Bakterien  in  den  fötalen  Theil  hineii* 


88  TuWcnlose  und  tttai*. 

stattfinden.    Gerade  in  letzterem  Falle  können  dem  Uebergange  an 
sich  nicht  günstige  Einrichtungen  überwanden  werden. 

Die  menschliche  Placenta  weist  für  das  Zustandekommen  des 
Ueberganges  pathogener  Mikroorganismen  günstige  Verhältnisse  auf. 

Dittrich  (Prag). 

Schmorl  und  Birch-Hlrschfeld,  üebergang  von  Tuberkel - 
bacillen  aus  dem  mütterlichen  Blute  auf  die  Frucht. 
[Beobachtung  aus  dem  pathologischen  Institut  zu  Leipzig.]  (Z  i  e  g  1  e  r  's 
Beiträge  zur  pathologischen  Anatomie  und  zur  allgemeinen  Patho- 
logie. Bd.  IX.  Heft  3.) 

Eine  23-jährige  Frauensperson,  welche  im  7.  Monate  ihrer  ersten 
Schwangerschaft  sich  befand,  starb  an  Tuberculose  (chronische  und 
universelle  Miliartuberculose).  Unmittelbar  nach  dem  Tode  der  Mutter 
wurde  das  todte  Kind  durch  Sectio  caesarea  aus  dem  Mutterleibe 
entfernt  Zur  Miliartuberculose  war  es  bei  der  Mutter  durch  Durch- 
bruch einer  verkästen  Lymphdrüse  in  den  Ductus  thoracicus  ge- 
kommen. 

Stückchen  von  Leber,  Milz  und  Nieren  des  Fötus  wurden  2  Meer- 
schweinchen und  1  Kaninchen  in  die  Bauchhöhle  eingeführt  Tuberkel- 
knötchen  konnte  man  in  diesen  Organen,  sowie  in  den  Lungen  nicht 
nachweisen.  Bei  allen  3  Thieren  entwickelte  sich  Tuberculose.  Die 
Placenta  zeigte  an  ihrer  uterinen  Fläche  vereinzelte  kleine  Blutungen. 
Auf  dem  Durchschnitte  zeigten  sich  im  Placentargewebe  kleine 
Knötchen,  von  denen  eines  Tuberkelbacillen  enthielt.  Die  histologische 
Untersuchung  anderer  solcher  Knötchen  erwies  dieselben  jedoch  nicht 
als  Tuberkel,  sondern  als  sogenannte  „weisse  Infarkte".  Dieselben 
enthielten  keine  Tuberkelbacillen. 

Im  Blute  der  Nabelvene  fand  man  einmal  spärliche  Tuberkel- 
bacillen, dagegen  nicht  in  dem  dem  Fötus  entnommenen  Leber-  und 
Milzsafte. 

In  der  Placenta  fand  man  häufig  Tuberkelbacillen  in  den  inter- 
villösen  Räumen,  ferner  vereinzelte  Bacillen  zuweilen  im  Lumen  durch- 
schnittener Choriongeftsse  zwischen  den  rothen  Blutkörperchen. 

Weder  im  Placentargewebe,  noch  am  oder  im  Chorion  konnte  man 
Hämorrhagieen  wahrnehmen. 

Das  Gewebe  der  Nabelschnur  zeigte  nichts  Abnormes;  in  den 
Nabelgeftssen  fand  man  keine  Tuberkelbacillen. 

Die  fötalen  Lungen  zeigten  normale  Verhältnisse,  in  keinem  Schnitt- 
präparate sah  man  Tuberkelbacillen.  Die  Fötalleber  enthielt  auch 
keine  Tuberkel,  dagegen,  wenn  auch  nicht  reichliche,  Tuberkelbacillen. 
In  der  Niere  fand  man  weder  Tuberkel  noch  Tuberkelbacillen. 

Es  hatte  hier  somit  offenbar  erst  in  der  allerletzten  Zeit  ein 
Üebergang  von  Tuberkelbacillen  von  der  Mutter  auf  den  Fötus  statt- 
gefunden. Wie  derselbe  erfolgt  war,  Hess  sich  nicht  mit  Sicherheit 
feststellen.  Wahrscheinlich  waren  die  Bacillen  aus  den  intervillösen 
Räumen  in  die  Geftsse  der  Zotten  gelangt  an  Stellen,  an  denen 
der  Epithelüberzug  der  letzteren  unterbrochen  war. 

Dittrich  (Prag), 


iSiberenloM.  —  Syphilis.  g9 

Lnbliner,  L.,  Piec  przypadköw  gruz'licy  po  obrzezaniu. 

[Fünf  neue   Fälle   der    Tuberculose    nach    Circum- 

cision.]    (Gazeta  Lekarska.  1890.  S.  502.)    [Polnisch]. 

Lnbliner  ist  es  gelungen,    in   seiner  Abtheilung   fOnf  neue 

Fälle  der  Impftuberculose  nach   Circumcision  zu  konstatiren.     Bei 

den  Neugeborenen   bildeten  sich  1—4  Wochen   nach   der  Operation 

die  Geschwüre,  und  die  Drüsen  schwollen  an.  In  den  ausgeschnittenen 

Hautpartikelchen  hat  L.  mehr  oder   weniger    zahlreiche  Tuberkel- 

bacillen  gefunden.  Bujwid  (Warschau). 

JBaymond,  M.  P.,  Une  Observation  de  Syphilis  concep- 
tio nelle.  (Soc.  de  denn,  et  syphiligr.  S6ance  de  12  ftvrier. 
Annal.  de  denn,  et  syph.  25  febr.  1891.) 
Der  interessante  Fall  Raymond' s  verdient  eine  ausführlichere 
Wiedergabe,  weil  er  einen  bemerkenswerten  Beitrag  zu  der  Lehre 
tod  der  Vererbung  einer  der  praktisch  wichtigsten  Infektionskrank- 
heiten, der  Syphilis,  gibt.  Ein  Patient  wird  im  Jahre  1874  syphi- 
litisch infizirt;  die  Krankheit  verläuft  leicht,  der  Kranke  steht  unter 
sorgfältiger  Behandlung.  Im  Juni  1878,  nachdem  seit  länger  als 
einem  Jahr  keine  syphilitischen  Symptome  aufgetreten  sind,  verhei- 
ratet er  sich.  Im  März  1879  Geburt  eines  ausgetragenen  gesunden 
Kindes,  das  jetzt  noch  lebt  Am  Ende  des  Jahres  1880  Geburt  eines 
elenden  Kindes  im  8.  Fötalmonat,  das  ein  Exanthem  zeigt  und  nach 
5  Wochen  stirbt.  Im  April  1882  Geburt  eines  dritten  elenden  Kindes 
im  8.  Fötalmonat,  das  nur  mit  äusserster  Sorgfalt  am  Leben  gehalten 
wurde  und  im  Alter  von  4  Jahren  an  Diphtherie  starb.  Raymond 
erinnert  an  der  Hand  dieses  Falles  an  die  schon  oft  betonte  That- 
sache,  dass  Kinder  syphilitischer  Herkunft,  selbst  wenn  sie  frei  von 
Erscheinungen  der  hereditären  Syphilis  sind,  häufig  eine  Schwäche 
und  einen  Mangel  an  Widerstandskraft  besitzen,  der  sie  fähiger 
macht,  andere  besonders  zur  Zeit  herrschende  Krankheiten  sich  zu- 
zuziehen. Die  Mutter  der  Kinder,  welche  zehn  Jahre  hindurch  kein 
Zeichen  einer  syphilitischen  Infektion  dargeboten  hatte,  zeigte  schliess- 
lich ein  trockenes,  tuberöses  Syphilid,  welches  schnell  unter  spezi- 
fischer Behandlung  heilte.  Diese  Tertiärerscheinung,  welche  ohne 
ein  vorausgegangenes  Symptom  sich  einstellte,  ist  nach  Raymond 
der  Beweis  dafür,  dass  bei  der  Frau  eine  konzeptionelle  Syphilis  vor- 
liegt Der  Fall  beweist  ferner  von  Neuem,  dass  ein  syphilitischer 
Vater  gesunde  Kinder  erzeugen  kann,  wenn  er  in  einem  der  Behandlung 
nicht  zu  entfernten  Stadium  sich  befindet,  dann  ein  syphilitisches 
Kind,  wenn  er  allmählich  die  Wohlthat  der  Behandlung  einbüsst, 
und  endlich  ein  gesundes  Kind,  wenn  er  von  Neuem  behandelt  wird 
oder  bei  ihm  die  Krankheit  erlischt  Besnier  weist  in  der  Dis- 
kussion gleichfalls  auf  die  Empfänglichkeit  syphilitischer  Kinder 
Krankheiten  gegenüber  hin.  Das  Gleiche  scheint  bei  Erwachsenen 
vorzukommen.  Er  hat  in  2  oder  3  Fällen  syphilitische  Väter  schwere 
diphtherische  Anginen  bei  der  Pflege  ihrer  kranken  Kinder  acquiriren 
sehen.  Es  scheint,  dass  die  Syphilis,  sei  es  durch  die  lokalen  Er- 
scheinungen, die  sie  nach  sich  zieht,  sei  es  durch  die  alleinige  That- 
sache  ihrer  Existenz  eine  prädisponirende  Ursache  für  Krankheiten 


90  8yphüis.  —  ladieannri*. 

abgibt.  Fournier  betont  besouders,  dass  hier  daß  Gegentheil  von 
der  gewöhnlichen  Erscheinung  vorliegt,  daas  nämlich  die  ersten 
Graviditäten  mit  Aborten  endigen,  nachher  syphilitische  und  später 
gesunde  Kinder  geboren  werden.  Dies  ist  ein  Punkt  von  besonderer 
praktischer  Wichtigkeit,  weil  Syphilitische  die  Neigung  haben,  sich 
für  vollkommen  gesund  zu  halten,  wenn  ihnen  ein  gesundes  Kind 
geboren  ist 

[Der  Vortrag  enthält  3  Punkte  von  ganz  besonderer  Wichtigkeit! 
Erstens  die  ungemein  lange  Persistenz  der  Vererbungsfähigkeit  der  Lud 
trotz  sorgfältiger  Behandlung.  Dadurch  wird  die  von  den  meisteij 
Autoren  aufgestellte  und  in  die  Praxis  abertragene  These  widerlegt 
dass  man  Syphilitischen  4  Jahre  nach  erfolgter  Infektion  anstandst 
das  Heiraten  gestatten  darf.  Zweitens,  worauf  Fournier  in  dei 
Diskussion  hinweist,  das  abwechselnde  Erscheinen  von  gesunden  uod 
kranken  Kindern,  welches  z.  Th.  auf  vorausgegangene  Behandlung 
zu  schieben  ist,  aber  auch  sonst  beobachtet  wird.  Drittens  die  Ad 
nähme  einer  Syphilis  par  conception  bei  der  Mutter,  der  man  immei 
entgegenhalten  kann,  dass  die  Primärerscheinungen ,  wie  so  häufig 
bei  Frauen,  unbemerkt  vorübergegangen  sind.    Ref.] 

Ledermann  (Breslau). 

Hoehsinger,  C,  Ueber  Indicanurie  im  Säuglingsalter 
(Wiener  medic.  Presse.  1890.  No.  40  u.  4L) 
Die  Arbeit  ist,  obgleich  vorwiegend  klinischen  Inhaltes,  doct 
auch  für  den  Bakteriologen  von  Interesse,  da  bekanntermaassen  dei 
Indigonachweis  im  Harn  als  Anzeichen  und  Maassstab  der  B 
weisszersetzung  im  Darmkanale  benutzt  werden  kann.  Gerade  fäJ 
das  Säuglingsalter  waren  diese  Verhältnisse  von  besonderer  ßedeu 
tung,  nachdem  einerseits  Ref.  aus  den  biologischen  Eigenschaft^ 
der  obligaten  Milchkothbakterien  den  Schluss  gezogen,  dass  dit 
Eiweissfäulni8S  im  Darmkanal  des  Säuglings  fehle,  andererseits  Ba 
ginsky  das  Vorkommen  von  Produkten  der  Eiweissfäulniss  in  det 
Stühlen  verdauungskranker  Säuglinge  nachgewiesen  hatte.  H.  resu- 
mirt  die  Resultate  aus  etwa  150  untersuchten  Fällen  wie  folgt: 

1)  Der  Harn  des  Neugeborenen  ist  indicanfrei. 

2)  Während  der  ganzen  Säuglingsperiode  lassen  sich  bei  normal 
verdauenden  Kindern,  gleichviel,  ob  natürlich  ob  künstlich  genährt 
durch  die  bekannten  qualitativen  Methoden  höchstens  Spuren  von 
Indican  im  Harn  nachweisen.  In  der  weitaus  überwiegenden  Mehr- 
zahl der  Fälle  und  insbesondere  bei  Brustkindern  bleibt  die  Indican- 
reaktion  vollkommen  negativ. 

3)  Unter  den  Verdauungskrankheiten  des  Säuglingsalters  liefern 
nur  die  echten  Brechdurchfälle,  insbesondere  aber  die  Cholera  infan- 
tum, eine  pathologische  Vermehrung  von  indigobildender  Substanz  im 
Harn.  Einfache  Dyspepsieen  und  Diarrhöen  verlaufen  ohne  Indica- 
nurie, desgleichen  die  habituelle  Obstipation  der  Säuglinge  und 
jüngeren  Kinder. 

4)  Bei  Ausschluss  primärer  intestinaler  oder  anderweitiger  Faul- 
nissvorgänge  im  kindlichen  Körper  weisen  pathologische  Mengen  voa 
Harnindikan  auf  schwere  Störungen  der  Dannfunktion  durch  Al)ge~ 


Milzbrand.  91 

meinleiden  insbesondere  aber  auf  den  Bestand  einer  tuberculösen  Er- 
krankung hin. 

5)  Aeltere  normale  Kinder  verhalten  sich  in  Bezug  auf  die  In- 
dicanausscheidung  ähnlich  wie  erwachsene  Menschen.  Der  Indican- 
gebalt  des  Harnes  richtet  sich  nach  der  Art  der  Ernährung,  ist  jedoch 
gewöhnlich  nur  ein  ganz  geringfügiger.  Escherich  (Graz). 

Tnrrf,  IL,  Contribucion  ad  estudio  de  la  esporulacion 
del  bacillus  anthracis.  (Gaceta  medica  catalana.  1891. 
No.  3-4) 
In  der  Absicht,  die  innersten  Ursachen  der  Sporenbildung  des 
Milzbrandbacillus  zu  ergründen,  hat  Verf.  Plattenkulturen  auf  flachen 
Tellern  gemacht,  indem  er  auf  die  Oberfläche  von  3%  agarhaltiger 
Rindfleischbrtihe  eine  in  gleicher  Brühe  bereitete  Verdünnung  von 
Bacillen  und  Sporen  aussäte.  Nun  beobachtete  er,  dass  unter  diesen 
umständen  die  Entwickelung  der  Kolonieen  viel  besser  und  die 
Sporenbildung  viel  früher  stattfindet,  als  bei  dem  gewöhnlichen  Ver- 
fahren, die  Saat  in  die  Tiefe  des  Nährbodens  einzubringen,  und  dass 
bei  diesen  Oberflächenkolonieen  wiederum  die  Sporenbildung  von  der 
obersten  Schicht  ausgeht  und  dann  allmählich  in  die  tieferen  vordringt, 
bis  sie  auf  dem  Boden  der  Kolonie  ankommt,  wo  man  noch  Bacillen 
vorfindet,  wenn  alles  übrige  schon  in  eine  einzige  Sporenmasse  ver- 
wandelt ist.  Da  nun  die  Mycelbildung  in  der  Kolonie  nicht  in  regel- 
rechten Schichten,  sondern  in  allen  möglichen  Richtungen  vor  sich 
geht,  je  nachdem  die  Fäden  Sporen  am  Ende  oder  in  der  Mitte 
tragen,  während  das  übrige  Protoplasma  gleichartig  bleibt,  so  muss 
man  wohl  die  Erscheinung  der  grösseren  Durchlüftung  an  der  Ober- 
fläche zuschreiben  und  annehmen,  dass  unter  gleichen  Durch- 
lüftungsbedingungen die  Sporenbildung  überall  gleichförmig  und 
gleichzeitig  stattfinden  würde.  Wenn  man  auf  ein  Deckgläschen 
einen  Tropfen  Agar  und  darauf  Kolonieen  aufträgt  und  dann  auf 
die  Zelle  eines  Objektträgers  bringt,  so  bilden  nur  die  Bänder  eine 
einzige,  unter  gleichen  Durchlüftungsbedingungen  stehende  Ba- 
cillengchicht.  In  dieser  beobachtet  man  nun  nach  24- stündigem 
Stehen  bei  einer  Temperatur  von  34—36°,  dass  das  Bandmycel  in 
seiner  ganzen  Ausdehnung  Endosporen  trägt,  während  in  dem  aus 
Bacillenbündeln  bestehenden  Centrum  der  Kolonie  die  Sporenbildung 
ungleichmässig  ist,  wie  man  dieselbe  bei  den  gewöhnlichen  Kulturen 
beobachtet.  Man  kann  also  annehmen,  dass  die  Efscheinung  zunächst 
von  dem  Einflüsse  der  Luft  auf  das  Mycel  abhängt.  Dennoch  bildet 
der  Bacillus  seine  Sporen  unter  der  Einwirkung  des  Sauerstoffs  nur 
dann,  wenn  ihm  der  Nährboden  durch  die  Diffusion  der  Zersetzungs- 
produkte seines  Wachsthums  unfruchtbar  geworden  ist;  ohne  diese 
unumgängliche  Bedingung  wächst  er  ruhig  weiter.  Um  das  zu  be- 
weisen, vertheilte  Turrö  die  von  einem  Teller  mit  Kolonieen  abge- 
schabte Agar-Agarplatte  auf  6  Böhrchen,  von  denen  er  zwei  mit 
de&tillirtem  Wasser  (1 : 4)  verdünnte,  zwei  mit  Natriumkarbonat  al- 
kalisch machte  und  die  zwei  anderen  zur  Kontrolle  unverändert 
liess.  Nach  Sterihsirung  im  Autoklaven  bei  120°  Besäung  mit  einer 
Reinkultur.      In   den   Kontrollröhrchen   kam   kein   Wachsthum    zu 


92  Milsbrand.  —  Bakterien  in  der  Gallenblase. 

Stande;  in  den  alkalisch  gemachten  entwickelten  sich  Kolonieen,  die 
so  langsam  Sporen  bildeten,  wie  die  gewöhnlichen  Kaltaren ;  dagegen 
war  das  Wachsthum  in  den  mit  Wasser  verdünnten  Kaltaren  sehr 
rasch,  ebenso  wie  die  Sporenbildung.  Das  beweist  nur,  dass  der  das 
Wachsthum  hindernde  Hemmstoff  die  Wirkung  ausübt,  dass  der  ad 
das  Mycelprotoplasma  einwirkende  Sauerstoff  in  demselben  eine  Reihe 
von  Oxydirungen,  Verbrennungen  oder  Zersetzungen  hervorruft,  durch 
welche  die  Kohlenwasserstoffverbindungen  verzehrt  werden,  während 
als  Rest  die  Stickstoffverbindungen  übrig  bleiben,  die  den  Haupt- 
bestandteil der  Sporen  bilden.  Diese  Erscheinungen  sollen  nun, 
nach  der  Ansicht  des  VerTs,  das  Wesentliche  bei  dem  Vorgang  der 
Sporenbildung  sein.  Nicht  wegen  Erschöpfung  seines  Nährbodens. 
sondern  weil  er  sich  mit  den  Stoffwechselprodukten  seines  Wachs- 
thums  vergiftet,  treibt  der  Milzbrandbacillus  keine  Sporen ;  bei  dieser 
Vorbedingung  erzeugt  der  Sauerstoff  in  dem  Protoplasma  eines  ani 
ungünstigem  Boden  vegetirenden  Mycels  eine  Reibe  chemischer  Cm- 
Wandelungen,  die  dessen  Respirationselemente  erschöpfen  und  als  End- 
ergebniss  die  Bildung  der  Sporen  bedingen,  welche  demgemäss,  unter 
sonst  gleichen  Verhältnissen,  um  so  rascher  vor  sich  gehen  wird,  je 
lebhafter  und  direkter  jene  Einwirkung  ist    S  e  n  t  i  n  o  n  (Barcelona). 

Naunyn,  Ueber  das  Vorkommen  von  Spaltpilzen  in  der 
Gallenblase.  [Sitzung  des  naturwiss.-medicin.  Vereins  in  Stras- 
burg  vom   16.  L  1891.1    (Deutsche  medicin.  Wochenschr.   1891 
No.  5.) 
Die  Galle  zweier  normaler  Hunde,  intra  vitam  entnommen,  er- 
wies sich  als  steril.    Ebenso  die  in  zwei  Fällen  (von  Phthisis  pal- 
mon.)  aus  menschlichen  Leichen  1—5  Stunden   nach  dem  Tode  aas 
der  Gallenblase  entnommene  Galle;  in  einem  dritten   Falle  (Kom- 
pressionsmyelitis mit  Septikämie)  wuchs  auf  Agar-Agar  ein  grosser 
Goccus,    der   einen   gelben,    dicken    Rasen    bildete;   dieser  Mikro- 
organismus wurde  nicht  weiter  untersucht 

In  drei  Fallen  von  Cholelithiasis  wurde  der  bei  Lebzeiten 
mittelst  Probepunktion  entleerte  Gallenblaseninhalt  bakteriologisch 
untersucht;  in  zweien  davon  war  die  gewonnene  Flüssigkeit  steril. 
Im  dritten  Fall  wurde  aus  der  fast  wasserhellen,  wenig  getrübten 
Flüssigkeit  ein  Bacillus  in  Reinkultur  gewonnen,  welcher  einerseits 
mit  dem  Bacterium  coli  commune  Escherich's,  anderer- 
seits mit  dem  Friedländer'schen  Diplobacillus  Aehnlich- 
keit  zeigte.  Die  mikroskopische  Untersuchung  zeigte  kurze,  dicke, 
ziemlich  lebhaft  bewegliche  Stäbchen,  meist  zu  Diplobacillen  angeord- 
net, selten  in  Verbänden  von  4—6  Gliedern.  Der  Bacillus  wächst 
schon  bei  Zimmertemperatur  auf  allen  gebräuchlichen  Nährmedien, 
bei  37°  wächst  er  sehr  rasch;  die  Gelatine  verflüssigt  er  nicht;  ä 
ist  fakultativ  anaerob.  Thierversuche:  Zwei  Hunden  wurde  nach  Unter- 
bindung des  Choledochus  eine  Reinkultur  des  Bacillus  in  die  Gallen- 
blase injizirt;  beide  starben,  der  eine  nach  36  Std.  an  Peritonitis 
der  andere  nach  74  Stunden ;  im  Peritonealexsudat,  GallenblaaeniDbaX 
und  im  Herzblut  fand  sich  bei  beiden  nur  der  Bacillus,  ferner  fanfl 
sich  bei  der  Sektion  starke  Angiocholitis,  Schwellung  und  Hyperäm» 


Bakterien  in  der  Gellenbtae.  —  Diphtherie.  93 

der  Leber;  bei  dem  nach  74  Std.  verstorbenen  Hunde  fanden  sich  in 
der  Leber  zahlreiche  nekrotische  Herde. 

Ton  dem  Bacillus  Escherich's  unterscheidet  sich  der  von 
Naunyn  gefundene  vor  Allem  dadurch,  dass  letzterer  für  Mäuse 
pathogen  ist  (dieselben  sterben  in  12—24  Stunden;  im  Blut  und  in 
der  vergrösserten  Milz  finden  sich  massenhaft  Bacillen);  ferner  auch  da- 
durch, dass  er  auf  Kartoffeln  einen  grauen  (nicht  gelben)  Rasen 
bildet;  auch  istdasBacterium  coli  commune  schlanker.  Vom 
Friedländer' sehen  Bacillus  unterscheidet  sich  der  hier  beschrie- 
bene dadurch,  dass  er  keine  Nagelkulturen  bildet  und  bei  der  6 ram- 
schen Färbung  nicht  entfärbt  wird. 

Naunyn  bemerkt,  dass  bereits  von  Gilbert  und  Girode 
(s.  das  Referat  in  diesem  Centralblatt.  Bd.  IX.  S.  413),  sowie  von 
Bouchard  aus  dem  Inhalt  der  Gallen  wege  ein  Bacillus  gezüchtet  ist, 
der  mit  dem  von  ihm  gefundenen  identisch  sein  dürfte.  [Ref.  möchte  noch 
auf  die  etwa  gleichzeitig  mit  der  hier  besprochenen  Mittheilung  erschie- 
nene Veröffentlichung  von  V  e  i  1 1  o  n  und  J  a  y  1  e  aufmerksam  machen ; 
diese  Autoren  fanden  das  Bacterium  coli  commune  im  Eiter  eines 
dysenterischen  Leberäbscesses ;  wahrscheinlich  handelte  es  sich  hier 
um  eine  sekundäre  Einwanderung  des  Bacillus.  (Vgl.  d.  Ref.  in  diesem 
Centralblatt  Bd.  IX.  &  382.)  —  Bei  einem  Fall  von  multiplen  Leber- 
abscessen  nach  Perityphlitis,  welcher  im  Oktober  vorigen  Jahres  auf 
der  hiesigen  medizinischen  Klinik  starb,  hat  Ref.  in  dem  —  aller- 
dings erst  bei  der  Sektion  entnommenen  —  Eiter  ebenfalls  das 
Bacterium  coli  commune  in  Reinkultur  gefunden.] 

R.  Stern  (Breslau). 

Barbier,!.,  De  la  transmissibilitä  de  la  diphtbörie  avi- 
aire  ä  l'homme.  (Annales  de  la  Soci&ä  medico-chirurgicale 
de  Ltege.    1891.  Avril.) 

Nach  kurzer  Uebersicht  über  die  bisherigen  Theorieen  über  die 
Identität  der  thierischen  und  menschlichen  Diphtherie  berichtet  Verf. 
über  die  beträchtliche  Sterblichkeit  durch  diese  Krankheit.  In  der 
Soci6t6  de  m&lecine  publique  de  Belgique  ist  von  Dr.  Schrevens 
vorgeschlagen  worden,  dass  jeder  Arzt  die  Resultate  seiner  eigenen 
Praxis  mittheilen  sollte,  welche  für  oder  gegen  den  thierischen  Ur- 
sprung der  Diphtherie  sprechen.  Als  Antwort  auf  diesen  Aufruf  ver- 
öffentlicht Verf.  den  folgenden  höchst  interessanten  Fall: 

Eine  67- jährige  Frau,  welche  viele  italienische  Hühner  besass, 
hatte  bei  denselben  manchesmal  Diphtheriefälle  bemerkt,  für  welche 
Krankheit  diese  Hühnerrasse  höchst  empfänglich  ist:  Daher  fasste 
sie  den  Entschluss,  den  Hühnerstall  zu  reinigen  und  zu  desinfiziren ; 
sie  selbst  hatte  die  Arbeitenden  dirigirt,  und  war  dazu  verschiedene 
Male  in  den  Stall  eingetreten.  Am  zweiten  Tage  erkrankte  die  Frau, 
und  am  drittem  Tage  bot  sie  das  Bild  einer  ausgesprochenen  Diph- 
therie. 

Hervorzuheben  ist,  dass  die  Frau  seit  drei  Wochen  nicht  aus 
dem  Hause  herausgekommen  war  und  dass  kein  anderer  Fall  in  der 
Gegend  existirte.  Das  Alter  der  Frau  ist  auch  eine  Grundlage  für  die 
wahrscheinliche  thierische  Infektion.       R.  Verhoogen  (Brüssel). 


94  Py«ioB«pfaritb. 

Höflich,  C,   Die  Pyelonephritis  bacillosa  des  Rindes. 

(Monatshefte  für  prakt.  Thierheiikunde.  Bd.  II.  Heft  5.) 
Enderlen,  E.,  Primäre  infektiöse  Pyelonephritis  beim 
Rind.    (Deutsche  Zeitschrift  f.  Thiermedicin.    Bd.  XVII.    1891. 
Heft  4) 

Die  bisher  kurzweg  unter  dem  Namen  Pyelonephritis  wohlbe- 
kannte Entzündungsform  der  Nieren  des  Rindes  ist  eines  der  aller- 
häufigsten  Leiden  dieses  Hausthieres,  ein  chronisch  destruirender 
Prozess,  dessen  Unteilbarkeit  und  Folgen  eine  frühzeitige  Wertbmiu- 
derung,  eine  vorauszusehende  Kachexie  und  die  Nothlage  der  Schlach- 
tung bedeutet  und  welche  damit  für  Viehhandel  und  Viehzucht  eine 
besondere  Wichtigkeit  besitzt 

Auf  Schlachthäusern  und  Sektionstischen  ist  der  Fund  derartig 
kranker  Harnorgane  ein  ganz  gewöhnliches  Ereigniss,  das  pathologisch 
anatomische  Bild  seit  langem  in  allen  Entwickelungsphasen  der  Ano- 
malie gut  bekannt;  in  vorgeschrittenen  Stadien,  zumal  bei  Miter- 
griffensein  der  harnleitenden  Wege  verfügt  auch  die  klinische  Dia- 
gnostik über  gute  Erkennunggmerkmale,  die  Anfangs-  und  mittleren 
Stadien  der  Pyelonephritis  indes  entzogen  sich  vielfach  der  Diagnose 
am  lebenden  Thier.  Hier  greifen  nun  namentlich  die  bakteriologischeil 
Nachweise  obiger  Autoren  helfend  ein  und  gestalten  die  Krankheits- 
form auch  ätiologisch  zu  einer  wohlumschriebenen. 

Die  Pyelonephritis  des  Rindes  wird,  soviel  Ref.  aus  eigenen  Sek- 
tioneu  und  Mittheilungen  von  Thierärzten  weiss,  meist  beiderseitig 
angetroffen  und  ist  sehr  häufig  begleitet  von  chronischer  mit  Ektasie 
verknüpfter  Entzündung  der  Harnleiter  und  der  Blase.  In  vollende- 
ter Ausbildung  sind  die  Nieren  bis  zum  doppelten  Volumen  in  toto 
vergrössert,  die  Gewichtszunahme  einer  Niere  ebenso  auf  900 — 1500  g 
vorgeschritten  (normal  400—500),  der  Längendurchmesser  auf 
30—34  cm,  Breitendurchmesser  auf  18,  Tiefendurchmesser  auf  8—10  cm 
gestiegen.  Es  pflegen  die  sämmtlichen  Lappen  der  Rindsniere  von 
der  Entzündung  ergriffen,  zu  sein  und  zwar  multipel  herdförmig, 
selbst  disseminirt  oder  diffus,  doch  begegnet  man  auch  partiell  loba- 
ren  Veränderungen. 

Nach  Entfernung  der  Fettkapsel,  welche  häufig  im  Zustande 
kollateralen  Oedems  gefunden  wird,  gewahrt  man  als  auffällig  eine 
durch  die  Propria  schimmernde  fleckige  Verfärbung  der  Nierenober- 
fläche, die  Propria  ist  bei  vorgeschrittener  Pyelonephritis  oft  partiell 
mit  der  Oberfläche  verwachsen,  im  Uebrigen  leicht  ablösbar,  oft  unter 
derselben  ein  seröses  Exsudat,  welches  der  Nierenoberfläche  saftigeu 
Glanz  verleiht.  Die  fleckige  Beschaffenheit  ergibt  sich  durch  eiue 
bellgelbbraune,  grauweisse,  graugelbe  und  gelblichweisse  Färbung 
der  erkrankten  Partieen,  von  welchen  die  Reste  normalen  oder  re- 
lativ normalen  Nierengewebes  durch  rothbraunes  Kolorit  sich  abheben. 
Die  lichten  Flecke  sind  von  unregelmässiger  Gestalt  und  Ausbreitung, 
bald  punktförmig  bis  hirsekorngross,  bald  linsen-,  erbsengross  und 
darüber  hinaus.  Die  so  verfärbten  Partieen  sind,  solange  das  Ge- 
webe als  zellig  infiltrirt  und  von  jungem  Keimgewebe  besetzt  gelten 
muss,  im  Niveau  der  Niere  oder  darüber  etwas  vorragend,  bei  altem 
Bestände  aber,  wo  sie  fibrös  gewordene  Herde  veranschaulichen,  re- 


Pyelonephritis.  95 

trahirt,  so  dass  alsdann  die  Reste  normal  brauner  Nierenrinde  über 
die  vertieften  Flecke  prominiren.  Auf  Nierendurchschnitten  sieht 
man  die  Oberflächenflecke  sich  kegelförmig  und  radiär  als  gelbgraue 
bis  weisse  Streifen  in  das  Parenchym  fortziehen,  so  dass  zwischen 
den  Streifen  noch  Züge  normalen  oder  atrophischen  Nierenrindenge- 
webes  in  roth-,  grau-,  gelblichbrauner  Farbe  alternirend .  verbleiben. 
Innerhalb  der  ins  Helle  gehenden  Flecke  sowie  der  braunen  Partieen 
sind  meist  besondere  gelblich-  und  gelbgraue  Herde  als  Stecknadel- 
kopf- bis  erbsengrosse  prominente  Einlagerungen  ins  Auge  fallend, 
welche  gewöhnlich  umsäumt  von  Blutungspunkten,  zerstreuten  hyper- 
ämiachen  Flecken,  auch  blutiger  Imbibition,  sehr  abstechen,  schon 
von  der  Oberfläche  her,  ebenso  auf  der  Schnittfläche  zu  treffen  sind 
und  puriforme  Erweichung  zeigen.  Der  Grenzsaum  der  Markschicht 
and  diese  selbst  bieten  mehr  oder  weniger  Hyperämie  und  sind  durch- 
brochen von  den  aus  der  Rinde  hereinziehenden  weissen  bis  gelb- 
grauen Streifen. 

Auf&nig  und  charakteristisch  sind  stets  das  Nierenbecken  und 
dessen  Fortsetzungen,  die  Nierenkelche,  verändert.  Diese  sonst  dünn- 
rährigen  und  dünnwandigen  Zuflüsse  des  Harnleiters  sind  erheblich 
erweitert,  vorgewölbt,  verdickt,  so  dass  beim  Aufschneiden  die  Wände 
sich  als  derb  fibrös  und  auf  das  8— 5  fache,  oft  bis  zu  Fingersdicke 
gehende,  verdickt  erweisen.  Bei  ihrer  Eröffnung  kommt  schmutzig- 
grauer,  graugelber,  gelbbrauner,  auch  schmutzig  rother,  wolkig  flocki- 
ger Inhalt  von  schleimig-eitriger,  stark  fadenziehender  Beschaffenheit 
zum  Vorschein.  Neben  der  Harnbeimengung  zu  diesem  Inhalte  können 
auch  Blutgerinnsel  und  Harnsedimente,  letztere  als  fühlbare,  knir- 
schende Körner,  rundliche  und  eckige,  bräunliche  Konkremente  ver- 
schiedener Grösse  vorliegen.  Die  Schleimhaut  ist  entweder  bloss  ge- 
quollen, eine  gering  verdickte  Zone  auf  dem  Wandquerschnitt  bildend, 
und  stellenweise  ramifizirt  geröthet,  oder  sie  ist  stark  verdickt,  von 
rauher,  filziger  Beschaffenheit,  mit  schieferigen  Pigmentirungen, 
frischen  und  älteren  Blutungspunkten,  selbst  Ulcerationen  besetzt. 

Durch  die  Anwesenheit  dieses  Inhaltes  ist  das  Nierenbecken  meist 
in  einen  flnktuirenden  Sack  umgewandelt  und  der  Harnleiter  stellt 
gleichermaassen  einen  ektasirten  dickwandigen,  bis  zu  zwei  Finger 
breiten  Schlauch  dar.  Die  in  den  Nierenkelchen  angehäuften  Massen 
des  Harnexsudatgemenges  lagern  um  die  Nierenwärzchen  und  be- 
decken dieselben.  In  vorgeschrittenen  Fällen  sind  die  Nierenwärzchen 
entweder  durch  Ulceration  oder  durch  den  Druck  jener  Massen  un- 
tergegangen, an  ihrer  Stelle  ist  ein  Hohlraum,  mündend  in  den  ver- 
größerten Nierenkelch,  welcher  ganz  mit  dem  eitrigen,  griesig-sandi- 
gen  Harnbrei  angefüllt  ist.  Indem  die  anfangs  verbreiterte,  ge- 
schwellte Nierenrinde  durch  das  Umsichgreifen  der  Entzündung  mehr 
und  mehr  in  Bindegewebe  umgewandelt  wird  und  der  absondernde 
Theil  der  Niere  sowohl  durch  diese  interstitielle  Entzündung  degene- 
rirt,  wie  die  Markmasse  durch  die  Anhäufungen  in  den  Nierenkelchen 
zum  Schwunde  kommt,  trifft  man  gegen  Ende  des  Prozesses  das 
Nierenparenchym  auf  eine  bindegewebige,  oft  nur  ein  paar  Millimeter 
dünne  Aussenschicht  reduzirt  und  den  einzelnen  Nierenlappen  in  eine 
Btercyste  umgewandelt    Es  ist  von  aussen  schon  durch  die  Fluk- 


96  PjrdoAephritU. 

tuation  and  die  grauweisse  Farbe  des  Renculus  dies  erkenntlich 
und  kann  die  Anomalie  lobulär  sein.  Meist  aber  ist  die  Veränderung 
von  multipel  lobulärer  Ausbreitung  und  nicht  selten  werden  alle 
Lappen  so  verändert  angetroffen,  dass  die  ganze  Niere  einen  volumi- 
nösen Eitersack  darstellt,  an  dem  durch  die  Beste  bindegewebig 
gewordener  Rindenschicht  die  ehemalige  Lappung  noch  angedeutet 
ist,  die  einzelnen  Fächer  der  früher  lobären  Eitercysten  aber  mit  dem 
Nierenbecken  zusammenlaufen  und  der  Gesammthohlraum  bis  zu  einem 
Liter  Eiter  enthalten  kann  (Pyonephrose). 

Schon  von  Siedamgrotzki,  Pflug,  Dammann  liegen  aus 
den  sechziger  Jahren  treffende  Beschreibungen  des  vorwttrfigen  Lei- 
dens vor.  Während  Pflug  den  Fund  von  Bakterien  bei  Pyelone- 
phritis negirend  glossirte,  ist  Dam  mann  durch  den  Nachweis  von 
Mikrokokken  in  den  gelben  Herden  der  Nieren  beeinflusst  worden. 
Beiner  Abhandlung  den  Titel  Nephritis  bacteritica  (?)  zu  geben. 
Nächstdem  haben  Zschokke,  Hess  und  Mazzanti  die 
Anwesenheit  von  Kokken  und  Bacillen  bei  einigen  Fällen  von  Pyelo- 
nephritis notirt,  theilweiBe  auch  Kulturversuche  angefangen,  ohne  in- 
des die  Betheiligung  von  Mikroorganismen  zu  einem  Charakteristikum 
zu  erheben.  Mazzanti,  welcher  die  bakteriologische  Prüfuug 
etwas  eingehender  behandelt,  wies  Kokkenformen  auch  mit  Gram* 
scher  Färbung  nach. 

Seitdem  vor  etwa  2  Jahren  W.  G.  Johns  ton  (Montreal)  bei 
gelegentlichen  mikroskopischen  Untersuchungen  von  Pyelonephritis- 
fällen,  deren  Material  aus  dem  Schlachthause  und  diversen  Einsen- 
dungen stets  reichlich  an  die  tierärztliche  Hochschule  zu  München 
kam,  mittelst  Gram1  scher  Färbung  im  Schnitte  sehr  typische 
Bilder  einer  Bacillenansiedlung  in  den  Harnkanälchen  vorzeigte, 
wurden  die  meisten  der  einkommenden  Präparate  zu  bezüglicher 
Nachsuche  verwerthet  Hierbei  konstatirte  C.  Höflich  die  kon- 
stante Wiederkehr  einer  bestimmten  Bacillensorte :  2—3  p  lange, 
0,7  fi  breite,  zum  Theil  etwas  gekrümmte,  an  den  Enden  abgerundete, 
sich  gleichmässig  färbende,  besonders  gut  nach  Gram  tingible Stab- 
chen in  den  erkrankten  Nieren  und  dem  Harnexsudatgemenge  der 
Nierenbecken  und  Harnleiter. 

£.  Enderlen,  welcher  in  gleicher  Periode  ähnliche  Unter- 
suchungen ausführte,  fand,  unabhängig  von  den  beiden  Vorgenannten, 
in  Deckglasausstrichen  und  bei  Schnittfärbungen  nach  Gram  und 
Weigert  die  Stäbchen,  deren  Länge  er  auf  2,1—2,8  ^  deren 
Breite  er  ebenfalls  auf  0,7  (x  und  die  übrigen  Merkmale  überein- 
stimmend mit  H  ö  f  1  i  c  h  angibt.  Enderlen  beschrieb  des  Nähe- 
ren 6  Fälle,  welche  bakteriologisch  geprüft  wurden,  Höflich  eine 
Auswahl  von  8  Fällen.  Die  nach  Obigem  gut  charakterisirten  Ba- 
cillen, welche  sich  auch  dadurch  auszeichnen,  dass  sie  in  grösseren 
oder  kleineren  Haufen  bei  einander  liegend  angetroffen  werden,  sind 
in  einigen  frischen  Fällen,  anscheinend  wie  in  Reinkultur,  im  eitrigen 
Harn,  sowie  im  Nierengewebe  von  beiden  Autoren  vorgefunden  wor- 
den, andere  Male  gemengt  mit  verschiedenen  Bakteriensorten.  Be- 
sonders wichtig  dürfte  erscheinen,  dass  Höflich  bei  einer  an 
Pyelonephritis  leidenden  lebenden  Kuh  in  dem  aufgefangenen  Harn, 


Pyelonephritis.  97 

welcher  frisch  einen  Bodensatz  aas  rothen  and  weissen  Blutzellen, 
Harnkan&Ichenepithel  und  Plattenepithel,  sowie  Tripelphosphat  be- 
sass,  Haufen  jener  Bacillensorte  mit  Gram9 scher  Färbung  nachwies 
und  damit  die  klinische  Diagnose  Pyelonephritis  fixirte.  Die  Sektion  be- 
stätigte diese  Diagnose  vollauf,  wie  in  der  überschriebenen  Abhandlung 
des  Genaueren  erörtert.  Die  mikroskopische  Erkennung  des  Leidens, 
an  das  Auftreten  jener  Zellenelemente  und  namentlich  des  Tripel- 
phosphats  im  frischen  Harn  geknüpft,  ist  sonach  um  ein  ausschlag- 
gebendes Hülfemittel  bereichert  An  mikroskopischen  Schnitten  durch 
die  erkrankten  Nieren  (Cathcart's  Gefriermikrotom  oder  Paraffin- 
einbettong)  fanden  beide  Autoren  die  Bacillen  stets  und  hauptsäch- 
lich in  den  geraden  Harnkanftlchen  aufgestapelt,  in  Ausnahmefällen 
in  den  Glomerulis. 

Die  Strukturänderungen  sind  die  einer  Bindegewebszuwucherung 
der  Interstitien,  häufig  herdweise  unterbrochen  von  zelliger  Infiltra- 
tion, namentlich  fleckweise  allenthalben  in  der  Rinde,  manchmal 
gegen  das  Mark  Tordringend,  ferner  Wandverdickung  der  Gefässe, 
Erweiterung  der  Harnkanälchen,  letztere  gefüllt  mit  gequollenen,  ge- 
trübten, der  Kerne  verlustigen  Epithelien,  zwischendurch  normales 
Kanalwerk,  partiell  Schrumpfung  und  Verödung  der  Glomeruli  und 
Kanäle.  Die  Reinkultur  des  Bacillus  (Bacillus  pyelonephri- 
tidis  boum)1)  gelang  Enderlen  in  4,  Höflich  in  2  Fällen, 
die  Kultur  hatte  im  Allgemeinen  ihre  Schwierigkeiten,  weil  das  Ma- 
terial häufig  Bakteriengemische  bot  und  die  WachsthumBenergie  auf 
künstlichen  Nährböden  überhaupt  eine  geringe  zu  sein  scheint.  Nach 
Enderlen  gedeiht  der  Bacillus  am  besten  bei  37°  G,  spärlich  bei 
Zimmertemperatur,  bildet  auf  Agarplatten  kleine,  graue,  punktförmige 
Kolonieen,  wobei  die  Ränder  der  jüngeren  scharf,  der  älteren  buchtig 
sind;  auf  Agarstichkultur  ist  das  Oberflächenwachsthum  gering,  längs 
des  Stichs  fein  bandförmig,  feine  Kügelchen  am  Rande.  Auf  Blut- 
serum sind  die  Kolonieen  ähnlich,  nur  etwas  grösser,  im  Kondensa- 
tionswasser ein  feiner  Niederschlag  am  Boden.  In  Bouillon  ein  fein- 
körniger Bodensatz,  darüber  ungetrübte  Flüssigkeit.  Auf  Kartoffeln, 
Gelatine,  in  Milch  konnte  Enderlen  keine  Entwicklung  wahrnehmen, 
ebenso  nicht  bei  Anaerobkultur  (Buchner's  Pyrogallolmethode). 

Höflich  sah  den  Bacillus  nur  in  jenen  Gläsern  sich  zur  Ver- 
mehrung anschicken,  welche  bei  37°  aufgestellt  waren,  die  Kulturen 
gelangen  auf  Fleischwasser-Agar-Agar,  etwas  stärker,  wenn  diesem 
Glycerin  zugesetzt  war.  Im  Allgemeinen  sind  die  Kulturmerkmale 
gleich  den  von  Enderlen  beschriebenen,  die  geringen  Unterschiede 
einer  mehr  üppigen  Entfaltung  der  Kolonieen  mögen  der  Kultur  auf 
dem  glycerinhaltigen  Substrate  und  dem  Umstände  zuzuschreiben 
sein,  dass  Höflich  auf  stets  frisch  bereiteten  Nährsubstraten  das 
Wachsthum  Terfolgte,  indem  er  erkannte,  dass  die  Nährböden,  wenn 
einige  Zeit  aufbewahrt,  matte  Kulturen  lieferten ;  häufig  blieb  beim 
Besten  von  Nährlösungen,  die  schon  vor  einigen  Wochen  hergestellt 
waren,  jegliches  Wachsthum  aus,  während  beim  Ueberimpfen  derselben 

1)  In  einer  Nachtragsnotiz,  welche  BoUinger  su  Enderlen's  Arbeit  gab, 
*cblue  Erstem  den  Namen  Bacillus  renalis  vor. 

X.UL  7 


98  Pyelonephritis. 

Reinkultur  auf  neu  bereitete  Nährböden  das  frühere  starke  Gedeihen 
wieder  bemerkbar  wurde. 

Nach  Höflich1  s  Beschreibung  haben  die  Kolonieen,  welche  in 
4 — 6  Tagen  zuweilen  bis  zu  V« — 1  mm  hohen,  glänzend  grauweissen 
Belägen  im  Streifen,  oder  in  Punkten  zu  hirsekorn-  und  halblinsen- 
grossen  Köpfchen  gedeihen,  eine  charakteristische  Bchleimig-faden- 
ziehende  Beschaffenheit,  er  konnte  sie  auch  anagrob  nach  Büchner' s 
Methode  kultiviren.  Aussehen,  Haufenbildung  und  Färbbarkeit  der 
kultivirten  Bacillen  ist  gleich  denen  der  Niere;  von  Höflich  und 
Enderlen  ist  Sporenbildung  negtrt  worden.  Die  Prüfung  auf 
pathogene  Effekte  wurde,  von  Höflich  und  Enderlen  zu- 
nächst durch  Einbringung  von  Kulturmaterial  in  die  Blase  mittelst 
Kathederisirens  bei  Kühen  versucht  Eine  typische  Erkrankung  der 
Harnorgane  trat  nicht  ein,  nur  in  einem  Fidle  (Höflich)  hielten 
sich  die  Bacillen  offenbar  in  der  Harnblase  in  Vermehrung,  denn  auf 
mehrere  Wochen  gab  die  Kuh  einen  Harn,  welcher  frisch  regelmäss1 
kleine  Grieskörnchen  beherbergte,  die  nur  aus  den  Bacillenhaufen  ge- 
formt waren.  In  diesen  Körnchen,  welche  bis  zu  Hirsegrösse  und  bis  zu 
50  an  Zahl  im  aufgefangenen  sonst  normalen  Harn  anzutreffen  waren, 
schienen  die  Bacillen  wie  durch  eine  Kalkmasse  zusammengehalten. 
Ausserdem  zeigte  die  Kuh  Erscheinungen,  welche  auf  eine  Nieren* 
oder  Blasenerkrankung  hätten  deuten  können;  bei  der  Schlachtung 
war  zwar  der  Befund  von  2  Nierencysten  damit  in  Einklang,  indes 
ein  sicherer  Zusammenhang  mit  der  Impfung  Mangels  typischer  Ano- 
malieen  der  Harnwege  nicht  konstatirbar.  Die  Blaseninjektion,  welche 
Enderlen  bei  Meerschweinchen,  dann  mit  Laparotomie  und  Blasen- 
eröflhung  an  Kaninchen  vornahm,  lieferte  ebenfalls  keine  Urocystitis 
und  Pyelonephritis.  Bei  intravenöser  einfacher  Injektion,  welche 
Enderlen  beim  Kaninchen,  Höflich  beim  Rinde  vornahm,  kam 
weder  in  der  Lunge,  noch  in  den  Nieren  eine  Anomalie.  Als  dagegen 
Enderlen  durch  Unterbindung  des  Ureters  vorerst  eine 
Harnstauung  und  damit  eine  Erkrankungsdisposition  einer  Niere  schuf, 
hatte  die  intravenöse  Injektion  die  Folge,  dass  in  der  geschä- 
digten Niere  bei  einem  Kaninchen  sich  die  Bacillen  vom  Blute  her 
ansiedelten  (Nekrose  der  Nierenpapille,  enorme  Anhäufung  der 
Stäbchen  im  Nierengewebe  und  Nierenbecken  [Weigert '8  Fibrin- 
färbung]). 

Bei  subkutanen  Impfungen  (Mäuse,  Meerschweinchen)  erzielte 
Enderlen  theilweise  Eiterung,  theil weise  verlief  die  Injektion  ohne 
Alteration,  letzteres  traf  auch  bei  intraperitonealer  und  intrapulmo- 
naler Injektion  (Meerschweinchen)  ein.  Impfung  in  die  Vorderaugen- 
kammer  hatte  eine  Iritis,  welche  wieder  abheilte,  im  Gefolge. 

Zu  der  Arbeit  Enderlen's  gab  Bollinger  in  einem  Nach- 
trage einige  erläuternde  Bemerkungen,  woselbst  er  erwähnt,  dass  Bol- 
linger schon  1890  die  Resultate  der  Enderlen 'sehen  Forschungen 
in  einer  Sitzung  der  Naturforscher  zu  Bremen  besprach,  wie  denn 
auch  in  Höfliches  Arbeit  der  privatim  von  Enderlen  erfahrene 
Bacillenfund  vorauf  citirt  wurde.  Bollinger1 s  Ansicht,  dass  die 
betreffende  Pyelonephritis  meist  einseitig  vorkommt,  dürfte  Wider- 
spruch erfahren. 


Pyelonephriti».  —  Mikroorganismen  auf  Trauben.  99 

Die  Annahme  hamatogener  Natur,  wie  sie  von  Bollinger  ver- 
muthet,  durch  den  E  n  d  e  r  le  n '  scheu  Versuch  nahegelegt,  durch  die 
Fände  jener  Formen,  welche  das  Gepräge  der  Embolie  haben  (Fall  4 
v.  Höflich),  veranschaulicht  ist,  passt  mehr  noch  auf  doppelseitige 
Xierenaffektionen.  Die  ebenfalls  von  Bollinger  erwähnte  urogene 
Infektion  hat  von  jeher  in  den  Beobachtungen  Stütze  gefunden,  dass 
nach  dem  Geburtsvorgange  die  Pyelonephritis  bei  Kühen  sich  ein- 
stellte, durch  Metritis,  Vaginitis,  Nachgeburtsausfaulen  hierbei  viel- 
leicht in  die  weite,  ventral  gelegene  weibliche  Harnröhre  und  Blase 
Mikrophyten,  namentlich  Eiterbakterien  eingelangen,  im  Harn  sich 
vermehren  und  aufsteigend  eine  Blasen-Harnleiter-Nierenentzündung 
ervorrufen.  Die  Miterkrankung  der  harnleitenden  abführenden  Wege 
ist  in  der  That  meist  eine  so  starke,  dass  die  Nephritis  als  sekundär 
imponirt,  da  indes  auch  die  Nierenanomalie  isolirt  getroffen  wird,  so 
ist  die  Art  der  Invasion  wohl  doppelt  möglich  und  bedarf  noch 
weiterer  Untersuchungen.  Es  mag  gerade,  wie  Enderlen  anführt, 
das  begünstigende  Moment  der  Trächtigkeit  in  der  Schaffung  von 
Harnstauungen  liegen.  Bei  Stieren  und  Ochsen  scheint  die  Pyelo- 
nephritis selten,  aber  ebenfalls  doppelseitig  beobachtet 

Zu  den  besprochenen  Arbeiten,  welche  beide  in  der  Ueberein- 
stimmoDg  der  von  einander  unabhängigen  Funde  deutlich  die  Richtig- 
keit der  Beobachtungen  und  Schlüsse  dokumentiren  und  sich  aufs 
Schönste  ergänzen,  lieferte  Enderlen  kolorirte  Bilder  der  erkrankten 
Niere  und  der  Infektionserreger,  Höflich  die  Druckkopie  eines 
Photogramms  des  Bacillus  pyelonephritidis. 

Kitt  (München). 

Xartinand,  V.  et  Bletsch,  M.,  Des  micro-organismes  que 
Ton  rencontre  sur  les  raisins  mürs  et  de  leur  d6ve- 
loppement  pendant  la  fermentation.  (Comptes  rendus 
de  l'Acadämie  des  sciences  de  Paris.  Tome  CXII.  p.  736  ff.) 
Dm  ein  Urtheil  über  das  Wesen  und  die  Zahl  der  Mikroorga- 
nismen an  der  Oberfläche  der  Trauben  zu  gewinnen,  wandten  Verff. 
zunächst  die  von  Pasteur  (fitudes  sur  la  bi&re)  angegebene  Methode 
ai.  Sie  brachten  einzelne  Beeren  in  Probirgläser  mit  sterilisirter 
zuckerhaltiger  Flüssigkeit  und  beobachteten  sie  mehrere  Tage  lang. 
Bei  Benutzung  der  Trauben  von  Fleurie,  Pouilly  blanc,  Volney, 
Montrachet,  Alexe,  Corton,  Clos-Vougeot,  Ghambertis,  Folie  blanche 
de  Saujon  und  einer  im  Midi  gemeinen  Art  füllten  sich  sämmtlkhe 
Gläser  mit  Schimmel,  ohne  zu  gähren.  Bei  drei  (von  10)  im  Süden 
Frankreichs  und  Algiers  verbreiteten  Arten,  3  Proben  von  den  Cötes 
röties,  bei  solchen  von  la  Chapelle  de  Guinchay,  Ghenas,  Thorins, 
Bordeaux,  Cabernet-Sauvignon  hatten  dagegen  alle  Gläser  gegohren. 
Bei  noch  anderen  Proben  variirten  die  Gläser  mit  Schimmel  und 
ohne  Gährung  im  Verhältnis  von  20—80  auf  100,  während  die 
übrigen  Gährung  zeigten.  Endlich  blieben  im  Ganzen  6%  der 
Gläser  klar. 

Die  gährende,  zuckerhaltige  Flüssigkeit  wurde  auf  Platten  aus- 
gösset, und  von  diesen  wurden  in  jedem  Falle  mehrere  Kolonieen  auf 
Agar  geimpft  und  einem  weiteren  Studium  unterworfen.    Dabei  fand 

7* 


100  MUurootiguiiaiBtn  auf  Trauben. 

es  sich,  dass  5  Gläser,  deren  Organismen  von  den  verbreitetsten 
Trauben  genommen  worden  waren,  nur  Saccharomyces  apicu- 
latus  enthielten.  Dasselbe  Resultat  ergaben  die  Trauben  von  Cotes 
röties,  Aloxe  und  Bordeaux.  Die  Gläser  von  verbreiteten  Trauben 
enthielten  20%  Saccharomyces  ellipsoideus,  sonst  Myco- 
dermen  und  Saccharomyces  apiculatus. 

Um  annähernd  die  Zahl  der  entwickelungsfähigen  Mikroorga- 
nismen zu  bestimmen,  welche  auf  der  Traubenoberfläche  sitzen,  wurde 
ein  Stück  Traube  genau  abgewogen,  wiederholt  in  sterilisirtem  Wasser 
mittelst  sterilisirter  Pipette  abgewaschen  und  von  dem  Wasser  1  oder 
einige  ccm  auf  Platten  mit  Malzgelatine  ausgesät.  Beim  Zählen  der 
Kolonieen  kamen  für  die  Algerischen  Trauben  auf  das  Gramm  Traube 
430000  Kolonieen ,  sämmtlich  zu  Saccharomyces  apiculatus 
gehörig.  Eine  Traube  von  Cdtes  röties  ergab  280000  Schimmelkolo- 
nieen  und  192000  Saccharomyces  apiculatus,  der  Pouilly 
1300  Schimmel-  und  170  andere  Kolonieen  verschiedener  Art,  der 
Corton-bressende  640000  Schimmel-  und  1440000  diverse  Kolonieen, 
der  Bordeaux  90000  Schimmel-  und  20000  diverse  Kolonieen,  eine 
Traube  vom  Marseiller  Markte  4000  Schimmel-  und  190000  Hefe- 
und  Mycodermenkolonieen,  eine  andere  derselben  Herkunft  68000 
Schimmel-  und  nur  200  andere  Kolonieen,  die  Folle-blanche  128000 
Schimmel-  und  keine  anderen  Kolonieen. 

Verschiedene  Proben  von  gedrückten  Trauben  überliess  man  der 
Gährung,  und  nach  24  Stunden  wurden  mit  der  Flüssigkeit  Platten- 
kulturen hergestellt.  Bei  20  Proben  von  verschiedenen  Gewächsen 
des  Beaujolais,  der  Bourgogne,  des  Bordelais,  der  Charente,  der  Cotes 
röties  wurden  die  Kolonieen  auf  der  Gelatine  nur  von  Schimmelformen 
und  Saccharomyces  apiculatus  gebildet,  und  erst  nach  wieder- 
holten Aussaaten  glückte  es,  den  Saccharomyces  ellipsoideus 
zu  finden. 

Weiter  wurde  an  4  anderen  Proben  der  Verlauf  der  Gährung 
während  mehrerer  Tage  verfolgt,  indem  man  nach  je  24  Stunden 
Plattenkulturen  herstellte.  Nach  72  Stunden  gab  die  Probe  von 
Meursault  nur  Saccharomyces  apiculatus,  nach  96  Stunden 
nahm  eine  besondere  My  codermaform  beinahe  alle  Plätze  ein;  nach 
120  Stunden  herrschte  von  Neuem  Saccharomyces  apiculatus 
vor,  nach  148  und  178  Stunden  hatte  Saccharomyces  ellip- 
soideus die  Oberhand  gewonnen.  Für  die  Proben  der  ßomante- 
Gonti  war  das  Ergebniss  dasselbe.  Nach  72  Stunden  erschien  Sac- 
charomyces ellipsoideus  neben  Saccharomyces  apicu- 
latus, aber  letzterer  blieb  bis  zum  Ende  der  Gährung  in  der 
Mehrzahl.  Eine  Probe  von  Belmont  gab  nach  72  Stunden  Saccha- 
romyces apiculatus,  und  dieser  hielt  sich  bis  zum  Ende; 
daneben  erschien  nach  96  Stunden  Saccharomyces  ellipsoi- 
deus. Die  vierte  Probe  vom  Marseiller  Markte  lieferte  während  der 
ganzen  Gährung  und  selbst  nach  einem  Monate  nur  Saccharomy- 
ces apiculatus  (der  Wein  war  sehr  süss  und  wenig  alkalisch). 

Dieselbe  Behandlung  erfuhr  noch  der  Hefeabsatz  40 — 50  Tage 
nach  der  Gährung.  Platten,  die  von  la  Chapelle  de  Guinchay  ange- 
legt waren,  wurden  von  Schimmelformen  bedeckt,  ebenso  die  von 


N 


\ 


Ifikroorgmnisinen  auf  Timnbeiw  —  PtUnsenkrankheiten.  101 

Pierry  (Champagne),  die  einen  starken  Essiggenich  wahrnehmen 
Hessen.  Denselben  Geruch  zeigten  die  Platten  von  Verrenay  and 
Romont  (Champagne)  und  Moulin-a-Vent ;  aber  die  Abwesenheit  der 
Schimmelformen  gestattete  hier  die  Unterscheidung  zahlreicher  Ba- 
cillenkolonieen.  Auf  den  Platten  von  Vollrath,  Markobrunn  (Rhein) 
fanden  sich  mindestens  80%  Kolonieen  von  Saccharomyces 
apiculatus,  auf  denen  von  Johannisberg  25%.  Dieselbe  Hefe 
trat  noch  in  etwas  geringerem  Verhältniss  auf  den  Platten  von  de 
Moussy,  Bouzy,  Chouilly,  Ay,  Haute-villiers  (Champagne)  auf. 

Nach  2  Monaten  hatten  die  Hefeabsätze  eine  bessere  Zusammen- 
setzung. Die  Schimmelformen,  Essigfermente  und  Saccharomyces 
apiculatus  waren  in  geringerer  Menge  vorhanden  in  den  Hefeab- 
sätzen von  Charentes,  Ribeauvilte  (Alsace)  und  dem  der  rheinischen 
Gewächse.  Zwei  von  Burgund,  9  Monate  nach  der  Weinlese  unter- 
sucht, enthielten  nur  eine  geringe  Zahl  lebender  Mikroben  und  wur- 
den besonders  von  Saccharomyces  ellipsoideus  und  etwas 
Essigferment  gebildet  Eine  sterilisirte  Maceration  getrockneter 
Trauben,  welche  mit  dem  Bodensatz  besät  wurde,  wandelte  sich  in 
Essig  um. 

Demnach  existiren  die  Mikroben,  welche  sich  in  sauren  Mitteln 
zu  entwickeln  vermögen  (und  diese  sind  nur  allein  für  die  Weinbereitung 
von  Interesse),  in  sehr  verschiedener  Zahl  an  der  Oberfläche  der 
Trauben.  Die  Schimmelformen  und  Saccharomyces  apicula- 
tus sind  verbreiteter,  als  Saccharomyces  ellipsoideus;  die 
Essig-  und  Kahmhäute  fabrizirenden  Bacillen  sind  nicht  selten.  Die 
spätere  Traubengährung  wird  während  der  ersten  48  Stunden  ge- 
wöhnlich durch  Saccharomyces  apiculatus  hervorgebracht, 
an  seine  Stelle  tritt  allmählich  Saccharomyces  ellipsoideus, 
ohne  dass  ersterer  vollständig  verdrängt  wird.  Die  Bakterien  und  die 
Kahmhäute  sind  nicht  bloss  am  Ende  der  Gährung  vorhanden,  son- 
dern auch  in  den  Hefeabsätzen,  was  vermuthen  lässt,  dass  die  Ursache 
der  Weinkrankheiten  eher  auf  der  Oberhaut  der  Beeren,  als  in  einer 
späteren  Verunreinigung  durch  Luft  oder  Gef&sse  zu  suchen  ist. 

O.  E.  R.  Zimmermann  (Chemnitz). 

Xagnin,  Ant»,  Sur  la  castration  parasitaire   de  l'Ane- 
mone   ranunculoides  par  l'Aecidium  leucospermum. 
(Comptes  rendus  de  l'Acad&nie  des  sciences  de  Paris.  Tome  CX. 
1890.  p.  913  ff.) 
Aeltere  Beobachtungen,   dass  an  den  mit  Aecidium  leuco- 
spermum DC.   behafteten    Stöcken    von  Anemone  ranuncu- 
loides immer  die   Blüthen  fehlen,    hatten  zu    der  Hypothese  ge- 
führt, dass  die  Sterilität  der  betreffenden  Pflanzen  in  dem  Vorhan- 
densein der  Parasiten  ihre  Ursache  habe.    Neuere  Untersuchungen, 
die  Verf.    in   Folge    der  durch  Giard's  Arbeiten  gegebenen  An- 
regungen unternommen,  brachten  ihm  die  Bestätigung,  dass  es  sich 
hier  um   eine  parasitäre  Kastration    handele.      Im  Frühling   1889 
waren    unter    100   Stöcken    von    Anemone    ranunculoides, 
welche  das  betreffende  Aecidium  aufzuweisen  hatten,  2  blühend, 
die  andern  steril  gefunden  worden ,  das  Resultat  erschien  demnach 


102  PäanseBkrmiiktieitem 

noch  ansicher.  Die  Untersuchungen  1890,  die  mit  minutiösester 
Sorgfalt  ausgeführt  worden,  zeigten  jedoch:  1)  dass  die  befallenen 
Pflanzen  häufiger,  als  die  ersten  Beobachtungen  es  annehmen 
lassen,  BlOthen  hervorbringen,  2)  dass  diese  Blüthen  aber  immer 
Alterationen  von  der  verschiedensten  Stärke  zeigen,  Alterationen, 
welche  bis  zur  Atrophie  der  einzelnen  Blüthenkreise ,  besonders  der 
Karpelle  fortschreiten  können.  Von  3000  Stöcken,  die  an  einer 
bestimmten,  zur  Untersuchung  geeigneten  Lokalität  wuchsen,  waren 
306  von  Aecidium  befallen  und  unter  diesen  wieder  256  völlig 
steril.  Von  den  übrigen  Stöcken  hatten  19  ganz  rudimentäre 
Blüthenknospen ,  31  aber  entwickelte  Blüthen ,  an  denen  jedoch  der 
eine  oder  andere  Theil  Verkümmerungen  wahrnehmen  liess.  Zu- 
nächst besitzt  die  befallene  Pflanze,  welche  blüht,  immer  nur  eine 
Endblüthe,  während  doch  sonst  neben  der  Endblüthe  oft  noch  ein 
oder  zwei  seitliche  erscheinen.  Diese  seitlichen  Blüthen  verkümmern 
stets  und  werden  nun  durch  eine  oder  zwei  kleine  Knospen  an- 
gedeutet, die  mit  den  ihnen  eigenthümlichen  Deckblättern  ver- 
sehen sind.  Ein  einziges  Mal  traf  Verf.  an  einem  rostigen  Stock 
eine  seitliche  Blüthe,  aber  ganz  atrophisch,  sitzend  und  nur  aus 
häutigen  Perigonblättern  und  Staubgefässen  bestehend.  Die  Ver- 
kümmerung der  endständigen  Blüthe  steht  im  Verhältniss  zu  dem 
Grade  des  Befallenseins  der  Pflanze. 

I.  An  den  wenig  befallenen  Pflanzen,  d.  h.  an  solchen,  deren 
Hüllblatt  wenig  Peridien  trägt,  oder  wo  nur  ein  Theil  der  Blätter 
solche  aufweist,  differirt  die  Terminalblüthe  von  den  gesunden 
Pflanzen  nur  durch  die  weniger  langen  und  breiten  Perigonblätter 
(11  Stöcke). 

IL  Auf  einer  höheren  Stufe  ist  die  Blüthe  noch  ziemlich  lang 
gestielt,  aber  die  Perigonblätter  sind  kleiner,  ungleicher  geworden 
und  an  den  Bändern  entfärbt  (7  Stöcke). 

III.  Bei  noch  weiterer  Verkümmerung  verkürzt  sich  der  Blüthen- 
süel  auf  ein  Minimum,  die  Perigonblätter  werden  immer  mehr  redu- 
zirt,  ungleicher,  zuweilen  auch  zungenförmig  oder  selbst  hornförmig 
und  durch  Verdoppelung  oder  Petaladie  der  äusseren  Staubgefasse 
zahlreicher.  (8  Stöcke,  davon  3  mit  grünen,  zungenförmigen  Fetalen 
und  besetzt  mit  Spermogonien). 

IV.  Bei  4  Pflanzen  war  die  Blüthe  im  Gentrum  des  Involucrums 
absolut  sitzend,  die  Perigonblätter  waren  zu  kleinen  häutigen,  weiss- 
lichen  oder  röthlichen  Schuppen  reduzirt,  die  Karpelle  völlig  ver- 
kümmert, die  Staubgefasse  atrophisch,  obwohl  sie  normal  ausge- 
bildete Pollenkörner  einschlössen. 

V.  Die  letzte  Stufe  der  Atrophie  bestand  in  kleinen,  von  4  bis 
5  häutigen  Perigonblättern  gebildeten  Knospen,  welche  zahlreiche 
Staubgefasse  ohne  Pollen  einschlössen,  aber  auch  der  Karpelle 
ermangelten  (19  Stöcke). 

Bei  den  übrigen  206  Pflanzen  fanden  sich  gar  keine  Blüthen- 
knospen. 

An  dem  vegetativen  Apparat,  dem  Stamme  und  den  Hüll- 
blättern wird  keine  Atrophie  bemerkbar,  im  Gregentheil  machen 
sich  die    rostigen  Stöcke    inmitten    der  gesunden  durch  stärkeren 


X 


fHkasenkraiikti«toii.  jQg 

Wuchs  und  stärkere  Entwickelung  bemerklich.  Die  Hüllblätter 
sind  breiter,  dicker,  straffer  und  gleichsam  fleischig.  Der|Parasit 
beschränkt  also  seinen  atrophirenden  Eiufluss  auf  den  Reproduk- 
tionsapparat; er  wirkt  zunächst  auf  die  Hüllblätter  und  den  Blüthen- 
stiel,  dann  auf  die  Karpelle  und  endlich  auf  die  Staubgefässe  ein. 
Es  ist  dies  ein  neues  Beispiel  von  gonotomer,  besonders  aber 
thylytomer  Kontraktion.  Sehr  häufig  wird  durch  die  Parasiten  die 
Endblüthe  zu  einer  männlichen  (23mal  an  50  rostigen,  blühenden 
Stocken),  ein  Umstand,  der  an  gesunden  Stöcken  ziemlich  selten  und 
nur  an  seitlichen  Blüten  auftritt. 

O.  E.  B.  Zimmermann  (Chemnitz). 

Magnus,  P.,  Verzeichniss  der  am  15.  Mai  und  1.  Juni  1890 
bei  Freienwalde  a.  O.  beobachteten  Pilze.  (Verh.  d. 
Bot  Vereins  d.  Prov.  Brandenburg.    XXXII.  p.  XIII— XVI.) 

49  Arten  von  Pilzen,  die  Verl  gelegentlich  der  Frühjahrs- Haupt- 
Versammlung  des  Bot.  V.  d.  Pr.  Brdbg.  bei  Freienwalde  fand,  darunter 

Frankia  Alni  (Wor.)  P.  Magn.  Verf.  hat  sioh  auch  an  den 
Freien waldener  Exemplaren  in  Uebereinstimmung  mit  Woronin  und 
Brunohorst  davon  überzeugt,  dass  der  Pilz  zu  den  Hyphomyoeten 
gehört.  Da  Woronin  den  Pilz  1866  Schinzia  Alni,  Brunohorst 
1886  Frankia  s  u  b  t  i  1  i  s  benannt  hat,  der  Name  Sohinzia  aber  einer 
Ustiiagineengattung  zukommt,   ist  obige  Benennung  zu  nehmen. 

BamulariaAdoxae(Babenh.)  Karst,  B.  Geranii  (Westdp.) 
Fckl. 

Cercospora  Impatientis  Bäumler  auf  Impatiens  Noli 
tangere.  Der  früher  nur  aus  Ungarn  bekannte  Püi  ist  nooh  bei 
Kladow  in  der  Mark,  am  Bielathale  in  der  sächsischen  Sohweiz  und  bei 
Baden-Baden  gefunden.  Die  C.  Campi  Silii  Speg.  im  Süden  seheint 
davon  verschieden  zu  sein. 

Septoria  Ghelidonii  Desm.,  8.  sp.  auf  Ghaerophyllum 
temulum. 

Peronospora  oalotheca  De  By.,  P.  conglomerata  Fckl., 
P.  Arenariae  Berk.,  P.  Alsinearum  Casp.,  P.  parasitica 
(Per s.)  TuL  auf  Alliaria  und  Turritis,  P.  pygmaea  Ung., 
P.  Urticae  Lib. 

Bntyloma  Banunouli  (Bon.)  8ehröt.,  Ustilago  perennans 
Rostr.  auf  Arrhenaterum  elatius. 

Pueoinia  Oreoselini  (Strauss)  Korn.,  P.  Adoxae  Hedw., 
Aecidium  Magelhaenioum  Berk.,  spärlioh  neben  dem  Aecidium 
der  Pueoinia  graminis. 

Clitocybe  sinopioa  (Fr.),  Pholiota  praecox  (Pers.). 

Asoospora  Silenes  (Niessl)  Wint  auf  Visoaria  visoosa, 
Stigmatea  Kobertiani  Fr.  Ludwig  (Greiz). 

EDis,J.  B«,  and  Anderson,  F.  W.,  A  new  Ustilago  from  Flo- 
rida.   (Journ.  <rf  Mycology.  VI.  1890.  p.  116—117). 
Die  Verff.  beschreiben  einen   Brandpilz,    Ustilago  Neallii 
n.sp.9  welcher  die  Infiorescenz  von  Heteropogon  melanocarpa 
in  Florida  bef&Ilt.  Ludwig  (Greiz). 


1Q4  Masunkrankheiteil. 

Ellis,  J.  B.  and  Ererhart,  B.  M.,  New  species  of  Uredineae 
and  Ustilagineae.  (Journ.  of  Myc  Washington.  Vol.  VI.  1890. 
No*  3.  p.  118—121.) 

Sohröteria  annulata  n.  sp.  in  den  Oyarien  tob  Andro- 
pogon  annulatus.     Indien. 

Sohizonella  subtrifida  n.  sp.  in  den  Blütenköpfen  von  Cir- 
sium  oohrooen trum.     Mountain  Valley,  Colo. 

Ustilago  diplospora  n.  sp.  in  den  Ovarien  von  Panicum 
sanguinale.     Holly  Springs,  Miss. 

U.  Montan ensis  n.  sp.  in  der  Inflorescen*  von  Mahlen- 
bergia  glomerata.     Sand  Coulee,  Mont. 

Aeoidium  miorop unotum  n.  sp.  an  Gastilleia.  Pine  Bidge, 
Nebr. 

Ae.  Eurotiae  n.  sp.  auf  Eurotia  lanata,   Helena,  Mont 

Uromyees  soaber  n.  sp.  auf  Gräsern.  Swift  Creok',  Caster 
County,  Colo. 

Pucoinia  arabieola  n.  sp.  auf  Arabis  sp.  Ottowa,  Canada.  L 
111  —  von  P.  Thlaspeos  Schub,  und  P.  aberrans  verschieden. 

P.    Araliae    n.  sp.    an  Panax   trifolium.     Massachusetts  UL 

P.  xanthiifolia  n.  sp.  auf  den  Blättern  von  Iva  xanthiifo- 
1  i a.  Manhattan,  Kansas.  III.  Früher  irrthümlich  au  P.  intermixta 
Pk.  gestellt. 

P.  consimilis  auf  Blättern  von  Sisym  brium  linifo  li  um. 
Helena,  Mont.  I.  III.  Ludwig  (Greiz). 


Polrault,  Georges,  LesUr£din6es  et  leurs  plantes  nourri- 
ci&res.  (Extrait  du  Journal  de  Botanique.  1890.)  21  p.  Paris 
1890. 

Eine  ähnliche  Zusammenstellung  wie  „P.Dieters  Verzeichniss 
sämmtlicher  Rostpilze  nach  Nährpflanzen  geordnet",  die  sich  aber  in 
der  Hauptsache  auf  die  in  Frankreich  vorkommenden  Rostpilze  be- 
schränkt (bisher  dort  nicht  gefundene  europäische  Arten  sind  durch 
ein  f  gekennzeichnet,  T\  und  T2  bezeichnet  das  Vorkommen  von 
sofort  oder  erst  nach  einer  Ruhepause  keimfähigen  Teleutosporen). 
Die  Arbeit  enthält  bereits  die  neuerdings  bekannt  gewordenen  Fälle 
von  Generationswechsel  wie  bei 

Puooinia  extensicola  Plowr.  auf  Aster  Tripolium  — 
Carex  extensa. 

P.  arenariicola  Plowr.  auf  Centaurea  nigra  —  Carex 
arenaria. 

P.  paludosa  Plowr.  auf  Pedioularis  —  Carex. 

P.  perplexans  Plowr.  auf  Ranunculus  acris  —  Alope- 
o  u  r  u  s. 

P.  persistans  Plowr.  auf  Thaliotrum  —  Triticum  repeos. 

P.  Trailii  Plowr.  auf  Rumex  Acetosa  —  Pragmites 
communis;  es  fehlen  hier 

P.  Digraphidis  Soppit  auf  Convallaria  —  Digraphis 
arundinaca. 


BeimtximpJiiiig,  kftnstl.  Wektionskranktttkten,  fcntwickttaiigtiiemaittiig  etc.      106 

P.  Soirpi  BC  auf  Njmphiea  und  Nuphar  —  Soirpui 
laeustris  und 

Uromyoes  lineolatus  Deam.  auf  Hippuris  und  Sium 
laiifolium  —  Junoua  maritimns.  Ludwig  (Greiz). 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Btrd,  Les  selles  des  f  äbricitants  au  point  de  vue  bac- 
täriologrque.  (Lyon  M6dicaL  22.  fevrier  1891.) 
Verf.  hat  die  Stühle  eines  Phthisikers  untersucht,  der  seit  mehreren 
Wochen  eine  Temperatur  von  39°  gezeigt  hatte.  Als  Untersuchungs- 
resultat ergab  sich,  dassnur  der  Bacillus  coli  communis  in  den 
Stühlen  vorkam,  dessen  erste  Kultur  reine  Kolonieen  ergab.  Diese 
Bacillen  halten  einen  höheren  Temperaturgrad  sehr  gut  aus;  Verf. 
bat  drei  Tage  lang  normale  Stühle  unter  39°  behandelt,  wonach 
die  andern  Bacillenarten  ganz  verschwunden  waren.  Soll  vielleicht 
das  Fieber  die  Ursache  des  Verschwindens  der  verschiedenen  Darm- 
bacillen  sein?  R.  Verhoogen  (Brüssel). 

de  Tos,  Ueber  den  diagnostischen  Werth  des  Impfver- 
suchs bei  Tuberculose  und  ein  neues  Verfahren  zum 
mikroskopischen  Nachweis  von  Tuberkelbacillen  im 
Harn.    (Inaugural- Dissertation.)    Rostock  1891. 

Um  mit  Sicherheit  die  tuberculose  Natur  einer  Nierenerkrankung 
feststellen  zu  können,  bedarf  es  fast  immer  des  Nachweises  von 
Tuberkelbacillen.  Dieser  Nachweis  ist  häufig  durch  den  Uebergang 
von  Tuberkelbacillen  in  den  Harn  möglich.  Wegen  der  relativ  ge- 
ringen Menge  von  Tuberkelbacillen  im  Harn  ist  aber  deren  Nachweis 
schwierig. 

Verf.  hat  experimentelle  Untersuchungen  über  den  Werth  des 
Impfversuches  bei  tuberculösen  Erkrankungen  des  uropoetischen 
Systems  angestellt  und  geht  bei  dieser  Gelegenheit  auf  die  Beur- 
teilung der  Anwendbarkelt  des  Impfversuchs  zu  diagnostischen 
Zwecken  bei  der  Tuberculose  verdächtigen  Fällen  ein. 

Der  Ansicht,  dass  die  Impftuberculose  unter  allen  Umständen 
die  erfolgreichere  Methode  ist,  schließet  sich  Verf.  nicht  an,  da  bei 
etwaigen  Mischinfektionen  die  Wirkung  der  Tuberkelbacillen  nicht  zum 
Vorschein  zu  kommen  braucht 

Wo  bei  Stehenlassen  des  Harns  durch  24  Stunden  ein  Sediment 
auftrat,  fand  Verf.  in  demselben  die  Tuberkelbacillen  in  entsprechen- 
den Fällen  immer.  [Rasch  wird  man  in  dieser  Richtung  beispielsweise 
mit  einem  Sedimentator  zum  Ziele  gelangen,  bei  dessen  An- 
wendung es  gelingt,  aus  Flüssigkeiten  binnen  kürzester  Zeit  ein  Se- 
diment zu  erhalten.    Ref.] 


lOÖ      ^cfcuUimpfiiog,  ktinstl.  infektionskrAnkheiten,  Entwickelangshemmang  etc. 

Bei  Anwendung  der  Impfung  wären  dort,  wo  eine  Mischinfektion 
zu  befürchten  ist,  Kaninchen  vorzuziehen,  in  den  anderen  Fällen 
aber  wegen  der  rascheren  Entwickelung  der  Impftuberculose  Meer- 
schweinchen. Der  Impfversuch  wird  hauptsächlich  dann  zu  ver- 
wenden sein,  wenn  relativ  wenig  Tuberkelbacülen  in  der  zur  Unter- 
suchung bestimmten  Substanz  vorhanden  sind.  Besonders  wenn  es 
sich  um  zu  verimpfende  Flüssigkeiten  handelt,  ist  die  Bauchhöhle 
der  beste  Ort  zur  Erzeugung  von  Impftuberculose. 

Die  Menge  der  verimpften  Tuberkelbacülen  scheint  nicht  gleich- 
gültig zu  sein  für  den  Erfolg.  Verf.  meint,  dass,  wenn  ganz  geringe 
Mengen  von  Tuberkelbacülen  verimpft  werden,  Impftuberculose  bisweilen 
ausbleiben  kann.  Sicher  führt  die  Impfung  nur  dort  zum  Ziele,  wo 
es  sich  um  tuberculöse  Massen  handelt,  in  denen  die  Tuberkelbacülen 
in  nicht  zu  geringer  Menge  vorhanden  sind.  Bevor  man  zur  Impfung, 
als  einem  diagnostischen  Hülfsmittel,  greift,  ist  es  angezeigt,  immer 
es  erst  mit  der  mikroskopischen  Untersuchung  zu  versuchen. 

Verf.  gibt  eine  Methode  an,  mittelst  welcher  es  gelingen  soll, 
in  Flüssigkeiten,  speziell  im  Harn,  ziemlich  sicher  Tuberkelbacülen 
auch  dort  nachzuweisen,  wo  sie  nur  in  geringer  Menge  vorhanden 
sind.  Dieselbe  besteht  in  dem  Hinzufügen  von  Hühnereiweiss,  wel- 
ches ein  Herabziehen  der  Tuberkelbacülen  bewirken  sollte.  Es  wurde 
reines  Eiweiss  mit  dem  vierfachen  Quantum  destillirten  Wassers 
versetzt,  wobei  sich  eine  grossflockige  Masse  (Globuline)  am  Boden 
des  Gefässes  absetzte.  Von  dem  darüberstehenden  opaleszirenden 
verdünnten  Eiweiss  wurden  bis  zu  10  ccm  dem  Urin  zugesetzt,  das 
Ganze  gut  durchgeschüttelt  und  bis  zur  Gerinnung  des  Eiweisses  im 
Wasserbade  erhitzt,  zuweilen  auch  bis  zum  Aufkochen.  Je  nach 
der  Menge  des  hinzugefügten  Eiweisses  bildete  sich  in  kurzer  Zeit 
ein  grösseres  oder  geringeres  Quantum  eines  feinflockigen  Sedimentes, 
welches  dann  auf  Tuberkelbacülen  untersucht  wurde. 

Bei  dieser  Behandlung  geht  die  Färbung  der  Bacillen  etwas 
schwerer  vor  sich  als  gewöhnlich.  Di tt rieh  (Prag). 

Stone,  K.  Arthur,  Why  the  sputa  of  tuberculous  patients 
should  be  destroyed.  (American  Journal  of  Medical  Science. 
1891.  March.) 
Iqa  Laufe  des  Winters  1886—87  hatte  Verf.  während  drei  Mo- 
naten den  Auswurf  verschiedener  Phthisiker  bewahrt  und  nach  diesem 
Zeitraum  bakteriologisch  untersucht.  Er  fand,  dass  die  Anzahl  der 
Koch 'sehen  Bacillen  überall  vergrössert  war;  es  waren  selbst  diese 
Bacillen  in  einem  Sputum  anwesend,  wo  man  bei  der  ersten  Unter- 
suchung keine  gefunden  hatte.  In  einer  zweiten  Reihe  von  Unter- 
suchungen hat  Verf.  die  Sputa  3  Jahre  lang  getrocknet  behalten 
und  wieder  alsdann  in  Wasser  eingerührt.  Ueberall  waren  die  Tuberkel- 
bacülen anwesend,  während  die  andern  Bacillenarten  ganz  verschwun- 
den waren.  Mit  dieser  Flüssigkeit  wurden  6  Meerschweinchen  unter 
die  Haut  geimpft.  3  starben  an  Schwindsucht,  die  3  andern  wurden 
noch  einmal,  jetzt  aber  in  die  Peritonealhöhle,  geimpft  und  event 
1V2  Monat  später  getödtet,  erwies  sich  bei  der  Obduktion  eine  aus- 
gesprochene Tuberculöse.  R.  Verhoogen  (Brüssel). 


Schutzimpfung,  künstl.  Infektionskr;  nkheiteh,  tentwicMnngahetomuiig  etc.      iö7 

Borgherlni,  A.,  Die  ersten  Resultate  der  Koch'schen 
Behandlungsmethode  bei  tuberculösen  Erkrankun- 
gen innerer  Organe.  (Wien.  med.  Woehenschr.  1891.  No.  5. 
p.  195.) 
Verf.  erhielt  in  Gemeinschaft  mit  Biondi  bei  14  Fällen  Lungen-, 
Kehlkopf-  und  Darmtuberculose  und  bei  2  Lupusfällen  immer  eine 
starke  lokale  und  allgemeine  Reaktion,  wenn  bis  zur  Dosis  von  0,009 
Koch9 scher  Lymphe  herauf  gegangen  wurde.  Puls  und  Respiration 
schienen  in  der  Regel  wenig  beeinflusst  zu  werden,  ihre  Veränderungen 
laufen  meist  parallel  mit  der  Temperatursteigerung.  In  allen  Fällen 
trat  nach  den  Injektionen  eine  Herabsetzung  des  Arteriendruckes 
ein.  Die  Reaktion  in  den  Lungen,  besonders  in  Fällen,  wo  sich  die 
Läsion  auf  die  eine  Lungenspitze  beschränkte,  entsprach  einem 
Symptomenkomplex,  der  an  eine  Hepatisation  des  Lungengewebes  an 
der  Stelle  des  primären  Herdes  erinnerte.  In  einigen  Fällen  wurde 
Röthung  der  Wange  der  der  Lungenläsion  entsprechenden  Seite  be- 
obachtet. Vollständige  Heilung  wurde  bei  einem  sehr  leichten  Falle 
konstatirt,  leider  entzog  sich  der  Rekonvalescent  der  weiteren  Be- 
obachtung. Die  Bacillen  im  Sputum  vermindern  sich  nicht  wesent- 
lich, weisen  aber  die  bekannten  Formveränderungen  auf  und  lassen 
sich  nicht  mehr  gleichmässig  färben. 

Im  Aligemeinen  konnte  bei  ganz  leichten  Lungenaffektionen  eine 
Besserung  der  physikalischen  Veränderungen  in  der  Lunge  festge- 
stellt werden,  bei  chronisch  verlaufenden  Phthisen  blieb  der  lokale 
Befund  unverändert.  Kr  dl  (Prag). 

Krynski,  L.,  Beitrag  zur  Kenntniss  des  Verhaltens  der 

Tuberkelbacillen    bei    Lupus   unter    dem   Einflüsse 

der  Koch'schen  Lymphe.    (Przeglad  lekarski.  1891.  No.  10.) 

[Polnisch.l 

Ein  in  der  chirurgischen  Klinik  zu  Krakau  (Prof.  Rydygier) 

mit  Koch 'scher  Lymphe  behandelter  Lupuskranker  (Lupus  faciei) 

gab  dem  Verf.  Gelegenheit  zu  folgender  Beobachtung. 

Wie  bekannt,  sind  bei  Lupus  die  Bacillen  eine  ziemlich  seltene 
Erscheinung ;  bei  sorgfältigster  Durchmusterung  zahlreicher  Präparate 
(Schnitte  von  in  Gelloidin  eingebetteten  Borkenstückchen,  von  wel- 
chen die  ezulcerirten  lupösen  Partieen  bedeckt  waren),  fand  auch  der 
Verf.  vor  den  Injektionen  keinen  einzigen  Tuberkelbacillus.  Des- 
gleichen 24  Stunden  nach  der  ersten  Injektion  der  Lymphe,  auf 
welche  Patient  allgemein,  wie  lokal  stark  reagirte.  Nach  der  zweiten 
Injektion  gelang  es  ihm,  in  einem  Schnitte  zwei  Bacillen  aufzufinden. 
Ganz  anders  war  das  Bild  nach  der  dritten  Injektion.  Dieses 
Mal  brauchte  er  die  Bacillen  nicht  mehr  zu  suchen:  sie  fielen  in 
jedem  Schnitte  in  Tausenden  und  Abertausenden  von  Exemplaren 
auf.  Am  zahlreichsten  waren  sie  jedoch  in  den  tiefsten  Schichten 
der  Borken  beim  Uebergange  in  das  lebende  Gewebe. 

Morphologisch  charakterisirten  sich  die  Bacillen  nicht  selten 
durch  Verdickungen  an  beiden  Enden;  auch  hatte  es  oft  den  An- 
schein, als  ob  sie  vielfach  durch  unfärbbare  Partieen  unterbrochen 
wären.    Ausserdem  beobachtete  Verf.  die  Formen,  auf  welche  Gutt- 


16g  Neue  Littorakr. 

mann  im  Sputum  nach  Injektionen  bei  Lungentuberculose  aufmerk- 
sam gemacht  hat:  kurze  Stäbchen,  selbst  Kokken,  welche  jedoch  in 
aller  Schärfe  die  charakteristische  Tinktion  aufwiesen.  Nach  den 
folgenden  Injektionen  fand  Verf.  dergleichen  Bilder  in  den  Borken 
nicht  mehr;  die  Bacillen  sind  wieder  äusserst  selten  geworden,  wie 
vor  den  Injektionen.  Steinhaus  (Warschau). 


Neue  Litteratur 

9m.  Abthub  Wübzbübo, 


Allgenwtnes  fiter  Bakterien  und  Faradten. 

Bitfeld,  0.y  Untersuchungen  ms  dem  Geeammtgebiete  der  Mykologie.  FortBetsnng  der 
Schimmel-  and  Hefenpils«.  Heft  IX :  Die  Hemiasci  und  die  Ascomyeeten.  Unter- 
suchungen ms  dem  kgl.  boten.  Institute  in  Münster  i.  W.,  in  Gemeinschaft  ausgeführt 
m.  F.  ▼.  Tavel,  in  den  Untersuchungen  Über  Ascoidea  und  Endomyces  m.  O.  Lin- 
den, gr.  4°.  VIII,  156  p.  m.  4  Taf.  Münster  i.  W.  (Heinrich  Schöningh)  1891 
In  Komm.  16  M. 

Eberth's  bakteriologische  Wandtafeln.  1.  Liefg.  8  Blatt  in  Farbendr.  109  X  109  cflL 
Inhalt:  Streptococcus  pyogenea.  1 :  50  000.  —  Bacillus  cholerae  asiatieae.  1 :  60  000 
—  Bacillus  tnbercnl.  Sputum.  1:50000.  Berlin  (Fiseher's  medicin.  Buchh.,  H.  Korn- 
feld) 1891.  Auf  Leinw.  m.  Oesen  80  M. 

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0,60  H. 


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(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Prämie,  8eptikimie, 

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O.     Entoaootisehe  Krankheiten. 

(Finnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Ftlaria,  Oestruslarre,  Aacaris, 

Anchylostomum,  Trichocephalus,  Oxyuris.) 

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placa  chorych  doknietych  gruzlica  pjuc.     (Przeglad  lekaraki.  1891.  p.  61 — 68.) 

Kortnrin,  8.  D.,  und  Krainsky,  8.  N.  B.,    Ueber  die  vergleichende  Wirkung  der  Fftul- 
nissprodukto  und    der  Toxine  ron  Tuberkelbacillen   und  ihren  Einfluss   auf   den  Ver- 
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Pyocyanique.     (Lyon  med.  1891.  No.  22.  p.  148—145.) 
Popoff,  L.  V.,   Koch's  Flüssigkeit;  die  Methode  ihrer  Anwendung  bei  Phthise.     (Russk. 
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112 


Neue  Litteratur. 


Beri«hticur. 

Auf  Seite  758  in  Bd.  No.  33  IX  dieses  Centralblattes,  Zeile  5  tob  oben  ist  dsxes 
ein  falsch  gesetstes  Komma  der  Sinn  entstellt;  das  Komma  gebort  nach  dem  Worte 
„Schimmelpils",  nicht  Tor  dasselbe.  —  Ferner  ist  beim  Coplren  des  Originalmsne- 
skripts auf  Seite  759  Zeile  9  von  oben  ausgelassen  worden  „ausser  Kohlensäure  und 
Wasser41.  Die  meisten  Leser  werden  wohl  von  selbst  diese  beiden  kleinen  Versehes 
korrigirt  haben.  O.  Loew. 


Inhalt 


Jansen,  Carl,  Versuche  zur  Erlangung 
künstlicher  Immunität  bei  Variola  vac- 
dna.    (Orig.),  p.  40. 

Kaufmann,  ?.,  Ueber  einen  neuen  Nähr- 
boden für  Bakterien.    (Orlg.),  p.  65. 

Lubarseh,  0.»  Bemerkungen  in  R.  Stern's 
Referat  Aber  meine  „Untersuchungen  Ober 
die  Ursachen  der  angeborenen  und  er- 
worbenen Immunität'4.    (Orlg.),  p.  69. 

Stern,  Richard,  Erwiderung.  (Orig.),  p.  74. 

Schulte,  H.  K.  t  Zur  Frage  von  der  Be- 
reitung einiger  Nährsubstrate.  (Orig.), 
p.  52. 

Tinoni,  Guido,  und  Cattani,  (Hnjappina, 
Fernere  Untersuchungen  Aber  das  Anti- 
toxin des  Tetanus.    (Orig.),  p.  38. 

Wyssokowies,  W.,  Zur  Frage  von  der  Lo- 
kalisation des  Tollwuthvirus  im  Organis- 
mus der  Thiere.    (Orig.),  p.  45. 


Barbier,  A. ,  De  la  transmisdbilite'  de  la 
diphtherie  arlaire  k  l*homme,  p.  98. 

Beyerinok,  X.  W. ,  Kulturrersuche  mit 
Zoochlorellen,  Liohenengonidien  und  an- 
deren niederen  Algen,  p.  75. 

Bireh-Hirsehfdd,  Ueber  die  Pforten  der 
placentaren  Infektion   des  Fötus,   p.  85. 

Ellis,  J.  B.,  and  Andereon,  F.  W.,  A  new 
Ustilago  frorn  Florida,  p.  108. 

Sllis,  J.  B.,  and  Brerhart,  B.  X.,  New 
specles  of  Uredineae  and  Ustilagineae, 
p.  104. 

Bnderlen,  B.,  Primäre  infektiöse  Pyelone- 
phritis beim  Rind,  p.  94. 

Hoohsinger,  C,  Ueber  Indlcanurie  im  Säug- 
lingsalter, p.  90. 

Höflich,  G.,  Die  Pyelonephritis  bacillosa  des 
Rindes,  p.  94. 

Lubliner,  L.,  Fünf  neue  Fälle  der  Tuber- 
culose  nach  Circumddon,  p.  89. 

Xaofadyen,  A.,  Nenoki,  M.,  und  Bieber,  N., 
Untersuchungen  Aber  die  chemischen  Vor- 
gänge im  menschlichen  Dünndarm,  p.  89. 

sf  agnin,  Ant.,  Sur  la  castration  parasitaire 
de  l'Anemone  ranunculoldes  par  l'Aed- 
dium  leueospermum,  p.  101. 


F.,  Versdehniss  der  am  15.  Hai 
und  1.  Juni  1890  bei  Freienwalde  s.  0. 
beobachteten  Pilse,  p.  108. 

Kartinand,  V.,  et  Bioteah,  X.,  Des  micro- 
organismes  quo  Ton  reneontre  sur  Ist 
raisins  mors  et  de  leur  deVeloppemest 
pendaat  la  formentanon,  p.  98. 

Naunym,  Ueber  das  Vorkommen  too  Spalt- 
pilsen In  der  Gallenblase,  p.  98. 

Poirault,  Creerge*,  Les  ürodinoes  et  leon 
plantes  nourridercs,  p.  104. 

Raum,  Johannes,  Zur  Morphologie  und 
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Raymond,  X.  F.,  Uns  obsanration  de  Sy- 
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Sehmori  und  Bireh-Hirsehfeld,  Uebergaog 
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Tuxro,  R.,  Contribudon  ad  estudio  de  1s 
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Wartaaan,  J.v  Ueber  die  neuesten  Unter- 
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Senutalmpfune; ,  kunstliehe  Infektions- 
krankheiten, Entwicklungshemmung 
und  Ternichtuns;  dar  Bakterien 
und  Parasiten. 

Bard,  Les  selles  des  feoridteats  au  point 
de  Tue  bacteriologique,  p.  105. 

Borgherini,  A. ,  Die  ersten  Resultate  der 
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berculösen  Erkrankungen  Innerer  Organe, 
p.  107. 

Krynski,  L. ,  Bdtrag  sur  Kenatniss  dst 
Verhaltens  der  Tuberkdbaeillen  bei  Lo- 
pa* unter  dem  Einflüsse  der  Koch'schen 
Lymphe,  p.  107. 

Sterne,  E.  Arthur,  Why  the  spute  of  tu- 
berculous  patlents  should  be  destroyed, 
p.  106. 

da  Vos,  Ueber  den  diagnostischen  Wertb 
des  ImpfVersuchs  bd  Tubereulose  ond 
dn  neues  Verfahren  sum  mikroskopisches 
Nachweis  tou  Tuberkdbaeillen  im  Hsj-b, 
p.  105. 

Herne  Litteratur,  p>  108. 


«h«  Boahdrocktrti  (H« 


»F»kl*)lmJ«aa> 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Bei  Hofr.  Prot  Dr.  Leocbit  m  Profecor  Dr.  Miss 

u  LeJpdf  ni  GnifrwaM 

herausgegeben  ron 

Dr.  O.  TThlvorm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X*  Band.       -°~      Jen»,  den  u.  August  1891.  -o-  No.  4. 


PMit  ftr  den  Band  (96  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Bände. 

Zn  beliehen  durch  eile  Buchhandlungen  and  PosUnstelten. 


Die  Redaktion  des  „CentraMatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde" richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  ran  besonderen  Abdrucken  ihrer  Auf- 
sätze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzuge  direkt  an 
den  Verleger ,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wunsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original  -  Mittheilungen. 

lieber  die  Natur  des  Fischgiftes.     ~ 

Vorläufige  Mittheilung 

▼on 

Dr.  H.  Arastamoff 

in 

Astrachan. 

Seit  dem  November  des  verflossenen  Jahres  hatte  ich  Gelegen- 
heit, in  Astrachan  11  Fälle  von  Vergiftungen  zu  beobachten,  welche 
sich  Menschen  nach  dem  Genüsse  von  Fischen  zugezogen  hatten.  Fünf 
Falle  endigten  mit  dem  Tode,  in  sechs  Fällen  trat  Genesung  ein. 


114  Amstamoff, 

Zwei  Vergiftungen  erfolgten  nach  dem  Genuss  von  Lachs,  drei  nach 
dem  Genuss  von  Hausen,  russisch  Beluga  genannt,  einer  nach  Stör 
und  fünf  Fälle  nach  dem  Genuss  von  Ssewrjuga,  einer  Störsorte 
Die  nach  dem  Essen  von  Lachs  Erkrankten  genasen,  von  den  vom 
Hausen  Erkrankten  starb  einer,  von  den  durch  Ssewrjuga  Vergif- 
teten starben  drei,  ebenso  einer  nach  dem  Genuss  von  Stör.  Diel 
übrigen  genasen  nach  einer  mehr  oder  weniger  lange  andauernden  i 
Krankheit.  Ausserdem  wurden  mir  von  der  Gouvernemente-Medizi-i 
nalbehörde  parenchymatöse  Organe  eines  durch  Stör  Vergifteten  j 
zugeschickt.  Sonach  hatte  ich  Gelegenheit,  das  klinische  Bild  der 
Vergiftung  an  11  Personen  zu  beobachten,  die  ineren  Organe  da- 
gegen von  sechs  Leichen  zu  untersuchen.  Leider  konnte  nicht  in 
allen  Fällen  das  Fischfleisch,  nach  dessen  Genuss  die  Vergiftung  ein- 
getreten war,  untersucht  werden,  da  dasselbe  sich  trotz  aller  Mühe 
nicht  ermitteln  lieas.  Untersucht  wurde  nur  der  Lachs,  an  dem  sich 
zwei  Fischhändler  vergiftet  hatten,  und  die  Ssewrjuga,  die  fünf  Ver- 
giftungen mit  drei  tödtlichen  Ausgängen  ergeben  hatte.  Dass  die 
übrigen  Fische  Beluga  und  Stör  waren,  musste  ich  nach  den  Aussagen! 
der  Erkrankten  und  deren  Angehörigen  annehmen.  i 

Meine  Untersuchungen  und  Beobachtungen  werde  ich  hier  je 
aller  Kürze  wiedergeben,  ich  hoffe,  dieselben  bald  zu  ergänzen  und! 
ausführlicher  zu  beschreiben. 

I.    Der  Fisch,  nach  dessen  Genuss  die  Vergiftung 

eintrat. 

In  allen  von  mir  beobachteten  Vergiftungs&llen  war  die  Ursache 
der  Vergiftung  der  Genuss  von  gesalzenen  Störsorten  und  Lachs  im 
rohen  Zustande. 

Allgemein  wird  angenommen,  dass  der  giftige  Fisch  im  gekochten 
Zustande  keine  Vergiftung  hervorruft,  obwohl  ich  hin  und  wieder  zu 
hören  bekomme,  dass  auch  der  gekochte  Fisch  vergiftend  wirkt 
Jedenfalls  ist  letzteres  noch  eine  offene  Frage. 

Die  von  mir  untersuchten  Fische,  Lachs  und  Ssewrjuga,  mussten 
den  äuseren  Eigenschaften  nach  als  gut  bezeichnet  werden,  nur  die 
mehr  weiche  Konsistenz  derselben  fiel  auf.  Die  Fische  waren  sorg- 
fältig der  Eingeweide  entledigt  und  gehörig,  wenn  auch  nicht  sehr 
stark,  gesalzen.  Weder  auf  der  Haut,  noch  an  der  Färbung  des 
Fleisches  auf  den  Schnittflächen  konnte  etwas  Verdächtiges  bemerkt 
werden;  nirgends  Hessen  sich  im  Körper  der  Fische  irgend  welche 
Spuren  eines  Fäulnissprozesses  konstatirenu  Ungeachtet  eines  vier- 
monatlichen Aufbewahren  der  Fische  trat  keine  Fäulniss  ein.  Nach 
den  Angaben  der  Erkrankten  war  der  Geschmack  beider  Fische  ein 
vorzüglicher.  Bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  der  giftigen 
Fische  fanden  wir  beinahe  den  ganzen  Fischkörper  durch  und  durch 
von  einer  unzähligen  Menge  lebender  Mikroorganismen  durchsetzt, 
die  sich  bei  den  Kulturen  alle  als  zu  einer  einzigen  Gattung  gehörend 
erwiesen. 

Schnitte,  aus  verschiedenen  Stellen  des  Fischkörpers  angefertigt, 
zeigen  auf  jedem  Gesichtsfelde  eine  kolossale  Menge  von  Mikroben. 


Uebcr  dl«  Natur  de«  Ftahgift«.  115 

Von  verschiedenen  Theilen   des  Lachses  und  der  Ssewrjuga  wurden 
anter    strenger    Beobachtung    der    erforderlichen    Vorsichtsmaass- 
regeln  mit  durchglühten  Messern  kleine  Stückchen  Fleisch  aus   der 
Tiefe  genommen   und  Plattenkulturen    mit  Agar-Agar  veranstaltet, 
welcher  mit  Fleich-  und  Fischbouillon  zubereitet  war.     Die  Platten 
wurden  bei  Zimmertemperatur  gehalten  —  am  zweiten  Tage  waren 
sie  rein,  ohne  Kolonieen ;  am  dritten  Tage  erschienen  mitten  im  Agar- 
Agar  mit  unbewaffnetem  Auge  kaum  sichtbare  feine  Punkte  in  un- 
zähliger  Menge,    die  schon  am  4.  bis  6.  Tage  so  gross  wurden, 
dass  sie  leicht  mit  der  Nadel  abgenommen  werden  konnten.    Diese 
Kolonieen  werden  später  eingehender  beschrieben  werden,  jetzt  führe 
ich  nur  an,  dass  sie  alle  gleichartig  waren  und  der  Form  und  Ge- 
stalt nach  an  die  Kolonieen  der  Bacillen  des  Unterleibstyphus  er- 
innern.   Aehnlich  den  letzteren  befinden  sie  sich  auch  Anfangs  in 
der  Tiefe  des  Agar-Agar  und  entwickeln  sich,  nachdem  sie  die  Ober- 
fläche erreicht,  sehr  stark  auf  derselben.    Ich  erhielt  Kolonieen  in 
grosser  Menge  aus  Theilen,  die  näher  zum  Rückgrat  und  dem  Kopfe 
des  Fisches  lagen,  doch  kann  ich  zur  Zeit  nicht  angeben,  welche 
TbeUe  des  Fisches  ganz  frei  von  Mikroben  waren.     Die  Plattenkul- 
turen der  Mikroben  von  Lachs  und  Ssewrjuga  Bind  dem  Aeussern 
nach  einander  sehr  ähnlich;  daher  glaubte  ich  auch  Anfangs,  dass 
in  beiden  Fischsorten  als  vergiftendes  Agens   ein  und  derselbe  Mi- 
krobe wirke,   was  freilich  unsere  Untersuchungen  sehr  erleichtern 
würde.    Doch  haben  leider  weitere  Beobachtungen  gezeigt,  dass  die 
Mikroben   zu   ganz  verschiedenen  Gattungen  gehören.     Bei  Stich- 
kulturen der  Lachsmikroben  im  Reagensglas  mit  Agar  wachsen  die- 
selben sowohl  dem  Stichkanal  nach,  als  auch  auf  der  Oberfläche, 
indem  sie  dabei  einen  graulichen  schleimigen  Ueberzug  bilden,  der 
bald  die  ganze  Oberfläche  im  Reagensglase  einnimmt. 

Die  Sswerjugamikroben  wachsen  auch  dem  Stichkanal  entlang  und 
aal  der  Oberfläche,  bilden  aber  dabei  einen  mehr  trockenen  Ueber- 
m  von  grau  weisser  Farbe,  welcher  sich  aber  selten  bis  zu  den 
Wandungen  des  Röhrchens  erstreckt. 

Werden  die  Lachsmikroben  in  Probirröhrchen  mit  Gelatine  ge- 
bracht, so  verflüssigen,  sie  dieselbe  allmählich  und  bilden  dabei  auf 
der  Oberfläche  keine  Häutchen.  Die  Ssewrjugamikroben  dagegen 
verflüssigen  die  Gelatine  nicht  und  bilden  eine  Art  flachen  „Nagel- 
kopfes.14 Die  Kulturen  beider  Mikroben  trüben  Bouillon,  setzen  sich 
bnge  nicht  im  Gläschen  zu  Boden,  bilden  auf  der  Oberfläche  keine 
Häotchen  und  sind  einander  sehr  ähnlich.  Die  Kulturen  beider  Mi- 
krobengattungen haben  keinen  Fäulnissgeruch,  zum  Unterschiede  von 
den  Behr  stinkenden  Kulturen  der  Fäulnissorganismen,  die  wir  aus 
faulendem  Fisch  erhielten. 

Unter  dem  Mikroskop  erscheinen  die  Mikroben  der  giftigen 
^wjuga  als  kleine  bewegliche  Bakterien  von  ungefähr  8/*  /*  Dicke 
und  l1/*— 2  n  Länge.  Die  Mikroben  des  giftigen  Lachses  bestehen 
Wh  aus  beweglichen  Bakterien,  welche  nur  ein  wenig  dicker  und 
N*r  sind.  Sie  sind  ungefähr  1  /*  dick  und  2— 21/»  /*  lang-  Die 
"werten  des  Lachses  sowohl  wie  die  der  Ssewrjuga  vereinigen  sich 
"wt  selten  zu  zweien  und  mehr  und  rufen  bei  heftiger  Bewegung 

8» 


Hg  ArusUmolf, 

den  Eindruck  beweglicher  Bacillen  hervor.  Durch  Anilinfarben  werden 
sie  schwach  gefärbt  und  nach  der  Gram' sehen  Methode  der  Doppel- 
färbung entfärben  sie  sich. 

II.    Das  klinische  Bild  der  Fischvergiftung. 

Bevor  ich  zur  Untersuchung  der  Organe  der  an  Fischvergiftung 
Gestorbenen  übergehe,  fühle  ich  mich  veranlasst,  einige  Worte  über 
das  klinische  Bild  der  Fischvergiftung  zu  sagen,  um  deren  Erschei- 
nungen mit  den  Resultaten  zu  vergleichen,  die  ich  bei  den  Versuchen 
mit  Injektionen  von  Mikroben  an  Thieren  erhalten  habe.  Leider  ist 
das  klinische  Bild  der  Fischvergiftung  in  der  einschlägigen  Litteratur 
stark  verwirrt,  und  zwar  hauptsächlich  deswegen,  weil  die  Autoren, 
da  sie  selbst  kein  Beobachtungsmaterial  besassen,  kritiklos  die  Be- 
obachtungen ihrer  Vorgänger  anführen,  und  weil  die  Aerzte,  die 
Gelegenheit  hatten,  eine  grössere  Anzahl  fischvergifteter  Kranker  zu 
behandeln,  ihre  Beobachtungen  bis  jetzt  nicht  publizirt  haben. 

Professor  Anrep,  der  persönlich  einige  Vergiftungen  in  Char- 
kow beobachtete,  hat  dieselben  annähernd  so  beschrieben,  wie  ich  sie 
bei  den  11  in  Astrachan  Vergifteten  gesehen  habe.  Das  weiter  unten 
beschriebene  Bild  der  Vergiftung  gleicht  vollständig  demjenigen, 
welches  die  hiesigen  Aerzte,  die  ein  reiches  einschlägiges  Material 
besitzen,  mehrfach  beobachtet  haben. 

Gewöhnlich  treten  die  Erscheinungen  der  Vergiftung  10 — 28 
Stunden  nach  dem  Genuss  des  rohen  Fisches  ein  (was  an  eine  ge- 
wisse Inkubationszeit  erinnert). 

Die  Intoxikationserscheinungen  sind  Anfangs  schwach,  steigern 
sich  dann  aber  beständig  bis  zum  tödtlichen  Ausgange.  Die  Steige- 
rung der  Intoxikationserscheinungen  dauert  auch  dann  fort,  wenn  aas 
dem  Magendarmkanal  alle  Fischreste  entfernt  sind.  So  scheint  es,  als 
ob  ausser  dem  Darmkanal  noch  ein  anderer  Ursprung  neuer  Güt- 
mengen existire.  Die  Menge  des  genossenen  Fisches  hat  auf  die 
Symptome  der  Vergiftung  und  auf  den  schnellen  Eintritt  des  letalen 
Ausganges  augenscheinlich  keinen  Einfluss.  Nicht  selten  tritt  der 
Tod  ein  nach  dem  Genuss  einer  kleinen  Menge  vergifteten  Fisches, 
während  häufig  nach  der  Aufnahme  einer  grossen  Quantität  Genesung 
erfolgt.  Freilich  kann  man  diesen  Umstand  durch  die  Anhäufung 
des  giftigen  Agens  in  verschiedenen  Fischtheilen  erklären,  anderer- 
seits kann  aber  die  Möglichkeit  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass 
das  Fischgift  ein  organisirtes  Element  ist,  das  geeignet  erscheint, 
den  menschlichen  Organismus  zu  infiziren  sowohl  beim  Genuss  kleiner, 
als  auch  grosser  Mengen  des  vergifteten  Fisches. 

In  den  ersten  24  Stunden  nach  der  Aufnahme  des  vergifteten 
Fisches  erfolgte  der  Tod  in  keinem  einzigen  Falle.  Der  letale  Aus- 
gang tritt  in  allen  Fällen  nach  einigen  Tagen  ein;  eine  Erscheinung, 
die  sich  schwer  mit  der  chemischen  Natur  des  Fischgiftes  vereinigen 
lässt,  hauptsächlich  aber,  dass  der  Tod  nur  dann  eintritt,  wenn 
roher  Fisch  genossen  war.  Dieser  letzte  Umstand  spricht  sehr  für 
die  organisirte  Natur  des  Giftes. 

Die  Haupterscheinungen  der  Fischvergiftung  sind  folgende: 
1)  Allgemeine  Schwäche,  dumpfe  Schmerzen  im  Leibe,  erschwertes 


Ueber  die  Natur  des  Fischgifte».  117 

Athmeo.  2)  Erweiterung  der  Pupillen,  beeinträchtigtes  Sehvermögen, 
„Nebel  vor  den  Augen44,  nicht  selten  Diplopie  und  Schwindel.  3)  Ein 
paratischer  Zustand  der  Sekretionsorgane,  vollständige  Trockenheit 
der  Mundschleimhaut  und  der  Zunge,  Unmöglichkeit  zu  schlingen 
—  Verlust  der  Stimme  bis  zur  Aphonie.  4)  Eine  so  starke  Stuhl- 
verhaltung, dass  Abführmittel  und  Klystire  nicht  im  Stande  sind,  den 
Darmkanal  zu  entleeren  —  besonders  in  den  letzten  Tagen  der  Ver- 
giftung; den  Harn  muss  man  häufig  mit  dem  Katheder  entfernen. 
5)  Die  Temperatur  des  Körpers  steigt  selbst  bis  zum  Tode  nicht, 
fällt  im  Gegentheil  um  einen  Grad  und  mehr  unter  die  Norm,  Ga- 
stritis oder  Gastroenteritis  kann  dabei  vorhanden  sein  oder  nicht, 
so  dass  dieselbe  meiner  Meinung  nach  kein  nothwendiges  Zeichen 
der  Fischvergiftung  darstellt.  Häufig  existirt  am  ersten  Tage  kein 
Erbrechen  und  Durchfall,  Erbrechen  tritt  aber  oft  später  auf  und 
ist  scheinbar  centralen  Ursprungs. 

IH.    Untersuchungen  an  den  Leichen. 

Die  pathologisch-anatomischen  Ergebnisse  wiesen  nichts  Spezi- 
fisches auf,  sogar  nichts  Bemerkenswerthes ;  sie  weisen  alle  auf  die 
Folgen  des  Todes  an  Asphyxie  hin. 

Dagegen  ergaben  bei  der  mikroskopischen  und  bakteriologischen 
Untersuchung  sich  sehr  werthvolle  Resultate.     Auf  den  Präparaten 
aus  den  Parenchymflüssigkeiten  und  an  den  Schnitten  der  Leber,  der 
Milz  und  der  Nieren  der  vergifteten  Individuen  sind  ebensolche  Mi- 
kroorganismen zu  sehen,  mit  denen  das  Fleisch  der  vergifteten  Fische 
wie  vollgepfropft  war.    Bei  der  Bakterioskopie  erscheinen  diese  Mi- 
kroorganismen  lebensfähig  (und  alle  von  ein  und  derselben  Art  in 
jeder  Leiche).     Aus  der  Leber,  der  Milz  und  den  Nieren  von  drei 
Leichen    von    an    Ssewrjuga  vergifteten  Individuen   gelang  es  mir, 
eine  Reinkultur  von  ein  und  derselben  Art    von   Mikroben    darzu- 
stellen. Dieser  Mikrobe  ist  seinen  morphologischen  sowie  biologischen 
Eigenschaften  nach  identisch   mit  dem  Mikroorganismus,  den  ich  in 
der  giftigen  Ssewrjuga  fand  und  oben  ausführlicher  beschrieb.    Aus 
den  Organen  der  Leiche  eines  Menschen,  der  nach  dem  Genüsse  von 
giftigem    Hausen  gestorben    war,    wurde    eine    Art  von    Bakterien 
gewonnen,  während  aus  den  Organen  zweier  Menschen,  die  sich  zu 
verschiedenen  Zeiten  mit  Stör  vergiftet  hatten,  eine  andere  Art  von 
Bakterien  erhalten  wurde.    Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  würden  wir, 
wenn  es  gelungen  wäre,  einen  vergifteten  Hausen  oder  Stör  zu  unter- 
suchen, dieselben  Mikroben  in  ihnen  gefunden  haben,  wie  in  den 
Organen  der  an  Hausen-  oder  Störvergiftung  Gestorbenen,  ganz  nach 
Analogie  dessen,  was  sich  bei  den  Befunden  nach  Vergiftung  mit 
Ssewrjuga   ergab.    Der  Kürze  wegen  werde  ich  die  einen  Hausen- 
Mikroben  ,  die  anderen   Störmikroben  nennen.     Die  Plattenkulturen 
der  Hausen-  und  Störmikroben  sind  sehr  ähnlich  denen  der  Ssewr- 
iQga.     im    Reagensglase     wachsen    beide    Arten    ebenso    wie    die 
^wrjugamikroben.  Gelatine  verflüssigen  sie  nicht,  sie  trüben  Bouil- 
to,  setzen  sich    sehr  langsam  auf  den  Boden  der  Röhre,  bilden 
atf  der  Oberflächen    keine  Häutchen  u.  s.  w.     Der  Grösse  nach 


1^3  Arnstamoff,  Ueber  die  Natur  de«  FSschgiftea. 

sind  die  Störbakterien  ein  wenig  grösser,  als  die  Ssewrjug&bakterien, 
die  Hausenbakterien  dagegen  fast  zweimal  dicker  und  länger,  als  die 
ersteren.  Eine  eingehendere  Beschreibung  werde  ich  folgen  lassen, 
wenn  es  mir  wird  gelungen  sein,  einen  giftigen  Hausen  oder  Stör  zu 
untersuchen.  Gehirn,  verlängertes  Mark  und  Rückenmark  ergaben  bei 
wiederholten  Kulturen  keine  Kolonieen. 

IV.  Versuche  an  Thieren. 

Ueber  den  zweifellosen  Zusammenhang  der  erwähnten  Mikroben 
mit  dem  giftigen  Agens  der  Fische  urtbeile  ich  auf  Grundlage  ge- 
nügend zahlreicher  Versuche,  die  ich  an  Thieren  vornahm.  Rein- 
kulturen von  Mikroben,  welche  sowohl  aus  giftigem  Lachs  und  Ssewr- 
juga,  als  auch  aus  den  Organen  der  an  Fischvergiftung  Gestorbenen 
dargestellt  waren,  wurden  Thieren  unter  die  Haut  injizirt  und  nach 
deren  Tode  wurden  die  inneren  Organe  derselben  mikroskopisch  uod 
bakteriologisch  untersucht.  Solche  Versuche  wurden  an  19  Kaninchen, 
2  Hunden  und  2  Katzen  angestellt.  Alle  Kaninchen,  denen  Mikroben 
von  Fischen  und  aus  den  inneren  Organen  von  Leichen  injizirt  wurden, 
starben  mehr  oder  weniger  rasch  nach  der  Injektion.  Hunde  und 
Katzen  erkrankten  sehr  schwer,  genasen  aber  nach  einigen  Tagen. 

Die  Symptome  der  Erkrankung  sind  fast  in  allen  Fällen  dieselben, 
und  zwar  folgende:  Eine  oder  2  Standen  nach  der  Injektion  steigt 
die  Temperatur  des  Körpers  der  Versuchstiere  ein  wenig,  geht  dann 
zur  Norm  zurück  und  fällt  allmählich  1 — 3  Grad  unter  die  Norm. 
£3  entwickelt  sich  eine  so  bedeutende  Schwäche,  dass  die  Thiere 
nicht  im  Stande  sind,  auf  den  Füssen  zu  stehen,  die  Athmung  wird 
erschwert,  es  stellen  sich  ein :  Schläfrigkeit,  leichte  Pupillenerweiterung, 
die  Augenlider  fallen  schwer  herab,  gleichsam  gegen  den  Willen  der 
Versuchstiere,  es  besteht  Durst,  Urin-  und  Kothverhaltung  und  bei 
Hunden  und  Katzen  starkes  Erbrechen.  Bei  der  Sektion  findet  sich 
fast  immer  eine  überfüllte  Harnblase  und  eine  Blutüberfüllung  der 
Gefässe  aller  Parenchymorgane.  Bei  Untersuchung  von  Schnitten 
dieser  Organe  ergiebt  sich,  dass  letztere  mit  ebensolchen  Mikroben 
vollgepfropft  sind,  die  injizirt  wurden. 

Aus  den  genannten  Organen  der  Versuchstiere  wurden  von  Neuem 
ebensolche  Reinkulturen  hergestellt  Soweit  ich  mich  überzeugen 
konnte,  hört  die  Giftigkeit  der  Mikroben  bei  fortgesetzten  Reinkulturen 
auch  in  den  folgenden  Generationen  nicht  auf.  Ich  besitze  augen- 
blicklich Reinkulturen  der  Bakterien  aus  den  Organen  aller  an  Fisch- 
vergiftung Gestorbenen,  vom  Lachs,  von  der  Ssewrjuga  und  aus  den 
Organen  aller  Versuchstiere. 

Die  Kulturen  der  vier  erwähnten  Bakterienarten  sind  in  den 
ersten  Tagen  der  Kultur  weniger  giftig,  als  in  den  folgenden.  So 
tödten  z.  B.  zwei-  oder  dreitägige  Kulturen  die  Kaninchen  im  Ver- 
lauf von  einem  oder  zwei  Tagen,  10—  lötägige  dagegen  in  l1/«— ^ 
Stunden.  Ohne  Zweifel  spielen  hier  die  Ptomaine,  die  sich  dabei  ent- 
wickeln, eine  grosse  Rolle.  Die  chemische  Untersuchung  derselben 
ist  zur  Zeit  noch  nicht  beendigt,  die  Resultate  werden  später  ver- 
öffentlicht ;  augenblicklich  kann  ich  nur  mittheilen,  dass  Kulturen,  die 


Fat  rat  und  Chris  tmann  ,   Ein«  einfache  Methode  zur  Gewinnung  etc.     \"[Q 

lange  Zeit  dem  Kochen  ausgesetzt  wurden,  ihre  Giftigkeit  nicht  ver- 
lieren and  die  Kaninchen  tödten,  wenn  auch  langsamer. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich  die  Frage  beantworten:  was  das  für 
Mikroorganismen  seien  und  weswegen  sich  nur  äusserst  selten  Exem- 
plare von  Fischen  als  giftig  erweisen,  obgleich  einige  10000  Stück 
Fische  unter  gleichen  Bedingungen  gefangen  und  zur  Konservirung 
gesalzen  werden.  Weiter  oben  kostatirten  wir,  dass  die  von  uns  er- 
haltenen Mikroben  mit  den  Mikroorganismen  der  Fäulniss  nichts  ge- 
mein haben.  Wenn  man  annimmt,  dass  diese  Mikroben  die  spezifischen 
Krankheitserreger  sind  von  Krankheiten,  denen  jede  der  oben  an- 
geführten Fiscbgattungen  unterworfen  sind,  dann  lassen  sich  viele 
dunkle  Seiten  der  Frage  über  die  Fischvergiftung  mit  Leichtigkeit  er- 
klären. 

Höchst  wahrscheinlich  finden  sich  in  den  Symptomen  der  Fisch- 
vergiftung nach  dem  Genuss  von  den  verschiedenen  Fischgattungen 
mehr  oder  weniger  delikate  Eigenthümlichkeiten,  die  bisher  unsern  Be- 
obachtungen sich  entzogen  haben.  Es  ist  schwer,  anzunehmen,  dass  nach 
dem  Genuss  von  giftigem  Lachs  ganz  genau  dieselben  Symptome  auf- 
treten, wie  nach  der  Aufnahme  von  giftiger  Ssewrjuga  und  Stör. 
Ohne  Zweifel  wird  die  Differenzialdiagnose  der  Fischvergiftungen  in 
der  Zukunft  festgestellt  werden,  ganz  ebenso,  wie  es  mit  den  ver- 
schiedenen Typhusformen  und  den  akuten  Exanthemen  war. 

Vorliegende  Mittheilung  wurde  in  der  Gesellschaft  der  Astrachan- 
schen  Aerzte  am  17.  April  verlesen  unter  gleichzeitiger  Demon- 
stration verschiedener  Schnitte  der  giftigen  Fische,  der  Organe  von 
an  Fischvergiftung  Gestorbenen  und  von  Reinkulturen  der  Mikroben 
in  verschiedenen  Ernährungsmitteln. 

Astrachan,  den  17./29.  April  1891. 


Heber  eine  einfache  Methode  zur  Gewinnung  bacillen- 
reichen  Lepramaterials  zn  Versuchszwecken. 

Von 

Dr.  A.  Favrat    und    Dr.  F.  Christmann 

(Madeira)  (Zornhof-Zabern  i.  E.). 

Ausser  den  beiden  Angaben  von  Bordoni-Uff  red  uzzi1) 
und  von  6  i  an  tu  reo*)  über  erfolgreiche  Züchtung  des  Lepraba- 
cillus  liegen  bekanntlich  nur  negative  Berichte  vor.  Der  Hauptgrund 
dafür  wird  gewiss  in  der  exquisit  parasitären  Natur  des  Lepraba- 
tillus  zu  suchen  sein,  daneben  schien  uns  indessen  als  begünstigendes 
Moment  der  Umstand  in  Betracht  zu  kommen,  dass  fast  ausschliesslich 
▼on  festem  Gewebe  als  Infektionsmaterial  ausgegangen  worden  ist.  Für 
Thierversuche  mag  diese  Methode  allerdings  gewisse  Vortheile  bieten 

1)  Ueber  die  Kultur  der  Leprabacillen.  (Zeitschrift  f.  Hygiene.  Bd.  III.  1S87. 
Heft  L  p.  178.  B.  Jahresbericht.  III    p.  226.) 

2)  Gi  an  tu  reo,  Bicercbe  istologiche  e  batteriologiche  nella  lebbra.  Napoli  1889, 
p.  Jahresbericht  V.  p.  242.) 


120  Fayrat  and  Christmann9 

durch  den  Schutz,  den  es  den  Leprabacillen  vor  den  Zellen  and 
Säften  des  betreffenden  Thieres  gewährt,  aber  für  die  Anlage  von 
Reinkulturen  muss  dieses  Eingeschlossensein  der  Bacillen  entschieden 
nachtheilig  wirken.  Je  grösser  die  Zahl  der  freiliegenden 
Bacillen  ist,  um  so  grösser  wird  die  Aussicht  auf  Er- 
folg sein.  Schon  Bordoni-Uffreduzzi  hat  die  Ursache  seines 
positiven  Erfolges  darin  gesehen,  dass  in  dem  Knochenmark  die 
Zahl  der  freiliegenden  Bacillen  eine  weit  grössere  ist,  als  in  den 
übrigen  Geweben.  In  natura  finden  sich  nun  am  lebenden  Menschen 
solche  Verhältnisse  in  dem  Pemphigusblaseninhalt1)  und  in  dem  Eiter 
von  Geschwüren.  Erstere  sind  aber  eine  äusserst  seltene  Erscheinung 
—  uns  selbst  ist  sie  innerhalb  der  letzten  Jahre  überhaupt  nie  zu 
Gesicht  gekommen  —  und  die  Verwendung  des  letzteren  verbietet 
sich  natürlich  von  selbst.  In  Folge  dessen  haben  wir  versucht,  uns 
auf  künstlichem  Wege  entsprechendes,  aber  bis  auf  den  Gehalt  an 
Leprabacillen  aseptisches  Material  zu  verschaffen. 

Das  Auflegen  von  Blasenpflaster  auf  lepröse  Hautknoten  schlug 
fehl,  wohl  hauptsächlich  darum,  weil  die  Patienten  die  Blase  bis 
spätestens  am  3.  Tage  aufgerieben  hatten.  In  dem  Inhalte  fanden 
sich  nur  ganz  vereinzelte  Bacillen,  und  zwar  erst  nach  Durchstechung 
des  Knotens  in  die  Blase  hinein  vermittelst  einer  gekrümmten  Nadel. 
Dies  stimmt  mit  den  Angaben  Golds chmi dt' s*)  überein,  der  bei 
einer  ausgedehnten  blasenförmigen  Eruption,  die  gelegentlich  der 
Tuberculinbehandlung  bei  einem  Leprösen  auftrat,  ebenfalls  keine 
Bacillen  nachweisen  konnte. 

Erfolgreicher  erwies  sich  die  Injektion  von  0,3  Ol.  Tereb.  rectif. 
in  einen  Knoten  am  Vorderarme  eines  hochgradig  leprösen  Mannes. 
Es  bildete  sich  zunächst  rasch  unter  erheblichen  Schmerzen  eine 
starke  Schwellung  des  ganzen  Armes  ohne  Betheiligung  der  Achsel- 
drüsen aus.  Dieselbe  fühlte  sich  bretthart  an  und  nahm  erst  vom 
3.  Tage  an  ab.  Gleichzeitig  wurden  dann  auch  die  Schmerzen  ge- 
ringer. Am  8.  Tage  fing  ein  Tumor  an  sich  abzugrenzen,  der  von 
der  Einstichstelle  ab  etwa  12  cm  aufwärts  und  3  cm  in  die  Breite 
reichte.  Deutliche  Fluktuation  war  indessen  erst  am  12.  Tage  nach- 
weisbar. An  dem  Tage  eröffneten  wir  dann  den  Abscess  durch  einen 
kleinen  Einstich  und  entleerten  ca.  40  ccm  rahmigen,  schwach  nach 
Terpentin  riechenden  Eiters.  Ueber  den  weiteren  Verlauf  sei  nur 
kurz  erwähnt,  dass  die  Absonderung  am  3.  Tage  einen  rein  serösen 
Charakter  angenommen  hatte  und  dass  am  6.  die  Heilung  eine  voll- 
ständige war.  Die  mikroskopische  Untersuchung  ergab  in  jedem 
Präparat  etwa  10—20  Haufen  von  Bacillen,  ein  Ergebniss,  das  um 
so  weniger  befriedigen  konnte,  als  auch  jeglicher  therapeutische  Er- 
folg, auf  den  wir  gehofft  hatten,  ausblieb. 

Ganz  ausgezeichnete  Resultate  lieferte  uns  hingegen  die  Kaute- 
risation eines  Lepraknotens  vermittelst  des  rothglühenden  Paquelin- 
brenners,  und  da  dieselbe  auch  einen  hervorragenden  kosmetischen 

1)  Anm.  b.  d.  Corr.  Im  Juni  d.  J.  hat  Dr.  Favrat  Gelegenheit  gehabt,  einen 
Fall  von  Pemphiguseruption  bei  einer  hochgradig  leprösen  Frau  zu  beobachten.  Bacillen 
haben  sich  in  dem  Blaseninhalte  nicht  nachweisen  lassen  I 

2}  Goldschmidt,  Bericht  etc.     (Berl.  klin.  Wochenschr.  XXVIII.  2.   1891.) 


Eine  einfache  Methode  znr  Gewinnung  bacillenreichen  Lepramaterials.         121 

Effekt  hat,  so  zwar,  dass  namentlich  jüngere  Patientinnen  die  Wieder- 
holung der  Prozedur  wiederholt  dringend  verlangten,  so  glauben  wir 
dieselbe  der  Beachtung  der  Kollegen  angelegentlichst  empfehlen  zu 
dürfen. 

Das  Verfahren  ist  kurz  folgendes: 

Reinigung  der  Haut  mit  Seife,  Sublimat  lD/00i  Alkohol,  Aether; 
Kauterisation  des  oder  der  Knoten  (wir  haben  wiederholt  in  einer 
Sitzung  10—12  Knoten  gebrannt); 
Kollodiumüberzug ; 
Aseptischer  Verband. 

Nach  3 — 4  Tagen  (nicht  später!)  wird  der  Verband  entfernt, 
nochmals  mit  Alkohol  abgespült,  der  Brandschorf  mit  einem  ge- 
glühten scharfen  Löffel  aufgehoben  und  die  darunter  befindliche 
Eiterschicht  abgekratzt  oder  direkt  auf  die  betreffenden  Kulturmedien 
verimpft.  Die  Heilung  erfolgte  stets  per  primam,  ohne  eine  Spur  des 
Knotens  zu  hinterlassen  und  war  sogar  oft  bei  oberflächlichem 
Brennen  bei  Eröffnung  des  Verbandes  bereits  vollendet 

Die  mikroskopische  Untersuchung  ergab  ausnahmslos  eine  gerade- 
zu enorme  Menge  von  Bacillen  nebst  zahlreichen  Eiterkörpereben  und 
spärlichen  Detritusmassen.  Die  ersteren  liegen  zumeist  ungeordnet, 
nur  verhältnissmässig  selten  in  Haufen  und  nie  in  Zellen  einge- 
schlossen. Bei  der  Fuchsinmethylenblaufärbung  verdecken  sie  oft 
vollständig  die  blaue  Grundfarbe  des  Präparates. 

Es  fragt  sich  nun  natürlich,  ob  diese  Bacillen  wenigstens  in  der 
Mehrzahl  lebend  sind  und  woher  sie  stammen. 

Gornil1)  hat  bekanntlich  die  Vermuthung  ausgesprochen,  dass 
die  grössere  Zahl  der  in  den  leprösen  Geweben  befindlichen  Bacillen 
abgestorben  ist,  und  es  ist  uns  leider  nicht  möglich,  für  diesen  Fall 
den  Beweis  des  Gegentheils  zu  liefern,  da  unsere  Thierversuche  noch 
nicht  abgeschlossen  sind  und  die  Zahl  unserer  Kulturversuche  (auf 
Glycerinagar),  die  übrigens  negativ  ausgefallen  sind,  äusserer  Ver- 
hältnisse halber  eine  so  geringe  geblieben  ist,  dass  sie  zu  irgend 
einem  Urtheil  nicht  verwerthet  werden  können.  Wir  möchten  aber  als 
für  die  erhaltene  Vitalität  sprechend  einmal  die  Färbbarkeit  der 
Bacillen  hervorheben,  die  sich  in  keiner  Weise  irgendwie  beein- 
trächtigt zeigte,  und  ferner  die  enorme  Zahl  derselben,  die  man  doch 
nur  zum  Theil  auf  den  Zerfall  leprösen  Gewebes  wird  zurückführen 
dürfen.  Man  wird  vielmehr  hier  entweder  an  eine  Einwanderung 
auf  demselben  Wege,  wie  die  Eiterkörperchen,  nicht  aber  durch  diese, 
da  sie  sich  nie  innerhalb  derselben  vorfinden,  denken  müssen,  oder 
aber  an  eine  Vermehrung  der  Bacillen  in  situ. 

Ausser  zur  Anlage  von  Kulturen  eignet  sich  dieses  Material 
natürlich  auch  bei  Thierversuchen  nach  vorheriger  Verdünnung  zur 
Injektion  in  die  Blutgefässe  u.  s.  w.,  sowie  auch  zur  direkten  Be- 
obachtung im  hängenden  Tropfen. 

Zum  Schluss  möchten  wir  noch  die  Aufmerksamkeit  auf  eine 
eigenthümliche  Beobachtung  lenken,  die  wir  gelegentlich  solcher  Kau- 

l)  C  o  r  n  i  1 ,  La  contagion  de  la  lepre.  (Extr.  du  Bulletin  de  l'Academie  de  me*- 
fabe.    Seutce  da  19.  Juin  1888.     Banmgarten's  Jahresbericht.  IV.  p.  219.) 


122  Marpmami, 

terisationen  gemacht  haben.  Dieselben  wurden  in  der  erster  Zeit  an 
Leprösen  gemacht,  die  Dr.  G  o  1  d  s  c h  m  i d  t  mit  dem  Koch  'sehen  Mittel 
behandelte  und  die  er  uns  in  der  zuvorkommendsten  Weise  zur  Ver- 
fügung stellte,  wofür  wir  ihm  auch  an  dieser  Stelle  unsern  besten 
Dank  aussprechen  möchten.  Bei  diesen  nun  wurde  an  der  Kauteri- 
sationsstelle  nie  eine  besondere  Wirkung  des  Tuberculins  beobachtet 
Später  bebandelte  der  eine  von  uns  (Favrat)  eine  Anzahl  Lepröser 
mit  dem  Lieb  reich' sehen  Mittel  und  bei  diesen  trat  unter  dem 
Brandschorfe  eine  erhebliche  Transsudation  auf,  als  Zeichen  einer 
lokalen  Reaktion.  Für  die  Verschiedenheit  in  der  Wirkungsweise 
der  beiden  Mittel  ist  dies  jedenfalls  bemerkenswerth. 
10.  Juni  1891. 


Mittheilungen  ans  der  Praxis. 

Von 

Marpmann 

in 

Leipzig. 

1.  Ersatz  für  Agar. 

Seit  längerer  Zeit  wurden  in  meinem  Laboratorium  Versuche  an- 
gestellt, um  an  Stelle  des  opalisirenden  Agars  einen  glashellen  Nähr- 
boden von  den  Eigenschaften  des  Agars  herzustellen.  Die  physika- 
lischen Eigenschaften  der  Gelose  finden  sich  nur  in  dem  Pflanzen- 
schleim der  Algen  und  in  dem  Lichenin  der  Flechten,  sowie  in  künst- 
lichen organischen  Verbindungen,  wie  Laevulan,  Arabinsäure,  Parara- 
binose  etc. 

Das  Laevulan,  Anhydrit  der  Laevulose,  gibt  noch  zu  l/*  °/0  mit 
Wasser  eine  steife  Gallerte,  doch  verliert  diese  Substanz  ebenso  wie 
Lichenin  beim  längeren  Kochen  sowie  beim  Erwärmen  mit  verdünnten 
Säuren  das  Erstarrungsvermögen.  Man  kann  diese  Verbindungen 
daher  nur  sehr  beschränkt  in  der  Bakteriologie  benutzen.  Dagegen 
ist  Gelose  sehr  widerstandsfähig  gegen  längeres  Erwärmen,  wird  durch 
verdünnte  Säuren  schwer  saccharifizirt  und  liefert  Arabinose,  die  nicht 
gährungsfähig  ist,  während  Lichenin  in  gährungsfähigen  Zucker  um- 
gewandelt wird.  Lichenin  ist  leicht  löslich  in  Schweizers  Reagens, 
Gelose  ist  darin  unlöslich,  beide  sind  löslich  in  20°/0  Kalilauge,  aus 
welcher  sie  als  Kaliverbindung  gefällt  werden. 

Um  aus  dem  käuflichen  Agar  eine  durchsichtige  Lösung  herzu- 
stellen, hat  man  durch  Behandeln-  mit  HCl  eine  Reinigung  versucht. 
Thatsächlich  kommt  in  dem  Algenschleim  eine  stärkeähnliche  Ver- 
bindung vor,  welche  in  verdünnter  Salzsäure  leicht  löslich  ist,  jedoch 
hat  sehr  häufig  diese  Reinigung  nicht  den  praktischen  Erfolg,  dass 
der  Nährboden  durchsichtiger  wird.  Es  wurden  verschiedene  Arten 
von  Agar  versucht,  doch  stellte  sich  heraus,  dass  diese  Substanzen 
je  nach  Alter  und  Darstellungsweise  sowie  nach  Ursprung  recht  ver- 


Mittheilungen  aas  der  Praxis.  123 

schiedene  Lösungen  lieferten  und  dass  man  nie  bestimmen  konnte, 
ob  ein  käuflicher  Agar  brauchbar  oder  unbrauchbar  sei.  Daher  wurde 
ganz  von  der  Anwendung  des  Agars  abgesehen  und  auf  die  Mutter- 
substanzen des  Agars  zurückgegriffen. 

Es  sind  namentlich  Algen  aus  der  Gruppe  der  Florideen,  welche 
zur  Agarbereitung  benutzt  werden.  Im  grossen  Ganzen  werden  die 
Algen  frisch  gesammelt,  ausgekocht,  kolirt  und  wie  die  Kolaten 
eingedickt  Je  länger  diese  Kolatur  der  Einwirkung  von  Licht  und 
Luft  ausgesetzt  bleibt,  desto  mehr  wird  dieselbe  durch  Gährung 
und  Fäulniss  verunreinigt.  Daher  liegt  es  nahe,  dass  man  den  besten 
Agar  sich  selbst  aus  den  Algen  bereiten  wird.  Von  den  verschiedenen 
Algen,  als  Fucus  amylaceus,  Fucus  lichenoides,  Euch- 
eumaspec.  des  Handels,  wurden  speziell  die  Sphaerococcus- 
Arten  des  Mittelmeeres  zu  Versuchen  benutzt 

Der  Sphaero coccu8  confervoides  des  Mittelmeeres  gibt 
nach  folgender  Vorschrift  eine  sehr  schöne  Gallerte: 

30  Theile  Sphaeroc.  conferv.  werden  mit  2  Theilen  Salz- 
säure und  1  1  Wasser  2  Stunden  mazerirt,  dann  mit  Wasser  ausge- 
waschen, bis  blaues  Lackmuspapier  nicht  mehr  geröthet  wird. 

Nach  dem  Abgiessen  des  Rückstandes  setzt  man  zu 

700  Theilen  Wasser 
40      „        Glycerin 
20      „        Pepton  liquid.  Koch. 
2      „        geschlagenes  Eiweiss. 

Die  Mischung  wird  20  Minuten  im  Dampfcylinder  gekocht,  dann 
neatralisirt  und  durch  ein  Syrupfilter  filtrirt  Diese  Apparate  be- 
stehen aus  einem  Glasballon  mit  einer  Filterlage  aus  Wildleder, 
Filtrirpapier  und  Filz;  durch  eine  luftdicht  aufgesetzte  Druckbirne 
wird  die  Flüssigkeit  schnell  durchfiltrirt. 

2.  Ersatz  für  Gelatine. 

Von  den  thierischen  Leimsubstanzen  hat  man  bis  jetzt  nur  den 
Knochenleim,  „Glutin",  zu  Nährböden  benutzt.  Ghondrin  wurde  nicht 
angewandt 

Aus  verschiedenen  Gründen  eignet  sich  das  Ghondrin  ausge- 
zeichnet für  gelatinirende  Nährböden  und  ist  der  Gelatine  vorzu- 
ziehen. Man  erhält  Chondrin  leicht,  wenn  man  Rippenknorpel  oder 
Ohrmuscheln  mit  Wasser  auskocht,  das  Perichondrium  entfernt,  die 
Knorpelstficke  recht  fein  zerkleinert  und  dieselben  mit  Wasser  bei  2 
Atmosphären  Druck  im  P  a  p  i  n  'sehen  Topfe  kocht,  oder  bei  kleineren 
Mengen  in  Druckflaschen,  welche  in  100%  Lösung  von  Natr.  sulfuric. 
cryst  stehen. 

Das  Chondrin  filtrirt  dann  heiss  leicht  durch  ein  Papierfilter 
und  gesteht  beim  Erkalten  gallertartig.  Vor  Gelatine  haben  diese 
Chondrinlösungen  eine  grössere  Festigkeit  und  ein  langsameres  Zer- 
fressen durch  peptonisirende  Spaltpilze,  sowie  Festbleiben  bis  über 
+  30°  C  voraus.  Längeres  Kochen  zersetzt  die  Chondrinlösung 
nicht  so  wie  die  Gelatine,  das  Erstarrungsvermögen  wird  erst  beim 


124  Äother  Sprosspils  in  Host. 

Ueberhitzen  mit  Wasser  auf  140°  G  zerstört    Die  Chondrinlösunge^ 
werden  durch  Alaun  gefällt,  im  Gegensatz  zu  Glutin,  sie  eignen  sich 
vorzüglich  zu  Dauerpräparaten  von  Plattenkolonieen. 
Leipzig,  den  3.  Juni  1891. 


Referate. 


Krämer,  E.,  Ueber  einen  rothgefärbten,  bei  der  Ver- 
gährung  des  Mostes  mitwirkenden  Sprosspilz.  (Oester- 
reicbiscbes  landwirtschaftliches  Centralblatt.  I.  1891.  p.  30—  45.  > 

Die  Isolirung  eines  im  bei  der  Vergährung  des  Weinmostes 
gebildeten  Bodensatze  aufgefundenen  Vertreters  der  sogenannten 
Rosahefen  wurde  nach  der  Hanse n'schen  Methode  erreicht,  mit  den 
erhaltenen  Reinkulturen  dann  die  Untersuchung  nach  den  gebräuch- 
lichen Kulturmethoden  auf  dextrosehaltiger  Nährgelatine  fortgeführt. 
Nach  48  Stunden  schon  bildet  die  Hefe  in  Gelatine  kleine  punkt- 
förmige, weissgefärbte  Kolonieen,  die,  langsam  heranwachsend,  nach 
etwa  14  Tagen  röthliche  Färbung  annehmen.  Strichkulturen  verhielten 
sich  ähnlich. 

Die  Zellen  der  Hefe  sind  rund  bis  oval,  häufig  aber  auch  von 
etwas  gestreckter  Gestalt  Die  überwiegende  Mehrzahl  der  runden 
bis  ovalen  Zellen  hat  einen  Durchmesser  von  2,7  bis  3,5  /u ,  selten  i 
sind  Extreme  von  1,5  oder  2,5  /u  Durchmesser.  Die  gestreckten 
Formen  dagegen  zeigen  bei  einer  Dicke  von  1,5  bis  2,5  p  Längen 
von  6  bis  10  /i.  Verbände  von  mehr  als  3  Zellen  sind  selten.  Auf 
festen  Nährböden  sind  die  Kolonieen  anscheinend  durch  eine  gela- 
tinöse, in  Wasser  aber  leicht  lösliche  Ausscheidung  zu  KlQmpchen 
verbunden ;  dieser  Kitt  ist  indess  wohl  zu  unterscheiden  von  dem  von 
Hansen  bei  echten  Saccharomyceten  aufgefundenen  gelatinösen 
Netzwerk. 

Die  Einzelzellen  besitzen  ziemlich  starke  Membranen  sowie  je 
einen  charakteristischen,  runden  und  stark  lichtbrechenden  Inhalts- 
körper mit  den  Reaktionen  eines  Fetttröpfchens  gegenüber  Alkohol, 
Aether  und  Ueberosmiumsäure. 

Durch  den  Mangel  der  Sporenbildung,  die  auch  in  längerer 
Kultur  auf  Gypsblöckchen  bei  25  °  C  nicht  eintrat,  erweist  sich  der 
Pilz  als  kein  echter  Sprosspilz  der  Gattung  Saccharomyces. 
Der  rothe  Farbstoff,  der  nur  in  älteren  Kulturen  auftritt,  ist  leicht 
löslich  in  Wasser,  er  verschwindet  sofort  bei  der  Einwirkung  von 
Säuren  und  Alkalien. 

In  Dextroselösung  ruft  diese  Rosahefe  lebhafte  alkoholische 
Gährung  hervor;  sie  scheint  zu  den  obergährigen  Hefen  zu  gehören. 
Die  Alkoholbildung  ist  eine  recht  bedeutende:  So  konnten  nach  acht- 
tägiger Gährung  bei  25°  in  10°/0  Dextroselösung  4,5  Vol.  °/0  Al- 
kohol nachgewiesen  werden,  wobei  die  Lösung  einen  angenehmen 
Mostgeruch  angenommen  hatte.    In  saurer  Lösung  ist  die  Vergährung 


Bakteriologie  u.  Gesundheitspflege.  —  Bakterien  in  beerdigten  Leichen.       125 

lebhafter,  als  in  alkalischer,  selbst  ein  Zusatz  von  1,5 ö/0  Wein- 
säure wirkt  eher  begünstigend,  als  hindernd  auf  die  Gährthätigkeit 
and  die  ganze  Entwickelung  des  Pilzes.  Ueber  das  Verhalten  des 
Pilzes  gegen  andere  Zuckerarten  wurde  ermittelt,  dass  Saccharose 
vor  der  Vergährung  zunächst  invertirt,  Maltose  dagegen  direkt  und 
Laktose  überhaupt  nicht  vergährt  wird.       Behrens  (Karlsruhe). 

Kirchner,  IL,  Die  Bedeutung  der  Bakteriologie  für  die 
öffentliche  Gesundheitspflege.    (Berliner  Klinik.  Heft  33.) 
Berlin  1891. 
Verf.  gibt  in  diesem  populären  Vortrage  eine  Uebersicht  über 
diejgrossen  Fortschritte,  welche  die  Erkenntniss  und  Prophylaxe  der 
Infektionskrankheiten  durch  die  moderne  bakteriologische  Forschung 
gemacht  hat    Dieses  Thema  hat  K.  in  klarer,  anziehender  und  ge- 
meinverständlicher Darstellung  behandelt    Der  Umstand,  dass   die 
kleine  Schrift  in  einer  Sammlung  klinischer  Vorträge  erschienen  ist, 
könnte  zu  der  Ansicht  führen,  dass  dieselbe  lediglich  für  Aerzte 
bestimmt  sei;  indes»  wird  sie  besonders  auch  gebildeten  Laien,  die 
sich  über  das  hier  behandelte  Kapitel  der  modernen  Hygiene  unter- 
richten wollen,  von  Nutzen  sein.  R.  Stern  (Breslau). 

Petri  (als  Berichterstatter),  Versuche  über  das  Verhalten 
der  Bakterien  des  Milzbrands,  der  Cholera,  des  Ty- 
phus und   der  Tuberculose  in  beerdigten  Thierlei- 
chen.    (Arbeiten  a.  d.  kais.  Ges.-Amt.  Bd.  VII.  Heft  1.  p.  1.) 
In  der  vorliegenden   umfangreichen  Abhandlung  stattet  Regie- 
ningsrath  Dr.  Petri  Bericht  ab  über  die  Resultate  von  Versuchen, 
welche  auf  Anordnung  des  Direktors,  Herrn  Dr.  Koehler,  im  Labo- 
ratorium des  kaiserl.  Gesundheitsamtes  und  auf  der  fiskalischen  Ab- 
deckerei Berlins  unter  wechselnder  Leitung  von  Wolffhügel,  später 
Gaffky,  zuletzt  Petri  (und  unter  Assistenz  der  Herren  DrDr.  Paak, 
Riedel,  Berckholtz,  Jaeger,  Scheurlen)  vom  Februar  1885 
bis  Januar  1891  ausgeführt  wurden,  in  der  Hoffnung,  experimentell 
gesicherte  Anhaltspunkte  zu  gewinnen  für  die  Beantwortung  gewisser 
die  Einrichtung  und  Regelung  menschlicher  Begräbnissstätten  betref- 
fender Fragen  von  allgemeinstem  Interesse. 

Zu  Vorversuchen  wurden  an  Milzbrand  eingegangene  Mäuse  ge- 
wählt, welche  (grossentheils  unsecirt)  unter  verschiedensten  Versuchs- 
bediogungen:  in  feuchter  oder  trockener  Erde,  resp.  Sand,  mehr  oder 
veniger  tief  vergraben,  in  sterilem  Wasser,  oder  auch  in  einer  nicht 
guz  fest  verschlossenen  Flasche  bei  verschiedenen  Temperaturen 
aufbewahrt  wurden.  Nach  1  Monat  20  Tage  langer  Aufbewahrung 
u  steriler,  mit  Wasser  befeuchteter  Erde  wurde  noch  ein  positives 
Resultat  erhalten  durch  Verimpfung  von  Organstücken  auf  Mäuse, 
darüber  hinaus  nicht  mehr  (mit  einer  Ausnahme,  bei  der  noch  nach 
5  Jahr  1  Monat  11  Tagen  bei  Verimpfung  auf  3  Mäuse  und  3  Meer- 
schweinchen 1  Maus  an  Milzbrand  einging). 

Da  mit  diesen  Versuchen  zumal  bei  ihrem  negativen  Ausfall 
wenig  für  die  Lösung  der  Kirchhofsfrage  gewonnen  war  und  auch 
die  üebertragung    der   gefundenen  Resultate    auf  Verhältnisse  bei 


126  Bakterien  in  beerdigten  Leichen. 

Menschen  und  grösseren  Thieren  bei  der  Kleinheit  der  Mäusekadaver 
wenig  statthaft  erschien,  so  suchte  man  bei  den  weiteren  Versuchen 
die  Kirchhofsverhältnisse  möglichst  nachzuahmen.  Die  Kadaver  von 
mit  Milzbrand  resp.  Cholera  infizirten  Meerschweinchen  wurden  theils 
in  vernagelten  Holzsärgen,  theils  in  luftdicht  verlötheten  Zinksärgen 
in  einer  grossen  mit  Erde  gefüllten  Holzkiste  15 — 20  cm  oberhalb 
des  Bodens  derselben  beigesetzt.  Diese  Holzkiste  stand  in  einem 
Kellerraume,  dessen  Temperatur  je  nach  der  Jahreszeit  zwischen 
+  0,5  und  +  19  °C.  schwankte,  und  zwar  in  einem  mit  Wasser 
versehenen  Blechbecken.  Ausserdem  wurde  der  erdige  Inhalt  der 
Kiste  zur  Nachahmung  der  atmosphärischen  Niederschläge  von  Zeit 
zu  Zeit  mittelst  einer  Giesskanne  begossen. 

Die  Ausgrabung  erfolgte  in  bestimmten  Zeiträumen  (je  ein  Holz- 
und  ein  Zinksarg  gleichzeitig).  Die  Särge  selbst  wurden  genau  ma- 
kroskopisch auch  auf  vorhandene  Gase  (Geruch,  Reaktion  gegen  Ammo- 
niak und  Bleipapier),  das  anhaftende  und  umgebende  Erdreich, 
ebenso  der  Sarginhalt  genauestens  auf  die  virulenten  eingeführten 
Keime,  mittelst  Plattenverfahrens,  Thierimpfung,  wo  angänglich,  auch 
mikroskopisch  untersucht.  Die  Kadaver  zeigten  sich  in  den  Zink-! 
sargen  im  Vergleich  viel  besser  erhalten,  als  die  gleichaltrigen  Ka- 
daver in  Holzsärgen. 

Bei  den  Versuchen  mit  Milzbrandmeerschweinchen  wurden  unter 
16  Versuchen  nur  3  positive  Ergebnisse  erhalten.  Zunächst  1  mal 
nach  3  Monaten  in  einem  Holzsarg  durch  Impfung  bei  2  Mäusen! 
unter  3  geimpften  Mäusen  und  3  Meerschweinchen,  während  s&mmt- 
liche  Platten  negativ  ausfielen.  In  dem  gleichaltrigen  Zinksarg  Hess 
sich  kein  Milzbrand  nachweisen.  Ganz  auffällig  war  der  positive 
Ausfall  bei  einem  Zinksarg  nach  6  Monaten  12  Tagen  (durch  das 
Plattenverfahren  [4Kolonieen]  erwiesen,  während  die  Thierimpfungen 
kein  Resultat  ergaben);  es  wurde  durch  dem  Kadaver  anhaftende, 
Sporen  zu  erklären  versucht.  Noch  viel  befremdender  musste  es 
aber  erscheinen,  dass  aus  einem  Holzsarg  noch  nach  46  Monaten! 
(der  korrespondirende  Zinksarg  war  vollständig  vausgefaultu  und! 
ergab  überhaupt  keine  aeroben  Keime  mehr)  die  beiden  geimpftem 
Meerschweinchen  an  Milzbrand  vergingen  (die  2  geimpften  Mäuse 
blieben  am  Leben ;  auf  Platten  kein  Milzbrand).  Dieser  Befund  nach 
46  Monaten  wurde  ebenso  wie  für  die  oben  erwähnte  Maus  (5  Jahr 
1  Monat  10  Tage)  dadurch  zu  erklären  versucht,  dass  zeitweise  der 
Sauerstoff  der  Luft  Zutritt  gehabt,  wodurch  Gelegenheit  för  eine 
eventuelle  Sporenbildung  ermöglicht  war. 

Ebenso  wie.  die  Milzbrandmeerschweinchen  wurden  auch  Cholera- 
meerschweinchen (aber  theilweise  erst,  nachdem  bei  der  Sektion  reich- 
lich Cholerabacillen  nachgewiesen  waren)  zu  Versuchen  verwandt 
Sie  waren  meist  mittelst  Sonde  mit  Cholerabouillonkultur  nach  vor- 
heriger Einführung  von  Sodalösung  und  nachfolgender  intraperito- 
nealer Opiumtinkturinjektion  injizirt  Der  Nachweis  der  Cholera- 
bacillen nach  der  Ausgrabung  wurde  durch  das  Plattenverfahren 
ev.  mit  vorhergehender  Bebrütung  von  infizirter  Bouillon  zu  führen 
gesucht.  Als  äusserster  Termin  für  das  Gelingen  des  Cholerabacillen- 
nachweises  wurde  für  Holzsärge  19  (vom  12.  Tage  ab  Ausfall  bereits 


Bakterien  in  beerdigten  Leichen.  127 

unsicher),  für  Zinksärge  12  Tage  gefunden.  Bei  einigen  in  feuchtem 
Erdreich  ohne  Sarg  vergrabenen  Cholerameerschweinchen  fiel  nach 
2  Monaten  5  Tagen,  resp.  nach  7  Tagen  und  3  Monaten  19  Tagen 
jedesmal  die  Probe  negativ  aus.  Im  ersten  Fall  wurde  auch  das 
zugehörige  Grundwasser  der  Kiste  mit  negativem  Erfolge  untersucht. 
Bei  2  direkt  in  Wasser  versenkten  Cholerameerschweinchen  war 
das  Untersuchungsresultat  nach  18  Tagen  resp.  2  Monaten  10  Tagen 
ebenfalls  negativ. 

In  weiterer  Verfolgung  der  in  Angriff  genommenen  Versuche 
wurden  12  Kaninchen  getödtet  und  denselben  durch  die  freigelegte 
Aorta  50—60  ccm  einer  2  Tage  alten  Bouillonkultur  von  Typhus- 
bacillen  (im  Brutschrank  gezüchtet)  eingespritzt  Die  Kadaver 
worden  dann  zugenäht,  in  Leinwand  gehüllt  und  in  entsprechend 
grösseren  Holz-  resp.  Zinksärgen  (26X15X15  cm)  in  einer  3  m 
langen,  2  m  breiten,  l1/»  m  tiefen  Grube  in  2  Reihen  hintereinander 
auf  der  fiskalischen  Abdeckerei  Berlins  beigesetzt  Die  Auffindung 
der  Särge  war  durch  einen  Führungsdraht  gesichert  Der  Nachweis 
der  Tjphusbacillen  nach  der  Ausgrabung  wurde  durch  das  Platten- 
verfahren zu  führen  gesucht.  Schon  die  erste  Ausgrabung  (nach 
17  Tagen)  fiel  negativ  aus  hinsichtlich  des  Auffindens  der  Tjphus- 
bacillen. Mit  zunehmendem  Alter  der  vergrabenen  Kadaver  nahm  der 
Bakteriengehalt  (Anaörobe  wurden  nicht  berücksichtigt)  in  dem  Zink- 
särgen ab,  die  Gelatine  verflüssigenden  Arten  erfuhren  gegenüber 
den  nicht  verflüssigenden  eine  Zunahme.  Auch  aus  dem  Erdreiche 
der  Umgebung  gelang  es  nicht,  die  Tjphusbacillen  zu  isoliren. 

In  ähnlicher  Weise  wie  die  Typhuskaninchen  wurden  10  mit 
Stückchen  einer  tuberculösen  Lunge  subkutan  infizirte  Kaninchen, 
deren  Tuberculose  nach  64  Tagen  durch  die  Sektion  und  auch  mi- 
kroskopisch nachgewiesen  war,  auf  dem  Gebiete  der  Abdeckerei  in 
Holz-  resp.  Zinksärgen  beerdigt.  Der  Nachweis  der  Tuberkelbacillen 
wurde  durch  Verimpfung  von  Probepartikeln  auf  Meerschweinchen  zu 
erbringen  gesucht  Im  Holzsarg  erhielt  P.  nur  nach  1  Monat 
5  Tagen,  im  Zinksarg  noch  nach  3  Monaten  6  Tagen  positiven  Impf- 
erfolg. Proben  von  dem  mit  Leichenflüssigkeit  durchtränkten  Leichen- 
tuch sowie  von  dem  Boden  des  Holzsarges  lieferten  dagegen  nur  noch 
nach  22  Tagen  und  1  Monat  5  Tagen  positive  Ergebnisse,  später 
nicht  mehr.  Viele  Thiere  gingen  vorzeitig  an  malignem  Oedem  ein. 
In  einem  Zinksarge  konnten  trotz  negativen  Ausfalles  der 
Thierimpfungen  mikroskopisch  noch  gut  färbbare  Tuberkelba- 
cillen nachgewiesen  werden. 

Hinsichtlich  des  interessanten  Details  der  einzelnen  Versuche 
muss  auf  das  Original  verwiesen  werden. 

Der  Herr  Berichterstatter  spricht  zum  Schlüsse  die  Ueberzeugung 
aus,  dass  es  gestattet  sei,  mit  der  nöthigen  Vorsicht,  Schlüsse  auch 
auf  die  bei  der  Beerdigung  menschlicher  Leichen  stattfindenden  Ver- 
hältnisse zu  ziehen.  In  erster  Linie  zu  berücksichtigen  sei  die 
Überlegenheit  der  menschlichen  Leichen  hinsichtlich  der  Grösse, 
doch  dürften  sich  die  Prozesse  an  menschlichen  Leichen  wohl  in 
ähnlicher  Weise  abspielen.  Vielleicht  dürfte  man  erwarten,  dass  ge- 
wisse pathogene  Bakterien,  wie  z.  B.  Tuberkelbacillen,  sich  in  solchen 


128  Citguiinfektion. 

grösseren  Leichen  noch  länger  halten  würden.  Dieß  falle  für  die 
Hygiene  des  Begräbnisswesens  aber  weniger  ins  Gewicht,  als  der  Um- 
stand, dass  in  den  beschriebenen  Versuchen  die  eingeführten  und 
durch  Leichenflüssigkeiten  in  das  umgebende  Erdreich  etwa  hinein- 
gelangten pathogenen  Keime  in  diesem  nicht  mehr  nachgewiesen 
werden  konnten.  Dieser  Umstand  könne  durch  die  Grösse  der  Leiche 
wohl  kaum  beeinflusst  werden,  so  dass  das  bei  den  Thierversuchen 
Gefundene  auch  für  die  Verhältnisse  auf  unsern  Kirchhöfen  Geltung 
behalte.  In  der  Anstellung  exakter  Versuche  an  Menschenleichen 
und  auch  unter  anderen  Bodenverhältnissen  (in  den  vorliegenden 
Versuchen  stand  grossentheils  nur  Sandboden  zu  Gebote)  sieht  P. 
eine  willkommene  Ergänzung  der  erhaltenen  Resultate. 

Czaplewski  (Görbersdorf). 

Klemm, Paul,  Ueber  Gatgutinfektion  bei  trockner  Wund- 
behandlung. (Archiv  für  klinische  Chirurgie.  Bd.  XLI.  1891. 
Heft  4) 
Bis  zum  Jahre  1889  wurde  in  der  Dorpater  Universitätsklinik 
als  Naht-  und  Unterbindungsmaterial  ausschliesslich  Seide  benutzt, 
deren  Sterilisirung  durch  Auskochen  in  5°/0iger  Garbollösung  er- 
folgte. Als  1889  statt  der  bis  dahin  üblichen  antiseptischen  Wund- 
irrigation die  aseptische  Wundbehandlung  eingeführt  wurde  und  man 
in  Folge  dessen  höheren  Werth  auf  exakteste  Blutstillung  und  tiefe 
Nähte  legte,  ging  man  zur  Anwendung  des  Catgut  über.  Man 
fürchtete  die  grosse  Anzahl  von  Unterbindungen  und  versenkten 
Suturen  aus  einem  nicht  resorbirbaren  Stoffe  zu  wählen.  Seit  dieser 
Zeit  kamen  ausserordentlich  häufig  Störungen  in  der  WundheiluDg 
vor  und  zwar  meist  erst  nach  Tagen,  nachdem  die  mit  Seide  ver- 
einigte Hautwunde  bereits  verklebt  war.  Es  bildeten  sich  Abscesse, 
ausnahmslos  in  der  Tiefe  der  Wunde,  dort  wo  die  Catgutnaht  appli- 
zirt  worden  war.  Das  verwandte  Catgut  war  nach  der  Methode  v. 
Bergmann 's  durch  wochenlanges  Einlegen  in  5  °/0  Sublimatalkohol 
und  nachherigem  Aufheben  in  gewöhnlichem  Alkohol  präparirt.  Ein- 
gehende bakteriologische  Untersuchungen  erwiesen  dieses  Catgut  als 
vollkommen  keimfrei.  Verf.  glaubt  ebenso,  dass  eine  Infektion  bei 
der  Zureichung  ausgeschlossen  gewesen  sei.  Trotzdem  glaubt  Verf., 
dass  an  der  Infektion  der  Wunden  das  Catgut  Schuld  gewesen  sei, 
denn  einmal  liess  sich  keine  Lücke  in  dem  sonstigen  antiseptiscben 
Apparat  bei  genauer  Revision  finden  und  dann  hörten  die  Störungen 
in  der  Wundheilung  auf,  als  man  wieder  zu  der  früher  gebrauchten 
Seide  zurückgriff. 

Die  Beziehungen  des  verwandten  Catgut  zur  Infektion  der  Wunde 
denkt  Verf.  sich  so,  dass  das  Catgut  nicht  selbst  die  Wunde  infizire  — 
es  erwies  sich  ja  als  keimfrei  —  dass  es  aber  dann  bei  einem  chirur- 
gischen Eingriff  unvermeidlich  in  die  Wunde  gelangenden  vereinzelten 
Keimen  als  resorbirbares  Material  den  Boden  zur  Infektion  prä- 
parire,  während  die  Seide  dies  nicht  thue.  3  Versuche  an  Katzen 
und  1  an  einem  Kaninchen  scheinen  ihm  diese  Auffassung  zu  stützen. 
Bei  jedem  Thier  wurde  in  die  Oberschenkelmuskulatur  auf  der  einen 
Seite  ein  Catgut,  auf  der  anderen  ein  ebenso  grosser  Seidenfaden 


Gononhöe.         Favus.  129 

eingeheilt  Nach  kürzerer  oder  längerer  Zeit  wurde  untersucht,  und 
jedesmal  war  die  Oberschenkelwunde,  in  welcher  die  Seide  lag,  reak- 
tionslos, während  der  Catgutfaden  sich  von  einem  entzündeten  und 
infiltrirten  Gewebe  umgeben  fand.  Der  Catgutfaden  ergab  in  Gelatine- 
platten zahllose  Keime,  die  Seide  nur  geringe  Mengen.  Es  hatte  bei 
der  Operation  eine  Infektion  stattgefunden,  aber  während  diese  um 
das  Catgut  als  einem  geeigneten  Nährmaterial  zu  einer  heftigen  Stö- 
rung der  Wundheilung  führte,  blieb  sie  bei  der  indifferenten  Seide 
belanglos.  Schimmelbusch  (Berlin). 

Tan  Dort,  Broes  T.,  Gonokokken  infectie  bij  een  twee- 

jaarigmeisje.    ( Weekblad  van  het  Nederlandsch  Ty dschrif t  voor 

Geneeskunde.    1891.  14  Maart.) 

Verf.  war  ein  Fall  von  Blennorrhagie  bei  einem  Dienstmädchen 

zur  Behandlung  gekommen.    Zwei  Wochen  später  beobachtete  er  bei 

einem  2-jährigen  Kind  einen  Fall  von  Vulvovaginitis  mit  eitriger 

Urethritis  und  hämorrhagischer  Cystitis,  bei  welchem  die  mikroskopische 

Untersuchung  einen  reichlichen  Gonokokkenbefund  ergab.    Aus  der 

Anamnese  erklärte  sich,  dass  die  erste  Patientin  das  Kind  besorgte 

und  die  Infektionsursache  höchstwahrscheinlich  war. 

R.  Yerhoogen  (Brüssel). 

BosinsH,  Ueber  gonorrhöische  Erkrankung  der  Mund- 
höhle Neugeborener.  (Deutsche  medic.  Wochenschr.  1891.) 
Eine  Frau  gebar  auf  der  Strasse  ein  Kind,  wurde  mit  demselben 
sofort  auf  die  Klinik  gebracht  (Königsberg),  woselbst  dem  Kinde  so- 
fort 2°/0ige  Ag-NO.  Lösung  in  die  Augen  getropft  wurde.  Nach 
5  Tagen  trat  dennoch  Blennorrhoe  des  linken  Auges  auf.  Nach  wei- 
teren 3  Tagen  trat  eine  eigenthümliche  Affektion  der  Mundschleim- 
haut auf;  es  handelte  sich  um  eine  auf  mehrere  Stellen  beschränkte 
oberflächliche  Infiltration  der  Schleimhaut.  Im  Mundsekret  fand  Verf. 
in  Epithel-  oder  Eiterzellen  eingeschlossene  Gonokokken,  die  auch 
von  Prof.  G.  Fraenkel  als  solche  anerkannt  wurden.  Nach  etwa 
4  Tagen  fingen  die  Veränderungen  an  zurückzugehen  und  der  Pro- 
zess  heilte  ohne  Zurücklassung  einer  Narbe.  Die  Mutter  dieses 
Kindes  litt  bei  ihrer  Aufnahme  an  Gonorrhöe  mit  spitzen  Kondylomen 
und  eiterigem  Drethralflusse.  Verf.  hatte  einen  zweiten  ganz  ähn- 
lichen Fall  mit  der  typischen  Erkrankung  der  Mundschleimhaut  bei 
einem  13  Tage  alten  Kinde.  Die  Mutter  dieses  Kindes  acquirirte 
ihre  Gonorrhöe  im  3.  Monate  der  Schwangerschaft.  Auch  dieser 
Fall  heilte  ohne  jegliches  Zuthun  ohne  Narbenbildung  innerhalb 
11  Tagen.  T  a  n  g  1  (Tübingen). 

Wickham,  Louis,  A  rare  case  of  favus  of  the  limbs  — 

enormous   patches    of  favus   covering   almost    the 

whole  of  the  lower  limbs.    (Letters  from  l'Höpital  St  Louis 

Paris.  —  The  Journ.  of  Dermatol.  1890.  S.  149.) 

Der  42  jährige  Favuskranke,   über   den  W  ick  harn  berichtet, 

wurde  in  seinem  13.  Lebensjahre  von  seiner  Erkrankung  befallen, 

<ue  29  Jahre  hindurch  auf  die  Kopfhaut  beschränkt  blieb.     Erst 

X.W,  Q 


130  Trichomycosis  nodosa.   —  Keratosis  follicularis. 

vor  einem  halben  Jahre  wurden  beide  Unterextremitäten  Sitz  der 
Affektion,  die  daselbst  in  verhältnissmässig  kurzer  Zeit  ausserordent- 
liche Dimensionen  annahm.  Es  erübrigt,  an  dieser  Stelle  die  kli- 
nischen, übrigens  schon  im  Titel  angedeuteten  Erscheinungsformen 
des  Näheren  zu  präzisiren,  zumal  sie  abgesehen  von  ihrer  unge- 
wöhnlichen Ausdehnung  und  mehrfachen  Narben  zu  differential-dia- 
gnostischen  Erörterungen  keinen  Anlass  geben.  Auffallend  aber  ist 
der  Umstand,  dass  der  seit  5  Jahren  verheirathete  Patient  während 
dieser  Zeit  die  Affektion  nicht  auf  seine  Frau  trotz  unausgesetzten 
ehelichen  Verkehrs  übertragen  hat  Die  Behandlung  bestand  in  der 
Applikation  des  „Emplastrum  mercuriale  de  Vigo"  nach  vorheriger 
Entfernung  der  Krusten.  Ledermann  (Breslau). 


Patteson,  B.  Glasgow,  Trichomycosis  nodosa:  A  correc- 
tion  and  a  note.  (The  Brit  Journ.  of  Denn.  1890.  ApriL 
S.  101.) 
Patteson  betont  zuerst,  dass  die  von  ihm  schon  früher  kurz  be- 
schriebene, auf  bacillärer  Grundlage  beruhende  Trichomycosisno- 
d  o s  a  nicht  zu  identifiziren  ist  mit  der  von  Kaposi  beschriebenen  Tri- 
chorhexis  nodosa,  sondern  dass  sie  eine  wohlcharakteri- 
sirte,  zuerst  von  Paton  beschriebene,  besondere  Erkrankungsform 
der  Haare  darstellt  Sie  scheint  auch  mit  der  von  Behrend  beschrie- 
benen Haaraffektion,  bei  der  niemals  Bacillen,  stets  Kokken  in  den  Knöt- 
chen gefunden  wurden,  nicht  identisch  zu  sein.  Verf.,  der  Gelegenheit 
hatte,  10  hierher  gehörige  Fälle  zu  untersuchen,  hat  stets  dieselben 
Bacillenhaufen  in  den  charakteristischen  Knoten  gefunden,  so  dass  ihm 
die  Annahme  eines  gewissen  Zusammenhangs  zwischen  den  Bacillen  und 
der  Affektion  gerechtfertigt  erscheint,  obgleich  bei  der  Abwesenheit  er- 
folgreicher Kulturen  und  Impfungen  der  kausale  Zusammenhang  bislang 
noch  nicht  sicher  erwiesen  ist  In  2  Fällen  zeigten  die  Knoten  ein 
deutlich  röthliches  Aussehen  bei  Beobachtung  mit  reflektirtem  Lichte, 
obgleich  weder  in  den  Knoten  noch  in  der  Form  der  Bacillen 
eine  tinktorielle  Differenz  ersichtlich  war.  Möglicherweise  lag  hier 
nach  Verf.  eine  Mischinfektion  mit  dem  Bacillus  prodigiosus 
vor  (?!).  In  einem  Fall  fand  sich  ein  reichliches  Wachsthum  von 
Penicilliumglaucum.  Die  eingeleitete  Behandlung  war  eine 
vorwiegend  antibakterielle:  Sublimatumschläge  (1 :  2000)  und  Resor- 
cin-Zink-Lanolinsalbe.  Ledermann  (Breslau). 


White,  James  C,    Keratosis    follicularis.     Psorosper- 
mose  folliculaire  v6g6tante.    (Journ.  of  cutan.  and  genito- 
urinary  diseases.    1890.  Januar.) 
White  theilt  eine  neue  Beobachtung  der  von  Darier  zuerst 
als  Psorospermose  folliculaire  v6g£tante,  von  White  als  Keratosis 
follicularis  bezeichneten  seltenen  Hautaffektion  mit,  die   durch  die 
Anwesenheit  von  Epithelzellenansammlungen,  welche  von  den  Talg- 
drüsenausführungsgängen ausgehen,   charakterisirt  ist     Eigentüm- 
licher Weise  betrafen  die  beiden  von  White  beschriebenen  Fälle 


Unterftuchungsmethodeo,  Iuätrumente  etc.  131 

Vater  und  Tochter,  so  dass  zunächst  an  eine  Uebertragung  gedacht 
werden  konnte,  eine  Annahme,  die  sich  aber  wegen  der  vieljährigen 
Abwesenheit  der  Tochter  vom  Elternhause  kaum  aufrecht  halten 
lftsst  Bei  der  von  Bowen  ausgeführten  mikroskopischen  Unter- 
suchung wurden  Psorospermien  gefunden.  Kulturen  auf  Agar-Agar 
in  Wasser  und  in  Bouillon  blieben  steril;  ebenso  hatten  Thierin- 
okolationen  ein  negatives  Resultat.  Bowen  rechnet  diese  Körperchen 
zu  den  Goccidien.  Definitive  Schlüsse  über  die  Natur  und  Lebens- 
äosserungen  dieser  erst  jüngst  in  den  Vordergrund  des  Interesses 
getretenen  Lebewesen,  sowie  über  die  von  ihnen  erzeugten  Derma- 
tosen lassen  sich  nach  White  vorläufig  noch  nicht  ziehen. 

Ledermann  (Breslau). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Petrin  E.,  J.,  Ein  neuer  Apparat  zum  Sterilisiren  mit 
strömendem  Wasserdampf  von  Atmosphärendruck. 
(Arbeiten  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  VI.  S.  498.) 
Bei  dem  zunächst  für  den  Laboratoriumsgebrauch  hergestellten 
Apparat  ist  das  Prinzip  der  Einleitung  des  Dampfes  von  oben  her  zur 
Anwendung  gebracht.  Der  cylindrische,  an  der  Längswand  und  oben , 
mit  Tubulaturen  zur  Einführung  von  Thermometern  versehene  Des- 
infektionsraum ist  durch  eine  plane,  mittelst  Rahmen  von  geraden 
Wänden  in  einen  Ausschnitt  des  Cylinders  eingesetzte,  gut  schlies- 
sende  Thüre  von  der  Seite  her  zugänglich  gemacht,  so  dass  man  den 
Innenraum  leicht  übersehen  und  die  zu  sterilisirenden  Gegenstände 
bequem  hinein  und  herausbringen  kann.  Der  Dampf  wird  in  einem 
zweiten,  in  der  Höhe  des  oberen  Drittels  des  Cylinders  und  neben 
ihm  befindlichen  Gefäss  erzeugt.  Er  tritt  durch  ein  Verbindungsrohr 
in  den  ersteren  ein  und  durch  ein  am  Boden  angebrachtes  Abzugs- 
rohr aus  ihm  ins  Freie,  wo  das  abfliessende  Kondenswasser  in  einem 
Topf  aufgefangen  wird.  Auf  dem  Scheitel  des  Verbindungsrohres  be- 
findet sich  ein  konisches  Ausströmungsrohr.  Nach  Abnahme  der  das- 
selbe verschliessenden  Kappe  nimmt  der  Wrasen  hier  seinen  Weg 
direkt  nach  aussen,  und  man  kann  den  Apparat  entleeren,  ohne  von 
jenem  belästigt  zu  werden.  Stellt  man  den  Verschluss  mit  der  Kappe 
wieder  her,  so  wird  im  Desinfektionsraum  die  erforderliche  Hitze 
bald  wieder  erreicht,  weil  das  Wasser  nicht  aus  dem  Sieden  kam.  Ver- 
suchen zufolge  entsprach  der  Sterilisator  hinsichtlich  seiner  Leistungs- 
fähigkeit den  wissenschaftlichen  Anforderungen.  Der  ganze  Apparat 
ist  mit  mehrfachen  Lagen  verschiedener  schlechter  Wärmeleiter  um- 
geben und  ruht  auf  2  Holzgestellen.  Zur  Heizung  bedarf  man 
eines  Bunsenbrennerkranzes  mit  6—10  Flammen. 

Heim  (Würzburg). 
9* 


132      Schutzimpfung,  k&natL  Infektioukraakheiteii,  KstwirkfJnnfbwninBng  etc. 

Ognlannlkow,   J. ,    Ein    modifizirter    d'Arson val'scher 
Thermostat  mit  Benzinheizung.    (Wracz.  189Q.  pag.  725 
—726.)    [Russisch.] 
Der  d'Arsonval'sche   Thermostat  hat  für  medizinisch-bak- 
teriologische Untersuchungen  eine    hervorragende  Bedeutung;   sein 
Nachtheil  besteht  aber  darin,  dass  er  zu  seiner  Heizung  Gas  er- 
fordert,   über  welches  sehr  viele    ausserhalb  der  grösseren  Städte 
wohnende  Aerzte  nicht  verfügen.    Der  Verf.  bat  deshalb  den  Apparat 
so  modifizirt,  dass  derselbe  mittelst  einer  Benzinlampe  besonderer 
Konstruktion  geheizt  werden  kann.    Der  modifizirte  Apparat  ist  in 
der  Mittheilung  eingebend  beschrieben  und  abgebildet.    Bei  annähern- 
der Konstanz  der  Zimmertemperatur  ist  die  Temperatur  im  Thermo- 
staten bis  auf  0,1—0,2°,  bei  starken  Schwankungen  der  Zimmertem- 
peratur bis  auf  0,2—0,4°  konstant  Rothert  (Kazan). 


Schlitzimpfling ,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Buffer,  M.  Armand,  Notes  on  the  destruction  of  micro- 
organisms  by  amoeboid  cells.* (Brit* Med.  Journ.  No.  1548. 
1890.    p.  491.) 
Die  vom  Verf.  an    den  Pey er* sehen  Plaques   von  normalen 
Kaninchen  studirten  phagocytären  Vorgänge,  welche  im  Originale  aus- 
führlicher mitgetheilt  werden,  führten  zu  den  folgenden  Resultaten: 

1)  Die  Wanderzellen  des  Lymphgewebes  des  Digestionstraktus 
haben  das  Vermögen,  an  die  freie  Oberfläche  desselben  zu  gelangen 
und  daselbst  Mikroorganismen  und  andere  Fremdkörper  (Kohletheil- 
chen  etc.)  in  sich  aufzunehmen. 

2)  Es  gibt  2  Arten  von  Wanderzellen  in  den  Lymphgeweben 
des  Digestions  traktus:  a)  Mikrophagen  (kleine  ein-  oder  mehrkernige 
Zellen;  b)  Makrophagen  (grosse  Zellen  mit  einem  Kern). 

3)  Die  Makrophagen  entstehen  aus  den  kleinen  einkernigen 
Lymphocyten. 

4)  Die  Makrophagen  sind  im  Stande,  die  Mikrophagen  (Leuko- 
cyten)  in  sich  aufzunehmen,  sie  zu  vernichten  und  zu  verdauen. 

5)  Die  Mikroorganismen  werden  im  Innern  der  Mikro-  und  der 
Makrophagen  sehr  rasch  vernichtet 

6)  Die  Mikroorganismen  werden  nie  freiliegend  zwischen  den 
Zellen  oder  in  den  Blutgefässen  und  den  Lymphbahnen  angetroffen. 

7)  Die  Zerstörung  der  Mikroorganismen  durch  die  normalen 
Lymphgewebe  des  Digestionstraktus  vollzieht  sich  in  allen  Ein- 
zelheiten ähnlich  jenem  Vernichtungsprozesse,  welcher  der  Ver- 
impfung  von  pathogenen  Mikroorganismen  an  refraktäre  Thiere  nach- 
folgt 


Schutzimpfung,  kftnstl.  Infektionskrankheiten,  Entwicklungshemmung  etc.      J33 

Wie  aus  einigen  weiteren  vom  Verf.  angeführten  Beobachtungen 
und  Versuchen  hervorgeht,  besitzen  die  epitheloiden  Zellen  anderer 
Lymphgewebe  und  von  pathologischen  Neubildungen  ebenfalls  eine 
amöboide  Bewegung.  Dies  ist  bei  grossen  einkernigen  Zellen  der 
Milz  der  Fall,  deren  Entwickelung  in  analoger  Weise  wie  die  jener 
im  Lymphgewebe  der  Pey  er  'sehen  Plaques  vor  sich  geht.  Es 
konnte  der  direkte  experimentelle  Nachweis  erbracht  werden,  dass 
die  Makrophagen  der  Milz  anorganische  Fremdkörper  in  sich  aufzu- 
nehmen vermögen,  ferner  verschlingen  sie  rothe  und  weisse  Blutkör- 
perchen und  lebende  Mikroorganismen,  so  dass  sie  als  wahre  Pha- 
gocyten  anzusehen  sind.  Aehnlich  verhalten  sich  die  Staubzellen 
der  Lungen  und  die  epitheloYden  Zellen  der  Lymphdrüsen,  die 
Riesenzellen  des  Tuberkels  und  bei  Aktinomykose.  Bezüglich  der 
Tuberkelriesenzellen  stimmt  Verf.  der  Mets  ch  nik  off  sehen  An- 
schauung bei,  dass  es  sich  nicht  um  ein  etwa  abgeschwächtes  oder 
krankhaftes  Gebilde  handle,  sondern  im  Gegentheile  um  einen  sehr 
aktiven  Körper,  um  wirkliche  Kampfzellen,  wie  aus  ihren  amöboiden 
Funktionen  und  ihrem  Inhalte  geschlossen  werden  kann.  Verf.  ist 
daher  der  Meinung,  dass  der  aus  einer  Anzahl  amöboider  Zellen 
bestehende  Tuberkelknoten  die  Bedeutung  einer  Schutzvorrichtung 
gegen  die  Invasion  des  ganzen  Organismus  durch  den  spezifischen 
Bacillus  habe  und  dass  die  in  dem  Knoten  stattfindenden  Prozesse, 
so  lange  als  die  ihn  bildenden  anatomischen  Elemente  am  Leben 
sind,  einem  nützlichen  Zwecke  dienen.  Kr  dl  (Prag). 


(ramalefa,  H»,  De  l'iminunitä  pour  le  vibrion  de  Metsch- 
nikoff.  (Le  Bulletin  m6d.  1890.  p.  1108). 
Verf.  hatte  bereits  früher  festgestellt,  dass  die  gegen  eine  In- 
fektion mit  dem  Metschniko  ff  sehen  Vibrio  natürlich  immunen 
Thierarten  sich  auch  resistent  gegen  das  Toxin  des  Vibrio  erwiesen, 
und  er  versuchte  nun,  die  Ursache  dieses  refraktären  Verhaltens  zu 
ergründen.  Im  Harn  von  Kaninchen,  welche  grosse  Mengen  sterili- 
sirter  Vibriokulturen  erhalten  hatten,  war  das  Vibriotoxin  nicht 
nachweisbar.  Es  schien  demnach,  dass  die  Unschädlichmachung  des 
Bakteriengiftes  bei  refraktären  Thieren  durch  die  Gewebe  bewerk- 
stelligt werden  müsse  und  nicht  wie  bei  den  empfänglichen  Thieren 
mittelst  Ausscheidung  durch  den  Harn  vor  sich  gehe.  Die  toxische 
Flüssigkeit  verliert,  wenn  sie  mit  der  Milz  von  lebenden  Kaninchen 
verrieben  und  die  Mischung  bei  Körpertemperatur  gehalten  wird, 
nach  2—4  Stunden  alle  giftigen  Eigenschaften,  während  diese  bei 
einem  Kontrollversuche,  als  die  Mischung  der  Einwirkung  einer  Tem- 
peratur von  60—80°  C  eine  gleich  lange  Zeit  hindurch  ausgesetzt 
wurde,  erhalten  blieben.  Das  Blutserum  vom  Kaninchen  besitzt 
gleichfalls  ein  antitoxisches  Vermögen,  allerdings  in  schwächerem 
Maasse,  als  die  Milz.  Wenn  die  entmilzten  Thiere  sich  von  der  Ope- 
ration erholt  haben,  erliegen  sie  der  Intoxikation  bei  genau  denselben 
Dosen  wie  die  normalen,  wodurch  die  Annahme,  dass  die  anderen 
lebenden  Gewebe  bei  der  Zerstörung  des  Vibriotoxins  mitbetheiligt 
sind,  ihre  Bestätigung  findet.  Kräl  (Prag), 


1 34      Schntorimpfang,  ktrast).  Infektionskrankheiten,  Entwickelnngshemmwng  etc. 

Preindesberger,  Zur  Kenntnis s  der  Bakterien  des  Unter- 
nagelraumes  und  zur  Desinfektion  der  Hände.  Wien 
(Alfred  Holder)  1891. 
Verf.  untersuchte  den  Unternagelraum,  den  freien  Raum  zwischen 
der  unteren  Fläche  des  Nagels  und  der  Fingerbeere  auf  seinen  In- 
halt an  Bakterien.  Schon  Für  bringer  und  dann  Wittmann 
hatten  auf  den  grossen  Keimgehalt  gerade  dieser  Körperstelle  hinge- 
wiesen und  die  Berücksichtigung  derselben  bei  der  praktisch  so  wich- 
tigen Händedesinfektion  als  besonders  nöthig  hingestellt  Die  Zahl 
der  Bakterienarten,  welche  Verf.  auf  verschiedenen  Nährböden  ein- 
gehender zu  charakterisiren  versuchte,  ist  auch  eine  recht  erhebliche. 
Es  weist  eine  Tabelle  30  verschiedene  nicht  pathogene  Arten  auf, 
von  welchen  19  mit  bereits  bekannten  und  beschriebenen  Orga- 
nismen identifizirt  werden.  Aus  den  letzteren  seien  Micrococcus 
cereus  albus  und  flavus  (Passet),  Micrococcus  candi- 
cans  (Hueppe),  Diplococcus  citreus  liquefaciens 
(Unna),  Micrococcus  albus  liquefaciens  (Besser),  weisse 
und  gelbe  Sarcine  und  weisse  Hefe  genannt  Zweimal  wurden  patho- 
gene Keime,  und  zwar  einmal  der  Staphy locoecus  pyogenes 
aureus  und  dann  der  Streptococcus  pyogenes  gefunden. 
Der  Staphylococ  cus  pyogenes  erschien  aus  dem  Nagelschmatz 
eines  Patienten  mit  Fraktur  des  Femur  ohne  Wunde  nach  mehr- 
tägigem Spitalsaufenthalt,  der  Streptococcus  stammte  von  einem 
Patienten,  an  welchem  die  Nekrotomie  des  Femur  wegen  osteomye- 
litischer Nekrose  ausgeführt  worden  war.  Die  pathogenen  Eigen- 
schaften wurden  durch  Impfungen  an  Kaninchen  und  Mäusen  erwiesen. 
Der  zweite  Theil  der  Arbeit  beschäftigt  sich  mit  der  Desinfektion 
der  Hände  und  enthält  eine  eingehendere  Nachprüfung  der  verschie- 
denen von  Fürbringer,  Oeppert,  Mikulicz  u.  a.  vorgeschla- 
genen Methoden.  Nur  in  einigen  Fällen  sind  die  Hände  mit  Rein- 
kulturen zum  Zwecke  der  Desinfektion  infizirt  worden,  meist  wurden 
Epidermisschuppen  und  der  Nagelschmutz  in  den  natürlichen  Ver- 
hältnissen untersucht.  Auf  Grund  seiner  Ergebnisse  hält  Verf.  die 
Methode  von  Fürbringer  (Seife  und  Wasser,  Alkohol,  Sublimat) 
für  nicht  ganz  sicher.  Ebenso  hat  er  mit  den  von  Geppert  vorge- 
schlagenen Prozeduren  (Desinfektion  mit  Chlor  bei  Anwendung  von 
Chlorkalk  und  Salzsäure)  unzuverlässige  Erfolge  zu  verzeichnen  ge- 
habt Als  die  beste  Methode  erscheint  ihm  die  durch  Boll  bak- 
teriologisch begründete,  welche  auf  der  Klinik  von  Mikulicz  in 
Anwendung  ist:  3  Minuten  langes  Waschen  in  warmem  Wasser  und 
Kaliseife,  Eintauchen  */*  Minute  in  3%  Karbolsäure,  dann  */s  Mi- 
nute in  l/»°/oo  Sublimatlösung,  darauf  Ausreiben  der  Nagelfalze  mit 
Jodoformgaze,  welche  in  ö°/0  Karbolsäure  getaucht  ist  Verf.  will 
nur  statt  Kali,  Natronseife  und  im  letzten  Akt  statt  der  5°/0  Kar- 
bollösung entweder  die  3°/ö  Karbol-  oder  Vs°/0o  Sublimatlösung 
gebrauchen.  Schimmelbusch  (Berlin). 

Cantani,  Cura  de  Ha  difteria.    (Bolletino  delle  cliniche.   1891. 
Gennaio.) 
Zuerst  sind  die  Kräfte  des  Patienten  aufrecht  zu  halten  mit 


Schutzimpfung,  kfinstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangshemmnng  etc.      J36 

Wein,  Aether,  Chinin,  Kaffee,  Stropbantos  u.  s.  w.  Pilocarpin  ist  kein 
gutes  Mittel. 

Dann  muss  man  Rachen  und  Gaumen  desinfiziren.  Zu  diesem 
Zwecke  braucht  man  keinen  Höllenstein ;  viel  besser  sind  konzentrirter 
Alkohol,  Essigsäure,  Kalkwasser,  Kalipermanganat  und  auch  Wasser- 
dampf. Gewöhnlich  pinselt  Verl  den  Rachen  mit  einer  2  prozentigen 
Sublimat-  oder  Karbolsäurelösung,  was  auch  auf  die  Schleimhaut  eine 
geringe  Aetzwirkung  hat  R.  Verhoogen  (Brüssel). 

Petri,  B.  J.,  üeber  die  Widerstandsfähigkeit  der  Bak- 
terien  des  Schweinerothlaufs  in  Reinkulturen  und 
im  Fleisch  rothlaufkranker  Schweine  gegen  Kochen, 
Schmoren,  Braten,  Salzen,  Einpökeln  und  Räuchern. 
(Arbeiten  a.  <L  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  VI.  S.  266.) 
Der  grösste  Theil  der  vorliegenden  Arbeit  wurde  vom  Ref.  aus- 
geführt, welcher  sie  unter  Gaff ky's  Leitung  i.  J.  1888  begann  und 
1889  unter  Beihülfe  von  P  r  ö  1  s   fortsetzte.    P  r  öl s  und  K  o  1  b  be- 
endigten dieselbe  nach  Ablauf  des  Kommandos  des  Ref.  zum  Kais. 
Ges.  Amt    unter  Petri' 8   Leitung,    welcher  sie    unter  Anfügung 
einiger  eigener  Untersuchungen  der  Oeffentlichkeit  übergab. 

Die  Bakterien  des  Schweinerothlaufs  gehen,  wie  Erhitzungsver- 
suche von  Bouillonreinkulturen  in  sog.  Lymphröhrchen  ergaben,  schon 
bei  52°  C  binnen  15  Minuten  zu  Grunde.  Aber  ihre  Vernichtung 
durch  Kochen,  Schmoren  und  Braten  gelingt  nicht  mit 
Sicherheit,  wenn  sie  sich  unter  natürlichen  Verhältnissen  im  Innern 
eines  grösseren  Fleischstückes  oder  Knochens  befinden,  selbst  wenn 
daselbst  Temperaturen  erreicht  werden,  welche,  wie  Petri  mit  Hülfe 
von  eigens  dazu  angefertigten  Thermometern  fand,  jene  Grenze  ziem- 
lich weit  überschreiten.  Dieser  Unterschied  rührt  vielleicht  daher, 
dass  die  Thermometer  in  Folge  des  Wärme  gutleitenden  Metalles, 
mit  welchem  sie  umgeben  waren,  eine  höhere  Temperatur  erkennen 
üessen,  als  in  dem  die  Wärme  schlechter  leitenden  Gewebe  that- 
sächlich  vorhanden  war.  Auch  scheinen  nach  Petri 's  Ermittelungen 
Bakterien  aus  gewissen  Kulturen,  z.  B.  anaerobisch  gezüchtete,  etwas 
höhere  Wärmegrade  vertragen  zu  können.  Nur  das  Kochen,  wobei 
die  Fleichstücke  im  Wasser  untergetaucht  sind,  vernichtet,  falls  es 
etwa  21/*  Stunden  währt  und  die  Stücke  nicht  viel  schwerer,  als 
1  Kilo  sind,  die  Stäbchen  ziemlich  sicher. 

Auch  durch  das  Pökeln  werden  sie  nicht  in  Wünschenswerther 
Weise  unschädlich  gemacht.  An  Seidenfäden  haftende  virulente  Kul- 
turen erlitten  beim  Einlegen  in  eine  14°/0ige  Kochsalzlösung  mit 
Zusatz  von  0,7%  Zucker  und  0,4%  Salpeter  binnen  26  Tagen  aller- 
dings eine  Abschwächung,  wurden  aber  keineswegs  vernichtet ;  dieses 
Ziel  wurde  erst  erreicht,  wenn  sie  ebenso  lange  in  23,5  °/0  iger  Koch- 
salzlösung mit  demselben  Gebalt  an  Zucker  und  Salpeter  verweilt 
hatten;  eine  Abschwächung  der  Virulenz  war  schon  am  11.  Tage 
zu  bemerken.  Auch  hier  erwiesen  sich  die  mit  Reinkulturen  ge- 
wonnenen Ergebnisse  für  die  Verhältnisse  im  Fleich  der  Thiere  nicht 
massgebend.  Schinken  und  Speckseiten  von  rothlaufkranken  Schweinen, 
welche  in  die  stärkere  der  beiden  Laken  eingelegt  worden  waren, 


136      Schutzimpfung,  künstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelon|r*hemtnnng  ete. 

behielten  noch  lange  Zeit  ihre  Virulenz,  n.  z.  die  Rothlaufstäbchen  in 
den  Muskeln  bis  170,  im  Speck  bis  40  Tage;  jedoch  waren  sie  ent- 
sprechend ihrer  im  Speck  von  Haus  aus  geringeren  Menge  und  der 
oberflächlicheren  Lage  in  ihm  nach  70  Tagen  abgestorben.  Für  die 
Praxis  geht  daraus  hervor,  dass  gepökeltes  rotblaufkrankes  Fleisch 
hinsichtlich  der  Verschleppung  der  Seuche  nahezu  ebenso  gefährlich 
ist,  wie  das  frische. 

Auch  das  Einsalzen  hatte  keine  nennenswerthe  Einwirkung 
auf  die  im  Fleisch  von  rothlaufkranken  Thieren  enthaltenen  Bakterien 
Die  Zeit,  welche  man  in  der  Wirklichkeit  auf  diesen  Prozess  ver- 
wendet, reicht  nicht  hin,  um  die  Gefährlichkeit  solchen  Materials 
aufzuheben.  Schinken  und  Speckseiten,  welche  mit  einer  Mischung 
von  Kochsalz  und  Salpeter  (aufs  Pfund  Salz  16  g  Salp.)  einge- 
rieben und  mit  Steinen  beschwert  in  einem  Holzbottich  gelegt  worden 
waren,  enthielten  noch  nach  30  Tagen  soviel  Bakterien,  dass  von  18 
daraus  geimpften  Mäusen  13  an  Rothlauf  starben. 

Die  Notwendigkeit,  derartige  Versuche  stets  in  möglichster 
Uebereinstimmung  mit  den  in  der  Praxis  obwaltendenden  Verhält- 
nissen anzustellen,  zeigt  ein  Vorversuch,  bei  dem  in  Ermangelung 
eiues  Fleisches  von  rothlaufkranken  Thieren  Bouillonkulturen  in  ge- 
sunde Fleischstücke  in  grosser  Menge  und  in  verschiedene  Tiefen 
injizirt  worden  waren;  hier  hatten  die  Bacillen  schon  nach  28  tagiger 
Einwirkung  des  Salzgemenges  ihre  Lebensfähigkeit  verloren. 

Zwei  Schinken  und  Speckseiten,  welche  30  Tage  im  Salz  gelegen 
hatten,  wurden  schliesslich  geräuchert.  Als  sie  nach  14  Tagen 
aus  der  Räucherkammer  kamen,  gingen  von  18  mit  Partikelchen 
aus  ihnen  geimpften  Mäusen  noch  11  an  Rothlauf  ein,  einige  etwas 
verspätet.  Dieselben  Stücke  wurden  dann  weiterhin  an  der  Decke 
eines  Kellerraumes  hängend  aufbewahrt.  Es  gelang  noch  28  Tage 
später,  im  Ganzen  72  Tage  nach  dem  Einlegen  ins  Salz,  mit  2  von 
5  Theilchen  aus  dem  Mark  des  aufgesägten  Oberschenkelknochens 
Mäuse  zu  infiziren,  und  selbst  nach  75  bezw.  119  Tagen  mit  1  von 
8  Proben.  Erst  167  Tage  nach  Beginn  des  Versuches  waren  die 
Rothlauf bacillen  nicht  mehr  nachzuweisen.  Es  scheint,  dass  derge- 
stalt behandeltes  rotblaufkrankes  Schweinefleisch  nach  rund  etwa 
V*  Jahr  keine  Gefahr  mehr  in  sich  birgt. 

Eine  solche  Gefahr  droht  natürlich  nur  den  für  die  Krankheit 
empfänglichen  Thieren,  und  ist  besonders  wichtig  beim  Schwein,  wel- 
ches auch  leicht  mit  Abfällen  kranker  oder  verendeter  Tbiere  in  Be- 
rührung kommt  Auf  welchem  Wege  aber  die  Infektion  erfolgt,  ist 
noch  nicht  genügend  aufgeklärt  Fütterungsversuche,  welche 
Petri  zunächst  an  Mäusen  vornahm,  ergaben,  dass  ein  Theil  der 
Thiere  mit  frischem  rothlaufkranken  Speck  infizirt  werden  konnte, 
nicht  aber  mit  solchem  geräucherten,  auch  wenn  er  sich  subkutan 
noch  infektionstüchtig  erwies.  Dagegen  hatten  4  Experimente  mit 
3  Schweinen  der  sog.  englischen,  bekanntlich  für  die  Krankheit  em- 
pfänglichen Rasse  im  Ganzen  einen  negativen  Erfolg.  Ein  Schwein, 
welches  l1/*  Tag  gehungert  und  eine  geringe  Menge  rothlaufkranker 
Organe  gefressen  hatte,  wurde  zwar  krank,  erholte  sich  _ aber  wieder, 
die  beiden  anderen  Thiere  blieben  gesund,   obwohl  sie  täglich  mit 


Bakteriolog.  r.  XX  Kongr.  d.  deutsch.  G«Mllschaft  f.  Chirurgie  b.  Berlin.     137 

1  Kilo  Rothlauffleisch  (vermischt  mit  ebensoviel  Steinkohlen  oder 
Coaks)  gefüttert  worden  waren  and  eins  derselben  in  einem  letzten 
Versuche  noch  15  Stück  an  Rothlauf  eingegangene  Mäuse  verzehrt 
hatte.  Heim  (Würzburg). 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 


Bakteriologisches  vom  XX.  Eongress  der  deutschen 

Gesellschaft  für  Chirurgie,  abgehalten  vom  1.— 4.  April 

1891  zu  Berlin. 

Der  erste  Sitzungstag  und  die  Hälfte  des  zweiten  worden  einge- 
nommen durch  eine  Diskussion  über  die  Anwendung  des  Koch 'sehen 
Mittels.  In  einem  einleitenden  Vortrage  stellte  von  Bergmann 
3  Thesen  auf.  In  der  ersten  These  behauptete  er,  dass  das  Koc ti- 
sche Mittel  eine  örtliche  Reaktion  nur  auf  tuberculösen  Geweben 
zeige,  die  zweite  These  behandelte  die  Frage  nach  den  ungün- 
stigen, die  dritte  jene  nach  den  günstigen  Wirkungen  des  Mittels. 
König  und  Schede  haben  lokale  Reaktionen  auch  nur  bei  Tuber- 
culosen nach  Anwendung  des  Mittels  gesehen,  während  Küster 
Lokalreaktion  bei  Lupus  erythematodes  und  in  einem  Fall  von  diffusem, 
weichem  Lipom  am  Oberschenkel  gesehen  hat  Allgemeine  fieber- 
hafte Reaktionen  haben  Bergmann  bei  Aktinomykose  und  Sar- 
komen, König  bei  Aktinomykose,  Küster  bei  akuter  Osteomyelitis 
beobachtet 

Ueber  die  günstigen  und  ungünstigen  Wirkungen  des  Mittels 
sind  die  Ansichten  noch  sehr  getheilt,  und  allgemein  wird  zugegeben, 
dass  die  Kürze  der  Beobachtung  definitive  Drtheile  abzugeben  nicht 
gestattet  v.  Bergmann  betont  in  dem  einleitenden  Vortrage  die 
Schwierigkeit  der  Frage,  ob  das  Mittel  in  gewissen  Fällen  dessimi- 
nirend  auf  die  Bacillen  wirke  und  neue  Tuberkeleruptionen  ev.  Mi- 
liartuberculose  hervorrufe.  Auf  Grund  mehrerer  Beobachtungen 
kommt  er  aber  zu  dem  Schlüsse,  dass  die  Behandlung  mit  dem  Koch- 
sehen  Mittel  nicht  vor  dem  Auftreten  neuer  Tuberculose  trotz  an- 
dauernder Fortsetzung  schützt.  Heilungen  hat  er  nicht  beobachtet, 
bei  Gelenk-  und  Knochen-  sowie  Hodentuberculose  eher  Verschlechte- 
rungen als  Besserungen  und  bei  Lupus  noch  während  der  Behand- 
lung Recidive.  Auch  König  hat  Weiterverbreitungen  der  Tuber- 
culose nach  Anwendung  des  Mittels  gesehen  und  es  unterliegt  für 
ihn  keinem  Zweifel,  dass  das  Tuberculin  in  einer  Anzahl  von  Fällen 
die  tuberculösen  Prozesse  derart  aufrühre,  dass  eine  allgemeine  In- 
fektion zu  Stande  kommen  könne,  gleichwie  man  das  ab  und  zu  nach 
Operationen  sieht  König  hat  wirkliche  Heilungen  weder  bei  Lupus 
noch  bei  Gelenkerkrankungen  gesehen,  bei  Lupus  der  Mundschleim- 
haut bewirkt  das  Mittel  aber  oft  erstaunliche  Besserung.  Dies  letztere 
wird  von  Thlerseh  bestätigt.    Schede  und  Lauenstein  berichten 


138     feakteriolog.  ▼.  IX.  Kongr.  d.  deutsch    GeselUehftft  t  Chirurgie  s.  Berlin. 

über  sehr  günstige  Erfahrungen  bei  allen  Formen  der  Tnbercalos* 
Schede  hält  das  Tuberculin  für  eine  „unschätzbare  Waffe  in  dei 
Kampfe  gegen  die  Tuberculose".  y.  Eiseisberg  und  Schede  be 
richten  jeder  über  einen  Fall,  in  welchem  das  Kittel  sehr  gönsti 
auf  Aktinomykose  eingewirkt  hat 

Im  weiteren  Verlaufe  der  Debatte  werden  zahlreiche  mit  Tuber 
culin  behandelte  Fälle  vorgestellt,  von  denen  jedoch  keiner  ge 
h  ei  1 1  ist,  mehrere  Besserung,  die  meisten  jedoch  (Lupusfälle)  schwer 
Recidive  zeigen. 

Demonstrationen  über  die  mikroskopischen  Veränderungen  de 
tuberculösen  Herde  nach  Anwendung  des  Mittels,  sowie  bakteriologi 
sehe  Untersuchungen  bringen  Karg  (Leipziger  Klinik)  und  Referen 
(v.  Bergmannes  Klinik).  Die  Befunde  gehen  übereinstimmen 
dahin,  dass  das  Mittel  keine  Nekrose,  sondern  eine  vorwiegend  ei 
sudative  Entzündung  der  Tuberkel  bewirkt,  und  zwar  zu  einer  Ge 
websschrumpfung,  aber  keiner  Heilung  in  mehrmonatlicher  Anwendung 
führt.  Die  Bacillen  werden  weder  ausges tossen ,  noch  abgetödte« 
sondern  finden  sich  nach  zahlreichen  Tuberkulininjektionen  noch  u& 
versehrt  in  Form  und  Virulenz  vor.  Impfungen  auf  Meerschweinchen 
und  Kaninchen  mit  Material  aus  Lupus,  Gelenk-  und  Drüsentuber, 
culose  nach  mehrmonatlicher  Behandlung,  fielen  sowohl  Kargwi 
dem  Ref.  positiv  aus. 

Im  Weiteren  sprach 
Braatz  (Heidelberg),  Ueber  das  Verhältniss  der  klinil 
sehen  Chirurgie  zur  chirurgischen  Bakteriologie  und 
die  Bedeutung  der  Anaerobiose  für  beide. 

Redner  betont  in  seinem  dem  Zeitmangel  entsprechend  gekürz 
ten  Vortrage  die  Bedeutung  der  Anaärobiose  für  die  Wundinfektion 
Noch  zu  wenig  werde  in  den  neueren  Untersuchungen  über  Wund- 
infektion dem  Umstände  Beachtung  beigelegt,  dass  innerhalb  d« 
Körpers  die  Organismen  anaärobiotisch  zu  leben  gezwungen  seien, 
Im  Blut  sei  fast  aller  Sauerstoff  an  die  rothen  Blutkörperchen  ge" 
bunden  und  das  Serum  enthalte  kaum  V,  °/0  davon ;  in  allen  Ex- 
sudaten und  Transsudaten,  im  Eiter,  in  der  Lymphe,  der  Galle  und 
dem  Harn  fänden  sich  höchstens  Spuren  von  Sauerstoff.  Führe  mafi 
den  geschlossenen  Wunden  Luft  zu,  so  würden  die  Bakterien  in  ihrer 
üblichen  Wachsthumsweise  gestört  und  gehemmt,  und  es  erkläre  sieb 
hieraus  die  günstige  Einwirkung  der  Wunddrainage  und  der  lockeren 
Tamponade.  Besonders  in  Betracht  würde  die  Anaerobiose  bei  ge- 
wissen Formen  von  Gangrän  kommen,  da  wir  als  Erreger  von  bran- 
digen Infektionprozessen  Bakterien  bereits  kennen,  welche  bei  Sauer- 
stoffzutritt überhaupt  nicht  gedeihen. 

WolfT,  Max  (Berlin),  Ueber  Aktinomykose.  Mit  Demonstra- 
tionen. 
Wolff  hat  seine  auf  dem  vorjährigen  Kongresse  mitgeteilten 
Versuche  der  Züchtung  des  Actinomyces  ausserhalb  des  Körpers 
fortgesetzt.  Unter  anaeroben  Bedingungen  wuchs  der  Pilz  stets  besser, 
als  unter  aeroben.     Das  Wachsthumsoptimum  liegt   bei  35—37°. 


feakteriolog.  ▼.  XX.  Kongr.  <L  detiUcb.  Gttdlschaft  f.  Chirurg!*  *.  Berlin.     l$Q 

Als  Nährboden  eignen  sich  Agar-Agar  und  Hübner-  sowie  Tauben- 
eier. Die  Entwicklungsfähigkeit  der  Pilze  war  in  der  Kultur  nach 
9  Monaten  noch  unverändert.  Anf  den  künstlichen  N&hrsubstraten 
geht  der  Actinomyces  in  Gestalt  von  Kurzst&bchen  und  längeren 
Fäden  anf,  niemals  wurden  Drusen  mit  keulenartigen  Gebilden  be- 
obachtet Kurzstäbchen  kommen  vorwiegend  auf  Agar,  Fäden  in 
Hühnereiern  zur  Entwickelung.  Die  kokkenartigen  Gebilde,  welche 
sich  in  den  Kulturen  ebenso  wie  in  den  Herden  bei  der  menschlichen 
Aktinoraykose  finden,  spricht  Wolff  nicht  als  Sporen  an,  da  sie  sich 
u.  A.  schon  durch  die  leichte  Färbbarkeit  mit  Gentianaviolett  von 
jenen  unterscheiden.  Die  fortgesetzten  Impfversuche  mit  Kulturen 
sind  fast  stets  positiv  ausgefallen.  Fast  immer  hat  sich  nach  der 
peritonealen  Impfung  eine  Anzahl  von  Knoten  auf  dem  Peritoneum, 
dem  Netz  resp.  den  Därmen  entwickelt,  welche  typische  Drusen  ent- 
hielten. Redner  demonstrirt  das  23.  Thier,  welches  vor  4  Wochen 
mit  der  13.  Kulturgeneration  geimpft  wurde  und  die  deutlichsten 
Krankheitserscheinungen  darbot.  Es  ist  demnach  Wolff  gelungen, 
eine  der  natürlich  vorkommenden  Aktinomykose  durchaus  analoge 
Erkrankung  durch  Impfung  von  Reinkulturen  des  Actinomyces  zu 
erzeugen.  In  Bezug  auf  die  Therapie  erwähnt  der  Vortragende,  dass 
er  den  Versuch  gemacht  hat,  analog  dem  Tuberculin  ein  Glycerin- 
extrakt  aus  Actinomyces kulturen  herzustellen.  Die  Injektion 
dieses  Extraktes  hat  Reaktionen  aber  nicht  hervorgerufen. 

Reiche!,  P«,  (Würzburg),    Ueber  Immunität   gegen  das 
Virus  von  Eiterkokken. 
Die  mitgetheilten  Beobachtungen  beziehen  sich  auf  Staphylo- 
coecus  pyogenes  aureus;  die   betreffenden  Versuche  sind  an 
Hunden  angestellt.    Reichel    injizirte  intraabdominal  Hunden    in 
Zwischenräumen    von  2—5  Tagen    Reinkulturen  von    Staphylo- 
coecus  in  Dosen,  welche  von  kleinen  allmählich  zu  grösseren  stiegen. 
Durch  diese  successiven  Impfungen  werden   die  Thiere  schliesslich 
immun  und   vertragen  grosse  Mengen  virulenter  Kulturen,  in  Folge 
von  welchen  nicht  vorgeimpfte  Thiere  sehr  schnell  an  einer  hämor- 
rhagischen  Peritonitis  zu  Grunde  gehen.    In  ganz   gleicher  Weise 
lassen  sich  Hunde   durch  Injektion  sterilisirter  Kulturen  gegen  die 
Stoffwechselprodukte  der  Eiterkokken  immun  machen.    Von  6  vor- 
geimpften Hunden  zeigte  keiner  am  Tage  nach  der  Einspritzung  der 
Eterkokkentoxine  krankhafte  Erscheinungen,  während  6  Kontrollhunde 
sämmtüch  schwer  krank  wurden  und  zwei  sogar  starben.    Schliess- 
lich wies  Reichel  nach,  dass  successive  Impfung  mit  den  Stoff- 
*echselprodukten  in  steigenden  Dosen  auch  Immunität  gegen  virulente 
Staphylokokkenkulturen  erzeugte.    Während  nicht  vorgeimpfte  Thiere 
nach  der  Infektion  mit  Eiterkokken  stets  eine  schwere  hämorrhagische 
Peritonitis  aufweisen,  ist  an  geimpften  Thieren  nach  der  Injektion  oft 
keine  Veränderung  des  Peritoneums  nachzuweisen;  oft  ist  nur  ein 
ganz  geringes  Exsudat  da. 

Bei  Versuchen  mit  subkutaner  Injektion  vorgeimpfter  Hunde 
zeigte  sich  die  Immunität  als  keine  so  vollständige,  wie  bei  der  pe- 
ritonealen Infektion.     Von  10  Einspritzungen  waren  4  von  Abscesg- 


140  Neae  Litteratur. 

bildung  gefolgt.  Doch  war  auch  hier  eine  Herabsetzung  der  Em- 
pfänglichkeit ganz  evident ,  denn  unter  denselben  Umstanden,  bei 
welchen  es  bei  nicht  vaccinirten  Thieren  zu  ausgedehnten  Phlegmonen 
kam,  entstanden  bei  vaccinirten  nur  geringfügige  Abscesse  und  In- 
filtrate. Jedenfalls  zeigte  die  differente  Reaktion  von  Peritoneum 
und  Zellgewebe,  dass  durchaus  nicht  das  Peritoneum  als  das  reiz- 
barste und  in  Bezug  auf  Infektion  empfänglichste  angesehen  werden 
darf. 

Die  Dauer  der  erzeugten  Immunität  gegen  die  Eiterkokken 
dauert  nach  einigen  Versuchen  Reich eTs  nur  wenige  Wochen,  doch 
sind  seine  Beobachtungen  hierüber  noch  nicht  abgeschlossen. 

(Schluss    folgt) 


Neue  Litteratur 

xuMmmengeiteUt  Von 

Dr.  Arthur  Würzburg, 

BtbBotiwkar  Im  Kitoerüdwn  Gernndhettaunte  in  Bertin. 


Morphologie  und  Systematik. 

Linossier,  G.,    8ur  une  hematine  vegätale;  l'aspergilline,  pigment  des  spores  de  l'asper- 

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Biologie. 
(G&hrung,  Fäulniss,  Stoffwechselprodukte  usw.) 

Perdrix,  L.t  Sur  les  fermentations  prodaites  par  nn  microbe  anaerobie  de  l'ean.     (Annal. 

de  l'Instit.  Pastear.  1891.  No.  5.  p.  287—311.) 
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Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  znr  unbelebten  Natur. 

Luft,   Wasser,  Boden. 

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lars &  fils)  1891.  2  fr.  75  c. 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  znr  belebten  Natur. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen. 
A.     Infektiöse  AUgemeinkrankheüen. 

Roth,  M.,  Studie  über  das  Auftreten  akuter  und  chronischer  Infektionskrankheiten  in  der 
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Neue  Litteratw.  141 

Exanthematuche  Krankheiten. 
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Wimdinfektionskrankheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  porolentes  Oedem,  Pyämie,  Septikämie, 

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Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  Eückfallsfieber,  Osteomyelitis. 

Brauner,  IL,  Beiträge  sar  Erkenntniss  der  Aetiologie  der  reinen,  genuinen,  croupöscn 
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Augen  und  Ohren. 

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O.     Entcnoatisehe  Krankheiten. 

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Ancbylostomnm,  Trichocephalas,  Oxyaris.) 

Blanehard,  R.,  Note  sor  leg  migrations  da  taenia  gracilis  Krabbe.  (Compt.  rend.  de  la 
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Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen  und  Thieren. 
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Maul-  und  Klauenseuche. 

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Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Hängendere. 

Ä.     Infektion  AUgememkrankheiten. 

Thierseachen  in  Portugal  wahrend  des  dritten  Vierteljahrs  1890.  (VeröffentL  d.  kais. 
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Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Rinderpest,  Lungenseuche,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Kälber,  Rauschbrand,  entosootisches  Verkalben.) 

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Vögel 

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Nene  Litteratur.  143 


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Sehntzimpftiiigeii,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwlcke- 

lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Ko  eh 'sehe 

Heilverfahren  gegen  Tuberculose. 

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144 


Neu  Utteratar. 


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Inhalt. 


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der  Mundhöhle  Neugeborener,  p.  129. 

White,  Jamal  C. ,  Keratosis  follicularis 
(Psorospermose  folliculaire  vegeunte), 
p.  180. 

Wiekham,  Louis,  A  rare  case  of  favus  of 
the  limbs  enonnous  patehes  of  favus  co- 
vering  almost  the  whole  of  the  lower 
limbs,  p.  129. 

Untersnohungamothoden,  Instrumente  etc. 
Ogniannikow,  J.,  Ein  modifisirter  d'Arson- 


▼al'seher  Thermostat  mit  Beneinheimng, 
p.  182. 
Petri,  B.  J.,  Ein  neuer  Apparat  zum  Ste- 
rilisiren    mit   strömendem   Wasserdampf 
von  Atmospblrendruck,  p.  181. 


Sehutaimpfung, 
krankheiten,  Entwicklungshemmung 
und  Verniohtang  der  Bakterien 
und  FaraaiteiL 

Cantani,  Cura  della  difteria,  p.  184. 

Gamaleia,  H.,  De  llmmuniU  pour  le  vi- 
brion  de  Metschnikoff,  p.  188. 

Petri,  B.  J.,  Ueber  die  Widerstandsfähig- 
keit der  Bakterien  des  Schweinerothlsufs 
in  Beinkulturen  und  im  Fleisch  rouV 
lauikranker  Schweine  gegen  Kochen, 
Schmoren,  Braten,  Salzen,  Einpökeln  and 
Räuchern,  p.  185. 

Preindesberger,  Zur  Kenntnis»  der  Bakte- 
rien des  Unternagelraumes  und  zur  Des- 
infektion der  Hinde,  p.  134. 

Buffer,  M.  Armand,  Notes  on  the  destruc- 
Üon  of  microorganisms  by  amoeboid  cell* 
p.  182. 


Originalberichte  über  ] 
Bakteriologisches  rom  XX.  Kon- 
gress  der  deutsehen  Gesellschaft 
für  Chirurgie,  abgehalten  vom 
1. — 4.  April  1891  au  Berlin. 
Braata,   Ueber  das  Verhältniss  der  klini- 
schen Chirurgie   zur  chirurgischen  Bak- 
teriologie und  die  Bedeutung  der  Anaero- 
biose  für  beide,  p.  188. 
Beiohel,  F. ,    Ueber  Immunität  gegen  da» 

Virus  von  Eiterkokken,  p.  189. 
Wolff;  Max,  Ueber  Aktinomykose,  p.  138. 

Vene  Uttermtw,  p.  140. 


Fron 


nasche  Buckdruckerat  (Herm&nn  Pöble)  In  Jen«. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  Hort.  Prot  Dr.  Lenckart  m  Professor  Dr.  Loelüer 

ta  Leipzig  In  üntifswild 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TThlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band.  -*-     Jen»,  den  17.  August  1891.         -*>-  No.  5. 

Preia  für  den  Band  (86  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Bände. 

— »f     Zu  bestehen  durch   alle  Buchhandlangen  und  PosUnstalten.    )§«•- 

Die  Redaktion  des  „Centratiblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testen* nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original  -  Mittheilungen. 


Ueber  einen  Fall  von  Taenia  inermis  fenestrata. 

VOD 

Dr.  Arnaldo  Maggiora 

in 

Turin. 

Die  gefensterton  Taenia  formen  sind  ziemlich  selten.  In  den 
Monographieen  und  wissenschaftlichen  Zeitschriften  sind  nur  wenige 
ftlle  beschrieben,  und  in  mehreren,  wenn  auch  helminthologischen 
Sammlungen,  die  ich  zu  sehen  Gelegenheit  hatte ,  sah  ich  kein  ein- 
iges Exemplar  davon. 

X.B4.  10 


146  Maggiora, 

Der  Erste,  welcher  die  fensterförmige  Perforation  an  den  Band- 
würmern beobachtete,  war  der  Arzt  Andry,  Professor  am  College 
de  France1);  der  Erste,  der  jenen  beschrieb,  war  Masars  de 
Cazeles,  Arzt  zu  B6darrieux  (H6rault)s),  in  der  zweiten  Hüfte 
des  verflossenen  Jahrhunderts.  Nachdem  er  nämlich  einer  69  Jahre 
alten  Patientin,  die  seit  vielen  Monaten  an  Darmkolik  und  anderen 
Störungen  litt,  ein  Decoctum  anthelminthicum  et  purgans  verordnete, 
erbrach  dieselbe  einen  Knäuel  von  platten  Würmern,  die  Masars 
de  Cazeles  auf  folgende  Weise  beschreibt: 

„A  la  premifere  d6jection  la  garde  6tonu6e  me  fit  voir  dans  le 
bassin  une  espöce  de  Corps  graisseux,  en  forme  de  peloton;  je  le  fis 
laver,  et  je  me  hätai  de  le  d6vider,  ce  fut  deux  portions  de  ver  so- 
litaire, plates,  blanches,  d'une  contexture  si  d&icate,  qu'cn  les  61evant 
elles  ätaient  pr&es  k  se  d&hirer  par  leur  propre  poids ;  elles  avaient 
autour  de  quatre  ou  cinq  lignes  de  largeur  k  l'une  de  leurs  exträ- 
mitfe,  tandis  que  l'exträroitg  opposäe  devenait  successivement  plus 
ätroite ;  en  sorte  que  vers  les  derniöres  articulations,  eile  avait  4  peine 
deux  lignes. 

L'une  de  ces  portions  6tait  k  petites  articulations,  marqu6es  par 
des  lignes  transversales,  profondes,  k  des  trte-petites  distances  les 
unes  des  autres,  ressemblant  en  quelque  sorte  k  un  ruban  de  velour 
cannelä ;  l'autre  6tait  k  grandes  articulations  et  repr&entait  une  auite 
de  graines  de  melon,  mousses  k  leurs  extr£mit6s  et  unies  comme  par 
juxtaposition. 

Le  corps  des  articulations  de  cette  nouvelle  espöce  de  taenia, 
6tait  marquä  de  plusieures  lignes  transversales,  superficielles,  en  ma- 
niöre  de  rides,  et  6tait  perc6  d'un  seul  trou  oblong:,  plus  ou  moin 
grand,  suivant  la  grandeur  des  articulations.  Parmi  ces  trous,  les 
uns  6taient  sans  dentelures  ext&ieurement,  et  les  autres  inägalement 
frangta.  Du  c6t6  marginal  externe  de  ces  piöces,  qui  avaient  cinq 
ou  8ix  pans  de  longueur  chaeune,  s^levaient  par  intervalles  irr6gu- 
liers,  de  ces  petites  6min ences  appeläes  mamelons  par  M.  Andry,  et 
que  le  cel&bre  Mr.  Koenig  nous  repräsente  comme  autant  de  bouches, 
au  moyen  des  qnelles  chaque  articulation  de  ranimal  peut  pourvoir 
k  sa  Bubsistance  particuliere." 

In  den  folgenden  Tagen  erbrach  die  Pat.  andere  nicht  mehr  ge- 
fensterte  Stücken  des  Bandwurmes.  Nach  einer  Rede  Ober  die 
Anthelmintica,  in  welcher  de  Cazeles  die  Arcana  nachdrücklich 
bestreitet,  schreibt  er: 

„II  resulte  de  ces  observations,  qu'outre  les  diffärentes  Spaces  dö 
ver  solitaire  dont  parlent  les  auteurs,  il  manquoit  k  l'histoire  de  ce 
reptile  Celle  du  taenia  percä  k  jour  dont  M.  Andry  dans  le  cours 
d'une  longue  pratique,  que  la  c616brit£  de  son  remede  avoit  rendu 
fertile  en  dteouvertes,  n'a  vu  qu'ne  trte-petite  portion ;  ce  qui  fesoit 
pr&umer  que  c'6toit  plutöt  un  jeu  de  la  nature,  ou  le  produit  de 
quelque  maladie,  qu'une  marque  distictive  de  ranimal" 

Masars  de  Cazeles  war  also  überzeugt,  dass  es  sich  um  eine 
neue  Art  von   Bandwurm   handelte;    er  gab  auch  eine  sonderbare 

1)  De  la  geneVation  des  Vers  dans  le  corps  de  l'homme.     Paris  1741.  p.  294. 

2)  Sur  le  taenia  ou  Ver  solitaire  et  plus  particulierement  sur  un  taenia  percl  a 
jour.     (Rom  Journal  de  Mäd  ,  Chirurg,  etc.    T.  XXIX     1768.   p.  26) 


Ueber  einen  Fall  tod  Taenia  Inermit  fenestrata.  147 

Figur  des  Wurmes,  den  er  an  einem  Baume  aufgehängt  darstellte; 
man  siebt  der  Figur  an,  dass  es  sich  entweder  um  eine  Taenia  so- 
lium  oder  mediocanellata,  und  zwar  wahrscheinlich  um  die 
erste  handelte. 

Göze,  dessen  Arbeiten  zwischen  1777  und  1803  publizirt 
worden,  beobachtete  durchlöcherte  Glieder  in  einer  Taenia  cras- 
sicollis1). 

Rudolph i*),  indem  er  von  dem  durch  Masars  de  Cazeles 
beschriebenen  Bandwurm  spricht,  sagt:  „Taenia  solium  cujus  arti- 
culorum  mediae  partes  cum  ovariis  ezciderant  Portioni  vero  ita 
defignratae  nimis  longae  et  regulari  maceratio  aut  artificium  forsan 
accesserunt.  Rudolphi»)  beobachtete  ebenfalls  zwei  Fälle  von 
Taenia  armata:  dieselbe  Beobachtung  wurde  von  Bremser4)  ge- 
macht, der  darauf  besteht,  dass  die  Taenia  fen  est  rata  keine 
eigene  Art,  sondern  nur  eine  Formveränderung  repräsentirt. 

Stefano  delleChiaie  stellt  in  seiner  Elmintografia  umana  5) 
ein  Stück  einer  27  Glieder  besitzenden  Taenia  solium  dar  mit 
kleinen,  länglichen  und  median  gelegenen  Löchern. 

Colin6)  beschrieb  einen  Fall  von  Taenia  inermiß  fene- 
strata, und  Cesare  Taruffi7)  zwei  Fälle  von  Taenia  solium 
fenestrata. 

Leuckart  sagt  in  seinem  klassischen  Werke  Aber  die  Parasiten, 
dass  im  zoologischen  Museum  von  Leipzig  zwei  Exemplare  von 
Taenia  perforata  existiren. 

Ferner  beschrieben  Fälle  von  gefensterten  Taenien  Pouch  et8), 
Blanc»),  Notta10),  Marfan11),  Grobben1»)  und  Danysz"). 

Der  Arbeit  des  Letzteren,  welche  im  zoologisch-histologischen 
Laboratorium  des  naturgeschichtlichen  Museums  von  Paris  gemacht 
*urde,  bietet  ein  besonderes  Interesse,  weil  die  ganze  Serie  der  mehr 
oder  weniger  veränderten  und  der  anscheinend  normalen  Glieder  des 
Wurmes  histologisch  untersucht  wurde. 

Die  in  Rede  stehende  Formveränderung  wurde  ausser  an 
Taenia  solium  und  mediocanellata,  auch  an  anderen  Arten 
beobachtet;  so  z.  B.  hat,  abgesehen  von  dem  oben  erwähnten,  durch 


1)  Citirt   tod    Leuckart,  Dia  Parasiten   des  Menschen.     Leipzig  1881.    Bd.  I. 
Lief  2.    8.  579. 

I)  Eotosoonim    sive  yennium  intestinal! um    historia  naturalis.     Amstelodami  1810. 
v°l  L  T.  L   p.  105. 

3)  Srnops.  pag.  582      Citirt  vonDaTaine,  TraUe*  das  Entosoaires.     Paris  1877. 
H-  77. 

4)  Traite*   soologlque   et   physiologiqne   snr  les  vers  intestinalis  de  l'homme.     Tra- 
cetten frencaise  von  Grundier.     Paris  1824.  p.  197. 

N  Nipoli  1844.     Tav    12.  Fig.  8a. 

6)  Etsdes  cliniqoes  de  medecine  militaire.     Paris  1864.  8.  296. 

7)  Compendio  di  anatomia  patologica  generale.    Bologna  1870.  p.  526. 

8)  Semaine  meMicale      1886.  S.  65. 

*.'  Aussog  im  zoolog   Jahresber.  für  1888.     Vermes.  8    21. 
W  Union  mtdicale.     T.  40.    1885.  p.  678. 

U)  Comptes   rendns   hebdom.    de   la    Soeift*   de  Biologie    1886.   p.  68.     Der  von 
"»rftii  nntersnebte  Fall  ist  derselbe,  welchen  Notta  beschrieben  bat. 

II)  Verhandl.  d.  Zool.  Bot.  Gesellsch.  an  Wien.  Bd.  87.  1887.  pag.  679. 

U)  Journal  d'anat  et  de  phyeiol.  pnblie  par  Cb.  Bob  in.    Fase  V.  1888.  p.  518. 

10  • 


148  Maggiora, 

Göze  beschriebenen  Fall  von  Taenia  crassicollis,  Neumano1) 
bei  einem  Hunde,  der  im  Dünndärme  nebst  anderen  Würmern  einen 
Haufen  von  767  Stücken  von  Taenia  canina  Linn6  hatte,  15  mit 
einigen  durchlöcherten  Ringen  angetroffen.  Bremser,  Davaine, 
Fievet,  Blanc  und  andere  Autoren2)  hatten  mehrere  Exemplare 
von  Bothriocephalus  latus  fenestr.  beschrieben,  mit  denen  ich 
mich  jedoch  nicht  beschäftigen  werde. 

Am  Schlüsse  des  vergangenen  Jahres  konsultirte  mich  mein 
Freund,  Herr  6.,  Hauptmann  bei  der  Infanterie,  der  mehr  als  ein 
Jahr  bei  der  Besatzung  in  Massaua  war.  Er  klagte  über  gewisse 
Störungen,  die  auf  Bandwurmerkrankung  hinwiesen.  Und  obgleich 
Herr  O.  angab,  dass  er  nie  Glieder  entleerte,  so  wurde  ich  doch  in 
meiner  Annahme  durch  die  Aussage  des  Pat.,  dass  er  gern  Salat  von 
rohem  Rindfleisch  und  von  Grünzeug  ass,  und  ferner  dadurch  be- 
stärkt, dass  in  Massaua  finnenhaltiges  Rindfleisch  nicht  selten  ist. 

Ich  rieth  deshalb  dem  Herrn  Gn  sich  einer  anthelminthischen  Kur 
zu  unterziehen,  und  empfahl  ihm  gleichzeitig,  seine  F&ces  aufmerk- 
sam zu  untersuchen,  dieselben  mit  Wasser  zu  verdünnen,  um  kon- 
statiren  zu  können,  ob  sich  in  denselben  Taenien  oder  andere  Würmer 
befänden,  und  mir  dieselben  eventuell  in's  Laboratorium  zu  bringen. 
Nach  einigen  Tagen  kam  Herr  G.  wieder  und  brachte  in  einem 
Fl&schchen  ein  Stück  einer  aus  reifen  Gliedern  bestehenden  Taenia, 
das  er  selbst  als  von  den  gewöhnlichen  Bandwürmern  verschieden 
erkannte.  Ich  frug  ihn,  ob  er  nicht  andere  Theile  und  namentlich 
den  Kopf  des  Wurms  entleert  habe;  er  bejahte  dies,  leider  aber 
wurden  dieselben  irrthümlicher  Weise  sammt  den  F&ces  wegge- 
worfen, ehe  er  die  Stücke  herausheben  konnte.  Jenes  Stück  des 
Bandwurmes,  das  ich  erhielt,  wurde  am  vorhergegangenen  Abende 
entleert  und  zeigte  gar  keine  Bewegungen;  auf  die  Frage,  ob  sich 
die  Ringe  nach  der  Entleerung  bewegt  haben  oder  nicht,  konnte  Pat. 
keine  positive  Antwort  geben.  Das  Stück  war  68  cm  lang  und  hatte 
52  Glieder,  welche  nach  der  makro-  und  mikroskopischen  Prüfung 
und  bei  Vergleich  mit  anderen  Exemplaren,  die  mir  im  Laboratorium 
zur  Verfügung  standen,  mit  Rücksicht  auf  ihren  Bau  und  Dimension, 
auf  die  unregelmässig  alternirende  und  laterale  Stellung  der  Samen- 
öffnungen, auf  das  Verhalten  des  Uterus,  der  ungefähr  20  Zweige 
mit  dichotomischen  Theilungen  auf  jeder  Seite  hatte,  und  schliesslich 
mit  Rücksicht  auf  die  ovale  Form  und  den  Diameter  der  reifen  Eier, 
leicht  als  der  Taenia  mediocanellata  angehörig  erkannt  werden; 
konnten. 

Aus  der  Breite  der  Glieder  und  dem  vollkommen  entwickelten 
Zustande  des  Uterus,  aus  dem  Reifegrade  der  Eier  war  es  leicht  za 
konstatiren,  dass  das  entleerte  Wurmstück  wahrscheinlich  das  letzte 
oder  eines  der  letzten  Stücke  des  Wurmes  repräsentirte. 

Von  den  Gliedern  waren  ungefähr  20  vollständig  normal,  wenn 
auch  etwas  schwach  entwickelt,  die  anderen  zeigten  die  charakteristi- 
schen Veränderungen  der  Taenia  fenestrata.    Man  sah  nämlich, 

1)  Sodltl  d*histoire  naturelle  de  Toulouse.  Compte  renda  de  la  seanc«  dt 
25.  April  1891. 

2)  Loc.  citatis ;  Bull.  Soc.  Vaud.  de  Lausanne.  Vol.  XXIV.  p.  9 ;  Zoolog.  Jahresb. 
1SS6  und  1S87. 


Ueber  einen  Fall  von  Taenia  intrmU  fenestrata.  149 

einige  Glieder,  die  auf  einer  oder  auf  beiden  Seiten,  häufiger  in  der 
Medianlinie,  eine  oder  mehrere  punktförmige,  ganz  geringe  Substanz- 
verluste zeigten,  die  bloss  die  erste  Schicht  des  Wurmes  betrafen; 
an  den  folgenden  Gliedern  gestaltete  sich  der  Substanzverlust,  und 
zwar  in  unregelmässiger  Weise,  immer  breiter  und  tiefer,  bis  schliess- 
lich eine  Perforation  zum  Vorscheine  kam,  deren  Dimension  stetig 
zunahm,  in  der  Weise,  dass  die  letzten  15  Glieder  auf  einen  ein- 
fachen unregelmässigen  Saum  reduzirt  waren,  welcher  von  dem  am 
meisten  peripherisch  gelegenen  Theile  des  Gliedes  gebildet  wurde. 
Das  Gesammtbild  dieser  letzten  Ringe  stellte  eine  Figur  dar,  welche 
einer  tragbaren  Leiter  glich.  Die  Umrandung  der  Löcher  war  im 
Beginne  unregelmässig  und  einem  Risse  vergleichbar,  weiterhin  aber 
war  sie  regelmässiger.  Der  Substanzverlust  erstreckte  sich  nicht 
kontinuirlich  auf  zwei  oder  mehrere  Glieder,  wie  dies  beiBothrio- 
cephalus  fenestratus  vorzukommen  pflegt 

Bei  Beobachtung  des  Wurmes  mit  einer  guten  Linse,  nachdem 
er  einige  Zeit  in  Glycerin  lag,  bemerkte  ich  auf  einigen  Ringen,  die 
anscheinend  normal  waren,  kleine  Hervorragungen  oder  opake,  weiss- 
liche  Flecken,  die  den  von  Danysz1)  beschriebenen  analog  waren  und 
auf  dem  mehr  durchscheinenden  Grunde  hervorstachen;  sie  wurden 
nicht  durch  Uterinal- Verzweigungen  verursacht.  Auch  habe  ich,  wie 
schon  Danysz  in  seinem  Falle  bemerkte,  beobachten  können,  dass 
die  Erosionen,  obwohl  sie  häufiger  auf  den  beiden  Flächen  waren, 
doch  nicht  vollkommen  an  den  Rändern  fehlten  und  hier  hauptsäch- 
lich an  der  Stelle  lokalisirt  waren,  wo  die  quergerichteten  Kanäle  in 
die  längsgerichteten  einmünden.  Um  festzustellen,  wodurch  im  vor- 
liegenden Falle  die  Perforation  der  Taenia  verursacht  wurde,  unter- 
suchte ich  histologisch  einige  Schnittserien  von  Gliedern ;  hierbei  ging 
ich  von  den  anscheinend  gesunden  aus  und  prüfte  successive  die  mehr 
oder  weniger  veränderten  unter  ihnen. 

Die  Autoren,  welche  sich  mit  der  in  Rede  stehenden  Erscheinungs- 
form der  Taenia  beschäftigten,  sind  über  die  Ursache  des  Zustande- 
kommens derselben  nicht  einig. 

Die  Einen  meinen,  dass  es  sich  hierbei  um  Entwickelungsanomalieen 
handle;  es  genügt  jedoch,  nur  einen  Blick  auf  einige  der  Quer- 
schnitte der  Glieder  —  die  verschiedengradig  verändert  sind  —  zu 
werfen,  und  dieselben  mit  analogen  Schnitten  durch  eine  normale 
Taenia  zu  vergleichen,  um  auf  Grund  der  histologischen  Charaktere 
und  der  Dicke  der  verschiedenen  Schichten  sich  von  dem  Gegen- 
theil,  resp.  davon  überzeugen  zu  können,  dass  die  Gewebe  sich  normal 
entwickelt  und  erst  nachträglich  sich  verändert  haben. 

Andere  meinen,  dass  die  Veränderung  davon  abhängig  ist,  dass 
der  Wurm  vom  Darmsafte  verdaut  wird;  und  da  die  widerstands- 
fähige und  unverdauliche  Cuticula  die  tieferen  Schichten  gegen  die 
Aktion  des  Verdauungssaftes  schützt,  so  nehmen  sie  an,  dass  ein 
fremder  Körper  an  irgend  einem  Punkte  die  Cuticula  zerstört  hat, 
oder  (M  ar f a  n  und  Neumunn)  dass  der  Kopf  der  T a e n i  a  sich  von 
der  Darmwand  losgelöst,  sich  an  einem  Ringe  festgesetzt  und  hier  eine 
kleine  Erosion  verursacht  habe. 


1)  Loc.  cit    8.  521. 


150  Maggiora,    Ueber  einen  Fall  von  Taenia  inarmis  fenestrata. 

Es  ist  jedoch  iiicht  wahrscheinlich,  dass  im  Darmkanal  eines 
erwachsenen  Menschen  sich  harte  Körper  befinden  und  dass  hier 
durch  mechanische  Bedingungen  auf  die  resistente  Cuticula  der 
Glieder  ein  Druck  ausgeübt  werden  könnte,  der  an  der  Cuticula  die 
erwähnten  Veränderungen  hervorzubringen  vermöchte.  Ich  habe  im 
gegenwärtigen  Falle  den  Pat.  hierauf  befragt,  und,  wie  zu  erwarten 
war,  erhielt  ich  zur  Antwort,  dass  er  mit  Aufmerksamkeit  das  Ver- 
schlucken harter  Körper  vermeide,  und  dass  dies  gewiss  seit  vielen 
Jahren  bei  ihm  nicht  vorgekommen  sei. 

Dass  sich  der  Kopf  der  Taenia  an  einem  Oliede  festsetze,  ist 
möglich.  Für  den  Fall  von  N  eu  m a  n  n ,  wo  ein  Knäuel  von  sehr  zahl- 
reichen, mit  Haken  versehenen  kurzen  Tänien  vorhanden  war,  gebe 
ich  sehr  gerne  zu,  wie  dies  auch  erwähnter  Autor  anführt,  dass  der 
erste  Schaden  an  den  Gliedern  durch  die  mit  Haken  versehenen 
Köpfe  verursacht  wurde,  die  wegen  Raummangel  gezwungen  waren, 
sich  an  die  Ringe  anzuklammern,  uinsomehr,  als  Neu  mann  im  Be- 
ginne der  Veränderungen  der  Ringe  nachwies,  dass  die  Perforation 
von  aussen  nach  innen  vorschritt. 

In  meinem  Falle  handelt  es  sich  nun  aber  um  eine  Taenia  in- 
ermis,  und  es  ist  deshalb  schwer  zu  verstehen,  wie  der  Kopf  der  sehr 
resistenten  Cuticula  der  Glieder  einen  Schaden  zufügen  könnte.  Und 
wenn  dies  auch  möglich  wäre,  so  müsste  man  noch  nachweisen 
können,  dass  nach  einer  kleinen  Läsion  an  einem  Gliede  in  den 
nächsten  die  ganze  lange  Serie  der  erwähnten  Veränderungen  nach- 
folgen könne,  da  man  doch  schwerlich  annehmen  kann,  dass  ein  und 
derselbe  Kopf  sich  mit  Exaktheit  successive  an  ein  jedes  Glied  ansetzt. 

Leuckart  ist  der  Meinung,  dass  es  sich  nicht  so  sehr  um  eine 
Entwickelungsanomalie  oder  um  einen  Verdauungsprozess,  sondern 
eher  um  einen  krankhaften  Vorgang  handle.  Diese  Annahme  scheint 
mir  am  besten  auch  für  meinen  Fall  zu  passen.  Und  zwar  meinen 
Blanchard  und  Andere1),  dass  die  Alterationen  von  einer  Ruptur 
des  mit  Eiern  überfüllten  Uterus  abhängig  seien.  Ohne  im  Allge- 
meinen die  Richtigkeit  dieser  Annahme  bestreiten  zu  wollen,  glaube 
ich,  dass  dieselbe  von  den  an  meinem  Exemplare  beobachteten  That- 
sachen  nicht  unterstützt  werden  kann.  Denn  wenn  dies  der  Fall 
wäre,  so  müsste  man  an  den  Schnitten  durch  die  Glieder  im  Beginne 
der  Erkrankung  eine  absolute  oder  relative  Vergrösserung  des  Uterus 
sehen,  und  zwar  müsste  dies  auf  Kosten  der  Schichten  zu  Stande 
kommen,  die  denselben  bedecken,  eine  Erscheinung,  die  ich  an  keinem 
der  verschiedenartig  alterirten  Schnitte  beobachten  konnte;  die  Di- 
mensionen der  Uterusverzweigungen  waren  nie  grösser,  als  die  eines 
Gliedes  von  derselben  Dicke  von  einem  normalen  Bandwurme,  auch 
waren  die  dies  bedeckenden  Schichten  nie  vermindert. 

Blanc  nimmt  eine  pathologische  Ent Wickelung  der  Cuticula  an, 
und  Danysz  glaubt,  dass  die  Alterationen  einer  Erkrankung  des 
Wurmes  zuzuschreiben  sind,  in  deren  Folge  sich  unmittelbar  unter 
der  Cuticula  kleine  Degenerationsherde  bilden,  welche  jenen  oben 
erwähnten  Hervorragungen  und  Flecken  von  weisser  Farbe  ent- 
sprechen,  die  man  an   den   scheinbar  noch  normalen   Gliedern  an- 

1)  Tratte*  de  Zoologie  mödicale.     Paria  (Baillier)  1889    T.  I.  S.  865. 


Gabritschewsky,  Zur  Frage  d.  Immnnit.  a.  d.  Heilang  ▼.  lnfektionskrankh.     251 

trifft  Die  erwähnten  Degenerationsherde  würden  das  Abfallen  der 
Cuticola  in  jenen  Punkten  bedingen,  und  es  würde  hiernach  der  Darin- 
saß den  Destmktionsprozess  fortsetzen. 

Die  von  mir  beobachteten  Thatsachen  scheinen  die  Anschauung 
von  Danysz  zu  bekräftigen.  Auch  in  meinem  Falle  konnte  man 
an  den  Schnitten  der  scheinbar  normalen  Glieder,  und  zwar  öfters 
im  Niveau  der  erwähnten  weisslichen  Flecken  kleine  Herde  fettiger 
Degeneration  unter  der  Haut  beobachten,  und  man  sah,  dass  der  De- 
stmktionsprozess sich  an  den  Gliedern,  deren  Haut  angegriffen  und 
allmählich  sich  mehr  und  mehr  veränderte,  wahrscheinlich  in  Folge 
der  Einwirkung  des  Darmsaftes  von  den  oberflächlichen  auf  die  tiefen 
Schichten  und  auch  lateralwärts  fortsetzte. 

Ich  untersuchte,  ob  in  diesen  kleinen  Krankheitsherden  oder 
um  dieselben  herum  und  überhaupt  auf  den  Gliedern  Mikroorganismen 
vorhanden  seien,  und  dies  um  so  mehr,  als  Alterationen  der  Cuticula 
durch  Einwirkung  von  vegetabilischen  Parasiten  schon  an  anderen 
Würmern  beobachtet  wurden,  z.  B.  bei  Gordius  (Vi Hot),  allein 
meine  diesbezüglichen  Untersuchungen  ergaben  kein  positives  Resultat 

Turin,  den  9.  Juni  1891. 


Ein  Beitrag  zur  Frage  der  Immunität  und  der 
Heilung  von  Infektionskrankheiten. 

[Aus  dem  hygienischen  Institut  in  München.] 

Von 

Dr.  CK  Gabritschewsky, 

Privatdosenten  an  der  Universität  zu  Moskau. 

Anschliessend  an  die  Schutz-  und  Heilimpfungsversuche,  die  in 
der  letzten  Zeit  von  Prof.  Dr.  Emmerich  mit  sehr  interessantem 
Erfolg  angestellt  worden  sind,  erlaube  ich  mir  hier  einige  Versuche 
mit  Milzbrand  mitzutheilen.  Es  wurden  nämlich  folgende  Fragen 
aufgestellt:  1)  Ob  es  möglich  ist,  durch  wiederholte  Impfungen  mit 
stark  verdünnten  virulenten  Kulturen  von  Milzbrandbacillen  die  Thiere 
immun  zu  machen,  und  2)  ob  das  Blut  und  der  Saft  der  künstlich 
immunisirten  Thiere  nach  subkutaner  Anwendung  bei  den  für  Milz- 
brand empfänglichen  Thieren  eine  Immunität  bedingen  kann. 

A.  Bei  den  Versuchen  mit  verdünnten  Milzbrandkulturen  wurden 
fär  Kaninchen  virulente  Kulturen  gebraucht  und  im  Laufe  der  Unter- 
suchung stets  frische  Kulturen  von  an  Milzbrand  gestorbenen  Ka- 
ninchen- angelegt  Von  solchen  eintägigen,  bei  24°  C  in  Fleisch- 
bouillon gezüchteten  Kulturen  wurden  mittelst  graduirten  Kapillarpi- 
petten *)  kleine  Quantitäten  von  0,001  bis  0,1  g  auf  ein  gewisses  Quan- 
tum steriles  Wasser  übertragen  und  auf  diese  Weise  beliebige  Ver- 
dünnungen hergestellt    Zugleich  wurde  die   Zahl  der  Bakterien  in 

1)  Die  Beschreibung  dieser  von  mir  konstruirten  Pipetten  folgt  in  den  nächsten 
Hummern  dieser  Zeitschrift. 


.  152  Gabritschewsky, 

jedem  0,1  g  jeder  Verdünnung  bestimmt,  indem  als  maassgebend  die 
Zahl  der  Kolonieen  war,  welche  auf  Gelatineplatten  von  einem  0,1 
verdünnter  Kultur  in  2  Tagen  sich  entwickelten.  Es  stellte  sich  da- 
bei  heraus,  dass  eine  Verdünnung  1  :  10000  in  jedem  0,1  g  noch 
2—10  Bacillen  enthält. 

Die  Versuche  mit  verdünnten  Kulturen  sind  folgende: 

I.  Zwei  grosse  Kaninchen  wurden  mit  je  0,1  von  einer  Kultur 
1 :  20  subkutan  geimpft.  Am  dritten  Tage  erlagen  die  Kaninchen 
an  Milzbrand. 

II.  Zwei  grosse  Kaninchen  haben  ebensoviel  von  einer  Verdünnung 
1 :  200  bekommen.  Das  eine  von  ihnen  ist  in  zwei,  das  andere  in 
drei  Tagen  an  Milzbrand  gestorben. 

III.  Drei  Kaninchen  (No.  13  von  1790  g,  No.  14  von  1690  g  and 
No.  15  von  1650  g  Gewicht)  wurden  am  27.  April  mit  0,25  g,  U,5 
und  1,0  g  einer  verdünnten  Kultur  1 :  500  geimpft,  dabei  hat  jedes 
Kaninchen  30, 70  und  140  Bacillen  subkutan  bekommen.  Die  Kaninchen 
waren  kurze  Zeit  krank,  blieben  aber  am  Lieben:  die  Temperatur 
39,0—39,2  (vor  dem  Versuch)  fing  an  zu  steigen  und  erreichte  ihre 
Höhe  am  5.-6.  Mai  39,7—40,7°.  Erst  nach  5  Tagen  war  sie 
wieder  normal  (unter  39,5).  Es  wurde  dann  die  Impfung  wiederholt 
und  dieses  Mal  mit  0,1,  0,2  und  0,3  von  einer  Verdünnung  der  Kultur 
1:100.  Nach  3-tägigem  starkem  Fieber  (40—41°  C)  erlagen  die 
Kaninchen  No.  13  und  No.  15  an  Milzbrand.  Das  Kaninchen  No.  14, 
welches  auf  die  erste  Impfung  am  stärksten  reagirte  (Temperatur  bis 
40,7°  G)  blieb  nach  der  letzten  Impfung  fieberlos.  Es  schien  also, 
dass  dieses  Kaninchen  nach  Ueberstehen  des  ersten  Milzbrandfiebers 
relativ  immun  geworden  war,  aber  nur  relativ,  denn  als  das  Thier 
am  25.  Mai,  11  Tage  nach  der  letzten  Injektion,  eine  neue  Impfung 
von  0,1  g  einer  Verdünnung  1 :  10  bekommen  hatte,  erkrankte  es  doch 
(Temperatur  bis  40,2°)  und  erlag  in  3  Tagen  (28.  Mai)  an  Milzbrand. 

Diese  Versuchsreihe  ist  in  zwei  Beziehungen  interessant,  erstens 
beweist  sie,  dass  eine  einmalige  Ueberstehung  des  Milzbrandfiebers 
noch  keine  absolute  Immunität  gegen  Milzbrand  verleiht,  und  zweitens, 
dass  die  Kaninchen  ziemlich  grosse  Mengen  von  Bacillen  (30—140) 
einer  virulenten  tfultur  subkutan  ertragen  können,  ohne  davon  zu 
Grunde  zu  gehen.  Ich  muss  aber  dabei  bemerken ,  dass  der  Be- 
griff der  Kulturvirulenz  und  der  Bacillenvirulenz  sich  nicht  voll- 
ständig deckt,  denn  eine  virulente  Kultur  (in  grösseren  Mengen)  kann 
doch  abgeschwächte,  für  Kaninchen  nicht  virulente  Bakterien  ent- 
halten, was  vielleicht  auch  in  diesem  Versuch  der  Fall  war,  da  eine 
stärkere  Verdünnung  einer  neuen  frischen  Kultur  doch  eines  von 
den  zwei  folgenden  Kaninchen  tödtete. 

IV.  Zwei  Kaninchen  von  3330  g  und  1720  g  Gewicht  wurden 
am  15.  Mai  subkutan  mit  einer  verdünnten  Kultur  1  :  10000  geimpft. 
Das  erste  Kaninchen  bekam  0,5  g  dieser  verdünnten  Kultur  mit  ca. 
10  Bacillen,  das  zweite  0,1  g  mit  ca.  2  Bacillen.  Am  dritten 
Tage  (18.  Mai)  starb  das  grosse  Kaninchen  an  Milzbrand,  mit  dem 
kleinen  ist  der  Versuch  noch  nicht  abgeschlossen.  Wenn  es  auch 
nicht  ausgeschlossen  ist,  dass  die  Kaninchen  bei  subkutaner  Impfung 
2 — 3  virulente  Milzbrandbacillen  ertragen  können,  so  steht  andererseits 
die  Thatsache  fest,  dass  für  Meerschweinchen  und  Mäuse  jeder  (für  Ka- 


Zur  Frag«  der  Immunität  und  der  Heilung  von  Infektionskrankheiten.         153 

niochen)  virulente  Milzbrandbacillus  absolut  tödtlicb  ist.  So  starben 
z.  B.  zwei  grosse  Meerschweinchen,  welche  mit  derselben  verdünnten 
Milzbrandkultur  (der  IV.  Versuchsreihe)  zu  je  0,1  und  0,3  g  geimpft 
wurden,  in  3  Tagen. 

Bekanntlich  hat  diesen  Weg  der  Immunisirung  gegen  Infektions- 
krankheiten (Rauschbrand)  zuerst  Arloing  eingeschlagen1).  Die 
Methode  aber  blieb  ohne  weitere  wissenschaftliche  Bearbeitung, 
bis  in  ganz  letzter  Zeit  Prof.  Emmerich  und  Dr.  Mastbaum2) 
die  Kaninchen  gegen  Schweinerothlauf  und  Dr.  Favitzkz  gegen 
Diplococcus  pneumoniae  mit  verdünnten  virulenten  Kulturen 
immunisirt  hatten. 

Was  die  Details  der  Immunisirung  gegen  eben  genannte  Krank- 
heiten anbelangt,  so  verweise  ich  auf  die  Originalarbeiten.  Die  erste 
ist  schon  erschienen,  die  zweite  erscheint  in  der  nächsten  Zeit.  Ich 
mochte  nur  bemerken,  dass,  obgleich  diese  Forscher  starke  Verdünnungen 
bis  1 :  50  gebraucht  haben,  doch  die  Zahl  der  verimpften  Mikrobeu 
auf  etliche  Huuderte  und  Tausende  gerechnet  werdeu  muss,  und  so- 
mit wäre  die  Virulenz  der  Kulturen  keine  absolute  in  dem  Sinne,  wie 
es  bei  virulenten  Milzbrandbacillen  der  Fall  ist,  wo  zwei,  drei,  höchstens 
10  Bacillen  genügen,  um  sicher  ein  Kaninchen  zu  tödten.  In  diesem 
Unterschied  der  Virulenz  der  Bakterien  liegt  auch  der  Grund  für 
den  Unterschied  in  den  Resultaten  der  Schutzimpfung,  indem  ineine 
Versuche  negativ  ausfielen.  Sehr  wahrscheinlich  erscheint  uns  des- 
halb die  Annahme,  dass  bei  absoluter  Virulenz  der  Bakterien  (wie 
bei  Milzbrand)  eine  Gewöhnung  der  Thiere  an  diese  Iufektion  mit 
Uebergang  in  Immunität  unmöglich  ist.  Jedoch  sind  hierüber  noch 
weitere  Versuche  nöthig. 

ß.  Was  die  zweite  von  uns  aufgestellte  Frage  anbelangt,  so  sind 
ober  diesen  Gegenstand  vor  Kurzem  im  Laufe  unserer  Versuche  2 
Arbeiten  von  Prof.  Ogata  und  Jasuhara9)  veröffentlicht,  welche 
den  Beweis  zu  liefern  schienen,  dass  das  Blut  von  für  Milzbrand  und 
Mäuseseptikämie  immunen  Thieren  bei  subkutaner  Impfung  sogar  in 
sehr  kleinen  Quantitäten  (es  genügen  1 — 2  Tropfen)  als  sicheres 
prophylaktisches  und  therapeutisches  Mittel  wirkt.  Prof.  Ogata  gibt 
ao,  dass  es  ihm  auch  gelungen  wäre,  diese  immunisirende  Substanz 
aus  dem  Blute  zu  isoliren.  Es  soll  nämlich  ein  Ferment  sein,  das 
nicht  nur  Milzbrand  und  Mäuseseptikämiebacillen  tödtet,  sondern  auch 
die  Entwicklung  der  Cholerabacillen  und  Typhusbacillen  verhindert 
Die  Tragweite  dieser  Entdeckung  ist  nicht  zu  verkennen ;  um  so  mehr 
war  die  Nachprüfung  der  Versuche  von  Ogata  von  hohem  wissen- 
schaftlichem Interesse. 

In  meinen  Versuchen  habe  ich  nur  künstlich  immunisirte  Thiere 
gebraucht  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil,  wie  es,  wenigstens  in  vielen 


1)  Citirt  bei  Prof.  Naunyn,  Zum  derzeitigen  Standpunkt  der  Lehre  von  den 
Schutzimpfungen.     Leipsig  3  886. 

V  Die  Ursache  der  Immunität,  die  Heilung  von  Infektionskrankheiten,  speziell  des 
Kotblaufs  der  Schweine  und  ein  neues  Schutaimpfungsverfahren  gegen  diese  Krankheiten. 
(Arch.  f.  Hygiene.  Bd.  XII.  1891.) 

3)  Ogata  und  Jasuhara,  Ueber  die  bakterien feindliche  Substanz  des  Blutes. 
(Centrslbl.  f.  Bakt.  und  Paras.     Bd.  IX.  No.  18,  19.  S.  597.; 


154  Gabritechewaky, 

Fällen,  scheint,  die  künstliche  Immunität  eine  vollständigere  ist,  als 
die  natürliche. 

Bei  zwei  Hunden,  die  gegen  Milzbrand  als  refraktäre  Thiere  be- 
trachtet werden,  ist  nach  der  subkutanen  Impfung,  wie  das  folgende 
Versuchsprotokoll  beweist,  eine  ausgesprochene  Erkrankung  einge- 
treten. 

V.  Ein  kleiner,  aber  erwachsener  Hund  von  6350  g  Gewicht  wurde 
den  15.  Mai  mit  0,5  g  reiner  Kultur  geimpft.  Die  Temperatur,  welche 
vor  dem  Versuche  38,2°  G  in  recto  war,  stieg  den  16.  Mai  auf  39,4, 
den  17.  Mai  auf  40,8,  den  18.  Mai  auf  40,0,  den  19.  Mai  auf  39,2  und 
fiel  bis  zur  Norm  den  24  Mai  auf  38,3.  Zugleich  mit  dem  Fieber  erschien 
an  der  Injektionsstelle  eine  handtellergroße  ödematöse  Geschwulst, 
wie  sie  ja  bei  Milzbrandinfektion  gewöhnlich  vorkommt  In  ca.  8 
Tagen  war  der  Hund  wieder  gesund  und  am  25.  Mai  konnte  man 
2,0  g  reiner  Kultur  und  am  30.  Mai  ebenso  viel  intravenös  einspritzen, 
ohne  dass  der  Hund  irgendwie  reagirte. 

Einen  vollständig  gleichen  Verlauf  nahm  die  Impfung  auch  bei  dem 
anderen  Hunde  (von  5150  g  Gewicht),  bei  welchem  aber  entsprechend 
den  kleineren  Quantitäten  der  eingespritzten  Kultur  (0,1  g)  auch  die 
Reaktion  und  die  Erhöhung  der  Temperatur  (bis  39,5°)  nicht  so  gross 
war,  wie  bei  dem  ersten  Hunde. 

Ausserdem  hatte  ich  4  immune  Kaninchen,  deren  zwei  (No.  10 
2955  g  und  No.  11  1980  g)  nach  der  von  Roux  und  Chamber- 
land1)  beschriebenen  Methode  immunisirt  wurden.  Damit  aber  die 
Immunität  eine  vollständigere  ist,  wurden  nachträglich  in  aufsteigenden 
Dosen  subkutane  und  endlich  intravenöse  (bis  0,5  g)  Injektionen  von 
reiner  virulenter  Kultur  gemacht.  Nach  2  Monaten,  vom  Beginne  des 
Versuchs,  wurden  die  Kaninchen  getödtet  und  ihr  Saft  als  „Heil- 
flüssigkeit'4 verwendet. 

Das  dritte  Kaninchen  (No.  16,  1100  g)  wurde  zum  Zwecke  der 
Gewinnung  einer  voll  virulenten  Kultur  mit  1,0  g  virulenter,  aber  in 
3  Generationen  gezüchteter  Kultur  geimpft.  Das  Kaninchen  blieb 
am  Leben,  alsdann  wurden  grössere  Quantitäten  eingespritzt  und  nach 
einigen  Tagen  bekam  es  intraperitoneal  20  ccm  virulenter  Kultur 
und  schliesslich  1,0  intravenös.  Auf  welchem  Wege  die  Immunität 
bei  diesem  Kaninchen  entstanden  ist,  war  unklar. 

Das  vierte  Kaninchen  (No.  5,  2040  g)  wurde  aus  anderen  Gründen 
mit  einer  Mischung  (1,5  g)  der  Bouillonkultur  von  Bac.  pyoc.  und 
Streptococcus  pyog.  (1:10)  geimpft.  Das  Kaninchen  fieberte 
einige  Tage  und  als  es  nach  Verlauf  eines  Monats  mit  Milzbrand  ge- 
impft wurde,  konnte  Immunität  für  Milzbrandinfektion  konstatirt 
werden.  Auch  bei  diesem  Kaninchen  wurde  nach  wiederholten  auf- 
steigenden Impfungen  endlich  0,5  g  reiner  virulenter  Kultur  in  die 
Ohrvene  injizirt. 

Mit  dem  Safte  und  Blute  dieser  sechs  immunen  Thiere  wurden 
folgende  Versuche  angestellt: 

VI.  Die  zwei  nach  der  französischen  Methode  immunisirten  Ka- 


1)  Vaccination  des   lapins   contra   la   charbon.     (Annalea   da  l'Institnt  Pasten 
S87.  No.  11.  p.  511—517.) 


Zur  Frage  der  Immunität  und  der  Heilung  von  Infektionskrankheiten.        156 

Dinchen  wurden  getödtet,  mit  l°/0  Sublimatlösung  und  Wasser  ab- 
gewaschen, das  Fell  abgezogen,  aus  den  Muskeln  und  inneren  Or- 
ganen (ausgeschlossen  der  Tractus  gastrointestinalis)  mit  Hülfe  einer 
starken  Presse  der  Gewebssaft  ausgedrückt  und  schliesslich  durch 
ein  Chamb  erland'sches  Filter  filtrirt.  Dieser  Saft  wurde  den 
drei  Kaninchen  (No.  23  f  2320  g,  No.  24,  2420  g  und  No.  25, 
2970  g)  subkutan  injizirt,  und  zwar  den  ersten  zwei  10,0  g  und 
dem  dritten  16,0  g,  und  unmittelbar  darauf  wurden  alle,  sowie 
auch  das  Kontrollkaninchen  (No.  26,  2575  g)  mit  einer  verdünnten 
Kultur  (1  :  ICO),  und  zwar  No.  23  mit  0,3  g,  No.  24  mit  0,5  g,  No.  25 
mit  1,0  g  und  No.  26  mit  0,3  g  geimpft.  Alle  Kaninchen  erkrankten  zu 
gleicher  Zeit  mit  hohem  Fieber  (bis  40,6°).  Nach  3  Tagen  war  das 
Kaninchen  No.  24  gestorben  und  am  folgenden  Tage  früh  wurden 
die  anderen  drei  im  Käfig  todt  gefunden.  Die  Sektion  ergab,  dass 
alle  Kaninchen  an  Milzbrand  erlagen. 

VII.  Zwei  weisse  Mäuse  (No.  27  und  28)  haben  zu  gleicher  Zeit 
eine  subkutane  Injektion,  die  eine  von  2,0  g,  die  andere  von  3,0  g 
desselben  Gewebssaftes  bekommen  und  wurden  mit  derselben  ver- 
dünnten Kultur  zu  0,2  g  geimpft  (auch  die  Kontrollmaus  No.  29).  Am 
Dächsten  Tage  um  12  Uhr  starb  die  Maus  No.  27,  um  5>/t  Uhr 
Nachm.  die  Maus  No.  29  und  während  der  Nacht  auch  die  letzte 
Haus.    In  allen  Fällen  ergab  die  Sektion  etc.  Milzbrand. 

VIII.  Dieser  Versuch  wurde  wiederholt  mit  dem  Safte  des  Ka- 
ninchens No.  16.  Zwei  Kaninchen  (No.  47,  2520  g  und  No.  48, 
2060  g)  bekamen  am  1.  Juni  von  diesem  Gewebssaft  subkutan  in- 
jizirt, das  erste  10,0,  das  andere  8,0  g.  Alle  Kaninchen,  auch  das 
Kontrollkaninchen  (No.  49,  3130  g)  wurden  unmittelbar  darauf 
mit  je  0,3  g  einer  verdünnten  Kultur  (1  :  100)  geimpft.  Am  2.  Juni 
starb  No.  48,  am  3.  Juni  das  Kontrollkaninchen  und  am  5.  Juni 
No.  47. 

IX.  Gleichzeitig  und  mit  demselben  Safte  wurde  auch  an  Mäusen 
ein  Versuch  angestellt  Die  Mäuse  No.  41  und  No.  42  erhielten  eine 
subkutane  Injektion  von  1,0  und  2,0  g  des  Saftes  und  jede,  auch  die 
Kontrollmaus,  0,1  derselben  verdünnten  Kultur.  Am  nächsten  Tag 
starben  alle  Mäuse  an  Milzbrand. 

Die  letzten  zwei  Versuchsreihen  sind  mit  dem  frischen,  direkt 
aus  der  Ohrvene  (mittelst  der  Pravaz' sehen  Spritze)  entnommenen 
Blute  angestellt. 

X.  Zwei  weisse  Mäuse  (No.  50  und  No.  51)  haben  1,0  und  zwei 
Meerschweinchen  (No.  52  und  No.  53)  2,0  g  reines  Hundeblut  bekommen 
und  nachher  wurden  sammt  den  Kontrollieren  die  Mäuse  mit  0,1, 
die  Meerschweinchen  mit  0,2  g  von  der  verdünnten  Kultur  (1 :  100) 
geimpft  Die  Kontrollmaus  starb  in  24  Stunden,  eine  geimpfte  bis 
3  Stunden,  die  Andere  25  Stunden  später,  als  die  Kontrollmaus. 
Die  beiden  mit  Blut  geimpften  Meerschweinchen  sind  24  Stunden 
später  gestorben,  als  das  Kontrollthier.  Alle  Thiere  sind  an  Milz- 
brand gestorben. 

XL  Auch  die  Versuche  mit  Blut  von  einem  immunisirten  Ka- 
ninchen (No.  5)  fielen  negativ  aus,  obgleich  die  Quantität  des  ver- 
wendeten Blutes  in  den  letzten  zwei  Versuchsreihen  bedeutend  grösser 


156     Gabritschewsky,  Zur  Frage  d.  Immunit  u.  d. Heilung  ▼. Infektionskrankh* 

war,  als  diejenige,  welche  von  Prof.  Ogata  angewendet  wurde.  Aus 
der  Ohrvene  des  immunen  Kaninchens  (No.  5)  wurde  das  Blut  mit 
einer  Spritze  entnommen,  welche  auf  '/*  mit  steriler  Kochsalzlösung 
(0,6%)  gefüllt  war,  um  einer  raschen  Koagulation  vorzubeugen.  Es 
bekamen  zwei  weisse  Mäuse  0,5  ccm  reines  Blut  und  nachher  mit 
der  Kontrollmaus  von  der  verdünnten  Kultur  (1 :  100)  0,1  ccm.  Die 
Mäuse  sind  am  nächsten  Tage  beinah  zu  gleicher  Zeit  an  Milzbrand 
gestorben. 

Die  2  Meerschweinchen,  welche  2,5  reines  Blut  und  darauf  0,3  g 
der  verdünnten  Kultur  subkutan  bekommen  haben  (auch  das  Kontroll- 
tbier),  starben  gleichzeitig  nach  3  Tagen  an  Milzbrand. 

Aus  den  oben  angeführten  Versuchen  ersehen  wir,  dass  der  Saft 
und  das  Blut  von  gegen  Milzbrand  immunen  Kaninchen  und  Hunden 
weder  als  prophylaktisches  noch  therapeutisches  Mittel  gegen  Milzbraud 
für  nicht  refraktäre  Thiere  betrachtet  werden  kann.  Nur  in  den 
Versuchen  mit  Hundeblut  (X)  überlebten  die  geimpften  Thiere  einige 
Stunden  oder  höchstens  einen  Tag  die  Kontrollthiere.  Dies  ist  der 
einzige  Versuch,  bei  welchem  man  eine  therapeutische  Wirkung  im 
Sinue  Ogata'  s,  wenn  auch  in  äusserst  geringem  Grade,  annehmen 
könnte.  Bei  den  Kaninchen  zeigte  sich  nicht  einmal  eine  derartige 
geringe  Wirkung,  sie  starben  alle  gleichzeitig  mit  dem  Kontrollthier, 

Diese  negativen  Resultate  Hessen  es  selbstverständlich  als  über- 
flüssig erscheinen,  die  Isolirung  der  immunisirenden  Substanz  (Her- 
stellung des  Glycerinextraktes)  auf  dem  von  Ogata  betretenen  Wege 
zu  versuchen. 

Diese  auffallende  Differenz  in  den  Resultaten  meiner  Versuche 
und  denen  von  Prof.  Ogata  und  Jasuhara  habe  ich  mir  durch 
die  Annahme  erklärt,  dass  die  Milzbrandkulturen  bei  den  Versuchen 
der  japanischen  Forscher  weniger  virulent,  als  die  meinigen  waren. 
Auch  gibt  Prof.  Ogata  an1),  dass  er  stets  Milzbrandbacillen  aus 
den  Organen  von  durch  Milzbrand  gestorbenen  Mäusen  benutzt  habe. 
Deshalb  habe  ich  neue  Versuche  angestellt  und  Milzbrandkulturen 
von  gewissem  Grade  der  Abschwächung  (die  zweite  Vaccine  Pasteur) 
angewendet. 

XII.  Es  wurden  2  weisse  Mäuse  und  2  Meerschweinchen,  die 
ersten  mit  0,2  g,  die  letzteren  mit  0,5  g  reinen  Hundeblutes  (aus  der 
Ohrvene  entnommen)  geimpft,  und  darauf  erhielten  alle  Thiere,  auch 
die  Kontrollthiere  (eine  Maus  und  ein  Meerschweinchen)  subkutane 
Injektionen  der  zweiten  Vaccine,  und  zwar  die  Mäuse  0,1  g,  die 
Meerschweinchen  doppelt  soviel.  Es  erlagen  in  48  Stunden  nach  der 
Impfung  alle  Thiere  an  Milzbrand,  nur  eine  mit  Blut  geimpfte  Maus 
blieb  3  Stunden  länger  am  Leben,  als  das  Kontrollthier. 

Die  schönen  Untersuchungen  von  Ogata  und  Jasuhara, 
welche  der  Forschung  eine  weite  Perspektive  zu  eröffnen  schienen 
und  die  Hoffnung  erweckten,  dass  es  gelingen  werde,  auf  dem  be- 
tretenen Wege  zu  Heilmitteln  für  Infektionskrankheiten  zu  gelangen, 
haben  sich  also  bei  unseren  Versuchen  in  keiner  Weise  bestätigt. 
Sollten  die  japanischen  Thiere  (Hunde  etc.)  einen  höheren  (vielleicht 

1)  1.  c.  p.  598. 


Saccharomyces  «picalatus.  157 

vollständigen)  Grad  oder  eine  andere  Art  der  Immunität  besitzen  ? 
Es  wird  Aufgabe  der  japanischen  Autoren  sein,  die  Widersprüche 
aufzuklären.  Jedenfalls  scheint  uns  Prof.  Emmerich  im  Rechte 
zu  sein,  welcher  sagt:  „Es  wird  immer  zweckmässiger  sein,  die  Heil- 
flüssigkeit aus  künstlich  immunisirten  Thieren  herzustellen  und  nicht 
ans  solchen  mit  natürlicher  Immunität  Denn  im  Thierkörper,  der 
natürliche  Immunität  gegen  eine  bestimmte  Infektionskrankheit  be- 
sitzt, gehen  die  in  denselben  eingeführten  Krankheitserreger  nicht  so 
rasch  zu  Grunde,  wie  im  künstlich  immunisirten.  Hier  im  künstlich 
immunisirten  Körper  ist  eben  die  Immunität  eine  komplete,  d.  h. 
sie  kann  durch  geeignete  Schutzimpfung  zu  einer  vollständigen  ge- 
macht werden.  In  einem  von  Natur  aus  refraktären  Organismus  ist 
jedoch  die  Immunität  meist  nur  eine  relative  und  nur  selten  komplett 
Emmerich  bezeichnet  es  zur  Erzielung  einer  kompletcn  Immunität 
für  nöthig,  die  erste  Schutzimpfung  durch  intravenöse  Injektion 
der  vollvirulenten,  hochgradig  verdünnten  Kultur  vorzunehmen.  Seine 
Heilungsmethode  wird  daher  nur  bei  solchen  Infektionskrankheiten 
Anwendung  finden  können,  bei  welchen  eine  derartige  Schutzimpfungs- 
methode möglich  ist,  d.  h.  von  den  Thieren  vertragen  wird. 

Meine  Arbeit  wurde  im  hygienischen  Institut  in  München  unter 
Leitung  des  Herrn  Prof.  Emmerich  ausgeführt,  dem  ich  hiermit 
meinen  besten  Dank  ausspreche. 

München,  den  23.  Juni  1891. 


Referate. 


Amthor,  Carl,  Beobachtungen  über  den  Saccharomyces 
apiculatus.    (Chemiker-Ztg.  1891.   No.  38.  p.  670.) 

Bau  hat,  einem  Vorschlag  Delbrücks  folgend,  nicht  nur  den 
Saccharomyces  cerevisiae,  sondern  auch  andere  Hefearten 
in  die  Reihe  der  analytischen  Reagentien  einzuführen,  den  Saccha- 
romyces apiculatus  zur  Bestimmung  des  Dextrosegehaltes  von 
Bierwürzen  verwendet,  äussert  dabei  jedoch  Zweifel,  ob  derselbe 
die  Dextrose  vollständig  vergährt.  —  Ueber  die  scheinbare  Zunahme 
des  Dextringehaltes  in  Bierwürzen  während  der  Gährung,  sowie  über 
die  Bestimmung  der  Dextrose  und  des  Dextrins  in  ihnen.  (Wochen- 
schrift f.  Brauerei  1890.  No.  42.  p.  1069)  —  Hierzu  bemerkt  Verf., 
dass  es  nach  seinen  (Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  XII.  p.  558)  und  den 
Beobachtungen  von  Boutroux  eine  bekannte  Thatsache  sei,  dass 
der  S.  apiculatus  noch  grössere  Mengen  von  Dextrose,  wie  solche 
im  Bier  vorkommen,  und  auch  von  Invertzucker  (in  Weinmosten 
6f/t— 9V,  Proz.)  zu  vergähren  vermag. 

Uebrigens  hat  Verf.  schon  2  Jahre  vor  Bau  den  S.  apicula- 
tus zur  Bestimmung  der  Dextrose  in  Würze  empfohlen. 

Nach  neueren  mit  Bierwürze  angestellten  Gährversuchen  waren 
bis  znr  Erzeugung  des  Alkoholmaximums  von  1,49  Volum.-Proz.  fast 


158  Sacchuromjrcts  apicnUtsi.  —   Plasmolyse  der  Bakterien. 

2  Jahre  nöthig,  weshalb  die  Bestimmung  der  Dextrose  aus  dem  durch 
S.  apiculatus  erzeugten  Alkohol  in  der  Praxis  nicht  zu  verwer- 
then  ist. 

Auffällig  war,  dass  sich  ziemlich  beträchtliche  Säuremengen  ge- 
bildet hatten,  und  zwar  betrug  der  Werth  an  Oesammtsäure  das 
3,4 fache  desjenigen  der  ursprünglichen  Würze,  wobei  die  flüchtige 
Säure  überwiegend  war. 

Ein  zweiter  Versuch  wurde  in  der  Weise  ausgeführt,  dass  eine 
sterilisirte  Nährlösung,  welche  Ammoniaksalze,  Dextrose  und  Invert- 
zucker enthielt,  mit  S.  apiculatus  geimpft  wurde. 

Der  höchste  Alkoholgehalt,  4,12  Yoluro.-Proz. ,  wurde  hier  erst 
nach  einem  Jahre  erreicht  Der  abdestillirte  Alkohol  enthielt  kein 
Fuselöl.  Die  flüchtige  Säure  bestand  aus  Ameisensäure,  Essigsäure 
und  einer  geringen  Menge  einer  bei  120 — 125  °  C  siedenden  Säure. 
Die  nichtflüchtige  Säure  enthielt  Bernsteinsäure  und  Milchsäure.  Die 
Thatsache,  dass  der  S.  apiculatus  ziemlich  rasch,  in  16  Tagen, 
0,79  Volum.-Proz.  Alkohol  in  Bierwürze  erzeugt,  während  von  da 
ab  fast  l1/«  Jahre  noth wendig  waren,  um  nicht  ganz  das  Doppelte 
dieses  Alkoholgehaltes  zu  erzeugen,  beweist,  dass  ausser  der  rasch 
vergährenden  Dextrose  noch  andere  Zucker  vorhanden  sein  müssen, 
welche  nur  ganz  langsam  vergohren  werden.        H.  Will  (München). 

Fischer,  A«,  Die  Plasmolyse  der  Bakterien.    (Ber.  d.  K. 

sächs.  Gesellsch.  d.  Wissenscb.    Mathem.-phys.  Kl.    Sitz.  a.  2.  März 

1891.  p.  52—74  m.  1  Taf.) 
Unter  Plasmolyse  versteht  man  bekanntlich  die  Erscheinung, 
dass  sich  das  Plasma  unter  der  Einwirkung  wasserentziehender  Mittel 
von  der  Zell  wand  abhebt  und  sich  in  der  Mitte  kontrahirt;  je  wasser- 
reicher eine  Zelle  ist,  um  so  auffallender  tritt  die  Plasmolyse  hervor. 
An  den  Bakterien,  deren  Zellen  man  ja  für  sehr  plasmareich  und 
wasserarm  hielt,  hatte  bisher  noch  Niemand  anf  jene  Erscheinung 
geachtet,  bis  Verf.,  auf  Veränderungen  in  Bakterien,  die  er  für  plas- 
molytische erkannte,  aufmerksam  gemacht,  die  Sache  näher  unter- 
suchte und  zu  sehr  beachtenswerthen  Resultaten  kam.  In  der  vor- 
liegenden Schrift  erläutert  er  zunächst  die  Plasmolyse  und  bespricht 
sodann  die  künstliche  Plasmolyse  der  Bakterien.  Um  sie  hervorzu- 
rufen genügt  für  fast  alle  Bakterien  1-  oder  f  $ige  Kochsalzlösung, 
doch  empfiehlt  sich  die  Anwendung  von  5  giger  Lösung.  Dann  kon- 
trahirt .sich  das  Plasma  in  1  oder  2  kuglige  Parthien,  die  durch  ihr 
anderes  Lichtbrechungsvermögen  an  Sporen  erinnern.  Diese  Zustände 
lassen  sich  fixiren  und  färben.  Wahrscheinlich  treten  sie  oft  schon 
beim  Eintrocknen  auf  dem  Deckglas  auf  und  sind  dann  mit  Sporen- 
bildung verwechselt  worden. 

Verf.  zählt  die  von  ihm  plasmolysirten  Bakterien  auf,  welche  sehr 
verschiedene  Formen,  grosse  und  kleine,  sogar  Mikrokokken,  repräsen- 
tiren.  Besondere  Beachtung  verdient  der  Typhusbacillus,  B  u  c  h  n  e  r 's 
„Polkörner"  in  demselben  sind  nach  Verf.  nicht  Degenerations- 
erscheinungen, sondern  durch  Plasmolyse  verursachte  Kontraktions- 
zustände,  die  aber  wenigstens  unter  Umständen  als  Gemmenbildung 
aufzufassen  wären. 


Plasmolyse  der  Baktorieo.  159 

Ein  zweites  Kapitel  handelt  von  der  natürlichen  Plasmolyse  der 
Bakterien  im  erkrankten  Organismus  and  in  Kulturen.    Dass  dieselbe 
eintreten  kann,  ist  bei  der  leichten  Plasmolysirbarkeit  der  Bakterien 
von  vornherein  wahrscheinlich,  und  manche  von  den  Bakteriologen 
beschriebene    Abnormitäten  sind   offenbar    auf    sie    zurückzuführen. 
Unter  diesen  Gesichtspunkten  bespricht  Verf.  die  von  Bostroem  bei 
Actinomyces  beobachteten  Erscheinungen:  Die  Sporen  oder  Schein- 
sporen dieses  Pilzes  sind  wahrscheinlich  nur  durch  Plasmolyse  kon- 
trahirte   Plasmamassen.     Sicher    nachgewiesen    werden    konnte    die 
Plasmolyse  pathogener  Bakterien  im  erkrankten  Organismus  an  der 
Kaninchen 8 treptoth rix.    Dieselbe  Form  lieferte  auch  den  Beweis, 
dass  in  Kulturen,  wenn  die  Nährflüssigkeiten  allmählich  ihr  Wasser  ver- 
dampfen, Bedingungen  zum  Eintritt  der  Plasmolyse  geboten  werden. 
Welche  Folgerungen  für  Inhalt  und  Membran  der  Bakterienzelle 
aus  den  Beobachtungen  zu  ziehen  sind,  zeigt  das   dritte  Kapitel. 
Sehr  wichtig  ist  der  Nachweis,  dass   der  Inhalt  der  Bakterienzelle 
durchaus  nicht  so  unveränderlich  ist,   wie  ihn  die  bisherigen  Prä- 
parationsmethoden voraussetzen,  dass  er  im  Gegentheil  schon  durch 
schwache  Salzlösungen  angegriffen  wird  und  offenbar  auch  beim  Eintrock- 
nenlassen leicht  Kontraktionserscheinungen  zeigt.    Man  kann  aber  nun 
an  dem  Eintreten  und  Wiederverschwinden  der  Plasmolyse  erkennen, 
ob  Bakterien  noch  lebendig  sind,  denn  bei  todten  ist  dies  natürlich 
nicht  mehr  zu  beobachten.    Ferner  wird,  wie  schon  Eingangs  ange- 
deutet, die  Anschauung,  dass  der  Inhalt  der  Bakterienzelle  ein  dichtes, 
homogenes  Plasma  sei,  dadurch  unhaltbar;  sie  war  auch  noch  von 
Er  ns  t ,  der  die  Kerne  der  Bakterien  nachzuweisen  suchte,  vertreten  wor- 
den. Dass  die  von  diesem  als  Kerne  angesprochenen  Gebilde  solche  seien, 
bestreitet  Verf.  nicht  geradezu,  umsomehr  aber  tritt  er  den  Behaup- 
tungen Bütschli'a  entgegen.    Schon  theoretisch  sei  es  sehr  unwahr- 
scheinlich, dass  die  niedersten  Pflanzen  die  relativ  grössten  Kerne 
hätten,  da  ja  von  den  höheren  zu  den  niederen  Pflanzen,  soweit  bis 
jetzt  bekannt ,   die  Kerne  immer  an  Grösse  abnehmen.     Was  B.  als 
den  grossen  Kern  in  der  Bakterienzelle  ansieht;  ist  offenbar  nur  das 
plasmolytisch  zusammengezogene  Plasma,  das  noch  durch  einzelne 
Fäden  mit  der  Membran  in  Verbindung  steht,  was  die  Wabenstruktur 
des  äusseren  Plasmas  im  Sinne  B.'s  erscheinen  lässt.    Es  würde  sich 
nach  den  Anschauungen  des  Verf.  auch  erklären,  warum  die  Bakterien- 
zelle mit  dem  Alter  an  Färbbarkeit  verliert:  es  tritt  dann  das  Plasma 
an  Menge  immer  mehr  hinter  der  Vakuolenflüssigkeit  zurück,   was 
sich  an  der  starken  Plasmolyse  zu  erkennen  gibt.    Das  Vorhanden- 
sem der  Membran   wird   durch  diese  Untersuchungen  natürlich  nur 
bestätigt,  aber  auch  über  ihre  physikalischen  Eigenschaften,  speziell 
ihre  diosmotischen  Leistungen  lässt  sich  einiges  daraus  entnehmen. 
Vor  allem  ergibt  sich  die  geringe   Durchlässigkeit  der   Bakterien- 
Membran  für  tödtende  Substanzen,  z.  B.  Jod;  dasselbe  dringt  lang- 
samer ein,  als  Kochsalzlösung  und  fixirt  somit  den  Inhalt  nicht  vor 
der  Plasmolyse.    Milchsäure  und  Buttersäure  dagegen  dringen  sehr 
schnell  ein.    Aber  gerade  über  diese  Erscheinungen  sowie  über  die 
Versuche,  durch  Konzentrationserhöhung  der  Kulturflüssigkeit  Sporen- 
bildung hervorzurufen,  sind  noch  weitere  Untersuchungen  nöthig  und 


160  Peritoneale  Infektion. 

vom  Verf.  in  Aussicht  gestellt.  Hoffentlich  wird  dann  auch  im  übrigen 
Verhalten  Manches,  was  bisher  nur  vermuthet  wurde,  als  sicher  er- 
wiesen werden.  Möbius  (Heidelberg). 


Fraenkel,  A«,  Ueber  peritoneale  Infektion.  [Aus  dem  Insti- 
tute für  pathologische  Histologie  und  Bakteriologie  der  Universität.} 
(Wiener  klinische  Wochenschrift.  1891.  No.  13—15.) 
Verf.  legt  sich  zunächst  die  Frage  vor:  „Sind  die  menschlichen 
Eiterkokken  an  und  für  sich  befähigt,  ohne  lokale  prädisponirende 
Momente  im  Sinne  Grawitz's  auch  in  relativ  geringer  Menge  die 
Peritonealhöhle  zu  infiziren,  und,  wenn  dies  der  Fall  ist,  in  welcher 
Form  erfolgt  dies?1"  Ueber  diese  Frage  sind  51  Versuche  an  Ka- 
ninchen und  Hunden  angestellt,  und  zwar  so,  dass  Staphylococ- 
cus  und  Streptococcus  pyogenes  in  Kultur  und  im  mensch- 
lichen Eiter  mit  Pravaz'scher  Spritze  in  Quantitäten  von  0,5  bis 
2,0  ccm  in  die  Bauchhöhle  eingespritzt  wurden.  Ob  man  bei  den 
gezüchteten  Reinkulturen  Fleischbrühe,  verflüssigte  Gelatine  oder 
physiologische  Kochsalzlösung  als  flüssiges  Medium  anwandte,  erwies 
sich  für  den  Erfolg  als  gleichgültig.  In  den  51  Versuchen  über- 
standen 24mal  die  Thiere  den  Eingriff.  Einige  Thiere  zeigten  nach 
der  Einspritzung  keine  Zeichen  von  Gesundheitsstörung,  andere  hin- 
gegen wurden  vorübergebend  mehr  oder  minder  schwer  krank.  Von 
den  Todesfällen  kommen  auf 

Streptokokkenreinkulturen  9  von  23  Versuchen, 

Staphylokokkenkultnren  9    „  16        „ 

Staphylokokkeneiter  3    „  4        „ 

Streptokokkeneiter  5    „  7        „ 

Anatomisch  erwiesen  sich  die  Todesursachen  als  sehr  verschie- 
dene. Eine  Anzahl  Thiere  lässt  nach  dem  Tode  durchaus  keine  Ver- 
änderungen erkennen  und  selbst  mikroskopisch  sind  in  der  Bauch- 
höhle Mikroorganismen  nicht  nachzuweisen.  Hier  handelt  es  sich  um 
akute  septische  Intoxikation.  In  den  Fällen,  in  welchen 
eine  wirkliche  Infektion  stattfand,  war  der  Befund  auch  wieder  ver- 
schieden. Erlagen  die  Thiere  in  24  bis  36  Stunden,  so  fand  sich 
bei  der  Obduktion  spärliche  fibrinöse  Exsudation  im  Abdomen 
bei  reichlicher  Anwesenheit  der  Mikroben  im  Bauchfell  und  im  Blute; 
erlagen  sie  erst  in  3  —  4  Tagen,  so  fand  sich  das  Bild  akuter 
eiteriger  Peritonitis.  Ueberlebten  die  Thiere  den  Versuch  um 
2—3  Wochen,  so  zeigten  sich  in  der  Bauchhöhle  multiple  abge- 
sackte eiterige  Herde  in  der  Bauchhöhle.  Es  erweisen  dem- 
nach diese  Ergebnisse,  dass  es  entgegen  den  Behauptungen  von 
Grawitz  gelingt,  ohne  weitere  prädisponirende  Momente 
lediglich  durch  die  Wirkung  der  pathogenen  Mikroben 
Peritonitiden  zu  erzeugen,  welche  den  klinischen  Be- 
obachtungen sehr  analog  verlaufen. 

Als  zweite  Frage  stellte  sich  der  Verf.:  „Welche  Mikroorga- 
nismen sind  es,  die  der  Peritonitis,  wie  wir  sie  am  Menschen  in 
mannigfacher  Erscheinungsweise  beobachten,  als  pathogenes  Moment 


Peritoneale  Infektion.  Jßl 

zu  Grunde  liegen?4  Es  wurden  im  Ganzen  31  Fälle  von  mensch- 
licher Peritonitis  untersucht  und  mikroskopische  Untersuchung,  die 
Kultur  und  das  Thierexperiment,  soweit  es  die  Charakterisirung  der 
gefundenen  Organismen  verlangte,  dabei  in  Anwendung  gezogen.  In 
20  Beobachtungen  fanden  sich  Reinkulturen,  und  zwar: 

1)  Streptococcus  7mal, 

2)  Bacterium  coli  commune  9mal, 

3)  Bacterium  lactis  aörogenes  2mal, 

4)  Diplococcus  pneumoniae  lmal, 

5)  Staphylococc us  p.  aureus  lmal. 

Stäbchen  verschiedener  Grösse  und  Dicke,  wo  im  Plattenkultur- 
verfahren  aber  in  überwiegender  Menge  Bacterium  coli  aufging, 
fanden  sich  3mal.  lmal  war  Diplococcus  pneumoniae  mit 
Bacterium  lactis  a€rogenes  zusammen,  lmal  eine  noch  nicht 
beschriebene,  dem  Bacterium  lactis  nahestehende  Art  da,  3mal 
Bakteriengemenge.  4  Fälle  wurden  mit  bakteriologisch  völlig  nega- 
tivem Erfolge  notirt. 

Wir  sehen  hier  als  den  häufigsten  Befund  das  Bacterium  coli 
commune  und  mehrfach  das  ihm  nahe  stehende  Bacterium  lac- 
tis aerogenes  verzeichnet,  also  zwei  Bakterien,  die  Escherich 
als  konstante  Bewohner  des  menschlichen  Darmes  uns  kennen  gelehrt 
hat.  Um  ihre  hier  tbatsächlich  pathogene  Rolle  zu  erweisen,  musste 
zuerst  der  Einwand  entkräftet  werden,  dass  dieselben  nicht. als  Fäul- 
nisserreger  post  mortem  aus  dem  Darme  in  die  Peritonealhöhle  über- 
gewandert seien.  Untersuchungen  frischer  und  älterer  Leichen  er- 
gaben, dass  eine  Durchwanderung  der  Organismen  durch  die  Darm- 
wand nicht  stattfindet,  dass  vielmehr  die  Fäulniss  nicht  eher  in  der 
Bauchhöhle  eintritt,  als  sonst  in  der  Leiche  und  dass  dann  die  ge- 
wöhnlichen Erreger  stinkender  Fäulniss  gefunden  werden.  Die  Ab- 
wesenheit des  Bacterium  coli  bei  den  anderen  Obduktionsbefunden 
der  Peritonitis  musste  schon  gegen  die  Auffassung  desselben  als 
eines  saprophyten  Pilzes  sprechen.  Durch  Reinkulturen  des  Bacte- 
rium coli  gelingt  es  aber  auch,  bei  Thieren  typische  Peritonitis  zu 
erzeugen,  und  zwar  in  denselben  Formen,  welche  mit  Streptokokken 
und  Staphylokokken  erzeugt  werden.  Brachte  der  Verf.  ferner  bei 
Thieren  Peritonitis  durch  Darmocclusion  oder  Darmperforation  zu 
Stande,  so  fand  sich  in  der  Bauchhöhle  in  Reinkultur  das  Bacte- 
rium coli  commune. 

Verf.  beantwortet  auf  Grund  seiner  Resultate  die  dritte  Frage, 
welche  er  sich  stellt  —  ob  aus  den  Bakterienbefunden  sich  ein  Ur- 
theil  über  die  Art  und  Weise  der  peritonealen  Infektion  bilden  lasse 
—  zunächst  dahin,  dass  der  alte  Satz  sein  Recht  behalte,  D arm- 
inhalt erzeuge  Peritonitis.  Verf.  macht  dann  mit  Recht  auf 
die  Wichtigkeit  der  Erkenntniss  des  Bacterium  coli  commune 
als  pathogenen  Organismus  aufmerksam  und  hebt  die  Bedeutung  der 
Intoxikation  und  der  verschiedengestaltigen  Infektion  für  das  Ver- 
ständniss  peritonitischer  Prozesse  hervor. 

Schimmelbusch  (Berlin). 


162  Malaria. 

IM  Mattet,  E.,  Contributo  allo  studio    dell1  infezione 
malarica  sperimentale  nell1  uomo  e  negli  auimali. 
(La  Riforma  med.  1891.  No.  121.) 
Die  vorliegende  Arbeit  stellt  einen  wichtigen  Beitrag  zur  defi- 
nitiven Lösung  der  Frage  Aber  das  Wesen  und  die  Debertragbarkeit 
der  Malaria  dar.    Dieselbe  umfasst  zwei  Reihen  experimenteller  Unter- 
suchungen, von  welchen  die  erstere  die  Debertragbarkeit  der  Malaria 
vom  Menschen  auf  Menschen,  die  zweite  das  Studium  des  Verhaltens 
der  Tauben  gegen  künstliche  Infektion  mit  malarischem  Tauben-  und 
Menschenblute  und  umgekehrt  zum  Gegenstande  hatte. 

Die  erste  Reihe  besteht  aus  folgenden  zwei  Einzel  versuchen: 

1.  Einem  22-jährigen,  mit  Quartanfieber  behafteten  Individuum, 
dessen  Blut  bei  täglicher,  methodischer  Untersuchung  (Grassi,  Fe- 
iet ti  und  Verf.)  nie  andere  Parasiten  aufwies,  als  die  des  Quarten- 
fiebere,  wurden  2  cctn  Blut,  entnommen  einem  malarischen  Individuum, 
welches  ausschliesslich  Laveranien  enthielt,  intravenös  injizirt 

Schon  einige  Tage  darauf  konnte  man  das  Auftreten  pigment- 
loser Plasmodien  beobachten  und  am  25.  Tage  nach  der  Injektion 
fingen  auch  Halbmonde  zu  erscheinen  an,  welche  noch  lange  im  Blute 
nachweisbar  waren;  das  Fieber,  welches  vor  der  Injektion  spontan 
aufgehört  hatte,  entwickelte  ßich  am  16.  Tage  und  hielt  sich  mit  un- 
regelmässigem Typus  durch  längere  Zeit. 

2.  Einem  Individuum  mit  Laveranien  wird  Quartanfieberblut  in- 
jizirt. Vierzehn  Tage  nach  der  Injektion  fingen  die  Laveranien  an, 
allmählich  zu  verschwinden,  die  Häroatozoen  des  Quartanfiebers  hin- 
gegen aufzutreten.  Fieber  trat  am  15.  Tage  mit  Quartantypus  auf 
und  hält  sich,  da  Pat.  jede  Behandlung  ablehnt,  noch  heute,  trotzdem 
seit  der  Injektion  schon  fünfzehn  Monate  verflossen  sind,  unter  dem- 
selben Typus. 

Die  Versuche  an  Tauben  bestanden  hauptsächlich 

1)  in  Verimpfüng  von  Blut  infizirter  auf  gesunde  Tauben ; 

2)  in  einigen  therapeutischen  Versuchen  (Tom a seil i); 

3)  in  Verimpfüng  von  malarischem  Menschenblut  auf  gesunde 
Tauben 

und  vice  versa. 

Das  Resultat  dieser  an  82  Tauben  und  3  erwachsenen  Individuen 
ausgeführten  Versuche  war  ein  durchwegs  negatives,  indem  es  nie 
gelang,  im  Blute  der  künstlich  infizirten  Thiere  und  Menschen  eine  Ver- 
mehrung der  verimpften  Parasiten  und  Auftreten  von  Fieber,  wie  ge- 
naue, bei  Tauben  per  rectum  ausgeführte  Messungen  dargethan  haben, 
zu  beobachten.  Was  die  therapeutischen,  an  mehreren  mit  Malaria  be- 
hafteten Tauben  vorgenommenen  Versuche  anbelangt,  so  hat  sich  sowohl 
Chininuro  bisulfuricum  subkutan  (0,005—0,015  g  pro  dosi)  und  intra- 
venös (0,01  g  p.  d.)  als  auch  das  Sublimat  subkutan  (0,0001  g)  an- 
gewendet, als  wirkungslos  erwiesen. 

Das  wichtigste  Ergebniss  der  Versuche  M/s  ist  somit  zweifellos 
jenes,  dass  durch  Uebertraqung  von  plasmodienhaltigem  Blute  vom 
Menschen  auf  Menschen  nicht  nur  die  Malarianinfektion,  sondern 
auch  die  Reproduktion  derselben  Parasitenart  mit  dem  für  die  letztere 
charakteristischen  Fiebertypus  zu  Stande  gebracht  werden  kann. 

Kamen  (Czernowitz). 


Malaria.  —  Krankheit  der  Engerlinge.  163 

ftomanowsky,  D.,  Zur  Frage  über  den  Bau  der  Malaria- 
parasiten.   (Wracz.  1890.  pag.  1171  ff.)    [Russisch.] 

Die  Frage,  ob  die  Malariaparasiten  einen  Kern  enthalten  oder 
sieht,  ist  sowohl  theoretisch  als  praktisch  von  Wichtigkeit.  Zwar 
haben  bereits  Celli  und  Guarneri,  sodann  6 ras  si  undFeletti 
über  positive  Ergebnisse  in  dieser  Hinsiebt  berichtet,  da  aber  die 
Richtigkeit  der  Angaben  dieser  Forscher  angezweifelt  worden  ist  und 
denselben  zahlreiche  negative  Resultate  entgegenstehen,  so  war  eine 
Neunntersuchung  erwünscht. 

Verf.  untersuchte  das  Blut  Malariakranker  bei  3tägigem  Fieber. 
Ein  Bluttropfen,  in  sehr  dünner  Schicht  aufs  Deckglas  ausgebreitet, 
wird  momentan  über  der  Flamme  fixirt  und  darauf  noch  45—60 
Minuten  bei  105—110°  getrocknet.  Zur  Färbung  benutzte  Verf. 
folgende  Mischung:  2  Volumtheile  gesättigtes  wässriges  Methylenblau 
und  5  Volumtheile  l°/0  wässriges  Eosin.  Das  Präparat  wird  1—24 
Stunden  auf  dieser  Flüssigkeit  schwimmen  gelassen,  dann  abgewaschen 
und  am  besten  noch  mit  starkem  Alkohol  abgespült  Es  kann  in 
Wasser  untersucht  oder  in  Kanadabalsam  eingeschlossen  werden. 

Das  Protoplasma  der  Malariaparasiten  ist  alsdann  hellblau  gefärbt, 
in  demselben  deutlich  ein  purpurvioletter,  von  einem  hellen  Hof 
umgebener  Kern  zu  erkennen ;  er  hat  verschiedene  Gestalt  und  liegt, 
wie  auch  die  italienischen  Forscher  angeben,  meist  sehr  stark  ex- 
zentrisch. (Auf  die  meist  abweichende  Färbung  der  verschiedenen 
Blutkörperchen  braucht  hier  nicht  eingegangen  zu  werden.)  In  den 
Sporulationsformen  hat  der  Kern  einen  mehr  blauvioietten  Ton;  er 
ist  hier  relativ  bedeutend  grösser. 

Während  des  Fieberanfalls  erweisen  sich  die  erwachsenen  Para- 
siten grösstenteils  als  offenbar  todt.  Neben  den  jungen,  kernhaltigen 
ßtadien  sieht  man  die  erwachsenen  Stadien  tingirt,  vakuolig  und 
entweder  ganz  ohne  erkennbaren  Kern,  oder  aber  sie  enthalten  an- 
statt eines  stark  tingirten,  kompakten  Kerns  mehrere  getrennte, 
schwach  gefärbte,  winzige  Körnchen,  —  ebenso  wie  dies  bei  der 
Atrophie  der  Zellen  bei  den  höheren  Thieren  der  Fall  ist. 

Rothert  (Kazan). 

1*  lotlt,  Le  parasite  du  hanneton.     (Comptes  rendus  de 

l'Acad.  d.  sc.  de  Paris.    T.  CXIL  No.  19.  p.  1081-1083.) 
PrilUeux  et  Delacrolx,    Le  Champignon  parasite  de  Ia 
larye  du  hanneton.    (Compt.  rend.  T.  CXIL   No.  19.  p.  1079 
-1081.) 
Le  Moult   hat    zuerst  Ende   des    vorigen  Jahres  über  eine 
Krankheit  der  Maikäferengerlinge  berichtet,  welche  auf 
einer  Wiese  der  Domäne  de  la  Pierre  in  C6auc6  (Orne)  die  Enger- 
linge in  auffälliger  Weise  befallen  hatte.     Ein  Versuch,  die  Krank- 
tet weiter  zu  verbreiten ,  gelang.    Es  wurden  die  bepilzten  Larven 
*tf  einer   Rasenfläche,    die    von    gesunden  Engerlingen  verwüstet 
*wde,    in    verschiedenen    Zwischenräumen    eingegraben     und    mit 
Erde  bedeckt.    Im  März  bereits  fanden  sich  unter  dem  Rasen  da, 
wo  3-4  bepilzte  Larven  ausgelegt  waren ,   etwa  ein  halbes  Schock 
tttankter  Engerlinge,  obwohl  bis  dahin  grosse  Kälte  der  raschen 

11  • 


l64  Krankheit  der  Engerlinge.   —  Nassftole  der  RartoffelknoUen. 

Verbreitung  des  parasitischen  Pilzes  hinderlich  war.  Kurze  Zei 
darauf  beobachtete  Verf.,  dass  beim  Pflügen  eines  Feldes,  welche 
von  dem  ersten  Fundort  140  m  entfernt  war  und  im  November  nocl 
keine  kranken  Engerlinge  enthielt,  zahlreiche  mumifizirte  Larven  & 
die  Oberfläche  gebracht  wurden,  eo  dass  das  Feld  wie  mit  Kalk  be 
streut  erschien.  Der  Wind  verbreitete  die  Sporen  rasch,  und  gegen 
wärtig  ist  der  Pilzparasit  bereits  auf  den  ganzen  Ländereien  voi 
C£auc6  vorhanden,  auch  in  der  10  km  entfernten  Gemeinde  Domfron 
findet  er  sich  jetzt,  wird  aber  seltener,  je  weiter  man  sich  von  C& 
auc6  entfernt,  so  dass  dies  ohne  Zweifel  als  der  eigentliche  Ver 
breitungsherd  der  Krankheit  zu  betrachten.  Die  Hauptentwickeluoj 
des  Pilzes  geht  im  Frühjahr  vor  sich,  und  besorgt  die  Natur  durcl 
Verbreitung  der  Sporen  sehr  rasch  die  Ausbreitung  des  Pilzes  um 
der  Krankheit  der  Maikäferlarven.  Le  Moult  empfiehlt  auf  Grun< 
seiner  Versuche,  um  auch  in  vom  Infektionsherd  entfernten  Gegendei 
die  Krankheit  zu  verbreiten,  bepilzte  Engerlinge  überall  da  eiozu 
führen,  wo  der  Maikäfer  in  grösseren  Mengen  auftritt  —  falls  es  nick 
gelingen  sollte,  die  Pilze  in  Nährsubstraten  im  Grossen  zu  kultivi 
ren.  —  Diese  Kultur  ist  aber  inzwischen  gelungen. 

Als  Urheber  der  Engerlingskrankheit  ist  von  Prillieux  irod 
Delacroix  ein  Pilz  gefunden  worden,  welcher  mit  dem  von  Bre- 
sadola  um  Trient  auf  dem  Maikäfer  gefundenen  übereinstimmte 
Botrytis  tenella  Sacc.  Derselbe  fand  sich  bei  allen  von  der 
Verfassern  aus  den  Departements  Orne,  Mayenne,  Seine-Införieuri 
bezogenen  erkrankten  Engerlingslarven.  Die  Kultur  des  Pilzes  von 
der  Spore  aus  ist  den  Verff.  gelungen.  Auf  Kartoffeln  und  in  zucker- 
haltigen Nährlösungen  erzeugte  der  Pilz  reichlich  Sporen,  dagegen 
wenig  Mycelium,  auf  stickstoflreicheren  Nährböden,  wie  auf  Gelatine 
mit  oder  ohne  Zuckerlösung  etc.  findet  umgekehrt  eine  üppige  Mycel- 
bildung  statt.  Ein  geringer  Glycerinzusatz  schien  die  Sporenbildung 
zu  beschleunigen.  Von  den  Kartoffelkulturen  aus  wurden  die  Sporen 
in  Wasser  vertheilt  und  wurde  mit  diesem  Erde  begossen,  in  der 
pilzfreie  Engerlinge  gehalten  wurden.  Schon  nach  14  Tagen  waren 
diese  sämmtlich  todt  und  von  dem  charakteristischen  Schimmel  be- 
deckt; der  Pflanzenwuchs  wurde  durch  den  Pilz  in  keiner  Weise 
geschädigt.  Die  Versuche  bewiesen,  dass  es  wirklich  die  Botrytis 
tenella  Sacc.  ist,  welche  im  Freien  die  Engerlinge  des  Maikäfers 
tödtet  und  nicht  etwa  ein  anderer  Pilz.  Giard  hatte  eine  Isaria 
als  den  Urheber  der  Maikäferkrankheit  betrachtet.  Thatsächlicb 
findet  sich  eine  Isaria  häufiger,  sie  soll  aber  nach  Prillieux 
und  Delacroix  die  Conidien form  einer  Sphaeriacee,  der  Melano- 
spora  parasitica  sein,  welche  parasitisch  auf  der  Botrytis 
Bassiana  und  verwandten  Pilzen  gefunden  wurde. 

Ludwig  (Greiz). 

Kramer,  E.,  Bakteriologische  Un  tersuchungen  über  die 
Nassfäule  der  Kartoffelknollen.    (Oesterreichisches  l&nd- 
wirthschaftliches  Centralblatt.  I.  1891.  p.  11 — 26.) 
Der  Verf.  isolirte  zunächst  den  Verursacher  der  Nassfäule,  gegen 

dessen    angenommene  Identität   mit  Clostridium  butyricuffl 


Nassfäule  der  Kartoffelknolleu.  165 

Prazm.  (Bacillus  amylobacter)  sich  schon  früher  einzelne 
Stimmen  erhoben  hatten,  mit  den  bekannten  bakteriologischen  Hilfs- 
mitteln. Im  Gegensatz  zu  dem  durchaus  anaäroben  Clostridium 
haben  wir  es  bei  dem  Erreger  der  Nassfäule  mit  einem  aeroben 
Bacterium  zu  thun,  das  Gelatine  ausserordentlich  rasch  verflüssigt; 
es  bildet  Stabchen  von  2,5  bis  4  p  Länge  und  0,7  bis  0,8  <u  Breite. 
Ketten-  und  Fadenbildung  tritt  häufig  auf  den  künstlichen  Nährböden 
auf.  Die  beiderends  abgerundeten  Stäbchen  zeigen  Eigenbewegung. 
In  älteren  Kulturen  treten  auch  dickere,  ellipsoidische  Formen  mit 
stark  entwickelter  Membran  auf.  Hier  wurde  auch  die  Sporenbildung 
beobachtet,  welche  nach  dem  gewöhnlichen  Typus  verläuft  und  mit 
einer  durch  auftretende  stärkere  Lichtbrechung  sich  bemerklich 
machenden  Differenzirung  des  Plasmas  beginnt.  Die  fertigen  Sporen 
fallen  das  ganze  Lumen  der  Zelle  aus. 

Auf  Gelatine  und  Agar  bildet  das  Bacterium  kleine,  schmutzig- 
weisse,  schleimige  Tropfen  mit  scharf  begrenzten  Räudern ;  auf  ersterer 
bildet  sich  durch  Verflüssigung  schnell  ein  Trichter,  auf  dessen 
Grande  die  Kolonie  liegt.  Charakteristisch  sind  die  Strichkultureu 
auf  Gelatine.  Schon  nach  12  Stunden  wird  im  Impfstrich  die  Kultur 
als  8chmutzig-weisse,  erhabene  Linie  sichtbar,  seitlich  beginnt  die 
Ausbreitung,  welche  am  Rande  gebuchtet  erscheint,  so  dass  das 
Ganze  die  Gestalt  eines  Blattes  bekommt,  mit  Mittelrippe  und  ge- 
buchteten Randern.  Mit  Lackmus  und  Karmin  gefärbte  Gelatine  wird 
durch  den  Mikroorganismus  der  Nassfäule  bald  entfärbt.  In  dextrose- 
haltiger  Nährlösung  entwickelt  er  sich  kräftig  unter  Bildung  von 
Kohlendioxyd  und  Buttersäure.  Ebenso  gedeiht  er  in  mit  Ammon- 
tartrat  und  sonstigen  Nährsalzen  versehenem  Stärkekleister,  löst  aber 
die  Stärke  Dur  in  sehr  geringem  Grade  und  bildet  Buttersäure  darin 
überhaupt  nicht.  Ebenso  gering  ist  sein  Lösungsvermögen  gegenüber 
Cellulose. 

Infektionsvcrsucbe  mit  Reinkulturen  des  aufgefundenen  B  a  c  t  e  r  i  - 
ums  in  einem  wässrigen,  mit  1 — 2ü/0  Dextrose  versetzten  Kartoffel- 
breiauszug angestellt,  bestätigen  durchaus  die  Auffassung  desselben  als 
alleinigen  Erregers  der  Nassfäule.  Die  Art  und  Weise  der  Infektionen 
war  folgende:  Gesunde  Kartoffeln  wurden  zunächst  von  anhaften- 
der Erde  und  dergl.  mechanisch  gereinigt,  oberflächlich  mit  Sublimat- 
lösung sterilisirt,  dann  mit  sterilisirtem  Wasser  abgespült  und  je  eine 
in  die  sterilisirte  Nährlösung  gebracht.  Diese  wurde  dann  mit  dem 
Nassfäuleerreger  geimpft,  und  wenn  auch  natürlich  bei  der  Komplizirt- 
heit  der  Versuchsanstellung  nicht  immer,  so  doch  in  einer  Anzahl 
von  Fällen,  entwickelte  sich  in  den  so  beschickten  Apparaten  eine  Rein- 
kultur des  Impfmaterials.  Von  Zeit  zu  Zeit  wurden  einzelne  Gefässe 
geöffnet  und  die  in  ihnen  liegenden  Kartoffeln  untersucht:  dieselben 
zeigten  auch  in  den  Gefässen,  wo  die  Reinkultur  gelungen  war,  alle 
Erscheinungen  der  Nassfäule,  womit  der  Beweis  geliefert  ist,  dass  der 
beschriebene  Mikroorganismus  und  nur  dieser  der  Erreger  der  Nass- 
fäule ist  Die  Eintrittswege  für  ihn  in  das  Innere  der  gesunden 
Knolle  bilden  da,  wo  keine  zufälligen  Verletzungen  vorhanden  sind, 
die  Lenticellen,  die  bei  reichlicher  Feuchtigkeit  üppig  wuchern. 

Die  in  die  Knolle  eingedrungenen  Bakterien  zersetzen  zunächst 


166  Untere  ochuogtmttlodea,  Ioitrumenft*  etc. 

die  vorhandenen  löslichen  Kohlehydrate  (Zucker)  unter  Bildung  von 
Kohlensäure  und  Buttersäure,  dann  lösen  sie  die  Intercellularaubstanz 
auf  und  greifen  auch  die  Zellmembranen  an:  Stadium  der  sauren 
Reaktion  des  Knolleninhalts.  Die  Stärke  wird  nicht  verändert  Die 
Eiweissstoffe  erleiden  durch  denselben  Organismus  eine  faulige  Zer- 
setzung, die  unter  Entbindung  von  Ammoniak  (das  mit  Nessler's 
Reagens  nachgewiesen  wurde),  Methyl-  und  Trimethylamin  (durch 
Bildung  des  Platinchlorür-  resp.  Platinchloriddoppelsalzes  nachge- 
wiesen) einhergeht.  Diese  Basen  neutralisiren  zunächst  die  zuerst 
gebildete  Buttersäure  und  bringen  im  Ueberschuss  die  alkalische 
Reaktion  des  zweiten  Stadiums  der  Nassfäule  hervor.  Ganz  dem 
Gange  des  durch  das  gefundene  Nassfäulebacterium  in  den  Knollen 
hervorgerufenen  Zersetzungsprozesses  entsprechend,  werden  stärke- 
reiche, dagegen  zuckerarme  Knollen  viel  weniger  angegriffen,  als 
zuckerreiche. 

Die  Gährungßvorgänge ,  welche  das  Bacterium  in  künstlichen 
Nährlösungen  hervorruft,  sind  identisch  mit  denen  in  der  Kartoffel 
Buttersäuregährung  in  dextrosehaltigen,  faulige  in  pepton-  oder  eiweiss- 
baltigen  Flüssigkeiten.  Die  Vermuthung,  dass  dasselbe  identisch  sei 
mit  dem  Hueppe'schen  Bacillus  butyricus,  erwies  sich  als 
irrthümlich  bei  Kultur  des  Nassfäulebacillus  in  sterilisirter  Milch, 
in  der  selbst  nach  3  Wochen  keine  weitere  Veränderung  als  Gerinnung 
des  Gaseins  hervorgebracht  war,  keine  faulige  Zersetzung,  wie  sie 
der  Bacillus  butyricus  einleitet  Behrens  (Karlsruhe). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Bakteriologisches  von  der  medizinisch-wissenschaftlichen 

Ausstellung  des  X.  internationalen  medizinischen 

Kongresses  zu  Berlin,  4 — 9.  August  1890. 

Die  anlässlich  des  X.  internationalen  medizinischen  Kongresses  zu 
Berlin,  4.-9.  August  1890,  veranstaltete  medizinisch*  wissenschaftliche 
Ausstellung  gestaltete  sich  in  quantitativer  und  qualitativer  Beziehung 
zu  einer  der  reichhaltigst  beschickten  Fachausstellungen.  Sie  brachte 
denn  auch  auf  dem  heute  so  umfassenden  Gebiete  der  Bakteriologie 
manches  Neue  und  viel  des  Interessanten.  Es  liegt  nicht  in  unserer 
Absicht,  über  alle  hervorragenden  Ausstellungsobjekte  des  erwähnten 
Gebietes  berichten  zu  wollen,  wir  werden  uns  vielmehr  auf  das  Her- 
vorheben einiger  ein  spezifisch  bakteriologisches  Interesse  bean- 
spruchenden Gegenstände  beschränken  müssen. 

Das  kaiserliche  Gesundheitsamt  (Berlin)  führte  die  ex- 
perimentellen Resultate  der  Arbeiten  über  die  Aetiologie  des  Schar- 
lach (Reinkulturen  des  pathogenen  Streptococcus  conglome- 
ratus  Kurth),  der  Influenza  (Streptococcus  Friedrich)  und 


Umennchaogsmethodeo,  Instrumente  etc.  167 

der  Purpura  haemorrhagica  (von  Kolb  isolirter  Bacillus)  vor. 
Die  von  Petri,  Maassen  und  Säger  zum  Theil  synthetisch 
dargestellten  Ptomalne  und  Toxine,  darunter  auch  das  aus  Cholera- 
kulturen  gewonnene  und  für  Versuchsthiere  sehr  giftige  „Toxopepton" 
nahmen  das  Interesse  des  Fachmannes  in  hohem  Grade  in  Anspruch. 
Eine  von  Heyroth  zusammengestellte  Ausrüstung  mit  den  nöthigen 
Apparaten  und  Geräthen  zur  Entnahme  und  sofortigen  bakteriologi- 
schen Untersuchung  von  Wasser  an  Ort  und  Stelle  zeichnet  sich  da- 
durch aus,  dass  sie  trotz  ihrer  Vollständigung  kompendiös  und  be- 
quem transportabel  ist.  Hieran  schliesst  sich  ferner  ein  verbesserter 
Dampfsterilisator  von  Petri  und  eine  Heiz  Vorrichtung  für  das  Mi- 
kroskop von  Friedrich. 

Weyl  und  Kitasato  (Hygienisches  Institut  zu  Berlin)  stellen 
Kulturen  von  Tetanus,  Rauschbrand  und  malignem  Oedem  aus  und 
zeigen,  dass  durch  Zusatz  reduzirender  Stoffe  (ameisensaures  Natrium, 
Resorcin  u.  s.  w.)  zum  Agar  das  Wachsthum  obligater  Anaöroben  in 
bemerkenswerter  Weise  begünstigt  wird.  Aehnlich  wirkt  indigblau- 
suliosaures  Natrium,  das  durch  die  genannten  Anaöroben  entfärbt 
(reduzirt)  wird.  Das  entstandene  Indig weiss  fäugt  den  O  ab  und 
färbt  sich  daher  an  der  Oberfläche  der  Kultur  blau,  während  die 
tieferen  Schichten  des  Nährbodens  farblos  erscheinen.  Derart  gelingt 
die  Kultur  der  Anaeroben  auch  in  niedriger  (2—3  cm  hoher)  Schicht, 
so  dass  die  Anwendung  der  neuen  Nährböden  eine  Ersparniss  an 
Nährmaterial  involvirt.  Weiter  werden  Kulturen  der  erwähnten 
Asaeroben  in  einer  mit  0,1  °/0  Na9S  versetzten  Fleischbrühe  ausge- 
stellt und  hierdurch  bewiesen,  dass  nascirender  Schwefelwasserstoff 
das  Wachsthum  dieser  Mikroorganismen  auch  ohne  Bedeckung  von 
Wasserstoff  ermöglicht. 

Die  in  stattlicher  Zahl  vorgeführten  mikrophotographischen  Ar- 
beiten lassen  uns  deutlich  die  Höhe  sehen,  bis  zu  welcher  die  Mikro- 
photographie bei  ihrer  Verwendung  für  die  Bakteriologie  in  der  jüngsten 
Zeit  gediehen  ist.  Wenden  wir  uns  zunächst  zu  den  vorzüglichen 
Programmen  von 

Loeffler  (Hygienisches  Institut  zu  Greifswald).  57  derselben  be- 
treffen die  Bewegungsorgane  von  Infusorien,  Algenschwätmern  und  Bak- 
terien, welche  nach  der  neuen,  von  ihm  angegebenen  Methode  gebeizt  und 
gefärbt  sind ;  3  stellen  Reinkulturen  von  Diphtheriebacillen  dar.  Eine 
Anzahl  der  Photogramme  ist  bereits  aus  den  Publikationen  L.'s  bekannt, 
so  die  Photogramme  mehrerer  Infusorien  mit  Wimpernkleid,  eines  Infu- 
sors  mit  gefiederten  Geissein,  des  SpirillumUndula  mit  Geissei- 
zöpfen an  den  Enden,  eines  grossen  Bacillus  mit  langen  korkzieher- 
artig gewundenen  Geissein,  eines  kleinen  Bacillus  aus  einem  Heuinfus 
mit  zierlich  gewundener  Geissei,  der  Cholerabakterien  mit  einfacher, 
der  Typhusbacillen  und  eines  diesen  ähnlichen  Bacillus  mit  mul- 
tiplen,  von  deu  verschiedensten  Punkten  des  Bacillenleibes  ausgehenden 
Geisseln,  die  Bacillen  der  blauen  Milch  mit  mehreren  endständfgen 
Gei88eln  und  die  eigentümlichen  Haarzöpfe  aus  Rauschbrandbacillen- 
inltaren.  Neu  sind  die  Photogramme  mehrerer  Algenschwärmer  einer 
grösseren  und  einer  kleineren  Art  mit  einem  oder  auch  zwei  kräftigen 
Gei83el&den.    Die  einfachen  Geissein  der  kleineren  Art  sind,  wie  ein 


16g  (Jnter&uchungftineihoden,  Instrumente  etc. 

Photogramm  lehrt,  aus  einer  grösseren  Anzahl  feiner  Fädchen  zusam- 
mengesetzt. Neu  sind  ferner  Photogramme  einer  grossen  Vibrio- 
art mit  mehreren  endstäudigen  Geissein,  welche  meist  auch  zu  einem 
Zopf  zusammengedreht  sind,  die  Photogramme  eines  grossen,  nicht 
näher  bezeichneten  Bacillus  mit piuselartigen  Büscheln  kurzer  bor- 
stiger Geissein  an  den  Enden,  die  Photogramme  von  Spirillum 
rubrum  mit  mehreren  kurzen,  einfach  gebogenen  Geissein  wie  bei 
Spirillum  Undula  und  von  Spirillum  concentricum  mit 
mehreren  langen,  wellig  gebogenen  Geissein  an  den  Enden.  Auf  einer 
Anzahl  von  Photogrammen  sieht  man  grosse,  nicht  näher  bezeichnete 
Bacillen  mit  zahlreichen,  seitlich  entspringenden,  langen  Geissein; 
ferner  die  Bacillen  des  malignen  Oedems  mit  einer  mindestens  ebenso 
grossen  Zahl  von  den  verschiedensten  Punkten  des  ßacillenleibes 
ausgehenden  Geissein,  wie  die  Typhusbacillen.  2  Photogramme  stellen 
den  Micrococcus  agilis  mit  seinen  langen  Geissein  dar.  lu 
4  Photogrammen  sind  die  verschiedenen  Entwickelungszustände  de* 
V  i  b  r  i  o  (?)  s  p  e  r  m  a  t  o  z  o  i*  d  e  s  zur  Darstellung  gebracht.  Das  erste 
zeigt  Kommaformen,  zum  Theil  mit  ganz  kurzen,  stumpfartigeo  Fort- 
sätzen, das  zweite  deutliche  Gabelungen,  die  weitereu  spirillenartige 
Formen  mit  langen  Schwänzen.  Merkwürdig  ist  ein  riesiger  Bacillus, 
welcher  von  kurzen  feinen  Wimperu  rings  umhüllt  erscheint.  Auf 
einem  Photogramm  sieht  man  die  Oberhaut  von  Oscillarien,  welche 
eine  breite  Querstreifung  darbietet.  Das  Präparat  ist  in  der  Weise 
gewonuen,  dass  die  Oscillarien  wie  Bakterien  am  Deckglase  ange- 
trocknet, gebeizt,  gefärbt  und  alsdann  mit  einem  kräftigen  Wasser- 
strahl abgespült  werden.  Es  bleibt  dann  die  eigentümliche,  auf  dem 
Photogramme  dargestellte  Oberhaut  haften.  Der  Anblick  des  Photo- 
grammes  legt  den  Gedanken  nahe,  dass  die  Fortbewegung  der  Os- 
cillarien durch  Kontraktionen  dieser  eigen th Ural ichen  Oberhaut  vor 
sich  geht.  Die  drei  Photogramme  der  Diphtheriebacillen  illustriren 
die  ausserordentlich  wechselnde  proteusartige  Form  dieser  Mikro- 
organismen. 

Gaffky  (Hygienisches  Institut,  Giessen)  stellte  eine  Sammlung 
von  Mikrophotogrammen  aus,  die  eine  grosse  Zahl  neuer  Bakterieu- 
arteu  und  -Formen  umfassen  und  sich  als  Diapositive  zur  objek- 
tiven Darstellung  besonders  gut  für  didaktische  Zwecke  eignen.  Aehu- 
liche  Mikrophotogramme,  theils  mit  langer  Expositionsdauer  bei  Pe- 
troleumlicht, theils  als  Momentaufnahmen  bei  Blitzlicht  angefertigt, 
brachten  Nenhauss  (Berlin),  BOhmann  (Breslau)  u.  A.,  Photo- 
gramme der  Mikroorganismen  des  Newawassers  Poehl  (St.  Petersburg). 

Eine  ganz  eigenartige  Stellung  nehmen  die  Photographieen  ein, 
welche  Fischer  (Hygienisches  Institut,  Kiel)  ausstellte.  Die  aufge- 
nommenen Objekte  sind  zumeist  Kulturen  lichtentwickelnder  Bakterien, 
im  eigenen  Lichte  photographirt,  oder  Gegenstände,  die  von  Leucht- 
bakterienkulturen belichtet  wurden.  Das  Phosphorescenzlicht  solcher 
Kulturen  kann  so  kräftig  sein,  dass  man  z.  B.  im  Dunkeln  eine  in 
die  Nähe  gebrachte  Taschenuhr  oder  gewöhnliche  Druckschrift  abzu- 
lesen vermag.  Die  mittelst  eines  Stein  heil1  sehen  Aplanaten  bei 
Verwendung  sehr  empfindlicher  Trocken  platten  im  dunkeln  Raum  bei 
24— 48  stündiger  Expositionsdauer  erhaltenen  photographischen  Bilder 
zeigen  Einzelkolonieen,  Stich-  und  Strichkulturen,  leuchtende  Fische, 


UntersuchungsmethodeD,  In»trumente  etc.  J  QQ 

die  belichteten  Kulturgefässe,  Taschenuhren,  Druckschrift  etc.  Als 
Lichtspeoder  fungirten  das  Bacterium  phosphorescens  von 
Ostseefiscben  und  aus  Nordseewasser,  der  westindische  Leuchtbacillus 
und  der  verflüssigende  Leuchtbacillus  von  den  Azoren. 

Flügge  (Hygienisches  Institut,  Breslau)  stellt  Milchkochapparate 
aas,  die  als  weitere  Vereinfachung  des  Soxhlet 'sehen  Apparates 
sich  vor  allem  durch  ihre  Billigkeit  und  daher  durch  eine  erhöhte 
ZugäDglichkeit  für  die  ärmeren  Volksschichten  auszeichnen.  Eine 
wirkliche  Sterilisirung  der  Milch,  ein  Abtödten  aller  in  derselben  vor- 
handenen Keime,  also  auch  der  widerstandsfähigeren  und  für  den 
kindlichen  Organismus  unschädlichen  Milchbakterien,  wird  nicht  an- 
gestrebt; es  sollen  bloss  die  in  der  käuflichen  Milch  etwa  vorhandenen 
Krankheitskeime  und  die  Gährungserreger  vernichtet  werden,  was 
mit  den  Apparaten  vollständig  erreicht  wird.  Denselben  Zweck  ver- 
folgt der  von  Flügge  konstruirte  Pasteurisirapparat  zum  Pasteuri- 
siren  grösserer  Mengen  von  Marktmilch  bei  68  ° ,  wobei  die  rohe 
Milch  in  Farbe,  Geruch  und  Geschmack  unverändert  bleibt.  Ein 
Modell  des  T hu rsfield 'sehen  Desinfektors  ist  für  Milchsterilisation 
im  Grossen  eingerichtet. 

Babes  (Bakteriologisches  Institut,  Bukarest)  hatte  eine  Anzahl 
modifizirter  oder  neuer  Apparate,  Photographieen,  Zeichnungen  und 
Präparate  ausgestellt.  Unter  den  Apparaten  sind  die  elektrischen 
Thermoregulatoren  bemerkenswert^  welche,  wenn  wir  nicht  irren, 
Babes  zuerst  für  Kulturzwecke  eingeführt  hat.  Besonders  nützlich 
dürfte  der  Apparat  zur  elektrischen  Regulirung  von  Temperaturen, 
welche  niedriger  sind,  als  die  Aussen temperatur,  sein.  Die  ausge- 
stellten Thermostaten  und  elektrischen  beizbaren  Objekttische  sind 
schon  in  diesem  Blatte  (Bd.  IV.  p.  19)  beschrieben  worden.  Die 
Pe tri' sehen  Schalen  sind  nunmehr  so  gestaltet,  dass  der  Deckel 
nicht  hervorsteht,  sondern  in  den  verjüngten  oberen  Theil  des  unteren 
Gefässes  hineinpasst.  Doppelschalen  für  Gasdurchleitung  haben  zwei 
Tubulaturen,  solche  für  Anaärobiose  eine  Tubulatur.  Jene  zur  direkten 
Luftuntersuchung  besitzen  einen  doppelten  Deckel,  deren  unterer  der- 
art durchlöchert  ist,  dass  die  durchgesaugten  Luftkeime  gleichmässig 
auf  die  Gelatinefläche  fallen.  Ein  Kulturapparat  für  Anaörobien 
vereinigt  die  Vortheile  der  Anwendung  der  Pyrogallussäure  mit 
jenem  der  Luftverdünnung.  Erwähnenswerth  sind  ferner  sterilisir- 
bare  Reagenzgläschen ,  in  welchen  die  Flüssigkeit  graduirt  werden 
kann,  dann  ein  im  Ganzen  oder  auch  in  seinen  Theilen  sterilisir- 
barer,  mit  einem  Regulator  gegen  Ueberhitzung  versehener  Instru- 
mentenkasten. Ein  Atlas  von  über  100  Photogrammen  neuer  Bak- 
terienarten oder  Varietäten  ist  geeignet,  besonders  die  Varietäten 
des  Typhusbacillus  in  der  Typhusleiche,  jene  des  Pneumoniebacteriums, 
der  Streptokokken  und  des  Diphtheriebacillus  zur  Anschauung  zu 
bringen.  Die  zahlreichen  noch  nicht  publizirten  Abbildungen  patho- 
togisch-histologischer  Befunde  nehmen  2  grosse  Bände  ein.  Von  den 
unter  dem  Mikroskop  ausgestellten  Präparaten  sind  unter  anderen 
jene  hervorzuheben,  welche  ein  beim  Menschen  (eine  Art  Petechial- 
fieber) gefundenes  septisches  Bacterium  darstellen,  das  die  Eigen- 
schaft besitzt,  bei  Thieren  autfallende  hyaline  Entartung  der  Gefäss- 


172     Bakteriolog.  t.  XX.  Kongr.  d.  deutsch.  Gesellschaft  f.  Chirwgie  i.  Berlin. 

Bakteriologisches  vom  XX,  Kcragress  der  deutschen 
Gesellschaft  für  Chirurgie,  abgehalten  vom  L — 4.  April 

1891  zu  Berlin. 

(ScbluM.) 

Jordan  (Heidelberg),  Ueber  die  Aetioiogie  des  Ery- 
sipels. 
J.  ist  der  Ansicht ,  dass  ausser  dem  eigentlichen  Erysipel- 
Streptococcus  nicht  bloss  der  Streptococcus  pyogenes 
Erysipel  hervorrufen  könne,  sondern  auch  andere  Eitererreger,  wie 
der  Staphylococcus  pyogenes.  Diese  Auffassung,  welche  also 
die  Annahme  einer  spezifischen  Natur  des  Erysipels  aufgiebt,  stützt 
er  auf  2  Krankheitsfälle,  in  welchen  nach  Phlegmonen  Erysipel  auf- 
trat und  in  den  erysipelkranken  Hautparthien  ebenso  wie  in  der 
ursprünglichen  Phlegmone  und  auch  im  Blut  Staphylokokken  aufzu- 
finden waren. 

Fischer  (Strassbur g),  Bakteriologische  und  anatomi- 
sche Untersuchungen  über  die  Lymphangitis  der 
Extremitäten. 
Fischer  hat  von  Kranken  mit  schweren  Eiterungen  und  gleich- 
zeitiger Lymphangitis  lymphangitische  Abscesse,  sowie  auch  kleine 
exzidirte  Stücke  der  entzündeten  Lymphgefässe  bakteriologisch  unter- 
sucht Das  Resultat  der  Untersuchung  war  in  8  Fällen  von  exzi- 
dirten  entzündeten  Lymphgefässen,  3mal  Staphylococcus  pyo- 
genes albus,  lmal  Staphylococcus  pyogenes  aureus, 
2 mal  Staphylococcus  cereus  albus,  lmal  Bacillus 
coli  communis,  lmal  Mischinfektion  von  Staphylococ- 
cus pyogenes  albus  und  aureus,  bei  2  Fällen  von  typi- 
scher Lymphangitis  reticularis  Staphylococcus  pyogenes  al- 
bus. In  8  lymphangitischen  Absccssen  wurde  gefunden:  4 mal 
Staphylococcus  pyogenes  albus,  3 mal  Mischinfektion  von 
Staphylococcus  pyogenes  albus  und  aureus,  lmal  Misch- 
infektion von  Staphylococcus  pyogenes  albus  und  Strepto- 
coccus pyogenes,  2mal  Streptococcus  pyogenes. 

Durch  den  Transport  der  Eitererreger  in  das  Lymphge&ss  ent- 
steht in  demselben  ein  Thrombus,  in  welchem  dieselben  Mikroorga- 
nismen, wie  im  ursprünglichen  Eiterherd  nachzuweisen  sind.  Der 
Thrombus  verschliesst  aber  das  Lumen  des  entzündeten  Lymph- 
gefässes  nicht  vollständig,  und  das  Endothel  des  Lymphgefässes  ist 
erhalten,  obwohl  dessen  Wand  verdickt  und  mit  Rundzellen  infil- 
trirt  ist. 

Brunner,  Conrad  (Zürich),  Ueber  Ausscheidung  patho- 
gener  Mikroorganismen  durch  den  Scbweiss. 
B runner  beobachtete  eine  Hausepidemie  von  Karbunkel,  welche 
Vater  und  Sohn,  sowie  einen  Dienstknaben  betrafen.    Einer  der  Pa- 


Neue  Litteratur.  173 

tienten  ging  an  einer  Pyämie  in  Folge  des  Karbunkels  zu  Grunde. 
Nicht  nur  im  Blut,  sondern  auch  im  Seh  weisse  des  Pyämischeo 
konnte  Brunner  die  pyogenen  Staphylokokken  nachweisen.  Thier- 
vereoche  ergaben  weitere  Beweise  für  die  Ausscheidung  pathogener 
im  Blut  kreisender  Bakterien  durch  den  Schweiss.  So  konnte  B. 
durch  das  Kulturverfahren  bei  Schweinen  im  Speichel  und  Schweiss 
nach  Verabfolgung  von  Pilocarpininjektionen  pathogene  Bakterien, 
welche  vorher  in  das  Blut  infundirt  waren,  nachweisen.  Ebenso  ge- 
lang es  bei  milzbrandkranken  Katzen  durch  Reizung  des  N.  Ischia- 
dicos  Milzbrandbacillen  im  auftretenden  Schweisse  der  Zehenballen 
aufzufinden. 

In  der  Diskussion  berichtet  t.  Eiseisberg,  dass  auch  ihm  es  ge- 
lungen sei,  bei  einem  Fall  von  schwerer  Pyämie  sowohl  im  Blute  als  auch 
im  Schweisse  Staphylococcus  pyogenes  aureus  nachzuweisen. 

Schimmelbusch  (Berlin). 


Neue  Litteratur 

snummtiiffettelU  toh 

Db.  Arthub  Wübzbubo, 

Bibliothekar  im  Kaiterlirhen  Geftundheitiurt«  In  Bertta. 


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So  kann  es   nicht  weiter   gehen!     (Kaiser  Wilhelm  II.)     Gedanken  über  Heilkunde  im 

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176 


Litteratur. 


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Prillieux  et  Delaoroix,  Le  .Champignon 
parasite  de  la  larve  da  hanneton,  p.  168. 

Remanowsky,  D.,  Zur  Frage  über  den  Bau 
der  Malariaparasiten,  p.  168. 

ünteTSnohungsmethoden,  Instrumente  eto. 
Bakteriologisches  von  der  medi- 
zinisch-wissenschaftlichen Aus- 
stellung  des   X.   internationalen 

medisinischen  Kongresses  su 
Berlin,  4.-9.  August  1890,  p.  166. 


künstliche  Inf eküons- 


Behutsimpfung^ 
krankheiten, 

und  Vernichtung  der  Bakteriell 
und  Parasiten. 

OriamralU,  O. ,  Modifieasioni  dell'  urins  » 
potere  urotossico  negli  injettati  con  k 
linfa  Koch,  p.  170. 

Rohrschneider ,  Experimentelle  Untenn- 
chungen  Über  die  bei  Fröschen  durch 
Verweilen  in  höherer  Temperatur  erzeugte 
Disposition  für  Milsbrand,  p.  170. 


Originalberichte  über  Kongresse. 

Bakteriologisches  von  XX.  Kon* 

gress  der  deutschen  Gesellschaft 

für  Chirurgie,  abgehalten  vom 

1.—  4.  April  1891  su  Berlin.  (Schlots.' 

Brunner,  Conrad,  Ueber  Ausscheidung  p* 

thogener    Mikroorganismen     durch    des 

Schweiss,  p.  172. 
Finoher,  Bakteriologische  und  anatomische 

Untersuchungen   Über   die   Lymphaogitii 

der  Extremitäten,  p.  172. 
Jordan,  Ueber  die  Aetiologie  des  Erysipel», 

p.  172. 

Vene  Litteratur,  p.  173 


AYommannsche  Buchdruckern  (Hermann  Pöble)  in  Jens. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Bei.  Hofir.  Prot  Dr.  Leockart  nd  Profisair  Dr.  Loeffler 

In  Lelfrff  In  Omffindd 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  In  Jena. 

X*  Band«       -°-       Jena,  den  22.  August  1891.        -0-  No.  6* 


Preis  ftr  den  Band  (96  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  swei  Binde. 

-*g    Zu  beziehen  durch  alle  Bachhandlangen  and  Postanstalten.    |V- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde" richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wunsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf' 
Ȋtze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  "wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Bischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können* 


Original -Mittheilungen. 


Kleine  bakteriologische  Mitteilungen. 

[Aus  dem   bakteriologischen  Laboratorium  des  Bureau   of  Animal 
Industry,  Dept  Agriculture,  Washington,  ü.  S.  A.] 

Von 

Dr.  Theobald  Smith, 

Vorstand. 
Mit  8  Figuren. 

1.  Eine  Modifikation  der  Koch'schen  Injektions- 
spritze. 
In  dieser  modifizirten  Spritze  wird,  wie  aus  der  umstehenden 
Figur  (Fig.  1)  zu  sehen  ist,  der  Gummiballon  durch  eine  gewöhnliche! 

X.M.  13 


178 


8m!th, 


¥ 


**-  i-   (X  7.0 


kurze  und  daher  etwas 
breite  Stempelspritze 
ersetzt.  Die  Koch- 
sche  Spritze  wird  an 
diese  angeschraubt  und 
nimmt  die  Stelle  der 
Nadel  ein.  Die  Stem- 
pelspritze kann  daher 
auch  ohne  den  Koch- 
schen  Theil  gebraucht 
werden.  Der  Hahn  ist 
nicht  noth  wendig,  wenn 
bei  dem  Handhaben 
der  Spritze  Acht  ge- 
geben wird.  Es  ist 
daher  nur  eine  Hand 
nöthig.  Der  Koch- 
scbe  Theil  kann  ent- 
weder trocken  oder  im 
Dampfe  sterilisirt  und 
eine  Anzahl  davon  in 
sterilenBeagenzgläsern 
vorräthig  gehalten  wer- 
den. Die  Stempelspritze 
soll  öfters  in  5%  Kar- 
bolsäure gelegt  werden, 
da  die  äusseren  Theile 
leicht  durch  die  Hände 
infizirt  werden  können. 
Dieses  ist  besonders 
der  Fall,  wenn  der 
Koch'sche  Theil  ge- 
legentlich das  Austre- 
ten der  Flüssigkeit  zwi- 
schen Nadel  und  Glas 
zulässt. 


2.  Eine  einfache  Vorrichtung  zum  Filtriren  kleiner 
Quantitäten  Kulturflüssigkeit. 

Diese  Vorrichtung,  die  durch  die  beigegebene  Figur  (Fig.  2) 
leicht  verständlich  wird,  habe  ich  schon  ein  halbes  Jahr  im  Gebrauch. 
Die  Idee,  die  ihr  zu  Grunde  liegt,  ist  daher  nicht  den  vielen  anderen 
Vorrichtungen  entsprungen,  die  seither  veröffentlicht  worden  und  die 
zumeist  für  das  Filtriren  grösserer  Mengen  bestimmt  sind. 

Eine  Chamberlandbougie1)  wird  umgekehrt  in  ein  grosses 
Reagenzglas  geschoben  und  letzteres  am  Rande  mit  etwas  Watte 
versehen.     Diese  Kombination    wird    nun    trocken  sterilisirt.      Die 

1)  81«  war  die  elntige  Qualität,  die  mir  iu  Gebote  »Und. 


Klon«  bakteriologisch«  Mittheilongtn.  (79 

Kulturflüssigkeit  wird  mittelst  einer  Pipette  in  die  Filterzelle  laufen 
lassen  und  diese  durch  einen  Gummischlauch  mit  irgend  einem  Luft- 
druckapparate verbanden.  Ich  benutzte  zur  Zeit  eine  kleine  Luft- 
druckpumpe,  die  mit  dem  Fusse  bearbeitet  wird.  Bei  einem  Druck 
tob  */3  Atmosphäre  geht  das  Filtriren  schon  ziemlich  schnell  vor 
sieb.  Es  geben  immer  15  bis  20  ccm  Flüssigkeit,  wahrscheinlich 
durch  Füllung  der  Poren  der  Zelle,  verloren.  Da  es  mir  fast  immer 
nur  um  5  bis  10  ccm  zu  tbun  war,  entsprach  diese  Vorrichtung  der 
Anforderung  sehr  gut.  Nach  dem  Filtriren  wird  die  Filterzelle  her* 
ausgehoben  und  die  Flüssigkeit  kann  bis  zum  Gebrauche  in  dem 
Reagenzglase  bleiben,  vorausgesetzt,  dass  letzteres  mit  steriler  Watte 
verschlossen  wird. 

Ich  halte  gewöhnlich  eine  Anzahl  solcher  sterilisirter  Vorrich- 
tungen auf  Vorrath,  da  sie  nur  einmal  gebraucht  werden  können, 
ehe  man  sie  wieder  auswascht  und  frisch  sterilisirt 

3.  üeber  einen  neuen  Kommabacillus. 

Anfangs  1889  fand  ich  im  Dickdarm  von  einigen  Schweinen 
Kommabacillen,  die  von  den  bisher  beschriebenen  abweichen,  indem 
sie  die  Gelatine  nicht  verflüssigen.  Diese  Vibrionen  lebten  im 
weichen,  nekrotischen  Grunde  kleiner  Geschwüre  und  waren  in  Deck- 
glaspräparaten oft  massenhaft  und  fast  ausschliesslich  anzutreffen. 
Der  besondere  Fundort  veranlasste  mich,  sie  etwas  näher  zu  unter- 
suchen. Nach  einigen  vergeblichen  Plattenkulturen  gelang  es,  eine 
Reinkultur  zu  erhalten. 

Die  Kolonieen  in  N&hrgelatine  erscheinen  in  86  bis  48  Stunden 
th  kleine,  kreisrunde,  feingranulirte  Scheiben  mit  bräunlicher  Farbe. 
Die  oberflächlichen  Kolonieen  sind  zu  dieser  Zeit  kleine,  runde  Auf- 
lagerungen, deren  Begrenzung  nicht  ganz  regelmässig  ist  In  Roll- 
kultaren,  wenn  die  Kolonieen  nicht  gedrängt  stehen,  können  die 
tiefen  einen  Durchmesser  von  0,3—0,5  mm  erreichen.  Sie  besitzen 
nach  einigen  Tagen  einige  konzentrische  Schichten.  Nach  mehreren 
Wochen  haben  sie  ein  Aussehen,  welches  ich  am  besten  mit  der 
Fläche  eines  durchgesägten  Baumstammes  vergleichen  kann,  auf  dem 
sehr  viele  konzentrische  Hinge  nur  schwach  angedeutet  sind.  Unter 
nicht  naher  zu  bestimmenden  Einflüssen,  zu  denen  vielleicht  schwan- 
kende Temperatur  und  theilweises  Austrocknen  gehören,  erscheinen 
uf  der  Peripherie  mancher  tiefen  Kolonieen  kurze,  dichtgedrängte 
Fortsätze,  die  der  Kolonie  das  Ausseben  einer  Himbeere  geben.  Die 
oberflächlichen  Kolonieen  können  einen  Durchmesser  von  3—5  mm 
erreichen,  wenn  das  Austrocknen  der  Gelatine  möglichst  verhindert 
*ird.  Sie  behalten  dabei  ihre  runde,  flache  Form  und  nehmen  eine 
schwach  gelbliche  Farbe  an. 

Auf  Agarplatten  werden  die  tiefen  Kolonieen  0,5—0,7  mm  im 
Durchmesser.  Die  oberflächlichen  sind  flache,  kreisrunde  Scheiben 
y°Q  grauer  Farbe  und  glattem  Aussehen.  Sie  können  einen  Durch- 
besser  von  5  mm  erreichen.  Die  Agarkolonieen  sind  überhaupt 
nicht  zu  unterscheiden  von  denjenigen  vieler  gleich  schnell  wachsen- 
*en  Bakterien. 

12* 


180  Smith, 

In  neutralisirter  Bouillon,  enthaltend  l/A — 1%  Pepton,  wachsen 
diese  Organismen  sehr  gut.  In  einigen  Tagen,  bei  36°  C,  ist  die 
Flüssigkeit  stark  getrübt.  Im  hängenden  Tropfen  untersucht,  er- 
scheinen diese  lebhaft  beweglichen  Vibrionen  etwas  grösser,  als  Cho- 
leravibrionen, in  derselben  Nährflüssigkeit  gezüchtet.  Dieses  kann 
jedoch  nicht  als  ein  Unterscheidungsmerkmal  dienen,  da  der  Unter- 
schied zu  klein  und  schwankend  ist.  Die  Formen  sind  überwiegend 
Kommas.  Es  gibt  auch  Spirillen  von  1  */i  zu  2,  manchmal  bis  zu 
10  Windungen.  In  nicht  neutralisirter  Bouillon  wachsen  sie  fast 
noch  besser  x).  Die  Reaktion  der  ausgewachsenen  Kulturen  ist  schwach 
alkalisch.  Kürzlich  impfte  ich  auch  Gährungskölbchen,  enthaltend 
Peptonbouillon  und  2%  Traubenzucker.  In  der  geschlossenen  Bohre 
fand  in  keinem  Falle  Wachsthum  statt.  Zwei  parallele  Kultaren  mit 
Vibrio  Cbolerae  und  Finkler  und  Prior  geimpft,  zeigten 
immer  Trübung  der  Flüssigkeit  in  der  geschlossenen  Röhre.  Diese 
Vibrionen  sind  daher  strikt  aörob  und  vergähren  Zucker  ebensowenig 
wie  die  anderen  Mitglieder  dieser  Gruppe. 

Milch  wird  makroskopisch  nicht  verändert 

Auf  Kartoffeln  erscheint  nach  einigen  Tagen  im  Thermostaten 
eine  dünne,  gelbliche  Auflagerung. 

Die  Färbung  der  Geissein  gelingt  ziemlich  leicht  nach  der 
Loeffl er* sehen  Methode.  Ein  Zusatz  von  Säure  zur  Ferrotannat- 
lösung  ist  nicht  nöthig.  Die  Geissein  scheinen  in  allen  Beziehungen! 
denjenigen  zu  gleichen,  dieLoeffler*),  Frank el  und  Pfeiffer9) 
für  die  Choleravibrionen  beschrieben  haben. 

Auf  eine  Untersuchung  der  pathogenen  Wirkung  dieser  Komma- 
bacillen  bin  ich  nicht  näher  eingegangen.  Einige  Tauben,  welche 
V*  cem  Bouillonkultur  in  die  Flügelvene  erhielten,  erkrankten  nicht 
Auch  ein  beinahe  ausgewachsenes  Meerschweinchen,  dem  1  Vf  cem 
einer  dreitägigen  Bouillonkultur  in  die  Bauchhöhle  gespritzt  wurde, 
blieb  gesund.  Schliesslich  wurde  ein  hungerndes  Schwein  mit 
300  cem  Bouillonkultur  gefüttert,  welches  irgend  welche  Krankheits- 
symptome nachher  nicht  zeigte. 

4.  Ueber  einige  den  Friedländer'schen  Bacillen  nahe- 
stehende Kapselbakterien  aus  dem  Darme  des  Schwei- 
nes,   zugleich    ein    Beitrag    zur   Differenzirung   nahe 
verwandter  Bakterienarten. 

Im  Laufe  der  Untersuchungen  über  Schweinekrankheiten  schien 
es  angezeigt,  die  Bakterien  des  Darminhalts  verschiedener  Thiere 
einer  oberflächlichen  Untersuchung  zu  unterwerfen.  Auf  den  Gela- 
tineplatten von  dem  Dickdarminhalt  von  Schweinen  befand  sich  neben 
den    Kolonieen    des  fast    ausschliesslich  vorkommenden   Bacillus 


1)  Diese  Thatsachen  worden  vor  zwei  Jahren  konstatirt.  Eunuch  prüfte  ich  sie 
alle  noch  einmal.  In  saurer  Bouillon  wuchsen  diese  Bakterien  jetzt  nicht.  Auch  be- 
merkte ich  eine  ziemlich  ausgesprochene  Neigung  zur  Hautbildung.  Die  Haut  ist  weid- 
lich, sehr  dünn  und  brüchig  und  besteht  aus  sehr  langen,  zum  Theil  trag«  beweglichen 
Schraubenformen. 

Diese  Zeitschrift.  VI.  S.  219. 

Mikrophotographischer  Atlas  d.  Bakterienkunde.  Tafel  XL VII. 


3 


Kleine  bakteriologische  Mittheilangen.  131 

coli  manchmal  eine  etwas  mehr  undurchsichtige  Kolonie,  die  sich 
kaum  von  ereteren  unterschied.  Unter  dem  Mikroskop  fand  ich  sie 
aus  kurzen,  unbeweglichen  Bakterien  zusammengesetzt,  die  unter 
Umständen  Kapseln  zeigten.  Bei  etwas  eingehender  Prüfung  dieser 
Bakterien,  aus  drei  verschiedenen  Fällen  isolirt,  stiess  ich  auf  kleine 
Unterschiede  und  wurde  dadurch  in  eine  mehr  ausgedehnte,  ver- 
gleichende Untersuchung  hineingezogen,  die  ich  hier  in  Kürze 
wiedergebe. 

Besondere  war  ich  geneigt,  die  Kapseln  etwas  näher  ins  Auge 
zu  fassen,  doch  stellte  es  sich  bald  heraus,  dass  sie  sehr  unbeständig 
sind1).  Ich  ging  dann  zu  einer  Vergleichung  dieser  Bakterien,  die, 
durch  andere  Arbeit  unterbrochen,  einige  Male  wiederholt  wurde. 
Bei  jeder  Wiederholung  wurden  frische  Roll-  und  Plattenkulturen 
angefertigt  und  von  Kolonieen  geimpft.  Zuletzt  zog  ich  in  den  Ver- 
gleich den  Friedländ er' sehen  Bacillus,  der  in  vielen  Beziehungen 
diesen  nahesteht.  Diese  Kultur  verdanke  ich  der  Liebenswürdigkeit 
des  Herrn  Prof.  Dr.  Welch  in  Baltimore.  In  folgender  kurzen 
Ueberaicht  sind  die  Darmbakterien  und  der  Friedländer'sche 
Bacillus  mit  den  Buchstaben  a,  b,  c  und  Fr.  bezeichnet. 

Morphologisch  stehen  sich  diese  Bacillen  einander  sehr  nahe. 
Es  sind  aber  kleine  Unterschiede  vorhanden,  die  nur  dann  positiv 
zum  Vorschein  kommen,  wenn  alle  unter  denselben  Umständen  unter- 
sucht werden.  Ich  benutzte  dazu  Peptonbouillonkulturen,  ungefähr 
24  Stunden  alt. 

a.  Im  hängenden  Tropfen,  am  Rande  untersucht,  zeigen  eich  plumpe 
Bacillen,  an  den  Polen  dankler,  alt  ob  hier  die  Membran  verdickt  wäre. 
Kapseln  nicht  «u  sehen.  Gefärbt  nnd  in  Wasser  untersucht,  waren  sie 
ungefähr  1,2  p  lang  und  0,8 — 0,9  p  breit 

b.  Frisch  untersucht,  enthielt  die  Kultur  kurze  Stäbchen,  meistens 
za  zweien  vereint.  Beide  Enden  etwas  verdickt,  wie  bei  a.  Kapseln 
am  Rande  deutlich  zu  sehen.  Im  gefärbten  Zustande  waren  sie  1,6 — 1,8  p 
lang  und  0,8 — 0,9  p  breit.     Manohe  Bacillen  etwas  länger. 

c.  Die  Bacillen  sind  etwas  plumper,  als  bei  b.  Kapseln  nicht 
sichtbar. 

Fr.  Diese  Bacillen  sind  o  sehr  ähnlich.  Kapseln  undeutlioh,  nach 
48  Stunden  sehr  schön  zu  sehen.  Gefärbt,  sind  die  Bacillen  1 — 2  p 
lang  nnd  1   p  breit. 

Am  zweiten  Tage  noch  einmal  untersucht,  zeigen  Bacillen  a,  b  und 
Fr.  keinen  Unterschied.  Bacillen  o  sind  kürzer  geblieben.  Nach  der 
Gram 'sehen  Methode  färben  sie  sich  nicht. 


1)  Um  Kapseln  voo  Bakterien  aus  Kulturen  sichtbar  zu  machen,  kann  ich  folgende 
einfache  Methode  empfehlen,  die  ich  schon  seit  einigen  Jahren  anwende.  Man  vertheilt 
in  einem  Tropfen  Wasser  eine  Spur  von  einer  ganz  frischen  Kultur  und  untersucht  ihn 
»U  „hingenden  Tropfen4'.  Stellt  man  auf  den  Rand  des  Tropfens  ein,  so  bemerkt 
man,  dass  die  Bakterien,  die  sich  langsam  daselbst  ansammeln,  sich  nicht  dicht  zusam- 
men'egen,  sondern  es  bleiben  Abstände,  die  fiberall  dieselbe  Weite  besitzen.  Ein  ge- 
naues Einstellen  lässt  in  vielen  Fallen  die  Kapseln  deutlich  hervortreten.  Diese  einfache 
Methode  setzt  uns  in  den  Stand,  Kapseln  zu  sehen,  die  durch  Eintrocknen  und  Färben 
sparlos  verschwinden.  Bei  Bouillonkulturen  ist  eine  Verdünnung  nicht  nothwendig. 
Nicht  selten  werden  bei  Bakterienhaufen  aus  Agarkulturen  die  Kapseln  schon  durch  die 
regelmässigen  Abstände  zwischen  den  einzelnen  Bakterien  angezeigt 


182  Smith, 

Kulturen  auf  verschiedenen  Substraten  wurden  öfters  auf  Kap- 
seln untersucht.  Ihre  Gegenwart  scheint  an  Umstände  geknüpft,  die 
sich  nicht  bestimmen  lassen ;  b  und  F  r.  sind  jedoch  mehr  ausgesprochene 
Kapselbildner  als  die  zwei  übrigen  Arten.  Die  Färbung  habe  ich 
ohne  Erfolg  versucht.  Man  braucht  aber  nur  den  Rand  des  hängen- 
den Tropfens  längere  Zeit  zu  beobachten,  um  sich  zu  überzeugen,  wie 
schnell  diese  Hüllen  bei  dem  Antrocknen  verschwinden.  Die  Bakterien 
stehen  eine  Zeitlang  von  einander  ab,  um  sich  schliesslich  dicht  an 
einander  zu  legen. 

Die  Kolonieen,  auf  Gelatine  in  Rollkulturen  vor  dem  Austrocknen 
geschützt,  zeigen  bemerkenswerte  Unterschiede,  wenn  sie  weit  genug 
(1—2  cm)  von  einander  abstehen  und  lange  genug  beobachtet  werden. 

Sie  betreffen  zumeist  die  oberflächlichen  Kolonieen,  da  die  tiefen 
nicht  von  einander  zu  unterscheiden  sind,  Fr.  ausgenommen.  Diese 
besitzen  einige  periphere  konzentrische  Ringe.  Folgende  Beschreibung 
schliesst  daher  nur  die  oberflächlichen  ein: 

a.  Die  Kolonieen  nähern  sich  denjenigen  von  Baoillus  colL  Sie 
breiten  sich  in  einer  dünnen  Lage  aus,  von  welcher  die  äussere  Zone 
sehr  dünn  ist  nnd  bei  durchfallendem  Lichte  bläulich  erscheint.  Der 
Rand  ist  unregelmässig  gebuchtet.  Später  wird  die  Ausbreitung  dicker, 
undurchsichtig  weiss,  und  et  können  gelappte  Fortsätze  erscheinen,  die 
den  ursprünglichen  Durchmesser  der  Kolonie  von  4—5  mm  verdoppeln. 
In  der  Mitte  der  Ausbreitung  sitzt  eine  kleine!  knopfformige  Erhaben- 
heit, die  die  erste  Anlage  der  Kolonie  vorstellt. 

b.  Kolonieen  anfänglich  dioker,  undurchsichtiger,  als  bei  a.  Sie 
breiten  sich  bis  zu  4  mm  aus  und  werden  allmählich  dunner  gegen  den 
Rand  zu,  der  unregelmässig  gebuchtet  ist  Auch  hier  ein  kleiner,  meist 
zentral  gelegener  Knopf  vorhanden. 

o.  Die  Kolonieen  unterscheiden  sioh  von  den  vorigen  durch  grössere 
Dicke  der  Auflagerung,  die  kreisrund,  glattrandig,  nicht  gebuchtet  ist 
und  bis  zu  5  mm  breit  wird.  Der  zentrale  Knopf  auffallend  gross,  die 
ausgewachsene  Kolonie  daher  einem  Deckel  sehr  ähnlich. 

Fr.  Die  Kolonieen  sind  gewölbte,  kreisrunde,  glattrandige  Auflage- 
rungen, 2 — 21/a  mm  im  Durchmesser,  mit  einem  etwas  durchscheinenden, 
gallertigen  Aussehen.  Später  fliessen  diese  Kolonieen  etwas,  wenn  die 
Rollkultur  aufrecht  steht.  Dieses  Herabfliessen  der  Kolonieen  habe  ich 
einmal  anoh  bei  o  beobachtet. 

Unter  diesen  4  Arten  haben  wir  daher  eine  Art  üebergang  von 
dem  dünnen,  ausgebreiteten  Waohsthum  des  Baoillus  coli  zur  hoch- 
gewölbten  Nagelform  des  Fr.  Baoillus. 

In  Peptonbouillon  bei  36°  C  sind  Kulturen  von  a,  b  und  c  schon 
5  Stunden  nach  der  Impfung  stark  getrübt,  während  bei  Fr.  die  Flüssig- 
keit erst  am  folgenden  Tage  schwache  Trübung  zeigt.  Nach  einer 
Woche  findet  man  bei  a  die  Bouillon  stark  getrübt,  mit  Bodensatz 
und  ohne  Decke.  Bei  b  ist  neben  starker  Trübung  und  Bodensatz 
eine  dicke  gelatinöse  Decke  vorhanden.  Bei  c  ist  die  stark  getrübte 
Flüssigkeit  mit  einer  dünnen  Haut  bedeckt.  Bei  Fr.  ist  die  Bouillon 
nur  schwach  getrübt.  Auf  der  Oberfläche  schwimmen  einige  kleine 
Membranstückchen. 


Kleine  bakteriologisch«  Mittheünngeo.  X83 

Eine  weitere  Veränderung  der  Bouillon,  die  bei  oberflächlicher 
ntersuchung  leicht  übersehen  wird,  liegt  in  der  Schleimbildung, 
•ei  b  ist  nicht  nur  die  Decke,  sondern  die  ganze  Flüssigkeit  stark 
idenziehend.  Die  Fädchen  lassen  sich  ein  bis  zwei  Fuss  lang  ziehen. 
»ei  a  wird  die  Flüssigkeit  etwas  später  und  nie  so  stark  fadenziehend. 
lei  c  ist  meist  nur  die  dünne  Decke  in  diesem  Zustande,  während  ich 
ei  Fr.   niemals  eine  fadenziehende  Beschaffenheit  angetroffen  habe. 

Sollten  wir  nun  diese  Bakterien  nach  dem  schleimbildenden  Ver- 
logen ordnen,  so  würde  die  Reihe  F  r.,  c,  a,  b  sein.  Es  ist  bemerkens- 
wert^ dass  gerade  die  erste  und  die  letzte  Art  dieser  Serie  die 
upselo  am  deutlichsten  zeigte.  Dass  diese  Hüllen  mit  der  Schleim- 
»ildung  in  direkter  Beziehung  stehen,  ist  durch  diese  Thatsache  nicht 
lasgeschlossen.  Sie  könnte  vielmehr  durch  zwei  Faktoren  erklärt 
rerden:  1)  Die  relative  Löslichkeit  der  gebildeten  Kapselsubstanz  in 
ler  Bouillon  und  2)  die  Schnelligkeit  der  Kapselbildung.  Nach  dieser 
Annahme  würde  die  Kapselsubstanz  bei  F  r.  sehr  spärlich  gebildet  und 
schwer  löslich  sein,  bei  b  aber  sehr  reichlich  vorhanden  und  leicht 
löslich  sein,  welches  genau  der  Fall  ist. 

Die  Kidtaren  reagiren  alkalisch.  Diejenigen  von  a,  b  und  c  geben 
oach  einiger  Zeit  einen  unangenehmen  Geruch  aus. 

Sterile  Milch  im  Thermostaten  ist  bei  a  in  einer  Woche  sehr 
dickflüssig,  noch  nicht  fest  geronnen,  bei  b  schon  nach  zwei  Tagen 
dickflüssig,  nach  4  Tagen  fest  geronnen.  Bei  c  ist  in  einigen  Tagen 
die  untere  Hälfte  der  Milch  fest,  nach  einer  Woche  die  ganze  Milch 
in  einen  festen  Kuchen  verwandelt.  Milch  mit  Fr.  geimpft,  bleibt 
unverändert. 

Werden  diese  sauer  reagirenden  Milchkulturen  wieder  zwei  Wochen 
Bach  der  Impfung  untersucht,  so  findet  man  folgende  Veränderungen: 

a.  Fest  geronnen.  Anf  der  Oberfläche  des  Kuchens  etwas  faden- 
riehendes  Serum.     Biecht  wie  Sauerteig. 

b.  Der  ganze  Kuchen  fadensiehend.  Die  Fttdohen  mit  Käsebröckeln 
bewtit.    Riecht  wie  a. 

c  Fest  geronnen.  Etwas  Serum  auf  der  Oberfläche  des  Kuchens, 
rieht  f&denziehend.     Riecht  nach  Käse. 

um  die  Gährthätigkeit  dieser  vier  Arten  unten  einander  ver- 
pichen zu  können,  wurden  Gährungskölbchen  mit  Bouillon,  ent- 
haltend */4  o/ö  Pepton  und  2  °/0  einer  Zuckerart,  gefüllt  und  sterilisirt. 
Die  Kölbchen  wurden  nach  der  Impfung  gewöhnlich  3  oder  4  Tage  im 
Brutschrank  stehen  gelassen,  bis  alles  Wachstbum  in  der  geschlossenen 
Rohre  aufgehört  hatte,  welches  sich  durch  das  Aufhellen  der  Flüssig- 
*eit  kundgab.  Die  Länge  der  geschlossenen  Röhre  in  den  Kölbchen 
^wankte  zwischen  12  und  12  7,  cm.  In  folgender  Tabelle  bedeuten 
<ue  Zahlen  die  Röbrenlänge  in  cm ,  die  durch  Gase  in  Beschlag 
genommen  wurde.  Z.  B.  bei  c  war  in  dem  Glykosekölbchen  10/lf 
fcr  Bahre  mit  Gas  gefüllt.  Von  diesem  worde  durch  KHO  Vf  «*- 
Hrbirt  Ein  Theil  des  CO,  rührt  wohl  von  dem  kohlensauren  Kalium 
■*i  mit  welchem  die  Bouillon  alkalisch  gemacht  worden  war.  Die 
^Wen  sind  dessenungeachtet  relativ  korrekt,  da  die  Kölbchen  alle 
w  derselben  Zeit  bereitet  worden  waren. 


184 


Smitb, 


R 

b 

c 

Fr. 

Gm 

durch 

KHO  ab- 

sorbirt 

Gas 

durch 

KHOab- 

sorbirt 

Gas 

10 
11 
7,S 

durch 

KHO  ab- 

sorbirt 

durch 
Gas     iRBOab- 
1  sorbirt 

a,s 

3,1 
6,6 

1.1 
1,0 
1,4 

6,8 

1 
6,4 

*,7 
»,6 

6,3 

6,5 
3,6 

5,3 
5,6 
S.3 

2,3 
2,3 
0,5 

Glykose 

Saccharose 

Laktose 


Es  ergibt  sich  aus  diesen  Versuchen,  dass  alle  vier  Arten  fakul- 
tative Anaeroben  sind,  die  einige  Zuckerarten  zu  vergähren  ver- 
mögen. Das  gebildete  Gas  besteht  aus  CO,  und  einem  explosiven 
Gas,  wahrscheinlich  Wasserstoff.  Eine  genauere  Vergleicbung  der 
Zahlen  zeigt  die  st&rkste  Gasbildung  bei  c.  Bei  Fr.  ist  die  Gasbildung 
bei  Anwesenheit  von  Milchzucker  relativ  schwach.  Eine  weitere  in- 
teressante Thatsache  ist  die  Unfähigkeit  des  Bacillus  b,  Saccharose 
zu  vergähren.  Dieselben  Resultate  wurden  in  drei  verschiedenen 
Versuchen  gewonnen.  Ueber  die  Reaktion  der  Flüssigkeit  habe  ich 
keine  genaue  Prüfung  gemacht.  Es  würde  natürlich  nöthig  sein,  die 
Reaktion  in  beiden  Schenkeln  der  Röhre  gesondert  zu  prüfen. 

Die  Kartoffelkulturen  waren  in  einigen  Beziehungen  bemerkens- 
wert!). Bei  a  und  b  entwickelte  sich  auf  der  Kartoffeloberfläche  eine 
grau  durchscheinende,  spiegelnde,  ziemlich  dünne  Auflagerung.  Das 
Wasser,  in  welches  das  Kartoffelstück  zum  Theil  tauchte,  nur  leicht 
getrübt  Bei  c  und  F  r.  war  die  Oberfläche  mit  einer  dicken,  rahmig- 
weisslichen  Auflagerung  bedeckt.  Das  Wasser  auf  dem  Boden  des 
Reagenzglases  war  milchig  getrübt  und  oben  mit  einer  Schaumschiebt 
bedeckt.  Es  schien,  als  ob  hier  eine  Gährung  stattfände.  Um  dieses 
nun  weiter  zu  prüfen,  wurden  Kartoffeln  fein  zerrieben,  bei  60°  C 
einige  Stunden  mit  Wasser  vermengt  stehen  gelassen,  die  trübe,  flockige 
Flüssigkeit  in  Gährungskölbchen  gefüllt  und  durch  viermaliges  Er- 
hitzen im  strömenden  Dampf  sterilisirt  Nach  dem  Impfen  wurden 
sie  in  Thermostaten  gestellt.  Bei  a  und  b  wurde  kein  Gas  gebildet. 
Bei  c  und  Fr.  war  nach  einigen  Tagen  1/9  resp.  V*  der  geschlossenen 
Röhre  mit  Gas  gefüllt,  welches  bei  c  aus  ungefähr  gleichen  Theilen 
CO,  und  H,  bei  Fr.  aus  ungefähr  1  Theil  C02  und  zwei  Theilen  H 
bestand1 ). 

Auf  Agar  wachsen  die  vier  Bacillen  ziemlich  gleich.  Nach  zwei 
Tagen  im  Thermostaten  ist  die  Agarfläche  mit  einem  ziemlich  dicken, 
grauen,  etwas  durchscheinenden  Belage  bedeckt.  Nach  zwei  Wochen 
ist  er  bei  a  und  b  stark  fadenziehend.  Bei  c  ist  er  nur  schwach 
fadenziehend.    Bei  Fr.  fehlt  diese  Eigenschaft  gänzlich. 

Auf  eine  eingehende  Prüfung  der  Eigenschaften  dieser  Bakterien 
Versuchsthieren  gegenüber  bin  ich  nicht  eingegangen,  da  solche  Ver- 
suche aussichtslos  schienen  und  mir  die  Zeit  fehlte.    Mäuse  und  Ka- 


1)  Kürslich  haben  Frankland,  Stanley  and  Frew  die  Gihrangen  dareb 
den  Friedländ  er  'sehen  Bacillus  chemisch  genau  stadirt  (Referat  im  Chemischen 
Centralblatt.  1890.  S.  704).  Bei  der  Gährung  von  Glykose  and  Mannit  entstehen 
Aethylalkohol,  Essigsäure,  wenig  Ameisensäure,  eine  Spur  Bernsteinsäure ,  ferner  CO, 
nnd  Wasserstoff. 


Klein«  bakteriologische  MittheUangen.  Ig5 

niochen  subkutan  geimpft,  zeigten  keine  Störung  der  Gesundheit. 
Einige  Kaninchen,  intravenös  geimpft,  blieben  auch  gesund. 

Die  Bakterien  a,  b  und  c  sind,  wenn  wir  uns  nach  den  vorher- 
gehenden Thatsachen  richten,  nahe  verwandt,  vielleicht  als  Spielarten 
einer  einzigen  Art  zu  betrachten«  Morphologisch  sind  sie  kaum  von 
einander  zu  unterscheiden.  Sie  sind  alle  unbewegliche  Kurzstäbchen, 
die  öfters  Kapseln  zeigen  und  die  Gelatine  nicht  verflüssigen.  Sie 
sind  fakultative  Anaöroben,  die  Zucker  vergähren,  mit  Bildung  von 
CO*  und  H  (?)  und  einer  Säure,  die  Milch  zur  Gerinnung  bringt. 
Alle  bilden  eine  fadenziehende  Substanz,  die  bei  b  sehr  reichlich  ist 
und  Milch  schleimig  macht  Unter  den  kleinen  Unterschieden  haben 
wir  etwas  abweichendes  Kolonieenwachsthum  auf  Gelatine,  welches 
dann  nur  erkannt  wird,  wenn  die  Kolonieen,  von  einander  entfernt, 
sich  ungestört  ausbreiten  können.  Unter  den  Gährungserscheinungen 
finden  sich  konstante  Unterschiede,  so  z.  B.  bei  c  die  stärkere  Gas- 
bildung und  die  Fähigkeit,  auf  Kaitoffel  Gährung  zu  erregen  und  bei 
b  die  Unfähigkeit,  Saccharose  zu  vergähren. 

Eine  weitere  Verwandtschaft  dieser  Bakterien  mit  dem  Fried- 
lau  der' sehen  Bacillus  ist  nicht  zu  verkennen  und  die  verschiedenen 
Abstufungen  der  geprüften  Eigenschaften  scheinen  von  c  auf  Fr.  zu 
leiten.  Besonders  möchte  ich  die  gemeinsame  Eigenschaft  dieser  zwei 
Arten,  auf  Kartoffel  Gährung  zu  erregen,  hervorheben.  Während  a 
auf  der  einen   Seite  auf  Bacillus  coli  hinführt,  leitet  c  auf  Fr. 

Ein  genaueres  Studium  der  pathogenen  Bakterien  mit  stark  sa- 
prophytischen  Eigenschaften  deutet  auf  eine  bemerkeuswerthe  Varia- 
bilität der  Arten,  die  wahrscheinlich  durch  die  verschiedenen  Existenz- 
bedingungen der  Aussenwelt  erzeugt  wird.  Die  Variabilität  ist  zu- 
nächst rein  biologischer  Art  Ich  besitze  z.  B.  vier  Spielarten  des 
Hog-cholera-Bacillus,  die  verschiedene  Virulenzgrade  und  verschiedene 
Wachsthumsenergieen  besitzen 1). 

Diese  Variabilität  drängt  auf  die  Noth wendigkeit  besserer  Diffe- 
renzirungsmittel  bei  solchen  Bakterien,  wie  ich  es  z.  B.  mit  dem 
Gährungskölbchen  anschaulich  machen  konnte.  Selbst  bei  den  ge- 
bräuchlichen Methoden  ist  eine  genauere  Präzisirung  nothwendig. 
Das  Kolonieenwachsthum  auf  Gelatine  und  Agar  wird  sehr  stark  durch 
Austrocknen  beeinflusst  und  verhält  sich  daher  nicht  immer  gleich, 
besonders  nicht,  wenn  eine  mehr  empfindliche  Bakterienart  einmal 
auf  Platten  und  ein  andermal  in  Esmarchkulturen  untersucht  wird. 
Das  Austrocknen  macht  die  Kolonieen  manchmal  polymorph,  indem 
durch  eine  sehr  dünne  Schicht  trockener  Gelatine  die  darunter  liegenden 
Kolonieen  am  Durchbrechen  verhindert  werden  und  sich  dann  knopf- 
förmig  erheben,  statt  sich  auszubreiten.  Um  das  Austrocknen  auch 
in  Rollkultureii  zu  verhindern,  habe  ich  seit  Jahren  die  Pfropfe  zum 
Theil  in  steriles  Paraffin  tauchen  lassen. 

Ich  habe  vorsätzlich  alle  Vergleiche  mit  schon  beschriebenen 
ähnlichen  Kapselbakterien  ausgeschlossen,  da  solche  Vergleiche  ohne 
Untersuchung  der  Kulturen  wohl  wenig  bezwecken  würden  und  es  mir 

1)  Siebe  auch  diese  Zeitschrift.  IX.  1891.  No.   10. 


186  Klein, 

nur  auf  die  Differenzirung  der  vorhandenen  Bakterien  ankam.  Diese 
können  vielleicht  mit  Bact  lactis  aerogenes  von  Escherich 
identifizirt  werden. 

Washington,  25.  Mai  1891. 


Ein  neuer  Bacillus  des  malignen  Oedems. 

Von 

Professor  E.  Klein 

in 

London1). 

Um  den  Koch' sehen  Bacillus  des  malignen  Oedems  in  Kultur 
zu  erhalten,  wurde  nach  der  üblichen  Methode  eine  Messerspitze  voll 
von  frisch  gedüngter  Gartenerde  einem  Meerschweinchen  in  eine 
Hauttasche  der  Leiste  eingebracht.  Das  Thier  hatte  am  nächsten 
Tage  ausgedehntes  Oedem  in  der  Leiste,  Bauch  und  Thorax,  war 
sehr  schwach  und  starb  ehe  noch  36  Stunden  abgelaufen  waren.  Bei 
der  Sektion  zeigte  es  die  typischen  Symptome  des  malignen  Oedems, 
die  genugsam  bekannt  sind,  also  hier  nicht  näher  beschrieben  zu 
werden  brauchen.  Die  übelriechende  blutige  Oedemflüssigkeit  war 
dicht  erfüllt  mit  kleinen  Stäbchen,  viele  derselben  beweglich,  unter 
denen  auch  etwas  längere  Glieder  und  selbst  fadenförmige  Ketten 
sich  befanden.  Auch  die  letzteren  zeigten  Beweglichkeit  Das  Bild, 
das  man  in  frischen,  ungefärbten  und  in  getrockneten  und  gefärbten 
Deckglaspräparaten  erhielt,  war  dem,  das  von  dem  klassischen  malignen 
Oedem  bekannt  ist,  nicht  unähnlich,  nur  waren  in  unseren  Präparaten 
die  Fäden  und  längeren  zylindrischen  Bacillen  viel  spärlicher,  die 
kurzen  Stäbchen  bei  Weitem  in  der  Mehrzahl. 

Im  Herzblute  waren  die  Mikroben  nur  sehr  spärlich  in  Deck- 
glasaufstrichpräparaten zu  finden,  und  dann  nur  als  kurze  Stäbchen. 

In  der  Milz  waren  sie  auch  spärlich  vorhanden,  doch  etwas 
reichlicher,  als  im  Herzblute,  aber  nur  als  Stäbchen,  niemals  als  Fäden. 

Es  ist  hieraus  ganz  klar,  dass  schon  in  der  Morphologie  der 
Bakterien  im  Thierkörper  bestimmte  Unterschiede  zwischen  den  klas- 
sischen Oedembacillen  (Koch)  und  unseren  Stäbchen  obwalten.  Noch 
viel  deutlicher  geht  dies  aus  dem  Kulturverfahren  hervor,  denn 
unsere  Bacillen  sind  ausgesprochene  Agroben  und  verflüssigen  die 
Gelatine  niemals,  auch  wachsen  sie  sehr  üppig  auf  normaler  Nähr- 
gelatine. 

In  Plattenkulturen  erkennt  man  schon  nach  24  Stunden  (bei 
20°  G)  die  Kolonieen  als  kleinste,  graue,  runde  Pünktchen,  nach 
48  Stunden  sind  die  oberflächlich  gelegenen  zu  flachen,  grauen,  durch- 
scheinenden Plaques  ausgewachsen,  deren  Ränder  verdünnt  und  unregel- 
mässig gekerbt  sind,  nach  mehreren  Tagen  ist  das  Maximum  des 

1)  Dr.  W.  A.  Wood  aas  Melbourne  hat  mich  in  diesen  Unterrachvngen  uterttfitst. 


Ein  neuer  Bacillus  des  malignen  Oedems.  JQ7 

Wachsthums  erreicht,  die  Plaques  sind  mehrere  Millimeter  breit ;  die 
in  der  Tiefe  gelegenen  bleiben  runde,  graue  Pünktchen,  die  grössten 
von  dem  Durchmesser  eines  Stecknadelkopfes,  und  sind  im  durch- 
fallenden Lichte  bräunlich  gefärbt.  Die  Kolonieen  sind  immer  grösser, 
wo  sie  vereinzelt  und  spärlich  liegen,  sehr  klein,  wo  sie  reichlich  und 
gedrängt  sind. 

Im  Strich  auf  der  Gelatine  bilden  sie  eine  durchscheinende,  flache, 
graue,  bandförmige  Ausbreitung  mit  verdünntem,  unregelmässigem 
Bande,  dabei  ist  das  Band  trocken.  In  der  Stichkultur  bildet  sich 
im  Impfstich  eine  weissliche  Linie,  gegen  das  untere  Ende  zu  erkennt 
man  die  einzelnen  punktförmigen  Kolonieen,  die  den  Stich  zusammen- 
setzen, am  oberen  freien  Ende  des  Impfstiches  findet  sich  eine  flache, 
dünne,  graue,  durchscheinende  Platte  mit  gezacktem  Rande.  Auf 
dem  Agar  bildet  sich  im  Impfstriche  eine  schmierige,  grau  weise, 
bandförmige  Ausbreitung.  Alkalische  Bouillon  bei  37°  C  wird  schon 
in  24  Stunden  sehr  trübe,  bei  weiterem  Wachsthum  bilden  sich 
reichlich  kleinere  und  grössere  Flocken,  aber  kein  Häutchen  auf  der 
Oberfläche  der  Bouillon.  Die  Bouillon,  anfangs  leicht  alkalisch,  wird 
nach  24  Stunden  bereits  stark  alkalisch.  Auf  der  im  Dampfkessel 
sterilisirten  Kartoffel  bildet  sich  im  Impfstrich  ein  leicht  gelb  gefärbtes 
viseides  Band.  Lakmusgelatine  wird  durch  die  Bacillen  (in  tiefer 
Aassaat)  entfärbt,  die  Entfärbung  beginnt  in  der  Tiefe  und  schreitet 
allmählich  gegen  die  Oberfläche  fort. 

Auch  in  Traubenzuckergelatine  wachsen  unsere  Bacillen,  aber 
nicht  besser,  als  in  normaler  Nährgelatine.  Wird  ein  Tröpfchen  der 
Oedemflüssigkeit  mit  steriler  Salzlösung  stark  verdünnt  (1  Tropfen 
auf  10  cem  Salzlösung)  und  dann  mit  einem  Tropfen  davon  eine 
Eprouvette  Gelatine  inokulirt,  diese  im  warmem  Wasser  verflüssigt, 
geschüttelt  und  dann  erkalten  gelassen,  so  zeigt  sich  bei  nachberiger 
Bebrütung  bei  20°  G  die  Gelatine  in  allen  Schichten  von  Kolonieen 
unserer  Bacillen  durchsetzt,  die  an  der  Oberfläche  gelegenen  als 
Plaques,  die  in  der  Gelatine  als  Pünktchen.  Schon  nach  24  Stunden, 
spätestens  nach  48  Stunden,  zeigen  sich  in  den  unteren  Schichten 
der  Gelatine  im  Zusammenhange  mit  den  Kolonieen  Gasblasen,  jede 
Kolonie  an  einer  Gasblase  haftend;  wo  die  Kolonieen  dicht  liegen, 
sind  auch  die  Gasblasen  zahlreich,  bei  wenigen  Kolonieen  sind  die 
Gasblasen  gross  und  flach.  Das  Aussehen  solcher  Kulturröhrchen 
ist  äusserst  charakteristisch ;  die  obersten  Schiebten  bleiben  frei  von 
Gasblasen.  Auch  in  Stichkulturen  in  der  Gelatine  erscheinen  Gas- 
blasen in  den  tieferen  Schichten.  Die  Gasblasen  verschwinden  in 
Uteren  Kulturen,  und  lässt  sich  ein  allmähliches  Entweichen  derselben 
durch  die  oberflächlichen  Schichten  ganz  bestimmt  konstatiren.  Aber 
in  Rücksicht  auf  die  Bildung  von  Gasblasen  in  den  tieferen  Schichten 
besteht  eine  Analogie  zwischen  unserem  Bacillus  und  dem  klassischen 
Oedembacillus,  doch,  wie  oben  erwähnt,  tritt  bei  unserem  Bacillus  zu 
keiner  Zeit  Verflüssigung  der  Gelatine  ein. 

Die  frische  Oedemflüssigkeit  sowie  Kulturen  unseres  Bacillus 
sind  auf  Meerschweinchen,  Kaninchen  und  weisse  Mäuse  sehr  viru- 
lent; die  Thiere  sind  vor  Ablauf  von  12  Stunden  sehr  krank  und 
todt,  ehe  noch  24  Stunden  abgelaufen  sind.    Werden  kleinere  Mengen 


188  Klein, 

von  Kultur  in  Meerschweinchen  inokulirt,  so  kann  der  Tod  bis  auf 
2  oder  3  Tage  hinausgeschoben  werden,  bei  Impfung  mit  kleinen 
Mengen  von  Gelatinekulturaufscbwemmung  oder  ein  Paar  Tropfen 
Bouillonkultur  zeigen  die  Thiere  wohl  eine  ödematöse  Schwellung  an 
der  Inokulationsstelle,  die  auch  zuweilen  ganz  ausgebreitet  ist,  doch 
wenn  das  Thier  am  Leben  bleibt,  so  entwickelt  sich  an  der  Stelle 
des  Oedems  eine  harte,  strangförmige  Geschwulst,  die  nur  allmählich 
sich  verkleinert  und  nach  10— 14  Tagen  oder  später  ganz  verschwindet 
Ein  solches  Resultat :  nämlich  ausgebreitetes  Oedem,  Festwerden  der 
Geschwulst  und  allmähliches  Verschwinden  des  Tumors  kann  experi- 
mentell erzeugt  werden,  wenn  man  Meerschweinchen  zuerst  mit  kleinen 
Dosen  (ein  Paar  Tropfen  einer  Bouillonkultur  oder  einer  Aufschwemm- 
ung einer  Gelatinekultur)  inokulirt;  die  Thiere  zeigen  leichtes  Oedem, 
sind  auch  ruhig,  fressen  nicht,  erholen  sich  aber  bald  und  bleiben 
am  Leben ;  nach  Ablauf  von  14  Tagen  bis  3  Wochen  werden  sie  wieder 
inokulirt,  diesmal  aber  mit  grossen  letalen  Dosen  (wie  durch  Kontroll- 
thiere  beweisbar),  doch  bleiben  sie  jetzt  am  Leben,  obgleich  sie  schon 
nach  24  Stunden  ausgebreitetes,  gut  entwickeltes  Oedem  zeigen. 
Nach  mehreren  Tagen  ist  statt  der  weichen  Schwellung  eine  harte 
Geschwulst  wahrnehmbar,  dieselbe  verkleinert  sich  dann  allmählich 
mit  oder  ohne  Nekrotisirung  der  darQberliegenden  Haut 

So  wie  in  dem  klassischen  malignen  Oedem  sind  auch  in  unserem 
Falle  von  der  Kultur  grössere  Mengen  (V4 — V*  ccm  einer  Bouillon- 
kultur) nöthig,  um  ein  letales  Resultat  hervorzubringen,  von  der 
frischen  Oedemflüssigkeit  genügt  auch  in  unserem  Falle  ein  Tropfen. 

Bei  Meerschweinchen  ist  das  ausgebreitete  Oedem  des  subkutanen 
und  muskulösen  Gewebes,  die  kleine,  zuweilen  nur  leicht  vergrösserte 
Milz;  bei  Kaninchen  das  leichte  Oedem  und  die  kleine  Milz;  bei 
Mäusen  kein  Oedem  an  der  Inokulationsstelle  und  leicht  geschwellte 
Milz  konstante  Erscheinungen,  also  auch  hierin  stimmt  unser  Bacillus 
mit  dem  klassischen  Oedembacillus  überein.  Bei  Mäusen  enthält  das 
Herzblut  und  die  Milz  die  Bacillen  etwas  reichlicher,  als  beim  Meer- 
schweinchen. Interessant  ist,  wenn  man  hohe  Gelatine  mit  Oedem- 
flüssigkeit des  Meerschweinchens,  Oedemflüssigkeit  des  Kaninchens, 
Herzblut  oder  Milzgewebe  der  Maus  inokulirt,  so  zeigen  sich  die 
Gasblasen  in  den  ersten  (Meerschweinchen),  spärlich  in  den  letzten 
(Maus)  und  gar  nicht  beim  Kaninchen.  Abimpfungen  in  hoher  Gelatine 
von  allen  Kulturen,  gleichwohl  von  welchem  Thier,  von  tiefen  oder 
oberflächlichen  Kulturen  herrührend,  zeigen  stets  die  Gasblasen  in 
den  tieferen  Schichten  der  Kulturröhrchen. 

Messungen  an  unseren  Bacillen  in  getrockneten  und  gefärbten 
Deckgläspräparaten  angestellt,  zeigen  folgendes: 

In  der  Oedemflüssigkeit  des  Meerschweinchens: 

die  kürzesten  Stäbchen  sind  0,8—1,2  /u  lang, 
die  mittleren         „  „    1,6—2,4  „    „ 

die  längsten  „  „       bis  24 

die  Dicke  der  Stäbchen  0,7 

In  der  Bouillon  und  Agarkultur  sind  die  Bacillen  viel  gleich- 
förmiger, was  ihre  Länge  anlangt,  1,6—2,4  /*,  ihre  Dicke  ist  0,7  ,«. 


M 


Ein  neuer  Bacillus  dee  malignen  Oedems.  139 

In  der  Gelatine  sind  sie  jedoch  im  Allgemeinen  kurz,  0,8  /<. 

Sporenbildung  wurde  nicht  beobachtet,  Eintrocknen  und  Erhitzen 
auf  70°  0  tödtet  die  Bacillen. 

Die  den  Kulturen  entnommenen  Bacillen  im  hängenden  Tropfen 
untersucht,  zeigen  sich  in  vielen  Exemplaren  beweglich,  sie  schwirren 
durch  das  Gesichtsfeld  oder  rotiren  mit  grosser  Geschwindigkeit, 
manche  zeigen  nur  leichte  Beweglichkeit,  viele  haben  nur  die  zitternde 
Molekularbewegung. 

Die  Bacillen  der  OedemflQssigkeit,  der  Milz  oder  den  Kulturen 
entnommen,  färben  sich  gut  in  den  gewöhnlichen  Anilinfarben,  nicht  gut 
nach  Gram.  Schnitte  durch  die  gehärtete  Haut  des  subkutanen  mus- 
kulösen Gewebes  der  Meerschweinchen  mit  den  gewöhnlichen  Anilin- 
farben behandelt,  zeigen  das  Gewebe  der  Cutis  bis  in  die  oberfläch- 
lichsten Schichten  durchsetzt  von  den  Bacillen,  ebenso  ist  das  sub- 
kutane Gewebe  mit  denselben  erfüllt,  entweder  gleichmässig  vertheilt 
oder  in  grösseren  und  kleineren  Klumpen  zusammenliegend;  das 
letztere  ist  namentlich  der  Fall  im  muskulösen  Gewebe,  in  dem  die 
Lymphspalten  mit  den  Bacillen  dicht  erfüllt  erscheinen.  Die  schönsten 
Bilder  erhält  man  durch  Färbung  der  Schnitte  mit  Rubin  (mehrere 
Stunden),  dann  wäscht  man  in  Wasser  gut  aus  und  färbt  nachträg- 
lich durch  wenige  (5—7)  Minuten  in  Methylblauanilinwasser. 

Nach  Gram  färben  sich  die  Bacillen  nicht  gut  Ganz  inte- 
ressant ist  das  Vorhandensein  von  Lymphzellen  in  dem  subkutanen 
Gewebe  bei  den  akut  verstorbenen  Meerschweinchen,  die  in  ihrem 
Protoplasma  die  Bacillen  einzeln  oder  zu  mehreren  Exemplaren  ein- 
Bchliessen,  doch  ist,  wie  gesagt,  das  Gewebe  der  Haut  und  das  sub- 
kutane Gewebe  überall  mit  den  freien  Bacillen  durchsetzt  Noch 
interessanter  ist  das  vollständige  Fehlen  von  Zellen,  welche  die  Ba- 
cillen einschliessen,  in  den  Fällen,  wo  die  Krankheit  chronisch  verläuft 
und  wo  das  Oedem  einer  festen  Geschwulst  Platz  macht.  Thiere,  die 
in  dieser  Periode  sterben  oder  getödtet  werden,  zeigen  wohl  Unmassen 
von  lebenden  Bacillen  in  dem  Gewebe  des  festen  Tumors,  auch  zahl- 
reiche Rundzellen  in  den  Randzonen  der  Geschwulst,  von  einem  Ein- 
schlüsse der  Bacillen  in  solchen  Zellen  ist  aber  nirgends  eine  Spur  zu 
finden.  Wir  haben  also  hier  einen  weiteren  Fall,  wo  Lymphzellen 
Bacillen  einschliessen  (Phagocytosis),  und  dieses  auch  von  keinem 
Werthe  für  das  Wesen  und  den  Gang  der  Krankheit  ist,  denn  in  den 
akuten  Fällen  —  Tod,  noch  ehe  24  Stunden  vorüber  sind  —  wo  das 
Gewebe  der  Cutis  und  das  subkutane  Gewebe  mit  Bacillen  dicht  er- 
fällt ist,  ist  es  doch  ganz  einerlei,  ob  Phagocyten  da  sind  oder 
sieht.  Andererseits  fehlen  die  Phagocyten  in  den  chronischen 
Fällen,  in  denen  man  dieselben  hätte  nach  der  Metschnikoff- 
schen  Anschauung  erwarten  sollen  und  wo  dieselben  doch  von  Wich- 
tigkeit und  Werth  wären.  Der  Kontrast  in  dieser  Beziehung,  näm- 
lich die  Gegenwart  reichlicher,  Bacillen  einschlicssender  Zellen  in  den 
ainiten,  ihre  vollkommene  Abwesenheit  in  den  chronischen  Fällen 
ist  sehr  frappant. 

In  derselben  Gartenerde,  mit  welcher  obige  Resultate  erhalten 
furden,  wurde  auch  die  Gegenwart  des  klassischen  Oedembacillus 
«onstatirt,  und  zwar  dadurch,  dass  ich  die  Gartenerde  mit  etwas 


190  Cohn, 

steriler  Kochsalzlösung  vermischt  einer  Temperatur  von  75°  C  durch 
mehrere  Minuten  aussetzte.  Hierbei  wird  unser  Bacillus  getödtet, 
während  der  durch  Sporenbildung  ausgezeichnete  klassische  Oedem- 
bacillus  diese  Temperatur  überlebt.  So  erhitzte  Gartenerde  wurde 
in  Meerschweinchen  inokuürt,  und  nun  enthielt  die  resultirende  Oedem- 
flQssigkeit  nur  den  klassischen  Oedembacillus. 
London,  den  18.  Juni  1891. 


Zur  Geschichte  der  Leguminosenknöllchen. 

Von 

Ferdinand  Cohn 

in 

Breslau. 

Bei  den  Erörterungen  über  die  Knöllchen  der  Legumioosen- 
wurzeln,  die  gegenwärtig  nach  so  vielen  Richtungen  unser  Interesse 
in  Anspruch  nehmen,  ist  eine  Untersuchung  unberücksichtigt  ge- 
blieben, welche  nicht  nur  als  die  erste,  umfassende  Würdigung 
dieser  Gebilde  in  anatomischer,  entwickelungsgeschichtlicher  und 
physiologischer  Beziehung  unsere  Beachtung  beansprucht,  sondern 
auch  wegen  mehrerer  noch  jetzt  zu  prüfender  Beobachtungen 
verdient,  der  Vergessenheit  entrissen  zu  werden.  Da  diese  grund- 
legende Arbeit  in  einer  schwer  zugänglichen  Zeitschrift  nieder- 
gelegt ist,  so  sei  mir  gestattet,  ihren  wesentlichen  Inhalt  hier  zu  re- 
feriren. 

Im  Jahre  1858  erschien  in  den  „Landwirtschaftlichen  Mittheilangen, 
Zeitschrift  der  landwirtschaftlichen  Lehranstalt  zu  Poppeisdorf,  her- 
ausgegeben von  Dr.  Hartstein.  Heft  I.  S.  34—52"  eine  Abhand- 
lung von  Dr.  med.  J.  Lach  mann  *),  „Ueber  Knollen  an  den  Wurzeln 
der  Leguminosen".  Hier  wurde  zum  ersten  Male  das  bis  dahin  über- 
sehene fast  allgemeine  Vorkommen  dieser  Knöllchen  nachge- 
wiesen, die  von  den  Physiologen  nicht  beachtet  oder  als  krankhafte 
Auswüchse  angesehen  worden  waren.  Linn6  hatte  die  Knöllchen 
bei  Lathyrus  tuberös  us,  wo  sie  die  Grösse  einer  Erbse  über- 
treffen, bei  der  Benennung  der  Spezies  benutzt ;  aber  auch  die  übrigen 
Lathyrus  arten  besitzen  ähnliche,  wenn  auch  meist  kleinere  Knöllchen. 
Lachmann  giebt  ein  Verzeichniss  von  40— 50  Arten  von  Papilio- 
naceen,  an  denen  er  Knöllchen  beobachtete,  auch  bei  Mimosaceen 
(Acacia  stricta,  hispidissima,  Lophantha,  latifolia) 
hat  er  sie  gefunden. 


1)  Johannes  Lachmann(l  SSt — 1861)  war  einer  der  begabtesten  Schüler  des 
grossen  Berliner  Physiologen  Johannes  Müller;  er  arbeitete  vorzugsweise  auf  zoolo- 
gischem Gebiet  und  hat  sich  ein  dauerndes  Denkmal  gestiftet  durch  das  Ton  ihm  in  Ge- 
meinschaft mit  seinem  Freunde  Eduard  Claparede  verfasste  grosse  Werk  „Etodes 
sur  les  infusoires  et  les  rhizopodes.  Geneve  1868"  ;  beide  Forscher  wurden  durch  einen 
frühzeitigen  Tod  hin  weggerafft.  Die  Kenntniss  von  Lacbmann's  Arbeit  über  die 
Leguminosenknöllchen  verdanke  ich    meinem   verehrten  Kollegen  Prof.  W.  v.  Funke. 


Zur  Geschichte  der  Leguminosenknöllchen.  191 

„Bei  einjährigen  Lupinen  sitzen  die  Knölichen  nur  an  der  Haupt- 
wurzel in  geringer  Zahl  (1—10),  bei  perennirenden  Lupinen  ausser- 
dem auch  sehr  zahlreich  an  den  Seitenwurzeln;  bei  Robinien  bilden 
sie  sich  an  den  dünnen,  bei  Akazien  selbst  an  haarfeinen  Wurzel- 
zweigen, beim  Klee  zumeist  oberflächlich,  bei  anderen  selbst  in  mehreren 
Fuss  Tiefe.  Bald  sind  sie  mit  breiter  Basis  aufsitzend  (Lupinus, 
Faba),  meist  aber  sehr  kurz  gestielt,  oft  handförmig  gelappt  (Saro- 
thamn  us  u.  a.);  ihre  Grösse  variirt  von  der  des  Hirsekorns  bis  zu  der 
einer  Erbse.  An  den  Wurzeln  von  Lupinus  luteus  entwickelten 
sich  die  Knölichen  in  den  verschiedensten  Bodenarten;  nur  bei  den 
in  Torf  und  Heideerde  gezüchteten  fehlten  die  Knölichen 1). 

Die  Anatomie  ist  bei  allen  Knölichen  wesentlich  gleich:  Auf 
eine  Epidermis  mit  Wurzelbaaren  folgt  ein  aus  5—8  tafelförmigen 
Zellenreihen  gebildetes,  oft  Stärke  führendes  Rindenparenchym. 
Dieses  umschliesst  als  Hauptmasse  ein  Gentralgewebe  aus  rundlichen 
Zellen,  die  nach  innen  grösser  werden.  Zwischen  beiden  verlaufen 
wenige  (5?)  Gefässbündel  aus  sehr  engen  Netz-  und  Treppengef&ssen 
und  zartwandigem  Prosenchym  gebildet,  die  sich  von  den  Gefäss- 
bündeln  der  Wurzel  abzweigen,  jedoch  nicht  bis  zur  Spitze  des  Knöll- 
ehens  reichen.  Die  Centralzellen  enthalten  an  ihrer  inneren  Wand- 
fläche eine  dickflüssige,  trübe  Protoplasmaschicht,  die  bald  die  ganze 
Zelle  ausfüllt;  der  Zellkern  erscheint  homogen,  nicht  granulös  und 
dehnt  sich  zu  einer  grossen  wasserhaltigen  Blase  aus.  Die  Trübung 
dieser  Zellen  beruht  auf  unzähligen  kleinen,  länglichen,  stabförmigen 
Körperchen,  die  aus  zwei  bis  drei  Gliederchen  bestehen  und  Vibrionen 
gleichen;  sie  werden  durch  Jod  braun,  wie  Proteinsubstanz,  und 
zeigen  im  Wasser  lebhafte  Molekular*  und  zum  Tbeil  Vibrionenbe- 
wegung. 

In  Uebereinstimmung  mit  der  Anatomie  zeigt  die  Entwickelung, 
dass  die  Knölichen  Wurzelzweigen  analog  sind,  die  schon  sehr  früh 
*n  den  Wurzelspitzen  im  Innern  derselben  an  den  Gefässbündeln 
(des  Centralcylinders)  angelegt  werden  und  die  Wurzelrinde  in  einem 
deutlichen  Spalt  durchbrechen ;  sie  unterscheiden  sich  von  den  Wurzel* 
zweigen  hauptsächlich  nur  dadurch,  dass  sich  zwischen  die  Gefäss- 
bündel das  parenehymatische  Gentralgewebe  eindrängt.  Zwischen 
Knollchen  und  Wurzel  bildet  sich  eine  scharfe  Abgrenzung  aus  2 — 3 
Schichten  von  Rinden(Kork)zellen.  Die  Knölichen  finden  sich  schon 
an  unverzweigten  Keimwurzeln ;  an  älteren  verholzten  Wurzeln  sind 
«ie  nicht  mehr  vorhanden. 

Die  Knölichen  sind  vergänglich,  sie  überdauern  selten  ein  Jahr ; 
sie  werden  durch  einen  eigentümlichen  Auflös ungsprozess  zerstört, 
während  sich  beständig  in  den  jungen  Wurzelzweigen  neue  Knölichen 
bilden.  Beim  Zerfall  dehnt  sich  an  den  Centralzellen  der  Zellkern  zu 
einer  wasserhellen  Blase  mit  grossem,  homogenem  Kernkörperchen  aus, 
oder  der  Kern  wird  selbst  zu  einem  ebenso  grossen  homogenen 
Körperchen ;  dieses  erscheint  sodann  gleichsam  geschwänzt,  indem  es 
an  einem  Ende  zu  einem  Faden  auswächst,  der  bis  zur  Wand  der 

1)  Diese  Beobachtung,  die  Lach  mann  anerklärlich  war,  ist  jetzt  sehr  begreiflich, 
Kit  wir  die  Entstehung  der  Knölichen  durch  Einwanderang  von  Bakterien  aas  dem  Boden 
kennen;  offenbar  sind  in  Torf*  and  Heideerde  keine  Infektionskeime  vorhanden. 


192  Mycoderma  cftKTisiae. 

Zelle  reicht,  diese  durchbohrt  und  selbst  durch  2—6  Zellen  hindurch- 
wächst, auch  sich  verzweigt,  oft  unter  netzförmiger  Verbindung  der 
Auszweigungungen ;  er  gleicht  einem  Schmarotzerpilz,  doch  ist  die 
Pilznatur  nicht  erwiesen.  Gleichzeitig  bilden  sich  im  Gentralgewebe, 
von  der  Anheftungsstelle  des  Knötchens  ausgehend,  Intercellulargange 
aus,  die  sich  zu  einer  oder  mehreren  (schizogenen)  Höhlen  erweitern, 
oder  die  Höhlen  entstehen  auch  durch  Auflösung  der  Centralzellen 
(lysigen).  Die  Höhlen  erweitern  sich  dermassen,  dass  das  ganze 
Knöllchen  zu  einem  kollabirten,  runzlichen  Schlauch  wird,  der  nur 
von  der  Rinde  begrenzt  und  von  der  durch  zahllose  Vibrionen  ge- 
trübten Flüssigkeit  erfüllt  ist;  vielleicht  ist  die  Entwickelung  der 
vibrionenartigen  Körperchen  schon  ein  Schritt  zur  Zersetzung  des 
Knöllchens.  Bei  den  Lupinen  bleiben  die  Knöllchen  bis  zum  Ab- 
sterben der  Wurzel  bestehen,  obwohl  sie  sehr  früh  schon  den  Zerfall 
zeigen ;  beim  Klee  findet  man  meist  frisch  gebildete  Knöllchen  neben 
zerfallenen,  besonders  zahlreich  nach  Regen. 

Lachmann  erklärt  die  Knöllchen  nicht  für  pathologische, 
sondern  für  physiologische  Organe.  Dass  sie  die  Funktion  von 
Wurzelschwämmchen  haben,  d.  h.  Wasser  aufsaugende  und  der  Pflanze 
Wasser  zuführende  Organe  seien,  bestreitet  er;  vermuthlich  stehen  sie 
in  Beziehung  zu  der  von  den  Landwirthen  allgemein  angenommenen  Be- 
hauptung, dass  Blattpflanzen  und  ganz  besonders  Papilionaceen  (Klee, 
Lupine)  den  Stickstoff  der  Luft  aufnehmen  können.  In  Wahrheit 
aber  nutzen  vermuthlich  die  Papilionaceen  den  in  Ammoniak  und 
salpetersauren  Salzen  gebundenen  Bodenstickstoff  nur  besser,  als 
andere  Pflanzen  vermöge  ihrer  Wurzelknöllchen  aus,  indem  diese  als 
Speicher  zur  Ansammlung  von  Proteinstoffen  dienen,  die  dann  später 
beim  Zerfall  den  Pflanzen  zu  gute  kommen.  Nach  Regen,  der  die 
ammoniak-  und  salpetersauren  Salze  in  die  Tiefe  spült,  haben  andere 
Pflanzen  keine  Stickstoffquelle,  während  die  Papilionaceen  eine  solche 
in  den  Proteinsubstanzen  der  zerfallenden  Knöllchen  besitzen.  Wenn 
die  Papilionaceen  den  Boden  mit  N  bereichern,  wie  die  Landwirthe 
behaupten,  so  hängt  dies  vermuthlich  ebenfalls  mit  dem  Reiehtbom 
ihrer  Wurzeln  und  insbesondere  der  Knöllchen  an  N- Verbindungen 
zusammen;  diese  sind  gewissermaassen  Reservoire,  die  den  in  gün- 
stiger Jahreszeit  in  Ueberschuss  gebotenen  Nahrungsstoff  und  insbe- 
sondere den  Stickstoff  aufspeichern,  um  ihn  in  weniger  günstiger 
Zeit  den  Pflanzen  oder  auch  dem  Boden  zurückzuerstatten/1 

Breslau,  im  Juni  1891. 


Referate. 


Lascht,  A.,  Die  Mycoderma  und  die  Praxis.    (Der  Brau- 
meister, Chicago  1891.  20.  April.  No.  10.) 
Der  Verfasser  hat   eine    grössere  Anzahl   von  Bierproben,  to 
welchen  Mycoderma  cerevisiae  beobachtet  wurde,  einer  cbe- 


Mycoderma  certTisia«.  —  Bakterien  und  Milch.  193 

mischen  Analyse  unterworfen  und  fand,  dass  diese  Mikroorganismen 
sich  in  NährflQssigkeiten  der  verschiedensten  Zusammensetzungen 
entwickeln  können,  woraus  er  richtig  schliesst,  dass  die  chemische 
Beschaffenheit  der  Biere  keinen  Einfluss  auf  die  stärkere  oder  geringere 
Entwickelung  der  Mycoderma  ausübe. 

Ferner  weist  er  durch  Experimente  nach,  dass  gewisse  Arten 
vonMycodermen  Geschmacks-  und  Geruchsveränderungen  im  Biere 
hervorrufen  können. 

Genauer  werden  vier  Arten  beschrieben,  welche  er  Mycoderma 
cerevisiae  I,  II,  III  und  IV  nennt. 

Sie  bilden  auf  der  Oberfläche  von  Flüssigkeiten  eine  dünne  oder 
dicke,  glatte  oder  runzelige  Haut  von  hellgrauer  oder  weisslich-gelber 
Farbe  und  mattem  Aussehen. 

Diese  Erscheinung  tritt  gewöhnlich  bei  einer  Temperatur  von 
20°  C  binnen  24—48  Stunden  ein. 

Gestalt  und  Grössenverhältnisse  sind  unbestimmt  bei  Myco- 
derma cerevisiae  I  und  III;  Mycoderma  cerevisiae  II  und 
IV  dagegen  zeigen  ein  gleichmässiges  Bild. 

Die  Fortpflanzung  erfolgt  durch  Sprossung  (bei  sehr  langen 
Mycel-Formen  wurde  mitunter  Scheidewand-Bildung  beobachtet). 

In  keinem  Falle  ist  es  bis  jetzt  gelungen,  Sporenbildung  zu 
beobachten,  und  wir  müssen  bis  jetzt  annehmen,  dass  sie  sich  hierin 
von  den  echten  Saccharomyceten  verschieden  verhalten. 

In  Bier-Würze  gezüchtet,  bilden  sie  Spuren  von  Alkohol. 

Keine  der  bis  jetzt  bekannten  vier  Spezies  verflüssigt 
10°/o  Gelatine  (Pepton  oder  Würzegelatine). 

bind  diese  Bedingungen  günstig,  so  bilden  sie  auf  Gelatine 
Mycelien-Erscheinungen. 

Die  Kolonie  auf  der  Oberfläche  der  Gelatine  ist  von  weisslich- 
gelber  Farbe,  plattenförmig  ausgebreitet  oder  schalen- 
förmig vertieft. 

Von  Brauereihefe  und  Hansen 's  wilder  Hefe  unterscheiden 
sich  die  Mycod er  ma- Arten  auch  dadurch,  dass  die  Kolonieen  von 
weiss  lieh  er  Farbe  und  matt  aussehend  und  in  keinem  Falle  grau 
und  glänzend  sind. 

Als  fakultative  Anaöroben  kann  man  Mycoderma  cere- 
visiae II,  III  und  IV  bezeichnen,  während  Mycoderma  cere- 
visiae I  unbedingt  freien  Sauerstoffs  zum  Leben  bedarf. 

Alfred  Jörgen sen  (Kopenhagen). 

Renk,  Ueber  Marktmilch  in  Halle.  (Münchner  medicinische 
Wochenschrift.  1891.  No.  6  u.  7.) 

Der  auffallend  reichliche  schwarze  Bodensatz,  der  sich  in  der 
in  seiner  Haushaltung  verwendeten  Milch  konstant  vorfand,  ver- 
anlasste R.  zu  den  folgenden  Untersuchungen. 

Der  Bodensatz  bestand,  wie  schon  die  mikroskopische  Unter- 
suchung ergab,  aus  Kuhexkrementen,  wie  dies  schon  von  Soxhlet 
hervorgehoben  worden  war.  R.  versuchte  die  Menge  desselben  zu 
bestimmen.  Da  Filtration  sich  als  unbrauchbar  erwies,  so  bediente 
er  sich  folgender  Methode :  ein  Liter  Milch  bleibt  in  einem  schmalen 

X.M.  13 


J94  Bakterien  und  Milch.  —  LimftnschUmm. 

Messgefäss  durch  2  Stunden  ruhig  stehen.  Alsdann  wird  die  Milch 
bis  auf  30  cm  abgehebert.  Der  Rückstand  wird  mit  filtrirtem  Brunnen- 
wasser verdünnt,  eine  Stunde  stehen  gelassen,  abgehebert  und  diese 
Prozedur  so  oft  wiederholt,  bis  sich  die  ganze  Schmutzmenge  inr  einem 
Wasser  befindet.  Jetzt  kann  sie  durch  ein  gewogenes  Filter  filtrirt, 
getrocknet  und  gewogen  werden.  Es  fand  sich  im  Durchschnitt  aus 
30  Proben  14,92  mg  Trockensubstanz  per  Liter,  was,  den  Wasserge- 
halt des  Kuhkothes  zu  80%  angenommen,  etwa  0,015  gr  der  feuchten 
Masse  entspricht.  Andere  Orte  zeigen  geringere  Verunreinigung  der 
Milch;  Berlin  im  Durchschnitt  10,3  mg,  München  9,0  mg.  Das  Maxi- 
mum der  in  Halle  gefundenen  Verunreinigung  war  72,5  mg,  was  einer 
Menge  von  0,3625  gr  frischen  Kuhkothes  entspricht  Die  nach 
Photogrammen  der  Filter  hergestellten  Abbildungen  geben  eine  Vor- 
stellung von  dem  Aussehen  und  der  Menge  des  mit  solcher  Milch 
konsumirten  Schmutzes.  Den  Grund  für  die  besonders  starke  Ver- 
unreinigung der  Marktmilch  in  Halle  liegt  in  der  ungenügenden 
Marktpolizei,  der  Rübenfütterung  und  der  dort  üblichen  Torfstreu. 
Auch  der  Zahl  der  in  dem  Cubikcentimeter  Milch  enthaltenen 
Bakterien  nach  nimmt  die  dortige  Milch  die  höchste  Stufe  ein,  indem 
R.  die  Menge  cntwickelungsfähiger  Keime  zwischen  6—30,7  Millionen 
im  cem  bestimmte.  Lehmann  in  Würzburg  fand  1,9—7,2  Millionen, 
und  Ref.,  dessen  in  München  angestellte  Untersuchungen  Verf.  nicht 
berücksichtigt  (vgl.  d.  Centralbl.  Bd.  VI.  S.  553),  1—4  Millionen. 
Die  Reinhaltung  der  Kuhmilch  ist  nicht  nur  vom  Standpunkte  der 
Appetitlichkeit  aus  nothwendig,  sondern  auch  insofern,  als  eine  stark 
verunreinigte  Kuhmilch  sich  weit  rascher  zersetzt  und  selbst  durch 
die  nachherige  Sterilisirung  nicht  mehr  zu  einer  tauglichen  Nahrung 
für  Säuglinge  gemacht  werden  kann.  Verf.  empfiehlt  deshalb  strenge 
Kontrolle  der  zum  Markt  gebrachten  Milch  und  gibt  als  Maassstab 
für  den  notwendigen  Grad  der  Reinheit  folgende  Regel:  Die  Kuh- 
milch muss  in  solchem  Zustande  der  Reinheit  nach  dem  Markt 
gebracht  werden,  dass  bei  zweistündigem  Stehen  eines  Liters  Milch 
in  einem  Gefäss  mit  durchsichtigem  Boden  ein  Bodensatz  nicht 
beobachtet  werden  kann.  Escherich  (Graz). 

Brusllowski,  E.,  Zur  Frage  über  die  Rolle  der  Mikro- 
organismen bei  der  Bildung  des  Limanschlammes. 
(Wracz,  Jahrg.  1890.  pag.  717  ff.,  791  ff.,  819  ff.)    (Russisch.] 

In  der  Nähe  von  Odessa  befinden  sich  bekanntlich  mehrere  so- 
genannte Limane,  d.  i.  Seen  mit  salzigem  Wasser,  die  nur  durch  eine 
schmale  Landenge  vom  Meere  getrennt  sind.  Der  Boden  dieser  Seen 
besteht  aus  einem  zähen,  plastischen,  schwarzen  Schlamm,  welcher  zu 
Heilbädern  verwandt  wird. 

Ueber  diesen  Schlamm  hat  Prof.  Werigo  Untersuchungen  an- 
gesellt, die  ihn  zu  folgenden  Ergebnissen  führten :  Wird  der  Schlamm 
der  Luft  ausgesetzt,  so  absorbirt  er  gierig  Sauerstoff  und  verwandelt 
sich  in  eine  pulverige,  graue  Masse,  was  vornehmlich  auf  der  Oxy- 
dation des  Eisensulfids  zu  Eisenoxydhydrat  beruht.  Wird  diese  graue 
Masse  mit  einer  Schicht  Limanwasser  bedeckt,  so  erscheinen  auf  ihr 
schwarze  Flecke,  die  sich  allmählich  vergrössern  und  nach  einiger 


Limanschlamm.  195 

Zeit  nimmt  der  Schlamm  seine  frühere  Beschaffenheit  wieder  an. 
Dieser  Reduktionsprozess,  bei  dem  ein  Verbrauch  von  Energie  statt- 
findet, wird  nach  Prof.  Werigo  durch  Bakterien  bewirkt  Sterili- 
sirter  Schlamm  bleibt  unbegrenzte  Zeit  unverändert,  nach  Impfung 
mit  normalem  Schlamm  beginnt  aber  alsbald  die  Reduktion. 

Verf.  unternahm  es,  diese  Schlüsse  zu  vervollständigen  durch 
Isolirung  und  Untersuchung  derjenigen  Bakterien,  welche  die  Re- 
daktion des  Limanschlammes  bewirken ;  und  er  gelangt  zu  interessanten 
und  beachtenswerten  Resultaten.  Er  untersuchte  auf  Bakterien:  1) 
den  Limanscblamm,  2)  das  Limanwasser,  3)  starke  Lauge  (25  °  Beau- 
m£)  aus  den  Bassins,  in  welchen  aus  dem  Limanwasser  Salz  ge- 
wonnen wird,  4)  dieses  Salz  selbst.  Ueberall  fanden  sich  dieselben 
Bakterien,  jedoch  in  von  1)  bis  4)  abnehmender  Formenzahl;  aus 
dem  Salz  wurde  nur  1  Form  gewonnen.  Jede  einzelne  der  isolirten 
Bakterienformen  wurde,  durch  Zusatz  von  Reinkulturen  zu  oxydirtem 
und  8terilisirtem  Schlamm  in  sterilisirtem  Limanwasser,  auf  ihre  Wirk- 
samkeit bei  der  Reduktion  des  Limanschlammes  untersucht.  Aus 
dem  Schlamm  wurden  im  Ganzen  13  Bakterien  isolirt,  von  denen  9 
völlig  unwirksam  und  so  zu  sagen  als  zufällige  Verunreinigung  des 
Schlammes  zu  betrachten  sind;  die  4  übrigen  Formen  erwiesen  sich 
hingegen  als  mehr  oder  weniger  wirksam.  Im  Limanwasser  befinden 
sich  diese  4  letzteren  Formen  in  nahezu  reinem  Zustand. 

Von  den  Bakterien,  welche  bei  der  Reduktion  des  Schlammes 
eine  Rolle  spielen,  stehen  namentlich  die  3  ersten  einander  sehr  nahe, 
sowohl  in  morphologischer,  als  auch  in  physiologischer  Hinsicht  Es 
sind  sämmtlich  bewegliche,  kommaförmige  Stäbchen ;  bei  Kultur  auf 
Gelatine  entwickeln  sie  flüchtige  Stoffe  (Aminbasen  ?),  deren  Geruch 
an  denjenigen  des  Limanschlammes  erinnert;  der  Gelatine  und  dem 
Bouillon  ertheilen  ihre  Kulturen  eine  alkalische  Reaktion,  wie  sie  auch 
dem  Schlamme  eigen  ist ;  sie  sind  an  salzhaltige  Medien  angepasst  und 
bevorzugen  in  auffallender  Weise  Kultursubstrate  mit  hohem  Salzge- 
halt; sie  sind  sämmtlich  fakultative  Anaerobionten  und  haben  endlich 
die  reduzirenden  Eigenschaften  mit  einander  gemein. 

Das  Stäbchen  No.  I  hat  die  Form  isolirter,  gekrümmter  Stäb- 
chen, welche  unter  günstigen  Bedingungen  zu  längeren,  geraden  Fäden 
auswachsen  können.  Im  Uebrigen  variirt  die  Form  stark,  je  nach  dem 
Kulturmedium.  Das  beste  Medium  ist  Fleischpeptongelatine  mit  2— 
5%  NaCl1);  solche  Gelatine  wird  energisch  peptonisirt  unter  Ent- 
wicklung flüchtiger,  riechender  Stoffe.  Die  Stäbchen  werden  hier  am 
grössten  (6 — 8  /u);  sie  bewegen  sich  überaus  lebhaft  und  lange  nach 
Uebertragung  in  einen  Tropfen  salzhaltigen  Limanwassers,  in  Süss- 
wasser  dagegen  hören  die  Bewegungen  bald  auf.  —  Auf  gewöhnlicher 
Gelatine  werden  die  Stäbchen  kürzer  und  dicker,  dem  Prior-Fink- 
ler' sehen  Kommabacillus  sehr  ähnlich;  auf  Agar-Agar  und  nament- 
lich auf  Kartoffel  bilden  sich  sehr  dünne,  zarte,  viel  schwächer  be- 
wegliche Stäbchen.  —  Die  Kolonieen,  welche  sich  bei  Plattenkulturen 
sowohl  in  der  Gelatine,  als  auch  auf  der  Oberfläche  derselben  bilden, 

1)  Das  Optimum  des  Salzgehaltes  der  Kulturmedien  beträgt  5—  7<>/0  (was  ungefthr 
dem  Salzgehalt  des  Limanwassers  entspricht). 

13* 


196  Limanschl  Ainm . 

haben  ein  sehr  charakteristisches  Aussehen.  Die  in  der  Tiefe  der 
Gelatine  befindlichen  Eolonieen  erscheinen  dem  blossen  Auge  zunächst 
gelblich,  dann  gold-orange;  nach  3—4  Tagen  bildet  sich  um  dieselben 
eine  rosa  Aureole;  besonders  charakteristisch  ist  die  Auscheidung 
dieses  diffundirenden  Pigments  —  die  Fähigkeit  dazu  wird  aber  bei 
andauernder  künstlicher  Kultur  allmählich  schwächer.  —  Die  ober- 
flächlichen Kolonieen  bilden  zunächst  einen  zarten  bläulichen  Anflug, 
bald  werden  sie  aber  undurchsichtig,  gelb  und  beginnen  die  Gelatine 
zu  verflüssigen.  Bei  Kultnr  im  luftleeren  Raum  behalten  sie  hingegen 
ihr  erstes  Aussehen,  während  die  tiefen  Kolonieen  unter  diesen  Be- 
dingungen sich  ganz  normal  entwickeln.  —  Auf  die  Stich-  und  Strich- 
kulturen, sowie  auf  die  Beschreibung  der  Kulturen  auf  anderen  Sub- 
straten braucht  hier  nicht  eingegangen  zu  werden. 

Das  Stäbchen  No.  II  bildet  hellere  Kolonieen,  welche  die  Ge- 
latine meist  nicht  verflüssigen  und  kein  diffundirendes  Pigment  aus- 
scheiden. Im  Uebrigen  ist  es  dem  Stäbchen  No.  I  dermaassen  ähn- 
lich, dass  Verf.  es  nur  für  eine  Varietät  dieses  hält 

Das  Stäbchen  No.  III  bildet  hingegen  graue  Kolonieen  von 
recht  abweichendem  Aussehen,  welche  die  Gelatine  sehr  energisch 
verflüssigen.  Säet  man  etwas  Schlamm  in  peptonisirte  Fleischpepton- 
gelatine,  so  überflügelt  es  alle  übrigen  Bakterien,  und  man  erhält  fast 
reine  Kulturen  dieses  Stäbchens. 

Das  Stäbchen  No.  IV  endlich  hat  ein  abweichendes  Aussehen: 
es  ist  kurz,  dick  und  gerade,  lebhaft  beweglich;  es  bildet  weisslicbe, 
die  Gelatine  verflüssigende  Kolonieen. 

Die  reduzirenden  Eigenschaften  dieser  4  Formen  sind  ungleich. 
Am  stärksten  sind  sie  bei  dem  Stäbchen  I.  Wird  oxydirter  und  mit 
Limanwasser  bedeckter  Schlamm  im  Reagenzglas  sterilisirt  und  mit 
einem  geringen  Quantum  Reinkultur  dieser  Bakterie  infizirt,  so  bildet 
sich  im  Thermostaten  bei  30°  bald  (manchmal  schon  nach  einigen 
Stunden)  auf  der  Oberfläche  des  Schlammes  ein  schwarzer  Ring, 
welcher  sich  allmählich  vergrössert;  wenn  jedoch  ungefähr  die  Hälfte 
des  Schlammes  reduzirt  ist,  so  hört  der  Prozess  auf.  Das  Stäbchen  I 
ist  allein  nicht  im  Stande,  denselben  zu  Ende  zu  führen.  In  Kontroll- 
versuchen, in  denen  ebensolche  Reagenzgläser  mit  etwas  frischem 
Schlamm  infizirt  wurden,  begann  die  Reduktion  erst  nach  48  Standen, 
aber  der  Prozess  dauerte  ununterbrochen  fort  bis  zur  Reduktion  des 
gesammten  Schlammes.  —  Die  Stäbchen  II  und  III  reduziren  allein 
noch  schwächer,  als  I.  Wird  aber  der  Schlamm  mit  einer  von  ihnen 
und  mit  dem  Stäbchen  I  gleichzeitig  infizirt,  so  wird  die  Redaktion 
zu  Ende  geführt.  Am  energischsten  verläuft  sie  jedoch  bei  Infektion 
mit  allen  3  Stäbchen  gleichzeitig;  alsdann  begann  die  Redaktion 
wenige  Stunden  nach  der  Infektion  und  war  nach  16 — 48  Standen 
vollendet  (in  Kontrollversuchen  erst  nach  7—8  Tagen).  —  Das  Stab- 
chen IV  reduzirt  allein  den  Schlamm  überhaupt  nicht;  wird  es  aber 
zu  einer  oder  namentlich  zu  zweien  den  anderen  Bakterien  hinzuge- 
fügt, so  beschleunigt  es  ebenfalls  den  Red uktions prozess. 

Im  luftleeren  Raum  geht  die  Reduktion  des  Schlammes  durch 
die  Bakterien  resp.  die  Bakteriengemische  nicht  minder  energisch, 
anscheinend  sogar  energischer  vor  sich,  als  bei  Luftzutritt. 


LimauachUmm.  — ■  Bakterien  und  Wasser.  297 

Steht  infizirter  und  reduzirter  Schlamm  2—3  Monate  in  nur  mit 
Wattepfropf  verschlossenem  Reagenzglas,  so  bildet  sich  auf  seiner  Ober- 
fläche, obgleich  er  mit  Wasser  bedeckt  ist,  ein  sich  allmählich  ver- 
grössernder,  grauer  Ring,  der  Schlamm  beginnt  sich  also  wieder  zu 
oxydiren  (vermuthlich,  weil  die  Nährstoffe  desselben  erschöpft  sind 
uod  die  reduzirenden  Bakterieu  ihre  Thätigkeit  einstellen.  Ref.). 
In  zugeschmolzenen  Röhren  findet  dies  nicht  statt. 

Auf  die  praktisch-medizinischen  Konsequenzen,  welche  der  Verf.  aus 
seinen  Beobachtungen  zieht,  braucht  hier  nicht  eingegangen  zu  werden. 

Vom  wissenschaftlichen  Standpunkt  scheinen  dem  Ref.  folgeude 
2  Resultate  von  Interesse  zu  sein :  1)  Die  Feststellung  der  Existenz 
einer  Gruppe  von  so  zu  sagen  Salzwasserbakterien,  welche  in  auf- 
fallender Weise  an  besondere  biologische  Bedingungen  (hohen  Salzge- 
halt des  Mediums)  angepasst  sind  und  einander  auch  morphologisch 
offenbar  recht  nahe  stehen.  2)  Das  Zusammenwirken  mehrerer  Bak- 
terien bei  dem  Prozess  der  Reduktion  des  Schlammes,  welcher  durch 
jede  einzelne  derselben  nur  unvollständig  ausgeführt  wird  (der  Verf. 
äussert  sich  nicht  näher  über  die  Ursache  dieser  Erscheinung;  Ref. 
möchte  die  Vermuthung  aussprechen,  dass  keine  der  fraglichen  Bak- 
terien an  und  für  sich  in  dem  Limanschlamme  völlig  günstige  Lebens- 
bedingungen findet,  und  dass  die  verschiedenen  Arten  durch  ihren 
theilweise  verschiedenen  Chemismus  einander  beständig  diese  Lebens- 
bedingungen schaffen).  In  Rücksicht  auf  beide  Punkte  wäre  eine 
nähere  Untersuchung  der  physiologischen  Eigenschaften  dieser  Bak- 
terien (welche  in  der  vorliegenden  Arbeit  nur  eben  gestreift  sind) 
sehr  zu  wünschen.  Rother t  (Kazan). 

Malyoz,  E.,  Quelques  r6sultats  d'analyses  microbiolo- 
giques   d'eaux    de  Li&ge.    (Ann.  de  la  Soc.  m6d.-chir.  de 
Lüge.  1890.  No.  8  et  9.) 
Verf.  erläutert  die  Gesichtspunkte,  von  welchen  aus  eine  bak- 
teriologische Wasseruntersuchung  vorgenommen  werden  soll,  bespricht 
dann  die  Wege,  auf  welchen  dem  Grundwasser  pathogene  Mikro- 
organismen  zugeführt  werden  können,  sowie  jene   im   Boden    am 
häufigsten  vorkommenden  Verhältnisse,  welche  den  Bakterientransport 
begünstigen  oder  hindern. 

Wenn  es  sich  um  die  Beurtheilung  der  Eigenschaften  eines 
Genasswassers  handelt,  genügt  es  nicht,  festzustellen,  ob  das  Wasser 
zur  Zeit  ohne  Gefahr  genossen  werden  kann,  vielmehr  soll  es  sich 
unter  solchen  Bedingungen  vorfinden,  dass  auch  in  Zukunft  eine  Ver- 
unreinigung desselben  nicht  zu  befürchten  ist.  Man  hat  sowohl  das 
Vorhandensein  oder  das  Fehlen  pathogener  Mikroorganismen,  als 
auch  die  Anzahl  sämmtlicher  Keime  und  die  Menge  organischer 
Stoffe  zu  bestimmen.  Ein  gewisser  Gebalt  an  letzteren  weist,  selbst 
bei  der  Abwesenheit  von  Mikroorganismen,  auf  eine  mögliche  In- 
fektion des  Wassers  hin.  Enthält  das  Wasser  keine  pathogenen 
Mikroorganismen  und  keine  verdächtigen  chemischen  Stoffe,  so  hängt 
es  noch  von  der  Anzahl  der  vorhandenen  saprophytischen  Bakterien 
ab,  ob  das  Wasser  als  gut  geschützt  gegen  die  verschiedenen  Ver- 
unreinigungswege angesehen  werden  darf,  denn  auf  diesen  können 


198  Bakterien  und  Wasser.  —  Spirochaeten  in  Blutegeln. 

zu  gewissen  Zeiten  auch  pathogene  Mikroorganismen  in  das  Wasser 
gelangen.  Bei  zeitlich  variablem  Keimgehalt  kann  man  auf  eine 
permanente ,  ebenfalls  verschiedenen  Schwankungen  unterworfene 
Verunreinigungsquelle  schliessen. 

Verf.  hat  das  Genusswasser  der  Stadt  Lüttich  seit  einem  Jahre 
regelmässig  von  14  zu  14  Tagen  untersucht  und  mit  Ausnahme 
einer  von  Ende  Juni  bis  Mitte  August  andauernden  Periode  hohen 
Keimgehaltes  bloss  20—50  Keime  pro  ccm  gefunden.  Das  Grund- 
wasser aus  10  in  den  verschiedenen  Stadttheilen  situirten  Pump- 
brunnen enthielt  40 — 36000  Keime  pro  ccm.  Typhusbacillen  konnten 
darin  nicht  nachgewiesen  werden.  Ein  sog.  abyssinischer  Brunnen 
lieferte  keimfreies  Grundwasser,  trotzdem  er  sich  unter  den  gleichen 
geologischen  Verhältnissen  und  in  demselben  Stadttheile  befand, 
wie  jene  gemauerten  Brunnen,  deren  Wasser  den  höchsten  Keim- 
gehalt aufwies.  Unterhalb  der  Ausmündungen  des  Hauptkanals 
hatte  das  Flusswasser  (Meuse)  6000—9000,  innerhalb  der  Stadt 
über  1  Million  Keime  pro  ccm.  Kräl  (Prag). 

Pasternacki,  Th.,  Eine  neue  Methode  der  Erhaltung  und 
Kultur  der  Obermeyer'schen  Spirochaeten  in  Blut- 
egeln (Hirudo  medicinalis).  (Wracz.  1890.  pag.  297  ff.) 
[Russisch.] 

Aus  früheren  Untersuchungen  ist  bekannt,  dass  Spirochaete 
Obermeieri  bei  Temperaturen  unter  0°  längere  Zeit  lebensfähig 
bleibt.  Es  fragte  sich,  wie  sie  sich  im  Körper  kaltblütiger  Thiere 
verhält,  welche  ebenfalls  niedrige  Temperaturen  vertragen.  Ein  ge- 
eignetes Versuchsthier  bietet  sich  im  Blutegel  dar,  welcher,  wie  sich 
Verf.  durch  vorläufige  Versuche  überzeugte,  bei  0°  und  selbst  beim 
Einfrieren  in  Eis  zwar  regungslos  wird,  aber  nach  dem  Aufthauen 
und  nach  Uebertragung  in  Wasser  geeigneter  Temperatur  (5 — 10°) 
wieder  auflebt;  desgleichen  überlebt  der  Blutegel  ein  9 -stündiges 
Erwärmen  auf  80°  (im  Thermostaten),  nicht  aber  ein  solches 
auf  40°. 

Zu  seinen  Versuchen  benutzte  Verf.  Blutegel,  welche  sich  mit 
an  Spirochaeten  reichem  Blut  von  Rückfalltyphuskranken  während 
des  Accesses  massig  voll  gesaugt  hatten.  Bluttropfen  aus  dem  Darm 
derselben  wurden  für  die  mikroskopische  Untersuchung  gewonnen, 
indem  auf  das  hintere  Körperende  einige  Körnchen  Kochsalz  gelegt 
wurden,  worauf  der  Egel  aus  dem  Rüssel  ein  Bluttröpfchen  auf  ein 
vorgelegtes  Deckglas  ausschied.  —  Im  Ganzen  führte  Verf.  14  Be- 
obachtungen aus. 

I.  Unmittelbar  nach  dem  Vollsaugen  des  Blutegels.  Spiro- 
chaeten in  Menge,  fast  ausschliesslich  freie  Individuen,  Form  und 
Beweglichkeit  ebenso  wie  in  direkt  vom  Patienten  entnommenem  Blute. 

II — III.  Die  Blutegel  wurden  (mittels  Kältemischung)  in  Eis- 
stücken eingefroren  und  dann  aufgethaut. 

3 Vs  Stunden  eingefroren:  Spirochaeten  in  Menge,  sehr  deut- 
lich, meist  zu  Knäueln  verflochten;  unbeweglich  oder  nur  mit  pen- 
delnder Bewegung,  nur  die  seltenen  freien  Individuen  in  fortschrei- 
tender Bewegung. 


Spirochaeten  in  Blutegeln.  —  Malariaplasmodien  in  Blutegeln.  X99 

2  Tage  eingefroren  (Blutegel  todt):  Spirochaeten  in  Menge, 
blass  und  schwer  erkennbar;  schwache  pendelnde  und  rotirende  Be- 
wegung, fortschreitende  Bewegung  fehlt 

IV — VIII.  Die  Blutegel  wurden  zwischen  langsam  schmelzenden 
Eisstücken ,  also  bei  einer  konstanten  Temperatur  von  0  °  gehalten. 

1—2  Tage  bei  0°:  Spirochaeten  in  Menge,  meist  freie  In- 
dividuen, mit  lebhafter,  fortschreitender  und  rotirender  Bewegung. 

3 — 10 Tage  bei  0°:  Ebenso,  nur  Spirochaeten  grossentheils 
zu  Knoten  und  Häufchen  verbunden;  in  diesen  fehlt  die  fortschrei- 
tende Bewegung,  bei  den  freien  Individuen  ist  sie  schwächer,  als  oben. 

IX — X.  Die  Blutegel  wurden  in  Wasser  bei  Zimmertemperatur 
(16-17  °)  gehalten. 

2 Tage  bei  Zimmertemperatur :  Spirochaeten  dicker  geworden, 
spiralige  Form  deutlich,  fortschreitende  Bewegung  geschwächt. 

Nach  4  Tagen:  Spiralige  Form  weniger  deutlich  geworden;  alle 
unbeweglich. 

XI— XIV.  Die  Blutegel  wurden  in  Wasser  im  Thermostaten  bei 
höherer  Temperatur  gehalten. 

9  Stunden  bei  30°:  Spiralige  Form  undeutlich,  nur  wenige  In- 
dividuen mit  schwacher  pendelnder  Bewegung.  Nachdem  das  Prä- 
parat 3/4  Stunden  bei  gewöhnlicher  Temperatur  gestanden  hatte, 
nahmen  viele  Spirochaeten  ihre  gewöhnliche  Form  und  Bewegung 
wieder  an. 

2  Tage  bei  25°:  Spirochaeten  in  Menge,  aber  meist  nur 
mit  Mühe  erkennbar  und  unbeweglich;  nur  wenige  freie  Individuen 
deutlich  spiralig  und  mit  fortschreitender  Bewegung. 

2  Tage  bei  27  °  (der  Blutegel  stirbt  1  Stunde  nach  der  Ent- 
nahme aus  dem  Thermostaten):  Nur  wenige  Spirochaeten,  un- 
beweglich und  in  Reihen  gelblicher  Körner  verwandelt. 

1  Tag  bei  40,5°  (2  Blutegel,  beide  todt) :  ziemlich  viele  deutlich 
spiralige  Spirochaeten,  meist  unbeweglich,  nur  wenige  mit  schwa- 
cher pendelnder  Bewegung. 

Als  Hauptresultat  ergibt  sich,  dass  bei  Abkühlung  der  Blutegel 
auf  0°  die  Spirochaeten  sich  in  denselben  längere  Zeit  lebend 
erhalten,  und  dass  im  Körper  von  Blutegeln  Spirochaeten  resi- 
stenter gegen  niedere  Temperaturen  sind,  als  etwa  in  Glaskapillaren. 

Die  Arbeit  ist  eine  vorläufige  Mittheilung;  nähere  Untersuchungen 
sind  im  Gange.  Rothert  (Kazan). 

Sacharow,    N.,   Erhaltung   der   Malaria-Pias  m  odien    in 
lebendem  Zustande  in  Blutegeln.    (Wracz.  1890.  pag.  644 
—645.)     [Russisch.] 
Im  Anschluss  an  die  vorstehend  referirte  Arbeit  von  Paster- 
nacki  theiltVerf.  kurz  mit,  dass  auch  die  Malaria- Plasmodien  (vor- 
laufig hat  Verf.  nur  mit  Plasmodien  der  Sommerfieber  experimentirt) 
in  derselben  Weise  konservirt  werden  können.    In  Blutegeln,  welche, 
in  ein  Stück  Eis  eingefroren,  1  Woche  im  Eiskeller  gehalten  wurden, 
fanden  sich  die  Plasmodien  in  unveränderter  Menge ;  ihre  Beweglich- 
keit war  sogar  grösser,  als  in  direkt  vom  Patienten  entnommenem 
Blute;  ihre  Form  war  etwas  verändert  und  ihre  Grösse  verringert. 

Rothert  (Kazan). 


200  Gi/üger  Boggen. 

PriUleux,  Le  Seigle  enivrant.  (Comptes  rendus  de  l'Acad&nie 
des  scieuces  de  Paris.    Tome  CXII.  1891.  p.  894  ff.) 

In  einigen  Gemeinden  im  Departement  der  Dordogne  in  der  Nähe 
der  Grenzen  der  Haute- Vienne ,  namentlich  in  den  Gebietet)  voa 
Firbeix,  Mialet  und  Saint- Saud,  zeigte  der  Roggen  der  letzten  Ernte 
besondere  und  sehr  scharf  markirte  toxische  Eigenschaften.  In  einem 
Dorfe  bei  Mialet  hatte  sich  ein  Pächter  des  Dr.  Millet,  General- 
rathes  der  Dordogne,  beeilt,  bald  nach  der  Ernte  einen  Sack  Roggen 
mahleu  uud  Brot  daraus  backen  zu  lassen.  Ungefähr  2  Stunden 
nach  dem  Genüsse  dieses  Brotes  erkrankten  alle  Personen  des  Hauses. 
Sie  wurdeu  von  einer  allgemeinen  Abgeschlagenheit  befallen  and 
waren  24  Stunden  lang  nicht  im  Stande,  irgend  eine  Arbeit  zu  ver- 
richten, sondern  mussten  sich  niederlegen.  In  gleicher  Weise  er- 
krankten auch  in  den  Nachbardörfern  Leute,  welche  Brot  aus  Roggen 
derselben  Ernte  genossen  hatten.  Leute,  welche  nach  dem  Frühstück 
auf  die  Feldarbeit  gegangen,  wurden  in  einem  Zustande  der  Bewusst- 
losigkeit  und  des  Uebelbefindens  aufgefuuden,  dass  man  sie  nach 
Hause  führen  musste,  da  sie  allein  zurückzukehren   unfähig  waren. 

Thiere,  wie  Hunde,  Schweine,  Hühner,  denen  man  von  demselben 
Brot  gegeben,  zeigten  sich  abgeschlagen,  wie  betäubt  und  frassen  und 
tranken  24  Stunden  lang  nicht.  Die  durch  das  giftige  Korn  hervor- 
gerufenen Erscheinungen  glichen  nicht  der  durch  das  Mutterkorn  er- 
zeugten, sondern  denen,  welche  der  Taumellolch  hervorruft,  waren 
aber  intensiver  und  traten  rapider  auf. 

Aehnliche  Thatsachen  wurden  neuerdings  auch  von  den  äussersten 
Grenzen  des  russischen  Reichs  jenseits  der  Mandschurei  aus  dem 
südlichen  Dssurien  nahe  bei  Wladiwostock  gemeldet,  und  Woronin, 
welcher  Proben  von  dem  Betäubung  erzeugenden  Roggen  zur  Unter- 
suchung erhielt,  fand  denselben  von  einer  grossen  Zahl  der  ver- 
schiedensten Pilze  befallen;  aber  da  gleichzeitig  mehrere  gekeimte 
Körner  darunter  vorhanden  waren,  glaubt  er  die  Ursache  der  Alte- 
ration zunächst  in  den  ungünstigen  Verhältnissen  suchen  zu  müssen, 
unter  denen  die  Ernte  erfolgt  war.  Nichtsdestoweniger  legt  er  der 
Pilzvegetation,  die  sich  entwickelt  hatte,  toxische  Eigenschaften  bei, 
ohne  aber  die  Pilzspezies  näher  zu  bestimmen,  die  diese  toxischen 
Eigenschaften  besitzt.  Vor  allem  bezeichnet  er  4  Formen  als  be- 
sonders verdächtig:  Fusarium  roseum,  Giberella  Saubi- 
netii,  Helminthosporium  sp.  und  Cladospori  um  her- 
barum  *). 

Die  Untersuchung  der  von  Dr.  Millet  erhaltenen  Roggenkörner 
gestattete  dem  Verf.  nicht,  eine  der  von  W  o  r  o  n  i  n  bezeichneten  Pilz- 
arten als  Ursache  der  toxischen  Wirkuug  jener  Körner  anzusehen. 
Die  Körner  waren  klein,  leicht  und  zusammengeschrumpft,  zeigten  aber 
an  ihrer  Oberfläche  nicht  die  zahlreichen  Pilze,  die  Wo  ronin  ge- 
funden. Dafür  aber  war  in  ihrem  Innern  ein  mikroskopischer  Püz 
enthalten,  und  zwar  immer  derselbe.  Seiu  Mycel  durchzog  die  äussere 
Schicht  des  Sameneiweisses.  Er  bildete  an  Stelle  der  verdrängten  Schicht 
eine  aus   zahlreichen  Fäden   bestehende,  mehr  oder  weniger  dicke 

1)  Ausführliches  Referat  hierüber  in  einer  späteren  Nummer. 


Untersuchangsmethoden,  Instrumente  etc.  201 

Platte  innerhalb  der  Tegumente  rings  um  das  Sameneiweiss.  In  den 
Zellen,  welche  Kleber  and  Stärkekörner  enthielten,  waren  die  letztern 
beiden  an  ihrer  Oberfläche  merklich  korrodirt,  wahrscheinlich  in  Folge 
eines  vom  Pilze  abgeschiedenen  diastatischen  Fermentes.  Hier  und 
da  drangen  auch  die  von  der  äussern  Oberfläche  des  Stromas  aus- 
gehenden Filamente  in  die  Tegumente  des  Kernes.  Um  den  Pilz 
zum  Fruktifiziren  zu  bringen,  wurden  Körner  von  dem  betäubenden 
Roggen  in  die  feuchte  Luft  eines  Keimkastens  auf  die  den  Boden 
desselben  bedeckende  feuchte  lockere  Erde  gebracht.  Bei  einer  Tem- 
peratur von  15—18°  hatten  sich  nach  14  Tagen  an  der  Oberfläche 
derselben  kleine,  weisslich  gefärbte,  abgerundete  und  an  der  Spitze 
etwas  niedergedrückte  Polster  gebildet,  die  aus  dicht  gedrängten  Büscheln 
verästelter  Fäden  bestanden,  deren  Aeste  an  der  Oberfläche  des 
Polsters  an  ihrer  Spitze  Sporen  erzeugten.  Dem  Verf.  scheint  der 
Pilz  dem  Bo norden 'sehen  Genus  Dendrodochi  um  nahe  zu 
stehen.  Doch  zeige  er  eine  besondere  Anordnung  der  Sporen,  welche 
bei  keiner  anderen  Spezies  beobachtet  worden  sei  und  die  überhaupt 
selten  vorkomme.  Nur  de  Seynes  habe  sie  bei  einer  Schimmel- 
form von  der  Ananas  gefunden,  bei  einem  Sporochisma  para- 
doxum.  Die  Sporen  werden  nicht  wie  gewöhnlich  äusserlich  am 
Ende  der  fruchttragenden  Aeste  hervorgebracht,  sondern  im  Innern 
derselben.  Das  Plasma,  welches  den  letzten  Theil  des  Astes  erfüllt, 
differenzirt  sich  an  der  Spitze  und  wird  zu  einer  Spore,  welche  sich 
vollständig  isolirt  und  schliesslich  durch  eine  Oeffnung  an  der  Spitze 
des  Pilzschlauchs  hervortritt.  Die  Oeffnung  schliesst  sich  nach  dem 
Hervortreten  nicht  wieder;  es  bildet  sich  vielmehr  auf  dem  Grunde 
des  offenen  Cylinders  eine  zweite  Spore,  die  sich  ebenfalls  abtrennt 
und  aus  der  Oeffnung  hervorgedrängt  wird.  Derselbe  Vorgang  wieder- 
holt sich  noch  ein  oder  mehrere  Male,  sodass  mindestens  3 — 4  Sporen 
gebildet  werden.  In  Folge  dieser  besonderen  Art  der  Sporenbildung 
hält  sich  Verf.  für  berechtigt,  auf  die  gefundene  Form  ein  neues 
Genus  zu  gründen.  O.  E.  R.  Zimmermann  (Chemnitz). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Bakteriologisches  von  der  medizinisch-wissenschaftlichen 

Ausstellung  des  X.  internationalen  medizinischen 

Kongresses  zu  Berlin,  4. — 9.  August  1890. 

(Schlau.) 

Das  von  Kräl  (Bakteriologisches  Laboratorium,  Prag)  ausge- 
stellte bakteriologische  Museum  umfasst  250  Dauerpräparate  lebender 
Bakterienkulturen,  und  zwar  Gelatine-  und  Agar-Stich-,  Strich-  und 
Plattenkulturen,  Kulturen  auf  Kartoffel-  und  Reisscheiben  und  auf 
Rübenkeilen,  zum   grösseren  Theile  in  zugeschmolzenen,  der  mikro- 


202  Untersnchungsinethoden,  Instrumente  etc. 

atopischen  Untersuchung  zugänglichen  flachen  Reagenzröhrchen  und 
Plattendosen,  theils  in  mittelst  Paraffin  dicht  verschlossenen  Glas- 
dosen. Von  den  Kulturen,  die  durch  Aussaat  einer  sehr  geringen 
Anzahl  von  Keimen  auf  grossen  Substratflächen  zu  einer  ausserordent- 
lich üppigen  und  typischen  Entwickelung  gebracht  worden  sind,  wären 
insbesondere  die  Gelatinestich-,  die  A  garplatten-  und  die  Rüben- 
keilkulturen  hervorzuheben.  Wir  erblicken  hier  in  der  That  so 
charakteristische  Kulturbilder,  dass  für  die  makroskopische  Diffe- 
renzialdiagnose  eine  wesentlich  sicherere  Basis  geschaffen  zu  sein 
scheint.  Von  den  durch  eine  bisher  nicht  gesehene  Ueppigkeit  sich 
auszeichnenden  Rübenkulturen  seien  erwähnt  die  Actinomyces- 
kultur,  eine  einer  zerklüfteten  Gebirgskette  ähnliche,  1  cm  hohe  und 
mehrere  cm  lange  schwefelgelbe  Auflagerung,  der  dunkelgrüne, 
metallisch  schillernde  Rasen  des  Bacillus  pyocyaneus,  die 
mächtigen  Rasen  der  Saccharomyceten,  darunter  jene  der  braunen  und 
schwarzen  Hefe  mit  Luftmycel  bedeckt,  typische  Typhuskulturen  auf 
Kartoffelscheiben,  die  bis  mehrere  cm  grossen  Einzelkolonieen  der 
meisten  pathogenen  Mikroorganismen  auf  Agarplatten  u.  a.  m. 

Neben  den  vorzüglichen  Apochromaten  von  Zeiss  (Jena)  and 
der  Abbe' sehen  Zeichenkamera  waren  auch  Reichert  (Wien), 
Hartnack  (Potsdam)  und  Sei b er t  (Wetzlar)  apochromatische  Ob- 
jektive vorhanden,  wie  überhaupt  das  Mikroskop  und  dessen  Neben- 
apparate reichlich  und  gut  vertreten  waren.  Von  Klönne  und 
Müller  (Berlin)  sehen  wir  unter  anderem  die  von  Neuhauss  an- 
gegebene mikrophotographische  Kamera  für  Petroleumlicht  und  das 
Schulze9 sehe  Horizontalmikroskop.  Dass  die  Vervollkommnung 
der  von  Bakteriologen  benützten  Apparate  und  Geräthe  mit  den  Fort- 
schritten der  Bakteriologie  gleichen  Schritt  hält,  ja  mit  selben  in  ge- 
wisser Wechselbeziehung  steht,  bezeugen  die  reichhaltigen  Ausstellungen 
der  Berliner  Firmen  Muencke,  Rohrbeck,  Lautenschl&ger 
und  Warmbrunn,  Quilitz  u.  Comp.  Besonders  sei  auf  die  bak- 
teriologischen Normalarbeitsplätze  hingewiesen,  bei  deren  Zusammen- 
stellung Bedürfhiss  mit  vollständiger  Raumausnützung  in  Einklang 
gebracht  wurden.  Dann  sind  noch  bemerkenswerth  eine  Anzahl  neuerer 
Konstruktionen  von  Dampf-  und  Heissluft-Sterilisationsapparaten,  der 
von  Muencke  ausgestellte  H  e  y  r  o  t  h '  sehe  Zählapparat  für  Doppel- 
schälchen,  der  von  Lautenschläger  vorgeführte  Brieger'sche 
Vacuumapparat  zur  Darstellung  leicht  zersetzlicher  chemischer  Krank- 
heitsgifte und  desselben  Autors  Dialysator,  ferner  Kitasato's  Bak- 
terienfilter. Rohrbeck  brachte  auch  seine  zweckmässigen  ovalen 
Thermostaten  für  konstante  niedrige  Temperaturen,  He nn ig  (Er- 
langen) einen  Mikrobrenner  mit  nicht  leuchtender  und  nicht  ver- 
löschender Flamme,  Kagenaar  (Utrecht)  die  Don  der  s  und 
van  Overbeek  de  Meyer'sche  feuchte  Kammer  für  Beobach- 
tungen unter  1—14  Atmosphärendruck.  Nährmedien  für  bakterio- 
logische Zwecke  waren  nur  ganz  vereinzelt  vorhanden.  Hingegen 
hatten  Grübler  (Leipzig)  eine  Reihe  gebrauchsfertiger  Farbstoff- 
lösungen und  Präparationsmateriale,  Schuchardt  (Görlitz)  eben- 
falls Farbstoffe  und  eine  vollständige  Sammlung  von  Präparaten  für 
Mikroskopie  ausgestellt  Kräl  (Prag). 


üntewnchungsmethoden,  Instrumente  etc.  203 

Soxhlet,  Ein  verbessertes  Verfahren  der  Milchsterili- 
sirung.    (MüDchener  med.  Wochenschr.  1891.  No.  19  u.  20.) 

Die  Umständlichkeit  des  Verschlusses  der  Saugflaschen  beim 
Soxhlet' sehen  Milchsterilisirungsverfahren  hat  zu  zahlreichen  Ver- 
besserungsvorschlägen geführt,  ohne  dass  etwas  Befriedigendes  in 
dieser  Beziehung  bis  jetzt  erreicht  worden  wäre.  Meist  wurde  auf 
einen  eigentlichen  Verschluss  ganz  verzichtet,  wie  bei  den  Flügge- 
schen  Glashütchen,  bei  Israel9 s  nach  abwärts  gebogener  U-Röhre, 
bei  Escherichia  perforirten  Saughütchen  u.a.  m.  Allerdings  hält 
sich  in  solchen  Flaschen  die  Milch  bei  ruhigem  Stehen  einige  Tage 
geniessbar,  sowie  sie  aber  umgeschüttelt  wird  und  die  Bakterien  die 
Rahmdecke  durchdrungen  haben,  wird  sie  in  kurzer  Zeit  sauer.  Dass 
beim  umfallen  der  Flaschen  die  Milch  herausläuft  und  dieselben  auf 
Reisen  und  Ausflüge  nicht  mitgenommen  werden  können,  fällt  ausser- 
dem noch  diesen  „Verschlüssen14  zur  Last 

Nach  langem  Suchen  hat  nunmehr  S.  eine  befriedigende  Lösung 
dieser  Frage  gefunden.  Die  grösste  Sicherheit  verbindet  dieses  wirk- 
lich geniale  Verfahren  mit  der  grössten  Einfachheit.  „Man  füllt  die 
Flaschen  wie  bisher,  setzt  sie  in  den  Flaschenhalter,  legt  auf  die 
Mündung  jeder  Flasche  ein  glattes  Gummischeibchen,  schützt  es  vor 
dem  Herabfallen  oder  Verschieben  durch  ein  kurzes  Rohrstück  aus 
verzinntem  Eisenblech,  welches  man  über  den  Flaschenhals  stülpt, 
stellt  den  Einsatz  in  den  Kochtopf,  erhitzt  wie  bisher  46  Minuten 
und  hebt  dann  den  Einsatz  sammt  Flaschen  aus  dem  Kochtopf  her- 
aas. Während  des  Erhitzens  wird  die  in  den  Flaschen  mit  einge- 
schlossene Luft  durch  ihre  eigene  Ausdehnung,  dann  durch  die  Aus- 
dehnung der  Flüssigkeit,  sowie  durch  austretende  Wasserdämpfe  zu 
etwa  6/7  ausgetrieben,  hierbei  funktionirt  die  Gummischeibe  als  Druck- 
ventil,  welches  der  Luft  ungehinderten  Austritt  gestattet.  Bei  der 
geringsten  Abkühlung  der  Flaschen  schliesst  sich  dieses  Ventil  in 
Folge  eintretender  Druckverminderung  im  Flascheninnern  sofort  von 
selbst,  bei  weiterer  Abkühlung  wird  die  Gummischeibe  durch 
den  äusseren  Luftdruck  immer  tiefer  eingestülpt,  so  einen  pneu- 
matischen, festsitzenden,  luftdichten  Verschluss  bildend.  In  der  er- 
kalteten Flasche  herrscht  ein  negativer  Druck  von  100  mm  Queck- 
silber, wodurch  die  Gummiplatte  mit  einem  Gewicht  von  1,2  kg 
auf  die  Flaschenmündung  gepresst  wird  und  selbst  durch  heftiges 
Schütteln  nicht  abgeschleudert  werden  kann.  Für  das  Zustande- 
kommen des  luftdichten  Verschlusses  genügt  schon  die  geringe  Ab- 
kühlung, die  beim  Abheben  des.  Deckels  eintritt.  Will  man  die  er- 
kaltete Flasche  öffnen,  so  braucht  man  nur  an  den  Rand  der  Gummi- 
scheibe zu  drücken  und  so  Luft  eintreten  lassen/' 

Die  Mündung  der  Flasche  ist  etwas  trichterförmig  erweitert  und 
oben  abgeschliffen.  Selbst  durch  200  maliges  Kochen  blieben  die 
Gummiplatten  unverändert. 

Die  leichte  Reinigungsfähigkeit,  der  absolute  bakteriendichte  Ver- 
schluss und  die  einfache  Kontrolle  über  sichere  Sterilisirung  durch 
das  Abspringen  der  Gummiplatte  bei  zufälligem  oder  muthwilligem 
Eröffnen  oder  eintretender  Gährung  sind  unschätzbare  Vorzüge  dieses 
Verfahrens.    Dasselbe  ist  seit  einem  Jahre  bereits  in  verschiedenen 


204  Neue  Literatur. 

Münchener  Familien    zur  grossen  allseitigen  Zufriedenheit  im  Ge- 
brauch. 

Betreffs  der  Praxis  der  Sterilisirung  und  der  S&uglingsernahrang 
kam  S.  durch  Versuche  zu  weiteren  wichtigen  Ergebnissen.  Er  fand, 
dass  es  Milchsorten  gibt,  die  leicht  und  solche,  die  schwer  zu  steri- 
lisiren  sind.  In  der  Regel  zeigte  die  Milch  eines  Stalles  Gleich- 
mässigkeit  hinsichtlich  dieses  Verhaltens.  Die  schwer  sterilisirbare 
Milch  gerinnt,  1  Std.  lang  sterilisirt,  innerhalb  3—4  Tagen  im  Brut- 
ofen, bei  Zimmertemperatur  dagegen  bleibt  auch  sie  Monate  lang  un- 
zersetzt.  Diese  Gerinnung  war  nicht  durch  Säurebildung  erfolgt, 
sondern  durch  Labferment,  das  Buttersäure  abspaltende  Bakterien 
gebildet  hatten.  Die  Säurebildung  selbst  war  dabei  viel  zu  gering, 
um  Gerinnung  hervorzurufen.  Ungekochte  Milch  dagegen  gerinnt 
durch  Milchsäurebildung.  Dies  ergibt,  dass  eine  ungenügende  Steri- 
lisation die  Gährungsvorgänge  verschlechtert,  da  dieselben  den  Cha- 
rakter der  Buttersäuregährung  annehmen. 

Alle  gekochte  Milch  hat  aber  den  Nachtheil,  dass  sie  in  Folge 
Verminderung  der  löslichen  Kalksalze  durch  das  Labferment  des 
Magens  nicht  mehr  zum  Gerinnen  gebracht  werden  kann.  Erst  Hin- 
zutreten von  Säure  oder  löslichen  Kalksalzen  im  Magen  des  Kindes 
macht  sie  wieder  gerinnungsfähig;  dabei  scheinen  in  der  Wirklich- 
keit, d.  h.  im  Magen  des  Kindes,  die  Kalksalze  die  Hauptrolle  zu  spielen. 

Ein  Erhitzen  auf  höhere  Temperatur  als  100°  ist  nicht  zweck- 
mässig; vor  allem  findet  dabei  ein  Ausschmelzen  von  Fett  und  Bil- 
dung von  Butter  statt,  und  der  so  wichtige  Emulsionszustand  geht 
verloren. 

Die  Sterilisirung  der  Milch  hat  also  auch  ihre  Nachtheile,  die 
aber  durch  die  Vortheile  reichlich  aufgewogen  werden. 

Da  S.  die  Schwersterilisirbarkeit  der  Milch  durch  Zusatz  von 
Kuhmist  erzeugen  konnte,  so  erachtet  er  die  Produktion  einer  reinen, 
leicht  sterilisirbaren  Milch  als  Sache  der  Technik  und  unbedingtes 
Erforderniss ;  er  versteht  mithin  unter  Kindermilch  eine  frische,  nor- 
mal zusammengesetzte  Milch,  welche  sich  durch  3/4—l  stündiges  Er- 
hitzen auf  den  Siedepunkt  des  Wassers  vollständig  oder  doch  soweit 
sterilisiren  lässt,  dass  sie  sich  bei  Brutwärme  —  35°  —  aufbewahrt, 
mindestens  einen  Monat  lang  unzersetzt  hält 

Scheurlen  (Stuttgart). 


Neue  Litteratur 

mraminengeitelU  tob 

Db.  Abthüb  Wübzbubg, 

Bibliothekar  im  KaiMriichen  GwundheiUamte  In  Berlin. 


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Neue  Litteratur.  205 

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Beziehungen  der  Bakterien  nnd  Parasiten  aar  belekten  Katar. 

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206  N«u  Litteratnr. 


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Neue  Litteratur.  20? 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Einderpest,  Lungenseuche,  Teiasseuche,  Genickatarre,  Ruhr  and  Diphtherie  der 

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Untenrohiuiggmethoden,  Instrumente  et«. 
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Schutzimpfungen,  kflnstüche  Infektionskrankheiten,  Efatwteke- 
lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koeh'sehe 
Heilrerfahren  gegen  Tuberculosen 

Cutani,  A. ,   8nlla  cura  dietetica  cd  igienica  della  tubercolosi   e  sul  trattamento  colla 

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208 


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auf  die  Wirkung  des  inbalirten  tuberculösen  Giftes.     Eine  experimentelle  Untersuchung. 

(Münch.  medic.  Abhandl.    1.  Reibe.    Arb.  a.  d.  pathol.  Inst.    Hrsg.  y.  O.  B ollin ger. 

Heft  7.)     8°.     16  p.  m.  1  Tab.     München  (J.  F    Lehmann)  1891.  1  M. 

Berilliod,    Le   traitement   Koch.      Avec   48   pl.     8°.     Paris   (Lecrosn   &   Bäte)   1891. 

2  fr.  f.O  c. 
Seiflert,  R.,    Kochin- Arbeiten  (Tuberculinum  Kochii)  im  A lex ian er- Hospital  in  Chicago. 

I.  Berichte   und  Orig.-Abbandlgn.     gr.  8°.     84  p.     Chicago,  III.  (Koelling  &  Klappen- 
bach) 1891.  2  M 
Senn«  H.,  Away  with  Koch's  lymph.     (Med.  News.  1891.  No.  28.  p.  625—628.) 
Stern,  H.,  Zur  Frage  der  Tuberkelbacillen  im  BJute  nach  Tuberculin-Injektionen.    (Manch. 

medic  Wochenschr.  1891.  No.  28.  p.  462—465.) 
Stintsing,  R. ,    Ueber  Tuberculin-Wirkungen   in  diagnostischer   und  therapeutischer  Be- 
siehung.    (Sonderdr.)     gr.  8°.     47  p.     München  (Lehmann)  1891.  1  M. 
Uffelmann,  J. ,    Ueber   den   derzeitigen   8tand   der  Wuthschutaimpfungsfrage.     (Wiener 

medic.  Presse.  1891.  No.  24.  p.  941—946.) 
Unna,  P.  O ,  Ueber  Autotuberculinisation  beim  Lupus.    (Berlin,  klin.  Wochenschr.  1891. 

No.  26    p  609—611.) 
Yaquos,  H.,  Le  traitement  de  Koch.    (Mercredi  m4d.  1891.  No.  23.  p.  285 — 286) 


>-     I 


Inhalt. 


Originalmittheilujigen. 
€ohn,  Ferdinand,   Zur  Geschichte  der  Le- 
guminosen knö liehen.    (Orig.),  p.  190. 
Klein»  B.v  Ein  neuer  Bacillus  des  malignen 

Oedems.    (Orig),  p.  186. 
Smith,  Theobald,    Kleine  bakteriologische 

Mittheilungen.    Mit    2  Figuren.     (Orig.), 

p.  177. 

Referate. 
Bruailowski,  K  ,  Zur  Frage  über  die  Rolle 

der    Mikroorganismen    bei    der    Bildung 

des  Limanschlamines,  p.  194. 
Lasche,  A.,  Die  Mycoderma  und  die  Praxis, 

p.  192. 
Malvos,  E. ,    Quelques  resultats  d'analyses 

microbiologiques  d'eaiuc  de  Liege,  p.  197. 
Paaternaeki,  Th ,    Eine  neue  Methode  der 

Erhaltung   und   Kultur   der   Obermeyer- 


sebeu  Spirochaeten  in  Blutegeln  (Hirudo 
medicinalis),  p.  198. 

Prillieux,  Le  Seigle  entvrant,  p.  200. 

Sank,  Ueber  Marktmilch  in  Halle,  p.  195. 

Saoharow,  N.,  Erhaltung  der  Malaria-Pla»- 
modien  in  lebendem  Zustande  in  Blut- 
egeln, p.  199. 

üntersuchungimethoden,  Instrumente  etc. 
Bakteriologisches  von  der  medi- 
sinisch-wissenschaft  liehen  Aus- 
stellung   des   X.    internationalen 

medizinischen  Kongresses  zu 
Berlin,  4. — 9.  August  1890.   (Schlot), 

p.  201. 
Boxniet,    Ein    verbessertes  Verfahren   der 

Müchsterilisirung,  p.  205. 

Neue  Litteratur,  p.  204. 


Froaunamwche  Buchdruckerei  (Hermann  Pohl«)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  M  Prot  Dr.  Leockart  m  Professor  Dr.  Loeffler 

la  Ldpzir  tn  (irelfmM 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TThlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band«  -°-     Jena,  den  29.  August  1891.         -*-  No.  7. 

Preis  fflr  den  Band  (28  Hummern)  14  stark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Bünde. 

—^4    Zu  beziehen  durch   alle  Buchhandlungen  and  Postanstalten.    |f» 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrucken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger ,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können* 


Original -Mittheilungen. 


Die  Kieselsäuregallerte  als  Nährsubstrat. 

Von 

P.  Sleskln 

ans 

Moskau. 

Die  Anwendung  der  Kieselsäuregallerte  als  festes  Substrat  in 
der  Bakteriologie  ist  ein  neues  Verfahren,  welches  eine  grosse 
Zukunft  haben  dürfte  für  die  Kultur  vieler  Organismen,  welche  auf 
den  üblichen,  an  organischen  Stoffen  sehr  reichen  Gelatinenähr- 
gemischen nicht  zum  Wachsen  zu  bringen  sind. 

X.Bd.  14 


210  Sleskin, 

Es  scheint  mir  daher  wünschenswert!*,  einige  Erfahrungen  hier 
zu  beschreiben,  die  ich  bei  Gelegenheit  von  Kulturversuchen  mit 
nitrifizirenden  Bakterien  gemacht  habe  und  aus  denen  sich  genauere 
Vorschriften  Qber  die  Bereitung  und  den  Gebrauch  der  Kieselsäure- 
nährsubstrate  ableiten  lassen. 

Die  ersten  Versuche  auf  Grund  der  von  Kühne1)  und  Wino- 
gradsky*)  gegebenen  Vorschriften,  die  Kieselsäurelöaung  zu  be- 
reiten, misslangen  min 

Dann  habe  ich  eine  Lösung  nach  den  genauen  Vorschriften 
von  Kühne  vorbereitet,  d.  h.  aus  3  Vol.  verdünntem  Wasserglas 
von  1,08  spez.  Gewicht  und  1  Vol.  verdünnter  Salzsäure  (aus  1  VoL 
Salzsäure  von  1,17  sp.  Gew.  und  1  VoL  Wasser).  Die  Salzsäure 
wurde  allm&hlich  in  das  Wasserglas  unter  Rühren  eingegossen. 

Dieses  Gemisch  wurde  in  einem  grossen,  flachen  Dialysator 
(19  cm  im  Querschnitt)  in  einer  Schicht  von  4—5  cm  Dicke  in  Messen- 
dem Regenwasser  dialysirt.  Nach  11  Tagen  zeigte  die  Flüssigkeit 
nur  noch  eine  Spur  von  Chlorreaktioo. 

Das  spez.  Gewicht  der  Kieselsäurelösung  nach  der  Dialyse  war 
in  zwei  Fällen  1,009  und  1,005  und  die  Flüssigkeit  zeigte  eine 
schwache  Opalescenz,  welche  beim  Aufbewahren  in  14  Tagen  etwas 
deutlicher  hervortrat.  Doch  war  die  Lösung  ganz  dünnflüssig  uod 
durchsichtig. 

Diese  Lösung  wurde  gleich  in  einem  Kolben  sterilisirt  and  unter 
einem  Watteverschluss  aufbewahrt. 

Ein  anderer  Versuch,  die  Flüssigkeit  in  einer  Schweinsblase  zu 
dialysiren,  misslang,  da  die  Kieselsäure  viel  früher,  als  der  Inhalt 
yon  NaCl  frei  wurde,  darin  gelatinisirte.  Es  scheint  demnach  un- 
entbehrlich zu  sein,  dass  der  zu  dialysirenden  Flüssigkeit  eine 
möglichst  grosse  Oberfläche  gegeben  wird,  da  in  diesem  Falle  die 
Ezosmose  von  NaCl  viel  schneller  geht  und  das  Salz  die  vorzeitige 
Gelatinisirung  der  Kieselsäure  nicht  verursachen  kann;  in  dem  be- 
schriebenen Versuch  mit  der  Schweinsblase  hatte  aber  im  Gegentheil 
die  Flüssigkeit  eine  möglichst  kleine  Oberfläche  und  die  Dialyse 
ging  daher  zu  langsam  vor  sich. 

Nach  den  Vorschriften  von  Kühne  kann  die  Kieselsäurelösung 
bis  zum  spezif.  Gewicht  1,02  abgedampft  werden  und  enthält  dm 
3,4 °/0  Kieselsäure;  diese  Lösung  ist  nach  diesem  Autor  dünnflüssig, 
hat  eine  zweifelhafte  saure  Reaktion  und  ändert  sich  nicht  beim 
Aufbewahren.  Weiter  aber  sagt  er,  dass  auch  die  reinste  MsuDg 
beim  langen  Autbewahren  erstarren  kann.  Ich  habe  für  besser 
gehalten,  die  vom  Dialysator  direkt  genommene  dünnflüssige,  schwach 
saure  Lösung  sterilisirt  aufzubewahren.  Um  aus  dieser  Lösung 
einen  festen  Nährboden  zu  bereiten,  muss  man  dieselbe  bis  zu  eioe» 
gewissen  Grade  abdampfen  und  mit  der  Mährsalzlösung  mischen. 

Für  die  Kultur  der  Nitromonas  muss  man  nach  Winograds- 
ky's  Angaben  ausschliesslich  Mineralsalze  zugeben.  Meine  ersten  Ver- 


1)  Zeitschrift  f.  Biologie.     Band  ZZVll.  1890.  p.  172. 

2)  Annale«  de  l'Institnt  Pastear.  T.  IV.  1891.  Mo.  I. 


Die  KieMUftnregalkrtt  als  Nftfanubitrat  211 

sache,  aas  diesen  und  Kieselsäure  feste  Nährsubstrate  zu  bereiten, 
waren  auch  erfolglos.  Zuerst  habe  ich  probirt  die  ursprüngliche 
Kieselsäurelösung  bis  zur  Hälfte  und  noch  mehr  abzudampfen,  gerade 
bis  zu  dem  Momente,  wo  sie  mit  anderen.  Lösungen  sich  eben  noch 
mischt.  Auf  diese  Weise  habe  ich  eine  dickflüssige,  ölähnliche  Flüssig- 
keit bekommen,  in  welcher  einzelne,  fast  gelatinisirte  Inselchen  von 
Kieselsäare  erschienen.  Diese  dicke  Lösung  wurde  mit  V»— Va  der 
von  Winogradsky  angegebenen  Salzlösung  gemischt  und  bei 
Zimmertemperatur  tüchtig  zusammengerührt.  Niemals  aber  habe 
ich  auf  diese  Weise  eine  spontan  gerinnende  und  später  erstarrende 
Mischung  erhalten. 

Später  habe  ich  dann  weniger  abgedampfte  Kieselsäurelösung 
verwendet  und  mit  verschiedenen  Mengen  von  Salzlösung  gemischt, 
aber  grössere  Mengen  dieser  Gemische  blieben  flüssig  und  zagten 
keine  Neigung  zur  Erstarrung.  Dagegen  gelatinisirten  aber  2—3  Tropfen 
der  abgedampften  Lösung,  mit  1  Tropfen  der  Salzlösung  auf  einem 
Objektträger  zusammengerührt,  nach  einiger  Zeit  ganz  genügend,  um 
sie  für  die  Kultur  zu  gebrauchen.  Um  nun  aber  eine  grössere  Menge 
des  festen  Gemisches  in  Pe  tri 'sehen  Schälchen  zubekommen,  musste 
ich  immer  das  flüssige  Gemisch  aus  Kieselsäure  und  Nährsalzlösung 
in  diesen  Schälchen  auf  einem  Wasserbade  abdampfen.  Die  Er- 
starrung ist  in  diesem  Falle  das  Resultat  der  direkten  Wirkung  der 
Wärme  auf  die  Kieselsäure  einerseits  und  andererseits  der  Kon- 
zentrirung  der  Salzlösung  durch  das  Abdampfen.  Letzteres  setzte 
ich  so  lange  fort,  bis  ich  mich  mittels  einer  Platinnadel  überzeugte, 
dass  die  Oberfläche  des  Substrats  fest  genug  geworden  war. 

Der  auf  diese  Weise  zur  Erstarrung  gebrachte  Inhalt  des 
Sch&lchens  ist  homogen  und  durchsichtig,  enthält  nur  Luftbläschen 
und  einige  Flocken  des  Salzniederschlages.  Die  Nitromonas  ent- 
wickelt sich  sehr  gut  darauf. 

Um  möglichst  homogene  und  homogen  erstarrende  Gemische 
auf  diese  Weise  zu  erzielen,  ist  Aufmerksamkeit  beim  Abdampfen 
der  Kieselsäurelösung  vor  Allem  wichtig.  Nach  den  Angaben  von 
Kühne  ist  es  am  besten,  den  Prozess  in  einer  Platinschale  auf 
freier  Flamme  auszuführen,  da  in  diesem  Falle  keine  so  voluminösen 
Niederschläge  an  den  Wänden  sich  absetzen,  wie  zum  Beispiel  in 
«ner  Porzellanschale.  Kühne  hält  das  Erscheinen  des  Häutchens 
*n  der  Oberfläche  der  Flüssigkeit  für  das  Merkmal  der  genügenden 
Abdampfung.  Ich  habe  während  der  Abdampfung  von  Zeit  zu  Zeit 
<j*s  spezif.  Gewicht  bestimmt  und  gefunden,  dass  das  Häutchen  viel 
früher  erscheint,  als  die  Lösung  zum  Gebrauch  fertig  ist.  Nach 
Kühne  muss  eine  solche  Flüssigkeit  das  spez.  Gewicht  von  1,02 
haben,  in  meinen  Versuchen  war  es  zur  Zeit  des  Erscheinens  des 
Häutchens  fast  unverändert  wie  im  Anfang.  Als  ich  aber  das  spez. 
Gewicht  der  empirisch  genügend  abgedampften  Lösung  bestimmen 
*oMte,  fand  ich  sie  nicht  homogen.  In  diesem  empirisch  gefundenen 
Jtod  für  die  Mischung  genügend  abgedampften  Zustande  hat  die  Flüssig- 
keit ungefähr  die  Haltte  des  ursprünglichen  Volumens,  ist  ziemlich 
dickflüssig  und  in  verschiedener  Tiefe  sieht  man  nadeiförmige  Kry- 
stülchen  schwimmen.    Wenn  man  die  Flüssigkeit  aus  der  Schale  in 

14« 


212  Sleskin, 

ein  Probirgläschen  ausgegossen  bat,  so  sammeln  sich  die  Kryställcben 
in  der  unteren  Schicht.  Die  Bestimmung  des  spezif.  Gewichtes  hat 
gezeigt,  dass  die  untere  Schicht  1,01 — 1,02  hat,  die  obere  aber  nur 
1,005,  wie  am  Anfang  die  ganze  Flüssigkeit. 

Da  für  das  Erstarren  der  Mischung  einer  solchen  Lösung  mit 
der  verdünnten  Salzlösung  die  nachträgliche  Abdampfung  unentbehrlich 
ist,  kann  dieses  Substrat  nur  im  erstarrten  Zustande  infizirt  werden. 
Für  die  Zwecke  der  Isolirung  von  Bakterien  war  es  aber  sehr 
wünschenswerth,  letztere  in  das  noch  flüssige  Kieselsäuregemisch  ein- 
säen, um  dieses  dann  schnell  bei  Zimmertemperatur  erstarren  lassen  zu 
können.  Bei  dem  bisher  beschriebenen  Verfahren  wurde  die  Kiesel- 
säure erst  abgedampft,  dann  mit  der  Salzlösung  verdünnt  und  dann 
abermals  das  überschüssige  Wasser  verdunstet  Zur  Vermeidung 
dieses  zweiten  Abdampfens  lag  es  nahe,  stark  konzentrirte  Salzlösungen 
zu  verwenden;  diese  habe  ich  dann  mit  nicht  ganz  so  stark  einge- 
engter Kieselsäure  gemischt 

Wenn  die  Kieseläure,  wie  Kühne  angibt,  in  einer  Platinschale 
abgedampft  wird,  so  ist  es  schwer,  eine  Verunreinigung  der  Lösung 
durch  aus  der  Luft  hineinfallende  Keime  zu  verhindern.  Man  thut 
daher  besser,  das  Eindampfen  in  einem  Glaskölbchen  unter  Watte 
verschluss  vorzunehmen.  Es  ist  zweckmässig,  an  der  Wand  des 
Kölbchens  ein  Zeichen  zu  machen,  bis  zu  welchem  Volumen  wir 
die  von  dem  oben  erwähnten  sterilisirten  Vorrath  genommene  Menge 
abzudampfen  beabsichtigen.  Dann  bringen  wir  z.  B.  100  ccm  Flüssig- 
keit, die  auf  ungefähr  */6 — */«  ihres  Volumens  abgedampft  wird,  in 
das  sterilisirte  Kölbchen  und  kochen  massig,  bis  das  durch  das  Zeichen 
angegebene  Niveau  erreicht  ist.  An  dieser  Grenze  geht  das  Kochen 
schon  unter  ziemlich  heftigen,  wiederholten  Stössen  vorsieh;  von  Zeit 
zu  Zeit  muss  man  dabei  den  durchsichtigen  Inhalt  ansehen,  ob  die 
oben  beschriebenen  Kryställchen  zu  sehen  sind.  Dann  ist  die  Flüssig- 
keit fertig.  Wenn  die  Abdampfung  schon  zu  weit  vorgeschritten  ist, 
verliert  der  Inhalt  seine  Durchsichtigkeit,  trübt  sich  und  wird  zur 
Mischung  unbrauchbar.  Die  fertige  abgedampfte  Lösung  wird  natür- 
lich in  kaltem  Zustande  benutzt. 

Die  Zusammensetzung  der  Nährsalzlösung  habe  ich  nach  der 
Angabe  von  Winogradsky  genommen,  d.  h. 

Ammoniumsulfat  0,4 

Magnesiumsulfat  0,06 

Kaliumphosphat  0,1 

Calciumchlorat  Spur 

Natriumkarbonat  0,6—0,9 

Destillirtes  Wasser  —  100. 
Während  aber  Winogradsky  zu  dieser  Lösung  direkt  Kiesel- 
säure setzte,  zog  ich  es  vor,  statt  100  Theile  destillirtes  Wasser 
die  bis  zu  dem  oben  erwähnten  Grade  abgedampfte  Kieselsäure  zu- 
zufügen. 

Die  abgewogenen  Quantitäten  der  Nährsalze  werden  dazu  in  ver- 
schiedenen Probirgläschen  getrennt  auf  folgende  Weise  in  möglichst 
wenig  Wasser  gelöst:  1)  Alle  Sulfate;  2)  Kaliumphosphat  und  Soda. 


Die  Ktodaftorcgaltarte  ab  NEhraabstrat  213 

Diese  konzentrirten  Lösungen  und  ausserdem  verdünnte  Chlor- 
caJciumlösung  müssen  dann  auch  getrennt  sterilisirt  und  aufbewahrt 
werden. 

Bei  der  Zusammenmischung  dieser  konzentrirten  Lösungen,  ebenso 
wie  der  verdünnten,  entsteht  immer  ein  Niederschlag  von  Natrium- 
magnesiumphosphat, vielleicht  auch  Calciumsulfat  und  das  Gemisch  riecht 
nach  Ammoniak.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  auf  diese  Weise  die  vor 
Zusatz  der  Kieselsäure  gemischten  Nährlösungen  zu  salzarm  für  das 
Wachsthum  der  Bakterien  und  ausserdem  auch  die  gelöst  gebliebenen 
Salze  zu  schwach  sind,  um  die  Gerinnung  der  Kieselsäure  zu  verursachen. 
Am  besten  ist  es,  die  Nährsalze  nur  mit  der  Kieselsäure  zu  mischen. 
Wenn  die  Kieselsäure  abgedampft  worden  ist,  werden  in  das  Kölb- 
chen  dann  zwei  Probirgläschen  mit  Salzlösungen  nach  einander  ent- 
leert und  jedesmal  gut  zusammengemischt;  einige  Tropfen  der  ver- 
dünnten Chlorcalciunüösung  werden  zuletzt  zugegeben  und  wieder  ge- 
mischt, bis  der  Inhalt  dickflüssig  wird  und  eine  ausgesprochene 
Opalescenz  zeigt.  Im  Gemisch  werden  Flocken  der  ausgefeilten  Salze 
sichtbar,  welche  aber  der  Durchsichtigkeit  nicht  viel  schaden.  Ammo- 
niakgeruch kann  man  auch  spüren.  Die  ölähnliche  Mischung  kann 
dann  in  ein  Petri'sches  Schälchen  gegossen  werden  und  wird  darin 
dann  bei  Zimmertemperatur  langsam  und  spontan  dickflüssiger  und 
nimmt  nach  einigen  Stunden  eine  dicke  Konsistenz  an,  ohne  dass 
nachträgliche  Erwärmung  und  Abdampfung  noth wendig  würde.  Dieses 
Gemisch  kann  daher  im  flüssigen  Zustande  infizirt  werden  und  dabei 
werden  die  eingesäeten  Bakterien  möglichst  einzeln  darin  vertheilt. 

Das  so  vorbereitete  Nährsubstrat  ist  ganz  homogen,  nur  in  der 
untersten  Schicht  sind  die  Flocken  der  Mineralsalze  sichtbar. 

Wenn  die  Kieselsäurelösung  etwas  weniger  konzentrirt  wird,  dann 
bleibt  das  Gemisch  nach  2—3  Tagen  noch  im  Zustande  der  leicht 
zitternden  Gallerte,  die  täglich  etwas  Wasser  ausscheidet.  Dieses 
Wasser  kann  dadurch  entfernt  werden,  dass  mit  einem  sterilisirten 
Messer  ein  Stück  der  Gallerte  herausgenommen  und  das  in  dieser 
Rinne  sich  sammelnde  Wasser  mit  einem  Kapillarrohr  entfernt  wird. 

Für  die  meisten  Versuche  habe  ich  die  Kieselsäure  mit  1,15— 
1,45  °/0  Mineralsalzen  versetzt ;  bei  der  Anwendung  von  2—3  °/0  geht 
die  Erstarrung  viel  schneller  vor  sich.  Ob  diese  erhöhte  Konzentration 
für  das  Bakterienwachsthum  ebenso  günstig  ist,  müssen  spezielle  Ver- 
suche entscheiden. 

Göttingen,  Pflanzenphysiologisches  Institut,  den  25.  Juli  1891. 


214    Ludwig,  Ueber  das  Vorkommen  d«s  M oschusptUet  im  8«Mus  d.  Binmt. 


Ueber  das  Vorkommen  des  Moschuspilzes  im  Saftfluss 

der  Bäume. 

Von 

Prof.  Dr.  F.  Ludwig. 

Indem  Blutungssaft  der  Linden  im  Fürst).  Park  zu  Greiz 
tritt  in  diesem  Jahre  seit  Kursem  ein  Pilzschleim  auf,  der  bei  schmutiig- 
weisslichem  bis  gelblichem  Aussehen  gallertig  knorpelartige  Kon- 
sistenz besitzt  und  längs  der  Bäume  hcrabläuft  Wie  die  Urheber  des 
weissen  und  rothen  Schleimflusses,  Endomyces  vernalis  und 
Rhodomyces  dendrorhous,  unterhält  der  Pilzschleim  den  Saft- 
fluss der  Bäume  während  langer  Zeit  und  wird  hierdurch  dem  Baume 
schädlich.  Mikroskopische  Untersuchung  des  Pilzschleimes  ergab, 
dass  an  den  Linden  des  Parkes  alle  übrigen  Organismen  überwog  ein 
Leptothrix  ähnlicher  Spaltpilz  und  ein  Fusarium,  wie  ich  es  auch 
anderwärts  in  Schleimflüssen  getroffen  (gleichfalls  mit  einem  Lepto- 
thrix oder  einer  Beggiatoa  zusammen  sehr  üppig  auf  einem 
frischen  Stumpf  einer  mächtigen,  vorher  gesunden  Buche,  die  des  Bahn- 
baues wegen  bei  Schmalkalden  gefällt  worden  war,  hier  aber  in  lebhaft 
tiefrother  Färbung ;  vereinzelt  auch  im  Birkenfluss).  Die  Abhandlung  von 
G.  von  Lagerheim  über  Fusarium  aquaeductuum  Lagerheim 
machte  es  mir  wahrscheinlich,  dass  der  Pilz  des  Lind  enschleim- 
flusses  des  Greizer  Parkes  gleichfalls  zu  dieser  Art  gehöre, 
da  er  morphologisch  völlig  damit  übereinstimmt  und  dem  Linden- 
schleim  einen  starken  charakteristischen  Geruch  (zuweilen  safranartig, 
zuweilen  an  Karbolsäure  erinnernd)  verleiht.  Kultur  des  Fusa- 
riums in  Peptonnährgelatine  bestätigte  dies.  Schon  nach  2  Tagen 
machte  sich  ein  penetranter  Moschusgeruch  bemerkbar  und  während 
der  Lindenschleim  nichts  Röthliches  hatte,  waren  die  durch  Coremiam- 
bildung  igelähnlichen  Pilzrasen,  welche  von  der  Gelatine  in  die  Luft 
hinein  wuchsen,  röthlich  gefärbt  Es  ist  also  der  im  Schleimfluss  der 
Linden  und  Buchen,  vermuthlich  auch  anderer  Bäume,  vorkommende 
Mycomycetmit  viertheiligen  Sichelsporen,  der  durch  seinen  charakte- 
ristischen Geruch  diese  Schleimflüsse  von  anderen  sofort  unterscheiden 
lässt,  kein  anderer,  als  der  von  Kitasato  als  Moschuspilz,  Fusi- 
sporium  moschatum  Kitasato,  beschriebene  Pilz,  der  jedoch 
nach  den  Untersuchungen  von  G.  von  Lagerheim  (vgl.  Centralbl. 
für  Bakteriol.  Bd.  IX.  1891.  No.  20.  p.  655  ff.)  mit  dem  in  Wasser 
leitungen  und  dem  Nutzwasser  der  Mühlen  gefürchteten  Fusarium 
aquaeductuum  v.  Lagerh.  (Selenosporium  aquaeductuum 
Rabh.  et  Radlkof.)  identisch  ist  und  wahrscheinlich  in  den  Ent- 
wickelungskreis  eines  *  Hypomyces-  ähnlichen  Ascomyceten 
gehört. 

Greiz,  den  2.  Juni  1891. 


Braun,  Die  sogenanato  „freischwimmende  8porocysteu.  215 


Die  sogenannte  „freischwimmende  Sporocyste". 

Von 

H.  Braun, 

Direktor  des  aoolog.  Museums  in  Königsberg  i.  Pr. 

üoter  der  Bezeichnung  „free  swimming  sporocyst"  hat  E.  Ram- 
«ay  Wright  (American  Naturalist  Vol.  XIX.  1885.  p.  310-311) 
ein  eigentümliches  Entwickelungsstadium  eines  Distomum  be- 
schrieben, das  er  freischwimmend  im  süssen  Wasser  angetroffen  hat. 
Da  mir  die  Originalmittheilung  z.  Z.  nicht  zugänglich  ist,  erwähne 
ich  kurz  das,  was  die  Jahresberichte  angeben:  der  Neapler  Bericht 
(1885.  Vernies.  p.  22)  bemerkt  nur:  „Wright  will  eine  Sporocyste 
mit  einer  Cercarie  darin  im  Süßwasser  aktiv  schwimmend  gefunden 
haben44 1  Li n stow  schreibt  in  dem  im  Archiv  für  Naturgeschichte 
erscheinenden  Bericht  (51.  Jahrg.  1885.  Bd.  IL  Bericht  über  Hel- 
minthen pro  1885.  p.  25),  dass  diese  sich  sehr  lebhaft  bewegende 
Sporocyste  in  einem  Süsswasseraquarium  beobachtet  worden  ist; 
sie  erinnert  in  ihrer  Gestalt  an  eine  Cercarie  mit  gegabeltem  Schwanz 
nnd  enthält  eine  einzige,  schwanzlose  Cercarie.  Die  Aussenfläche 
der  Sporocyste  ist  mit  Tastpapillen  besetzt,  Muskulatur  und  Gefäss- 
8ystem  sind  gut  entwickelt. 

Ausführlicher  berichtet  Leuckart  (Die  Parasiten  des  Menschen 
etc.  2.  Aufl.  Bd.  IL  p.  102—103)  nach  Untersuchung  des  einzigen, 
von  R.  Wright  in  Toronto  zwischen  Wasserpflanzen  und  Mollusken 
gefundenen  Exemplares,  das  in  Querschnitte  zerlegt  war.  „Der 
Warm  —  schreibt  Leuckart  —  hat  einen  cylindrischen  Körper 
von  nahezu  1  mm  Länge,  besitzt  aber,  abweichend  von  dem  sonstigen 
Verhalten  der  Sporocysten,  m  eine  fast  durchsichtige  Beschaffenheit 
und  trägt  am  hinteren  abgeplatteten  Leibesende  zwei  flügelartige, 
flache  Flossen,  die  während  des  Lebens  in  beständig  klappender 
Bewegung  begriffen  sind  und  von  Ramsay  Wright  mit  dem 
Spaltschwanze  gewisser  Cercarien  verglichen  werden,  andererseits 
Aber  auch  durch  ihre  Beziehung  zu  dem  Wurmkörper  an  die  Fusa- 
stummel  der  Redien  erinnern.  Im  Innern  der  Sporocyste  ist  ein 
einziges,  verhältnissmässig  grosses  und  schwanzloses  Distomum  ent- 
halten." Es  folgen  dann  Angaben  über  die  kräftig  entwickelte  Längs- 
und  Ringmuskulatur,  die  Cuticula,  Tastwärzchen  und  das  Parenchym. 

Leuckart  weist  auch  auf  die  ebenfalls  aus  ihren  Wirtben 
(S u c c i n e a)  auswandernden  Leucochloridium schlauche  hin, 
welche  kriechend  wie  fusslose  Insektenlarven  sich  bewegen  und  wie 
die  Wright 'sehe  Sporocyste  schwanzlose  Cercarien  enthalten,  die 
in  jungen  Vögeln  zu  Distomum  macrostomum  auswachsen 
(vgl.  d.  CentralbL  Bd.  VI.  1889.  p.  357). 

Der  Form  nach  ganz  denselben  Entwickelungszustand  eines 
Distomum  habe  ich  in  einem  meiner  Aquarien  beobachtet,  in 
welches  ich  aus  dem  auch  in  ornithologischer  Beziehung  interessanten 


216  Braun, 

Bruch  bei  Rossitten  (auf  der  kurischen  Nehrung)  stammende  Schnecken 
eingesetzt  hatte;  ich  war  in  hohem  Grade  überrascht,  am  Morgen 
des  29.  Juni  in  diesem  Behälter  neben  Gercarien  verschiedener  Treina- 
toden    auch    freischwebende    oder    sich    wie   Mückenlarven    lebhaft 
bewegende,  fast  durchsichtige  Wesen  zu  finden,  die  mir  sofort  die 
Leuckart'sche  Abbildung  (1.  c.  p.  102.  Fig.  65)  der  „freischwimmen- 
den Sporocyste"  ins  Gedächtniss  riefen.    Es  handelt  sich  um  6  mm 
lange  T-lörmige  Körper  von   bandförmigem  Querschnitt,    deren    uu- 
paarer  Schenkel  nach  unten  zu  kolbig  verdickt  ist,   während   er  in 
der  Mitte   verjüngt  erscheint    und   nach   oben  in  zwei  blattartige, 
bewegliche  Anhänge  von   etwa  1,5  mm  Länge  übergeht    Die  ver- 
jüngte Mitte   wie  das  kolbige  Ende  sind  mit  relativ  grossen  „Tast- 
wärzchen11 besetzt,  die  an  letzterem  in  4—5  Ringen  stehen.    Mit 
blossem  Auge  bemerkt  man  in  dem  kolbigen  Ende  einen  etwa  steck- 
nadelkopfgrossen,  undurchsichtigen,  gelben  Körper,  der   bei  Unter- 
suchung mit  dem  Mikroskop  leicht  als  ein  Distomum  erkannt  wird. 
Dieses  liegt  meist  gekrümmt  d.  h.  bauch  wärts  eingeknickt,  in  einem 
durch  eine  Membran  abgegrenzten  Hohlraum;  nach  längerem  Druck  des 
Deckglases  streckt  sich  das  Distomum  und  lässt  ausser  dem  Darm, 
der  einen  gelben,  körnigen  Inhalt  führt,  und  den  beiden  Saugnäpfen 
noch  die  Anlagen  der  beiden  Hoden  und  des  Keimstockes  erkennen, 
welche  hinter  dem  Bauchsaugnapf  liegen;  letzterer  ist  grösser,  als 
der  Mundsaugnapf.     Der    T-förmige  Körper   des  Thieres    ist    fast 
völlig  durchsichtig,   doch  ist  der    kolbige  Theil  sowie    die    beiden 
Flügel  oder  Schwanzklappen  und  der  daran  sich  ansetzende  Theil 
des  unpaaren   Schenkels  an   den  Rändern  gelb  gefärbt,  was  schon 
mit    unbewaffnetem   Auge  gesehen    wird.      Das   gelbe   Pigment  ist 
in   feinsten  Körnchen   vorhanden,   die  in  netzartigen   Zügen  ange- 
ordnet sind.    Reich  entwickelt    sind    besonders   die  Längsmuskelo, 
namentlich  am  Uebergange  des  unpaaren  Schenkels  in  die  Schwanz- 
klappen, wie  auch  in  diesen  selbst.    Wie  schon   Leuckart  angibt, 
findet  man  in  dem  freien  Ende  des  unpaaren  Schenkels  ein  „gross- 
blasiges  Bindegewebe11,  das  nach  den  Flügeln   und  in  diesen  selbst 
in  ein  reticuläres  Gewebe  übergeht.    In  der  Mittellinie  des  unpaaren 
Schenkels  erkennt  man  zwei  Längskanäle,  deren  Verhalten  an   dem 
kolbigen  Ende  ich  nicht  genügend  sicher  eruiren  konnte;  sie  nehmen 
gelegentlich  sich  verzweigende  Seitenästchen  auf  und  treten  dann  zu 
je  einem  in  die  Mittellinie  der  beiden  Flügel  ein,  an  deren  freiem  Ende 
sie  ausmünden.    Auch  in  den  Flügeln  erhalten   sie  Seitenzweige; 
grosse  birnförmige  Zellen,  die  man   überall  im  Körper  oberflächlich 
liegen   sieht,  scheinen   mit  dem   Gefässsystem ,  das  zweifellos   den 
Exkretionsgefässen   der  Trematoden    entspricht,    in   Verbindung    zu 
stehen;   sie  würden    demnach   die  Terminalzellen    (Wimpertrichter) 
darstellen.    Eine  Wimperung  hahe  ich  nirgends  gesehen,  doch  ge- 
legentlich eine  Erweiterung  und  Verengerung  der  beiden,  eine  klare 
Flüssigkeit  enthaltenden  Hauptstämme,  die  auch  auf  konservirten  Ob- 
jekten deutlich  zu  erkennen  sind. 

Die  Oberfläche  wird  von  einer  cuticulaartigen  Membran  gebildet, 
die  sich  bei  längerem  Verweilen  des  Thieres  unter  dem  Deckglas  in 
grösseren  Blasen  abhebt;  kernartige  Bildungen,  die  Leuckart 
erwähnt,  habe  ich  in  der  Membran  noch  nicht  finden  können. 


Die  sogenannte  „freischwimmende  Sporocjste**.  217 

Offenbar  liegen  hier  dieselben  Zustände  vor,  die  Rarasay 
Wright  in  einem  Exemplar  entdeckt  hat  und  gleich  Leuckart 
als  freischwimmende  Sporocysten  anspricht,  doch  handelt  es  sich  sicher 
um  eine  andere  Art.  In  der  Ruhe  liegen  diese  Thiere  entweder  auf 
einer  Flachseite  und  mit  geschlossenen  Flügeln  auf  dem  Boden,  oder 
sie  schweben,  mit  dem  kolbigen  Ende  nach  unten  und  mit  ausge- 
breiteten Flügeln  im  Wasser,  um  ganz  spontan  lebhafte  Schwimm- 
bewegungen zu  vollführen,  wobei  das  Schwanzende  mit  den  Flügeln 
rasch  nach  der  einen  und  dann  nach  der  andern  Seite  geschlagen 
wird.  Durch  diese  Krümmungen  des  Körpers,  die  durch  das  ab- 
wechselnde Zusammenziehen  der  Längsmuskulatur  der  entsprechen- 
den Körperhälften  bewirkt  werden,  schwimmen  sie  wie  die  Mücken- 
larven im  Wasser  umher,  um  dann  wieder  entweder  schwebend  zu 
ruhen,  oder  auf  den  Boden  des  Gefässes  zu  sinken,  von  dem  sie  sich 
durch  die  gleichen  Bewegungen  gelegentlich  wieder  erheben  —  meist 
alle  auf  einmal. 

Zunächst  kam  es  mir  darauf  an,  zu  konstatiren,  aus*  welchen 
Schnecken  diese  scheinbaren  „Sporocysten14  ausgeschlüpft  waren; 
ich  trennte  demnach  die  in  demselben  Behälter  befindlichen  Schnecken 
nach  den  Arten  (Planorbis  corneus,  Limnaeus  stagnalis 
und  Limnaeus  palustris  var.  corvus),  und  fand  am  nächsten 
Morgen  in  dem  Gefäss,  in  welchem  allein  die  letztgenannte  Art  sich 
befand,  noch  ein  Dutzend  der  „Sporocysten1',  bei  den  anderen  Arten 
aber  keine  einzige.  Damit  war  sichergestellt,  dass  die  „Sporocysten44 
in  Limnaeus  palustris  var.  corvus  gross  werden  müssen. 
Da  ich  jüngere  Stadien  derselben  zu  finden  hoffte,  so  tödtete  ich  die 
14  Exemplare,  die  ich  von  dieser  Art  aus  dem  Bruch  bei  Rossitten 
mitgebracht  hatte;  neun  erwiesen  sich  ganz  frei  von  Entwickelungs- 
stadien  von  Treroatoden,  vier  besassen  zahlreiche,  kleine  Redien  mit 
kleinen  Cercarien  und  in  einem  einzigen  fand  ich  1,5 — 2  cm 
lange,  etwa  0,75 — 1,0  mm  dicke,  hellgelbe,  durchscheinende  Schläuche 
in  grösserer  Anzahl,  die  mit  dem  einen  Ende  theils  am  Dach  der 
Lungenhöhle,  theils  aber  auch  zwischen  der  Leber  festsassen  und 
mit  dem  anderen  frei  in  die  Leibeshöhle  hereinhingen. 

Nach  kurzer  mikroskopischer  Untersuchung  dieser  Schläuche, 
die  sich  als  Sporocysten  erwiesen,  konnte  ich  bald  erkennen,  dass 
in  ihnen  unsere  „freischwimmenden  Sporocysten44  entstehen  —  aber 
als  Cercarien!  Es  liessen  sich  alle  Stadien  von  ovalen  Keim- 
körpern bis  zu  ausgebildeten  Cercarien  mitunter  in  demselben  Schlauche 
auffinden.  Während  anfangs  der  Vorderkörper  wie  gewöhnlich  den 
Schwanz  an  Grösse  bedeutend  übertrifft,  gewinnt  bald  der  letztere 
das  Uebergewicht;  er  bekommt  dann  die  Gabelung  am  Hinterende, 
sein  Vorderende  wird  kolbig  aufgetrieben  und  erhält  bald  ebenso  wie 
das  verjüngte  Mittelstück  die  Papillenringe  —  kurz  der  Schwanz 
dieser  grossen,  in  Sporocysten  sich  entwickelnden  Cercarien  gewinnt 
bald  die  gleiche  Organisation,  wie  die  „freischwimmende  Sporocyste44; 
nur  enthält  letztere  ihr  Distomum  in  dem  vorderen  Abschnitte 
des  Schwanzes,  während  dasselbe  bei  ersterer  in  genau  der  gleichen 
Aasbildung  dem  Schwänze  anhängt  und  den  Vorderkörper  einer 
Cercarie  mit  Gabelschwanz  vorstellt. 


218  Braun,  IN«  sogenannte  „frrisehwinnMnd«  Sporoeytte". 

Innerhalb  der  Sporocysten  aus  Limnaeus  palustris  habe 
ich  immer  nur  den  normalen  Cercarienzustand  gefunden  und  ausser- 
halb der  Schnecke,  im  Wasser  den  Zustand  der  „freischwimmenden 
Sporocyste",  bei  dem  das  Distomum  im  kolbigen  Vordertheü  des 
Schwanzes  lag.  Es  liegt  nun  nahe,  anzunehmen,  dass,  nachdem  diese 
Oabelscbwanzcercarien  ihre  Mutterschläuche  verlassen  haben  und  m> 
umgebende  Wasser  gelangt  sind,  sie  den  Vorderkörper  in  den  A&- 
fangstheil  des  Schwanzes  einziehen. 

Direkt  beobachtet  habe  ich  diesen  Vorgang  allerdings  nicht,  da 
ich  erst  durch  Untersuchung  der  ahgetödteten  Mutterschlaoche  znrl 
Kenntniss  des  Sachverhaltes  gekommen  bin,  ich  kann  aber  anführen 
dass  das  Einscblüpfen  des  Vorderkörpers  der  Cercarie,  das  künftige 
Distomum,  in  den  Schwanz  noch  dadurch  wahrscheinlich  gemach; 
wird,  dass  der  kolbige  Schwanztbeil  während  des  CercarienzusUnded 
d.  h.  so  lange  er  in  der  Sporocyste  sich  befindet,  einen  deutlich  und 
leicht  nachweisbaren  Hohlraum  erkennen  l&sst,  und  dass  ein  Strang 
von  Fasern  in  das  Hinterende  des  Vorderleibes  tritt  Schon  Leu" 
ckart  erw&hnt  vorn  an  der  „freischwimmenden  Sporocyste"  eineubr- 
glasartige  Vertiefung  —  sie  ist  nichts  Anderes,  als  die  bestehen 
bleibenden  Kommunikation  des  Hohlraumes,  in  welchen  das  Disto- 
mum eingeschlüpft  ist,  mit  der  Aussen  weit. 

Wir  haben  es  demnach  in  den  sogenannten  „freischwimmende* 
Sporocysten44  nicht  mit  solchen,  sondern  mit  Cercarieo  n 
thun,  deren  Vorderleib  (das  Distomum)  in  den  eignen  Schwanztheil 
hineinkriecht  und  dort  verharrt.  Wie  bei  den  gewöhnlichen  Orcanrn 
ist  auch  hier  der  Schwanz  das  Lokomotionsorgan ;  die  Gabelung  des 
Schwanzes  kommt  ja  bekanntlich  auch  bei  anderen  Cercarien  vor 
ob  bei  diesen  auch  die  Exkretionsorgane,  welche  bis  an  die  Enden 
der  Schwanzklappen  reichen,  daselbst  ausmünden,  ist  nicht  bekannt 

Hat  der  Fall  somit  nach  der  einen  Seite  an  Interesse  verlort« 
da  man  es  mit  einer  Cercarie  und  nicht  mit  einer  freischwimmender 
Sporocyste  zu  thun  hat,  so  hat  er  doch  auch  nach  der  anderen  Seitt 
gewonnen,  obgleich  er  in  dieser  Beziehung  nicht  ohne  Analogie  *ti 
ich  habe  hier  auf  die  Cercaria  cystophora  Wagener's  (Müll 
Arch.  f.  Anat  u.  Phys.  18<>6.  pg.  145—150-  Taf.  VI)  hinzuweisen,  bei 
welcher  sich  aus  dem  vorderen  Theile  des  Schwanzes  ein  Becbei 
bildet,  in  welchen  der  Vorderkörper,  das  Distomum,  mitsamt 
dem  übrigen  Schwänze,  der  nach  vorn  gerichtet  ist,  sich  volMändig 
zurückziehen  kann.  Nach  Leu  ckart  (I.  c.  pg.  146)  wird  flbri^ 
der  Schwanz  von  C.  cystophora  kaum  jemals  zum  Schwimmen 
benutzt.  Noch  ähnlicher  verhält  sich  C.  macrocerca,  bei  wel- 
cher sich  das  vordere  verdickte  Ende  des  ungewöhnlich  grossen 
Schwanzes  (Leuckart  1.  c.  pg.  147.  Anm.)  becherförmig  erhebt  und 
zu  einem  gehäuseartigen  Cuticulargebilde  wird,  in  welches  der  Wurm- 
körper  sich  beim  Schwimmen  einsenkt.  An  diese  Formen,  namentlich 
an  die  letztere,  schliefst  also  unsere  Cercarie,  die  einstweilen  *'s 
Cercaria  mirabilis  gehen  mag,  an. 

Zu  welcher  Distomumart  gehört  nun  unsere  Cercarie?  ^ 
diese  Frage  kann  ich  leider  keine  Antwort  geben,  da  die  Versuche, 
das    Distomum    gross    zu    ziehen,    fehl    geschlagen    sind.    D* 


Lehrbücher.  219 

der  Vorderkörper  dieser  Cercarien,  das  künftige  D  i  s  t  o  m  o  m,  die  Ge- 
schlechtsorgane schon  angelegt  hat,  dasselbe  auch  bereits  einge- 
kapselt ist,  und  da  die  ganze  Bewegung  der  Thiere  darauf  berechnet 
erscheint,  Aufmerksamkeit  zu  erregen,  um  verschluckt  zu  werden,  so 
schien  es  mir  wahrscheinlich,  dass  hier,  wie  bei  Distomum  ma- 
crostomum  (Leucochloridium  paradoxum  aus  Succinea. 
amphibia)  ein  zweiter  Zwischen wirth  und  eine  Einkapselung  in 
demselben  weggefallen  ist;  ich  nahm  daher  an,  dass  direkte  Ueber- 
tragung  in  im  Wasser  lebende  Thiere  das  gewissermaassen  schon 
eingekapselte  Distomum  reifen  lassen  wird.  Um  dies  zu  erzielen, 
setzte  ich  zu  drei  Goldfischen  —  andere  lebende  Fische  waren  nicht 
zu  beschaffen  —  etwa  15  Cercarien,  die  auch  durch  ihre  Bewegungen 
und  die  lebhaft  gelbe  Farbe  sofort  die  Aufmerksamkeit  erregten  und 
Dach  wenigen  Minuten  von  zwei  Fischen  verschluckt  waren.  Zwei 
Tage  nach  der  Fütterung  untersuchte  ich  den  Darm,  die  Muskulatur 
und  die  Augen  der  Fische  —  aber  ganz  vergeblich.  Trotzdem  halte 
ich  den  Weg  —  direkte  Uebertragung  —  für  den  richtigen,  werde 
aber  andere  Fische  wählen,  wenn  es  gelingt,  geeignetere  Vorrich- 
tungen fOr  derartige  Versuche  im  Königsberger  zoologischen  Museum 
zu  beschaffen.  Eine  Untersuchung  an  Ort  und  Stelle,  die  vielleicht 
ebenfalls  Aufschluss  geben  wird,  kann  erst  in  den  Ferien  stattfinden, 
wird  aber  vielleicht  zu  spät  sein. 

Königsberg  i.  Pr.,  den  4.  Juli  1871. 


Referate. 


Holst,  A.,  Uebersicht  über  die  Bakteriologie  für  Aerzte 
und  Studirende.  Autorisirte  Uebersetzung  au3  dem  Norwegi- 
schen von  Oscar  Beiher.    Basel  (Salemann  u.  Bonacker)  1891. 

Das  ungeheuere  Anwachsen  der  bakteriologischen  Litteratur  in 
den  letzten  Jahren  macht  es  selbst  dem  engeren  Fachmann  nahezu 
unmöglich,  auf  der  Höhe  der  Situation  zu  bleiben  und  das  nunmehr 
so  enorm  verbreitete  Gebiet  der  Bakteriologie  vollständig  zu  über- 
sehen. Allerdings  besitzen  wir  in  Baum  gar ten's  Jahresberichten 
ein  orientirendes  Werk  ersten  Ranges;  es  ist  aber  eben  nur  für  Fach- 
männer geschrieben  und  setzt  natürlich  eine  gründliche  sachliche 
Kenntniss  voraas. 

Hol  st 's  Werk  hat  nicht  diese  hoch  wissenschaftliche  Bedeutung, 
da  es,  wie  schon  der  Titel  besagt,  einen  anderen  Zweck  erfüllt,  in- 
dem es  dem  Bedürfnisse  nach  Kenntniss  der  bisherigen  Errungen- 
schaften auf  dem  Gebiete  der  Bakteriologie  entgegenkommt,  wie  es 
heutzutage  jeder  strebsame  Arzt  und  Student  empfindet. 

Diesem  Bedürfnisse  kommt  aber  H.  in  seinem  Werke  in  einer 
Weise  nach,  die  nicht  nur  tiefes  Wi>s<>n,  sondern  auch  ein  hohes 
Maass  von  Eignung  verräth,  sein  Wissen  auch  zum  Gemeingute 
anderer,  auch  solcher  zu  machen,  die  der  Lehre  über  die  pathogeuen 


220  Indolbildnng  der  Bakterien.  —  Diphtherie. 

Mikroorganismen  als  Laien  gegenüberstehen,  und  wir  können  dem 
Uebersetzer  nur  Dank  wissen  dafür,  dass  er  uns  ein  Werk  zugäng- 
lich gemacht  hat,  welches,  sowohl  was  dessen  Inhalt,  als  auch  An- 
ordnung des  Stoffes  anbelangt,  anstandslos  zur  Grundlage  von  Vor- 
trägen zu  Unterrichtszwecken  gemacht  werden  kann.  Die  Ausstattung 
des  Buches  ist  dessen  Inhalte  ebenbürtig.     Kamen  (Czernowitz). 

Lewandowsky,  Ueber  Indol-  und  Phenolbildung  durch 
Bakterien.    (Dtsch.  med.  Wochenschr.  1890.    No.  51.) 

Nachdem  bereits  E.  Baumann  das  Phenol  unter  den  Fäulniss- 
produkten  der  Eiweisskörper  nachgewiesen  hat,  und  nachdem  Kita- 
sat o  und  W  ey  1  gezeigt  haben,  dass  der  auf  K o  c  h  'scher  Fleischbrühe 
gezüchtete  Tetanusbacillus  Indol  und  Phenol  bildet,  prüfte  der  Verf. 
unter  der  Leitung  Weyl's  im  Berliner  hygienischen  Institut  eine 
Reihe  von  Bakterien  auf  ihre  Fähigkeit,  die  beiden  Stoffe  zu  er- 
zeugen. Phenol  galt  als  nachgewiesen,  wenn  das  Destillat  der  zu 
20°/0  mit  starker  Salzsäure  versetzten  Bakterienkultur  unter  Brom- 
wasserzusatz einen  flockigen  Niederschlag  lieferte.  Das  Vorhanden- 
sein von  Indol  bewies  eine  Rothfärbung  der  Kultur  bei  Zusatz  von 
40°/p  einer  verdünnten  Schwefelsäure  (1 :3)  und  von  einigen  Tropfen 
Natriumnitrit. 

Nach  den  Versuchen  des  Verf.'s  bilden  weder  Indol  noch 
Phenol:  Typhus,  Milzbrand,  Bact  Zopfii,  subtilis,  Wurzel- 
bacillus,  Schweinepest,  Schweinerothlauf,  Mäuseseptikämie,  Diphtherie, 
Tetragenus,  Staphylococcus  aureus  und  albus,  Oldium 
lactis. 

Nur  Indol,  kein  Phenol  bilden:  Cholera,  Metschnikow, 
Finkler,  Deneke,  Emmerich,  Brieger. 

Indol  und  Phenol  bilden:  Schweineseuche,  Hühnercholera, 
Kaninchenseptikämie,  Wildseuche,  Frettchenseuche,  Rotz,  Kartoffelba- 
cillus,  Proteus,  Milchsäurebacillus. 

Verf.  hebt  hervor,  dass  Schweinerothlauf  und  Schweinepest  weder 
Indol  noch  Phenol  erzeugen  und  sich  durch  diese  Eigenschaft  besser, 
als  bisher  von  Schweineseuche,  Hühnercholera  u.  s.  w.  unterscheiden 
lassen.  Kubier  (Berlin). 

Oertel,  Deber  das  diphtherische  Gift   und  seine   Wir- 
kungsweise.   (Dtsch.  med.  Wochenschr.  1890.  No.  45.) 
Auf  Grund   eigener  früherer  Forschungen  und  neuer  mikrosko- 
pischer Untersuchungen,    sowie    mit   Bezug   auf  die   Arbeiten  von 
Loeffler,  Roux-Yersin,  Brieger  u.  A.  spricht  Verf.  seine  An- 
schauungen über  die  Diphtherie  ungefähr  in  der  folgenden  Weise  aus: 
Die  Loeffl er' sehen  Bacillen  finden   sich  im  Allgemeinen  nie- 
mals in  der  Blutbahn  oder  in    inneren  Organen,   sondern    nur  in 
frischen  diphtherischen  Auflagerungen ;  bei  länger  bestehender  Krank- 
heit gehen  sie  in  der  allgemeinen  Nekrose  zu  Grunde.     Das  von 
ihnen  erzeugte  Gift,  welches  bereits  von  Loeffler  wie  von  Roux 
und  Yersin  isolirt,  zuletzt  von  Brieger,  als  schneeweisse,  amorphe, 
krümelige  und  sehr  leichte  Masse  ganz  rein  dargestellt  und  analysirt 
wurde,  entsteht  aus  dem  Gewebseiweiss  durch  Umlagerung  und  Ver- 


Diphtherie.  221 

änderung  der  Atomgruppen  und  besitzt  höchstwahrscheinlich  die 
Eigentümlichkeit,  dass  es  in  Ferment  ähnlicher  Weise  beim  Zutritt 
an  intakte  Eiweisskörper  auch  diese  umzuwandeln  im  Stande  ist, 
bis  der  lebende  Organismus  durch  eigene  Kraft  auf  bisher  unbe- 
kanntem Wege  diesen  in  ihm  vorgehenden  chemischen  Prozessen  ein 
Ziel  steckt  Die  Wirkung  des  diphtherischen  Giftes  auf  die  Zellen 
und  organisirten  Elemente  des  Körpers  richtet  sich  nach  der  Quan- 
tität, in  welcher  es  vorhanden  ist.  Bei  grosser  Konzentration  und 
Menge  des  Giftes  kommt  es  rasch  zu  einer  nekrobiotiscben  Er- 
weichung der  Zellen,  welche  mit  Veränderungen  des  Zellkerns  ein- 
setzt. Gleichzeitig  erfährt  das  Bindegewebe  und  die  Muskelsubstanz 
eine  Umwandlung  in  Hyalin.  Diese  Umwandlungsprodukte  ergiessen 
sich  aus  den  grösseren  und  kleineren  Erweichungsherden  der  ober- 
flachlichen  und  tiefen  Schichten,  um  dann  die  Pseudomembranen  zu 
bilden. 

Auf  solche  Weise  äussert  sich  die  Wirkung  des  Giftes  nicht  nur 
ap  den  Eingangspforten  der  Krankheit,  sondern  auch  in  den  Cer- 
vikal-  und  Bronchialdrüsen,  in  der  Milz  und  im  Gefässapparat, 
wenngleich  in  dem  letzteren  die  hyaline  Degeneration  häufig  ohne  Ne- 
krobiose  eintritt.  Dagegen  hat  Verf.  diese  Art  der  diphtherischen 
Erkrankung  in  den  anderen  Organen  vermisst.  Hier  kommt  es  ge- 
wöhnlich zu  einer  —  sonst  der  geringeren  Wirkung  des  Giftes  ent- 
sprechenden —  entzündlichen  Reaktion,  welche  sich  je  nach  der  Art 
des  betroffenen  Organes  verschieden  äussert,  häufig  und  zwar  be- 
sonders in  und  unter  den  serösen  Häuten  zu  kleinen  Hämorrhagieen, 
deren  Ursache  bei  dem  Fehlen  von  fettiger  Entartung  oder  von  an- 
deren histologischen  Veränderungen  in  der  Wand  der  kleinsten  Ge- 
fässe  und  Kapillaren  lediglich  in  der  leichten  Zerreisslichkeit  der 
Gefässwandungen  durch  Ablösung  der  einzelnen  Zellen  von  einander 
in  Folge  der  Einwirkung  des  diphtherischen  Giftes  zu  suchen  ist. 

Für  die  Therapie  der  Krankheit  ist  es  wichtig,  zu  beherzigen, 
dass  einerseits  Immunisirungsversuche  bisher  ganz  erfolglos  blieben, 
(der  Aufsatz  ist  noch  vor  der  Veröffentlichung  der  Behring-Kita- 
sato 'sehen  Untersuchungen  über  Diphtherie-Immunität  erschienen), 
und  dass  andererseits  die  Bildungsstätte  des  diphtherischen  Giftes 
in  und  unter  den  Pseudomembranen,  d.  h.  der  Ansiedelungsstätte 
der  Bacillen,  zu  suchen  ist.  Es  wird  daher  trotz  aller  entmutigenden 
Fehlergebnisse  immer  wieder  die  Desinfektion  der  Auflagerungen  an- 
gestrebt werden  müssen,  und  hält  der  Verf.  in  Uebereinstimmung  mit 
Roux  und  Y er  sin  zu  diesem  Zweke  die  1 — 2 stündliche,  2—3  Mi- 
nuten währende  Anwendung  der  5°/0  Karbolsäure  in  Dampfform 
für  das  geeignetste  Mittel. 

Ref.  möchte  hierzu  bemerken,  dass  er  von  der  Anwendung  der 
0,3 °/*o  Thymollösung  in  der  von  Gros  vorgeschlagenen  Weise  (alle 
4-10  Minuten  10  Tropfen  unverdünnt  einzunehmen;  vgl.  Referat  in 
dieser  Zeitschrift.  Band  VIII.  No.  14)  sehr  gute  Erfolge  gesehen 
hat  und  eine  Bestätigung  dieser  Beobachtung  in  der  hervorragend 
desinfizirenden  Wirkung  der  Thymollösung  auf  Diphtheriebacillen 
findet,  welche  Loeffler  kürzlich  festgestellt  hat.  (Vgl.  Dtsch.  med. 
Zeitschr.  1891.  No.  10.  S.  356.)  Kubier  (Berlin). 


222  Pneumoniecoccus  als  Gihrungserreger. 

Frankland,  Percy,  F.,  Stanley,  Arthur  and  Frew,  WM  Fermen- 
tationsinducedbythePneumococcusofFriedländer. 
(Transactions  of  the  Chemical  Society  of  London.  1891.) 
Deber  die  Gährung,  welche  der  Friedl&n  der  'sehe  Pneumonie- 
coecus  in  Trauben-  und  Rohrzuckerlösungen  hervorruft,  hat  B rieger 
früher  berichtet 1).    Dieser  Forscher  konstatirte  die  Bildung  von  Al- 
kohol und  Essigsäure.    Die  Verfasser  haben  nun  diese  Gährung  ge- 
nauer verfolgt,  quantitativ  die  Produkte  bestimmt  und  auch  die  Gäh- 
rung des  Mannits  durch  jenen  Pilz  studirt.    Von  einer  Reinkultur 
wurde  eine  Spur  ausgesät  in  folgende  Nährlösung: 
Glukose  60  g  i 

Pepton    6  g  >  in  2  1  Wasser, 
Fleischextrakt    2  gJ 
zu  welcher  noch  20  g  Kalciumkarbonat  gesetzt  waren. 

Der  Kolben  sammt  Inhalt  wurde  vor  der  Infektion  zwei  Stunden 
lang  an  3  aufeinanderfolgenden  Tagen  dem  strömenden  Wasser- 
dampf ausgesetzt.  Nach  Infektion  wurde  der  Kolben  bei  39  •  C  im 
Brutofen  stehen  gelassen,  wobei  sich  schon  nach  24  Stunden  lebhafte 
Gährung  beobachten  liess.  Als  nach  6  Tagen  die  Gährung  ganz 
aufzuhören  schien,  wurde  die  Flüssigkeit  in  bekannter  Weise  der  Unter- 
suchung unterworfen.    Es  wurden  erhalten: 

Aethylakohol  0,5897  g 

Essigsäure  1,4451  g 

Ameisensäure  0,1832  g 

Bernsteinsäure  0,0280  g. 

Viel  Glukose  war  unzersetzt  geblieben ').  In  gleicher  Weise 
wurde  dieMannitgährung  durchgeführt,  die  Kolben  aber  40 Tage 
im  Brutofen  bei  39°  C  belassen.  Die  Hauptprodukte  waren  auch 
hier  Aethylalkohol  und  Essigsäure,  doch  war  auch  noch  etwas  von  einer 
höheren  Fettsäure,  wahrscheinlich  Propionsäure,  vorhanden.  Aach 
diese  Gährung  war  sehr  unvollständig.  Der  Pneumoniecoccus  liefert 
also  mit  Mannit  dieselben  Produkte,  wie  der  Bacillus  aethaceti- 
cus,  doch  ist  die  Gährung  mit  letzterem  vollständigen  Auch  kann 
dieser  G 1  y  c  e r i n  vergähren,  der  Pneumoniecoccus  aber  nicht  Dul- 
cit  wird  von  keiner  der  beiden  Pilzarten  vergohren. 

Verfasser  haben  auch  ausführlich  ihre  Gasanalysen  mitgetheilt; 
bei  Glukose  sowohl  als  Mannit  bestanden  die  Gase  aus  Wasserstoff! 
und  Kohlensäure,  ohne  Beimengung  von  Methan.    Für   die  Mannit« 
gährung  wird  folgende  Gleichung  angegeben: 
6  (C6H14Ofl)  +  HaO—  9  CfHflO+  4C,H408  +  10CO.+8H, 

Die  Menge  der  durch  Gährung  entstandenen  Kohlensäure  wird 
natürlich  durch  diejenige  vermehrt,  welche  die  gebildete  Essigsaar« 
aus  dem  kohlensauren  Kalk  austreibt.  Loew  (München). 


1)  Zeitschr.  f.  physiol.  Chem    VIII,  p.  306  und  IX.  p.  1. 

2)  Vielleicht  wirkte  die  entstehende  Ameisensäure  hier  antiseptisch,  weil  d» 
Neutralisation  durch  den  am  Boden  liegenden  kohlensauren  Kalk  su  langsam  erfolgt 
[d    Ref.]. 


Pneumonie.  223 

Foi,  P.  e  Carbone,  T.,  Studi  buI  processo  pneumonico. 
(Gazzetta  med.  di  Torino.  LXII.  Fase.  15.) 

Id  Fortsetzung  ihrer  Immunisirungsversuche  bereiteten  sich  die 
Veiff.  auch  ein  Präcipitat  aus  filtrirten  Kulturen  mittelst  absoluten 
Alkohols,  fanden  jedoch,  dass  dasselbe  nur  in  grösseren  Dosen  und 
bei  längerer  Anwendung  dieselbe  immunisirende  Wirkung  äussere, 
wie  das  mittelst  Ammoniumsulfat  gewonnene.  Das  alkoholische,  in 
wässriger  Lösung  angewendete  Präcipitat  büsst  durch's  Kochen  seine 
immunisirende  Wirkung  ein. 

Die  immunisirende  Substanz  scheint  auch  die  Urheberin  der 
pneumonischen  Oedeme  zu  sein ,  indem  Kaninchen,  welche  jedesmal, 
so  oft  sie  eine  massige  Dosis  des  pneumonischen  Giftes  erhielten, 
kurz  darauf  mit  sehr  wirksamem  Virus  geimpft  werden,  eingehen, 
unter  rascher  Bildung  ausgebreiteter  Oedeme. 

Die  Verfi.  dehnten  nun  ihre  Untersuchungen  auf  die  Erforschung 
jener  Bedingungen  aus,  unter  welchen  statt  der  Oedeme  eine  reich- 
liche Fibrinausscheidung  zu  Stande  kommt.  Die  hierüber  angestellten 
Versuche  brachten  ihnen  eine  neue  Bestätigung  ihrer  schon  in  frühe- 
ren Arbeiten  verfochtenen  Ansicht,  dass  der  Pneumococcus  Oedem, 
der  Meningococcus  hingegen  eine  allgemeine  Fibrinausscheidung 
hervorrufe;  eine  Substanz  aber,  welche  allein  den  Tod  der  Versuchs- 
tiere unter  allgemeiner  Fibrinausscheidung  hervorbringen  würde,  zu 
isoliren,  gelang  den  Verff.  bis  jetzt  nicht. 

Bei  diesen  Versuchen  kam  es  einigemal  vor,  dass  wenn  man 
einem  Kaninchen  ein  vom  Leichname  entnommenes  pneumonisches 
Exsudat  verimpfte,  das  Thier  nicht  unter  den  gewöhnlichen  Erschei- 
nungen und  zum  gewohnten  Zeitpunkte,  sondern  später,  zwischen  dem 
8.-15.  Tage,  unter  den  Erscheinungen  von  Marasmus  einging  mit  in 
Bezug  auf  Mikroorganismen  negativem  Befunde  im  Blute  und  in  den 
Geweben.  Es  schien  daher,  duss  die  Diplokokken  abgestorben  waren, 
nur  das  von  ihnen  produzirte  Gift  zurücklassend.  In  der  Tbat  ge- 
lang es  auch,  aus  Bouillonkultur  ohne  Zuckerzusatz  durch  aufeinander- 
folgende Fällung  mittelst  Ammonium-,  Magnesiumsulfat  und  Alkohol 
ein  Präcipitat  zu  gewinnen,  welches,  einem  Kaninchen  injizirt,  dessen 
Tod  binnen  6  Tagen   unter  Erscheinungen   von  Marasmus  bewirkte. 

Zum  Schlüsse  waren  die  Verff.  bemüht,  zu  erforschen,  ob  mit 
dem  pneumonischen  Gifte  oder  dem  Blute  immunisirter  Thiere  eine 
therapeutische  Wirkung  erzielt  werden  könnte.  Die  hierüber  ange- 
stellten Versuche  hatten  nur  bei  Mäusen  ein  positives  Resultat,  in- 
sofern als  drei  dieser  Thiere,  welche  unmittelbar  nach  subkutaner  In- 
jektion von  2—4  Tropfen  Blutserum,  welches  von  einem  imrounisirten 
Kaninchen  durch  einen  zweiten,  am  24.  Tage  nach  der  Immunisirung 
gemachten  Aderlass  gewonnen  wurde,  mit  sehr  wirksamem  pneumo- 
nischen Virus  infizirt  wurden,  die  Infektion  überlebten,  wogegen  die 
Kontrollthiere  eingingen. 

Ob  diese  therapeutische  Wirkung  auch  dem  Blutserum  gegen 
die  pneumonische  Infektion  natürlich  immuner  Thiere  innewohnt, 
werden  weitere  Versuche  ergeben.  Kamen  (Gzernowitz). 


224  misbrmod. 

Martlnottl  und  Bartaeel,  Ueber  die  Physiopathologie  des 
Milzbrandes.    ( Fortach r.  d.  Medicin.  Bd.  IX.  1891.  No.  9—11.) 

In  der  vorliegenden  Arbeit  suchen  die  Verff.  durch  zahlreiche 
Tbierexperhnente  und  eingehende  mikroskopische  Untersuchung  die 
Stellung  der  blutbereitenden  Organe,  vor  allen  Dingen  der  Milz,  dann 
des  Knochenmarks  und  der  Lymphdrüsen  in  der  Pathologie  des  Milz- 
brandes zu  bestimmen.  Zunächst  exatirpirten  sie  Thieren  —  Meer- 
schweinchen und  Kaninchen  —  die  Milz,  infizirten  sie  mit  Milzbrand 
nach  Heilung  der  Operationswunde  —  26  bis  366  Tage  p.  op.  - 
und  verglichen  die  Ergebnisse  der  weiteren  Untersuchung  mit  nicht 
entmilzten  milzbrandigen  Thieren. 

In  der  Zeitdauer  zwischen  Infektion  und  Tod  war  ein  Unter- 
schied nicht  zu  erkennen,  da  sowohl  entmilzte  als  nicht  entmilzte 
Thiere  innerhalb  derselben  Zeitgrenzen  starben,  diese  sich  aber  über- 
haupt beim  Milzbrand  normaler  Weise  ziemlich  weit  erwiesen.  Die 
Temperaturkurve  verlief  bei  beiden  Arten  gleich,  und  zwar  konsta- 
tirten  die  Verff.,  dass  bei  Ausschluss  einer  lokalen  Reaktion  kein 
Fieber  auftrat,  dagegen  fanden  sie  gegen  das  Ende  stets  einen  Tero- 
peraturabfall  bis  auf  32  °.  Auch  betreffs  des  ersten  Auftretens  der 
Bacillen  im  Blut  war  kein  deutlicher  Unterschied,  dasselbe  schwankt« 
bei  beiden  Thiersorten  sehr  stark;  bei  dem  einen  Thier  waren  sie 
schon  nach  21  Stunden,  bei  dem  anderen  erst  nach  57  zu  bemerken. 

Die  Alteration  des  Blutes  selbst,  welche  längst  bekannt  fct, 
fanden  auch  die  VerflL:  eine  ausgedehnte  Leukocytose,  d.  h.  reich- 
lichen Zerfall  der  rothen  Zellen  und  starke  Vermehrung  der  weissen 
Blutkörperchen. 

Die  mikroskopisch  wahrnehmbaren  Veränderungen  in  der  Milz 
wurden  an  einer  grossen  Zahl  von  Mäusen  untersucht,  indem  in  drei 
Versuchsreihen  nach  der  Infektion  alle  2—3  Stunden  eine  getödtet 
wurde.  Die  Härtung  der  Milz  geschah  in  Alkohol,  die  Färbung  nach 
den  vershciedensten  im  Original  einzusehenden  Methoden.  Das  sehr 
bemerkenswerthe  Resultat  war,  dass  erst  spät,  wenn  die  Bacillen  be- 
reits im  Blut  zu  finden  sind,  die  ersten  pathologischen  Veränderungen 
in  der  Milz  auftraten.  Dieselbe  verliert  zunächst  ihre  normale  Trans- 
parenz, und  zwar  beginnt  diese  Trübung  in  der  Umgebung  der  Mal* 
pighi' sehen  Körperchen,  die  selbst  aber  unverändert  bleiben;  die 
Pulpazellen  werden  granulirt,  die  Kerne  färben  sich  nur  noch  schwach, 
die  Intercellularräume  sind  dilatirt  und  enthalten  eine  glasige  Sub- 
stanz. Dieser  Prozess  schreitet  allmählich  weiter,  während  feinem, 
körniges,  gelbes  Pigment  zwischen  den  Milzzellen  auftritt  —  R**^ 
bereits  zu  Grunde  gegangener  rother  Blutkörperchen;  dort  sammeln 
sich  auch  zahlreiche  nicht  zerstörte  rothe  Blutkörperchen  an,  die  aber 
meist  in  ihrer  Form  schon  schwer  geschädigt  sind.  Weiter  zeige» 
sich  auch  blutkörperchenhaltige  und  pigmentführende  Zellen.  Endlich 
treten  auch  Bacillen  auf,  also  in  einem  bereits  stark  veränderten, 
krankhaft  affizirten  Gewebe,  die  aber  nie  in  den  Zellen,  sondern  nur 
in  den  freien  Intercellularräumen  gefunden  werden. 

Von  jetzt  an  nehmen  die  Veränderungen  rasch  zu,  die  Maschefi 
werden  durch  Blut  auseinandergedrängt,  die  Bacillen  vermehren  si<* 
stark,  das  Pigment  tritt  massenhaft  auf,  die  Pulpazellen  selbst  ver- 


MUsbrand.  225 

fallen  der  Koagulationsnekrose,  so  dass  schliesslich  die  Pulpa  wie 
eine  einzige  Masse  erscheint,  bestehend  aus  nekrotischen  Pulpazellen, 
umgeben  von  geronnenem,  stark  verändertem,  eine  Unmenge  Bacillen 
enthaltendem  Blut;  es  besteht  mit  einem  Wort:  Milzbrand. 

Die  Follikel  dagegen  bleiben  vollkommen  frei  von  Bacillen;  sie 
sind  durch  Karyokinese  etwas  geschwollen,  und  können  die  Verff.  von 
den  sich  findenden  Mitosen  nur  soviel  angeben ,  dass  sie  zum  Theil 
sicher  den  fixen  Zellen  angehören. 

Die  Veränderungen  in  den  Lymphdrüsen  hatten  mit  denen  in 
der  Milz  grosse  Aehnlichkeit;  auch  hierbei  war  ein  unterschied 
zwischen  den  entmilzten  und  nichtentmilzten  Thieren  nicht  zu  be- 
merken. Die  ersten  Erscheinungen,  Stase  und  Thrombose,  traten  im 
Marke  speziell  in  dem  Sinus  der  Marksubstanz  auf,  gefolgt  von  Ne- 
krose und  Hämorrhagie  mit  Bacillenaustritt,  während  die  Follikel  wie 
die  Mal p ig hi' sehen  Körperchen  der  Milz  Mitosen  aufwiesen  und 
frei  von  Bacillen  blieben.  Aehnlicb,  aber  viel  stürmischer  und  mehr 
mit  Nekrose  verbunden,  verlief  dieser  Prozess  in  den  Lymphdrüsen, 
welche  zunächst  der  Injektionsstelle  liegen,  was  offenbar  durch  die 
Verschiedenheit  der  Infektionswege,  hier  die  Lymphbahnen,  dort  das 
Blut,  bedingt  war.  Ueberall  fanden  die  Verff.,  dass  ein  Austritt  von 
Bacillen  und  Blutkörperchen  aus  den  Blutgefässen  auch  ohne  Zer- 
reißung derselben,  zum  wenigsten  in  der  letzten  Periode  der  In- 
fektion konstant  stattfand,  die  Wandungen  der  Kapillaren  also  keinen 
unüberwindlichen  Wall  darboten. 

Im  Knochenmark  fanden  die  Verff.,  ähnlich  wie  in  den  Follikeln, 
aasgesprochene  aktive  Vorgänge.  Die  Mitosen  in  den  rothen  Blut- 
körperchen wie  in  den  Leukocyten  wurden  sehr  zahlreich  und  die 
Menge  der  Riesenzellen  nahm  im  Verlauf  der  Krankheit,  und  zwar 
in  höherem  Grade  bei  den  entmilzten,  als  den  normalen  Thieren  zu. 
Im  letzten  Stadium  der  Krankheit  kam  es  auch  hier  zu  Hämorrha- 
gieen  und  Extravasaten  von  Bacillen  und  Blut. 

Diese  gesteigerte  Thätigkeit  der  lymphatischen  Organe  erklärt 
zur  Genüge  die  beim  Milzbrand  auftretende  Leukocytose.  Da  die 
Keimcentren,  in  welchen  die  Mitosen  auftreten,  von  Bacillen  frei  blei- 
ben und  ihre  Thätigkeit  lange  vor  Auftreten  der  Bacillen  im  Blute 
beginnen,  so  müssen  es  lösliche  chemische  Substanzen  sein,  welche 
sie  verursachen.  Scheurlen  (Stuttgart). 

Latis,  Ueber  den  Uebergang  des  Milzbrandes  von  der 
Matter  auf  den  Fötus   und   über  die  Veränderungen 
in  den  Gefässen,  welche  der  Milzbrand  hervorbringt. 
[Aus  dem  pathol.-anat.  Institute  der  königl.  Universität  Modena.] 
(Ziegler 's  Beiträge  zur  pathologischen  Anatomie  und   zur  allge- 
meinen Pathologie.    Bd.  X.  Seite  148). 
Die  erste  Versuchsreihe  des  Verf.'s  bezieht  sich  auf  15  Experi- 
mente, bei  denen  er  Meerschweinchen  in  verschiedenen  Epochen  der 
Trächtigkeit  zu  inokuliren  suchte.    Verf.  erhielt  von  ihnen  37  Foeten. 
Die  Infektion  der  Mutterthiere  erfolgte    am  Rücken.    Nach  dem 
Tode  derselben   wurde  der  Uterus  an  seinen    Enden    unterbunden, 
herausgenommen  und  in  90°/oigen  Alkohol  gebracht.    Nach  einigen 
IB*-  15 


226  Milzbrand. 

Stunden  wurde  der  Uterus  und  der  Fruchtsack  eröffnet  und  Amnion- 
flüssigkeit zur  Untersuchung  herausgenommen. 

In  anderen  Fällen  trachtete  Verf.  eine  Vermehrung  der  eventuell 
spärlich  im  Fötuskörper  enthaltenen  Bacillen  in  der  Wärme  zu  ver- 
anlassen. Zu  diesem  Behufe  wurde  der  mütterliche  Uterus  nach  der 
Herausnahme  in  2%ige  Sublimatlösung  eingetaucht  und  das  Uteras- 
gewebe mit  einer  glühenden  Messerklinge  bis  auf  den  Sack  verbrannt 
und  mit  einer  sterilisirten  gläsernen  Pipette  die  Amnionflüssigkeit 
aspirirt.  Der  Fötus  wurde  in  eine  feuchte  Kammer  in  einen  Ther- 
mostaten von  30°  C  gebracht  und  in  dieselbe  Wärmkammer  eine 
Tropfenkultur  von  dem  mütterlichen  Blute  gestellt.  Sobald  sich 
letztere  entwickelt  hatte,  wurde  der  Fötus,  nachdem  vorher  von 
Stücken  verschiedener  Organe  desselben  Kulturen  angelegt  worden 
waren,  in  90°/0igen  Alkohol  gebracht 

Mikroskopisch  wurden  sodann  Leber,  Herz,  Milz,  Nabelvenen 
und  Nabelstrang  untersucht  Ebenso  wurde  die  Placenta  histologisch 
und  bakteriologisch  untersucht 

Von  den  15  Fällen  hatte  in  8  Fällen  ein  Uebergang  des  Virus 
von  der  Mutter  auf  den  Fötus  sicher  stattgefunden.  Einen  Einfluss 
der  Dauer  der  Infektion  auf  den  Uebergang  des  Virus  konnte  Verf. 
nicht  konstatiren.  Im  mütterlichen  Blute  wurden  die  Milzbrandba- 
cillen  immer  erst  4—5  Stunden  vor  dem  Tode  des  Thieres  zahlreich. 
Unter  den  8  Versuchen  mit  positivem  Resultate  fand  Verf.  nur  zwei- 
mal Bacillen  in  der  Nabelvene. 

Hämorrhagieen  beobachtete  Verf.  in  der  Placenta  niemals.  An 
gewissen  Stellen  der  letzteren  fand  er  Anhäufungen  von  Bacillen 
in  kleinen  Blutgefässen,  zuweilen  Bacillen,  welche  quer  durch  die 
Gefässwände  gingen,  endlich  Bacillen  zwischen  den  Zellen  der  De- 
eidua. 

Verf.  vermuthete,  dass  der  Austritt  der  Milzbrandbacillen  aus  den 
Gefässen  durch  Diapedesis  erfolgte. 

Diesbezügliche  Untersuchungen  wurden  am  Mesenterium  von 
Meerschweinchen  angestellt.  Es  wurden  10  Meerschweinchen  mit 
Milzbrandvirus  geimpft  und  deren  Blut  von  Zeit  zu  Zeit  untersucht 
und  die  Thiere  in  verschiedenen  Stadien  der  Infektion  getödtet  und 
deren  Mesenterium  untersucht.  Verf.  gewann  dabei  den  Eindruck, 
dass,  wenn  nur  sehr  wenige  Bacillen  im  Blute  vorhanden  sind,  nichts 
Abnormes  in  den  Gefässen  vor  sich  geht;  wenn  sich  ihrer  aber  viele 
vorfinden,  so  findet  ein  massiger  Austritt  von  weissen  und  von 
einigen  rothen  Blutkörperchen  aus. den  Gefässen  statt,  und  dieser 
Austritt  ist  in  einigen  Fällen  um  so  bedeutender,  je  mehr  die  Schwere 
der  Infektion  zunimmt.  In  den  letzten  Stadien  findet  man  ausser- 
halb der  Gefässe  nicht  nur  weisse  und  rothe  Blutkörperchen,  sondern 
auch  Bacillen.  Auch  hier  wurden  niemals  Zerreissungen  der  Gefäss- 
wände wahrgenommen. 

Aus  diesem  Befunde  am  Mesenterium  zieht  Verf.  einen  Rück- 
schluss  für  die  Placenta,  und  hält  dafür,  dass  es  sich  beim  Ueber- 
gange  von  Milzbrandvirus  von  der  Mutter  auf  den  Fötus  auch  um 
Diapedese  handelt,  nachdem  eine  Alteration  der  Gefässwände  durch 
die  Bacillen  stattgefunden  hat.  Di tt rieh  (Prag). 


HospiUlbrand.  —  Dyssenterie.  227 

Herff,  von,  Eid  Fall  von  Hospitalbrand  an  der  Vulva 
nebst  Bemerkungen  über  die  Behandlung  dieser 
Krankheit  (Dtsch.  med.  Wochenschr.  1890.  No.  43.) 
Verf.  hat  nicht  nur  einen  Fall  von  Hospitalbrand,  wie  nach 
der  Ueberschrift  seines  Aufsatzes  geschlossen  werden  müsste,  sondern 
mehrere  Kranke  dieser  Art  beobachtet  bez.  behandelt  und  dabei  in 
Uebereinstimmung  mit  Prof.  Böse  in  Giessen  festgestellt,  dass  gegen- 
über der  Wirkungslosigkeit  vieler  gebräuchlicher  Antiseptika  die 
Saücyls&ure  einen  entschieden  günstigen  Einfluss  für  die  Heilung  der 
Nosocomialgangr&n  ausübt.  Verf.  rieb  die  Geschwürsflächen  täglich 
mehrmals  mit  10%  alkoholischer  Salicylsäurelösung  gründlich  ab 
und  behandelte  dieselben  dann  fernerhin  mit  2  stündlichen  Pinselungen 
oder  Umschlägen  von  2  °/0  Salicylglycerin.  Er  erreichte  hierdurch  in 
wenigen  Stunden  Nachlass  der  Infiltration,  in  wenigen  Tagen  Reinigung 
der  Geschwüre,  Aufhören  des  Fiebers  und  Besserung  des  Allgemeinbe- 
findens, während  sich  allerdings  die  Vernarbung  der  Defekte  noch 
über  Wochen  hinzog. 

Verf.  glaubt,  im  Gegensatz  zu  Rosenbach,  den  Hospitalbrand 
scharf  von  der  Wunddiphtherie  trennen  zu  müssen.  Jene  Krankheit 
unterscheidet  sich  nach  seinen  Beobachtungen  von  dieser  durch  das 
lochförmige  Aussehen  der  Geschwüre  und  durch  das  rasche  Tiefer- 
greifen der  Defekte. 

Untersuchungen  in  ätiologischer  Beziehung  hat  Verf.  nicht  an- 
gestellt. Kubier  (Berlin). 

Doek,  George,  Observation  s  on  the  Amoeba  coli  in  dys- 
sentery   and  abscess  oftheliver.    (D an iel's  Texas  Me- 
dical  Journal.  1891.) 
Die  Dock 'sehe  Arbeit    ist  im  Wesentlichen  eine  Bestätigung 
der  Befunde  früherer  Untersucher. 

Verfasser  gibt  einen  geschichtlichen  Ueberblick  über  die  Ent- 
wickelung  der  Lehre  von  den  Dyssenterieamöben.  Der  erste  Ent- 
decker der  Dyssenterieamöben  war  Lösch  (Virch.  Arch.  Bd.  LXV), 
der  die  von  ihm  sogenannte  Amoebacoli  1873  bei  einem  Patienten  mit 
chronischer  Dyssenterie  fand  und  dem  auch  ein  Impfversuch  bei  einem 
Hunde  gelang. 

Sonsino  (Gairo)  sah  im  Darm  eines  Kindes  Amöben,  Grassi 
und  Perroncito  (Gazz.  ital.  Lomb.  1879)  beobachteten  dieselben 
ebenfalls  im  Stuhl. 

Koch  fand  während  seines  Gholerauntersuchungen  gewidmeten 
Aufenthaltes  in  Aegypten  die  Amöben  in  mehreren  Fällen  von  Dys- 
senterie. [Koch  fand  die  Amöben  auch  in  Schnitten  dyssenteriseber 
Darmgeschwüre  und  in  den  Kapillaren  der  Leber.    Ref.]. 

Kartulis  (Alexandrien)  beschäftigte  sich  seit  1885  ununter- 
brochen mit  der  interessanten  Frage  [er  war  der  erste  genaue  Be- 
schreit** der  Amöben.  Ref.].  Kartulis  stand  bis  zum  Jahre  1889 
ein  Material  von  500  Fällen  zur  Verfügung;  er  fand  in  diesen  die 
Amöben  stets,  vermisste  sie  aber  bei  anderen  ulcerativen  Prozessen. 
Impfungen  auf  Meerschweinchen,  Kaninchen,  Hunde  und  Affen  fielen 
negativ  aus;  ebenso  misslang  die  Kultur.    [Inzwischen  ist  Kart,  die 

15* 


228  Dystentorie. 

Kultivirung  der  Amöben  gelungen.  Ref.,  dem  es  vergönnt  war,  die 
von  Kart  beschriebenen  Amöben  in  den  Stühlen  und  Darmge- 
schwüren mehrerer  Dyssenterischen  zu  finden,  konnte  sich  persön- 
lich von  dem  Wachsthum  der  Amöben  in  Heuinfus  überzeugen;  frei- 
lich ist  es  K.  bisher  nicht  möglich  gewesen,  eine  Trennung  von  den 
mitwachsenden  Bakterien  zu  erzielen.  Ref.]  Kartulis  fand  die 
Amöben  auch  in  Leberabscessen,  die  er  als  dyssenterische  von  den 
idiopathischen  trennt;  er  nimmt  dabei  an,  dass  die  Amöben  durch 
die  Kapillaren  der  Submucosa  zur  Portalvene  und  in  die  Leber  ge- 
langen ;  aus  dem  Umstand,  dass  Typhus-  und  Tuberkelgeschwüre  des 
Darms  nicht  zu  Leberabscessen  führen,  schliesst  er,  dass  bei  der  Ent- 
stehung der  dyssenterischen  Leberabscesse  die  Amöben  eine  Haupt- 
rolle spielen,  allerdings  nur  indirekt,  indem  sie  durch  Läsionen  etc. 
den  Boden  für  die  mitgeschleppten  Bakterien  vorbereiten. 

Massiutin  (Centralbl.  f.  Bakt.  1889)  fand  Amöben  in  5  Fällen, 
von  denen  nur  einer  dyssenterische  Symptome  gezeigt  haben  soll 
[?  Ref.]. 

Ost  er  (John  Hopkins  Hospital  Bulletin.  May  u.  November  1890), 
Stengel  (Med.  News.  Novemb.  1890)  und  J.  H.  Musser  (Univer- 
sity  medical  magazine.  December  1890)  beobachteten  Amöben  in 
mehreren  Dyssenteriefällen. 

Verfasser  kommt  nun  zu  seinen  eigenen  UnterBuchungen.  Er 
gibt  zunächst  die  genauen  Krankengeschichten  von  12  Fällen.  Aas 
denselben  ist  hervorzuheben,  dass,  so  sehr  die  Krankheitsbilder  auch 
unter  einander  abweichen,  stets  im  Dickdarm  Geschwüre  und  im  Stuhl 
(resp.  wenn  Leberabscess  bestand,  in  diesem)  Amöben  vorhanden 
waren,  während  sie  bei  anderen  Darmerkrankungen  fehlten;  aller- 
dings fehlten  auch  in  4  von  den  beschriebenen  Fällen  dyssenterische 
Symptome  während  des  Lebens.  Bei  den  tropischen  Leberabscessen 
beobachtete  Verfasser,  dass  nekrotische  Erweichung  häufig  über 
Eiterung  überwiegt,  und  er  möchte  das  den  Amöben  zuschreiben;  in 
einem  Fall  von  Abscess  fand  Verf.  keine  Amöben,  und  er  schliesst 
sich  deshalb  der  von  Kartulis  aufgestellten  Eintheilung  an. 

Verfasser  wendet  sich  sodann  zur  Untersuchungstechnik,  Am 
besten  ist  es,  den  Stuhl  so  frisch  wie  möglich  und  bei  Körpertem- 
peratur zu  untersuchen,  indessen  bleiben  die  Organismen  bei  warmem 
Wetter  noch  24  Stunden  beweglich,  während  bei  kaltem  Wetter  eine 
leichte  Erwärmung  des  Stuhls  genügt,  um  sie  am  Leben  zu  erhalten. 
Die  Amöben  finden  sich  am  zahlreichsten  in  kleinen  Eiterpartikeln 
oder  blutigem  Schleim;  die  Untersuchung  soll  bei  massig  starker 
Vergrösserung  (etwa  400 fachet)  vorgenommen  werden.  Die  unbe- 
weglichen Formen  können  leicht  mit  degenerirten  Zellen  verwechselt 
werden.  An  Grösse  variiren  die  Amöben  sehr.  Verf.  fand  Formen  von 
13—37  /Li  im  Durchmesser.  Bei  allen  Amöben  konnte  Verf.  deutlich  das 
granulirte  Endosark  vom  homogenen  Ektosark  unterscheiden.  In  etwa 
der  Hallte  aller  Fälle  enthielten  die  Amöben  einen  runden,  stark 
lichtbrechenden  Kern  innerhalb  eines  hellen  Bläschens;  ausserdem 
fanden  sich  hier  und  da  eine  bis  viele  Vakuolen.  Der  Einschluss 
von  rothen  Blutkörperchen,  Leukocyten,  Bakterien  und  Detritus  ist 
häufig  und  kann  oft  unter  dem  Mikroskop  verfolgt  werden. 


Djssenteria.  —  Psorotpennose.  229 

In  ihrem  Verhalten  gegenüber  Säuren,  Alkalien,  Jod  etc.  unter- 
scheiden sich  die  Amöben  nicht  von  anderen  Protozoen.  Färbungen 
sind  nicht  sehr  erfolgreich.  Kultivirungsversuche  in  Hammelbrühe, 
Reissappe  und  flüssigem  Stuhl  schlugen  fehl.  [Verf.  scheint  die  runden 
homogenen  Formen  nicht  beobachtet  zu  haben.  Ref.]  Bezüglich 
der  Abkunft  der  Amöben  glaubt  Verf.  dem  Umstände,  dass  ver- 
schiedene seiner  Patienten  ihre  Krankheit  in  Oalveston  acquirirten, 
dessen  Wasserversorgung  in  hygienischer  Beziehung  eine  mangelhafte 
ist,  eine  gewisse  Bedeutung  beilegen  zu  müssen.  Wasseruntersu- 
chungen  fielen  negativ  aus. 

Aas  seinen  Beobachtungen  glaubt  Verf.  folgende  Schlüsse  ziehen 
zu  dürfen  : 

1)  Die  Amoeba  coli  ist  ein  Parasit,  der  wahrscheinlich  sehr 
weit  verbreitet  ist. 

2)  Es  handelt  sich  wahrscheinlich  um  eine  echte  Amöbe. 

3)  Dieselbe  findet  sich  bei  gewissen  Formen  von  ulcerativen 
Processen  des  Dickdarms. 

4)  Sie  findet  sich  in  Leberabscessen,  die  sich  im  Anschluss  an 
jene  Erkrankungen  entwickeln. 

5)  Wir  haben  keine  Veranlassung,  dem  Parasiten  pathogene  Kraft 
zuzuschreiben. 

6)  Der  Fund  des  Parasiten  hat  wahrscheinlich  einigen  Werth 
for  die  Diagnose  und  für  die  Feststellung  der  Wirksamkeit  der  Be- 
handlung. P.  Kaufmann  (Alexandrien). 

Lustgarten,  Sigmund,  On  Psorospermosis  follicularis. 
(Journal  of  cutaneous  and  genito-urinary  diseases.  Vol.  IX.  No.  1. 
pg.  7-14.) 

Der  Verf.  gibt  in  seiner  Abhandlung,  die  ein  Abdruck  seines 
Vortrages  auf  dem  X.  intern.  Gongress  darstellt,  Nachricht  von  einer 
eigenartigen  Hauterkrankung,  deren  Entstehung  er  auf  Anwesenheit 
▼on  Parasiten  zurückführt,  zugehörig  zu  den  Protozoen. 

Eine  detaillirte  Krankengeschichte  des  Falles  bildet  den  Anfang 
der  Arbeit  Besonders  betont  wird  das  für  die  Affektion  charakteri- 
stische Auftreten  von  hirse-  bis  hanfkorngrossen,  Gomedo-ähnlichen 
Gebilden  auf  der  stark  trichterförmigen  Erweiterung  der  Follikel- 
mündungen, zwischen  denen  der  abgeheilte  Prozess  Hautatrophieen 
zurückgelassen. 

L.  geht  kurz  auf  die  Differenz  zwischen  der  beschriebenen  und 
anderen  Hauterkrankungen,  vor  allem  den  Lichenformen,  ein. 

Erkrankt  sind:  1)  die  Follikel,  2)  die  Retezapfeu.  Talg-  und 
Schweissdrüsen  wurden  immer  normal  befunden. 

Aus  den  Follikeln  lassen  sich  Gomedo  -  ähnliche  Gebilde  aus- 
drücken, die  besonders  in  ihrem  unteren  Theile  zahlreiche,  in  Zellen 
•»gerade  „Psorospermien"  zeigen.  Der  Zellkern  ist,  wenn  noch  vorhanden, 
verdrängt  Die  Parasiten  sind  kenntlich  durch  das  starke  Lacht- 
wechungsvermögen,  haben  einen  granulirten  Kern,  der  oft  exzentrisch 
llegt.  Der  obere  Theil  des  Comedogebildes  oder  „Pflockes4'  hat  nur 
J.emg  intracellul&re  Parasiten  aufzuweisen,  viele  freiliegende,  welche 
die  Farbe  besser  aufnehmen,  als  die  intracellul&ren  (Dicke  der  Hülle). 


230  Pftorospermote.  —  Engerlingsseach«. 

An  Schnitten  untersucht,  zeigte  sich,  dass  die  pathologisches 
Vorgänge  vornehmlich  in  der  Epidermis  ihren  Sitz  haben,  und  dass 
die  Ausführungsgänge  der  Talgdrüsen  und  Haarfollikel  trichterförmig 
erweitert,  mit  glänzenden,  hornähnlichen  Massen  erfüllt  sind.  Psoro- 
spermien  lagen  in  den  tieferen  Theilen  derselben  oft  in  Gruppen.  Die 
Epidermiszellen  sind  flach,  mit  Ansammlung  von  viel  Eeratohy&lio. 
Die  Retezapfen  scheinen  verlängert,  verbreitert  und  anregelmässig 
und  zeigen  in  verschiedenen  Tiefen  durch  ihre  optische  Eigenschaft 
deutliche  Psorospermien.  Der  Papillarkörper  weist  kleinzellige  Infiltra- 
tion auf  und  viele  Pigmentzellen.  In  der  Cutis  fanden  sich  keine 
Psorospermien. 

Züchtungsversuche,  Impfungen  etc.  waren  negativ.  Gleichwohl 
glaubt  Verf.,  mit  Hinweis  auf  analoge  Erkrankungen,  wie  Mollusc  con- 
tag.,  Paget' 8  Krankheit,  Damier's  Dermatose,  Epitheliom,  seine 
Befunde  als  Psorospermien  deuten  zu  sollen.       Wolters  (Bonn). 

Glard,  Alfred,  L'Isaria,  parasite  de  la  larve  du  hanneton. 
(Compt  rend.  de  1' Acad.  de  Paris.  T.  CXII.  1891.  No.  22.  p.  1270—1273). 

Nachdem  Verf.  bereits  früher  den  Urheber  der  Engerlingseuche 
von  C6auc6  untersucht  und  vorläufig  als  Isaria  beschrieben  hatte, 
auch  seine  Kultur  in  künstlichen  Nährmitteln  und  von  da  auf  Enger- 
lingen und  Mehlwürmern  (Tenebrio  molitor)  erörtert  hatU\ 
haben  sich  Prillieux  und  Delacroix1)  mit  dem  gleichen  Parasiten 
beschäftigt,  aber  den  Urheber  mit  Botrytis  tenella  Sacc.  identi- 
fizirt  und  gemeint,  die  von  Giard  beobachtete  Isaria  gehöre  zu 
der  auf  der  Botrytis  schmarotzenden  Melanospora  para- 
sitica.  In  der  vorliegenden  Arbeit  weist  nun  Verf.  daraufhin,  dass 
dies  ein  Irrthum  sei.  Botrytis  und  Isaria  gehören  zusammen 
und  in  anderen  Fällen  weiter  zu  einem  Cordyceps.  Auf  künst- 
lichen Nährmitteln  und  auf  schwachen  Engerlingsklerotien  entwickelt 
sich  von  dem  Engerlingpilz  vorwiegend  die  Botrytis  form,  die  bei 
C6auc6  gesammelten  Engerlinge  dagegen  zeigten  in  der  Mehrzahl 
sehr  schöne  Typen  der  Isaria,  deren  Hyphasmen  eine  Länge  von 
mehreren  Centimetern  erreichten.  Die  Botrytis  tenella  Sacc. 
gehört  zu  einer  Isaria  tenella  Giard.  Beide  Namen  sind  nur 
provisorische,  da  vermuthlich  diese  Fruchtformen  zu  einem  bereits 
als  Cordyceps  beschriebenen  Pilz  gehören.  1769  hatte  schon 
Fougeroux  de  Bondaroy  einen  Pilz  auf  den  Engerlingen  in 
Pennsylvanien  beschrieben  und  Tu  las  ne  hatte  später  den  Pilz  Cor- 
dyceps Melolonthae  genannt.  Dieser  Pilz  wurde  weiter studirt 
von  Burill,  Kirtland,  Mitchili,  Walsh,  Zabriskie  etc.; 
1875  hat  ihn  Rlley  von  neuem  beschrieben  als  Torrubia  elon- 
g  a  t  a.  Derselbe  ist  jedoch  bisher  nicht,  wie  K  r  a  s  s  i  1  s  t  s  c  h  i  k  u.  A. 
angeben,  auf  Melolont ha  vulgaris  Fab.,  sondern  auf  dem  ame- 
rikanischen Engerling  (white  grub),  Lachnosterna  fusca,  be- 
obachtet worden. 

Ferner  haben  Berkely  und  Curtis  den  Cordyceps  R*~ 
venelii  als  Parasiten  der  Larven  eines  anderen  Rhizotrogiden 
(Ancylonycha  Dej.,  Phyllophaga  Harris)  aus  Carolina, Texas 

1)  Vgl.  Centralbl.  f.  Bakter.  n.  Para«.  Bd.  X.  1891.  p.  163. 


Engerlingsseuche.  —  Giftige»  Getreide  231 

und  Alabama  beschrieben.  Roumegu&re  und  Ch.  Fourcade 
haben  in  Frankreich  den  Cordyceps  entomorrhiza  Dicks.  auf 
dem  Junikäfer,  Rhizotrogus  sols titialis  Fab.,  gefunden. 
Ronmego&re  und  Briard  haben  weiter  in  Frankreich  auf  dem 
gemeinen  Maikäfer  selbst  den  Cordyceps  militarisL.  mit  der 
Isaria  farinosa  gefunden.  Bail  hatte  schon  1869  eine  Isaria 
auf  Engerling  und  Maikäfer  in  Preussen  (Mewe),  de  B a r y  gleich- 
zeitig auf  den  Engerlingen  um  Halle  eine  Botrytis  aufgefunden,  die 
er  zu  Botrytis  Bassiana  stellt  Auf  Larven  der  Maikäfer  und 
anderen  Lamellicornen  sind  sodann  die  ungenügend  beschriebenen 
Arten  Cordyceps  Miquelii  Tul.,  C.  sobolifera  Hill.,  C. 
Barnesii  Thv.  gefunden  worden.  Leidy  hat  1851  einen  Pilz- 
parasiten auf  den  Larven  der  Lamellicornia,  Metschnikoff 
die  Isaria  destructor  auf  Anisoplia  austriaca,  Grognot 
die  Isaria  eleu thera torum  Nces  auf  Lucanus  cervus 
beobachtet.  Alle  diese  Pilze  sind  noch  nicht  in  allen  ihren  Entwicke- 
lungszuständen  bekannt  geworden. 

Im  Gegensatz  zu  Prillieux  und  Delacroix  hat  der  Verf. 
gefunden,  dass  die  Reinkulturen  des  Pilzes  auf  Kartoffeln  eine  viel 
geringere  Ausbeute  an  Sporen  geben,  als  die  auf  stickstoffreichen 
Nährböden  (Fleischbrühe  etc.),  was  leicht  verständlich  ist,  da  die 
Engerlinge  gegen  3,5  °/0  Stickstoff  enthalten.  Eine  gewisse  Menge 
von  Phosphaten  fördert  die  Kulturen  des  Engerlingpilzes  und  schliess- 
lich muss  das  Nährmittel  schwach  sauer  reagiren.    Ludwig  (Greiz). 

Woronln,  M.,  Ueber  das  „Taumelgetreide"  in  Süd-Us- 
surien1).  (Botan.  Ztg.  1891.  pag.  81—93.) 
Im  Süd-Ussuri-Lande  (Ost-Sibirien,  zwischen  dem  Amur,  dem 
stillen  Ocean  und  der  chinesischen  Grenze)  tritt  häufig  sogenanntes 
„Taumelgetreide4'  auf  (Roggen,  Weizen,  Hafer  und  andere  dort  kul- 
tivirte  Gräser ;  auch  Hanf  mit  denselben  Eigenschaften  kommt  vor), 
dessen  Genuss  Schwindel,  Erbrechen  etc.  hervorruft,  sowohl  beim 
Menschen  als  auch  bei  verschiedenen  Hausthieren.  „Taumelroggen" 
Mit  ganz  ähnlichen  Eigenschaften  ist  auch  in  Schweden  beobachtet 
und  von  Eriksson  beschrieben  worden,  nach  dessen  Angabe  die 
fraglichen  Roggenkörner  mit  GonidicLketten  von  Cladosporium 
herbarum  bedeckt  sind. 

Verf.  erhielt  aus  Süd-Ussurien  Proben  des  Taumelgetreides  nebst 
Beschreibungen  der  Herren  Palczewski  und  Epow,  welche 
die  Erscheinung  an  Ort  und  Stelle  untersucht  haben.  Verf.  fand  bei 
näherer  Untersuchung  eine  Reihe  von  Pilzen  und  zählt  dieselben 
in  der  Reihenfolge  ihrer  Häufigkeit  und  vermuthlichen  Schädlich- 
keit auf. 

1)  Fusarium  roseum  Link  und 

2)  die  zugehörige  Perithecienform  Gibberella  Saubinetii 
Suc.  (Mich.),  die  an  denselben  Stellen  wie  voriges,  nur  etwas  später 
auftritt. 

3)  Cladosporium  herbarum  Link  findet  sich  sowohl  auf 
den  Halmen,  als  auch  auf  Hüll-  und   Deckspelzen,  sowie  auf  den 

0  Vergl.  «.  Centrmlbl.  f.  BukUr.  u    Paras    Bd.  X.  1S91.  8.  200. 


232  Giftig«!  Gttreid«. 

Getreidekörnern    selbst,    namentlich    die    Spitze    derselben   beschä- 
digend. 

4)  Helm  in  thospori  um  sp.?,  eine  Form,  die  Verf.  zwar  nicht 
für  neu  hält,  die  er  aber  nicht  sicher  bestimmen  konnte.  Fast  ebenso 
häufig  wie  das  vorige. 

5)  Epicoccum  neglectum  Desm. 

6)  Trichothecium  roseum  Link. 

Die  folgenden  Pilze  wurden  nur  auf  einzelnen  Aehren  gefunden: 

7)  Eurotium  herb  ariorum  Link  mit  der  zugehörigen  Goni- 
dienform  (Aspergillus  glaucus). 

8)  Einzelne,  durch  ihre  rosarothe  Farbe  auffallende  Weizenkörner 
waren  der  durch  Prillieux  beschriebenen  Bacteriosis  anheimge- 
fallen: ihr  Endosperm  war  durch  einen  Micrococcus  zerstört. 

9)  Ein  unansehnlicher  Hyphomycet,  den  Verf.  für  HymenuU 
gl  um  ar um  Gooke  et  Horke  hält. 

10)  Kleine  Perithecien,  die  anscheinend  zu  einer  der  Gattungen 
Sphaerella  oder  Didymella  gehören. 

11)  Dunkelbraune  Pycniden,  die  fast  immer  in  Begleitung  des 
oben  genannten  Helminthosporium  auftreten  und  vielleicht  in 
genetischer  Beziehung  zu  ihm  stehen. 

12)  Ein  unbestimmter  Hyphomycet,  dessen  farblose  Träger  eine 
gewöhnlich  dunkelbraune,  verkehrteiförmige  Spore  abschnüren. 

13)  Cladochytrium  graminis  Büsg.,  selten  in  Blättern  und 
Halmen. 

14)  Puccinia  graminis,  nur  in  einem  Falle,  so  dass  dieser 
verbreitete  Parasit  in  Süd-Ussurien  eine  seltene  Erscheinung  zu  sein 
scheint. 

In  einzelnen  Proben  fand  Verf.  überdies  mikroskopische  Würmer 
aas  der  Gattung  A  n  g  u  i  1 1  u  1  a ,  die  bekanntlich  nicht  selten  auf  ver- 
schiedenen Gramineen  ein  parasitisches  Leben  führen. 

Alle  genannten  Pilze  (ausser  13  und  14)  sind  Saprophyten  und 
siedeln  sich  auf  den  Getreidekörnern  jedenfalls  erst  in  Folge  des 
theilweisen  Absterbens  der  Gewebe  derselben  an.  Die  Ursache  der 
Pilzansiedelung  ist  in  dem  feuchten  Klima  des  Süd-Ussuri-Landes  zu 
suchen,  in  Folge  dessen  die  auf  den  Feldern  angehäuften  Garben 
nicht  gehörig  austrocknen  und  die  Körner  oft  in  den  Aehren  auszu- 
keimen beginnen.  In  trockeneren  Sommern  wird  das  Taumelgetreide 
viel  seltener,  und  in  einzelnen  trockeneren  Landstrichen  tritt  es  über- 
haupt nie  auf.  Verf.  gibt  daher  den  Rath,  das  Getreide  nicht  auf 
den  Feldern  liegen  zu  lassen,  sondern  dem  Beispiel  der  Chinesen  und 
Koreaner  folgend,  dasselbe  zum  Trocknen  auf  hohe  Stangen  oder 
Stricke  aufzuhängen,  am  besten  unter  leichter  Bedachung ;  ausserdem 
ist  sorgfältige  Reinigung  des  Saatkorns  von  geschwärzten  -und  rothen 
Körnern  zu  empfehlen. 

Welcher  Saprophyt  es  ist,  der  die  berauschenden  Eigenschaften 
des  Taumelgetreides  hervorruft,  ist  nicht  ohne  weiteres  zu  entscheiden. 
Wahrscheinlich  dürfte  es  aber  eine  der  Formen  1—4  sein,  oder 
vielleicht  alle  diese  4  Formen  zusammen.  Roth  er  t  (Kazan). 


Giftige«  Getreide«  233 

8oroMB,   N.,   Deber   einige   Krankheiten    der    Kultur- 
pflanzen im    Süd-Ussurischen    Gebiet.     (Arbeiten    der 
Naturf.  Ges.  in  Kazan.  Bd.  XXII.  Heft  3.  Sep.-Abdr.  32  pag.  mit 
1  farbigen  Tafel.)  Kazan  1890.    [Russisch.] 
Aus  gleicher  Quelle  wie  Wo  ronin  (siehe  vorstehendes  Referat) 

erhielt  Verf.  30  Proben  von  Roggen,  Weizen,  Gerste  und  Hafer,  sowie 

eine  Probe  von  Sorghum  vulgare,  und  untersuchte,  unabhängig 

von  Woronin,  die  darauf  befindlichen  Pilze. 

I.  Gibberella  Saubinetii  (Mont)  Saccardo.  Findet  sich  in 
Form  von  1)  Perithecien,  und  2)  Gonidien  (Fusarium  roseum 
Link).  Ausserdem  finden  sich  aber  auch  noch  einige  neue  Fruktifi- 
kationsformen,  die  Verf.  ebenfalls  für  hierher  gehörig  hält,  nämlich: 
3)  Stylosporen,  kleine  farblose  Sporen  (2 — 4/z  im  Durchmesser), 
die  in  Mehrzahl  von  einem  kurzen,  verzweigten  Gonidienträger  abge- 
schnürt werden.  Dieser  ist  seinerseits  ein  Zweig  einer  Mycelhyphe, 
welche  zuweilen  rosa  gefärbt  ist  und  manchmal  im  Innern  der  Zellen 
des  Wirthes  vegetirt;  letzterer  Umstand  lässt  vermuthen,  dass  Fu- 
sarium roseum,  für  gewöhnlich  ein  Sapropbyt,  unter  Umständen 
auch  ein  parasitisches  Leben  führen  kann.  4)  „Runde  Zellen".  Auf 
den  Hyphen  von  Fusarium  finden  sich  beständig  grosse,  runde  oder 
ovale,  eudständige  Zellen  mit  rosenrothem  Inhalt  und  einem  Keim- 
porus  an  der  Spitze,  über  deren  Bedeutung  sich  der  Verf.  noch  keine 
bestimmte  Ansicht  hat  bilden  können. 

Auch  bei  Kazan  ist  Fusarium  roseum  auf  Getreidekörnern 
häufig;  die  „runden  Zellen41  finden  sich  ebenfalls  auf  dem  Mycel,  die 
Perithecienfruktifikation  fehlt  hingegen,  während  sie  im  Süd-Ussuri- 
Lande  sehr  häufig  ist.  Auch  verleiht  Fusarium  im  europäischen 
Russland  dem  Getreide  nicht  die  berauschenden  Eigenschaften,  wie 
dort.  Beides  dürfte  vielleicht  in  den  klimatischen  Unterschieden  seinen 
Grund  haben. 

II.  Helminthosporium  Sorokinianum  Saccardo  (in 
litteris),  nova  species.  Eine  Diagnose  wird,  in  Hinsicht  auf  die  be- 
vorstehende Beschreibung  der  Form  durch  Saccardo,  dem  Verf. 
sie  zur  Bestimmung  mitgetheilt  bat,  nicht  gegeben. 

III.  Endothlaspis  Sorghi  Sorokin.  Diese  Ustilaginee, 
die  Verf.  schon  früher  in  Buchara  auf  Sorghum  cernuum  ge- 
funden und  beschrieben  hat,  findet  sich  in  und  auf  den  Aehren  von 
Sorghum  vulgare  und  verwandelt  dieselben  in  eine  schwarze, 
pulverige  Masse,  die  äusserlich  ganz  den  Eindruck  einer  Ustilago 
macht. 

IV.  Fumago?  Unter  dieser  Bezeichnung  vereinigt  Verf.  2  Pilz- 
formen, die  nicht  genügend  entwickelt  waren,  um  sicher  bestimmt  zu 
werden.  Die  eine  besteht  aus  einem  dunkelbraunen  Mycel,  welches 
kleine,  runde  Zellen  abschnürt  und  wahrscheinlich  zu  der  Gonidien- 
form  Ciados  porium  herbarum  gehört;  sie  kommt  auf  Roggen- 
körnern vor.  Das  andere,  auf  Haferkörnern  vorkommende,  braune 
oder  farblose  Mycelium  ist  stellenweise  mit  Frucbtträgern  versehen, 
die  eine  birnförmige,  zusammengesetzte  Spore  tragen  und  an  die 
Schimmelform  Stemphylium  erinnern. 

Weiter  gibt  Verf.  eine  Uebersicht  der  ihm  zugeschickten  Proben 


286     Schutzimpfung,  kfinstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelungsbemmaiig  etc. 

ziehang  zwischen  dem  Salzsäuregebalt  und  der  Menge  der  Bakterien 
(und  Schimmelpilze).  Bei  Mangel  an  Salzsäure  (Acidität  0,025- 
0,04  °/0  resp.  0,06  °/0)  war  die  Gelatine  nach  3  resp.  6  Tagen  ganz 
mit  Kolonieen  bedeckt;  bei  normalem  Säuregehalt  ergaben  sich  6— 
80  Kolonieen  pio  ccm  Mageninhalt.  Eine  strenge  Proportionalität 
zwischen  Salzsäuregehalt  und  Bakterienmenge  bestand  jedoch  nicht 
4)  Je  4  Personen  wurde  durch  eine  sterilisirte  Sonde  einmal 
heisse  (also  sterilisirte)  Suppe,  ein  anderes  Mal  dieselbe  Suppe,  nach- 
dem sie  einen  Tag  lang  in  offener  Schale  sich  abgekühlt  hatte,  in  den 
Magen  eingeführt  und  nach  bestimmten  Zeiträumen  (während  welcher 
die  Sonde  nicht  entfernt  wurde)  Mageninhalt  zur  Untersuchung  ent- 
nommen. Da  diese  Versuche  dem  Ref.  besonders  instruktiv  scheinen, 
so  sei  die  Tabelle  des  Verf.'s  (in  abgekürzter  Form)  wiedergegeben. 


Der 

wurde 


Mageninhalt    ,«iiy»^ 
i  entnommen     Inhalts  an  freier|  ri*n  +  8ehiÄ-. 


nach  : 


HCl  in  0/0 


pilae). 


o)  1  Minute 
ß)   1  Stunde 

0 
0,180 

180+80 
10  +  0 

o)  1   Stunde 
ß)  8  Stunden 

0,135 
0,137 

4600+40 
900+10 

a)  1  Minute 
ß)   1  8tunde 

0 
0,084 

160+80 
40  +  0 

<x)  1  Stunde 
ß)  8  Stunden 

0,148 
0,156 

SSO +  10 
100+0 

a)  1  Minute 
ß)  1  8tunde 

0 

0,095 

500+80 
80+0 

a)  1  Stunde 
ß)  8  Stunden 

0,170 
0,175 

1000  +  85 
480+10 

a)  1  Minute 
ß)  1  Stunde 

0,006 
0,064 

150+30 
18+4 

a)  1  Stunde 
ß)  8  Stunden 

0.160 
0,170 

650+50 
400+80 

Person  1:     a)  heisse  8uppe{ 

b)  kalte  Suppe  { 
Person  11:     a)  heisse  Suppe 

b)  kalte  Suppe  l 
Person  III:  a)  heisse  Suppe 

b)  kalte  Suppe  l 
Person  IV:   a)  heisse  Suppe 

b)  kalte  Suppe  { 

Diese  Versuche  (welche  ebenfalls  mit  nüchternen  Personen  vor- 
genommen wurden)  bestätigen  1)  die  Anwesenheit  zahlreicher  Bak- 
terien im  nüchternen  (salzsäurefreien)  Magen  (siehe  a,  a);  sie  lehren  2) 
dass  der  Bakteriengehalt  des  Magens  in  hohem  Grade  abhängig  ist 
von  der  Menge  der  mit  der  Nahrung  eingeführten  Bakterien  (vgl. 
a,  8  mit  b,  a);  3)  dass  beim  Verweilen  in  dem  salzsäurehaltigen 
Mageninhalt  die  Anzahl  der  entwickelungsfähigen  Bakterien  (und 
Schimmelpilze)  sich  überaus  schnell  vermindert  (vgl.  alle  a  mit  allen  /?)• 

5)  15  Personen  (theils  gesund,  theils  an  Magenerweiterung  resp- 
Magenkrebs  leidend)  erhielten  ein  Mittagessen,  bestehend  aus  Suppe, 
Brot  und  kaltem  Fleisch.  1,  3  und  5  (einige  Mal  2,  4  und  6)  Stan- 
den nach  der  Mahlzeit  wurden  von  jeder  Person  Mageninhaltproben 
zur  Untersuchung  entnommen.  Die  ebenfalls  instruktive  Tabelle  ist 
zu  lang,  um  hier  angeführt  zu  werden,  die  Resultate  sind  kurz  fol- 
gende: 1)  1  Stunde  nach  der  Mahlzeit  zeigt  die  Bakterienmenge 
keine  Beziehung  zu  dem  Salzsäuregehalt;  2)  in  der  Folge  nimmt  die 


Neue  Litteratur.  237 

Bakterienmenge  stetig  ab,  und  zwar  um  so  rapider,  je  grösser  der 
Salzsäuregehalt  des  Mageninhalts ;  3)  bei  einer  gesunden  Person  mit 
ungewöhnlich  geringem  Salzs&uregehalt  (0—0,004%)  nahm  die  Bak- 
terienmenge nicht  ab,  sondern  zu  (verdreifachte  sich  im  Laufe  von 
4  Standen);  bei  2  an  Magenkrebs  leidenden  Personen,  bei  denen 
Oberhaupt  keine  Salzsäure  nachgewiesen  werden  konnte,  war  die 
Bakterienmenge  von  Anfang  an  sehr  beträchtlich  und  nahm  ebenfalls 
mit  der  Zeit  stark  zu 1). 

Es  sei  noch  bemerkt,  dass  vor  der  Nahrungsaufnahme  resp.  vor 
der  Einführung  der  Sonde  die  Versuchspersonen  die  Mundhöhle  auf 
das  sorgfältigste  reinigten,  um  das  Eindringen  von  Bakterien  aus 
letzterer  mit  der  Nahrung  oder  der  Sonde  in  den  Magen  möglichst 
zu  vermeiden. 

In  der  Zusammenfassung  seiner  Ergebnisse  spricht  der  Verf.  u. 
a.  die  Meinung  aus,  dass  bei  der  Magenverdauung  die  Bakterien 
höchst  wahrscheinlich  gar  keinen  Antbeil  nehmen. 

Roth  er  t  (Kazan). 


Neue  Litteratur 

tnummragettellt  ron 

Da.  Abthüb  Wübzbubg, 

BftHothekar  Im  Kaiserlich'!!  GetandheUnmte  in  Berlin. 

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(Zeitscbr.  f.  Hygiene.  Bd.  X.  1891.  Heft  2.  p.  295—252.) 
Heyroth,  A.f  Ueber  eine  Beiseaasrüstung  für  Zwecke  der  Entnahme  and  bakteriologischen 

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Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Natur. 

Harmlose  Bakterien  und  Parasiten. 

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1)  Die  Menge  der  Schimmelpilse  (soweit  sie  überhaupt  rorhanden  waren)  nahm 
hll>gegen  ausnahmslos  mit  der  Zeit  ab,  in  vielen  Fällen  bis  an  0,  selbst  bei  Ab- 
"tteoneit  tod  Salssfiore.  Dies  bestätigt  die  ohnebin  wahrscheinliche  Annahme,  dass 
dl*  Vernichtung  der  8chimmelpilzsporen  im  Mageninhalt  nicht  durch  die  Salssfcure, 
wwieni  durch  irgend  eine  andere  Ursache  bewirkt  wird.  Der  Verf.  berührt  diesen 
Paokt  überhaupt  nicht  im  Text.     Ref. 


238  *•»•  Litteratar. 

A.    J*/ee*ttes 


Litthaoer,    Glossen   nun   Volks-8eucbengesets.     (Zeitschr.    f.   Medlelaalbeamte.   1191. 

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f.  Gynäkol    Bd  XL.  1891.  Heft  1.  p.  99—118) 
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Net*  Litteratur.  239 


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Mumpe,  RAekfallafieDer,  Osteomyelitis, 


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O.    Entosootüeks  Krankheiten. 

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Anchylostomum,  Trichocephalas,  Oxyurls.) 

fckeibtr,  8.  H.t  Lebende  Fliegenlarren  im  Magen  und  in  der  Mundhohle.  (Orrosi  hetilep. 
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Maul-  nnd  Uaueneeuehe. 

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KrankhcUsti  i  gyatrii  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Saugetkiere. 

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Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

vEurierpest,  Lungenseucbe,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Ktlber,  Rauschbrand,  entosoodsches  Verkalben.) 

1**i»gwt  J.,   Ueber  eine  infektiöse  Kftlber-Pneumonie.    (Wochenschr.  f.  Tbierheilk.  u. 

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Srankkeiteerregends  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pfannen. 

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240 


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Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwicke- 

lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

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Heilverfahren  gegen  Tuberculose. 

Cornil,  Y.f  Snr  lea  grefFes  et  inoculations  de  Cancer.     (Ballet,  de  l'acad.  de  mld.  1891. 

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Inhalt. 


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mende Sporocysteu.    (Orig.),  p.  215. 

Ludwig,  F.,  Ueber  das  Vorkommen  des 
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(Orig),  p.  214. 

81eakiBf  P.,  Die  Kieselsluregallerte  als 
Nährsubstrat.    (Orig.),  p.  209. 

Referate. 

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Poa,  P.,  e  Carbon« ,  T.,  Studi  sul  processo 
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Prankland,  Peroy  F.,  Stanley,  Arthur,  and 
Prew,  W.,  Fermentations  induced  by  the 
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Giard,  Alfred,  L 'Isaria,  parasite  de  la  larve 
du  hanneton,  p.  280. 

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der  Vulva  nebst  Bemerkungen  über  die 
Behandlung  dieser  Krankheit,  p.  227. 

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gie  für  Aerzte   und  Studirende,    p.  219. 

Latis,  Ueber  den  Uebergang  des  Milzbran- 
des von  der  Mutter  auf  den  Fötus  und 
über  die  Veränderungen  in  den  QefKssen, 
welche  der  Milzbrand  hervorbringt, 
p.  225. 


Lewandowsky,  Ueber  Indol-  und  Phenol- 
bildung durch  Bakterien,  p.  220. 

Lustgarten,  Sigmund,  On  Psorospermosis 
follicularis,  p.  229. 

Martinotti  u.  Barbaooi,  Ueber  die  Physio- 
pathologie des  Milzbrandes,  p.  224. 

Oertel,  Ueber  das  diphtherische  Gift  und 
seine  Wirkungsweise,  p.  220. 

SoroUn,  N.,  Ueber  einige  Krankheiten  der 
Kulturpflanzen  im  Süd-Ussurischen  Ge- 
biet, p.  288. 

Woronin,  IL,  Ueber  das  „Taumelgetreide" 
in  Sttd-Ussurien,  p.  281. 

TTntersuchungtmethoden,  Initrumente  etc. 

Bernheim,  H.,  Taschenbuch  für  den  bak- 
teriologischen Praktikanten,  p.  234. 

Fraenkel,  B.,  Die  Oabbet'sche  Färbung  der 
Tuberkelbacillen ,  eine  „unwesentliche" 
Modifikation  meiner  Methode,  p.  234. 

Kirchner,  Bakteriologische  Untersuchungs- 
methoden, p.  284. 

Schutzimpfung,  künstliche  Infektions- 
krankheiten, Xntwioklnngahommnng 
und  Vernichtung  der  Bakterien 
und  Parasiten. 
Kijanowski,  W.,  Zur  Frage  Über  die  anti- 
mikrobiellen   Eigenschaften   des    Magen- 
saftes, p.  285. 

Nene  Litteratur,  p.  237. 


Jfroinmannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Po  nie)  in  Jona. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

GelLHofr.  Prot  Dr.  Leuclart  m  Professor  Dr.  Loefler 

In  Latpriff  In  Orrifnnld 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJTilworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X*  Band«       -o-    Jena,  den  5.  September  1891.       ~o-  Nd.  8* 

Frais  für  den  Band  (86  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Binde. 

— *f    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten,     g*- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten* 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf' 
sötze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Medaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 

Original -Mittheilungen. 


Zur  Keuntniss  der  Amöben-Enteritis  und  -Hepatitis. 

Von 

Dr.  A.  Lutz 

in 

Honolulu  (Hawaii). 

Die  neueren  Mittheilungen  von  Osler  und  Eartulis  in  dieser 
Zeitschrift  veranlassen  mich,  einige  einschlägige  Beobachtungen  und 
Betrachtungen  mitzutheilen.  In  der  (leider  unerfüllt  gebliebenen) 
Hoffnung,  dieselben  durch  ein  grösseres  Material  zu  ergänzen,  habe 
ich  sie  bisher  nicht  veröffentlicht;  wohl  aber  habe  ich  sie,  um  zu 
weiteren  Beobachtungen  aufzufordern,  in  Fachkreisen  vielfach  zur 
x-w.  16 


242  !-**», 

Sprache  gebracht  Dies  that  ich  auch  1889  bei  einem  Besuche  im 
John  Hopkinshospitale,  und  fand,  dass  daselbst  zu  jener  Zeit  noch 
keine  einschlägigen  Beobachtungen  existirten.  Es  folgt  daraus,  dass 
die  Priorität  der  Beobachtung  für  die  neue  Welt  mir  gebührt  und 
Dr.  Osler  dieselbe  nur  für  Nordamerika  in  Anspruch  nehmen  kann. 

Dies  allein  würde  mich  indessen  nicht  zu  einer  Mittheilung  ver- 
anlasst haben;  geben  doch  meiner  Ansicht  nach  die  bisherigen  Mit- 
theilungen mehr  einen  Einblick  in  die  geographische  Vertheilung  der 
aufmerksamen  Beobachter,  als  in  diejenige  der  jedenfalls  sehr  ver- 
breiteten Krankheit.  Es  ist  merkwürdig,  dass  die  vielen  Mikro- 
skopiker  der  Gegenwart  dieses  so  wichtige  und  dankbare  Thema  nicht 
mehr  gefördert  haben. 

Neben  dem  durch  einige  Kritiker  hervorgerufenen  Vorurtheile 
kommt  dabei  wohl  besonders  der  Umstand  in  Betracht,  dass  die 
Wichtigkeit  gewisser  Vorsichtsmassregeln  für  die  Sicherung  positiver 
Befunde  nicht  genügend  hervorgehoben  wurde.  Der  Zweck  dieser 
Mittheilung  ist  daher  hauptsächlich,  auf  dieselben  aufmerksam  zu 
machen  und  zugleich  einer,  wie  ich  glaube,  bevorstehenden  Verwirrung 
der  ganzen  Frage  vorzubeugen. 

Da  das  Vorkommen  von  Amöben  im  menschlichen  Darmkanal 
bezw.  in  der  Leber  von  keiner  Seite  in  Abrede  gestellt  wird,  so  hat 
die  Diskussion  hauptsächlich  folgende  Fragen  zu  berücksichtigen : 

1)  Kann  der  Parasitismus  der  Amöben  zu  pathologischen  Zu- 
ständen führen? 

2)  Sind  dieselben  eine  nothwendige  Folge  oder  von  gewissen 
unterstützenden  Bedingungen  abhängig? 

3)  Kommen  vielleicht  neben  schädlichen  auch  unschuldige  Arten 
an  denselben  Lokalitäten  vor? 

4)  Welcher  Art  sind  die  hervorgebrachten  Störungen?  Welchen 
bereits  klinisch  bekannten  Affektionen  entsprechen  dieselben? 

Bevor  ich  mich  zur  Diskussion  dieser  Fragen  wende,  möchte  ich 
noch  einige  Worte  über  die  Untersuchungsmethode  sagen. 

Nur  die  frisch  untersuchten  Fäces  geben  einen  richtigen  Begriff 
von  der  oft  ganz  ungeheueren  Anzahl  und  der  erstaunlichen  Leb- 
haftigkeit der  Amöben ;  man  sollte  daher  das  Mikroskop  zum  Kranken 
mitnehmen  und  unmittelbar  nach  der  Entleerung  die  Dejektionen  auf 
massig  erwärmtem  Objektträger  beobachten.  Als  Zusatzflüssigkeit 
lässt  sich  der  körperwarme  Speichel  gut  benutzen1).  Im  warmen 
Zimmer  gelingt  es  dann  leicht,  ev.  unter  wiederholtem  leichten  Er- 
wärmen, das  ausserordentlich  interessante  Spiel  der  sich  bewegenden 
Amöben  lange  Zeit  hindurch  zu  verfolgen.  Wo  ein  heizbares  Mi- 
kroskop zu  haben  ist,  wird  man  natürlich  das  letztere  vorziehen. 

Nach  kurzer  Abkühlung  lässt  sich  ein  Theil  der  kältestarren 
Amöben  wieder  zu  Bewegungen  veranlassen,  so  dass  sich  auch  dann 
noch  eine  sichere  Diagnose  stellen  lässt;  indessen  büsst  man  doch 
den  Massstab  für  die  Beurtheilung  der  Intensität  der  Infektion  ein. 
Im  Nothfalle  kann  man  einige  Präparate  bis  zur  Untersuchung  in 


1)  Dass   derselbe   selbst   amöbenfrei  ist,    lässt   sich  durch  Kontrollantersachaog«n 
leicht  feststellen. 


Zur  Kenntniss  der  Amöben-Enteritis  and  -Hepatitis.  243 

einer  dem  Körper  ganz  oder  nahe  anliegenden  Tasche  aufbewahren, 
wobei  die  Abkühlung  eine  sehr  massige  ist. 

Es  ist  erstaunlich,  wie  schwierig  es  ist,  ruhende  Amöben  mit 
Sicherheit  in  Präparaten  zu  finden,  welche  dieselben  in  grosser  Zahl 
enthalten;  in  Dejektionen  mit  den  vielen  darin  enthaltenen  Form- 
elementen kommt  man  kaum  über  die  Wahrscheinlichkeitsdiagnose 
hinaus.  Im  Abscesseiter  mag  es  leichter  sein.  Jedenfalls  bleibt 
immer  die  eigentümliche  Bewegung  das  beste  Kriterium  für  die 
Amöbennatur;  sie  müsste  schon  wegen  der  Unterscheidung  verschie- 
dener Spezies  in  Betrachtung  gezogen  werden. 

Ich  schreibe  es  nur  der  Unkenntniss  dieser  Verhältnisse  zu,  dass 
ich  die  ersten  Darmamöben  erst  vor  circa  3  Jahren  auffand,  ob- 
gleich ich  schon  mehrere  Jahre  vorher  darauf  fahndete  und  auch 
aus  anderen  Gründen  viele  Hunderte  von  Fäkalpräparaten  untersucht 
hatte.  Einer  oder  zwei  der  untersuchten  Fälle  entsprachen  klinisch 
genau  dem  später  beobachteten  Bilde  der  Amöbeninfektion. 

Noch  möchte  ich  darauf  aufmerksam  machen,  dass  bei  Unter- 
suchungen von  Dejektionen  die  Amöben  weniger  in  den  eigentlichen 
Fäces,  als  in  den  Sekreten  der  Darmwand  (Schleim,  Blut,  Eiter)  ge- 
funden werden. 

Wenden  wir  uns  nun  zur  Erörterung  obiger  Fragen,  so  finden 
wir,  dass  die  Ansichten  über  die  pathologische  Bedeutung  der  Amöben 
sehr  getheilt  sind. 

Dass  die  Amöben  wirkliche  Parasiten  sind  und  nicht  etwa  nur 
Fäulnissbewohner,  welche  eben  so  gut  ausserhalb  wie  innerhalb  des 
Körpers  existiren  können,  wird  schon  dadurch  bewiesen,  dass  sie  an 
enge  Temperaturgrenzen  gebunden  sind,  und  dass  wir  in  ihrem  Inneren 
nicht  die  Elemente  des  von  aussen  stammenden  Darmkothes,  sondern 
vom  Wirthe  gelieferte,  und  zwar  mit  besonderer  Vorliebe  rothe  Blut- 
körperchen finden.  Ihre  lange  Ausdauer  im  Innern  geschlossener 
Leberabscesse  ist  ein  weiterer  Beweis  für  ihre  vortreffliche  Anpassung, 
and  endlich  sprechen  auch  die  letzten  Untersuchungen  von  Kar- 
talis entschieden  gegen  ein  aktives  Leben  ausserhalb  des  Körpers 
(soweit  nur  die  natürlichen  Bedingungen  in  Frage  kommen). 

Trotzdem  die  parasitische  Natur  der  Darmamöben  allgemein 
zugegeben  oder  zum  Mindesten  nicht  bestritten  wird,  herrscht  aber 
über  die  Folgen  ihres  Parasitismus  keine  Einigkeit.  Ich  will  die  An- 
sichten der  Autoren  kurz  rekapituliren,  soweit  es  die  in  meinem  Be- 
sitze vorhandene  Litteratur  erlaubt 

Die  eingehende  und  sorgfältige  Beobachtung  von  Loesch1),  der 
zuerst  parasitirende  Amöben  mit  Sicherheit  nachwies,  ist  mir  leider 
nicht  im  Originale  zugänglich.  Aus  dem  genauen  Berichte  von 
Leuckart*)  lässt  sich  indessen  mit  Sicherheit  entnehmen,  dass 
Jer  Autor  an  der  klinischen  Bedeutung  seines  Befundes  nicht  zweifelt, 
and  ebenso  wenig  scheint  dies  der  Berichterstatter  zu  thun.  Nach 
Kartalis3)  urtheilt  Norman  d,  auf  eigene  Beobachtung  gestützt, 


1)  Archiv  ffir  path.  Anatomie.  Bd.  LXV.  1875.  pg.  196. 

2)  Leuckart,  Parasiten  (2.  Aufl.)  pg.  234  ff. 

3)  Centralbl.  fdr  Bakteriol.  u.  Paras.  Bd.  I.  1887.  pg.  538. 

16* 


244  Lut«, 

ebenso.  Koch1)  wies  die  Amöben  in  Dannschnitten  (sogen.)  tro- 
pischer Dysentrie  nach;  Kartulis  folgte  ihm  auf  demselben  Beob- 
achtungsfeld und  trat  auf  Grund  eines  grossen  Beobachtungsmateriales 
ganz  entschieden  für  die  Eonstanz  und  ursächliche  Bedeutung  dieses 
Befundes  ein  *).  Dasselbe  that  Hlava*)  für  eine  im  Prager  Irren- 
hause endemische  „Dysenterie".  (Fälle  aus  derselben  Quelle  sind  auch 
von  Elebs  in  seinem  Handbuche  der  allgemeinen  Pathologie9)  er- 
wähnt und  einem  Bacillus  zugeschrieben ;  trotzdem  die  anatomischen 
Befunde  von  denjenigen  früherer  Autoren  abwichen,  wird  die  echt 
dysenterische  Natur  der  Krankheit  doch  nicht  im  Geringsten  be- 
zweifelt). Perroncito4),  welcher  die  Amöben  bei  einer  chroni- 
schen, mit  Diarrhöe  verbundenen  Enteritis  fand,  spricht  sich  über  ihre 
Bedeutung  nicht  aus.  Osler5)  fand  die  Amöben  in  einem  Leber- 
abscess  nach  einer  chronischen  „Dysenterie"  und  erklärt  sie  für  para- 
sitirende  Organismen,  deren  Verhältniss  zur  Dysenterie  durch  fernere 
Untersuchungen  bestimmt  werden  müsse.  Ich  selbst  glaube  nach  3 
in  Brasilien  gemachten  Beobachtungen,  dass  durch  die  massenhafte 
Gegenwart  von  Amöben,  auf  welche  die  Loesch'sche  Beschrei- 
bung vorzüglich  passt,  eine  ebenfalls  mit  der  klinischen  Beobachtung 
des  Autors  vollkommen  übereinstimmende  chronische  ulceröse  Enteritis 
unterhalten  wird.  Diese  dort  stets  seltene,  aber  klinisch  sehr  gut 
charakterisirte  Affektion  war  mir  auf  Amöben  verdächtig;  doch 
vermochte  ich  in  einigen  früher  untersuchten  Fällen,  von  denen 
wenigstens  einer  unzweifelhaft  hierher  gehört,  die  Amöben  in  den  er- 
kalteten Fäces  nicht  sicher  zu  erkennen. 

Diesen  Zeugnissen  gegenüber  stehen  diejenigen  von  Grassi6), 
welcher  —  wahrscheinlich  identische  —  Amöben  bei  gesunden  und 
kranken  Personen  fand,  ferner  von  Cunningham7)  in  Calcutta, 
der  ähnliche  Thierchen  in  Dejektionen  von  gesunden  und  kranken 
Menschen,  Pferden  und  Kühen  antraf;  auch  Sonsino  soll  dieselben 
beschrieben,  ihnen  aber  keinen  Werth  beigelegt  haben8).  Merk- 
würdigerweise stellt  sich  auch  ein  Beobachter  aus  Loesch's 
Klinik,  Massiutin8),  etwas  auf  die  Seite  der  Zweifler,  obgleich 
sein  erster  Fall  —  der  einzige,  bei  dem  die  Amöben  massenhaft 
gefunden  wurden  —  eine  sehr  typische  Geschichte  darbietet.  Drei 
andere  zeigten  Erscheinungen  von  akutem  oder  chronischem  Darm- 
katarrh und  nur  der  fünfte  war  als  Typhus  ohne  primäre  Darmer- 
krankung diagnostizirt.  Uebrigens  verweisen  wir  den  Leser  auf  das  uns 
leider  nicht  zugängliche  Original,  resp.  auf  das  Referat  in  diesem  Blatte. 

Fassen  wir  nun  diese  Beobachtungen  zusammen,  so  sehen  wir, 
dass  allerdings  massige  Amöbeninfektionen  nicht  notwendigerweise 


1}R. 
2)  81e 
IX. 

3 


Koch,  Gaffky's  Bericht  rar  Erforschung   der  Cholera  in  1888.    pg.  65. 
81ehe  Litteratarverzeicbniss  ron  Kartalis  in  Centralbl.  für  Bakteriol.  u.  Parms. 
Bd.  IX.  pg.  37«. 

Bd.  I.  pg.  SOS  ff. 

Perroncito,  I  Parassiti  etc.  1882.  pg.  85. 

5)  Centralbl.  f.  Bakteriol.  n.  Paras.  Bd.  VII.  pg.  736. 

6)  Siehe  Anm.  8. 

7)  Siehe  Anm.  8. 

8)  Massiutin,  Ueber  die  Amöben  etc.,  ref.  von  v.  Etlinger  im  CentralbL  für 
Bakteriol.  u.  Paras.  Bd.  VI.  pg.  458. 


Zur  Kenotniss  der  Amöben-Enteritis  und  -Hepatitis.  245 

von  deutlichen  Beschwerden  gefolgt  sein  müssen,  obgleich  auch  in 
solchen  Fällen  die  Darmfunktionen  meist  etwas  verändert  erscheinen. 
Wo  aber,  wie  in  den  meisten  Beobachtungen,  die  Zahl  der  Amöben 
eine  sehr  bedeutende  war,  finden  wir  dieselben  in  Begleitung  nahm- 
hafter  Störungen,  welche  bald  als  ulceröse  Enteritis,  bald  als  Dysen- 
terie (letztere  oft  als  tropische  oder  chronische  definirt)  bezeichnet 
werden.  Endlich  wurden  die  Amöben  massenhaft  in  der  Wandung 
oder  im  Eiter  von  Leberabscessen  gefunden.  Angaben  über  ihr  Vor- 
kommen in  der  normalen  Leber  gibt  es  nicht,  aber  ebensowenig 
eiistiren  solche  über  ihr  Fehlen  beim  endemischen  Leberabscesse, 
wie  solcher  namentlich  in  den  wärmeren  Zonen  vorkommt.  Es  scheint 
daher  berechtigt,  dieselben  als  einen  konstanten  Befund  anzusehen,  bis 
wir  eines  anderen  belehrt  werden. 

Wie  mir  scheint,  sind  die  bisherigen  klinischen  Beobachtungen 
hinreichend,  um  unsere  erste  Frage  mit  einem  hohen  Grade  von 
Wahrscheinlichkeit  bejahen  zu  können.  Thierversuche,  besonders  die 
neuesten  von  Kartulis  mit  Amöbenkulturen,  dienen  denselben  als 
weitere  Stütze.  Ferner  spricht  dafür  die  auch  von  mir  beobachtete 
Thatsache,  dass  eine  Besserung  des  Prozesses  nur  erreicht  wird,  wenn 
auch  die  Amöben  an  Zahl  abnehmen,  und  endlich  der  Umstand,  dass 
wir  den  Prozess  ebensowenig  zu  heilen  vermögen,  als  wir  die  Para- 
siten ganz  ausrotten  können. 

Dass  ausgesprochene  pathologische  Zustände  der  Amöbenin- 
fektion folgen  müssen,  lässt  sieht  angesichts  der  vorliegenden 
Angaben  nicht  behaupten.  Es  ist  in  dieser  Hinsicht  aus  den  Thier- 
experimenten  nichts  zu  lernen,  da  sie  bisher  unter  Bedingungen  an- 
gestellt worden  sind,  wie  sie  beim  Menschen  kaum  in  Betracht 
kommen.  Vielmehr  ist  es  äusserst  wahrscheinlich,  dass  Keimformen 
der  Amöben  per  os  eingeführt  werden,  und  die  Anzahl  derselben 
möchte  für  die  Intensität  der  Infektion  nicht  gleichgültig  sein.  Es 
ist  aber  auch  denkbar,  dass  nur  akute  Erkrankungen  des  Darm- 
kanals aus  anderer  Ursache  den  Amöben  Gelegenheit  geben,  sich 
anter  rascherer  Vermehrung  massenhaft  in  die  Schleimhaut  einzu- 
nisten and  von  da  vielleicht  auch  in  die  Leber  zu  gelangen.  Das 
gleichzeitige  Vorkommen  grosser  Mengen  von  kleinen  Flagellaten  ist 
wiederholt,  und  auch  von  mir  in  zwei  Fällen,  beobachtet;  dabei  fand, 
ich  sowohl  die  als  Trichomonaden,  wie  die  als  Gercomonaden  be- 
zeichneten Formen.  Da  nach  neueren  Beobachtungen  Flagellaten 
*uch  das  Darmepithel  angreifen  können,  so  dürfte  auch  deren 
Gegenwart  vielleicht  nicht  ganz  bedeutungslos  sein.  Die  vollständige 
Losung  unserer  zweiten  Frage  muss  der  Zukunft  vorbehalten  bleiben, 
*to  selbst,  wenn  es  sich  ergeben  sollte,  dass  Hülfsbedingungen 
Bfthig  sind  und  ohne  dieselben  die  Gegenwart  selbst  zahlreicher 
Amöben  auf  die  Dauer  ohne  schlimme  Folgen  bleiben  kann,  so 
*frde  dies  die  pathologische  Bedeutung  der  Amöben  keineswegs 
beeinträchtigen. 

Die  Frage,  ob  mehrere  Arten  von  Amöben  im  Darmkanale  und 
m  der  Leber  vorkommen,  kann  ebenfalls  noch  nicht  entschieden 
werden;  doch  ist  vor  der  Hand  kein  genügender  Qrund  zu  der  An- 
nahme, dass  mehr  als  eine  Art  von  echten  Amöben  sich  den  eigen- 


246  Lttta» 

thOmlichen  Verhältnissen  des  Parasitismus  in  Warmblütern  angepassl 
hätte.  Obgleich  Kartulis  von  Riesenamöben  sprach,  sind  seine 
Exemplare  doch  nicht  grösser,  als  die  von  Loesch  beschriebenen, 
auf  welche  auch  die  anderen  Beschreibungen  passen. 

Wir  kommen  nun  zur  Frage  nach  der  Natur  der  pathologischen 
Befunde.  Es  könnte  leicht  als  ein  Argument  gegen  die  Bedeutung 
der  Amöben  angeführt  werden,  dass  die  ihre  Gegenwart  begleitenden 
Prozesse  mit  so  verschiedenen  Namen  bezeichnet  werden,  als  da 
sind:  akuter  und  chronischer  Darmkatarrh,  ulceröse  Enteritis,  Typhus 
Leberabscesse  etc.  Gehen  wir  indessen  der  Sache  auf  den  Grund, 
so  finden  wir,  dass  alle  diese  Zustände  (mit  Ausnahme  des  allein- 
stehenden Typhusfalles)  sich  in  den  Rahmen  eines  Krankheitsbildes 
bringen  lassen,  welches  unter  Umständen  auch  an  einem  Kranken 
beobachtet  werden  kann.  Zuerst  müssen  wir  uns  freilich  gestatten, 
dem  Worte  „Dysenterie"  die  Bezeichnung  „Enteritis"  mit  schleimig- 
blutigen Entleerungen  zu  substituiren ;  denn  nichts  anderes  ist 
(wenigstens  soweit  ich  aus  der  Litteratur  entnehmen  kann)  die  oft 
erwähnte  „chronische  oder  tropische4'  Dysenterie.  Die  echte  Dysen- 
terie dagegen  ist  (wie  jeder  Arzt  aus  der  Litteratur  wissen  muss, 
wenn  auch  die  Gelegenheit  zu  eigener  Beobachtung  neuerdings  selten 
geworden  ist)  eine  akute  Infektionskrankheit,  welche  in  allen  Zonen 
auftreten  kann  und  oft  eine  grosse  Ausbreitung  erfahren  hat.  Oft 
ist  sie  sehr  schwer  und  mörderisch  und  gerade  in  solchen  Fällen 
wird  der  Befund  immer  wieder  als  diphtheritische  Dickdarment- 
zündung angegeben.  Kommen  dabei  auch  Leberabscesse  vor,  so  sind 
sie  doch  von  dem  endemischen,  stets  langsam  verlaufenden  offenbar 
völlig  verschieden.  Nie  hat  man  gehört,  dass  auf  eine  epidemische 
Dysenterie  nachträglich  eine  Epidemie  von  Leberabscessen  gefolgt 
wäre,  was  doch  geschehen  müsste,  wenn  beide  Darmaffektionen  iden- 
tisch wären;  denn  die  Annahme,  dass  diese  Komplikation  nur  durch 
das  Klima  bedingt  sei,  dürfte  doch  heutzutage  kaum  mehr  ernstlich 
vorgebracht  werden.  Auch  die  nachfolgenden  Funktionsstörungen 
Bind  bei  der  epidemischen  Ruhr  offenbar  nur  die  Residuen  des  be- 
reits abgelaufenen  destruktiven  Prozesses,  während  die  Amöben- 
krankheit von  vornherein  chronisch  und  ohne  besonders  schwere 
Initialerscheinungen  auftreten  kann.  Dass  die  epidemische  Dysen- 
terie auf  Amöben  beruhe,  ist  unbewiesen  und  aus  verschiedenen 
Gründen  viel  weniger  wahrscheinlich,  als  dass  sie  zu  den  bakteriellen 
Infektionen  gehört;  jedenfalls  kann  sie  aber  nicht  durch  die  echte 
Lo  es  che1  sehe  Amöbe  bedingt  sein. 

Ausser  der  epidemischen  gibt  es  bekanntlich  noch  eine  sporadische 
Form,  welche  in  allen  Ländern  vorkommt;  wenn  dieselbe  leicht  auf- 
tritt, geht  sie  häufig  unter  dem  Namen  katarrhalische  Dysenterie. 
Ob  sie  mit  der  epidemischen  Form  identisch  ist  oder  zu  derselben 
in  einem  Verhältnisse  steht,  wie  Cholera  nostras  zu  Cholera  asiatica, 
ist  noch  unentschieden.  Jedenfalls  darf  sie  aber  nicht  banalen  Ur- 
sachen, wie  Indigestion,  Eoprostase  etc.  zugeschrieben  werden,  sondern 
tritt  wie  ein  spezifischer  Infektionsprozess  auf,  was  ich  nicht  nur 
öfters  an  Kranken,  sondern  auch  zweimal  an  mir  selbst  beobachten 
konnte.    In  einigen  hierher  gehörigen,  rasch  mit  Genesung  endigenden 


Zur  Kenntnias  der  Amöben-Enteritis  und  -Hepatitis.  247 

Fällen  waren  keine  Amöben  nachzuweisen ;  es  war  dies  auch  kaum 
zu  erwarten,  da  die  Amöbeninfektion  wenig  zur  Spontanheilung  neigt 

Nur  diese  beiden  Krankheiten  dürfen  mit  dem  Namen  „Dysen- 
terie" bezeichnet  werden.  Dass  Eartulis  es  nicht  mit  diesen  zu 
thun  gehabt  hat,  geht  schon  aus  seinem  reichen  Material  von  Leber- 
abscessen  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  hervor.  Wir  glauben  es 
nur  dem  unpassenden  Namen  „Dysenterie"  zuschreiben  zu  müssen, 
dass  seine  so  werthvollen  Beobachtungen  nicht  die  verdiente  Auf- 
nahme gefunden  haben.  Freilich  ist  eine  genaue  Scheidung  der 
Krankheiten  in  der  Litteratur  nirgends  durchgeführt,  und  überall  ge- 
nügen blutige  Durchfälle  für  die  Diagnose  „Dysenterie";  daher  sind 
auch  akute  Quecksilbervergiftungen  in  dieser  Rubrik  zu  finden. 
Hoffentlich  wird  die  Zukunft  in  dieser  Beziehung  eine  Reform  bringen; 
wir  werden  dann  erfahren,  ob  die  Dysenterie  der  warmen  Zonen 
ganz  oder  nur  theilweise  von  der  eigentlichen  Dysenterie  zu  trennen 
ist,  und  wie  weit  ihre  Verbreitung  auch  in  anderen  Zonen  geht. 

Wenn  ich  meine  drei  eigenen,  unter  sich  gut  übereinstimmenden 
Beobachtungen  generalisiren  darf,  so  ist  die  Amöbeninfektion  eine 
chronische  Enteritis,  die  wohl  akute  Remissionen  und  Exacer- 
bationen, aber  nur  sehr  geringe  Heilungstendenz  zeigt.  Die  Ent- 
leerungen sind  fäkulent,  geformt  oder  diarrhöisch,  immer  mit  Schleim 
gemischt,  welcher  grosse  Mengen  von  Gharcot 'sehen  Krystallen 
enthalten  kann.  Der  Schleim  enthält  wiederum  beigemengtes  Blut 
in  verschiedener  Quantität,  und  gerade  an  diesen  Stellen  finden  sich 
die  Amöben  massenhaft  gedrängt  und  mit  aufgenommenen  rothen 
Blutkörperchen  beladen.  Flagellaten  finden  sich  ebendaselbst,  gehen 
aber  auch  in  die  Fäce3  selbst  über,  wenn  dieselben  flüssig  genug 
sind,  was  die  Amöben  nur  in  geringem  Grade  thun. 

Von  den  drei  während  längerer  Zeit  beobachteten  Fällen  betraf 
der  eine  ein  kleines  Mädchen ;  die  beiden  anderen  Kranken  waren  er- 
wachsene Männer.  Einer  derselben  bot  hektisches  Fieber,  Empfind- 
lichkeit, sowie  spontane  Schmerzen  in  der  Leber,  so  dass  der  Verdacht 
auf  beginnenden  Leberabscess  begründet  erschien.  Durch  meine  Ab- 
reise von  Brasilien  verlor  ich  die  Patienten  aus  den  Augen  und  hörte 
nur,  dass  das  Mädchen  seither  gestorben  ist.  Mit  therapeutischen 
Versuchen  habe  ich  mir  viel  Mühe  gegeben,  ohne  zu  bedeutenden 
Resultaten  zu  kommen.  Zwar  liessen  sich  die  isolirten  Amöben 
durch  verschiedene  Mittel  tödten,  aber  schon  eine  dünne  Schicht 
von  Darmschleim  genügte,  um  sie  vor  denselben  Substanzen  zu 
schätzen.  Dies  gilt  z.  B.  auch  von  dem  gerühmten  Chinin.  Da 
trotz  der  fortwährenden  Entleerung  grosser  Amöbenmengen  ihre 
Zahl  nicht  abnimmt,  muss  der  Prozess  hauptsächlich  von  den  im 
Geschwürsgrunde  eingenisteten  und  daselbst  sich  vermehrenden 
Amöben  unterhalten  werden,  und  diesen  ist  mit  unseren  gewöhn- 
lichen Mitteln  nur  schlecht  beizukommen.  Am  besten  bewährten 
sich  mir  hohe  Darmirrigationen  mit  schwachen  Tanninlösungen,  sowie 
Tannin  mit  Opium  innerlich.  Auch  Thymol  intus  et  extra  während 
längerer  Zeit  gebraucht,  schien  nützlich,  erzielte  aber  keine  vollkommene 
Heilung.  Chinin  ergab  keine  besseren  Resultate,  und  Bismuthum  sub- 
nitricum  erschien  ganz  wirkungslos. 


248  Gabritschewskj, 

Da  in  meinem  Beobachtungsfelde  Dysenterie  epidemisch  gar 
nicht,  sporadisch  nicht  besonders  häufig  vorkommt,  trotzdem  aber  der 
charakteristische  Leberabscess  zuweilen  getroffen  wird,  so  stehe  ick 
nicht  an,  ihn  auf  die  chronische  ulceröse  Enteritis  zu  beziehen.  Ol 
diese  auch  daneben  auftreten  kann,  muss  von  anderen  Beobachten 
an  grösserem  Materiale  entschieden  werden.  Jedenfalls  scheint  es 
mir  wahrscheinlich,  dass  das  primäre  Darmleiden  ziemlich  gering 
fügig  bleiben  und  wegen  der  sekundären  Komplikation  ganz  übersehet 
werden  kann. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich  noch  den  Wunsch  aussprechen,  dass 
die  hier  berührten  Fragen  möglichst  bald  endgültig  entschieden 
werden  möchten;  es  kann  dies  leicht  geschehen,  wenn  die  verhält- 
nissmässig  leichte  und  sehr  dankbare  Aufgabe  nicht  zu  Gunsten 
anderer,  viel  schwierigerer  und  undankbarerer  vernachlässigt  wird. 

Honolulu,  den  15.  Juni  1891. 


Zur  Technik  der  bakteriologischen  Untersuchungen 

[Aus  dem  bakteriologischen  Laboratorium  des  Hygienischen  Institutes 

in  München.] 

Von 

Dr.  med.  CK  Gabritechewsky, 

Privatdocenten  an  der  UnWersität  in  Moskau. 
Mit  2  Figuren. 

I.    Graduirte    Kapillarpipetten  zum   Abmessen    sehr 
kleiner  Flüssigkeitsmengen. 

Die  feinsten  Pipetten,  die  in  der  bakteriologischen  Praxis  ge- 
wöhnlich gebraucht  werden,  enthalten  1  ccm  Flüssigkeit  und  sind  in 
10  gleiche  Theile  eingetheilt,  so  dass  ein  Abmessen  von  0,1  ccm 
sehr  leicht  möglich  ist  Bei  verschiedenen  bakteriologischen  Unter- 
suchungen, z.  B.  bei  Zählung  von  Bakterienkeimen  in  stark  bakterieo- 
haltigen  Flüssigkeiten,  muss  man  mit  Hülfe  dieser  Pipette,  um  eine 
genügende  geringe  Zahl  von  Kolonieen  auf  der  Gelatineplatte  zu  er- 
halten, 3,  4  oder  5  Verdünnungen  herstellen.  Dieses  Ziel  kann  nun 
um  so  schneller  und  sicherer  erreicht  werden,  je  kleinere  Quantitäten 
von  bakterienhaltigen  Flüssigkeiten  man  genau  abzumessen  im  Standeist 
Zu  diesem  Zwecke  habe  ich  die  graduirten  Kapillarpipetten  konstruirt, 
welche  eine  genaue  Entnahme  von  0,001—0,01—0,1  ccm  und  der  da- 
zwischen liegenden  Mengen  möglich  machen.    Ich  gebrauche  zwei 

Kapillarpipetten,  eine  kleinere,  welche  in  0,001—0,002 0,01  and 

0,1  ccm  (siehe  die  Abbildung)  und  eine  grössere,  welche  in  0,01- 
0,02 ....  0,1  und  1,0  ccm  getheilt  ist  Die  beiden  Pipetten  sind 
nach  dem  Prinzip  des  Kapillarrohrs  beim  Blutkörperchen-Zählapparat 
(Melangeur   Potaire)   hergestellt  und  am   oberen  Ende  mit  einem 


Zur  Technik  der  bakteriologischen  Untersuchungen. 


Gummischlauch  mit  darauf  sitzender  Schraubenklemme 
rersehen *). 

Die  Anwendung  der  Kapillarpipetten  ist  sehr  einfach. 
Nachdem  die  Pipette  (ohne  Gummischlauch)  in  trockener 
Hitze  sterilisirt  und  dann  bis  zur  Zimmertemperatur  (ca. 
15°  C)  abgekühlt  ist,  wird  der  Gummischlauch  mit 
Schraubenklemme  aufgesetzt  und  die  nöthige  Quantität 
der  Flüssigkeit  durch  Oeffnen  resp.  entsprechendes  Ein- 
stellen der  Schraube  entnommen.  Jetzt  wird  die  äussere 
Oberfläche  des  Kapillarrohrs  gut  abgetrocknet  und  die  ab- 
gemessene Quantität  in  die  Verdünnungsflüssigkeit  durch 
Niederschrauben  derselben  Schraube  ausgetrieben  (vor  dem 
Gebrauch  darf  die  Klemme  nicht  vollständig  eingeschraubt, 
d.  h.  der  Schlauch  nicht  vollständig  durch  dieselbe  zu- 
sammengedrückt sein). 

Bei  gewisser  Uebung  nimmt  das  Abmessen  der  Flüs- 
sigkeit mit  Hülfe  dieser  Kapillarpipetten  nicht  viel  Zeit 
in  Anspruch.  Es  ist  dabei  besonders  das  Eindringen  von 
Luftblasen  in  die  Pipette  zu  vermeiden,  deshalb  ist  zu 
berücksichtigen,  dass  die  Pipette  aus  der  Flüssigkeit  nicht 
früher  herausgenommen  werden  darf,  als  bis  das  Niveau 
der  letzteren  aufhört  zu  steigen;  sind  aber  in  Folge  der 
Ausserachtlassung  dieser  Vorsicht  Luftbläschen  hineinge- 
kommen, so  ist  es  am  besten,  die  ganze  in  der  Pipette 
enthaltene  Flüssigkeit  zu  entfernen,  indem  man  in  die  Pi- 
pette von  oben  (durch  einen  Wattepropfen)  hineinbläst  und 
die  herausfressende  Flüssigkeit  mit  sterilisirt em  Filtrir- 
papier  aufnimmt.  Noch  besser  ist  es  ausserdem,  die  Pi- 
pette mit  sterilisirtem  Wasser,  Alkohol  absol.  und  Aether 
auszuspülen,  kurz  zu  flambiren  und  dann  das  Abmessen 
von  Neuem  anzufangen.  Mit  Wasser,  Alkohol  und  Aether 
müssen  auch  die  Pipetten  nach  jedem  Gebrauch  gereinigt 
werden.  Die  Kapillarpipetten  wurden  von  mir *)  bei  Zäh- 
lang  der  Milzbrandbacillen  in  Bouillonkulturen  und  von 
Dr.  Schöhnwerth3)  bei  Zählung  der  Bakterien  im 
Wasser  mit  Erfolg  angewendet. 

II.  Schalen  zur  Kultur  von  AnaSrobien. 

Wie  aus  der  beigegebenen  Abbildung  (s.  p.  250) 
der  Schale  (im  Querschnitt)  zu  ersehen  ist,  besteht  die- 
selbe aus  einem  erhöhten  Mittelboden  (7  —  8  cm  im 
Durchmesser),  welcher  als  Kulturplatte  dient,  und  einem 
Ring  (1  cm  tief  und  breit),  der  die  runde  Platte 


1)  Die  gradtürten  Kapillarpipetten  sind  von  Chr.  Fuchs  (Manchen,       Fig.  1. 
SehUlerBtruse  11)  zu  beliehen. 

2)  Ein  Beitrag   zur  Frage   der  Immunität  and  Heilung   von  Infektionskrankheiten. 
(Cwrtxalbl.  f.  Bakt.  n.  Paras.  Bd.  X.  1811.  S.  151.) 

3)  Die  Arbeit  von  Herrn  Dr.  Schöhnwerth    soll   bald  im  Archiv  für  Hygiene 
®*«li«ineii. 


250     G*briUch« wsky,  Zur  Technik  der  bakteriologischen  UntarsuchanKen. 

umgibt.  Mit  der  aufgeschliffenen  Deckplatte,  welche  auf  dem  oberen 
ebenfalls  geschliffenen  Rand  der  Schale  liegt,  bildet  sich  ein  Raum 
der  mit  der  äusseren  Luft  durch  je  zwei  korrespondirende  Bohrungei 
der  Schale  und  der  Deckplatte  in  Verbindung  steht,  so  dass  diesei 
innere  Baum  durch  eine  Drehbewegung  des  Deckels  vollständig  un< 
luftdicht  (mit  Hülfe  von  Vaselin)  abgeschlossen  wird  I>    Die  Schalet 


wm/////////£/M///////////////////m///////////////^^^^ 


Flg.  S. 

mit  ihren  Deckplatten  werden  bei  160  °  G  sterilisirt  und  dann  uote 
die  Glocke  des  Giessaparats  so  gestellt,  dass  der  Deckel  neben 
Schale,  auf  einer  Seite  derselben  gestützt,  liegt  Nachdem  die  Gelatüu 
(6—8  bis  10  ccm)  erstarrt  ist,  wird  auf  die  untere,  geschliffene  Seit* 
des  Deckelrandes  Vaselin  mit  einem  Pinsel  aufgetragen  und  de 
Deckel  auf  die  Schale  so  aufgelegt,  dass  ihre  Bohrungen  korrespoo 
diren.  Jetzt  wird  in  eine  von  diesen  zwei  Oeffoungen  (0,5  cm  in 
Durchmesser)  ein  Gummirohr  von  entsprechender  Grösse  dicht  ein 
geführt  und  in  Verbindung  mit  dem  gaserzeugenden  Apparat  ge 
bracht  Es  genügt  schon,  ö  Minuten  Gas  durch  den  inneren  Raun 
der  Schale  durchzuleiten,  um  sicher  die  Luft  daraus  zu  entfernen 
Wenn  man  noch  während  des  Durchleitens  des  Wasserstoffs  in  du 
freie  Oeffnung  der  Schale  mittelst  ausgezogener  Glasröhrchen  zuers 
3  ccm  20°/0  Pyrogallussäure  und  dann  ebensoviel  verdünnter  (1:5 
Kalilauge  (1:10)  eingiesst,  so  wird  die  Mischung  nach  dem  Ver 
schluss  der  Schale  nicht  braun  und  bleibt  während  der  Zöchtungs 
zeit  unverändert.  Dies  ist  ein  sicherer  Beweis  dafür,  dass  es  ge- 
lungen ist,  den  Luftraum  der  Schale  sauerstofffrei  zu  machen.  Inj 
eine  zufällige  Verschiebung  der  Deckplatte  auszuschliessen  und  noclj 
einen  sichereren  Verschluss  zu  haben,  kann  man  einen  Gummiring  &u| 
die  Schale  und  den  Deckel  seitlich  auflegen.  Doch  ist  der  Gummi- 
ring durchaus  nicht  unerlässlich.  Die  Versuche,  welche  ich  mit  deij 
Schalen  angestellt  habe,  lassen  mich  hoffen,  dass  bei  Isolirnng  und 
Zählung  der  Anaörobien-Bakterien,  sowie  bei  Beobachtungen  ibret 
Wachsthum&verhältnisse  diese  Schalen  mit  gutem  Erfolg  angewendet 
werden  können. 


1)  Die  Kulturschalen  für  Anaerobien  sind  von  Dr.  H.  Rohr  back  (Berlio,  HW., 
Karistrasse  24)  iu  beliehen. 


Wandtafeln  fflr  Bakterienkande.  251 

Referate. 


Eberth,  C.  J.9  Wandtafeln  für  Bakterienkunde  für  den 
Gebrauch  bei  Vorlesungen.  Berlin  (Fischers  med.  Buch- 
handlung, H.  Kornfeld)  1891. 
Bei  dem  theoretischen  Unterricht  in  der  Bakterienkunde  ist  es 
einem  jeden  Lehrer  Bedürfniss,  die  Mikroorganismen,  über  welche  er 
vorträgt,  seinen  Zuhörern  in  ihrer  charakteristischen  Form  vor  Augen 
zu  führen.  Am  besten  wird  diesem  Bedürfniss  genügt,  wenn  man 
gute  Photogramme  der  betreffenden  Organismen  mit  ihrer  natür- 
lichen Umgebung,  Eiterzellen,  Blutkörperchen,  Epithelien  und  der- 
gleichen stark  vergrössert,  auf  eine  helle  Fläche  projizirt.  Leider 
sind  nur  wenige  Lehrer  in  der  Lage,  diesen  ausgezeichneten  Demon- 
strationsmodus, welchen  R.  Koch  uns  gelehrt  hat,  zur  Anwendung 
zu  bringen,  weil  sie  nicht  im  Besitze  eines  Projektionsapparates  oder 
auch  nicht  im  Besitze  geeigneter  Photogramme  sind.  Viele  haben 
sich  deshalb  mit  der  Anfertigung  von  Wandtafeln  geholfen,  auf 
welchen  Bilder,  ähnlich  den  Photogrämmen,  schwarz  auf  weissem 
Grande  wiedergegeben  sind.  Die  Herstellung  solcher  Tafeln  ist  aber 
bekanntlich  sehr  mühsam  und  zeitraubend.  Eberth  hat  nun,  von 
dem  Darstellungsbedürfhiss  durchdrungen,  zunächst  für  sich  eine  An- 
zahl von  Tafeln  von  Mikroorganismen  hergestellt,  welche  gewisser- 
massen  ein  vergrössertes  Gesichtsfeld  des  Mikroskopes  wiedergeben 
sollen,  in  welchem  man  die  Organismen  gefärbt  erblickt  Da  diese 
Tafeln  in  medizinischen  Kreisen  und  besonders  auch  auf  dem  X.  inter- 
nationalen medizinischen  Kongresse,  während  welches  zwei  derselben 
ausgestellt  waren,  lebhaften  Beifall  fanden,  so  hat  sich  Eberth, 
wiederholten  Aufforderungen  nachgebend,  zu  einer  Vervielfältigung  der- 
selben entschlossen  und  der  Verlag  von  Fischer's  medizinischer  Buch- 
handlang hat  deren  Vertrieb  übernommen.  Folgende  24  Tafeln  sind 
bisher  in  Aussicht  'genommen : 

1.  Streptococcus  pyogenes  (aus  dem  peritonealen  Exsudat 
einer  an  Puerperalfieber  Verstorbenen.) 

2.  Bacillus  der  Cholera  asiatica. 

3.  Sputum  mit  Tuberkelbaoillen. 

4.  Bacillus  des  Milzbrandes. 

6.         „         „  „  mit  Sporen. 

6.  „       des  Typhus  abdom. 

7.  „       der  Diphtherie. 

8.  „       des  Tetanus. 

9.  „       des  malignen  Oedems. 
10.        „       der  Mäuseseptikämie. 
H.        „       der  Hühneroholera. 
12*        „       des  grünen  Eiters. 

13.  „       der  Lepra. 

14.  „       des  Malleus. 

15*        „       des  Rausohbrandes. 
16-        „       des  Rhinoskleroms. 


252  Wandtafeln  für  Baktorienkande.  —  Bakterien  im  Rahme. 

17.  Spirillum  des  Recurrens. 

18.  Friedländer's  Pne umoco ccus. 

19.  Fraenkel's  Pn  eumoooccus. 

20.  Staphylococous  pyogenes  aureus. 

21.  Gonooocous. 

22.  Microoocous  tetragenus. 

23.  Saroine. 

24.  Plasmodium  Malaria e. 

Die  24  Tafeln,  welche  vorzugsweise  die  medizinisch  wichtigen  Orga- 
nismen umfassen,  sollen  in  8  Lieferungen  erscheinen,  jede  Lieferung 
3  Tafeln  umfassend,  im  Preise  von  30  Mark.  Die  Tafeln  sind  auf 
Leinwand  aufgezogen.  Erschienen  sind  bisher  die  ersten  drei  Tafeb. 
Sie  sind  nach  gefärbten  Deckglaspräparaten  auch  unter  Benutzung 
von  Photogrammen  entworfen  und  in  ganz  vortrefflicher  Weise  farbig 
ausgeführt.  In  schwarzer  Umrahmung  erblickt  man  ein  weisses 
Gesichtsfeld,  von  welchem  sich  die  farbigen  Organismen  plastisch  ab- 
heben. Die  Vergrösserung  bewegt  sich  zwischen  20000—60000,  sie  ist 
eine  solche,  dass  sie  die  Form  Verhältnisse  der  Bakterien  noch  auf 
eine  Entfernung  von  10  Metern  gut  erkennen  lässt  Hängt  man  die 
Tafeln  auf  und  betrachtet  sie,  so  machen  sie  einen  sehr  hübschen, 
aber  doch  eigenartigen  Eindruck.  Ref.  hat  z.  B.  die  Tafel  No.  2,  Bacillus 
der  Cholera  asiatica,  in  seinem  Auditorium  aufgehängt  und  eine  ganze 
Reihe  von  Besuchern  nach  dem  Eindruck  gefragt,  welchen  die  Tafel 
auf  sie  machten.  Alle  erkannten  an,  dass  die  Ausführung  der  Tafel 
vortrefflich  sei,  bei  Allen  aber  war  die  erste  Frage,  wie  stark  ist 
denn  die  Vergrösserung?  Als  Ref.  dann  sagte  1 :  50000,  waren  ein- 
zelne zufriedengestellt,  andere  aber  meinten,  von  einer  derartigen 
Vergrösserung  könnten  sie  sich  keine  rechte  Vorstellung  machen. 
Es  fehlt  eben  etwas  auf  den  Tafeln,  was  auf  den  Photogrammen  ans 
bakterienhaltigen  Körpersäften  nie  fehlt,  ein  Vergleichsobjekt  von 
bekannter  Grösse,  ein  Blut-  oder  Eiterkörperchen.  Wenn  ein  solches 
allgemein  bekanntes  Objekt  in  der  gleichen  Vergrösserung  wie  die 
Organismen  dargestellt  ist,  dann  ist  man  über  die  Grösse  der  be- 
treffenden Wesen  orientirt,  fehlt  ein  solches,  so  schwebt  man  mit 
seiner  Vorstellung  über  deren  Grösse  rein  in  der  Luft.  Freilieb 
würde  auf  den  Tafeln  bei  einer  Vergrösserung  von  50—60000  ein 
solches  Gebilde  so  gross  sein,  wie  der  ganze  oder  wenigstens  der 
halbe  Umfang  der  als  mikroskopisches  Gesichtsfeld  gedachten  runden 
weissen  Fläche.  Dies  ist  wohl  auch  der  Grund  gewesen,  weshalb 
derartige  Vergleichsobjekte  nicht  auf  den  Tafeln  angebracht  sind. 
Es  Hesse  sich  indessen  auf  der  schwarzen  Umrandung  des  weissen 
Feldes  leicht  ein  Massstab  anbringen ,  vielleicht  die  Länge  eines  u 
in  der  entsprechenden  Vergrösserung.  Ref.  ist  überzeugt,  die  schönen 
Tafeln  würden  dadurch  bedeutend  noch  an  Werth  für  den  theore- 
tischen Unterricht  gewinnen.  Loeffler  (Greifswald). 

Conn,  H.  W.,  Bakteria  in  the  dairy.  fFrom  the  third  annual 
report   of   the  Storr's   school,   agricultural   experimental  Station 
1891.) 
In  einem  ersten  Kapitel   behandelt  Verf.  den  Prozess  des  Auf- 


Bakterien  im  Rahme.  —  Malaria.  263 

rahmens  und  die  Ausscheidung  einer  ähnlich  dem  Fibrin  des  Blutes 
gerinnungsfähigen  Substanz,  die  kurze  Zeit  nach  dem  Melken  in  der 
Milch  stattfinden  soll.  Weiterhin  beschäftigt  sich  G.  mit  dem  „Reifen" 
des  Rahmes,  das  dem  Ausbuttern  vorauszugehen  hat  und  einen 
spontanen  Gährungsprozess  darstellt,  welcher  der  Butter  erst  den 
angenehm  erfrischenden,  aromatischen  Geschmack  verleiht.  Der  Pro- 
zess  wird  nach  Storch  und  W ei g mann  durch  gewisse  Bakterien- 
arten hervorgebracht  und  kann  auch  künstlich  durch  Hinzufügen  der 
Reinkulturen  zu  dem  vorher  pasteurisirten  Rahm  erzeugt  werden. 
Verf.  hat  gleichfalls  bakteriologische  Untersuchung  über  die  dabei 
thätigen  Bakterien  angestellt  und  sich  überzeugt,  dass  die  Mannig- 
faltigkeit derselben  überaus  gross  ist  und  kaum  zwei  Rahmsorten 
aus  derselben  Meierei  gefunden  werden,  welche  die  gleichen  Bak- 
terienarten enthalten.  Vorwiegend  allerdings  sind  die  säurebildenden 
Arten  darunter  vertreten. 

Die  Umstände,  von  denen  die  Infektion  der  Milch  und  damit 
die  Art  der  sich  entwickelnden  Bakterien  abhängt,  entziehen  sich 
unserem  Einflass ;  aber  zweifellos  hängt  die  schlechte  Beschaffenheit, 
welche  die  Butter  in  manchen  Meiereien  und  zu  gewissen  Jahreszeiten 
annimmt,  mit  Verschiedenheiten  in  der  Art  der  sich  entwickelnden 
Bakterien  zusammen.  Escherich  (Graz). 


Hochsinger,  C,  Zur  Diagnose  der  Malaria  infantilis. 
(Wiener  medizinische  Presse.  1891.  No.  17.) 

Verf.  macht  die  überraschende  Mittheilung,  dass  in  Wien,  ins- 
besondere in  den  dem  Donaukanal  und  dem  Wienflusse  unmittelbar 
angrenzenden  Stadtgebieten,  Malaria  insbesondere  bei  Säuglingen  und 
Kindern  der  ersten  Lebensjahre  ein  keineswegs  seltenes  Vorkomm- 
nis sei.  Die  Erkrankung  zeigt  im  frühen  Eindesalter  nicht  unwesent- 
liche Verschiedenheit  von  der  typischen  Form.  So  fehlt  der  initiale 
Schüttelfrost,  der  den  Anfall  beschliessende  Schweissausbruch,  sowie 
die  Intermission  zwischen  den  einzelnen  Temperatursteigerungen. 
Chinin  0,5—0,8  pro  die  erzielt  nahezu  immer  Heilung. 

Den  Nachweis,  dass  diesem  etwas  dunklen  Krankheitsbilde  wirk- 
lich Malaria  zu  Grunde  liegt,  will  nun  H.  durch  Nachweis  des  H  a  e  m  o  - 
Plasmodium  malariae  in  30  daraufbin  untersuchten  Fällen  er- 
bracht haben.  In  den  mit  Eosin-Methylenblaulösung  gefärbten  Blut- 
präparaten fanden  sich  stets  und  in  allen  Stadien  der  Erkrankung  die 
sog.  Corps  segmentäs  Laveran's,  in  3  Fällen  Flagellaten,  in  einem 
schweren  letal  endenden  Falle   auch  wohl  ausgebildete  Halbmonde. 

Dieser  leicht  und  ohne  Zeitaufwand  anzustellenden  Untersuchung 
kommt  eine  unschätzbare  diagnostische  Bedeutung  in  allen  des 
Wechselfiebers  verdächtigen  Fällen  zu.  „Nach  unserer  Erfahrung 
UQ88,  falls  dem  Kinde  vorher  kein  Chinin  gereicht  wurde,  der  nega- 
tive Ausfall  ebenso  sicher  die  Malaria  ausschliessen,  als  der  positive 
rar  sie  zeugt*1.  Bei  einem  gleichzeitig  an  Pneumonie  erkrankten 
Patienten  wurde  neben  den  Protozoen  auch  der  Diplococcus 
pneumoniae  im  Blute  gefunden.  Die  ausführliche  Publikation 
der  Untersuchungsresultate  steht  noch  aus.     Escherich  (Graz). 


254  MaUria. 

F^jarnäs,  E.,  Nuevos  estudios  sobre  los  hematozoarios 
del    paludißmo.    (Revista   de   mediana   y    cirugia   pr&cticas. 
Tomo  XXVIL  Madrid  1890.  S.  113—115.) 
Referat  über  Arbeiten  von  Laver  an. 

Sentinon  (Barcelona). 

Dock,  CK,  Studies  in  the  etiology  of  malarial  infection 
and  of  the  haematozoa  of  Laveran.  (Medical  News.  1890. 
July.  19.) 
Die  vom  Verf.  an  33  Malariakranken  in  Galveston  (Texas)  an- 
gestellten Beobachtungen  hatten  bei  diesen  durchweg  die  Anwesen- 
heit der  Plasmodien  im  Blute  ergeben.  Sein  Hauptaugenmerk  richtete 
D.  auf  die  Entwicklung  der  ektoglobulären  Form  der  Laver an'scheo 
Parasiten.  Sie  entwickeln  sich  analog  den  später  endoglobuläreo 
Parasiten  der  Tertiana  aus  kleinen,  sphäroiden,  hyalinen  Gebilden, 
jedoch  etwas  rascher,  als  diese,  und  es  steht  ihre  Entwickelang  zum 
Auftreten  des  Fiebers  scheinbar  nicht  in  direktem  Zusammenhang. 
Sie  liegen  einzeln  oder  durch  fibrinfädenähnliche  Bildungen  zu  Reihen 
vereinigt  im  Plasma  und  zeigen  bald  ein  dunkles,  körniges  Pigment, 
welches  meist  in  einer  Randzone  postirt,  mitunter  auch  den  centralen 
hellen  Hof  durch  pigmentirte  Brücken  in  2  bis  3  Theile  trennt  Aas 
diesen  Gebilden  entwickeln  sich  die  geisseltragenden  Formen  in  der 
Weise,  dass  eine  lebhafte  Bewegung  in  den  Pigmentkörnchen  be- 
ginnt und  mit  einemmal  ein  20—30  /a  langer  Geisselfaden  aus  der 
Zelle  herausgeschleudert  wird  (was  einmal  vom  Verf.  direkt  beobachtet 
wurde).  Ein  solcher  Faden  ist  meist  hohl  und  enthält  auch  hie  and 
da  Pigmentkörnchen,  kann  jedoch  wiederum  zurückgezogen  werden. 
Neben  der  Geisseibildung  zeigt  sich  an  den  Parasiten  in  dieser 
Periode  häufig  auch  die  Tendenz  zur  Knospenbildung,  welche  zum 
Schlüsse  zur  Abschnürung  der  Tochterzelle  führt,  ohne  dass  hierbei 
ein  kernartiges  Gebilde,  welches  in  der  Mutterzelle  sichtbar  ist,  sich 
betheiligt  zeigen  würde.  Die  junge  Tochterzelle  trägt  selbst  wieder 
Geissein  und  Pigmentkörner.  Diese  Parasiten  scheinen  vorwiegend 
die  atypischen  Malariaformen  zu  bedingen.  Der  Zahl  nach  schwanken 
sie  im  Blute  bei  verschiedenen  Individuen  mehr,  als  bei  einer  Person 
zu  verschiedenen  Zeiten. 

In  der  Frage  nach  der  Stellung  dieser  Parasitenform  zu  der 
endoglobulär  vorkommenden  neigt  sich  Verf.  zu  der  Annahme  hin,  in 
ihnen  nur  eine  Spielart  eines  Organismus  zu  sehen,  welcher  unter 
besonders  günstigen  Bedingungen  in  die  typische  Form  des  Malaria- 
parasiten übergehen,  sich  jedoch  auch  in  dieser  Form  weiter  ent- 
wickeln kann.  Limbeck  (Prag). 

Tortl,  A.,  ed  Angellnl,  A.,  Infezione  malarica  cronica  coi 
sintomi  della  sclerosi  a  placche.   (La  Riforma  med.  1891. 
No.  144.) 
Verff.  hatten  Gelegenheit,  an  zwei  jungen  Individuen  (21  und 
22  Jahre  alt),  welche  vorher  an  Wechselfieber  gelitten  haben,  schwere, 
unter  dem  Bilde  disseminirter  Sklerose  sich  äussernde  nervöse  Stö- 
rungen zu  beobachten,  welche  sich  in  beiden  Fällen  bei  vollständiger 


MalarU.  —  Erjtip«).  255 

Apyrexie  kurz  nach  dem  letzten  Fieberanfalle  (5  Tage)  zu  ent- 
wickeln begannen.  Nur  die  Blutuntersuchung,  welche  im  ersten 
Falle  zahlreiche  endoglobuläre,  amöboide,  pigmentlose  und  kleine,  runde, 
pigmenthaltige  Hämatozoen,  im  zweiten  Falle  amöboide,  pigmentlose 
Formen  und  Halbmonde  ergab,  sicherte  die  auf  Malaria  lautende 
Diagnose. 

Beide  Falle  heilten  alsbald  unter  Darreichung  hoher  Chinin- 
gaben. 

Das  Auftreten  dieser  nervösen  Störungen  in  Gefolge  von  Wech- 
selfieber sind  Verff.  geneigt,  durch  eine  bereits  von  Marchiafava 
nachgewiesene  Thrombosirung  der  Kapillarnetze  bestimmter  Partieen 
des  Centraineryensystems  durch  h&motozoenhaltige  Blutkörperchen 
zq  erklären,  welche  eine  mehr  oder  weniger  tiefgreifende  und  daher 
eine  längere  oder  kürzere  Dauer  der  nervösen  Störungen  bedingende 
Nekrosirnng  der  thrombosirten  Partieen  zur  Folge  hat. 

Kamen  (Czernowitz). 

Leroy,  C,  A  biological  study  of  the  microbe  of  ery- 
sipelas.  (Comptes  rendus  de  la  soc  de  Biologie,  6.  Dec.  1889. 
Ret  ?on  H.  Leslie  Roberts  in  The  Brit.  Journ.  of  Denn.  1890. 
S.  20.) 
Die  Kulturmethode,  deren  sich  Leroy  bediente,  war  folgende: 
Ein  sterilisirtes  Pepton  -Gelatineröhrchen  wurde  am  16.  Dezember 
1887  mit  einer  Reinkultur  von  Erysipelstreptokokken  geimpft,  die  in 
dem  Laboratorium  von  Gornil  angelegt  war.  Kleine  Kolonieen,  die 
bald  nach  der  Inokulation  aufgeschossen  waren,  hatten  das  Aussehen 
eines  in  der  unverfiQssigten  Gelatine  eingebetteten  Nagels.  Am  Ende 
von  4  oder  5  Wochen  verschwanden  plötzlich  die  in  der  Gelatine 
gewachsenen  Kolonieen.  Das  bei  Zimmertemperatur  aufbewahrte 
Koltnrröhrchen,  welches  während  des  Jahres  1888  von  Zeit  zu  Zeit 
beobachtet  wurde,  blieb  während  der  ganzen  Zeit  frei  von  allen 
Keimen.  Endlich  Ende  Januar  1889  wurde  in  der  Gelatine  ein  Wachs- 
tum bemerkt,  das  aus  einigen  zu  4  Gruppen  angeordneten  Kolonieen 
bestand,  von  denen  jede  einen  Durchmesser  von  Ober  1  mm  und 
einen  kreisförmigen  gezackten  Rand  hatte.  Davon  wurde  am  11.  Februar 
1889  auf  ein  Pepton -Agar -Agarröhrchen  und  ein  Peptongelatine- 
röbrchen  abgeimpft;  auf  ersteres  eine  oberflächliche  „Zick-zack-",  auf 
festeres  eine  tiefe  Inokulation.  Bis  zum  23.  Februar  wurden  folgende 
Veränderungen  in  dem  Agar- Agarröhrchen  notirt:  Die  Impflinie  wird 
deutlicher,  zeigt  einen  erhabenen,  sammetartigen  Rand.  Die  ganze 
A£*r-Aganna8se  wird  fluorescent,  zeigt  ein  grün-gelbliches  Aussehen. 
Durch  die  mikroskopische  Untersuchung  wurde  nachgewiesen,  dass 
ue  Kolonieen  aus  Erysipelstreptokokken  bestanden.  Gleichfalls  ergab 
<ue  Inokulation  eines  Kaninchens  die  Identität  dieser  Keime  mit 
den  Krankheitserregern  des  Erysipels.  Leroy  zieht  aus  seinen 
Untersuchungen  folgende  Schlosse: 

1)  Dass  der  Erysipelstreptococcus  in  der  Gelatine  ein  Wachs- 
tum erzeugt,  welches  nach  einiger  Zeit  erlischt,  um  nach  Ablauf 
etaer  verschieden  langen  Zeit  spontan  mit  allen  vitalen  und  virulenten 
ugengchaften  wieder  aufzutauchen. 


256  Aneurysma  arteriae  iliacM  durch  septischen  Embolus. 

2)  Wenn  diese  Eigenschaft  des  Erysipelstreptococcus  sich  als 
wahr  herausstellt,  so  erklärt  sich  daraus  das  periodische  Rezidiviren 
des  Erysipels  bei  manchen  Menschen.      Ledermann  (Breslau). 

Buday,  Ein  Fall  von  Aneurysma  arteriae  iliacae  com- 
munis, verursacht  durch  einen  septischen  Embolus. 
[Aus  dem  pathoL-anat.  Institut  in  Budapest]  (Ziegler 's  Beitrage 
zur   pathologischen  Anatomie   und    zur   allgemeinen   Pathologie. 
Band  X.  1891.  Seite  187.) 
Es  handelt  sich  um  eine  37-jährige  Frau,  die  im  5.  Monate 
schwanger  war.     Intra  vitam  wurde   die    Diagnose   auf  Nephritis 
acuta,  Insufficientia  valv.  bicuspidalis  und  Endocarditis  ulcerosa  ge- 
stellt —  Die  anatomische  Diagnose  lautete:    Insufficientia  valv.  bi- 
cusp.  et  v.  v.  semilunarium  aortae,  subsequ.  hypertrophia  excenter. 
minoris  gradue  ventriculorum  cordis,  indurativae  brunea  pulm.,  hydro- 
thorace  d.,  hydrope  ascite  et  anasarca  lev.  —  Endocarditis  diphthero- 
ides  v.  bicusp.  et  parietis  sin.  atrii  sin.  cum  infantibus  et  abscessi- 
bus  metastat  hepatis,  lienis  et  renum.  —  Synechia  totalis  pericardiL  — 
Degeneratio  adip.  muscul.  cordis.  —  Nephritis  parench.  haemorrhag. 
—  Tumor  lienis.  —  Uterus  in  involutione  p.  p.  — 

Der  untere  Theil  der  Arteria  iliaca  communis  bildete  gerade 
oberhalb  ihrer  Theilung  ein  walnussgrosses  Aneurysma,  welches  da- 
durch entstanden  war,  dass  ein  vom  ulcerösen  Endocardium  fortge- 
schleppter und  in  der  rechten  Arteria  iliaca  comm.  stecken  gebliebener 
septischer  Embolus  durch  die  circumskripte  Intimanekrose  die  puru- 
lente  Meso-  und  Periarteriitis,  der  Durchbruch  der  Abscesse  in  das 
Lumen  der  Arterie  aber  die  Zerstörung  der  inneren  Schichten  der 
Arterienwand  und  die  Erweiterung  der  äusseren  restirenden  Schichten 
durch  den  Blutdruck  hervorrief. 

Im  Allgemeinen  zeigte  das  Aneurysma  jene  Charaktere,  welche 
Eppinger  (Langenbeck's  Archiv)  für  die  mykotisch -emboli- 
schen Aneurysmen  in  folgenden  Punkten  zusammenfasst:  1)  Bei 
mykotischen  Erkrankungen  des  Klappenapparates  des  Herzens  kann 
es  zu  mykotisch -embolischen  Thrombosen,  am  häufigsten  in  den 
Theilungsstellen  der  Arterien,  kommen.  2)  In  den  embolischen 
Thromben  erscheinen  öfters  die  Mikrokokkenballen  in  etwas  weniger 
färbbare,  homogene  Ballen  umgewandelt  3)  Diese  Thromben  erregen 
an  Ort  und  Stelle  ihres  Haftens  eine  akute,  exsudative  Entzündung, 
die  von  der  Adventitia  ausgeht  und  zur  Zerstörung  der  Gewebsele- 
mente  der  Media,  zur  Berstung  der  Elastica  und  der  Intima  führt. 
4)  Das  Lumen  der  Arterie  erscheint  nun  an  Ort  und  Stelle  des 
haftenbleibenden  mykotisch  -  embolischen  Thrombus,  also  an  streng 
umschriebenen  Stellen,  ausgebuchtet.  5)  Ein  solches  Aneurysma  ist 
gewöhnlich  durch  seine  Multiplicität  gekennzeichnet,  und  als  sein 
Lieblingssitz  muss  die  Theilungsstelle  der  Arterien  bezeichnet  werden. 
6)  An  dem  Eingange  zu  einem  jeden  solchen  Aneurysma  erscheint 
die  Intima  und  das  elastische  Gewebe  der  Arterienwand  stets  voll- 
ständig abgesetzt,  die  Media  muscularis  theilweise  durchtrennt,  der 
Best  derselben  setzt  sich  in  solchen  Fällen  als  Innenschicht  der 
Aneurysmenwand  fort    Oder  es  ist  die  Media,  wie  namentlich  bei 


SykosU.  —  Bakterien  in  dtn  Nieren.  257 

solchen  Aneurysmen  kleinerer  Arterien,  ganz  durchtrennt.  Die  Ad- 
ventitia  bildet  in  ersterem  Falle  die  Aussenschicht  und  im  letzteren 
Falle  die  alleinige  Wandschicht  des  Aneurysma.  7)  Der  mykotische 
Embolus  kann  die  Innenwand  des  Aneurysma  bilden.  8)  Man  kann 
ausser  akuten  auch  solche  Aneurysmen  unterscheiden,  die  Zeichen 
einer  langen  Dauer  an  sich  haben,  da  kann  der  ursprüngliche  Em- 
bolus fehlen.  9)  Ein  klein  angebildetes  Aneurysma  kann  durch  rekru- 
diszirende  akute  peri-  und  mesarteritische  Prozesse  grösser  werden. 
Buday  fand  in  Deckglaspräparaten  vom  Grund  des  Endocardial- 
geschwüres  oder  vom  bröckeligen  Embolus  Streptokokken  und  Staphylo- 
kokken und  an  den  Enden  abgerundete  Bacillen.  Durch  Kulturen  er- 
wiesen sich  diese  Mikroorganismen  als  Streptococcus  pyo- 
genes,  Staphylococcus  pyogenes  albus  und  Bacillus 
pyogenes  foetidus.  Dittrich  (Prag). 

S&toazta,  M.,  Sycosis  g6n6ralis6.    [Soc.  d'anat.  et  de  physiol. 

de  Bordeaux.    S6ance  du  15  d6c.  1890.]    (Annal.  de  derm.  et  de 

sjph.  1891.  25.  Jan.) 
Sabrazös  stellte  einen  52jährigen  Arbeiter  vor,  der  vor 
5  Monaten  von  einer  Affektion  befallen  wurde,  welche  sich  durch 
das  Auftreten  von  hanf-  bis  erbsengrosgen  stark  infiltrirten,  im  Cen- 
trum  von  einem  Haar  durchbohrten  Pusteln  charakterisirte,  nachdem 
er  schon  Monate  lang  vorher  an  einem  sehr  stark  juckenden  Ekzem 
der  Pubes,  der  Oberlippe  und  der  Augenlider  gelitten  hatte.  Die 
Eruption  bildete  an  der  Pubes  und  den  InguinalfaüLten  ein  weinrothes, 
stark  infiltrirtes  Dreieck,  an  dem  die  Haare  zum  grossen  Theil  aus- 
gegangen waren  und  welches  auf  Druck  aus  zahlreichen  Oeffnungen 
Eitertröpfchen  entleeren  liess.  Weniger  zahlreich  und  weniger  ent- 
wickelt waren  die  Pusteln  am  Bauch  und  den  Schenkeln.  Krusten 
und  Pusteln  fanden  sich  gleichfalls  an  der  Oberlippe,  Nasenöffnung 
und  dem  freien  Rand  der  Augenlider.  In  den  Haaren  liessen  sich 
Parasiten  nicht  nachweisen.  Ledermann  (Breslau). 

Faulhaber,  E.,  Ueber  das  Vorkommen  von  Bakterien  in 

den  Nieren  bei   akuten  Infektionskrankheiten.    [Aus 

dem  pathologisch-histologischen  Institute  (Prof.  Weichselbaum) 

in  Wien].    (Ziegler 's  Beiträge  zur  pathologischen  Anatomie  und 

zur  allgemeinen  Pathologie.    Bd.  X.  1891.) 

Verf.  stellte  sich  die  Aufgabe,    zu  erforschen,    1)  ob  bei  den 

akuten  Infektionskrankheiten  die  den  allgemeinen  Prozess  oder  eine 

Komplikation  desselben   bedingenden  Bakterien  auch  in   der  Niere 

vorkommen,  2)  ob  die  Bakterien  in  solchen  Mengen  und  in  einer 

solchen  Vertheilung  gefunden  werden,  dass  sämmtliche  oder  nur  ein 

Theil  der   anatomischen    Veränderungen   auf   sie   bezogen    werden 

können,  und  wenn  letzteres  der  Fall  ist,  welche  diese  Veränderungen 

sind. 

Von   der   Untersuchung   ausgeschlossen    waren    makroskopisch 
wahrnehmbare  Abscesse  und  Infarkte  der  Nieren. 

Die  Nieren  wurden  theils  zu  Kulturen,  theils  zur  mikroskopischen 
Untersuchung  verwendet. 

X.Bd.  17 


258  Bakterien  in  den  Nieren. 

Im  Ganzen  wurden  53  Falle  von  Infektionskrankheiten  unter- 
sucht Dieselben  lassen  sich  nach  der  Art  der  nachgewiesenen  Bak- 
terien in  4  Gruppen  eintheilen,  welche  durch  den  Diplococcus 
pneumoniae,  dann  Bacillus  pneumoniae  Friedländer,  durch 
Typhusbacillen  und  Streptokokken  repräsentirt  werden. 

1.  Gruppe:  Diplococcus  pneumoniae.  —  Hierhergehören 
alle  Fälle,  in  denen  der  Diplococcus  pneumoniae  in  den  Nieren 
gefunden  wurde,  ohne  Rücksicht  auf  die  Art  der  Haupterkrankung, 
welche  mit  Ausnahme  zweier  Fälle  von  Scarlatina  stets  durch  den 
Diplococcus  pneumoniae  hervorgerufen  worden  war.  Unter  den 
hierher  gehörigen  35  Fällen  waren  29  Fälle  von  kroupöser  Pneumonie, 

2  Fälle  von  Scarlatina,  1  Fall  von  Peritonitis  und  beginnender  Pleu- 
ritis ohne  Pneumonie,  1  Fall  von  Pleuritis  mit  lobulärer  Pneumonie, 
1  Fall  von  Pleuritis  bilateralis  und  Endometritis,  I  Fall  von  ulce- 
röser  Endocarditis  und  älterer  Pneumonie. 

In  13  Fällen  wurde  der  Diplococcus  pneumoniae  nur  mi- 
kroskopisch, in  den  übrigen  Fällen  mikroskopisch  und  durch  Kultur  nach- 
gewiesen, und  zwar  in  den  letzteren  8  mal  in  grosser  Menge,  7  mal 
in  mittlerer  Menge  und  7  mal  in  geringer  Menge. 

In  den  meisten  dieser  Fälle  fand  man  in  den  Nieren  stets 
neben  verschieden  intensiven,  diffusen,  parenchymatösen  Verände- 
rungen ein  vermehrtes  Auftreten  von  Leukocyten  im  Gefässsystem 
und  in  sehr  vielen  Fällen  noch  eine  herdweise  Ansammlung  von 
Rundzellen  im  interstitiellen  Gewebe,  namentlich  um  Knäuel  und  Ge- 
fässe,  sonach  allgemeine  parenchymatöse  nnd  Herderkrankungen. 
Wo  der  Diplococcus  durch  Kultur  in  mittlerer  oder  grösserer  An- 
zahl nachgewiesen  worden  war,  fand  sich  derselbe  nahezu  in  sämmt- 
lichen  Kapillaren  einzeln  stehend,  zuweilen  gehäuft;  in  den  grösseren 
Gefässen  haftete  er  der  Wand  an  oder  war  zwischen  den  rothen 
Blutkörperchen,  Leukocyten  umlagernd,  oft  in  grossen  Mengen  und 
Ketten,  wahrzunehmen.  Derselbe  war  auch  zwischen  den  Rundzellen, 
sowie  in  den  hyalinen  Massen  der  Gefässe  nachzuweisen. 

Für  die  Färbung  des  Diplococcus  pneumoniae  bewährt 
sich  am  besten  alkalisches  oder  Carbol-Methylenblau,  sowie  alkalische 
Anilinwasser-Farblösungen. 

2.  Gruppe:  Bacillus  pneumoniae  Friedländer.  —  2  Fälle. 
Der  Bacillus  pneumoniae  wurde  beidemale   mikroskopisch 

in  der  Niere  nachgewiesen,  einmal  in  grosser  Menge  kultivirt    Man 
fand  parenchymatöse  und  interstitielle  Veränderungen. 

3.  Gruppe:  Typhus  abdominalis.  —  4  Fälle.  In  allen 
diesen  Fällen  wurden  Typhusbacillen  durch  Kultur  nachgewiesen. 
Die  Niere  zeigte  die  Veränderungen  der  trüben  Schwellung.  Der 
mikroskopische  Nachweis  der  Typhusbacillen  im  Gewebe  gestaltete 
ßich  immer  sehr  schwer.  Doch  fanden  sie  sich  hie  und  da  in  den 
Gefässen  und  in  den  Harnkanälchen. 

4.  Gruppe:  Streptokokken.  —  12  Fälle  akuter  Infektions- 
krankheiten, und  zwar  3  Fälle  von  Erysipel,  2  Fälle  von  Phlegmone, 

3  Fälle  von  Processus  puerperalis,  je  1  Fall  von  Gangrän  der  linken 
oberen  Extremität,  Peritonitis,  Variola  haemorrhagica,  Pleuritis. 


Aacarii  lombricoides.  —  Bnui&fleekigkdt  der  Gerstonblitttor.  259 

Ausser  in  2  Fällen  fand  sich  stets  eine  akute  parenchymatöse 
Nephritis  vor,  mit  herdweiser  und  ausgedehnter  Ansammlung  von 
Randzellen  im  interstitiellen  Gewebe. 

Aus  den  Untersuchungen  des  Autors  erhellt  sonach  für  die  vor- 
liegenden Fälle,  dass  bei  den  akuten  Infektionskrankheiten  die  den 
allgemeinen  Prozess  oder  eine  Komplikation  desselben  bedingenden 
Bakterien  auch  in  den  Nieren  vorkommen.  Gewiss  waren  in  den 
meisten  Fällen  die  pathologischen  Veränderungen  der  Nieren  durch 
die  betreffenden  Bakterien  hervorgerufen  worden. 

Dittrich  (Prag). 

Bergmann,  W.,  Ueber  den  Befund  eines  Ascaris  lumbri- 

coides    in    der   Peritonealhöhle.     [Aus  Prot  Chiari's 

path.-anat    Institute   an   der   deutschen   Universität  zu    Prag.] 

(Prager  medizinische  Wochenschrift.  1890.  No.  50.) 

Sektion  eines   Falles    von  ulceröser  Perforation  des  Processus 

vermiformis,  in  dem  ein  Koprolith  enthalten  war,  mit  konsekutiver 

Peritonitis.    In  dem  Exsudate  um  das  Goecum  herum  ein  mazerirter 

Ascaris,  der  nur  durch  die  Perforationsöffnung  dahin  gelangt  sein 

konnte. 

Verf.  ist  der  Ansicht,  dass  hier  der  Spulwurm  erst  nach  kom- 
pleter Perforation  des  Wurmfortsatzes  von  Seite  des  Koprolithen 
durch  die  Perforationsöffnung  in  das  Peritonealcavum  gelangt  war, 
oder  doch  die  betreffende  Stelle  durch  Ulceration  schon  perforations- 
reif war,  als  der  Ascaris  sie  durchbohrte.      Dittrich  (Prag). 

Kirchner,  0-,  Braunfleckigkeit  der  Oerstenblätter. 
(Zeitschrift  fQr  Pflanzenkrankheiten.  L  1891.  p.  24—26.) 
Helminthosporium  gramineum  Rbh.  ruft  eine  Blatt- 
fieckenkrankheit  der  Gerste  hervor,  welche  1885  von  Erikson  in 
Schweden  zuerst  beobachtet,  jetzt  aber  auch  vom  Verf.  bei  Hohen- 
heim  in  Württemberg,  in  Vorarlberg  und  in  Tyrol  gefunden  worden 
ist.  Die  Konidienlager  des  Pilzes  erscheinen  auf  den  Blättern  und 
Blattscheiden  als  schwarzbraune,  gelblich  umränderte,  langgezogene 
Flecken,  welche  sich  später  vergrössern  und  vermehren.  Die  Blätter 
vergilben  dadurch,  die  Aehren  kommen  nicht  zur  Entwickelung,  und 
die  Pflanze  stirbt  vorzeitig  ab.  Die  Konidien  sind  meist  2— 6  kam- 
merig, zeigen  aber  auch  bis  zu  8  Scheidewänden.  Auf  andere  Ge- 
treidearten, als  Gerste  geht  der  Pilz  scheinbar  nicht  über. 

Brick  (Hamburg). 


17  • 


260  Heim, 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 

Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untereuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Heim, 

k.  b.  Stabsarzt   und  Priratdosent. 

I.   Flrbnngsmethoden« 

Seit  der  im  3.  Bande  dieses  Centralblattes  erschienenen  historisch- 
kritischen Uebersicht  über  die  Entwicklung  der  Bakterienfarbung 
von  P.  6.  Unna  sind  die  Methoden  des  Nachweises  der  Bakterien 
durch  die  Färbung  vervollkommnet  worden  und  neue  Untersuchungen 
haben  unsere  Kenntnisse  von  ihrem  feineren  Bau  gefördert 

Den  wichtigsten  Fortschritt  in  der  Färbetechnik  verdanken  wir 
Loeffler  (0.  6.  209  u.  7.  625  *)  Dieser  Forscher  stellte  mit 
Hilfe  eines  von  ihm  gefundenen  und  verbesserten  Beiz-  und  Färbe- 
verfahrens die  Greissein  beweglicher  Mikroorganismen  in  vorzüglicher 
Weise  dar  und  demonstrirte  sie  in  ausgezeichneten  Photogrammen. 
Die  geeignetste  Beize  ist  eine  Fuchsintinte,  hergestellt  durch  Ver- 
mischung von  Tannin-,  Ferrosulfat-  und  Fuchsinlfisung,  welche  bei 
alkalibildenden  Bakterien  entsprechend  sauer,  bei  Säurebildnern  al- 
kalisch   gemacht   werden    muß.    Gefärbt   wird   mit  Anilinölwasser- 


1)  In  diesem  CentralbUtt  im  Orginal  (O.)  erschienene  oder  referirte  Arbeiten  sind 
ohne  weitere  Quellenangabe  mit  den  in  Klammern  gesetzten  Zahlen  citirt ;  die  eine  der- 
selben nennt  den  Band,  die  andere  die  Seiten sahl.  Bei  den  anderen  Litteraturangaben 
ist  die  Bandaahl  mit  römischen  Ziffern  bezeichnet;  sonst  bedeutet  die  erste  Zahl  das 
Jahr,  eine  allenfallsige  aweite  die  Nummer,  die  leUte  die  Seite.  Die  Abkürzungen 
erklären  sich  folgendermaßen : 

A.  a.  d.  K.  G.  A.  -  Arbeiten  ans  dem  Kaiserlichen  GesundheiU-Amte. 

A.  f.  H.  =  Archiv  für  Hygiene. 

B.  kL  W.  =  Berliner  klinische  Wochenschrift. 

C.  f.  d.  m.  W.        — ■  CentralbUtt  für  die  medizinischen  Wissenschaften. 

C.  f.  kl.  M.  —  CentralbUtt  für  klinische  Medizin. 
Ch.  A.                      —  Charitl-Annalen. 

D.  m.  W.  «=  Deutsche  medizinische  Wochenschrift. 
D.  M.  Z.  —  Deutsche  Mediainal-Zeitung. 

F.  d.  M.  =  Fortschritte  der  Medicin. 

H.  R.  «■  Hygienische  Randschan. 

J.  B.  ma  Jahres- Bericht  von  Baumgarten. 

K.  f.  Schw.  Ae.      — ■  Korrespondensblatt  für  Schweiser  Aerste. 

M.  f.  pr.  D.  — ■  Monatshefte  für  praktische  Dermatologie. 

M.  m.  W.  —■  Münchener  mediainische  Wochenschrift. 

Rf.  —-  Referat. 

St   P.  m.  W.  «a  St  Petersburger  mediainische  Wochenschrift. 

V.  A.  —  Virchow's  Archiv. 

Z.  f.  H.  »  Zeitschrift  für  Hygiene. 

Z.  f.  w.  M.  es  Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersuchnngsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.     261 

fachsinlösung,  der  man  l°/00  Natronlauge  bis  zum  Eintritt  der 
Schwebeföllung  zusetzt 

Ausser  Koch  war  es  bis  dahin  nur  Wenigen  geglückt,  und  nur 
in  vereinzelten  Fällen  und  weniger  deutlich,  Geissein  an  Bakterien 
sichtbar  zu  machen.  Kunst ler  (2.  729)  fand  sie  am  Spirillum 
tenue  nach  Fixirung  mit  Osmiumsäure  und  wochenlanger  Einwirkung 
von  Collin-Schwarz ,  Neuhauss  (O.  5.  81)  an  einigen  Exemplaren 
von  Cholerabakterien,  welche  auf  dem  Deckgläschen  mit  Kaisertinte 
gekocht  und  in  ganz  schwache  erwärmte  Lösung  von  neutralem 
chromsauren  Natron  eingelegt  waren,  Tr  e  n  k  m  a  n  n  (0.  6.  433)  erhielt 
gefärbte  Cilien,  wenn  er  die  Präparate  vor  der  Färbung  mit  Tannin- 
Salzsäurelösung,  Gatechugerbsäure  mit  Karbolsäurezusatz  oder  Cam- 
pecheholzextrakt  und  Säure  vorbehandelt  hatte;  wurden  die  mit 
Tannin-Salzsäurelösung  gebeizten  und  gefärbten  Präparate  in  1  Tropfen 
Jodwasser  untersucht,  so  kamen  die  Geissein  viel  deutlicher  zum 
Vorschein  (O.  8.  388).  Dowdeswell  (8.  268)  will  bei  beliebig  ge- 
färbten Kommabacillen  mittelst  Lichtes  von  einer  Petroleumlampe 
Geissein  gesehen  haben.  Messea1)  benutzte  die  Loeff  ler 'sehe 
Methode  zur  Unterscheidung  des  Typhusbacillus  von  einem  ihm  sonst 
sehr  ähnlichen,  aus  Typhusstuhl  isolirten  Bacterium,  bei  dem  im 
Gegensatz  zu  jenem  nur  1  Polgeissel  erschien;  einen  ausserordent- 
lichen Reich thum  an  Cilien  weist,  wie  ich  bestätigen  kann,  der  Pro- 
teus vulgaris  auf,  zu  deren  Darstellung  M.  2  Tropfen  der  ver- 
dünnten Säure  auf  16  cem  Beize  nahm. 

Einen  weiteren  Einblick  in  die  feineren  Strukturverhältnisse  der 
Bakterien  gewähren  die  Untersuchungen  über  isolirt  färbbare  Antheile 
derselben;  Babes  (4.  747)  erhielt  durch  V4-stündige  Einwirkung 
einer  möglichst  konzentrirten  Methylenblaulösung,  welche  auf  das  im 
Antrocknen  begriffene  Präparat  zur  Einwirkung  kam,  dunkelrothe  bis 
violette  Kügelchen  in  der  schwach  blau  gefärbten  Zelle;  zu  einem 
ähnlichen  Resultat  gelangte  Ernst  (4.  47,  5.  796),  indem  er  auf 
das  getrocknete  Präparat  —  unabhängig  von  Babes  —  dieselbe 
Lösung  oder  eine  solche  von  Hämatoxylin  oder  Kernschwarz  in  der 
Wärme  brachte;  eine  Kontrastfärbung  kam  mit  wässeriger  Bismarck- 
braunlösung  zu  Stande.  Er  deutet  im  Gegensatz  zu  B.  die  fraglichen 
Gebilde  als  Vorläufer  der  Sporen,  was  aber  nach  meinen  Untersuch- 
ungen») über  die  Bakterien  der  blauen  Milch,  welche  Ernst  in 
erster  Linie  in  den  Bereich  seiner  Forschungen  zog,  bei  dieser  Art 
wenigstens  unzutreffend  ist,  da  sie  gar  keine  Sporen  bildet.  Die 
Darstellung  der  eigentlichen  Kügelchen  gelingt  nach  Neisser3) 
am  besten  mit  erwärmtem  Karbolfuchsin,  kurzem  Abspülen  in  1  % 
wässeriger  Schwefelsäure,  Nachfärben  in  wässerigem  oder  Loeff  1  er- 
sehen Methylenblau  oder  mit  erwärmter  Ehr  lieh 'scher  Methyl- 
violett-(Alkohol-Anilin-Wa8ser-)  Lösung,  kurzem  Abspülen  in  der  ge- 
nannten Säure  und  Nachfärben  in  Säurebraun. 

Derartig   feine,  der  Grenze   des  Sichtbaren  vielfach  nahekom- 

1)  Kf.  H.  R.  I.  8.  897. 

2)  A.  a.  d.  K.  G.  A.  V.  518. 
8)  Z.  f.  H.  IV.  268. 


262  Heim, 

tuende  Strukturverh&ltnisse  hat  Bütschli  (7.  639)  besonders  ein- 
gehend und  erfolgreich  studirt  Dieser  Autor  hat  das  Vorhanden- 
sein von  mit  Hämatoxylin  in  Alkoholpräparaten  oder  mit  Methylen- 
blau in  angetrockneten  Zellen  rothviolett  bezw.  roth  färbbaren  Körper- 
chen bestätigt,  ferner  aber  ihren  Sitz  an  den  Knotenpunkten  eines 
aus  dem  Plasma  bestehenden,  blau  färbbaren  Wabengerüstes  nachge- 
wiesen, aus  welchem  die  —  soweit  sie  bei  den  einzelnen  Bakterien 
vorhanden  ist  —  Rindenschicht  und  der  ebenfalls  von  B.  deutlich 
differenzirt  zur  Anschauung  gebrachte  Centralkörper  besteht;  mit 
Entschiedenheit  trat  er  für  die  Kernnatur  des  letzteren  ein. 

Ein  centrales  Kernstäbchen  im  Innern  von  Bacillen  beschrieb 
schon  früher  Schottelius  (O.  4.  705).  unter  Benutzung  des 
Aue r 'sehen  Gasglühlichtes  und  passender  Blenden  sah  er  es  im 
ungefärbten  Präparat  als  ein  dunkleres,  von  der  helleren,  fast  homo- 
genen Umgebung  sich  abhebendes,  granulirtes  Fädchen,  welches  bei 
kurzer  Färbung  in  wässeriger  Gentianaviolettlösung  sehr  dunkel,  fast 
schwarz  wurde. 

Die  bekannten,  namentlich  in  Kartoffelkulturen  bei  Körperwärme 
zum  Vorschein  kommenden  Polkörner  der  Typhusbacillen  nehmen, 
wie  Buchner  (O.  8.  353)  beim  allmählichen  Zufliessenlassen  des 
Farbstoffes  zum  frischen  Präparat  verfolgen  konnte,  von  allen  anderen 
Theilen  der  Zelle  den  Farbstoff  zuerst  und  am  stärksten  auf;  erst 
später  färbt  sich  der  übrige  Inhalt  stärker  und  schliesslich  treten 
infolge  Retraktion  des  Plasmas,  wobei  die  Polkörner  gegen  die  Mitte 
des  Stäbchens  hin  verschoben  werden,  an  beiden  Enden  farblose 
Lücken  auf.  Trotz  ihrer  raschen  und  intensiveren  Farbstoffaufhahme 
sah  Birch-Hirschfeld  (3.  569)  die  Polkörner  als  Sporen  an. 
Er  konnte  auch  beobachten,  dass  die  lebenden  Bakterien  die  Farben, 
namentlich  das  Benzoäpurpurin,  annahmen.  Dieser  Befund  wurde  von 
Buchner  (0.  7.  733)  durch  Versuche  an  Bierhefe-  und  Typhus- 
bacillenkulturen  bestätigt,  welche  ergaben,  dass,  wenn  auch  ein  ge- 
wisser Widerstand  der  lebenden  Bakterienzellen  gegen  die  Aufnahme 
von  Farbstoffen  besteht,  sie  doch  nicht  unbedingt  mit  dem  Absterben 
der  Zellen  verbunden  sein  müsse. 

Ha  us  er1)  konnte  mit  einer  Modifikation  des  Ne  isser 'sehen 
Sporenfärbungsverfahrens  in  Sarcine  Sporen  nachweisen.  Jene  be- 
stand in  der  Beschickung  des  Deckgläschens  mit  der  Fuchsinlösung 
und  40 — 50 maligem  Durchziehen  durch  die  Flamme  des  Bunsen- 
brenners, in  welcher  dasselbe  jedesmal  so  lange  verblieb,  bis  Dämpfe 
und  kleine  Bläschen  erschienen.  Dieser  Befund  bestätigt  die  extra- 
ordinäre Stellung,  welche  die  Sa  reinen  in  der  Systematik  der  Bak- 
terien einnehmen. 

Die  Herstellung  und  Färbung  von  Schnittpräparaten  be- 
handelt Kühne9)  in  einer  Broschüre.  Der  durch  seine  Leistungen 
auf  diesem  Gebiete  bekannte  Forscher  zieht  die  Zerlegung  der  in 
Alkohol  gehärteten  und  dann  ausgewässerten  Organ-  und  Gewebs- 


1)  M.  m.  W.  87.  84.  654. 

8)  Prakt.    Anleitung    s.     mikr.    Nachw.    dar    Bakt.    i.    thier.    Gfowabe.     Leipzig 
(E.  Günther)  1888. 


Die  Neuerungen  d.  bakterioL  Untersuehongsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    263 

Stückchen  mittelst  des  Gefriermikrotoms  der  Einbettung  in  Gelloidin 
oder  Paraffin  und  der  Weigert 'sehen  Fixirung  mit  Gummi  oder 
Glyceringelatine  auf  Kork  vor.  Unseres  Erachlens  ist  das  Verfahren 
als  einfach  und  bequem  wohl  zu  empfehlen,  kann  jedoch  die  beiden 
anderen  Methoden  nicht  ersetzen;  so  wird  besonders  die  erstere  in 
ihr  Recht  treten  müssen,  wo  es  sich  um  das  Schneiden  grösserer 
Stücke  handelt  Statt  der  üblichen,  aber  unpraktischen  Uhrgläser 
bedient  sich  K.  der  Blockschälchen  für  gefärbten  Alkohol,  ätherische 
Oele  und  Anilinöl,  sowie  dickwandiger,  runder  Schalen  von  ö1/,  cm 
Durchmesser  und  11  mm  Tiefe  für  wässerige  Farblösungen,  Alkohol 
etc.  Die  Schnitte  werden,  aufgerollt  auf  eine  zur  stumpfen  Spitze 
ausgezogene  Glasnadel  von  4  mm  Dicke,  entweder  aus  Wasser  oder 
aus  Alkohol  in  die  Farblösung  übertragen.  Die  für  letztere  bestimmte 
Schale  ruht  auf  dem  runden  Ausschnitt  eines  auf  einer  Seite  offenen 
Kastens,  in  welchem  sich  ein  diagonal  eingelegter  Spiegel  befindet 
K.  rath,  nicht  zu  intensiv  zu  färben  und  indifferente,  das  Gewebe 
möglichst  schonende  Ausziehungsmittel  zu  wählen  (Anilinfarben). 
Alkohol  wird  zu  diesem  Behuf  mit  der  gleichen  Farbe  versetzt  und 
dient  lediglich  zur  Entfernung  des  oberflächlich  aufliegenden  Wassers, 
während  als  eigentliches  Extraktionsmedium  reines  oder  mit  Farb- 
stoffen versetztes  Anilinöl  genommen  wird.  Zur  Anfertigung  von 
Trockenpräparaten,  sei  es  im  Schnitt  oder  Ausstrich,  dient  ein  Ballen- 
gebläse, welches  durch  Einfügung  eines  kleinen,  zur  Spitze  ausge- 
zogenen Glasröhrchens  in  die  Gummiröhre  vervollständigt  ist;  es 
wird  ferner  benutzt,  um  zähe  Schleimpartikelchen  auf  dem  Deckglase 
auszubreiten  und  anzutrocknen  und  endlich  zur  Entfernung  des 
Immersionsöls,  welches  zuvor  oberflächlich  mit  Fliesspapier  aufge- 
saugt und  mit  einem  Tropfen  Xylol  versetzt  wurde.  Ein  recht  prak- 
tisches Instrument  führte  Kühne  in  Gestalt  einer  Pinzette  ein, 
deren  platte  Branchen  im  stumpfen  Winkel  nach  der  Fläche  hin  ab- 
gebogen sind.  Sie  dient  zum  Fassen  der  Deckgläser  und  erleichtert 
die  Hantirung  wesentlich.  Man  kann  mit  ihrer  Hülfe  die  ganze 
Schnittbehandlung  mit  Leichtigkeit  auf  dem  Deckglase  durchmachen, 
wie  wenn  man  ein  Ausstrichpräparat  vorsieh  hätte.  Steinbach1) 
gebraucht  bei  den  Färbungs-  etc.  Akten  eine  zur  Aufnahme  der 
Schnitte  dienende  Glasdose  mit  siebförmig  durchlöchertem  Boden, 
welche  der  Reihe  nach  in  etwas  grössere,  mit  den  nöthigen  Lösungen 
beschickte  Glasschalen  getaucht  wird. 

Was  nun  die  Kühne'sche  Färbetechnik  anbetrifft,  so  empfiehlt 
er  die  Methylenblaumethode  als  die  universellste  und  sicherste.  Der 
Farbstoff  wird  in  5  °/0  iger  Karbol-  oder  1  °/0  iger  Ammoniumkarbo- 
natlösung  als  Beize  gelöst  Die  Differenzirung  erfolgt  in  schwacher 
wässeriger  Lithionkarbonatlösung  oder  leicht  angesäuertem  Wasser, 
die  Wasserentziehung  erst  in  absolutem  Alkohol,  dem  etwas  Me- 
thylenblau zugesetzt  ist,  sodann  in  ebensolchem  Anilinöl ;  schliesslich 
kommt  der  Schnitt  in  reines  Anilinöl,  in  leicht  flüssiges  ätherisches 
Oel  (z.  B.  Thymen,  Thereben  u.  dgl.),  Xylol  und  Balsam.    Für  ge- 


1)  Bdlageheft  s.  Ausstellung   des    6.  Internat.  Kongr.    f.   Hyg.    u.  Dem.    i.  Wien. 

1887. 


264    Heim,  Die  Neuerungen  d.  bakt.  üntersuchungsm  ethoden  seit  d.  Jahre  1887. 

wisse  Bakterienarten,  z.  B.  Tuberculose-,  Lepra-,  Mäuseseptikämie- 
bacillen,  ist  die  sonst  gleiche  Fuchsinmethode  am  Platze.  In  manchen 
Fällen  gelingt  es,  auch  nicht  zur  Tuberkelbacillengruppe  gehörige, 
mit  Fuchsin  gefärbte  Bakterien  durch  Fluorescinalkohol  zu  differen- 
ziren,  namentlich  wenn  die  erste  Färbung  echter  gemacht  worden  ist. 
Letzteres  erzielte  K.  durch  Vorbehandlung  mit  Schwarzbraun,  das 
als  Beize  wirkt.  (Denselben  Zweck  suchte  Spina  (1.  667)  durch 
24  stündige  Vorbehandlung  mit  Tanninlösung  zu  erreichen). 

Hinsichtlich  der  näheren  Beschreibung  der  Handhabung  des  Ge- 
friermikrotomes,  der  doppelten  und  dreifachen  Färbungen,  der  Modi- 
fikationen des  Gram'schen  Verfahrens  und  der  Vorschriften  für  die 
Anfertigung  der  verschiedenen  Lösungen  sei  auf  das  Original  ver- 
wiesen. 

Um  Nährböden  behufs  Studiums  der  Wachsthums-  und  Lagerungs- 
verhältnisse der  Einzelbakterien  in  wachsenden  Kulturen  in  Schnitte 
zerlegen  zu  können,  härtete  Neisser  (0.  3.  506)  nach  dem  Vorgange 
von  Fi  sc  hl  und  Weigert1)?  jedoch  mit  einer  Modifikation  ihres 
Verfahrens,  Gelatinestichkulturen  nicht  verflüssigender  Bakterien  erst 
in  Ealiumchromatlösung  bei  Lichtzutritt  und  später  (nach  Auswässe- 
rung) in  Alkohol;  Agarkulturen  mussten  in  Paraffin  eingebettet  ge- 
schnitten werden.  Die  Färbung  der  auf  dem  Objektträger  ange- 
trockneten Schnitte  gelang  ihm  am  besten  mit  der  Gram 'sehen  und 
Weigert'schen  Methode. 

Vor  der  Besprechung  des  Nachweises  einzelner  Bakterienarten 
muss  noch  eines  neuen  Gesichtspunktes  gedacht  werden,  welchen 
Günther8)  erörterte.  Derselbe  fand  den  absoluten  Alkohol  un- 
fähig, dem  gefärbten  Präparate  Farbstoff  zu  entziehen ;  mit  wach- 
sendem Wassergehalt  nimmt  seine  entfärbende  Kraft  zu;  „reine  al- 
koholische Lösungen  der  basischen  Anilinfarbstoffe  sind  vollständig 
unfähig,  Bakterien  sowie  thierisches  Gewebe  zu  färben  und  anderer- 
seits ist  der  absolute  Alkohol  unfähig,  den  Farbstoff  aus  gefärbten 
Bakterienzellen  und  aus  gefärbten  Zellen  thierischen  Gewebes  zu  ex- 
trahiren." 

Ueber  das  tinktorielle  Verhalten  der  Lepra-  und  Tuberkelbacillen 
schrieb  Wesen  er  eine  im  1.  Bande  des  Gbl.  erschienene  Abhandlung. 
Neisser  (6.  202)  konnte  nach  eigenen  Untersuchungen  die  Angabe 
von  Unn  a  (3.  194),  dass  die  sog.  Coccothrixform  der  Leprabacillen 
nur  bei  Anwendung  von  Pararosanilin-,  nicht  aber  von  Rosanilin- 
farbstoffen hervortrete,  nicht  richtig  finden,  vielmehr  nachweisen,  dass 
jene  Farbstoffe  nicht  rein  waren,  und  dass  ein  Unterschied  nur  inso- 
fern bestehe,  als  die  ersteren  schärfer  färbten.  Für  die  Darstellung 
der  Kügelchen  bestätigt  N.  die  Vorzüge  der  Lutz- Unn  ansehen 
Modifikation  der  Gram' sehen  Färbung  (3.  219),  konnte  sie  jedoch 
auch,  und  zwar  nicht  nur  bei  den  Lepra-,  sondern  auch  bei  den 
Tuberkelbacillen,  auf  anderem  Wege  sichtbar  machen,  nämlich  durch 
starke  Einwirkung  der  Salpetersäure  oder  durch  Färbung  mit  Borax- 
Methylenblau  und  Entfärbung  in  Wasser  und  Alkohol,  ferner  mittelst 


1)  F.  d.  M.  87.  665. 

2)  Einführung  in  d.  8tnd.  d.  Bakt.  Leipzig  (Tbieme)  1890. 


Schutzimpfung,  kfinstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangshemmnng  etc.      265 

Hämatoxylin  oder  Osmiumsäure,  Amann  (2.  24)  durch  Brom  im 
naszirenden  Zustande.  Offenbar  kommen  diese  Erscheinungen  ledig- 
lich Bacillen  zu,  auf  welche  abnorme  Verhältnisse  eingewirkt  haben, 
sei  es  nun  vor  oder  bei  der  Färbungs-  bezw.  Entfärbungsprozedur, 
und  N ei 88 er  hat  mit  seiner  Behauptung,  dass  die  Mikroorganismen 
der  Lepra  und  der  Tuberculose  Bacillen  und  keine  Kokken  sind, 
vollkommen  recht 

(Fortsetanng  folgt.) 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Emmerich,   Die  Ursache  der  Immunität,    die  Heilung 
von  Infektionskrankheiten,  speziell  des  Rothlaufs 
der  Schweine,   und    ein  neues  Schutzimpfungsver- 
fahren gegen  diese  Krankheit.    (Münchener  med.  Wochen- 
schr.  1891.  No.  19  u.  20.) 
E.  hatte  bereits  früher  bei  seinen  Versuchen  aber  Heilung  des 
Milzbrandes  durch  Erysipelkokken  die  Ansicht  geäussert,  dass  ein 
Kampf  zwischen  den  beiden  Bakterienarten  nicht  stattfinde;  die  Heilung 
komme    vielmehr    durch    den  erhöhten   Zellenreiz  zu  Stande.     Er 
führte  dann  weiter  aus,  dass  ein  ähnlicher  Vorgang  die  Immunität 
bedinge,  bei  welchem  durch  den  Einfluss  der  eingeführten  pathogenen 
Bakterien  Gifte  entständen,  die  diese  tödten,  dem  Organismus  selbst 
aber  nicht  schaden. 

Da  sich  hiergegen  Metschnikoff  in  Verteidigung  seiner 
Phagocytenlehre  erhob,  auch  zu  anderen  Besultaten  als  E.  in  den  be- 
treffenden Versuchen  kam,  wiederholte  Letzterer  dieselben.  Er  im- 
munisirte  Kaninchen  durch  intravenöse  Injektion  von  0,2  ccm  einer 
mit  der  50  fachen  Menge  Wassers  verdünnten  voll  virulenten  Bouillon- 
kultur von  Rothlaufbacillen.  Die  dadurch  entstehende  Krankheit 
heilt  innerhalb  8  Tagen;  dass  dieselbe  vollständige  Immunität  zurück- 
gelassen hatte,  wurde  durch  weitere  intravenöse  und  subkutane  In- 
jektionen von  unverdünnten  Rotblaufbacillenkulturen  sichergestellt. 
Nachdem  er  12  solcher  Kaninchen  IVt  — 6  ccm  Rothlaufbacillen- 
Bouillonkulturen  aufs  Neue  injizirt  hatte,  tödtete  er  sie  innerhalb 
4  bis  12  Stunden.  Bereits  nach  3  Stunden  war  die  grösste  Zahl 
der  Bacillen,  nach  spätestens  8  Stunden  alle  getödtet  Regelmässig 
trat  nach  der  Injektion  Fieber  auf,  das  nach  ca.  10  Stunden,  also  mit 
der  vollendeten  Vernichtung  der  Bakterien,  wieder  verschwand.  Der 
Schluss,  dass  in  einer  so  kurzen  Zeit  von  einer  Vernichtung  einer  so 
ungeheueren  Zahl  Bakterien  durch  Phagocytose,  welche  sich  übrigens 
mikroskopisch  gar  nicht  nachweisen  liess,  nicht  die  Rede  sein  könne, 
erscheint  durchaus  gerechtfertigt. 

E.  kam  nun,  unabhängig  von  anderen  Autoren,  auf  den  Ge- 
danken, dieses  proponirte,  in  den  immunen  Thieren  befindliche  Gift 


266     Schutzimpfung,  kflnitl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangshemmung  etc. 

auf  andere  Thiere  zu  übertragen,  bei  welchen  es  als  Heilflüssigkeit 
wirken  müsse.  Zunächst  versuchte  er  es  mit  Fleischabkochungen 
immunisirter  Thiere,  was  ihn  aber  nicht  zum  Ziel  führte.  Er  presste 
deshalb  das  zerkleinerte  Fleisch  derselben  einfach  aus  und  filtrirte 
durch  Chamber! and 'sehe  Filter.  22  mit  Rothlauf  iufizirten 
Mäusen  spritzte  er  sofort  oder  7  Stunden  nach  Infektion  1 V* — 4  ccm 
solcher  „Heilflüssigkeit"  ein.  Nur  drei  davon  starben,  während  die 
22  Eontrolltbiere  sämmtlich  eingingen ;  ein  ähnliches  Resultat  erhielt 
er  bei  der  Behandlung  von  Kaninchen. 

Die  Mäuse  erwiesen  sich  ausserdem  noch  nach  11  Tagen  gegen 
Rothlauf  immun. 

E.  hält  seine  Behandlungsmethode  für  geeignet,  in  die  Praxis 
eingeführt  zu  werden;  ähnliche  Unsersuchungen  über  Pneumonie 
und  Milzbrand  stellt  er  in  Aussicht         Scheurlen  (Stuttgart). 

Schimmelbusch,  C,  Die  Durchführung  der  Asepsis  in  der 
Klinik  des  Herrn  Geheimrath  von  Bergmann  in 
Berlin.  (Arbeiten  aus  der  Chirurg.  Klinik.  V.  S.-A.  49  p.) 
Verf.  erörtert  zuerst  kurz  die  Gesichtspunkte,  welche  die  Ein- 
führung der  verschiedenen  Antiseptika  in  die  chirurgische  Praxis  ver- 
anlassten, und  bespricht  dann  jene  Versuchsfehler,  welche  zur  Folge 
hatten,  dass  man  die  Wirkung  dieser  verschiedenen  chemischen  Mit- 
tel überschätzte  und  deren  Erkenntniss  die  Chirurgen  den  phy- 
sikalischen Desinfektionsmethoden  zuwendete.  Bei  der  Sterilisation 
durch  Dampf,  heisse  Luft  und  kochendes  Wasser  ist  die  vorange- 
hende mechanische  einfache  Reinigung  der  Objekte  von 
eminenter  Wichtigkeit,  sie  soll  die  Vorstufe  zu  jeder  Sterilisation 
sein.  Was  die  Intensität  der  Desinfektion  betrifft,  so  vertritt  Verl 
die  Ansicht,  dass  es  in  der  chirurgischen  Praxis  nicht  darauf  an- 
kommt, alle  Keime  abzutödten,  welche  die  Wunden  infiziren,  und 
eben  deshalb  dürfte  nur  selten  eine  Veranlassung  vorliegen,  über 
die  Abtödtungsgrenze  der  Milzbrandsporen  hinauszugehen.  —  In  den 
folgenden  3  Abschnitten  schildert  dann  Verf.  die  in  der  Klinik  üb- 
liche 1)  Sterilisation  der  Verbandsstoffe  in  Dampf.  2)  Die  Sterili- 
sation der  Metallinstrumente  in  Sodalösung.  3)  Die  Sterilisation 
ärztlicher  Bürsten. 

Verf.  sucht  die  Zweckmässigkeit  und  Zuverlässigkeit  der  befolg- 
ten Methoden,  nicht  nur  praktischen  Erfolge  derselben,  sondern  durch 
exakt  angestellte  Versuche  auch  vom  streng  bakteriologischen  Stand- 
punkte zu  beweisen.  —  Was  die  Sterilisation  der  Verbandstoffe  be- 
trifft, so  werden  dieselben  stets  in  Dampf  desinfizirt  Dazu  wird 
stets  der  von  Lautenschläger  konstruirte  Apparat1)  verwendet, 
dessen  Vortheile  jetzt  wohl  schon  allgemein  bekannt  sein  dürften. 
Die  Verbandstoffe  werden  in  den  Dampftopf  in  die  vom  Verf.  kon- 
struirten  verschliessbaren  Einsätze1)  gesetzt,  die  das  sterile  Auf- 
bewahren der  desinfizirten  Objekte  bis  zum  Gebrauche  ermöglichen. 
Verf.  beweist  es  mit  einigen  genau  angeführten  Versuchen,  dass  der 


1)  Siehe  Settegart,  Ctblatt  f.  Chirurgie.  1890.  No.  6. 
8)  Aach  von  Lauten  schläger  angefertigt. 


Schutzimpfung,  kfinstL  Infektionskrankheiten,  Entwickelnngshemmung  etc.      267 

Dampf  in  die  mit  Verbandmaterial  gefüllten  Kästchen  leicht  ein- 
dringt und  die  Dampfdurchströmung  eine  völlig  genügende  ist  Die 
ganze  Prozedur  der  Sterilisation  dauert  selbst  bei  eng  gepackten  Ein- 
sätzen nur  etwa  */*  Stunden.  Nach  der  Beendigung  der  Prozedur 
ist  es  gut,  die  Löcher  der  herausgenommenen  Einsätze  nicht  sofort 
zu  schliessen,  ja  sogar  den  Deckel  einige  Minuten  offen  zu  lassen, 
um  eine  Durchnässung  des  Verbandstoffes  zu  verhüten. 

Aas  demselben  Grunde  muss  man  die  Verbandstoffe  anwärmen, 
bevor  sie  zur  Desinfektion  in  den  Dampftopf  gebracht  werden. 
—  Bei  der  Sterilisirung  der  Metallinstrumente  wird  der  eigent- 
lichen Desinfektion  immer  eine  gründliche,  mechanische  Reinigung 
vorausgeschickt  (Abspülen  in  Wasser,  Einlegen  in  heisse  Lauge 
von  Soda  und  Seife,  Abbürsten,  Abspülen,  Putzen  mit  Putzstein, 
Alkohol  und  Lederlappen,  nochmaliges  Abspülen  in  Sodalösung,  Ab- 
trocknen.) Dann  erst  werden  die  Instrumente  in  Sodalösung  des- 
infizirt 

Der  genauen  Schilderung  des  Verfahrens  schickt  Verf.  eine  Kri- 
tik der  Sterilisirung  der  Instrumente  in  heisser  Luft,  in  Dampf  und 
in  kochendem  Wasser  voran,  welche  alle  theils  zu  umständlich,  theils 
aber  für  die  Instrumente  auf  die  Dauer  schädlich  sind  und  sich  des- 
halb in  der  Praxis  nicht  einbürgern  konnten.  Allen  Anforderungen 
genügt  die  Sodalösung.  Eine  1  %  Lösung  des  Soda  genügt,  um  ein 
Rosten  der  Instrumente  beim  Kochen  und  auch  beim  längeren  Ein- 
legen zu  verhüten. 

Ausserdem  ergaben  die  Versuche,  dass  die  kochende  Soda- 
lauge mit  das  kräftigste  keimtödtende  Mittel  ist,  welches  wir 
kennen  und  in  praxi  verwenden  können.  Staphylococcus  und 
Pyocyaneus  waren  in  2—3  Sekunden  und  Milzbrandsporen, 
die  im  Dampf  von  100°  noch  nach  10—12  Minuten  lebensfähig  waren, 
nach  2  Minuten  vollständig  abgetödtet.  Ausserdem  ist  diese  Steri- 
lisirungsmethode  wegen  ihrer  Einfachheit  und  leichten  Ausführbar- 
keit in  der  ärztlichen  Praxis  überall  und  zu  jeder  Zeit  anwendbar. 
Einen  Topf  Wasser  und  Soda  kann  man  überall  bekommen.  In  der 
Klinik  ist  ein  vom  Verf.  konstruirter  und  von  Lautenschläger 
verfertigter  Apparat  im  Gebrauch  [der  übrigens  in  Folge  seiner  prak- 
tischen Einrichtung  bereits  in  sehr  vielen  Kliniken  und  Laboratorien 
Eingang  gefunden  hat.  Ref.].  5  Minuten  langes  Kochen  genügt,  um 
die  Instrumente  zu  sterilisiren.  Im  zugedeckten  Apparat  hat  die 
kochende  Sodalösung  104°  C.  (Die  Konstruktion  der  Apparate  ist 
im  Original  nachzulesen.)  Die  sterilisirten  Instrumente  werden  dann  in 
Kalk,  abgekochte  Sodalösung  oder  in  eine  Lösung,  die  1  °/0  Soda  und 
1  °/o  Karbol  enthält,  gelegt.  Hier  bleiben  die  Instrumente  bis  zum 
Gebrauch.  In  dieser  Lösung,  die  eminent  entwickelungshemmend  ist, 
auch  schon  die  1  °/0  ige  Sodalösung  allein,  bleiben  die  Instrumente 
steril  und  rosten  nicht.  —  Von  den  zur  Operation  notwendigen  Ob- 
jekten sind  die  Bürsten  von  grosser  Bedeutung.  Auch  diese  müssen 
gründlich  gereinigt  und  desinfizirt  werden.  Die  nicht  sterilisirten 
Bürsten  enthalten,  wie  das  die  Versuche  des  Verf/s  und  Dr.  Spiel- 
hagen's  ergeben  haben,  nach  dem  Gebrauch  unzählige  Keime.  In 
der  Klinik  werden  die  Bürsten  zuerst  im  strömenden  Dampfe  des- 


268     Schutsimpfang,  künstl.  Infektionskrankheiten  k  Entwicklungshemmung  etc. 

infizirt  Schon  durch  einmaligen  Gebrauch  der  Bürste  gelangen  er- 
hebliche Mengen  von  Keimen  in  dieselbe.  Da  die  Bürste  sehr  oft 
in  Gebrauch  genommen  wird,  eignet  sich  zu  ihrer  Reinhaltung 
nicht  die  sonst  sehr  gute  Sterilisirung  in  kochender  Sodalösung.  Was 
die  chemische  Desinfektion  betrifft,  so  ergaben  die  Versuche,  dass 
man  mit  einer  1/2  °/00  Sublimatlösung  eine  schnelle  und  sichere 
Sterilisirung  von  infizirten  Bürsten  nicht  erreichen  kann.  Selbst  die 
wenig  widerstandsfähigen  Kokken  erforderten  10  Minuten  lange  Ein- 
wirkung. Ganz  besonders  unwirksam  ist  das  Sublimat,  wenn  zur 
Infektion  Eiter  genommen  wurde:  nach  10  Minuten  langer  Sublimat- 
einwirkung wuchsen  unzählige  Keime.  Hingegen  ist  die  dauernde 
Einlegung  der  Bürste  in  Sublimatlösung  von  ausserordentlichem 
Vortheile.  Auf  Grund  dieser  Beobachtungen  werden  in  der  Klinik 
die  stark  infizirten  Bürsten  vor  und  nach  dem  Gebrauch  ausgekocht 
und  für  gewöhnlich  auf  allen  Waschtischen  in  Sublimatlösung  (V*  %0) 
liegend  gehalten.  —  Die  Erneuerung  der  Sublimatlösung  geschieht 
auf  den  Stationen  alle  Morgen;  im  Operationssaal  in  den  grösseren 
Pausen  operativer  Thätigkeit  2—3  Mal  am  Tage. 

Tan  gl  (Tübingen). 

Kurz,  Ueber  trockene  aseptische  Operations-  und 
Verbandmethode.    (Dtsch.  med.  Wochenschr.  1890.  No.  47.) 

In  einer  von  Kurz  und  Vanzetti  geleiteten  Poliklinik  zu 
Genua  wird  seit  1889  bei  allen  Operationen  und  bei  der  Behandlung 
nicht  infizirter  Wunden  auf  die  Anwendung  der  Antiseptika,  wie  auch 
auf  jede  Abspülung  der  Wundflächen  verzichtet.  Die  Reinigung  der 
letzteren  geschieht  lediglich  durch  Betupfen  mit  hydrophiler  Gaze, 
welche  im  Lautenschläger' sehen  Ofen  sterilisirt  ist  Die  In- 
strumente werden  gleichfalls  durch  Hitze,  das  Nahmaterial  durch 
Auskochen  in  5°/0  Karbolsäure,  und  die  Hände  des  Operateurs  durch 
Seife,  Bürste  und  Alkohol  sterilisirt.  Nach  exaktester  Blutstillung 
wird  mit  sterilisirter  Gaze  verbunden. 

Kurz  hat  an  dieser  Wundbehandlung  bei  einer  grossen  Reihe 
von  Operationen  glänzende  Resultate  gesehen.  Er  rühmt  davon  die 
schon  von  anderer  Seite  hervorgehobenen  Vorzüge:  Ausbleiben 
jeder  Wundreizung,  Beschleunigung  der  Thrombenbildung  und  prima 
intentio  (bei  Laparatomieen  waren  die  Wunden  in  5  Tagen  geheilt), 
Schonung  der  Hände  des  Operateurs  sowie  grosse  Einfachheit  und 
Billigkeit  des  Verfahrens.  Kubier  (Berlin). 


Ulrich,  Chr.,  Die  Resultate  von  3  verschiedenen  Be- 
handlungsweisen  des  Erysipelas  faciei.    [Mittheilungen 
aus  dem  Garnisonkrankenhaus.]     (Hospitals-Tidende.   Jahrg.  IR 
Bd.  VIL  No.  41.) 
Diese    3   verschiedenen    Behandlungen    sind:     Eiskompressen, 
Pinselung  mit  Theer  (Pyoleum  pini)  und  Pinselung  mit  Ichthyol- 
kollodium (Sulpho-ichthyolat.  ammon.  5,00,  Aether  5,00,  Coli  dw*- 
10,00).    Im  Ganzen  sind  89  Fälle  behandelt  worden,    33  mit  »* 
kompressen,  27  mit  Theer,  29  mit  Ichthyolkollodium.    Der  Verg1"" 


Neue  Litteratur.  269 

zwischen  3  Behandlungsmethoden  fallt  zu  Gunsten  der  Ichthyol- 
kollodiumbehandlung  aus.  Die  Rose  verbreitete  sich  bei  dieser  nur 
in  wenig  über  l/A  der  Fälle,  beim  Theer  in  ungefähr  Vi  der  Fälle 
and  beim  Eis  in  fast  */»  der  Fälle.  Bullabildung  wurde  beim 
Ichtbyolkollodium  durchaus  nicht  beobachtet,  dagegen  war  sie  in  */« 
der  Fälle  bei  den  2  anderen.  —  Auch  die  Recidive  waren  beim  Ich- 
thyol nur  in  l/«  der  Fälle,  beim  Theer  in  1/3  und  beim  Eis  sogar 
in  etwas  Aber  1/8  der  Fälle.  Endlich  war  die  Dauer  bei  der  Ichthyol- 
behandlung etwas  kürzer,  als  bei  den  2  anderen  Methoden:  6,88 
gegen  9,3,  respektive  8,33  Tage.  Tan  gl  (Tübingen). 


Neue  Litteratur 

nMauaengeitelK  tob 

Db.  Abthüb  Wübzbubo, 

Bibliothekar  Im  KalMrUchen  GcMndlMttMinte  In  Beraa. 


Beziehungen  der  Bakterien  und  Faradten  zur  unbelebten  Katar. 

Nahrung»-  und  GemutmitUl,  Gebrauchsgegenstände. 

Gsltiar,  V.,  Nouvelles  recherches  sur  1*  virulence  de  U  visnde  des  animaux  tuberculeuz 
et  sur  l'heredite'  de  la  tubercnlose.     (Joarn.  de  med.  ylter.  et  sootechn.  1891.  p.  5 — 8.) 

Sehearltn,  üeber  die  Wirkung  des  Centrifugirens  auf  Bakteriensuspensionen,  besonders 
auf  die  Vertheilung  der  Bakterien  in  der  Milch.  (Arb.  a.  d.  kala.  Gesundh.-Amte. 
Bd.  VII.  1891.  Heft  8/3.  p.  269— 288.) 

Beziehungen  der  Bakterien  nnd  Parasiten  rar  belebten  Natur. 

Kranikeüserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mensehen. 
A.     Infektion  Attgetneinkraniheüen, 

Brauner,  C ,   Ueber  Ausscheidung  pathogener  Mikroorganismen    durch   den   Schweift*, 

(Wiener  medic.  Blätter.  1891.  No.  22.  p.  885—888.) 
Oesterrdch.    Verordn.    des   Ministeriums   des    Innern,    betr.   Maassnahmen  gegen   eine 

Weiterverbreitung   ansteckender  Krankheiten   durch   das  Photographiren  von  Leichen. 

Vom  14.  Mira  1891.    (Reichsgesetsbl.  1891.  No.  84.) 

InfektionsgescBirlUste. 
(Lepra,  Tubercnlose  [Lupus,  Skrophulose],  Sjphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Bleuten,  La  profilassi  della  sifilide  in  rapporto  con  l'igiene  preventiva.    (Giorn.  internes. 

d.  science  med.  1891.  No.  7.  p.  270—271.) 
Bobone,  T.,   L'aumento   della   tubercolori  nella   popolasione   d!  San  Bemo   negli  Ultimi 

IG  snni ;  sue  cause ;  messi  per  combatterlo ;  necessita  urgente  di  disinfezioni  rasionali. 

(Arch.  internas.  di  laringol.,  rinol.,  otol.  etc.  1890.  p.  17,  40.) 
Wxon,  8.  O.,  The  deveiopment  of  baeillus  tuberculosis.    (Proeeed.  of  the  Aead.  of  na- 
tural scienee,  Philad.  1891.  p.  488—440) 
Oibbes,  H. ,   Pathology  and  etiology  of  acute  miliar?  tuberculosis.    (New  Amer.  practit. 

1891.  p.  116—126.) 
Jonneeeo,  Tubercnlose  herniaire.    (Boy.  de  chir.  1891.  No.  8,  6.  p.  186—198,  464—488.) 
Xaathaek,  A.  A.,  and  Barclay,  A.,  Pure  culüvation  of  the  leprosy  baeillus.    (Brit  Med. 

Journ.  No.  1690.  1891.  p.  1880—1881.) 
Kays,  T.  J.,  The  specific  and  non-speeifie  treatment  of  pulmonary  consumption.    (Boston 

Med.  and  Burg.  Journ.  1891.  No.  28.  p.  661—664.) 


270  NeQe  Litterator. 

Huttall,  Ö.  H.  F.,  A  method  for  the  estimation  of  the  actual  namber  of  tabercle  bscüli 
in  taberculons  Sputum.     (Ballet  of  the  Hopk.  Hosp.  1891.  No.  18.  p.  87—76.) 

Proksch,  J.  K.,  Die  venerischen  Krankheiten  bei  den  alten  Aegyptern.  (Areh.  f.  Der- 
matol.  u.  Syphil    1891.  No.  4.  p.  587—557.) 

Wertheim,  E.,  Zur  Lehre  von  der  Gonorrhoe.  (Prag,  medic.  Wochenschr.  1891.  No.  23, 
24.  p.  865—866,  278—879.) 

Diphtherie  und  Group,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Geniekstaire, 
Mumps,  RücWallsrfeW,  Osteomyelitis. 

Bok&i,  J.,  Die  Diphtheritis-  und  Croup-Statistik  des  Stefanie-Kinderspitals  in  den  letzten 

swei  Jahren.     (Orvosi  hetUap.  1891.  No.  24.)     [Ungarisch.] 
Kemper  und  Frantsen,  Litteratur- Untersuchung  betreffs  der  Grippe-Epidemie  von  1889/90. 

(Bolnitsch.  gas.  Botkina.  1890.  p.  786,  810,  887,  1108.)    [Rassisch.] 
Kostenko,  F.  J ,   u.  Grabowski,  F.  8.,    üeber   die  Wirkung   der   gegen   die  Diphtherie 

gebrauchten  Mittel  auf  den  Bacillus  Loeffleri.     (Wratsch.  1891.  No.  20,  22.  p.  490- 

493,  534—535.)     [Russisch.] 
Preobrajenski,  F.  J,    Grippe-Epidemie   in   Kronstadt     (Protok.   zasaid.    Obsh.   Morsk. 

▼räch,  t.  Kronstadt.  1890.  p.  138—140.)     [Rassisch.] 
Bmirnoff,  F.  V.,  Grippe-Epidemie  in  Schooscha.     (Protok.  sassid.  Ksvkazak.  med.  Obsh., 

Tiflis  1890/91.  p.  834—341.)     [Russisch.] 
Vioentini,  7. ,    Solls  presensa   della   mielina    negli  sputi   della  pertosse  e  sni  bstterii  e 

microflti  che  accidentalmente   ri  albergano   con    un  cenno   de*  bstterii  degli  sputi  in 

genere  ed  alcone  awerten*©  intorno  alla  preparasione  e  colorazione  de'  relativi  esem- 

plari  microscopici.     (ResoconÜ  d.  r.  Accad.  med.-cbir.  di  Napoli  (1889)  1890.  p.  173— 

246.) 

Gelenkrheumatismus. 

Prinsing,  Beitrag  sur  Aetiologie  des  akuten  Gelenkrheumatismus.  (Medic.  KrrspdzW 
d.  wfirttemb.  ftrstl.  Landesyer.  1891.  No.  21.  p.  161—168.) 

B.    Infektiöse  Lokalkrankheiten. 
Haut,  Muskeln,  Knochen. 

Mass«,  O. ,  Ueber  Trichophytonknltnren.  (Arch.  I  Dermatol.  u.  Syphil.  1891.  No.  4 
p.  591—615.) 

YerdauungBOigane. 

Goullioud  et  Adenot,  Perforation  de  l'appendice  ileo-caecal;  peritonite  genlralisee  dne 
au  bacillos  coli  communis;  mort.     (Lyon  me"d.  1891.  No.  25.  p.  245—254.) 

Augen  und  Ohren. 

Valude,  Origine  de  la  tuberculose  du  tractus  uveal;  reeherches  expenmentales.  (Areh. 
d'ophtalmol.  1891.  No.  3.  p.  258—264.) 

O.     Entonootisehe  Krankheiten. 

(Finnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filaria,  Oestruslanre,  Ascsxis, 

Anchylostomnm,  Trichocephalus,  Oxyuris.) 

Barry,  J.  H.,  Two  cases  of  trichinosis.    (Med.  Record.  1891.  No.  24.  p.  677.) 
Berge,  A.,  Un  cas  de  ladrerie  che»  l'homme.  —  Cysticerques  dans  le  cerveau,  les  pw- 

mons,  le  coeur,  le  foie,  le  pancreas.  —  Coexistence  d'un  taenia  intestinal.    Glycosurie. 

(Bullet  de  la  soc.  anat  de  Paris.  1891.  No.  12.  p.  306—308.) 
Blanchard,  R.,   NouTeau  cas  de  tenia  nain  (Hymenolepis  nana)  en  Amerique.    (Compt. 

rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  20.  p.  441—443.) 
Vierordt,  H.,  Ueber  das  Vorkommen  des  cystösen  Echinococcus  in  Württemberg.    (Medic. 

Krrspdsbl.  d.  württemb.  ärstl.  Landesver.  1891.  No.  18.  p.  137—141.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen  und  TMeretu 

Tollwuth. 

(Hardano,  D.,    Sopra  un  caso  di  rabbia  neu'  uomo.     (Osservstore.  1890.  p.  839-850.) 


Nene  Litter atur.  271 

Kraniheüserrsgtndt  Bakterie*  und  Parasiten  bei  Tfueren, 


A.    Infektiöse  AUgemewhrankheüen, 

Stand  der  Thieraenchen  in  Italien  während  der  IS  Wochen  vom  29.  Dezember  1890  bis 
29.  Min  1891.     (Veröffentl.  d.  kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  25.  p.  876.) 

Ungarn.  Erlass,  betr.  die  Ausweise  Über  die  ansteckenden  Krankheiten  bei  Hausthieren. 
Vom  9.  Januar  1891.  (Veröffentl.  d.  kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  Mo.  25.  p.  379— 
380.) 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Rinderpest,  Lungenseuche,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Kälber,  Bauschbrand,  entozootisches  Verkalben.) 

Bayern.  Verfug,  des  Kgl.  Staatsminist,  des  Innern,  betr.  Maassregeln  gegen  die  Schaf- 
rinde.  Vom  27.  Mai  1891.  (Veröffentl  d.  kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  25. 
p.  376  ) 

Ungarn.  Verordnung,  betr.  die  Anaeige  beim  Auftreten  der  Lungenseuche.  Vom  9.  Ja- 
nuar 1891.     (Veröffentl.  d.  kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  25.  p.  880.) 

Wirbellose    Thiere, 

Giari,  A.,  L'IsarU,  parasite  de  la  larve  du  hanneton.  (Compt  rend.  de  l'Academle  des 
sriences  de  Paris.  T.  CXIL  1891.  No.  22.  p.  1270—1273.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Wong,  B.  M.,    Fungus   growths.    (13.  Ann.  Report   of  Secretary   of   California    8tate 

Board  of  Agric.   1891.  Supplement,  p.  242—249.) 
Marion,  A.  F.,  et  Gastine,  6.,  Remarques  sur  l'emploi  du  sulfure  de  carbone  au  traite- 

ment  des  rignes   phylloxerees.     (Compt.   rend.   de  l'Academie  des  sciences  de  Paris. 

T.CXTI.  1891.  No.  20.  p.  1118—1117.) 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwleke- 
lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  Aber  das  Koch'sche 
Heilverfahren  gegen  Tuberculosen 

CatsnaTe  de  la  Boche,  Le  remede  de  Koch  et  les  eaux  minlrales  dans  le  traitement  de 

la  taberculose  localbee   et  pulmonaire.    (Bullet,  et  mem.  de  la  soc.  de  mäd.  prat.  de 

Paris.  1891.  p.  108—107.) 
Devoto,  L.,  Peptonuria  consecutiya  al  trattamento  con  la  linfa  di  Koch.    (Riforma  med. 

1891.  p.  3—5.) 
Dubmeil,  A.,   La  lymphe   de  Koch  dans  les  tuberculoses  chirurgicales.     (Gas.  hebdom. 

d.  seienc.  m6d.  de  Montpellier.  1891.  p.  85.) 
'sigel,  L. ,   Nieopisane  dotychcsas  smiany  w  pratkach  gruslicsych   po  wstrsykiwaniach 

Ümfy  Kocha.     [Bisher  nicht  beschriebene  Vitalität  der  Tuberkelbacillen  nach  Injektion 

Koch'scher  Lymphe.]     (Przeglad  lekarski.  1891.  p.  79.) 
fetaler,  F.  K,    Ueber   die  Wirkung   des  Tuberculins   auf  gesunde  Thiere.     (Wratsch. 

1891.  No  21.  p.  509—511.)    [Russisch.] 
Herwotirt  et  Sienet,  C. ,    De   la  toxicite1   des  substances  solubles   des  eulturus  tubercu- 

leuses.    (Compt.  rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  21.  p.  470—472.) 
Köhler,  B.,  u.  Westph&l,    Eine   neue  Theorie   zur  Erklärung   der  Wirkung   des  Koch- 

Mhen  Heilmittels  auf  den  tuberculösen  Menschen  nebst  therapeutischen  Bemerkungen. 

(Deutsche  medic.  Wochenschr.  1891.  No.  26.  p.  839—848.) 
Xoakoff,  H ,  Fälle  Ton  akuter  Miliartuberculose  ohne  Koch'sche  Tuberkelbacillen.     (Trudi 

obsh.  mssk.  wratsch.  v.  S.-Petcrsb.  1891.  p.  11—26.)     [Russisch.] 
***{&,  A.  J.,  Les  Services  de  desinfection  k  Paris.     (Rev.  d'hyg.  1891.  No.  6.  p.  497— 

516.) 
Httttall,  0.  H.  F.,  and  Wright,  J.  H.,  Report  on  the  inoculation  of  thirteen  guinea  pigs 

*frh  the  Sputum  of  tuberculous  cases  undergoing  the  Koch  treatment.     (Bullet,  of  the 

Johns  Hopkins  Hosp.  1891.  No.  13.  p.  77—79.) 


272 


Nene  Litteratnr. 


Österreich.     Erlas*  des  Finanzministeriums,    betr.   die  Bezugsbedingungen  für  das  tod 

Professor  Koch  in  Berlin  entdeckte  Heilmittel  gegen  Tuberculose  (Koch'sche  Lymphe). 

Vom  12.  Mai  1891.     (Oesterr.  Sanitätswesen.  1891.  No.  26.  p.  204.) 
Pilatte,  E.,   Tuberculeux  traites  par  la  mlthode  de  Koch;   Observation*  prises  dam  1« 

höpitaux  de  Berlin.     (Marseille  mld.  1891.  p.  75—98.) 
Pinini,  L.,  Due  casi  di  tisi  polmonare  curat!  colla  linfa  di  Koch.     (Ganz,  med.  di  To- 

rino.  1891.  p.  4—10.) 
Preussen.     Erüss  des  Kgl.  Ministers  des  Innern,  die  Anwendung  des  Koch'schen  Mittels 

bei  tabercalösen  Gefangenen  betreffend.     Vom  28.  Januar  1891.     (VerÖffentl.  d.  kiii 

Gesundh  -Amtes.  1891.  No.  28.  p.  424 ) 
Preussen.     Erlass  der  Kgl.  Minister  des  Innern  nnd  der  geistlichen  etc.  Angelegenheiten, 

die  Verhütung   der   Tuberculose    betreffend.     Vom  7.  Juli  1891.     (Verdffentl.  d.  ktis. 

Gosundh.-Amtos.  1891.  No.  28.  p.  424—425.) 
▼.  Bück,  K. ,   Professor  Koch's  method,  and  the  results  of  its  application  in  twenty-fiT« 

cases  of  pulmonary  and  laryngeal  taberculosis.     (Therapeut.  Gas.  1891.  No.  6.  p.  581 

—393.) 
Salomonsen,  C.  J. ,    Om   Koch's    tnberkuloseknr.     (Biblioth.   f.    laeger,    Kjebenh.  1891. 

p.  1-26.) 
Seranni,  A.,  e  Ungaro,  G.,  Influensa  del  ramo  di  legna  su  la  Tita  dei  hatten.    (Giern. 

interna«,  d.  scienze  med.  1891.  No.  10.  p.  374— 386  ) 
Sokoloff,  V.  J.,   Untersuchung  Über  die  Behandlung  der  Lungenschwindsucht  mit  Koch- 
scher Flüssigkeit.     (Bolnitsch.  gas.  Botkina  1890.  p.  1158—1166.)     [Russisch.] 
Vaillard,    Sur   les  propriltes    du  serum   des  animaux  rlfiractaires  au  te*tanos.    (Compt 

rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  20.  p.  462—465.) 


Inhalt. 


Oriffinalmittheüungen. 

Gabritichewsky,  G.,  Zur  Technik  der  bak- 
teriologischen Untersuchungen.  Mit  2  Fi- 
guren.   (Orig.),  p.  248. 

Luta,  A.,  Zur  Kenntniss  der  Amöben-Ente- 
ritis und  -Hepatitis.    (Orig.),  p.  241. 

Beiträte. 

Bergmann,  W.,  Ueber  den  Befund  eines 
Ascaris  lumbricoides  in  der  Peritoneal- 
höhle, p.  259. 

Bnday,  Bin  Fall  Ton  Aneurysma  arteriae 
iliacae  communis,  Terursacht  durch  einen 
septischen  Embolus,  p.  256. 

Conn,  H.  W.,  Bakteria  in  the  dairy,  p.  252. 

Dock,  G.,  Studies  in  the  etiology  of  mala- 
rial  infection  and  of  the  haematosoa  of 
Laveran,  p.  254. 

Eberth,  C.  J.,  Wandtafeln  für  Bakterien- 
kunde für  den  Gebranch  bei  Vorlesungen, 
p.  251. 

Fajarnea,  E.,  Nucyos  estudios  sobre  los 
hematosoarios  del  paludismo,  p.  254. 

Faulhaber,  E.,  Ueber  das  Vorkommen  von 
Bakterien  in  den  Nieren  bei  akuten  In- 
Infektionskrankheiten, p.  257. 

Hoehsinger,  0.,  Zur  Diagnose  der  Malaria 
infantilis,  p.  258. 

Xirehner,  0.,  Brannfleckigkeit  der  Gersten- 
bllttcr,  p.  259. 


Leroy,  C,   A  biological  study  of  the  mi- 

crobe  of  erysipelas,  p.  255. 
8abrazei,  M.,    Sycosis  ge'ne'ralise',  p.  257. 
Torti,  A.,  ed  Angelini,  A.,   Infezione  na- 

larica  cronica   coi  sintomi  della  sderosi 

a  placche,  p.  254. 

Untertuohungtmethoden,  Infttnonantsefo 

Heim,  L.t  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiet« 

der  bakteriologischen  Untersuchongsme» 

thoden   seit   dem  Jahre    1887.    (Orig*, 

p.  260. 

Bchutaimpfun^ ,  knnttliehe  Infektions- 
krankheiten, Entwicklungshemmung 
nnd  Vernichtung  dar  Bakterien 
nnd  ParaaiteB. 

Emmerich,  Die  Ursache  der  Immunität,  di« 
Heilung  von  Infektionskrankheiten,  spe- 
ziell des  Rothlaufs  der  Schweine,  nnd  ein 
neues  Scbutaimpfungsrerfahren  gaff80 
diese  Krankheit,  p.  265. 

Kurs,  Ueber  trockene  aseptische  Opers- 
tions-  und  Verbandsmethode,  p.  268. 

Schimmelbnach,  C,  Die  Durchführung  <** 
Asepsis  in  der  Klinik  des  Herrn  Geheim- 
rath  Ton  Bergmann  in  Berlin,  p.  266. 

TJlrioh,  Chr.,  Die  Resultate  von  3  ver- 
schiedenen Behandlungsweisen  des  Erj- 
sipelas  faciei,  p.  268. 

Nene  Litteratnr,  p.  269. 


«Im  Baohdraolursi  (Hi 


Pohl«)  In  Jwm. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

64  M.  Prot  Dr.  Lenckart  m  Professor  Dr.  Lotiter 

Ib  Ldpsif  In  ürailmld 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band.       -*~     Jena,  den  14.  September  1891.      -o-  No.  9« 


Preia  Ar  den  Band  (M  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  swei  Bände. 

-Hl    Zu  beziehen  durch   alle  Buchhandlungen  and  Postanstalten.    )|«*- 

Die  Redaktion  des  „Centratblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde*'  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
ritze entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testen* nach  Empfemg  der  ersten  KorreMurabzüge  direkt  an 
den  Verleger  9  Herrn  Gustav  Bischer  in  Jena%  gelangen  zu 
lassen*  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
angehende  Wunsehe  berücksichtigen  zu  können. 


Original  -  Mittheilungen. 


Ueber  eine  neue  Methode  der  Sporenfarbung. 

[Aus  dem  hygienischen  Institute  zu  Greifswald.] 

Von 

Dr.  H.  Moeller, 

Priratdocenten  der  Botanik  in  Oreifswald. 

Die  in  Gebrauch  befindlichen  Methoden  der  Färbung  endogener 
oporen  sind  zum  Theil  nicht  recht  zuverlässig,  zum  Theil  sehr  um- 
standlich,  so  dass  sie  in  der  Praxis  weniger  zur  Verwendung  gelangen, 
^8  aas  manchen  Gründen  wünschenswerth  wäre.     Man  pflegt  be- 

X.H  18 


274  Moeller, 

kanntlich  die  derberen  Sporen  entweder  trocken  zu  erhitzen,  sei  es 
im  Trockenschrank,  sei  es  durch  häufigeres  Durchziehen  durch  die 
Flamme,  um  die  Sporenmembran  dadurch  leichter  durchlässig  für 
den  Farbstoff  zu  machen,  oder  die  Sporen  direkt  in  der  Farblösong 
eine  Stunde  zu  erhitzen.  Der  schweren  Färbung  der  Sporen  ent- 
spricht eine  schwierige  Entfärbung,  welche  ja  in  dem  übrigen  Bakterien- 
protoplasma leicht  zu  ermöglichen  ist  durch  Verwendung  von  Alko- 
hol und  verdünnten  Säuren  und  alsdann  eine  Neufärbung  des  letz- 
teren mit  einer  Gegenfarbe  nach  Neisser  ermöglicht. 

Diese  Sporenwand  scheint  nun  entsprechend  der  Widerstands- 
fähigkeit der  Sporen  gegen  schädigende,  äussere  Einflüsse  verschieden 
derb  und  durchlässig  zu  sein,  wie  ja  einige  endogene  Sporen  dieser 
Doppelfärbung  ohne  weiteres  zugänglich  sind,  andere  es  erst  durch 
das  obenerwähnte  Erhitzen  werden.  Durch  das  letztere  wird  offen- 
bar ein  starker  Eingriff  in  die  Beschaffenheit  der  Membran  hervor- 
gerufen, den  ich  rascher  und  im  Einzelfalle  zuverlässiger  durch  die 
Verwendung  von  Mazerationsmitteln  zu  erreichen  hoffte,  deren  wir 
uns  in  der  botanischen  Histologie  zu  ähnlichen  Zwecken  bedienen. 

Ein  überraschender  Erfolg  lohnte  gleich  den  ersten  Versuch. 

Als  Untersuchungsmaterial  benutzte  ich  die  Beinkultur  eines  Kar- 
toffelbacillus,  der  eine  bräunliche  Haut  lieferte.  Es  wurden  stets 
Deckglaspräparate  angefertigt  und  zur  Untersuchung  verwendet.  Bei 
den  ersten  Versuchen  fixirte  ich  durch  dreimaliges  Durchziehen  durch 
die  Flamme ;  später  habe  ich  durchgängig,  um  die  verschiedene  Wir- 
kung dieses  nie  gleichmässigen  Prozesses  auszuschliessen,  die  luft- 
trockenen Deckgläschen  zwei  Minuten  in  absoluten  Alkohol  gebracht, 
mit  Wasser  gründlich  abgespült  und  weiter  verarbeitet.  Zunächst 
untersuchte  ich  die  Wirkung  des  Chlorzinkjod  in  konzentrirter  Lö- 
sung, welches  ja  veränderte  Cellulose,  lignin-  und  suberinhaltige 
Membranen,  sowie  die  Aussenmembran  der  Sporen  und  Pollenkörner 
leicht  durchdringt  und  gelb  färbt  Gleich  gelb  färbte  sich  nach  we- 
nigen Sekunden  das  mit  einigen  Tropfen  des  Chlorzinkjod  bedeckte 
Deckglas.  Es  wurde  nun  sorgfältig  abgespült  und  mit  Karbolfuchsin1) 
mehrmals  aufgekocht,  abgespült  und  durch  Behandlung  mit  4°/ö 
Essigsäure  und  verdünntem  Alkohol  zu  entfärben  versucht.  Es  ge- 
lang, den  gefärbten  Sporen  (ein  Theil  war  nur  eben  angefärbt)  den 
Farbstoff  zu  lassen  und  ihn  sonst  zu  entfernen,  so  dass  die  Doppel- 
färbung mit  Methylenblau  gleich  am  ersten  Präparat  gelang,  wenn 
dasselbe  auch  sonst  noch  mangelhaft  war.  Nachdem  durch  circa 
5  Minuten  langes  Einwirken  des  Chlorzinkjods  eine  Färbung  sämmt- 
licher  Sporen  gelungen  war,  galt  es  durch  weitere  Versuche  eine  ge- 
eignete Differenzirungsflüssigkeit  wie  die  Dauer  der  Gegenfärbung  zu 
ermitteln. 

Von  der  1  °/q  Schwefelsäure  gelangte  ich  in  weiteren  Versuchen 
zur  5  °/0,  welche  ich  beibehalten  habe.  Das  Deckgläschen  wird  darin 
kurz  abgespült,  bis  es  entfärbt  ist,  und  dann  mit  Wasser  gründlich 
abgespült.    Als  Gegenfarbe  habe  ich  anfangs  wässerige  oder  alka- 

1)  Das  Karbolfuchsin  wie  die  andern  Farblösungen  bereitete  ich  ohne  AlkoholzosaU, 
weil  es  mir  wiederholt  schien,  dass  letzterer  die  Färbkraft  beeinträchtige. 


lieber  eine  neue  Methode  der  SporenfÜrbung.  275 

fische  Methylenblaulösung,  später  stets  eine  ziemlich  konzentrirte  Ma- 
lachitgrünlösung benützt,  welche  in  der  Regel  nach  30  Sek.  Einwir- 
kung eine  volle  Gegenfärbung  bewirkte. 

Weitere  Versuche  galten  der  Dauer  des  Kochens  mit  Karbol- 
fuchsin. Es  zeigte  sich,  dass  kurzes  Aufkochen  selten,  Erwärmen 
bis  zur  Dauer  einer  Minute  aber  immer  genügte;  ich  habe  deshalb 
stets  60  Sek.  in  der  Flamme  erhitzt,  in  welcher  Zeit  ich  dann  ein-, 
höchstens  zweimal  kurz  aufkochen  Hess. 

Von  anderen  bekannten  Mazerationsmitteln  habe  ich  nun  ferner 
Chlorwasser,  Javelle'sche  Lauge  und  Chromsäure  in  5°/0  Lösung 
untersucht.  Alle  drei  Hessen  eine  Wirkung  in  der  betreffenden  Rich- 
tung erkennen,  aber  die  beiden  ersteren  mazerirten  in  den  meisten 
Fällen  zu  stark.  Das  gab  sich  dadurch  zu  erkennen,  dass  die  vor- 
her roth  gefärbten  Sporen  die  grüne  Gegenfarbe  gleichfalls  annahmen, 
die  Membran  mithin  zu  durchlässig  geworden  war.  Die  Chromsäure 
Wogegen  erwies  sich  als  dem  Chlorzinkjod  in  der  Wirkungsweise 
nicht  nur  gleichstehend,  sondern  es  sogar  an  Schnelligkeit  der  Bei- 
zung übertreffend,  und  darf  sie  kurzweg  als  Universalmittel  zur 
Sporenfärbung  bezeichnet  werden.  Es  sei  hier  gleich  bemerkt,  dass 
die  Dauer  der  Einwirkung  bei  den  verschiedenen  Sporenarten  zwi- 
schen 30  Sek.  und  2 — 5  Min.  schwankt,  um  eine  gründliche  Fär- 
bung auch  der  ausgereiften  Sporen  zu  erzielen,  dass  die  letzteren 
aber  auch  bei  30  Sek.  langer  Wirkung  angefärbt  erscheinen.  Nehmen 
wir  nun  an,  was  nach  den  folgenden  Versuchen  an  bekannten  Bak- 
teriensporen gerechtfertigt  erscheint,  dass  alle  endogenen  Sporen  ent- 
weder ohne  Einwirkung  der  Chromsäure,  oder  nach  1/8 — 2  Min.  langer 
Behandlung  mit  derselben  der  Doppelfärbung  zugänglich  sind,  und 
langt  man  dann  bei  unbekannten  Arten  mit  30  Sek.  dauernder  Ein- 
wirkung an,  so  wird  man  in  kürzester  Zeit  nach  Anferti- 
gung von  höchstens  zwei  Präparaten  sichere  Doppel- 
färbung der  Sporen  erzielen. 

Von  denJuntersuchten^Sporen^seien  hier  zunächst  die  dreier 
Kartoffelbacillen  erwähnt;  die  obigen  des  braunen,  die  eines  bern- 
steingelben und  die  von  einem  weissen.  Die  des  braunen  wurden 
gut  gefärbt  nach  Einwirkung  während  30  Sek.,  die  des  gelben  nach 
2  Min.;  die  ausgereiften. Sporen  ;des  [weissen  Bacillus  waren  nach 
2  Min.  Mazeration  immer  noch  schwach  gefärbt,  sehr  schön  nach 
10  Min.  Einwirkung,  wodurch  indessen  das  Bacillenplasma  zerstört 
war.  Die  beste  Färbung  und  Gegenfärbung  wurde  aber  nach  Ein- 
wirkung während  5  Min.  erzielt. 

Einen  der  Gestaltung  nach  sicher  zu  den  Kartoffelbacillen  ge- 
hörigen,^langfädigen,  grosssporigen  Bacillus  erhielt  ich  von  Bohnen- 
dekokt.  Er  ist  der  widerstandsfähigste,  denn  Färbung  und  Gegen- 
färbung wurden  nur  nach  10  Min.  Mazeration  schön. 

Einen  Bacillus,  den  ich  aus  Heuaufguss  nach  1/2  stündiger 
Sterilisation  im  Dampftopf  in  Reinkultur  erhielt  und  der  dem  Aus- 
sehen nach  auch  offenbar  zu  den  Heubacillen  gehörte,  konnte  für 
seine  Sporenmembran  nicht  einmal  30  Sek.  Mazeration  vertragen, 
vielmehr  genügten  5  Sek.  Einwirkung.  Hier,  wie  in  einem  anderen 
Falle,  griff  ich  mit  Erfolg  auf  das  schwächer  wirkende  Chlorzinkjod 

18» 


276  Koalier,  Ueber  eine  neue  Methode  der  Sporenftrbong. 

zurück.  Dass  Übrigens  das  Chlorzink  ohne  Jodzusatz  für  unsere 
Zwecke  genügt,  wurde  durch  besonderen  Versuch  noch  bestätigt; 
doch  ziehe  ich  den  Jodzusatz  vor,  weil  die  Gelbfärbung  den  Grad 
der  Einwirkung  erkennen  lässt. 

Mehrere  anaerobe  Bacillen,  sowie  spontan  im  Blutserum  auf- 
tretende Fäulnissbaeillen  bedurften  zur  Sporenfärbung  der  Einwirkung 
der  Chromsäure  während  zwei  Minuten. 

Bacillus  cyanogenus  bildete  im  Quittenschleim  in  4  bis 
5  Tagen  reichlich  Sporen,  welche  30  Sek.  Beizung  erforderten. 

Von  pathogenen  Bakterien  wurden  die  Sporen  des  Milzbrandes 
und  des  Tetanus  untersucht.  Der  erstere  lieferte  nach  2  Min.  Ein- 
wirkung schöne  Präparate. 

Die  Sporen  des  Tetanus-Bacillus  wurden  nach  2  Min.  Chrom- 
säure-Behandlung sehr  schön,  doch  wollte  die  Gegenfärbung  nicht 
gelingen ;  letztere  wurde  erheblich  besser,  als  ich  auch  hier  auf  das 
Chlorzink  zurückgriff. 

Wenn  hiermit  auch  keine  grosse  Anzahl  sporenbildender  Bak- 
terien auf  das  Verhalten  gegen  die  neue  Färbungsweise  geprüft  ist, 
so  dürfte  doch  die  Verschiedenartigkeit  des  untersuchten  Materiales 
den  Schluss  zulassen,  dass  die  Methode  allgemein  anwendbar  sei; 
jedenfalls  zeichnete  sie  sich  in  den  oben  angegebenen  Fällen  durch 
Zuverlässigkeit  und  schnelle  Ausführbarkeit  aus..  Nach  den  Ver- 
suchen erscheint  es  ferner  so,  als  ob  die  grössere  Widerstandsfähig- 
keit der  Sporen  gegen  Vernichtung  der  Keimkraft  einen  Ausdruck 
fände  in  der  längeren  Zeit,  welche  für  eine  ausreichende  Mazeration 
zur  Sporenfärbung  nöthig  ist  —  ich  erinnere  nur  an  das  Verhalten 
des  weissen  Kartoffelbacillus.  Sollte  das  durch  weitere  Untersuchungen 
bestätigt  werden,  so  dürfte  die  neue  Art  zu  färben  unter  Anwendung 
schwächerer  Beizen  bei  längerer  Einwirkung  es  vielleicht  ermöglichen, 
die  Widerstandsfähigkeit  der  Sporen  direkt  zu  messen. 

Bekanntlich  wird  schon  jetzt  die  Verschiedenartigkeit  der  Geissei- 
färbung bei  den  geisseltragenden  Bakterien  diagnostisch  verwerthet; 
ich  glaube,  dass  auch  für  die  mit  endogenen  Sporen  versehenen 
Bakterien  die  Sporenfärbung  in  gleicher  Weise  zur  Unterscheidung 
nutzbar  zu  machen  wäre. 

Endlich  dürfte  in  entwickelungsgeschichtlicher  Richtung  weitere 
Anwendung  dieser  Methode  über  die  ersten  Anfänge  der  Sporen- 
bildung, beziehungsweise  der  Anlage  der  Sporenmembran  zu  interes- 
santen Resultaten  fahren. 

Noch  ein  anderer  Punkt  bedarf  hier  der  Erwähnung.  Bevor  eine 
geeignete  Sporenfärbungsmethode  bekannt  war,  wurden  diejenigen 
Theile,  welche  sich  gewöhnlich  nicht  färbten,  dann  für  Sporen  ge- 
halten, wenn  sie  ausser  der  betreffenden  typischen  Form  derselben 
den  eigenthümlichen  Glanz  des  Sporenplasma  zeigten,  und  sich  so 
von  den  gleichfalls  ungefärbten  Vakuolen  unterschieden. 

Nun  lehrt  aber  die  Erfahrung,  dass  bei  den  verschiedensten 
Bakterienkulturen,  noch  vielmehr  als  bei  Pilzen,  eigentümliche,  stark 
glänzende,  mehr  oder  weniger  rundliche  oder  eiförmige  Massen  vor- 
kommen, welche  sehr  leicht,  besonders  wenn  sie  in  der  Grösse  nicht 
zu  sehr  untereinander  abweichen,  das  Bild  von  Sporen  vortäuschen 


Capparelli,  Beitrag  anm  Studium  der  Phagocyten.  27t 

können.  Das  trifft  um  so  mehr  zu,  als  gerade  meine  Färbungsme- 
thode, wie  ich  mehrmals  erfahren  musste,  doch  zu  einer  Färbung 
dieser  Massen  führt,  welche  sogar  in  der  Schwefelsäure  die  Färbung 
theilweise  beibehalten  und  deshalb  eine  scheinbare  Sporendoppel- 
ftrbung  zu  erkennen  geben.  Man  thut  daher  gut,  in  zweifelhaften 
Fällen,  wie  bei  unbekanntem  Materiale  von  der  Anwendung  des 
Chloroforms  Gebrauch  zu  machen.  Fetttröpfchen,  Lecithin,  Chole- 
sterin, welche  in  Betracht  kommen  könnten,  sind  sämmtlich  in  Chloro- 
form löslich,  und  mehrere  Male  habe  ich  deshalb  das  Chloroform  zu 
solchem  Zwecke  mit  Erfolg  verwendet 

Fasse  ich  unter  Berücksichtigung  des  letzteren  Vorganges  die 
Einzelheiten  der  Färbung  nochmals  zusammen,  so  verläuft  der  Prozess 
meiner  neuen  Färbungsmethode  folgendermaassen: 

„Das  lufttrockene  Deckglaspräparat  wird  dreimal 
durch  die  Flamme  gezogen,  oder  2  Min.  in  absol.  Al- 
kohol gebracht,  sodann  2  Min.  in  Chloroform,  darauf 
mit  Wasser  abgespült,  */» — 2  Min.  in  5%  Chromsäure 
getaucht,  wiederum  mitWasser  gründlich  abgespült, 
mit  Carbolfuchsin  betröpfelt  und  unter  einmaligem 
Aufkochen  60  Sek.  in  der  Flamme  erwärmt;  das  Car- 
bolfuchsin abgegossen,  das  Deckgläschen  bis  zurEnt- 
färbung  in  5%  Schwefelsäure  getaucht  und  abermals 
gründlich  mit  Wasser  gewaschen.  Dann  lässt  man 
30  Sek.  lang  wässerige  Lösung  von  Methylenblau  oder 
Malachitgrün  einwirken  und  spült  ab.  Es  müssen  dann 
die  Sporen  dunkelroth  im  schön»  grünen  oder  blauen 
Bakterienkörper  sichtbar  sein/4 

Das  Material  für  obige  Untersuchung  verdanke  ich  grösstenteils 
der  Güte  des  Herrn  Prof.  Loeffler,  dem  ich  für  die  gründliche 
Bekanntmachung  mit  den  Methoden  bakteriologischer  Forschung  noch 
ganz  besonders  zu  Dank  verpflichtet  bin. 

Greifswald,  den  4.  August  1891. 


Beitrag  zum  Studium  der  Phagocyten. 

Von 

Professor  Andrea  Capparelll. 

Seit  einigen  Jahren  beschäftige  ich  mich  mit  grosser  Beharrlich- 
keit mit  einem  Experimente,  welches  mir  einige  bis  jetzt  wenig  be- 
kannte und  meiner  Meinung  nach  der  Aufmerksamkeit  würdige 
Eigentümlichkeiten  Ober  das  wichtige  Phänomen  der  Phagocyten 
verschaffte.  Trotz  der  zahlreichen  Arbeiten  pro  und  contra  ist  dies 
bis  heute  noch  eine  durchaus  nicht  gelöste  Frage. 

( Im  Grunde  genommen  habe  ich  nur  ein  bereits  bekanntes  Ex- 
periment wiederholt,  jedoch  mit  einem  bis  jetzt  noch  nicht  ange- 
wandten Material. 


278  Capparelli, 

Ich  spritzte  in  den  dorsalen  lymphatischen  Sack  eines  Frosches 
die  im  Wasser  saspendirten  Sporen  des  wohlbekannten  Ustilago 
Carbo  ein. 

Diese  sphärischen  Sporen  haben  so  charakteristische  Diameter, 
Farbe  und  Aussehen,  dass  es  leicht  ist,  dieselben  inmitten  der  Ge- 
webe zu  erkennen  und  zu  unterscheiden.  Nach  einigen  Standen  sind 
die  Sporen  von  den  Phagocyten  verzehrt  und  in  das  zirkulirende 
Blut  gezogen;  viele  von  ihnen  siebt  man  auch  frei  im  Blute;  dies 
liess  mich  vermuthen,  dass  die  Aktivität  der  lymphatischen  Herzen 
der  hinteren  Gliedmaassen,  welche  Herzen  sich  so  nahe  am  lympha- 
tischen dorsalen  Sacke  befinden,  ihrer  Einführung  in  das  Blut  nicht 
fremd  sein  könne. 

Obgleich  die  Sporen  verhältnissmässig  grosse  Körper  sind,  sieht 
man  doch  2 — 3  in  den  Mikrophagocyten  und  selbst  8 — 10  in  den 
Makrophagocyten. 

Einige  Tage  lang  zeigen  die  von  den  Phagocyten  eingeschlossenen 
Zellen  keine  sichtbare  Veränderung  in  Farbe  und  Form,  später 
werden  sie  gelblich  mit  granulösem  Protoplasma,  schwellen  an  und 
lösen  sich  schliesslich  in  sehr  kleine  und  zahlreiche  Körner  im  In- 
nern des  seinerseits  gleichfalls  alterirten  (d.  h.  angeschwollenen  nnd 
mit  trübem,  körnigem  Protoplasma  versehenen)  Phagocyten  auf.  Es 
geschieht  dies  sehr  häufig. 

Nach  der  Injektion  scheint  die  Thätigkeit  der  existirenden  Pha- 
gocyten zuzunehmen  und  nach  dieser  ersten  Periode  vermindern  sieb 
im  Blute  die  mit  den  Sporen  zirkulirenden  Phagocyten.  Wenn  man 
die  Thiere  tödtet,  kann  man  in  den  parenchymatösen  Organen  eine 
sehr  grosse  Menge  von  freien  Sporen  beobachten,  doch  findet  man 
letztere  am  häufigsten  in  der  Leber  und  in  der  Milz,  und  zwar  noch 
mehr  in  der  Leber,  wie  in  der  Milz. 

Sei  es  nun,  dass  man  die  Sporen  in  den  dorsalen  lymphatischen 
Sack  injizirt  oder  unter  die  Haut  der  Beine  oder  der  Schenkel, 
oder  auch  vermittelst  des  Mundes  in  die  Magenhöhle  oder  vermit- 
telst des  Mastdarmes  in  den  Darm  einführt,  stets  ist  es  die  Leber  und 
die  Milz,  wo  man  das  Material  am  meisten  angehäuft  wieder  vorfindet 

Die  von  den  Phagocyten  verschluckten  Sporen  emigriren  mit 
denselben,  durchschreiten  alle  lebenden  Gewebe  und  finden  sieb 
schliesslich  sowohl  in  den  lymphatischen  Lücken,  wie  auch  auf  der 
freien  Oberfläche  der  Schleimhäute  oder  der  Ausführungsgänge  der 
Drüsen  wieder. 

Die  oben  angeführte  Beobachtung  betreffs  der  Alteration  der 
Spezies  und  Phagocyten  wird  gemacht,  indem  man  die  parenchy- 
matösen Organe,  hauptsächlich  die  Leber,  zerzupft.  , 

Man  kann  die  Phagocyten  und  die  Sporen  in  verschiedenen  De- 
generationsphasen antreffen.  Nachdem  die  sich  im  Zustand  der  In- 
tegrität befindlichen  und  Sporen  enthaltenden  Phagocyten  in  die 
Leber  eingedrungen  sind,  schwellen  die  Sporen  an,  nehmen  eine  gelb- 
liche Färbung  an  und  zerfallen,  während  gleichzeitig  auch  das  Proto- 
plasma des  Phagocyten  anschwillt,  seinen  Diameter  beträchtlich  ver- 
grössert,  trüb  wird  und  in  diesem  Zustande  der  Phagocyt  zuweilen  in  den  . 


Beitrag  tum  Stadium  der  Phagocyten.  279 

Blutkreis  zurücktritt  und  so  die  wenigen  Fälle  determinirt,  in  welchen  man 
im  zirkulirenden  Blute  alterirte  Phagocyten  mit  alterirten  Sporen  an- 
trifft Diese  Interpretation  geht  bereits  aus  der  speziellen  Färbung 
der  Sporen  hervor,  welche  dieselben  ausschliesslich  in  der  Leber  an- 
nehmen, und  auch  aus  der  Thatsache,  dass  man  sie  in  den  geopferten 
Thieren  in  derselben  Phase  in  der  Leber  vorfindet. 

Wenn  der  Sporen  enthaltende  Phagocyt  längere  Zeit  in  der 
Leber  verbleibt,  verwandelt  er  sich  in  eine  granulöse  Masse,  welche 
mit  Fragmenten  von  globulären,  gelblichen  Sporen  untermischt  ist 

Mit  anderen  Worten,  die  letzte  Phase  des  Phagocytismus  wäre 
vollständige  Zerstörung  der  Phagocyten  selbst  und  der  von  ihnen  ver- 
schluckten Sporen.  Der  Phagocyt,  besonders  der  Makrophagocyt  in 
der  Leber,  welcher  von  mir  hauptsächlich  beobachtet  und  studirt  wurde, 
wird,  während  er  die  vegetabilischen  Elemente,  d.  h.  die  Sporen,  zerstörte, 
selbst  mit  in  die  Zerstörung  hineingezogen,  also  selbst  zerstört.  Er 
verschwindet  und  geht  sehr  wahrscheinlich  zusammen  mit  den  Trüm- 
mern der  Sporen  in  die  Galle  über,  wie  man  aus  der  mikro- 
skopischen Prüfung  der  Galle  schliessen  kann,  welch  letztere  nicht 
selten  die  gemischten  Ueberreste  der  Phagocyten  und  der  Sporen 
zeigt. 

Es  ist  demnach  gewiss,  dass  die  Phagocyten,  hauptsächlich  die 
Makrophagocyten,  in  der  Leber  zerstört  werden,  und  dass  dies  eine 
letzte  Phase  der  pbagocytorischen  Thätigkeit  sein  muss,  ist  ohne 
Zweifel.  Es  beweisen  dies  nicht  nur  die  Sporenanhäufungen  in  der 
Leber,  sondern  auch  ihre  Lage  im  Innern  der  Phagocyten  und 
die  direkte  Beobachtung  derselben,  indem  man  sie  ihrer  grossen  An- 
zahl wegen  durch  alle  Zerstörungsphasen  verfolgen  kann. 

Es  bleibt  nun  noch  zu  beweisen,  dass  die  von  uns  beobachtete 
Zerstörung  der  Phagocyten  nicht  von  einem  giftigen  Materiale 
abhängt,  welches  in  den  lebenden  Sporen  enthalten  oder  sich 
während  des  Todes  derselben  erzeugt  und  dem  Leben  und  der 
Integrität  der  Phagocyten  schädlich  ist.  Dieses  Bedenken  kann  je- 
doch meiner  Meinung  nach  ausgeschlossen  werden,  und  zwar  durch 
die  Beobachtung  von  unversehrten  Phagocyten  im  Blute  oder  anderen 
Organen,  welche  sich  in  vollständiger  Aktivität  befanden  und  nor- 
male morphologische  Kennzeichen  darboten,  auch  wenn  sie  mehr 
als  eine  Spore  in  ihrem  Innern  enthalten,  und  zwar  dies  noch  nach 
verschiedenen  Tagen,  wenn  die  Spore,  wenn  nicht  verdaut,  doch 
gewiss  alterirt  ist,  wie  es  schon  ihr  verändertes  Aussehen  bezeugt. 

Uebrigens  ist,  soviel  ich  weiss,  niemals  irgend  eine  schädliche 
Substanz  fÜrUstilagoCarbo  angegeben  worden,  und  Sebastiano 
Rivolea  sagt  in  seinem  Buch  über  die  vegetalen  Parasiten,  herausge- 
geben im  Jahre  1884  in  Turin,  dass  die  in  Rede  stehenden  Sporen, 
wenn  auch  verschiedene  Tage  lang  hinter  einander  den  Hübnern  ge- 
geben, durchaus  keinen  Schaden  verursachten. 

Meinerseits  experimentirte  ich  mit  einem  wässerigen  Dekokt, 
welches  ich  auf  hypodermischem  Wege  Fröschen  und  Meer- 
schweinchen in  grosser  Menge  einspritzte,  ohne  jemals  ein  bemer* 


280  Capparelli,  Beitrag  tum  Studium  der  Phagocyteft. 

kenswerthes  Phänomen,  oder  irgend  eine  Schädigung  zu  erzielen.  Auch 
machte  ich  ein  alkoholisches  Extrakt  aus  den  Sporen  des  Usti- 
lago  Carbo  und  erhielt  aus  diesem  Auszuge  eine  krystalline  Sub- 
stanz in  Nadeln,  welche,  nach  der  gewöhnlichen  Methode  der 
hypodermischen  Injektionen  eingeführt,  nirgends  ein  giftiges  Phä- 
nomen erzeugte. 

Die  Frösche,  welchen  entweder  durch  den  Mund  oder  auf  hypo- 
dermischem  Wege  eine  grosse  Menge  von  Sporen  eingegeben  worden 
war,  leben  noch  lange  weiter,  auch  wenn  der  phagocytische  Prozess  be- 
endigt ist  und  die  Ueberbleibsel  der  Sporen  noch  zahlreich  in  der 
Leber  sind. 

Das  Auffinden  der  in  der  Färbung  alterirten  gelblichen 
Sporen  in  der  Leber,  der  gelblichbraunen  in  der  Milz  und  der 
orangegelben  in  der  Bauchspeicheldrüse  lässt  vermuthen,  dass  die  an- 
greifende Macht  der  Phagocyten  verschieden  in  den  verschiedenen 
Organen,  in  welche  sie  eindringen,  ist;  und  das  Auffinden  derselben 
in  unverändertem  Zustande  nach  einigen  Tagen  in  den  zirkuürenden 
Phagocyten  im  Blute  lässt  glauben,  dass  hier  die  zerstörende  phago- 
cytäre  Kraft  sehr  gering  ist  und  sich  vielleicht  auf  eine  vorwiegend 
mechanische  Thätigkeit  reduzirt  Dagegen  aber  scheint  es,  dass  in 
den  oben  erwähnten  Organen  die  Phagocyten  sich  mit  den  von  diesen 
parenchymatösen  Organen  ausgeschiedenen  Flüssigkeiten  impräg- 
niren  und  so  auf  die  Spore  oder  auf  den  Parasiten,  welche  sie  hier- 
hin geführt  haben,  eine  zerstörende  Thätigkeit  ausüben,  welche  der 
Phagocyt  ursprünglich  nicht  besitzt,  eine  Thätigkeit,  welche  sowohl 
die  Spore  wie  den  Phagocyten  selbst  trifft. 

Ich  könnte  die  Thatsache  der  verschiedenen  Färbung  der  Sporen 
nicht  anders  erklären,  wenn  ich  nicht  eine  besondere  Thätigkeit  der 
interstitiellen  Flüssigkeiten  der  verschiedenen  Organe,  Leber,  Milz, 
Bauchspeicheldrüse,  auf  die  Sporen  annehmen  soll. 

Somit  wäre  auch  die  Thatsache  erklärt,  warum  im  zirkuürenden 
Blute,  hauptsächlich  in  den  ersten  Phasen  des  Phagocytismus,  die 
Sporen  nicht  alterirt  werden. 

Die  von  mir  gemachten  Beobachtungen  lassen  mich  glauben, 
dass  die  zerstörende  Wirkung  auf  die  von  den  Phagocyten  herbei- 
geführten Sporen  in  der  Leber  energischer  ist,  als  in  der  Bauch- 
speicheldrüse und  in  der  Milz. 

Laboratorium  der  Physiologie  der  Universität  Catania. 


Bftbes ,  Erkürende  Bemerkungen  über  „natflrl.  Varietäten"  d.  Typhnstacillos.    281 


Erklärende  Bemerkungen  über  „natürliche  Varietäten" 
des  Typhusbacillus. 

Von 

V.  Babes 

in 

Bucarest 

In  einer  vergleichenden  Studie  über  Varietäten  des  Typhusba- 
cillus (Zeitschrift  f.  Hygiene,  November  1890)  habe  ich  nachgewiesen, 
dass  in  der  Typhusleiche  oft  neben  den  Typhusbacillen  denselben 
sehr  ähnliche  Mikroorganismen  vorkommen. 

Der  hauptsächlichste  Beweggrund  meiner  Untersuchungen  war, 
eine  Reihe  derartiger  Bacillen  genau  zu  beschreiben  und  zur  Vor- 
sicht in  der  Diagnose  der  Typhusbacillen  zu  mahnen ,  da  mehrere 
der  gefundenen  Bacillen  leicht  mit  dem  Typhusbacillus  verwechselt 
werden  können. 

Diese  Arbeit  hat  nun  zu  mancherlei  Missverständnissen  Anläse 
gegeben,  indem  man,  trotzdem  ich  diese  Bacillen  als  natürliche 
Varietäten  des  Typhusbacillus  bezeichnet  habe,  glaubte,  ich 
wolle  damit  andeuten ,  dass  dieselben  aus  den  Typhusbacillen  ent- 
stehen und  in  dieselben  übergehen  können.  Ich  habe  aber  dieses 
ausdrücklich  verneint,  indem  die  Bezeichnung  natürliche  Varietät 
meiner  Ansicht  nach  anzeigt,  dass  diese  Bacillen  offenbar  den  Typhus- 
bacillen sehr  nahe  stehen,  mit  denselben  wohl  eine  Gruppe  mit 
manchen  gemeinsamen  und  ineinander  übergehenden  Merkmalen 
bilden,  dass  aber  die  einzelnen  Varietäten  nicht  ineinander  über- 
gehen. 

Diese  Benennung  ist  um  so  berechtigter,  als  in  der  That  die 
meisten  geläufigen  Unterscheidungsmerkmale  zwischen  diesen  Ba- 
cillen und  den  Typhusbacillen  im  Stiche  lassen. 

Eben  die  genaue  und  widerholte  Untersuchung  der  einzelnen 
Formen,  „welche  natürlich  durch  Parallelzüchtung  mit 
typischen  Bacillen  und  namentlich  auch  mit  Berliner 
Originalkulturen  oft  und  genau  verglichen"  wurden,  so- 
wie die  Tabellen,  welche  die  vielfältigen  Untersuchungen  bezeugen, 
entheben  mich  der  Verpflichtung,  die  Vermuthung  Karlirfski's 
(Centralbl.  f.  Bacteriologie.  IX.  1890.  13)  zu  widerlegen,  als 
°b  ich  die  Varietäten  nur  auf  ihre  Kartoffelkulturen  und  nur 
auf  verschiedenen  und  verschieden  zubereiteten  Kartoffeln  und  ohne 
Parlleluntersuchung  untersucht  hätte.  (Offenbar  hatte  H.  Kar- 
Hnski  meine  Arbeit  nicht  gelesen,  sonst  hätte  sich  derselbe  doch 
mcht  erlaubt,  trotz  seiner  wiederholten  und  ausdrücklichen  gegen- 
teiligen Angaben  und  trotz  der  ausführlichen  speziellen  Belege 
meinerseits  eine  derartige  Vernachlässigung  der  primitivsten  bakte- 
riologischen Regeln  vorauszusetzen). 


282    B  *  b  e  s ,  Erklärende  Bemerkungen  über  „natürl.  Varietäten"  d.  Typhnsbadllos. 

Es  ist  zwar  kaum  ein  wesentlicher  Unterschied,  ob  wir  die  von 
mir  beschriebenen  Bacillen  dem  Typhusbacillus  sehr  nahe  stehende 
Bakterien  oder  „natürliche  Varietäten"  derselben  benennen,  doch  glaube 
ich,  dass  wir  speziell  in  meinem  Falle  zu  letzterer  Benennung  be- 
rechtigt sind,  da  wir  uns  doch  endlich  entschliessen  müssen,  so  eng 
zusammengehörige  Formen  zu  gruppiren  und  es  keine  Bakteriengruppe 
gibt,  wo  die  einzelnen  Formen  mehr  Verwandtschaft  untereinander 
aufweisen,  als  eben  die  beschriebene.  Offenbar  wäre  es  ein  Fehler  gewesen 
wenn  ich  von  künstlichen,  oder  ineinander  übergehenden  Varietät® 
gesprochen  hätte,  und  die  Bemerkungen,  welche  sich  gegen  meine  Arbei 
gerichtet  haben,  beruhen  eben  darauf,  dass  angenommen  wurde,  icl 
hielte  die  von  mir  beschriebenen  Varietäten  für  künstliche  oder  ver- 
gängliche, während  ich  doch  das  Gegentheil  annehme. 

Ein  anderer  Vorwurf  bezieht  sich  darauf,  dass  ich  nicht  angab 
wie  lange  Zeit  nach  dem  Tode  die  Sektion  vorgenommen  wurde 
Dies  war  aber  für  die  Frage,  welche  mich  zunächst  beschäftigte 
nicht  wichtig.  Es  war  mir  darum  zu  thun,  im  Wasser,  im  Kothd 
in  der  Typhusleiche  und  in  anderen  Leichen  dem  Typhusbacillus  ver- 
wandte Bacillen  zu  finden.  In  vielen  Fällen  waren  allerdings  2i 
Stunden  nach  dem  Tode  verstrichen.  Wenn  man  aber  bedenkt,  dass 
meines  Wissens  in  Frankreich  und  in  Oesterreich  die  Sektion  über- 
haupt nur  24  Stunden  nach  dem  Tode  gestattet  wird,  hat  auch  hiej 
dieser  Nachweis  grosse  Bedeutung,  selbst  vorausgesetzt,  dass  die 
Bacillen  erst  nach  dem  Tode  in  die  Organe  gelangt  wären  (was  aber 
nach  meinen  ausgedehnten  Untersuchungen ,  welche  ich  in  Bälde  zd 
veröffentlichen  gedenke,  durchaus  nicht  die  Regel  ist). 

Ganz  anders  stehen  aber  die  Dinge  da,  wo  ich  einige  Wort« 
über  die  mögliche  Bedeutung  der  Varietäten  bemerke.  Ich  sagte  zwar 
nur  „es  ist  nicht  ausgeschlossen,  dass  dieselben  die  typischen  Ba- 
cillen in  ihrem  verderblichen  Werke  unterstützen,  aber  ich  setzte  so 
gleich  hinzu,  dass  ich  hierbei  nur  die  Bacillen  aus  der  frischer 
Leiche  (wenige  Stunden  nach  dem  Tode)  im  Auge  habe. 

In  die  Erörterung  der  Frage  von  der  pathologischen  Bedeutung  dei 
Bacillen  bin  ich  überhaupt  nicht  eingegangen,  da  es  mir  einstweilen  gai 
darum  nicht  zu  thun  war,  die  Rolle  der  Varietäten  im  Typhusprozess« 
zu  untersuchen.  Aus  demselben  Grunde  kann  auch  niemand  beanstanden, 
dass  ich  Fälle  von  Bakterienassociationen  (es  dürfte  überhaupt  schwer 
fallen,  bei  grösseren  Serien  von  Untersuchungen  dieselben  zu  ver- 
meiden) und  solche  von  Perforationsperitonitis  in  meine  Untersuch- 
ungen einbezogen  habe.  Herr  6  af  f  ky  (Hygienische  Rundschau.  189L 
No.  12)  meint,  dass  hier  sekundäre  Einwanderung  der  Varietäten 
nicht  ausgeschlossen  sei.  Gewiss  nicht,  ich  bin  ja  auch  der  Meinung, 
dass  dieselben  sekundär  durch  Substanzverluste  in  das  Innere  des 
Organismus  gelangen  können ,  überhaupt  gedenke  ich  über  die  oft 
eigenthümlichen  Lokalisationen  des  Typhusbacillus,  über  die  Asso- 
ciationen desselben  sowie  über  die  Bedeutung  derselben  im  Verlaufe 
der  Krankheit  nächstens  zu  berichten ,  jedenfalls  aber  erscheint  es 
mir  verfrüht,  wenn  Herr  Gaff  ky  a  priori  behauptet,  dass  von  einer 
pathogenen  Wirkung  der  den  Typhusbacillen  ähnlichen  Bacillen  kaum 
die  Rede  sein  könne. 


GÄhrung.  283 

Weiter  sagt  dieser  hochgeschätzte  Forscher:  „Unter  solchen 
Umständen  bleibt  als  thatsächliche  Unterlage  für  die  Auffassung 
der  Variabilität  der  Typhusbacillen  nur  die  . . .  Behauptung  bestehen, 
dass  in  Typhusleichen  auch  andere  ähnliche  Mikroorganismen  ge- 
funden werden." 

Hier  hat  mich  Herr  Gaffky  offenbar  falsch  verstanden.  Die 
Unterlage  für  die  Auffassung  der  Variabilität  des  Typhusbacillus 
bildet  selbstverständlich  nicht  der  Befund  von  „natürlichen  Varietäten", 
sondern  einfach  die  Veränderungen,  welche  der  jahrelang  auf  künst- 
lichen Nährboden  gezüchtete  Typhusbacillus  einging,  derselbe  bildet 
eine  Art  künstliche  Varietät  des  Typhusbacillus. 

Die  Unterlage  hingegen  für  die  Auffassung  der  von  mir  gefun- 
denen Bacillen  als  natürliche  Varietäten  des  Typhusbacillus  bilden 
die  grosse  Aehnlichkeit  derselben  und  die  Fähigkeit  einzelner 
Eigenschaften  derselben,  in  jene  des  Typhusbacillus  überzugehen. 

Wenn  ich  noch  von  einem  möglicher  Weise  gemeinsamen  Ur- 
sprung der  verschiedenen  Varietäten  spreche,  so  ist  dies  im  Dar- 
winschen Sinne  der  Entstehung  der  Arten  zu  verstehen. 

So  glaube  ich  denn  hoffen  zu  dürfen,  dass  sich  die  Missver- 
ständnisse, welche  wohl  zum  Theil  durch  meine  Schreibweise 
verursacht  wurden,  geklärt  haben,  und  dass  die  von  mir  selbst  als 
dem  Typhusbacillus  sehr  nahe  stehende  Bacillen  oder  als  natürliche 
Varietäten  desselben  bezeichneten  Formen  einfach  so  wie  sie  sich 
nach  ihrer  Beschreibung  darstellen,  Würdigung  finden  mögen. 

Bucarest,  18.  7.  1891. 


Referate. 


VUliers,  A,  Sur  la  fermentation  de  la  fäcule  par  Pac- 
tion  du  ferment  butyrique.    (Compt.  rend.  de  l'Acad.  des 
sciences  de  Paris.    T.  CXII.  1891.  No.  10.  p.  636—538.) 
Unter  dem  Einflüsse    des  Bacillus    amylobacter   (wahr- 
scheinlich durch  ein  von  diesem  sezernirtes  Enzym  1)  wird  Kartoffel- 
stärke in  mehrere  Dextrine  gespalten.    Dabei  tritt  in  sehr  geringer 
Menge  noch  ein  krystallisirter  Körper  auf,  welcher  sich  bei  mehr- 
*öchentlichem  Stehen   des  zum  Ausfällen  jener  Dextrine  benutzten 
Alkohols  abscheidet.    Dieser  Körper,    vom  Verf.  Cell ulo sin  ge- 
nannt,   entspricht    der    Formel    (CeH1006)1+3  H20    oder   einem 
Moltiplum  derselben,    ist  schwerer    in    kaltem,    besser   in    heissem 
wasserlöslich,  reduzirt  nicht  Fehl  in  g's  Lösung,   gährt  nicht  mit 
Hefe,  liefert  aber  bei  ziemlich  lange  dauerndem  Kochen  mit  verdünn- 
ter Schwefelsäure  Glukose. 

„  Bei  der  Einwirkung  jenes  Bacillus  auf  Stärkemehl  bleiben  etwa 
j^'o  des  letzteren  als  leichtes  flockiges  Umwandlungsprodukt  unlös- 
"ch,  welches  ebenfalls  bei  langem  Kochen  Glukose  liefert. 

Loew  (München). 


284  Sommer-Diarrhöe. 

Booker,  William  D.,  A  study  of  some  of  the  Bakteria 
found  in  the  faeces  of  infants  affected  with  Stimmer 
diarhoea.  [Second  communication].  (Transactions  of  the 
American  Pediatric  Society.  1889.) 

Die  vorliegende  Studie  ist  die  Fortsetzung  der  schon  früher  be- 
sprochenen Untersuchungen  über  die  in  Fäces  erkrankter  Säuglinge 
vorkommenden  Bakterienarten.  Verf.  hat  im  Januar  1888  vierzehn 
weitere  Fälle,  4  Cholera  infantum,  7  katarrhalische  Enteri- 
tiden  und  3  Dysenterien  in  gleicher  Weise  eingehend  bakteriologisch 
durchforscht.  Da  die  Lufttemperatur  zu  hoch  für  Gelatine  war,  kamen 
meist  Agarplatten  zur  Verwendung.  Die  Resultate  waren  ähnlich 
den  früheren. 

Es  wurden  im  Ganzen  19  Arten  isolirt,  sämmtlich  der  Stäbchen- 
form angehörig;  4  davon  sind  schon  bekannt:  nämlich  Bacteriam 
lactis  aerogenes,  Bacterium  coli  commune,  Proteus 
vulgaris  (Hauser)  und  der  in  seiner  ersten  Mittheilung  be- 
schriebene Bacillus  A.  Ausserdem  wurden  15  neue  Arten,  die 
meisten  derselben  jedoch  nur  in  einem  oder  zwei  Fällen ,  gefunden. 
Die  genaue  morphologische  und  biologische  Beschreibung  dieser  mit 
a— s  bezeichneten  Spezies  ist  im  Originale  einzusehen.  Darunter  ist 
einer,  der  dem  Bacillus  a,  Bacillus  Proteus,  sieben,  die  Bacillen 
d,  e,  f,  g,  h,  k,  m,  die  dem  Bacterium  coli  commune  ähnlich 
sich  verhalten  und  nur  durch  geringfügige  Merkmale,  durch  diffe- 
rentes  Wachsthum  auf  Milch,  saurer  oder  Zuckergelatine  sich  von  die- 
sem unterscheiden.  Bacillus  c  verhält  sich  wie  Bacterium  lactis 
aerogenes,  mit  dem  Unterschiede,  dass  er  die  Milch  nicht  koagnlirt 

In  allen  untersuchten  Fällen  waren  nur  das  Bacterium 
lactis  aerogenes  und  coli  commune  vorhanden,  die  übri[ 
Arten  wechselten  nicht  nur  unter  einander,  sondern  auch  insofern, 
als  im  verflossenen  Sommer  andere,  als  in  diesem  gefunden  wurden 
Eine  gewisse  Konstanz  ergab  sich  nur  insofern,  als  bei  den  stürmisch 
verlaufenden  Cholera  infantum-Fällen,  deren  er  mit  Hinzurech- 
nung einiger  im  Sommer  1889  untersuchten  Fälle  bis  jetzt  18  bak- 
teriologisch analysirt  hat,  in  15  derselben  die  morphologisch  wie 
biologisch  scharf  charakterisirte  Gruppe  der  Proteus  arten  in  einer 
oder  mehreren  Spezies  gefunden  wurde.  Dieselben  besitzen  die  Fä- 
higkeit, Eiweisskörper  rasch  und  energisch  zu  zersetzen,  sind  fakul- 
tativ anaärob  und  regelmässige  Begleiter  der  in  der  Natur  ablau- 
fenden Fäulnissprozesse.  Sie  äussern  überdies,  wie  auch  Verf.  nach- 
gewiesen, toxische  Wirkungen  auf  den  Thierkörper.  Bouillonkultureo 
in  die  Vene  von  Kaninchen  eingespritzt,  tödten  die  Thiere  in  we- 
nigen Stunden  unter  den  Erscheinungen  des  Sopors,  Kollaps  und 
Konvulsionen.  In  einigen  Fällen  traten  auch  Diarrhöen  auf.  Wurde 
nach  der  Methode  von  Sanders-Ezn  eine  Cultur  der  Bakterien 
im  Salzwasserbade  in  das  Duodenum  eingespritzt,  so  kam  es  zu 
einer  deutlichen  Steigerung  der  Peristaltik.  Junge  Thiere  die  mit 
Kulturen  gefüttert  wurden,  starben  nach  kurzer  Zeit,  manchmal  unter 
Auftreten  von  Diarrhöen. 

In  Rücksicht  darauf,  dass  diese  Bakterien  im  normalen  Milch- 
koth    fehlen,    dagegen    in    der   grössten    Zahl  der  Cholera  infan- 


Akuter  Gelenkrheumatismus.  285 

tum -Fälle  vorhanden  waren,  dass  die  erkrankten  Kinder  ähnliche 
Erscheinungen  wie  die  infizirten  Thiere,  nämlich :  Schläfrigkeit,  Stupor, 
Kollaps,  Abmagerung,  häufiges  Erbrechen  und  Diarrhöen  mit  Abgang 
dünnflüssiger  und  oft  ätzender  Stühle  zeigten,  erscheint  es  wohl  be- 
rechtigt, die  von  diesen  Bakterien  produzirten  toxischen  Stoffe  als 
Ursache  der  schweren  nervösen  Erscheinungen,  die  im  Verlaufe  der 
Cholera  infantum  auftreten,  zu  vermuthen.  Jedoch  will  Verf. 
aas  der  geringen  Zahl  der  untersuchten  Fälle  noch  keine  sicheren 
Schlüsse  ziehen.  Den  von  Lesage  beschriebenen  Bacillus  der 
grünen  Diarrhöe  hat  auch  B.  trotz  der  Untersuchung  zahlreicher  grün- 
gefärbter Stühle  nicht  auffinden  können.  Escherich  (Graz). 

Waybel,  Aetiologische  Beobachtungen  über  akuten  Ge- 
lenkrheumatismus. (Münch.  med.  Wochenschr.  1891.  No.  5.) 
Unter  Zugrundelegung  der  Anschauung,  dass  der  akute  Gelenk- 
rheumatismus durch  Vermittelung  eines  bisher  noch  unbekannten  Pa- 
rasiten entsteht,  hat  Verf.  121  von  ihm  während  der  Zeit  von  1874 
—1889  beobachtete  Fälle  dieser  Krankheit  genauer  geprüft,  um  fest- 
zustellen, wodurch  die  Infektion  jedesmal  bewirkt  oder  begünstigt 
wurde.  Er  fand  zunächst,  dass  die  Krankheit  zu  allen  Jahreszeiten 
and  unter  den  verschiedensten  Witterungsverhältnissen  vorgekommen 
war.  Wenn  dennoch  in  den  durch  Kälte  oder  Nässe  ausgezeich- 
neten Monaten  eine  massige  Zunahme  der  Erkrankungen  stattfand, 
90  erklärt  dies  der  Verf.  nicht  durch  die  Erkältungstheorie,  welcher 
er  nur  die  Bedeutung  einer  unbegründeten  Hypothese  beilegt.  Er 
findet  auch  für  die  Annahme  eines  besseren  Gedeihens  der  frag- 
lichen Parasiten  bei  bestimmten  Witterungsverhältnissen  oder  einer 
Verschleppung  derselben  durch  die  stärkeren  Winde  keine  genügenden 
Anhaltspunkte.  Er  glaubt  vielmehr,  dass  die  Gewohnheit  der 
Menschen,  bei  kaltem,  unfreundlichem  Wetter  in  ihrer  Wohnung  zu 
bleiben,  durch  enges  Zusammenleben  vieler  Menschen,  schlechte  Ven- 
tilation, schmutzige  und  nasse  Kleider,  Verunreinigung  der  Zimmer- 
luft und  des  Zimmerbodens  dadurch,  sowie  durch  Beleuchtung,  Hei- 
zung, Kochen,  Waschen,  ferner  durch  die  Zersetzungsprodukte  ver- 
schiedener animalischer  und  vegetabilischer  Stoffe,  Sekrete  und  Ex- 
krete  u.  s.  w.  ein  gefährliches  Hausklima  schafft,  in  welchem  einmal 
vorhandene  Krankheitskeime  die  willkommensten  Bedingungen  und 
Ernahrungsmedien  zu  ihrer  biologischen  Entwicklung  finden  (?),  und 
sieht  hierin  eine  Erklärung  dafür,  dass  der  Gelenkrheumatismus 
zwar  während  des  ganzen  Jahres  vorkommt,  bei  ungünstigen  Wit- 
terungsverbältnissen  jedoch  häufiger  ist,  als  sonst.  Verf.  findet  einen 
ferneren  Beweis  für  diese  seine  Annahme  in  seiner  Beobachtung,  dass 
die  Mehrzahl  seiner  Kranken  in  hochgelegenen,  trockenen  und  daher 
behaglichen,  zum  Aufenthalt  einladenden  Räumen  wohnte  und  nur 
der  geringere  Theil  der  Patienten  feuchte  und  tief  gelegene  Woh- 
nungen inne  hatte. 

Verf.  sieht  in  dem  einmaligen  Ueberstehen  der  Krankheit  ein 
prädisponirendes  Moment  zur  Neu-Erkrankung.  Andererseits  wird 
seiner  Ansicht  nach  die  Entstehung  der  Polyarthritis  durch  anstren- 
gende Arbeit  und  durch  Verdauungsstörungen  begünstigt.    Dagegen 


286  MetasUtische  Gelenkentzündungen  und  Polyarthritis  rhenm&tica. 

hält  er  den  Gelenkrheumatismus  nicht  für  eine  kontagiöse  oder  epi- 
demische Krankheit,  sondern  glaubt,  dass  die  Infektion  auf  kontagiös- 
miasmatischem  Wege  zu  Stande  kommt  und  sporadisch  auftritt 

Kubier  (Berlin). 


Buday,  Adatok  a  metastatikus  izületlobok  fejlödes 
mödjd  hoz  6s  a  Polyarthritis  rheumatica  köroktan- 
nähoz.  [Beiträge  zur  Kenntniss  der  Entwicklung  der  metasta- 
tischen Gelenkentzündungen  und  zur  Aetiologie  der  Polyarthritis 
rheumatica].  (Orvosi  Hetilap.  1890.  No.  39—42.)  [Ungarisch.] 
Von  der  Ansicht  ausgehend,  dass  die  fraglichen  Gelenkentzün- 
dungen haemotogener  Natur  sind,  stellte  Verf.  vor  allem  das  Ver- 
halten der  im  Blute  kreisenden  pyogenen  Mikroorganismen  zur 
Synovialmembran  der  Gelenke  fest  Kaninchen  wurden  in  die  Ohrvene 
virulente  Staphylococcus  pyogenes  citreus  resp.  Strepto- 
coccus pyogen  es -Kulturen  injizirt  Wurde  soviel  injizirt,  dass 
die  Thiere  nach  24—36  Stunden  starben,  so  war  in  den  Gelenken  ab- 
solut keine  Veränderung  zu  bemerken,  auch  waren  in  ihnen  die 
Kokken  weder  mikroskopisch,  noch  kulturell  nachzuweisen.  Die  in- 
takten Blutgefässe  der  Gelenke  lassen  also  die  Bakterien  aus  dem  Blute 
ebenso  wenig  durchtreten,  wie  die  der  Niere.  Wenn  aber  die  Thiere 
2—3  oder  8  Tage  am  Leben  blieben,  so  waren  bei  ihnen  ausnahms- 
los Gelenkentzündungen  zu  finden,  und  zwar  in  umsomehr  Gelenken, 
je  länger  die  Thiere '  lebten ;  meist  zuerst  im  Knie-,  dann  im  Hüft- 
und  Schultergelenk.  In  den  Gelenkhöhlen  fand  sich  Eiter,  in  der 
entzündeten  Synovialhaut  Blutergüsse  und  mikroskopische  Abscesse 
um  Mikrokokkenhaufen  herum,  die  in  Blutgefässen  lagen.  Diese  ex- 
perimentellen Gelenkentzündungen  entwickelten  sich  also  durch  meta- 
statische Embolie  und  embolische  Hämorrhagien,  sind  also  keine 
sekretorischer  Metastasen.  Verf.  hat  auch  einen  Fall  von  akuter  me- 
tastatischer Gelenkentzündung  nach  akuter  Endocarditis  verrucosa 
bei  einem  21jährigen  Manne  beobachtet,  der  auch  in  anderen  Or- 
ganen metastatische  Abscesse  aufwies.  Klinisch  waren  keine  Symp- 
tome einer  Gelenkentzündung  vorhanden ;  auch  bei  der  Autopsie  sah 
das  (rechte)  Kniegelenk  normal  aus,  nur  unter  der  Patella  fand 
sich  auf  einer  Synovialfalte  eine  kleine,  dunkelrothe  Hämorrhagie. 
Mikroskopisch  erwies  sich  diese  Stelle  als  ein  kleiner  metastatiseber 
Abscess,  der  noch  nicht  durchgebrochen  war  und  in  dessen  Mitte 
mit  Kokken  ausgefüllte  Blutgefässe  waren.  Noch  interessanter  war 
ein  Fall,  wo  nach  Caries  des  Felsenbeines  der  Tod  unter  den  Symp- 
tomen der  Septikopyämie  eintrat.  Es  fand  sich  ein  eitriger  Throm- 1 
bus  im  Sinus  sygmoideus,  aber  nirgends  im  Organismus  metasta- 
tische Heerde.  Von  den  Gelenken  waren  nur  das  rechte  Sternoclavi- ! 
cular  —  und  das  linke  Kniegelenk  erkrankt.  In  beiden  war  eine 
serös-eitrige  Entzündung  vorhanden.  In  der  Synovialmembran  des 
Kniegelenkes  fiel  eine  Stelle  mit  kleinen  Blutungen  auf,  wo  die  Kapil- 
laren mit  Kokken  vollgepfropft  waren ;  um  diese  herum  erschien  das 
Gewebe  nekrotisch,  mit  Eiterkörpereben  und  Blut  infiltrirt  Im  Gelenk- 
eiter fanden  sich  Streptokokken,  die  reingezüchtet  wurden.    Die  an- 


MetasUtische  Gelenkentzündungen  u.  Polyarthritis  rhenmatic*.  —  Carcinom.    287 

geführten  experimentellen  und  histologischen  Daten  zeigen,  dass  die 
Mikroorganismen  nur  dann  in  die  Gelenkhöhle  gelangen,  wenn  die 
Synovialmembran  metastatische  Abscesse,  Nekrose  oder  Blutungen 
aufweist.  Brechen  diese  Abscesse  in  die  Gelenkhöhle  durch,  dann 
entsteht  eine  diffuse  Genkentzündung.  Zum  Zustandekommen  sol- 
cher metastatischer-embolischer  Abscesse  sind  die  Kapillaren  der 
Synovialmembran  besonders  geeignet,  da  ihr  Endothel  aus  besonders 
grossen,  in  das  Lumen  stark  hervorspringenden  Zellen  besteht.  Auch 
liegen  diese  Kapillaren  ganz  oberflächlich  und  ausserdem  giebt  es 
seine  elastische  Basalmembran  in  der  Synovialhaut,  welche  Umstände 
las  Durchbrechen  der  Abscesse  in  die  Gelenkhöhle  sehr  begünstigen. 
In  dem  zweiten  Abschnitt  seiner  Arbeit  bespricht  Verf.  das  Ver- 
lältniss  der  metastatischen  Gelenkentzündungen  zur  Polyarthritis 
•heumatica  acuta,  von  der  er  es  für  wahrscheinlich  hält,  dass  sie 
lurch  Bakterien,  hauptsächlich  durch  pyogene  Kokken  verursacht 
wird,  die  aus  dem  Blute  vielleicht  durch  metastatische  Embolie  in 
iie  Gelenke  gelangt  sind.  Verf.  hatte  selbst  Gelegenheit,  einen  Fall 
»od  akuter  Polyarthritis  rheumatica  zu  untersuchen,  der  ausnahmsweise 
ram  Tode  führte.  Die  Polyarthritis  bestand  seit  einigen  Wochen. 
14  Tage  nach  ihrer  Aufnahme  starb  die  Patientin.  Bei  der  Sektion 
aod  sich  im  zuletzt  affizirten  Schultergelenk  eine  braun-gelbe,  blutige 
Flüssigkeit  —  Ausserdem  hämorrhagische  Infarkte  in  beiden  Lungen 
ind  linksseitige  ganz  frische  fibrinöse  Pneumonie.  In  der  erwähnten  Ge- 
lenksflüssigkeit fand  Verf.  mikroskopisch  Streptokokken,  die  sich  in  der 
Reinkultur  wie  der  Streptococcus  pyogenes  verhielten.  Auch 
in  den  affizirten  Lungentheilen  war  derselbe  Streptococcus.  Verf. 
^trachtet  für  seinen  Fall  diesen  Streptococcus  als  den  Erreger 
ier  Polyarthritis.  In  der  Litteratur  konnte  er  im  Ganzen  nur  6  Fälle 
fon  Polyarthritis  rheumatica  finden,  wo  eine  bakteriologische  Unter- 
suchung der  Gelenkflüssigkeit  vorgenommen  wurde.  Mit  Ausnahme 
eines  Falles  wurden  in  allen  pyogene  Kokken  gefunden.  Verf.  sucht 
dann  weiterhin  darzuthun,  dass  alle  klinischen  und  anatomischen 
Symptome  des  akuten  Gelenkrheumatismus  sich  sehr  gut  mit  der 
Annahme  vereinbaren  lassen,  dass  derselbe  von  pyogenen  Bakterien 
verursacht  wird  (und  zwar  ebenfalls  auf  metastatisch-embolischem 
Wege).  Besonders  die  verschiedenen  Komplikationen,  die  mit  dem- 
selben auftreten,  namentlich  die  akute  Endocarditis  und  Pneumonie 
und  auch  die  sogenannten  sekundären  rheumatischen  Gelenkentzün- 
dungen, die  nach  verschiedenen  Infektionskrankheiten  auftreten, 
sprechen  für  diese  Ansicht  So  wahrscheinlich  es  auch  sein  mag, 
dass  die  pyogenen  Kokken  die  Polyarthritis  rheumatica  verursachen, 
hält  Verf.  doch,  mit  vollem  Rechte,  die  Zahl  der  bisher  untersuchten 
Fälle  noch  für  zu  gering,  um  die  pyogenen  Kokken  als  die  kon- 
stanten und  einzigen  Erreger  dieser  Krankheit  ansprechen  zu  können. 

Tangl  (Tübingen). 

Bibbert,  Neuere  Arbeiten  zur  Aetiologie  des  Carcinoma. 
(Deutsche  med.  Wochenschr.  1891.  No.  1.) 
Indem  der  Verf.  zunächst  betont,  dass  die  von  mehrfacher  Seite 
vertretene  Ansicht,  nach  welcher  die  Carcinome  durch  Bakterien  her- 


288  Helm» 

vorgebracht  werden,  stets  widerlegt  wurde,  glaubt  er  doch  dem 
Vorhanden  sein  von  Eiterer  regern  in  Krebsgeschwülsten 
eine  gewisse  Bedeutung  nicht  absprechen  zu  dürfen,  da  die  den 
letzteren  benachbarten  Lymphdrüsenschwellungen  häufig  nur  von  jenen 
Bakterien  erzeugt  werden,  in  diesem  Falle  nicht  carcinomatös  sind 
und  daher  der  operativen  Entfernung  nicht  bedürfen. 

Bei  der  Besprechung  der  Arbeiten,  welche  die  Krebskeime  in 
protozoen-  oder  coccidienartigen  Mikroorganismen  sehen,  kommt 
Bibbert  zu  dem  Schluss,  dass  allerdings  „in  dem  Epithel  der 
Carcinome  allerlei  vorwiegend  als  Einschlüsse  in  Zellen  auftretende, 
aber  auch  extracellulär  gelegene  Gebilde  vorkommen,  deren  Deutung 
Schwierigkeiten  macht."  Indessen  weichen  die  einzelnen  Forscher  in 
der  Beschreibung  der  betreffenden  angeblichen  Parasiten  erheblich 
von  einander  ab;  die  Versuche,  eine  regelmässige  Entwickelung  der 
Gebilde  aus  Sporencysten  abzuleiten,  sind  sehr  geschraubt;  endlich 
ist  noch  von  keiner  Seite  der  Beweis  geführt  worden,  dass  diese 
Körper,  wenn  sie  wirklich  lebende  Parasiten  sind,  mit  der  Entstehung 
der  Carcinome  in  Zusammenhang  stehen. 

Ein  einwandsfreies,  positives  Resultat  bei  Uebertragungsversuchen 
von  Erebsgewebe  ist  nach  der  Ansicht  des  Verf.  noch  nicht  erzielt 
worden.  (?)  Andererseits  scheinen  die  von  Hansemann  beobach- 
teten Kerntheilungen  der  Krebsepithelzellen  die  Möglichkeit  zu  be- 
weisen, dass  das  „schrankenlose  Wachsthum  der  Carcinome  durch 
die  grosse  „Selbständigkeit  und  Energie"  der  Epithelzellen  erklärt 
wird! 

Nach  alledem  kommt  Verf.  nur  zum  Schlüsse  eines  „Non  liquet" 
bezüglich  der  Aetiologie  der  Krebsgeschwülste.    Kubier  (Berlin). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Heim, 

k.  b.  Stabsarzt  und  Privatdozenten. 
(Fortsetzung.) 

Von  Interesse  ist  das  neuerdings  von  Unna1)  gefundene  Ver- 
fahren, die  Lepra-  und  Tuberkelbacillen  im  Gewebe  mit  Jod  braun 
zu  färben.  Direkt  mit  Jod  gefärbte  Schnitte  und  Bacillen  geben 
dasselbe  an  alle  Lösungsmittel  sehr  rasch  und  vollständig  ab.  Nun 
erzielte  Unna  eine  Fixirung  des  Jods  gegenüber  den  entfärbenden 

1)  M.  f.  pr.  D.  XII.  11.  477. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersnchnngsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    289 

Kreosol  durch  Anwendung  von  Methylenblau  und  Jod.  Der  Gang  ist 
folgender: 

Färbung  in  wässerigem  Borax -Methylenblau  (1:1:100)  oder 
in  mit  1%  kohlensaurem  Ammoniak  alkalisirtem  Methylenblau: 
5  Minuten. 

Jodirung  in  einem  Schälchen  mit  5°/0iger  Jodkaliumlösung, 
welcher  ein  Jodkrystall  zugesetzt  ist:  5  Minuten. 

Abspülimg  in  absolutem  Alkohol  bis  zur  Abgabe  einer  blauen 
Wolke. 

Differenzirung  in  Kreosol  je  nach  der  Stärke  der  Färbung: 
einige  Sekunden  bis  1/9  Minute. 

Fixirung  der  erreichten  Entfärbungsstufe  in  rektifizirtem 
Terpentinöl,  in  welchem  die  bläuliche  Farbe  sofort  in  Roth  oder  Braun 
umschlägt. 

Montirungin  Balsam  (Lösung  von  Kolophonium  in  Terpentinöl 
zur  Festhaltung  des  flüchtigen  Jods). 

Dadurch  werden  die  Leprabacillen  in  der  Coccothrix  form  braun- 
roth  auf  farblosem  Hintergrunde  gefärbt. 

Wenn  auch  nach  Unna  die  praktische  Bedeutung  dieser  Färbung 
noch  gering  ist,  so  verdient  sie  doch  als  ein  neues  Prinzip  Be- 
achtung für  die  Färbetechnik  überhaupt 

Ueber  die  Färbung  und  den  Nachweis  der  Tuberkelbacillen  sind 
im  Laufe  der  letzten  vier  Jahre  eine  Anzahl  von  Veröffentlichungen 
erschienen.  Dem  souveränen  Karbolfuchsin  hat  keine  der  empfohlenen 
Färbemethoden  den  Rang  streitig  machen  können,  immerhin  aber 
mögen  sie  im  Interesse  der  Vollständigkeit  hier  erwähnt  werden: 

Lubimoff  bediente  sich  (Q.  3.  540)  gleicher  Theile  Bor  und 
Fuchsin  zu  1,5  %  in  wässerig-alkoholischer  Lösung,  H  e  r  m  a  n  n  (5. 843) 
eines  Gemisches  von  Krystallviolett  in  alkoholischer  Lösung  (1:30) 
and  Ammoniumkarbonat  in  1%  wässeriger  Lösung  und  nahm  nach 
Salpetersäurebehandlung  Eosin  zur  Nachfärbung.  Für  schwieriger 
nachweisbare  Tuberkelbacillen  (z.  B.  im  Empyemeiter)  empfahl  Ehr- 
lich1), das  möglichst  dünn  aufgestrichene  Präparat  1—2  Stunden 
in  kaltem  Anilinfuchsin  zu  lassen  und  mit  Sulfanil  -  Salpetersäure 
(lTheil  Acnitr.  auf  3— 6  Theile  gesättigter  Sulfanilsäurelösung)  zu  ent- 
färben; dann  Methylenblau.  Bei  der  Herstellung  des  Anilinölwassers 
soll  man  sich  nach  Roux  (9.  678)  des  farblosen,  toluidinfreien  Oeles 
bedienen,  weil  man  damit  mehr  Bacillen  zur  Darstellung  bringt,  als 
bei  Verwendung  des  dunkelfarbigen. 

Nach  Pittion*)  wird  das  Deckglaspräparat  1  Minute  lang  in  die 
heisse  Mischung  von  1  ccm  einer  10°/0  alkoholischen  Fuchsinlösung 
mit  10  ccm  einer  3  °/0  Ammoniaklösung  getaucht  und  nach  Abspülung 
in  Wasser  45  Sekunden  lang  in  eine  konzentrirte  Lösung  von  Anilin- 
grün in  50  g  Alkohol,  30  g  Wasser  und  20  g  Salpetersäure;  auch 
erhielt  P.  gute  Resultate  bei  Färbung  mit  einer  Ammoniak-Gentiana- 
violettlösung  und  Nachbehandlung  mit  33°/0  Schwefelsäure,  welcher 
wässerige  Chrysoidinlösung  zu  gleichen  Theilen  zugesetzt  war. 


1)  Ch.  A.  1886;  Bf.  B.  kl.  W.  88.  20.  408. 

2)  Prov.  m«d.  1888 ;  Bf.  C.  f.  kl.  M.  88.  18.  882. 

LBd.  19 


292  Heim, 

reitete  Probe  in  ein  nach  unten  zu  feiner  Spitze  ausgezogenes  Reagens- 
glas, deren  feine  Oeffnung  mit  dem  Finger  zugehalten  wird,  bis  über 
die  obere  Mündung  eine  Gummikappe  gezogen  ist  Nach  Bildung 
eines  Sediments  genügt  ein  Druck  auf  sie,  um  ein  Partikelchen  auf 
einen  untergehaltenen  Objektträger  zu  bringen.  Die  Vortheile  des 
Biedert  'sehen  Verfahrens  lernte  B.  M  e  y  e  r l)  bei  der  Untersuchung 
auch  anderer  Sekrete,  wie  seröser,  hämorrhagischer  oder  eiteriger 
Ergüsse  in  die  Brust-  und  Bauchhöhle  schätzen.  Hämorrhagische 
Exsudate  müssen  den  Alkalizusatz  erhalten,  ehe  es  zur  Gerinnung 
kommt,  weil  sonst  der  Blutkuchen  durch  das  Kochen  in  eine  derbe 
Masse  verwandelt  wird,  bei  eiterigen  Exsudaten  lässt  man  erst  den 
dicken,  rahmigen  Eiter  sich  absetzen  und  verfahrt  dann  nach 
Biedert. 

Den  Missstand,  dass  die  also  sedimentirten  Proben  nicht  gut 
am  Glase  haften,  kann  man  auf  verschiedene  Weise  beseitigen. 
Biedert  schlug  anfänglich  vor,  das  Sedimentpartikelchen  mit  etwas 
Eiweiss  zum  Präparat  zu  verreiben;  um  solches  immer  unverdorben 
bei  der  Hand  zu  haben,  thut  man  gut,  es  nach  v.  Sohlen  (0. 4.  688) 
mit  gleichen  Theilen  kaltgesättigter  Borsäurelösung  vermischt  und 
filtrirt  aufzubewahren.  Später  nahm  Biedert  zur  Fixirung  eine 
kleine  Menge  des  nicht  behandelten  Sputums  derselben  Herkunft 

Als  weitere  Nachtheile  werden  dem  B.'schen  Verfahren  zur  Last 
gelegt,  dass  es  das  Tinktionsvermögen  vieler  Tuberkelbacillenexem- 
plare  beeinträchtige  und  dem  Einflüsse  der  Fäulniss  ausgesetzt  sei 
In  letzter  Hinsicht  hat  bereits  v.  Sehlen  (0.  4.724)  den  Zusatz 
von  Boraxborsäurelösung  zu  dem  nach  B.  behandelten  Sputum  em- 
pfohlen. 

Stroschein')  dagegen  verwendete  die  gleiche  Lösung  zur 
Homogenisirung  und  Sedimentirung:  Ungefähr  5—10  cem  des  Aus- 
wurfes werden  in  ein  Schüttelgefäss  gegeben  und  je  nach  der  Kon- 
sistenz das  gleiche,  doppelte  oder  dreifache  Volum  einer  Mischung 
der  genannten  Lösung  mit  Wasser  im  Verhältniss  von  1:3  zuge- 
setzt (reine  Lösung  erschwert  wegen  ihres  hohen  spez.  Gew.  die 
Absetzung).  Hat  man  1  Minute  recht  energisch  geschüttelt,  so  giesst 
man  das  Gemisch  in  ein  Glas  zur  Sedimentirung.  Nach  St  rö- 
sche in  tritt  die  Verflüssigung  immer  erst  nach  4 — 5  Tagen  ein, 
wird  jedoch  durch  zeitweiliges  Schütteln  befördert.  Auch  ist  zu  be- 
denken, dass  die  Tuberkelbacillen  darin  sich  noch  einige  Zeit  lebens- 
fähig erhalten  können.  Aber  man  hat  den  Vortheil,  dass  man  eine 
derartige  Sputumprobe  jahrelang  aufbewahren  kann,  ohne  dass  die 
Tuberkelbacillen  dabei  dem  Nachweis  durch  die  Färbung  sich  ent- 
ziehen. Ich  überzeugte  mich  an  einigen,  mir  vom  Autor  gütigst 
überlassenen  Präparaten,  dass  sie  noch  nach  2  Jahren  gut  färb- 
bar darin  enthalten  waren. 

Die  Homogenisirung  hat  Stroschein  zuerst  zur  quantitativen 
Bestimmung  der  Tuberkelbacillen  benützt.  Als  Schüttelgefäss  diente 
ein  Messcy linder   von  100  cem  Inhalt  mit  Glasstopfen.     War  die 

1)  C.  f.  kl.  M.  91.  6.  105.  —  1.  c. 

2)  Mitthlg.  a.  Brehmer's  HeiUnst  89.  I.  985. 


DU  Neuerungen  d.  bakterioL  Untennchnngsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    293 

Mischung  von  abgemessenen  Mengen  Sputum  und  Zusatzflüssigkeit 
Dach  mehrere  Minuten  langem  Schütteln  gleichmässig  weissgrau  oder 
graugelblich  geworden,  so  wurde  mit  einer  in  100  Theile  getheilten 
1  ccm- Messpipette,  welche  am  oberen  Ende  eine  Saugvorrichtung 
nach  Art  der  Stro seh ein'schen  Spritze  (7.  746)  trug,  entnom- 
men und  0,01  ccm  davon  auf  einem  Deckgläschen  gleichmässig  bis 
zum  Bande  ausgebreitet  und  getrocknet  Die  Trocknung  bei  ca. 
70°  G  erfolgte  auf  einer  durch  ein  kleines  Flämmchen  erwärmten 
Messingplatte,  jrelche  je  3  kleine,  mit  einem  Nagel  vorgetriebene 
Erhebungen  trug,  worauf  die  Deckgläser  ruhten.  Die  Bacillen  des 
gefärbten  Präparates  wurden  unter  dem  Mikroskop  gezählt,  wobei 
der  bekannte  Durchmesser  des  Gesichtsfeldes  als  Faktor  für  die  Be- 
rechnung diente.  Preyss1),  der  ein  im  Ganzen  ähnliches  Ver- 
fahren einschlug,  legte  zur  Zählung  ins  Okular  eine  Glasscheibe  mit 
eingravirtem  Quadrat,  dessen  Grösse  einem  bekannten  Bruchtheil  des 
verwendeten  Deckglases  entsprach. 

.Um  endlich  noch  einiger  der  Vorbereitung  zum  Nachweis  der 
Tuberkelbacillen  durch  die  Färbung  dienender  Methoden  und  Uten- 
silien zu  gedenken,  sei  zunächst  das  Verfahren  von  Alessi8)  behufs 
Auffindens  derselben  in  der  Milch  erwähnt.  Da  die  darin  enthaltenen 
Fettkügelchen  der  Färbung  hinderlich  im  Wege  stehen,  so  verseift 
sie  A.  vorher  dadurch ,  dass  er  zu  1  Tropfen  Milch  2—3  Tropfen 
l°/0iger  Sodalösung  auf  dem  Deckglas  setzt,  verreibt  und  bis  zur 
Antrocknung  erwärmt.  Dem  vom  Autor  hervorgehobenen  Uebelstand 
der  leichten  Abspülbarkeit  des  Präparates  lässt  sich  wohl  durch  Ei- 
weisszusatz  (s.  o.)  begegnen. 

Weiterhin  hat  Krönig3)  zur  genauen  Durchmusterung  der 
Sputa  einen  kleinen  Glastisch  konstruirt,  der  die  Untersuchung  so- 
wohl auf  schwarzem,  wie  auf  weissem  Grunde,  als  auch  im  durch- 
fallenden Lichte  gestattet. 

Schill  (0.  5.  340)  gibt  den  Objektträgern  für  die  Ausbreitung 
des  Präparates  den  Vorzug  vor  den  Deckgläsern,  welch9  letztere  er 
nur  dazu  verwendet,  um  sie,  mit  einem  Tropfen  Wasser  versehen, 
zwischen  das  Präparat  und  das  Objektiv  einzuschalten,  während 
Neisser*)  das  Immersionsöl  direkt  auf  die  gefärbte  Schichte  gibt, 
was  einfacher  ist  und  vollkommen  zufriedenstellende  Resultate  liefert. 
Nun  räth  Czaplewski6)  von  der  Objektträgermethode  dringend 
ab,  die  Behandlung  könne  keine  so  gleichmässige  sein,  wie  bei  den 
Deckgläsern,  die  Objektträger  seien  viel  unhandlicher  und  kühlten  wegen 
ihrer  Dicke  schwerer  ab,  die  modernen  Systeme  wären  auf  eine  gewisse 
Deckglasdicke  korrigirt;  auch  habe  er  einen  bedeutenden  Verlust  an 
Tuberkelbacillen  gegenüber  gleich  behandelten  Deckglaspräparaten 
zu  verzeichnen  gehabt.  Trotz  dieser  Einwendungen  habe  ich  mich 
von  der  Neiss er  'sehen  Methode  nicht  losgesagt  Wer  jeden  Tag 
eine  Anzahl  Sputa  zu  untersuchen  hat,  wird  sie  schon  aus  Billigkeits- 

1)  M.  m.  W.  91.  24.  418. 

2)  Balletina  della  reale  academia  medica  die  Roma.  Bd.   VI  u.  VII.  90.  428. 

3)  M.  m.  W.  91.  17.  810. 

4)  Z.  f.  H.  IV.  174.  Anm. 

5)  Unters,  d.  Ausw.  a.  T.-B.  S.  14. 


294  Heim, 

rücksichten  wählen,  denn  bei  der  späteren  Reinigung  zerbrechen 
viele  Deckgläser.  Dieser  Punkt  mQsste  freilich  ausser  Acht  bleiben, 
wenn  darunter  die  Sicherheit  des  Nachweises  zu  leiden  hätte.  Das 
ist  aber  nicht  der  Fall,  wenn  man  die  Objektträgerpräparate  ledig- 
lich zur  Orientirung  verwendet.  Findet  man  nach  der  direkten  Ent- 
nahme keine  Tuberkelbacillen,  so  muss  man  doch  noch  die  Sedimen- 
tirung  folgen  lassen  und  lassen  sich  auch  darnach  aufs  erste  Mal 
keine  Bacillen  entdecken,  so  kann  man  die  folgenden  Proben  auf 
Deckgläsern  untersuchen.  Die  Handlichkeit  der  Objektträger  steht 
aber  hinter  derjenigen  der  Deckgläser  zum  mindesten  nicht  zurück, 
zumal  wenn  man  sich  eines  gleich  zu  beschreibenden  Apparates  zur 
Färbung  und  kleiner  Bechergläser  von  geeigneter  Grösse  zum  Ein- 
tauchen bei  der  Ent-  und  Nachfärbung  bedient.  Der  Apparat  ist 
ein  Gestell,  bestehend  aus  einem  viereckigen  Rahmen  aus  Eisenblech 
von  34  cm  Länge,  5,5  cm  Breite  und  3,5  cm  Höhe.  An  der  unteren 
Kante  jeder  Längsseite  ist  nach  aussen  eine  rinnenförmige  Auf- 
biegung zur  Aufnahme  etwa  ablaufenden  Farbstoffes  angebracht 
Dieser  Rahmen  ruht  auf  4  Füssen  von  19  cm  Höhe,  welche  an  ihrem 
unteren  Ende  nach  derselben  Richtung  wie  die  Rinne,  aber  nur  im 
rechten  Winkel  umgebogen  sind  und  hier  je  eine  Stellschraube  tragen. 
Bei  mittlerer  Stellung  der  Schrauben  beträgt  die  Höhe  des  ganzen 
Gestelles  25  cm.  Auf  dem  Rahmen  finden  10  Präparate  auf  sig- 
nirten  Objektträgern  englischen  Formates  (76:26  mm)  Platz,  welche 
mit  der  Karbolfuchsinlösung  bedeckt  und  von  unten  durch  die  mit 
der  Hand  hin  und  her  geführte  Gas-  oder  Spirituslampe  erwärmt 
werden.  Für  den  Fall,  dass  man  eine  grössere  Anzahl  Deckgläser 
der  Färbung  unterziehen  will,  dienen  zwei,  je  37,5  cm  lange,  22  mm 
hohe  Blechstreifen.  Sie  werden  in  zwei  an  der  Breitseite  des  Rahmens 
angebrachte,  1,5  cm  tiefe  und  15  mm  von  einander  entfernte  Ein- 
schnitte gesteckt  und  sind,  soweit  sie  innerhalb  des  Rahmens  liegen, 
ebenfalls  mit  einer  rinnenförmigen  Aufbiegung  versehen.  Auf  diese 
parallel  laufenden  Blechstreifen  werden  die  Deckgläser  (von  18  mm 
Seitenlänge)  so  gelegt,  dass  sie  mit  2  ihrer  Ecken  darauf  ruhen.  Bedient 
man  sich  keines  solchen  Apparates  J),  so  muss  man  die  Deckgläser 
oder  Objektträger  mit  der  aufgeträufelten  Farbstofflösung  über  der 
Flamme  erwärmen;  zum  Halten  der  ersteren  bedient  man  sich  vor- 
theilhaft  entweder  der  von  Cornet,  oder  der  von  Kühne  (s.  o.) 
angegebenen  Pinzette. 

Die  Rotzbacillen  haben  noch  allen  Untersuchern  Schwierig- 
keiten bereitet,  wenn  es  sich  um  ihre  Sichtbarmachung,  namentlich 
in  Schnitten  handelt.  Besonders  Kühne  hat  sich  um  dieselbe  be- 
müht, und  es  ist  ihm  schliesslich  gelungen,  eine  Methode  (5.  136) 
zu  finden,  „welche  nicht  allein  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  sämmt- 
liche  Bacillen  unterscheidbar  macht,  sondern  auch  in  ihrer  Ausführung 
sehr  leicht  und  sicher  ist."  Die  ausgewässerten,  mit  Karbolmethylen- 
blau gefärbten  Schnitte  werden  kurz  in  salzsaurem  Wasser  entfärbt, 
gut  in  Wasser  ausgespült  und  darnach  entweder  flüchtig  in  Alkohol 


1)  Derselbe  ist  vom  Klempnermeister  Joseph  Mayer,  Würzburg,  Eichhornstrasse  19* 
um  den  Preis  von  5  M.  zu  beziehen. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersnchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.     295 

getaucht,  oder  besser  durch  aufgedrücktes  Fliesspapier  möglichst  vom 
Wasser  befreit.  Nun  lässt  man  mit  20%  Terpentinöl  versetztes 
Anilinöl  8—10  Minuten  lang  in  einem  Schäfchen  auf  den  Schnitt 
einwirken,  wobei  er  auf  dem  Deckgläschen  haften  bleibt,  und  bringt 
ihn  schliesslich  in  Terpentinöl,  Xylol  und  Balsam.  Histologische 
Einzelheiten  kommen  dadurch  allerdings  nicht  zum  Ausdruck  und 
man  muss  sich  zu  ihrem  Studium  anderer  Methoden  bedienen. 

Den  schädigenden  Einfiuss  des  Alkohols  auf  die  gefärbten  Ba- 
cillen hat  schon  Kühne  hervorgehoben,  mit  besonderem  Nachdruck 
that  es  Noniewicz1),  der  bei  seinem  mehrjährigen  Studium  über 
•lie  Rotzdiagnose  eine  Methode  ausarbeitete,  welche  ausgezeichnete 
Resultate  selbst  bei  den  ungünstigsten  Bedingungen  (z.  B.  bei  be- 
deutender Dicke  des  Schnittes)  liefern  soll.  Die  Färbung  besteht 
in  einer  Kombination  der  Loeffl  er' sehen  und  Unna' sehen  Methode. 
Das  Verfahren  gestaltet  sich  folgendermaassen  : 

Schnitte  aus  Alkohol  in  Loeffl er's  Methylenblau:  2—5  Min. 
Abspülen  mit  dest.  Wasser. 

Entfärbung  in  einer  Mischung  aus  75  Theilen  Va  °/o  Essigsäure 
und  25  Theilen  V*  °/o  wässerigem  Tropäolin  00.  Dünne  Schnittte 
werden  nur  rasch  untergetaucht,  dickere  können  2 — 5  Sekunden  und 
länger  darin  bleiben.  Jetzt  ist  das  Präparat  noch  stark  gefärbt 
und  die  Bacillen  sind  schwer  zu  sehen. 

Aaswaschen  mit  dest.  Wasser  oder  Auswässern. 

Ausbreiten  des  Schnittes  auf  dem  Objektträger,  Absaugen  des 
Wassers  mit  Fliesspapier,  Trocknen  der  Präparate  an  der  Luft  oder 
über  der  Spirituslampe  (das  Trocknen  muss  vollständig  sein,  wobei 
die  Präparate  fast  an  die  Gläser  ankleben). 

Zur  endgültigen  Aufbellung  fortwährend  Xylol  aufträufeln 
lassen;  je  länger  die  Präparate  in  Xylol  liegen,  desto  heller  wird 
das  Bild. 

Canadabalsam  (kein  Nelken-,  Origanum-,  Anilinöl!) 

Die  Rotzbacillen  erscheinen  fast  schwarz  auf  mehr  oder  weniger 
blauem  Grund.  Mit  dieser  Färbemethode  will  nun  N.  gewisse  Fein- 
heiten bei  den  Rotzbacillen  beobachtet  haben,  in  der  Art,  dass  sie 
bei  der  akuten  Form  der  Krankheit,  in  ihren  ersten  Stadien  als 
charakteristische  Bacillen  erscheinen,  während  sie  bei  subakutem 
Verlauf  intensiv  färbbare  runde  Körperchen  von  etwas  grösserem 
Brechungsvermögen,  als  das  schwach  färbbare  Protoplasma  aufweisen 
und  beim  chronischen  in  sehr  kleiner  Zahl  vorhanden  sind  gegenüber 
den  überwiegenden  freien  runden  Körperchen. 

Recht  mühevoll  ist  bekanntermaassen  der  Nachweis  der  Lust- 
garten'sehen  Bacillen  und  schwierig  ihre  Unterscheidung  von  den 
Smegmabacillen.  Fordyce  (5.  212)  fand  sie  ausser  nach  der 
L'schen  Methode  wiederholt  im  Gewebe  durch  Färbung  mit  Kühne' s 
Krystallviolettlösung,  welche  mehr  Bacillen  sichtbar  machen  soll. 
Lewy  (5.  645)  empfiehlt  als  sicherste  und  bequemste  die  Färbung 
rcit  Karbolfuchsin  und  Entfärbung  mit  aq.  dest.  und  stellt  die 
difierenzialdiagnostischen  Momente  zur  Unterscheidung  der  genannten 

1)  Deutsche  Zeischr.  f.  Thiermed.  u.  ygl.  Path.  XVII.  9.  and  3.  196. 


296      Schutzimpfung,  kfinsü.  Infektionskrankheiten,  Entwickelnngshemmmig  etc. 

Arten  tabellarisch  zusammen.  Mittels  der  Methode  von  Giacomo 
will  Kamen  (5.  549)  die  Syphilisbacillen  im  Sputum  eines  hereditär 
syphilitischen  Knaben,  und  zwar  in  abnehmender  Zahl,  während 
des  Zurückgehens  der  Krankheitserscheinungen  nachgewiesen  haben. 
Einer  experimentellen  Nachprüfung  bedarf  die  neuerdings  von  Mar- 
schalko  gemachte  Mittheilung  *),  welcher  im  Sekret  und  im  Gewebe 
Syphilitischer  Bacillen  mittels  des  Weigert 'sehen  Prinzips  der 
Diäenzirung  durch  partielle  Umfärbung,  ähnlich  wie  es  Koch  zuerst 
zur  Färbung  der  Tuberkelbacillen  anwandte,  nachweisen  konnte. 
Ausstrich-  und  Schnittpräparate  werden  entweder  3—4  Stunden  bei 
38 — 40°  oder  12—24  Stunden  bei  Zimmertemperatur  mit  Loeff- 
ler'schem  Methylenblau  gefärbt,  in  Wasser  abgespült  und  nun  1 — 
5  Minuten  lang  der  Einwirkung  einer  konzentrirten  wässerigen  Ve- 
suvinlösung  ausgesetzt. 

Eine  distinkte  Färbung  der  Kapseln  der  Fränkel-Weichsel- 
baunT sehen  Pneumoniebakterien  erzielte  Gabbi  (5.  805)  durch 
1  Minute  lange  Färbung  mit  Karbolfuchsin  und  folgende  rasche 
Abspülung  mit  Wasser.  Die  ihnen  sehr  ähnlichen,  bei  Rhinoskle- 
rom  konstant  nachgewiesenen  Bakterien  färbte  Nikiforow  (4. 
397)  mit  Karbolgen tianaviolett,  woran  sich  die  Behandlung  nach 
Gram  schloss,  und  Melle  (4.  677)  in  einer  wässerig-alkoholischen 
Gentianaviolettlösung ,  aus  welcher  die  Schnitte  der  Reihe  nach  in 
Jod-Jodkalium,  Alkohol,  30—40  °/0  salpetersauren  Alkohol  und  wässe- 
rige Saffraninlösung  kamen.  Zuletzt  fand  Mi  belli2),  dass  sich  die 
fraglichen  Bakterien  vorzüglich  mit  Alaun-Karmin  Grenacher 
(bez.  v.  Grübler -Leipzig)  färben  lassen.  In  der  4°/0  wässerigen 
Lösung  dieses  Farbstoffes  bleibt  der  möglichst  dünne  Schnitt  so  lange 
als  nöthig  ist,  um  eine  gute  Färbung  der  Kerne  zu  erhalten  (unge- 
fähr 1  Stunde,  doch  schadet  auch  12—24  Stunden  langes  Verweilen 
nicht)  und  wird  darauf  mit  Wasser  abgespült;  Alkohol;  Dam- 
marharz. 

(Fortsetzung  folgt) 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Biernacki,  E.,  Ueber  die  Eigenschaft  der  Antiseptica, 
die  Alk  oho  lgährung  zu  beschleunigen  und  über  ge- 
wisse Abhängigkeit  ihrer  Kraft  von  der  chemischen 
Baustruktur,  der  Fermentmenge  und  der  Vereini- 
gung miteinander.    (Pflüger's  Archiv.  XLEL  S.  112.) 
Verf.  hat  weitere  Beispiele  für  den  Satz  geliefert,  dass  Anti- 
septica  bei  sehr  hohen  Verdünnungen  auch  als  Reizmittel  auf 
die  Pilzzellen  wirken  und  deren  Thätigkeit  beschleunigen  können. 

1)  Sitzung  des  Budapester  Aeretevereins  v.  11.  Apr.  1891;  Rf.  H.  f.  pr.  D.  XJII. 
1.  lö. 

2)  M.  f.  pr.  D.  XII.  7.  298. 


äcWampfang,  kfinstiL  Infektionskrankheiten,  fentwickeinngsDemtnttiig  etc.      £9? 


Er  suchte  einerseits  denjenigen  Verdfinnungsgrad  festzustellen, 
bei  welchem  noch  Aufhebung  der  Gährthätigkeit  stattfand,  anderer- 
seits denjenigen,  bei  dem  eine  erhebliche  Beschleunigung  der  Gähr- 
thätigkeit  (unter  den  von  ihm  gewählten  Bedingungen)  beobachtet 
werden  konnte.  Die  gefundenen  Zahlen  sind  auf  der  folgenden  Tabelle 
angegeben.  Durch  Kombination  zweier  Antiseptica  konnte  er  die 
tödtende  Kraft  bedeutend  erhöhen.  Manche  Schlussfolgerungen  des 
Verf.'s  lassen  erkennen,  dass  Chemie  nicht  sein  Spezialfeld  ist;  sonst 
könnte  er  z.  B.  nicht  dem  Thymol  desshalb  eine  grössere  antiseptische 
Wirkung,  als  dem  Chloralhydrat  zuschreiben,  weil  jenes  mehr  Kohlen- 
stoffatome (C10)  im  Molekül,  habe  als  dieses  (Gs).  Ein  solcher 
Schluss  wäre  nur  gerechtfertigt,  wenn  beide  Körper  analoge  che- 
mische Konstitution  hätten. 


Die  schwächste,  die  AI- 

Die  beschleunigende  Kon- 

Aotiseptieiim 

kobolgihrang  aufhebende 

sentration  ffir  die  Alkohol- 

Konsentration 

gahrtmg 

QaecksilbenablimAt    .     .     . 

1  : 

SO  000 

1 

800  000 

KAlinmpermanganat     .     .     . 

1  : 

10  000 

1  ■ 

100  000 

Kupfervitriol 

1  : 

4  000 

1  : 

600  000 

Brom 

1  : 

4000 

1 

60  000 

Thymol 

1 

.     8000 

1  : 

20  000 

Benaoesiure 

1 

2  000 

1 

10  000 

Stliejlsanre 

1 

1000 

1 

6  000 

Chinin 

1 

400 

1 

•     80  000 

Carbolritare 

1 

200 

1 

•       1000 

Sehwefolalnre 

1 

100 

1 

•     10  000 

Ruorän 

1 

100 

1 

2  000 

Pjrogtllol 

1 

60 

1 

4  000 

Borslwe 

1 

26 

1 

8000 

Chloralhydrat 

1 

26 

1 

:       1000 

Loew  (MQnchen). 

Brauner,  Betrachtungen  über  Antiseptik  und  Aseptik 
mit  Beziehung  auf  Listers  Vortrag  in  Berlin.  (Mün- 
chener med.  Wochenschr.  1891.  No.  2.) 
Nach  einem  Referat  der  Vorträge  Listers  und  v.  Bergmanns 
über  Wundbehandlung  auf  dem  letzten  medicinischen  Kongress  zu 
Berlin  spricht  sich  der  Verf.  dahin  aus,  dass  die  Asepsis  in  der 
von  v.Bergmann  gelehrten  Weise  nur  in  vorzüglich  geleiteten  grös- 
seren Anstalten  ausführbar  sei.  Schon  deshalb  hält  er  es  für  drin- 
gend nothwendig,  dass  die  angehenden  Aerzte  nach  wie  vor  in  erster 
Linie  gründlich  in  der  für  die  Privatpraxis  unentbehrlichen  Anti- 
sepsis unterrichtet  werden.  Die  Notwendigkeit  dazu  ergiebt  sich 
seiner  Ansicht  nach  aber  auch  aus  der  Gefahr,  dass  „durch  Verall- 
gemeinerung nicht  geklärter  Anschauungen  über  Antisepsis  und 
Asepsis  eine  Verflachung,  eine  Verwässerung  der  antiseptischen 
Methode  eintritt,  indem  durch  die  Uebung  einer  scheinbaren,  ober- 
flächlichen aseptischen  Wundbehandlung  die  operativen  Erfolge  in 
Frage  gestellt  werden."  K  ü  b  1  er  (Berlin). 


^98  B  weiter  Tuberculose- Kongressj 

Originalberichte  Ober  Kongresse. 


Zweiter  Taberculose-Kongress. 

Mach  den  Berichten  der  „Semaine  mädicale"  und  des  „BulL  m&l.a 

referirt  von 

Dr.  M.  T.  Schnlrer, 

in 

Wien. 

Ghrancher,  J.  et  Martin  IL,  Ueber  antituberculöse  Schutz- 
impfungen.   (Note  sur  les  vaccinations  antituberculeuses.) 

Die  mitgetheilten  Versuche  wurden  sämmtlich  an  Kaninchen  mit 
Vogeltuberculose  ausgeführt.  6.  und  M.  betrachten  den  Bacillus 
der  menschlichen  und  jenen  der  Hühnertuberculose  als  zwei  Va- 
rietäten derselben  Art.  Schon  im  Jahre  1888  machten  sie  einige 
Versuche  mit  einem  von  Martin  dargestellten  Tuberculin,  welches 
die  grösste  Aehnlichkeit  mit  dem  Koch 'sehen  hatte  und  wie  dieses 
ein  ülycerinextrakt  aus  Reinkulturen  von  Tuberkelbacillen  war.  Die 
intravenöse  oder  intraperitoneale  Injektion  dieses  Tuberculins  hatte 
keinen  hemmenden  Einfluss  auf  die  Entwickelung  der  Tuberculose; 
im  Gegentheil,  sie  scjiien  vielmehr  die  Widerstandsfähigkeit  des  Ka- 
ninchens gegen  die  Injektion  mit  Tuberkelbacillen  herabzusetzen. 
Verff.  sind  daher  zu  den  Impfungen  mit  abgeschwächten  Kulturen 
nach  dem  Muster  der.  Schutzimpfungen  gegen  Hundswuth  zurückge- 
kehrt. Die  Herabsetzung  der  Virulenz  wurde  durch  Altwerdenlassen 
der  sorgfältig  verschlossenen  Kulturen  erzielt.  Als  die  Versuche  im 
Juni  1889  begonnen  wurden,  verfügten  bereits  Verff.  über  eine  ganze 
Skala  von  verschieden  alten,  demnach  auch  verschieden  virulenten 
Kulturen.  Das  schwächste  Virus  No.  10,  eine  3jährige  Kultur,  ist 
in  einmaliger  intravenöser  Injektion  für  Kaninchen  unschädlich,  hin- 
gegen gehen  die  Kaninchen  nach  widerholten  Injektionen  dieser  ab- 
geschwächten Kultur  an  Tuberculose  zu  Grunde.  Das  Virus  No.  1, 
eine  frische,  zwei  Wochen  alte  Kultur  auf  Glycerin-Agar,  tödtet  nach 
intravenöser  Injektion  Kaninchen  in  2—3  Wochen.  Dazwischen 
liegen  die  verschiedenen  Abstufungen  der  Virulenz. 

Am  29.  November  1889  wurden  die  Schutzimpfungen  an  einer 
Serie  von  9  Kaninchen  begonnen,  und  zwar  wurde  jedesmal  1  cem 
einer  Kultur  von  Tuberkelbacillen  von  steigender  Virulenz  in  die 
Ohrvene  injizirt.  Die  ersten  2  Injektionen  wurden  mit  einer  33  Mo- 
nate alten,  die  dritte  mit  einer  22  monatlichen  und  so  fort  gemacht, 
bis  schliesslich  die  9  Kaninchen  ebenso  wie  4  Kontrollthiere  einel 
4  monatliche  Kultur  (No.  2)  erhielten.  Die  letzteren  gingen  nach  A 
27,  29  resp.  154  Tagen  an  Tuberculose  zu  Grunde.  Von  den  ge- 
impften Thieren  starb  eins  an  Tuberculose  noch  vor  der  Kontrollin- 
fektion. Ein  anderes  starb  einige  Tage  nach  der  Injektion  des  Virus 
No.  2  an  Tuberculose.    Die  übrigen  haben  längere  Zeit  gelebt.  Sie 


Zweiter  taberculose-ftoogreas.  §99 

starben  am  19.  Juli,  18.  November  1890,  29.  Januar  und  4.  April 
1891  und  zeigten  bei  der  Sektion  keinerlei  tuberculöse  Veränderung; 
ein  Kaninchen  hatte  eine  parenchymatöse  Nephritis.  Das  letzte  Thier 
dieser  Serie  lebt  noch  jetzt,  21  Monate  nach  Beginn  der  Versuche 
und  hat  seither  um  2290  g  zugenommen. 

Bei  der  intravenösen  Impfung  gehen  einzelne  Thiere  in  Folge 
der  Impfung  als  solcher  zu  Grunde.  Um  diesen  Uebelstand  zu  ver- 
meiden, ist  es  besser,  subkutan  zu  impfen.  In  der  That  ging  von 
8  Kaninchen,  die  11  mal  mit  stets  virulenterem  Material  geimpft 
wurden,  kein  einziges  zu  Grunde.  Von  diesen  8  Thieren  erhielten 
3  am  8.  December  1890  (die  Schutzimpfungen  wurden  am  30.  August 
begonnen)  vollvirulente  Tuberkelbacillen  in  die  Ohrvene.  Alle  drei 
leben  noch  und  haben  seither  um  je  1000  g  und  darüber  zuge- 
nommen. Das  Kontrollthier  starb  nach  ca.  3  Monaten  an  Tuber- 
culöse. 

Häufig  starben  die  geimpften  Thiere  an  parenchymatöser  Ne- 
phritis. Merkwürdigerweise  nahmen  diese  Thiere  an  Körpergewicht 
zu  and  lebten  lange  nach  der  Probeinfektion.  Manche  Versuchsthiere 
unterlagen  nach  mehreren  Monaten  der  Probeinfektion,  und  zwar  ent- 
weder an  einer  ganz  besonderen  Form  der  Lungentuberculose  oder 
sie  zeigten  beschränkte  Knochen-  oder  Gelenktuberculose. 

Aus  allen  diesen  Versuchen  schliessen  Verff.,  dass  es  ihnen  zwar 
nicht  gelungen  ist,  eine  vollständige  Immunität  durch  eine  unschäd- 
liche und  sichere  Methode  zu  erzielen,  dass  aber  die  schützende  Wir- 
kung des  tuberculösen  Virus  gegen  das  tuberculöse  Virus  selbst  er- 
wiesen ist  Das  von  ihnen  angewendete  abgeschwächte  Tuberkel- 
gift enthält  wahrscheinlich  eine  vaccinirende  und  eine  toxische  Sub- 
stanz. Die  erstere  erzeugt  Immunität,  die  letztere  Nephritis,  Para- 
plegie  und  Kachexie,  an  welchen  die  sonst  nicht  kranken  Thiere  zu 
Grande  gehen. 

Identität  der  Tuberculöse  des  Menschen,  der  Binder,  der 
Hühner  und  anderer  Thiere. 

Chauveau  berichtet  über  Versuche,  die  er  angestellt  hat,  um 
die  Identität  der  Tuberculöse  des  Menschen  und  der 
Kinder  zu  beweisen.  In  einer  Versuchsreihe  wurden  Rinder  mit 
menschlichen  tuberculösen  Produkten  (Lunge  von  Miliartuberculose 
und  käsiger  Pneumonie)  gefüttert.  Die  Thiere  erkrankten  in  der- 
selben Weise  wie  die  mit  Rindertuberculose  infizirten  Kontrollrinder, 
uid  zwar  zeigten  sie  dieselben  tuberculösen  Veränderungen  (im  Darm 
uid  Respiration8traktus)  wie  die  bei  der  menschlichen  Tuberculöse. 
dasselbe  Resultat  ergab  die  intravenöse  und  subkutane  Infektion. 

Nocard  beweist  die  Identität  der  Tuberculöse  des 
Menschen,  des  Pferdes  und  der  Schweine.  Die  von  tuber- 
culösen Produkten  des  Pferdes  erzielten  Kulturen  sind  absolut  iden- 
tisch mit  den  Tuberkelbacillen  der  menschlichen  und  Rindertubercu- 
lose.  Die  Injektion  von  Tuberkelbacillenkulturen  vom  Rinde,  Pferde, 
Schweine  oder  anderen  Säugethieren  erzeugt  beim  Meerschweinchen 
die  gleichen  Veränderungen. 


äOO  Zweiter  Tnbtrcniose-kongrtsi. 

Straus  und  ftamalefa  haben  die  Unterschiede  zwischen  dem 
Bacillus  der  menschlichen  und  jenem  der  Vögelt  aber- 
culose  studirt.  Nach  ihnen  gestattet  schon  der  Anblick  der  Kul- 
turen auf  festen  Nährböden  eine  Differenzirung  der  beiden  Bacillen. 
Die  Kulturen  der  menschlichen  Tuberculose  sind  trocken,  schuppig. 
matt  und  fest,  jene  der  Vogeltuberculose  sind  feucht,  fett  und  weich. 
Noch  deutlicher  sind  die  Unterschiede  in  der  pathogenen  Wirkung. 
Die  Hühner  sind  immun  gegenüber  der  menschlichen  Tuberculose, 
gehen  aber  regelmässig  zu  Grunde  nach  Infektion  mit  Vogeltubercu- 
lose. Der  Hund  dagegen  ist  fast  absolut  immun  gegen  die  letztere, 
nicht  aber  gegen  die  menschliche.  Kaninchen  und  Meerschweinchen 
sind  für  beide  empfänglich,  aber  die  von  beiden  Bacillen  erzeugten 
Wirkungen  sind  ungleich.  Nach  Infektion  mit  menschlicher  Tuber- 
culose sterben  die  Thiere  mit  Tuberkeln  in  den  verschiedenen  Vis- 
ceralorganen,  hingegen  finden  sich  bei  der  Sektion  der  an  Vogel- 
tuberculose zu  Grunde  gegangenen  Thiere  keinerlei  makroskopische 
tuberculose  Läsionen  der  inneren  Organe. 

Die  beiden  Bacillen  behalten  ihre  Eigentümlichkeiten  selbst  bei 
Veränderung  des  Nährbodens.  Auch  gelang  es  nicht,  den  Bacillus 
der  Vogeltuberculose  dauernd  bei  Kaninchen  und  Meerschweinchen 
zu  acclimatisiren,  noch  weniger  ihn  in  den  menschlichen  umzuwan- 
deln. Die  Unterschiede  zwischen  beiden  Bacillen  sind  also  nicht  nur 
erhebliche,  sondern  auch  permanente,  so  dass  man  berechtigt  ist,  von 
2  verschiedenen  Spezies  zu  sprechen. 

Denselben  Gegenstand  besprechen  auch  Cadlot,  Gilbert  und 
Boger.  Von  40  mit  Säugethiertuberculose  infizirten  Hühnern  lebet 
noch  jetzt  2,  die  übrigen  38  wurden  zu  verschiedenen  Zeiten  ge- 
tödtet;  33  mal  fand  sich  keinerlei  Veränderung,  nur  5  mal  wurden 
Tuberkelknötchen  gefunden.  Von  27  mit  Hühnertuberculose  infi- 
zirten Meerschweinchen  entstand  bei  25=92%  entweder  nur  ein  lo- 
kaler Abscess,  oder  es  fanden  sich  einzelne  seltene  Tuberkelknötchen; 
2  Meerschweinchen  zeigten  ganz  gleiche  Veränderungen,  wie  sie  die 
menschlichen  Tuberkelbacillen  hervorrufen.  Trotzdem  betrachten  die 
Verff.  die  2  Bacillen  nicht  als  verschiedene  Arten,  da  die  Reaktion, 
die  beide  im  Organismus  hervorrufen,  dieselbe  ist  und  die  morpho- 
logischen Eigenschaften,  bis  auf  einige  sekundäre  Nebensachen,  die 
gleichen  sind.  Namentlich  ist  es  die  gleiche  Reaktion  gegenüber 
den  Farbstoffen,  die  gegen  eine  Verschiedenheit  der  Spezies  spricht. 
Was  die  pathogene  Wirkung  betrifft,  so  ist  hervorzuheben,  dass  Ka- 
ninchen, wenigstens  auf  intraperitoneale  Infektion,  ebenso  für  die 
menschliche  wie  für  die  Vogeltuberculose  empfänglich  sind,  anderer- 
seits sind  auch  Meerschweinchen  nicht  absolut  immun  gegen  Vogel- 
tuberculose ebenso  wie  die  Immunität  der  Hühner  gegen  die  mensch- 
liche Tuberculose  keine  absolute  ist.  Schliesslich  konnte  die  mensch- 
liche Tuberculose  von  einem  Huhn  auf  3  andere  übertragen  werden, 
und  die  Virulenz  der  Vogeltuberculose  durch  Passage  durch  Sänge- 
thiere  für  dieselben  gesteigert  und  für  die  Hühner  herabgesetzt 
werden.  Aus  dem  Gesagten  schliessen  Verff.,  dass  die  2  Bacillen 
Varietäten  ein  und  derselben  Art  darstellen. 

Derselben  Ansicht  huldigen  auch  Counnont  und  Bor.  Sie 
haben  Hühnern  Säugethiertuberculose  auf  subkutanem  Wege  and  in 


Neue  Littcratur.  301 

en  Darmkanal  eingeführt,  andererseits  Kaninchen  und  Meerschwein- 
hen  Hühnertuberculose  eingeimpft.  Die  Ergebnisse  dieser  Unter- 
nchungen  sind  folgende:  Das  Huhn  ist  nicht  absolut  immun  gegen 
anschliche  Tuberculose.  Der  Darmtraktus  ist  bei  diesem  Thiere 
ine  ungünstigere  Eintrittspforte,  als  das  subkutane  Zellgewebe.  Die 
iacillen  der  Hühnertuberculose  erzeugen,  wenn  sie  längere  Zeit  dem 
Müsse  des  Vogelkörpers  entzogen  waren,  nach  subkutaner  Ern- 
ährung bei  Meerschweinchen  und  nach  intravenöser  bei  Kaninchen 
Ugemeine  Tuberculose.  Die  so  wirkenden  Bacillen  verlieren  diese 
Eigenschaft  durch  eine  einzige  Passage  durch  den  Körper  eines 
luhnes.  Die  Säugethiere  sind  widerstandsfähiger  gegen  die  Infektion 
lit  Produkten  der  Vogeltuberculose,  als  gegen  jene  mit  den  Kulturen 
dbst. 

(Fortsetsang  folgt.) 


Neue  Litteratur 

znMinmengeitelU  von 

D*.  Asthüb  Wübzbubg, 

Im  Katoerbchwi  G«andheitiamte  In  Bern*. 


Allgemeines  über  Bakterien  und  Parasiten. 

Büchner,  H. ,  Kurse  Uebersicht  •  Über  die  Entwickeln^  der  Bakterienforschung  seit 
Nägeli's  Eingreifen  in  dieselbe.  (Münch.  medic.  Wochenschr.  1891.  No.  26,  26. 
p.  435— 437,  464—456.) 

Dwiei,  A.  lt.,  Remarka  od  the  micro-organisms.     (Prorinc.  Med.  Journ.  1891.  No.  115. 

p.  389-394.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  unbelebten  Natur. 

Lufi,   Waaer,  Boden. 

friert,  De  U  ne'cessite  de  l'analyse  bacteriologique  des  eaax  coojoiiitemeot  a  leur  examen 
chimiqae.    (Arch.  nM.  beiges.  1891.  Juin.  p.  385— 394.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Katar. 

Harmlose  Bakterien  und  Parasit**. 

'i*l&7ian,  J ,  Clinical  remarks  on  sarcinae  in  tbe  urine  for  fifleen  years,  without  acci- 
<*«*».   <Brit.  Med.  Jonro.  No.  1591.  1891.  p.  1371.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen. 
A.    Infektiöse  Allgemeinkrankheiten. 

taut,  st,  Zur  Ausscheidung  der  Mikroorganismen  durch  den  Schweiss.  (Wiener  med. 
Bl&tter.  1891.  No.  27.  p.  416—417.) 

MaUriairankhdteiL 

****,  J.,  Comideraciones  sobre  las  fiebres  palastres  y  su  distribneion  geografica  en  la 
"•Publica.    (An.  asist  pub.,  Buenos  Aires  1890/91.  p.  347—363.) 


302  Nene  Literatur. 


Exanthematische  Krankheiten. 

(Pocken  [Im p fang],  Flecktyphus,  Masern,  Röthein,  Scharlach,  Friesel,  Windpocken.) 

Aegypten.  Verordnung,  die  Impfung  der  Neugeborenen  betr.  Vom  17.  Deaember  1890. 
(Journ.  offic.  du  Gouvernement  4gypt  1890.  No.  141.  p.  1765.) 

Xurth,  H.,  Ueber  die  Unterscheidung  der  Streptokokken  und  über  das  Vorkommen  der- 
selben, insbesondere  des  Streptococcus  conglomeratus ,  bei  Scharlach.  (Arb.  a.  d. 
kais.  Gesundh.-Amtc.  Bd.  VII.  1891.  Heft  2/8.  p.  889—470.) 

Scherbakoff,  A.  8. ,  Ueber  die  Scharlach-Diphtberie-Epidemie  in  der  8tadt  Rostov  m 
Don.     (Russksja  med.  1891.  p.  122—125.)     [Russisch.] 

Thätigkeit,  die,  der  im  Deutschen  Reiche  errichteten  Anstalten  sur  Gewinnung  von  Thier- 
lymphe  während  des  Jahres  1 890.  (Arb.  a.  d.  kais.  Gesundh.  Amte.  Bd.  VII.  1891 
Heft  2/8.  p.  288—840.) 

Verhaltungs-Regeln  bei  Masern,  Scharlach  und  Dipbtheritis.  Im  Auftrage  des  „Verens 
der  Medisinaibeamten  des  Reg.-Bes.  Düsseldorf*4  im  Jahre  1890/91  susammengeite&t 
(Düsseldorf,  Schwann.)  (Veröffentl.  d.  kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  27.  p.  406- 
407.) 

Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Pest 

Conclusiones  relatives  a  la  profilsxis  y   los    medios  de   atenuar   loa   efectos  del  cülen 

morbo  epidemico.     (Independ.  med.,  Barcelona  1889/90.  p.  487,  600.) 
Hambourg,  8.,    Rapport   sur   l'epidemie    cbolenque,   qui   a  se"vi  k  SullmanU  en  18S9, 

adresse1  ä  l'administration  sanitaire   de  l'empire  Ottoman.     (Rey.  me\L-pharnac-,  Con- 

stantinople  1890.  p.  188,  198.  1891.  p.  8,  30.) 
Stamm,  A.  Th.,     Pseudo-Socialhygiene   oder   praktische  Pest-   und   Seuchebekimpniog. 

(Allg.  Wien  medic.  Ztg.  1891.  No.  22—24.  p.  247,  287—258,  267—268.) 

WimdinfeiiioiMkraiikheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Prämie,  Septikimie, 

Tetanus,   Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundfaulniss.) 

Levy,  E.,  Ueber  die  Mikroorganismen  der  Eiterung.  Ihre  Specific!  ta%  Virulent,  ihre 
diagnostische  und  prognostische  Bedeutung.  (Arch.  f.  experim.  Pathol.  u.  Pharm. 
Bd.  XXIX.  1891.  No.  1/2.  p.  185—169.) 

Sanehes-Toledo,  D.,  De  la  virulence  du  microbe  du  te'tanos  däbarrasse'  de  ses  toxines. 
(Compt  rend.  de  la  soc  de  biol.  1891.  No.  22.  p.  487—489.) 

Infelrtioiiggeochwfllate. 

(Lepra,  Tuberculoae  [Lupus,  Skropbulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerisches 

Krankheiten].) 

Cicero,  8.,  Patogenesi  ed  etiologia  della  sifilide  congenita.  (Giorn.  ital.  d.  malsttie 
vener.  1890.  p.  321—828.) 

Cuifer,  P.,  Recherches  cliniques  sur  la  periode  d'incubation  des  maladies  infectieases  en 
geneVal  et  en  particulier  sur  la  peViode  d'incubation  de  la  tuberculose.  (Bev.  de 
m4d.  1891.  No.  6.  p.  523—539.) 

Fonrsior,  A.,  Prophylaxie  publique.  Nourrices  en  incubation  de  Syphilis.  (Anotl.  de 
dermatol.  et  de  syphiligr.  1891.  No.  6.  p.  516—529.) 

Hudolo,  L.,  De  TimmuniU  syphilitique  (auto-inoculation ,  remoculation ,  reinfoctioD). 
(Annal.  de  dermatol.  et  de  syphiligr.  1891.  No.  5,  6.  p.  353—377,  470—515.) 

NiTen,  J.f  The  aetiology  of  consumption.     (Practitioner.  1891.  July.  p.  62—80.) 

Vedeler,  Et  kraeftdyr.     (Norsk  magaa.  f.  laegevidensk.  1891.  No.  7.  p.  539—550.) 

Wiok,  L.,  I.  Die  Tuberculose  in  der  Armee  und  Bevölkerung  Oesterreich-Ungarns.  (Fort- 
setzung.) II.  Ueber  Prophylaxis  und  Behandlung  der  Tuberculose  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  bisherigen  Erfahrungen  ober  das  Koch'sche  Heilverfahren. 
II.  Theil.  (Klin.  Zeit-  und  Streitfragen,  hrsg.  v.  Schnitzler.  Bd.  V.  Heft  HI 
und  IV.)  gr.  8°.    p.  81—191.    Wien  (Braum&Uer)  1891.  2  M 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Gerichten«, 

Mumpa,  RückfallBfleber,  Osteomyelitis. 
Areularius,  L.,   Beobachtungen   aus  der   Epidemie   der   Grippe   in    den  beiden  letaten 
Jahren.     (New  Yorker  med.  Mtsscbr.  1891.  No.  6.  p.  221—226.) 


Heue  Litteratur.  303 

Bampton,  A.  H.,    The  infectious  and  incubatlon    period  of  influenza.     (Lancet.  Vol.  H 

1891.  No.  1.  p.   13.) 
Kraitnhalf,   H.,    Die  Influenza-Epidemie   des    Winters    1889/90   in    Riga.     (Beil.  z.  8t. 

Petereb.  med.  Wochenschr.)     8°.     62  p.     St.  Petersburg  1891. 
Lojaeono,   L.,    L'epidemia    d'influeoza    del    1890   nel    manicomio   di    Palermo.     (Pisani, 

Palenno  1890.  p.  77—86.) 
Lyon,  T.  0.,  Natore  and  name  of  inflaenza.     (Lancet  Vol.  II.  1891.  No.   1.  p.*  43.) 
Iieaigne,  Artbrite  a  pneumocoqne  an  conrs  d'une  pneumonie;    arthrotomie.     Gnerison. 

(Ballet,  de  U  soc.  aoat  de  Paris.  1891.  No.  12.  p.  344—348.) 
de  Xoraas  Carvalho  Sobrinlio,  A.  A   etc ,   Relatorio   sobre  a  epldemia  que  em  Lisboa 

prassou  desde  desembro  de    1889    ate    fevereiro  de  1890.     (J.  d.  soc.  d.  sc.  med.  de 

Lisboa.  1890.  p.  353—360.  1891.  p.  14—26.) 
*an  Beniielae r,  H.,  Tbe  etiology  of  the  inflaenza.    (Alhany  med.  annals.  1891.  No.  4. 

p.  93—96.) 
Simon,  R.  M.,  On  the  relation  between  iniiuenza    and    pnenmonia.     (Brit.  Med.  Journ. 

No.  1391.    1891.    p.  1383.) 
Bquire,  W.,  Forther  notea  on  inflaenza.     (Lancet.  Vol.  II.  1891.  No.  2.  p.  63.) 
TÜresh,  J.  C,  London  mannre  and   diphtheria.     (Public  health.  1890/91.  p    360—864.) 

B.    Infektiöse  Lckatkrankheiten. 

Verdauungsorgane. 

Cahen,  E.,  üeber  Protozoen  im  kindlichen  Stahle.  (Deutsche  medic.  Wochenschr.  1891. 
No.  27.  p.  853—854.) 

Augen  und  Ohren. 

Zaufal,  Ueber  die  Beziehungen  der  Mikroorganismen  zu  den  Mittelohrerkrankungen 
und  deren  Komplikationen.  (Wien,  medic.  Wochenschr.  1891.  No.  24 — 27.  p.  1037 
-1039,  1081—1084,  1123—1124,  1161  —  1162.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen  und  Thieren. 

Aktinomyköse. 

Darier,  J.f  et  Oantier,  G.t  Un  cas  d'actinomycose  de  la  face.  (Annal.  de  dermatol. 
et  de  sypbiligr.  1891.  No.  6.  p.  449—455.) 

Tollwutb. 

ACOlta,  E.,  La  rabia  y  el  tratamiento  de  Pasteur  en  la  Habana.  (Cong.  me"d.  region. 
de  Cuba.  1890.  p.  495—500.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Säugethiere. 

A.     Infektiöse  Aügememkrankheüen. 

Stand  der  Tbierseuchen  in  Balgarien  während  des  1.  Vierteljahres  1891.  (VeröffenU. 
d.  kaiserl.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  27.  p.  403.) 

Wirbellose    Thiere. 

^izrd,  A,  Observation»  et  explriences  sur  les  Champignons  parasites  de  I'acridiam  pere- 
grinnm.    (Compt.  rend.  de  la  soc.  de  biol.   1891.  No.  22.  p.  493—496.) 

tackel  d'Htrenlaia,  J.,  et  Langloil,  Gh.,  Les  Champignons  parasites  des  acridiens. 
(Compt  rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  22.  p.  490—493.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Cfatfa,  J ,  Sur  Taignillon  de  l'Heterodera  Schachtii.     (Compt.  rend.  de  l'Academie    des 

sciences  de  Paris.  T.  CXII.  1891.  No.  26.  p.   1516—1518.) 
"Krti  A.,   Sur  la   destruetion    da  Peronospora  Schachtii   de  la  betterare  k  l'aide  des 


304 


Neue  Litteratur. 


composes  coivriqoes.     (Compt  rend.  de  rAcadtmie   des    sciences  de  Paris.  T.  CXH. 
'   1891.  No.  26.  p.  1523—1625.) 
▼.  Thümen,  F.,   Die   Black-rot-Krankheit   der   Weinreben.     (Phoma   uylcola  Berk.  « 

Cart.  —  Physaiospora  Bidwellü  8acc)    (Allg.  Wein-Ztg.  1891.  No.  28.  p.  282—284.) 


Schutzimpfungen,  kBnstllehe  Infektionskrankheiten,  Bntwieke- 

lnngshemmnng  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  tber  das  Koch' sehe 

Heilverfahren  gegen  Tuberculose. 

Bonn,  C.  E.,  Tnbereulln  in  relation  to  tuberculosis  of  the  längs  and  thront.    (Northwest 

Lancet  1891.  No.  18.  p.  208—205.) 
BogToff,  C,  Zur  Behandlung  der  Raehentuberculose  nach  dem  Liebreicb'schen  Verfahren. 

(Berl.  klin.  Woehenschr.  1891.  No.  25.  p.  696—697.) 
Büro,  F.,  Ein  Fall  von  Lupus  rulgaris  mit  Tubareulin  behandelt.    (Gyogyasaat  1891. 

No.  29.     (Ungarisch.] 
Orabower,   Bericht  Ober   den  Verlauf  von  40  Kehlkopftaberculosen   unter  der  Einwir- 
kung des  Koch'schen  Heilmittels.    (Deutsche  med.  Woehenschr.  1891.  No.  28— 26,28. 

p.  769—770,  795—796,  818—820,  848—844,  889—892.) 
Hink,  A ,    Zwei   ImpfVersuche  mit   Tuberculin   bei    Kühen.    (Thierlrati.   Mitth.  1691 

No.  7.  p.  121—124.) 
▼.  BennenkampiT,  B.,  Versuche  mit  cantharidinsaurem  Kali  bei  Tuberculose.    (8t  Peters- 

burger  med.  Woehenschr.   1891.  No.  25.  p.  211—216.) 
Botton  stein,  J.  B  ,  et  Boureart,  X.,    Les    antiseptiques.     Etüde   comparatiTe  de  lenr 

action  differente  sur  les  baotenes.   gr.  8°.   82  p.   Paris  (Lecrosnier  et  BaM)  1821. 
Sohwarts,  A.,    Bericht  über  Tuberculinbehandlung   am  8tadtkrankenhause   su  Fellin  h 

Lhrland.     (Deutsehe  medic.  Woehenschr.  1891.  No.  29.  p.  905—906.) 


Inhalt. 


Originalmittheilungeii. 
Babes,  V.,   Erklärende  Bemerkungen  über 

„natürliche  Varietäten"    des    Typhusba- 

cillus.    (Orig.),  p.  281. 
Capparelli,  Andrea,  Beitrag  sum  Studium 

der  Phagocyten.    (Orig.),  p.  277. 
Moeller,  H.,  Ueber  eine  neue  Methode  der 

SporenfKrbung.    (Orig.),  p.  273. 

Beteate. 

Booker,  William  D.f  A  study  of  some  of 
the  Bakterie  found  in  the  faeces  of  in- 
fants  affected  with  summer  diarhoea, 
p.  284. 

Buday,  Beiträge  sur  Kenntniss  der  Ent- 
wicklung der  metastatischen  Gelenkent- 
zündungen und  sur  Aetiologie  der  Poly- 
arthritis rheumatica,  p.  286. 

Bibbert,  Neuere  Arbeiten  sur  Aetiologie 
des  Carcinoma,  p.  287. 

Villiers,  A.,  Sur  la  fermentation  de  la  fd- 
cule  par  l'action  du  ferment  butyrique, 
p.  288. 

Waybel,  Aetiologische  Beobachtungen  über 
akuten  Gelenkrheumatismus,  p.  285. 


Untertuehungsmethoden,  Instrumente  tte. 

Heim,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiet« 
der  bakteriologischen  UntersucbeexsiDe- 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig/ 
(Fortsetzung),  p.  288. 

Schutsimpfung,   künstliche  Infektion*- 
krankheiten,  Entwieklungshem»nng 
und  Vernichtung  der  Bakterien 
und  Parasiten. 
Biernacki,  E.,    Ueber  die  Eigenschaft  der 
Antiseptica,   die  Alkoholglhrung  so  be- 
schleunigen und  über  gewisse  Abhängig- 
keit   ihrer   Kraft    von    der    chemiicaea 
Baustruktur,  der  Fermentmenge  und  der 
Vereinigung  miteinander,  p.  296.  | 

Brunner,  Betrachtungen  über  Anutaptik 
und  Aseptik  mit  Besiehung  auf  Lkw'* 
Vortrag  in  Berlin,  p.  297. 

Originalberichte  über  Kongressf        | 
Zweiter  Tubercu  lose-Kongress. 

Grancher,  J„  et  Martin,  H.,  Ueber  tri- 
tuberculose  Schutsimpfungen,  p.  298* 

Vene  Utteratur,  p.  301. 


iftummannache  Buchdruckerei  (Hermann  Pohle)  in  Jena, 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  Holt.  Prot  Dr.  Lenctart  m  Professor  Dr.  Loefler 

tu  Lelpxlff  In  ürotfnrald 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  In  Jena. 

X.  Bind«       -«-  Jen»,  den  18.  September  1891.      -o-  No.  10» 

Prell  für  den  Band  (86  Wummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  swel  Binde. 

-*|    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten,    g*- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten* 
künde«  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf* 
*ätoe  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
de»  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
toten.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wunsehe  berücksichtigen  zu  können* 


Original  -  Mlttheiiangen. 


Heber  die  Widerstandsfähigkeit  des  pneumonischen 
Virus  in  den  Auswürfen. 

[Ans  dem  Laboratorium  für  allgemeine  Pathologie  der  K.  Universität 
zu  Turin.     Bakteriologische  Abtheilung.] 

Von 

Dr.  Bordont-Uffteduzzi. 

Jener  Tbeil  der  Äusseren  Prophylaxis  der  Infektionskrankheiten, 
sicher  die  Zerstörung  des  mit  den  Sekreten  des  Kranken  abge- 
sonderten pathogenen  Erregers  betrifft,    ist  besonders    wichtig  für 

Jene  Krankheiten,   deren   spezifisches  Bakterium  beständig  mittelst 

X.*.  *"  ^ 


306  Bordoni-Uffreduisi, 

des  Auswurfes  ausgeschieden  wird,  welche  nicht  immer,  wie  es  sein 
sollte,  in  geeigneten  Behältern  gesammelt  werden,  sondern  oft  ent- 
weder die  den  Kranken  umgebenden  Gegenstände,  oder  den  Fass- 
boden und  die  Wände  des  Zimmers  verunreinigen,  von  wo  sie  dann, 
nach  Eintrocknung,  unter  der  Form  von  Staub  mit  der  Luft  auf- 
steigen und  so  andere  Personen  infiziren  können.  Diese  Krankheiten 
sind  besonders  die  Lungentuberculose  und  die  Pneumonie. 

Was  die  Tuberculose  anbetrifft,  so  sind,  sowohl  bezüglich  des 
Vorhandenseins  des  Koch 'sehen  Bacillus  im  Staub  der  von  Schwind- 
süchtigen bewohnten  Räume  als  auch  hinsichtlich  der  vitalen  Wider- 
standsfähigkeit des  in  den  eingetrockneten  Auswürfen  enthaltenen 
Bacillus  schon  zahlreiche  und  vortreffliche  Studien  gemacht  worden 
(dornet).  Was  aber  die  Pneumonie  anbetrifft,  so  ist  bisher  in 
dieser  Beziehung  sehr  wenig  geschehen,  obgleich  der  sie  erzeugende 
Ansteckungsstoff  ebenso  verbreitet  und  Ursache  nicht  nur  der  pneu- 
monischen Infektion,  sondern  auch  vieler  anderer  schwerer  Infektions- 
formen ist  Die  Thatsacbe,  dass  die  Pneumoniebakterien  in  der 
Aussenwelt  weiterleben  und  sich  hier  vervielfältigen  können  und  dass 
sich  der  Ansteckungsstoff  besonders  mittelst  der  Luft  verbreitet  und 
die  Krankheit  erzeugt,  ist  nicht  mehr  zu  bezweifeln;  und  deshalb 
muss  bei  der  Prophylaxis  der  Pneumonie,  wenigstens  solange  die 
mit  Erfolg  an  Thieren  vorgenommenen  Schutzimpfungsversuche  nicht 
auch  am  Menschen  gemacht  werden,  die  grösste  Wichtigkeit  eben 
der  Zerstörung  des  Pneumonieerregers  ausserhalb  unseres  Organis- 
mus beigemessen  werden. 

Doch  um  dieses  zu  thun  und  auch  für  diese  Krankheit  die  An- 
wendung der  Desinfektionsmaassregeln  zu  rechtfertigen,  welche  be- 
reits für  andere  Krankheiten  und  besonders  für  die  Tuberculose  bei 
den  Gegenständen,  mit  welchen  der  Kranke  in  Berührung  kam  und 
bei  den  von  ihm  bewohnten  Räumen  angewendet  werden,  ist  es  von 
Wichtigkeit,  den  Grad  der  Widerstandsfähigkeit  des  vom  Kranken 
abgesonderten  spezifischen  Erregers  zu  kennen,  um  zu  sehen,  ob  die 
Möglichkeit,  dass  er  nach  Eintrocknung  in  den  Auswürfen  noch  die 
Fähigkeit  zur  Reproduktion  der  Krankheit  bewahrt,  thatsächlich  be- 
gründet ist 

Die  wissenschaftlichen  Daten,  die  wir  bis  jetzt  bezüglich  der 
Widerstandsfähigkeit  des  pneumonischen  Virus  besitzen,  sind  sehr 
spärliche  und  besonders  von  Kulturen  jenes  Mikroorganismus  ge- 
wonnen, der  als  Ursache  der  grossen  Mehrzahl  der  Fälle  von  primi- 
tiver Croupalpneumonie  erkannt  worden  ist,  nämlich  des  Fraenkel- 
schen  Diplococcus. 

In  einer  von  Foä  und  mir  im  Jahre  1887  veröffentlichten  Ar- 
beit über  die  epidemische  Cerebrospinal-Meningitis  *)  haben  wir  be- 
richtet, dass  der  Meningococcus,  der  identisch  mit  dem  Pneu- 
monie-D iplococcus  oder  höchstens  eine  Abart  desselben  ist, 
wenn  man  ihn  sowohl  als  Kultur  als  auch  im  Blute  zwischen 
zwei  Uhrgläsern  bei  der  gewöhnlichen  Temperatur  und  fern  vom 


1)  Foa  a.  Bordoni-Uffredmii,   Sulla   esiologia   della  meningite   cerebro- 
apinale  epidemica.  (Archivio  per  le  scienae  mediche.  Vol.  XI.  1887.  pg.  886.) 


lieber  die  Widerstandsfähigkeit  d.  pneumonischen  Virus  in  den  Auswürfen.     307 

Tageslicht  trocknen  liess,   bis  zum  45.  Tage  lebend  und  virulent 
gefunden  wurde. 

Ausser  diesen  Daten  haben  wir  noch  die  Untersuchungen  Guar- 
nieriV),  der  beobachtet  hat,  dass  sowohl  das  zerstreute  als  das 
direkte  Sonnenlicht,  aber  besonders  dieses  letztere,  auf  die  Pneumo- 
kokkenkultur  eine  bedeutende  abschwächende  Wirkung  ausübt,  und 
dass  das  langsame  Trocknen  an  der  Luft  bei  37  °  C  eine  bemerkens- 
werte Veränderung  der  Virulenz  in  an  Diplokokken  reichem  Blute 
erzeugt,  während  das  gleiche  Material,  wenn  man  es  ebenfalls  bei 
37  •  C  in  einem  Trockenapparat  mit  Schwefelsäure  schnell  trocknen 
Hast,  die  Virulenz  bis  zu  4  Monaten  bewahrt. 

Patella1)  endlich  erwähnt  ganz  flüchtig  seine  in  demselben 
Sinne  gemachten  Untersuchungen,  indem  er  kurz  gefasst  sagt,  dass 
das  schnelle  Trocknen  der  im  Blute  infizirter  Kaninchen  enthaltenen 
Diplokokken  bei  38  °  C,  entgegengesetzt  den  von  Guarnieri  gemachten 
Beobachtungen,  dieselben  schnell  zerstört,  und  dass  dasselbe  Material, 
wenn  man  es  im  Trockenschrank  mit  Schwefelsäure  bei  17  oder  18  °  C 
halt,  sehr  abgeschwächt  wird,  während  langsames  Trocknen  bei  nie- 
driger Temperatur  dessen  Virulenz  lange  erhält. 

Wie  man  sieht,  sind  die  bezüglich  der  Widerstandsfähigkeit  des 
pneumonischen  Virus  gegenüber  den  äusseren  physikalischen  Einflüssen 
(Trocknen  und  Einwirkung  des  Sonnenlichts)  gemachten  Untersuchungen 
nur  an  dem  in  künstlichen  Substraten  kultivirten,  oder  im  Blute  in- 
fizirter Thiere  enthaltenen  Mikroorganismen  vorgenommen  worden, 
und  zuweilen  auch  mit  einander  widersprechenden  Resultaten.  Nur 
Guarnieri  weist  ganz  flüchtig  auf  die  Thatsache  hin,  dass  die 
Widerstandsfähigkeit  desPneumococcus,  der  im  Blute  und  im 
Spülwasser  pneumonischer  Auswürfe  enthalten  ist,  eine  grössere  sei, 
ah  die  Widerstandsfähigkeit  desselben  Mikroorganismus  in  den  Kul- 
turen. 

Niemand  also  hat  sich,  soviel  mir  bekannt,  in  besonderer  Weise 
damit  befasst,  den  Grad  der  Widerstandsfähigkeit  des  pneumonischen 
Virus,  wie  er  vom  Kranken  mit  den  Auswürfen  abgesondert  wird, 
gegenüber  der  Wirkung  des  Trocknens  und  des  zerstreuten  und  di- 
rekten Sonnenlichts  festzustellen,  welches  die  wichtigen  physikalischen 
Faktoren  sind,  denen  er  in  der  Aussenwelt  ausgesetzt  ist. 

Mir  schien  es  von  Wichtigkeit,  diesen  Punkt  in  der  Biologie 
des  Mikroorganismus  mit  Sicherheit  festzustellen,  und  zwar  zu- 
sieht vom  wissenschaftlichen  Standpunkt  aus;  denn  es  besteht  ein 
wenigstens  scheinbarer  Widerspruch  zwischen  den  Resultaten  der 
obenerwähnten  Untersuchungen  und  der  feststehenden  Thatsache,  dass 
der  Fraenkel'sche  Diplococcus  sowohl  in  der  entzündeten 
Longe  als  in  den  Kulturen  in  wenigen  Tagen  nicht  nur  die  Virulenz, 
sondern  auch  seine  Vitalität  verliert. 

Vom  praktischen  Gesichtspunkt  aus  habe  ich  sodann  im  Auge 

1)  Guarnieri,   Stndi  raU'  etiologla  della   polmonite.  (Atti  della  B.  Aceademia 
»efiea  di  Borna.  1888—89.  p.  87.) 

*)  Patella,  Bieerehe  batteriologiche  soHa  polmonite  ernpale.  (Atti  della  B.  Acea- 
'    medica  di  Borna.  1888—89.  p.  447.) 

20» 


908  Bordoni-Uffrednsii, 

gehabt,  ans  meinen  Untersuchungen  eine  Nutzanwendung  fl&r  die 
öffentliche  Hygiene  zu  ziehen,  nämlich  festzustellen,  ob  die  auf  die 
Desinfektion  bezüglichen  Maassnahmen,  die,  auf  Grund  wissenschaft- 
licher Daten  bei  anderen  Infektionskrankheiten  angewendet  werden, 
mit  gleichem  Hecht  auch  bei  der  Pneumonie  Anwendung  finden 
müssen. 

Ohne  hier  die  Frage  von  der  KontagiositÄt  der  Pneumonie  zu 
erörtern,  genügt  es  mir,  darauf  hinzuweisen,  dass  die  von  sogenanntes 
„Haus-  oder  Zimmerepidemieen44  bei  dieser  Krankheit  gemachten 
Beobachtungen  zahlreich  sind,  sowie  dass  das  spezifische  Bakterium 
in  reichlichem  Maasse  mittelst  der  Auswürfe  in  die  Aussenwelt  ge- 
langt Wenn  nun  die  direkte  Untersuchung  nachzuweisen  vermag, 
dass  sich  der  Diplococcus  in  diesen  Auswürfen  lange  Zeit  lebens- 
kräftig und  virulent  erh&lt,  wird  sich  auch  aus  diesen  Thateachen 
die  Notwendigkeit  ergeben,  ihn  an  den  Orten,  wo  er  von  des 
Kranken  abgelagert  wird,  mit  geeigneten  Mitteln  zu  zerstören. 

Zu  diesem  Zwecke  nahm  ich  die  pneumonischen  Auswürfe  von 
Schwerkranken  in  den  ersten  Stadien  der  Krankheit,  und  nachdem 
ich  mittelst  Einimpfungen  in  Kaninchen  festgestellt  hatte,  dass  sich  der 
Diplococcus  in  ihnen  in  stark  virulentem  Zustande  befand,  trock- 
nete ich  das  Material,  indem  ich  es  auf  Leinwandlappen  in  Häuf- 
chen von  der  gleichen  Grösse  zertheilte,  um  mich  möglichst  den  Be- 
dingungen zu  nähern,  wie  sie  in  der  Praxis  vorkommen.  Diese 
Lappen  wurden  in  einem  Zimmer  bei  zerstreutem  Tageslicht  an  der 
Luft  gelassen  oder  direkt  der  Sonne  ausgesetzt  Die  Experimente 
wurden  in  den  Monaten  Mai  und  Juni  dieses  Jahres  gemacht,  ib 
welchen  die  Temperatur  des  betreffenden  Zimmere  zwischen  18  and 
21  °  C  variirte. 

*  Von  den  im  Zimmer  getrockneten  Auswürfen  nahm  ich  alle  2  bis  5 
Tage,  und  von  den  der  Sonne  ausgesetzten  alle  paar  Stunden  eines  der 
Häufchen,  indem  ich  den  betreffenden  Theil  des  Lappens,  worauf  es  sich 
befand,  mit  der  Scheere  abschnitt.  Hierauf  brachte  ich  es  zum  Auf- 
quellen in  eine  4—5  ccm  sterilisirtes  Wasser  enthaltende  Porzdl&D- 
schale,  löste  es  dann  mit  einem  sterilisirten  Schnittmesser  von  dem 
Leinwandstückchen  ab,  verdünnte  es  mit  dem  Wasser  und  injizirte 
es  schliesslich  einem  Kaninchen  unter  die  Haut 

Ich  habe  dieses  Thier  gewählt  statt  der  weissen  Maus,  weil  es 
der  Einwirkung  der  anderen  pathogenen  Bakterien,  die  sich  mit  dem 
Pneumococcus  vermischt  im  Speichel  befinden  können,  besser 
widersteht  und  gleichzeitig  für  Diplokokkeninfektion  sehr  empfäng- 
lich ist. 

Offenbar  konnte  man  bei  diesen  Experimenten  nicht  von  Kultur 
sprechen,  da  es  sich  um  ein  unreines  Material  handelte,  wie 
es  der  Speichel  ist,  der  noch  dazu  frei  der  Luft  ausgesetzt  bleiben 
musste. 

Ich  habe  zwei  Serien  solcher  Experimente  mit  bei  diffusem 
Tageslicht,  und  eine  Serie  mit  bei  direktem  Sonnenlicht  getrockneten 
Auswürfen  gemacht;  die  Resultate,  die  ich  erhielt,  finden  sich  to 
den  folgenden  Tabellen  zusammengefasst: 


Uebar  di«  WWer»Undi«higkeit  4.  pneamonischen  Viru  in  d«o  Auwfirfen.     309 


Tabelle  I. 


Geimpfte  Kaninchen 

Dauer  des  Trocknens 
bei  diffusem  Licht 

Ausgang  der  Im- 
pfungen 

Befand 

1 
3 

3 

4 
5 
6 
7 
8 

8  Tage 
ö        „ 

a      ,, 

14       „ 
«       » 
8«       » 

Tod  nach  4  Tagen 
»»           4       ,« 

»    „ 

8       „ 

8       ,, 
Bleibt  am  Leben 

Diplokokken  -Septi- 
klmie 

»» 
it 
i» 
»» 

Die  Infektion  bleibt 
auf  die  Impfstelle  be- 
schränkt 

Wegen  Mangel  an  Material  konnten  die  Experimente  nicht  fort- 
gesetzt werden.  Das  mit  frischem  Aaswurf  geimpfte  Kaninchen  starb 
nach  drei  Tagen  mit  dem  gewöhnlichen  Befand. 

Ein  anderes  Kaninchen,  das  mit  dem  Material  geimpft  wurde, 
welches  zu  den  in  der  folgenden  Tabelle  angegebenen  Experimenten 
diente,  starb  ebenfalls  nach  drei  Tagen. 

Tabelle  IL 


Geimpfte  Kaninchen 

Daner  des  Trocknens 
bei  diflnsem  Licht 

Aasgang  der  Im- 
pfungen. 

Befund 

1 

5  Tage 

Tod  nach  6  Tagen 

Diplokokken-Septi- 

2 

10     „ 

♦>         ™        »» 

kftmie 

3 

lö      „ 

»i         *        » 

»i 

4 

80      „ 

ti           •          t) 

»> 

5 

85     „ 

i»          4         it 

>» 

6 

30      „ 

i»          4         |, 

»♦ 

7 

86      „ 

f»         8        ■« 

n 

8 

40      „ 

»»         4        ,, 

»» 

9 

60     „ 

.,         5        i* 

1» 

10 

66      „ 

,,         4         „ 

f» 

11 

60      „ 

Bleibt  am  Leben 

Zur  grösseren  Sicherheit  wurden  noch  Impfungen  nach  66  und 
<0  Tagen  vorgenommen,  und  die  geimpften  Thiere  blieben  ebenfalls 
•m  Leben. 

Andere  stark  virulente  pneumonische  Auswürfe  (2  mit  diesem 
Material  im  frischen  Zustande  geimpfte  Kaninchen  starben  nach 
48  Standen),  in  gleicher  Weise  auf  einem  Lappen  zertheilt, 
wurden,  wie  bereits  angegeben,  dem  direkten  Sonnenlicht  ausgesetzt 

_  Tabelle  III. 


^Pft«  Kaninchen 


Dauer  des  Trocknens 
an  der  Sonne 
(32—84»  C) 


1  Stunde 

2  Stunden 

*         „ 

6         ». 

18        „ 


Ausgang  der  Im- 
pfungen 


Tod  nach  6  Tagen 

»»  *        »i 

87      „ 

i»  6        »» 

n  S        ti 

i%  ™        »i 


Befund 


Diplokokken  Septik. 

»i 
Sehr  starke  Absehr. 
Diplokokk.  Septik. 


310  Fiedeler, 

Mit  Ausnahme  des  Kaninchens  No.  3,  welches  27  Tage  am 
Lieben  blieb,  bei  der  Autopsie  äusserste  Abzehrung,  ohne  Mikroor- 
ganismen im  Blute  aufweisend,  starben  alle  an  der  gewöhnlichen 
Form  von  Septikämie.  Das  Experiment  konnte  nicht  wiederholt 
werden,  da  sich  bei  der  vorgerückten  Jahreszeit  keine  schweren 
Fälle  von  Pneumonie,  die  das  nöthige  Material  hätten  liefern 
können,  mehr  darboten. 

Aus  diesen  Resultaten  geht  hervor,  dass  das  pneumonische  Virus 
in  den  Auswürfen  eine  grosse  Widerstandsfähigkeit  sowohl  gegen- 
über dem  Trocknen  als  der  direkten  Einwirkung  des  Sonnenlichts 
besitzt  Sie  stimmen  ausserdem  mit  den  Beobachtungen  überein,  die 
man  bereits  bezüglich  des  Widerstandsgrades  des  im  Blute  der  in- 
fizirten  Thiere  enthaltenen  Diplococcus  gemacht  hat,  und  die  viel 
geringere  Widerstandsfähigkeit  dieses  Mikroorganismus  in  den  Kul- 
turen lässt  sich  wohl  dadurch  erklären,  dass  in  den  Auswürfen  wie  im 
Blute  die  Eiweissstoffe,  wenn  sie  eintrocknen,  ein  Schutzmittel  für 
den  in  ihnen  enthaltenen  Diplococcus  bilden.  Diese  Erklärung 
dürfte  auch  in  der  von  Guarnieri  beobachteten  Thatsache  eine 
Stütze  finden,  dass  nämlich  durch  das  schnelle  Trocknen  des  diplo- 
kokkenhaltigen  Blutes  dessen  Virulenz  viel  länger  erhalten  wird,  als 
durch  langsames  Trocknen,  da  auf  jene  Weise  die  Bildung  der 
trocknen  äusseren  Schicht  begünstigt  wird. 

Wir  können  also  den  Schluss  ziehen,  dass  für  die  Prophylaxis 
der  Pneumonie  die  Desinfektionsmaassnahmen,  die  darauf  hinaus- 
laufen, das  spezifische  Virus  in  den  noch  frischen  Auswürfen  za 
zerstören,  nicht  genügen,  sondern  dass  ihnen  noch  andere  auf  die 
Desinfektion  der  Wohnräume  bezügliche  Maassnahmen  hinzugefügt 
werden  müssen,  da  die  eingetrockneten  Auswürfe  noch  lange  Zeit 
virulent  bleiben  und,  sodann  unter  der  Form  von  Staub  in  die  Luft 
gelangend,  die  Uebertragung  des  Ansteckungsstoffes  bewerkstelligen 
können. 

Turin,  12.  Aug.  1891. 


Ueber  die  Brustseuche  im  Eoseier  Landgestüte  und  über 
den  Krankheitserreger  derselben. 

Von 

Dr.  Fiedeler, 

KreUthierarst  in  Breslau. 

Im  13.  Bande  des  Archivs  für  wissenschaftliche  und  praktische 
Thierheilkunde  veröffentlicht  Schütz  eine  bakteriologische  Arbeit 
über  die  Brustseuche  des  Pferdes ,  als  deren ,  durch  zahlreiche  Ver- 
suche und  Untersuchungen  gewonnenes  Ergebniss  er  den  Nachweis 
betrachtet,  dass  eine  von  ihm  gezüchtete  und  genau  beschriebene 
Bakterienart  die  Ursache  jener  Seuche  bilde;  dass  ferner  diese  Bakterien 
als  die  Krankheitserreger  einer  jeden  genuinen  Pferde-Lungenent- 
zündung zu  betrachten  seien  und  dass  demnach  diese  Krankheit  auf 


Ueber  die  Brustseuehe  im  Koseier  Landgest&te.  311 

einer  ursächlichen  Einheit  beruhe,  deren  seuchenartige  Aasbreitang 
als  „Brustseuehe"  bezeichnet  werde. 

Hiergegen  wird  nun  von  Baumgarten1)  —  unter  voller 
Würdigung  and  Anerkennung  der  höchst  beachtenswerten  Schatz- 
seben Untersachungsergebnisse  —  der  Einwand  erhoben,  dass  in  der 
Reihe  der.  beweisenden  Thatsachen  durch  die  Schatz 'sehe  Methode 
der  Reinzachtang,  welche  als  aasreichend  nicht  erachtet  werden  könne, 
eise  Lücke  vorhanden  sei,.  Das  Verfahren,  Parenchymsaft  der  er- 
krankten Lungentheile  mittelst  Einstiches  auf  Gelatine  zu  übertragen, 
gewährt  keine  Bürgschaft  dafür,  dass  alle  in  dem  Aussaatmateriale 
vorhandenen  Keime  zur  Entwicklung  gelangen.  Es  schliesse  insbe- 
sondere die  Möglichkeit  aus,  dass  der  A.  Fränkel'sche  Pneumonie- 
Coccus  zur  Entwickelung  gelangen  könne.  War  er  aber  in  dem  Aus- 
saatmateriale vorhanden,  so  konnte  er  immerhin,  wenn  auch  nicht 
fortentwickelt,  so  doch  wirksam  mit  den  Schatz'schen  Gelatine- 
Kulturen  fibertragen  werden.  Sei  es  von  vornherein  wahrscheinlich, 
dass  zwei  so  gleichartige  Krankheitsprozesse  wie  die  croupöse  Pneu- 
monie der  Menschen  einerseits,  und  die  des  Pferdes  andererseits, 
durch  eine  and  dieselbe  Ursache  bedingt  werden,  so  weist  die  An- 
gabe Peterlein's*),  dass  in  einem  von  ihm  beobachteten  Falle  von 
croupöser  Pneumonie  beim  Pferde  Kapselkokken,  die  durch  Gram 's 
Verfahren  nicht  entfärbt  wurden,  vorhanden  waren,  direkt  auf  die 
Gegenwart  der  A.  Frank eTschen  Pneumoniekokken  in  dem  be- 
treffenden Falle  hin.  Es  dürften  demgem&ss  erst  weitere  Unter- 
suchungen mit  Anwendung  der  von  Fränkel  befolgten  Isolations- 
methode abzuwarten  sein,  ehe  den  Schatz'schen  Kokken  die 
Dignität,  die  Erreger  und  speziell  die  alleinigen  Erreger  der  Brust- 
seuche des  Pferdes  darzustellen,  rückhaltelos  zuerkannt  werden  könne. 

Auf  Grund  zahlreicher  Impf  versuche  und  klinischer  Beobachtungen 
will  Lustig*)  als  Ursache  der  Brustseuche  einen  Bacillus  aufge- 
funden haben,  welcher  von  dem  Schatz'schen  Bacillus  in  wesent- 
lichen Eigenschaften  abweicht  Derselbe  zeichnet  sich  aas  durch  ein 
beschränktes  Wachsthum  auf  der  Oberfläche  und  im  Stichkanale, 
zeigt  nageiförmige  Kulturformen,  nimmt  Gram 'sehe  Färbung  an 
wd  wächst  nicht  weiter,  sobald  er  durch  zufällige  Verflüssigung 
der  Gelatine  sich  auf  den  Boden  des  Reagenzglases  gesenkt  hat 
Auf  Kaninchen  and  weisse  Mäuse  übt  er  keine  pathogene  Wirkung  aus. 

Platten-Reinkaltaren  hat  auch  L.  nicht  angelegt. 

Hell4)  hält  es  auf  Grund  seiner  zahlreichen  Versuche  aber- 
hopt  für  zweifelhaft,  ob  die  Schatz'schen  Kokken  die  spezifischen 
weger  der  Brustseuche  sind.  Der  "bestimmte  Machweis  würde  erst 
dann  erbracht  sein,  wenn  durch  ein  mit  Brustseuche-Kokken  geimpftes 
Pferd  durch  Zusammenstehen  mit  einem  gesunden  Pferde  die  Krank- 
heit auf  dem  Wege  der  natürlichen  Ansteckung  abertragen  würde. 

Und  in  einem  späteren  Artikel  •)  stellt  er  die  Behauptung  auf, 

1)  Jahresberieht  über  die  pathogenen  Organismen.    1887. 

*)  Jahresbericht  u.  s.  w.  von  8 e h ü  t s  und  Ellen  berge r.    6.  Jahrg. 

3)  Diese  Zeitschrift.    1888. 

4)  Zeitsehrift  Ar  Veterinftrknnde.  1889.  8. 
*)  Zeitsehrift  Ar  Veterinirkoade.  1890.  8. 


312  Fiedeler, 

dass  sich  mit  Hülfe  unserer  bekannten  Untersuchungsmethoden  Unter- 
scheidungsmerkmale zwischen  Eiter-  bezw.  Erysipel-Streptokokken 
einerseits  und  Brustseuche-Kokken  andererseits  nicht  nachweisen 
lassen,  dass  diese  Bakterienarten  vielmehr  in  morphologischer  und 
biologischer  Hinsicht,  sowie  in  Bezug  auf  ihr  Verhalten  zu  Impf« 
thieren  vollständig  übereinstimmen. 

Mit  Platten-Reinkulturen  hat  auch  H.  nicht  gearbeitet 

Nach  Dieckerhoff l)  kann  die  Brustseuche  —  auf  Gruoc 
seiner  klinischen  Erfahrungen  —  nur  durch  die  krankmachende  Ein- 
wirkung eines  organisirten  Stoffes  besonderer  Art  entstehen,  das 
Wesen  dieses  Infektionsstoffes  wurde  aber  bislang  mit  Sicherheil 
nicht  nachgewiesen.  An  einer  anderen  Stelle  (S.  216)  geräth  er  mit 
dieser  Annahme  dadurch  in  einen  gewissen  Widerspruch,  dass  er  die 
Stoffe,  welche  im  Blute  die  Allgemeinerkrankungen  hervorrufen,  für 
Gifte  hält,  dass  aber  der  Ansteckungsstoff,  wie  durch  die  von  ihn 
und  H er t wich  ausgeführten  subkutanen  und  venösen  Impfvereudw 
erwiesen,  im  Blute  der  erkrankten  Thiere  nicht  vorhanden  sei. 

Im  Herbste  des  verflossenen  Jahres  herrschte  unter  den  Be- 
schälern des  Koseier  Landgestütes  die  Brustseuche  in  grosser  Aas- 
breitung  und  Bösartigkeit,  und  ich  benutzte  diese  mir  gebotene  Ge- 
legenheit zur  Vornahme  von  bakteriologischen  Versuchen  und  Unter- 
suchungen, welche  aber  —  anfangs  nur  zu  diagnostischen  Zwecket 
begonnen  —  durch  ständige  Zunahme  des  wissenschaftlichen  Mate- 
rials, insbesondere  aber  durch  die,  durch  meine  Litteratur-Studiea 
gewonnene  Erkenntnis*,  dass  die  Schütz'schen  Untersuchung* 
ergebnisse  eine  allseitige,  bedingungslose  Anerkennung  bislang  nicht 
gefunden  haben,  weit  über  das  ursprünglich  gesteckte  Ziel  hinaus- 
gingen und  schliesslich  zu  Ergebnissen  führten,  welche  die  Veröffent- 
lichung derselben  als  lohnend  und  wünschenswert  mir  erscheine]] 
Hessen. 

Von  vornherein  bemerke  ich  jedoch,  dass  ich  bei  meiner  Arbeit 
nur  die  Lösung  der  rein  praktischen  Frage  —  die  Erforschung  um 
Klarlegung  der  ursächlichen  Verhältnisse  —  im  Auge  gehabt  habt 
und  mich  aus  verschiedenen  Gründen  auf  histologische  Untersuchungen 
gar  nicht,  und  auf  mikroskopische  nur  soweit  einlassen  konnte,  ab 
sie  mir  zur  Klarstellung  des  Thatbestandes  nothwendig  erschienen 
Ist  doch  überhaupt  in  der  Praxis  und  ohne  Assistenten  die  Aus- 
führung der  so  ausserordentlich  mühsamen  und  zeitraubenden  bakterio- 
logischen Arbeiten  schwierig  und  muss  desshalb  der  rein  wissenschaft- 
liche Theil  derselben  —  nach  meinem  Dafürhalten  —  in  die  nn( 
anderen  Mitteln  ausgestatteten  "bakteriologischen  Anstalten  verwiese! 
werden. 

Im  Allgemeinen  habe  ich  den  Schütz'schen  Arbeitsplan  zu* 
Richtschnur  genommen,  jedoch  die  Anlage  von  Platten-Reinkulturen 
mir  sogleich  zur  Aufgabe  gestellt,  womit  ich  ja  durch  die,  in  0* 
meinschaft  mit  meinem  Freunde  Dr.  Bleis ch,  dem  ich  so  manche 
wissenschaftliche  Anregung  und  Belehrung  verdanke,  ausgeführten 
bakteriologischen  Versuche  über    die  Krzanowitzer   Schweineseucüe 

1)  Bpeilelle  PathologU  u.  s.  w.  S.  208. 


Uebar  die  Brustseoche  im  KeMler  Landgestftte.  3J3 

hinlänglich  vertraut  geworden  war.  Und  später  habe  ich  aas  den 
weiter  zu  erörternden  Gründen  die  Reinkulturen  unmittelbar  aus 
dem  Blute  kranker  Thiere  durch  das  Plattenverfahren  gezüchtet  und 
ferner  zur  Erprobung  der  pathologischen  Eigenschaften  der  Rein- 
kulturen Kaninchen  und  Mäuse  geimpft,  deren  Infektionsfähigkeit 
von  Schütz  nachgewiesen  war. 

Zur  Klarlegung  des  Thatbestandes  will  ich  nun  zunächst  einige 
kurze  klinische  Bemerkungen  vorausschicken. 

Das  Koseier  Landgestüt  liegt  auf  einer  Insel,  welche  durch  die 
Oder  und  den  sog.  Fluthgraben  gebildet  wird,  in  einer  Bodensenkung, 
welche  unter  dem  Wasserspiegel  der  Oder  gelegen  ist.  Da  ausser- 
dem der  Untergrund  aus  mächtigen  Thonschichten  besteht,  so  ist 
der  Grundwasserstand  ständig  ein  hoher. 

Es  waren  daselbst  beim  Ausbruche  der  Seuche  in  4  grossen 
und  einem  kleinen  —  dem  Krankenstalle  —  139  Deckhengste  und 
4  sog.  Klepper  —  zusammen  also  143  Hengste  untergebracht.  Stall 
2,  3  und  4  liegen  in  3  miteinander  verbundenen  Flügeln ,  Stall  1 
etwa  100  Schritt  davon  entfernt  und  durch  ein  dazwischen  liegendes 
Wärter -Wohnhaus  getrennt,  ganz  isoürt.  In  seiner  unmittelbaren 
Nähe  befindet  sich  der  aus  6  Laufständen  und  einem  Kutschstalle, 
in  welchem  die  Klepper  untergebracht  sind,  bestehende  Krankenstall. 

Alle  Ställe  sind  hoch  und  luftig  und  lässt  sich  in  gesundheit- 
licher Beziehung  gegen  ihre  Beschaffenheit  nichts  einwenden. 

Am  20.  November  1890  hatte  der  in  Stall  3  aufgestellte  Deck- 
hengst „Jupiter41  sein  Morgenfutter  nicht  ganz  verzehrt,  da  er  sich 
aber  sonst  munter  zeigte,  machte  er  den  Morgenritt  mit,  welcher  auf 
dem  durch  das  nasse  Wetter  tief  erweichten  Reitplatze,  sehr  an- 
strengend gewesen  sein  musste,  denn  „Jupiter41  kehrte  —  schweiss- 
triefend  —  in  seinen  Stall  zurück. 

Um  10  Uhr  stellten  sich  heftige  Schüttelfröste  bei  ihm  ein,  ohne 
dass  dabei  eine  Temperaturerhöhung,  wie  durch  mehrfache  Messungen 
festgestellt  wurde,  nachzuweisen  war. 

Zwei  Stunden  später  zeigte  sich  das  Thier  hochgradig  erkrankt 

»40,6  Mastdarm-Temperatur,  über  100  eilende,  unregelmäßige  Pulse. 

Der  Herzepitzenstoss   ist  pochend  und  auf  beiden  Seiten  zu  fühlen. 

80  costo-abdominale,  von  Röcheln  begleitete  Athemzüge;  bei  jeder 
Ausathmung  wird  der  Kehlkopf  ruckweise  nach  vorne  gezogen. 

Aus  beiden  Nasenlöchern  fliesst  zeitweilig  schaumiges  Blut,  im 
Ganzen  mehr  wie  2  Liter.       Dabei  werden  Sohluokbewegungen  ausgelöst 

Die  Bindehaut  ist  tief  ziegelroth  gefärbt 

Bei  Druck  auf  die  Brustwsndungen  sucht  das  Thier  unter  lauten 
^unerzensäusserungen  auszuweichen." 

Am  Abend  hatte  sich  der  Krankheitszustand  noch  verschlimmert 
„41,5  Körper-Temperatur.     Der  Puls  ist  nicht  mehr  fühlbar.    Herz- 

•chlag  und  Herztöne  unregelmässig. 

Das  Thier  liegt  viel,  zuweilen  steht  es  mit  grosser  Mühe  und  unter 

lauten  Bchmerzensäusserungen  auf  und  geht  dann  sehwankend  im  Stalle 

umher. 

Grosse  Athemnoth." 


314  FiedeJer, 

Am  nächsten  Morgen  war  der  Tod  eingetreten,  und  wurde  durch 
die  4  Stunden  nach  demselben  ausgeführte  Leichenöffnung,  nach  Aus- 
weis des  darüber  ausgefertigten  Berichtes,  folgender  Befund  gemacht: 

„Die  Leiche  des  6  Jahr  alten,  dem  ostpreussiBchen  Schlage  ange- 
hörigen  Hengstes  befindet  sich  in  gutem  Ernährungszustände. 

Aus  den  Nasenlöchern  tropft  eine  blutig-schaumige  Flüssigkeit;  die 
Nasenlochränder  sind  mit  einer  blutigen  Kruste  eingefasst 

Die  oberflächlichen  Hautvenen  mit  dunkelrothem,  theerartigem  Blute 
prall  gefüllt;  das  Unterhautbindegewebe  an  der  Brustwandung  gelatine- 
artig infiltrirt1). 

Skelettmuskulatur  lehmfarbig,  wie  gekocht 

Beide  Blätter  des  Brustfelles  sind  stellenweise  rauh  und  undurch- 
sichtig und  mit  einer  dünnen  Easerstoffschicht  belegt. 

Die  unvollständig  zusammengefallenen  Lungen  fühlen  sich  derb  an. 
Auf  der  glatten  Schnittfläche  derselben  wechseln  grössere,  dunkelrothe 
Felder  mit  kleineren  hellrothen  in  der  Art  ab,  dass  die  enteren  in  den 
vorderen  Lungenlappen  und  nahe  der  Pleura  am  zahlreichsten  und 
grössten  sind. 

Auf  Druck  entleert  sich  aus  der  Schnittfläche  dunkelrothes,  zähes  Blut 

In  der  Luftröhre  und  den  Bronchien  schaumiges  Blut 

Das  Herzfleisch  ist  welk  und  schlaff,  lehmfarbig,  wie  gekocht 

Unter  dem  Epi-  wie  Endocardium  zahlreiche  kleine  Blutpünktchen. 
Das  Endocardium  stellenweise,  besonders  auf  den  Papillar-Muskeln  de» 
linken  Ventrikels,  streifig,  und  die  Klappen  und  die  Intima  der  Aorten- 
stämme diffus  hellroth  gefärbt 

Die  Milz  ist  vergrössert,  die  Pulpa  vermehrt,  Trabekeln  verwischt 
Leber  gelbbraun  und  fleckig  getrübt  Die  Nieren  auf  der  Durchschnitte- 
fläohe  dunkelroth  und  getrübt" 

Das  Pferd  hatte  demnach  an  einer  hämorrhagischen  Lungen-Brust- 
fellentzündung und  einer  Endo-  und  Myocarditis  gelitten,  welche  Krank- 
heiten, wegen  der  Miterkrankung  der  grossen  Parenchyme,  infektiöser 
Natur  zweifellos  gewesen  sein  mussten  und  durch  Herzlähmung  den 
Tod  herbeigeführt  hatten. 

Auffällig  war  der  ausserordentlich  schnelle  Verlauf  der  Krankheit, 
auf  welchen  zweiffellos  die  verhältnissmässig  grossse  Anstrengung  im 
Anfangsstadium  der  Krankheit  einen  bestimmenden  Einfluss  aus- 
geübt hat 

Am  22.  November  erkrankte  in  dem  einzeln  gelegenen  Stall 
ein  Hengst,  welcher  mit  6  anderen,  dem  Shirehorse-Schlage  ange- 
hörenden Remonten,  am  9.  November  nach  Kosel  eingeführt  war,  und 
am  7.  Dezember  erkrankte  in  demselben  Stalle  ein  anderer  Hengst, 
und  nun  in  schneller  Reihenfolge  noch  11  andere  Thiere,  —  unter 
ihnen  noch  8  von  jenen  Remonten,  —  so  dass  in  diesem  Stalle  von 
dem  Gesanimtbestande  15  Thiere  erkrankten  und  14  von  der  Krank- 
heit verschont  blieben. 

Am  11.  bezw.  12.  Januar,  also  beinahe  8  Wochen  nach  dem 
ersten  Falle  erkrankten  in  Stall  3  zwei  Hengste  und  am  22.  des- 


1)  Es  hatte  ein«  Begleitung  mit  Senf  dl  stattgefunden. 


Uetor  die  BmaUeuche  Im  Koselcr  LandgertüU.  315 

selben  Monats  noch  einer,  und  wurden  alle  bis  dahin  streng  aufrecht 
erhaltenen  Absperrungsmaassregeln  als  unnütz  erachtet  und  deshalb 
aufgehoben. 

Am  22.  Januar  trat  der  erste  Krankeitsfall  in  Stall  2  und  am 
30.  Januar  in  Stall  4  auf  und  nun  ging  es  in  schneller  Reihenfolge 
bunt  durcheinander,  so  dass  am  24.  Februar  77  Krankheitsfälle,  etwa 
50%  des  Gesammtbestandes,  vorhanden  waren. 

Es  starben  davon  13  Stück,  ungefähr  also  16%,  ein  Verlustver- 
hältniss,  welches  mit  den  Dieck  er  hoff 'sehen  Erfahrungen  und  An- 
gaben übereinstimmt. 

Die  Thiere  erkrankten  unter  einem  Krankheitsbilde  y  welches 
von  Dieckerhoff  und  Anderen  als  „Brustseuche44  bezeichnet  und 
beschrieben  wird. 

Die  Krankheit  setzte  ein  mit  einer  Temperatur  von  39  bis  41,7, 
und  war  von  der  Höhe  der  Anfangstemperatur  bereits  ein  meistens 
richtiger  Schluss  auf  den  zu  erwartenden  Krankheitsverlauf  zu 
machen. 

Der  Puls  stand  gewöhnlich  auf  50 — 60,  in  schweren  Fällen  bis 
100  und  darüber. 

Körperschwäche  und  Eingenommenheit  des  Kopfes  waren  meistens 
wenig  auffällig  und  traten  nur  bei  den  schweren  Herz-  und  Darm- 
leiden in  den  Vordergrund. 

Ebenso  war  der  Appetit  in  den  meisten  Fällen  wenig  getrübt 
and  fehlte  auf  längere  Zeit  nur  bei  Komplikationen  mit  Magen-  und 
Dannerkrankungen. 

Die  Athembeschwerde  wurde  erst  auffällig  mit  der  Zunahme  der 
Lokalerkrankungen,  was  meistens  mit  dem  3.  oder  4.  Krankeitstage 
erfolgte.  Die  Art  derselben  war  natürlich  abhängig  von  der  Art  der 
Brusterkrankung. 

Die  Bindehaut  war  fast  ausnahmslos,  und  zwar  bald  nach  Beginn 
der  Krankheit  tief  gelbroth  gefärbt. 

Nasenausfluss  gering,  anfangs  wasserhell,  ausnahmsweise  nahm 
er  eine  rostfarbene  Beschaffenheit  an  und  war  dann  stets  der 
Aasdruck  eines  schweren  Leidens  und  —  mit  Blut  vermischt  —  fast 
immer  der  Vorbote  des  Todes. 

Mikroskopisch  enthielt  der  rostfarbene  Ausfluss  —  neben  rothen 
und  weissen  Blutkörperchen  —  zahlreiche  ovale  Organismen  und 
Diplokokken.  Eine  mit  diesem  Ausflüsse  geimpfte  weisse  Maus  zeigte 
sich  einige  Tage  krank,  erholte  sich  dann  aber  wieder  vollständig. 

Husten  trat  gewöhnlich  erst  auf  der  Krankheitshöhe  ein  und 
zagte  keine  charakteristische  Beschaffenheit 

Von  den  Lokalerkrankungen  bildete  die  Lungenentzündung  die 
stehendste  Krankheitserscheinung,  deren  Feststellung  meistens  erst 
am  3.  oder  4  Krankheitstage,  —  wenn  die  Hepatisation  einen  gewis- 
sen Umfang  erreicht  hatte,  möglich  war.  Sie  erstreckte  sich  öfter 
auf  beide  Lungen ,  was  aber  nicht  immer  als  tödtliches  Krankheits- 
seichen angesehen  wurde.  Wenn  nur  das  Herz  nicht  hochgradig 
nritergriffen  war,  so  führten  solche  Fälle  öfter  zur  Genesung  und 
*ar  dann  in  ganz  kurzer  Zeit  die  Wegsamkeit  der  Lungen  wieder 


316  FUdeler, 

Brustfellentzündungen  fehlten  häufig,  besonders  im  Anfange  des 
Seuchenganges. 

Ein  gefahrdrohendes  Krankheitszeichen  bildete  stets  die  häufige 
Miterkrankung  des  Herzens,  welche  in  vielen  Fällen  in  den  Vorder- 
grund trat  und  leicht  zu  Kollaps  führte.  Es  mag  dabei  das  geringe 
„Training"  der  Hengste  eine  begünstigende  Bolle  gespielt  haben. 

Magen-  und  Darmerkrankungen  wurden  mehrfach,  eine  hervor- 
ragende Mitbetheiligung  der  Skelettmuskulatur  dreimal  beobachtet 

Nephritis  fehlte  in  den  schweren  Fällen  nie  und  scheinen  die 
Nieren  ein  Hauptabzugsrohr  für  die  Bakterien  zu  bilden. 

Bei  den  mehrfachen  Harnuntersuchungen  fanden  sich  —  neben 
den  weissen  Blutkörperchen  und  den  Harncylindern  —  stets  eine 
grosse  Menge  von  ovoiden  Bakterien  und  zahlreichen  Leukocyten, 
welche  mit  jenen  vollgepfropft  waren.  Eine  Maus,  welche  mit  einigen 
Tropfen  Harn  geimpft  wurde,  welcher  von  einem  mit  Nephritis  be- 
hafteten Pferde  stammte  und  möglichst  antiseptisch  gewonnen  war. 
ging  an  „Septikämie"  zu  Grunde. 

Von  Nachkrankheiten,  die  aber  stets  einen  günstigen  Verlauf 
nahmen,  traten  zweimal  eine  Anschwellung  der  Beugesehnen  und 
dreimal  Konjunktivitis  und  Iritis  auf. 

Die  Ansteckungsfähigkeit  der  Krankheit  wurde  durch  den  Ver- 
lauf ganz  augenscheinlich  offenbart.  Die  ersten  Fälle  traten  fast 
immer  in  den  Eckständen  auf  —  wo  die  Luftsäulen  am  meisten  stag- 
niren,  die  Ventilation  am  geringsten  ist  —  dann  wurden  die  Nach- 
barn ergriffen,  wobei  manchmal  ein  oder  mehrere  Thiere  überschlagen 
wurden,  und  so  verbreitete  sich  die  Krankheit  so  lange,  bis  alle  is- 
fektionsf&higen  Thiere  erkrankt  waren. 

Im  Anfang  ging  die  Ausbreitung  langsam,  wenn  aber  erst  meh- 
rere Fälle  in  einem  Stalle  waren,  ging  es  schneller,  so  erkrankten 
am  1.  Februar  sechs,  am  2.  zwölf  und  am  3.  wiederum  sechs  Thiere. 

Die  Bekonvalescenz  war  meistens  kurz,  selbst  in  schweren  Fällen 
haben  sich  die  Thiere  in  auffallend  kurzer  Zeit  —  in  8—14  Tages 
und  noch  schneller  —  erholt,  nur  nach  den  schweren  Magen-  und 
Darmleiden  währte  sie  länger. 

Von  einer  Vorliebe  der  Krankheit  für  einen  bestimmten  Schlag  oder 
ein  bestimmtes  Alter  konnte  nichts  bemerkt  werden,  der  Prozentsatz  der 
Erkrankungen,  wie  der  Verluste  zu  der  Oesammtzahl  ist  annähernd! 
derselbe  bei  den  gemeinen  und  edlen  Pferden,  wie  auch  bei  den  jun- 
gen und  alten.  So  erkrankten  in  Stall  2,  in  welchem  ausschliesslich! 
Pferde  des  gemeinen  Schlages  untergebracht  waren,  von  30  Pferden 
15,  und  in  Stall  4,  wo  nur  junge  Pferde  der  edleren  Schiige 
standen,  blieben  von  32  Pferden  15  von  der  Krankheit  verschont 

Von  den  Gestorbenen  waren  5  Ostpreussen,  bezw.  Graditzer, 
5  Hannoveraner  und  3  Kaltblüter. 

Auch  von  einer  Abschwächung  der  Bösartigkeit  mit  der  Dauer 
des  Seuchenganges  war  nichts  zu  bemerken,  im  Gegentheil  war  der 
Verlauf  am  bösartigsten  am  Schlüsse,  als  die  Seuche  bereits  im  We- 
sentlichen zum  Abschlüsse  gelangt  war. 

Deber  die  Art  der  Einschleppung  und  ob  überhaupt  eine  solche 
stattgefunden  hat,  herrscht  völlige  Unklarheit    Es  liegt  ja  nahe,  die 


Ueber  die  Brtutseoch«  im  Koseier  Landgestflte.  317 

Shirehorser  als  Infektionsträger  anzuschuldigen  und  umsomehr,  als 
dieselben  bis  zu  ihrer  Ueberführung  nach  Kosel  in  dem  Stalle  eines 
Berliner  Grosshändlers  gestanden  hatten.  Indess  lässt  sich  diese 
Annahme  mit  der  Thatsache  schwer  in  Einklang  bringen,  dass  der 
erste  Seuchenfall  in  einem  anderen  Stalle  und  bei  einem  Pferde  auf- 
trat, welches  mit  jenen  Remonten  gar  nicht  in  Berührung  gekommen 
war,  und  dass  erst  3  Tage  nach  dem  ersten  Falle  —  12  Tage  nach 
der  Einführung  —  der  erste  Shirehorser  erkrankte. 

Ausserdem  spricht  die  Thatsache  dagegen,  dass  von  den  6  Re- 
monten rier  an  Brustseuche  in  Kosel  erkrankten.  Es  läge  ja  die 
Möglichkeit  vor,  dass  ihre  Infektion  auf  dem  Transport  erfolgt  wäre, 
wenn  der  erste  Erkrankungsfall  unter  ihnen  aufgetreten  wäre. 

Ebensowenig  sind  bestimmte  Anhaltspunkte  für  die  Annahme 
einer  anderen  Einschleppung,  oder  einer  Selbstentwickelung  an  Ort 
and  Stelle  vorhanden.  Thatsache  ist,  dass  in  dem  Koseier  Kreise 
seit  Jahren  wohl  der  Rothlauf,  nicht  aber  die  Brustseuche  geherrscht 
hat,  und  ferner,  dass  Einzelfälle  der  Brustseuche  im  Koseier  Gestüte, 
soweit  sich  das  eben  feststellen  lässt,  öfter  beobachtet  worden  sind. 

Ob  nun  der  hohe  Grundwasserstand  des  letzten  Jahres,  in  Ver- 
bindung vielleicht  mit  der  ungünstigen  hydrographischen  Lage  des  Ge- 
stütes, einen  Einfluss  auf  den  seuchenartigen  Verlauf  ausgeübt  hat, 
and  unter  gewöhnlichen  Verbältnissen  die  Bedingungen  für  eine 
spontane  Entwickelung  daselbst  vorhanden  sind,  muss  in  das  Gebiet 
der  theoretischen  Erörterungen  verwiesen  werden. 

Der  zweite  Ausbruch  der  Seuehe  in  Stall  3  muss  auf  eine  Ein- 
schlepptmg  aus  Stall  1  zurückgeführt  und  kann  wohl  nicht  als  Fort* 
Setzung  des  ersten  Seuchenfalles  betrachtet  werden,  da  zwischen 
beiden  Fällen  ein  Zeitraum  von  beinahe  acht  Wochen  liegt.  Die 
Kupirung  der  Seuche  lässt  sich  erklären  durch  die  schnelle  Absper- 
rung des  ersten  Kranken  und  die  gründliche  Desinfektion. 

Bezüglich  der  Behandlung  möchte  ich  kurz  bemerken,  dass  die 
Verabreichung  von  Kaltwasserklystiren  und  Fiebermitteln  einen  deut- 
lich erkennbaren  günstigen  Einfluss  auf  den  Krankheitsverlauf  aus- 
geübt haben,  und  dass  besonders  die  subkutane  Injektion  von  Tinct. 
Digital,  bei  Herzleiden  und  die  Begiessungen  mit  Senföl  bei  Brust- 
leiden, selbst  wenn  eine  Brustfellentzündung  noch  nicht  deutlich  er- 
kennbar war,  ganz  ausgezeichnete  Dienste  geleistet  haben. 

(Fortaetiung  folgt.) 


318  Taberculoie 


Referate. 


r.  Brunn -Ltppsprlnge,  Ueber  die  prognostische  Be- 
deutung des  Tuberkelbacillus.  (Dtsch.  med.  Wochenachr. 
1891.  No.  4.) 

In  Fortsetzung  seines  Vortrages  über  die  Aetiologie  und  Pro« 
phylaxe  der  Lungenschwindsucht  (vgl.  Referat  in  dieser  Zeitschrift. 
Bd.  IX.  No.  20)  verbreitet  sich  v.  Brunn  über  die  Prognose  der 
Schwindsucht. 

Er  erklärt  es  zunächst  für  verkehrt,  aus  dem  Tuberkelbacillen- 
befund  im  Auswurf  eine  absolut  schlechte  Prognose  für  den  einzelnen 
Fall  abzuleiten.  Denn  dass  die  Ansiedelungen  der  Bacillen  in  der 
Lunge  isolirt  bleiben  und  gänzlich  zu  Grunde  gehen  können,  bat 
Kurlow  bewiesen,  indem  er  die  kalkigen  Knoten  und  narbigen  Ver- 
dichtungen in  den  Lungenspitzen  von  Verstorbenen,  welche  während 
ihres  Lebens  als  geheilte  Phthisiker  angesehen  worden  waren,  auf 
Meerschweinchen  fiberimpfte,  ohne  diese  dadurch  tuberculös  zu  in- 
fiziren.  Es  sprechen  diese  Versuche  zu  Gunsten  der  Annahme 
Buchner 's,  dass  der  Körper  sich  der  einmal  eingedrungenen  Keime 
zu  erwehren  sucht,  indem  er  mittelst  reaktiver  Entzündung  einen 
Leukocytenwall  gegen  dieselben  aufführt,  dass  dieser  Wall  es  für 
gewöhnlich  den  Bakterien  sehr  erschwert,  sich  weiter  auszubreiten, 
und  dass  endlich  diese  regressiven  Veränderungen  unterliegen  und  zu 
Grande  gehen,  worauf  dann  nur  noch  die  Narbe  oder  der  Kalkknoten 
zurückbleibt. 

Nach  Brunn's  Auffassung  kommt  dieser  günstige  Ausgang  vor- 
nehmlich da  zu  Stande,  wo  nur  wenige  Tuberkelbacillen  in  die  Lunge 
eingedrungen  sind;  gelangen  dagegen  die  verderblichen  Keime  in 
grösserer  Menge  in  die  Athmungsorgane,  so  wird  es  ihnen  leichter, 
den  Leukocytenwall  zu  durchbrechen  und  weitere  Lungentheile  zu 
infiziren  oder  sogar  eine  allgemeine  Tnberculose  hervorzurufen.  Es 
wird  daher  bei  dem  Auftreten  grösserer  Mengen  von  Tuberkelbacillen 
im  Auswurf  von  Phthisikern  die  Prognose  ziemlich  ungünstig  zu 
stellen  sein. 

Anhangsweise  verbreitet  sich  v.  Brunn  noch  über  den  Zu- 
sammenhang von  raschen  Verschlimmerungen  in  tuberculösen  Pro- 
zessen der  Lunge  mit  der  Operation  der  Mastdannfistel.  Er  glaubt 
einen  solchen  Zusammenhang  bestimmt  annehmen  zu  dürfen;  denn 
durch  die  besagte  Operation  würden  oft  latente  Bacillenherde  aufge- 
deckt, bezüglich  von  dem  sie  umgebenden  Leukocytenwall  befreit; 
die  Bacillen  gelangten  dann  in  die  Lymph-  oder  gar  in  die  Blutbahn 
und  hätten  dadurch  die  Möglichkeit,  entfernte  Körpertheile  der  Or- 
gane frisch  zu  infiziren. 

Auf  gleiche  Weise  erklärt  sich  Verf.  ähnliche  Vorkommnisse  nacn 
Operationen  an  fungösen  Gelenken  oder  skrophulösen  Drüsen  u.  dergL 

Kubier  (Berlin). 


TabereuioM,  3]  9 

Weyl,  Zar  Chemie  und  Toxikologie  des  Tuberkel- 
bacillus.    (Deutsche  med.  Wochenschr.  1891.  No.  7.) 

Id  Band  VIII.  No.  11  dieser  Zeitschrift  hat  Büchner  hoch- 
interessante Untersuchungen  mitgetheilt,  in  denen  er  zu  dem  Re- 
sultate gelangte,  dasa  der  Zellenleib  der  Friedl&nder'schen 
Pneumoniebacillen  aus  einem  Eiweisskörper  besteht,  welcher  bakterien- 
freie Eiterung  zu  erregen  im  Stande  ist  In  Ähnlicher  Weise,  wie 
Bachner  diesen  Eiweisskörper  durch  Auslaugen  der  Bacillen- 
kulturen  mit  0,5%  Kalilauge  gewann,  hat  B.  Koch  500  Tuberkel- 
bacillenkulturen  durch  Auslaugen  mit  warmer  verdünnter  Natron- 
lauge behandelt  Es  entstand  eine  mit  weisslichen  Fetzen  vermischte 
Flüssigkeit,  welche  beim  Erkalten  erstarrte  und  sich  dabei  in  eine 
fest  gewordene  Agar  ähnliche  obere,  sowie  in  eine  weisse  untere 
Schicht  schied.  Weyl  hat  diese  Masse  im  hygienischen  Institut  zu 
Berlin  weiter  untersucht. 

Er  trennte  zunächst  die  beiden  Schichten  in  vollkommenerer 
Weise  durch  mehrmaliges  Auflösen  und  Filtration  im  Heisswasser- 
trichter. 

Es  ergab  sich,  dass  die  weisse  Substanz  unter  dem  Mikroskop 
aus  vielfach  gefalteten  Membranen  und  unregelmässig  aufgeblasenen 
Schläuchen  zusammengesetzt  erschien,  allen  Lösungsmitteln  mit  Aus- 
nahme der  konzentrirten  Schwefelsäure  widerstand,  und  die  spezifische 
Färbbarkeit  der  Tuberkelbacillen  besass.  Sie  dürfte  hiernach  aus 
den  Hüllen  der  Tuberkelbacillen  bestanden  haben. 

Die  obere  Schicht  wurde  zu  wiederholten  Malen  in  Natronlauge 
gelöst  und  mit  Essigsäure  gefällt  Es  ergab  sich  ein  Niederschlag, 
der  nach  dem  Austrocknen  zu  einer  krümeligen,  weissen  Masse  zer- 
fiel und  bei  der  Analyse  4,4%  N,  7,3%  H  und  .51,6%  C  enthielt 
Die  Menge  des  gleichfalls  darin  nachgewiesenen  Schwefels  und  der 
Aschentheile  liess  sich  bei  der  geringen  Quantität  des  Stoffes  nicht 
feststellen.  Der  Körper  färbte  sich  beim  Kochen  mit  Millon's 
Reagens  nur  gelb  und  nicht  roth;  er  löste  sich  nicht  in  überschüssiger 
konzentrirter  Essigsäure.  Trotz  seines  geringen  Stickstoffgehaltes 
rechnet  ihn  Weyl  daher  zu  den  Mucinen  und  glaubt  ihn  vom  Myko- 
protein  und  Anthraxproteio  von  Nencki  und  Schaff  er  scharf 
trennen  zu  müssen. 

In  stark  verdünnter  (1—2  p.  mille)  (Soda)-Lösung  zu  0,5  ccm, 
Kaninchen  und  Meerschweinchen  subkutan  eingespritzt,  bewirkte  die 
Substanz  an  der  Injektionsstelle  eine  Nekrose  von  der  Ausdehnung 
eines  Markstücks. 

Weyl  hat  demnach  bewiesen,  dass  sich  aus  Tuberkelbacillen- 
wüturen  ein  Toxomucin  darstellen  läset;  er  enthält  sich  der  Ent- 
scheidung, ob  dieses  Toxomucin  in  den  Tuberkelbacillen  präformirt 
vorhanden  ist,  glaubt  aber  in  ähnlicher  Weise  wie  Buchner  an- 
nehmen zu  dürfen,  dass  die  Bacillensubstanz  bei  der  Bakterienwirkung 
dle  gleichgültige  Bolle,  welche  ihr  bisher  zugeschrieben  wurde,  nicht 
Wt.  Kubier  (Berlin). 


820  TaterciiloM. 

Prausnltz,  1J.,  üeber  die  Verbreitung  der  Tuberculose 
durch  den  Personenverkehr  auf  Eisenbahnen.  (Arch. 
t  Hygiene.  1891.  p.  192.) 
Durch  die  Cornet'schen  Untersuchungen  angeregt,  prüfte  Verf. 
den  in  Personenwagen  enthaltenen  Staub  auf  Tuberkelbacillen.  Er 
wählte  dazu  die  durchgehenden  Wagen  Berlin  -Meran,  die  viel  von 
Tuberculosen  benutzt  werden.  Sofort  nach  Ankunft  des  Zuges  in 
München  fegte  Verf.  den  Staub,  der  unter  dem  Coup&eppich  der 
betreffenden  Durchgangswagen  lag,  aus  je  zwei  Coup6s  zusammen, 
verrieb  denselben  in  einer  sterilen  Porzellanschale,  schwemmte  davon 
etwa  0?4  g  in  10—15  ccm  dest.  steril  Wassers  auf  und  injizirte 
davon  je  1  ccm  in  die  Bauchhöhle  zweier  Meerschweinchen.  In  die- 
ser Weise  wurde  an  &  Tagen  der  Staub  aus  10  Coup6s  von  4  Wa- 
gen 20  Meerschweinchen  injizirt  Von  diesen  20  Meerschweinchen 
wurde  bei  5  Tuberculose  konstatirt  Der  Staub  zu  diesen  5  positiv 
ausgefallenen  Versuchen  stammte  aus  zwei  Wagen;  in  keinem  Falle 
war  die  Tuberculose  weit  vorgeschritten.  Ein  Thier  starb  nach  1  Mo- 
nat; die  übrigen  4  waren  etwa  21/»  Monate  nach  der  Infektion  ge- 
tödtet.  [Leider  giebt  Verf.  nicht  an,  ob  er  diese  Tuberculose  der 
Versuchstiere  auf  ihren  Bacillengehalt  und  auf  ihre  histologische 
Struktur  untersucht  hat.  Ref.]  Die  Untersuchung  ergab  also,  „dass 
der  Staub  der  Eisenbahnwagen,  in  welchen  man  am  ehesten  ein 
massenhaftes  Vorhandensein  von  Tuberkelbacillen  hätte  vermuthen 
können,  zumeist  diesen  Infektionsstoff  nicht  enthielt44,  und  selbst  in 
jenem  Wagen,  der  am  längsten  auf  der  Route  lief,  kann  der  Staub 
nur  eine  geringe  Zahl  von  Tuberkelbacillen  enthalten  haben,  denn 
trotz  der  grossen  Menge  des  eingeimpften  Staubes  wurde  eines  der 
geimpften  4  Thiere  dieses  Versuches  nicht  tuberculös.  „Der  gewöhn- 
liche Modus  der  Reinigung  der  Eisenbahnwagen  genügt  also,  die 
Wagen  soweit  tuberkelbacillenfrei  zu  halten,  dass  eine  Gefährdung  des 
reisenden  Publikums  in  dieser  Hinsicht  ausgeschlossen  erscheint44 

Tan  gl  (Tübingen). 

Tangl,  Ueber  das  Verhalten  der  Tuberkelbacillen  an 
der  Eingangspforte  der  Infektion.  [Aus  dem  pathologi- 
schen Institut  zu  Tübingen.]  (Centralblatt  für  allg.  Pathologie  n. 
pathol.  Anatomie.    L    1890.   No.  25.) 

Bestätigung  von  Baumgarten 's  Ansicht,  dass  die  Tuberkel- 
bacillen nirgends  in  den  Körper  eindringen  können ,  ohne  an  der 
Eintrittsstelle  tuberculose  Veränderungen  hervorzurufen. 

Verf.  machte  zunächst  subdurale  Impfungen  mit  Tuberkelknötcbea 
und  Reinkulturen  von  Tuberkelbacillen  bei  Meerschweinchen  und  Ka- 
ninchen. Stets  entwickelte  sich  lokale  TubercuW  an  der  Impfstelle 
und  bei  genug  langer  Lebensdauer  auch  allgemeine  Tuberculose. 

Impfung  von  Reinkulturen  in  den  unverletzten  Koqjunktivalsack 
blieb  bei  Kaninchen  erfolglos,  bewirkte  dagegen  bei  Meerschweinchen 
allgemeine  Tuberculose  mit  tuberculöser  Erkrankung  der  Conjuoctiva 
und  ausgedehnter  Tuberculose  der  Nasenschleimhaut. 

Nach  Einpinselung  der  Nasenlöcher  mit  einer  Emulsion  von 
Tuberkelbacillen  trat  meistens  sowohl  bei  Meerschweinchen  wie  auch 


Tuberculose.  821 

bei  Kaninchen  Ideale  Tuberculose  der  Nasenschleimhaut  und  bei  ge- 
nug langer  Lebensdauer  auch  allgemeine  Tuberculose  auf.  Besonders 
bei  Meerschweinchen  zeigten  die  regionären  Lymphdrüsen  bei  diesen 
Versuchen  eine  sehr  weit  vorgeschrittene  Tubereulose. 

Aus  diesem  Ergebnisse  der  Untersuchungen  schliesst  Verf.,  dass 
in  jenen  Fällen  von  primärer  Lymphdrüsen-  und  Knochentuberculose, 
«o  selbst  nach  längerem  Bestände  der  genannten  Erkrankungen  keine 
tuberculose  Veränderung  an  irgend  einer  der  möglichen  äusseren 
Eingangspforten  zu  finden  ist,  die  Tuberculose  nicht  durch  äussere 
Ansteckung  entstanden  sein  kann.  Dittrich  (Prag). 


lordhorst,  Ist  die  Lunge  Schwindsüchtiger  grösser  als 
diejenige   Gesunder?     (Deutsche  med.  Wochenschr.    1890. 
No.  53). 
Verf.  tritt  der  bekannten,  von  Brehmer,  Rokitansky  und 
Beneke  vertretenen  Anschauung  entgegen,  nach  welcher  bei  Schwind- 
süchtigen regelmässig  ein  abnorm  grosses  Volumen  der  Lungen  vor- 
handen ist  und  unter  den  ätiologischen  Momenten  der  Phthise  einen 
hervorragenden  Platz  einnimmt     Wenngleich  Mordhorst  zugibt, 
dass  der  paralytische  Thorax  der  Lungenschwindsüchtigen  länger  ist, 
als  ein  normaler  Brustkorb,  so  erklärt  er  es  für  einen  Fehlschluss, 
dass  jener  längere  Thorax  abnorm  grosse  Brusträume  enthalte.    Er 
sieht  im  Oegentheil  in  dem  langgestreckten  Bau  des  Brustkorbs  eine 
Hyperexpirationsstellung  und  leitet  daraus  ab,  dass  die  Brusträume 
kleiner  sind,  als  bei  Gesunden. 

Verf.  erklärt  es  fernerhin  für  fehlerhaft,  aus  dem  abnorm  grossen 
Volumen  der  aus  der  Leiche  entnommenen  phthisischen  Lungen 
schliessen  zu  wollen,  dass  die  Lungen  von  Schwindsüchtigen  auch 
im  lebenden  Körper  ein  grösseres  Volumen  besitzen»  als  diejenigen 
gesander  Menschen.  Jene  Volumvermehrung  sei  nur  dadurch  be- 
dingt, dass  die  phthisischen  Lungen  in  Folge  ihres  gewöhnlich  er- 
höhten Blutgehalts  und  ihrer  stets  verminderten  Elastizität  bei  der 
Entnahme  aus  der  Brusthöhle  weniger  vollkommen  zusammensinken, 
als  die  blutarmen  und  elastischen  normalen  Lungen.  Andererseits 
gibt  der  Verf.  übrigens  die  von  Brehmer  u.  s.  w.  betonte  Klein- 
heit des  Herzens  und  Enge  der  arteriellen  Lumina  bei  Phthisi- 
kern  zu. 

Im  Weiteren  sucht  Mordhorst  auf  Grund  höchst  lesenswerter 
physiologischer  Erwägungen  nachzuweisen,  dass  die  Krankheitszu- 
stande der  Lungen  nicht  durch  deren  abnorme  Grösse,  sondern  durch 
Abnahme  ihrer  Ausdehnungsfähigkeit  begünstigt  werden.  Er  ist  der 
Meinung,  dass  die  gesündesten  Lungen  sich  durch  Expiration  am 
meisten  zusammenziehen  und  durch  Inspiration  am  weitesten  aus- 
dehnen können  und  sucht  dies  aus  dem  Verhalten  der  Lungen  von 
den  auch  durch  Brehmer  erwähnten  Thieren,  im  Besonderen  von 
den  englischen  Racepferden  nachzuweisen.  Da  es  hier  zu  weit  füh- 
ren würde,  auf  die  bezüglichen  Mittheilungen  des  Verf/s  näher  einzu- 
gehen, mußs  betreffs  dieser  Dinge  auf  das  Original  verwiesen  werden. 

Kubier  (Berlin). 
x.w.  21 


322  Tuberculose.  —  Taubtnmftstarkrmiikheit. 

Kraske,  Ueber  einen  Fall  von  tuberculöser  Erkrankung 
der  Glans  penis  nebst  Bemerkungen  Qber  dieüeber- 
tragbarkeit  der  Tuberculose  durch  den  geschlecht- 
lichen Verkehr.    [Aus  der  Chirurg.  Klinik  zu  Freiburg  L  Br.] 
(Ziegler 's  Beiträge  zur  pathologischen  Anatomie  und  zur  allge- 
meinen Pathologie.   Band  X*   Seite  204.) 
Der  tuberculose  Prozess  erstreckte  sich  durch  die  ganze  Dicke 
der  Glans.    Wo  die  Verkäsung  noch  nicht  ad  maximum  vorgeschrit- 
ten war,  traf  man  auf  reichliche  Riesenzellen  und  typische  Tuberkel 
mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen  Bacillen. 

Sonst  war  klinisch  im  Körper  nirgends  ein  tuberculöser  Herd 
nachweisbar. 

Trotzdem  die  Vermuthung  einer  Inoculationstuberculose  sehr 
nahe  lag,  so  wurde  diese  Ansicht  doch  mit  Rücksicht  auf  die  Ana- 
mnese und  den  genaueren  anatomischen  Befund  fallen  gelassen 
Vielmehr  wurde  die  tuberculose  Erkrankung  der  Glans  hier  als  eine 
Erkrankung  hämatogenen  Ursprungs  angesehen. 

Dittrich  (Prag). 

Potain,  Un  cas  de  tuberculose  aspergillaire  (maladie 
de 8  gaveurs  de  pigeons).    (L'Union  mädicale.  1891.  No.38.) 

Gelegentlich  der  Vorstellung  eines  Kranken,  der  die  Tauben- 
mästerei  gewerbsmässig  betrieb,  machte  P.  einige  Mittheilungen  über 
diese  in  Deutschland  wohl  gänzlich  unbekannte  Krankheit  (maladie 
des  gaveurs  de  pigeons). 

Der  betreffende  Patient  war  mit  Hämoptoe  erkrankt,  magerte 
stark  ab  und  machte  bei  seiner  Aufnahme  in's  Krankenhaus  durch- 
aas den  Eindruck  eines  Phthisikers.  Ueber  der  ganzen  Lunge  hörte 
man  bronchitische  Geräusche,  die  linke  Lungenspitze  war  verdichtet 
Der  Auswurf  war  eiterig,  geballt  und  enthielt  schwärzliche  Massen. 
Trotz  eifrigsten  Suchens  fanden  sich  aber  darin  keine  Tuberkelbacillen, 
sondern  ein  Aspergillus,  den  P.  nicht  näher  beschreibt,  von  dem 
er  nur  angibt,  dass  Dieulafoy,  Chantemesse  und  Widal  ihn 
als  die  Ursache  einer  eigentümlichen  Lungenerkrankuug  der  Tan- 
benmäster  nachgewiesen  haben. 

Die  Tauben  selbst  haben  eine  durch  diesen  Aspergillus  bedingte 
Krankheit,  welche  gewöhnlich  mit  Knotenbildung  in  der  Schnabel- 
Schleimhaut  beginnt,  von  da  aus  auch  die  inneren  Organe  ergreift 
und  im  ganzen  Verlauf  und  den  Krankheitsprodukten  sehr  an  Tuber- 
culose erinnert.  In  allen  Heerden  findet  man  aber  keine  Tuberkel- 
bacillen, sondern  nur  diesen  Aspergillus. 

Eine  zweite  akute  Form  dieser  Krankheit  verläuft  unter  dem 
Bilde  einer  Pneumonie  und  tödtet  die  Tauben  innerhalb  2—3  Tagen. 

Chantemesse  und  Widal  haben  den  Aspergillus  rein 
gezüchtet  und  durch  intravenöse  Injektion  der  Kulturen  bei  Tauben  eine 
akute,  tödtliche  Krankheit  erzeugt,  während  die  subkutane  Injektion  disse- 
minirte  Knotenbildung  in  der  Lunge  und  anderen  inneren  Organen 
hervorrief. 

Der  Pilz  findet  sich,  wie  P.  angibt,  häufig  in  der  Hirse,  mit 
welcher  die  Tauben  gemästet  werden.    Die  Mästung  geschieht  in  der 


Heim,  Di«  Neuerungen  d.  bakt.  Unteraucoungamethoden  seit  d.  Jahre  1887.     323 

Weise,  dass  die  Hirse  in  Wasser  aufgeweicht  wird,  die  Mäster  sich 
damit  den  Mund  füllen,  den  geöffneten  Schnabel  der  Thiere  an  ihren 
Mund  bringen  and  so  die  Hirse  den  Thieren  in  den  Schlund  treiben. 
Hierbei  kann  die  Infektion  sowohl  der  Thiere  wie  des  Menschen  zu 
Stande  kommen. 

Die  Prognose  der  Erkrankung  scheint  sehr  ungünstig  zu  sein ; 
bis  jetzt  ist  beim  Menschen  nur  ein  Fall  von  Heilung  bekannt. 

Scheurlen  (Stuttgart). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Helm, 

k.  b.  Stabsarzt   und  Privatdoianton. 
(Fortietsong.) 

Die  Gonokokken  in  Schnitten  empfiehlt  Touton  (5.  803) 
mit  Earbolfuch8in  zu  färben  mit  folgender  Spülung  in  Alkohol,  in 
Sekreten  stellt  sie  Schütz  (6.  172)  mit  Karbolmethylenblau  und 
kurzdauernder  Entfärbung  in  schwacher  Essigsäurelösung  dar  und 
Steinschneider  (8.  777)  benutzt  in  zweifelhaften  Fällen  die 
Boux-  Gram' sehe  Methode  mit  Nachfärbung  in  Bismarckbraun 
oder  verdünntem  L  o  e  f  f  1  e  r '  sehen  Methylenblau.  E  r  a  1 1  e  r  (9.  741) 
und  Ipsen1)  wiesen  sie  in  auf  Wäsche  angetrockneten  Tripper- 
flecken noch  nach  mehr  als  */»  «fahr  nach,  wenn  sie  die  Schüppchen 
abschabten  und  in  Wasser  quellen  Hessen,  oder  die  eitergetränkten 
Fäden  mazerirten  und  auspreßten. 

Die  nach  den  Untersuchungen  von  L  Israel  und  M.  Wolff 
unter  die  „polymorphen  Spaltpilze"  gerechneten  Aktinomyceten  färbte 
Bararfsky  *)  2—3  Min;  mit  Pikrokarmin  und  spülte  in  Wasser  oder 
Alkohol  ab,  worauf  die  Drusen  gelb,  das  übrige  Gewebe  roth  er- 
schienen. Baumgarten3)  erklärt  diese  Färbung  allein  für  un- 
vollkommen und  warnt  insbesondere  vor  der  Anwendung  reinen  Al- 
kohols; man  müsse  ihm,  damit  er  die  gelbe  Farbe  nicht  ausziehe, 
etwas  Pikrinsäure  beigeben;  ausgezeichnet  wäre  sie  zur  Vorfärbung 
hei  Anwendung  der  Graafschen  Methode.  Auch  Petroff4)  ist 
der  Ansicht,  dass  sie  den  feineren  Bau  der  Druse  nicht  klar  stelle, 
man  könne  die  Druse  von  den  umgebenden  Geweben  ebensogut  mit- 


1)  B.  kl.  W.   90.  42.  963. 

2)  D.  m.  W.  87.  49.  1066. 
»)  J.  B.  UI.  815. 

4)  B.  kl.  W.  SS.  27.  641. 

21* 


324  Heim' 

telß  Hämatoxilin,  Cochenille  und  anderer  histologischer  Färbemittel 
unterscheiden.  Die  für  den  Ausfall  der  Färbung  störende,  von  P. 
als  solche  nachgewiesene  Fettimprägnation  der  Druse  beseitigte  der 
genannte  Autor  durch  vorhergehende  Behandlung  der  Schnitte  mit 
Aetzkalilösung  (bei  Anwendung  der  Celloidineinbettung  ist  sie  nn- 
nöthig,  w.eil  hier  nachträglich  Aether  einwirkt).  Von  den  feineren 
Details,  welche  P.  bei  Anwendung  der  Gram 'sehen,  Löff  ler 'sehen 
und  SaJfranin-Färbung  von  Babes1)  konstatirte,  möge  nur  der  Be- 
fund von  in  den  Fäden  liegenden  intensiv  gefärbten  Körnchen, 
welche  mit  kleinen,  rundlichen,  ungefärbten  Lücken  abwechselten,  er- 
wähnt werden.  Solche  schwarzblau  gefärbte,  kugelförmige  Gebilde 
fand  Flor  mann2)  neben  fast  farblosen  Keulen  bei  Färbung  mit 
Ammoniumkarbonat-Methylviolett-Lösung,  und  folgender  Behandlung 
mit  Wasser,  Jod-Jod-Kalium,  Fluorescin-Alkohol,  Alkohol,  Anilinöl, 
Lavendelöl,  Xylol,  Balsam. 

Eine  doppelte,  mitunter  dreifache  Tinktion  bakterienhaltiger 
Gewebe  erzielte  Kaufmann  (0.  9.  717)  durch  Kombinimng  der 
Gentianaviolettfärbung  mit  Saffraninfärbung,  wobei  die  stärkere  Affini- 
tät des  Saffranins  zu  den  Kernen  eine  Kontrastirung  (roth)  der 
letzteren  gegenüber  dem  blau  gefärbten  Fibrin  und  den  Bakterien 
hervorbringt. 

Zur  Färbung  von  Schimmelpilzen,  namentlich  für  die  Haut  (Epi- 
dermisschuppen,  Haare)  empfiehlt  C.  Boeck  folgende  Methode9): 
„Die  Epidermisschuppen  etc.  werden  in  Alkohol  und  Aether  ent- 
fettet, dann  kommen  sie  für  eine  halbe  bis  einige  Minuten  in  Sahirs 
Boraxmethylenblaulösung  (16  Thl.  5%B.-Lös.,  20  Tbl  conc  wäss.  M.- 
Bl.-Lös.,  24  Tbl.  aq.),  hierauf  '/* — 1  Min.  in  eine  schwache  wässerige 
Resorcinlösung  (hergestellt  dadurch,  dass  man  einige  Körnchen  Re- 
sorcin  in  ein  Uhrglas  thut  und  Was3er  darauf  giesst).  Aus  der  Re- 
sorcinlösung bringt  man  die  Schnitte  in  Alkohol  für  einige  Minuten 
bis  zu  1  Stunde.  In  den  meisten  Fällen  ist  es  dann  noch  nöthig, 
die  Epidermis  zu  entfärben.  Hierzu  bedient  man  sich  einer  schwa- 
chen Auflösung  von  Hs0,,  worin  die  Präparate  aber  nur  ganz  kurze 
Zeit,  oft  nur  Vi  Min.  bleiben  dürfen.  Dann  wieder  Alkohol,  endlich 
Xylol,  Xylolcanadabalsam.  Die  Präparate  sind  sehr  haltbar,  wenn 
man  die  Resorcinlösung  verwendet44 

Ueber  die  Behandlung  und  Färbung  von  Blutpräparaten  zur  Auf- 
findung von  Malari  aplasmodien  s.  Plehn  (7.  743). 

II.  Nachwels  von  Mikroorganismen  durch  die  Kultur. 

Zur  Feststellung  der  Diagnose  in  zweifelhaften  Fällen  während 
des  Lebens  ist  von  Garr64)  die  bakteriologische  Untersuchung 
des  Blutes  mittels  des  Kulturverfahrens  gefordert  worden,  nachdem 
er  selbst  zuerst  bei  Osteomyelitis  und  später  v.  Eiseisberg  bei 
jedem  Wundfieber  das  Vorhandensein  von  Eitermikroorganismen  in 


!! 


V.  A.  CV.  511. 

Bf.  F.  d.  M    89.  23.  915. 
8)  Rf.  nach  d.  Sehwedischen  ▼.  Weigert.     F.  d.  M.  88.  16.  644. 
4)  C.  f.  Schw.  A.  91.  1.  Ref.  D.  m.  W.  91.  8.  60. 


Di«  Neuerungen  d.  bakteriol.  Unterauefaungsmethoden  Mit  dem  Jahre  1887.     325 

demselben  festgestellt  hat.  Zur  keimfreien  Entnahme  des  Blutes 
kann  man  die  von  Francke1)  empfohlene  lanzettförmige  Nadel, 
deren  Spitze  durch  einen  Metallcylinder  verdeckt  ist  und  durch  Druck 
auf  eine  Feder  vorgeschoben  wird,  benutzen ;  ihr  Vortheil  beruht  je- 
doch lediglich  darin,  dass  man  die  Tiefe  des  Einstosses  in  der  Hand 
hat  and  die  Nadel  den  Blicken  des  zu  Untersuchenden  entzogen  ist 
Will  man  grössere  Mengen  Blutes  gewinnen,  so  verwendet  man  ent- 
weder nach  Stern  (9.  182)  sterilisirte  Schnepper  und  Schröpfköpfe 
oder  man  benutzt  nach  8cheurlen  (O.  8.  267)  unten  zu  einer 
Spitze  ausgezogene,  oben  etwas  verengte,  mit  Wattepfropfen  ver- 
schlossene Glasröhren,  welche,  wenn  sie  entgegen  der  Stromrichtung 
des  Blutes  in  die  Vene  eingestochen  werden,  sich  rasch  füllen. 

In  jedem  Falle  müssen  selbstredend  die  Vorschriften  der  Sterilisa- 
tionstechnik peinlichst  beobachtet  werden,  sei  es  nun,  dass  die  Ent- 
nahme aus  dem  lebenden  Körper  oder  aus  der  Leiche  erfolgt  Die 
betreffenden  Massnahmen  für  die  systematische  Untersuchung  der 
letzteren  hat  Babes*)  eingehend  beschrieben.  Die  Sterilisirung 
der  bei  Obduktionen  und  Operationen  gebrauchten  Metallgegenstände 
erfolgt  ausser  durch  Ausglühen  oder  strömenden  Dampf  zweckmässig 
auch  durch  Auskochen  in  1%  Sodalösung,  welche  die  anhaftenden 
Keime  schnell  und  sicher  tödtet  und  den  Ansatz  von  Rost  verhindert 
(C.  Schimmelbusch8). 

Eine  weit  ausgedehntere  Verbreitung  hat  das  Kulturverfahren 
beim  Nachweis  pathogener  und  nicht  pathogen  er  Bakterien  ausser- 
halb des  Körpers  gefunden. 

Zur  qualitativen  und  quantitativen  Bestimmung  der  in  der  Luft 
vorhandenen  Keime  haben  wir  den  geeignetsten  Apparat  von  Petr  i  *) 
erhalten.  Derselbe  —  im  Anschluss  an  einen  zusammenfassenden 
Bericht  über  Nachweis  und  Bestimmung  der  pflanzlichen  Mikroorga- 
nismen in  der  Luft  (0. 2. 113.  3.  151)  kurz  beschrieben  —  saugt  mit- 
tels einer  Luftpumpe  eine  gemessene  Luftmenge  durch  ein  Filter  aus 
feinem  Sand  von  etwas  mehr  als  0,25  mm  Korngrösse,  welcher  nach 
Beendigung  der  Luftdurchleitung  in  flachen  Glasschalen  mit  Gelatine 
übergössen  wird.  Das  Filter  wählte  üffelmann*)  aus  Glaswolle; 
ein  solcher  Pfropf  wird  nach  Durchleitung  der  Luft  in  sterilisirtem 
Wasser  ausgespült  und  letzteres  in  Gelatine  ausgesät. 

Frankland0)  aspirirt  ein  bestimmtes  Volum  Luft  mittels  einer 
geaichten  Handluftpumpe  und  leitet  es  durch  eine  mit  2  sterilen 
Pfropfen  versehene  Glasröhre,  von  welchen  der  erste  nur  aus  Glas- 
wolle, der  zweite  ebenfalls  aus  solcher  hergestellt,  aber  durch  eine 
dünne  Schichte  Glas-  oder  Zuckerpulver  dichter  gemacht  ist  [Ro- 
bertson schaltet  Glaspulver  zwischen  zwei  Glaswollepfröpfe  ein 
(5.  806)].    Die  Aussaat  erfolgt  in  je    einen  Gelatine  enthaltenden 


1)  D.  m.  W.  89.2.  27. 

t)  nr.  j.  b.  iv.  645. 

8)  Arbeiten  ans  ▼.  Bergmanns  chlr.  Klinik.     Bd.  V.  S.  A.  8.  81. 
«)  2   f.  H.  III    1. 
M  Z.  f.  H.  Vin.  862. 
•)  Z.  f.  H.  III    287. 


826  **•*»* 

Kolben,  an  deren  Innenwand  der  erstarrende  Nfthrboden  aasgebreitet 
wird. 

Unter  anderen  führt  Fr.  die  Möglichkeit^  einer  vollkommenen 
Vertheilung  der  Mikroorganismen  in  der  Gelatine  durch  das  Schüt- 
teln and  Ober  eine  grosse  Oberfläche  als  Vorzog  seines  Verfahrens 
an.  Hesse1)  ist  dagegen  der  Ansicht,  dass  man  den  Zusammen- 
hang der  einzelnen  Luftkeime  in  keiner  Weise  stören  und  nur  in 
unverändertem,  unzerkleinertem  Zustande  zählen  soll,  weil  die  Auf- 
lösung der  oft  zu  mehreren  bei  einandersitzenden  Keime  nicht  nach 
einem  bestimmten  Gesetz  erfolgen  und  man  deshalb  niemals  einen 
Ueberblick  über  die  sämmtlichen  in  einer  gegebenen  Menge  Luft 
enthaltenen  entwickelungsfähigen  Individuen  bekommen  könne.  Meines 
Erachtens  ist  es,  wenn  man  einen  Aufschluss  sowohl  über  die  Art, 
als  auch  die  Zahl  derselben  haben  will,  unbedingt  nöthig,  darnach 
zu  streben,  die  Keime  möglichst  von  einander  zu  trennen  und  wenn 
dies,  wie  zugegeben  werden  kann,  auch  mit  den  jetzigen  Methoden 
noch  nicht  in  einwandfreier  Weise  geschieht,  so  kann  doch  in  der 
Zukunft  noch  ein  verbessertes  Verfahren  ersonnen  werden;  (Strauss 
und  Wurtz  (4.  27)  z.  B.  sehen  als  solches  die  Durchleitung  der 
Luft  durch  verflüssigte  Nährgelatine  an,  der  sie  zur  Vermeidung  des 
Schäumens  bei  rascher  Luftdurchleitung  einen  Tropfen  sterilisirten 
Oeles  zusetzen;  hierbei  soll  stets  eine  wesentlich  höhere  Keimzahl 
als  mit  anderen  Versuchsanordnungen  gefunden  werden).  Die  Art 
und  Weise,  wie  Frank  1  and  die  Keime  zur  Vertheilung  bringt,  er- 
scheint, den  Vortheil  einer  grösseren  Ausbreitungsfläche  selbst  zuge- 
geben, doch  unpraktisch,  weil,  wie  er  selbst  eingesteht,  die  mikro- 
skopische Untersuchung  der  Kolonieen  unmöglich  und  ihre  Entfernung 
mit  der  Platinnadel  sehr  schwierig  ist ;  mit  anderen  Worten,  es  ist 
nur  eine  quantitative,  aber  keine  qualitative  Beurtheilung  gestattet, 
und  das  ist  ein  Nachtheil,  der  auch  durch  den  Vorschlag  des  Autors, 
einfach  Gelatineplatten  der  zu  untersuchenden  Luft  nebenbei  auszu- 
setzen, in  keiner  Weise  kompensirt  wird.  Die  Petri'sche  Anord- 
nung ist  jedenfalls  bis  jetzt  die  exakteste ;  vielleicht  würde  sie  sieb 
durch  Benutzung  löslicher  Filter  vervollkommnen  lassen,  wie  sie  nach 
Pasteur  vor  einigen  Jahren  wieder  Miquel  (4.  496)  in  Anwen- 
dung zog.  Etwas  wesentlich  neues  ist  seit  Petri's  Veröffentlichung 
nicht  erschienen.  Hinsichtlich  der  übrigen  mitunter  recht  kompli- 
zirten  Methoden  verweisen  wir  auf  die  Arbeiten  von  Kien  er  and 
Aldibert*),  sowie  Carnelli  und  Wilton  (5.  392),  endlich  auf 
den  Abschnitt  aber  die  Untersuchung  der  Luft  in  Hueppe's  Hand- 
buch«). 

Für  die  qualitative  Prüfung  der  Luft  auf  das  Vorhandensein 
lebensfähiger  obligater  Parasiten  bleibt  nur  der  Thierversach.  So 
hat  Rembold4)  die  Tuberkelbacillen  in  der  Luft  eines  Phthisiker- 
zimmere  nachgewiesen,  welche  durch  BaumwoUenpfröpfe  während  des 


1)  z.  r.  H.  IV.  19. 
S)  J.  B.  IV.  58«. 

8)  Di«    Methoden    der    Bakt-Forschong.     Wiesbaden    bei    Kreidel.    5.   Aufl. 
8.  475. 

4)  J.  B.  V.  »78. 


Die  Nenerangtn  d.  bakteriol.  Untersncbniigiiiiethodeii  seit  dem  Jahre  1887.     327 

AafkehreDS  aspirirt  worden  war.  Viel  empfehlenswerther  ist  das 
schon  früher  von  Com  et  (5.  248)  bei  seinen  berahmt  gewordenen 
Forschungen  geübte  Verfahren,  demzufolge  der  Staub  von  etwa  1  qm 
Fläche  mit  feuchten,  keimfreien,  in  sterile  Pinzetten  geklemmten 
Schw&mmchen  abgerieben  wird,  welche  später  mit  Hülfe  eines  rollen* 
förmigen,  geglühten  Platininstrumentes  in  keimfreier,  zur  intraabdo- 
mioalen  Uebertragung  auf  Meerschweinchen  bestimmter  Bouillon  aus- 
gelaugt werden. 

Lediglich  für  mikroskopische  Untersuchung  des  Luftstaubes  hat 
Dixon1)  einen  Saugapparat  konstruirt,  welcher  der  Vollständigkeit 
halber  hier  Erwähnung  finden  soll.  Die  nähere  Einrichtung  und  Ab- 
bildung wolle  im  Original  nachgesehen  werden.  Der  cylinderftrmige 
Apparat  wird  mit  mehreren  (7)  von  einander  getrennten  und  mit 
einer  klebrigen  Hasse  (Gummi,  Glycerin)  überzogenen  Deckgläsern 
beschickt,  welche  der  Reihe  nach  vor  die  Durchstrümungsöflfhung 
der  mittels  Ballon  aspirirten  Luft  gebracht  werden  können.  D. 
will  damit  Tuberkelbacillen  im  Bodenstaub  eines  Eisenbahnwagens  in 
Philadelphia  gefunden  haben. 

Die  bei  der  bakteriologischen  Untersuchung  des  Wassers  noth- 
weudige  keimfreie  Entnahme  bewerkstelligt  Pfuhl  (Gassei  0.8.  646) 
mittels  Glasröhren  mit  flachem  Boden,  welche  theilweise  luftleer  ge- 
macht an  ihrem  zur  Kapillare  ausgezogenen  und  rechtwinkelig  um- 
gebogenen Ende  zugeschmolzen  werden.  Sind  die  Gläser  durch  Ab- 
brechen der  Spitze  an  der  Wasserquelle  gefüllt,  so  werden  sie  aber- 
mals zugeschmolzen  und  in  einzelnen  Zinkblechbüchsen  zusammen  in 
einem  mit  Eis  gefüllten  Zinkblechkasten  ins  Laboratorium  geschickt 
Die  genannte  Füllungsmethode  analog  dem  Vorgange  von  Flügge 
und  Heraeus')  wird  von  Nicati  und  Rietsch  (8.  397)  unter 
Verwendung  von  zur  Capillare  ausgezogenen  Reagensgläsern  ange- 
wendet Für  die  Wasserentnahme  aus  grosseren  Tiefen,  Schächten, 
hatSoyka8)  die  ehemaligen  Pasteur'schen  Pipetten  (Reagens- 
gläschen, oben  in  ein  engeres,  stumpfwinkelig  gebogenes  Rohr  aus- 
gezogen) seitlich  noch  mit  einem  nach  unten  gerichteten  und  mit 
einer  kugelförmigen  Erweiterung  versehenen  Ansatzrohr  versehen. 
Handelt  es  sich  aber  darum,  Wasser  aus  Brunnen  zu  entnehmen  in 
demselben  Zustand,  wie  es  sich  im  Boden  befindet,  d.  h.  unter  Aus- 
schluss der  Möglichkeit,  dass  an  dem  Pumpenrohr  anhaftende  Keime 
in  ihm  enthalten  sind,  so  muss  man  nach  C.  Fränkel  (6.  81)  den 
Pumpenkopf  vom  Rohre  losschrauben,  beide  Theile  erst  mit  einer 
langgestielten  Bürste  gründlich  ausreiben  und  säubern  und  dann  durch 
Eingiessen  mehrerer  Liter  einer  konzentrirten  Schwefelkarbolsäure- 
mischnng  desinfiziren ;  letztere  verschwindet  ziemlich  rasch  im  Grund- 
wasser. Auf  diese  Art  konnte  der  genannte  Forscher  den  Nachweis 
to  Keimfreiheit  des  Grundwassers  liefern.  Die  Aussaat  des  ent- 
nommenen Wassers  wird  noch  allgemein  in  der  bekannten  Weise  auf 
Platten  oder  Rollplatten  gemacht  und  braucht  man  dazu  nicht  eines 


% 


TU  tforap€ntic  Gas.  90.  5.  808. 
Z.  f.  H.  I.  »01. 
S)  D.  m.  W.  88    48.  875. 


828     8chutiimpfangt  kfinttl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelongshemmnng  ete. 

umständlichen  Apparates,  wie  ihn  Arloing  (5.  257)  angab,  der 
obendrein  nicht  einmal  ein  wandsfreie  Resultate  liefert.  Nach  Mag- 
gi l)  soll  man  nur  Nährböden  benutzen,  welche  keine  bu  hochgra- 
digen und  langdauernden  Erhitzungsprozesse  durchgemacht  habe», 
da  solche  ihre  Zusammensetzung  derart  veränderten,  daas  sie  für 
verschiedene  Mikroorganismen  kein  günstiges  Substrat  mehr  abgaben. 
Die  Befunde,  auf  welche  Maggi  seinen  Vorschlag  basirt,  klingen 
etwas  auffallend,  z.  B.  soll  Liebig 'sehe  Bouillon  auf  125°  durch 
20  Min.  erhitzt  und  dann  bei  einer  Aussentemperatur  von  24— 27  • 
gehalten,  Oberhaupt  ganz  immun  gegen  die  Entwickelung  von  Luft- 
keimen geworden  sein;  hier  wäre  eine  Nachprüfung  erwünscht,  um 
diesen  meines  Wissens  noch  von  niemand  erhobenen  Einwand  richtig 
stellen  zu  können.  Die  Rollplattenmethode  hat  Hesse  unabhängig 
von  v.  Esmarch  zur  quantitativen  Bestimmung  der  Keime  in  Flüs- 
sigkeiten mit  grösseren  Gläsern  und  unter  Vermeidung  einer  Be- 
netzung der  Wattepfropfen  mit  Gelatine  in  Anwendung  gezogen.  In 
den  Fällen,  wo  in  Folge  ausgedehnter  oder  zahlreicher  verflüssigender 
Bakterien  die  gewöhnliche  Koch 'sehe  Platte  angezeigt  ist,  kann  man 
die  Kolonieen  dadurch  an  weiterer  Ausbreitung  verhindern,  dass  man 
nach  H.  ihren  flüssigen  Theil  mittels  einer  langen  gebogenen  Glas- 
capillare  absaugt  und  durch  eine  desinfizirende  Flüssigkeit,  z.  B. 
Sublimatlösung,  die  später  wieder  entfernt  werden  kann,  ersetzt; 
bei  Gegenwart  sehr  zahlreicher  Keime  soll  man  die  zur  Untersuchung 
bestimmte  Flüssigkeitsmenge  tropfenweise  in  mehrere  Reagensglaser 
vertheilen. 

(Fortsetinng  folgt.) 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 


Sehrwald,  Die  Krull'sche  Methode  der  Tuberculosen- 
behandlung  in  ihrer  thermischen  Einwirkung  auf  die 
Lunge.    (Dtsch.  med.  Wochenschrift.    1890.   No.  45  o.  46.) 
Nachdem  durch  Mosso,  Rondelli,  Sehrwald  und  Nykamp 
nachgewiesen    worden    ist ,    dass    die    H  a  1 1  e  r  -  We  i  g  e  r  t '  sebe 
Methode    der    Tuberculosenbehandlung    durch   Einathmung   heisser 
trockener  Luft  unter  irrigen  Voraussetzungen  empfohlen  wurde  und 
einen  Heilwerth  überhaupt  nicht  besitzt,  hat  Krull  versucht,  statt 
der  trockenen  Luft  heisse   Wasserd&mpfe  anzuwenden.     Er  glaubt, 
diese  wirklich  warm  in  die  Lunge  einfahren  zu  können,  da  in  Folge 
des  Wassergehalts  der  Dämpfe  die  bei  Anwendung  von  Trockenlät 
entstehende  Abkühlung  durch  Verdunstung  der  Schleimhautfeuchtig- 
keit hier  in  Fortfall  kommt.    Er  war  ferner  der  Ansicht,  dass  die 


1)  j.  b  in.  472. 


Sehotampfimg,  kflnttl.  Infektionskrankheiten,  EntwickelongthemmuDg  etc.      329 

Wirkung  der  heissen  Dämpfe  weniger  in  unmittelbarer  Desinfektion 
der  Luftwege,  als  in  einer  Erhöhung  der  Widerstandskraft  der  Ge- 
webe besteht,  insofern  eine  durch  die  Wärme  bedingte  Erweiterung 
der  Kapillaren  die  Ernährung  der  Lungen  fördere,  die  Resorption 
der  pathologischen  Produkte  beschleunige,  zu  reaktiver  Bindegewebs- 
and  Gefässwucherung  anrege  und  den  respiratorischen  Austausch  von 
Sauerstoff  und  Kohlensäure  vermehre.  Krull  legte  deswegen  auf 
sehr  hohe  Temperaturen  der  Dämpfe  auch  keinen  Werth  und  be- 
gnügte sich  mit  der  Einführung  einer  auf  43—44°  erwärmten  feuchten 
Luft.  Er  will  in  der  That  von  dieser  Behandlung  so  günstige  Er- 
gebnisse gesehen  haben,  dass  er  sie  zur  allgemeinen  Kenntniss  zu 
bringen  für  angezeigt  hielt.  (Berlin,  klin.  Wochenschr.  1888.  S.787, 
1889.  &  607). 

Sehrwald  hat  nun  die  Krull'sche  Methode  in  ähnlicher 
Weise  wie  früher  das  Halter-Weigert'sche  Verfahren  (vgl  Re- 
ferat in  dieser  Zeitschrift  Bd.  \I1I.  No.  15)  geprüft,  um  auch  jener 
gegenüber  den  Nachweis  zu  führen,  dass  ihre  theoretischen  Voraus- 
setzungen unrichtig  sind  und  dass  ihr  ein  praktischer  Werth  nicht 
zukommt  Verf.  sieht  zunächst  in  der  Annahme,  dass  eine  erhöhte 
Blutzafuhr  zu  einem  Organe  dessen  Ernährung  begünstigt,  und  dass 
eine  vermehrte  Sauerstoffaufnahme  seitens  des  Blutes  die  Verbrennung 
fördert,  Trugschlüsse,  er  findet  aber  vor  Allem  den  Beweis  durch 
Kroll  nicht  erbracht,  dass  seine  Wasserdämpfe  wirklich  warm  in 
die  Lunge  kommen. 

Indem  S  e  h  r  w  a  1  d  bei  seinen  Versuchstieren  die  Temperatur  der 
Lungenluft  durch  Thermometer  bestimmte,  welche  er  luftdicht  in  die 
Pleurahöhle  einführte,  wies  er  nach,  dass  eine  beträchtliche  Erhöhung 
der  Lungenlufttemperatur  sich  allerdings  durch  Einathmung  von  heissen 
Wasserdämpfen  unmittelbar  in  die  Trachea  erreichen  lässt,  dass  in 
diesem  Falle  aber  zugleich  die  allgemeine  Körpertemperatur  rasch 
und  bedeutend  steigt,  dass  die  Respirationsfrequenz  dabei  bedeu- 
tend zunimmt,  und  dass  Dämpfe  von  einer  Temperatur  über  56° 
von  der  Trachea  überhaupt  nicht  mehr  vertragen  werden.  Bei 
Einathmung  heisser  Dämpfe  durch  Mund  und  Nase 
sah  Sehrwald  eine  Erhöhung  der  Lufttemperatur  in 
den  Lungen  nicht  eintreten,  eine  Thatsache,  welche  seiner 
Meinung  nach  durch  die  gleichzeitig  erfolgende  Verlangsamung  der 
Respiration  erklärt  wird.  Diese,  so  nimmt  er  an,  gestattet  den  Däm- 
pfen, schon  im  obersten  Abschnitt  der  Luftwege  einen  grossen  Theil 
ihrer  Wärme  abzugeben,  welche  dann  durch  Vermittelung  der  ober- 
flächlich gelegenen  Halsvenen  seitens  des  Körpers  wieder  der  Aussen- 
lnft  zugeführt  wird,  und  sie  gewährt  zugleich  den  überhitzten  Schleim- 
häuten Zeit,  sich  durch  das  vorbeiströmende  Blut  abzukühlen. 

Nach  Sehrwald  vermag  „die  Krull'sche  Methode  die  Tem- 
peratur der  Lungenluft  nicht  zu  erhöhen,  ebensowenig  ihren  Wasser- 
gehalt. Der  ihr  zugeschriebene  Einfluss  auf  die  Ernährung  der 
Lungen  und  die  pathologischen  Prozesse  und  Produkte  ist  somit  rein 
hypothetisch.  Eine  Desinfektion  der  Luftwege  oder  Lungen  ist  durch 
diese  Einathmungen  erst  recht  unerreichbar44.      Kubier  (Berlin). 


330     SchuUimpfung,  kftnitl.  Infektionskrankheiten,  Kntwickdangthenunung  etc. 

Plesser,  Ein  neues  wirksames  Heilverfahren  bei  pro- 
gressiver Lungen-  und  Organtuberculose.  8°.  56  S. 
Berlin  (Heuser's  Verlag)  1891. 
„Es  gibt  einen  gesetzmässig  therapeutischen  Weg,  auf  welchem 
tuberculose,  im  letzten  Stadium  ihrer  Krankheit  sich  befindende  Pa- 
tienten zunächst  das  Leben  fortsetzen  und  weiterhin  auf  demselben 
zu  einer  relativen  Heilung  geführt  werden  können44.  —  So  fingt  die 
Brochüre  an.  Und  dieser  Weg  ist,  den  kranken  Organismus  zuerst 
mit  Kupfer  saturiren,  dann  mit  Chinin  sättigen,  und  während  der 
ganzen  Zeit  eine  vom  Verf.  genauer  angegebene  hydriatische  Behand- 
lung durchmachen.  (Das  Kupfer  und  auch  das  Chinin  sollen  dann 
antibakteriell  wirken!)  Auf  die  näheren  Details  dieses  „Heilverfah- 
rens44 können  wir  an  dieser  Stelle  nicht  eingehen.  Es  sei  nur  noch 
aus  dieser  mit  hochgehenden  theoretischen  Erörterungen  geschmück- 
ten Broschüre  das  erwähnt,  dass  Verf.  mit  dieser  Methode  sich  selbst 
von  einer  angeblichen  Gehirntuberculose  geheilt  haben  will 

Tangl  (Tübingen). 

Foä,  P.,  Una  esperienza  negativa  sulla  immunitä  per 
la  tuberculosi.  (Gazzetta  med.  di  Torino.  LXIL  fasc.  9.) 
Die  Ansicht  Ch.  Richet's,  das  Blut  gegen  eine  bestimmte  In- 
fektion refraktärer  Thiere  könne  namentlich  nach  vorausgegangener 
Inokulation  des  diesbezüglichen  Giftes  Thiere,  welche  für  dieselbe  In- 
fektion empfänglich  sind,  immun  machen,  scheint  nicht  allgemein  giltig 
zu  sein.  Verf.  verimpfte  einem  Huhne  ein  Stück  tuberculöser  Meer- 
schweinchenmilz  und  entnahm  ihm  8  Tage  darauf  6  ccm  Blut,  de- 
fibrinirte  und  injizirte  dasselbe  intraperitoneal  einem  jungen  Meer- 
schweinchen von  300  g  Gewicht.  Denselben  Vorgang  wiederholte  er 
noch  fünfmal,  so  dass  dem  Meerschweinchen  im  Ganzen  30  ccm  Blut 
des  Huhhes  injizirt  wurden.  Nach  einem  Monate  wurde  das  Hahn 
getödtet  und  ergab  die  Autopsie  weder  eine  Spur  von  Tuberculose, 
noch  vom  verimpften  Milzstück.  Drei  Tage  nach  der  letzten  and 
dreizehn  Tage  nach  der  ersten  Injektion  wurde  dem  Meerschwänehen 
ein  von  einem  zweiten  Meerschweinchen  entnommener  Tuberkelknotefl 
subkutan  eingeimpft  und  das  Thier  drei  Wochen  darauf  getödtet 
Dasselbe  war  voll  von  frischen  Tuberkelknötchen,  wie  die  keiner  vor- 
bereitenden Behandlung  unterworfenen  Eontrollthiere. 

Kamen  (Czernowitz). 

Chiari,  H.,  Ueber  den  pathologisch-anatomischen  Be- 
fund  in    drei    mit   Koch'schen   Injektionen    behan- 
delten   Fällen    von     schwerer    Lungentuberculose. 
(Prager  medizinische  Wochenschrift  1890.  No.  53.) 
Im  1.  Falle  fiel  bei  makroskopischer  Betrachtung  gegenüber  an- 
deren gleich  ausgebreiteten  Fällen   von  chronischer  Tuberculose  die 
Konsistenzvermehrung  des  Lungengewebes  um  die  tuberculosen  Er- 
krankungsherde, der  rein  eiterartige  Inhalt  der  Kavernen  und  die 
Injektionsröthung  der  tuberculosen  Darmgeschwüre  auf. 

Besonders  hebt  Verf.  auf  Grund  mikroskopischer  Untersuchungen 
an  allen   tuberculosen  Erkrankungsherden  die  sehr  starke  Leuko- 


SchuUunpfting,  kttnttL  Infektionskrankheiten,  EDtwickelungshemmang  etc.      331 

cytenansammlung,  an  den  Lungenherden  die  beträchtliche  fibrinöse 
Exsudation  in  der  Umgebung,  an  den  Lungenherden  und  Darmge- 
schwüren die  Hyperämie  resp.  Blutung  und  endlich  in  den  Lungen- 
herden und  Darmgeschwüren  auch  die  Vertheilung  der  Tuberkel- 
bacillen  hervor,  insofern  die  letzteren  in  den  Lungen- 
herden regelmässig  im  Lumen  der  Bronchien,  im 
Darme  gegen  den  Geschwürsgrund  zu  merkwürdig 
reichlich  angesammelt  waren. 

Verl  nimmt  an,  dass  es  sich  hier  um  eine  abnorm  intensive, 
exsudative  Entzündung  in  der  Umgebung  der  tuberculosen  Herde 
and,  da  sich  intra  vitam  nach  der  Injektion  die  Zahl 
der  Tuberkelbacillen  im  Sputum  bedeutend  vermehrt 
hatte,  vielleicht  auch  um  eine  mit  der  exsudativen  Entzündung  im 
Zusammenhange  stehende  exsudative  Ausstossung  der  Tuberkelba- 
cillen, wenigstens  im  Bereiche  der  Lungen  und  des  Darmes,  gehandelt 
haben  mochte. 

Analog  dem  erwähnten  Befunde  des  1.  war  auch  jener  des 
2.  Falles. 

Im  3.  Falle  fand  sich  ebenfalls  stärkere  fibrinöse  Entzündung 
uod  stellenweise  ausgedehnte  hämorrhagische  Infiltration  um  die 
tuberculosen  Lungenherde,  welche  Verf.  als  Ausdruck  einer  durch 
die  injizirte  Substanz  erzeugten  Kongestion  um  die  tuberculosen 
Erkrankungsherde  ansehen  möchte.  Dittrich  (Prag). 

Chiari,  H. ,  Weitere  pathologisch-anatomische  Mit- 
theilungen über  mit  Koch'schen  Injektionen  behan- 
delte Fälle  von  Tuberculose.  (Prager  medizinische  Wochen- 
schrift. 1891.  No.  9.) 

Bericht  über  17  Fälle. 

In  7  Fällen  konnten  bei  der  Sektion  überhaupt  keine  auffälligen 
anatomischen  Befunde  konstatirt  werden,  welche  diese  Tuberculosen 
von  anderen  nicht  injizirten  Tuberculosen  unterschieden  hätten. 
Theils  war  in  diesen  Fällen  überhaupt  keine  Reaktion  aufgetreten, 
theils  waren  die  Reaktionserscheinungen  bereits  wieder  verschwunden. 

In  5  Fällen  von  schwerer  Lungentuberculose  waren  bedeutende 
reaktive  Veränderungen  um  die  tuberculosen  Erkrankungsherde  in 
den  Lungen  zu  konstatiren  und  zwar  Hyperämie,  Hämorrhagie,  fibri- 
nöse oder  mehr  eiterige  Pneumonie,  Erscheinungen,  welche  relativ 
lange  Zeit  nach  der  letzten  Injektion  noch  persistiren  können.  Auch 
an  anderen  tuberculosen  Erkrankungsherden  fanden  sich  in  diese* 
Fällen  ausgesprochene  reaktive  Veränderungen. 

In  zwei  chirurgischen  Fällen  war  es  in  der  umschriebenen  tuber- 
culosen Lungenaffektion  zu  sicherer  Reaktion  gekommen,  namentlich 
aber  an  den  chirurgischen  Lokaltuberculosen,  indem  die  Injektions- 
behandlung einmal  eine  pericöcale  Eiterung  und  Jauchung,  ein  an- 
deres Mal  ulcertsen  Durchbruch  einer  Coxitis  in  das  Rectum  bewirkt 
hatte. 

In  einem  Falle  von  chronischer  Allgemeintuberculose  musste  die 
Möglichkeit  der  reaktiven  Bedeutung  einer  frischen  Pleuritis  zuge- 
geben werden. 


382      ScbuUimptang,  kanstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangsneffimnng  etc. 

Aach  entschieden  kurative  Veränderungen  werden  vom  Verl 
hervorgehoben,  unter  denen  hier  besonders  die  wiederholt  beobachtete 
exsudative  Ausstossung  der  Tuberkelbacillen  in  das 
Lumen  der  Bronchien  und  an  die  Innenfläche  der 
tuberculosen  Darmgeschwüre  erwähnt  werden  mag. 

In  keinem  Falle  konnte  eine  Beeinflussung  des  Decureos  der 
chronischen  Tuberculose  durch  die  Injektionen  in  dem  Sinne  nach- 
gewiesen werden,  dass  etwa  in  Folge  der  Injektionen  die  chronische 
Tuberculose  raschere  Fortschritte  gemacht  oder  besondere  Formen 
angenommen  hätte.  Dittrich  (Prag). 

Znügradskl,  Ein  kasuistischer  Beitrag  zur  Heilbarkeit 
der  Pvämie.  (St.  Petersburger  medic.  Wochenschrift.  1890. 
No.  47.) 
Zum  Beweise  dafür,  dass  die  Pyämie  durch  die  Fortschritte  in 
der  Wundbehandlung  keineswegs  ausgerottet  ist,  dass  indessen  an- 
dererseits Heilung  bei  widerstandsfähigem  Körper  des  Kranken 
durch  richtige  und  energische  chirurgische  Behandlung  aller  zu- 
gänglichen Abscesse  erreicht  werden  kann,  erzählt  Zmigradski 
seine  eigene  Krankengeschichte.  Er  hatte  sich  bei  der  Inzision 
einer  erysipelatösen  Phlegmone  infizirt  und  ein  Panaritium  am  linken 
Daumen  zugezogen.  Obwohl  dasselbe  kunstgerecht  mit  energischen 
Einschnitten  behandelt  wurde,  erfolgte  ohne  Vermittelung  von  Lymph- 
angitis  oder  Lymphadenitis  eine  Allgemeininfektion  des  Körpers. 
Es  kam  mehrfach  zu  Lungeninfarkten,  zu  Empyem,  zu  Nierenin- 
farkten mit  paranephritischem  Abscess  und  zu  periostealen  Ab- 
scessen  mit  Nekrose  an  den  Unterschenkelknochen,  so  dass  der  Reihe 
nach  die  Thorakocentese,  die  Nephrotomie  und  die  Entfernung  der 
Sequester  nothwendig  wurde.  Verf.  glaubt  seine  Wiederherstellung 
der  vis  medicatrix  naturae  sowohl  wie  der  vorzüglichen  ärztlichen 
Behandlung  und  der  sorgsamen  Krankenpflege,  welche  ihm  zu  Theil 
wurde,  verdanken  zu  müssen.  Kubier  (Berlin). 


Neue  Litteratur 

lunnmengettellt  ron 

Da.  Abthub  Wübzbtjbg, 

Bibliothekar  im  Kstterttchm  Qesondheitsimte  in 


Biologie. 
(Gährung,  Fftulniss,  StoftVechselprodukte  uw.) 

Bord,  B.,  Contribntion  a  la  connaissance  de«  caraeteres  biologiqaes  et  pathogeniquss  fo 
bacillns  pyogenes  foetidos.     (Annal.  de  microgr.  1891.  No.  9.  p.  401—415.) 

Xayser,  B. ,  Contribntion  a  l'etude  physiologiqae  des  leTÜres  aloooliqaes  da  iscfew*- 
(Annal.  de  llnstit.  Pasteur.  1891.  No.  6.  p.  895—405.) 

Trmpexnlkoff,  Da  sort  des  spores  de  microbes  dans  I'organisme  animal.  (Anns!  de  lln- 
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Neae  Litteratur.  333 

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Bestehaagea  der  Bakterien  und  Paraalten  nr  belebten  Natu. 

KramUkeiUerrtgmUU  Bakterien  %md  Barmeken. 

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Kramkheäeerregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menuhen. 
A.     fnfibtilfic    if  rftimiHMei  unltfiritm 

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Österreich.    Erlass  des  Ministeriums   fttr  Kultus   and  Unterricht,   betr.   die  Förderung 

der  8cbatapockenimpfang  seitens  der  Volksschalorgane.     Vom  9.  Jon!  1891.    (Oester- 

r«oh.  8anitätswesen.  1891.  No.  26.  p.  204-206.) 
Qttterreieb.    Erlass  des  Landesseholrathes  in  B6bmen,  betr.  die  Förderung  der  Impfung. 

Vom  20.  Mars  1891.    (Österreich,  frenitätswesen.  1891.  No.  26.  p.  206—206.) 

Cholera,  Typhus,  Ruhr,  Gelbfieber,  Peel 

*&*&*  des  Oarrieres,  Flirre  typhoide  se  prodaisant  depuis  nenf  ans  dans  uns  forme; 
presenee  da  bacüle  d'Eberth  dans  le  puits  d'alimentation  dont  le  nlTean  d'eaa  est  tres 
nriable.    (Bullet  et  memoir.   de  U   soc.  med.  d.  hopit.  de  Paris.  1891.  p.  24—86.) 

WoadMektionikraaUieiteD. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,   acutes  purulentes  Oedem,  Pyämie,  Septikämle, 

Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wondflulnias.) 

^•ftos,  J.  H.,  An   infreqnent   form   of  puerperal   infection.    (Amer.  Joorn.  of  Obstetr. 

1*1.  P.  288-894.) 
**•*»  W.  B. ,   Puerperal   ferer.    (Traasaet.  ef  the  Amer.  Aasoe.  of  Obetetr.  and  Oy- 

"••»1.  1890.  p.  105—114.) 


336 


Neue  Literatur. 


Bdgrea,  J.  CK,  Therapeutische  Vorsuche  mit  dem  Koch'schen  Mittel  gegen  Tubercaloei. 

(Nord.  med.  erk.  Bd.  XXIII.  1891.  Heft  8.  No.  11.  p.  1—7.) 
Oeppert,  J.,   Zur  Desinfektionsfrage.     (Deutsche   medicin.  Wochensehr.    1891.  Mo.  15 

-17.) 
Gruber,    K.,    Ueber    Schutsimpfung.     (Vorträge    des  Vereines   sur  Verbreitung  uitw- 

wissenseb.  Kenntnisse  in  Wien.    81.  Jahrg.   8.  Heft.)  gr.  8°.  84  p.    Wien  (Höixd  in 

Komm.)  1891.  0,60  X. 

Jackson,  8.  K.,  Tuberculin.     IU  yalue  aa   a  scientific  discovery.     (Journ.  of  tbe  Am«. 

Med.  Assoc.  1891.  No.  28.  p.  806—809) 
Japan.  Verordnung  des  Minist.  <L  Innern,  das  Koeh'sche  Tuberculin  betr.    Vom  2.  Xii 

1891.     (Verftffentl.  d   kais.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  2.  p.  409—410.) 
König,  F.,  Bericht  Aber  die  im  Winterhalbjahr  1890/91  sur  Beobachtung  gelangtes  Or- 
gane von   mit  Tuberculin    behandelten  Individuen.     (Deutsche   medicin.  Woehestcar. 

1891.  No.  95,  86.  p.  817—818,  866—868.) 
de  Bens!,  B ,  La  cura  di  Koch.    (Biv.  din.  e  terapeut.  1891.  No.  6.  p.  889—996.) 
Bemmola,  M.f  Ueber  die  bypodermatischen  Injektionen   Ton  Blutserum  bei  der  Bebssd- 

lung  der  Lungentuberculose.     (Internat,  klin.  Bundschau.    1891.    No.  25,  86.  p.  919 

— 982,  967—969.) 
Williams,  C.  T ,  Abstract  of  a  leeture  on  the  treatment  of  phthisis  by  Professor  Koch'» 

method.    (Lancet.  1891.  Vol.  I.  No.  96.  p.  1417—1420.) 


Inhalt. 


Originalmittheüungen. 

Boiiloni-Ulfrediisai,  Ueber  die  Widerstands- 
fähigkeit des  pneumonischen  Viru»  in 
den  Auswürfen.    (Orig),  p.  805. 

Tiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
LandgestUte  und  Aber  den  Krankheits- 
erreger derselben.    (Orig.),  p.  810. 


T.  Brnnn-Lippepringe,  Ueber  die  progno- 
stische Bedeutung  des  Tuberkelbacillus, 
p.  818. 

Kranke,  Ueber  einen  Fall  von  tuberculöser 
Erkrankung  der  Olans  penis  nebst  Be- 
merkungen  über  die  Ucbertragbarkeit 
der  Tuberculose  durch  den  geschlecht- 
lichen Verkehr,  p.  822. 

Mordhorst,  Ist  die  Lunge  Schwindsüch- 
tiger grösser  als  diejenige  Gesunder? 
p.  821. 

Potain,  Un  cas  de  tuberculose  aspergillalre 
(maladie  des  gaveurs  de  pigeous),  p.  822. 

Praunita,  W.,  Ueber  die  Verbreitung  der 
Tuberculose  durch  den  Personenverkehr 
auf  Bisenbahnen,  p.  820. 

Tangl,  Ueber  das  Verhalten  der  Tuberkel- 
baeillen  an  der  Eiogangspforte  der  In- 
fektion, p.  820. 

Weyl,  Zur  Chemie  und  Toxikologie  des 
Tubcrkelbaeilras,  p.  819. 


TJntersuehungsmethoden,  Instrumente  etc. 

Helm,  L ,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebi«ta 
der  bakteriologischen  UntersuchungsB«- 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig  i 
(Fortsetsung),  p  828. 

8chutaimpfung ,  kunstliche  Infektiaw- 


Ohiari,  H.,  Ueber  den  pathologiseh-uftto- 
miaehen  Befund  in  drei  mit  Koch'schen 
Injektionen  behandelten  Flllen  von  tchwt» 
rer  Lungentuberkulose,  p.  830. 

,   Weitere   pathologisch -eoatoaii*cb« 

Mittheilungen  Ober  mit  Koeh'seben  In- 
jektionen behandelte  Falle  von  Tuben*- 
lose,  p.  881. 

Foi,  F.,  Una  eeperiensa  negativa  sali*  im- 
munitk  per  la  tuberculosi,  p.  880. 

Plnuer,  Ein  neues  wiiksamet  HeUverfahrw 
bei  progressiver  Lungen-  und  Organ»* 
berculose,  p.  880. 

Behrwald,  Die  Kruirsche  Methode  der  Tu- 
berculosenbehandlung  in  ihrer  tbersu- 
sehen  Einwirkung  auf  die  Lange,  P-  M* 

Zmigredski,  Ein  kasuistiseber  Beitieg  iv 
Heilbarkeit  der  Pyimie,  p.  882. 

Litteratur,  p.  882. 


>  B»«fcdtMkt— I  (H< 


Fo*U)lnJ« 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  M.  Prot  Dr.  Leuckart  ni  Mecor  Dr.  Loefller 

in  Ldpdf  in  Gralfrwald 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band«       -o-     Jen»,  den  26.  September  1891.      -o-         No.  11« 

Preis  Ar  den  Band  (26  Hummern)  14  Hark. 

Jährlich  erscheinen  swei  Binde. 

— »|    Zu  beziehen  durch   alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten.    |*- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger 9  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
bissen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können* 


Original -Mittheilungen. 

Heber  die  Nomenclatur  der  schützenden  Eiweisskörper. 

[Aus  dem  Cambridge  Pathological  Laboratory.] 

Von 

E.  H.  Hankin, 

Fellow  of  8t.  John's  College  Cambridge. 

Auf  jeder  neuen  Bahn  wissenschaftlicher  Entdeckung  ist  es  nö- 
tbig,  dass  früher  oder  später  eine  allgemein  anerkannte  Nomenclatur 
eingeführt  wird.  Geschieht  dies  zu  früh,  so  kommt  es  oft  vor,  dass 
die  Nomenclatur  für  spätere  Entdeckungen  gar  nicht  stimmt,  wird 
sie  aber  zu  spät  eingeführt ,  so  mag  sie  wohl  Genauigkeit  besitzen, 


338  Hankin, 

ist  aber  oft  von  Unklarheit  im  Gebrauch  begleitet  Ich  möchte  nun 
eine  Nomenclatur  für  die  verschiedenen  schützenden  Eiweisskörper 
vorschlagen,  die  hoffentlich  beide  Gefahren  beseitigen  wird. 

Unter  „schützende  Eiweisskörper"  verstehe  ich  die  Eiweisskörper, 
durch  welche  der  Organismus  sich  gegen  Bakterien  schützt,  mögei 
sie  in  künstlich  immunen  oder  in  normalen  Thieren  vorkommen.  Die 
Versuche  von  Ogata1),  Tizzoni  und  Cattani*)  und  auch  die 
meinigen3)  lehren,  dass  die  schützenden  Eiweisskörper  fermentahn- 
liehe  Globuline  sind.  Diese  Thatsache  per  se  genügt,  um  zu  be- 
weisen, dass  eine  Klassifizirung,  welche  auf  den  chemischen  Eigen- 
schaften beruht,  bei  dem  gegenwärtigen  Stande  unseres  Wissens  kaum 
befriedigend  sein  kann.  Vielleicht  haben  einige  grössere  Stabilität 
als  andere:  einer  mag  alkalisch  reagiren4),  und  so  eine  chemische 
Verschiedenheit  zeigen.  Solche  Eigenschaften  aber  zeigen  keine  gute 
Basis  für  die  Klassifizirung,  und  es  erscheint  mir  daher  nöthig,  dass, 
bevor  man  eine  chemische  Klassifikation  feststellt,  nicht  nur  eine  viel 
genauere  Präzisirung  der  chemischen  Eigenschaften  dieser  Körper, 
sondern  vor  allen  Dingen  auch  ein  bedeutender  Fortschritt  in  unserer 
Kenntniss  von  den  Globulinen  überhaupt  erworben  sein  muss. 

Für  eine  physiologische  Klassifizirung  ist  das  aber  nicht  der 
Fall.  Schon  kennen  wir  tiefgreifende  physiologische  Unterschiede 
zwischen  verschiedenen  schützenden  Eiweisskörpern  —  Unterschiede, 
auf  welche  eine  Klassifizirung  leicht  begründet  werden  kann.  Von 
diesem  Gesichtspunkte  sind  die  schützenden  Eiweisskörper  zu  unter- 
scheiden, sowohl  betreffs  des  Ursprungs,  wie  der  physiologischen  Lei- 
stung. Einige  kommen  in  normalen  Thieren  vor  und  stehen  wahr- 
scheinlich in  Beziehung  zur  natürlichen  Immunität  Die  übrigen  finden 
sich  bei  einem  Thiere,  das  eine  Schutzimpfung  überstanden  hat,  und 
scheinen  ähnlicher  Weise  einen  causalen  Zusammenhang  mit  der  er- 
langten Immunität  zu  besitzen.  Für  diese  zwei  Hauptklassen  der 
schützenden  Eiweisskörper  möchte  ich  die  Namen  „Sozine"  und  „Phy- 
laxine"  empfehlen6). 

Ein  Sozin  ist  ein  schützender  Eiweisskörper,  der  in  normalen 
Thieren  vorkommt  und  wahrscheinlich  dieselben  gegen  viele  verschie- 
dene Bakterien  schützt  Durch  meine  Arbeiten  sind  die  Sozine  von 
Hunden,  Katzen,  Kaninchen,  Meerschweinchen  und  Ratten  bekannt '), 


1)  „Ueber  die  bakterienfeindliche  Substana  des  Blutes«1.  (Centralblatt  f.  Bakterio- 
logie u.  Parasitenkunde.  Bd.  IX.  1891.  Mai.  S.  699.) 

2)  „Ueber  die  Eigenschaften  des  Tetanus-Antitoxins".  (Dieses  Centralblatt.  Bd.  ß. 
1891.  Mai.  8.  685.) 

8)  „On  a  bacteria-killing  globulin".  (Proceedinga  of  the  Royal  Society  of  tondon. 
Bd.  XLVIIL  1890.  Mai.  S.  93.)  —  „On  the  oonflict  betweeo  the  organism  and  the 
mferobe".  (British  Medical  Journal.  Juli  12.  1890.  —  s.  Ref.  in  diesem  Centrtlblatt 
Bd.  IX.  S.  820.) 

4)  „Ueber  den  schulenden  Eiweisskörper  der  Ratte'1.  (Dieses  Centralblatt.  B<L  I*\. 
1891.  Mars.  S.  836  u.  372.)  Der  sebütsende  Eiweisskörper  der  Ratte  unterscheidet  sich 
▼on  anderen  Globulinen,  indem  er  eine  alkalische  Reaktion  gibt.  Die  schüttenden  Ei- 
weisskörper von  Hund,  Katse,  Kaninchen  und  Meerschweinchen  haben  nach  meinen 
Versuchen  keine  solche  Reaktion. 

5)  Soain  von  ogS(civ  su  bewahren,  Phylazin  von  (pvXaJcw  in  schfitaen. 

6)  Loc.  cit. 


Ueber  die  Nomenclatur  der  schützenden  Eiweisskörper.  339 

während  Ogata1)  mit  den  Sozinen  der  Hunde  und  Frösche  gearbei- 
tet hat. 

Ein  „Phylaxin"  ist  ein  schützender  Eiweisskörper,  der  in  einem 
Thiere  vorkommt,  das  Immunität  künstlich  erworben  hat.  Im  Gegen- 
satz zu  dem  Sozine  scheint  ein  Phylaxin  seinen  Besitzer  nur  gegen 
eine  einzige  Krankheitsursache  zu  schützen.  Das  einzige  bis 
jetzt  bekannte  Phylaxin  ist  das  Tetanus- Antitoxin  von  Tizzoni  und 
Cattani*),  und  durch  Analogie  kann  man  erwarten,  dass  eine 
ähnliche  Globulinart  im  Blute  von  Diphtherie  -  immunen  Kaninchen 
vorhanden  ist*). 

Augenblicklich  kann  man  nicht  mit  Sicherheit  behaupten,  in 
welchem  Theile  des  Körpers  Sozine  und  Phylaxine  vorkommen. 
Nach  meinen  Versuchen  (ich  werde  diesen  Punkt  unten  weiter  er- 
läutern) scheinen  die  Sozine  (während  des  Lebens  1)  in  den  Zell- 
körpern zu  sein,  während  nach  Tizzoni  und  Cattani  die  Phylaxine 
zum  grössten  Theil  in  den  thierischen  Flüssigkeiten  gelöst  sind. 
Es  ist  möglich,  dass  ein  weiterer  Unterschied  zwischen  diesen  zwei 
Hassen  von  schützenden  Eiweisskörpern  zu  finden  ist 

Es  scheint  mir  rathsam,  eine  weitere  Spaltung  dieser  zwei  Klassen 
vorzunehmen,  und  zwar  auf  Grund  der  physiologischen  Wirkung  dieser 
Körper.  Die  von  mir  bearbeiteten  Sozine  haben  bakterientödtende 
Eigenschaften.  Bis  jetzt  habe  ich  von  keiner  bakteriengiftzerstören- 
den Wirkung  berichtet.  Tizzoni  und  Cattuni  andrerseits  haben 
einen  Stoff  entdeckt,  der  ein  Beispiel  von  einem  giftzerstörenden 
Phylaxin  darstellt  Selbstverständlich  könnte  es  bakterienzerstörende 
Phylaxine  und  auch  bakteriengiftzerstörende  Sozine  geben.  Zum 
Beispiel  hat  Gamalei'a4)  gefunden,  dass  Kaninchen  -  Serum  und 
in  grösserem  Grade  ein  Milzextrakt  dieses  Thieres  das  Vermögen 
besitzen,  das  Gift  von  Vibrio  Metschnikowi  zu  zerstören. 
Gegen  diesen  Mikroben  ist  das  Kaninchen  von  Natur  aus  immun. 
Es  scheint  also  sich  hier  um  eine  Substanz  zu  handeln,  die  im  nor- 
malen Thier  vorkommt  und  eine  bakteriengiftzerstörende  Wirkung 
ausübt.  Diese  Substanz  würde,  wenn  sie  ein  Eiweisskörper  ist,  als 
ein  Sozin  betrachtet  werden  können. 

In  ähnlicher  Weise  ist  man  geneigt  zu  denken,  dass  ein  bak- 
terieotödtendes  Phylaxin  in  der  „Heilflüssigkeit"  von  Emmerich 
and  Mastbaum6)  vorhanden  ist.  Diese  Forscher  haben  gefunden, 
d&ss  das  Serum  eines  gegen  Schweinerothlauf  immunen  Kaninchens 
und  auch  ein  Extrakt  von  den  Organen  eines  solchen  Thieres  eine 
Heilwirkung  auf  diese  Krankheit  ausüben  kann.  In  diesem  Fall  scheint 
«,  dass  die  Heilung  durch  eine  bakterientödtende  Wirkung  hervor- 


1)  Loe.  cit 

2)  Loa  cit. 

3)  Behring  und  Kitas sto,  „Ueber  das  Zustandekommen  der  Diphtherie-Im- 
nonitit  und  der  Tetanus-Immunität  bei  Thieren."  (Deutsche  Med.  Woch.  1890.  Dec. 
s<>-  49.  S.  1118.)  Siehe  auch  G.  und  F.  Klemperer,  Berliner  klinische  Wochen- 
schrift 1891.  Aug  24  und  81. 

4)  Semaine  IKdicale.  1890  nnd  Ret  dieses  Centralblatt  Bd.  IX.  S.  452. 

5)  „Die  Ursache  der  ImmunitÄt,  die  Heilang  von  Infektionskrankheiten ,  speziell 
4*  Bothlanfes  der  Schweine  nnd  ein  neues  Schutiimpfungsyerfahren  gegen  diese  Krank- 
heit".   (Archiv  für  Hygiene.  1891.) 

22* 


340 


Hank  in,  üeber  die  Nomenclatur  dar  schützenden  Eiweisskörper. 


gerufen  ist  Ohne  Zweifel  ist  diese  Wirkung  mit  der  Gegenwart  einer 
bakterientödtenden  Substanz  verbunden,  und  wie  im  vorigen  Fall 
empfiehlt  die  Analogie  zu  glauben,  dass  dieser  Stoff  ein  Phylaxin  ist 

Die  Phylaxine  und  auch  die  Sozine  können  also  entweder  bak- 
terienzerstörend oder  bakteriengiftzerstörend  wirken.  Ich  denke,  es 
wird  erforderlich  sein,  auf  diese  Eigenschaften  zwei  Unterklassen  zu 
gründen.  Wie  die  schützenden  Eiweisskörper  nach  ihrer  Entste- 
hungsweise in  Sozine  und  Phylaxine  getrennt  sind,  so  kann  man 
nach  ihrer  physiologischen  Wirkung  sowohl  Sozine  als  auch 
Phylaxine  in  zwei  Unterklassen  theilen.  Diese  Unterklassen  können 
bequem  durch  die  Praefixe  Myko-  und  Toxo-  bezeichnet  werden, 
Myko  sollte  eine  bakterientödtende  Wirkung,  Toxo-  eine  giftzereto- 
rende  Wirkung  anzeigen.  So  ist  z.  B.  ein  Toxosozin  l)  ein  Sozia 
das  ein  Gift  zerstört,  ein  Mykosozin  aber  ein  Sozin,  das  Bakteriell 
vernichtet 

Diese  Eintheilung  erhellt  aus  dem  folgenden  Schema: 

Mykososine 

»  Sosine,  welche  di| 
Bakterien  zerstören. 
Z.  B.  alkalisches  Glo 
bulin  der  Ratte  on< 
gewisse  neutral  reagi 
rende  Globaline  ande 
rer  Thiere  (Hank inj 


Sosine 

=  Schütsende  Eiweiss- 
körper, die  im  norma- 
len Thiere  vorkommen. 


Schütsende  Ei- 
weisskörper 
es  Eiweisskörper,  mit 
welchen  der  Organis- 
mus sich  gegen  das 
Eindringen  von  Mikro- 
ben schützt. 


Phylaxine 

■s  Schützende  Eiweiss- 
körper, die  in  Tbieren 
vorkommen ,  welche 
durch  künstliche  Mittel 
Immunität  erworben 
haben. 


Toxososine 

■=  Sosine,  welche  di 
Bakteriengifte  unschid 
lieh  machen.  Z.  B.  imKi 
ninchen- Serum,  welch« 
das  Vibrio  Metsch 
nikowi-Oift  serstöi 
(Gamaleia). 


Mykophy  laxine 
=  Phylaxine,    weld 
die  Bakterien  zerstört 
Z.  B.  im  künstlich 
munen  Kaninchen, 
die     Schweinerothli 
Bacillen   tödtet    (Em 
merich  n.  di  Mat 
tei). 

I 

Toxo  phylaxine 
=*  Phylaxine,  die  Ba| 
teriengifte  zerstören. 
Z.  B.  Tetanus-Antitoii 
von  Tizzoni  ao 
Cattani. 


1)  Togo«  =  Pfeilgift. 

jmX^  =  Pilz  (cf.  Schisomycetes). 

(Schlnss  folgt.) 


Fiedel  er,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgeatüte.  341 


Ueber  die  Brnstseuche  im  Eoseier  Landgestüte  und  über 
den  Krankheitserreger  derselben. 

Von 

Dr.  Fiedeler, 

Kreisthierarst  in  Breslau. 
(Forteetsung.) 

Von  den  eingegangenen  Hengsten  wurden  von  mir  8,  and  von 
meinem  Nachfolger,  dem  Herrn  Kollegen  Richter,  welcher  in  liebens- 
würdiger Weise  seine  Leichenöffnungsbefunde  mir  zur  Verfügung 
stellte,  5  geöffnet  und  untersucht,  und  dadurch  folgender  Thatbestand 
festgestellt: 

1.  Die  mortifizirende  Lungenentzündung  fehlte  niemals  ganz, 
6mal  trat  sie  durch  umfangreiche  Erkrankung  beider  Lungenflügel 
in  den  Vordergrund.  In  den  übrigen  Fällen  beschränkte  sie  sich  auf 
eine  Longe  und  in  3  Fällen  auf  mehr  oder  weniger  zahlreiche  pneu- 
monische Herde.  Mit  Vorliebe  waren  die  Vorderlappen  und  die 
unteren  Abschnitte  der  Lungen  ergriffen. 

2.  Brustfellentzündung  fehlte  zweimal  gänzlich,  fünfmal  war  ihre 
Verbreitung  auf  eine  Seite  beschränkt  Sie  war  immer  serös-fibrinöser 
Art  In  2  Fällen  hat  sie  durch  hochgradige  Brustwassersucht  den 
Tod  herbeigeführt.  -  Es  wurden  in  einem  Falle  mehr  wie  20  Liter 
Transsudat  mit  umfangreichen,  fast  handdicken  Faserstoff-Gerinnseln 
aufgefunden. 

In  einem  Falle  war  durch  den  Durchbruch  einer  Kaverne  in  die 
Brusthöhle  Pleuritis  und  Sepsis  pulmonum  entstanden,  welcher  Vor- 
gang schon  zu  Lebzeiten  des  Thieres  mit  ziemlicher  Sicherheit  fest- 
gestellt werden  konnte.  Bereits  3  Stunden  nach  dem  Tode  war 
Fäulniss  an  der  betreffenden  Leiche  eingetreten ,  *  auf  dem  Blute 
schwammen  zahlreiche,  drehrunde,  zum  Theil  mit  einem  tiefgelben  Rande 
äftgefasste,  hellgelbe  Scheiben  —  Fetttröpfchen  — ,  die  mit  zahlreichen 
Buckeln  versehene  Milz  knisterte  beim  Bestreichen  und  war  85  cm 
lang  und  —  an  der  breitesten  Stelle  —  30  cm  breit 

3.  Hochgradige  Myo-  und  Endocarditis  bildeten  ständige  Begleit- 
erscheinungen und  standen  7mal  in  dem  Vordergrunde.  Viermal  war 
damit  eine  Pericarditis  und   einmal  „Hydrops  pericardii"  verbunden. 

4.  Ebenso  waren  die  grossen  Parenchyme  ständig  mit  erkrankt 
und  fast  immer  in  hochgradiger  Weise,  besonders  die  Milz  und  die 
Nieren. 

5.  Umfangreiche  hämorrhagische  Dickdarm-  und  Magenentzündung 
worden  6mal,  und  eine  hochgradige  Myositis  4mal  festgestellt 

Die  Krankheitsdauer  belief  sich  in  den  tödtlichen  Ausgängen 
durchschnittlich  auf  71/*  Tage,  die  kürzeste  dauerte  24  Stunden,  die 
längste  11  Tage. 

Zur  Auffindung  des  Krankheitserregers  wurden  nun  folgende 
Versuche  ausgeführt: 


342  Fiedeler, 


1.  Versuchsreihe. 

Am  15.  Dezember  1890  starb  an  den  Folgen  der  Brustseuche 
der  Deckhengst  „Nabob  ,u  und  standen  Septikämie  und  beiderseitige 
mortifizirende  Lungenentzündung  in  dem  Vordergrunde  der  anatomi- 
schen Krankheitserscheinungen.  In  den  aus  den  nekrotischen  Herden 
an  dem  Todestage  angefertigten  und  mit  Fuchsin  oder  Methylenblau 
gefärbten  Ausstrichpräparaten  fanden  sich  unter  dem  Mikroskope 
zahlreiche  ovoide  Bakterien,  welche  meistens  allein,  häufig  zu  zweien 
lagen  —  sog.  Diplokokken  —  und  in  seltenen  Fällen  mit  einem  ge- 
färbten oder  ungefärbten  Hofe  umgeben  waren. 

Hierauf  wurden  zur  Gewinnung  von  Reinkulturen  in  folgender 
Weise  Platten  angelegt: 

Nachdem  die  Lungenoberfläche  mit  einer  schwachen  Sublimat- 
lösung abgewischt  war,  wurde  mittelst  eines  ausgeglühten  Messers 
durch  eine  hepatisirte  Stelle  ein  senkrechter  Schnitt  und  darauf  - 
von  dieser  Schnittfläche  aus  —  mittelst  eines  anderen  ausgeglüh- 
ten Messers  ein  Querschnitt  gemacht  Aus  einem,  auf  dieser  zweites 
Schnittfläche  zu  Tage  tretenden  nekrotischen  Herde  wurde  mittelst 
eines  sterilisirten  Kneifers  ein  hirsekorngrosses  Stückchen  entnommen 
und  in  einem,  mit  erwärmter  Gelatine  angefüllten,  sterilisirten  Röhr- 
chen verrieben.  Nachdem  das  Röhrchen  mehrere  Male  vorsichtig  hia 
und  her  bewegt  worden  war,  wurden  von  seinem  Inhalte  10  Oesa 
voll  in  ein  anderes  Gelatine-Röhrchen  und  von  diesem  wiederum  10 
Oesen  voll  in  ein  drittes  Röhrchen  übertragen  und  darauf  der  Inhalt 
in  je  eine  sterilisirte  Glasplatte  gegossen. 

Mittelst  eines  auf  dieselbe  Weise  gewonnenen  nekrotischen 
Lungenstückchens  wurden  am  linken  Ohre  Kaninchen  1  und  übt? 
der  Schwanz wurzel  mittelst  eines  Milzstückchens  Kaninchen  i 
geimpft. 

Kaninchen  1  war  mehrere  Tage  lang  schwer  erkrankt,  die  Ohr- 
muschel war  heiss  und  hing  schlaff  herunter,  Mastdarmtemperatur 
stand  nahe  auf  40;  grosse  Athembeschwerde.  5  Tage  nach  der 
Impfung  war  das  Thier  wieder  völlig  gesund. 

Kaninchen  2  war  einen  Tag  nach  der  Impfung  hochgradig  er- 
krankt, hatte  über  40  innere  Temperatur,  Athembeschwerde,  geringe 
Fresslust,  und  nach  6  Tagen  war  —  unter  schlafsüchtigen  Krank- 
heitserscheinungen —  der  Tod  eingetreten. 

Leichenöffnung:  Das  Unterhautbindegewebe  in  der  Umgebung  der 
Impfstelle  ist  wässerig  durchtränkt,  die  Flankendrüsen  geschwollen 
Die  grossen  Parenchyme  sind  vergrössert  und  getrübt,  in  der  Leber 
zahlreiche  embolische  Herde. 

In  den  aus  dem  Impfserum  und  der  Milzpulpa  gewonnenen  und 
gefärbten  Ausstrichpräparaten  fanden  sich  unter  dem  Mikroskope 
zahlreiche  ovale  Bakterien,  häutig  in  Diplokokkenform  und  mit  einer 
Kapsel  umgeben.  Daneben  einzelne,  mit  Bakterien  vollgepfropfte 
Leukocyten. 

Am  22.  Dezember  1890  wurden  aus  dem  Herzen  und  der  Leber 
von  Kaninchen  2  je  3  Platten  in  folgender  Weise  angelegt: 


üeber  die  Brasteeuche  im  Koseier  Landgestüte.  343 

Mittelst  eines  ausgeglühten  Kneifers  wurde  das  frisch  aus  der 
Brusthöhle  genommene  Herz  erfasst,  darauf  mit  einer  ebenfalls  aus- 
geglühten Scheere  mit  einem  Schnitte  die  Herzspitze  abgeschnitten 
und  mit  einem  sterilisirten  Platindrahte  eine  Oese  voll  Blut  aus  der 
Herzkammer  entnommen  und  damit  3  Platten  in  der  beschriebenen 
Weise  besät 

Die  Aussaat  aus  der  Leber  geschah  durch  ein,  mittelst  eines 
Doppelscbnittes  gewonnenes  Leberstückchen. 

Ein  anderes,  ebenso  gewonnenes  Leberstückchen  wurde  Maus  1 
in  eine  über  der  Schwanzwurzel  mittelst  eines  Querschnittes  ge- 
bildete Hauttasche  geschoben.  , 

Am  Tage  nach  der  Impfung  war  Maus  1  traurig  und  athmete 
beschleunigt,  das  Haar  war  gesträubt,  die  Augen  geschlossen. 

Am  27.  Dezember  war  unter  schlafsüchtigen  Krankheitserschei- 
nungen der  Tod  eingetreten. 

Leichenöffnung:  Die  Impfstelle  wässerig  durchtränkt,  die  grossen 
Parenchyme  vergrössert,  die  Schnittfläche  derselben  trübe. 

In  dem  Blute  wurden  wenige,  in  der  Impfflüssigkeit  —  ausser 
fremden  —  zahlreiche  der  angegebenen  Bakterien  nachgewiesen. 

Aas  der  Milzpulpa  wurden  in  der  angegebenen  Weise  am 
28.  Dezember  3  Platten  angelegt. 

In  diesen  Platten,  wie  auch  in  den  von  Kaninchen  2  gewonnenen 
Herzblutplatten1),  welche  in  Zimmertemperatur  aufbewahrt,  aber 
einigemale  geschmolzen  waren,  weil  sie  zu  nahe  am  Ofen  gestanden 
hatten,  fanden  sich  am  5.  Tage  in  den  Originalplatten  zahlreiche 
Kolonieen,  welche  in  Haufen  oder  kettenförmig  aneinandergereiht 
lagen.  In  der  Mitte  dieser  Haufen  waren  die  Kolonieen  nahe  an- 
einandergerückt, an  manchen  Stellen  zusammengelaufen,  meistens  aber 
war  noch  mit  dem  Vergrösserungsglase  ein  deutlicher  Zwischenraum 
erkennbar. 

Am  Rande  waren  die  Kolonieen  und  auch   die  Zwischenräume 


In  den  Verdünnungsplatten  waren  die  Haufen  und  Ketten  ent- 
sprechend kleiner  und  weniger  zahlreich.  Eine  Verflüssigung  der 
Gelatine  war  nicht  eingetreten. 

Unter  dem  Mikroskope  —  bei  hundertfacher  Vergrösserung  — 
erschienen  die  Kolonieen  als  kleine,  unregelmässig  geformte,  meistens 
in  die  Länge  gezogene,  fein  granulirte  Gebilde  von  verschiedener 
Grösse  und  grauer  Färbung. 

In  den  aus  diesen  Kolonieen  angefertigten  und  gefärbten  Aus- 
strichpräparaten fanden  sich  Reinkulturen  von  Bakterien,  welche  in 
Bezug  auf  äussere  Form  sich  von  den  vorhin  beschriebenen  nicht 
unterscheiden  Hessen. 

Hierzu  bemerke  ich,  dass  die  eben  beschriebene  Vertheilung  und 
Form  der  Kolonieen  immer  dann  beobachtet  wurde,  wenn  die  Gela- 
tine aus  irgend  welchen  Gründen  eine  Zeit  lang  nach  der  Besamung 
geworden  war  und  dass  demnach  diese  Plattenkulturen  kein 


1)  Die  aus  der  Leber  gewonnenen  Platten  waren  Terunreinigt. 


344  FiedeUr, 

richtiges    Bild    von    den   Wachsthumsverhältnissen    der  fraglichen 
Bakterienart  geben. 

Anderseits  wurde  durch  UmzQchtung  und  weitere  Versuche  nach- 
gewiesen ,  dass  jene  Eolonieen  aus  Bakterien  bestanden ,  welche  ana- 
tomisch und  biologisch  nicht  von  den  in  den  Pferdelungen  aufge- 
fundenen zu  unterscheiden  waren. 

Aus  einer  von  Herzblut  des  Kaninchen  2  gewonnenen  Platte 
wurde  am  28.  Dezember  unter  dem  Vergrösserungsglase  eine  charakte- 
ristische Kolonie  gefischt  und  damit  beschickt:  Brühekultur  1 
und  2,  und  mit  einem  linsengrossen  Gelatinstück,  in  welchem  sich 
unter  dem  Mikroskop  4  charakteristische  Kolonieen  zeigten,  am  linken 
Ohre  geimpft:  Kaninchen  6. 

Kaninchen  6  war  bereits  am  31.  Dezember  todt  und  die  Leichen- 
öffnung ergab  keinen  wesentlich  anderen  Befund,  als  den  von  Ka- 
ninchen 2. 

Von  Kaninchen  6  wurden  aus  dem  Herzblute,  in  welchem  durch 
Ausstrichpräparate  charakteristische  Bakterien  nachgewiesen  wurden, 
angelegt:  3  Platten  und  2  Gelatine-Stiche. 

In  Platte  1  und  2  waren  am  6.  Tage  zahlreiche,  meist  grieskorn- 
grosse  Kolonieen  gewachsen,  deren  Beschreibung  später  erfolgen  solL 

Der  eine  Gelatine-Stich  enthielt  schon  am  folgenden  Tage  zahl- 
reiche Kolonieen,  welche  die  Gelatine  in  kurzer  Zeit  verflüssigt  hatten. 

Der  andere  Stich  zeigte  am  5.  Tage  kleine,  rundliche,  weiss 
gefärbte  Kolonieen,  welche  isolirt  blieben,  die  Gelatine  nicht  verflüs- 
sigten, nicht  über  den  Impfstich  hinauswuchsen  und  nach  dem  Ergeb- 
nisse der  mikroskopischen  Untersuchung  Reinkulturen  unserer  charak- 
teristischen Bakterien  enthielten. 

In  den  am  28.  Dezember  aus  einer  Reinkultur  besäten  Brühe- 
kulturen 1  und  2  hatte  sich  in  Zimmertemperatur  nach  4  Tagen  ein 
zäher,  flockiger  Bodensatz  gebildet,  der  obere  Theil  der  Brühe  war 
wenig  oder  gar  nicht  getrübt  In  dem  Bodensatze  wurden  Rein- 
kulturen unserer  Bakterien  nachgewiesen. 

Von  diesem  Bodensatze  wurde  je  ein  winziges  Stück  Maus 
5  und  6  unter  die  Rückenhaut  geschoben. 

Maus  6  blieb  gesund,  Maus  5  starb  am  4.  Tage  und  zeigte 
makroskopisch  und  mikroskopisch  ganz  denselben  Befund,  wie  er  bei 
Maus  1  beschrieben  worden  ist. 

Ferner  wurden  von  diesem  Bodensatze  angelegt:  3  Platten. 

In  Platte  1  und  2  waren  nach  3  Tagen  charakteristische  Kolonieen 
gewachsen,  Platte  3  blieb  steril. 

Aus  den  am  28.  Dezember  von  dem  Herzblute  der  Maus  1  an- 
gelegten Platten  wurde  am  2.  Januar  1891  eine  Kolonie  gefischt  und 
damit  besät:  3  Platten,  und  mit  einem  linsengrossen  Gelatinestück- 
chen Kaninchen  7  am  rechten  Ohre  geimpft. 

Die  Platten  zeigten  in  regelmässiger  Vertheilung  charakteristisch 
beschaffene  Kolonieen. 

Kaninchen  7  war  am  4.  Tage  gestorben.  Der  Befund  glich  im 
Wesentlichen  dem  von  Kaninchen  6. 

Aus  dem  Herzblute   wurden   angelegt:  2  Gelatine-Stiche. 


Ueber  die  Bnutseoche  im  Koseier  Landgestfite.  345 

In  dem  einen  Stiche  sah  man  am  15.  Janaar  deutlich  den  Wßg, 
en  die  Nadel  genommen  hatte;  derselbe  bestand  aus  grieskorn- 
rossen  Kolonieen,  welche  nach  Ablauf  von  weiteren  5  Tagen  fast 
ie  Grösse  von  Hirsekörnern  erreicht  hatten  und  im  üebrigen  die- 
elben  Eigenschaften  zeigten,  welche  bei  dem  von  Kaninchen  6  stam- 
lenden  Gelatine-Stiche  beschrieben  worden  sind. 

Es  ist  erinnerlich,  dass  am  15.  Dezember  aus  den  Nabob-Lungen 
lattenkulturen  angelegt  wurden,  und  zwar  2m al  3  Platten  und 

Originalplatten  ohne  Verdünnung  und  ausserdem  3  Gela- 
ine -Stiche.  Es  wurden  damit  verhältnissmässig  günstige  Ergeb- 
isse  erzielt,  wie  ich  sie  später,  trotz  der  erlangten  grösseren  Uebung 
nd  Geschicklichkeit,  kaum  wieder  erreicht  habe.  Es  ist  das  zweifel- 
)s  der  Grösse  der  nekrotischen  Herde,  welche  in  beiden  Lungen- 
flgeln  des  Nabob  in  grosser  Auswahl  vorhanden  waren,  zuzuschrei- 
ten. Sind  die  nekrotischen  Herde  kleiner,  so  ist  es  oft  schwer,  ein 
lODgeDstückchen  zu  erfassen,  ohne  dass  eine  Verunreinigung  mit 
remden,  meistens  schneller  wachsenden  und  deshalb  die  Platten  bald 
wstorenden  Bakterien  stattfindet. 

In  3  jener  Originalplatten  waren  am  3.-4.  Tage  zahlreiche,  über 
He  ganze  Platte  verbreitete,  untereinander  durchaus  gleichmässige 
Monieeu  gewachsen,  welche  die  Gelatine  nicht  verflüssigten,  fast 
mmer  isolirt  blieben  und  nach  weiteren  3  Tagen  nicht  viel  grösser, 
üs  ein  Grieskorn  geworden  waren.  In  zwei  VerdQnnungsplatten  waren 
rie  weniger  zahlreich,  erreichten  aber  fast  die  doppelte  Grösse. 

Unter  dem  Mikroskop  —  bei  100-facher  Vergrösserung  —  er- 
schienen sie  als  kleine,  rundliche,  fein  granulirte  Gebilde,  welche  in 
der  Grösse  nicht  gleichmässig,  und  hellgrau  gefärbt  waren. 

Die  aus  diesen  Kolonieen  gewonnenen,  und  mit  Fuchsin  oder 
Methylenblau  gefärbten  Ausstriebpräparate  enthielten  Reinkulturen 
fer  vorhin  beschriebenen  Bakterien. 

In  einer  anderen  —  der  vierten  Originalplatte  — ,  welche  am 
L  Tage  nach  der  Beschickung  geschmolzen  gewesen  war ,  hatte  die 
Verkeilung  der  Kolonien  häufen-  und  kettenweise,  in  derselben  Weise, 
wie  in  den  von  Kaninchen  2  stammenden  stattgefunden. 

In  2  Gelatine-Stichen  waren  am  5.  Tage  Kolonieen  von  der  vor- 
bin beschriebenen  Beschaffenheit  gewachsen.  In  den  Ausstrichprä- 
paraten derselben,  wie  in  den  aus  der  4.  Originalplatte  gewonnenen, 
befanden  sich  zahlreiche  charakteristische  Bakterien.  In  dem  3.  Ge- 
btine-Stiche  waren  bereits  am  Tage  nach  der  Impfung  zahlreiche 
fremde  Kolonieen  zu  erkennen. 

.  Am  25.  Dezember  wurde  aus  einer  Verdünnungsplatte  eine  Kolo- 
ue  gefischt  und  damit  besät:  3  Platten  und  mit  je  einem  Stück- 
ten Gelatine,  welches  2  Kolonieen  enthielt,  Maus  2  und  3  über 
der  Schwanzwurzel  geimpft 

Ausserdem  wurde:  1  Gelatine-Stich  in  der  Weise  angelegt, 

dass  eine  gerade,  ausgeglühte  Platinnadel  in  eine  Kolonie  getaucht 

trod  darauf  in  die  Gelatine  gestochen  wurde. 

.    In  den  Platten  waren  bereits  am  3.  Tage  sehr  zahlreiche  Kolo- 

ueen  deutlich  erkennbar,  die  sich  in  der  beschriebenen  Weise  weiter 


346 


Fiedeler, 


entwickelten  und  in  den  Ausstrichpr&paraten  Reinkulturen  von  ovoiden 
Bakterien  aufwiesen. 

Am  30.  Dezember  wurde  mit  einem  Stückchen  Gelatine  aus  der 
Verdünnungsplatte,  welche  3  charakteristische  Kolonieen  enthielt, 
geimpft:  Kaninchen  5. 

Dasselbe  starb  am  6.  Tage  nach  der  Impfung  und  gab  einen 
makroskopisch,  wie  mikroskopisch  charakteristischen  Befund. 

Ebenso  wuchs  in  charakteristischer  Weise  ein  aus  dem  Herz- 
blute dieses  Thieres  angelegter  Gelatine-Stich. 

Maus  2  und  3  waren  am  28.,  bezw.  29.  Dezember  todt  und 
gaben  einen  Untersuchungsbefund,  welcher  im  Wesentlichen  nicht  von 
dem  bei  Maus  1  festgestellten  abwich. 

Von  3  aus  dem  Herzblute  von  Maus  2  angelegten  Platten  waren 
auf  der  Originalplatte  die  bekannten  Kolonieen  gewachsen ,  die  Ver- 
dünnungsplatten waren  von  fremden  Kolonieen  überwuchert. 

Auch  der  am  25.  Dezember  angelegte  Gelatine-Stich  zeigte  das 
beschriebene  Wachsthum,  nur  ging  die  Entwickelung,  wie  bei  allen 
aus  Beinkulturen  angelegten  Platten  und  Stichen,  etwas  schneller  von 
Statten. 

Von  einem  der  beiden  aus  den  Nabob-Lungen  gewonnenen  Ge- 
latinestichen wurden  angelegt:  3  Platten. 

Es  wuchsen  in  denselben  Kolonieen,  welche,  was  Form,  Wachs- 
thum und  Inhalt  anbelangt,  nicht  von  denen  zu  unterscheiden  waren, 
welche  direkt  aus  den  Nabob-Lungen,  beziehungsweise  dem  Blute 
von  Kaninchen  2  und  Maus  1  stammten.    , 

Es  gestaltet  sich  demnach  die  erste  Versuchsreihe  in  ihren  posi- 
tiven Impfergebnissen  wie  folgt: 

1.  Nabob. 


Langen. 


Mils 


Kaninchen  2. 


6  Platten.      2  Stiche. 


8   Platten. 


8  Platten. 


Mausl. 


8  Platten.    1  Stich.    Maos  2  u.  8. 


2.  Brühe.     Kan.  6. 


2.  PI.    Maos  6. 


Kan.    6. 


1  Stich. 


8  Platt.  Kan.  7. 


1   Platte. 


2  Plat.  1  Stioh. 


1  Stich. 


Durch  diese  Versuchsreihe  ist  lediglich  der  Beweis  erbracht,  das» 
in  den  nekrotischen  Lungentheüen  eines  an  Brustseuche  eingegangenen 
Pferdes  Bakterien  vorhanden  waren,  welche  durch  das  Koch' sehe 


Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgestüte.  347 

» 

Plattenverfahren  in  einwnndsfreier  Weise  isolirt  werden  konnten. 
Diese  Reinkaltaren  übten  auf  Kaninchen  und  Mäuse  eine  tödtliche 
Wirkung  ausländ  es  wurden  in  dem  Blute  dieser  Impfthiere,  wie  auch 
in  den  aus  demselben  gewonnenen  Reinkulturen  wiederum  Bakterien 
gefanden,  welche  morphologisch  und  biologisch  von  den  direkt  aus 
den  Pferdelangen  gezogenen  nicht  unterschieden  werden  konnten. 

2.  Versuchsreihe. 

Bei  dem  an  Brustseuche  erkrankten  Deckhengst  Mickmack  stellte 
sich  am  8.  Krankheitstage  ein  rostfarbener  Nasenausfluss  ein,  welcher, 
nach  dem  Ergebnisse  der  mikroskopischen  Untersuchung,  neben  an- 
deren Bakterien,  zahlreiche  ovoide  Bakterien  enthielt,  welche  zum 
Theil  kettenweise,  oder  zu  zweien  —  Diplokokken  —  aneinander- 
gereiht lagen. 

Von  diesem  Nasenausflusse  wurden  am  23.  Dezember  Maus  4 
zwei  Oesen  voll  unter  die  Rückenhaut  gebracht. 

Die  Maus  zeigte  einige  Tage  geringe  Krankheitserscheinungen, 
war  dann  aber  wieder  völlig  gesund. 

Die  Entscheidung  darüber,  ob  der  rostfarbene  Nasenausfluss  über- 
haupt nicht  pathogen  wirkt  und  demnach  bei  der  Weiterverbreitung 
der  Krankheit  keine  Rolle  spielt,  oder,  was  mir  das  Wahrscheinlichste 
zu  sein  scheint,  nur  in  diesem  einen  Falle  aus  irgend  welchen  Grün- 
den seine  Infektionsfähigkeit  eingebüsst  hatte,  muss  weiteren  Ver- 
suchen vorbehalten  bleiben. 

Mickmack  war  am  23.  Dezember  gestorben  und  wurden  durch 
die  Leichenöffnung  nekrotische  Lungenherde,  Pleuritis  und  hoch- 
gradige Sepsis  pulmonum,  durch  Durchbruch  einer  Lungenkaverne 
verursacht,  festgestellt. 

In  dem  Blute  fanden  sich  zahlreiche  Fäulnissbakterien,  ebenso 
in  dem  nekrotischen  Lungengewebe,  daneben  auch  ovoide  Bakterien. 

Es  wurde  von  der  Anlage  von  Platten-Reinkulturen  von  vorn- 
herein Abstand  genommen,  dagegen  wurden  mit  je  einem,  möglichst 
kleinen  Lungenstückchen  geimpft:  Kaninchen  8  und  Maus  7. 

Kaninchen  8  blieb  gesund,  Maus  7  war  am  26.  Dezember  ge- 
storben. 

In  dem  Blute  derselben  waren  keine  fremden  Bakterien  nach- 
zuweisen, dagegen  zahlreiche  ovoide  Bakterien. 

Aus  dem  Herzblute  wurden  angelegt  3  Platten,  in  welchen 
un  3.  Tage  zahlreiche,  nadelspitzengrosse  Körnchen  zu  sehen  waren, 
welche  nach  8  Tagen  die  Grösse  eines  Grieskornes  erreicht  hatten. 

In  Platte  2  waren  die  Kolonieen  weniger  zahlreich,  dagegen  von 
doppelter  Grösse. 

In  der  dritten  Platte  war  nichts  gewachsen. 

Mit  je  zwei  aus  Platte  2  gefischten  Kolonieen  wurden  geimpft: 
Kaninchen  9  und  10. 

Kanindien  9,  welches  kräftig  und  ausgewachsen  war,  blieb  ge- 
ftond,  das  jüngere  und  schwächere  Kanindien  10  war  am  5.  Tage 
uch  der  Impfung  todt  und  gab  einen  makroskopisch  und  mikrosko- 
pisch charakteristischen  Befund. 


348  Fiedeler,  Ueber  die  Bnutseache  im  Koteier  Landgestfite. 

2.  Mickmack. 


Longe. 


Maus  7. 


2  Platten. 


Durch  diese  Versuche  werden  die  Ergebnisse  der  ersten  Versuchs- 
reihe lediglich  bestätigt.  In  Erwägung,  dass  Reinkulturen  a» 
den  septisch  infizirten  Lungen  nicht  zu  erwarten  standen,  wurdet 
keine  Plattenkulturen  angelegt  und  die  Gewinnung  von  Reinkultur« 
auf  einem  anderen  Wege  zu  erreichen  gesucht. 

Zunächst  wurde  ein  nekrotisches  Lungenstückchen  auf  eine  Ha» 
verimpft,  welche  in  kurzer  Zeit  starb.  Iu  dem  Blute  des  Impfthiei* 
fanden  sich  ausschliesslich  Bakterien  von  einer  bestimmten  Art,  der 
Thierkörper  hatte  gewissermaassen  als  Filter  gedient,  die  Fäulniss- 
bakterien ausgestossen  und  nur  jene  Bakterien  allein  isolirt  und  re» 
produzirt;  durch  diese  ist  der  Tod  des  Thieres  verursacht 

Nunmehr  konnte  zur  Anlage  von  Reinkulturen  geschritten  wer- 
den, die  denn  auch  aus  dem  Herzblute  des  Thieres  in  der  beschrie- 
benen Weise  gelangen. 

Diese  Reinkulturen,  deren  tödtliche  Impfwirkung  auf  ein  Kanin- 
chen erprobt  wurde,  sowie  die  aus  denselben  in  Ausstrichpr&parrt» 
gewonnenen  Bakterien  waren  in  Bezug  auf  Form,  Färbung  und  Waehs- 
thumsverhältnisse  nicht  von  denen  der  ersten  Versuchsreihe  zu  unter- 
scheiden. 

An  dieser  Stelle  möchte  ich  hervorheben,  dass  der  tödtliche  Ver- 
lauf der  Impfkrankheit,  von  welcher  die  Kaninchen  und  Mäuse  be- 
fallen werden,  bei  Kaninchen  abhängig  zu  sein  scheint  von  dem  Alter 
und  der  Stärke  der  Thiere ;  nach  meinen  Beobachtungen  war  der  tödt- 
liche Ausgang  bei  kräftigen,  ausgewachsenen  Kanindien  seltener,  als 
bei  jungen  und  schwachen  Kaninchen. 

(FortMtsang  folgt) 


Allgemeines  und  Geschichte  der  Bakteriologie.  349 


Referate. 


Buchner,  Kurze  Uebersicht  über  die  Entwickelung  der 
Bakterienforschung  seit  Na egeli's  Eingreifen  in  die- 
selbe.   Vortrag,  gehalten  im  Aerztlichen  Vereine  in  München  am 
3.  Juni  1891.    (Münchener  medizinische  Wochenschrift.  1891.  No. 
25  and  26.) 
Der  vorliegende  Vortrag,  der  im  Aerztlichen  Vereine  in  München 
m  unmittelbarem  Anschlüsse  an  einen  Nachruf  für  C.  W.  v.  Naegeli 
gehalten  wurde,  beabsichtigt  durch   historisch- kritische  Darstellung 
der  neueren  Entwickelung  der  Bakterienforschung  zur  Richtigstellung 
des  Urtheils  über  jenen  hevorragenden  Forscher  beizutragen.    Geschil- 
dert wird  zunächst  die  von  Pasteur  ursprünglich  inaugurirte,  von 
Koch  aber  erst  zu  ihrer  höchsten  Vollendung  gebrachte  Periode 
des  Nachweises  der  spezifischen  Krankheitserreger,  welche  die  para- 
sitäre Entstehung  der  Infektionskrankheiten   zur  Thatsache  machte 
und  den  wissenschaftlichen  Boden  für  alle  weiteren  Forschungen  ebnete. 
Bald  zeigten  sich  jedoch  im  weiteren  Verlaufe  die  bis  dahin  gehegten 
einfachen  Vorstellungen  über  die  ursächliche  Rolle  der  Bakterien  bei 
Infektionsprozessen    als    unzulänglich;    namentlich    das  Vorkommen 
wechselnder  Virulenzgrade   bei  den  Infektionserregern,   das 
was  Naegeli   „Anpassung"  genannt  hatte,  konnte  als  allgemeine 
und  wichtige  Thatsache  konstatirt  werden,  womit  zum  erstenmale  seit 
Naegeli  physiologische  Vorstellungen  wieder  einen  breiteren 
Boden  in  der  Bakterienforschung  gewannen. 

Zwar  ist  qs  unbestreitbar,  dass  Naegeli 's  theoretische  Ideen 
bezüglich  der  Speziesfrage  bei  den  Spaltpilzen,  die  er  übrigens  selbst 
nur  als  Hypothesen  bezeichnete,  über  das  richtige  Ziel  hinausgingen ; 
anderseits  aber  lässt  sich  nicht  leugnen,  dass  Naegeli  gerade  in 
Bezug  auf  physiologische  Fragen  sehr  wichtige  Dinge  und  Verhält- 
nisse mit  Klarheit  voraussah.  Zum  erstenmale  legte  er  sich  die 
frage  vor,  warum  ein  infizirter  Organismus  nicht  jedesmal  erliegt, 
nachdem  doch  die  Vermehrungsfähigkeit  der  Spaltpilze  an  sich  eine 
^begrenzte  ist,  und  er  kam  zu  der  Erkenntniss,  dass  die  Theile  des 
Organismus  dem  Infektionserreger  einen  gewissen,  in  verschiedenen 
fällen  verschiedenen  Widerstand  entgegensetzen,  er  bezeichnete 
das  Verhältnis8  als  einen  „Konkurrenzkampf  *  zwischen  den  intiziren- 
den  Pilzen  und  den  Lebenskräften,  wobei  namentlich  die  Zahl  der 
iflfizirenden,  in  einem  Organe  gleichzeitig  anwesenden  Pilze  für  den 
Ausgang  des  Kampfes  entscheidend  sein  müsse.  Die  krankmachende 
Wirkung  der  Bakterien  erklärt  Naegeli  dadurch,  dass  sie  den 
Geweben  die  besten  Nährstoffe  und  den  Blutkörperchen  den  Sauer- 
stoff entziehen,  dass  sie  giftige  Fäulnissprodukte  bilden  und  Fermente 
ausscheiden.  Auf  den  Reiz,  den  die  Vegetation  der  Spaltpilze  im 
Benschlichen  Organismus  hervorruft,  folgt  nach  ihm  eine  Reaktion, 


350  Geschichte  der  Bakteriologie  (Schuteimpfung  etc.). 

welche  die  normale  chemische  Beschaffenheit  der  Säfte  wieder  herzu- 
stellen sucht 

Die  innere  Berechtigung  dieser  Jdeen  wurde  grösstenteils  durcl 
die  seitdem  erfolgten  ^tatsächlichen  Ermittelungen  glänzend  erwiesen 
Metschnikoff  demonstrirte  den  „Konkurrenzkampf6  Naegeln 
sogar  unter  dem  Mikroskop;  aber  so  unzweifelhaft  richtig  die  v« 
ihm  gemachten  Beobachtungen  an  sich  auch  sein  mögen,  so  fehl 
doch  den  daraus  abgeleiteten  Folgerungen  die  allgemein  gültige  Be 
weiskraft.  Um  die  Phagocytentheorie  als  richtig  darzuthuo,  das 
würde  nämlich  die  Ausschliessung  aller  sonst  möglichen  Ursache! 
für  den  Untergang  der  Infektionserreger  im  Körper  nothwendig  ge 
hören.  Aber  gerade  diese  Bedingung  ist  unerfüllbar,  da  die  taglicl 
sich  mehrenden  experimentellen  Erfahrungen  darthun,  dass  des 
Blutserum,  überhaupt  den  zellenfreien  Oewebssäften  an  und  für  siel 
bereits  bakterienfeindliche  Wirkungen  innewohnen.  Die  Stoffe,  u 
deren  Anwesenheit  die  letzteren  Wirkungen  beruhen,  sind  jeden!"' 
Eiweisskörper,  aber  nicht  etwa  „Fermente",  wie  Ogata  mein! 
da  von  den  Fermenten  oder  Enzymen,  deren  Funktion  in  hydrol] 
tischen  Spaltungen  besteht,  eine  schädliche  Wirkung  auf  Baktei 
gar  nicht  bekannt  ist,  während  hier  gerade  auf  letzterer  Wirkai 
der  alleinige  Nachdruck  liegt.  Es  handelt  sich  demnach  um  Eiwei 
körper  einer  neuen  Kategorie,  die  besonders  durch  grosse  Labilil 
ausgezeichnet  sind  (bei  50—55°  C  erlischt  rasch  die  Wirksamkeit] 
und  die  am  besten  mit  einem  neuen  Namen,  etwa  als  „Alexin 
(d.  h.  Schutzstoffe,  von  äligeiv  abwehren,  schützen)  bezeichnet  wer* 
könnten. 

Ob  beim  Entzündungsprozess,  der  zweifellos  den  Abwel 
einrichtungen  des  Organismus  zugezählt  werden  muss,  derai 
Schutzstoffe  etwa  in  erhöhtem  Maasse  gebildet  werden,  ist  ganz 
gewiss.  Die  bisherigen  Forschungen  ergaben  nur,  dass  Entzündi 
resp.  Eiterung  auch  dann,  wenn  sie  durch  eine  zweite,  relativ 
schädliche  Bakterienart  im  Körper  hervorgerufen  wird,  heilsam  ge 
die  primäre  Infektion  wirken  kann;  und  ferner,  dass  gewi 
chemische  Stoffe  der  Spaltpilze  bei  der  Erregung  von  Entzündi 
resp.  Eiterung  das  Wirksame  sind,  nicht  die  Lebens thäti 
keit  der  Bakterienzellen  an  sich.  Als  solche  Stoffe  erwi 
sich  die  eiweissartigen  Bestandteile  der  Leibessubstanz  d< 
Bakterien,  die  sogenannten  Bakterienproteine,  welche  als 
eigentlichen  Entzündungsursachen  zu  betrachten  sind.        , 

Im  Gegensatz  zu  den  Ptomalnen  und  Toxinen  werden  die  Ba| 
terienproteKne  erst  von  den  dem  Untergang  verfallenen,  im  Ab 
sterben  begriffenen  Bakterienzellen  ausgeschieden ;  dies  erkläJ 
sich  daraus,  dass  die  jungen  lebenskräftigen  Zellen  die  plasmatische 
Bestandteile  festhalten,  deren  sie  zum  weiteren  Wachsthum  bedürfe 
während  die  alternden  Zellen  hierzu  nicht  mehr  im  Stande  sin< 
Nicht  jede  Bakterienvegetation  bewirkt  darum  an  sich  Entzünduuj 
sondern  nur  eine  solche,  bei  der  ein  Theil  der  Bakterien  in  Folg 
von  Gegenwirkungen  der  Gewebssäfte  im  Absterben  begriffen  ist. 

Dies  gilt  namentlich  auch  für  den  Tu  berkelbacillus;  dei 


Geschichte  der  Bakteriologie  (8chutsimpfang  etc.).  351 

elbe  ist  ein  Entzündungserreger  oder  er  ist  es  nicht,  er  tritt  sogar 
Js  Eiterungserreger  auf,  je  nach  den  Bedingungen  an  Ort  und  Stelle. 
)ie  verschiedenen  tuberculösen  Gewebe  sind  in  Bezug  auf  den 
leizungsgrad  keineswegs  gleichwertig;  letzterer  ist  bedingt  durch 
ten  grösseren  oder  geringeren  Untergang  von  Tuberkelbacillen  im 
iewebe,  d.  h.  von  der  stärkeren  oder  schwächeren  Ausscheidung  von 
toteinen  aus  dem  Tuberkelbacillus.  Diese  Verhältnisse  sind  wichtig 
ur  Beurtheilung  der  Wirkungsweise  des  Tuberculin. 

Der  Mangel  an  theoretischer  Durchdringung  bei  Koch 's  Ent- 
leckung  äusserte  sich  vor  Allem  darin,  dass  nach  seiner  Annahme 
las  Tuberculin  durch  Nekrosirungen  heilen  soll,  während  alle  histo- 
ogischen  Untersucher  konstatirt  haben,  dass  dasselbe  akute  ent- 
zündliche Reizung  hervorruft,  also  prinzipiell  in  der  nämlichen 
Weise  wirkt,  wie  schon  vorher  Hemmung  von  Infektionen  durch 
künstlich  erzeugte  entzündliche  Beizung  angestrebt  und  erzielt  worden 
iar.  Das  Zustandekommen  der  entzündlichen  Beizung  erklärt  sich 
laraos,  dass  die  wirksamen  Bestandteile  im  Tuberculin  nichts  an- 
leres sind,  als  eiweissartige  Stoffe  aus  dem  Tuberkelbacillus  (was 
ler  Vortragende  sofort  nach  Koch 's  erster  Mittheilung  ausgesprochen 
hatte),  die  in  Analogie  anderer  Bakterienproteine  wirken. 

Aach  über  die  Frage:  auf  welche  Theile  wirkt  das  Tuber- 
culin? —  fehlten  von  vorneherein  begründete  physiologische  Vor- 
stellungen. Allerdings  wissen  wir,  dass  nicht  die  Bacillen,  sondern 
nur  das  Gewebe,  im  Allgemeinen  nur  das  tuberculöse  Gewebe  be- 
troffen wird,  eine  Auslese,  die  wohl  begreiflich  erscheint,  weil  die  be- 
reits im  Reizungszustand,  wenn  auch  nur  in  latenter  Reizung  befind- 
lichen Zellen  durch  den  neuen,  überall  wirkenden  Reizanstoss  leichter 
tos  dem  Gleichgewicht  gebracht  werden,  als  die  übrigen  normalen 
Zellen  des  Körpers.  ProtelCnwirkung  addirt  sich  zu  Proteinwirkung, 
denn  die  beiden,  aus  dem  Tuberkelbacillus  stammenden  Reizstoffe 
und  chemisch  identisch.  Die  Heilung  mit  Tuberculin  ist  daher  im 
Wesentlichen  Naturheilung,  bei  der  nur  das  eine  Moment,  die 
neilsame  entzündliche  Reaktion  künstlich  stärker  betont  wird,  was 
zugleich  die  prinzipielle  Richtigkeit  der  vom  Vorstehenden  in  dieser 
Beziehung  schon  vor  Jahren  ausgesprochenen  theoretischen  Deber- 
augungen  beweist. 

Trotzdem  kann  bei  dem  Koch 'sehen  Verfahren,  entsprechend 
wm  Reizungsgrade  der  verschiedenen  tuberculösen  Gewebe,  die 
Wirkung  nicht  genügend  diflerenzirt  werden.  Da  der  Effekt  des 
werculins  auf  Addirung  von  Proteinwirkungen  beruht,  so  bildet  ein 
präexistenter  Reizungszustand  von  gewissem  Grade  die  nothwendige 
Voraussetzung  seiner  Wirksamkeit;  dieser  Reizungszustand  fehlt  aber 
jß der  Regel  in  den  jüngsten  miliaren  Eruptionen,  wo  das 
teilweise  Absterben  der  Bacillen  und  die  damit  verbundene  Proteln- 
ausscheidung  noch  nicht  oder  nicht  in  genügendem  Grade  sich  ent- 
wickelt haben.  Die  klinische  Erfahrung  stimmt  hiermit  vollkommen 
herein.  Das  Tuberculin  wirkt  nicht  auf  die  Bacillen,  es  wirkt  aber 
auch  nicht  auf  die  jüngsten  tuberculösen  Eruptionen, 


352  Skorbut 

und  deshalb  kommt  es  so  häufig  während  der  Behandlang  zu  einer 
Weiterverbreitung  der  Tuberculose  im  Körper.  (Autoreferat) 

WlerluzskJJ ,  D.,  Untersuchung  des  Blutes  Skorbut- 
kranker  auf  Mikroorganismen.  (Wracz.  1890.  pag. 208 ff., 
303  ff.)    [Russisch]. 

Die  Anwesenheit  von  Mikroorganismen  im  Blute  kann  man  auf 
dreierlei  Art  nachweisen :  Durch  direkte  mikroskopische  Untersuchung 
des  Blutes,  ohne  oder  mit  Anwendung  von  Tinktion,  durch  Aus- 
saat auf  Nährsubstrate  und  durch  Infektion  von  Thieren  mit  dem 
Blute.  Nach  allen  3  Methoden  behaupten  einzelne  Forscher  die  An- 
wesenheit von  Mikroorganismen  im  Blute  Skorbutkranker  konstatirt 
zu  haben:  nach  der  ersten  Methode  Camen,  nach  der  zweiten 
Uskow  (Aussaat  auf  Fleischpeptongelatine),  nach  der  dritten  Murri, 
Cantü,  Pari  und  Petrone. 

Verf.  hat  ebenfalls  alle  3  Methoden  in  Anwendung  gebracht 
Er  tingirte  nach  verschiedenen  Methoden  auf  Deckglas  getrocknetes 
Blut  mit  Methylviolett,  Dahlia,  Fuchsin,  Methylenblau,  ferner  nach 
Ziehl,  nach  Ehrlich- Weigert,  nach  Oram,  nach  Haaser, 
nach  Günter;  jedoch  fand  er  weder  im  tingirten,  noch  im  frischen 
noch  in  mit  fixirenden  Reagentien  behandeltem  Blute  jemals  wedei 
Bakterien,  noch  irgend  welche  andere  Mikroorganismen. 

Zu  Aussaaten  wurde  gewöhnlich  Blut  aus  dem  Finger  der  P* 
tienten  genommen,  in  5  Fällen  aus  Skorbutflecken  auf  dem  Unter- 
schenkel; die  Entnahme  des  Blutes  geschah  mit  sorgfältiger  Beobach* 
tung  von  Vorsichtsmaassregeln  gegen  Verunreinigung  aus  der  Luft 
Es  wurden  folgende  Nährsubstrate  verwandt:  gewöhnliche  Bouillon 
desgl.  mit  Glycerinzusatz ;  desgl.  aus  Menschenblut;  Milch;  neutrale 
Malz wasser;  desgl.  mit  Glycerinzusatz;  Fleischpeptongelatine;  desgl 
mit  Glycerinzusatz;  Agar-Agar;  desgl.  mit  Glycerinzusatz;  Rinder 
blutserum;  Menschenblutserum.  Im  Ganzen  wurden  111  Versuch 
angestellt.  In  der  ersten  Reihe  wurden  auf  56  Aussaaten  in  11  Fäilei 
Mikroorganismen  erhalten ,  die  aber  sämmtlich  aus  der  Luft  st&m 
mende  Verunreinigungen  sind,  nämlich :  Bacillus  8 u b t i  1  i s  (4 mal 
Sarcina  lutea  (2  mal),  Staphylococcus  aureus  und  albus 
(je  lmal),  Penicillium  glaucum  (2 mal)  und  der  Pilz  des  Her- 
pes tonsurans  (1  mal).  In  der  zweiten  Versuchsreihe  entwickelte! 
sich  von  55  Aussaaten  nur  in  dreien  Mikroorganismen,  nämlich! 
Bacillus  subtilis  (2 mal)  und  Staphylococcus  aureus 
(1  mal).  In  allen  übrigen  Fällen  blieben  die  Nährsubstrate  steril 
sowohl  bei  Zimmertemperatur,  als  auch  wenn  sie  2—3  Wochen  lang 
in  Thermostaten  bei  34—37  °  gehalten  wurden. 

Endlich  wurden  je  mehrere  Tropfen  Blut  4  Kaninchen  injizirt 
Alle  Kaninchen  blieben  gesund. 

Obgleich  bei  keiner  der  3  angewandten  Methoden  ein  negatives 
Resultat  absolut  beweiskräftig  ist,  so  wird  es  doch  aus  den  Unter 
suchungen  des  Verf.'s  höchst  wahrscheinlich,  dass  der  Skorbut  nicht 
eine  durch  Mikroorganismen  im  Blute  bewirkte  Infektionskrank- 
heit ist. 


Gonokokken  bei  Urethritis.  —  Myxosporidien.  353 

Die  weiteren  Auseinandersetzungen  des  Verf.'s  über  die  mögliebe 
Aetiologie  des  Skorbuts  sind  nicht  von  bakteriologischem  Interesse. 
Schliesslich  erklärt  es  Verf.  für  wahrscheinlich,  dass  man  es  beim 
Skorbut  mit  der  Vergiftung  des  Körpers  durch  einen  Stoff  zu  thun 
hat,  welcher»  in  den  Därmen  als  Produkt  der  Darmbakterien  gebildet, 
nicht  in  entsprechender  Menge  aus  dem  Organismus  entfernt  wird 
and  sich  daher  im  Blute  anhäuft.  W.  Roth  er  t  (Kazan). 

Cfoll,  Ueber  die  Häufigkeit  des  Vorkommens  von  Go- 
nokokken bei  chronischer  Urethritis.  (Gorrespondenzbl. 
für  Schweiz.  Aerzte.  Jahrg.  XXL  1891.  [S.  A.].) 

Die  praktische  Wichtigkeit  dieser  Frage  veranlasste  Verf.  seine 
Untersuchungen  auf  eine  möglichst  grosse  Anzahl  von  Fällen  auszu- 
dehnen. Das  stattliche  Beobachtungsmaterial,  über  welches  Verf. 
verfügt,  besteht  aus  1143  mikroskopisch  genau  untersuchten  Fällen, 
die  in  einer  kleinen  Tabelle  zusammengestellt  sind.  Das  Sekret 
wurde  in  den  meisten  Fällen  nach  Wochen,  Monaten  und  Jahren 
mehrfach  untersucht,  bei  wichtigen  Fällen  sogar  10— 14  mal. 

In  der  Kegel  wurde  das  Sekret  Morgens  vor  der  ersten  Miktion 
genommen,  sonst  nach  Applikation  von  Bougies,  Sonden  aus  ver- 
schiedenen Partien  der  Harnröhre,  namentlich  der  p.  bulbosa  und  bb. 
prostatica.  —  Die  wichtigsten  hier  in  Betracht  kommenden  Resul- 
tate, die  sich  aus  diesen  Untersuchungen  ergeben,  sind  folgende: 

Bei  jungen,  gesunden  Männern  können  die  Gonokokken  schon  nach 
Ablauf  von  3  Wochen  nach  der  Infektion  vollständig  und  für  immer  ver- 
schwunden sein.  Von  Recidiven  ohne  Gonokokken  hat  Verf.  31  Fälle 
notirt,  während  es  Fälle  gab,  die  bis  zu  2  und  mehr  Jahren  infek- 
tiös blieben.  Bei  ganz  alten  Fällen  von  4  und  mehr  Jahren  wurden 
überhaupt  keine  Gonokokken  mehr  aufgefunden.  —  Zwischen  dem  5. 
und  9.  Monate  kommen  im  Urethraleiter  die  Gonokokken  beinahe 
eben  so  häufig  (17— 20°/0  der  Fälle)  vor,  wie  im  2.  und  3.  Monate; 
das  Seltenerwerden  der  Gonokokkenbefunde  kommt  erst  nach  1  bis 
2  Jahren  vor.  In  zirka  80  Fällen  von  4  und  mehr  Jahren  Dauer  konnten 
kein  einzigesmal  Gonokokken  gefunden  werden,  trotzdem  einzelne 
Fälle  10 — 15  mal  untersucht  wurden.  —  Neben  den  Gonokokken 
kommen  im  Sekrete  der  Urethritis  chronica  noch  andere  Kokken  (Diplo- 
kokken) und  kurze  dicke  Stäbchen  vor.  Staphylokokken  wurden 
selten  beobachtet,  während  Streptokokken  hie  und  da  vorkamen. 
Schliesslich  erwähnt  Verf.  noch  einen  hartnäckigen  Fall  von  3  Mo- 
naten Dauer,  bei  dem  die  Gonokokken  anfangs  haufenweise  in  den 
Zellen  um  die  Kerne  gruppirt  lagen,  später  aber  hauptsächlich  in 
der  Kittsubstanz  zwischen  den  Epithelzellen  fest  eingebettet  waren. 

Tan  gl  (Tübingen). 

TMlohan,  M.  P.,  Sur  la  Constitution  des  spores  desMy- 
xosporidies.  (Comptes  rendus  de  l'Acad.  des  Sciences  de  Paris. 
9.  Dec  1889.) 
Das  in  den  frisch  untersuchten  Myxosporidien-Sporen  als  heller 

Fleck  vortretende  Gebilde  ist  nach  den  Untersuchungen  des  Verf.  ein 

1  Bd.  oo 


354  Myxosporidiea. 

Hohlraum,  angefüllt  mit  eigentümlicher  Substanz,  welche  den  Kern- 
färbemitteln  unzugänglich,  jedenfalls  kein  Kern  ist,  wie  B  ü  t  s  c  h  1 1  i  (1881) 
angenommen.  Diese  Vacuole  und  ihr  Inhalt  treten  nach  Behandlung 
mit  Alkohol,  Argent  nitric.  und  verschiedenen  Säuren  deutlich  vor. 
Jod  färbt  dieselbe  dunkelbraun,  während  die  übrige  Substanz  gelb- 
lich bleibt.  Diese  letztere  Wirkung  war  Bütschli  bekannt,  der 
gleichwohl  annahm,  die  Widerstandsfähigkeit  der  Hüllen  hindere  die 
Färbung. 

Es  gelang  Thelohan,  neben  der  fälschlich  als  Kern  ausge- 
sprochenen Vacuole  den  wirklichen  Kern  nachzuweisen,  der  den  Kern- 
färbemitteln gut  zugänglich  war.  Härtung  in  Pereu'gischer  Flüs- 
sigkeit oder  Osmiumsäure,  Färbung  durch  Methylgrün,  Safranin,  Bo- 
raxkarmin Pikrokarmin,  Hämatoxylin. 

Der  Kern  liegt  in  den  noch  nicht  völlig  in  Hülle  eingeschlos- 
senen Sporen  der  Sporoblasten,  meist  nach  vorne  von  dem  zentralen 
Bläschen ,  welches  schon  im  Sporoblasten  vorhanden  ist  und  nie  eine 
Färbung  annimmt.  Der  Kern  schnürt  sich  ein  und  zeigt  alle  Ueber- 
gangsstadien  bis  zur  Theilung  in  zwei  distinkte  Kerne.  Diese  theilen 
sich  wieder  und  man  hat  zuletzt  Sporen  mit  4  Kernen,  die  symme- 
trisch zwei  nach  vorne  und  zwei  nach  hinten  von  dem  centralen 
Bläschen  liegen. 

Den  Schaalenanhängen  der  Sporen,  die  Balbiani  beschrieben, 
glaubt  Verf.  nicht  die  Rolle  fundamental  wichtiger  Organe  zu  ge- 
stehen zu  sollen,  da  er  sie  oft  fehlen  sah. 

Bei  Myxosporidien  anderer  Thiere  (das  Vorstehende  bezieht  sich 
auf  die  Schleihe)  sah  Verf.  aus  dem  einen  Kerne  nur  3  sekundäre 
entstehen.  Im  Ufebrigen  waren  die  Entwicklung  und  der  Charakter 
der  Sporen  die  gleichen. 

Die  indirekte  Kerntheilung  bei  der  Myxosporidienspore  ist  da- 
durch erwiesen.  Wolters  (Bonn). 


Thllohan,  M.  P.,  Recherches  sur  le  däveloppement  des 
spores  chez  les  Myxosporidies.  (Comptes  rendus  de  la Soc. 
de  Biologie.  1890.  Nov.) 

Der  Verf.  hat  unter  Anwendung  neuerer  mikroskopischer  Me- 
thoden die  Kernverhältnisse  bei  den  Sporen  der  Myxosporidien  und 
ihre  Entwickelung  von  neuem  untersucht. 

Er  fand,  dass  um  einen  der  zahlreichen  im  Entosark  liegenden 
Kerne  eine  Differenzirung  des  Protoplasmas  stattfindet,  von  kugeliger 
Form  mit  einer  Hülle  umgeben.  Der  Kern  selbst  theilt  sich  durch 
Karyokinese  (Beobachtung  typischer  Spindeln).  Die  resultirenden 
Kerne  zerfallen  wiederum  durch  indirekte  Theilung,  bis  die  Zahl  10 
erreicht  ist.  Jetzt  erst  zerfällt  auch  die  in  der  Hülle  eingeschlossene 
Plasmamasse  in  zwei  „Sporoblasten".  In  jedem  derselben  befinden 
sich  4  Kerne  (nach  Bütschli  3),  die  übrigen  bleiben  mit  wenigem 
Protoplasma  der  Hülle  anliegen,  die  bis  zur  Reife  der  Sporen  be- 
stehen bleibt. 

Bei  den  Formen  mit  2  Polarkapseln  theilt  sich  jeder  Sporoblast 


Myxosporidien.  —  KnoUankrankbeit  der  Oliren.  —  Phylloxer».  355 

in  3  Theile,  einen  grösseren  und  zwei  kleinere.  Erster  wird  zur  Plas- 
mamasse der  Sporen,  letztere  beiden  zu  den  Polarkapseln. 

Jeder  der  kleineren  fahrt  einen  Kern,  in  dessen  Nachbarschaft 
eine  randliche  „Vacuole"  auftritt  In  diese  hinein  wuchert  von  der 
Wand  vordringend  eine  protoplasmatische  Knospe  und  buchtet  die 
Vacuolenhülle  ein,  wird  birnförmig  und  schnürt  sich  nach  und  nach 
ab.  Mit  einer  Membran  umgeben,  liegt  der  birnförmige  Körper  jetzt 
frei,  rundet  sich  ab  und  zeigt  in  seinem  Inneren  einen  Faden.  Um 
die  so  entwickelten  Polarkapseln  finden  sich  Reste  des  primären 
Plasmas  und  den  ursprünglichen  Kern,  der  meist  der  Kapsel  ange- 
haftet bleibt,  in  einigen  Fällen  sich  aber  auch  in  der  Plasmamasse 
der  Sporen  findet.  (Die  Ansicht  entspricht  nicht  mehr  der  früher 
über  diese  Kerne  geäusserten). 

Der  dritte,  grössere  Theil  des  Sporoblasten  bildet  sich  zur  Plas- 
mamasse der  Spore  aus  und  zeigt  zwei  Kerne  dicht  bei  einander. 
Ob  diese  primär  im  Sporoblast  vorhanden,  oder  erst  sekundär  durch 
Theilung  hervorgegangen,  hat  Thälohan  nicht  nachzuweisen  ver- 
mocht Ist  die  ganze  Spore  soweit  entwickelt,  so  nimmt  sie  ihre  de- 
finitive Form  und  Hülle  an. 

Der  Anhangsfaden  ist  an  die  Spore  zurückgelegt  und  bleibt  so 
bis  zur  Ruptur  der  primären  Kapsel. 

Bei  Gattungen  mit  nur  1  Polarkapsel  (Schleihe)  theilt  sich  der 
Sporoblast  nur  in  2  Theile,  der  eine  wird  Polarkapsel,  der  andere  Plas- 
mamasse der  Spore,  die  auch  hier  zwei  Kerne  hat  wie  bei  den  an- 
deren Gattungen.  Wolters  (Bonn). 


Plerce,  N.  B.,  Tuberculosis  of  the  Olive.  (Journal  of  My- 
cology.  VI.  1891.  No.  4.  p.  148—153  u.  Taf.  XIV— XV.) 
Die  Knollenkrankheit  der  Oelbaumzweige,  welche  durch  den  im 
Basttheil  der  Knollen  wachsenden  Bacillus  oleae-tuberculosis 
Savastano  hervorgerufen  wird,  wird  an  der  Hand  der  Savastano- 
schcn  Untersuchungen  besprochen,  ohne  dass  im  Wesentlichen  neues 
hinzugefügt  wird.  Brick  (Hamburg). 

Cazeneuve,  P.,  Sur  le  traitement  des  vignes  phylloxer6es 
p  ar  lesul  füre  de  carbonem61ang6  de  vaseline.  (Comptes 
rendus  de  l'Acadämie  des   sciences  de  Paris.    Tome  CXII.    1891. 
p.  971  ff.) 
Die  Bepflanzung  der  französischen  Weingelände  mit  amerikani- 
schen Reben  hat  die  Versuche,  mit  Hülfe  insektentödtender  Mittel  die 
verseuchten  französischen  Reben  zu  erhalten,  nicht  unterdrückt.  Schwe- 
felkohlenstoff, rein  oder  in  Wasser  gelöst,  Sulfokarbonate,  Unterwas- 
sersetzung werden  immer  noch  mit  Erfolg  angewendet,  der  nur  ver- 
schieden ist,  je  nach  der  Natur  des  Geländes ,  je  nach  der  Sorgfalt, 
mit  der  man   den  Weinberg  abschliesst,  je  nach   der  grössern  oder 
geringern  Lebenskraft,  die  den  Pflanzen  eigen  ist.    Von  diesen  Mit- 
teln kann  freilich  die  Unterwassersetzung  nur  in  gewissen  Gegenden 


366  Heim, 

angewandt  werden,  die  Sulfokarbonate  verlangen  ebenfalls  Wasser 
und  sind  ausserdem  kostspielig  in  der  Anwendung,  weshalb  sie  nicht 
von  allen  Weinzüchtern  benutzt  werden  können,  der  Schwefelkohlen- 
stoff, in  Wasser  gelöst,  bedingt  ebenfalls  eine  Behandlung,  von  deren 
Beschaffenheit  es  abhängt,  ob  die  Kosten  getragen  werden  oder  nicht 
Der  reine  Schwefelkohlenstoff  allein  hat  in  den  letzten  Jahren  als 
insektentödtendes  Mittel  die  sichersten  Resultate  gegeben  und  es  er- 
möglicht, einen  grossen  Theil  französischer  Weingelände  zu  retten. 
Jedoch  hat  die  Praxis  gezeigt,  dass  in  schweren,  sehr  thonigen  Boden- 
arten oder  in  sehr  kieselreichen  Böden  der  Schwefelkohlenstoff  min- 
der sichere  Resultate  gibt,  indem  er  sich  in  den  erstem  sehr 
schwer  verbreitet  und  in  den  letztern  zu  schnell  verdunstet.  Um 
nun  die  Diffusion  in  schweren  Bodenarten  sicher  zu  stellen  und  die 
Verdunstung  in  zu  leichten  Böden  zu  verhindern,  empfiehlt  Verf.,  nach 
dem  Vorgange  des  Dr.  Albin  Meunier  den  Schwefelkohlenstoff  mit 
Vaselin  von  300°— 350°  Siedetemperatur  und  0,850—0,910  Dichtig- 
keit zu  mengen,  was  durchaus  keinen  Übeln  Einfluss  auf  die  Vege- 
tation habe,  selbst  nicht  in  hoher  Dosis.  Das  Vaselin  verzögere  nur 
in  den  leichten  Böden  die  Verdunstung,  während  es  in  schwerem 
thonigen  Boden  als  fetter  Körper  wirke  und  leicht  in  den  Thon  ein- 
dringe. Seit  4  Jahren  wende  er  es  in  seinem  Besitzthum,  das  15— 
20  Hektaren  umfasse  und  zu  Saint-Etienne-la*Varenne  (Rhone)  gelegen 
sei,  an.  Dasselbe  habe  bis  dahin  einen  mittlem  Ertrag  gegeben.  Durch 
Verwendung  mit  Vaselin  gemengten  Schwefelkohlenstoffs  habe  sich 
aber  der  Ertrag  verdreifacht.  (Der  Schwefelkohlenstoff  wurde  mit 
V*— */s  seines  Gewichts  mit  Vaselin  gemengt) 

O.  E.  R.  Zimmermann  (Chemnitz). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuohungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

ron 

Dr.  L.  Helm, 

k.  b.  Stabsarst  und  Priratdoienten. 
(Fortsetzung.) 

Die  Wichtigkeit  des  Nachweises  des  Typhusbacillus  im 
Wasser  und  die  Schwierigkeit  seiner  Indentifizirung  hat  von  jeher 
das  Interesse  der  Untersucher  gefesselt  Die  Zahl  der  verschiedenen 
Methoden  der  Auffindung  spricht  für  die  Unzureichenheit  der  ein- 
zelnen. Die  bis  jetzt  am  wenigsten  gewürdigte,  aber  trotzdem  die 
wichtigste  Vorbereitung  für  jede  Aussaat  ist  die  Sedimentirung.  Mit 
derselben  hat  auch  ihr  Autor  Finkeinburg  ein  positives  Resultat 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.     357 

erzielt  (0.  9.  301).  Der  von  ihm  dazu  angegebene  Apparat 1)  besteht 
aus  einem  zylindrischen  Gefäss  mit  heraushebbarem  Boden,  unter 
welch'  letzterem  man  durch  eine  mittels  Glashahns  verschliessbare 
Öffnung  das  zu  untersuchende  Wasser  langsam  tropfen  lässt,  wäh- 
rend die  schwimmenden  Theilchen  sich  auf  dem  heraushebbaren 
Glasboden  ansammeln.  Man  erhält  damit  binnen  wenigen  Stunden 
die  in  einem  halben  Liter  Wasser  enthaltenen  organisirten  Beimen- 
gungen abgelagert9).  Für  die  Folge  wird  auch  für  die  in  Bede  stehende 
Untersuchung  die  Centrif uge  nach  Stenbeck-Litten  den  Vorrang 
behaupten.  Das  Bestreben  einer  Reihe  von  Forschern  richtete  sich 
auf  die  Auffindung  eines  Nährsubstrates  mit  einem  derartigen  Zusatz 
entwickelungshemmender  Stoffe,  dass  dadurch  die  gleichzeitig  vor- 
handenen anderen  Keime  wenigstens  zum  Theil  an  der  Auskeimung 
verhindert  werden,  ohne  dass  die  Typhusbakterien  einen  nennens- 
werten Schaden  leiden.  So  versetzte  Parietti3)  je  10  cem 
Bouillon  mit  3,6  und  9  Tropfen  einer  Karbolsalzsäurelösung  (5:4: 100) 
und  dann  mit  1,  4,  8  und  12  Tropfen  des  verdächtigen  Wassers. 
Entwickelt  sich,  so  behauptet  P.  nach  seiner,  bis  jetzt  allerdings  nur 
an  künstlich  infizirten  Wässern  angestellten  Prüfung,  nach  24  Stun- 
den im  Brütschrank  eine  Trübung,  so  rührt  sie  wahrscheinlich  von 
Typhusbacillen  her,  welche  mit  den  üblichen  Methoden  zu  identifi- 
ziren  sind.  Ghantemesse  und  Widal  verwendeten  in  der  glei- 
chen Absicht  schon  früher4)  eine  Gelatine  mit  einem  Zusatz  von 
0,25%  Karbolsäure.  Während  ferner  Rodet  (6.  500;  8.  213)  hö- 
here Temperaturen  von  45—45,5°  C  für  die  Ausschaltung  anderer 
Bakterien  benutzt  hatte,  ging  Vincent  (7.  212)  so  weit,  beide 
schädigende  Momente  zu  vereinigen  und  das  zu  untersuchende 
Wasser  in  schwach  karbolisirte  Bouillon  auszusäen,  welche  dann  bei 
42*  C  gehalten  wurde.  Thoinot6)  setzte  Karbolsäure  nicht  zum 
Nährboden,  sondern  20  Tropfen  davon  zu  1/s  1  Wasser  einige  Stunden 
vor  der  Plattenaussaat.  Andere  Autoren  benutzten  die  entfärbende 
Eigenschaft  der  Typhusbacillen  gegenüber  gewissen  Anilinfarben  zur 
Unterscheidung  von  anderen  Bakterien,  und  zwar  entweder  unter  An- 
wendung des  Noeggerath 'sehen  Farbengemisches  (3.  481),  oder 
nur  einzelner  seiner  Komponenten,  wie  Grancher  und  De  seh  am- 
pes  (5.  830)  und  Gasser  (8.  411;  9.  208).  Holz  (9.293),  welcher 
weder  mit  den  Nachprüfungen  verschiedener  der  genannten  Ver- 
fahren, noch  mit  dem  von  ihm  zufolge  der  Riede  l'schen  *)  Angaben 
versuchten  Zusatz  von  Jodtrichlorid  zu  Gelatinestich-  und  Platten- 
kulturen ein  günstiges  Resultat  zu  verzeichnen  hatte,  empfahl  in  An- 
betracht des  eigenthümlichen  Wachsthums  der  Typhusbacillen  auf  Kar- 
toffeln diese  selbst  zur  Bereitung  einer  Gelatine  zu  benützen  und  die 
typhusverdächtigen  Proben  mit  oder  ohne  Vorbehandlung  nach  Thoi- 
not entweder  in  die  un vermischte  oder  in  die  mit  0,05  °/0  Karbol- 

1)  Correepondensbl.  d.  niederen.  Ver.  f.  off.  Ges.-Pfl.  II.  31.  Anm. 

2)  Der  Apparat  ist  von  Geisel  er  in  Bonn  um  41/.  M.  in  beliehen. 

3)  Bf.  H.  K,  L  9.  887. 

4)  Oaietta  des  hdpiUnx  87.  202. 
6)  Ebenda  87.  84S. 

6)  A.  a.  d.  K.G.A.  II.  475. 


368  Heim, 

säure  versetzte  Kartoffelgelatine  einzusäen.  In  der  That  entwickele 
sich  auf  dieser  die  fraglichen  Bakterien  in  charakteristischer  Weise, 
jedoch,  wie  Jäger1)  fand,  nicht  ausschliesslich  sie;  bei  seinen  sehr 
gewissenhaften  differenzialdiagnostischen  Untersuchungen  entdeckte 
Jäger  in  dem  Trinkwasser  eines  epidemisch  ergriffenen  Typhusortes 
mit  Hülfe  der  K.-G.  eine  mit  grösster  Wahrscheinlichkeit  als  Typbas- 
kolonie anzusprechende  Ansiedelung,  auf  einer  anderen  Platte  aber 
eine  den  Typhuskolonieen  aufs  Ueberrascheudste  gleichende  Kultur, 
welche  jedoch  in  der  Folge  mit  Sicherheit  als  solche  ausgeschlossen 
werden  konnte.  Trotzdem  werden  wir  die  K.-G.  als  einen  werthvollen 
Fortschritt  in  den  Methoden  zur  Erkennung  der  Typhus-Bacillen  be- 
trachten und  im  gegebenen  Falle  damit  arbeiten  müssen.  Die  Her- 
stellungszeit kann  man  nach  Jäger  wesentlich  abkürzen,  wenn  man 
den  aus  den  geriebenen  Kartoffeln  ausgepressten  Saft  direkt  mit  Ge- 
latine kocht,  statt  erst  24  Stunden  stehen  zu  lassen.  Somit  bleibt 
der  Kartoffel  ihr  souveräner  Werth  bei  der  Typhus-Diagnose,  sowohl 
im  verarbeiteten,  wie  im  natürlichen  Zustande.  Im  letzteren  Falle  ist  er 
ihr  auch  nicht  durch  die  Beobachtungen  genommen  worden,  dass  ein- 
mal die  Typhus-Bacillen  auf  den  sterilen  Stückchen  oder  Scheiben  ein 
deutlich  sichtbares  Wachsthum  zeigen,  ein  andermal  andere  Bakterien 
ein  ebenso  wenig  in  die  Augen  fallendes,  wie  jene.  In  einem  sol- 
chen Falle  konnte  Karlidski  (9.  733)  die  Unterscheidung  durch 
Ansäuerung  der  Kartoffelstückchen  mit  lU°l0  Essigsäure  erzielen,  dann 
wuchsen  die  echten  Typhus-Bacillen  nur  kümmerlich,  die  vermeintlichen 
dagegen  in  üppigem  bläulich-weissen  Rasen.  Aber  ausser  der  Kar- 
toffelkultur müssen  noch  andere  Hülfsmittel  für  die  Diagnose  stets 
berücksichtigt  werden.  Ich  habe  seinerzeit*)  verschiedene  dies  be- 
zügliche Punkte  aufgezählt:  Die  Art  des  Wachsthums  und  des  mor- 
phologischen Verhaltens  im  hängenden  Tropfen,  in  Bouillon,  in  Stich-, 
Strich-  und  Plattenkulturen,  auf  Kartoffeln  in  und  ausser  dem  Brüt- 
schrank und  das  Verhalten  gegen  Anilinfarbstoffe,  speziell  gegenüber 
Karbolfuchsin  (Lücken)  und  dem  Gram 'sehen  Verfahren  (negativ). 
Heute  kommen  dazu:  Die  Kultur  auf  Kartoffelgelatine,  die  Bestim- 
mung der  Alkalimenge,  welche  man  braucht,  um  die  Loeff  ler 'sehe 
Geisseifärbung  an  den  Bacillen  zu  erhalten  (1  cem  l°/0  NaHO-Lö- 
sung  zur  Beize  7.  631)  und  der  Säuremenge,  welche  die  Typhusbak- 
terien in  einer  mit  Lackmuslösung  versetzten  Molke  produziren;  bei 
dieser  seiner  Methode  beobachtete  Petruschky  (0.  6.  661),  dass 
nach  24  stündigem  Wachsthum  sich  ein  Stich  ins  rötbliche  zeigte  und 
nach  2—3  Tagen  eine  Säuerung  entsprechend  2 — 3  °/0  Normalnatron* 
lauge  erfolgte;  endlich  der  negative  Ausfall  der  Indolreaktion  nach 
Kitasato  (7.  257). 

Das  Problem  der  keimfreien  Entnahme  von  Proben  aus  dem 
Boden  hat  C.  Frank el  mit  dem  von  ihm  angegebenen  Bohrer 
(3.  235)  in  einwandsfreier  Weise  gelöst.  Letzterer  übertrifft  die  bis 
dahin  verwendeten  Instrumente,  wie  den  klavierschlüsselartigen  und 
den  amerikanischen  Erdbohrer  Smolenski's3)  und  den  mit  einem 

1)  Z.  f.  H.  X.  217. 

2)  M.  m.  W.  89.  408. 
8)  J.  B.  III.  73. 


Die  Neuerungen  d.  bakterioL  Untenachangsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    359 

graduirten  Stöpsel  zum  nachträglichen  Herausschieben  der  ausge- 
stochenen Bodenschichten  armirten  Cylinder  nach  Klementieff1). 
Sehr  keimreiche  Bodenarten,  wie  oberflächliche  Erdschichte,  verdünnte 
Eberbach*)  vor  der  quantitativen  Aussaat  mit  der  5— 20 fachen 
Menge  trockenen  sterilisirten  Sandes. 

Um  Cholerabakterien  in  kernhaltigen  Medien,  z.  B.  Faulflüs- 
sigkeiten nachzuweisen,  bedient  man  sich  nach  Gruber  (1.  353) 
mit  Erfolg  des  Schotte liu 8 'sehen  Verfahrens s),  d.  h.  der  Vorkultur 
in  Fleischbrühe,  in  welcher  die  Cholera- Vibrionen  —  wollen  wir 
sagen:  zumeist  —  ungehindert  durch  andere  vorhandene  Mikroorga- 
nismen ihrem  Sauerstoffbedürfniss  folgend  in  die  Höhe  steigen  und 
an  der  Oberfläche  ein  mehr  oder  minder  resistentes  Häutchen  bilden, 
woraus  sie  dann  leicht  durch  die  Plattenkultur  isolirt  werden  können, 
ja  Bujwid  (0.4  404)  geht  soweit,  zu  behaupten,  dass  praktische 
Aerzte  durch  dieses  Verhalten  der  Cholera- Vibrionen  in  den  Stand  ge- 
setzt sein  sollen,  ohne  Mikroskop  und  Plattenkultur  nach  4 — 5  Tagen 
die  Diagnose  auf  Cholera  zu  stellen,  wenn  nur  von  dem  gebildeten 
Häutchen  täglich  in  2  °/0  Peptonlösung  überimpft  und  schliesslich  die 
Reaktion  mit  roher  Salzsäure  gemacht  werde.  Diese  sogenannte  Cholera- 
rotbreaktion ,  von  Poehl4)  nach  Zusatz  von  Salzsäure  zu  Cholera- 
Kulturen  zuerst  beobachtet,  wurde,  unabhängig  von  einander,  von 
Bujwid  (1.  727),  sowie  von  Dun  ha  m»)  konstatirt;  letzterer  zeigte, 
dass  die  Gegenwart  von  Pepton  wesentlich  sei,  und  dass  die  Reak- 
tion schon  wenige  Stunden  nach  der  Einsaat  in  1  °/0  Peptonlösung 
erscheine,  am  besten  unter  Verwendung  von  Schwefelsäure  gelinge. 
Petri  zieht  vor  (8.  152),  letztere  tropfenweise  in  die  Kultur  fallen 
zu  lassen,  statt  sie  unterzuschichten.  Wir  haben  dann  ferner  durch 
8 rieger6)  und  namentlich  Salkowski7)  erfahren,  dass  es  sich 
dabei  am  eine  Indolreaktion  handele,  indem  speziell  von  den  Cholera- 
Vibrionen  neben  Indol  salpetrige  Säure  gebildet  werde.  Wichtig  für 
das  Zustandekommen  der  Reaktion  ist  die  Verwendung  eines  geeigneten 
Peptons,  und  Bujwid  empfiehlt  dazu  das  von  Witte  in  Rostock 
hergestellte  als  das  beste.  Ich  hebe  das  bestätigend  hervor;  man 
kann  mit  diesem  Präparat  in  oft  sehr  auffallendem  Gegensatz  zu 
anderen  die  intensivste  Reaktion  bei  eintägigen,  wie  bei  monatealten 
Kulturen  erhalten. 

Eine  durch  Zusatz  von  Chemikalien  zu  Kulturen  entstehende, 
differentialdiagnostisch  zu  verwertende  Farbenreaktion  kennen  wir 
ausserdem  nur  noch  durch  die  Mittheilung  von  Sa  na r  eil i  (O.  9. 
197),  welcher  gewisse  auf  Kartoffeln  unter  Umständen  ähnlich  wach- 
sende Bakterienarten,  nämlich  den  Rotzbacillus,  den  Bacillus  des 
blaugrünen  Eiters  und  einen  neuen,  für  Thiere  pathogenen,  von  ihm 
im  Wasser    aufgefundenen   Mikroorganismus    durch    Aufträufelung 


1)  J.  B.  IIL  478. 

*)  H.  B.  I.  7.  858. 

8)  D.  m.  W.  85    14.  818. 

*)  Ber.  d.  deutschen  ehem.  Ges.  86.  1159. 

5)  Z.  f.  H.  II.  887. 

«)  D.  m.  W.  87.  808. 

7)  V.  A.  87.  886. 


360  »•**. 

20°/oiger  Sublimatlösung  unterscheiden  konnte;  darnach  entstand  bei 
ersterem  eine  gelbliche,  bei  letzterem  eine  milchige,  in  der  Mitte  et- 
was röthlich  aussehende  und  beim  B.  pyocyaneus  eine  blaugrüoe 
Färbung. 

Andere  Hülfsmittel  für  die  Unterscheidung  haben  wir  in  den 
später  noch  Erwähnung  findenden  besonderen  Nährböden,  wie  in  der 
Lackmusmolke  von  Petruschky,  in  Beyerinck's  Kreideboden 
u.  a.,  ferner  in  der  Untersuchung  der  Gährungsprodukte  einzelner 
Bakterienarten  aus  Zucker,  nachdem  Nencki  (O.  9.  305)  zwei  sonst 
ähnliche  Mikroorganismen,  welche  Kohlehydrate  vergährten,  erst 
durch  die  Konstatirung  der  Bildung  von  ftechtsmilchsäure  durch  die 
eine,  von  optisch  inaktiver  Milchsäure  durch  die  andere  Art  als  ver- 
schieden zu  erkennen  vermochte. 

Endlich  hat  für  den  Nachweis  von  Cholera-  und  Typhusbacilleo 
in  Fäces,  Trinkwasser,  Urin,  Organsaft  u.  s.  w.  Ali- Cohen  (0.8. 
161)  vorgeschlagen,  die  chemotaktische  Wirkung  gewisser  Beizmittel, 
namentlich  des  Saftes  von  rohen  Kartoffeln  zur  Anlockung  dieser  be- 
weglichen Bakterien  zu  benützen.  Man  füllt  nach  ihm  eine  kleine 
Glaskapillare  mit  der  auf  der  Kartoffelschnittfläche  befindlichen  Flüs- 
sigkeit und  schmilzt  sie  an  der  einen  Seite  zu.  Diese  Seite  wird  io 
einem  auf  dem  Objektträger  hergestellten  Paraffinrahmen  fixirt,  wäh- 
rend das  offene  Ende  in  die  innerhalb  des  Rahmens  befindliche,  zo 
untersuchende  Flüssigkeit  gelegt,  und  ein  Deckglas  darübergebracht 
wird.  Man  kann  nun  unter  dem  Mikroskop  beobachten,  wie  die  mit 
Eigenbewegung  begabten  Bakterien  in  „die  Falle"  gehen ;  dann  ge- 
lingt es  mittels  des  Plattenverfabrens  die  Cholera-  und  Typhasbak- 
terien leichter  zu  isoliren. 

HL  Nährböden. 

Das  Fleischwasser  dient  auch  jetzt  noch  der  grössten  Mehrzahl 
der  Untersucher  als  Grundlage  für  die  Herstellung  der  gebräuch- 
lichsten Nährböden,  nur  hat  man  seine  Bereitung  insofern  etwas  ver- 
einfachen lassen,  als  man  das  mit  der  doppelten  Menge  Wasser  über- 
gossene  Fleisch  nicht  24  Stunden  mazerirt,  sondern  sogleich  kalt  mit 
Ueberschuss  von  Wasser  übers  Feuer  setzt,  einige  Stunden  kocht, 
erkalten  lässt  (zur  Abscheidung  des  Fettes)  und  filtrirt,  worauf  man 
das  etwa  zu  viel  verdampfte  Wasser  ersetzt.  Daraus  stellt  man  sieb 
dann  die  verschiedenen  flüssigen  oder  festen  Nährböden  nach  Wunsch 
her  und  bewahrt  das  übrig  gebliebene  Fleischwasser  sterilißirt  für 
weitere  Verwendung  auf.  Dies  geschieht  entweder  in  Kolben  oder 
in  Flaschen,  welche  mit  geeigneten. Vorrichtungen  zur  keimfreien 
Entnahme  eines  Theils  des  Inhaltes  versehen  sind  (s.  später).  Im 
Laufe  der  Zeit  hat  sich  auch  die  vorgängige  Trockensterilisirung  der 
Gefässe,  welche  das  Glas  recht  bald  unbrauchbar  macht,  als  über- 
flüssig erwiesen  (Bujwid  [O.  3.  101]  u.  A.);  die  Behandlung  im 
strömenden  Dampf  vernichtet  gleichzeitig  die  an  ihnen  befindlichen 
Keime. 

Zur  Erzielung  eines  geeigneten  Alkalescenzgehaltes  des  Fleisch- 
wassers (5—7,5  cem  Normallauge  aufs  Liter)  empfahl  v.  Lingels- 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersaehongimethoden  seit  dem  Jahre  1887.    361 

heim1)  den  Zusatz  von  25  ccm  Normalnatronlauge  auf  1 1  Fleisch- 
wasser. Mittheilungen  über  den  Ersatz  des  Fleischwassers  durch 
andere  Lösungen  sind,  nachdem  sich  auch  Fleischextraktpepton-Zucker- 
lösungen  und  ähnliche  als  anwendbar  erwiesen  hatten,  in  den  letzten 
vier  Jahren  nur  wenige  zu  verzeichnen.  So  hat  Miquel1)  anstelle 
der  Sinderbouillon  eine  Lösung  von  20  Pepton,  5  Kochsalz,  0,5  Ka- 
liumkarbonat und  2  Gelatine  im  Liter  empfohlen,  wobei  die  Gelatine 
als  unzweckmässig  ruhig  weggelassen  werden  könnte.  Jakobi 
(0.  3.  539)  stellte  mit  l»/f  °/0  Kern m eri ch's  Fleiscbpepton  und  3°/0 
Pepton  eine  15°/0ige  Gelatine  her,  welche  im  Bedarfsfalle  verdünnt 
wird.  Am  zweckmässigsten  schien  der  von  J.  Heller  (9.  511)  vor- 
geschlagene Ersatz  des  Fleischwassers  durch  Harn  zu  sein.  Allein 
als  Kulturmedium  hat  er  keinen  Vorzug  vor  ihm,  er  ist  jedenfalls 
oicht  so  universell  brauchbar.  Heller  selbst  beobachtete  eine  Be- 
einträchtigung der  Farbstoffbildung  des  Bacillus  violaceus  und 
fluorescens,  und  mir  fiel  auf,  dass  das  Wacbstbum  einiger  Bakte- 
rienarten auf  Harn-Gelatine  weniger  markirt  zum  Ausdruck  kam ;  so 
waren  trotz  recht  guter  Entwickelung  die  typischen  spiralig-flockigen 
Knäuel  der  Cholerabakterien,  wie  sie  sich  im  Verflüssigungstrichter  an- 
zusammeln pflegen,  nicht  so  massig  und  kompakt  und  die  radiären 
büretenförmigen  Ausstrahlungen  der  Kultur  der  Mäuseseptikämie- 
und  Schweinerothlaufbacillen  nicht  so  deutlich  und  differenzirt,  wie 
wir  sie  in  der  gewöhnlichen  Fleischwasserpepton-Gelatine  zu  sehen 
gewohnt  sind.  Ich  habe  deshalb  das  Fleischwasser  wieder  ausschliess- 
lich in  Gebrauch  gezogen. 

Reichlichere  Vorschläge  finden  wir  in  der  Litteratur  über  die 
Agar-Bereitung,  welche  darauf  abzielen,  die  Agarmasse  schneller  und 
besser  in  Lösung  überzuführen  und  die  Filtrirung  zu  umgehen  oder  zu 
beschleunigen.  Am  besten  ist  es  immer,  das  feingeschnittene  Agar 
über  freier  Flamme,  jedoch,  wie  beim  Kochen  des  Fleischwassers,  mit 
Einschaltung  einer  Asbestplatte  zwischen  Flamme  und  Topf,  im  sie- 
denden Wasser  zu  lösen,  wozu  etwa  */§ — V4  Stunden  nothwendig 
sind.  Auch  hier  empfiehlt  es  sich,  zur  Vermeidung  des  Dunkelwerdens 
nicht  einzukochen  und  dann  das  verdampfte  Wasser  zu  ersetzen,  son- 
dern von  vorneherein  so  viel  Wasser  mehr  zuzugeben,  als  voraus- 
sichtlich  weggeht.  Kr  41»)  warnt  ebenfalls  vor  zu  langem  Erhitzen 
(nach  Peptonzusatz),  wenn  man  absolut  farblose  Nährböden  haben 
will,  wie  sie  zur  Anlegung  von  bakteriologischen  Sammlungen  er- 
wünscht sind.  Er  erzielte  die  Klarheit  ausserdem  durch  5  Min. 
lange  Behandlung  der  feingeschnittenen  Agarstücke  nach  Schotte- 
lias (0.  2.  100)  in  2°/0  Salzsäure,  welche  durch  Abspülung  mit 
Wasser  wieder  entfernt  wurde.  In  ähnlicher  Weise  legte  Tischut- 
kin  (9.  208)  die  Stückchen  für  15  Min.  in  5%  Essigsäure; 
Richter4)  löste  10  g  Agar  in  160  g  Moselwein  durch  zweistündiges 
Mazeriren  und  folgendes  Erhitzen  auf  und  setzte  die  neutralisirte 
Lösung  zu  einer  aus  250  g  Fleisch  und  350  g  Wasser  hergestellten 

1)  Z.  f.  H.  X.  538. 

2)  Chtm.  Ctntralbl.  88.  910. 

3)  Z.  f.  H.  V.  608. 

4)  B.  kl.  W.  87.  600. 


362      Schutzimpfung,  künstl.  Infektionakrankbeiten,  Entwicklungshemmung  ete. 

2°/0  Gelatinebouillon.  Der  Zusatz  von  Gelatine  zum  Agar  ist  über- 
haupt zu  empfehlen,  um  das  Abgleiten  von  der  Oberfläche  des 
Glases  zu  behindern;  v.  Esmarch1)  empfahl  zum  gleichen  Zweck 
Zugabe  von  etwas  arabischem  Gummi. 

(ForUeUung  folgt) 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Stocquart,    De     l'ichthyol     dans    le    traitement    de  1* 
dyspepsie   et  des   troubles   c6p.haliques  et  nerveux 
qui  en  dopenden t.    (Archives   de   M6decine   et    de  Chirurgie 
pratiques  de  Buxelies.  1890.  12mo  fascicule.) 
Verf.  wendete  das  Ichthyol,    welches  er  bei  Unna  in  Hamburg 
kennen  lernte,  bei  Dyspepsie  innerlich  an,  und  konnte  sich  dabei  über- 
zeugen, dass  es  ein  sehr  wirksames  Heilmittel  gegen  die  Schwindel- 
anfälle   und    cephalischen  Störungen   ist,   welche  die  einfache  und 
partio- intestinale  Dyspepsie  begleiten.  Tan  gl  (Tübingen). 

Kötschau,    Kurzer    Beitrag    zur    Ichtbyoltherapie   bei 
Frauenkrankheiten.    (Münchener  mediz.    Wochenschr.  1891. 
No.  1.) 
Verf.  wendete  das  Ichthyol  nach  den  Angaben  von  H.  W.  Freund 
bei  einer  grossen  Zahl  von  entzündlichen  Erkrankungen  der  weiblichen 
Genitalien   meist  mit  gutem  Erfolge  an,  wobei  er  aber  die  Ichthyol- 
behandlung mit  anderen  therapeutischen  Verfahren  kombinirte.   Be- 
sonders bei  Endometritis,    speziell  Endometritis  corporis    betrachtet 
Verf.  das  Ichthyol   als  ein  hervorragend  heilsames  und   souverfcnes 
Mittel.  Tangl  (Tübingen). 

Bronner,  G,  Ueber  Ausscheidung  pathogener  Mikroor- 
ganismen  durch  den   Schweiss.    (Berl.  klin.   Wochenschr. 
1891.  No.  21.) 
Während  die  Frage,   ob  krankheitserregende  Organismen  durch 
die  Nieren  und  den  Darm  aus  dem  Körper  entfernt  werden  können, 
in  den  letzten  Jahren  vielfach  bearbeitet,  wenn  auch  nicht  einheitlich 
entschieden  wurde,  so  liegen  über  die  Frage  von  der  Ausscheidung 
pathogener  Mikroorganismen  durch  den  Schweiss  nur  spärliche  Notizen 
vor.    B  r  u  n  n  e  r  selbt  führt  von  diesbezüglichen  Arbeiten  nur  die  von 
Di  Mattei,  Zuliani  und  Queirolo  an,  von  denen   die  enteren 
im  Ganzen  zu  negativen  Ergebnissen  gelangten,  während  Queirolo 
wenigstens  feststellen  konnte,  dass  der  Schweiss  von  mit  Infektions- 
krankheiten  behafteten  Individuen   toxische  Produkte  enthält   Die 
eigenen   experimentellen   Untersuchungen  Br.'s.  schlössen  an  einen 

1)  z.  f.  II.  I.  800. 


Schatrimpfang,  künstl.  Infektionskrankheiten,  Bntwiekalnngshemmnug  etc.      363 

genau  beobachteten  und  anderweitig  beschriebenen  Krankheitsfall  an. 
In  einem  Fall  von  schwerer  chronischer  Pyämie,  in  welchem  während 
vieler  Tage  der  Staphylococcus  pyogenes  albus  im  Blute 
nachgewiesen  wurde,  fand  B  r.  auch  in  dem  unter  allen  Kautelen  ent- 
nommenen Seh  weisse  ebenfalls  den  Staphylcoccus.  Er  konnte 
an  8  verschiedenen  Tagen  6  mal  diesen  Mikroorganismus  durch  die 
Kultur  im  Schweisse  nachweisen.  Dasselbe  gelang  auch  aus  einem 
vielfach  von  Schweiss  durchnetzten  Hemde  des  Patienten.  Nach 
dem  Tode  desselben  fand  Br.  zwar  in  der  Haut  vielfach  zerstreute 
Kokken,  doch  vermisste  er  sie  in  den  Ausführungsgängen  der  Schweiss- 
drüsen.  Im  Anschluss  hieran  machte  Br.  einige  Thierversuche,  und 
zwar  an  jungen  Ferkeln  und  Katzen.  Bei  den  Ferkeln  wurde  in 
einem  Fall  der  Uebergang  von  Staphylococcus  aureus  aus 
dem  Blute  in  den  Schweiss  wiederholt  nachgewiesen,  bei  dem  andern 
auch  der  Uebergang  des  nicht  pathogenen  Micrococcus  prodi- 
giosus  in  den  Schweiss  und  den  Speichel.  Bei  der  Katze  gelang 
der  Nachweis  des  Ueberganges  von  Milzbrandbacillen.  Die  Schweiss- 
Sekretion  wurde  theils  durch  Pilocarpin-Einspritzungen,  theils  durch 
elektrische  Nervenreizungen  hervorgerufen.  Auch  bei  diesen  Experi- 
menten gelang  es  nicht,  die  eingeführten  Mikroorganismen  in  den 
Ausfflhrungsgängen  der  Schweissdrüsen  nachzuweisen,  nur  in  dem 
Versuch  am  Ferkel  fanden  sich  in  dem  Lumen  der  Schweissdrüsen 
vereinzelte  Kokken.  Jedenfalls  geht  aus  diesen  Untersuchungen  hervor, 
dass  pathogene  und  nicht  pathogene  Organismen  aus  dem  Blut  in 
den  Schweiss  übergehen  können,  wenngleich  das  Misslingen  des 
mikroskopischen  Nachweises  dafür  zu  sprechen  scheint,  dass  der 
Uebergang  kein  sehr  reichlicher  ist        O.  Lu barsch  (Rostock). 

Braatz,  Die  Bedeutung  der  Anaärobiose  für  die  Wund- 
heilung und  für  die  allgemeine  Pathologie.  (Deutsch. 
med.  Wochenschr.  1890.  No.  46a.) 
Nach  der  Annahme  des  Verf.  ist  die  Ermöglichung  des  Sauer- 
stoffzutritts zu  Wunden  ein  wichtiges  Mittel  für  die  Verhütung  der 
Wundinfektionskrankheiten.  Eine  grosse  Anzahl  derselben,  wie  Teta- 
nus, malignes  Oedem  und  Fäulniss  entstehen  durch  den  Einfluss  von 
anaeroben  Bakterien,  die  letzteren  würden  bereits  durch  den  Sauer- 
stoff des  Blutes  getödtet  werden,  wenn  nicht  in  der  Wunde  für  längere 
oder  kürzere  Zeit  nach  der  Verletzung  die  Girkulation  aufgehoben 
wäre.  Sie  finden  Gelegenheit  zur  Ansiedelung,  Entwickelung  und  Ver- 
mehrung, wenn  der  Luftsauerstoff  durch  Verstopfung,  oberflächliches 
Zuheilen  oder  luftdichten  Verband  der  Wunde  von  ihnen  abgehalten 
wird.  Die  durch  sie  verursachten  Krankheiten  sind  deshalb  seltener 
bei  offener  Wundbehandlung  und  unter  den  neueren  für  Luft  durch- 
gängigen antiseptischen  oder  aseptischen  Dauerverbänden,  als  unter 
dem  typischen  Liste  r -Verband,  welcher  mit  seinem  Protektiv-Silk 
und  seinen  Guttapercha-Papier-Umhüllungen  die  Luft  von  der  Wunde 
gänzlich  abschliesst. 

Auch  andere  Wundkrankheiten,  wie  die  einfache  Entzündung  und 
Eiterung  stehen  nach  der  Auffassung  des  Verf.'s  in  enger  Beziehung 
zur  Anaärobiose,  da  die  Staphylokokken  und  Streptokokken  fakulta- 


364  *•*•  Utteratnr. 

tiv  anafirobe  Bakterien  sind.  Einen  interessanten  Beleg  hierfür  sieht 
der  Verf.  in  dem  Verhalten  des  Jodoforms  zu  diesen  Bakterien.  Wäh- 
rend Behring  seinerzeit  die  günstige  antiseptische  Wirkung  dieses 
Mittels  gegenüber  dessen  gänzlicher  Einflusslosigkeit  auf  das  Wachs- 
thum  und  die  Lebensfähigkeit  der  Eiterkokken  durch  die  wechsel- 
seitige Zersetzung  des  Jodoforms  und  der  Fäulnissptomalne  erklärte 
und  die  Vorzüge  jenes  Präparats  weniger  in  der  Verhütung  der  guten 
Eiterung  als  der  Fäulniss-  und  Zersetzungsvorgänge  sah,  hat  der 
Verl  Versuche  angestellt,  um  zu  prüfen,  ob  das  Jodoform  nicht  auch 
auf  die  gewöhnlichen  Eiterkokken,  bei  deren  anaerobem  Wachsthum 
anders  wirkt,  als  bei  Sauerstoffzutritt.  Er  glaubt  nun,  nicht  nur  in 
der  That  eine  Entwicklungshemmung  der  anagrob  wachsenden  Sta- 
phylokokken durch  das  Jodoform  festgestellt,  sondern  vor  allen  Dingen 
bewiesen  zu  haben,  dass  jene  Bakterien  beim  Wachsthum  unter  Luft- 
abschluss  ein  gewisses  Reaktionsvermögen  besitzen,  dass  sie  dasselbe 
aber  durch  die  Einwirkung  des  Jodoforms  verlieren. 

Zur  Feststellung  dieses  Untersuchungsergebnisses  bediente  sich 
der  Verf.  nach  dem  Vorgange  von  Kita 8 ato  und  Weyl  des  indigo- 
schwefelsauren Natrons,  welches  von  den  Anaöroben  durch  Reduktion 
von  Indigoblau  zu  Indigoweiss  entfärbt  wird,  nur  wandte  er  viel  dünnere 
Lösungen  des  Mittels  wie  Kitas  ato  und  Weyl  an  (statt  1:1000 
1:1400—7000),  um  den  Bakterien  ihre  Aufgabe  zu  erleichtern.  Die 
Entfärbung  derartiger  Lösungen,  welche  dem  den  anaörob  wachsen- 
den Staphylokokken  als  Nährboden  dienenden  Agar  zugesetzt  waren, 
erfolgte  unter  gewöhnlichen  Verhältnissen  in  etwa  3  Tagen;  sie  blieb 
aber  bei  Jodoformzusatz  gänzlich  aus.  Verf.  hält  es  hiernach  für 
naheliegend,  die  antiseptische  Wirkung  des  Jodoforms  durch  dessen 
Einfluss  auf  Entwickelung  und  Funktion  der  anaörob  wachsenden 
Eiterbakterien  zu  erklären  und  sieht  darin  andererseits  einen  Beweis 
dafür,  dass  die  anagrob  wachsenden  Staphylokokken  eine  andere  Be- 
deutung für  den  Wundverlauf  haben,  als  dieselben  Bakterien  bei 
aerobem  Wachsthum. 

Endlich  versucht  der  Verf.,  die  angeblich  günstige  Wirkung  des 
Fiebers  bei  verschiedenen  Infektionskrankheiten  durch  die  dabei  ein- 
tretenden Oxydationsvorgänge  zu  erklären,  welche  der  Anaörobiose 
entgegen  wirken.  Kubier  (Berlin). 


Neue  Litteratur 

mnmmeiigestent  von 

Da.  Abthüb  Wübzbubo, 

tan  KatarBehflD  GerandheltHmto  In  BerUa. 


Allgemeines  ttber  Bakterien  und  Parasiten. 

Oaaettrinl,   CK,  Le  rivelasioni   della  batteriologia.    (Atti  d.  r.  Ist  veneto  di  adwie, 

lettere  ed  mrti.  1889/90.  p.  837—866.) 
Landre,   CiL,  Pasteur-Koch.    Een   paar  worden   betreffend«  de  tegenwoordige  bacillea- 

qnaestie.    8°.    12  p.   'sGravenhave  (M.  Ntfhoff)  1890. 


Nene  Litteratnr.  3Q5 

Distal,  F.,   Ueber  die  Fortschritte   der  Kenntnisse   von   den  Rostpilsen   in  den  letzten 

10  Jahren.     (BoUn.  Gentrmlbl.  1891.  No.  27.  p.  15—19.) 
Giard,   A~,  8nr  les  Cladosporiees  entomophytes,  nouveau  gronpe  de  Champignons  para- 

sites  das  iaseetes.    (Compt.  rend.  de  l'Academie  des  scienees  de  Paris.  T.  CXIL  1891. 

No.  26.  p.  1518—1521.)  | 

Mangln,   L.,   Sur  la  deearticulation  des  conidies  ches  les  peronosporees.    (Ballet  de  U 

soc  botan.  de  Franc«.  T.  XXXVIII.  1891.  p.  176.)  | 

Mannaberg,   J. ,    Beitrage   snr   Morphologie    und    Biologie   des   Plasmodium   malariae 

tertiana«.    (Centralbl.  f.  klin.  Med.  1891.  No.  27.) 
Xoxi,  A.f   Di  alcnni  mieromiceti  nuovi.     (Atti  d.  soc  dei  natnralisti  di  Modena.  1891. 

P    78.) 

Beilehnngen  der  Bakterien  and  Parasiten  nr  unbelebten  Katar« 

Luft,  Wa$sert  Boden. 

Lortet,    Microbes   pathogen*»  de   la   mer   motte.     [Soc.   nationale   de  mW.  de  Lyon.] 
(Lyon  med.  1891.  No.  80.  p.  481—482.) 

Nahrung*  und  ffsmn— ittfrf,  Gtbraueksgegenetänd*. 

Franko,  E.,  Untersnchnngen  über  Infektion  und  Desinfektion  von  Augenwassern.  (Aren. 

f.  Ophthalmol.  Bd.  XXXVII    1891.  Heft  2.  p.  92—150.) 
Hneppe),   F.,   Ueber  Milchsterilisirnng  nnd  über  bittere  Milch  mit  besonderer  Rücksicht 

auf  die  Kinderernährung.     (Berl.  klin.  Wocbenschr.  1891.  No.  29.  p.  717 — 721.) 
ffeneki,  L.,  i  Zawmdmki,*  J.,   Wyjalawianie  (pasterysacja  1  stervlisacja)  mleka  {  stacsne 
karmienie  niemowlst     (Zdrowie.  1891.  No.  67,  68,  69.  p.  127—146,  179—203,  228— 

288.) 

Beziehungen  der  Bakterien  mnd  Parasiten  nr  belebten  Katar. 

KrantheiUerregende  Bakterien  und  ParatUen. 

Evans,  C.  8.,  Bacteria  and  their  relations  to  certain  diseases.     (Bnffolo  Med.  and  Sorg. 
Jonrn.   1891.  July.  p.  711—717.) 

Kraniheämrregende  Bakterien  und  Paranten  bei  Meneehen. 

A.     In/Möte  AUgemeinhrankheäen. 

Österreich.  Verfügung  des  Gemeindeamtes  Curort  Gleichenberg,  betr.  die  in  Fallen  von 

Infektionskrankheiten  vorzunehmende  Desinfektion.  Vom  1 6.  November  1890.  (Oesterr. 

Sanitatswesen.  1891.  No.  5.  p.  88—89.) 
Oesterreich.  Erlass  der  Statthalterei  in  Wien,  betr.  Maassnahmen  gegen  die  Einschleppung 

ansteckender    Krankheiten    in    die   niederösterreichische   Landes  -  Findelanstalt.     Vom 

13.  Februar    1891.     (Oesterr.  Sanitätswesen.  1891.  No.  8.  p.  62—68.) 

Malariakrankheiten. 

Xalaehowski,  S.v  Zur  Morphologie  des  Plasmodium  malariae.    (Centralbl.  f.  klin.  Med. 

1891.  No.  81.  p.  601—608.) 
Potain,  Le  parasite  de  la  malaria.     (Med.  moderne.  1891.  No.  80.  p.  545—547.) 

Exanthematifche  Krankheiten. 
(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Bothein,  Scharlach,  Friesel,  Windpoeken.) 

Geiiiler,  Berichte  aber  das  Impfwesen  im  Königreich  Sachsen  während  des  Jahres  1890. 

(Korrespdsbl.   d.    irztl.    Kreis-    u.   Besirks-Vereine   im  Kgr.  Sachsen.    Bd.  LL    1891. 

No.  1,  2.   p.  8—11,  23—25.) 
öouxlen,  F.,  Les  vacdnations  au  Tonkin.     (Arch.  de  med.  navale.  1891.  p.  150,  161.) 
Oesterreich.  Erlass  der  k.  k.  Statthalterei  in  Böhmen  vom  8.  April  1891,  betreffend  die 

Durchführung   der   öffentlichen   Impfungen    im  Jahre  1891.     (Oesterr.  Sanitatswesen. 

1891.  No.  28.  p.  221—223.) 


366  Neue   Litteratar. 

Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Peit 

Fidalgo,  F.,   Inflaencia  de  la  tension  electrica  en  la  atmosfera  sobre  la  fiebre  amarilU. 

(Rev.  de  san.  mil.,  Madrid  1890.  p.  207,  809.) 
Weiss,   B.,   La   estadistica   de   la  fiebre  amarilla.   (CongT.  mid.  region.  de  Caba.  1890. 

p.  101—109.)  I 

WundinfektionskrankheiteiL 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Pyämie,  SeptikJLmie, 

Tetanus,   Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundf&ulniss.) 

Cirelli,  F.,  Sopra  an  caso  di  stafilococchemia  metastatisaante.   (Morgagni.  1891.  No.  6. 

p.  870—876.) 
Klejn,  8  ,  Leczenie  rosy.     (Gas.  lekarska.  1891.  No.  27.  p.  521—529.) 
Pia,  B.   F.,   Naturales*   infecciosa   del    tltanos.     (Congr.    meU  region.  de  Cnba.  1890 

p.  163—167.) 

Infektionsgeachwülste. 
(Lepra,  Tabereulose  [Lnpns,  Skropbulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Arnaudet ,  Le   Cancer  en  Norman  die ;  nouveaux    faits  a  l'appui  de  la  natura  infectietu 

du  Cancer      Normandie  med.  1891.  p.  57,  87.) 
Barlins;,  CK,  Two  lectures  on  the  general  pathology  of  tubercle  with  especial  reference 

to  the  qaestion  of  infection.     (Birmingham  Med.  Rev.  1891.  p.  205—229.) 
Fischer,  F.,  u.  Levy,  E.,   Zwei  Fälle  von  incarcerirter  gangränöser  Hernie  mit  kompli- 

cirender  Bronchopnenmonie.     Bakteriologische  Untersuchung.*  (Dtsche  Ztschr.  f.  Chir. 

Bd.  XXXII.  1891.  Heft  3/4.  p.  252—256.) 
6ollmer,  K,  Welche  Mittel  stehen  heutzutage  aur  Bekämpfung  der  Lungenschwindsucht 

au  Gebote?   (Korrspdsbl.  d.  allg.  arstl.  Ver.  v.  Thüringen.  1891.  No.  6.  p.  202—215. 
Lannelongue,   Methode   de   transformation   prompte   des   produits   tuberculeux  des  arti- 

culatious   et  de  certaines  autres  parties  du  corps  humain.     (Bullet,  de  l'acad.  de  med 

1891.  No.  27.  p.  11—61.) 
Sehrank ,  J  ,   lieber  die  Wichtigkeit   und   die  Ausführung   der  Untersuchung  der  Cro- 

genitalsekrete   der   unter   Kontrolle   stehenden  Prostitulrten.     (Allg.  Wien.  med.  Ztg.  i 

1891.  No.  28,  29.  p.  809—310,  321—322.) 
Tangl,  F.,  Das  Verhalten  des  Tuberkelbacillos  beim  Eintrittsthor  der  Infektion.   (Orvosi 

hetilap.  1891.  No.  25.)     [Ungarisch] 
Wolff,   F.,   Was    heisst  Heilung   der  Lungen tuberculose.     (Verhandl.  d.  10.  Kongreß 

f.  innere  Med.,  hrsgeg.  von  Leyden  u.  Pfeiffer,  Wiesbaden  1891.  p.  416 — 424.)         | 

Diphtherie  and  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  Rückfallsfleber,  Osteomyelitis. 

Couteaud,  Pneumonie  et  infection  purulente.  (Gas.  hebdom.  de  med.  et  de  chir.  1891 
No.  27    p.  318—821.) 

Denys,  J.,  Le  pneumocoque.    (Bev.  m4d.,  Louvaln  1891.  p.  97—106.)  I 

Nowlin,  J.  8.,  Report  on  an  epidemic  of  cerebrospinal  meningitis.  .  (Jonrn.  of  the  Amer. 
Med.  Assoc.  1891.  No.   26.  p.  901—908.) 

Oesterreich.  Erlass  der  Statthalterei  in  Dalmatien ,  betr.  die  Erhebungen  beim  Vor- 
kommen von  Cerebrospinal  -  Meningitis.  Vom  18.  April  1891.  (Oesterr.  Sanitäts- 
wesen. 1891.  No.  20.  p.  158.) 

Smith,  J.  L.,  The  etiology  of  diphtheria.  (Journ.  of  the  Amer.  Med.  Assoc.  1891 
Vol.  II.  No.  1.  p.  25—28.)  I 

Walther,  P.,  Die  Einwirkung  der  künstlichen  Erhöhung  der  Körpertemperatur  auf  den 
Verlauf  der  Infektion  durch  Pneumonie-Diplokokken.  (Arch.  f.  Hygiene.  Bd.  X"- 
1891.  Heft  4.  p.  829—360.) 

B.    Itrfsktiöte  LokaOrankhmUn. 

Augen  und  Ohren. 

Baxter,  W.  B.,  Ein  Fall  lebender  Larven  im  Ohre.  Uebersetst  von  C.  T  rucken  - 
brod.     (Ztschr.  f.  Ohrenheilk.  Bd.  XXII.  1891.  No.  1/2.  p.  120—121.) 


Nene  Litteratur.  3ß7 

Circulationßorgane. 

Oolmont  et  Barbier,  Endocardite  infectieuae  a  streptocoques  probablement  d'origine 
grippale.    (M4d.  moderne.  1891.  No.  38.  p.  615—518.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mengehen  und  Thieren. 

Celli,  A.,  u.  8anfelice,  F.,  üeber  die  Parasiten  des  rothen  Blutkörperchens  im  Menschen 
und  in  den  Thieren.  (Fortschr.  d.  Med.  1891.  No.  12—14.  p.  499—511,  541—552, 
583-686.) 

Aktinomyköse. 

Peeie,   H.  T. ,    Actinomycosis  in  the  buffalo.     (Veterin.  Jonrn.  1891.  July,  p.  14 — 15.) 
Saow,  H,  Case  of  actinomycosis  with  tabercnlosis.  (Brit.  Med.  Jonrn.  1891.  No.  1594. 
p.  124—125.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Säugetiuert, 

A.     Infektiöse  Aügetneinkrankfieüen. 

Stand  der  bösartigen  ansteckenden  Krankheiten  unter  den  Hausthieren  in  Dänemark  im 
1.  Vierteljahr   1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh. -Amtes.  1891.  No.  28.  p.  424.) 

B.     Infektiöse  Lokalkrankheiten. 

Block,  Bronchitis  verminosa  bei  Schweinen.    (Berl.  thierärztl.  Wochenschr.  1891.  No.  30 

p.  277.) 
Flemming,  G.,  Infectious  pneumonia  of  the  hone.  (Veterin.  Jonrn.  1891.  July.  p.  1 — 13.) 

Vögel 

Couxmont,  J.,  et  Dor,  L.,  De  la  tuberculose  osseuse  che«  les  poules.  (Compt.  rend. 
de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  24.  p.  555—556.) 

Wirbellose    Thiere. 

Brangniart,  Ch.,  Le  cryptogame  des  criquets  pelerins.  (Compt.  rend.  de  l'Academie  des 
•cieoces  de  Paris.  T.  CXII.  1891.  No.  26.  p.  1494—1496.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Bttbiaamen,  S.  H.,  Die  Gallmacken  und  Gallen  des  Siegerlandes.     (Verhandl.  d.  natur- 

histor.  Ver.  d.  Preuss.  Bheinl.,  Westfalens  u.  des  Reg.- Bez.  Osnabrück.  1890.  p.  18 — 58, 

931—264.) 
,  Beschreibung  neuer  Gallmücken  und  ihrer  Gallen.    (Zeitschr.  f.  Naturwissensch. 

Bd.  LXII.  1891.  p.  878—882.) 
•orauer,   P.T   Atlas   der  Pflanzenkrankheiten.    5.  Folge.    Fol.    (8  färb.  Taf.)    Mit  Text 

gr.  8°.  p.  27—84.     Berlin  (Parey)  1891.  In  Mappe  20  M. 

Sstkely,  B,  Keine  Phyllozeragefahr  mehr!!!    Originelles  Bebenpflanssystem  zum  Schatze 

unserer  Weingarten   gegen  die  Phylloxera  u.  zur  Erhaltg.  ihrer  Tragfähigkeit.     Nach 

den  Daten  d.  C.  Luts  frei  bearb.    8°.    24  p.     Fünfkirchen  (Ludwig  Engel)  1891. 

M.  0,60. 
Vuda,  p.,  Monographie  du  pourridi4  des  yignes  et  des  arbres  frnitiers.   8°.    Arec  7  pl. 

Pari«  (Masson)  1891.  8  fr. 

Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwlcke- 
lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  Aber  das  Koch' sehe 
Helirerfahren  gegen  Tuberculose. 

Btlfour,  O.  W.,  A  few  notes  on  the  use  of  Koch's  tuberculin.    (Edinburgh  Med.  Jonrn. 

1891.  Aug.  p.  97—108.) 
Bardussl,  D.f  La  linfa  di  Koch  nelle  tubercolosi  cutanee.    (Giorn.  ital.  d.  malatt,  i 

1890.  p.  870—877.) 


368 


Neue  Litterator. 


Brillant,  Besaitete  de  traitement  de  la  tabercalose  chirurgicele  per  U  ljmphe  de  Koch. 

(Ballet.  mäd.  da  Nord.  1891.  p.  80—97.) 
Buglioni,  CK,  II  nuoTO  metodo  di  eure  per  U  tabercalosi  del  professor  Koch.    (Bscco- 

glitore  med.  1891.  p.  57—61.) 
Hammer,   H.f  Ueber   die  desinfieirende  Wirkung  der  Kreeole  and  die  Herstellung  nee- 

traler  wässeriger  Kresollfeungen.    (Aroh.  f.  Hygiene.  Bd.  XIL  1891.  Heft  4.  p.  358— 

881.) 
Hernandei,   Contribatlon   a  l'itude  des   raccinetions  ehimiqaes.     (CompL  rend.  de  U 

soc.  de  biol.  1891.  No.  24.  p.  586—587.) 
Koch,   0.    7.  A.,   De   behnndeling   van   de   locsie  tabercalose.    (NederL  tijdschr.  top? 

geneesk.  1891.  Vol.  H.  No.  9.  p    108—119.) 
Langenbueh,   C,   a.  Wolif,   P ,   Ueber  die  in  8  Monaten  im  Lasanu-Krankeakaase  ia 

Berlin  mit  der  Tubercalinbehsndlang  resp.  einer  Kombination  derselben  an  99  Falles 

▼on  Longentaberculose  gemachten  Erfahrungen.   (Deutsche  medic  Wocbenaehr.  1891 

No.  80.  p.  985—948.) 
Kaekensle,  Sir  IL,  Twenty  eases  treated  by  tuberculin.    (Journal  of  LaryngoL,  London 

1891.  p.  131—189.) 
Xoor,  W.,  lmmunity  throngh  dynamie  Inhibition.  (New  York  Med.  Joarn.  1891.  VoL  II. 

No.  3.  p.  61—70.) 
Sachsen- Wehnar-Eisenach.  Bekanntmach.,  den  Vertrieb  des  Koch'schen  Heilmittels  gegen 

Tabercalose   betr.     Vom    12.   April   1891.    (Veröffenti.   des  ksJserl.  Gesundh.-Amtfc> 

1891.  No.  29.  p.  438.) 
Schmitt,  Becherches  sar  l'inocalation  de  la  lymphe  de  Koch  anz  animanr.    (Bar.  med. 

de  l'est  1891.  p    177—184.) 
Spülman,  P.v  et  Hanshalter,   Modincations   da  poals  consecutires  k  llnjection  de  U 

lymphe  de  Koch.     (Bev.   mdd.  de  Test.  1891.  p.  109—113.) 
Thaies,  M.,  Ueber  die  Koeh'sche  Behandlang  der  Phthise.    (Gslenos.  1891.  p.  17—23; 

[Griechisch.] 


Inhalt. 


Originalmittheilangen. 

Fiedeler,  Ueber  die  Brastseache  im  Koseier 
Landgestfite  and  Aber  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  (Fortsetsang), 
p.  841. 

Hankin,  B.  H.f  Ueber  die  Nomenclator  der 
schützenden  Eiweisskörper.  (Origin.), 
p.  337. 

Bef ernte. 

Buchner,  Kurse  Uebersicht  über  die  Ent- 
wickelung  der  Bakterien  forsch  ong  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe,  p.  349. 

Gaseneuve,  P.,  Sur  le  traitement  des  vignes 
phylloxerdes  par  le  sulfure  de  carbone 
mälange1  de  vaseline,  p.  355. 

Goll,  Ueber  die  Häufigkeit  des  Vorkom- 
mens von  Gonokokken  bei  chronischer 
Urethritis,  p.  353. 

Pierce,  F.  B.y  Tuberculosis  of  tbe  Olive, 
p.  355. 

Theiohan,  X.  P. ,  Sur  la  Constitution  des 
spores  des  Myxosporidies*  p.  354. 

,    Becherches   sur   le  dlveloppement 

des  spores  chez  les  Myxosporidies,  p.  354. 


Wierluakij,  B.,  Untersuchung  das  Bist« 
8korbatkranker  auf  MikrooffganissML, 
p.  362. 


Untersiiehangsmethoden,  Injtr«mente  ste. 

Heim,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungen^ 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig1 
(Fortsetzung),  p.  856. 


Schutoimpfang,  künstliehe 
krankheiten,  Entwicklungshemmung 
and  Verniohtang  der  Bakterien 
und  Parasiten. 
Braata,   Die   Bedeutung   der   Anaerobiox 
für  die  Wundheilung  und  für  die  allge- 
meine Pathologie,  p.  368. 
Brauner,  0.,  Ueber  Ausscheidung  pathog- 
ner Mikroorganismen  durch  den  Schweiz. 
p.  362. 
Kotachau,  Kurser  Beitrag  sar  Ichthyoltbe- 

rapie  bei  Frauenkrankheiten,  p.  862. 
Btocquart,  De  Tichthyol  dans  le  traitement 
de  la  dyspepsie   et   des  troubles  cepbs- 
liques    et    nerveux    qui    en    dependeut, 
p.  862. 

Heue  Litteratur,  p.  864. 


lYommannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Poiile)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

G4  Hofr.  Prot  Dr.  Lenctart  ud  Professor  Dr.  LoeSler 

ta  Ltfpzif  te  Onlftvald 

horaiugegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  In  Jena. 

X.  Band«       -«-       Jen«,  den  a.  Oktober  1891.        ~o-  No.  12» 

Prell  Ar  den  Band  (98  Hummern)  14  Mark. 

Jlhrüob  erscheinen  zwei  Bind«. 

— *§    Zu  bestehen  durch  alle  Buchhandlungen  and  Postanstalten.    g*>- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Minsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen»  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original  -  Mittheilungen. 

Heber  einen  bei  Keratomalacia  infantum  beobachteten 

Eapselbacillns. 

[Ans  Dr.  H.Neumann's  Poliklinik  für  Kinderkrankheiten  in  Berlin.] 

Von 

Dr.  Loeb 

in 

Reichenhall. 

Die  Keratomalacia  infantum,  von  Fischer1)  zuerst  beschrieben 
als  „eigentümliche  Verschwftrung  der  Hornhaut  infolge  unterdrückter 

1)  Fischer,    Lehrbuch    der    entzündlichen    and    organischen    Krankheiten   des 
Ang«.  1846. 

*•*«.  24 


370  Loeb, 

Masern",  wird  in  Brasilien,  Japan  und  Rassland  sehr  häufig,  in 
Mitteleuropa  glücklicherweise  um  so  seltener  beobachtet,  und  zwar 
nur  bei  Kindern  in  den  ersten  Lebensmonaten,  welche  durch  chronische 
Diarrhöe  oder  anderweitige  Ursachen  in  ihrer  Ernährung  redazirt 
sind.  Einzelne  Autoren,  wie  Manz1)  und  Braunschweig2),  fan- 
den diese  Affektion  ausnahmsweise  auch  bei  recht  gut  genährten  Kin- 
dern ohne  Diarrhöe  und  ohne  bronchitische  Symptome.  Während  völlige 
Uebereinstimmung  darüber  herrscht,  dass  die  Prognose  dieser  Krank- 
heit sowohl  bei  gut  wie  bei  schlecht  genährten  Kindern  (Braun- 
schweig)  eine  sehr  ungünstige  sei,  ist  bis  heute  unter  den  Au- 
toren noch  keine  Einigung  der  Anschauungen  über  die  Aetiologie 
derselben  erzielt  Der  Umstand,  dass  unter  den  Tausenden  voc 
Kindern,  die  alljährlich  unter  den  Erscheinungen  chronischen  Darmka- 
tarrhs und  der  Konsumption  erkrauken  und  erliegen,  nur  ein  minimaler 
Prozentsatz  —  in  Göttingen  unter  28000  Augenkranken  vier*),  in 
Halle  unter  30000  sechzehn  Fälle  4)  beobachtet  —  an  Keratomalacie 
erkrankt;  dass  ferner  bis  dahin  blühende  Kinder,  wenn  auch  selten. 
von  dieser  Krankheit  betroffen  werden;  endlich  der  Verlauf  der 
Krankheit:  häufige  Komplikation  mit  Diarrhöe  und  Bronchopneumonie; 
typischer,  progressiv  verlaufender  Prozess  an  der  Hornhaut;  Exitus 
unter  den  Erscheinungen  starker  Cyanose,  hochgradiger  Dyspnoe  und 
Bubnormaler  Temperatur  —  legen  den  Gedanken  nahe,  es  möchte 
dies  Krankheitsbild  durch  Einwanderung  von  Spaltpilzen  in  den 
kindlichen  Organismus  hervorgerufen  werden.  Bezold5)  warder 
Erste,  welcher,  nachdem  die  Deutung  der  Keratomalacie  als  einer 
Affektion  cerebralen  (v.  6  r  a  e  f  e)  resp.  neuroparaly tischen  (Fischer). 
Ursprungs  durch  die  Untersuchungen  von  Jastrowitz  unhaltbar 
geworden  war,  auf  die  mykotische  Natur  derselben  hinwies.  Hör- 
Der6)  widersprach.  Er  fand  allerdings  in  einem  Falle  dieser  Krank- 
heit in  den  zerklüfteten  Hornhautschichten  Bakterien ;  sie  sind  jedoch 
Beiner  Ansicht  nach  nur  der  „Staub14,  welcher  nach  Zerklüftung  des 
getrockneten  Epithels  eindringt,  sich  vermehrt  und  das  Hornhautge- 
webe zur  Nekrose  bringt.  Das  primäre  ursächliche  Moment  ist  nach 
ihm  die  Vertrocknung  der  Hornhaut  in  Folge  mangelnden  Lidschlusses 
bei  den  durch  Diarrhöe  etc.  marantisch  gewordenen  Kindern.  Im 
Gegensatz  zu  Homer  plaidirten  nach  Entdeckung  des  Xerosebacillus 
durch  Kuschbert  und  Neisser7)  mit  diesen  Leber8)  und  R 


1)  Midi,  Ueber  die  Hornhautserstörung  bei  Sepsis.  (Münch.  med.  Wochenschr. 
1888.  Nr.  11) 

3)  Braunschweig,  Zar  Kenntn.  der  Infant  Xerosis  conjnnet.  (Fortsehritt«  d« 
Meditin.    1890.  pag.  892.) 

8)  Leber,  Ueber  die  Xerosis  der  Bindehaut  and  die  infantile  Hornbautw- 
schwlrung  nebst  Bemerkungen  Über  die  Entstehung  des  Xerophthalmus.  (Gräfe'«  Ar- 
chiv. XXIX.  8.) 

4)  Braun  schweig.   (1.  e.) 

6)  Citirt  nach  Sehl&fke.    (Centralbl.  f.  Bakter.  u.  Parasiten«.  Bd.  1.  1887.  pl''1 

6)  Homer,  Gerhardt 's  Handbuch  der  Kinderkrankh.  1889.  V.  2. 

7)  Kuschbert  und  Neisser,  Zur  Pathologie  und  Aetiologie  der  Xerosis  epithel: 
conjunctivae  und  der  Hemeralopia  idiopathica.  (Breslauer  firtstl.  Zeitschr.  1883.  N«-  l) 

8)  Leber,  Die  Xerosis  der  Conjunctlva  und  Cornea  kleiner  Kinder,  (v.  Gräfes 
Arch.  für  Ophthalmol.  XXIX.  1883.  1.) 


Ueber  einen  bei  Keratomalacia  infantum  beobachteten  Kapaelbacillus.         371 

Schulz1),  welche  beide  in  den  Augen  und  inneren  Organen  je 
eines  an  Keratomalacie  verstorbenen  Kindes  auf  Bacillen  gestossen 
waren  (deren  Identitätsnachweis  jedoch  nicht  versucht  wurde),  für 
die  Annahme  einer  Infektion  des  kindlichen  Organismus  durch  pri- 
märe Ansiedlung  des,  wie  wir  jetzt  wissen,  überhaupt  nicht  patho- 
genen  Xerosebacillus  auf  der  Oberfläche  der  Hornhaut 

Gegenüber  Hörn  er  betont  Leber,  auch  bei  Kindern,  bei 
welchen  während  ihrer  Krankheit  die  Augen  stets  geschlossen  waren, 
bei  denen  also  keine  Möglichkeit  zur  Vertrocknung  der  Hornhaut 
vorlag,  den  gleichen  Prozess  gefunden  zu  haben.  Gegenüber  K.  und 
N.  weist  er  darauf  hin,  dass  nebst  dem  Xerosebacillus  auch  Kokken  in 
seinem  Falle  vorhanden  waren.  In  einem  später  von  Leb er - 
Wagenmann  publizirten  Falle*)  konnten  diese  Autoren  als  Ursache 
des  keratomalacischen  Prozesses  und  des  Todes  Streptokokken  nach- 
weisen. Fränkel  und  Franke3),  ebenso  Baumgarten8),  fanden 
in  je  einem  einschlägigen  Falle  den  Staphylococcus  pyogenes 
Rosenbach.  Manz  nimmt  gleichfalls  einen  septischen  Ursprung 
der  Keratomalacia  infantum  an  und  erklärt,  hierbei  das  vorausgehende 
oder  gleichzeitige  Auftreten  von  Abscessbildung  in  andern  Organen 
öfter  beobachtet  zu  haben4).  Schliesslich  fand  Babes5)  bei  einem 
Falle  von  K.  in  den  Augen  und  in  hincrn  Organen  einen  eigenartigen 
Bacillus. 

Hiermit  schliesse  ich  diese  gedrängte  historische  Uebersicht.  Es 
bleibt  bisher  unentschieden,  vorausgesetzt,  dass  die  Keratomalacie 
eine  mykotische  Erkrankung  ist,  ob  es  sich  um  eine  eigenartige  lokale 
Infektion  oder  um  die  Lokalisation  einer  allgemeinen  Infektion  bandelt. 
Im  ersteren  Fall  könnte  es  sich  um  eine  primäre  Infektion  oder  um 
eine  sekundär  zu  einer  Allgemeininfektion  tretende  Mischinfektion 
handeln;  im  zweiten  Falle  könnte  die  Augenerkrankung  den  Aus- 
gangspunkt oder  nur  eine  sekundäre  Lokalisation  der  allgemeinen 
Erkrankung  bilden.  Wahrscheinlich  dürfte  bald  die  eine,  bald  die 
andere  Entstehungsweise  der  Keratomalacie  zutreffen  und  das  be- 
kannte klinische  Bild  produziren. 

Ich  selbst  hatte  Gelegenheit,  einen  in  der  Kinder-Poliklinik  des 
Herrn  Dr.  H.  Neumann  zur  Beobachtung  gelangten  Fall  von  Ke- 
ratomalacie zu  untersuchen.  Es  handelte  sich  um  ein  7  Wochen  altes, 
von  gesunden  Eltern  stammendes  Flaschenkind,  welches  wegen  eines 
akuten  Darmkatarrhs,  der  vor  5  Tagen  begonnen  hatte,  in  Behand- 
lung kam.  Es  war  bei  der  Aufnahme  im  höchsten  Grade  atrophisch 
und  schon  im  Beginn  des  Hydrencephaloids.  Die  Verschlimmerung 
war  unaufhaltsam  und  führte  nach   7  Tagen  zum  Tode  (Darmaus- 

1)  B.  Schulz,  Beitrag  cur  Lehre  von  der  Xerosis  conjunctivae  and  der  infan- 
tilen Hornhautverschwärung.     (v.  Gräfe'«  Arch.  für  Ophth.  XXX.  4.) 

2)  Leber-Wagenmann»  Infantile  Nekrose  der  Bindehaut  durch  allgemeine 
multiple  Streptokokkeninvasion  des  Gefässsystems.  (v.  Gräfe 's  Arch.  für  Ophth. 
XXXIV.  pag.  250.) 

3)  Citirt  nach  Baumgarten,  Lehrb.  der  patholog.  Mykologie.     1890.   pag.  728. 

4)  Mim,  Ueber  die  Hornhautaerstörung  bei  Sepsis.  (München,  med.  Wocbenschr. 

1888.  No.  11  und  12.) 

5)  Babes,     Bakteriol.    Untersuchungen     über    sept.    Prozesse     des    Kinderalters 

1889.  pag.  27. 

24* 


372  Loeb, 

Spülung  mit  Resorcin  und  mit  BleiwasBer;  subkutan  Kochsalzinjeküon; 
innerlich  Calomel,  Campher,  Cognac,  Spirit.  aeth. ;  Bäder  in  Kamillen 
und  in  Senf).    Am  Tage  vor  dem  Tode  erhob  ich  folgenden  Status: 

Die  Hautdecken  des  Kindes  äusserst  blase,  panniculus  adiposos 
und  Musculatur  äusserst  dürftig,  kein  Hautexanthem,  keine  Drüsen- 
Bchwellung;  Greisenantlits.  Ueber  den  Lungen  mehrere  Dämpfung!- 
bezirke  nachweisbar  mit  entsprechenden  auskultatorischen  Erscheinungen. 
Reine,  sehr  schwache  Herztöne;  subnormale  Temperatur.  Auf  beiden 
Hornhäuten,  besonders  links,  der  Längsaxe  der  Lidspalte  folgende,  quer 
ovale  Infiltration  mit  beginnender  Nekrose.  Conjunctivae  trocken,  glanz- 
los, ohne  entzündliche  Reaktion ;  Sekretion  vermindert,  seltener  Lidschlag, 
Iris  nicht  verfärbt,  kein  Hypopyon. 

Diagnose:  Beginnende  Keratomalacie ,  Magendarmkatarrh  und  lo- 
buläre Pneumonie.  Zur  Untersuchung  kam  eine  Spur  des  erweichenden 
Hornhautinfiltrates. 

Die  Mutter  des  Kindes  verweigerte  ihre  Zustimmung  zur  Ent- 
nahme einer  Blutprobe,  welche  ich  unter  Würdigung  der  von  Eiseis- 
berg1) betonten  Wichtigkeit  kultureller  Blutuntersachungen  bei  Ver- 
dacht eines  septikämischen  Prozesses  wünschte  vornehmen  zu  dürfeo. 
Da  auch  die  Sektion  des  Kindes  unterbleiben  musste,  so  kann  ich 
leider  nicht  den  Zusammenhang  zwischen  der  keratomalacischen 
Augenaffektion  und  der  gleichzeitig  vorhandenen  Allgemeinerkrankung 
aufklären. 

Die  von  der  Hornhaut  des  Kindes  entnommene  Masse  wurde  auf 
schräg  erstarrtem  Agar  ausgestrichen.  Am  folgenden  Tage  hatte  sich 
(bei  Brüttemperatur)  an  der  Impfstelle  ein  grauer  Rasen  gebildet, 
der,  ebenso  wie  das  getrübte  Kondensationswasser,  bei  mikroskopischer 
Untersuchung  und  bei  Gelatineplattenkultur  die  Reinkultur  eines 
Bacillus  darstellte  *).  Derselbe  wuchs  auf  künstlichen  Nährböden  in 
folgender  Weise: 

In  Gelatineplatten  sind  schon  nach  48  Stunden  in  der  Tiefe 
feinste  hellbraune  Punkte,  auf  der  Oberfläche  grauweisse,  rundliche 
Kolonieen  von  1 — 1,5  mm  Durchmesser  zu  bemerken;  die  ersteren 
erscheinen  bei  schwacher  Vergrösserung  rund  oder  oval,  von  hell- 
brauner Farbe  mit  leicht  granulirter  Oberfläche;  die  oberflächlichen 
Kolonieen  haben  bei  im  Allgemeinen  rundlicher  Form  zunächst  un- 
regelmässig vorspringende  Kontour,  die  Oberfläche  erscheint  hellbraun, 
im  Relief  landkartenähnlich  (ähnlich  wie  bei  den  Kolonieen  des  Ty- 
phusbacillus)  und  leicht  gestrichelt.  Weiterhin  werden  die  tiefen 
Kolonieen  schnell  etwa  stecknadelkopfgross,  sie  behalten  bei  schwacher 
Vergrösserung  ihre  braune  Farbe  und  den  runden,  scharfen  Kontonr, 
werden  aber  undurchsichtiger,  fein  granulirt  oder  fein  gestrichelt  und 
zeigen  in  der  Peripherie  leichte  konzentrische  Schichtung.  Die  ober- 
flächlichen Kolonieen  werden  etwas  gesättigter  grauweiss,  leicht  kug- 
lig  gewölbt  oder  auch  nur  ziemlich  flach,  sie  erreichen  einen  Durch- 


1)  y.  Eiseliberg,  Nachweis  von  Eiterkokken  im  Blute  als  diagnost.  Hfilfsmittcl. 
(Wiener  klin.  Wochenschr.  1890.  No.  38.) 

2)  Die  direkte  Verarbeitung  der  Hasse   nach   der  Plattenmethode    ist  leider  unter- 
blieben, doch  dürfte  dies  in  diesem  Falle  nicht  von  Belang  sein. 


Ueber  einen   bei  Keratomalici*  infantum  beobachteten  Kapselbacillas.        37& 

messer  von  4  mm,  die  Begrenzung  wird  schärfer  rund,  indem  die 
unregelmäßig  vorspringenden  Begrenzungslinien  sich  ausgleichen,  und 
die  Oberfläche  verliert  ihre  Unebenheit;  es  verschwindet  die  ursprüng- 
lich deutlich  fadenziehende  Beschaffenheit  der  Kultur ;  bei  schwacher 
Vergrößerung  erscheint  die  Kolonie  hellbraun,  in  der  Mitte  zeigt 
sich  gewöhnlich  ein  dunkler  Nabel,  die  Oberfläche  zeigt  Andeutung 
einer  feinen  Strichelung.  Die  Kultur  gewinnt  einen  unangenehmen 
Geruch  von  massiger  Intensität. 

In  Gel atinestichkul tu ren  wächst  der  Bacillus  ent- 
sprechend dem  Stichkanal  als  bräunlicher  Faden,  während  sich  um 
den  Einstich  herum  —  entsprechend  dem  Wachsthum  der  oberfläch- 
lichen Kolonieen  auf  der  Gelatineplatte  —  eine  zunächst  etwas  un- 
regelmässige, später  mehr  gleichmässige,  unter  Umständen  leicht 
knopfförmige,  grauweisse  Masse  bildet.  Nach  3  Tagen  zeigt  sich 
Entwicklung  von  Gasblasen  in  der  Gelatine;  Verflüssigung  oder  Ver- 
färbung bleibt  dauernd  aus.  Bei  Vertheilung  der  Keime  in  hoher 
Gelatineschicht  wächst  der  Bacillus  in  den  tieferen  Schichten  nicht 
weniger  gut,  als  in  der  Nähe  der  Oberfläche;  er  ist  also  fakultativ 
anaerob. 

Bei  strichweiser  Impfung  auf  schräg  erstarrten  Agar  ent- 
wickelt sich  in  24  Stunden  (bei  Brütwärme)  ein  grauweisser,  21/,— 4 
mm  breiter  Streifen,  der  in  der  Peripherie  ziemlich  durchsichtig  ist 
und  nur  massig  prominirt;  in  den  nächsten  Tagen  wird  er  etwas 
stärker  und  in  der  Farbe  gesättigter,  ohne  sich  jedoch  wesentlich 
auszudehnen  oder  geradezu  eine  weisse  Farbe  zu  erhalten.  Die  Kon- 
sistenz ist  leicht  schleimig,  im  Kondensationswasser  bildet  sich  eine 
graue  Wolke. 

Auf  Blutserum  ist  das  Wachsthum  der  Bacillen  wesentlich 
das  gleiche. 

Auf  der  Kartoffel  entwickelt  sich  je  nach  der  Art  der  Kar- 
toffel von  der  Impfstelle  aus  ein  nur  leicht  feuchter  oder  mehr 
rahmiger,  hellbräunlicher  und  fadenziehender  Belag. 

Bouillon  ist  (bei  Brütwärme)  schon  nach  24  Stunden  diffus 
gefärbt;  nach  einiger  Zeit  schwindet  die  Trübung  und  bildet  sich 
ein  lehmfarbener  Niederschlag  auf  dem  Boden  des  Gefässes. 

Von  der  Originalagarkultur  wurde  eine  Spur  in  die  Schwanz- 
wurzel einer  weissen  Maus  verimpft.  Letztere  starb  am  4.  Tag  an 
einer  durch  den  Bacillus  erzeugten  Sepsis.  Bei  zahlreichen  Versuchen 
u  Mäusen  stellte  sich  heraus,  dass  bei  dieser  Art  der  Infektion  der 
Tod  gewöhnlich  am  3.-4.  Tage  eintritt.  Alte  Kulturen  verlieren 
ihre  Virulenz ;  so  vertrug  z.  B.  eine  Maus  die  Injektion  von  1  ccm 
starker  Aufschwemmung  einer  66  Tage  alten  Agarkultur,  ohne  irgend- 
wie zu  erkranken.  Es  stellt  sich  jedoch  in  diesem  Fall  keine  Immu- 
tität  her,  sondern  es  erliegt  die  Maus  bei  erneuter  Impfung  mit 
virulentem  Material.  Nicht  mehr  virulente  Kultur  lässt  sich  noch 
nach  Monaten  (z.  B.  66  Tagen)  durch  Uebertragung  in  Bouillon  und 
Einspritzung  grosserer  Mengen  der  Bouillonkultur  von  Neuem  infek- 
tiös machen;  bei  diesen  sehr  reichlichen  Impfungen  sterben  die 
Mäuse  schon  nach  22  Stunden  bis  2  Tagen.  Aber  auch  bei  Ver- 
wendung minimaler  Kulturmengen  lässt  sich  in  der  gleichen  Zeit- 


374  Lo«b, 

spanne  der  Tod  erzielen,  nachdem  man  die  Virulenz  des  Bacillus 
durch  direkte  Verimpfung  von  Maus  zu  Maus  gesteigert  hat  Abge- 
sehen von  der  subkutanen  Impfung  lässt  sich  die  Maus  vom  Auge 
und  vom  Darm  aus  infiziren.  Im  ersteren  Fall  wurde  vorsichtig  in 
den  Bindehautsack  etwas  bacillenhaltige  Flüssigkeit  eingeführt;  vom 
Darm  aus  gelang  die  Infektion  nur  einmal,  indem  eine  gesunde  Maus 
eine  mit  dem  Kapselbacillus  infizirte  anfrass  und  2—3  Tage  hiernach 
durch  denselben  ebenfalls  einging. 

Ebenso  wie  weisse  Mäuse  sind  auch  graue  Mäuse  sehr  leicht  zu 
infiziren. 

Die  geimpften  Thiere  werden  schon  geraume  Zeit  vor  dem  Tode 
regungsunlustig,  sie  sitzen  mit  gesträubtem  Haar,  gekrümmtem 
Rücken  und  verklebten  Augen  da  und  haben  eine  tiefe,  mühsame 
und  verlangsamte  Athmung.  Nach  dem  Tode  liegen  sie  auf  der  Seite, 
die  Extremitäten  leicht  nach  vorn  ausgestreckt.  Bei  der  Sektion 
findet  sich  eine  leichte  Verklebung  der  Impfstelle  und  von  ihr  aus- 
gehend ein  ausgedehntes  Oedem  des  Unterhautgewebes;  die  Lymph- 
drüsen an  der  Bauchseite  sind  vergrössert.  Magen  und  obere  Dünn- 
darmscblingen  sind  infolge  Hyperämie  der  Mucosa  rosa  gefärbt  und 
durch  schleimigen  Inhalt  ausgedehnt.  Die  Milz  ist  wechselnd  blut- 
reich, stets  aber  vergrössert,  die  Lungen  sind  lufthaltig.  Im  Herzen 
dunkles,  nicht  deutlich  fadenziehendes  Blut.  An  der  Impfstelle  und 
in  ihrer  Umgebung,  im  gesammten  Blutgefässsystem,  in  Milz  und 
Leber,  in  der  die  Bauchserosa  und  Eingeweide  bedeckenden,  leicht 
fadenziehenden  Feuchtigkeit,  in  der  Galle  und  im  Darminhalt  sind 
Kapselbacillen  mikroskopisch  und  durch  Kultur  reichlich  nachweisbar. 
Auf  Schnitten  durch  die  verschiedenen  in  Alkohol  gehärteten  Organe 
(Färbung  in  Loeffler'scher  Lösung  und  Entfärbung  mit  schwach 
essigsaurem  Wasser)  findet  man  die  Bacillen  mit  theil weise  sehr 
deutlich  sichtbaren  Kapseln  in  den  Durchschnitten  der  Blutgefässe 
und  Kapillaren  liegen.  Keine  Rundzelleninfiltration,  keinerlei  Ver- 
änderung in  den  Leberacini  oder  an  den  Nierenepithelien  nach- 
weisbar. 

Einem  Meerschweinchen  wurde  subkutan  1  cem  einer  24  Stunden 
alten  Bouillonkultur  eingespritzt.  Es  war  einige  Tage  später  schwer 
krank,  magerte  allmählich  ab  und  ging  nach  Ablauf  eines  Monats 
zu  Grunde.  Die  bakteriologische  Untersuchung  fiel  negativ  aus. 
Hingegen  wurden  durch  intraperitoneale  Einverleibung  von  1(X— ^ 
Pravaz-Spritzen  Bouillonkultur  Meerschweinchen  (2  Versuche)  inner- 
halb weniger  Stunden  getödtet 

Sektion:  Oedem  der  Bauchhaut;  Peritoneum  stark  injizirt, 
stellenweise  getrübt  und  verdickt  Wenig  klares  Transsudat  in  der 
Bauchhöhle,  in  dem  einen  Fall  ausserdem  auch  im  Brustraum.  Das 
Blut  nicht  fadenziehend,  enthält  reichlich  Bacillen,  ebenso  das  Trans* 
sudat;  die  histologische  Untersuchung  der  Organschnitte  zeigte  - 
ebenso  wie  bei  der  Maus  —  dass  die  Thiere  einem  reinen  septikämisebeu 
Prozess  erlegen  waren. 

Ein  Kaninchen  wurde  mit  1,5  cem  einer  24  Stunden  im  Brut- 
ofen gehaltenen  Bouillonkultur  subkutan  geimpft  Ein  2.  junges  Ka- 
ninchen erhielt  l,t  Pravaz- Spritze  voll  virulenter  Bouillonkultur  in 


lieber  einen   bei  Keretomeleeie  infantum  beobachteten  Kapselbacillus.         375 

die  V.  jugul.  ext.  injizirt;  beide  Thiere  gingen  nach  einer  Woche 
zu  Grunde,  ohne  dass  eine  Todesursache  eruirt  werden  konnte.  Ein 
Kaninchen,  welchem  1  ccm  Bouillonkultur  in  die  Ohrvene  gespritzt 
wurde,  blieb  dauernd  gesund.  Ebensowenig  erkrankte  eine  Taube, 
welcher  1  Spritze  Bouillonkultur  ins  Peritoneum  gespritzt  war. 

Was  das  morphologische  Verhalten  des  Bacillus  betrifft, 
so  handelt  es  sich  um  einen  Kapselbacillus,  welcher  ziemlich  plump 
ist  und  abgerundete  Enden  zeigt;  die  gebräuchlichen  Anilinfarbstofie 
nimmt  er  leicht  an,  lässt  sich  aber  nicht  nach  der  Graafschen 
Methode  färben.  Sporenbildung  lässt  sich  nicht  nachweisen.  Je 
uach  seiner  Provenienz  werden  nicht  unerhebliche  Schwankungen  in 
der  Form  des  Bacillus  und  in  der  Leichtigkeit,  die  Kapsel  sichtbar 
zu  machen,  bemerkt  Zu  starke  Einwirkung  von  Anilinfarbstoflen 
färbt  leicht  Bacillus  und  Kapsel  in  toto,  so  dass  die  Kapsel  erst  bei 
vorsichtiger  Entfärbung  sichtbar  wird.  Färbung  mit  wässriger  Eosin- 
lösaug  und  vorsichtige  Nachfärbung  mit  Loefflers  Methylenblau 
gibt  eine  gute  Doppelfärbung.  Hierbei  nimmt  die  Mitte  des  Bacillus 
die  blaue  Färbung  in  geringerem  Grade,  als  die  Enden  an. 

Im  Blute  findet  sich  der  Bacillus  einzeln  oder  zu  zweien;  der 
Breitendurchmesser  der  Kapsel  übertrifft  hier  den  des  Bacillus  um 
das  ll/2 — 4-fache.  Die  Kapsel  ist  manchmal  ebenso  wie  der  ein- 
geschlossene Bacillus  leicht  gebogen  oder  eingeschnürt.  Die  Bacillen 
erscheinen  im  Blute  und  in  den  Organen  grösser,  als  an  der  Impf- 
stelle, an  der  letzteren  aber  mit  besonders  schöner  Kapsel  Im 
Milzsaft  fanden  sich  auch  Bacillen  innerhalb  weisser  Blutzellen. 

Die  auf  der  Oberfläche  des  Agars,  des  Blutserums  und  der  Kar- 
toffel gewachsenen  Bakterien  sind  durchschnittlich  relativ  klein  und 
kurz,  mit  rundlichem,  leicht  farbbarem  Hofe,  während  der  Bacillus 
auf  Gelatine,  in  dem  Kondensationswasser  des  Agars  und  Blutserums 
sowie  in  der  Bouillon  zu  umkapselten  Scheinfäden  auswachsen  kann. 
In  Präparaten,  welche  aus  den  letzteren  Medien  stammen,  findet  man 
sehr  verschiedene  Formen:  von  den  langen  Fäden  bis  zu  kurzen 
Diplokokken  ähnlichen  Doppelbacillen. 

Ist  der  geschilderte  Bacillus  mit  einem  der  bekannten  Kapsel- 
bacillen  identisch?  Es  wären  hier  wesentlich  nur  folgende  Bacillen 
zu  berücksichtigen:  Der  Pfeiffersche  Kapselbacillus ,  ein  von 
ß  a b  e  s  bei  Keratomalacie  gefundener  Bacillus,  der  F  r  i  e d  1  ä n  d e  r'sche 
Pueumoniebacillus  und  nahe  Verwandte  desselben,  wie  sie  von 
Maudry,  von  Mori  und  von  Passet  beschrieben  sind,  ferner  der 
Bacillus  enteritidis  Qaertner,  ein  von  Babes  bei  Dy- 
senterie gefundener  Kapselbacillus,  der  Bacillus  endocardi- 
tis  capsulatus  Weichselbaum,  der  Proteus  hominis  von 
Bordoni  Uffreduzzi,  der  Bacillus  sputigenus  Krei- 
bohoi  a.  a.  m.  Von  allen  diesen  Kapselbacillen  kommt  jedoch  — 
soweit  ihre  Wachsthumsverhältnisse  bekannt  sind  —  wesentlich  nur 
^r  Pfeiffersche  Bacillus  für  uns  in  Betracht.  Es  ist  derselbe 
deshalb  auf  das  Genaueste  wiederholt  mit  unserem  Bacillus  ver- 
glichen worden,  und  zwar  konnten  hierzu  mir  aus  dem  hygienischen 
Institut  freundlichst  überlassene  Kulturen  verwendet  werden.  Ich 
«wahne  nur  eine  von  den  mehrfachen  Vergleichsreihen:  Von  Agar- 


376     L  o  e  b ,  Uober  einen  bei  Keratomatacia  infantum  beobachtet.  KapaelbaciUna. 

kolturen  beider  Bacillen  wurde  je  1  ccm  einer  dicken  Aufschwemmung 
zwei  gleich  grossen  Mausen  subkutan  injizirt;  sie  starben  beide  nach 
ungefähr  22  Stunden  (bei  einem  2.  Doppelversuch  am  2.,  in  einem 
3.  Versuch  am  3.  Tage).  Der  Sektionsbefund  stimmte  wesentlich 
überein,  doch  war  bei  der  Infektion  mit  dem  Pfeiffer1  sehen  Ba- 
cillus die  Milz  etwas  mehr  vergrössert  und  die  Zahl  der  Bacillen  im 
Blut  eine  grössere.  Fadenziehend  war  das  Blut  bei  keinem  der 
beiden  Thiere.  Mit  dem  Blute  wurden  Gelatineplatten  beschickt;  das 
Wachsthum  der  Kolonieen  war  in  hohem  Grade  übereinstimmend, 
doch  zeigte  sich  mit  zunehmendem  Alter  eine  zweifellos  stärkere 
Entwicklung  der  Kolonieen  des  Pfeiffer1  sehen  Bacillus :  sie  wurden 
dunkler,  stärker  granulirt  oder  gestrichelt  und  erschienen  für  das 
blosse  Auge  saftiger  weiss.  Auch  entwickelte  sich  hier  der  gleiche 
Geruch  wie  bei  meinem  Bacillus,  nur  in  noch  höherem  Grade 
(Pfeiffer  erwähnt  von  diesem  Gerach  nichts). 

Dementsprechend  zeigten  auch  die  Gelatine-,  Agar-  und  Kartoffel- 
kulturen eine  völlige  Uebereinstimmung,  mit  der  einzigen  Unter- 
scheidung, dass  der  Pfeiffersche  Bacillus  in  den  beiden  ersteren 
konstant  üppig  wuchs  und  deshalb  ausgesprochener  weiss  erschien. 
Der  Pfeiffersche  Bacillus  selbst  ist  im  Vergleich  zu  meinem 
Bacillus  in  den  künstlichen  Nährböden  deutlich  etwas  plumper  und 
grösser;  die  Kapsel  lässt  sich  auch  hier  ebenso  wie  bei  meinem  Ba- 
cillus unter  Umständen  nachweisen.  Im  Mäuseblute  der  verglichenen 
Fälle  zeigten  beide  Bacillen  an  und  für  sich  sehr  wechselnde  Grössen- 
Verhältnisse,  und  es  war  nicht  mit  Sicherheit  festzustellen,  ob  der 
eine  der  Bacillen  durchschnittlich  grösser  sei,  als  der  andere.  Während 
es  gelang,  mit  meinem  Bacillus  Mäuse  und  Meerschweinchen  zu  in- 
fiziren,  blieb  die  Impfung  von  Kaninchen  und  einer  Taube  —  im  Gegen- 
satz zu  Pfeiffer^  Angaben  über  seinen  Bacillus  —  erfolglos.  Fär- 
berisch bestand  zwischen  beiden  Bacillen  keine  Verschiedenheit  (der 
Pfeiffersche  färbte  sich  u.  A.  ebenso  wie  der  von  mir  beschrie- 
bene, unter  Umständen  in  der  Mitte  schwächer). 

Nach  dem  Ergebniss  der  vergleichenden  Untersuchung  des 
Pfeifferschen  und  des  von  mir  beschriebenen  Bacillus  trage  ich 
kein  Bedenken,  beide  Bacillen  zwar  nicht  für  identisch,  aber  für  nahe 
verwandt  zu  erklären.  Ueber  die  Bedeutung  dieser  Klasse  von  Bak- 
terien für  die  menschliche  Pathologie  lässt  sich  auf  Grund  dieses 
zum  ersten  Mal  beim  Menschen  beobachteten  Vorkommens  nichts 
Bestimmtes  aussagen. 

Herrn  Dr.  H.  Neumann  sage  ich  auch  an  diesem  Orte  für  die 
liebenswürdige  Anregung  zu  dieser  Arbeit  und  seine  freundliche 
Unterstützung  bei  deren  Ausführung  meinen  innigsten  Dank. 

Reichenhall,  Anfang  Mai  1891. 


Hankin,  Ueber  die  Nomenclatur  der  schützenden  Eiweisskörper.  377 


Heber  die  Nomenclatur  der  schützenden  Eiweisskörper. 

[Aus  dem  Cambridge  Pathological  Laboratory.] 

Von 

E.  H  Hankin, 

Fellow  of  St.  John's  College,  Cambridge. 
(Schi  um.) 

In  einem  vor  dem  Münchener  Mediz.  Verein  gehaltenen  Vortrag 
hat  Ba  ebner x)  vor  kurzem  die  schützenden  Eiweisskörper  „Alexine" 
genannt.  Es  freut  mich  sehr,  dass  Bu ebner  nicht  mehr  glaubt, 
dass  die  bakterientödtende  Wirkung  des  zellenfreien  Blutserums  durch 
„den  lebenden  Zustand  des  Blutes,  der  sich  im  Serum  für  eine  ge- 
wisse Zeit  forterhält",  bedingt  sei.  Weshalb  aber  sollte  er  seine  Be- 
kehrung zu  meiner  Hypothese  signalisiren  durch  die  Einführung 
neuer  Namen  in  dieselbe?  Da  ich  der  erste  Entdecker  der 
schützenden  Eiweisskörper  bin,  habe  ich  das  Recht,  deren  Nomen- 
clatur zu  geben.  Seit  anderthalb  Jahren  haben  diese  Körper  den 
Namen  „schützende  Eiweisskörper"  gehabt,  und  nach  meiner  Meinung 
gibt  es  keine  genügende  Ursache,  diesen  Namen  zu  verändern. 

Zwischen  schützenden  Eiweisskörpern  und  gewissen  thierischen 
Farbstoffen  gibt  es  eine  unerwartete  Aehnlichkeit.  Es  kommt  oft 
vor,  dass,  wenn  man  einen  neuen  Farbstoff  entdeckt  und  man  den- 
selben mit  einem  Spektroskop  untersucht  hat,  nachweist,  ob  er  in  Chloro- 
form, Alkohol  löslich  ist  oder  nicht,  und  dann  einen  schönen  Namen, 
der  in  -in  endet,  für  denselben  vorschlägt,  —  und  damit  ist  der  Ver- 
sach beendet.  Von  der  inneren  Natur  dieses  Stoffes  aber,  von  seiner 
Stellung  im  Stoffwechsel,  von  seinem  Nutzen  und  von  seinem  Ur- 
sprung bleibt  man  ohne  Kenntniss. 

Aehnlicherweise  führen  Buchner  und  ich  Namen  für  schützende 
Eiweisskörper  ein,  aber  von  den  Haupteigenschaften  dieser  interes- 
santen Körper  ist  bis  jetzt  sehr  wenig  bekannt.  Zum  Beispiel,  was 
ihren  Ursprung  und  ihr  Vorkommen  im  lebenden  Organismus  betrifft, 
wissen  wir  bis  jetzt  so  gut  wie  nichts.  Im  Zusammenhang  mit  der 
Lehre  von  der  bakterientödtenden  Wirkung  des  Blutserums  habe  ich 
oft  bemerkt,  dass  viele  Bakteriologen  glauben,  dass  das,  was  für  das 
Blutserum  gilt,  auch  nothwendigerweise  für  das  Blutplasma 
gelten  müsse. 

In  der  oben  citirten  Arbeit  Buchner 's  lesen  wir,  dass  die 
schützenden  Eiweisskörper  (resp.  „Alexine")  im  Blutplasma  vorhan- 
den sind.  Nach  meiner  Meinung  gibt  ihr  Vorkommen  im  Serum 
per  se  keinen  Beweis,  dass  dieselben  im  kreisenden  Blutplasma 


1)  „Kurze  Uebersicht  über  die  Entwickelang  der  Bakterienforschung  seit  Nageli's 
Eir greifen  in  dieselbe.11  (Münchener  Med.  Woch.  No.  25.  28.  Juni  1891.  S.  485  und 
So.  26,  S.  454.  —  Vergl.  Centialbl.  f.  B akter.  u.  Paras.  Bd.  X.  p.  849.) 


378  Hankin, 

vorhanden  sind,   und  dies  sollte  nicht  ohne  weiteres  angenommen 
werden.    In  einigen  Fällen  (and  in  gewissen  Zuständen  des  Thieres) 
ist  es  sogar  wahrscheinlich,  dass  schützende  Eiweisskörper  in  den 
thierischen  S&ften  existiren.   In  anderen  Fällen  scheint  es  aber  im  Gegen- 
theil,  dass  die  schützenden  Eiweisskörper  im  lebenden  normalen  Thier 
nicht  vorhanden  sind.    Dass  das  letztere  der  Fall  ist  beim  Sozio 
der  Ratte,  wird  wahrscheinlich  gemacht  durch  folgende  Thatsachen: 
Wie  bekannt,  sind  junge  Ratten  gegen  Milzbrand  empfindlich.    Wenn 
meine  Vermuthung  richtig  wäre,  dass  die  Immunität  der  erwachsenen 
Ratte  gegen  Milzbrand   durch  das  Vorhandensein  seines  Sozius  be- 
dingt ist  —  so  würde  man  erwarten,  dass  dieser  Stoff  bei  jungen 
Ratten  ausbleibt.   Thatsächlich  ist  aber  dieser  Stoff  im  Serum  der  jungen 
Ratte  erkennbar  durch  seine  chemischen  Eigenschaften.    Er  ist  aber 
in  viel  kleineren  Quantitäten  vorhanden,  als  bei  dem  erwachsenen 
Thiere.    Nichtsdestoweniger  ist  es  schwer,  zu  verstehen,   wie  Milz- 
brandbacillen   im  Plasma  der  jungen  Ratte  gedeihen   können,  wenn 
dieser  Stoff  dort  in  denselben  Quantitäten  gelöst  ist,   wie  es  in  dem 
Serum  der  Fall  ist     Wenn  die  Erscheinung  dieses  Sozins  im  Serum 
der  jungen  Ratte  nur  post  mortem  stattfindet,  so  könnte  man  erwarten, 
dass  eine  junge  und  deshalb  empfindliche  Ratte  durch 
Einspritzungen   von  Serum  einer  anderen   auch  em- 
pfindlichen  Ratte     gegen   Milzbrand   geschützt    sein 
könnte.    Dieses  etwas  paradoxe  Resultat  habe  ich  erzielt,  wie  aus 
folgendem   Versuch  erhellt:    Von  einer  ungefähr  einen  Monat  alten 
Familie  junger  Ratten  wurde  eine  getödtet  und  ihr  Blut  gesammelt. 
Am  nächsten  Tage  wurden  6  Thierchen   von   derselben  Familie  mit 
Milzbrand  geimpft    Dazu  wurde  eine  2  Tage  alte,  sporenenthaltende 
Agarkultur  von  voll  virulentem  Milzbrand  benützt    Alle  6  haben  die- 
selben Quantitäten  (0,02  cem)  der  Kultur  bekommen.    Von  diesen  6 
haben  drei  als  Kontrole  gedient,  und  alle  sind  innerhalb  36  Stunden 
an  Milzbrand  gestorben.    Die  anderen  drei  haben  0,03  bis  0,1  cero 
des  Serums  ihrer  Bruderratte  bekommen,  und  von   diesen   ist   eine 
nach  48  Stunden  untergegangen.    Bacillen  waren  nur  an  der  Impf- 
stelle zu  finden.    Die  zweite  ist  später  gestorben.    Die  Bacillen  waren 
in    der  Milz    in  langen   Fäden   angeordnet,    wie    es    der   Fall    ist 
bei  abgeschwächtem  Milzbrand.    Einige  Fäden  waren  so  lang,   dass 
sie  sich  durch  das  ganze  Gesichtsfeld  erstreckten.    Die  dritte  endlich 
ist  lebend  geblieben.    Eiter  hatte  sich  an  der  Impfstelle  gesammelt, 
(wie  es  bei  etwas  älteren  Ratten  nach  Milzbrand-Infektion  gewöhnlich 
der  Fall  ist).    Nach  einigen  Tagen  aber  ist  dieser  verschwunden  und 
die  Wunde  völlig  geheilt.    Also  ist  diese  Ratte  gegen  Milz- 
brand unempfindlich  geworden  durch  eine  Einspritz- 
ung des  Serums  ihres  empfindlichen  Bruders. 

Gegen  diese  Folgerung  könnte  man  einwenden,  dass  wahrschein- 
lich die  Unempfindlichkeit  gegen  diese  Krankheit,  welche  die  erwach- 
senen Thiere  auszeichnet,  nicht  in  allen  Fällen  bei  demselben  Alter 
erscheint  Es  ist  also  möglich,  dass  in  dieser  Familie  einige  ange- 
fangen haben,  die  natürliche  Unempfindlichkeit  der  Erwachsenen  zu 
entwickeln,  und  dass  in  dem  einen  Falle  die  junge  Ratte  die  Impfung 
überstanden  hat   nicht  in  Folge  der  Serum-Einspritzung,   sondern 


U*W  die  Nomenclfttur  der  schüttenden  Eiweisskörper.  379 

weil  sie  schon  die  Widerstandskraft  der  Erwachsenen  bekommen 
hatte.  Diesen  Einwand  habe  ich  zu  beseitigen  gesucht  mit  Hilfe 
der  vier  übrig  gebliebenen  Ratten  derselben  Familie.  Während  der 
Dächsten  10  Tage  haben  sie  statt  Brod  (wie  früher)  Fleisch  und 
Eier  zu  fressen  bekommen.  Nun  ist  es  aber  bekannt,  dass  die  Wider- 
standskraft der  Ratte  gegen  Milzbrand  durch  Fleischfütterung  er- 
höht wird.  Man  könnte  also  erwarten,  dass  nach  dieser  Behand- 
lung die  vier  jungen  Ratten  eine  grössere  Widerstandskraft  er- 
worben hätten.  Nichtsdestoweniger  sind,  als  nach  dieser  Frist  drei 
davon  geimpft  wurden,  alle  gestorben.  Eine  24-stündige,  nicht  sporen- 
haltige  Bouillon-Kultur  war  dazu  benutzt  worden;  eine  von  diesen 
drei  Ratten  hat  eine  Einspritzung  des  Serums  der  vierten  bekommen 
und  ist  erst  nach  8  Tagen  gestorben.  Nur  an  der  Impfstelle  sind 
Bacillen  sehr  spärlich  zu  sehen  —  sonst  waren  keine  Milzbrand- 
Symptome  zu  finden.  Es  haben  also  von  dieser  Familie  von  11  Ratten 
ö  als  Kontrole  gedient  und  sind  prompt  gestorben.  Zwei  nicht- 
geimpfte haben  Serum  gegeben,  mit  welchem  versucht  wurde,  die 
übrigen  4  gegen  Milzbrand  zu  schützen.  Von  diesen  vier  ist  1  lebendig 
geblieben,  und  nur  3  sind  gestorben  mit  verschiedenen  Zeichen 
einer  erhöhten  Widerstandskraft  gegen  die  Ansteckung. 

Dieser  Versuch  scheint  also  zu  beweisen,  dass  das  Sozin  der 
Ratte  in  seinem  Blutplasma  nicht  im  freien  Zustande  vorhanden  ist. 

Wie  aber  dieses  Sozin  während  des  Lebens  existirt,  bleibt  noch 
zu  erklären.  Zwei  Hypothesen  können  darüber  aufgestellt  werden: 
Die  erste,  die  ich  schon  veröffentlicht  habe,  ist  die,  dass  die  schützen- 
den Eiweisskörper  von  gewissen  Zellen  (vielleicht  Phagocyten)  stammen 
und  nach  deren  Tode  befreit  werden  und  in  das  Serum  übergehen. 
Die  zweite  ist  die,  dass  die  schützenden  Eiweisskörper  vom  Plasma 
selbst  abstammen,  vielleicht  von  einer  Muttersubstanz  (vergl.  Zymo- 
geo),  die  darin  gelöst  ist  und  die  auf  einen  gewissen  Reiz  in  den 
aktiven  Zustand  der  schützenden  Eiweisskörper  übergeführt  wird. 
Eine  ähnliche  Ansicht  haben  viele  Physiologen,  um  zu  erklären, 
wie  das  Fibrinferment  während  des  Gerinnungsvorgangs  im  Serum 
erscheint  Nach  meiner  Meinung  sind  beim  gegenwärtigen  Stande 
unseres  Wissens  diese  beiden  Hypothesen  möglich,  und  ob  eine  oder 
beide  mit  der  Wahrheit  übereinstimmen,  wird  nur  nach  langen  und 
sorgfältigen  Versuchen  aufgeklärt  werden. 

Cambridge,  Aug.  1891. 


380  PiedeUr, 


Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgestüte  und  über 
den  Krankheitserreger  derselben. 

Von 

Dr.  Fiedeler, 

Kreistbierarzt  in  Breslau. 
(Fortsetzung.) 

Nach  dem  Standpunkte  der  heutigen  Wissenschaft  sind  die  nach 
dem  Koch 'sehen  Plattenverfahren  gewonnenen  Reinkulturen  als 
einwandsfrei  zu  betrachten.  Es  ist  nun  durch  die  beiden  Versuchs- 
reihen festgestellt ,  dass  in  den  Lungen  zweier  an  Brustseuche  er- 
krankt gewesener  Pferde  Bakterien  vorhanden  waren,  welche  durch- 
aus gleiche  Formen  und  sonstige  Eigenschaften  besassen. 

Da  aber  die  Lungen  Hohlräume  bilden,  welche  mit  der  atmo- 
sphärischen Luft  in  beständiger  Berührung  stehen  und  den  Sitz  für 
zahlreiche  Luftkeime  abgeben,  welche  demnach  auch  in  die  beider 
Brustseuche  sich  bildenden,  nekrotischen  Herde  dringen  können,  wie 
ja  später  durch  die  sechste  Versuchsreihe  augenscheinlich  dargethan 
wurde,  so  konnte  dem  Einwände  eine  gewisse  Berechtigung  nicht 
abgesprochen  werden ,  dass  es  sich  in  beiden  Fällen  nicht  um  Bak- 
terien gehandelt  habe,  welche  der  Brustseuche  allein  eigenthüE' 
lieh  sind. 

Es  wurde  deshalb  nach  einer  Ursprungsstätte  gesucht,  welche! 
dieser  Einwand  nicht  anhaftete,  und  der  Versuch  gemacht,  die  Rein- 
kulturen direkt  aus  dem  Blute  kranker  Thiere  zu  gewinnen,  b 
würde  ausserdem  diese  Methode  noch  den  Vorzug  bieten,  die  bakte 
riologische  Feststellung  der  Brustseuche  schon  am  lebenden  Thiere 
zu  erreichen,  was  unter  Umständen  von  Werth  sein  kann.  Ausserdem 
würde  diese  Methode  weniger  schwierig  und  sicherer  auszuführei 
sein,  als  die  zuerst  gewählte.  Die  negativen  Ergebnisse  der  voi 
Hertwig  und  Di  eck  erhoff  ausgeführten  subkutanen  und  veuösei 
Impfversuche  waren  nicht  im  Stande,  auf  jenes  Vorhaben  ermuthigen- 
einzuwirken,  andererseits  musste  es  aber  wunderbar  erscheinen,  das^ 
bei  einer  Krankheit,  welche  durchaus  den  Charakter  einer  Infektion 
krankheit  besitzt  und  sich  durch  schwere  Allgemeinerkrankungefl 
und  Lokalkrankheiten,  welche  auf  den  verschiedensten  anatomische 
Gebieten  auftreten,  auszeichnet,  das  Blut  frei  von  Organismen  blei- 
ben sollte. 

Auf  Grund  dieser  Erwägungen  wurde  nun  versucht,  durch  d^ 
Plattenverfahren,  welches  auf  die  geringsten  Bakterienmengen  reagirtj 
die  Reinkulturen  direkt  aus  dem  Blute  zu  gewinnen.  Die  ersten 
Versuche  scheiterten  daran,  dass  es  nicht  gelang,  steriles  Blut  m 
einwandsfreier  Weise  zu  gewinnen.  Die  gewöhnliche  Pravaz'sclifl 
Spritze  ist  dazu  ungeeignet  wegen  der  beim  Sterilisiren,  sowohl  )fl 
heisser  Luft,  wie  auch  im  Dampfbade  eintretenden  Kaüberabweicbunjj 
des  Kolbenschlusses. 


Uetar  die  Brtutaeuche  im  Koseier  L&ndgestfite.  3g  X 

Auch  die  kleine,  von  Koch  konstruirte  Glasspritze  erwies  sich 
beim  Pferde  als  unpraktisch. 

Dagegen  wurde  dieOrdtmann "sehe  Injektionsspritze  wegen  der 
Unveränderlichkeit  ihres  aus  Asbest  bestehenden  Kolbenschlusses  bei 
Temperatur-  und  Feuchtigkeitsschwankungen  zum  Sterilisiren  als 
vorzüglich  für  unsere  Zwecke  brauchbar  befunden,  wie  sie  überhaupt 
für  alle  subkutanen  Einspritzungen  sehr  zu  empfehlen  ist. 

3.  Versuchsreihe. 

Am  27.  Januar  wurde  dem  Deckhengste  Ehrenmann,  welcher 
seit  3  Tagen  an  der  Brustseuche  erkrankt  war,  bei  welcher  neben 
hohem  Fieber  —  40,7°  Temperatur  —  die  Erscheinungen  einer  Lungen- 
und  Nierenentzündung  in  den  Vordergrund  traten,  aus  der  Jugularis 
Blut  unter  Beobachtung  folgender  Vorsichtsmassregeln  entnommen: 

Zunächst  wurden  auf  der  Haut  über  dem  mittleren  Dritttheile 
der  linken  Drosselrinne  die  Haare  abgeschoren,  die  kahle  Stelle  dick 
mit  Sublimatseife  eingeschmiert  und  am  andern  Morgen  mit  warmem 
Wasser  abgebürstet. 

Nachdem  diese  Stelle  nochmals  und  auch  die  Hände  sorgfältig 
mit  Sublimatlösung  gereinigt  waren,  wurde  mit  einem  Messer  ein 
Hauptschnitt  bis  auf  die  Jugularis  gemacht,  die  Spitze  der  Spritze 
in  die  biossliegende  Vene  gestossen  und  nun  durch  das  Anziehen  des 
Kolbens  die  Spritze  mit  Blut  gefüllt. 

Es  wurde  dabei  streng  vermieden,  die  Messerklinge  und  die- 
jenigen Stellen  der  Spritze,  welche  direkt  mit  dem  Blute  in  Ver- 
bindung kamen,  mit  den  Fingern  zu  berühren. 

Das  Messer  wie  auch  die  Spritze  waren  zweimal  binnen  24  Stun- 
den, jedesmal  40  Minuten  lang,  in  einem  Dampfbade  gewesen  und  dar- 
auf mittelst  eines  sterilisirten  Kneifers  in  ein  ebenfalls  sterilisirtes, 
mit  weitem  Halse  versehenes  Glas  gethan,  dieses  wurde  dann  bis 
unmittelbar  vor  dem  Gebrauche  mit  einem  Wattebausche  verschlossen 
gehalten. 

Aus  dem  so  gewonnenen  Blute  wurden  3  Platten  in  der  Weise 
angelegt,  dass  unmittelbar  aus  der  Spritze  möglichst  wenig  Blut  in 
die  mit  erwärmter  Gelatine  angefüllten  Gläschen  gedrückt  wurde, 
leren  Inhalt,  nachdem  noch  von  einer  Platte  2  Verdünnungs- 
platten angelegt  waren,  in  Platten  ausgeschüttet  wurde. 

Der  in  der  Spritze  verbliebene  Rest  des  Blutes  wurde  in  ein 
sterilisirtes  Glasröhrchen  gespritzt 

In  6  aus  diesem  Blute  angefertigten  Ausstrichpräparaten  konnten 
keine  Organismen  nachgewiesen  werden. 

Es  wurden  geimpft:  Kaninchen  12,  welchem  ein  erbsengrosses 
Blutgerinnsel  und  4  Oesen  voll  Blutserum  unter  die  Hautfalte  des 
linken  Ohres  gebracht  wurde,  und:  Maus  8  und  9,  mit  je  einem 
linsengrossen  Stückchen  Blute  und  2  Oesen  voll  Blutserum. 

Diese  Impfthiere  waren  einige  Tage  lang  deutlich  erkrankt,  hatten 
sich  aber  bald  wieder  von  der  Impfkrankheit  erholt. 

In  den  Platten,  deren  Inhalt  längere  Zeit,  weil  sie  zu  nahe  am 
Wen  gestanden  hatten,  flüssig  gewesen  war,  war  nichts  zu  sehen, 
nur  in  1  Originalplatte  waren  am  6.  Tage  an  einer  halbmondför- 


382  KiedeJer, 

migen,  2  cm  langen  Stelle  dicht  an  einander  gedrängte,  hirsekorngrosse, 
länglich  gezogene  Kolonieen  gewachsen,  welche  einen  deutlichen 
Zwischenraum  erkennen  Hessen. 

In  einem  aus  einer  solchen  Kolonie  angefertigten  Ausstrichprä- 
parate fanden  sich  die  bekannten  Organismen  und  besonders  zahl- 
reich in  der  Form  der  Diplokokken. 

Mit  einer  anderen  Kolonie  wurden  in  der  bekannten  Weise  an- 
gelegt: 3  Platten. 

Nach  4  Tagen  waren  in  denselben  —  in  entsprechender  Ver- 
keilung —  zahlreiche  charakteristische  Kolonien  gewachsen. 

Aus  der  ersten  Verdünnungsplatte  wurden  angelegt  2  Gelatine- 
Stiche,  welche  charakteristisch  wuchsen,  und  geimpft:   Maus  IL 

Am  11.  Februar  Abends  war  dieselbe  todt.  In  einem  aus  den 
Blute  angefertigten  Ausstrichpräparate  fanden  sich  die  bekaonten 
Bakterien. 

Aus  dem  Herzblute  derselben  wurden  angelegt  mit  je  einer 
Oese  voll:    2  Platten  und  1  Brühekultur. 

Die  Platten  gediehen  in  der  bekannten  Weise. 

In  der  bei  Zimmertemperatur  gehaltenen  Brühekultur  befand 
sich  am  4.  Tage  ein  flockiger  Bodensatz,  der  untere  Theil  der  Brühe 
war  trübe,  während  der  obere  Theil  derselben  erst  durch  Umschüt- 
teln des  Gläschens  getrübt  wurde.  In  zwei  aus  einer  Kolonie  and 
aus  dem  flockigen  Bodensatze  angefertigten  Ausstrichpräparaten 
fanden  sich  Reinkulturen  unserer  Bakterien.  Aus  einem  der  beiden 
Stiche  wurde  angelegt:    1  Agarkultur. 

Am  17.  Februar  fanden  sich  auf  der  schrägen  Agarfläche  kleine 
graue  Kugeln,  welche  nach  dem  Ergebnisse  der  mikroskopischen  Unter- 
suchung aus  Reinkulturen  von  ovoiden  Bakterien  bestanden. 

3.  Ehrenmann. 


Blut. 


3  Platten. 


2  Suche. 

-L 

1  Agar. 

4.  Versuchsreihe. 

Am  30.  Januar  wurde  aus  der  linken  Drosselvene  des  Landbe- 
schälers  „König",  welcher  seit  5  Tagen  an  Brustseuche  erkrankt  war, 
seit  dem  ersten  Krankheitstage  ständig  über  40,0  Temperatur  gehabt 
hatte  und  mit  Lungen-  und  Nierenentzündung  behaftet  war,  eine 
Spritze  Blut  in  der  geschilderten  Weise  entnommen,  mit  je  einigen 
direkt  aus  der  Spritze  gedrückten  Tropfen  wurden  besät:  3  Plattes 


Ueber  die  Bru»to«uche  im  Koteier  LandgettUte.  3g3 

und  von  einer  dieser  Platten  wurden,  mit  je  10  Oesen,  2  Ver- 
dünnungsplatten angelegt. 

Das  übrige  Blut  wurde  auf  2  sterilisirte  Reagenzgläschen 
▼ertheilt. 

Aus  einer  dieser  Röhrchen  wurden,  nachdem  mit  einem  Glas* 
stabe  das  Blutgerinnsel  mit  dem  Blutserum  möglichst  vermischt  war, 
mit  je  einer  Oese   voll  angelegt:    5  Originalplatten  und  mit 

10  Oesen  Blutserum:  13  Originalplatten,  und  aus  einer  der- 
selben:   2  Verdünnungsplatten. 

Ferner  wurde  angelegt:  1  Gelatine  stich,  und  mit  10 
Oesen  beschickt:  1  Brühekultur,  und  mit  je  1  Oese:  2  Brühe- 
kulturen, 

Ein  bohnengrosses  Blutgerinnsel  und  10  Oesen  voll  Blutserum 
wurden  mit  etwa  4  Theilen  sterilisirter  Brühe  verrieben  und  unter 
die  Haut  gespritzt:    Kaninchen  10  und  11  und  Maus  13. 

In  diesem  Blute  konnten  in  3  aus  demselben  angefertigten  Aus- 
strichpraparaten  keine  Organismen  aufgefunden  werden. 

Von  den  direkt  aus  dem  Blute  beschickten  Platten  zeigten  sich 
2  Original-  und  1  Verdünnungsplatte  infizirt,  es  waren  in  denselben 
io  entsprechender  Vertheilung  Kolonien  gewachsen,  welche  mit  denen 
der  ersten  Versuchsreihen  nach  jeder  Richtung  hin  übereinstimmten. 

Die  5  mit  1  Oese  voll  Blut  beschickten  Platten  und  2  Brühe- 
kulturen blieben  steril,  auch  der  Gelatinestich,  oder  vielmehr:  es 
waren  in  demselben  fremde  Bakterien  gewachsen,  während  von  den 
mit  10  Oesen  besäten  Platten  2  Original-  und  1  Verdünnungsplatte 
und  1  Brühekultur   mit   charakteristischen  Bakterien  besetzt  waren. 

Aus  der  ersten  Verdünnungsplatte  wurde  am  5.  Februar  eine 
Kolonie  gefischt  und  damit  angelegt:    3  Platten  (a,  b  und  c)  und 

1  Gelatinestich. 

Ferner   mit  je   einer,  in  sorgfältiger  Weise  gefischten  Kolonie: 

11  Brühekulturen  und  2  Agarkulturen. 

Sowohl  in  den  Platten  und  in  dem  Gelatinestiche,  wie  auch  in 
den  Brühe-  und  Agarkulturen  wuchsen  Kolonieen,  welche  die  be- 
kannten Eigenschaften  nachwiesen. 

Von  der  Verdünnungsplatte  b  wurden  wiederum  3  Platten  an- 
gelegt und  von  diesen  nach  einiger  Zeit  wieder  3,  und  so  fort  bis 
Ende  März,  wo  die  Bakterien  zuerst  ihre  Infektionsfähigkeit  und 
später  auch  ihre  Beproduktionsfähigkeit  eingebüsst  hatten. 

Kaninchen  10  und  Maus  13  blieben  gesund,  Kaninchen  11, 
welches  sehr  jung  und  zart  war,  war  am  Abend  des  3.  Februar  ge- 
storben. 

Die  Leichenöffnung  desselben  lieferte  einen  durchaus  charakte- 
ristischen Befund.  Aub  dem  Blute  wurden  angelegt:  2  Platten 
(a  und  b),  1  Agar-  und  1  Brühekultur. 

In  den  Platten  und  der  Brühe  wuchsen  charakteristische  Kolo- 
nieen, bezw.  Bakterien. 

Es  ist  erinnerlich,   dass  das  von  „König"  entnommene  Blut  auf 

2  Gläschen  vertheilt  wurde,  das  letzte  derselben  wurde  3  Tage  lang 
bei  Zimmertemperatur  aufbewahrt,  in  2  aus  demselben  angefertig- 
ten Ausstrichpräparaten   wurden   zahlreiche   Bakterien,    besonders 


384 


Typhus. 


häufig  in  der  Form  von  sogenannten  Diplokokken  gefanden.  Mit  je 
einer  diesem  Röhrchen  entnommenen  Oese  Blutserum  wurden  ange- 
legt:   2  Original-  und  1  b-Platte  und  1  Gelatinestich. 

Am  3.  Tage  waren  alle  drei  Platten  von  Kolonieen,  welche  sich  als 
charakteristisch  erwiesen,  dicht  besät,  und  auch  in  dem  Stiche  waren 
charakteristische  Kolonieen  gewachsen. 

Aus  der  Verdünnungsplatte  wurden  2  Kolonieen  gefischt  und  da- 
mit geimpft:    Maus  14. 

Dieselbe  war  nach  3  Tagen  gestorben  und  lieferte  den  bekann- 
ten charakteristischen  Befund. 

Ebenso,  und  zwar  in  entsprechender  Vertheilung,  in  3  —  a,  b 
und  c  —  Platten,  welche  aus  dem  Blute  dieser  Maus  angelegt 
wurden. 

4.  König. 


Blut  (frisch). 


Blut  (3  Tage  ala 


S  Platten. 


Kaninchen  11.         3  Platten.      1  Stich. 


3  Platten.    1  Stich.    11  Brühe.    2  Agarkulturen. 


2  Platten.     1  Brühe. 


3  Platten. 


PI.  und  Mäuse 
(siehe  7.  Versuchsreihe). 

(Fortsetzung  folgt.) 


Referate. 


HUscher,  Ueber  die  Komplikationen  bei  2000  Fällen  von 

letalem  Abdominaltyphus.    (Münch.  med.  Wochenschr.  1891. 

No.  3  u.  4.) 

Aus  der  interessanten  Zusammenstellung  des  Verf.'s,  welcher  die 

Ergebnisse  von  2000  Typhussektionen   des  pathologischen  Instituts 

Münchens  zu  Grunde  liegen,  geht  hervor,  dass  Komplikationen  des 

Abdominaltyphus  an  allen  Theilen  und  Organen  des  Körpers  häufig 

vorkommen,  zum  grösseren  Theil  durch  das  Typhusgift  selbst,  zum 


Gonorrhö«.  335 

geringeren  durch  Mischinfektionen  verursacht  werden  und  weitaus  in 
den  meisten  Todesfällen  jener  Krankheit  die  Ursache  des  ungünstigen 
Ausgangs  sind.  Kubier  (Berlin). 

Werthelm,  E.,  Zur  Lehre  von  der  Gonorrhöe.  (Prager  medi- 
zinische Wochenschrift.  1891.  No.  23,  24.) 

Verf.  suchte  experimentell  die  Frage  zu  lösen,  ob  die  Gonokokken 
unter  denselben  Bedingungen  wie  die  pyogenen  Mikroorganismen  am 
Versuchsthiere  eine  Peritonitis  hervorzurufen  vermögen. 

Bezüglich  der  mit  Gonokokken  angestellten  Kulturversuche  und 
Uebertragungsversuche  auf  den  Menschen  kommt  Verf.  zu  folgenden 
Schlüssen: 

1)  Der  Gonococcus  lägst  sich  ganz  leicht  und  bequem  mittelst 
des  Plattenverfahrens  rein  züchten,  wofern  man  als  Nährboden  mensch- 
liches Blutserum  benutzt.  Die  Erstarrungsfähigkeit  wird  demselben 
nach  Hueppe  durch  einen  Zusatz  von  sterilem  Agar-Agar  ver- 
liehen. Binnen  3  Tagen  gelingt  es  auf  diese  Weise,  zu  einer  sicheren 
Gonokokken-Reinkultur  zu  gelangen. 

2)  Die  mittelst  des  Plattenverfahrens  gewonnenen  Reinkulturen 
erzeugen  bei  der  Uebertragung  auf  die  menschliche  Urethra  einen 
typischen  Gonokokken-Tripper,  wie  aus  fünf  derartigen  Versuchen 
hervorgeht. 

3)  Aus  der  Möglichkeit  der  Anwendung  des  Plattenverfahrens 
ergibt  sich:  a)  dass  sich  der  Gonococcus  auch  in  der  Tiefe  des 
Nährbodens  fortentwickelt;  b)  dass  es  durchaus  nicht  nothwendig  ist, 
das  Aussaatmaterial  in  dicker  Masse  auf  den  Nährboden  aufzutragen, 
dass  vielmehr  von  jedem  einzelnen  Gonokokkenkeime  aus  eine  Kolonie 
sich  entwickelt.  Stich-  und  Strichkulturen  gehen  in  gleicher  Weise 
günstig  an. 

4)  Menschliches  Blutserum  ist  der  weitaus  beste  Nährboden  für 
den  Gonococcus,  doch  können  auch  auf  thierischem  Blutserum  und 
auf  Agar-Agar  kümmerliche  Kulturen,  selbst  bei  direkter  Aussaat 
gonorrhöischen  Eiters,  erzielt  werden. 

5)  Gut  entwickelte  Gonokokkenkulturen  auf  menschlichem  Blut- 
serum sind  selbst  nach  4—5  Wochen  durch  Ueberimpfung  auf  neues 
menschliches  Blutserum  fortzüchtbar,  falls  sie  vor  Austrocknung  be- 
wahrt werden. 

6)  Auch  die  Virulenz  geht  durch  die  Züchtung  auf  künstlichem 
Nährboden  keineswegs  besonders  rasch  verloren.  Eine  durch  4  Wochen 
fortgezüchtete  Kultur  auf  menschlichem  Blutserum  erwies  sich  bei 
der  uebertragung  auf  die  menschliche  Urethra  als  vollvirulent. 

7)  Das  Wachsthum  des  Gonococcus  ist  bei  Entziehung  des 
Sauerstoffs  bedeutend  stärker,  als  bei  Sauerstoffzutritt. 

Die  Kultivirung  ergab  einmal  ein  positives  Resultat,  trotzdem  in 
den  mit  Trippereiter  angefertigten  mikroskopischen  Präparaten  keine 
Gonokokken  vorgefunden  wurden. 

Nachdem  sich  Verf.  durch  eigene  Untersuchungen  davon  über- 
zeugt hatte,  dass  die  Einbringung  von  Staphylococcus  pyo- 
genes  aureus  und  Streptococcus  pyogenes  sammt  festem 
Nährboden,  z.  B.  Agar,  in  die  Bauchhöhle  der  Thiere  sicher  eine 
x.*L  26 


386  Periurethral«  Abscesse. 

fast  immer  tödtliche  Peritonitis  zur  Folge  hatte ,  während  die  Ein- 
bringung relativ  bedeutender  Mengen  von  Bouillonkulturen  meist 
schadlos  vertragen  wird,  prüfte  er  diese  Verhältnisse  bezüglich  des 
Gonococcus.  Dieselben  waren  die  gleichen  wie  jene  für  die  Eiter- 
kokken. Dabei  erwies  sich  das  Peritoneum  verschiedener  Thiere  ver- 
schieden empfänglich.  Am  besten  eignen  sich  weisse  Mäuse,  dann 
Meerschweinchen,  weniger  gut  Kaninchen  und  Ratten,  fast  gar  nicht 
Hunde. 

Die  Impfungen  bewirkten  regelmässig  eine  echte,  durch  Gonokokken 
bedingte  Entzündung  des  Peritoneums. 

Die  histologische  Untersuchung  der  Bauchwand  in  solchen  Fällen 
hat  ergeben,  dass  der  Gonococcus  in  Plattenepithel  und  Bindege- 
webe eindringen  kann  und  dass  er  in  letzterem  dem  Verlaufe  der  Ge- 
webs-  und  Lymphspalten  folgend  sich  ähnlich  verbreitet,  wie  die 
anderen  pyogenen  Mikroorganismen. 

Auf  vom  Gonococcus  erschöpftem  Nährboden  ging  Strepto- 
coccus pyogenes  überhaupt  nicht  an;  Staphylococcus  pyo- 
gen es  aureus  gedieh  auf  demselben  weniger  reichlich  als  in 
frischem  menschlichem  Blutserum. 

Schliesslich  berichtet  Verf.  noch  über  2  Fälle  von  rein  gonor- 
rhöischen Ovarialabscessen.  Dittrich  (Prag). 


Pellizzarl,  Celso,  Der  Diplococcus  von  Neisser  in  den 
periurethralen  blennorrhöischen  Abscessen.  (Central- 
blatt  für  allg.  Pathologie  und  pathol.  Anatomie.  L  1890.  No.  18, 19). 
Verf.  spricht  sich  auf  Grund  der  bakteriologischen  Untersuchung 
dreier  Fälle  eigener  Beobachtung  dahin  aus,  dass  bei  den  Abscessen, 
die  sich  sehr  häufig  durch  Ausbreitung  des  Trippers  von  den  Mor- 
gagni'sehen  Lücken  aus  in  die  periurethralen  follikulären  Drüsen 
einstellen,  der  Diplococcus  von  Neisser  sich  vorfindet;  und  da  dieser 
Mikroorganismus,  wenigstens  in  einigen  Fällen,  sich  allein  vorfindet, 
muss  man  ihm  wahrscheinlich  auch  eine  echte  und  besondere  pyogene 
Wirkung  zuschreiben.  Andererseits  kann  man  nicht  ausschliessen, 
dass  bei  diesen  besonderen  Bedingungen  der  Gewebe  das  successive 
Gedeihen  der  anderen  pyogenen  Keime  erleichtert  werden  könne, 
welche  sich  mit  dem  Diplococcus  selbst  vereinigen  oder  auch  geradezu 
ihn  ersetzen.  Auf  diese  Weise  würden  sich  vom  bakteriologischen 
Gesichtspunkte  aus  jene  Fälle  von  periurethralen  Abscessen  erklären, 
in  denen  sich  der  Diplococcus  von  Neisser  gleichzeitig  mit  dem 
Staphylococcus  pyogenes  aureus,  oder  bei  denen  sich  der 
Staphylococcus  pyogenes  aureus  allein  vorfand;  vom  kli- 
nischen Standpunkte  erklärten  sich  dann  gleichfalls  jene  sehr  seltenen 
Fälle,  bei  denen  auf  sehr  milde  Formen  von  folliculären  Abscessen 
ausgedehnte  periurethrale  Phlegmone  folgt,  mit  Loslösung  der  Apo- 
neurose  und  Nekrose  der  Scheiden  des  Gliedes. 

In  der  Periode,  in  welcher  die  kleinen  periurethralen  Abscesse 
beginnen,  fand  Pellizzari  den  Gonococcus  isolirt. 

Dittrich  (Prag). 


Epidemischer  Icterus.  387 

Heinert, Ergebnisse  der  Sammelforschung  über  den  im 
Königreich  Sachsen  1889/90  beobachteten  epidemi- 
schen Icterus.  Mit  einer  Karte.  (Korresp.-Bl.  d.  sächs.  ärztl. 
Kreis-  u.  Bezirks- Vereine.  Bd.  XLIX.  1890.  No.  6.) 

Verf.  berichtet  von  einer  Icterusepidemie,  die  im  Juli  und  August 
1889  langsam  einsetzte,  allmählich  zunahm,  um  mit  den  letzten 
Fällen  im  März  und  April  1890  auszuklagen,  und  über  das  König- 
reich Sachsen  und  die  preussische  Provinz  Schlesien  sich  ausbreitete, 
in  vereinzelten  Fällen  aber  auch  in  den  umliegenden  Ländern  Bayern, 
den  sächsischen  Herzogtümern,  der  Mark  Brandenburg,  der  Provinz 
Posen  mit  den  angrenzenden  russischen  Provinzen  vorkam.  Sie  befiel 
hauptsächlich  Kinder  unter  14  Jahren,  ohne  ein  Geschlecht  besonders 
zu  bevorzugen,  kam  besonders  in  wohlhabenden  Familien  vor,  Hess 
dagegen  keinerlei  Abhängigkeit  von  bestimmten  geographischen  Ver- 
hältnissen erkennen.  Im  Ganzen  war  die  Epidemie  leicht,  von  den 
im  Kgr.  Sachsen  genau  beobachteten  518  Erkrankungen  endeten  nur 
13  =  2,5  Proz.  tödtlich,  davon  2  unter  dem  Bilde  der  akuten  gelben 
Leberatrophie.  Klinisch  Hessen  sich  zwei  scharf  getrennte  Stadien 
unterscheiden,  ein  ohne  Prodrome  einsetzendes  fieberhaftes  mit  Tem- 
peraturen bis  40°  G  und  darüber,  das  2—3  Tage  dauerte,  worauf 
staffelförmiger  Temperaturabfall,  und  ein  fieberloses,  das  sich  an 
erstem  nach  anscheinender  Genesung  anschloss  und  mit  Icterus 
und  Leberschwellung  verlief.  Die  Gelbsucht  konnte  von  wenigen  Stunden 
bis  zu  Wochen  dauern.  Das  Fieber  fehlte  zuweilen  ganz,  etwa  in 
28  Proz.  der  Fälle.  Bei  Erwachsenen  war  der  ganze  Verlauf  kürzer 
und  leichter. 

Aus  den  Beobachtungen  schliesst  Verf.,  dass  die  Krankheit  in- 
fektiös, jedoch  nicht  mit  der  Weil' sehen  Krankheit  identisch,  kon- 
tagiös  und  zugleich  miasmatisch  sei.  Irgend  welche  bakteriologischen 
oder  mikroskopischen  Untersuchungen  fanden  nicht  statt,  trotzdem 
glaubt  Verf.  sich  zu  Betrachtungen  über  die  Natur  der  Krankheits- 
erreger berechtigt.  Er  vermuthet,  dass  dieselben  keine  festen,  an  die 
Scholle  gebundenen  Brutstätten  haben,  wie  etwa  die  Malaria-  oder 
Milzbrandmikroben,  sondern  auf  beweglichen  Nährböden  zu  Hause 
sind.  Wegen  der  Häufigkeit  der  Störungen  seitens  der  Athmungs- 
organe,  welche  die  Krankheit  begleiten,  vermuthet  Verf.  ferner,  dass 
diese  die  Eingangspforte  des  Krankheitsgiftes  sind. 

Nach  allem  plädirt  Verf.  dafür,  dass  man  den  epidemischen 
Icterus  der  Kinder  als  eine  Krankheit  sui  generis  vom  gewöhnlichen 
Icterus  trenne,  und  führt  aus  der  Litteratur  5  Epidemieen  an,  die 
offenbar  dieser  Krankheit  angehörten:  Genf  1848  und  1851,  Bir- 
mingham 1852,  Hanau  1868/69,  Basel  1874/75  und  Brunsbüttel  und 
Nordhausen  in  Holstein  1888/89.  Bemerkenswerth  ist,  dass  mehr- 
fach Schulen  als  Krankheits-  und  Ansteckungsherde  sich  erwiesen. 
—  Hoffen  wir,  dass  eine  künftige  Epidemie  dieser  Krankheit  ätio- 
logisch noch  gründlicher  aufgeklärt  werden  möge,  als  es  mit  der  vor- 
liegenden dem  Verf.  gelang. 

Seltsam  berührt  den  Ref.  die  Erklärung  des  Verf.'s,  dass  er  die 
Fragekarten,  auf  denen  seine  Sammelforschung  beruht,  an  „Spezialisten, 
privatisirende  Aerzte  und  aktive  Militärärzte  wegen  der  geringen  von 


388  Chorea.  —  Arthritis  nach  Pneumonie. 

ihnen  zu  erwartenden  Beisteuer"  nicht  gesandt  habe.  Dass  ihm 
Augen-,  Ohren-  u.  8.  w.  und  „privatisirende"  Aerzte  über  den  Icterus 
nicht  viel  mitzutheilen  haben  werden,  ist  wohl  anzunehmen;  die  Er- 
fahrungen der  Militärärzte  aber,  die  ausser  den  Soldaten  die  Soldaten- 
frauen und  -Kinder  zu  behandeln  und  vielfach  ausgedehnte  Privat- 
praxis haben,  so  geringschätzig  behandelt  zu  sehen,  kann  Ref.  in  der 
That  nicht  gutheissen.  M.  Kirchner  (Hannover). 

Piaiiese,  6L,  Ricerche  batteriologiche  e  sperimentali  in 
un  caso  di  corea  du  Sydenham.  (La  Riforma  med.  1891. 
No.  158.) 

Aus  dem  Halsmarke  eines  jungen,  an  allgemeiner  schwerer  Cho- 
rea verstorbenen  und  25  Stunden  nach  dem  Tode  obduzirten  Indi- 
viduums gelang  es  P.,  mittelst  Koch'schen  Platten  Verfahrens  einen 
Bacillus  zu  isoliren,  welcher  auf  allen  üblichen  Nährböden,  auch  unter 
der  Glimmerplatte,  wächst  bei  20 — 38°  Temperatur,  in  der  Gelatine 
Gas  entwickelt,  im  hängenden  Tropfen  eine  träge  Bewegung  zeigt, 
Sporen  bildet  und  sich  besonders  mit  Karbolfuchsin  gut  färbt. 

Subkutane,  intraperitoneale  und  intravenöse  Impfungen  ohne 
Erfolg.  Positiv  fielen  hingegen  aus  Impfungen  unter  die  Dura  nach 
vorhergegangener  Trepanation  (3  Hunde  und  12  Kaninchen),  ferner 
jene  längs  der  Nervenstämme  wie  des  Ischiadicus  (3  Hunde  und 
1  Kaninchen)  und  endlich  auch  die  mittels  Einreibung  in  die  ver- 
letzte Nasenschleimhaut  (4  Meerschweinchen).  Schon  24  Stunden 
nach  der  Inokulation  zeigten  diese  Thiere  entweder  einen  allgemeinen 
oder  auf  einzelne  Muskelgruppen  beschränkten  Tremor,  wurden  apa- 
thisch, magerten  ab,  zeigten  eine  ungeheuere  Empfindlichkeit  bei  Be- 
rührung der  Wirbelsäule  und  starben  in  der  Regel  am  4.  Tage  nach 
der  Impfung,  nachdem  vorher  noch  Kontrakturen  in  verschiedeneu 
Gelenken  aufgetreten  waren.  Die  an  der  Nasenschleimhaut  infizirten 
Meerschweinchen  gingen  schon  nach  24—36  Stunden  ein.  Die  längs 
des  Ischiadicus  geimpften  Hunde  und  das  Kaninchen  starben  nicht, 
boten  jedoch  durch  20—30  Tage  allgemeine  Tremores  mit  Kontrak- 
turen, magerten  ungemein  ab,  erholten  sich  jedoch  schliesslich 
gänzlich. 

Bei  den  eingegangenen  Thieren  fanden  sich  die  Bacillen  nur  in 
Schnitten  aus  Gehirn,  Rückenmark  und  den  Nervenstämmen  und  konn- 
ten auch  nur  aus  diesen  Organen  mittelst  Kultur  gewonnen  werden. 

Kamen  (Gzernowitz). 

Picqu6  et  Yelllon,  Note  sur  un  cas  d'arthrite  purulente 

cons6cutive    ä    une    pneumonie    avec    prösence    du 

pneumocoque  dans   lepus.    (Archives  de  m&iecine  expöri- 

mentale  et  d'anatomie  pathologique.  1891.  No.  1). 

Die  Untersuchung  des  Eiters  einer  Kniegelenksentzündung,  die 

sich  an  eine  Pneumonie  angeschlossen  hatte,  ergab  mikroskopisch, 

kulturell  und  experimentell  geprüft,  bloss  die  Anwesenheit  des  Di - 

plococcus  pneumoniae  Fraenkel- Weichselbaum. 

Dittrich  (Prag). 


Braun,  Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thierischen  Paratitenkunde.      389 


Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thierischen 
Parasitenkunde. 

Von 

M.  Braun 

in 

Königsberg  i.  Pr. 

Von  allgemeineren  Arbeiten  über  Parasitismus  sind  dem  Ref. 
bekannt  geworden  ein  Vortrag  von  E.  Haase  „Ueber  die  Entwickelung 
des  Parasitismus  im  Thierreich"  (1),  die  Antrittsvorlesung  von  Pr. 
Sonsino:  „Importanza  della  zooparassitologia  medica  e  specialmente 
degli  zooparassiti  come  fattori  di  malattie"  (2),  ein  Vortrag  von 
A.Railliet:  „Les  parasites  des  nos  animaux  domestiques"  (3),  sowie 
eine  durch  47  Abbildungen  illustrirte  Abhandlung  von  R.  Blan- 
chard:  „Les  animaux  parasites  introduits  par  l'eau  dans  l'orga- 
nisme"  (4),  Arbeiten,  welche  unsere  Kenntnisse  in  dieser  oder  jener 
Richtung  mit  grossem  Geschick  zusammenfassen,  aber  kaum  etwas 
Neues  bringen. 

A.  Zu  den  Arbeiten  über  parasitische  Protozoa  übergehend, 
erwähnen  wir  zunächst  eine  Notiz  von  B.  S  o  1  g  e  r :  „Ueber  eine  im  Darm- 
kanal von  Bai anus  improvisus  Darw.  (var.  gryphicus  Munt) 
lebende  Gregarine"  (5),  die  von  der  durch  Kölliker  (1848)  be- 
schriebenen Gregarina  balani  aus  Baianus  pusillus  (Triest) 
sich  unterscheidet.  Die  wahrscheinlich  neue  Art  aus  dem  Greifs- 
walder  Baianus  zeichnet  sich  durch  ringförmige  Kontraktionen  aus, 
welche  an  dem  vorderen  von  zwei  konjugirten  Individuen  beginnen, 
kontinuiriich  nach  hinten  rücken  und  dann  auch  auf  das  zweite  In- 
dividuum übergehen. 

Vielleicht  zu  den  Sporozoa  zu  rechnende  Wesen  beschreibt 
A.  Wierzejski  (6)  unter  dem  Namen  Blanchardia  cypricola 
Q-  gen.  n.  sp.,  ganz  problematische  Bildungen,  die  theils  im  Amöben-, 
theils  im  Proliferationsstadium  oder  in  einer  dickwandigen,  längs- 
gerieften  Cyste  eingeschlossen,  zwischen  den  beiden  Blättern  der 
Schale,  sowie  in  den  Antennen,  Kiefern  etc.  von  Cypris  Candida 
(von  Krakau)  gesehen  worden  sind.  Während  des  Proliferations- 
stadiunis  scheinen  sich  diese  Wesen  lang  zu  strecken,  sich  mehrfach 
einzuschnüren  und  in  mehrere  spindelförmige  Körper  zu  zerfallen, 
die  sich  dann  einkapseln. 

Mit  den  Myxosporidien  der  Barben  aus  der  Marne  beschäftigt 
sich  eine  Notiz  von  A.  Railliet  (7);  es  handelt  sich  um  dieselbe 
verheerende  Krankheit,  über  welche  neuerdings  auch  H.  Ludwig 
aus  der  Mosel  und  dem  Rhein  berichtet  hat  (cf.  dieses  Gentralbl. 
Bd.  VI.  1889.  p.  419),  doch  liegt  nach  L.  Pfeiffer  (8)  der  Sitz 
der  ersten  Infektion  in  den  Muskelfasern  und  nicht,  wie  man  aus 
den  später  auftretenden  tiefen  Geschwüren  am  Körper  und  der  Natur 
(les  Parasiten  erwarten  könnte,  in  der  Haut.  Verf.  nimmt,  wenn 
Ref.  ihn  recht  versteht,   an,   dass   die  amöboiden  Gebilde  aus  den 


890  Brtun, 

Sporen  in  die  Muskeln  eindringen,  dort  zu  kleinen,  bei  anscheinend 
noch  gesunden  Barben  beobachteten  Schläuchen  auswachsen,  welche 
auch  bald  mit  der  Sporenbildung  beginnen.  Da  die  Infektion  meist 
eine  starke  ist,  so  platzen  die  Muskelfasern  und  „durch  Zusammenfliessen 
des  Inhaltes  einer  Muskelgruppe  kommt  es  zu  Geschwürsbildung  auf 
der  Haut"  Derselbe  Autor  berichtet  (1.  c)  noch  über  „Die  Mikro- 
sporidien-Infektion  der  Muskelzellen  bei  der  Sumpfschildkröte"  (c£ 
auch  Danilewsky  in  dies.  Centralbl.  IX.  1891.  p.  9),  ferner  über 
„Die  Miese  he  r 'sehen  Schläuche  beim  Schaf  *  und  beim  Schwein,  bei 
welch  letzteren  zweierlei  Sporen ,  einfache  Sicheln  und  solche  mit 
differenzirtem  Inhalt  beobachtet  wurden. 

Eine  Mittheilung  über  die  noch  wenig  bekannten  Myxosporidien 
der  Seefische  veröffentlicht  A.  Perugia  (9).  Da  es  ihm  nicht  in 
allen  Fällen  gelungen  ist,  die  Sporen  zu  sehen,  so  führt  er  alle  be- 
obachteten Formen  unter  dem  provisorischen  Gattungsnamen  Myxo- 
sporidium  auf  —  er  fand  1)  M.  plagiostomi  (=  Chloro- 
myxum  Leydigii  Mingazzini)  aus  der  Gallenblase  verschie- 
dener Selachier  und  Rochen,  bei  welcher  Form  der  Austritt  eines 
amöbenartigen  Körpers  aus  den  Sporen  gesehen  wurde;  2)  M.  mugi- 
1  i 8  n.  in  Cysten  zu  zweien  oder  dreien  an  den  Kiemen  von  Mugil 
au  rat  us  und  M.  capito  lebend,  jedoch  sehr  selten  (2  mal  bei 
300  Exemplaren  gefunden);  die  Sporen  besitzen  zwei  Polkörperchen; 
3)  M.  merlucii  n.  in  der  Gallenblase  von  Merlucius  esculen- 
tus  mit  konstant  nur  zwei  Sporen,  welche  aus  dem  hüllenlosen 
Protoplasmakörper  ausgestossen  werden;  4)  M.  congri  n.  aus  der 
Gallenblase  von  Gonger  vulgaris;  Sporen  unbekannt. 

Nach  ausführlichen  Untersuchungen  P.  Thälohan's  (10) M 
kommen  die  Myxosporidien  sowohl  als  freie,  amöboid  bewegliche 
Massen,  als  in  der  Form  mehr  oder  weniger  voluminöser  Cysten  vor; 
beide  Zustände  können  übrigens  bei  ein  und  derselben  Art  auftreten 
und  werden  wohl  durch  den  Aufenthaltsort  der  Myxosporidien  be- 
dingt, da  die  freien  Formen  in  natürlichen  Hohlräumen  oder  in 
der  Tiefe  der  Gewebe,  die  encystirten  im  subepithelialen  Bindege- 
webe der  Haut,  der  Kiemen  etc.  leben ;  übrigens  gibt  es  kaum  ein 
Organ  des  Fischkörpers,  in  welchem  nicht  Myxosporidien  beobachtet 
worden  wären.  Die  die  encystirten  Formen  umgebende  Membran 
scheint  aus  einer  Verdichtung  des  Ektoplasmas  hervorgegangen  zu 
sein.  Unter  den  Sporen  kann  man  einfache,  denen  die  Polkörper- 
chen fehlen  und  welche  einen  bis  vier  Kerne  besitzen,  sowie  kompli- 
zirte,  d.  h.  mit  Polkörperchen  versehene,  unterscheiden ;  die  letzteren 
besitzen  bekanntlich  eine  zweiklappige  Schale  und  ausser  dem  Pol- 
körperchen noch  ein  kleines  Protoplasmakörperchen,  dessen  bis  dahin 
als  Nucleus  angesprochenes  Gebilde  eine  Vakuole  ist,  deren  Inhalt 
sich  mit  Jod  rothbraun  färbt,  dagegen  auf  Kernfarbstoffe  nicht 
reagirt;  echte  Kerne  kommen  ebenfalls,  und  zwar  in  verschiedener 
Anzahl  vor  —  sie  sind  alle  aus  der  Theilung  eines  einzigen  Kernes 
hervorgegangen ;  endlich  beobachtet  man  im  Innern  solcher  Sporen 
noch  eine  verschieden   grosse  Anzahl  von  fettig  glänzenden  Kügel- 


1)  Vtrgl.  Centralbl.  f.  Bakt.  u    Paras.  Bd.  X.  p.  854. 


Bericht  aber  die  Fortsehritte  in  der  thierischen  Parasitenknnde.  391 

eben.  Dass  es  geschwänzte  und  ungeschwänzte  Sporen  (mit  Pol- 
körperchen) gibt,  ist  bekannt,  neu  jedoch  die  Beobachtung,  dass  beide 
Formen  bei  derselben  Art,  ja  nicht  selten  in  demselben  Individuum, 
z.  ß.  bei  den  Myxosporidien  der  Nierenkanälchen  der  Stichlinge,  vor- 
kommen. Die  sehr  kleinen  einfachen  Sporen,  die  man  bisher  aus 
den  Myxosporidien  der  Haut  des  Stichlings  und  von  Cottus 
ßcorpio  kennt,  sind  ebenfalls  von  einer  Hülle  umgeben,  doch  scheint 
dieselbe  nicht  zweischalig  zu  sein ;  auch  fehlt  dem  protoplasmatischen 
Inhalte  die  Vakuole. 

In  einer  späteren  Mittheilung  (11)  wird  die  Entwickelung 
der  Sporen  der  Myxosporidien  geschildert;  dieselbe  beginnt 
damit,  dass  sich  um  einen  der  zahlreichen  im  Endosark  vorkommen- 
den Kerne  ein  kugeliges  Protoplasmaklümpchen  abgrenzt  und  darauf 
der  Kern  unter  den  bekannten  Erscheinungen  der  Karyokinese  sich 
mehrfach  theilt,  so  dass  bis  10  Kerne  auftreten  können.  Darauf  zer- 
fällt auch  die  Protoplasmakugel  in  zwei  in  der  ursprünglichen 
Hülle  vereinigt  bleibende  Massen  mit  einigen  Kernen,  die  soge- 
nannten Sporoblasten  (Bütschli).  Möglich,  dass  drei  oder  auch  vier 
Kerne  in  jedem  Sporoblast  vorhanden  sind,  jedenfalls  bleiben  einige 
Kerne  ausserhalb  derselben,  an  der  gemeinschaftlichen  Hülle  nach- 
weisbar. Das  Protoplasma  der  Sporoblasten  theilt  sich  nun,  wie 
schon  Balbiani  und  Bütschli  angeben,  in  3  Stücke,  von  denen 
die  beiden  kleineren  zu  den  Polkörperchen ,  das  dritte  grössere  zu 
dem  Protoplasmakörper  der  Spore  wird.  Die  Polkörperchen,  die  ihre 
polständige  Lage  erst  später  gewinnen,  entwickeln  sich  ähnlich  wie 
die  Nematoblasten  der  Velellen  und  Physalien.  Wie  die  konstant 
in  der  Zweizahl  vorkommenden  Kerne  des  Protoplasmakörpers  der 
Spore  entstehen,  resp.  in  welchem  Zusammenhang  sie  mit  den  ur- 
sprünglichen vier  Kernen  des  Sporoblastes  stehen,  konnte  ebenso 
wenig  entschieden  werden,  wie  die  Herkunft  der  Sporenkapsel.  Da, 
wo  nur  ein  Polkörperchen  in  den  Sporen  vorkommt ,  theilt  sich  der 
Sporoblast  nur  in  zwei  Theile;  der  eine  wird  zum  Polkörperchen, 
der  andere  zu  dem  auch  hier  stets  zwei  Kerne  aufweisenden  Proto- 
plasmakörper der  Spore. 

Eine  nicht  uninteressante  Beobachtung  Blanchard's  (12)  zeigt, 
wie  vorsichtig  man  in  der  Deutung  gewisser  Bestandtheile  der  Fäces 
sein  muss;  er  beobachtete  nämlich  in  den  Fäces  des  Grottenmol- 
ches (Proteus  anguineus)  Körperchen,  welche  Nematodeneiern 
sehr  ähnlich  waren,  fand  jedoch  keinen  Wurm  bei  den  untersuchten 
Exemplaren,  so  dass  er  auf  die  Vermuthung  kam,  die  mit  einer  rela- 
tiv dicken  Hülle  versehenen  elliptischen  Körperchen  müssten  Cocci- 
dien  sein  —  aber  bei  der  Mazeration  des  Darmes  und  der  darauf 
folgenden  Untersuchung  wurden  auch  Coccidien  nicht  angetroffen;  es 
ergab  sich  vielmehr,  dass  bei  der  Sekretion  des  Schleimes  in  den 
Darmepithelzellen  ein  Herausfallen  der  grossen  Kerne  stattfindet, 
welche  Coccidien  resp.  Helmintheneier  vortäuschten. 

L.  Cu6not  (13)  beschreibt  eine  Reihe  parasitischer  Protozoen 
»us  Echinodermen : 

l.Infusoria  oiliata: 
1.  Uronema   eohini  Maup.   im  Darm  von  Strongylocentro- 
tus  lividus. 


392  Rostttenkruikheil  der  Pfirsiche. 

2.  Uronema    digitiformis    Fabre-Dom.    auf    der    Haut    von 
Asterias  glacialis. 

3.  Hemispeira  asteriasi  Fabr.-Dora.  auf  den  Hautkiemen  des- 
selben Seesternes.  - 

4.  Licnophora    Auerbachii    Oohn    auf    sahireichen    marinen 
Thieren  lebend« 

5.  Gyolochaeta     asterisci    Grub,    auf    den    Hautkiemen    von 
Asterina  gibbosa. 

6.  Cyclochaeta      ophiothriois    F. -Dom.    auf    Ophiothrix 
fragilis. 

7.  Triohodina  synaptae    n.  sp.  in  der  Leibeshöhlenflüßsigkeit 
von  Synapta  inhaerens. 

8.  Triohodina  antedonis  n.  sp.  auf  Antedon  rosaoea. 

9.  Rhabdostyla  arenaria  n.  sp.  auf  Synapta  inhaerens. 
10.  Vortioella    amphiurae    n.    sp.    auf    Amphiura     squa- 

mata. 

2.  Dinoflagellata. 

1.  Frorocentrum  micans    Ehrbg.    im    Darm   von    Antedon 
rosaoea. 

2.  ?  Prorocentrum  sp.  in  der  Ambulaoralrinne  Ton  Eohinaster 
sepositus. 

3.  Sporozoa. 

1.  Syncystis    synaptae    Ray-Lank.    in    der   Leibeshöhle   von 
Synapta  inhaerens. 

2.  Syncystis  Mülleri    Giard  ebenda  bei  Synapta  digitata. 

3.  Syncystis  holothuriae  A.  Schndr.  ebenda  bei  Holothuria 
tubulosa. 

4.  Lithooystis     Sohneideri     Giard    ebenda    bei    Eohino- 
cardium  cordatum. 

Das  von  Rivolta  in  den  Zotten  des  Hundedarmes  entdeckte 
Cytospermium  villosum  hat  Railliet  als  eine  Coccidie  er- 
kannt, welche  immer  zu  zweien  in  einer  Cyste  lebt.  Die  Unter- 
suchungen W.  Stiles1  (17)  bestätigen  die  schon  von  Railliet  aus- 
gesprochene Vermuthung,  dass  die  beiden  Individuen  aus  der  Theilung 
eines  hervorgehen.  Der  Parasit  wurde  in  4  Hunden  unter  10  unter- 
suchten in  Paris  gefunden;  er  erhält  den  Namen  Goccidium  bi- 
gerainum  n.  sp. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Smith,  E.  F.,  The  Peach  Rosette.  (Journal  of  Mycology.  VI. 
1891.  No.  4.  p.  143—148  u.  Taf.  VIII— XIII). 
In  einigen  Staaten  Nordamerikas,  z.  B.  Georgien,  Kansas,  tritt 
an  den  Pfirsichbäumen  eine  ansteckende  Krankheit,  welche  von  dem 
Verf.  als  „Rosettenkrankheit  des  Pfirsich"  bezeichnet  wird,  auf.  Die- 
selbe äussert  sich  darin,  dass  die  im  Frühjahr  zahlreich  austrei- 
benden Knospen  sich  zu  ganz  kurz  bleibenden,  aber  stark  verzweigten 
Sprossen  entwickeln,  welche  so  einen,  meist  gelbgrünen,  Busch  dar- 


Heim,  Die  Neuerungen  d.  bakt.  Untersuchungsmethoden  seit  d.  Jahre  1887.     393 

stellen,  dessen  Blätter  theilweise  frühzeitig  abfallen.  Auch  die  künftigen 
Winterknospen  entwickeln  sich  schon  im  Sommer  oder  Spätherbst  zu 
schwachen  Trieben.  Die  Krankheit  kann  nur  einen  Theil  des  Baumes 
ergreifen,  während  der  übrige  normal  bleibt,  und  kann  gesunden 
Bäumen  mitgetheilt  werden,  wenn  kranke  Knospen  übertragen  werden ; 
meistens  aber  wird  der  Baum  schnell  gänzlich  ergriffen  und  oft  schon 
im  ersten  Jahre,  spätestens  aber  im  zweiten  getödtet.  Irrtümlicher- 
weise ist  diese  Rosettenkrankheit  den  Angriffen  eines  Käfers,  Sco- 
lytus  rugulosus,  zugeschrieben  worden,  welcher  sich  in  den  er- 
krankten Bäumen  zuweilen  findet,  jedoch  meist  nur  in  geringer  Menge. 
Die  ansteckende  Natur  der  sich  schnell  verbreitenden  Krankheit  ist 
ausser  Zweifel.  Dieselbe  ist  unabhängig  von  der  kultivirten  Sorte, 
ergreift  auch  wilde  Arten  und  wird  nicht  beeinflusst  von  der  Kultur- 
methode und  von  dem  Boden.  Das  baldige  Verbrennen  der  aus- 
gegrabenen Bäume  wird  als  Gegenmaassregel  empfohlen. 

Brick  (Hamburg). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 

Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchnngsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Heim, 

k.  b.  Stabsarzt  und  Privatdozenten. 
(Fortsetzung.) 

Das  zeitraubende  Filtriren  stellte  die  Geduld  manches  Herstellers 
schon  hart  auf  die  Probe.  Man  hat  sich  theils  durch  Verwendung 
von  Watte,  Glaswolle  u.  dergl.  zu  helfen  gesucht,  theils  wollte  man 
ganz  darauf  verzichten.  So  übte  z.  B.  A.  Fraenkel  schon  früher1) 
die  allerdings  auch  nicht  einfache  Methode,  die  Agarmasse  in  mög- 
lichst hohen  und  schmalen,  verschlossenen  Glascylindem  erst  1  Stande 
im  strömenden  Dampf  und  dann  noch  12—24  Stunden  in  einem 
Baum  von  50—60°  C  stehen  zu  lassen,  wobei  die  trübenden  Sub- 
stanzen zu  Boden  sinken.  Andere,  wie  v.  Freudenreich  (0.  3.  797), 
Overbeek  de  Meyer  (0.9. 163),  nehmen  die  Filtration  im  Auto- 
klaven, bezw.  Dampfapparat  vor.  Karl  in  ski  (8.  643)  dagegen 
presst  in  einem  eigenen  Apparate  die  trübe  Lösung,  ähnlich  wie 
Jacob i  (O.  3.  539),  mittels  Kautschuckgebläses  durch  Wattefilter. 
Am  rationellsten  ist  jedenfalls  die  Verwendung  des  Unna'schen 
Dampftrichters  (0.  9.  749). 

Zur  Bereitung  fester  brutbeständiger  Nährböden  hat  man  auch 
Fucus  crispus  (Neisser  0.  3.  540)  und  Kieselsäure  (W.  Kühne 
8.  410)  genommen. 

1)  Z.  f.  kl.  M    X.  414.  Anm. 


394  Heim, 

Kartoffel  kulturen  wird  man,  wenn  man  ergiebige  Ernte  bei 
möglichstem  Schutz  vor  Verunreinigungen  haben  will,  auf  Scheiben 
anlegen,  welche  nach  v.  Esmarch  (0.  1.  26)  in  Doppelschälchen 
sterilisirt  sind.  Für  einfache  Strichkulturen  ist  die  Verwendung  von 
schräg  durchschnittenen  Kartoffelcylindern  in  den  handlicheren  und 
am  leichtesten  keimfrei  zu  haltenden  Reagenzröhrchen  nach  Globig1) 
angezeigt,  wie  sie  auch  Bolton*)  und  Roux  (4.  116)  angaben.! 
Letzterer  versah  die  Rohrchen  zum  Schutz  der  Kartoffelstückchen  gegen 
Eondenswasser  am  unteren  Ende  mit  einer  Verengung,  Hueppe*) 
legte  zum  gleichen  Zweck  sterilisirte  Watte  und  Günther  (6.  247) 
ein  kleines  Glasröhrchen  unter.  In  derartigen  Reagenzröhren,  welche 
nach  der  Aussaat  abgeschmolzen  wurden,  gelang  es  Pawlowski 
(4.  340),  Tuberkelbacillen  auf  Kartoffeln  zur  Entwicklung  zu  bringen. 
Um  Kartoffeln  in  durchscheinender  Form  zu  verwenden,  kann  man 
nach  G.  Wood  aus  recht  weissen  Kartoffeln  feine  Scheiben  schnei- 
den, welche  auf  sterilisirte  Glasstreifeu  fest  angedrückt  mit  diesen 
in  Reagirgläser  eingebracht  und  dann  sterilisirt  werden  (Hueppe)4). 
Mitunter  kann  es  nothwendig  werden,  die  saure  Reaktion  der  Kar- 
toffeln zu  beseitigen.  Dann  legt  man  entweder  nach  Büchner 
(O.  4.  355)  die  Stücke  vor  der  Sterilisirung  für  10  Min.  in  eine  5 
oder  10°/0  Sodalösung,  oder  man  bereitet  nach  Frosch6)  Kartoffel- 
brei, welcher  durch  10  °/0  Sodalösung  nach  Belieben  alkalisirt  wer- 
den kann. 

Die  Gewinnung  und  Herstellung  des  Blutserums  war  lange 
Zeit  mit  gewissen  Hindernissen  verknüpft,  welchen  man  auf  verschie- 
dene Weise  auszuweichen  suchte.  So  hat  man  die  diskontrouirliche 
Sterilisirung  als  zu  umständlich  und  doch  nicht  sicher  genug  weg- 
gelassen (Hueppe  [0.  1.  609];  Baumgarten6),  und  auf  mög- 
lichst keimfreie  Entnahme  sein  erhöhtes  Augenmerk  gerichtet.  Letz- 
tere wird  u.  a.  durch  das  Verfahren  von  Nocard  und  Roux7)  ge- 
währleistet, welche  in  die  kauterisirte  Wand  der  durch  Druck  zum 
Schwellen  gebrachten  Vena  jugularis  eines  Thieres  einen  Troikart 
stiessen  und  durch  ihn  ein  zur  Kapillare  ausgezogenes  steriles  Glas- 
gefäss  einführten.  Andere  Autoren  zogen  vor,  das  Serum  durch 
Filtration  keimfrei  zu  machen,  so  Overbeek  de  Meyer  (0.  9. 165) 
mit  Ghamberland 'schem,  Bitter8)  durch  Kieseiguhrfilter.  Aller 
dieser  und  ähnlicher  Umständlichkeiten  sind  wir  jetzt  durch  das  Koch- 
Kirch  ne  r'sche  Sterilisirungsverfahren  mit  Chloroform  überhoben. 
Nach  Kirchner9)  hat  das  zu  0,6%  im  Serum  lösliche  Chloroform, 
wenn  es  an  Verdunstung  gehindert,  genügend  lange  mit  ihm  in  Be- 
rührung bleibt,  die  Fähigkeit,  das  Serum  keimfrei  zu  machen.    Dieses 


1)  Z.  f.  H.  III.  292. 

2)  Med.  News.  87.  818. 

3)  1.  o.  S.  272. 

4)  1.  o.  S.  272. 

6)  Z.  f.  H.  IX.  264. 

6)  I.  B.  III.  475.  Anm. 

7)  Ann.  de  l'Insfc.  PasL  I.  1. 

8)  Z.  f.  H.  X.   161. 

9)  Z.  f.  H.  VIII.  469. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersucbungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.     395 

Verfahren  ist  sehr  einfach  und  sicher  und  kann  als  ein  wahrer  Fort- 
schritt in  der  bakteriologischen  Technik  bezeichnet  werden.  Ich  wende 
es  folgendennassen  an : 

Die  bekannten  Cylindergläaer  werden  mechanisch  und  mit  warmer 
Sodalösung  gereinigt.  Ist  das  darin  aufgefangene  Blut  geronnen, 
so  wird  im  Interesse  grösserer  Ausbeute  nach  dem  Vorgange  von 
Abbot  (2.  404)  und  Buchner  (8.  184)  der  Blutkuchen  rings  von 
den  Wandungen  mit  einem  reinen  Glasstab  abgelöst.  Die  Entnahme 
geschieht  an  verschiedenen  Tagen,  mit  jedem  Tag  nimmt  die  Klar- 
heit des  Serums,  welches  sich  wieder  neu  angesammelt  hat,  zu.  Das- 
selbe wird  mit  reinen  Vollpipetten  in  vorher  durch  Hitze  keimfrei 
gemachte  Medizinflascben  *)  von  100  g  Inhalt  übertragen.  Jede  Por- 
tion wird  mit  etwas  Chloroform  im  Ueberschuss,  im  Ganzen  etwa 
1  ccm,  versetzt  und  mit  ausgekochtem  Gummistopfen  verschlossen, 
welcher  einen  Paraffinüberzug  erhält  Nach  einigen  Wochen  oder 
llooaten  ist  das  Blutserum  keimfrei  geworden,  und  wenn  man  sich 
einmal  einen  grösseren  Vorrath  angesetzt  hat,  so  ist  die  rechtzeitige 
Ergänzung  leicht  und  an  dem  ausgezeichneten  Nährsubstrat  niemals 
Mangel.  Beabsichtigt  man,  es  in  grösseren  Quantitäten  flüssig  zu 
verwenden,  so  ersetzt  man  den  Gummistopfen  durch  einen  sterili- 
sirten  Wattepfropf  eines  leeren  sterilen  Fläschchens  und  lässt  das 
Glas  einige  Tage,  am  besten  im  Brutschrank,  stehen,  bis  sich  das 
Chloroform  verflüchtigt  hat  Zur  Herstellung  des  erstarrten  Blut- 
serums füllt  man  den  Inhalt  der  am  Rande  abgeglühten  Flaschen  in 
sterilisirte  Beagenzröhrchen,  welche  dabei  im  spitzen  Winkel  zur  Aus- 
flussöffnung gehalten  werden. 

Um  die  Möglichkeit  zu  haben,  auch  bei  Plattenkulturen  sich 
des  Vortheils  des  Blutserums  zu  bedienen,  versetzte  es  Hueppe 
(0.  l.  610)  mit  etwa  der  gleichen  Menge  warmer  Agarlösung  und 
Unna  (1.  729)  hob  seine  Gerinnungsfähigkeit  durch  starke  Alkali- 
sirung  auf,  um  es  dann  zu  Gelatine-  und  Agarsubstraten  zu  ver- 
arbeiten. Nach  Koch  lässt  sich  Blutserum,  welches  mit  9  Teilen 
Wasser  verdünnt  ist,  sterilisiren,  ohne  dass  es  seine  Durchsichtigkeit 
verliert,  ja  selbst  im  Verhältniss  von  1:5  verdünnt,  bleibt  es  nach 
dem  Kochen  noch  vollständig  klar  (Behring1). 

Tarchanoff,    Mourawoff   und    Kolessnikoff 8),    sowie 

1)  Medizinflaschen  haben  sich  mir  zu  den  verschiedensten  Zwecken  als  sehr  billiges 
and  recht  brauchbares  Material  bewährt.  Ich  verwende  sie  in  erster  Linie,  wo  es  sich 
am  einen  möglichst  luft-  and  keimdichten  Verschluss  handelt,  weil  ihre  starke  Wand 
ein  kräftiges  Eindrücken  des  Gummistopfens  gestattet  (z.  B.  für  Blutserum,  zur  Ent- 
nahme Ton  Wasserproben  u.  s.  w.).  Ausserdem  ersetzen  sie  oft  in  verschiedenen  Grössen 
die  zerbrechlicheren  Kolben;  die  Nährbouillon  fülle  ich  fast  ausschliesslich  in  solche 
mit  Watte  verschlossene  Fläschchen  von  15  und  80  g  Inhalt  zu  7  und  10  ccm  mittels 
Bürette,  um  stets  Material  zu  quantitativen  Arbeiten  zur  Verfügung  zu  haben.  Das 
Sterilisiren  im  Dampf  und  in  heisser  Luft  vertragen  sie  gut;  nur  muss  man  im  letz- 
teren Falle,  wie  bei  allen  Glassachen  mit  dickeren  Wänden,  z.  B.  Pe  tri 'sehen  Schalen 
o-  dergl.,  darauf  sehen,  dass  die  Temperatur  von  160°  nicht  eher  voll  einwirkt,  bis 
«lies  auf  ihnen  sich  niederschlagende  Wasser  verdunstet  ist,  was  man  durch  wieder- 
holtes Oeffnen  und  Schliessen  der  Thüre  des  SteriHsirungsschrankes  kontrolirt  und 
beschleunigt 

2)  Z.  f.  H.  VI.   141. 

3)  J.  B.  III.  478. 


398  Nene  Literatur. 


WnndinfektJODBkranVhftitan. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,   acutes  paralentes  Oedem,  Pyamie,  Septikimie, 

Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wondflalniss.) 


r,  Ueber  die  im  Bakterienkörper  enthaltene  Eiterung  erregende  Substanz.  (Siran?* 

ber.  d.  Gesellsch.  f.  Morphol.  u.  Physiol.  in  München.   1890.  No.  2.  p.  88—89.) 
— ,  Ueber  pyogene  Wirkung  des  Bakterieninhalts.    (Sitzungsber.  d.  Gesellsch.  f.  Morpb>i 

u.  Physiol.  in  München.  1890.  No.  2.  p.  90—91.) 
Pestana,  C,  De  la  diffusion  du  poison  du  tetanos  dans  Torganisme.     (Compt  rend  de 

la  soc  de  biolog.   1891.  No.  28.  p    611—613.) 
Boger,   Action  des  produits  solubles  du  streptoeoque  de  1'eVysipele.     (Compt.  rend.  dt 

la  soc.  de  biolog.   1891.  No.  24.  p.  538-642.) 


Infektionsgetchwülste. 
(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  8krophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Adamklewies,  Weitere  Beobachtungen  über  die  Viralen»  maligner  krebsiger  Neubildoogti. 

(Prseglud  lekarski.   1891.  p.  49.)     [Polnisch.] 
ArangO,  $.,  Tuberculosis  y  lepra.     (Congr.  med.  region.  de  Cuba.  1890.  p    574-575 
Kroenlg ,   Eine  Vereinfachung    und  Abkürzung    des  Biedert'schen  Verfahrens   zum  Auf 

finden   von   Tuberkelbacillen   im   Sputum    vermittelst  der   Stenbeck'schen  Centrihige 

(Berl.  klin.  Wochenschr.  1891.  No.  29.  p.  730—781.) 
Kuskoff,  N.,  Ueber  Fälle  von  akuter  Miliartuberculose  ohne  Koch'sche  Tuberkel bsciliei 

(Trudi  obsb.  Russk.  Wratseh.  v.  St.  Peterb.  1891.  p.  11—26.)     [Russisch.] 
Mo  Gulre ,   J.,   Lupus  vulgaris ,    in   its  relation  to  tuberculosis.     (Journ.  of  catan.  aüz 

genito-urin.   diseases.  1891.  No    7.  p.  264 — 270.) 
Magnant,   S.,   De    )a  contagion  de  la  phthisie  pulmonaire  demontree  par  ftbsemtwn 

clinique      (Rev.  med.  de  l'Est.  1890.  p.  841,  410.) 
Stewart,  R.  W.,  Tuberculosis.     (Med.  and  Surg.  Reporter.  1891.  Vol.  IL  No.  2.  p-  51 

—61.  —  AUanU  Med.  and  Surg.  Journ.  1891.  No.  6.  p.  265—273.) 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre 

Mumps,  RückfallflfieDer,  Osteomyelitis. 
Bokai,   J,  SUtistik  der  Diphtherie  und  des  Croup  im  Budapester  Stefanie-Kindenpiul 

in  den  letsten  zwei  Jahren.     (Jahrb.  f.  Kinderheilk.  Bd.  XXXII.  1891.  Heft  4.  p.  41* 

— 4*8.) 
Wannotti ,    A ,    Contributo    alle    suppurazione   prodotte    dal    pneumocoeco    di    Franke! 

(Sperimentale.  1891.  No.  12.  p.  253—260.) 
Talamon,  0,   La  contagion  de  la  grippe  pendant  l'epidemie  de  1889/90  en  Angletem 

(Med.  moderne.  1891.  No.  29.  p.  535—536.) 

B.    Infektion  LokaücrankhtiUn. 
Athmungsorgane. 
Loriga,  O,  et  Pensuti,  ▼.,   Sulla  etiologia  deUe  pleuriti.     (Riv.  d'igiene  e  san  pobbl 
1891.  No.  11—13.  p.  885—402,  431—448.) 

Harn-  und  Geschlechtsorgane. 

Raymond,    Nephrite   in  facti« as«.     (Bullet    de   la  soc    anat.    de   Paris.   1891.  No.  1* 
p.  873—375.) 

Augen  und  Ohren. 

Davis,   A.  S.,    Contagious   diseases   of  the  eye;   some  statisUcs,   with  remarks.    (**'"    | 

Record.  1891.  Vol.  II.  No.  2.  p.  29—34) 
SÜYestri,    A,     Experimentelle    Untersuchungen    über    septische    Keratitis.     (Arch.  t    | 

Ophthalmol.  1891.  Bd    XXXVII.  No.  2.  p.  220—252.) 


Neue   Litteratur.  399 

C.     Entozootische  Krankheiten. 

(Pinnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filaria,  Oestruslarve,  Ascaris. 

Anchylostonram,  Trichocephalns,  Oxyuris.) 

Äanotti,  L.,  L'anemia  da  anchilostomiasi   nel  territorio  bolognese.     (Ballett,  d.  scienze 

med.  Giugno.  1891.  p.  838—361.) 
loriti,   Ueber  Entozoen   beim  Menschen.     (Sitaungsber.    d.   Gesellsch.   f.   Morphol.    a. 

Physiol.  in  München.  1890.  No.  8.  p.  153.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen  und  TMeren, 

Milzbrand. 

Bnehner,  Ursache  der  Sporenbildung  beim  Milzbrandbacillns.  (Sitzungsber.  d.  Ges.  f. 
Morphol.  u.  Physiol.  in  München.  1890.  No.  2.  p.  87—88.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 
SäugeÜdere. 

A.     Infektiöse  AUgemesnhrankheäen. 

Euer,  J.,  n.  Behüte,  W.,  Mitteilungen  aus  den  amtlichen  Veterinär-Sanitätsberichten. 
Berichtsjahr  1887/88.  (Arch.  f.  wissensch.  n.  prakt  Thierheilk.  1891.  Bd.  XVII. 
No   3/4.  p.  858—378.) 

Tabercolose  (Perlsucht). 

Uclainche  et  Greffier,  Sar  le  diagnostic  de  la  tuberculose  bovine  par  l'examen  et  l'ino- 
colation  de  l'hamenr  aqoease.  (Compt.  rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  23.  p.  518 
-514.) 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Rinderpest,  Lungenseuche,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Kälber,  Rauschbrand,  entozootisches  Ver kalben.) 

Im  Fadjen,  A.,    Observations  upon  a  mastitis  bacillos.     (Jonrn.  of  Anat.  and  Physiol. 

No.  4.  1891.  Vol.  XXV.  p.  571—577.) 
Thompson,  J.  A.,  De  la  scarlatine  chez  la  vache.     (Gaz.  möd.  de  Paris.  1891.  No.  29. 
p.  839—341.) 

C.     Entozootische  Krankheiten. 

(Pinnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filaria,  Oestrnslarve,  Ascaris, 

Anchylostonram,  Trichocephalns,  Oxyuris.) 

Deflke,  0.,  Die  Entozoen  des  Hundes.  (Arch.  f.  wissensch.  u.  prakt.  Thierheilk.  1891. 
Bd.  XVIL  No.  1/2,  4/5.  p.   1—60,  253—289.) 

Wirbellose   Thiere. 

Ward,  A.,  Sar  la  transmission  de  l'Isaria  dn  ver  blanc  an  ver  a  soie.  (Compt.  rend. 
de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  23.  p.  507—508.) 


Schutzimpfangen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwicke- 
hmgshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koch 'sehe 
Heilverfahren  gegen  Tabercolose. 

Attftky,  Tratamentul   tuberculosci   prin    lympha   lni   Koch.     (Inst,  de  chir.,    Bucuresci. 

1891.  p.  102—112.) 
tarnten,  T.  L.,  and  Bokenham,  T.  J.,   Experiments   upon   the  influence  of  the  mineral 

eonstirnents    of  the    body  npon  immnnity  from  infective  diseases.     (Brit.  Med.  Journ. 

No.  1594.  1891.  p.  114-115.) 
Debore  et  Bemond,  A.,  Recherche»  snr  la  pr&ence  de  la  tuberculine   dans  les  ezsadats 

des  tuberculeux.     (Bullet,  et  mem.    de  la  soc.  mäd.    d.  hdp.  de  Paris.    1891.    p.  146 

-148.) 


400 


Neue  Literatur. 


Ebstein,  W. ,  Ueber  die  Unempfanglichkeit  (Immonitit)  gegen  Krankheiten.  (Kita- 
Wissenschaft!.  Rundschau.  1891.  No.  28.  p.  885—289.) 

Hahn,  M.  v  Ueber  die  ehemische  Natur  des  wirksamen  Stoffes  im  Koeh'schen  Tnber- 
culin.     (Berl.  klin.  Wochenschr.  1891.  No.  80.  p.  741—744.) 

Kryifski,  L.,  Prsyczynek  do  zachowania  sie  laseezniköw  gruzlicsych  w  lupas  pod  wpfy. 
wem  plyuu  Kocha.     (Przeglad  lekarski.  1891.  p.  129.) 

Lassar,  0.,  Zur  ErysipeMmpfung.     (Deutsche  medie.  Wochenschr.    1891.   p   898 — 899 ) 

Lepine,  La  mlthode  de  traitement  des  maladies  virulentes  par  la  transfusion  d'un  sug 
rlfractaire  a  ces  maladies ;  la  tuberculose  et  la  transfusion  du  aerum  de  sing  dt 
chevre.     (Tribüne  m4d.  1891.  p.  144—148.) 

Tyndale,  J.  H.,  Treatment  of  tbe  various  forma  of  pulmonary  consumption  by  fooea- 
lation  witb  Vaccine  lymph.     (Med.  Record.  1891.  VoL  II.  No.  8.  p.  62—63.) 

Ueber  das  Koch'sche  Heilverfahren  bei  Lungentuberculose  und  anderen  inneren  tater- 
culösen  Erkrankungen.  (Verhandl.  des  Kongresses  f.  innere  Mediain,  hersusgeg.  tm 
Leyden  u.  Pfeiffer,  10.  Kongress.  Wiesbaden  1891.  p.  82 — 227.  —  Einleitendes  vd 
Curschmsnn.  p.  82 — 86.  —  Diagnostische  und  therapeutische  Resultate  des  Koch'schd 
Heilverfahrens  von  R.  v.  Jacksch.  p.  87—129.  —  Pathologisch -Anatomisches  ?« 
Ziegler.  p.  180 — 188.  —  Ueber  die  Anwendung  des  Tuberculins  im  Kindesalter  v* 
Heubner.  p.  139 — 154.  —  Tuberculin  bei  Kehlkopftuberculose  von  M.  Schmidt  p  155— 
163.  —  Das  Koch'sche  Verfahren  im  Verhältnisse  zur  klimatischen  und  AnsUl» 
bebandlung  von  Dettweiler.  p.  164 — 176.  —  Tuberculinkuren  und  Luiigenehirnigz 
von  Sonnenberg.  p.  177 — 185.  —  Die  Erfolge  der  subkutanen  und  intravenösen  w 
jektion  der  Koeh'schen  Lymphe  von  Baccelli.  p.  186—190.  —  Ueber  die  Wirkosi 
des  Koeh'schen  Mittels  auf  die  Tuberculose  der  Thiere  nebst  Vorschlagen  sar  Be- 
stellung eines  unschädlichen  Tuberculins  von  Klebs.  p.  191 — 198.  —  Diskassi« 
p.  199—227.) 

Visconti,  A.,  RisulUti  della  cura  Koch  neue  affesioni  tubercolari  nel  comparto  femmiaik 
deir  ospedale  maggiore  di  Milano.    Relaaione.     42  p.    gr.  8°.    Tipogr.  L.  F.  Cogßw 

Weiss,  J.,  Doctor  Koch  and  his  lymph.     (Cosmopolitan.   New  York.  1891.  p.  90—96. 


Inhalt. 


Originalmittheilungen. 

Braun,  M.,  Bericht  über  die  Fortschritte 
in  der  thierischen  Parasitenkunde.  (Orig.), 
p.  889. 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestüte  und  über  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  (Fortsetzung), 
p.  880. 

Hankin,  H.  K. ,  Ueber  die  Nomenclatur 
der  schützenden  Eiweisskörper.  (Orig.) 
(Schiusa),  p.  877. 

Loeb,  Ueber  einen  bei  Keratomalacia  in- 
fantum beobachteten  Kapselbacillus.  (Ori- 
gin.),  p.  869. 

Referate. 
Hölacher,    Ueber   die   Komplikationen  bei 

2000  Fällen   von    leUlem  Abdomioalty- 

phus,  p.  884. 
Meutert,  Ergebnisse  der  8ammelforscbung 

über  den  im  Königreich  Sachsen  1889/90 

beobachteten  epidemischen  Icterus,  p.  887. 
Pellissari,   Oelso,    Der   Diplococcus  von 

Neisser   in    den   periurethralen  blennor- 

rhöischen  Abscessen,  p.  886. 


Planes*,  O.,  Ricerche  batteriologicfae  e  sp 
rimentali  in  un  caso  di  corea  du  S^dM 
han,  p.  888. 

Pioque  et  Veillon,  Nota  sur  un  css  d'u 
thride  purulente  consecutive  a  one  poet 
monte  avec  pre*sence  du  pneumocoqo 
dans  le  pus,  p.  888 

Smith,  S.  F.,  The  Peach  Rosette,  p  »I 

Wertheim,  £.,  Zur  Lehre  von  derGonor 
rhÖe,  p.  885. 

Untertuchungamethoden,  Instrumente  «ti 

Heim,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebitf 

der   bakteriologischen   Untersuchung*®* 

thoden    seit   dem   Jahre    1887.     (Orig 

(Fortsetaung),  p.  898. 

Schutzimpfung,  künstliche  Infektion* 
krankheiten,  Entwioklungshemmug 
und  Vernichtung  dar  Bakterie« 
und  Paraaitem, 
Hankin,  X.  H.,  Cures  of  infectious  ditetsei 
p.  896. 

Nana  Litteratur,  p.  897. 


«I 


FroBmannsoh«  Bnohdmokerei  (H« 


i  Pohl«)  la  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Gel  Hoflr.  Prot  Dr.  IMart  um  Professor  Dr.  Loefler 

In  Ldpilf  In  GnUfcwaM 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band.        -o-        Jen»,  den  10.  Oktober  1891.       -<-         No.  IS* 

Preis  für  den  Band  (96  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Bände. 

— »I    Zu  bestehen  durch   alle  Buchhandlungen  and  Pottanstalten.    g*— 


Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
*<ttee  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wunsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 

Weitere  Untersuchungen  über  die  tryptischen  Enzyme 
der  Mikroorganismen. 

[Aus  dem  hygienischen  Institut  in  München.] 

Von 

Dr.  Claudio  Fermi 

ans 

Piacenza. 

Als  Fortsetzung  meiner  vor  ungefähr  zwei  Jahren  erschienenen 
Arbeit:  „Die  Leim  und  Fibrin  lösenden  Fermente  der  Mikroorganis- 
m«A11  (Arcb.  f.  Hygiene.  Bd.  X.  Heft  1)  habe  ich  noch  verschiedene 

X.Bd.  aa 


402  Fermi, 

andere  Versuche  angestellt.  Die  ausführliche  Mittheilung  derselben 
finden  sich  im  eben  genannten  Archive,  während  hier  bloss  das  Resume 
der  gefundenen  Ergebnisse  Platz  finden  möge. 

I. 

1)  Die  reine  Isolirung  der  Enzyme  im  Allgemeinen  von  den  bei- 
gemengten Proteinkörpern  ist  noch  nicht  gelungen  und  gehört  zu  den 
schwierigsten  Aufgaben. 

Es  wäre  jedoch  ein  Verfahren  denkbar,  um  die  Enzyme  einiger 
Bakterien  rein  zu  isoliren,  und  zwar  in  folgender  Weise: 

Man  kultivirt  die  betreffende  Bakterienart  auf  Nährböden ,  die 
keine  ProteKnkörper  enthalten,  und  auf  welche  das  Enzym  abgesondert 
wird,  z.  B.  M.  prodigiosus  und  B.  pyoeyaneus  auf  Nähr- 
salzen  und  Glycerin. 

Die  Kultur  enthält  dann  nichts  anderes,  als  die  Pilze  und  die  in 
Alkohol  löslichen  Zersetzungsprodukte  des  Glycerins,  sowie  die  Salze. 
Man  entfernt  nun  die  Pilze  mittels  des  Ghamberland "sehen  Filters 
und  fällt  das  Ferment  durch  Alkohol  rein,  wäscht  es  wiederholt  mit 
Alkohol  aus  und  entfernt  die  noch  darin  enthaltenen  Salze  durch  den 
Dialysator. 

2)  Andere  Proteinkörper,  ausser  den  Fermenten,  wurden  von 
den  Mikroben  nicht  ausgeschieden. 

Die  filtrirte  Kultur  von  nicht  Ferment  bildenden  Bakterien, 
z.  B.  von  B.  pyogenes  foetidus  auf  Glycerinnährsalzen,  gab 
nämlich  durch  Alkohol  keinen  Niederschlag.  Auch  nur  Spuren  von 
Eiweisskörpern  gaben  die  filtrirten  Kulturen  von  M.  prodigiosus 
und  B.  pyoeyaneus  auf  Nährsalzen  mit  Zuckerzusatz.  Auf  solchem 
Nährboden  bilden  beide  Mikroben  kein  Enzym. 

3)  Die  gefundenen  Eiweissspuren  stammen  nicht  von  abgestor- 
benen nnd  zerfallenen  Bakterien;  denn  die  todten  Bakterien  lösen  sieb 
ungemein  schwer.  M.  prodigiosus,  B.  pyoeyaneus,  B.  pyo- 
genes foetidus  in  destillirtes  Wasser,  Essigsäure  1%,  Karbolsaare 
0,5%,  Sublimat  lö/00,  Kalilauge  l°/00  gelegt  und  bei  37  °  aufbewahrt, 
zeigten  sich  auch  nach  8  Tagen  noch  intakt,  ohne  Spur  eines  Zerfalls. 

IL 
Temperaturen,  bei  welchen  einige  Enzyme  unwirksam  werden. 
Das  proteol.  Enzym 

von  B.  von  Fink ler -Prior, 
„    B.  anthracis, 
„    Koch 's  Vibrio, 
„    Trychophyton  tonsurans, 
„    B.  des  Kieler  Hafens, 
„    Käsespirillen 
gehen  zwischen  65  und  70°  C  zu  Grunde, 

das  von  B.  Milleri  zwischen  60  und  65°  C, 
„    B.  sub  tilis, 
„    Sarcina  aurantiaca, 


Weitere  Untersuchungen  über  die  tryp tischen  Enzyme  der  Mikroorganismen.     403 

von  B.  pyocyaneus, 
„    B.  fluorescens 
zwischen  55  und  60°  C 
i:id  endlich  das  von  M.  ascoformis, 
„    B.  Mega  terium, 
„    B.  ramosus, 
„    Staphyl.  pyog.  aar., 
„    Schimmelpilzen 
zwischen  50  und  55  °  C. 

Also  von  den  untersuchten  18  Bakterien-Enzymen  werden  un- 
wirksam 

8  zwischen  50  und  55°, 

1        „         60    „    65«, 
6  65    „    70°. 

Bei  70°  C  gehen  alle  Bakterien-Enzyme  zu  Grunde. 

Beziehungen  zwischen  dem  Widerstände  der  Fermente  gegen 
Erhitzung  und  Sauren  und  der  Energie  des  Enzyms  selbst  wurden 
nicht  gefunden. 

III. 

In  Uebereinstimmung  mit  den  schon  bekannten  Enzymen  Pepsin, 
Trypsin  und  Invertin  dialysiren  die  Bakterien-Enzyme  nicht. 

IV. 
Die  Bakterien-Enzyme  im  Allgemeinen,  sowie  das  Trypsin  wirken 
auch  in  Stickstoff-,  in  Kohlensäure-,  Kohlenoxyd-,  in  Wasserstoff-  und 
in  Schwefelwasserstoffgas. 

Die  Enzyme  von  M.  prodigiosus, 
„    B.  pyocyaneus, 
„    Koch's  Vibrio 
werden  von  Schwefelwasserstoffgas  sehr  beeinträchtigt  in  ihrer  Wirkung ; 
nicht  so  B.  M i  11  er i  und  Käsespirillen. 

Die  Wirkung  von  Trypsin,  sowie  vom  Ferment  des  Bac. 
Milleri  wurde  von  Kohlenoxyd  etwas  gefördert  und  von  Kohlen- 
säure ein  wenig  abgeschwächt. 

Nur  wenige  Bakterienfermente  wirken  in  sichtbarer  Weise  auf 
Fibrin ;  auf  HQhnereiweiss  und  Caseln  wurde  keine  Wirkung  wahrge- 
nommen. 

VI. 

1)  Betreffs  der  Wirkung  der  Bakterien-Enzyme  auf  Gelatine  in 
Gegenwart  von  Säuren  wurde  Folgendes  gefunden: 

Die  Enzyme  von  M.  prodigiosus,  B.  pyocyaneus,  B.  sub- 
tilis,  B.  von  Finkler-Prior,  B.  Milleri  wirken  noch  in  Gegen- 
wart von  Salz-,  Salpeter-,  Milch-,  Aepfel-,  Citronen-,  Butter-,  Ameisen-, 
Essigsäure,  nicht  aber  von  Schwefelsäure. 

2)  Das  Enzym  des  B.  anthracis  wirkt  in  Gegenwart  von 
Salz-,  Aepfel-,  Milch-,  Butter-,  Essigsäure. 

26* 


404  Fermi, 

3)  Das  von  Koch 's  Vibrio  in  Gegenwart  von  Salz-  und  Essig- 
säure. 

4)  Das  des  Tetanasbacillos  in  Gegenwart  von  Butter-,  Citronen- 
und  Essigsäure. 

5)  Endlich  das  Enzym  von  Käsespirillen  bloss  in  Gegenwart  von 
Essigsäure. 

6)  Butter-,  Essig-,  Aepfel-,  Milch-,  Ameisensäure  störten  am 
wenigsten,  während  Salpeter-  nnd  Schwefelsäure  am  stärksten  störten. 
In  Gegenwart  von  Essigsäure  wirkten  noch  alle  gut,  in  Gegenwart 
von  Schwefelsäure  wurde  die  Wirkung  dagegen  total  aufgehoben. 

7)  Von  den  untersuchten  Bakterienfermenten  wurde  M.  prodi- 
giosus  von  den  Säuren  am  wenigsten  beeinflusst,  das  von  Koch 's 
Vibrio  und  von  Käsespirillen  am  stärksten. 

8)  Auf  starre  Gelatine  wurde  die  Wirkung  der  Enzyme  durch 
die  Säuren  stärker  beeinträchtigt,  als  auf  flüssige. 

Auf  starre  Gelatine  ist  nämlich  manchmal  keine  Wirkung  zu 
konstatiren,  während  flüssige  von  denselben  Fermenten  und  Säuren 
vollständig  ungelatinirbar  gemacht  wird.  Das  rührt  daher,  dass  auf 
die  starre  Gelatine  die  Wirkung  eine  viel  langsamere  ist  und  die 
Enzyme  durch  die  Säure  früher  unwirksam  gemacht  werden,  als  sie 
ihre  Wirkung  entfalten  können. 

Die  Fermente  von  B.  anthracis,  B.  tetani,  B.  subtilis 
wirkten  nicht  auf  starre  Gelatine  in  Gegenwart  der  oben  genannten 
Säuren,  wohl  aber  noch  auf  flüssige. 

Das  Trypsin  löste  die  starre  Gelatine  nur  in  Gegenwart  von 
Essigsäure,  während  es  auf  flüssige  in  Gegenwart  von  allen  Säuren, 
mit  Ausnahme  der  Schwefelsäure,  wirkte. 

VII. 

Es  wurde  kein  Mikroorganismus  gefunden,  der  ein  wie  das 
Pepsin  in  Gegenwart  von  Säuren  Fibrin  lösendes  Ferment  bildet 

Dies  darf  auch  nicht  Wunder  nehmen,  denn  alle  bekannten  Mi- 
kroorganismen, mit  Ausnahme  einiger  Hefe-  und  Schimmelpilze,  sowie 
die  verschiedenen  Zellenarten  alier  organisirten  Thiere  (die  Magen- 
zellen ausgenommen),  können  bloss  in  alkalischem  oder  neutralem  Me- 
dium leben.  Daher  wäre  ein  solches,  bloss  in  Gegenwart  von  Säure 
wirkendes  Ferment  nutzlos.  Aus  der  sauren  Reaktion,  die  man  bei 
einigen  niederen  Thieren  und  bei  Leukocyten  (Metschnikow)  vor- 
gefunden hat,  kann  man  in  keiner  Weise  auf  die  Existenz  eines 
pepsinähnlichen  Enzyms  schliessen.  Diese  Säuren  werden  nichts 
anderes  sein,  als  die,  welche  stets  beim  Lebensprozesse  entstehen. 

VIII. 

Mikroorganismen  ohne  Ferment,  das  lebende  Protoplasma  allein, 
können  auch  nach  längerer  Einwirkung  die  Gelatine  nicht  zersetzen,  nicht 
ungelatinirbar  machen ;  aber  auch  durch  Säuren,  Alkalien  oder  durch 
längeres  Kochen  ungelatinirbar  gemachte  reine  Gelatine  bietet  für 
Bakterien  keinen  günstigen  Nährboden  dar. 


Weiter«  Untersuchungen  Aber  die  tryptischen  Enzyme  der  Mikroorganismen.    405 

HL 
Die  Fermentabsonderung  in  Bezug  auf  den  Nähr- 
boden. 

1)  Die  fermentbildenden  Bakterien  scheiden  ihr  Ferment  auf  ge- 
löstem wie  auf  ungelöstem,  auf  peptonisirtem  wie  auf  einfachem  Ei- 
weiss  aus. 

2)  Auf  Bouillon  ist  im  Allgemeinen  die  Fermentabsonderung  eine 
geringere,  als  auf  Nährgelatine. 

3)  Auf  eiweissfreiem  Nährboden  scheiden  die  meisten  Bakterien 
kein  Enzym  aus. 

Versuche  mit  verschiedenen  eiweissfreien  Nährsubstraten  und 
mit  18  verschiedenen  Mikrobenarten  ergaben  in  Betreff  des  Wachs- 
tums der  Bakterien  sowie  der  Fermentbildung  Folgendes: 

1)  Auf  Phosphor-Ammonium-Nährsalzen  mit  Zusatz  von  Zucker 
oder  Glycerin  zeigten  die  verschiedenen  Bakterien  verschiedene  Ent- 
wicklung: 

M.  prodigiosus 

gutes  Wachsthum 


B.  pyocyaneus 

B.  Fitzianus 

B.  pyogenes  foetidus 

Koch's  Vibrio 

B.  von  Finkler-Prior     i 


Kta  Kieler  HafenB  .      whr  8pfaliches  Wach8t^ 

B.  Megaterium  \ 

B.  Milleri  ) 

B.  ramosus 

B.  subtilis  i 

B.  fluorescens  j 

B.  Metschnikowi  i 

Trychophyt.  tons.  \      kein  Wachsthum. 

B.  anthracis  l 

M.  tetragenus  I 

B.  ascoformis  1 

Staph.  pyog.  aur. 

Das  Ferment  wurde  bloss  von  M.  prodig.  und  B. 
Pyocyan.  gebildet  und  nur  auf  Glycerin,  nicht  aber 
auf  Zuckernährsalzen. 

Auf  Zucker  oder  Glycerin  entwickelten  sich  auch  M.  prodi- 
giosus, B.  pyocyaneus,  B.  Fitzianus  sehr  gut,  die  anderen 
dagegen  sehr  spärlich. 

B.  Megaterium  wuchs  auf  Zucker,  nicht  aber  auf  Glycerin. 

Das  Ferment  wurde  auch  hier  bloss  von  M.  prodi- 
giosus und  B.  pyocyaneus  auf  Glycerinn&h rsalzen  ab- 
gesondert 

3)  Auf  Ammonium-Sulfat-Tartrat  war  das  Wachsthum  ein  etwas 
spärliches. 

Auch  hier  bildeten  M.  prodigiosus  und  B.  pyocyaneus 
*hr  Ferment  bloss  auf  Glycerinnährsalzen. 


406  Fermi, 

4)  Auf  Ammonium  phosphoricum  mit  Zusatz  von  Mannit  ent- 
wickelten sich  bloss  M.  prodigiosus  und  B.  pyocyaneus,  beide 
mit  Fermentabsonderung. 

5)  Auf  Milchzucker- Nährsalzen  dagegen  entwickelte  sich  bloss 
M.  prodigiosus,  u.  z.  ohne  Fermentausscheidung. 

6)  Auf  Ammon.  phosphoricum  bei  Zusatz  von  Glykosiden  ergab 
sich  Folgendes: 


gut 


{}•  V°ilgt?*¥    ™        J  Saponin 
M.  der  Mastitis  der  Kühe  auf  {  inuün 

B.  Fitzianus  l  Amygdali 

o         u  *  •  i  •  f  Salicin  * 

B.  subtilis  auf  (inulin  1  gut 

B.  des  Kieler  Hafens  aur  \  Saponin  / 


B.  pyocyaneus  entwickelte  sich  auffallender  Weise 
bloss  auf  Amygdalin. 

Auf  Gummi  und  auf  Jalapin  wurde  keine  Entwickelung  kon- 
statirt. 

Auf  Aesculin  entwickelte  sich,  auch  nur  sehr  spärlich,  bloss  B. 
Fitzianus  und  der  M.  der  Mastitis  der  Kühe;  auf  Arbutin  blo<s 
B.  Fitzianus.  M.  prodigiosus,  B.  Fitzianus,  M.  der 
Mastitis  entwickeln  sich  am  besten. 

Unter  allen  diesen  Mikroben  bildete  sonderbarer 
Weise  bloss  B.  subtilis  ein  Ferment,  und  zwar  auf 
Saponin. 

7)  Auf  Ammon.  phosphoricum  bei  Zusatz  von  Asparagin 
wuchsen 

M.  prodigiosus      j 

B.  pyocyaneus        l  gut. 

B.  des  Kieler  Hafens  I 

B.  subtilis  und  M.  der  Mastitis  spärlich;  alle  übrigen,  B. 
Fitzianus  mit  einbegriffen,  sehr  schlecht  oder  gar  nicht 

Auf  Acctamid  wuchs  bloss,  und  zwar  sehr  schlecht,  M.  prodi- 
giosus; ebenso  B.  Fitzianus  und  der  M.  der  Mastitis. 

Auf  Propylamin  wurde  kein  Wachsthum  konstatirt 

Ferment  wurde  nirgends  gebildet. 

8)  Auf  Nährsalz  -  Alkaloiden  wurde  keine  Entwickelung  ge- 
funden. 

9)  Warum  auf  Kohlehydraten  im  Allgemeinen  (Mannit  für  H. 
prodigiosus  und  B.  pyocyaneus  und  Saponin  für  B.  subti- 
lis ausgenommen)  kein  Ferment  gebildet  wird,  ist  natürlich  schwer 
zu  erklären. 

Es  kommt  nicht  daher,  dass 

a)  die  Kohlehydrate  die  Fermentbildung  verhindern,  denn  auf 
eiweisshaltigem  Nährboden  wird  in  ihrer  Gegenwart  Ferment  ge- 
bildet. 

b)  Auch  nicht  daher,  dass  sich  aus  Kohlehydraten  kein  E- 
weiss  oder  Fermentstoff  bilden  kann ;  denn  die  Pilze  entwickeln  sich 
auf  Nährsalzen   mit  Kohlehydraten  sehr   gut,  von  vielen  wird  ein 


Weitere  Untersuchungen  über  die'  tryptischen  Enzyme  der  Mikroorganismen.    407 

diastatisches  und  von   einigen  auch   ein  invertirendes  Ferment  ge- 
bildet. 

c)  Auch  die  Annahme,  dass  zur  Ausscheidung  von  Fermenten 
ein  besonderer  Reiz  nothwendig  sei ,  welcher  für  das  diastatische 
Enzym  von  den  Kohlehydraten  und  für  das  proteolytische  von  den 
Eiweissstoffen  gegeben  wird,  ist  sehr  unwahrscheinlich. 

d)  Eine  grössere  Wahrscheinlichkeit  hätte  dagegen  die  Erklärung, 
dass  das  Protoplasma  (Bakterien)  bei  verschiedenem  Nährboden  andere 
Lebensthätigkeiten  und  andere  Lebensprozesse  entfalte.  Ebenso  wie 
verschiedene  Umsetzungen  und  stärkere  oder  geringere  Pigmentbildung 
entstehen,  so  wechselt  auch  die  Fermentabsonderung. 

Auf  eiweisshaltigem  Nährboden  selbst  kann  auch,  wie  wir  ge- 
sehen haben,  durch  Strychnin,  Chinin,  Antipyrin  etc.  die  Ferment- 
bildung beschränkt  oder  aufgehoben  werden.  Es  handelt  sich  also 
um  nichts  anderes,  als  um  eine  Veränderung  in  der  Thätigkeit  des 
Protoplasmas. 

X. 

Kann  die  Fermentabsonderung  der  Mikroben  aufgehoben  werden? 

1)  Durch  Karbol-  und  Salicylsäure ,  sowie  durch  alle  minerali- 
schen und  organischen  Säuren,  ferner  durch  Alkalien  konnte  die 
Fermentbildung  beschränkt  werden.  Allein  in  allen  diesen  Fällen 
war  auch  das  Wachsthum  etwas  beeinträchtigt. 

2)  Durch  Zusatz  von  Antipyrin,  Chinin,  Strychnin  0,5%  wurde 
die  Fermentabsonderung  von  M.  prodigiosus  auf  Bouillon  auch 
beim  üppigen  Wachsthum  ganz  oder  doch  zum  grössten  Theile  auf- 
gehoben. 

3)  Dasselbe  war  der  Fall  mit  B.  pyocyaneus  in  Gegenwart 
von  Chinin. 

Ein  wenig  anders  gestalteten  sich  die  Ergebnisse,  wenn  man 
diese  Alkaloide  der  Gelatine  zusetzt. 

Auf  Gelatineplatten  von  B.  pyocyaneus  war  bei  Zusatz  von 
Antipyrin,  Chinin  oder  Strychnin  auch  nach  4  Tagen  noch  keine 
Spur  von  Verflüssigung  wahrzunehmen.  Erst  nach  einer  Woche  fanden 
sich  einige  verflüssigte  Stellen. 

Diese  die  Fermentabsonderung  verhindernden  Stoffe  konnten  be- 
nutzt werden,  um  Stichkulturen  aufzubewahren,  oder  um  die  Keime 
der  verflüssigenden  Arten  auf  den  Platten  zu  zählen,  ferner  um 
Bakterienspezies  von  einander  zu  unterscheiden. 

XI. 

Ob  die  morphologische  Veränderung  in  den  Bakterien  in  Be- 
ziehung steht  mit  der  Fermentabsonderung,  wie  dies  bei  den  Ptyalin-, 
Pepsin-  und  Trypsinzellen  der  Fall  ist,  ist  sehr  wahrscheinlich;  jedoch 
ist  bis  jetzt  ein  sicherer  Beweis  hierfür  noch  nicht  erbracht. 

XII. 

Die  proteolytischen  Fermente  der  Mikroorganismen  üben  sehr 
wahrscheinlich  im  thierischen  Organismus  keinen  schädlichen  Einfluss 

aus. 


408  Fiedeler, 

Diese  Enzyme  haben  nichts  gemein  mit  den  Brieger'schen 
Toxinen,  die  krystallinische,  in  Alkohol  lösliche  Stoffe  sind;  auch 
nicht  mit  den  sog.  Toxalbumosen.  Den  letzteren  ständen  die  Enzjme 
durch  die  starke  Empfindlichkeit  gegen  Säuren  und  gegen  Hitze, 
sowie  durch  die  schnelle  Abschwächung  im  feuchten  Zustande  nahe. 
Allein  unter  141  beschriebenen  toxinbildenden,  d.  h.  pathogenen,  Bak- 
terien bilden  bloss  26  Enzym,  und  von  134  bekannten  fermentbildeo- 
den  Bakterien  bloss  25  Toxine.  Also  sind  die  Toxine  zum  grössten 
Theile  sicher  keine  Enzyme. 

Es  wäre  nun  doch  unwahrscheinlich,  dass  die  einen  Toxine  Fer- 
mente seien  und  die  anderen  nicht.  Ausserdem  bleiben  viel  ener- 
gischere prot  Enzyme,  wie  z.  B.  das  Trypsin,  auch  in  grösseren 
Mengen,  Mäusen  und  Kaninchen  eingespritzt,  ohne  Wirkung,  und  nach 
24  Stunden  ist  in  den  Thieren  keine  Spur  davon  zu  finden. 

Wegen  ihrer  schwachen  Wirkung  werden  endlich  diese  Enzjme 
im  Mund,  im  Darm,  wie  bei  Zerstörungsprozessen  in  den  Geweben 
(Gangrän,  Eiterung)  keine  bedeutende  Bolle  spielen. 

xni. 

Aus  der  Thatsache,  dass  die  Enzyme  auch  in  Gegenwart  von 
reinem  Schwefelwasserstoff  und  Kohlenoxyd  noch  zu  wirken  vermögen, 
konnte  man  schliessen,  dass  sie  sich  mehr  den  chemischen  Stoffen 
(Alkalien  und  Säuren),  als  den  organisirten  Fermenten  und  dem 
lebenden  Protoplasma  im  Allgemeinen  nähern. 

Die  Gährungserreger  können  wohl  bei  Sauerstofiabschloss  wirken 
und  einige  Mikroben  (Anaeroben)  können  leben,  nicht  aber  im  reinen 
Kohlenoxyd-  und  Schwefelwasserstoffgas. 

Die  Enzyme  aber  verlieren  im  Gegensatz  zu  den  bekannten 
chemischen  Stoffen  mit  der  Zeit  im  feuchten  Zustande  ihre  Wirk- 
samkeit und  werden  bei  einer  Temperatur  von  70  °  C  schnell  zerstört 

Im  trockenen  Zustande  ertragen  die  Enzyme  höhere  Temperaturen 
(140—160°),  als  die  Sporen.  Im  feuchten  Zustande  dagegen  sind 
sie  viel  leichter  der  Zerstörung  unterworfen.  Gegen  Karbolsäure 
und  Sublimat  sind  die  Enzyme  widerstandsfähiger,  als  die  Sporen. 

München,  15.  August  1891. 


Ueber  die  Brustseuohe  im  Eoseier  Landgestüte  und 
über  den  Krankheitserreger  derselben. 

Von 

Dr.  Fiedeler, 

KreUthierarxt  in  Breslau. 
(Fortaetiung.) 

5.  Versuchsreihe. 
Am  3.  Februar  d.  J.,  also  ?  Tage  nach  der  Blutentnahme,  starb 
„Ehrenmann11  plötzlich,  wenigstens  früher,  als  wir  angenommen  hatten, 


Ueber  die  Bnutseache  im  Koseier  LandgeitÜte.  409 

d  den  Folgen  einer  hochgradigen  Brustfellentzündung,  welche  Krank- 
en sich  der  Lungenentzündung  zugesellt  hatte. 

Unmittelbar  nach  dem  Tode  wurde  in  der  früher  beschriebenen 
Feise  ans  der  Jugularis  eine  Spritze  voll  Blut  entnommen,  davon 
as  der  Spritze  direkt  2  Originalplatten  angelegt  und  der  Rest 
es  Blutes  in  ein  sterilisirtes  Röhrchen  gespritzt.  Darauf  wurde  aus 
er  Brusthöhle  Transsudat  in  der  Weise  abgelassen,  dass  ein  kurzer, 
tehlisirter  Trokar  zwischen  die  11.  und  12.  Rippe,  welche  Stelle 
orher  geschoren  und  desinfizirt  worden  war,  in  die  Brusthöhle  ge- 
tossen  und  das  abfressende,  bräunlich  gefärbte  Transsudat  in  einem 
terilisirten  Glasröhrchen  aufgefangen  wurde.  Es  dauerte  eine  ge- 
aume  Zeit,  ehe  das  Röhrchen  gefüllt  war,  die  starken  Faserstofl- 
erinnsel  erschwerten  den  Abfluss  und  immer  wieder  musste  die 
tokarröhre  angerührt  werden,  wodurch  anscheinend  eine  Verun- 
einigung erfolgt  ist. 

Nach  der  Leichenöffnung  fanden  sich  in  der  Brusthöhle  10—12 
äter  einer  mit  zahlreichen,  bis  fauststarken  Faserstoffgerinnseln  ver- 
lischten,  bräunlichen  Flüssigkeit.  Beide  Brustfellblätter  rauh  und 
rerdickt  und  stellenweise  mit  dicken  Faserstoffplatten  belegt.  In 
len  fast  normal  zusammengefallenen  Lungen  fanden  sich  wenig  zahl- 
eiche nekrotische  Herde  von  geringem  Umfange. 

Nach  der  Leichenöffnung  wurden  von  dem  Transsudate  angelegt : 
l  Gelatinestiche,  ferner  mit  je  3  Oesen  voll  3  Original- 
)latten,  und  aus  einer  derselben  mit  3  Oesen  voll  2  Verdün- 

tungsplatten. 

Ferner  mit  je  1  Oese:  3  Originalplatten  und  2  Brühe- 
tulturen. 

Ausserdem  wurde  von  dem  Transsudate  je  */4  Spritze  voll 
Kaninchen  13  und  14,  und  je  einige  Iropf«^  Maus  16  und  17 
anter  die  Haut  gespritzt. 

Es  wurde  ferner  je  ein  linsengrosses  Stück*  ;«<*'i  »  -w  Fibrin- 
jerinnsels  Maus  18  und  19  unter  die  Kuckenhaut  $<ei/*acht  uwl  aus 
ien  Lungen  in  der  bekannten  Weise  angelegt :  4  O  r  i  g  i  n  a  1  p  I  a  1 1  e  k. 
^usstrichpräparate  wurden  angefertigt:  aus  den  Lungen  und  Mem Blute 
i*  4,  aus  dem  Transsudate  6  und  aus  dem  Fibringeriii^  -J  4  Stück. 

Es  konnten  unter  dem  Mikroskop  nur  spärliche  Bakteriennioh^n 
Dachgewiesen  werden,  am  meisten  waren  noch  in  den  Fibrinpräpa- 
raten vorhanden,  in  welchen  auch  verschiedene,  mit  Bakterien  voll- 
gepfropfte Leukocyten  aufgefunden  wurden. 

Dagegen  waren  am  8.  Februar,  also  5  Tage  nach  der  Ge- 
^nnung,  in  den  Ausstrichpräparaten,  welche  aus  dem  bei  Zimmer- 
temperatur aufbewahrten  sterilen  Blute  angefertigt  wurden,  unend- 
lich zahlreich  Kokken  und  Diplokokken  zu  sehen. 

Leider  war  an  jenem  Tage  kein  Transsudat  mehr  vorhanden,  es 
Konnte  deshalb  nicht  festgestellt  werden,  ob  auch  in  dieser  Flüssig- 
st eine  Bakterienvermehrung  stattgefunden  hatte. 

In  den  aus  dem  Transsudate  angefertigten  Stichen  und  Brühe- 
Kulturen  waren  keine  charakteristischen  Kolonieen  zu  finden,  auch  in 
^Platten  waren  nur  fremde  Kolonieen,  nur  in  einer  mit  3  Oesen 
besäten  Platte  waren  auch  Kolonieen  vorhanden,  welche  nach  äusserem 


410 


Fiedeler, 


Ansehen  als  charakteristisch  angesehen  werden  mussten ;  eine  mikro- 
skopische Untersuchung  und  Umzüchtung  konnte  nicht  ausgeführt 
werden. 

Auch  die  Lungenplatten  erwiesen  sich  als  unrein,  was  seine  Er 
U&rung  findet  in  der  Beschaffenheit  der  zur  Aussaat  benutztes 
Lungenherde. 

Die  Impfthiere  wurden  sämmtlich  impfkrank,  jedoch  nur  Maus  16 
erlag  der  Impfkrankheit  nach  3  Tagen,  und  Maus  18  nach  4  Tagen. 

In  dem  Blute  dieser  Mäuse  fanden  sich  zahlreiche  charakte- 
ristische Bakterien,  auch  3  aus  demselben  angelegte  Platten  ge- 
diehen in  charakteristischer  Weise. 

In  den  beiden  aus  dem  frischen  Blute  angelegten  Platten  fanden 
sich  charakteristische  Kolonieen,  von  denen  eine  zur  Anlage  m 
3  Platten  (a,  b,  c)  benutzt  wurde. 

Auch  diese  Platten  gaben  ein  charakteristisches  Bild. 

Aus  dem  bei  Zimmertemperatur  aufbewahrten  Blute  wurden  - 
am  5.  Tage  nach  seiner  Gerinnung  —  mittelst  einer  Oese  voll  1  Ori 
ginalplatte,  und  von  dieser  mit  je  3  Oesen  2  Verdünnung* 
platten  angelegt 

Es  waren  in  der  Originalplatte  am  3.  Tage  zahlreiche  Mengen 
ganz  kleiner  Kolonieen  so  dicht  gewachsen,  dass  die  zwischen  des 
einzelnen  befindlichen  Zwischenräume  nur  mittelst  eines  Ver- 
grösserungsgla8es  zu  erkennen  waren.  Auch  die  VerdOnnungsplatten 
waren  mit  verhältnissmässig  zahlreichen  grösseren,  charakteristischem 
Bakterien  besetzt. 


5.  Ehrenmann. 


Transsudat. 


Blut. 


Maas  16.     Maas  18.     1  Platte? 


/ 
/ 

frisch. 


alt. 


8  Platten. 


2  Platten.  3  Platten. 


3  Platten. 


6.  Versuchsreihe. 

Am  12.  Februar  starb  der  am  3.  d.  M.  an  Brustseuche  erkrankte 
Deckhengst  Güstrow. 

Leichenbefund  (2  Stunden  nach  dem  Tode): 

In  den  Lungen  zahlreiche  nekrotische  Herde,  beide  Brustblätter 
rauh  und  undurchsichtig ,  stellenweise  mit  dünnen  Faserstoffgerinn- 
seln belegt.    In  der  Brusthöhle  5—6  Liter  einer  bräunlich-grünlich 


Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgestüte.  411 

ssigkeit,  welche  mit  zahlreichen  Faserstoffgerinnseln  vermischt 
'.  Herzfleisch  lehmfarbig,  wie  gekocht,  von  zahlreichen  Blutpunkten 
chsetzt.  Unter  dem  Endocardium  blutige  Streifen  und  zahlreiche 
tp unkte,  die  innerste  Gefässhaut  der  grossen  Arterienstämme  blutig 
chtränkt. 

Leber,  Milz  und  Nieren  vergrössert  und  parenchymatös  erkrankt. 

Aus  den  nekrotischen  Lungenherden  wurden  in  der  bekannten 
ise  angelegt:  5  Original-  und  2  Verdünnungsplatten 
i  3  Brühekulturen. 

In  2  Original-  und  1  Verdünnungsplatte  waren  bereits  nach 
Standen  zahlreiche  Kolonieen  mit  blossen  Augen  zu  erkennen, 
che  nach  9  Tagen  doppelt  so  gross  waren,  als  die  charakteristischen 
werden  pflegen,  eine  citronengelbe  Farbe  annahmen,  und  —  wenn 
Q  den  Deckel  abhob  —  einen  widerwärtigen  Geruch  verbreiteten. 

In  zwei  von  einer  Kolonie  angelegten  Platten  zeigten  die  Kolo- 
en  dieselben  Eigenschaften :  schnelles  Wachsthum,  Gelbfärbung  und 
ikenden  Geruch. 

Die  Brühekulturen  Hessen  auch  bald  den  eingedrungenen  Fremd- 
l  erkennen,  bereits  nach  24  Stunden  war  eine  gleichmässige 
ibung  eingetreten,  ohne  Bildung  von  Flocken,  und  nach  3  Tagen 
leten  sie  eine  gleichmässig  trübe,  gelblich  gefärbte  und  wider- 
rtig  riechende  Flüssigkeit. 

Wegen  ihrer  grossen  Massen  können  diese  Kolonieen  wohl  kaum 
allige,  äusserüche  Verunreinigungen  sein,  sie  stammten  zweifellos 
>  den  Lungen  und  schienen  mir  eine  gewisse  äussere  Aehnlichkeit 
i  der  Lustig'schen  Reinkultur  No.  6  zu  haben.  Ich  habe  es 
(halb  bedauert,  dass  ich  mich  auf  nähere  Untersuchungen  wegen 
berlastüng  mit  anderen  Arbeiten  nicht  einlassen  konnte.  Dieses 
rallige  Untersuchungsergebniss  bestätigt  es,  wie  leicht  Täuschungen 
Erlaufen  können,  wenn  das  Impfmaterial  aus  den  Lungen  stammt. 

Die  beiden  anderen  Originalplatten  enthielten  charakteristische 
lonieen,  was  durch  die  Anlage  von  3  Verdünnungsplatten  bestätigt 
rde.  Eg  wurden  ferner  am  17.  Februar  aus  nekrotischen  Lungen- 
rten  des  an  diesem  Tage  gestorbenen  Landbeschälers  Alexander 
Platten  und  aus  diesen  8  Tage  später   wiederum  3  Platten 


Auf  4  dieser  Platten    waren    charakteristische   Kolonieen    ge- 
ichsen. 

6a.  Güstrow.  6b.  Alexander. 


2  Platten.  2  Platten. 


3  Platten.  2  Platten. 


Durch  die  3.,  4.  und  5.  Versuchsreihe  ist  der  Beweis  erbracht, 
^  es  im  kreisenden  Blute  brustseuchekranker  Pferde  Bakterien 
°s  welche  sowohl  unter  sich,  als  mit  denen  der  beiden  ersten  Ver- 


412  Fiedeler, 

suchsreihen,  welche  aus  den  Lungen  gewonnen  waren,  morphologisch, 
biologisch  und  pathologisch  völlig  übereinstimmen.  An  den  ersten 
Krankheitstagen  ist  ihre  Zahl  verhältnissmässig  gering,  so  dass  ihr 
optischer  Nachweis  und  der  Nachweis  ihrer  Infektionsfähigkeit  selten 
gelingt.  Im  weiteren  Krankheitsverlaufe  werden  sie  zahlreicher  und 
am  zahlreichsten  in  dem  nach  antiseptischen  Regeln  gewonnenen  und 
bei  Zimmertemperatur  Tage  lang  aufbewahrten  Blute,  so  dass  das 
Blutserum  anscheinend  einen  vorzüglichen  Nährboden  bildet 

Diese  Thatsacheu  stehen  mit  den  negativen  Ergebnissen  der  von 
Hertwig  und  Dieckerhoff  angestellten  Versuche  nur  scheinbar 
in  Widerspruch.  Diese  beiden  Forscher  haben  die  Krankheit  mittelst 
intravenöser  und  subkutaner  Einimpfung  von  frischem  Blute,  welches 
von  influenzakranken  Pferden  stammte,  auf  gesunde  Pferde  zu  über- 
tragen versucht.  Diese  Versuche  sind  nicht  gelungen  wegen  der 
geringen  Bakterienmengen ,  welche  in  dem  Blute  brustseuchekranker 
Pferde  vorhanden  sind,  vielleicht  auch  aus  dem  Grunde,  weil,  wie 
Schütz  durch  Impfungen  mit  Reinkulturen  nachgewiesen  hat,  Pferde 
unter  gewöhnlichen  Verhältnissen  eine  verhältnissmässig  geringe  Em- 
pfänglichkeit für  die  Brustseuchebakterien  besitzen,  wenigstens  nur 
unter  bestimmten  Bedingungen  daran  zu  Grunde  gehen. 

Gelang  doch  nicht  einmal  die  Blutimpfung  bei  den  sonst  so 
empfindlichen  Mäusen,  und  bei  Kaninchen  nur  einmal,  und  auch  wohl 
nur  deshalb ,  weil  —  wie  ich  in  meinen  Akten  verzeichnet  finde  - 
das  betreffende  Thier  —  Kaninchen  11  — jung  und  schwach  gewesen 
ist.  Erst  wenn  die  Bakterien  durch  das  Plattenverfahren,  oder  im 
stehenden  Blute  eine  entsprechende  Vermehrung  erfahren  hatten» 
gelang  der  optische  Nachweis  und  trat  bei  Impfung  dieser  Rein- 
kulturen, bezw.  des  Blutes  ihr  infektiöser  Charakter  auf  Kanineben 
und  Mäuse  und  —  wie  wir  später  sehen  werden  —  auch  auf  ein 
Pferd  deutlich  zu  Tage. 

Wenn  wir  nun  erwägen,  dass  diese  Bakterien  aus  dem  Blute 
stammen ,  welches  nicht ,  wie  die  Lungen ,  schon  im  gesunden  Zu- 
stande den  Sitz  für  zahlreiche  Bakterien  abgeben  kann,  und  ferner 
die  wissenschaftlichen  und  praktischen  Erfahrungen  berücksichtigen, 
welche  über  die  Bakterien  überhaupt  bekannt  sind,  so  wäre  der  An- 
nahme eine  gewisse  Berechtigung  nicht  abzusprechen,  dass  es  sich 
um  Bakterien  handelt,  welche  die  Krankheitserreger  der  Brustseuche 
bilden.  Wenn  wir  jedoch  auf  dem  Boden  der  nackten  Thatsache 
stehen  bleiben,  so  gestaltet  sich  die  Sache  etwas  anders. 

Der  grosse  Forscher  auf  diesem  Gebiete  —  Robert  Koch  — 
fordert  für  den  Beweis,  dass  ein  Organismus  wirklich  der  Krank- 
heitserreger ist,  die  Erfüllung  folgender  Bedingungen: 

1)  Den  ständigen  mikroskopischen  Nachweis  des  Organismus  in 
dem  kranken  Individuum. 

2)  Reinzüchtung  dieses  Organismus  ausserhalb  des  kranken 
Körpers. 

3)  Die  Organismen  dieser  Reinkultur  müssen  durch  Impfung  auf 
Thiere  derselben  Art  eine  Krankheit  erzeugen,  welche  mit  derjenigen 
gleichartig  ist,  deren  Produkte  zur  Herstellung  der  Reinkulturen 
benutzt  werden. 


lieber  die  BrusUeuche  im  Koseier  Landgestüte.  413 

Die  ersten  beiden  Bedingungen  sind  durch  die  Ergebnisse  der 
angefahrten  Versuchsreihen  in  einwandsfreier  Weise  erfiillt  worden, 
während  die  dritte  noch  ihrer  Lösung  harrte.  Es  wurden  deshalb 
Doch  folgende  Versuche  gemacht: 

7.  Versuchsreihe. 

Es  ist  erinnerlich,  dass  am  5.  Februar  aus  einer  Ehrenmann- 
Blutplatte  11  halb  mit  sterilisirter,  alkalischer  Binderbrühe  gefüllte 
Reagenzgläschen  besät  wurden.  Ich  will  nochmals  hervorbeben,  dass 
jedes  Gläschen  mit  je  einer  aus  einer  Verdünnungsplatte,  welche  frei 
tod  allen  fremden  Beimischungen  war,  stammenden  und  unter  dem 
Vergrösserungsglase  gefischten  Kolonie  beschickt  war. 

Die  Bakterien  wachsen  in  der  Brühe  in  einer  Weise,  welcher 
eine  gewisse  Eigenart  zugeschrieben  werden  kann.  Bei  Zimmerwärme 
aufbewahrt,  bildet  sich  bereits  nach  48  Stunden  ein  flockiger  Boden- 
satz und  der  untere  Theil  der  Brühe  ist  schwach  getrübt,  während 
der  obere  Theil  noch  klar  erscheint.  Im  weiteren  Verlaufe  bilden 
jene  Flocken  locker  zusammenhängende  Fetzen,  die  Trübung  wird 
stärker,  immer  aber  bleibt  der  obere  Theil  klarer,  durchsichtiger, 
und  bildet  sich  höchstens  nach  langem  Stehen  eine  ganz  schwache 
Trübung,  die  immer  stark  absticht  gegen  die  Trübung  im  unteren 
Theile  der  Brühe. 

Nach  dem  Ergebnisse  der  mikroskopischen  Untersuchung  be- 
stand jener  Bodensatz  aus  Reinkulturen  unserer  eigenartigen  Bak- 
terien. 

Mittelst  eines  linsengrossen  Gerinnselstückchens  wurde  geimpft 
Maos  20. 

Am  dritten  Tage  war  der  Tod  eingetreten.  Die  Leichenöffnung 
lieferte  den  bekannten.  Befund. 

Jene  Brühekulturen  wurden  bis  zum  9.  Februar  dicht  am  Ofen 
aufbewahrt  und  an  diesem  Tage  damit  ein  15  jähriger,  abgetriebener 
Rappwallach,  welcher  dem  Landschlage  angehörte  und  eine  unheil- 
bare Spattlahmheit  besass,  in  folgender  Weise  geimpft : 

Der  mittlere  Theil  beider  Brustwandungen,  welcher  abgeschoren 
und  mit  Sublimatseife  bestrichen  war,  wurde  mit  warmem  Wasser 
abgebürstet  und  nochmals  mit  einer  Sublimatlösung  abgewaschen. 
Von  der  Brühekultur  wurde  der  obere,  hellere  Theil  abgegossen 
nnd  nur  der  untere  Theil  zum  Impfen  verwandt. 

Auf  der  Mittellinie  der  Brustwandungen  wurden  nun  mit  der 
sterilisirten  Ordtmann  'sehen  Spritze  zwischen  die  beiden  hinter  den 
Schultern  gelegenen  Zwischenrippenräume  links  zwei  und  rechts  drei 
Spritzen  voll  jener  Brühe  in  die  Lungen  gespritzt.  Um  den  Impfstoff 
möglichst  in  den  Lungen  zu  verbreiten  und  —  nach  dem  Beispiele  von 
Schütz  —  besonders  die  dem  Brustfelle  nahe  gelegenen  Lungen- 
theile  zu  treffen,  wurde  während  des  Einspritzens  die  Spritze  lang- 
sam herausgezogen. 

Ich  will  noch  bemerken,  dass  vor  der  Operation  der  Gesund- 
heitszustand des  Pferdes  eingehend  geprüft  und  für  gut  befunden 
wurde. 


414  Fiedel  er,  Ueber  die  Brustseache  im  Koseier  Laodgestate. 

38,0  T. 
40     P. 
8     Athemzüge. 

Auskultation  und  Percussion  der  Brusthöhle  lieferten  ein  nega-  i 
tives  Ergebniss. 

7   Stunden    nach    dem    Einspritzen    stöhnte  das  Pferd,  stand  s 

krummbuckelig  da  und  frass  nicht.  I 

39,7  T.  ; 

35     P.  I 

24     Athemzüge.  I 

Am  10.  Februar  (Morgens):  ' 

40,7  T. 

60     P.  | 

27     oberflächliche  Athemzüge. 

Appetit  fehlte  gänzlich,  auch  das  Saufwasser  wurde  fast  ver- 
schmäht.   Die   Bindehaut  war   intensiv  gelbroth  ge- 
färbt    Grosse  Abgeschlagenheit  und  Stöhnen  beim  Perkutirea, 
beschränkte  Dämpfung  an  den  Impfstellen. 
Wogen  grosser  Inanspruchnahme  meiner  Zeit,  welche  besonder 
durch  meine  in  Aussicht  stehende  Versetzung  bedingt  wurde,  musste 
ich  meine  bakteriologische  Thätigkeit  für  die  nächste  Zeit  einstella 
und  war  nicht  einmal  im  Stande,  über  den  Krankheitszustand  des 
Impfpferdes  täglich  einen  Befundbericht  aufzunehmen. 
Impfpferd  am  13.  Februar: 
40  T. 
60  P. 
24  costo-abdominale  Athemzüge. 

Bindehäute  gelb  gefärbt.     Auf  beiden  Brustseiten  an  den  Impf- 
stellen Dämpfung  und  Reibegeräusche. 

Am  19.  Februar  musste  das  Impfpferd  getödtet  werden. 
Zunächst  wurde  auf  die  angegebene  Weise  aus  der  Drosselveoe 
1  Spritze  voll  Blut  abgelassen   und  erfolgte   dann  die  Tödtung  mit 
telst  des  Bruststiches. 

Die  Leichenöffnung,  welche  wenige  Stunden  vor  meiner  Abreise 
erfolgte,  musste  sich  auf  die  Oeffnung  der  Brusthöhle  beschränken 
„Beide  Lungen  sind  in  der  Mitte  auf  einer  handgrossen  Stelle, 
in  deren  Mitte  die  Stichkanäle  liegen,  mit  den  Bippen  fest  ver- 
wachsen, so  dass  die  Trennung  mittelst  eines  Messers  erfolgen 
musste.  Beide  Pleurablätter  rauh  und  undurchsichtig,  stellen- 
weise stark  verdickt  und  mit  dünnen,  schmutzigen  Platten  be- 
legt. 

Die  Lungen  unvollständig  zusammengefallen,  fühlen  sich  an! 
einer  ungefähr  in  der  Mitte  der  Hauptlappen  gelegenen,  kinds 
kopfgrossen  Stelle  derb  und  fest  an.  Auf  der  Schnittfläche  triti 
in  der  linken  Lunge,  dicht  unter  dem  an  dieser  Stelle  glattei 
und  lederartigen  Ueberzuge,  eine  hühnereigrosse  Höhle  zu  Tage 
welche  mit  fetzigen,  schmutzigen  Massen  gefüllt  ist  und  raub 
Wände  aufweist. 


Rein  seh,  Zar  bakteriologischen  Untersuchung  des  Trinkwassers.  415 

In  der  Nachbarschaft  dieser  grossen  Höhle  befinden  sich  noch 
zwei  kleinere,  etwa  wallnussgrosse  Höhlen.  In  der  rechten  Lunge, 
ebenfalls  dicht  unter  dem  Lungenfelle,  sind  vier  solcher  Höhlen, 
von  denen  die  grösste  die  Grösse  eines  Taubeneies  erreicht. 

Das  diese  Höhlen  umgebende  Lungengewebe  ist  fest,  luftleer, 
dunkelroth  gefärbt,  auf  dem  Durchschnitte  fein  gekörnt  und  tro- 
cken. Die  interlobularen  Bindegewebszüge  sind  sulzig  infiltrirt, 
so  dass,  wie  der  bei  der  Untersuchung  der  Lunge  anwesende 
Herr  Kollege  Richter  richtig  bemerkte,  die  Hepatisation  das 
Bild  der  Lungenseuche  zeigte.  Die  Bronchialdrüsen  sind  markig 
geschwollen. 

Aus  den  Lungen  und  dem  Blute  wurden  angelegt:  je  3  Plat- 
ten. 

Der  rechte,  hepatisirte  Lungentheil  wurde  darauf  in  eine  steri- 
lisirte  Glasglocke  gelegt  und  mit  nach  Breslau  genommen,  wo  die 
Untersuchungen  fortgesetzt  wurden. 

Am  22.  Februar  wurden  zunächst  in  Ausstrichpräparaten,  welche 
aus  den  Lungen  und  der  Drüse  angefertigt  waren,  zahlreiche  ovoide 
Bakterien  nachgewiesen. 

Ferner  wurde  mit  je  einem  linsengrossen  Lungenstückchen  ge- 
impft: Maus  21  und  22,  und  mit  je  einem  linsengrossen  Blut- 
gerinnsel, welches  in  dem  Blutserum  herumgeschwenkt  war:  Maus  23 
and  24. 

Mit  einer  Oese  voll  Blut,  3  Tage  nach  der  Gewinnung,  wurden 
angelegt:  3  Platten. 

In  den  am  19.  Februar  angelegten  Lungenplatten  waren  am  27. 
d.  M.  in  entsprechender  Vertheilung  unendlich  zahlreich  charakte- 
ristische Kolonieen  gewachsen,  ebenso,  wenn  auch  weniger  zahlreich, 
in  den  Blutplatten ,  von  denen  eine  geschmolzen  gewesen  war  und 
deshalb  die  Kolonieen  in  häufen-  und  kettenweiser  Anordnung  zeigte. 

(Schluss   folgt.) 


Zar  bakteriologischen  Untersuchung  des  Trinkwassers. 

[Aas  dem   bakteriologischen  Laboratorium  des  Untersuchungsamtes 
für  die  Provinz  Schleswig-Holstein  in  Kiel.] 

Von 

Dr.  A.  Seinseh. 

Bekanntlich  findet  man  bei  der  Züchtung  von  Bakterien,  dass 
das  Wachsthum  der  verschiedenen  Arten  abhängig  ist  von  der  chemi- 
schen Zusammensetzung  der  Nährböden.  Hat  man  daher  in  einem 
Untersuchungsobjekte,  wie  z.  B.  Trinkwasser,  eine  grossere  Anzahl 
verschiedener  Bakterienarten,  so  wird  nur  ein  bestimmter  Theil  der 
Keime  auf  demselben  Nährboden  ausgesät,  zur  Entwicklung  gelangen, 
Dämlich  nur  diejenigen  Keime,  für  welche  der  gewählte  Nährboden 
zur  Entwickelung  günstig  ist.    Es  ist  daher  naheliegend ,  dass  man 


416  Reinach, 

für  derartige  Untersuchungen,  bei  welchen  die  Zahl  der  aas  einer 
bestimmten  Menge  des  Untersuchungsobjektes  erhaltenen  Kolonieen 
eine  wichtige  Bolle  spielt,  gern  einen  Nährboden  anwendet,  welcher 
die  Entwicklung  möglichst  aller  Keime  gestattet  Ein  solch  idealer 
Nährboden  ist  bis  jetzt  jedoch  noch  nicht  gefunden  and  müssen  wir 
ans  mit  den  vorhandenen  begnügen,  von  welchen  Koch 's  10°/o  Fleisch- 
wasser-Pepton-Gelatine  wohl  der  für.  Wasseruntersuchungen  zweck- 
mässigste  und  meist  angewandte  ist. 

Wie  verschieden  aber  die  Resultate  bei  Trinkwasseruntersuchungen 
anter  Anwendung  dieses  Nährbodens  ausfallen  können,  sobald  man  die 
Zusammensetzung  desselben  etwas  ändert,  z.  B.  mehr  oder  weniger 
alkalisch  macht,  ersah  ich  aus  einigen  Versuchen,  die  ich  in  dieser 
Richtung  anstellte. 

Nach  der  in  den  meisten  bakteriologischen  Handbüchern  ange- 
gebenen Vorschrift  soll  die  Koch 'sehe  Nährgelatine  von  schwach 
alkalischer  Reaktion  sein.  Um  die  Bedeutung  dieser  alkalischen 
Reaktion  der  Nährgelatine  festzustellen,  bestimmte  ich  den  Keim- 
gehalt ein  und  desselben  Wassers  unter  Anwendung  von  Nährgelatine 
von  verschiedenem  Gehalte  an  Alkali.  Der  Versuch  wurde  in  der 
Weise  ausgeführt,  dass  je  10  cem  der  nach  Vorschrift  hergestellten, 
schwach  alkalischen  Nährgelatine  mit  steigenden  Mengen  einer  kon- 
zentrirten  Lösung  von  Natriumkarbonat  versetzt  wurden  und  hierzu 
je  V,  cem  des  zu  untersuchenden  Wassers.  Ich  verwandte  zu  den 
Versuchen  hauptsächlich  unfiltrirtes  Eibwasser,  entnommen  unter- 
halb Hamburg-Altona,  In  welchem  sich  zur  Zeit  immer  20—30  ver- 
schiedene Arten  von  Bakterien  befanden,  und  welches,  was  sowohl 
Zahl  der  Arten  als  auch  Anzahl  der  Keime  anbetrifft,  sehr  wechselt. 
Wegen  der  grossen  Keimzahl  wurde  das  Eibwasser  für  diese  Ver- 
suche mit  sterilisirtem  Wasser  entsprechend  verdünnt.  Die  beiden 
nachstehend  angegebenen  Versuchsreihen  sind  aus  8  angestellten  Ver- 
suchen herausgegriffen,  und  zwar  ist  No.  I  derjenige  der  Versuche, 
welcher  den  grössten  Unterschied  in  der  Keimzahl  beim  Steigen  des 
Alkaligehaltes  im  Nährboden  zeigte,  während  No.  II  derjenige  Ver- 
such ist,  bei  welchem  die  geringste  Differenz  auftrat: 

No.  I. 


Menge  des  Na,CO,  zugesetzt  zu  10  cem  achwach 
alkalischer  Nährgelatine 

Zahl  der  entwickelten  Keime 

Ohne  Zusatz 

475 

0,00504  Gramm 

Na,  CO, 

1140 

0,01008 

i» 

»» 

2976 

0,02016 

i» 

»» 

2486 

0,03024 

»» 

»> 

1612 

0,06040 

»« 

11 

1302 

0,07560 

»1 

»» 

748 

0,10080 

11 

»» 

348 

0,16120 

?» 

»♦ 

216 

0,20160 

>♦ 

»» 

74 

0,30240 

»» 

1» 

0 

Zur  bakteriologischen  Untersuchung  des  Trinkwassers. 


4H 


No.  n. 


Menge  des  Na,COt  sngesetat  sn  10  ccm  schwach 
alkalisehen  Kihrgelsüne 

Zahl  der  entwickelten  Keime 

Ohne  Zosati 

486 

0,0106  Gramm 

HSCO, 

888 

0,0818 

»» 

»1 

740 

0,0818 

9* 

>» 

59t 

0,0414 

»» 

fl 

589 

0,0530 

»» 

1» 

905 

0,1060 

» 

H 

16 

0,1690 

»1 

»» 

4 

0,8180 

»» 

»» 

0 

Man  sieht  namentlich  an  No.  I  dieser  Tabellen,  wie  gross  der 
EiDflass  des  vermehrten  Alkaligehaltes  im  Nährboden  auf  die  Ent- 
mckelung  der  Keime  sein  kann.  Bei  Zusatz  von  0,006  Gramm 
NTa2C0,  zu  10  ccm  Gelatine  entwickeln  sich  statt  der  ursprünglichen 
175  Keime  1140,  also  fast  das  2 x/* -fache,  bei  Zusatz  von  0,01  Gramm 
mehr  als  das  6-fache.  Bei  letzterem  Alkalizusatze  scheint  für  diese 
Wasserprobe  das  Wachsthumsoptimum  zu  liegen,  da  bei  grösserem 
Alkalizusatz  eine  Verminderung  der  Keime  bis  zum  gänzlichen  Aus- 
bleiben derselben  eintritt  Im  Versuch  No.  II  6teigt  die  Keimzahl 
im  günstigsten  Falle  nur  bis  fast  auf  das  Doppelte  von  der  mittelst 
schwach  alkalischer  Nährgelatine  erhaltenen.  Um  anderseits  die  Ab- 
nahme in  der  Entwicklung  der  Keime  bei  der  Neutralisation  und 
beim  zunehmenden  Säuregehalte  festzustellen,  wurden  der  schwach 
alkalischen  Nährgelatine  steigende  Mengen  von  Weinsäure  zugesetzt. 
Die  Verminderung  der  Keime  bei  fortschreitendem  Säuregehalt  wird 
durch  folgende  Tabelle  veranschaulicht: 

No.  HL 


Menge  der  Weinsäure  sugesetst  au  10  ccm  schwach 
alkalischer  Nährgelatine. 

Zahl  der  entwickelten  Keime. 

Ohne  Zusatz 

406 

0,0098  ( 

Qramm  Weinsaare 

840 

0,0056 

»» 

»♦ 

178 

0,0084 

»» 

»» 

19 

0,0112 

i» 

«» 

11 

0,0140 

»t 

*» 

6 

0,0*84 

»» 

»» 

0 

Wie  aus  den  beiden  ersten  Tabellen  hervorgeht,  war  der  schwach 
alkalische  Nährboden  nicht  im  Stande,  den  grössten  Theil  der  in  dem 
untersuchten  Wasser  befindlichen  Keime  zur  Entwickelung  gelangen 
zu  lassen  und  bedurfte  es  erst  einer  deutlich  alkalischen  Reaktion 
des  Nährbodens,  um  dies  zu  bewirken.  Dass  dieses  Ergebniss  unter 
Umständen  auch  für  die  Praxis  von  Wichtigkeit  sein  kann,  dürfte 
ans  folgender  Betrachtung  hervorgehen :  Bei  der  Bereitung  der  Nähr- 
gelatine wird  wohl  in  den  meisten  Laboratorien  die  Reaktion  mittelst 
Lakmugpapier  festgestellt.  Wie  aber  jeder  Praktiker  aus  Erfahrung 
*eiss,  ist  die  Empfindlichkeit  der  Reaktion  des  Lakmuspapieres  eine  sehr 
x.b*.  37 


418  Gähfung. 

verschiedene  und  ist  somit  die  Möglichkeit  gegeben,  dass  in  ein  und 
demselben  Trinkwasser  in  dem  einen  bakteriologischen  Laboratorium 
mehr  Keime  gefunden  werden,  als  in  dem  anderen,  je  nachdem  die 
schwach  alkalische  Reaktion  mit  wenig  empfindlichem  oder  sehr  empfind- 
lichem Lakmuspapier  gestellt,  d.  h.  je  alkalischer  der  eine  Nährboden 
gegenüber  dem  anderen  gemacht  wurde.  Würden  sich  alle  Trinkwässer 
gleich  verhalten,  so  könnte  diesem  Uebelstande  dadurch  abgeholfen 
werden,  dass  man  einen  ganz  bestimmten  Alkaligehalt  für  die  ri 
Trinkwasseruntersuchungen  dienende  Gelatine  vorschreibt  und  dieses 
Alkaligehalt  durch  Titration,  wie  N.  K.  Schultz  in  No.  2/3  p.  ^ 
d.  Ztschr.  angiebt,  genau  feststellt  Höchst  wahrscheinlich  wrJ~' 
aber  die  verschiedenen  Wässer  einen  verschiedenen  Gehalt  an 
zur  Hervorbringung  der  grössteo  Keimzahl  erfordern ,  abhängig  v< 
den  in  dem  betreffenden  Wasser  vorkommenden  Arten  von  Bakteri 
Vielleicht  Hesse  sich  dennoch  durch  Vergleich  der  bakteriologisch! 
Prüfung  sehr  vieler  Wässer  in  obiger  Richtung  ein  Durchschnitts- 
alkaligehalt  für  die  Gelatine  feststellen.  Ganz  gleichmässig  werdet 
die  an  verschiedenen  Orten  hergestellten  Fleischwasserpepton-Nähr 
böden  überhaupt  nicht  werden ,  da  die  chemische  Zusammensetzung 
der  Bouillon,  wie  man  sich  durch  oft  wiederholte  Bestimmungen  de; 
Extrakt-  und  Aschengehaltes  überzeugen  kann,  sehr  grosse  Schwan- 
kungen  zeigt,  ebenso  wie  auch  das  im  Handel  erhältliche  Pepton 
nicht  gleichmässig  zusammengesetzt  ist  Es  wäre  daher  wünschens- 
wert^ speziell  für  Wasseruntersuchungen  einen  Nährboden  herzustel- 
len, dessen  chemische  Zusammensetzung  genau  bekannt  und  leicht 
kontrollirbar  ist.  Ueber  Versuche,  die  im  hiesigen  Laboratorium  in 
dieser  Richtung  angestellt  werden,  hoffe  ich  in  nächster  Zeit  berichten 
zu  können. 

Kiel,  23.  Aug.  1891. 


Referate. 


Kayser,  E.,  Contribution  ä  l'ätude    physiologique  des 

levüres  alcooliques    du   lactose.     (Annales    de   l'Institut 

Pasteur.  1891.  No.  6.) 

Bekanntlich  können  nur  die  wenigsten  Alkoholgährungspilze  die 

Laktose  vergähren ;  es  gibt  indessen  einige  Arten,  welche  von  dieser 

Regel  ausgenommen  sind.    Mit  drei  solchen  Arten  stellte  Verf.  eine 

vergleichende  physiologische  Untersuchung  an,  nämlich  mit  der  von 

Adametz  beschriebenen  Art,  mit  der  von  Duclanx  beschriebenen 

und  endlich  mit  einer  vom  Verf.  selbst  entdeckten  neuen  Art  Von 

dem  reichen  Inhalt  der  Abhandlung  können  nur  die  nachfolgenden 

Hauptresultate  hervorgehoben  werden. 

Keine  der  Arten  vermochte  es,  Endosporen  zu  bilden,  und  sie 
können  in  Folge  dessen  nicht  zu  Saccharomyces  gerechnet 
werden.  Sowohl  im  feuchten  als  im  trockenen  Zustande  zeigten 
sie   ein    verschiedenes    Widerstandsvermögen   hohen    Temperaturen 


Gihrang.  —  Diphtherie.  419 

egenflber.  Auf  Gelatine  verhielten  sich  die  drei  Hefen  im  Wesent- 
chen  auf  dieselbe  Weise;  die  von  denselben  gebildeten  Kolonieen 
reiteten  sich  mehr  aus,  als  dies  mit  den  von  den  Bier-  und 
?einhefepilzen  gebildeten  der  Fall  ist;  in  der  Mitte  befand  sich 
ine  dickere  Partie,  und  die  Rander  hatten  ein  myceliumähnliches 
iussehen.  Wenn  man  wünscht,  dass  sie  in  neutralen  Flüssigkeiten 
nd  in  Milch  eine  kennbare  Gährung  hervorrufen  sollen,  muss  das 
Achten  bei  einer  ziemlich  hohen  Temperatur  und  bei  genügender 
dftung  vorgenommen  werden.  Der  günstigste  Wärmegrad  war  25° 
>is  30°  G.  Während  der  eintretenden  Alkoholg&hrung  wird  die  Milch 
licht  schleimig,  und  sie  koagulirt  auch  nicht  In  Lösungen  von 
jaktose,  Saccharose,  Maltose,  Galaktose,  Glukose  und  Invertzucker 
ildeten  sie  in  allen  Fallen  Alkohol  und  Säure,  aber  in  verschiedenen 
iengen,  auch  hinsichtlich  der  am  Ende  der  Versuche  erzeugten 
lefemassen  war  ein  Unterschied.  Im  Gegensatze  zur  Brauereihefe 
ergähren  sie  nur  mit  grosser  Schwierigkeit  die  Maltose. 

Am  Schlüsse  seiner  Abhandlung  stellt  Verf.  die  Frage  auf,  ob  es 
dcht  möglich  wäre,  durch  Hülfe  der  genannten  drei  Hefen  die  grossen 
Kassen  von  Magermilch,  welche  bei  der  Käsefabrikation  übrig  bleiben, 
u  einem  Spirituosen  Getränk  umzubilden  und  so  einen  erhöhten  pe- 
kuniären Ertrag  zu  erhalten.  Die  in  dieser  Hinsicht  von  ihm  ange- 
stellten Versuche  zeigten,  dass  man  durch  Verwendung  von  Milch- 
lerum  ebenso  alkoholreiche  Getränke,  wie  die  stärksten  Biersorten 
erhalten  kann,  gleichgültig,  ob  man  durch  Eindampfen  in  einen  mehr 
konzentrirten  Zustand  gebrachtes  Serum  verwendet  oder  Laktose 
oder  gemeinen  Rohrzucker  zu  demselben  setzt.  Nur  in  letzterem 
Falle,  bei  Zusatz  von  Zucker,  wurde  ein  wohlschmeckendes  gutes 
Getränk  erzielt  Verf.  empfiehlt,  in  der  letztgenannten  Richtung 
praktische  Versuche  anzustellen. 

Emil  Chr.  Hansen  (Kopenhagen). 

Spronek,  Zur  Kenntniss  der  pathogenen  Bedeutung  des 
Klebs-Loeffler'schen   Diphtheriebacillus.  [Experimen- 
telle Studie  aus  dem  pathol.  Institute  in  Utrecht.]    (Centralblatt  für 
allg.  Pathologie  und  pathol.  Anatomie.  I.  1890.  No.  7). 
Spronck  gibt  eine  Uebersicht  über  die  Ergebnisse  zahlreicher 
von  seinen   Schülern   vorgenommener   Untersuchungen.      Dieselben 
gipfeln  in  folgenden  Punkten: 

In  sieben  Fällen  wurden  die  diphtherischen  Membranen  auf 
üe  Anwesenheit  der  Klebs 'sehen  Bacillen  geprüft,  und  letztere 
stets  vorgefunden. 

Die  gewonnenen  Kulturen  zeigten  eine  konstante  Virulenz. 
Nur  einmal   wurde  ein    unschädlicher   Pseudodiphtheriebacillus 
(Loeffler,  v.  Hof  mann- Wellenhof)  gefunden. 

Die  Impfung  frischer  Kulturen  auf  die  exkoriirte  Tracbealschleim- 
°*ut  ergab  bei  Kaninchen  positive  Resultate.  Die  Angabe,  dass  die 
^pbtheriebadllen  auf  der  unverletzten  Schleimhaut  nicht  haften, 
*ud  bestätigt  Auch  Inokulation  durch  Einstich  in  die  freipräparirte 
"achea  des  Kaninchens  hatte  oft  einen  positiven  Erfolg,  wobei  die 

*7# 


420  tWphthene. 

Entzündung  an  der  Stichstelle  der  Schleimhaut  begann  und  ringsam 
auf  die  Umgebung  fortkroch. 

Die  diphtherische  Entzündung  der  Trachea  veranlasst  bei  Ka- 
ninchen regelmässig  Nephritis  mit  Albuminurie  durch  das  resorbirte 
Diphtberieferment. 

In  der  erkrankten  Kaninchentrachea  zeigte  sich  in  der  der 
Schleimhaut  aufliegenden  fibrinösen  Haut  reichliche  Wucherung  der 
eingeimpften  Bacillen.  An  einzelnen  Stellen  lagen  die  Bacillen  un- 
mittelbar über  oder  selbst  in  der  nekrotischen  Epithellage. 

Mäuse  und  Frösche  erwiesen  sich  immun,  Meerschweinchen, 
Tauben  und  Kaninchen  gegen  die  Impfungen  sehr  empfindlich. 

Bei  Tauben  und  Kaninchen  wurden  öfter  Lähmungserscheinungen 
beobachtet.  Dieselben  treten  zuweilen  auch  bei  Ueberimpfung  sehr 
geringer  Quantitäten  von  Diphtheriebacillen  nach  4  bis  6  Wochen, 
beziehungsweise  nach  1  bis  3  Wochen  auf. 

Die  Bacillen  fanden  sich  bei  an  Diphtherie  Verstorbenen  auch 
im  subkutanen  Oedem  des  Halses  in  grösserer  Entfernung  von  der 
Tracheotomiewunde  vor. 

Die  Bacillen  wuchern  nur  lokal  an  der  Infektionsstelle,  an  der 
Oberfläche  der  affizirten  Schleimhaut  resp.  im  subkutanen  Binde- 
gewebe. 

Die  Filtrate  jüngerer  Kulturen  verursachten  bei  Meerschwein- 
chen, Tauben  und  Kaninchen  nur  in  relativ  grösseren  Dosen  krank- 
hafte Erscheinungen  resp.  den  Tod;  Filtrate  älterer  Kulturen  zeig- 
ten eine  mit  dem  Alter  zunehmende  ausserordentliche  Giftigkeit,  die 
sich  dann  auch  bei  Katzen  und  Hunden  geltend  macht.  Die  Ver- 
giftung mit  den  bacillenfreien  Filtraten  erzeugt  dieselben  krankhaften 
Erscheinungen,  wie  die  Infektion  mit  den  Bacillen.  Tauben  und  Ka- 
ninchen können  schadlos  mit  den  giftigsten  Filtraten  gefüttert  werden. 
Durch  längeres  Aufkochen  verlieren  die  Filtrate  ihre  Giftigkeit 

Sporenbildung  wurde  nicht  beobachtet. 

Die  Diphtheriebacillen  sind  auch  dem  Nahrungsmangel  und  der 
Fäulniss,  sowie  Desinfektionsstoffen  gegenüber  nur  massig  widerstands- 
fähig. Dagegen  zeigten  durch  Aussaat  von  eingetrockneten  Bacillen 
erhaltene  Tochterkulturen  stets  die  nämliche  volle  Virulenz,  wie  die 
frischkultivirten  Stäbchen. 

Auf  Loeffler'schem  Serum  zeigen  die  Kulturen  schon  nach 
einem  Monate  eine  beträchtliche  Abschwächung  der  Virulenz,  während 
dieselben  ihre  Vitalität  bis  gegen  3  Monate  erhalten  können.  Die 
Aussaat  der  geschädigten  Bacillen  gibt  regelmässig  wieder  vollviru- 
lente Tochterkulturen.  Di tt rieh  (Prag). 


Braun,  Bericht  Aber  die  Fortschritte  in  der  thierischen  Panuitenkunde.     421 


Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thierischen 
Parasitenkunde. 

Von 

M.  Braun 

in 

Königsberg  i.  P. 

(Fortsetsnng.) 

B.  Trematodes. 

Referent  darf  an  dieser  Stelle  wobl  zunächst  darauf  hinweisen, 
dass  der  die  Würmer  behandelnde  vierte  Band  von  dem  gross  ange- 
legten Werke:  „Bronn's  Klassen  und  Ordnungen  des  Tier- 
reiches", welcher  von  Pagenstecher  begonnen  wurde,  nun  vom 
Referenten  fortgesetzt  wird.  Die  bisher  erschienenen  Lieferungen 
(7—17.  pg.  209—560.  Tat  VI— XVII)  behandeln  u.'  A.  die  parasiti- 
schen Dicyemiden  und  Orthonectiden,  sowie  von  den  Trema- 
tod en  die  sogenannten  monogenetischen;  über  die  ersteren  wird  nur 
nach  den  vorhandenen  Darstellungen  referirt,  wogegen  manches  Neue 
über  den  Bau  der  Trematoden  mitgetheilt  wird.  Die  Fortsetzung  wird 
zunächst  die  digenetischen  Trematoden  umfassen. 

Einen  Ueberblick  über  die  Ei  formen  der  Trematoden  erhalten 
wir  durch  Ernesto  Setti  (15):  Für  die  Monogen ea  ist  die 
Spindelform,  für  die  Digenea  die  ellipsoidale  Form  charakteri- 
stisch, doch  besitzen  einige  Digenea  (Monostomum  verruco- 
sum,  Distomum  fasciatum,  D.  flexuosum  etc.)  spindelför- 
mige und  einige  Monogenea  (Mesocotyle  squillarum,  Pla- 
giopeltis  thynni,  Polystomum  ocellatum  etc.)  elliptische 
Eier.  Am  meisten  weichen  die  Eier  der  Tristomiden  vom  Typus  ab, 
da  sie  drei-  oder  vierkantig  sind  und  durch  weiteres  Ausziehen  oder 
Atrophiren  einiger  oder  aller  Kanten  sehr  verschiedene  Formen  an- 
nehmen, übrigens  gelegentlich  auch  beim  selben  Individuum  variiren. 
Weniger  zahlreiche  Ausnahmen  kommen  bei  den  Digenea  vor, 
einige  Arten  haben  ovale,  einige  spindelförmige  Eier,  sehr  Belten 
sind  birnförmige  Eier.  Charakteristisch  sind  ferner  für  die  Eier  der 
Monogenea  die  in  der  Ein-  oder  Zweizahl  vorkommenden  Fila- 
mente, die  nur  bei  Polystomum  und  Gyrodactylus  auricu- 
latus  fehlen,  wogegen  unter  den  Digenea  nur  die  Eier  ganz 
veniger  Arten  (Dist.  polvmorphum,  sinuatum,  fasciatum, 
Gobii,  croaticum;  Mono  st.  foliaceum,  capitellatum, 
spinosissimum,  verrucosum  und  Opisthotrema  cochle- 
are)  ein  Filament  führen.  Farbe  und  Grösse  variiren  ebenfalls; 
die  grössten  Eier  besitzt  Temnocephala  chilensis  (0,5  mm  lang, 
0,25  mm  breit),  die  kleinsten  Distomum  heteroporum  (0,020 
rcsp.  0,008  mm). 

G.  Saint-Bemy  veröffentlicht  eine  „Synopsis  des  träma- 
todes  monog6nöses"  (16),  in  welcher  wir  einen  Schlüssel  zur 


422  Braun, 

Bestimmung  der  Familien,  Subfamilien  und  Gattungen,  Beschreibt^ 
aller  bekannten  Arten  und  Abbildungen  charakteristischer  Vertrete 
erhalten,  eine  verdienstliche  Arbeit,  die  Jedem,  der  sich  mit  diese 
Thiergruppe  beschäftigt,  grossen  Nutzen  gewähren  wird. 

Derselbe  Autor  (17)  berichtet  über  die  Genitalien  ton  Mi 
crobothrium  apiculatum  Olss.  von  den  Kiemen  eines  Haiei 
Acanthias  vulgaris;  bemerkenswerth  ist  das  Vorkommen  dq 
eines  Hodens  und  einer  links  sich  öffnenden  Vagina,  weil  die  nächst 
verwandte  Gattung  Pseudocotyle,  zu  der  von  Einigen  Micro 
cotyle  gezogen  wird,  zahlreiche  Hoden  und  eine  paarige  Vagin 
besitzt. 

Nach  Fr.  S.  Monticelli  (18)  sind  die  beiden  retraktilen  Teo 
takel  von  Tristomum  und  Acanthocotyle  auch  der  Strokta 
nach  echte  Tastorgane;  das  Gleiche  gilt  vom  Vorderrande  des  Kör 
pers  zwischen  den  Saugnäpfen  von  Trochopus  und  Placunella 
ferner  von  den  Bttckenpapillen  von  Tristomum  papillosum  ujji 
endlich  bei  jenen  Tristomen,  deren  vordere  Saugnäpfe  einander  ii 
der  Mittellinie  berühren  (Epibdella,  Nitzschia),  von  den  Saug 
näpfen,  die  ausserdem  noch  reich  an  Hautdrüsen  sind.  Es  folge) 
dann  genaue  Angaben  über  die  vom  Hirn  abtretenden  Nerven  an 
systematische  Bemerkungen. 

Ohne  von  der  Mittheilung  des  Ref.  über  den  Canalis  vitello 
intestinalis  (vergl.  d.  CentralbL  Bd.  IX.  1891.  p.  52)  Kenntnis 
zu  haben,  berichtet  S.  Goto  (19)  über  die  Existenz  dieses  GsngH 
bei  Axine  (2sp.),  Microcotyle  (8sp.),  Octobothrium  (2 sp J 
und  Diplozoon  (1  sp.).  Letzteres,  eine  neue  Art  von  den  Kiema 
der  Karausche  (Garassius  vulgaris)  in  Japan  (Diplozooi 
nipponicum),  erfährt  eine  ausführliche  anatomische  Schilderung 
durch  denselben  Autor  (20). 

Unter  dem  Namen  Anoplodiscus  beschreibt  P.  Son sin o  (21 
einen  auf  den  Kiemen  von  Pagrus  orphus  lebenden,  zwischen  dd 
Tristomeen  und  Gyrodactyliden  stehenden  Trematoden;  er  besitil 
zwei  Sauggruben  am  Vorderende  und  vier  Augenflecke;  hintere  Haft 
scheibe  saugnapfartig ,  unbewaffnet ;  ein  Hoden;  männliche  Genital' 
Öffnung  median  gelegen,  mitSpiculum;  Vaginalöffnung  links;  AnopL 
Richiardii  n.  sp.  6—7  mm  lang,  1,3  mm  breit 

Ferner  werden  als  neue  Arten  beschrieben:  Tristomum  in- 
terruptum  Monticelli  (18)  von  den  Kiemen  des  Thymus  brai 
chypterus  —  Neapel,  Tr.  Levinsenii  Montic.  (18)  von  den 
Kiemen  eines  Thvnnus  aus  dem  zoologischen  Museum  in  Kopen- 
hagen, und  Trochopus  differens  Sonsino(22)  von  Cantbarus 
lineatus  Montic. 

Als  neue  Wirthe  werden  angegeben  von  P.  Sonsino  (23): 
Tetrapterus  belone  (Sizilien)  und  Orthagoriscus  mola 
(Neapel)  für  Tristomum  coccineum,  Dmbrina  cirrosa(R») 
für  Diplectanum  aequans  Dies,  und  Calceostoma  inerme 
Par.  et  Per. 

Grossere  monographische  Darstellungen  über  digenetiscbe  Ne- 
matoden sind  dem  Bei  nicht  bekannt  geworden,  doch  ist  zu  erwäh- 
nen, dass  G.  Brandes  seine  Arbeit  „über  die  Familie  der  Holest*- 


Bericht  Aber  die  Fortschritte  in  der  thierischen  Parasitenkunde.  423 

luden",  aber  welche  wir  schon  früher  berichtet  haben  (d.  Centralbl. 
TL  1889.  p.  241),  nun  auch  mit  Abbildungen  publizirt  hat  (24). 

Der  eifrige  Fr.  Sav.  Monticelli  hat,  wie  vor  Kurzem  auch 
1  0.  Juel  (vergl.  d.  Centralbl.  VIII.  1890.  p.  64)  die  Dujardin'- 
«he  Untergattung  von  Distomum,  Apoblema  zum  Gegenstande 
lesonderer  Studien  gemacht  (25),  eine  Arbeit,  die  um  so  wichtiger 
racheint,  als  sie  z.  TL  auf  der  Untersuchung  der  im  Berliner  Mu- 
eum  aufbewahrten  Originale  von  Rudolphi  und  Wagener  basirt 
st.  Mit  Juel  spricht  sich  auch  unser  Autor  dafür  aus,  Apoblema 
meiner  selbständigen  Gattung  zu  erheben  und  von  Distomum 
:u  trennen;  neben  den  besonderen  Verhältnissen  im  Genitalapparat 
vide  Juel  1.  c.)  spricht  auch  der  in  verschiedener  Länge  vorkom- 
nende  und  einziehbare  Schwanz  dafür,  den  Monticelli  schon  bei 
len  in  Cyclopiden  lebenden  Jugendstadien  findet  und  für  einen  um- 
gewandelten Cercarienschwanz  hält.  Demnach  würden  die  Apo- 
)lema- Arten  primitivere  Formen  darstellen,  als  die  Distomen. 

In  Bezug  auf  die  Synonymie  ist  zu  erwähnen,  dass  nach  Mon- 
ticelli das  Rudolphi'sche  Distomum  (Apoblema)  appen- 
Hculatum  identisch  ist  mit  D.  ventricosum  Wagener  und 
ö.  ocreatum  Olss.,  dass  femer  zu  Apoblema  ocreatum  Rud. 
gehören  D.  ventricosum  van  Beneden  und  D.  Garolinae  Stoss., 
md  dass  endlich  das  von  Monticelli  selbst  als  D.  ocreatum  aus 
Clupea  pilchardu8  beschriebene  Thier  eine  neue  Art  (D.  Stos- 
iichii)  darstellt;  im  Ganzen  umfasst  die  Gattung  Apoblema 
10  Arten. 

Während  der  vierten  Campagne  der  Tacht  „Hirondelle"  unter 
Albert  I.  von  Monaco  sind  auch  zahlreiche  Thynnu s  alalonga  im 
atlantischen  Ocean  gefangen  und  auf  ihre  Parasiten  untersucht  wor- 
den. Die  dabei  theils  in  der  Musculatur  des  Kiefers,  theils  einge- 
kapselt an  den  Kiemen ,  theils  frei  im  Darm  gefundenen  Nematho- 
bothrien  hält  R.  Moniez  (26)  alle  für  ein  und  dieselbe  Art  (Ne- 
uatobothrium  Guernei  n.sp.)  und  erklärt  die  Verschiedenheiten 
ab  durch  den  verschiedenen  Wohnort  bedingt;  das  Aussehen  dieser 
Thiere  lftsst  viel  eher  Nematoden  oder  Cestoden  vermuthen ,  da  der 
Körper  sehr  lang  gestreckt  (bis  50  cm)  und  quer  gerunzelt  ist.  Die 
beiden  Genitalöffiiungen  liegen  ganz  vorn  und  vor  einander;  enorm 
bog  sind  die  beiden  Hoden,  der  Keimstock  und  der  Uterus;  am 
Unteren  Körperende  mündet  das  Exkretionssystem  aus,  von  dem  nur 
der  bis  nach  vorn  reichende  Medianstamm  erkannt  worden  ist ;  andere 
°rgane  scheinen  zu  fehlen.  Die  in  Cysten  befindlichen  waren  immer 
ft  zweien  eingeschlossen. 

An  einem  70  mm  langen  Distomum  goliath  van  Ben.  aus 
Balaenoptera  rostrata  erkannte  E.  Lönnberg  (27)  die  Dotter- 
stöcke als  grosse,  grauschwarze  Flecke,  welche  im  hinteren  Drittel 
*»  Körpers  in  vier  Reihen  geordnet  sind,  die  die  ganze  Körperbreite 
(9  mm)  einnehmen.  Vorn  trennen  sich  die  beiden  medianen  Flecken- 
reiben  von  einander  und  hören  dann  auf,  so  dass  ein  medianes  helle- 
res Feld  an  den  Seiten  von  je  einer  Fleckenreihe  begrenzt  wird.  Das 
vordere  Körperdrittel  ist  wieder  von  den  auch  hier  in  vier  Reihen 
^geordneten  Dotteretockfollikeln  eingenommen,  die  hier  noch  dich- 


424  Brian, 

ter  als  hinten  stehen.  Von  dem  Taschenberg'schen  Genus  Di- 
dymozoon  beschreibtLönnberg  eine  an  den  Kiemen  vonLampris 
guttat us  eingekapselt  gefundene  neue  Art  (D.  lampridis),  welche 
etwa  30—35  mm  lang  wird ;  sie  waren  stets  zu  zweien  in  einer  Cyste, 
aber  nicht  verwachsen.  Das  vordere  Saugorgan,  welches  Taschen- 
berg als  Pharynx  betrachtet  —  der  übrige  Darm  ist  geschwunden 
—  ist  wohl  richtiger  mit  LOnnberg  als  der  erhalten  gebliebene 
Mundsaugnapf  zu  deuten,  wenigstens  besteht  er  aus  Radiär-  und 
Cirkulärmuskeln,  auch  scheint  ein  hinter  ihm  gelegener,  undeutlicher 
Körper  das  Rudiment  des  Pharynx  zu  sein.  Der  Verlust  des  Darmes 
hängt  wie  die  schwache  Entwicklung  der  Muskulatur  mit  der  Le- 
bensweise in  Cysten  zusammen. 

Neue  Arten: 

Distomum    album,   Darm   von  Gantharus   orbiculariß  (Stos- 

sich  28). 
D.  Linstowii,  Darm  von  Testudo  graeoa  (ibidem). 
Diplostomum    cobitidis,    Leibeshöhle   von    Oobitis  b  arbatuli 

(v.  L  in  stow  29). 

Neue  Wirthe: 

Lestris  Buffonii   für  Hemistomum  spathaoeum  Dies.  (Löno- 

berg  27). 
Larusridibundus  für  Holostomumplatyoephalum(P.  Mög- 

nin  80). 
Mugil  oephalus  für  Dist.  viviparum  v.  Ben.  =    D.  Benedenü 

Stoss.  (8onsino  22). 
Crenilabrus  griseus  für  Dist.  oommune  Olss.  (ibidem). 
Aquila  ohrysaetus  und  Astur  palumbarius  für  Holost  ma- 

orooephalum  Rud.  (Stossioh  81). 
Circus    aeruginosus     für    Hol.     m aoroce phalum ,     Heinißt. 

spatula  Dies,    und   Dist  orassiusoulum  Rud.    (8t  o  ssich  32). 
Cirous  oyaneus  für  Hol.  macrooephalum  Rud.  (ibid.). 
Uranosoopus  scaber  für  Dist  rufoviride  (ibid.). 
Notidamus  griseus  für  Dist.  veliporum  Crepl.  (ibid.). 
Thalassoohelys    oorticata     für    Monost    trigon ocephalum 

Rud.  (8toßsich  33). 
8trix  nootua  für  Holost  macrooephalum  Rud.  (ibid.). 
Ardea  cinerea  für  Dist  hians  Rud.   (ibid.). 
Anas  bosohas  Dom.  für  Monost  attenuatum  (Braun  34). 
Helix   nemoralis   und  H.  strigella  für  Gercariaeum  helicu 

Meck.  (ibid.). 

Das  im  Jahre  1840  von  Nu  man  beschriebene  und  von  Setteo 
aus  der  vorderen  Augenkammer  eines  Pferdes  extrahirte  Mono- 
stomum  Setteni  ist  nach  Blanchard  und  Railliet  (35)  eine 
Oestridenlarve,  doch  lässt  sich  nicht  mehr  bestimmen,  zu  welcher 
Art  dieselbe  gehört;  Diesing  hatte  diese  Form  zu  Pen  las to- 
mum  gestellt,  was  jedoch  Lcuckart  bereits  als  nicht  richtig  er- 
kannte. 


Bericht  Aber  die  Fortschritte  in  der  thieriechen  Perasitenkande.  425 

B.  Blanchard  hat  in  seinem  „Traitä  de  Zoologie  m6dicale", 
einem  in  Deutschland  wenig  verbreiteten,  aber  vortrefflichen  Werke, 
zwanzig  authentische  Fälle  von  Distomum  hepaticum  beim 
Menschen  gesammelt;  er  fügt  diesen  einige  weitere  hinzu  (36): 
zuerst  einen  und  zwar  den  ersten  aus  Spanien  stammenden  Fall,  den 
bereits  V.  Sagarra  (37)  publizirt  hat;  es  handelte  sich  um  einen 
42-jährigen  Bauern,  der  seit  4  Monaten  an  Anasarca,  grossem  Durst, 
Appetitlosigkeit  und  Verstopfung  litt;  irgend  ein  organisches  Leiden 
konnte  nicht  gefunden  werden.  Auf  eine  Dosis  Ricinusöl  entleerte 
der  Patient  vier  erwachsene  Distomen ;  trotzdem  besserte  sich  der 
Zustand  nicht,  vielmehr  trat  der  Tod  unter  den  Erscheinungen  von 
Lungenödem  nach  18  Monaten  ein;  leider  ist  die  Sektion  nicht  ge- 
macht worden.  Ein  weiterer  Fall,  und  zwar  der  erste  aus  Russland, 
ißt  wenig  sicher ,  da  es  sich  nur  um  ein  mit  Karmin  gefärbtes  und 
in  dem  Ferdinand-Maximilians-Museum  in  Triest  aufbewahrtes  Di- 
stomum hepaticum  handelt,  welches  die  Aufschrift  führt:  „ex 
hepate  humano,  Russia"!;  alle  weiteren  Angaben  fehlen.  Da  die 
Karminfärbung  erst  im  Jahre  1868  eingeführt  worden  ist,  so  kann 
der  Fall  nicht  älter  sein.  Vielleicht  gehört  auch  folgender  Fall  zu 
D.  hepaticum;  derselbe  wird  von  J.  Hogg  (38)  nach  den  Angaben 
eines  befreundeten  Arztes  erzählt,  klingt  aber  romanhaft  genug :  Eine 
Dienerin  litt  seit  einiger  Zeit  an  Zahnschmerzen  und  Facialis-Neural- 
gieen;  Extraktion  eines  Backenzahnes  brachte  nur  vorübergehende 
Linderung,  und  als  nach  3  oder  4  Monaten  die  Schmerzen  wieder- 
kehrten und  alle  Mittel  vergeblich  waren,  nahm  die  Patientin  ihre 
Zuflucht  zu  einer  weisen  Böhmin.  Diese  rieth  ihr,  „den  Wurm  mit 
Bilsenkrautsamen  auszuräuchern41  —  gesagt,  gethan;  Bilsenkrautsamen 
wurde  über  glühende  Kohlen  gestreut,  der  Rauch  eingeatbmet  und 
nach  kurzer  Zeit  fielen  6  oder  8  Würmer  aus  den  Zähnen  in  ein 
darunter  gehaltenes  Glas  Wasser  1  Aber  auch  dies  half  nur  für  eine 
gewisse  Zeit;  als  die  Schmerzen  von  Neuem  begannen  und  jeder  Be- 
handlung trotzten,  rieth  nun  der  Arzt  selbst  zur  Wiederholung  der 
Ausräucherung  vor  seinen  Augen,  und  siehe  da  —  „ein  kleiner,  zap- 
pelnder Wurm"  kam  zum  Vorschein,  den  der  Arzt  an  Hogg  sandte; 
später  folgten  noch  mehrere ;  vier  waren  schlecht  erhalten,  einer  aber 
gut,  und  diesen  einen  von  4,2  mm  Länge  erklärt  Hogg  für  eine 
junge  Cercarie.  Der  gelblichbraune  Kopftheil  endet  mit  einer  saug- 
napfartigen  Bildung ;  am  Beginn  des  hinteren  Drittels  liegt  eine  wei- 
tere Oeffnung,  dort  findet  sich  auch  das  Ende  des  gerade  verlaufenden 
Darmes.  Ist  diese  Beschreibung  schon  eine  sehr  ungenügende  und 
läset  dieselbe  auf  einen  Autor  schliessen ,  der  Trematoden  nur  ober- 
flächlich kennt,  so  gilt  dies  noch  mehr  von  der  Deutung  des  Fundes 
als  einer  Cercarie  und  den  Ansichten,  die  Hogg  über  die  Infektion 
äussert:  wenn  auch  zuzugeben  ist,  dass  Distomeneier  in  den  Mund 
und  Magen  eines  Menschen,  z.  B.  durch  den  Genuss  von  infizirter 
Schafleber  oder  auch  durch  Wasser,  eingeführt  werden  können  (der 
Autor  denkt  nach  Blanchard  auch  noch  an  Fische  und  Geflügel), 
und  wenn  ersteres  gewiss  oft  genug  vorkommt,  so  ist  es  doch  ganz 
undenkbar,  dass  diese  Eier  sich  in  einem  hohlen  Zahne  oder  in  einer 
Zahnalveole   des  Kiefers  zu  den  Würmern  entwickeln  sollen,    die 


426  Braun, 

schliesslich  ausgeräuchert  worden  sind.  Diese  Annahme  tischt  aber 
der  Autor  seinen  Lesern  auf.  Wenn  dar  Fall  überhaupt  authentisch 
ist,  so  kann  es  sich  nur  um  verirrte,  im  verpuppten  Zustande  eingeführte 
Distomen  handeln,  die  schliesslich  einen  oder  mehrere  Abscesse  ver- 
ursachten und  bei  spontaner  Oeffhung  derselben  zum  Vorschein  ge- 
kommen sind;  solche  Distomenabscesse  sind  wiederholt  gesehen 
worden. 

Dass  Distomum  sinense  Gobb.  in  Ostasien  recht  häufig  ist, 
wird  immer  mehr  thefls  durch  Beobachtungen  entsprechender  Fälle 
an  ausgewanderten  Chinesen,  theils  durch  die  Publikationen  franzö- 
sischer Aerzte  aus  Tonkin  bestätigt;  auch  Blanchard  (36)  erhielt 
aus  dem  Militärhospital  zu  Hanoi  zwei  Fläschchen,  jedes  mit  ca.  100 
Distomen,  welche  bei  der  Sektion  zweier  anamitischer  Soldaten  ge- 
funden worden  waren;  ebenso  schickte  Dr.  P.  Loye  ein  Gefäss  mit 
einem  Stück  Leber  und  einer  solchen  Anzahl  Distomen  aus  Hanoi 
ein,  dass  B 1. ,  wenn  es  nicht  ausdrücklich  versichert  worden  wäre, 
nicht  an  die  Herkunft  derselben  von  einer  Sektion  geglaubt  hätte. 
Ausser  erwachsenen  Thieren  von  14  mm  Länge  kamen  auch  solche 
von  8  mm  vor,  was  wohl  auf  eine  öftere  Infektion  schliessen  lässt 
Die  Eier  schwanken  nach  Bl.  zwischen  0,023  und  0,030  mm  in  der 
Länge  und  0,013— 0,016  mm  in  der  Breite.  Die  von  J.  Ijima  ent- 
deckte Verdickung  an  dem  einen  Pole  der  Schale  fehlt  manchen 
Eiern. 

Wie  Blanchard  (36)  ferner  berichtet,  war  auf  dem  Aerzte- 
kongress  der  Insel  Cuba  im  Anschluss  an  einen  Fall  die  Frage  ven- 
tilirt  worden,  ob  Bilharzia  haematobia  daselbst  vorkäme;  da- 
für trat  Dr.  Semprum  ein,  der  aber  den  Parasiten  konstant  Di- 
stoma  hematoma  nennt,  während  Dr.  Diago  auf  Grund  der 
Untersuchung  des  Blutes  des  betreffenden  Kranken  die  Parasiten  für 
Filarien  erklärte.  An  und  für  sich  wäre  die  Geschichte  nicht  er- 
wähnenswerth,  wenn  nicht  ein  französisches  Journal  (Bulletin  m6dical. 
T.  IV.  1890.  p.  281)  die  Sache  aufgenommen  hätte;  freilich  lässt 
dieses  den  schönen  Speziesnamen  weg  und  spricht  nur  von  einem 
Distoma.  Dem  gegenüber  ist  nach  Blanchard  bei  Zeiten  zu  be- 
tonen, dass  Dr.  Diago  völlig  Recht  hat 

In  einem  anderen  Falle  dagegen,  der  ebenfalls  auf  Bilharzia 
haematobia  zurückgeführt  wird,  handelt  es  sich  nach  Blan- 
chard (36)  wahrscheinlich  um  ein  Infusorium.  Villeneuve,  Pro- 
fessor für  Chirurgie  an  der  ficole  de  mädecine  in  Marseille,  hat  bei 
einem  Kranken,  der,  in  Corsica  geboren,  in  Tunesien  gedient  hatte,  aber 
niemals  in  Aegypten  war  und  wegen  einer  Kontusion  der  Schulter 
das  Hospital  zu  Marseille  aufsuchte,  im  Urin  einen  sich  lebhaft  be- 
wegenden, schliesslich  aber  in  einem  Haufen  von  Leukocyten  hängen 
bleibenden,  kugeligen,  bewimperten  Körper  für  den  Embryo  von  Bil- 
harzia gehalten  und  den  Fall  als  Bilharzia-Krankheit  publi- 
zirt  (39).  Mit  Hecht  macht  Blanchard  (36)  darauf  aufmerksam, 
dass  weder  die  Beschreibung  des  wimpernden  Wesens  ausreicht,  noch 
dass  sonst  die  Umstände  dafür  sprechen,  dass  Bilharzia  vorliegt 
und  in  Tunis  vorkommt;  der  Bilharzia -Embryo  ist  nämlich  nicht 
kugelig,  sondern  elliptisch  oder  ovoid,  er  schlüpft  auch  nur  ganz 


Berieht  über  die  Fortschritte  in  der  thierischen  Parasitenkunde.  427 

ausnahmsweise  im  Uno  selbst  aas  and  würde  bei  seiner  Länge  von 
etwa  0,160  mm  auch  nicht  unter  dem  Deckglas  so  lebhaft  schwim- 
men, dass  seine  Verfolgung,  wie  angegeben,  schwierig  wäre,  auch 
würde  er  kaum  von  Leukocyten  aufgehalten  werden  können;  wahr- 
scheinlich handelt  es  sich  um  Gystomonas  urinaria  oder  ein 
anderes  Protozoon. 

C.   Cestodes. 

Zuerst  weisen  wir  auf  die  von  J.  Gh.  H u b  e r  verfasste  „Biblio- 
graphie der  klinischen  Helminthologie"  hin,  von  der  uns 
das  enste,  den  Echinococcus  cysticus  umfassende  Heft  vorliegt, 
das  mehr  bietet,  als  der  Titel  angibt,  da  die  Fälle  von  Echino- 
coccus beim  Menschen  auch  nach  den  Organen  und  Systemen  ge- 
ordnet sind.  Bei  der  ausserordentlich  zerstreuten  Litteratur  sind  Sam- 
melwerke wie  das  vorliegende  ein  nicht  genug  zu  schätzendes  Hülfe- 
mittel bei  der  Arbeit,  das  in  erster  Linie  dem  Arzte  von  Nutzen  sein 
wird. 

Zu  den  Tänien  des  Menschen  uns  wendend,  sind  drei 
Fälle  von  Taenia  nana  Sieb,  aus  Pisa  nach  P.  Sonsino  (40)  an- 
zuführen. In  dem  ersten  handelt  es  sich  um  ein  neunjähriges  Mäd- 
chen aus  Cascina,  in  deren  Faeces  die  Eier  genannter  Tänie  gefunden 
wurden,  ohne  dass  es  möglich  war,  der  Würmer  selbst  habhaft  zu 
werden ;  das  Gleiche  gilt  für  einen  zweiten  Fall,  ebenfalls  vom  Okto- 
ber 1889,  der  einen  Mann,  welcher  gleichzeitig  wenige  Anc  hy  lo- 
st oma  duodenale  besass,  betrifft.  Erst  bei  der  dritten  Beobach- 
tung an  einem  7-jährigen,  ebenfalls  aus  Cascina  stammenden  Mädchen 
wurden  auch  die  Würmer  abgetrieben  und  diese  bestätigten  die  zu- 
nächst auf  die  Eier  hin  gestellte  Diagnose.  Die  kleine  Patientin,  die 
seit  ihrem  dritten  Jahre  an  Verdauungsstörungen  und  abnormer  Ge- 
schmacksrichtung litt,  so  dass  sie  Kalkschutt,  Kohle  und  selbst 
thierische  Exkremente  zu  sich  nahm,  war  recht  heruntergekommen, 
schlecht  genährt,  bleichsüchtig  und  klagte  über  ganz  unbestimmte 
Schmerzen  bald  im  Leibe,  bald  in  den  Extremitäten.  Anhaltspunkte 
für  eine  Erkrankung  der  Lunge,  Leber,  Milz  oder  Nieren  waren  nicht 
vorhanden,  dagegen  abnorme  Verdauungserscheinungen;  bei  der  Un- 
tersuchung der  Faeces  fanden  sich  Eier  von  Trichocephalus, 
Ascaris  und  der  Taenia  nana;  auf  eine  Dosis  Santonin  und  Ri- 
cinusöl  wurden  Oxyuren,  aber  keine  Ascariden  entleert;  am  dritten 
Tage  erhielt  die  Patientin  Extr.  fil.  mar.  aeth.  und  Galomel  —  es 
erfolgten  5  Entleerungen,  von  denen  die  ersten  drei  etwa  100  kleine 
Tänien  mit  allen  Charakteren  der  Taenia  nana  enthielten,  die 
beiden  letzten  nur  Oxyuren  zu  Tage  förderten.  Acht  Tage  nach  Be- 
ginn der  Kur,  die  übrigens  gut  vertragen  wurde,  ergab  die  Unter- 
suchung der  Faeces  in  Bezug  auf  Tänien-  und  Oxyuris-Eier  einen 
negativen,  für  Trichocephalus-  und  Ascaris-Eier  positiven 
Befund ;  trotzdem  ging  auf  Gaben  von  Santonin,  Ricinusöl  und  Kalo- 
mel  keine  Ascaris  ab,  doch  kam  eine  solche  mit  Oxyuren  am  näch- 
sten Tage  zum  Vorschein;  Tags  darauf  reiste  die  Patientin  nach 
Hause.  Die  entleerten  Tänien  waren  alle  abgestorben  und  vielfach 
bereits  in  Loslösung  der  Proglottiden  begriffen;  das  grösste  Exemplar 


428  Braun, 

war  25  mm  lang,  die  Glieder  bis  viermal  so  breit,  ab  lang;  reife 
Proglottiden  konnten  mehr  als  30  an  ihm  gezählt  werden.  Hinzu- 
gefügt wird  noch,  dass  die  Eier  keines  Helminthen  so  schwer  in  den 
Faeces  aufzufinden  sind,  wie  die  von  Taenia  nana. 

Otto  Wernicke  (41)  berichtete  vor  Kurzem  über  Taenia 
nana,  die  er  bei  der  Sektion  eines  an  Phthise  verstorbenen,  28 jäh- 
rigen, argentinischen  Matrosen  in  Buenos -Ayres  gefunden  hatte; 
2  von  den  30-40  gefundenen  Exemplaren  erhielt  R.  Blanchard  (42), 
der  nach  genauer  Untersuchung  derselben  die  Diagnose  bestätigte; 
es  ist  dies  der  zweite  Fall  aus  Amerika,  die  erste  Beobachtung 
stammt  von  E.  A.  Spooner  aus  dem  Jahre  1872  (Philadelphia). 

In  einer  Schrift,  welche  dem  Arzt  wie  dem  Zoologen  gleich  viel 
bietet,  fasst  R.  Blanchard  (43)  unsere  Kenntnisse  über  die  Tänien- 
gattung  Hymenolepis  zusammen,  zu  der  die  in  letzter  Zeit  so 
viel  besprochene  Taenia  nana  gehört  Entgegen  Grassi  wird 
die  Verschiedenheit  dieser  Art  von  T.  murina  aufrecht  erhalten; 
wenn  auch  Kopf,  Haken  und  Hals  bei  beiden  Formen  sehr  ähnlich 
sind,  so  sind  doch  die  Saugnäpfe  bei  Taenia  nana  mehr  gestreckt, 
das  Rostellum  länger  und  mit  mehr  Häkchen  versehen;  die  Eier 
sind  rund,  seltener  oval  (bei  T.  murina  elliptisch),  auch  kleiner 
(30—37  p  bei  den  kugligen,  bis  48,60  und  selbst  bis  55  ju  bei  den 
ovalen  —  gegenüber  65  f*  bei  T.  murina);  dementsprechend  ist 
auch  der  sechshakige  Embryo  bei  T.  nana  bedeutend  kleiner, 
ebenso  seine  Häkchen,  wie  denn  T.  nana  selbst  kleiner,  als  T. 
murina  ist  (17—25  mm  gegenüber  25—40  mm).  Zu  diesen  Ver- 
schiedenheiten kommt  auch  noch  die  verschiedene  geographische 
Verbreitung:  man  kennt  T.  murina  aus  Frankreich,  Deutschland 
und  Italien,  die  T.  nana  aber  nur  aus  letzterem  von  den  genannten 
Ländern  und  anderen  Orten,  an  denen  T.  murina  nicht  konstatirt  ist 
Sind  beide  Formen  nicht  identisch,  so  ist  auch  die  Infektionsquelle 
für  T.  nana  noch  unbekannt,  wenn  auch  anzunehmen  ist,  dass  sie 
sich  ebenso  wie  die  zweifellos  nahe  verwandte  T.  murina  verhalten 
wird,  deren  abweichende  Entwickelungs weise  bekanntlich  Grassi 
entdeckt  hat  (vergl.  d.  Centralbl.  Bd.  V.  1889.  p.  370  ff.). 

Auf  der  anderen  Seite  scheint  es  für  Blanchard  ganz  ausge- 
macht, dassT.  flavopunctata  Weinl.  identisch  ist  mitT.  dimi- 
nuta  Bud.  =  T.  leptocephala  Grepl.  unserer  Ratten,  obgleich 
Grassi  (vergl.  d.  Centralbl.  Bd.  I.  p.  257  u.  Atti  R.  Accad.  d.  sc 
Torino.  XXIH.  1888)  dies  nur  für  diejenigen  Tänien  behauptet  und 
begründet  hat,  welche  E.  Parona  bei  einem  Mädchen  aus  Varese 
gefunden  und  als  T.  flavopunctata?  bezeichnet  hat  Für  diese 
resp.  T.  diminuta  haben  Grassi  und  Rovelli  den  Zwischen- 
wirth  in  Schmetterlingen  ( A  s  o  p  i  a  f  a  r  i  n  a  1  i  s),  Gradflüglern  (A  n  i  s  o- 
labis  annulipes)  und  Käfern  (Axis  spinosa  und  Scaurus 
Stria  tu  8)  gefunden. 

Die  Auflösung  des  Genus  Taenia  im  alten  Sinne  hat  Wein- 
land  bereits  1858  vorgeschlagen  und  die  Taenia  nana  als  Typus 
für  das  Genus  Diplacanthus  aufgestellt,  die  Taenia  murina 
und  andere  zum  Genus  Hymenolepis  gezogen;  da  aber  beide 
zu  nahe  verwandt  sind,  als  dass   sich   eine  generische  Trennung 


Bericht  Über  die  Fortschritte  In  der  thierlichen  Parasitenkunde.  429 

rechtfertigen  Hesse,  und  da  der  Gattungsname  Diplacanthus  bereits 
von  L.  Agassi z  an  einen  Fisch  vergeben  ist,  so  empfiehlt  es  sich, 
den  Namen  Hymenolepis  Weinl.  anzuwenden.  Diese  Gattung  cha- 
rakterisirt  nun  Blanchard  folgen  denn  assen: 

Körper  klein,  fadenförmig.  Kopf  klein,  Bostellum  retraktil,  wohl 
entwickelt  und  mit  einem  einfachen  Kranz  yon  24 — 30  Häkchen  bewehrt 
oder  rudimentär  und  hakenlos.  Hals  lang.  Glieder  gesägt,  yiel  breiter, 
als  lang,  selten  weniger,  als  150.  Genitalporus  randständig,  linkerseits 
auf  jedem  Gliede  gelegen,  wenn  als  Bauchseite  diejenige  bezeichnet 
wird,  die  der  weibliohe  Gesohlechtsapparat  einnimmt.  Männlicher 
Apparat  aas  sehr  wenigen,  meist  nur  drei,  Hoden  bestehend,  von  denen 
zwei  in  der  rechten  nnd  einer  in  der  Hälfte  der  Proglottiden  liegt;  das 
reife  Glied  ist  in  einen  Sack  umgewandelt,  der  helle,  runde  oder  etwas 
längliche  Eier  fuhrt,  die  stets  von  drei  durch  relativ  weite  Zwischen- 
räume von  einander  getrennten  Schalen  umgeben  sind;  die  innere 
Schale,  in  welcher  die  Oncosphaera  eingeschlossen  ist,  besitzt  manch- 
mal an  jedem  Pole  einen  kleinen  Höoker,  entbehrt  aber  eines  birn- 
förmigen  Apparates.  Finnenzustand  ist  eine  Cryptooystis  oder 
Staphylooystis.  Die  Wanderung  vollzieht  sich  entweder  zwisohen 
zwei  Organen  desselben  Wirthes,  oder  häufiger  zwisohen  zwei  verschie- 
denen Wirthen;  der  Zwisehenwirth  ist  dann  ein  Insekt,  oder  ein  Myrio- 
pode. 

Diese  so  charakterisirte  Gattung  theilt  Blanchard  in  zwei 

Gruppen : 

a)  bewaffnete  Arten: 

1)  H.  murina  Duj.  in  Mus  decumanus,  pumilus,  mu- 
sculus  und  Myoxus  quere inus.  Entwickelung  ohne 
Zwisehenwirth. 

2)  H.  nana  v.  Sieb,  im  Menschen ;  Entwickelung  ? 

3)  H.  microstoma  Duj.  in  Mus  rattus  und  musculus; 
Zwisehenwirth  ist  die  Larve  von  Tenebrio  molitor,  der 
sogenannte  Mehlwurm. 

4)  H.  furcata  Stieda  in  Crocidura  aranea. 

5)  H.  unoinata  St  in  Crocidura  leueodon  und  aranea; 
Zwisehenwirth  ist  ein  Käfer  (Silpha  laevigata). 

6)  H.  soalaris  Duj.  in  Crooidura  aranea;  Zwisehenwirth 
ein  Myriopode  (Glomeris  limbatus). 

7)  H.  pistillum  Duj.  in  Crocidura  aranea;  Zwisehenwirth 
wie  6. 

8)  H.  tiara  Duj.  ebenda;  Zwisohenwirth ? 

9)  H.  erinaoei  Gm.  =  T.  compaota  Bud.  in  Erinaceus 
europaeus;  Zwisehenwirth? 

10)  H.    baoillaris  Goeze  in    Talpa   europaea;    Zwisohen- 
wirth? 

11)  H.  acuta  Bud.    in  Vesperugo   noctula  und   serotina; 
Zwisehenwirth  ? 

12)  H.  deeipiens  Dies,  in  Fledermäusen  Brasiliens;  Zwisehen- 
wirth? 


432  Heim, 

terien.  Rom  (6.  362)  kultivirte  namentlich  Streptokokken  in 
Malzaufgüssen.  Das  Wasser  der  unreifen  Kokosnüsse,  welches 
Sternberg  (9.  834)  als  geeignetes  Nährmedium  bezeichnete,  hat  für 
unsere  Verhältnisse  weniger  Interesse. 

Von  allen  Zusätzen,  die  man  den  Nährböden  gab,  ist  der 
wichtigste  das  von  Nocard  und  Roux  (1.  404)  angegebene  Gly- 
cerin,  welches  auch  in  Agar  oder  Bouillon  die  Tuberkelbacillen  in 
üppigster  Weise  zur  Entwickelung  kommen  läset  Kranzfeld  (0. 
2.  274)  sah  dann  die  Rotzbacillen  selbst  bei  Zimmertemperatur  vor- 
züglich auf  Olycerinagar  gedeihen.  Nach  Hammerschlag  (5.  702) 
kann  das  Glycerin  durch  Mannit  und  Traubenzucker  ersetzt  werden; 
als  zweckmässiges  Nährmaterial  benutzte  H.  ein  Hefedekokt  Unter 
den  verschiedenen  Fleischsorten  fand  Martin  (5.831)  das  Herings- 
fleisch als  für  die  Züchtung  der  Tuberkelbacillen  am  geeignetsten. 

Zum  Studium  biologischer  Eigenthümlichkeiten  der  Bakterien 
wurde  nach  Buchner 's1)  Vorgang  Lackmus  verwendet,  n.  z. 
sowohl  zur  Erkennung  etwaiger  Säure-  und  Alkalibildung,  als  auch 
ihrer  reduzirenden  Eigenschaften.  Denn,  wie  Cahen1)  ermit- 
telte, sind  viele  Bakterien  im  Stande,  aus  der  Lackmusfarbe  ein 
Leukoprodukt  abzuspalten,  das  sich  wie  eine  Küpe  (leicht  reduzir- 
bare  Farbstofflösung,  welche  sich  an  der  Luft  wieder  oxydirt)  verhält, 
so  dass  Lackmus  für  bakteriologische  Untersuchungen  gleichzeitig 
die  Reaktion  der  Nährlösungen,  sowie  Sauerstoffentziehung  anzu- 
zeigen geeignet  ist  Der  letztere  Punkt  stört  aber  die  Beobachtung 
des  erstgenannten  Vorganges,  so  dass,  wenn  es  sich  um  Beobachtung 
einer  Reaktionsänderung  allein  handelt,  ein  Mittel  gesucht  werden 
muss,  um  diese  Störung  zu  beseitigen.  Dies  fand  Petruschky  in 
der  Verwendung  von  aus  frischer  Milch  durch  Fällung  des  Kaseins 
gewonnenem  Milchserum  (Molke)  als  Nährsubstrat.  Säure-  und 
Alkalibildung  der  Mikroorganismen  machte  Beyerinck  (O.  9.  781) 
durch  Beigabe  von  Kreide  oder  Karbonaten  verschiedener  Metalle  zu 
einer  Hefewasserglukosegelatine  erkenntlich. 

Die  reduzirenden  Wirkungen  von  Bakterien  zeigte  Spina  (0. 
2.  71)  etwa  gleichzeitig  mit  Cahen  u.  a.  an  einem  dem  Bact. 
fluoresc.  liquef.  ähnlichen  Bacillus  durch  die  entfärbenden  Wir- 
kungen, welche  dieser  Mikroorganismus  auf  Methylenblau  und  Indig- 
blau  ausübte.  Mittelst  des  letzteren  machten  dann  Kitasato  und 
Weyl  (8.  12),  unabhängig  von  Spina,  die  reduzirenden  Eigen- 
schalten von  Anaärobien  sichtbar,  und  konstatirten  gleichzeitig  die 
reduzirenden  Wirkungen  des  entstandenen  Indigweiss,  bezw.  dieses 
selbst  als  ein  Mittel  zur  Verbesserung  des  Nährbodens  für  die  be- 
treffenden Bakterien.  Im  Verfolge  ihrer  Bestrebungen,  reduzirende,  für 
die  Bakterienentwickelung  nicht  nachtheilige  Körper  zu  finden,  haben 
die  genannten  beiden  Forscher  eine  Reihe  von  Substanzen  in  den 
Bereich  ihrer  Untersuchungen  gezogen,  welchen  diese  Eigenschaft  in 
noch  höherem  Grade  zukommt,  als  es  bei  dem  von  Liborius3)  an- 


1)  A.  f.  H.  111.  361. 

2)  Z.  f.  H.  II.  387. 
$)  Z.  f.  H.  I.   168. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersuchangsinethoden  seit  dem  Jahre  1887.     433 

gewendeten  Zucker  der  Fall  ist,  und  als  eine  der  geeignetsten  neben 
dem  indigosulfosaaren  das  ameisensaure  Natron  empfohlen,  deren 
Zusatz  in  der  That  ausgezeichnet  ist,  um  die  Anaärobier  zu  kräftiger 
EDtwickelung  zu  bringen. 

Ferner  wurden  noch  Farben  zum  Nährboden  zugesetzt  zum 
Zweck  difierenzialdiagnostischer  Untersuchungen,  sowohl  hinsichtlich 
der  Intensität  des  darauf  zu  beobachtenden  Wachsthums,  als  insbe- 
sondere der  Erscheinungen,  welche  dabei  zu  Tage  treten.  A.  v. 
Bozsahegyi  (O.  2.  418)  wählte  dazu  die  in  der  Bakterienforschung 
am  meisten  angewendeten  Anilinfarben,  sowie  Tinctura  kermesina 
and  Noeggerath  (3.  481)  stellte  eine  den  Spektralfarben  ent- 
sprechende Mischung  verschiedener  Anilinfarben  zusammen;  eine 
Impfung  von  verschiedenen  Bakterienarten  auf  die  damit  versetzte 
und  auf  Platten  gegossene  Gelatine  Hess  längs  der  zur  Entwickelung 
gekommenen  Impfstriche  auch  verschiedene,  zum  Theil  in  dem  ur- 
sprünglichen Gemisch  gar  nicht  vorbanden  gewesene  Farben  in  die 
Erscheinung  treten. 

Der  Zusatz  endlich  von  entwickelungshemmenden  Stoffen  zu 
Nähnnedien,  welche  der  Züchtung  der  Bakterien  dienten,  wurde  hin 
und  wieder  geübt,  um  die  Sporenbildung  aufzuhalten  und  nur  vege- 
tative Zellen  zu  bekommen.  Behring1)  erzielte  damit  die  asporogene 
Form  der  Milzbrandbakterien.  Roux  (7.  408)  gab  zum  gleichen 
Zweck  genauere  Vorschriften  über  den  Zusatz  von  geringen  Mengen 
Karbolsäure  und  Bouillon  in  hoher  Schicht.  Umständlich  erscheint 
dabei  seine  Gepflogenheit,  zur  Vermeidung  des  Verlustes  an  Karbol- 
säure nach  Zusatz  derselben  die  oberhalb  des  Wattepfropfens  zuge- 
schmolzenen Röhren  zu  sterilisiren ;  ich  erzielte  völlige  Keimfreiheit 
des  Materials,  wenu  ich  in  die  mit  100  ccm  sterilisirter  Bouillon  be- 
schickten Röhrchen  oder  kleinen  Medizinfläschchen  unter  Verwendung 
einer  sterilisirten  Pipette  die  entsprechende  Quantität  einer  2%  Kar- 
bollösung tropfen  liess,  welche  mit  keimfreiem  destillirten  Wasser 
hergestellt  worden  war.  Ich  habe  im  Uebrigen  die  Vorschriften  des 
Autors  genau  befolgt,  jedoch  in  zwei  Versuchsreihen  nur  konstatiren 
können,  dass  die  von  ihm  angegebene  Karbolsäuremenge  gerade 
richtig  ist,  um  in  etwas  mehr,  als  der  Hälfte  der  angesetzten  Proben 
noch  Wachsthum  zu  erhalten;  aber  auch  die  letzten,  in  welchen  es 
gerade  noch  erfolgt  war,  erwiesen  sich,  obwohl  die  Kultur  sich  nur 
in  der  Tiefe  der  Bouillonschicht  befand,  beim  Erhitzungsversuch 
entweder  als  nicht  sporenfrei,  oder,  wenn  sie  es  waren,  erlangten  sie 
ihre  Fähigkeit,  Sporen  zu  bilden,  bei  der  Weiterzüchtung  wieder. 
Vielleicht  rührt  dies  von  der  grossen  Widerstandsfähigkeit,  durch 
welches  sich  mein  Material  auszeichnete,  her;  Roux  hat  sich  über 
das  seinige  nicht  geäussert. 

IT«    Züchtungsmethoden. 

Hinsichtlich  der  aerobischen  Bakterien    haben  die  Züchtungs- 
methoden  in  den  letzten  41/»  Jahren  insofern  eine  Bereicherung  er- 

1)  Z.  f.  H.  VI.  127  und  VU.  172. 
*.M.  oft 


434  Heim, 

fahren,  als  Gl  ob  ig  (3.  366)  in  der  Gartenerde  Bakterien  fand, 
welche  nur  zwischen  50—70°  G  zu  gedeihen  vermögen. 

Ferner  sah  v.  Lingelsheim1)  bisher  unbekannte  Unterschiede 
im  Verhalten  des  Wachsthums  von  Streptokokken,  welche  mikrosko- 
pisch lange,  und  solchen,  welche  kurze  Ketten  bilden.  Die  Gruppe 
des  Str.  longus  verflüssigte  Gelatine  nicht,  rief  keine  Trübung  in 
Bouillon  hervor  und  wuchs  auf  Kartoffeln  nicht.  Die  zweite  Gruppe, 
die  des  Str.  brevis,  zeigte  die  Neigung,  Gelatine  in  geringem 
Grade  zu  verflüssigen,  trübte  die  Bouillon  und  entfaltete  auf  Kartof- 
feln üppige,  grau  weisse,  konfluirende,  leicht  abziehbare  Beläge;  in 
Agar  mit  indigschwefligsaurem  Natron  Hess  sie  eine  reduzirende 
Wirkung  erkennen.  Als  sehr  günstiger  Nährboden  für  alle  Arten 
von  Streptokokken  erwies  sich  Bouillon  mit  einem  Gehalt  von  3% 
Pepton  und  2%  Traubenzucker,  von  Serumarten  als  zweckmässigstes 
Kaninchenserum ;  jenes  von  Rindern  eignete  sich  zunächst  nicht  für 
alle  Arten  der  Streptokokken,  wohl  aber,  wenn  es  noch  mit  gewöhn- 
licher Bouillon  zu  Vs  verdünnt  wurde. 

Alle  anderen  Neuerungen  beziehen  sich  auf  die  Kultur  von  An- 
aerobiern.  Hier  ist  der  wichtigste  Fortschritt  die  Erzielung  der 
Beinkultur  des  Tetanusbacillus  gewesen.  Kitasato  (6.  679)  hat 
ihn  von  den  ihn  regelmässig  begleitenden  Mikroorganismen  durch 
'/» — 1-stündige  Erhitzung  der  Mischkultur  auf  80°  C  getrennt,  welche 
allein  den  Tetanusbacillus  verschont  liess.  Durch  Verwendung  von 
Meerschweinchenbouillon  gelang  es  diesem  Forscher  ferner  (6.  327), 
die  Bacillen .  des  Bauschbrandes  und  des  malignen  Oedems  in  fort- 
laufenden Reinkulturen  virulent  weiter  zu  züchten,  und  später*) 
glückte  ihm  auch  die  Kultur  auf  festen  Nährsubstraten,  namentlich 
bei  Zusatz  der  erwähnten  reduzirenden  Stoffe. 

An  der  Vervollkommnung  der  Methoden  der  Züchtung  von  An- 
aerobiern  unter  Ausschluss  oder  Ersetzung  der  Luft  durch  andere 
Gase  haben  sich  verschiedene  Forscher  betheiligt.  So  hat  Grub  er 
(0.  1.  368)  für  die  Kultivirung  im  luftleeren  Räume  ein  an  eine 
Wasserstrahlpumpe  anzusetzendes  Reagenzrohr  mit  verengtem  Hals 
beschrieben,  Schottelius  (2.  101)  ein  etwas  komplizirtes  Fläsch- 
chen  für  die  Beobachtung  des  Wachsthums  unter  bestimmten  Gas- 
arten konstruirt.  Dem  Bedürfhiss  nach  einem  möglichst  einfachen 
und  brauchbaren  Verfahren  wurde  Buchner  (O.  4.  149)  gerecht. 
Er  beseitigte  den  Sauerstoff  mittelst  Absorption  durch  alkalische 
Pyrogallussäurelösung.  Dieses  Verfahren  bewährte  sich  nicht  bloss 
bei  Reagenzglaskulturen,  sondern  auch  nach  Nikiforoff  (9.  291) 
bei  der  Züchtung  im  hängenden  Tropfen,  und  lässt  sich  nach  Blü- 
cher (9.  293)  ebensogut  für  Plattenkulturen  verwenden.  Sein  ein- 
ziger Nachtheil  besteht  in  der  Eintrocknung  des  N&hrsubstrates  in 
dem  luftverdünnten  Räume,  wird  aber  durch  die  sonstigen  Vorzüge, 
Einfachheit,  Billigkeit  und  Raschheit  der  Ausführung  reichlich  auf- 
gewogen; so  kann  man  z.  B.  eine  grössere  Serie  von  Reagenzröhren 
auf  einmal  sehr  leicht  der  Anaerobiose  aussetzen,  wenn  man  sie  zu* 

1)  Z.  f.  H    X.  338. 

2)  Z.  f.   H.  8.  55 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersnchnng&methoden  seit  dem  Jahre  1887.     435 

sammen  in  ein  grösseres  Präparatenglas  mit  gut  eingeschliffenem  und 
etwas  gefettetem  Deckel  auf  eine  Unterlage,  etwa  von  Watte,  stellt, 
unter  welcher  sich  die  Pyrogallollösung  befindet;  die  Abnahme  des 
durch  die  Luftverdünnung  festgehaltenen  Deckels  gelingt  ohne  Schä- 
digung der  Kulturen  leicht,  wenn  man  für  kurze  Zeit  eine  Erwär- 
mung mittleren  Grades  im  Wasserbad  einwirken  lftsst. 

Die  Absorption  des  Sauerstoffes  im  geschlossenen  Röhrchen  durch 
Kultur  einer  sauerstoffbedürftigen  Bakterienart  (B.  subtil is)  in  einer 
zweiten  auf  die  eigentliche  Anaörobenkultur  gegebenen  Agarschicht 
ist  ein  Gedanke  von  Roux  (2.327),  dem  eine  praktische  Bedeutung 
nicht  zukommt  Ein  anderes,  von  diesem  Autor  angegebenes  Ver- 
fahren ist  die  Verdrängung  der  Luft  durch  den  Nährboden  selbst, 
welcher  heiss  in  pipettenartige  Gefässe  gesaugt  wird,  die  dann  bei- 
derseitig abgeschmolzen  werden.  Die  Füllung  ähnlicher,  aber  von 
vornherein  nur  an  einem  Ende  offener  Gefässe,  welches  durch  Kni- 
ckung des  Kapillarrohres  nach  abwärts  sieht,  bewerkstelligte  Niki- 
foroff (4.  292)  durch  vorherige  Austreibung  der  Luft  mittelst 
Wasserdampf,  worauf  das  flüssige  Nährsubstrat  beim  Einstellen  der 
Erhitzung  ins  Vacuum  stürzt. 

Eine  weitverbreitete  Methode  ist  die  des  Ersatzes  der  Luft  durch 
ein  anderes  Gas.  Nachdem  sich  CO,  als  schädlich  und  auch  das 
von  Würtz  und  Foureur  (6.  710)  empfohlene  Leuchtgas  durch 
die  Untersuchungen  von  Kladakis  (8.  24)  als  ungeeignet  für  die 
Kulturen  erwiesen  hatte,  beschränkt  man  sich  jetzt  allgemein  auf  die 
Verwendung  des  indifferenten  Wasserstoffes  nach  Häuser1)  und 
Liborius  *)•  Der  letztere  hat  dazu  Reagenzröhrchen  fertigen  lassen 
mit  einer  ihre  Wand  durchsetzenden ,  bis  auf  den  Boden  reichenden 
Einströmungsröhre  für  das  Gas,  welches  durch  den  verengten  oberen, 
später  abzuschmelzenden  Theil  des  Röhrchens  wieder  austritt.  Boux 
wählte  die  Anordnung  von  Gruber.  Einer  der  Hauptnachtheile 
solcher  Röhrchen  ist  der,  dass  die  Einfüllung  des  Nährmaterials  und 
die  Impfung,  namentlich  aber  die  Anlegung  von  Verdünnungen  für 
Rollplatten  erschwert  ist  Ich 8)  habe  daher  die  Impfungen  und  Ver- 
dünnungen in  gewöhnlichen  Reagenzröhrchen  vorgenommen,  alsdann 
erst  ihren  oberen  Theil  in  der  Flamme  unter  möglichster  Vermei- 
dung des  Ausziehens  des  Glases  verengt,  eine  frisch  zur  Kapillare 
ausgezogene  Glasröhre  eingesteckt,  das  Gas  durchgeleitet  und  nach 
o—10  Minuten  den  verengten  Theil  sammt  der  Kapillare  abgeschmol- 
zen. Um  diese  vorm  Zerbrechen  zu  schützen,  wird  sie  in  einen 
herabhängenden  Gummischlauch  eingefügt.  Der  Gummischlauch  ist 
über  den  absteigenden  Schenkel  eines  zweimal  rechtwinkelig  geboge- 
nen, mittelst  Klemme  oben  an  einem  Stativ  befestigten  U-förmigen 
Glasrohres  gezogen ;  der  andere  ebenfalls  abwärts  gerichtete  Schenkel 
ist  mit  der  letzten  der  3  Waschflaschen  (Bleinitrat,  Silbernitrat,  Py- 
rogallol)  für  das  Gas,  welches  vom  Kipp1  sehen  Apparat  kommt, 

1)  Ueber   Fäulnissbakterien    and     deren    Beziehungen    zur     SeptiklLmie.     Leipiig 
(Vo*«l)  1885. 

*)  Z.  f.  H.  I.  125. 

3)  A.  ».  d.  K.  G.  A.  V.  534. 


436  Heim, 

durch  einen  Gummischlauch  verbunden.  Letzterer  trägt  zur  Reguli- 
rung  des  Gasstromes,  die  mittelst  des  Hahnes  des  Kipp' sehen  Ap- 
parates nicht  fein  genug  bewerkstelligt  werden  kann,  einen  Schrauben- 
quetschhahn ,  der  so  eingestellt  wird ,  dass  der  Wasserstoff  schnell 
genug  durch  das  Nährmaterial  strömt,  ohne  so  reichliche  Blasen- 
bildung zu  verursachen,  dass  der  verengte  Theil  davon  benetzt  wird. 
Zahlreiche  Versuche  haben  mich  von  den  Yortheilen  dieses  billigen 
Verfahrens  überzeugt. 

C.  Fraenkel  (0.  3.  763)  hat  die  Verengung  des  Reagenzglases 
dadurch  umgangen,  dass  er  es  mit  einem  doppelt  durchbohrten  Kaut- 
schukstopfen, durch  welchen  die  Gaszu-  und  Ableitungsröhre  geführt 
war,  fest  verschluss  und  mit  Paraffin  dichtete. 

Um  auch  Plattenkulturen  unter  Wasserstoff  setzen  zu  können, 
haben  Blücher  (9.  292)  und  Botkin  (9.  209)  Glasglocken  ge- 
nommen, deren  untere  Oeffnung  von  Blücher  durch  Glycerinwasser, 
von  Botkin  durch  Paraffin,  liquid,  von  der  Aussen  weit  abgeschlossen 
wurde.  Während  Blücher  das  Gas  von  oben  her  einleitete  und 
durch  die  Abschlussflüssigkeit  zugleich  mit  der  verdrängten  Luft  aus- 
treten liess,  führte  Botkin  eine  eigene  Zu-  und  Ableitungsröhre  in 
Gestalt  von  Gummischläuchen,  denen  durch  je  einen  weichen  und 
biegsamen  Führungsdraht  von  Kupfer  die  geeignete  Krümmung  und 
Richtung  gegeben  worden  war,  unter  die  Glocke. 

Züchtung  unter  verschiedenem  Luftdruck  erzielte  Klebs1) 
unter  einer  Glasglocke,  welche,  an  ihrem  oberen  Ende  mit  Hahnab- 
abschluss  und  einem  trichterförmigen  Aufsatz  versehen,  verschieden 
tief  in  Quecksilber  eingesenkt  wird. 

V.  Thierversnch. 

In  der  Unmöglichkeit,  die  Rotzbacillen  in  Sekreten  (z.  B.  Nasen- 
ausfluss)  von  anderen  Bakterien  durch  die  Färbung  zu  unterscheiden 
und  in  der  Langwierigkeit  des  Plattenverfahrens  bestehen  grosse 
Hindernisse  für  die  wünschenswerth  baldige  Diagnose  der  Krankheit 
während  des  Lebens.  Wir  wissen  von  Loeffler,  dass  da  nur  der 
Thierversuch  an  Feldmäusen  oder  Meerschweinchen  zum  Ziele  führt 
Von  den  verschiedenen  von  Kitt  in  den  Bereich  seiner  Unter- 
suchungen gezogenen  Thieren  erwies  sich  ebenfalls  das  Meerschwein- 
chen wegen  seiner  relativ  geringen  Empfänglichkeit  für  septische  Er- 
krankung als  das  geeignetste.  Die  Impfung  in  die  Bauchhöhle  be- 
schleunigt, wie  S trau ss*)  angibt,  die  Infektion,  und  die  charakte- 
ristische Hodenerkrankung  erfolgt  wegen  des  Ergriffenwerdens  der 
Tunica  vaginalis  schon  nach  2—3  Tagen.  Ausser  dem  Igel5)  fand 
Kitt  (0.  2.  243)  von  den  verschiedenen  Mäusen,  wie  Loeffler, 
zunächst  die  Feldmaus  (Arvicola  arvalis)  empfänglich;  die 
Wühlratte  bezw.  Waldmaus  oder  Schermaus  (Arvicola  amphibius 
s.  terrestris)  ferner  erlag  in  seinen  Versuchen  binnen  3— 6  Tagen 

1)  Allg.  Path.  I.  104. 

2)  Arcb.  de  med.  exp.  89.  I.  460.    Kf.  C.  f.  d.  m.  W    89.  85.  654. 
8)  s.  Rf.  F.  d.  M.  89.  10.  892. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  UntersnchnngKinetboden  seit  dem  Jahre  1887.    437 

der  Infektion  und  die  Wühlmaus  oder  Springmaus  (Mus  sylvatic.) 
binnen  8 — 33  Tagen.  Diese  Thatsache  ist  deshalb  interessant,  weil 
man  bis  dahin  die  Gattung  Mus  für  refraktär  und  nur  die  Gattung 
Arvicola  für  empfanglich  ansah.  Bei  der  Benutzung  solch  leb- 
hafter, leicht  entspringender  Thiere  empfiehlt  es  sich,  die  von  Kitt 
abgebildete  Vorrichtung  am  Deckel  des  Mäuseglases  anzubringen; 
in  Ermangelung  eines  solchen  ersetze  ich  das  beschwerte  Drahtge- 
flecht rasch  durch  ein  mehrfach  durchlöchertes  Blech  (Einsatz  für 
Trockenschränke)  und  bedecke  dies  so  mit  einer  Glasplatte,  dass  nur 
eine  der  Durchbohrungen  frei  bleibt,  durch  welche  die  Zange  einge- 
führt wird. 

Kranzfeld  (0.  2.  276)  benutzte  auf  den  Rath  Metschni- 
koff's  hin  mit  Erfolg  das  Ziesel  (Spermophilus  citillus  s. 
gutta tus).  Dieser  verhältnissmässig  zahme,  an  Grösse  fast  den 
Hamstern  gleichkommende  Nager,  welcher  hauptsächlich  im  Osten 
Europas  einheimisch  ist,  erliegt  nach  K.  binnen  4—10  Tagen  der 
Infektion.  Gamalei'a  (7.  642)  beobachtete  bei  mehrfach  auf  ein- 
ander folgender  Uebertragung  des  Rotzbacillus  auf  Ziesel  und  dann 
auf  Kaninchen  eine  Steigerung  der  Virulenz.  Als  sehr  empfängliche 
Thiere  erwiesen  sich  nach  Lisicyn  (6.  396)  die  Katzen;  er  sah  sie 
nach  einer  Inkubationszeit  von  nie  mehr,  als  3  Tagen  in  spätestens 
22  Tagen  zu  Grunde  gehen.  Auch  Hunde,  behauptet  Balitzky 
(6.  195),  könne  man  für  die  Diagnose  der  Rotzkrankheit  benutzen, 
<ia  sie  ohne  Unterschied  des  Geschlechtes  und  in  jedem  Alter  der 
Infektion  zugänglich  seien;  Strauss1)  hält  jedoch  diese  Thiere  für 
wenig,  d.  b.  nur  bei  Injektion  grösserer  Mengen  für  empfänglich  (vor- 
herige Einspritzungen  kleiner  Mengen  sollen  Immunität  erzeugen). 
Peuchu  (6.  172)  gelang  es,  den  Rotz  durch  direkte  kutane 
Impfung  von  Schaf  auf  Schaf  und  vom  Schafe  auf  den  Esel  zu 
übertragen. 

Im  Thierversuch  fand  v.  Lingelsheim*)  eine  Stütze  für  seine 
durch  das  Kulturexperiment  gewonnene  Eintheilung  der  Streptokokken 
und  die  früher  erwähnten  zwei  Gruppen,  demzufolge  der  Strepto- 
coccus brevis  nicht  pathogen  für  Thiere  war,  während  Strepto- 
coccus longus  virulent  für  Kaninchen  (Erysipelstrepto- 
coccus) sich  erwies  und  gewisse  Arten  dieser  Gruppe,  die  sich 
durch  Konglomeratbildung  in  der  Bouillon  auszeichneten,  eine  hohe 
Pathogenität  für  Mäuse  entfalteten  (Str.  murisept.  und  pyog.). 

Syphilis  will  Lesin s)  mit  Erfolg  auf  junge  Pfeide  übertragen 
haben. 

Vom  Variola- Kontagium  stellte  Fischer4)  fest,  dass  es 
"ich  mit  Sicherheit  auf  Rinder  überimpfen  lässt  und  dort  zur  Vaccine 
wird. 

Die  zu  Operationen  an  Thieren  bestimmten  Einrichtungen  für 
Hunde,  Kaninchen  und  Meerschweinchen  sind   durch  ein  von  Beh- 


1)  1.  c.  Rf.  C.  f.  kl.  M.  90.  6.   105. 

2)  Z.  f.  H.  X.  354. 

3)  Oesterr.  Mon.-Schr.  f.  Thierheilk.  90.  5.     Bf.  D.  M.  Z.  90.  80.  901. 

4)  M    m    W.  90.  43.  735. 


438      Schutzimpfung,  kttnstl.  Infektionskrankheiten,  Entwicklungshemmung  etc. 

ring  bei  Manipulationen  mit  Hatten  gebrauchtes  Brett,  sowie  eine 
zugehörige,  den  Kopf  dieser  ziemlich  wilden  Thiere  fixirenden  Zange, 
endlich  einen  recht  zweckdienlichen  Mäusehalter  nach  Kitasato1), 
sämmtlich  von  F.  und  M.  Lautenschläger  hergestellt,  vermehrt 
worden. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Kitasato,  Experimentelle  Untersuchungen  über  das 
Tetanusgift.  [Aus  dem  hygienischen  Institut  der  Universität 
Berlin.]    (Zeitschrift  für  Hygiene.  X.  Heft  2.) 

Kitasato  experimentirte  mit  Kulturen,  welche,  um  sie  möglichst 
unverändert  auf  natürlichem  Wege  keimfrei  zu  machen ,  durch  Fil- 
triren  von  den  Bacillen  befreit  wurden.  Hierzu  bediente  er  sich 
eines  im  Texte  beschriebenen  und  abgebildeten  Filterapparates. 

Das  keimfreie  Filtrat  bringt  genau  ^dieselbe  tetanische  Wirkung 
bei  den  Versuchsthieren  hervor,  wie  die  Kultur  der  Tetanusbacillen. 
Somit  handelt  es  sich  nicht  um  eine  Infektion,  sondern  um  eine 
Intoxikation  durch  eine  von  den  Tetanusbacillen  produzirte,  spezifisch 
wirkende  Substanz. 

Von  den  drei  angewendeten  Thierspecies  sind  Meerschweinchen 
für  das  Tetanusgift  am  empfänglichsten,  dann  folgen  die  Mäuse  und 
endlich  die  Kaninchen.  Wenn  überhaupt,  dann  treten  die  tetani- 
schen  Erscheinungen  bei  den  mit  dem  Filtrate  behandelten  Versuchs- 
thieren spätestens  am  3.  Tage  ein.  Die  Uebertragung  von  Organen 
der  an  Tetanus  verstorbenen  Thiere  auf  andere  blieben  stets  erfolg- 
los, während  keimfreies  Blut  oder  Transsudat  aus  der  Brusthöhle 
solcher  Thiere  auf  Mäuse  überimpft,  stets  Tetanus  erzeugte.  Das 
Tetanusgift  dringt  somit  im  Thierkörper  in  die  Blutbahn  ein  und 
ruft  hier  die  toxische  Wirkung  hervor. 

Um  Ungleichmässigkeiten  in  der  Wirkung  der  Filtrate  zu  ver- 
meiden, erscheint  es  nach  Verf.  geboten,  darauf  zu  achten,  dass  die 
Nährbouillon  neutral  oder  ganz  schwach  alkalisch  sei  und  dass  sie 
immer  frisch  bereitet  werde. 

Das  Filtrat  der  Tetanusbacillenkultur  ist  gegen  Hitze  ziemlich 
stark  empfindlich.  Es  wird  bei  65°  C  und  darüber  schon  in  wenigen 
Minuten  total  zerstört.  60°  C  kann  es  noch  15  Minuten  lang  ver- 
tragen; durch  20  Minuten  langes  Erhitzen  auf  60°  C  wird  es  ver- 
nichtet. l1/*  Stunden  lang  auf  55°  C  erhitzt,  behält  es  noch  seine 
Wirksamkeit,  aber  binnen  l1/.  Stunden  geht  sie  verloren. 

Der  Grad  der  Widerstandsfähigkeit  des  Filtrates  gegen  das  Ein- 
trocknen hängt  von  der  Art  und  Weise,  wie  das  letztere  erfolgt,  ab. 


1)  Z.  f.  H.  X.   271. 


Zweiter  Tuberculose-Kongress.  439 

Im  Exsiccator  Ober  Schwefelsäure  getrocknet,  verliert  das  Filtrat 
seine  Wirksamkeit  nicht;  an  der  Luft  bei  Zimmertemperatur  ausge- 
trocknet, wird  dieselbe  etwas  schwächer.  Dagegen  schwindet  die 
Wirksamkeit  des  Filtrates  vollständig,  wenn  es  im  Brütschranke  ein- 
getrocknet wird,  und  zwar  aus  dem  Grunde,  weil  es  schon  bei  35  bis 
37°  C  allmählich  seine  Wirkung  verliert. 

Eine  eigene  Versuchsreihe  betreffs  der  Widerstandsfähigkeit  des 
Filtrates  gegen  zerstreutes  Tageslicht  zeigte,  dass  ein  Filtrat,  welches 
am  Fenster  bei  zerstreutem  Tageslicht  stand,  nach  mehreren  Wochen 
seine  Wirksamkeit  eingebüsst  hatte,  während  das  kalt  im  dunklen 
Baume  aufbewahrte  Filtrat  sehr  lange  Zeit  seine  Wirkung  nicht  ver- 
lor, indem  ein  derartiges  Filtrat  nach  300  Tagen  ebenso  wirksam 
war,  wie  das  frische. 

Direktem  Sonnenlichte  ausgesetztes  Tetanusgift  wurde  nach  15 
bis  18  Stunden  vollständig  zerstört. 

Verdünnungen  mit  Wasser  resp.  mit  Bouillon  wirken  auf  das 
Tetanusgift  nicht  schädlich. 

Das  Tetanusgift  ist  sowohl  gegen  Säuren,  besonders  gegen 
Mineralsäuren,  als  auch  gegen  Alkalien  ziemlich  stark  empfindlich. 

Bisher  fand  E.  kein  geeignetes  Fällungsmittel,  um  das  Tetanus- 
gift, ohne  seine  Wirkung  zu  verringern,  aus  dem  Filtrate  auszu- 
scheiden und  zu  isoliren. 

Thiere  durch  Gewöhnung  an  das  Gift  gegen  Tetanus  zu  immu- 
nisiren, gelang  nicht,  ebensowenig  durch  Injektion  von  bis  zur  Un- 
wirksamkeit erhitztem  Filtrate. 

Bei  Kaninchen  gelang  es  in  beiläufig  40  %  der  Fälle,  die  Thiere 
durch  Jodtrichlorid  gegen  Tetanus  zu  immunisiren.  Nach  zwei  Mo- 
naten wurden  die  Thiere  jedoch  wieder  für  Tetanus  empfänglich. 

Mäuse  kann  man  durch  Injektion  von  Serum  immunisirter 
Kaninchen  immunisiren.  Die  Immunität  der  Mäuse  dauert  dann  40 
bis  50  Tage. 

Das  Huhn  ist  von  Haus  aus  gegen  Tetanus  immun.  Das  Hühner- 
blut macht  andere  Thierarten  gegen  Tetanus  nicht  refraktär. 

Dittrich  (Prag). 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 
Zweiter  Tuberculose-Kongress. 

Nach  den  Berichten   der  „Semaine  mädicale"  und  des  „Bull.  m6d.a 

referirt  von 

Dr.  M.  T.  Schnirer, 

in 

Wien. 

(Fortaetiung.) 

Heredität  der  Tuberculose. 
Vlgnal  berichtet  über  üebertragungsversuche  von  Organfragmen- 
ten tuberculftsen  Müttern   entstammender  Föten   oder  Neugeborener. 


440  Zweiter  Taberculose-Kongreu, 

24  Meerschweinchen,  denen  solche  Organstacke  (in  7°/M  sterilisirter  Koch- 
salzlösung verrieben)  eingeimpft  wurden,  blieben  gesund,  desgleichen 
18  mit  Stücken  von  Placenten  tuberculöser  Frauen  geimpfte,  hiü- 
gegen  gingen  die  mit  den  Organen  oder  dem  Sputum  der  Mütter 
intizirten  Kontrollthiere  an  Tuberculose  zu  Grunde.  In  einer  zweiten 
Versuchsreihe  ging  V.  daran,  direkte  Uebertragung  der  Tuberculose 
von  der  Mutter  auf  den  Fötus  hervorzurufen.  Zu  diesem  Behufe 
wurden  5  weibliche  Meerschweinchen  mit  Tuberkelbacillen  intraperi- 
toneal infizirt.  Von  11  diesen  Thieren  entstammenden  Jungen  win- 
den Leber  und  Milz  19  Meerschweinchen  eingeimpft  Alle  blieben 
am  Leben,  bei  den  getödteten  fand  sich  keine  Spur  einer  tuberculösen 
Veränderung  der  inneren  Organe.  Aus  diesen  Versuchen  schlieft 
V. ,  dass  die  Vererbung  der  Tuberculose  ein  äusserst  seltenes  Vor- 
kommniss  ist. 

Hutlnel  ist  ebenfalls  der  Ansicht,  dass  die  Uebertragung  der 
Tuberculose  von  der  Mutter  auf  das  Kind  in  der  fötalen  Periode 
selten  ist.  In  4  Fällen  hatte  er  Gelegenheit,  die  Placenta  phthisi- 
scher Frauen  und  die  inneren  Organe  der  kurz  nach  der  Gebort 
verstorbenen  Kinder  zu  untersuchen  und  Thieren  einzuimpfen.  Dss 
Resultat  war  stets  ein  negatives.  Der  von  den  Autoren  häufig  an- 
gestellte Vergleich  mit  der  Syphilis  ist  ungerechtfertigt  Bei  der 
Sektion  im  Uterus  oder  kurz  nach  der  Geburt  gestorbener  syphili- 
tischer Föten  finden  sich  häufig  sehr  ausgedehnte  Veränderungen  vor, 
die  nach  der  Geburt  abnehmen  und  zuweilen  selbst  ohne  jede  Be- 
handlung verschwinden.  Tuberculose  Veränderungen  hingegen  kom- 
men bei  Neugeborenen  höchst  selten  vor,  sondern  stellen  sich  erbt 
Wochen  oder  Monate  nach  der  Geburt  ein.  Die  Tuberculose  kommt 
selten  in  den  ersten  Lebenswochen  vor  und  wird  im  späteren  Lebens- 
alter immer  häufiger.  Diese  Thatsache  lässt  sich  mit  der  Annahme 
einer  hereditären  Uebertragung  schwer  in  Einklang  bringen.  Man 
findet  ferner  bei  Sektionen  tuberculöser  Kinder  tuberculose  Drüsen- 
schwellungen ,  die  scheinbar  mit  keinerlei  visceraler  Veränderung  in 
Zusammenhang  stehen.  Am  häufigsten  trifft  man  dieselben  im  Me- 
diastinum. Bei  genauerer  Untersuchung  findet  man  aber  in  solchen 
Fällen  immer  Läsionen  der  Lunge.  Diese  Mediastinaldrüsenschwel- 
lungen,  die  man  sonst  für  kongenital  hält,  sind  also  eine  erworbene 
Veränderung,  bedingt  durch  das  Eindringen  des  Tuberkelbacillns  in 
die  Luftwege.  Kinder  tuberculöser  Eltern  müssen,  dem  Gesagten 
zufolge,  nicht  notwendigerweise  an  Tuberculose  erkranken,  nament- 
lich wenn  eine  Ansteckung  vermieden  wird. 

Jacobl  (New- York)  berichtet  über  folgenden  von  ihm  im  Jahre 
1861  beobachteten  Fall  von  kongenitaler,  hereditärer  Tuberculose: 
Eine  19-jährige,  an  vorgeschrittener  Phthise  leidende  Frau  starb 
3  Wochen  nach  einer  Entbindung.  Der  im  7.  Schwangerschaft*- 
monate  geborene  Fötus  zeigte  an  der  Leberoberfläche,  in  der  Milz 
und  an  der  rechten  Lungenpleura  zahlreiche  miliare  Knötchen,  die 
sich  bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  als  Tuberkelknötchen  erwie- 
sen. Dieser  Fall  beweist  die  Möglichkeit  der  direkten  Uebertragung 
der  Tuberculose  durch  das  Ei  oder  durch  das  mütterliche  Blut. 


Zweiter  Taberculose-Kongress.  441 

E.  Bernhelm  hat  Junge  von  tuberculösen  Kaninchen  gezüchtet, 
indem  er  sie  gleich  nach  der  Gebart  von  den  Müttern  entfernt  und 
in  günstige  hygienische  Verhältnisse  gebracht  hat.  Keines  von  diesen 
Jungen  ist  tuberculös  geworden.  Es  ergibt  sich  daraus,  dass  der  Tu- 
berkelkeim nicht  vererbt  wird  und  dass  die  Tuberculose  durch  An- 
steckung vermittelt  wird.  In  praktischer  Richtung  lehren  diese  Ver- 
suche, dass  man  die  von  tuberculösen  Eltern  stammenden  Kinder 
gleich  vom  Ansteckungsherde  entfernen  soll. 

Solles  glaubt,  dass  es  die  Sporen  sind,  welche  von  den  Eltern 
auf  den  Fötus  übertragen  werden. 

Häufigkeit  der  Tuberculose  im  ersten  Kindesalter. 

Landouzy  hebt  die  grosse  Häufigkeit  der  Tuberculose  in  den 
ersten  zwei  Lebensjahren  hervor.  Aus  der  Statistik  der  Krippe  des 
höpital  Tenon  ergeht,  dass  fast  ein  Viertel  der  allgemeinen  Sterblich- 
keit durch  Tuberculose  bedingt  ist.  Besonders  bemerkenswerth  ist, 
dass  diese  Angabe  sich  auf  nekroskopische  und  nicht  klinische  Dia- 
gnosen stützen.  Durch  Belehrung  des  Publikums  über  die  Leichtig- 
keit der  Infektion  der  Kinder,  über  die  Gefahren  rohen  Fleisches 
und  ungekochter  Milch  könnte  die  Mortalität  beträchtlich  vermindert 
werden. 

Behandlung  der  Tuberculose  mit  Blutserum. 

H&ieonrt  berichtet  über  59  Fälle  von  Tuberculose,  die  er  mit 
Injektionen  von  Hundsblutserum  behandelt  hat.  Im  3.  Sta- 
dium der  Lungenphthise  blieb  die  Behandlung  erfolglos.  Bei  Lungen- 
schwindsucht im  2.  Stadium,  bei  Gesichtslupus  und  vorgerückter 
Knochentuberculose  trat  eine  erhebliche  Besserung  ein,  die  insbeson- 
dere der  Besserung  der  Verdauung  zugeschrieben  werden  muss.  Hei- 
lung wurde  nur  bei  beginnender  Lungenschwindsucht  beobachtet,  bei 
welcher  keine  Tuberkelbacillen  nachgewiesen  werden  konnten. 

Semmola  (Neapel)  wendet  seit  11  Jahren  Jodoform  in  kleinen, 
aber  fortgesetzten  Dosen  zur  Behandlung  der  Tuberculose  an  und  ist 
mit  den  Ergebnissen  zufriedener,  als  mit  denen  jeder  andern  Behand- 
lung. In  neuerer  Zeit  kombinirt  er  das  Jodoform  mit  Injektionen 
von  Hundeblutserum. 

Klrmlsson  hat  bei  einem  3-jährigen  Mädchen,  welches  an  tu- 
berculöser  Peritonitis  litt,  nach  erfolgloser  Punktion  die  La- 
parotomie gemacht  und  am  visceralen  und  parietalen  Peritoneum 
zahlreiche  Tuberkelknötchen  gefunden.  Nach  einigen  Tagen  sammelte 
sich  die  Ascitesflüssigkeit  wieder  an.  Nun  wurden  Injektionen  von 
Hundeblutserum  angewendet,  unter  deren  Einfluss  die  Flüssigkeit  und 
jede  Induration  verschwand. 

Pinard  hat  frühgeborenen  Kindern  von  tuberculösen  Müttern, 
die  einige  Tage  nach  der  Entbindung  zu  Grunde  gegangen  waren, 
Handeblutserum  injizirt  und  eine  so  auffallende  Wirkung  auf  den 
Allgemeinzustand  wahrgenommen,  dass  er  seither  allen  Neugebo- 
renen mit  einem  Körpergewicht  unter  2  kg  Hundeblutserum 
injizirt.    Die  Resultate  sind  so  vorzügliche,  dass  er  nicht  ansteht, 


442  Zweiter  TuberculoM-Koogrws. 

diese  Behandlung  als  wichtiges  Hülfsmittel  zur  Bekämpfung  der  koo- 
genitalen  Lebensschwäche  anzupreisen. 

Plcq  und  Bertin  haben,  gestützt  auf  die  Immunität  der  Ziege 
für  spontane  Tuberculose,  Ziegenblutserum  Tuberculosen  injizirt 
und  wollen  mit  dieser  Behandlung  merkliche  Besserungen  erzielt 
haben. 

Desgleichen  Bernheim ,  der  Transfusionen  mit  Ziegenblut  vor- 
genommen hat. 

Antituberculöse  Schutzimpfungen  mittelst  Produkten 
des  Bacillus  der  Vogel  tuberculose. 

Courmont  und  Dor  berichten  über  eine  grössere  Reihe  ein- 
schlägiger Versuche.  Ihren  Impfstoff  erhielten  sie  durch  Filtration 
(durch  Porzellan)  flüssiger  Kulturen  von  Bacillen  der  Vogeltubercu- 
lose.  Die  filtrirte  Flüssigkeit  wurde  Thieren  (Kaninchen  und  Meer- 
schweinchen) ins  Blut,  ins  Peritoneum  oder  ins  Unterhautzellgewebe 
injizirt.  Die  Filtrate  der  abgeschwächten  Kulturen  hatteu  keinerlei 
toxische  Wirkung  zur  Folge,  hingegen  riefen  die  Filtrate  der  viru- 
lenten Kulturen  erhebliche  toxische  Wirkungen  hervor. 

In  einer  ersten  Versuchsreihe  wurden  6  Kaninchen  ins  subkutane 
Zellgewebe  und  ins  Peritoneum  mit  den  Produkten  einer  abgeschwäch- 
ten Kultur  von  Vogeltuberculose  geimpft.  Nach  einiger  Zeit  wurden 
diese  Thiere  mit  virulenten  Bacillen  der  Vogeltuberculose  und  nach  7 
Monaten  mit  Bacillen  der  menschlichen  Tuberculose  infizirt.  4  von 
den  6  Kaninchen  blieben  am  Leben  und  zeigten  keine  Spur  von  Tu- 
berculose. In  einer  zweiten  Versuchsreihe  wurde  mit  virulenteren, 
folglich  auch  toxisch  wirkenden  Kulturprodukten  geimpft  und  die 
Kaninchen  nachher  mit  virulenten  Bacillen  (bis  21/*  cem)  auf  intra- 
venösem Wege  infizirt.  Mehrere  von  den  geimpften  Kaninchen  blie- 
ben, trotz  der  grossen  Menge  des  Infektionsmateriales,  vollständig 
gesund.  Aber  auch  die  Thiere,  welche  tuberculose  Veränderungen 
aufwiesen,  haben  von  der  Schutzimpfung  Nutzen  gezogen,  indem  *ii 
später  starben,  als  nicht  geimpfte  Thiere.  Weniger  günstig  waren 
die  Ergebnisse  bei  Meerschweinchen,  bei  welchen  die  subkutane  und 
intraperitoneale  Impfung  vollständig  erfolglos  blieb  und  nur  durch 
intravenöse  Injektion  vaccinirende  Wirkung  erzielt  wird. 

Spontane  Tuberculose  beim  Hunde. 

Chanteinesse  und  Le  Dantec  zeigen  anatomische  Präparate 
von  einem  Falle  von  spontaner  Tuberculose  bei  einem  Hunde.  ß* 
fanden  sich  in  den  verschiedenen  Organen,  in  der  Leber  und  in  den 
Nieren,  weisse,  speckige  Massen  von  der  Grösse  einer  Haselnuss  bis 
zu  jener  einer  wälschen  Nuss.  Diese  weissen,  weicheu  Tumoren 
hatten  ein  sarkomatöses  oder  ein  carcinomatöses  Aussehen;  Impfung 
derselben  erzeugte  bei  Hunden  und  Meerschweinchen  gewöhnliche 
Tuberculose.  Diese  pseudocarcinomatösen  Massen  waren  von  lebende*, 
meist  käsigen  Embryonalzellen  gebildet  und  enthielten  Tuberkel- 
bacillen  in  grosser  Anzahl.  Das  Serum  des  Hundeblutes  besitzt  also 
keine  Immunität  gegen  Tuberculose. 


Zweiter  Taberculose-Kongress.  443 

Ueber  die  Wirkung  gewisser  von  den  Tuberkelbacillen 
erzeugter  chemischer  Substanzen. 

Babes  versuchte  die  toxischen  und  vaccinirenden  Substanzen, 
die  von  den  Tuberkelbacillen  erzeugt  werden ,  zu  isoliren.  Mittelst 
Fällung  mit  Alkohol  oder  Dialyse  (nach  den  Methoden  von  Crist- 
raas,  Roux  und  Yersin,  Brieger  und  Fraenkel)  erhält  man 
komplizirte  Produkte,  welche  die  aus  den  Nährsubstraten. stammenden 
Albuminosen  in  grosser  Menge  enthalten.  Schon  vor  den  Mittheilun- 
gen Koch 's  versuchte  B.  aus  den  Tuberkelbacillenkulturen  ähnliche 
Substanzen  zu  isoliren,  wie  die  aus  anderen  Bakterien  gewonnenen. 
Die  Versuche,  Kaninchen  und  Meerschweinchen  mittelst  Produkten 
von  Vogeltuberculose  zu  immunisiren,  haben  ermuthigende  Resultate 
geliefert.  Im  Verlaufe  dieser  Untersuchungen  konstatirte  B.  eine 
grosse  Analogie  zwischen  der  Vogeltuberculose  und  jener  des  Men- 
schen, obgleich  die  entsprechenden  Krankheitserreger  grosse  Ver- 
schiedenheiten aufweisen.  Ein  konzentrirtes  Glycerinextrakt  oder  ein 
Alkoholpräcipitat  aus  Kulturen  von  Vogeltuberculose  erzeugt  gleich 
dem  Koch 'sehen  Tuberculin  bei  Kaninchen  und  Meerschweinchen 
Fieber,  welches  bei  Anwendung  des  Alkoholpräzipitates  geringer  ist 
Diese  Abschwächung  der  fiebererregenden  Wirkung  ist  noch  ausge- 
sprochener, wenn  man  das  Präzipitat  mit  Chloroform  und  Aether 
reinigt.  Man  erhält  auf  diese  Weise,  wie  dies  Klebs  für  das  mensch- 
liche Tuberculin  nachgewiesen  hat,  eine  selbst  in  hohen  Dosen  wenig 
schädliche  Substanz,  während  die  in  Chloroform  lösliche  Substanz 
sehr  toxisch  ist  und  selbst  in  kleinen  Dosen  Meerschweinchen  unter 
Konvulsionen  tödten  kann.  Vögel  vertragen  grosse  Mengen  des  Mit- 
tels ohue  erhebliche  Steigerung  ihrer  Körpertemperatur.  Sowohl  das 
menschliche  als  auch  das  Vogeltuberculin  wirken  energisch  auf  ge- 
sunde und  tuberculöse  Rinder,  daher  eine  diagnostische  Verwerthung 
der  Reaktion  unmöglich  ist.  Beim  Menschen  hingegen  vermag  das 
Tuberculin  über  das  Vorhandensein  von  Tuberculöse  Aufschluss  zu 
geben,  doch  ist  das  Verfahren  nicht  unschädlich. 

Babes  hat  ferner  bei  tuberculösen  Menschen  das  Koch 'sehe 
Verfahren  angewendet  und  die  lokale  und  allgemeine  Reaktion  selbst 
nach  sehr  schwachen  Dosen  festgestellt.  Ein  Vergleich  der  Reaktion 
bei  Tuberculösen  mit  jener  bei  Leprösen  ergab  folgenden  wesentlichen 
Unterschied:  Die  fieberhafte  Reaktion  ist  bei  den  letzteren  um  12 — 
24  Stunden  retardirt  und  die  lokale  Reaktion  zeigt  sich  erst  mehrere 
Tage  nach  der  allgemeinen.  Bei  Anwendung  sehr  kleiner  Dosen  gegen 
die  menschliche  Tuberculöse  konnte  die  allgemeine  Reaktion  ver- 
mieden werden,  während  die  lokale  noch  hervorgerufen  wurde.  Es 
ergibt  sich  daraus,  dass  die  erstere  nicht  an  die  letztere  gebunden 
ist.  B.  setzt  die  Versuche  zur  Isolirung  der  fiebererregenden  von 
der  spezifischen  Wirkung  fort. 

Arloing  befragt  Babes  über  die  Bereitung  seines  Tuberculins. 

Babes  fasst  die  Darstellungsweise  seines  Tuberculins  in  folgen- 
den Worten  zusammen :  Kondensirung  der  Kulturen  von  Bouillon  der 
Vogeltuberculose  durch  Hitze,  Fällung  mit  Alkohol. 

(Fortsetzung  folgt.) 


444  Neue  Litteratur. 


Neue  Litteratur 

zusammengestellt  von 

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Mibelli,  V.,  Sul  fungo  del  favo.     (Biforma  med.  1891.  p.  817—821.  IL  p.  37— 41  : 
Wermann,  Ueber  Alopecia  areata.    (Korrespdzbl.  d.  ärztl.  Kreis-  u.  Bez.-Ver.  i.  Kooi^r.  < 

Sachsen.  1891.  No.  3    p.  38— 41.) 

Angen  und  Ohren. 

Feiner,  S.,  Ueber  Vaccine-Blepharitis.     (Centralbl    f.  klin.  Med.  1891.   No.  37.   p.  697 1 
—698) 

C.     EntoaoatUehe  Krankheiten. 
(Pinnen,  Bandwürmer,    Trichinen,    Echinokokken,    Filaria,  Oestraslarve,  Ascari»,      j 
Anchylostomum,  Trichocephalus,  Ozyuris.) 

Blanchard,  B.,  Histoire  zoologique  et  me'dicale  des  teniades.  Avec  22  fig.  8°.  Soe. 
d'^dit.  scientif.  Paris.  1891.  3  fr. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mensehen  und  Thieren. 

Tollwuth. 

Fleming,  O.,  The  propagation  and  prevention  of  rabies.     (Veterin.  Journ.    1891-  Sept 

p.  153—163.) 
Grossbritannien.    Verordnung  des  Board  of  Agriculture,  betr.  die  Tollwuth.    Vom  27.  Ja:: 

1891.     (Veröffentl.    des  kaiserl.  Gesundb.- Amtes    1891    No.  30.  p.  455— 456.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Säugethiere. 

A.     Infektiöse  AUgemeinkrankheiten. 

Stand  der  Thierseuchen  in  Norwegen  im  2.  Vierteljahre   1891.     (Veröffentl.  des  kaUerL 

Gesundh. -Amtes.  1891.  No.  80.  p.  453.) 
Verbreitung  von  Thierseuchen  im  Deutschen  Reiche  im  1.  Vierteljahre  1891.     (Aussah' 

(Veröffentl.  des  kaiserl.  Gesuudh. -Amtes.  1891.  No.  30.  p.  451—  452.) 

Tubercalose  (Perlsucht). 

Boeekl,  J.  G.,  Ergebnisse  der  Ermittelungen  Über  die  Verbreitung  der  Tubercul<*| 
(Perlsucht)  unter  dem  Rindvieh  im  Deutschen  Reiche.  Vom  1.  Okt.  1888  bisSO.Sepi 
J889.  (Sonderdr.  a.  d.  Arb.  d.  kaiserl  Gesundh.- Amtes.  Bd.  VII  No.  2/3.J  hoch-*1.] 
77  p.  mit  2  Karten  u.   10  Diagrammen.     Berlin  (Julius  Springer)  1891.  4M. 

I 
Krankheiten  der  Wiederkäuer. 
(Rinderpest,  Lungenseuche,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 
Kälber,  Rauschbrand,  entozootischos  Verkalben.) 

8chneidemühl,  O.,  Bemerkung  zu  dem  Vortrage  über  eine  infectiöse  Kälberpneumon  e 
(Wochenschr.  f.  Thierheilk.  u    Viehzucht.   1891.  No.  30.  p.  293— 294.) 


Neue  Litteratur.  447 


Krankheiten  der  Vielhufer. 
(Rothlauf,  Schweineseuche,  Wildscache.) 

Preussen.     Erlass  des  Ministers  f.  Landwirtschaft  n.  s.  w.f  betr.  die  Verbreitung  von 

Rothlauf  n.  s.  w.  unter  den  Schweinen.     Vom  5.  Juni  1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl. 

Gesundh.-Amtes.  1891.  Ko.  30.  p.  453—454.) 
Rep.-Bez.  Stade.     Bekanntmachung,    betr.  denselben  Gegenstand.     Vom  30.  Juni  1891. 

(Ibid.  p.  454.) 
Smith,  T.,  Zur  Kenntnis»  der  amerikanischen  Schweineseuche.  (Zeitschr.  f.  Hyg.  Bd.  X. 

p.  480—508.)     Frosch,  Entgegnung,  (p.  509—512.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Coioioni,  6.,  La  peronospora  devastatrice  vinta  con  lo  zolfo  vulcanico  di  Oliveto-Citra, 

Salerno.     8°.     p.  22.     Napoli  (Tip.  Giannini  e  figli)  1890. 
Petermann,  A.f    Expenences  sur  les  moyens  de  combattre  la  maladie  de  la  porame  de 

terre.     (Bullet,  de  la  Station  agronom.  de  l'Etat  ä  Gemblouz.  No.  48.) 
Pisi,  G.,  Della  peronospora;  consigli  pratici  agli  agricoltori.     8°.     28  p.     Empoli  (Tip. 

T.  Guainai)   1891.  25  c. 

Schlechtendal,  D.  H.  E.  v.,  Die  Gallbildungen  (Zooceciden)  der  deutschen  Gefässpflanzen. 

p*.  6°.     122  p.     Zwickau  (R.  Zückler)  1891.  2  M. 

Torelli,  T ,  Peronospora  viticola.     8°.     33  p.     Reggio  (Tip.  d.  Artigianelli)  1890. 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwlcke- 
lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koch 'sehe 
Heilverfahren  gegen  Tuberculose. 

Baecelli,  G  ,    La    Hnfa    di  Koch.     (Bullett.  d.  r.  accad.  med.  di  Roma.    1891.    No.  1. 

p.  19—22.) 
Bossoljuboff,  M ,    Kantharidin    und  Natronhydrat    ein  Vorbeugungsmittel  Liebreichs  bei 

Tuberculose  und  anderen  Krankheiten.     8°.     23  p.     Moskau  (J.   N.  Kuschner)  1891. 

[Russisch  ] 

Büchner,  H.f  Ueber  Immunität,  deren  natürliches  Vorkommen  und  künstliche  Erzeu- 
gung.    (Manch,  med.  Wochenschr.   1891.  No.  32,  33.  p.  551—554,  674— 679  ) 

Bujwid,  0.,  Doswiadczenia  na  zwierzetach  z  tuberkulina.  (Gas.  lekarska.  1891.  No.  30. 
p.  582—588.)  '  ' 

Raison,  C,  Tuberculin  •  the  value  and  limitations  of  its  use  in  consumption.  (Journ. 
of  the  Amer.  Med.  Assoc.  1891.  Vol.  IL  No.  8.  p.  105—111.) 

faire,  D.,  Sur  les  inoculations  präventives  de  la  fievre  jaune.  (Compt.  rend.  de  la  soc 
de  biol.  1891.  No.  26.  p.  579—581.) 

örtlicher,  8.  et  Martin»  H.,  Note  sur  les  vaccinations  antituberculeuses.  (Mercredi 
med    1891.  No.  80.  p.  373—375.) 

Kämmerer,  E.  u.  Pfleger,  &.,  Bericht  über  das  Koch'sche  Heilverfahren.  (Mitth.  d. 
Wien,  medic.  Doctor.-Colleg.  1891.  No.  2.   p.  19—24,  31—36.) 

Demperer,  0.  u.  F.,  Versuche  über  Immunisirung  und  Heilnng  bei  der  Fneumokokken- 
infektion.     (Berl.  klin.  Wochenschr.  1891.  No.  34,  35.  p.  833^885,  869—875.) 

Koch's,  R,  Heilmittel  gegen  die  Tuberculose.  12.  Heft.  (Sonderdr.)  gr.  8°.  211  p. 
Leipzig  (Georg  Thieme)  1891.  1,60  M. 

Üddendorp,  H.  W.,  Weitere  Mittheilungen  über  die  von  Prof.  Dr.  R.  Koch  vermeint- 
lich entdeckten,  aber  nicht  bestehenden  Tuberkelbacillen,  den  fundamentalen  Irrthum 
in  seiner  Lehre  von  der  Aetiologie  der  Tuberculose  und  die  Wertlosigkeit  und  die 
Gefahren  seines  Heilverfahrens,  gr.  8°.  30  p.  Groningen  (J.  B.  Wolters)  1891.     1   M. 

Hissen,  F.,  Ein  Vergleich  des  sog.  Sputumseptikainiecoccus  mit  dem  A.  Fränkel'schen 
Pneumonieerreger.     (Fortschr.  d.  Med.  1891.  No.  16    p.  661—668.) 


448 


Neue  Litteratur. 


Hocard,  E.,  Culture  de  la  bacteridie  charbonneuse  dans  la  mamelle  d'une  cherre  Vaccine« 

contre  le  charbon.     (Compt.  rend.  de  la  soc  de  biol.  1891.  No.  26.  p.  €16.) 
Orti*  da  la  Torre,  J.,   £1  remedi  contra  la  tuberculosis   de  B.  Koch;    observaciones  en 

el  lupus.     (Rev.  esper.  de  oftal.,  dermat  etc.  Madrid.  1891.  p.  149 — 155.) 
Popoff,  P.  M.,    Das   Koch 'sehe   Heilmittel   nach   Versuchen   an  Thieren.      (Berl.  kli». 

Wochenschr.   1891.  No.  85.  p.  859—862.) 
Report  on  Dr.  Koch 's  lymph  and  its  action  io  casea  of  leprosy  etc.  Cape  of  Good  Hop*. 

(Reports  on  public  health.  Cape  Town.   1891.  p.  20 — 24.) 
.Saeharjin,  O.  A ,    Ueber    die  Behandlung  der  Tnbercnlose  mit  Tubercnlin.     (BerL  klin. 

Wochenschr.  1891.  No.  80.  p.  787—741.) 
Buhlen.     Er  las»,  das  Tnberculinum  Kochii  betr.     Vom  10.  April  1891.     (Veröffeotl  d 

kaiserl.  Gesundh.-A.  1891.  No.  29.  p.  487.) 
Sohnitsler,  J.t   Erfahrungen    Über  Anwendung  und  Wirkung  des  Tubercnlin   bei    Kehl- 
kopf- und  Lungentuberkulose.     (Internat,  klin.  Randschau.  1891.  No.  13,   14.  p.  497 

—504,  537—540.) 
Schreiber,  J.,  Das  Tuberculin  als  Mittel  zur  Oeflhung  geschlossener  Cavernen.   (Deutscht 

medicln.  Wochenschr.   1891.  No.  87.  p.  1078.) 
Biegmund,  O.,    Die  Stellung   des  Arstes  aur  Tuberculinbehandlung.     (Therapeut.  Mtsk 

1891.  No.  8.  p.  415— 421.) 
Simon,  F.,    De   la  valeur  thlrapeutique   de  la  lymphe  de  Koch.    (Rev.  m4d.  de  l'Eit 

1891.  p.  166—176.) 
Btern,  0.,    Ueber  einige   Injektionsversuche   mit   8toffwechseIprodukten    von   Tuberkel- 

bacillen.     (Berl.  klin.  Wochenschr.  1891.  No.  21.  p.  770—773.) 
Btrebel ,   De  la  valeur  du  liquide  du  Dr.  Koch  au  point   de  vue  de  diagnostiqne  de  U 

tuberculose  bovine.     (Journ.  de  mäd.  väteV.  et  sootechn.  1891.  p.  118 — 116.) 
Thamm,  A.,   Ein    mit   dem  Koch'schen  Mittel   geheilter  Fall  von  Gehirntubercutose  ab 

Complication   von   in    gleicher  Weise  geheilter  Lungentuberkulose.     (Deutsche  med* 

Wochenschr.  1891.  No.  81.  p.  955—956.) 
Tsehistowitsoh,  H ,    Ueber   die  morphologischen  Veränderungen  des  Blutes  bei  den  In- 
jektionen der  Koch'schen  Flüssigkeit.    (Berl.  klin.  Wochenschr.   1891.  No.  84.  p.  855 

—889.) 


Inhalt. 


Originalmittheilungen. 


Braun,  M ,  Bericht  über  die  Fortschritte 
in  der  thterischen  Parasitenkunde.  (Orig.) 
(Fortsetzung),  p.  421. 

Fermi,  Claudio ,  Weitere  Untersuchungen 
über  die  tryptischen  Enzyme  der  Mikro- 
organismen.   (Orig.),  p   401. 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestüte  und  über  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig )  (Fortsetzung), 
p.  408. 

Beinsch,  A.,  Zur  bakteriologischen  Unter- 
suchung des  Trinkwassers.  (Orig.),  p.  415. 

Referate. 

Kayser,  S,  Contribution  k  l'&ude  physio- 
logique  des  levüres  alcooliques  du  lac- 
tose,  p.  418. 

Bpronok,  Zur  Kenntniss  der  pathogenen  Be- 


deutung  des   Klebs-Loeffler'schen  Dipb- 
theriebacillus,  p.  419. 

üntertuehungfmethoden,  Instrumente  ete. 

Helm,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiets 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.) 
(Fortsetzung),  p.  430. 

8ehutaimpfung,  kfinitliehe  Infektions- 
krankheiten, Rntwfa«mnpii«iMnnn|r 
und  Vernichtung  dar  Bakterien 
und  Parasiten. 
Kitasato,    Experimentelle  Untersuchungen 
Über  das  Tetanusgift,  p.  438. 


Originsübariehte  über 
Zweiter   Tubercu  lose-Koogress. 
(Fortsetzung),  p.  439. 

Neue  Litteratur,  p.  444. 


Froinmannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Po  hie)  in  Jona. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

G&Hotr.  Prot  Dp.  Leuckart  m  Professur  Dr.  Lüfter 

In  Leipzig  In  Gntftwald 

herausgegeben  toxi 

Dr.  O.  TJUworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X-  Band.       -o-       Jen»,  den  17.  Oktober  1891.       -o-  No.  14« 

Freie  ftr  den  Band  (26  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Binde. 

— *f    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlungen  nnd  Postanstalten.     ]§«•- 


Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten" 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Eineendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Weiteres  zur  Malariafrage. 
1. 

Einiges  über  kürzlich  erschienene  Arbeiten  Ober  die  Malaria. 
Note  der  Professoren  B.  Grass!  und  R.  Feletti  in  Catania1). 

Vor  Kurzem  erschien  in  den  Annali  d'igiene  sperimen- 
tale  delT  Universita,  di  Roma  (Vol.  I.    No.  I.    Nuova  se- 


1)  Unsere  leisten  in  diesem  Blatte  erschienenen  Mittheilungen  (Bd.  IX.  1891)  hätten 
beiden  müssen:  „Malariaparasiten  in  den  Vögeln  and  Menschen".  Im 
v Orienten  Satse  dieser  MittbeUnngen  hat  eine  Verrückung  der  Wörter  „Laver  an  ia 
D  »  n  i  1  e  w  s  k  y"    und    „Polymitns   malariae  D.'<   stattgefunden  nnd  mfisste  der 


460  Grassi  and  Feletti, 

rie)  eine  Abhandlung  unserer  Kollegen  Celli  und  Sanfelice  in 
Rom  „Ueber  die  Parasiten  des  rothen  Blutkörperchens 
im  Menschen  und  in  den  Thieren".  Mit  Vergnügen  haben 
wir  in  dieser  Abhandlung  eine  partielle  Bestätigung  dessen  gefunden, 
was  wir  bereits  früher  über  die  Malariaparasiten  der  Vögel  veröffent- 
licht hatten. 

Und  in  der  That  haben  auch  Celli  und  Sanfelice  drei  For- 
men von  Parasiten  in  den  Vögeln  erkennen  können,  deren  jede  durch 
verschiedene  Charaktere  kenntlich  ist ;  auch  fanden  sie,  wie  wir,  eine, 
zwei  oder  drei  dieser  Formen  in  ein  und  demselben  Vogel.  (Siebe 
Schlussfolgerung  1  und  2,  Seite  21).  Diese  Formen  stimmen  offenbar 
mit  den  von  uns  Haemamoeba  praecox,  Haemamoeba  re- 
licta  und  Laverania  Danilewsky  benannten  Formen  übereil 
obgleich  die  Verfasser ,  unsere  Benennungen  beiseite  lassend,  sie  mit 
den  Namen  Haemop roteus  A,  B,  C  (Formen  mit  raschem, 
beschleunigtem  und  langsamem  Verlauf)  bezeichnen. 
Ausserdem  bestätigten  sie,  dass  in  den  Freitauben  sich  nur  eine 
Form  (die  Laverania  Danilewsky)  vorfindet,  und  gleich  uns 
haben  sie  den  Kern  auch  in  den  Malariaparasiten  der  Vögel  gesehen, 
die  Reproduktion  der  H&mamöben  beobachtet,  den  Entwickelungs- 
cyklus  der  Laverania  verfolgt,  etc.  Ferner  veröffentlichten  sie  über 
die  Struktur  der  in  Rede  stehenden  Parasiten  Eigentümlichkeiten 
und  Figuren,  welche  wir  schon  seit  Monaten  in  unserer  Mappe  für 
die  ausführliche  Arbeit  bereit  halten.  Dagegen  haben  wir  aus  der 
in  Rede  stehenden  Abhandlung  ersehen,  dass  die  Impfversuche  unserer 
verehrten  Kollegen  in  Rom  Resultate  ergaben,  welche  von  den  unsere: 
verschieden  sind.  Während  wir  erklärten,  dass  es  uns  nicht  gelungen  sei 
die  oben  erwähnten  Formen  von  einem  Vogel  auf  den  andern,  selbst 
wenn  beide  von  derselben  Art,  mit  Erfolg  einzuimpfen,  konnten  un- 
sere Kollegen  zu  folgenden  Schlussfolgerungen  gelangen  (siehe  Schloss- 
folgerungen 3  u.  4,  Seite  21):  Reproduktion  der  in  das  Blut 
eingeimpften  Formen,  nur  von  Vogel  zu  Vogel  ein  uiid 
derselben  Varietät  oder  Art:  natürliche  Immunität 
einiger  Vögel  einer  Varietät  oder  nicht  infizirbarer 
Vogelarten.  Diese  Schlussfolgerungen  sind  von  grosser  Bedeutung 
und  mithin  werden  unsere  Freunde  in  Rom  uns  gestatten ,  die  Ex- 
perimente, auf  welche  sich  dieselben  stützen,  genau  zu  untersuchen, 
selbstverständlich  mit  jener  Ruhe,  welche  einer  wissenschaftliches 
Polemik  geziemt  und  nur  der  Wahrheit  zu  Liebe,  welche  ihnen  ge- 
wiss eben  so  werth,  wie  uns. 

Auf  den  ersten  Blick  scheint  es,  dass  man  den  positiven  Resul- 
taten Celli 's  und  Sanfelice's  grösseren  Werth  zugestehen  müsse, 
als  wie  unseren  negativen  Resultaten.  Geht  man  jedoch  ein  wenig 
tiefer,  so  kann  man  sich  leicht  vom  Gegentheil  überzeugen ,  wie  wir 
gleich  sehen  werden. 


Sau  so  lauten:  „Um  allen  MissYerst&ndnissen  voriubeugen,  bemerken  wir  schon  jetrt» 
dass  unsere  Laverania  Danilewsky  pro  magna  parte  synonym  mit  dem  Polj- 
mitus  malariae  Danilewsky  ist,  und  nicht  mit  den  Himogregmrinen  oder  den 
Pseudovermiculi,  wie  Danilewsky  glaubt.14  i 


Weiteres  iar  Maieritfrage.  451 

Die  Verfasser  experimentirten  mit  zwölf  Steinkäuzen,  und  alle  zwölf 
ergaben  negative  Resultate.  Verfasser  erklärten  dies  mit  der  natür- 
lichen Immunität,  ohne  jedoch  zu  bedenken,  dass  die  im  Frühling, 
Sommer  und  Herbst  an  Malariaorten  gefangenen  Steinkäuze  meisten- 
teils von  den  in  Rede  stehenden  Parasiten  gequält  werden. 

Sie  untersuchten  fünfunddreissig  Freitauben,  fanden  deren  neun- 
undzwanzig infizirt  und  mussten  mithin  die  Inokulation  auf  die  übri- 
gen sechs  beschränken:  In  dreien  dieser  sechs  Tauben  hatten  sie 
abermals  negative  Resultate,  in  den  übrigen  drei  jedoch  Resultate, 
welche  von  ihnen  für  unbestreitbar  positiv  gehalten  werden.  Kann 
man  dies  Experiment  aber  wirklich  für  genau  halten?  Es  war  natürlich 
zu  vermuthen,  dass,  wenn  nicht  alle,  doch  wenigstens  einige  der  sechs 
unter  fünfunddreissig  untersuchten  und  gesund  gefundenen  Freitauben 
die  Infektion  bereits  latent  in  sich  haben  konnten !  Sowohl  bei  den 
Vögeln  wie  bei  den  Menschen  geschieht  es,  dass  man  das  peripherische 
Blut  derselben  manchmal  wochen-  und  monatelang  untersucht  und  es 
stets  frei  von  Malariaparasiten  findet1),  um  es  dann  plötzlich,  eines 
schönen  Tages,  bedeutend  infizirt  zu  sehen.  Man  hätte  demnach  das 
Blut  der  sechs  zu  prüfenden  Tauben  wenigstens  vierzehn  Tage 
lang  untersuchen  müssen,  und  die  Inokulation  hätte  sich  nur  auf 
drei  derselben  beschränken  dürfen,  um  die  übrigen  drei  als  Gegen- 
probe gebrauchen  zu  können. 

Celli  und  Sanfelice  haben  sich  dagegen,  sowohl  für  diese, 
wie  für  die  anderen  Experimente,  die  wir  später  mittheilen  werden, 
damit  begnügt,  die  Untersuchung  des  Blutes  der  experi- 
mentirten Vögel  einige  Tage  vor  und  nach  der  Inoku- 
lation zu  kontrolliren. 

Sie  Hessen  mithin  dem  Zweifel  Eingang,  dass  die  Infektion  der 
Inokulation  vorangegangen,  und  dieser  Zweifel  wird  durch  den  Um- 
stand, dass  man  in  einer  Taube  schon  zwei  Tage  nach  der  Inokula- 
tion (die  Inokulation  wurde  am  elften  vorgenommen  und  die  In- 
fektion am  vierzehnten  bewahrheitet)  eine  reichliche  Infektion 
beobachten  konnte,  beinahe  bestätigt.  In  der  zweiten  Taube  be- 
obachtete man  die  Infektion  schon  am  vierten  Tage  nach  der  Inoku- 
lation und  nur  in  der  dritten  Taube  erst  am  fünften  Tage.  Da 
auch  Celli  und  Sanfelice  in  den  Tauben  nur  die  parasitäre 
Form  mit  langsamer  Entwickelung  vorgefunden  haben,  ist  es  sehr 
natürlich,  die  Entwickelung  einer  starken  Infektion  nur  zwei  Tage 
nach  der  Inokulation  für  allzu  rasch  zu  halten. 

Mit  den  Feldlerchen  machten  unsere  Verfasser  zwölf  Experimente, 
deren  neun  negative  Resultate  ergaben,  während  drei  von  ihnen  für 
positiv  erachtete  Resultate  lieferten ;  in  zweien  dieser  drei  Fälle  fand 
keine  genaue  Reproduktion  der  inokulirten  Form  statt.  In  einem  dieser 
zwei  Fälle  war  das  inokulirte  Blut  zwei  Tage  hintereinander  unter- 
sucht worden.  Auch  für  diese  Experimente  fehlt  der  Beweis,  dass 
die  inokulirten  Lerchen  wirklich  immun  waren.     Die  von  den  Ver- 


1)  Ob  in  diesen  Fallen,  bei  bedeutender  Verlängerung  der  Untersuchung  und  häu- 
figer Wiederholung  derselben,  man  nicht  dazu  gelangen  könnte,  einen  Malariaparasiten 
vorzufinden,  ist  ein  Umstand,  welchen  wir  nicht  entscheiden  können. 

29* 


452  Grassi  and  Feletti, 

fassern  beobachtete  Reproduktion  einer  von  der  iuokulirten  verschie- 
denen Form  (und  dies  im  Widerspruche  dessen,  was  sich  im  Men- 
schen bewahrheitet),  bestätigt  unsere  ernsten  Zweifel. 

Vier  Impfungen  von  Freitauben  auf  Haustauben,  sowie  auch  die- 
jenigen von  Freitauben  auf  Turteltauben,  auf  Nebelkrähen  und  Stein- 
käuze, oder  von  Steinkäuzen  auf  Feldlerche  und  Sperling,  oder 
schliesslich  von  Feldlerchen  auf  Schleiereulen  blieben  säinmüich  negativ. 

Um  diese  letzte  Experimentenserie  richtig  schätzen  zu  können, 
ist  es  nöthig,  zu  bemerken,  dass  die  Verff.  in  den  Turteltauben  uno 
in  den  Nebelkrähen  niemals  Malariaparasiten  vorfanden,  dass  sie  nur 
mit  zwei  Schleiereulen  experimentirten  und  dass  auch,  wie  schoL 
weiter  oben  gesagt,  viele  Inokulationen  von  Steinkauz  auf  Steinkauz 
und  von  Lerche  auf  Lerche  misslangen1;. 

Wir  können  somit  nicht  umhin,  die  Experimente  Celli's  und 
Sanfelice's  für  unvollständig  zu  halten.  Dnd  dies  um  *> 
mehr,  wenn  man  bedenkt,  dass  wir  mit  24  Tauben  experimen- 
tirten und  stets  nur  negative  Erfolge  erzielten.  Viele  andere  vo:. 
Herrn  Prof.  Di  Matt  ei  gemachte  Versuche  blieben  ebenfalls  er- 
folglos, trotzdem  dass  sämmtUche  von  uns  und  von  Di  Mattei  ab- 
gestellten Experimente  entweder  mit  den  von  Celli  undSanfelice 
vorgeschriebenen  Vorsichtsmassregeln  vorgenommen  wurden,  oder  da< 
Blut  direkt  in  die  Venen  eingeführt  wurde. 

Wir  leugnen  mithin,  dass  die  Reproduktion  der 
von  Vogel  auf  Vogel  derselben  Varietät  inokulirteu 
Malariaparasiten   bewiesen  sei. 

Wovon  hängt  nun  diese  fehlende  Reproduktion  ab?  A  priori 
muss  man  annehmen,  dass  eine  Reproduktion  wenigstens  von  Vogel  zu 
Vogel  derselben  Art  möglich  ist,  wie  dies  auch  die  so  leicht  gelingenden 
intravenösen  (Celli  etc.)  und  subkutanen  (Gerhardt  undCalan- 
d r  u  cci  o)  Inokulationen  beim  Menschen  glauben  lassen.  I n  W  irk- 
lichkeit  hat  sie  sich  aber  bis  jetzt  noch  nicht  bewahrheitet  und 
ist  die  Erklärung  dafür  vielleicht  in  der  Anatomie  des  Vogels  zu 
suchen.  Jedenfalls  muss  man  zugeben,  dass  man  vielleicht  mit  Hülfe 
einer  verbesserten  Methode  und  beharrlicher  Fortsetzung  von  Unter- 
suchungen in  grossem  Massstabe  zu  positiven  Resultaten  gelangen  kann. 

Für  jetzt  aber  sind  die  Schlussfolgeruugen  Cellis  und  Sanfe- 
lice's nicht  annehmbar,  und  bleiben  mithin  auch  deren  Induktionen, 
welche  die  Immunität ,  den  Unterschied  der  Parasitenarten  für  jede 
einzelne  Varietät  oder  Vogelart,  je  nach  dem  von  den  Verff.  be- 
haupteten Erfolg  oder  Misserfolg  der  Impfungsversuche  anbelangen, 
unbegründet  *).  

Bis  jetzt  sprachen  wir  nur  von  Formen  von  Malariaparasiteo 
und  vermieden,  deren  Determination  oder  Klassifikation  zu  berühren 
Da  auch  in  dieser  Beziehung  unsere  Schlussfolgerungeu  sehr  von  deo- 

1)  Wie  viele  Feldlerchen,  Sperlinge  etc.  von  den  Verff.  inokulirt  wurden,  habet 
wir  nicht  erfahren  können. 

2)  Selbst  wenn  man  die  oben  referirten  Experimente  so  erklären  wollte,  wie  die* 
Celli  nnd  Sanfelice  wfluschen,  könnte  man  doch  noch  nicht  als  nothwendige  Folge 
derselben  annehmen,    dass  die  Mondsichel   des  Sperlings  s.  B.    verschieden   von  denen 


Weiteres  znr  Malariafrage  453 

jenigen  Celli 's  und  Sanfelice's  abweichen,  werden  wir  uns  nun 
ein  wenig  näher  auch  mit  diesem  Punkte  beschäftigen. 

Im  Grossen  und  Ganzen  vereinigen  Celli  und  Sanfelice 
Arten,  welche  wir  für  verschieden  halten,  und  trennen  solche,  welche 
wir  für  unzertrennbar  halten. 

Wir  haben  weiter  oben  bereits  angedeutet,  dass  sie  auf  Grund 
ihrer  von  ihnen  theils  für  positiv,  theils  für  negativ  gehaltenen  In- 
okulationsresultate glauben,  dass  die  Malariaparasiten  der  Vögel 
eben  so  viele  verschiedene  Arten  aufweisen,  wie  es  Varietäten  oder 
Arten  von  Vögeln  gibt,  in  welchen  sie  sich  befinden.  Diese  Parasiten- 
arten verlieren  den  Hauptgrund  ihres  Daseins,  wenn  man  mit  uns 
annimmt,  dass  auch  die  von  den  Verfassern  für  positiv  gehaltenen 
Resultate  in  Wirklichkeit  negativ  sind. 

Gehen  wir  nun  zu  anderen  Thatsachen  über: 

Und  zwar  ist  es  jetzt  nothwendig,  auch  die  Frösche  in  Betrach- 
tung zu  ziehen,  indem  wir  mittheilen,  was  theils  von  einem  von  uns 
allein  (GrassiJ,  theils  unter  Mitarbeiterschaft  von  Dr.  Calan- 
druccio  bewahrheitet  wurde. 

In  einem  Zusatz  unserer  letzten  in  diesem  Blatte  veröffentlichten 
Xote  glaubten  wir  schon  in  den  Blutkörperchen  der  Frösche  drei  ver- 
schiedene Protozoen  unterscheiden  zu  können,  und  werden  nun  hier 
diesen  Punkt  ein  wenig  weiter  entwickeln. 

Celli  und  Sanfelice  bestätigten  für  die  Frösche  die  Schlüsse 
Kruse's. 

Sie  sahen:  1)  die  kleinen  Drepanidien  (Haemogregarina, 
Pseudovermiculus)  (Fig.  12,  13,  14  und  15  Tafel  I  der  Ab- 
handlung von  Celli  und  Sanfelice);  2)  die  grossen  Drepa- 
nidien (Fig.  16,  17  und  18  id.)  und  3)  die  häufig  eiförmig 
verlängerten  oder  auch  rundlichen  Formen  mit  einigen  glänzenden 
and  ziemlich  grossen  Körnern.  Diese  dritte  Form  erscheint  wie  ein 
weisser  Flecken  im  Felde  des  rothen  Blutkörperchens;  bei  Unter- 
suchung ohne  Beagentien  zeigt  sie  keinen  Kern  und  trifft  man  sie 
leicht  auf  dem  Wege  der  Segmentation  (Fig.  1*  bis  11»  id.). 

Diese  1.,  2.  und  3.  Form  gehören  nach  Kruse,  Celli  und 
Sanfelice  einer  einzigen  Art  an.  Wir  dagegen  behaupten,  dass 
sie  drei  verschiedenen  Arten  angehören  müssen,  deren  zwei  vielleicht 
eine  von  den  malarischen  Formen  fernstehende  Gattung  repräsentiren. 

Die  Charaktere  einer  jeden  dieser  drei  Arten  gehen  zum  grössten 
Theil  schon  aus  den  Abhandlungen  der  citirten  Verfasser  hervor,  und 
sollen  wir  hier  nur  noch  bemerken,  dass  die  kleinen  in  den  rothen 
Blutkörperchen  beobachteten  Drepanidien  eigenthümliche  charakte- 
ristische, protoplasmatische  Verdickungen  aufweisen,  deren  eine  sich 
vor,  die  andere  hinter  dem  Kern  befindet;  die  Bedeutung  dieser  Ver- 
dickungen ist  uns  bis  jetzt  entgangen. 

Wir  besitzen  heute  noch  6  in  Glasgefässen  lebende  Frösche, 
welche  Ende  des  Monat  Oktober  1890  nur  von  den  grossen  Dre- 
panidien  infizirt    gefunden    wurden;    diese    Frösche    erhielten    sich 


<kr  Taub«  seien.     Der  Grund  des  Nichtgelingens  des  Experimentes  könnte  im  Blute  zu 
finden  sein,  welches  man  zusammen  mit  den  Parasiten  einimpft. 


454  Kiedeltr, 

diese  ganze  Zeit  hindurch  vollständig  unverändert,  ohne  dass  in 
ihnen  jemals  eine  der  anderen  beiden  Formen  erschienen  wäre;  man 
kann  sogar  annehmen,  dass  in  ihnen  die  Zahl  der  grossen  Drepanidien 
nicht  einmal  gewachsen  ist  Wir  besitzen  ausserdem  noch  viele  andere 
Frösche,  welche  seit  ein  bis  drei  Monaten  uns  stets  nur  grosse  Dre- 
panidien darbieten.  Wir  können  hier  in  der  Umgebung  Catanias 
sechs  Orte  (Brunnen,  Teiche,  laufende  Wasser  etc.)  angeben,  in  welchen 
die  Frösche  nur  von  diesen  Parasiten  infizirt  sind;  unsere  Beobach- 
tungen währen  seit  4,  5  und  6  Monaten.  In  keinem  Falle  haben 
wir  bis  jetzt  grosse  Drepanidien  zusammen  mit  den  anderen  Formen ! 
finden  können.  In  Locate  Triulzi  (in  der  Nähe  von  Mailand)  fehlt  i 
das  grosse  Drepanidium  und  wie  es  scheint  auch  in  Deutschland.1 

(Fortsetzung  folgt.) 


Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgestüte  und  über 
den  Krankheitserreger  derselben. 

Von 

Dr.  Fiedeler, 

Kreisthierarzt  in  Breslau. 
(Schi  um.) 

Von  diesen  Platten  wurden  von  Zeit  zu  Zeit  neue  Platten  an- 
gelegt, welche  immer  wieder  denselben  charakteristischen  Befund 
lieferten. 

Maus  21  und  22  waren  am  22.  Februar  —  nachts  —  gestorben 
und  lieferten  durchaus  den  eigenartigen  Befund. 

Aus  dem  Herzblute  derselben  wurden  angelegt:  je  2  Platten. 

Nur  in  einer  Verdünnungsplatte  war  nichts  gewachsen,  die  übri- 
gen zeigten  das  charakteristische  Bild. 

Ebenso  eigenartig  war  der  Befund  bei  Maus  23  und  24,  welche 
am  23.  bezw.  24.  Februar  —  Nachts  —  gestorben  waren. 

Aus  dem  Herzblute  von  Maus  23  und  24  wurden  angelegt:  je 
2  Platten  und  1  Gelatinestich. 

Die  Platten  von  Maus  23  gediehen,  der  Stich  blieb  steril 

Am  28.  Februar  —  9  Tage  nach  dem  Tode  —  wurden  von  dem 
Blute  des  Impfpferdes,  welches  unendlich  zahlreich  unsere  charakte- 
ristischen  Bakterien  ohne  fremde  Beimischungen  enthielt  und  frei 
von  jeglichem  Fäulnissgeruche  war,  angelegt:  3  Platten. 

Die  Kolonieen  wuchsen  ausserordentlich  zahlreich,  die  Platten 
waren  geradezu  wie  besät,  auch  die  Verdünnungsplatten,  und  an* 
scheinend  ohne  fremde  Beimischungen. 

Von  diesen  Platten,  wie  auch  von  den  Mäuse-Platten,  wurde  ver- 
schiedene Generationen  hindurch  fortgezüchtet  und  immer  wieder  das- 
selbe Ergebniss  erreicht. 


Ceber  dlt  Brnstseuche  im  Koitler  Landgeetfite. 

7.  Impfpferd. 


456 


Longen 


Blut  (frisch).       Blut  (3  Tage  alt).      Blut  (9  Tage  alt). 


/ 

A 

/ 

3  Platten. 

\ 

1 

8  Platten. 

M.  23.     H.  24. 

8  Platten. 

i 

M. 

21. 

M. 

22. 

3  Platten 

3  PL 

itten 

8  PL       3 

PL 

8  PL 

n.  ».  w. 

1 

PI. 

8 

PL 

U.   8.   W. 

U.   8.    W. 

1 

8  PL       3  PL 

n.  a.  w.    u.  s.  w. 

8 

PL 

8 

PI. 

u.  a. 

w. 

u. 

B.  W. 

Demnach  ist  es  gelangen,  durch  Impfung  von  Reinkulturen, 
welche  aus  dem  Blute  eines  mit  Brustseuche  behaftet  gewesenen 
Pferdes  stammten  und  so  von  allen  fremden  Beimischungen  befreit 
waren,  bei  einem  Thiere  derselben  Art  eine  Krankheit  zu  erzeugen, 
welche  sowohl  in  ihren  pathologischen  als  anatomischen  Erscheinun- 
gen mit  der  Brustseuche  übereinstimmt. 

Dass  die  Bakterien  thats&chlich  die  Krankheitserreger  gewesen 
sind,  geht  sowohl  aus  dem  Krankheitsverlaufe,  wie  aus  der  Thatsache 
hervor,  dass  aus  den  Krankheitsprodukten  der  Lungen  und  der 
Lymphdrüsen  und  aus  dem  Blute  des  Impfthieres  wiederum  Bakterien 
gezüchtet  werden  konnten,  welche  mit  jenen  in  Form,  Wachsthum 
und  sonstigen  Eigenschaften  völlig  übereinstimmten. 

Eg  wurde  eine  mortifizirende,  infektiöse  Brustfell-Lungenentzün- 
dung erzeugt,  welche  wegen  der  oberflächlichen  Lage  einiger  nekro- 
tischer Herde  durch  Durchbruch  in  die  Brusthöhle  Brustfellentzün- 
dung und  ihre  Folgezustände  erzeugt  und  dadurch  voraussichtlich  in 
kurzer  Zeit  den  Tod  des  Thieres  verursacht  hätte,  wenn  nicht  die 
Tödtung  des  Thieres  früher  erfolgt  wäre. 

Die  Lungenentzündung  war  ferner  infektiöser  Art,  weil  die  Bak- 
terien ihren  Weg  in  die  Blutbahnen  und  Lymphdrüsen  gefunden 
hatten  und  deshalb  auch  ohne  Untersuchung  angenommen  werden 
kann,  dass  die  grossen  Parenchyme  ebenfalls  in  den  Krankheitspro- 
zess  hereingezogen  gewesen  sind. 


456  Fiedeler, 

Es  ist  damit  auch  die  dritte  Koch 'sehe  Forderung  erfüllt,  und  da- 
mit der  Beweis  erbracht,  dass  die  aufgefundenen  und  beschriebenen 
Bakterien  thatsächlich  die  Krankheitserreger  der  Brustseuche  im 
Koseier  Landgestüte  gewesen  sind. 

Durch  die  Gram 'sehe  Methode,  wie  sowohl  bei  Blut-  wie  Lun- 
genbakterien mehrfach  nachgewiesen  wurde,  trat  Entfärbung  ein. 

An  der  Fortsetzung  der  Impfversuche,  welche  ich  mit  Pferden 
geplant  hatte,  wurde  ich  zu  meinem  grossen  Bedauern  durch  den 
Umstand  verhindert,  dass  meine  sämmtlichen,  zahlreichen  Reinkul- 
turen, wahrscheinlich  durch  zu  spät  erfolgte  Umzüchtung,  ihre  patho- 
gene  Wirkung  und  bald  darauf  auch  ihr  Fortpflanzungsvermögen 
eingebüsst  hatten,  wie  durch  zahlreiche  Impf-  und  Umzüchtungsver- 
suche  nachgewiesen  wurde.  Es  wurden  1  Pferd  und  8  Mäuse  mit 
grossen  Massen  von  Reinkulturen  erfolglos  geimpft,  und  in  36  Plat- 
ten und  12  Gelatinestichen  war  nicht  eine  einzige,  eigenartige  Kolo- 
nie gewachsen! 

Wenn  sich  indes  mir  wieder  die  Gelegenheit  bietet,  so  werde 
ich  die  Impfversuche  in  der  angegebenen  Richtung  wieder  aufnehmen. 

Schütz  beschreibt  in  seiner  geradezu  klassischen  Abhandlung 
die  Brustseuchebakterien  als  kleine,  ovale  Organismen,  welche  Anilin- 
farben annehmen,  von  einem  gefärbten  oder  ungefärbten  Hofe  um- 
geben sind  und  meistens  einzeln,  selten  zu  zweien  und  zuweilen  in 
Leukocyten,  bis  zu  je  10  Exemplaren,  unter  dem  Mikroskope  nach- 
zuweisen sind.  Sie  werden  durch  das  Gram 'sehe  Verfahren  ent- 
färbt und  vermehren  sich  durch  Theilung.  Unmittelbar  nach  der 
Theilung  sind  sie  breiter,  als  lang,  werden  später  rundlich  und  im 
ausgewachsenen  Zustande  oval.  Sie  wachsen  in  Fleischwasserpepton- 
Gelatine,  in  Fleischbrühe,  auf  Agar  und  Blutserum.  In  Reinkulturen, 
welche  durch  Gelatinestiche  angelegt  wurden,  wuchsen  ihre  Kolonieen 
als  kleine,  kugelige  Rasen,  welche  nicht  zusammenliefen,  die  Gelatine 
nicht  verflüssigten  und  über  den  Stichkanal  nicht  hinauswuchsen, 
also  keine  sog.  Nagelkulturen  darstellten.  Auf  Kaninchen  und  Mäuse 
verimpft,  übten  sie  eine  krankmachende  Wirkung  aus,  Mäuse  starben 
fast  immer  nach  1-  bis  2-tägiger  Krankheit 

Wenn  wir  nun  diese  Bakterien  vergleichen  mit  den  Koseier  Bak- 
terien —  sowohl  mit  den  aus  dem  Blute,  als  auch  aus  den  Lungen 
gezogenen  — ,  so  stellt  sich  eine  fast  völlige  Uebereinstimmung  in 
allen  wesentlichen  Eigenschaften  heraus,  und  ist  deshalb  die  Annahme 
berechtigt,  dass  beide  Bakterien  Bakterien  ein  und  derselben  Art 
sind.  Der  einzige  Unterschied,  welcher  in  der  Dauer  der  Impfkrank- 
heit der  Mäuse  besteht,  muss  als  unwesentlich  bezeichnet  werden, 
da  dieser  Unterschied  in  der  Giftigkeit  der  Organismen  auch  bei 
Bakterien  derselben  Art  vorkommen  kann  und  von  örtlichen  Verbält- 
nissen abhängig  zu  sein  scheint 

Wenn  nun  aber  die  Koseier  Reinkulturen  als  einwandsfrei  gelten 
müssen,  so  müssen  auch  die,  wenn  auch  auf  andere  Art  gewonnenen 
Seh ütz'schen  Reinkulturen  —  bei  der  Uebereinstimmung  der  beiden 
zu  Grunde  liegenden  Bakterien  —  als  einwandsfrei  bezeichnet  werden, 
und  können  besonders  die  von  Baumgarten  gegen  die  Schütz- 
sehen  Reinkulturen  erhobenen  Bedenken  als  stichhaltig  nicht  mehr 
anerkannt  werden. 


Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier  Landgestüte.  457 

Auch  die  von  Hell  aufgestellte  Behauptung  Ober  die  gleich- 
artige Beschaffenheit  der  Brustseuchekokken  einerseits  und  der  Eiter- 
undErysipelkokken  andererseits  kann  als  erwiesen  nicht  mehr  betrachtet 
werden ,  es  müssen  noch  Ergänzungsversuche  auf  anderer  Unterlage 
—  mit  Platten  —  und  darnach  Impfversuche  mit  Pferden  vorgenom- 
men werden,  da  es  doch  nun  erst  erwiesen  werden  muss,  ob  bei  Impfungen 
von  Pferden  mit  Streptokokken  diese  sich  wiederum  als  Plattenrein- 
kulturen aus  dem  Blute  der  Impfthiere  gewinnen  lassen. 

Wenn  man  nun  ferner  erwägt,  dass  die  Koseier  Beinkulturen 
ausschliesslich  von  brustseuchekranken  Pferden  und  die  Schütz- 
schen  zum  grössten  Theile  von  solchen  gezogen  sind,  und  da  wir 
ferner  mit  „Brustseuche"  einen  klinisch  und  anatomisch  wenig  schwan- 
kenden Begriff  verbinden  und  es  anzunehmen  ist,  dass  gleichen  Krank- 
heitsprozessen auch  gleiche  Krankheitserreger  zu  Grunde  liegen,  so 
erscheint  es  nicht  mehr  zweifelhaft,  dass  die  Schütz'schen  und  die 
Koseier  Bakterien  als  die  wirklichen  und  alleinigen  Krankheitserreger 
der  Brustseuche  der  Pferde  zu  betrachten  sind,  und  dass  demnach 
Schütz  das  Verdienst  zukommt,  die  Brustseuchebacillen  zuerst  auf- 
gefunden und  beschrieben  zu  haben. 

Die  Hcll'sche  Forderung,  dass  der  Nachweis  erst  erbracht  ist, 
wenn  erwiesen  wird,  dass  ein  mit  Brustseuchebakterien  geimpftes 
Pferd  die  Krankheit  auf  dem  Wege  der  natürlichen  Ansteckung 
weiterverbreitet  hat,  geht  entschieden  zu  weit  und  steht  auch  in 
Widerspruch  mit  den  Lehren  der  heutigen  bakteriologischen  Wissen- 
schaft 

Wenn  ihre  Erfüllung  nothwendig  wäre,  um  die  Bedeutung  ge- 
wisser Organismen  für  das  Zustandekommen  der  Krankheit  zu  er- 
kennen, so  würde  bis  jetzt  nicht  erwiesen  sein,  dass  die  Tuberkel- 
bacillen  die  Tuberculose,  die  Cholerabacillen  die  Cholera,  die  Typhus- 
bacillen  den  Typhus  u.  s.  w.  hervorrufen,  und  doch  wird  Niemand 
daran  zweifeln,  dass  die  genannten  Organismen  die  wirklichen  Krank- 
heitserreger sind. 

Wenn  wir  ferner  viele  Streptokokken  mit  unseren  jetzigen  Hülfs- 
mitteln  nicht  unterscheiden  können,  so  spricht  dieses  noch  nicht  für 
die  Identität  derselben,  wie  Hell  behauptet  hat.  Diese  Frage  ge- 
hört überhaupt  zu  den  schwierigsten  der  Bakteriologie  und  kann 
selbstredend  nicht  durch  einige  Versuche  entschieden  werden.  Im 
übrigen  möchte  doch  auch  dem  natürlichen  Vorkommen  der  Krank- 
heit etwas  Rechnung  zu  tragen  sein  und  von  diesem  Standpunkte  aus 
möchte  ich  hervorheben,  dass  bislang  —  soweit  mir  bekannt  ist  — 
keine  Beobachtungen  darüber  vorliegen,  dass  durch  die  Berührung 
mit  brustseuchekranken  Pferden  Personen  an  Erysipel  der  Arme, 
des  Gesichts  u.  8.  w.  erkrankt  sind.  Es  erscheint  mir  deshalb  zweifel- 
los, dass  die  weiteren  Forschungen  die  Spezifität  der  Brustseuche- 
kokken ergeben  werden. 

Die  von  Lustig  gezüchtete  und  beschriebene  Reinkultur  No.  6, 
welche  der  Erreger  der  Brustseuche  sein  soll,  weicht  in  wesentlichen 
Eigenschaften  von  den  Schütz'schen  und  Koseier  Reinkulturen  ab. 
Ich  erinnere  nur  an  ihre  Reaktion  auf  die  Gram 'sehe  Färbung,  an 
die  negativen  Impfergebnisse  und  an  ihr  Verhalten,  wenn  sie  sich, 


458  lUrpmann, 

bei  zufälliger  Verflüssigung  der  Gelatine,  zu  Boden  gesenkt  hatten. 
Sie  können  daher  den  Brustseuchekokken  um  so  weniger  zugezählt 
werden,  als  auch  ihre  Züchtungsart  nicht  als  völlig  einwandfrei  be- 
zeichnet werden  kann. 


Praktische  Mitteilungen. 

Von 

Marpmann 

in 

Leipzig. 

Mit  S  Figuren. 

Vorrichtung   zum  Erstarren  der  Giessplattea  durch 

Kälte. 

Der  für  diesen  Zweck  allgemein  benutzte  Eisapparat  hat  seine 
grossen  Nachtheile,  die  in  der  recht  umständlichen  Füllung,  in  der 
Raumerforderniss  und  darin  bestehen,  dass  kaltes  Wasser  nicht  ge- 
nügend kühlt,  Eis  nicht  überall  zu  haben  ist  und  K&ltemischungeo 
wiederum  praktisch,  aber  theuer  sind. 

In  beifolgender  Zeichnung  sind  die  Vorder-  und  Seitenansichten 
eines  Gefrierapparates  gezeichnet,  der  überall  angebracht  und  leicht 
gehandhabt  werden  kann.  Die  Zerstäubungsröhren  d  sind  15  cm 
lang  und  lassen  sich  durch  den  Halter  a  mit  Schrauben  c  anf  jeder 


Fig.  i. 

grösseren  Glasplatte  b  befestigen.  Bei  f  stehen  diese  Röhren  mit 
dem  Aetherspray  in  Verbindung,  i  ist  eine  Filzsohle  zum  Aufsaugen 
des  abtropfenden  Aethers.  Wenn  man  den  Apparat  benutzen  will, 
so  bringt  man  die  Glasplatte  b  auf  den  Nivellirständer,  schraubt  des 
Zerstäuber  durch  a  fest  und  kühlt  die  Platte  durch  2— 3  maliges 
Drücken  der  Gummibirne.  Es  lassen  sich  recht  gut  2  grosse  Platten 
neben  einander  legen,  nach  dem  Guss  kann  nochmals  gekühlt  werden 
und  sind  die  Kulturplatten  binnen  sehr  kurzer  Zeit  erstarrt,  so  dass 
man  dann  die  Platten  in  die  feuchte  Kammer  bringen  kann.  Der 
Apparat  wird  von  Miehe  in  Hildesheim  fabrizirt  und  kann  mit 
dessen  Gefriervorrichtung  für  Mikrotome  verbunden  werden,  da  bei  f 
die  Gewinde  für  beide  Apparate  die  gleichen  sind. 


Praktisch!  Mittheihuigen.  459 

Neue  Kulturzellen. 

In  den  letzten  Jahren  sind  die  Plattenkulturen  mehr  und  mehr 
durch  die  Schalenkulturen  verdrängt.  Beide  Methoden  haben  ihre 
Vorzüge  and  Nachtheile  —  und  somit  haben  beide  ihre  bestimmten 
Anhänger  unter  den  Bakteriologen.  Ein  Nachtheil  der  Glasplatten 
ist  das  leichte  Ablaufen  der  verflüssigten  Kolonieen,  Vorzug  die  be- 
queme Handhabung  beim  Aufschichten  und  beim  mikroskopischen 
untersuchen,  die  Glaschalen  verhalten  sich  genau  entgegengesetzt  und 
eignen  sich  somit  eigentlich  nur  für  verflüssigende  Pilzkulturcn.  Um 
die  Glasplatten  zu  verbessern,  sind  bereits  die  sogenannten  Emaille- 
ränder eingeführt,  doch  bieten  diese  Platten  wieder  nicht  den  Vor- 
theil  der  geschlossenen  Glasschale.  Dieser  Vortheil  kann  nur  da- 
durch erreicht  werden,  dass  man  der  Glasplatte  einen  abgeschliffenen 
Rahmen  aufsetzt,  welcher  durch  eine  zweite  Glasplatte  bedeckt  wird, 
ähnlich  wie  die  Zellen  mit  Kartonzwischenlage. 

In  meiner  Schleiferei  Hess  ich  mir  die  Glasplatten  mit  Streifen 
aus  0,4  cm  starkem  Spiegelglas  einfassen  und  diese  Streifen  auf- 
kitten und  auch  in  der  Muffel  aufschmelzen,  es  entstanden  dadurch 
abgeschlossene  Zellen  von  10 :  12  cm  innerer  Weite,  welche  luftdicht 
durch  eine  aufgeschliffene  Deckplatte  geschlossen  werden.  Diese 
Zellen  eignen  sich  vorzüglich  zur  Kultur,  vereinigen  alle  Vortheile 
der  Glasplatte  mit  der  Petri 'sehen  Schale  und  sind  nicht  zu  theuer. 

Der  Abstand  der  Kolonie  vom  oberen  Dekglas  beträgt  1—2  mm, 
man  kann  daher  mit  Z eis  s,  Objektiv  D  von  4,3  mm  Brennweite,  noch 
besser  mit  Apochromat  von  8  oder  4  mm  Brennweite  die  Spaltpilze 
genau  erkennen.  Apochromat  8,0  gibt  mit  Comp.-Ocular  18  eine 
Vergrösserung  von  560,  dagegen  Apochromat  4,0  mit  18  eine  solche 
von  1125  fach.  Für  die  genaue  Untersuchung  der  Kolonie  dürften 
diese  Vergrftsserungen  wohl  in  allen  Verhältnissen  genügen. 

Um  die  Platten  sicher  zu  stellen  gegen  Verschieben  der  Deck- 
platte, werden  2  Gummibänder  umgelegt,  so  dass  kleine  Packete  ent- 
stehen, welche  sicher  auf  einander  geschichtet  werden  können. 

Die  Zellen  von  15 :  12  cm  Grösse  mit  Deckplatte  aus  Solinglas 
von  circa  1  mm  Stärke  kosten  ungefähr  0,80  bis  1  Mk. 

Thonfilter  für  keimfreie  Filtration. 

Die  Anforderungen,  welche  man  an  einen  guten  Filtrirapparat 
stellen  muss,  sind  „einfache  Konstruktion,  leichte  Sterilisirung  und 
billiger  Preis". 

Die  im  Handel  befindlichen  Filter  wurden  eingehend  untersucht, 
doch  genügte  keiner  meinen  Wünschen,  weshalb  ein  eigener  Apparat 
konstruirt  und  in  einer  grösseren  Anzahl  von  Exemplaren  fertig  ge- 
stellt wurde. 

Versuche  mit  Thon  einerseits  und  Infusorienerde  als  Filtermasse 
andererseits  fielen  zu  Gunsten  des  ersteren 
aus;  die  Zellen  aus  Infusorienerde  bekommen  zu  leicht  Risse  und 
werden  undicht  für  Pilzzellen. 

Die  Thonzellen  worden  ziemlich  weit  gewählt,  innerer  Durch- 
messer circa  2  cm,  Länge  8—12  cm.  Diese  Filter  passen  genau 
in  einen  Scheidetrichter  mit  unterem  Glashahn  und  seitlichem 
Kugelrohr.    Der  ganze  Apparat    ist  circa  30  cm   lang,    kann   im 


460 


Streptokokken. 


WmJtofdUr 


Heissluftbad  sicher  sterilisirt  werden  und 
^  -^  fasst  ungefähr  800  ccm  Filtrat  Das  seit- 
^f.-f^  liehe  Kugelrohr  wird  durch  Watte  abge- 
v^)<y  schlössen,  dann  mit  der  Saugpumpe  verbun- 
den. Die  Bakterienflüssigkeit  filtrirt  leicht 
durch,  kann  durch  den  unteren  Hahn  leicht 
entleert  und  auch  jederzeit  leicht  auf  Keim- 
freiheit durch  eine  Impfprobe  untersucht 
werden.  Beim  Gebrauch  bringt  man  die 
Trichterspitze  entweder  durch  Watte  in  eine 
sterilisirte  Flasche  oder  umwickelt  dieselbe 
mit  Sublimatwatte,  bei  letzterer  Sicherung 
werden  die  ersten  ausfliessenden  Filtrat- 
theile  entfernt,  um  eine  mögliche  Zumisch- 
ung von  Sublimat  zu  vermeiden.  Als  be- 
sonders praktisch  dürfte  die  Aufbewahrung 
im  Filter  hervorzuheben  sein,  weil  man  gerade 
hierdurch  jederzeit  von  dem  Filtrat  ent- 
nehmen kann,  soviel  noth wendig  ist,  und 
auch  umgekehrt  das  Filtrat  lange  Zeit  aufbewahren,  respektive  nach 
dem  Verbrauch  durch  Zufiltriren  ergänzen  kann.  Wenn  der  Apparat 
also  einmal  in  Gang  gesetzt  ist,  soll  ein  relativ  langer  Gebrauch  mög- 
lich sein,  ohne  dass  von  Neuem  sterilisirt  werden  muss. 
Leipzig,  den  11.  Juni  1891. 


Referate. 


Llngelshelm 9  v.,  Experimentelle  Untersuchungen   über 
morphologische,  kulturelle  und   pathogene   Eigen- 
schaften   verschiedener    Streptokokken.      [Aus    dem 
hygienischen  Institut  der  Universität  Berlin.]  (Zeitschrift  für  Hygiene. 
Band  X.  Heft  2.) 
Verf.  unterzog  die  Streptokokken  einer  Prüfung  nach  ihren  kul- 
turellen und  biochemischen   Eigenschaften,  sowie  nach  ihrem  Ver- 
halten zum    Thierkörper,    nahm  auch    Immunisirungsversuche   Tor 
und  machte  schliesslich   Studien  über   Entwickelungshemmung  und 
Abtödtung  der  Streptokokken  durch  chemische  Agentien. 

Das  charakteristische  Kettenwachsthum  tritt  am  besten  in  Bouüloo- 
kulturen  zu  Tage.  Die  Gestalt  der  einzelnen  Kokken  variirt;  meist 
sind  sie  nicht  ganz  rund,  reihen  sich  nach  den  Beobachtungen  des 
Verf.  mit  ihren  breiten  Seiten  neben  einander,  wobei  innerhalb  der 
Ketten  oft  eine  Anordnung  zu  Diplokokken  hervortritt  Die  Grösse 
der  Kokken  schwankt  zwischen  0,3  bis  0,5  /n.  Grössenunterschiede 
in  demselben  Präparate  fand  Verf.  bloss  bei  ganz  alten  Kulturen. 
Eigenbewegungen  der  Kokken  oder  Ketten  konnteer  niemals  wahrnehmen. 
Zuweilen  findet  sich  bei  Streptokokken  eine  sehr  geringe  Neigung 
zur  Kettenbildung,  dagegen  sieht  man  viele  Diplokokken  und  einzelne 
Kokken.    Oft  bilden  selbst  kurze  Ketten  eine  Ausnahme. 

Mit  Rücksicht    auf  diese  verschiedenen  Befunde  unterscheidet 
Verf.  Streptococcus  brevis  und  Streptococcus  longus. 


Streptokokken.  —  Geschwülste.  461 

Die  Hauptergebnisse  der  Untersuchungen  über  das  Verhalten 
der  Streptokokken  in  Kulturen  pr&zisirt  Verf.  nach  seinen  Beobach- 
tungen dahin,  dass  es  zwei  grosse  Gruppen  unter  den  Streptokokken 
gibt,  welche  in  stark  eiweisshaltigen  Nährböden  (Eiter,  Serum)  nicht 
von  einander  zu  unterscheiden  sind,  die  aber  bei  Kultivirung  in 
Bouillon  konstante  Unterschiede  darbieten.  Die  ausschlaggebenden 
Kriterien  sind  hier  makroskopisch :  Vorhandensein  einer  Trübung  des 
Substrates,  mikroskopisch:  die  Kettenlänge.  In  Agarkulturen  sind 
die  beiden  Gruppen  schwer,  leichter  in  Gelatinekulturen  zu 
unterscheiden,  in  denen  die  kurze  Ketten  bildenden  Streptokokken 
eine  geringe  Verflüssigung  bewirken,  die  der  Streptococcus 
longus  stets  vermissen  lässt.  Auf  Kartoffeln  zeigt  nur  der  Strep- 
tococcus brevis  makroskopisch  sichtbares  Wachsthum.  In  bio- 
chemischer Beziehung  ist  diese  Gruppe  zugleich  ausgezeichnet  durch 
ihre  starken  reduzirenden  Fähigkeiten  gegenüber  gewissen  chemischen 
Präparaten. 

Innerhalb  der  beiden  aufgestellten  Hauptgruppen  sind  die  kul- 
turellen Differenzen  sehr  gering.  Bei  den  Streptokokken  der  Gruppe 
Streptococcus  brevis  konnten  quantitative  Unterschiede  der 
leimlösenden  Fähigkeit  konstatirt  werden.  Bei  den  Streptokokken 
der  anderen  Gruppe  zeigen  sich  Verschiedenheiten  in  der  Neigung 
zur  Bildung  fester  Konglomerate  bei  Züchtung  auf  Nährbouillon. 
Ist  diese  Neigung  eine  ausgesprochene,  so  überträgt  sie  sich  auch 
auf  die  von  den  Bouillonkulturen  angelegten  Kulturen  auf  festen 
Nährböden  und  manifestirt  sich  dann  hier  in  der  leichten  Differenzir- 
barkeit  der  einzelnen  Kolonieen. 

Bezüglich  der  Wirkung  der  vom  Verf.  untersuchten  Strepto- 
kokken auf  den  Thierkörper  gibt  er  folgende  Eintheilung: 

Streptokokken. 

nicht  pathogen  pathogen 

Streptococcus  brevis  Streptococcus  longus 


pathogen  für  pathogen  für 

Mäuse  und  Kaninchen  Kaninchen 

a)  Streptoc.  murisepticus  Streptoc. 

b)  8treptoc.  pyogenes  Erysipelatos 

Die  Streptokokken,  die  durch  ihre  hohe  pathogene  Kraft  gegenüber 
Mäusen  auffallen,  sind  jene,  die  sich  durch  ihr  eigentümliches  Ver- 
halten in  Kulturen  (Konglomeratbildung  in  Bouillon)  bemerkbar 
machten.  Durch  besondere  Virulenz  gegenüber  Mäusen  zeichnete 
sich  jener  Streptococcus  aus,  der  kulturell  durch  mangelhaftes 
Wachsthum  auf  Rinderserum  auffiel. 

Mittelst  Injektion  von  mit  Jodtrichlorid  behandelten  Bouillon- 
kulturen von  Streptococcus  murisepticus  gelang  eine  Im- 
munisirung  der  Mäuse  gegen  Impfungen  mit  vollvirulenten  Kulturen. 

Mineralsäuren  erwiesen  sich  als  gleich  wirksam.  Unter  den 
Laugen  tödtete  die  Natronlauge  weit  energischer  ab,  als  Ammoniak 
und  kohlensaures  Natron.  Unter  den  Metallsalzen  steht  als  Desin- 
ficienz  obenan  das  Sublimat,  dann  folgen  Goldkaliumcyanid,  Eisen- 
chlorid und  Kupfer,  das  letztere  mit  ziemlich  geringer  Wirksamkeit 
Als  sehr  brauchbares  Desinficienz  gegenüber  den  Streptokokken  er- 
wies sich  das  Jodtrichlorid,  während  das  Wasserstoffsuperoxyd  hinter 


462  GeschwüUte 

den  gehegten  Erwartungen  zurückblieb.  Karbolsäure  und  Lysol  lie- 
ferten ziemlich  gleiche  Resultate;  geringer  wirksam  waren  Kresol, 
Kreolin,  Rotterin  und  Naphthylamin.  Als  kräftige  Desinfizientien 
erwiesen  sich  Malachitgrün  und  Methylviolett. 

Gegen  Hitze  zeigen  sich  verschiedene  Streptokokken  verschieden 
widerstandsfähig.  Dittricb  (Prag). 

Schleich,  Infektion  und  Geschwulstbildung.  (Dtsch.  med. 
Wochenschr.  1891.  No.  3.) 

Verf.  legt  seinen  Betrachtungen  über  die  Entstehung  der  Ge- 
schwülste mit  Recht  die  klassischen  Arbeiten  Vircho  w's  auf  diesem 
Gebiete  zu  Grunde.  Virchow  hat  in  ebenso  grossartiger  wie  über- 
zeugender Weise  gezeigt,  dass  alle  pathologischen  Vorgänge  des  leben- 
den Körpers  in  der  einzelnen  Zelle  beginnen,  er  hat  die  Veränderungen, 
welche  dabei  im  Zellenleib  vorgehen  und  die  Erscheinungen,  welche 
das  Ergebniss  solcher  Umwandlung  von  vielen  Zellen  in  den  Geweben 
und  Organen  hervortreten  lässt,  so  genau  erkannt  und  beschrieben, 
dass  bisher  niemand  das  Werk  des  grossen  Forschers  in  dieser  Be- 
ziehung anzutasten  vermochte.  In  einem  Punkte  blieb  aber  in  Vi  r  c  h  o  w  s 
Forschungen  eine  Lücke:  er  zeigte  wohl,  wie  das  krankhaft  veränderte 
Organ  sich  dem  blossen  Auge  und  unter  dem  Mikroskop  darstellt, 
er  zeigte  Schritt  für  Schritt  den  Weg,  auf  welchem  dieser  Zustand 
erreicht  worden  war,  er  zeigte  die  ursprünglichen  Veränderungen,  mit 
welchen  die  Krankheit  in  der  einzelnen  Zelle  begonnen  hatte;  er  nahm 
endlich  an,  dass  jene  Veränderungen  die  Folge  von  nutritiven  and 
formativen  Reizen  seien,  aber  er  hat  diese  Reize  selbst  niemals  anders, 
als  in  der  allgemeinsten  Weise  definirt. 

Durch  die  bakteriologische  Wissenschaft  kennen  wir  den  Reiz  für 
die  entzündlichen  Krankheiten,  für  die  Infektionskrankheiten  und  für 
die  infektiösen  Granulationsgeschwülste  in  den  Mikroorganismen ;  die 
Reize  aber,  welchen  gutartige  und  bösartige  Tumoren  ihre  Entstehung 
verdanken,  kennen  wir  noch  nicht 

Nun  erinnert  sich  der  Verf.,  dass  Virchow  das  Wesen  der 
Malignität  von  Geschwülsten  in  deren  Heterologie  gesehen,  ihre  Ent- 
stehungsursache daher  auch  in  heterogenen  Reizen  gesucht  und  endlich 
angedeutet  hat,  dass  hier  ein  Virus  vorhanden  sei,  welches  auf  das 
Matrikulargewebe  der  Geschwulst  in  ähnlicher  Weise  einwirke,  wie 
das  Sperma  auf  das  Ovulum.  Der  Verf.  sucht  zu  beweisen,  dass  ein 
solches  Virus  unter  keiner  Bedingung  in  Bakterien  bestehen  könne. 
Er  meint,  dass  die  grossen  Tumoren,  wie  ihm  jeder  ohne  Weiteres 
zugeben  wird,  etwas  Anderes  sind,  als  die  kleinen  Granulations- 
geschwülste. Diese  seien  nur  Anhäufungen  lympholder  Zellen,  jene 
ganz  neu  gebildete  Gewebe.  Wenn  es  daher  auch  denkbar  sei,  dass 
die  Granulationsgeschwülste  durch  Bakterienwirkung  hervorgebracht 
werden,  so  könne  diese  Entstehungsursache  für  die  grossen  Tumoren 
nicht  angenommen  werden.  „Aus  der  Gesammtbiologie  giebt  es  kein 
einziges  Beispiel  dafür,  dass  durch  Invasion  von  Kokken  oder  Bacillen 
eine  andere,  etwa  höhere  dauerndere  Gewebsproduktion  angeregt  wird, 
als  diejenige,  welche  als  die  Folgezustände  der  Auswanderung  weisser 
Blutkörperchen  oder  der  Bildung  lympholder  Bindegewebszellen  an- 
gesehen werden  muss.<( 


Geschwülste.  433 

Ref.  kann  hierin  keinen  Beweis  für  die  Ansicht  des  Verfassers 
finden.  Warum  soll  eine  unter  Bakterienwirkung  entstandene  An- 
häufung lymphofder  Bindegewebszellen  nicht  der  Beginn  des  Wachs- 
thuras  einer  Neubildung  sein,  welche  sich  organisirt,  ein  bindegewebiges 
Gerüst,  Gefässe  und  dergleichen  aufnimmt?  Womit  beginnen  denn 
Krebsmetastasen  anders,  als  mit  der  Ansiedelung  einzelner  Krebszellen, 
d.  i.  mit  der  Einwanderung  epitheliolder  Gebilde,  welche  sehr  wohl  in 
Folge  von  Bakterieneinfluss  aus  Epithelialzellen  durch  Theiluug  u.  s.  w. 
entstanden  sein  können?  Und  endlich,  kannte  man  denn  vor  der 
Entdeckung  der  Tuberkel-Bacillen  in  der  „Gesammtbiologie  ein  Bei- 
spiel dafür",  dass  eine  noch  so  winzige  Geschwulst,  wie  der  Tuberkel 
ist,  durch  Bakterieneinfluss  entsteht?  Im  Gegentheill  Es  wurde  sogar 
die  Infektionstheorie  der  Tuberculose  überhaupt  vor  Koch's  Ent- 
deckung durch  viele  und  hervorragende  Forscher  bezweifelt.  Ref.  kann 
also  dem  Verf.  nicht  folgen,  wenn  dieser  mit  solchen  Gründen  die 
Unmöglichkeit  einer  parasitären  Entstehung  der  Geschwülste  zu  be- 
weisen sucht. 

Der  Verf.  will  aber  sogar  den  Reiz,  welcher  die  Geschwülste 
hervorbringt,  in  anderen  Vorgängen,  als  der  Bakterienansiedelung 
entdeckt  haben.  Er  findet  ihn  in  der  infektiös  gewordenen  Zelle  selbst. 

Nach  der  Annahme  des  Verf.  hat  jede  Zelle  von  der  Zeugung 
her  einen  bestimmten  Wachsthumstrieb,  durch  den  sie  bis  zu  einem 
gewissen  Grade  wächst.  Während  des  Wachsthums  soll  sie  pathologi- 
schen Reizen  gegenüber  sehr  widerstandsfähig  sein ;  dagegen  befindet 
sie  sich  nach  beendetem  Wachsthum  in  einem  labilen  Zustande;  sie 
kann  absterben,  weiter  leben  oder  endlich  auf  einen  bestimmten  Reiz 
hin  ein  neues  pathologisches  Wachsthum  beginnen,  andere  ähnliche 
Zellen  zu  gleichem  Wachsthum  anregen  und  auf  diese  Weise  die 
Infektionsursache  des  Tumors,  ein  pathologisches  Sperma  für  das 
Matrikulargewebe  werden. 

Dem  Ref.  kann  diese  Annahme  des  Verf.  wenig  einleuchten. 
Zunächst  muss  es  also  doch  noch  ein  besonderer  Reiz  sein,  welcher 
die  erste  Zelle  so  infektiös  macht,  dass  sie  zum  pathologischen  Reiz 
für  neue  Zellen  wird.  Da  der  Verf.  nicht  sagt,  worin  der  ursprüng- 
liche Reiz  besteht,  so  muss  man  wohl  annehmen,  dass  es  irgend  ein 
mechanischer,  chemischer,  thermischer  u.  s.  w.  Reiz  sein  soll  und 
zurückgreifen  auf  den  Schornsteinfegerkrebs,  den  Lippenkrebs  der 
Pfeifenraucher  u.  dgl.  Der  Verf.  selbst  erwähnt  den  Krebs  im  Narben- 
gewebe. Aber  ist  es  da  nicht  eben  so  gut  möglich,  anzunehmen,  dass, 
z.  B.  der  mechanische  Reiz  in  solchen  Fällen  in  mechanischen  Ver- 
letzungen zu  suchen  ist,  welche  Eingangspforten  für  die  fraglichen 
Parasiten  bilden,  oder  dass  das  Narbengewebe  für  die  Entwicklung 
von  Mikroorganismen  günstigere  Bedingungen  bietet,  als  das  gesunde? 
Wenn  die  Frage  der  Aetiologie  von  Geschwülsten  durch  mechanische, 
chemische,  thermische  u.  s.  w.  Reize  beantwortet  werden  könnte,  so 
wäre  sie  wohl  kaum  noch  unentschieden. 

Ferner  ist  es  dem  Ref.  nicht  verständlich  geworden,  warum  nur 
die  ausgewachsene  Zelle  durch  den  Reiz  beeinflusst  werden  soll,  die 
wachsende  dagegen  widerstandsfähig  ist.  Es  wäre  auch  nicht  recht 
einzusehen,  weshalb  der  Verf.  bierin  eine  besondere  Bedeutung  für 
die  Aetiologie  der  Geschwülste  sieht,  wenn  derselbe  jenen  erst  von 


466  Braao, 

eine  ziemlich  tiefe  Kloake,   der  sowohl  die  Vagina  wie  hinter  der- 
selben auch  der  flaschenförmige  Cirrusbeutel  anhängt. 

Der  Ductus  ejaculatorius  ist  sehr  lang,  vielfach  geschlungen 
und  in  der  ganzen  Länge  von  DrOsenzellen  (Prostata)  besetzt;  50 
und  mehr  Hoden  finden  sich  im  Parenchym  und  sind  vor  voller 
Entwicklung  der  weiblichen  Organe  bereits  mit  Sperma  gefüllt. 
Die  enge  Vagina  setzt  sich  in  eine  sehr  lange  und  weite  Samenblase 
fort,  die  in  der  Mitte  des  Gliedes  direkt  mit  dem  Keimleiter  in  Ver- 
bindung tritt  Der  Uterus  besteht  aus  einer  Anzahl  von  Bohren, 
die  anfangs  jederseits  in  einen  fast  kugeligen  Ballen  aufgerollt  sind: 
sowie  derselbe  sich  füllt,  dann  entrollen  sich  seine  Windungen  und 
durchwachsen  das  Glied  in  ganzer  Breite  und  Länge.  Sehr  bald 
gehen  aber  die  Wandungen  des  Uterus  verloren,  so  dass  die  in  Ent- 
wicklung begriffenen  Eier  frei  im  Parenchym  liegen.  Anfangs  nackt 
umgeben  sich  dieselben  einzeln  oder  zu  wenigen  mit  den  in  ihrer 
Nachbarschaft  stark  wuchernden  Parenchymzellen,  die  sich  in  immer 
grösserer  Menge  um  sie  ansammeln  und  eine  selbst  noch  in  den  rei- 
fen Proglottiden  nachweisbare  zellige  Hülle  der  Eierballen  bilden. 
Der  Embryo  selbst  (0,008  mm)  besitzt  sechs  äusserst  feine  und  nur 
wenig  gekrümmte  Häkchen  und  wird  von  zwei  glashellen  Schalen 
umschlossen;  die  innere  liegt  demselben  dicht  an,  während  die 
äussere  in  zwei  zipfelförmige  Fortsätze  ausläuft.  Sowohl  der  Drüsen- 
belag  des  Vas  deferens  wie  diese  eigentümliche  Hülle  um  die  Eier 
sind  bisher  bei  anderen  Gestoden  noch  nicht  gefunden  worden. 

Weniger  ausführlich  sind  die  Mittheilungen  R.  Blanchard's 
(36)  über  die  in  Rede  stehende  Tänie.  Derselbe  erhielt  sein  Mate- 
rial durch  Dr.  P.  Ghevreau  von  Port-Louis  auf  Mauritius,  der; 
vier  Fälle  bereits  publizirt  hat  (45);  immer  handelte  es  sich  um 
Kinder,  doch  fehlen  in  zwei  Fällen  Angaben  über  das  Geschlecht, 
die  beiden  anderen  waren  Mädchen  von  5  Jahren.  In  drei  Falles 
fehlten  alle  Symptome,  welche  auf  die  Anwesenheit  des  Parasiten 
hingewiesen  hätten;  das  vierte  Kind  war  bleich,  abgemagert  und  litt 
an  besonders  Nachts  auftretenden,  krampfartigen  Hustenanfallen,  so- 
wie an  Appetitlosigkeit  Die  eingeleitete  anthelminthische  Kur  för- 
derte drei  Bruchstücke  von  Tänien  zu  Tage  von  16,15  resp.  20  cm 
Länge,  doch  fehlte  der  Kopf.  Wie  die  Untersuchung  der  drei  Stücke 
ergab,  die  zusammen  221  Proglottiden  zählten,  gehören  dieselben 
nach  Blanchard  (36)  zwei  Würmern  an,  von  denen  der  eine  fast 
vollständig  ist;  man  darf  die  Länge  auf  25  bis  30  cm,  die  Zahl  der 
Glieder  auf  200  annehmen.  Die  Ergebnisse  der  anatomischen  Unter- 
suchung sollen  später  mitgetheilt  werden. 

Eine  bemerkenswerthe  Anomalie  von  Taenia  saginata  beschreibt 
R.  Blanchard  (46):  eine  ungefähr  dem  750.  Glied  e  (nach  So  mm  er 's 
Zählung)  entsprechende  Proglottis  ist  zwischen  zwei  normale  Glieder 
eingeschaltet  und  etwas  grösser,  als  diese;  sie  trägt  an  der  Grenze  des 
ersten  und  zweiten  Drittels  des  rechten  Randes  eine  seichte,  bis  in  die 
Mitte  der  Fläche  sich  erstreckende  Einkerbung  und  dahinter,  am  Beginn 
des  hinteren  Drittels,  einen  normalen  Genitalporus,  der  in  Verbin- 
dung steht  mit  einem  normalen  Genitalapparat;  der  linke  Rand 
führt  ebenfalls,  aber  in  seiner  Mitte,  einen  Genitalporus,  der  auch  mit 
einem    normalen  Geschlechtsapparat   in   Verbindung   steht,   nur  ist 


Bericht  über  die  ForUch ritte  in  der  thierUchen  Parasitenknode.  467 

lieser  völlig  umgedreht,  so  dass  der  Dotterstock  kopfwärts  sieht  etc. ; 
eroer  communiziren  die  beiden  Uteri,  welche  schon  die  Seitenäste 
reiben,  mit  einander,  so  dass  ein  einziger  Medianstamm  vorhanden  ist. 
Ueber  die  Helminthen  der  anthropoiden  Affen  wissen 
rir  sehr  wenig;  um  so  dankenswerter  ist  eine  Mittheilung  von  R. 
Jlanchard  (47)  über  die  Cestoden  derselben.  Es  liegen  zwei  neue 
Uten  vor,  welche  zu  der  Gruppe  der  Taenia  perfoliata  unserer 
Jferde  gehören;  diese  löst  Blanchard  in  mehreren  Gattungen  auf, 
vine  derselben  ist  das  Genus  Berti a,  dessen  Diagnose  lautet: 

Kopf  dick,  fast  kuglig,  ohne  Roatellum  und  Haken,  mit  elliptisohen 
feugnäpfen,  welche  zu  zwei,  weit  von  einander  entfernten  Paaren  angeordnet 
»ud.  Hals  kurz,  fast  so  breit,  als  der  Kopf;  Glieder  sehr  zahlreich, 
sehr  kurz,  breit  und  sieh  daohziegelartig  deckend.  Genitalporen  rand- 
ständig, zart,  mehr  oder  weniger  regelmässig  alternirend ;  in  den  reifen  Glie- 
iern  sind  die  Eier  in  mehrere  quergelagerte  Ballen  vereinigt ;  Oncosphaera 
nut  birnformigem  Apparat.     Kntwiokelung  unbekannt. 

Hierher  gehört  Bertia  Studerin.  sp.  aus  dem  Dünndarm 
7ou  Troglodytes  niger  (Chimpanse)  und  B.  satyri  n.  sp.  aus 
dem  Dünndarm  des  Orang  (Simia  satyrus).  Es  ist  bemerkens- 
vrerth,  dass  bei  zwei  geographisch  so  weit  getrennten  Anthropoiden  so 
nahe  stehende  Cestoden  vorkommen,  die  sicherlich  in  der  Heimath  acqui- 
rirt  worden  sind.  Die  Beziehungen  der  Gattung  Bertia  zu  den 
Täoien  anderer  Affen  sind  schwer  zu  präzisiren,  da  letztere  unge- 
nügend beschrieben  sind ;  -soviel  scheint  jedoch  sicher,  dass  sie  sich 
auf  Anthropoiden  beschränkt;  möglich,  dass  sie  auch  beim  Menschen 
in  der  Heimath  des  Orang  und  Chimpanse  gefunden  wird. 

Ueber  einen  gelungenen  Infektionsversuch  einer  6  Wochen 
alten  Ziege  mit  den  Eiern  von  Taenia  margin  ata  berichtet  A. 
Railliet  (94).  Während  der  ersten  8  Tage  zeigten  sich  keine  be- 
sonderen Erscheinungen,  am  9.  Tage  lag  das  Thier  konstant  und 
zeigte  sich  ganz  apathisch ;  gegen  Abend  starb  es.  In  der  Leibeshöhle 
fand  sich  wenig  Blut,  viel  seröse  Flüssigkeit  mit  einigen  hellen  Blas* 
eben;  die  Leber  zeigt  zahlreiche  Hämorrhagieen  und  eine  grosse 
Zahl  von  1—2  cm  langen  Furchen  auf  der  Oberfläche,  die  mit  ge- 
ronnenem Blute  gefallt  sind  und  ein  oder  mehrere  helle  Bläschen 
enthalten.  Die  gleichen  Verhältnisse  zeigten  sich  auch  im  Innern  der 
ganz  brüchigen  Lebersubstanz;  die  anderen  Eingeweide  waren  intakt, 
nur  die  Lunge  wies  auf  ihrer  Oberfläche  einige  Bläschen  auf,  die 
natürlich  nichts  anderes,  als  Entwickelungsstadien  des  Cysticercus 
tennicollis  waren. 

Eine  Beobachtung  von  A.  Railliet  (60)  gibt  die  Lebens- 
dauer des  in  Frankreich  bei  Leporiden  häufigen  Coenurus  seri- 
aHs  auf  mehr  als  2  Jahre  an. 

Ueber  Tänien  der  Vögel  liegen  folgende  Arbeiten  vor: 
C. C r e t y  behandelt  auch  anatomisch  solche  von  Coturnix  commu- 
n"  Bonn.  (Wachtel),  die  er  im  April  und  Mai  1889  und  1890  ge- 
sammelt hat;  er  fand  T.  circumvallata  Krabbe,  T.  infundi- 
bpliformi8  Goeze,  T.  nigropunetata  n.  sp.  und  T.  pluriun- 
cmata  n.  sp.   Von  Linstow  (29)  schildert  den  Bau  seiner  Taenia 


468  Braun, 

puncta  aus  Corvus  corone  and  C.  nebula  —  beide  Arbeiten 
bringen  werth volle  Beiträge  zur  Anatomie  und  werden  dann  ihre 
Verwendung  finden,  wenn  einmal  das  System  der  T&nien  bearbeitet 
werden  wird. 

In  ent wickelungsgeschichtlicher  Beziehung  haben  be- 
sonders die  Kenntnisse  über  die  Tänien  unserer  Wasservögel 
gewonnen,  indem  sowohl  O.  Hamann  wie  AI.  Mräzek  ihre  darauf 
bezüglichen  Untersuchungen  (vergl.  d.  Centralbl.  Bd.  VII.  1890.  pg.  225 
und  Bd.  VIII.  1890.  pg.  628)  fortgesetzt  haben.  Der  Letztere  publizirt 
nun  folgende  Liste  (48): 

1.  Taenia  fas ci  ata  Rud.  in  Anaer  cinereus  and  albifrom; 
Cysticercus  in   Cyclops  agilis  Koch. 

2.  Taenia  tenuirostriß  Rud.  in  Aythia  (Anas)  marila, 
Oidem ia  fusoa,  Mergus  albellus,  Merguß  s errator,  Mergos 
merganser  und  Laras  tridaotylas;  Finne  in  Gyolops  agilis 
Kooh,  G.  pulchellus  und  nach  Hamann  auch  in  Gammarus  pulei. 

3.  Taenia  ainuosa  Zeel  in  Anaer  albifrons,  Anas  bo- 
schas und  acuta,  Fuligula  cristata  und  hrasiliensis; 
Finne  in  Gyolops  viridis  Fisch.,  G.  agilis  Koch,  0.  luci- 
dulus  Koch  und  nach  Hamann  auoh  in  Gammarus  pulex. 

4.  Taenia  gracilis  Kr.  in  Anas  boschas,  acuta  und 
Mergus  merganser;  Finne  in  Cypris  oompressa  Baird 
und  Gyolops  viridis  Fisch.,  daroh  diese  gelegentlich  auoh  in  Barsche 
(Peroa  fluviatilis)  gelangend. 

5.  Taenia  anatina  Kr.  in  Anas  boschas  und  A.  acuta; 
Finne  in  Cypris  oompressa  Baird  und  C.  inoongruens  Bamd. 

6.  Taenia  sp.  ?  nur  der  Finnen  zustand  aus  Gammarus  pulei 
bekannt  =  Cysticercus  Hamanni  Mrazek. 

Noch  zwei  Finnenstadien,  die  sich  wie  die  eben  angefahrten 
durch  ihren  Schwanzanhang  und  ihre  Aehnlichkeit  mit  Cercarien  aus- 
zeichnen, beschreibt  C.  Hamann  (50)  aus  Gammarus  pulex, 
welches  in  allen  Tümpeln  und  Bächen  lebende  Thier  demnach  eine 
wahre  Fundgrube  für  Entwickelungsstadien  verschiedener  Helminthen 
ist.  Die  zugehörigen  Tänien  sind  freilich  noch  nicht  gefunden,  doch 
ist  die  Beschreibung  der  in  ausgebildetem  Zustande  beobachteten 
Finnenstadien  so  genau,  dass  die  definitiven  Stadien  sich  werden  er- 
kennen lassen ;  in  dieser  Voraussicht  kann  man  auch  die  Namen  der 
noch  zu  entdeckenden  Tänien  (T.  bifurca  und  T.  integral 
acceptiren.  In  Bezug  auf  die  Entwicklung  haben  wir  uns  vorzu- 
stellen, dass  die  sich  in  die  Länge  streckende  Oncosphaera  in  einen 
vorderen  kugligen  und  hinteren  schwanzartigen  Anhang  zerfällt;  der 
erstere  höhlt  sich  später  aus  und  stülpt  sich  an  dem  dem  Schwänze 
gegenüberliegenden  Pole  ein;  im  Grunde  der  Einstülpung  findet 
eine  Zellwucherung  statt,  die  sich  allmählich  erhebt,  das  Bostellum 
und  die  Saugnäpfe  entwickelt,  kurz  zum  Scolez  wird.  Dieser  wichst 
bei  den  neuen  Finnen  bedeutend  aus,  so  dass  er  sich  in  dem  Hohl- 
räume in  Windungen  legt. 

Unabhängig  von  Mrdzek  kommt  auch  Blanchard  (51)  zU 
der  Ansicht,  dass  der  Finnenzustand  von  Taenia  gracilis  in 
Ostracoden    lebt,    und    zwar    deutet  derselbe  einen  zufällig  von  Tb. 


Bericht  über  die  Fortschritte  So  der  thierischen  Parasitenkunde.  4ß9 

Scott  (52)  gemachten  Fund  in  Gandona  rostrata  Brady  et 
Uorm.  (von  Edinburgh)  als  die  Finne  von  T.  gracilis  Er. 

Ueber  Cestoden  aus  Reptilien  liegt  uns  nur  eine  Arbeit 
ron  Fr.  6.  Monticelli  und  C.  Grety  (53)  vor,  welche  sich  mit 
Jolenophorus,  Duthiersia  und  ihren  Beziehungen  zu  Bothrio- 
:ephalu&  beschäftigt.  Trotzdem  die  letzteren  gross  genug  sind, 
tonnen  sich  die  Autoren  nicht  entschliessen,  den  Vorschlag  Per  ri  er 's, 
die  drei  Gattungen  zu  vereinen,  anzunehmen,  sondern  trennen  die- 
telben  innerhalb  der  Familie  der  Dibothria  von  den  Bothrio- 
:ephalinae,  Ligulinae  etc.  als  besondere,  diesen  letzteren  gleich- 
rerthige  Subfamilie,  die  sie  S  o  1  e  n  o  p  h  o  r  i  n  a  e  nennen.  Dieselbe  um- 
[asst  die  genannten  beiden  Gattungen  Solenophorus  und  Du- 
thiersia mit  nur  je  einer  Spezies:  S.  megalocephorus  Grepl., 
ra  welcher  alle  übrigen  Benennungen  als  Synonyme  hinzugezogen 
werden,  und  D.  fimbriata  Dies.  =  D.  expansa  Perr.  =  elegans 
Pen*.  Erstere  Art  lebt  im  Darm  von  Python  molurus,  P.  sebae, 
P.  reticulatus,  P.  spilotes  und  Eunectes  scytale,  letztere 
in  Varanus  niloticus  und  V.  bivittatus. 

Ueber  Cestoden  der  Amphibien  ist  uns  keine  Arbeit  zu 
Gesicht  gekommen,  wohl  aber  über  solche  aus  Fischen.  Von 
Linst  ow  (54)  behandelt  die  Anatomie  der  noch  wenig  bekannten 
Fischtänien,  die  sich  durch  den  Mangel  eines  Rostellums  und  der 
Haken  auszeichnen,  und,  so  viel  man  weiss,  eine  ziemlich  gut  abge- 
schlossene Gruppe  unter  den  Tänien  bilden.  Als  Objekt  diente  T.  1  o  n  g  i  - 
colli 8  Rud.,  die  in  verschiedenen  Salmoniden,  auch  in  Osmerus 
eperlanus  lebt.  Der  Geschlechtsapparat  zeigt  folgende  Besonder- 
heiten: Die  Vagina,  welche  in  ihrem  Verlaufe  von  einer  Drüsen- 
schicht umgeben  ist,  liegt  vor  dem  spindelförmigen  Cirrus,  so  dass 
sie,  da  sie  schliesslich  nach  hinten  zieht,  von  dem  quer  durch  das 
Glied  ziehenden  Vas  efferens  gekreuzt  wird.  Die  Zahl  der  Hoden 
beträgt  jederseits  12 — 13;  nach  aussen  von  ihnen,  in  unmittelbarer 
Nachbarschaft  der  Seitennerven,  liegen  die  beiden  langgestreckten 
Dotterstöcke;  die  beiden  Keimstöcke  sind  flaschenförmige  Or- 
gane, während  der  Uterus  einen  grossen,  wenig  gelappten  Sack  dar- 
stellt, der  die  Hauptmasse  der  reifen  Proglottis  bildet.  Die  Finne 
lebt  wie  die  von  Triaenophorus  nodulosus  encystirt  in  der 
Leber  derselben  Arten,  welche  die  erwachsene  Tänie  in  ihrem  Darm 
beherbergen. 

Von  E.  Lönnberg  (27)  erhalten  wir  einige  weitere  Angaben 
über  seinen  Coenomorphus  linguatula  (v.  Ben.)  (vergl.  d.  Cen- 
tralbl.  Bd.  VII.  1890.  pg.  346),  der  nicht  nur  in  Gadus  virens,  son- 
dern auch  in  Trachypterus  arcticus  und  Xiphias  gladius 
vorkommt  Wenn  die  Annahme  richtig  ist,  dass  diese  Larvenform 
schliesslich  zu  einem  Tetrarhynchus  wird,  wofür  noch  weitere 
Anhaltspunkte  gegeben  werden,  so  ist  es  von  Interesse,  dass  dieses 
«fagendstadium  Bothridien  besitzt,  die  denen  der  Bothriocephalen 
sehr  nahe  stehen,  so  dass  man  vielleicht  an  eine  genetische  Beziehung 
denken  kann.  Des  Weiteren  berichtet  derselbe  Autor  über  den  Bo- 
tnriocephalus  plicatus  Rud.,  ebenfalls  aus  dem  Schwertfische, 
und  über  seine  Befestigungsweise  im  Darm ;  die  Würmer  hatten  näm- 
hch  alle  die  Darmwand  durchbohrt  und  verjüngten  sich  an  der  Stelle, 


470     Braun,  Bericht  über  dU  Fortsehritt«  in  der  thlerisehen  Parukenkonde. 

wo  die  Strobila  in  die  Wandung  eintritt,  plötzlich  auf  kaum  mehr 
als  1  mm;  von  diesem  Punkte  an  verlaufen  sie  in  der  Darmwand 
ziemlich  gerade  (1—1,5  cm  weit),  um  dann  unter  Breitenzunahme  des 
Körpers  in  einen  Hohlraum  einzutreten,  wo  der  Best  des  Wurmes 
mit  seinem  Scolex  zusammengeknäult  lag.  Der  Hohlraum  war  von 
einer  dicken,  bindegewebigen  Kapsel  umgeben,  die  auf  der  Aussen- 
fläche  des  Darmes  in  bis  über  1  cm  grossen  Knoten  hervorragte. 

Endlich  weisen  wir  noch  auf  eine  Arbeit  von  R.  Moniez  (55) 
hin,  der  die  bisher  beschriebenen  Bifurkationen  der  Cestoden 
aufzahlt  und  dann  die  Frage  nach  der  Entstehung  dieser  Doppel- 
bildungen erörtert.  Aufzugeben  ist  die  Ansicht  von  Monticelli, 
der  die  Bifurkation  von  einer  vorhergehenden  Fensterung  einer  nor- 
malen Bandwurmkette  und  Ablösung  des  einen  Seitentheiles  ableitet, 
weil  diese  Fensterung  nur  bei  reifen  Gliedern  durch  Platzen  des 
Uterus  stattfindet,  während  sie,  soll  sie  zur  Erklärung  der  Bifurkation 
dienen,  in  ganz  jungen  Proglottiden  auftreten  mflsste;  zu  verlassen 
ist  auch  eine  von  Moniez  selbst  gegebene  Hypothese,  dass  nämlich 
die  Bifurkation  durch  die  Knospung  einer  überzähligen  Proglottis 
entstehe,  weil  diese  selbst  nicht  mehr  knospen  können  —  vielmehr 
müsse  man  annehmen,  dass  die  Anlage  zur  Bifurkation  bereits  in  der 
Knospungszone  der  Strobila,  also  am  Endabschnitte  des  Halses  auf- 
trete, wenn,  vielleicht  veranlasst  durch  eine  centrale  Läsion,  die 
mittlere  Partie  der  Knospungszone  unfähig  ist,  Substanz  zur  neuen 
Proglottis  zu  erzeugen,  während  die  beiden  Seitentheile  produziren. 
Diese  Ansicht  hat  Manches  für  sich,  da  sie  alle  die  verschiedenen 
Modi  der  Bifurkation  erklärt.  In  ähnlicher  Weise  erklärt  Moniez 
auch  das  Auftreten  überzähliger  Proglottiden. 

Ausser  den  bereits  angeführten  sind  an  neuen  Arten  noch 
zu  erwähnen:  Taenia  Medici  Stossich  (31)  im  .Pelekan;  T. 
acridotheridis  C.  Parona  (57)  in  Acridotheres  albocinc- 
tus;  T.  crassiscolex  von  Linstow  (29)  in  Sorex  vulgaris. 

An  neuen  Wirthen  sind  zu  verzeichnen: 

Troohalopteronmelanoatigma  für  Taenia  angu lata  Bad. 
(naoh  G.  Parona  [57]). 

Tachybaptes  flnviatilii  für  T.  multistriata  Rad.  (nach 
Stossioh  [31]). 

Tinnunoulus  alaudarius  für  T.  globifera  BaUoh  (nach 
Stossioh  [81]). 

Canis  aureus  für  T.  ououmerina  Bloch  (ibid.). 

Syrnium  uralense  für  T.  oandelabraria  Goeze  (ibid.). 

Salmo  oarpio  für  Bot hr.  probonoideua  Rad.  (nach  Stossich 
[32]). 

Centrolophuspisoatorius  für  Bothr.  heteropleurns  Dies, 
(ibid.). 

Goturnix  daotylisonans  für  T.  oironmvallata  Pr.  (ibid.). 

Mareoa  penelope  für  T.  fallaz  Pr.  (Stossioh  [82]). 

Himantopus    melanopterus  für  T.    vaginata  Rad.  (ibid.). 

Cirous  aeraginoBUB  für  T.  globifera  Batach  (ibid.) 

Phooa  vitulina  für  Bothr.  hians  Dies.  (Braun  [34]). 

Cottus  poeoilopas  für  8ohistocephaluB  dimorphui 
Crepl.  (Lönnberg  [27]). 


Heim,  Die  Neuerungen  d.  bakt.  Untenuchnngsmethoden  seit  d.  Jahre  1887.    471 

Phoxinui  aphya  für  Ligula  digramma  Crepl.  (ibid.). 
Hyrax  syriaous  für  Arhynehotaenia  oritioa  Pag.  (Bar- 
roi g  [58]). 

(Fortsetzung  folgt.) 


Cfalloway,  B.  T.  and  Fairchild,  D.  €K,  Experiments  in   the 
treatment  of  plant  diseases:  Treatment  of  pear  leaf- 
blight   and   scab   in  the  orchard.     (Journal  of  Mycology. 
VL  No.  4.  1891.  p.  137-142). 
Zur  Bekämpfung  des  Birnblattbrandes,  erzeugt  durch  Entomo- 
sporiummaculatum  L6v.,  und  des  Birnenschorfes,  veranlasst  durch 
Fusicladium  pirinum  (Lib.)  Fckl.,  wurde  der  Werth  verschied  e- 
oer  Kupfersalzlösungen  geprüft  und  die  Wirkung  derselben  bei  ver- 
schiedener Anzahl  von  Bespritzungen  und  bei  früher  oder  später  Be- 
handlung untersucht.    Gegen    die  erstere  Krankheit  hat.  sich  frühe 
Bespritzung  mit  Bordeauxmischung  oder  ammoniakalischer  Lösung 
im  Hai,  und  zwar  drei  Mal  in  Zwischenräumen  von  je  11—15  Tagen, 
als  am  wirksamsten  herausgestellt;  gegen  den  Birnenschorf  auf  den 
Blättern  und  Früchten  empfehlen  die  Verff.  die  erste  Bespritzung  mit 
Bordeauxmischung  zur  Zeit,  wenn  die  Blüthen  sich  zu  öffnen  beginnen, 
und  die  zweite,  wenn  die  Früchte   ungefähr  die  Grösse  einer  Erbse 
erreicht  haben.  Brick  (Hamburg). 


Untersuchungsmethollen,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchuügsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

Ton 

Dr.  L.  Heim, 

k.  b.  Stabsarit   und  PrWatdosenten. 
(Fortfetmng.) 

VI.  Neues  In  und  an  Apparaten» 

Mikroskop.  Einen  grossen  Fortschritt  machte  die  Mikroskop- 
fabrikation in  den  letzten  Jahren  unter  Abbe-Zeiss  durch  Berech- 
nung bezw.  Herstellung  von  Linsen  aus  eigenthümlichem  Glasfluss, 
den  sog.  Apochromaten,  welche  selbst  hohe  Okularvergrösserung  ohne 
Beeinträchtigung  der  Helligkeit  und  Schärfe  des  Bildes  vertragen. 
In  der  Folge  hat  die  Suche  nach  einer  als  Immersionsflüssigkeit  ver- 
wendbaren Substanz  von  grossem  Brechungsvermögen  zum  Mono- 
bromnaphthalin   geführt.    Dazu    hat  Abbe    ein    System   berechnet 


472  H«im, 

und  Zeiss  ausgeführt,  welches  wegen  seiner  hohen  numerische^ 
Apertur  (fast  1,60)  selbstredend  auch  die  Verwendung  von  Objekt 
und  Deckgläsern  aus  besonderem  (Flint-)  Glas  mit  höherem  Brechung* 
index  erfordert  (van  Heurck;  Czapski1). 

Um  lebende  Bakterien  unter  dem  Einfluss  höherer  Temperatv 
stets  beobachten  zu  können,  hat  man  bis  vor  verhältnissmässi 
kurzer  Zeit  sich  der  heizbaren  Objekttische  bedient,  von  welche 
u.  a.  Babes  (0.  4.  23)  eine  Konstruktion  beschrieben  hat  Jeti 
stellt  man  viel  zweckmässiger  das  ganze  Mikroskop  in  einen  m 
den  nöthigen  Fenstern,  eventuell  auch  OeflFhungen  zur  Manipulatio 
auf  dem  Objekttisch  versehenen  Kasten,  aus  welchem  nur  Tubus  ud 
Mikrometerschraube  heraussehen.  Derartige  Umkästen  haben  K 1  e  b  s  * 
L.  Pfeiffer8)  (aus  Holz),  Nuttall4)  (mitjdoppelten  Metallwändeij 
beschrieben,  Plehn5)  benutzte  zu  seinen  Malariastudien  eine  dei 
artige  Vorrichtung  in  Gestalt  eines  kleinen,  vorn  mit  doppelt« 
Glaswand  versehenen  kleinen  Brutschrankes,  durch  dessen  abhefa 
baren  Deckel  Tubus  und  Stativsäule  des  Mikrokops  gehen,  und  I 
Friedrich  demonstrirte  gelegentlich  des  vorjährigen  Kongresse 
(Ausstellung  des  Kaiserl.  Ges.-Amtes)  einen  nach  seiner  Angabe  vo 
G.  König  gelieferten,  hübschen  und  zweckdienlichen  Wännekastd 
mit  doppelter  Kupfer  wand  zur  Aufnahme  von  erwärmtem  Wasser 
Holzverkleidung,  geeigneten  Fenstern  und  verschliessbaren  Oeffnungeq 
deren  eine,  für  die  einzuführende  Hand  bestimmt,  auch  mit  einen 
kleinen  Objektverstellungsapparat  versehen  werden  kann. 

Von  kleineren  Verbesserungen  des  Mikroskops  sind  die  Einrieb 
tungen  zum  Zählen  von  Koloniecn  bezw.  Bakterien  mittels  Einsetzen: 
kleiner  quadratförmiger  Figuren  ins  Okular  zu  nennen;  Buchnei 
(0.  2.  3)  liess  eine  solche  in  Form  eines  doppelten  Fadenkreuzes  an- 
bringen, Preyss6)  legte  eine  Glasscheibe  mit  eingravirtem  Quadrat« 
ein.  Ferner  sei  die  recht  brauchbare  Modifikation,  welche  durcl 
Einführung  der  Irisblende  erfolgte,  erwähnt,  sowie  der  von  v.  Sehlen7] 
angegebene  Reagirglashalter,  bestehend  aus  einem  für  den  Objekt« 
tisch  bestimmten  Rahmen,  von  welchem  sich  zwei  Stützen  mit  je 
einem  dreieckigen  Ausschnitt  erheben ;  in  ihnen  ruht  das  von  je  einet 
federnden  Klammer  festgehaltene,  zur  mikroskopischen  Durchmusterung 
bestimmte  Reagenzröhrchen. 

Mehrfach  machte  sich  bei  den  Untersuchern  das  Bedürfniss  nach' 
einer  gleichmässigen,  in  der  Intensität  beliebig  abstufbaren  Licht- 
quelle geltend,  dem  man  durch  die  Mikroskopirlampen  zu  begegnen 
suchte.  Wenn  auch  das  Ideal  der  völligen  Gleichheit  des  künst- 
lichen Lichtes  mit  dem  des  Tages  noch  nicht  erreicht  ist,  so  ist  man 
ihm  mit  der  Kochs-  Wo lz 'sehen  Mikroskopirlampe  doch  immerhin 
nahe.    Nach  Schiefferdecker8)  wird,  nachdem  früher  eine  kleine 

1)  Z.  f.  w.  M.  VI.  4.  417. 

2)  Allg.  Pathol.  I.   103. 
8)  Z.  f.  H.  IL  S98. 

4)  Z.  f.  H    IV.  378. 

5)  Z.  f.  H.  VIII.  92. 

6)  M.  m.  W.  91,  24.  419. 
M.  VII,  1.  17. 
M.  V.  477;  VII.  450;  VIII.  58 


7)  Z.  f.  w. 

8)  Z.  f.  w. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersnchongsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    473 

Petroleumlampe,  nachher  ein  Auer'sches  Gasglühlicht  als  Quelle 
gedient  hatte,  jetzt  ein  Zirkonleuchtkörper  verwendet.  Vermittelst 
eines  an  der  Innenfläche  des  die  Flamme  und  den  Cylinder  umgeben- 
den geschwärzten  Schornsteins  angebrachten  Reflektors  wird  das 
Licht  in  einen  kurzen,  an  der  gegenüberliegenden  Wand  des  Schorn- 
steins angebrachten  Blechcylinder  geworfen;  dieser  ist  von  einem 
Kork  mit  einer  Durchbohrung  zum  Einsatz  eines  etwa  1  cm  dicken 
Glasstabes  verschlossen.  Letzterer  leitet  nach  dem  Gesetz  der  totalen 
Reflexion  die  Lichtstrahlen  zum  Mikroskop.  Für  die  Untersuchung 
ohne  Abbe'schen  Beleuchtungsapparat  ist  er  gekrümmt  und  endigt 
mit  einem  Aufsatz  farbiger  Korrektionsgläser  etwas  unterhalb  der 
Blendenöffnung  des  Objekttisches;  bei  der  Untersuchung  mit  dem 
Abbe'schem  Beleuchtungsapparat  muss  ein  gerader  und  sehr  dicker 
Stab  so  weit  an  den  Konkavspiegel  herangebracht  werden,  dass  er 
etwa  9 — 10  cm  entfernt  ist  und  das  Licht  auf  die  Mitte  des  Spiegels 
fällt.  Vorläufig  stehen  einer  ausgedehnteren  Verwendung  der  Lampe 
ihr  Anschaffungspreis  (92  M.)  und  die  Betriebskosten  im  Wege,  da 
man  für  den  Zirkonleuchtkörper  eine  nicht  unerhebliche  Menge  Sauer- 
stoff verbraucht,  der  in  besonderen  Ballons  in  komprimirtem  Zu- 
stande bezogen  wird,  und  allenfalls  auch  einen  Regulator  für  den 
Druck  des  Gases  nöthig  hat. 

Sterilisirungsapparate.  Die  neueren  Konstruktionen  ver- 
folgen das  Prinzip  der  Einleitung  des  Dampfes  von  oben  im  Interesse 
der  schnelleren  Verdrängung  der  spezifisch  schweren  Luft.  So  hat 
Viquerat  (0.  6.  602)  einen  verhältnissmässig  einfachen  Autoklaven 
angegeben,  welcher  auch  als  Dampfkochtopf  und  selbst  als  Brut- 
schrank gebraucht  werden  kann.  Petri  zeigte  gelegentlich  des 
vorjährigen  internationalen  Kongresses  einen  von  ihm  erdachten 
Sterilisator  mit  viereckigem  Querschnitt,  dessen  Innenraum  durch 
eine  seitliche  Thüre  zugänglich  gemacht  war.  In  ähnlicher  Weise 
ist  schon  früher  von  6.  v.  Oberbeek  de  Meyer  (4.  153)  ein 
Desinfektionsapparat  konstruirt  worden,  bei  welchem  der  Dampf 
nicht  wie  beim  Petri 'sehen  in  einem  besonderen  Topf,  sondern  in 
dem  mit  Wasser  theilweise  gefüllten  doppelwandigen  Mantel  erzeugt 
wird.  Das  kleinere  Muster  eignet  sich  vorzüglich  für  Laboratoriums- 
zwecke, namentlich  in  der  von  Ostwalt1)  verbesserten  Gestalt. 
Muencke  hat  ihn  auch  in  liegender  Form  und  für  geringen  Ueber- 
druck  hergestellt  (O.  8.  615).  Von  den  dem  ursprünglich  Koch 'sehen 
in  der  Form  sich  anschliessenden  Dampfcylindern  ist  die  beste  Neue- 
rung in  dem  Dampfentwickler  amerikanischen  Systems  von  Vi.  Buden- 
berg in  Dortmund  zu  sehen,  welchen  v.  Esmarch')  demonstrirte. 
Der  Raum,  worin  das  Wasser  zum  Verdampfen  gebracht  wird,  ist  eine 
kaum  1  cm  hohe,  flache,  ringsum  geschlossene  Schale,  von  deren  oberer 
Wand  ein  4  cm  weites  Rohr  zum  Boden  des  Desinfektionsraumes 
führt.  Dieser  selbst  ist  von  einem  zweiten,  fast  ebenso  hohen 
glockenförmigen  Gylinder,  der  oben  einen  Tubus  für  das  Thermometer 

1)  B.  kl.  W.  88.  58.  1066. 

8)  D.    Gesellsch.    f.  öff    Ges.-Pfl.    Sitzung   Tom    24.  Febr.    1890;   D.  M.  Z.  90. 

40  458. 


474  Heim, 

trägt,  überdeckt,  so  dass  der  Dampf,  ehe  er  ins  Freie  tritt,  skk 
kondensirt  Das  Kondenswasser  tropft  in  eine  vor  der  Anheiznng 
mit  weichem,  womöglich  destillirtem  Wasser  gefüllte  offene  Schale 
zurück,  welche  auf  der  oberen  Wand  der  flachen  Verdampfungsschak 
sitzt  und  mit  ihr  zwecks  Füllung  und  Erhaltung  eines  konstantes 
Zuflusses  durch  einige  kleine  Oeffnungen  in  Verbindung  gesetzt  ist 
Der  Apparat  ist  relativ  billig  im  Anschaffungspreis  und  wenig  kost- 
spielig im  Betrieb.  Während  alle  anderen  zum  mindesten  einen  Drei- 
brenner zur  Erhaltung  der  Siedetemperatur  beanspruchen,  genügt 
hier  eine  einzige  Bunsenflamme  oder  ein  guter  Benzin-  bezw.  Spiri- 
tusbrenner. Er  wird  daher  besonders  für  solche  Arbeitsräume  zu 
empfehlen  sein,  denen  kein  Gas  zur  Verfügung  steht,  ferner  dort,  wo 
kein  Abzug  vorhanden  ist,  weil  nur  wenig  Dampf  in  die  Luft  kommt 
Ich  verwende  einen  Dampfentwickler  2.  Grösse  von  24  cm  Dureh- 
messer und  35  cm  Höhe  (mit  Untersatz  um  48  M.)  und  bin  damit 
sehr  zufrieden. 

Zur  diskontinuirlichen  Sterilisirung  habe  ich  mir  einen  einfachen 
und  billigen  Apparat1)  fertigen  lassen,  bei  welchem  die  Reagenz- 
röhrchen  nicht  in  warmer  Luft,  sondern  im  Wasserbad  stehen.  Er 
besteht  aus  einem  Blechtopf  von  30  cm  Höhe  und  28  cm  Durch- 
messer mit  Asbestbekleidung,  der  etwa  zur  Hälfte  mit  Wasser  gefüllt 
wird.  In  denselben  wird  ein  kleinerer  durchlöcherter  Topf  (21 :  20  cm) 
eingesetzt;  dieser  hat  oben  einen  4,5  cm  breiten  Kranz  mit  2  Tuba- 
laturen  für  Thermometer  und  -Regulator;  der  Kranz  ruht  auf  dem 
oberen  Band  des  grösseren  Topfes  und  trägt  einen  mit  Bajonetver- 
schluss  versehenen  Deckel.  Im  Innenraum  findet  das  durch  gekreuzte 
Diagonalwände  in  4  Abtheilungeu  getheilte,  ebenfalls  durchlöchern 
Einsatzgefäss  mit  den  Reagenzgläsern  Platz;  letztere  werden  durch 
aufgelegte  Bleiplatten  im  Wasser  gehalten. 

Wärme-Schränke  und -Regulatoren.  Alle  die  verschie- 
denen an  Brutschränken  angegebenen  Formen  und  Modifikationen 
aufzuzählen,  würde  hier  zu  weit  führen ;  es  sei  nur  verwiesen  auf  die 
von  Schottelius  (0.2.97),  Rohrbeck  (1.247;  0.2.262), 
Babes  (0.  4.  19)  beschriebenen.  Ebenso  ist  es  mit  den  Thermo- 
regulatoren.  Für  grosse  Verhältnisse  hat  Roux  (9.  737)  metallene j 
gewählt.  Reicher  dotirte  Laboratorien  werden  mit  elektrischen  Wärme- 
reglern ausgestattet  sein,  wie  sie  besonders  gut  von  F.  und  M.  Lau- 
tenschläger hergestellt  wurden  (s.  a.  Abel  0.  5.  707).  Für  ge- 
wöhnliche Zwecke  reicht  ein  einfacheres  Instrument  aus;  von  deo 
mannigfaltigen  Konstruktionen  sind  die  an  das  L.  Meyer 'sehe  Sy- 
stem der  Benützung  von  Aether,  bezw.  Aetherspiritusdämpfen  sich 
anschliessenden  am  meisten  zu  empfehlen.  Sie  wurden  ebenfalls  von 
Lautenschläger  in  der  besten  Weise  modifizirt:  das  Gaszulei- 
tungsrohr wurde  durch  eine  Einschnürung  der  Dmhüllungsröhre  vor 
Abweichungen  von  der  Achse  geschützt  und  statt  mit  einem  sog. 
Nothloch  am  Eingang  mit  einer  durch  einen  Durchgangshabn  be- 
liebig eng  stellbaren  Zweigleitung  für  die  Reserveflamme  versehen. 
Für  feinere  Einstellungen  der  Quecksilbersäule  wurde  seitlich  noch 

1)  Von  Klempner  Jos.  Mayer,  Wfirsburg,  Eichhornstr.  18.   Preis  18  Hk. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.    475 

eise  Mikrometerschraube  angefügt,  ähnlich  wie  sie  die  Reichert9 
sehen  Regulatoren  besitzen.  An  einem  derartigen  Instrument  hat 
neuerdings  Alt  mann  (0.  9.  791)  eine  ähnliche  Zweigleitung  mit 
Hahn  angebracht,  damit  aber  den  Hauptnachtheil  dieses  Systems 
nicht  beseitigt,  welcher  darin  besteht,  dass  meist  nach  kurzem  Ge- 
brauch die  stets  auf  der  Quecksilberoberfläche  sich  absetzenden  Ver- 
unreinigungen in  das  fast  kapillare  Quecksilbergeföss  gelangen,  wor- 
auf der  Hg-Faden  abreisst  und  von  einer  Regulirung  nicht  mehr 
die  Rede  sein  kann. 

Fflr  den  Fall,  dass  Gas  nicht  zur  Verfügung  steht,  hat  Ogn- 
j a n n i k o w  (8.  474)  einen  mit  Benzin  geheizten  d'Arsonval 'sehen 
Thermostaten  angegeben,  und  K  r  a  s  i  1 1  s  c  h  i  k  (6. 59)  an  dem  gleichen 
Apparat  eine  Regulirungsvorrichtung  für  Petroleumflammen  ersonnen. 
Auch  Desp eignes  (9.  24)  konstruirte  einen  Regulator  für  Brut- 
schränke mit  Petroleumheizung. 

Modifikationen  des  Plattenverfahrens  sind  zum  Theil 
dem  Wunsche  entsprungen,  die  Nivellirung  und  Kühlung  zu  umgehen, 
wenn  sie  auch  schon  von  einigen  Autoren  vereinfacht  wurden.  So  hat  A. 
Pfeiffer1)  einen  diesbezüglichen  flachen  Kasten  als  Ersatz  des 
Eiskühlers  anfertigen  lassen.  Ringsum  geschlossen,  hat  er  eine 
Seitenlänge  von  25  cm,  ist  VL — 2  cm  hoch  und  trägt  an  einer  Ecke 
(besser  wäre  an  zwei  Stellen  behufs  eventl.  Durchströmung)  eine  mit 
Stutzen  versehene  Oeffnung  zum  Eingiessen  kühlen  (8—10°)  oder 
warmen  Wassers  (für  A garplatten).  Rubner')  ersetzte  das  Eis 
durch  Aetherspray;  sein  Nebel  wird  gegen  die  zum  Auflegen  der 
Glasplatte  dienende  glatte  Deckplatte  eines  Kästchens  aus  starkem 
Kupferblech  von  unten  her  gerichtet  Der  überschüssige  Aether  wird 
durch  eine  Röhre  aus  dem  Kupferhohlraum  in  ein  Gefäss  geleitet 
Die  ganze  Einrichtung  steht  auf  einem  kleinen,  mit  Stellschrauben 
versehenen  Stativ.  Langerhans8)  half  sich  mit  einer  auf  eine 
gewöhnliche  Glasplatte  mit  Email  in  der  Muffel  aufgekitteten  zweiten, 
4  mm  dicken  Platte,  welche  einen  6—8  cm  im  Durchm.  haltenden 
runden  Ausschnitt  erhielt;  für  etwaigen  Transport  legte  er  am  Rand 
mit  Vaselin  bestrichene  Deckplatten  auf  und  verbrachte  die  am  Ent- 
nahmeort z.  B.  des  Wassers  gegossenen  Platten  übereinandergeschichtet 
in  einer  passenden  Pappschachtel  in's  Laboratorium.  Schimmel- 
busch (4.  468)  schützte  die  geschlossene  Platte  vor  Verunreinigung 
durch  Ueberdecken  einer  zweiten,  mittels  Papprahmen  getrennten  und 
mit  Federn  gehaltenen  Platte.  Bei  der  Abimpfung  von  der  Platte 
bedient  sich  Prausnitz  (0.  9.  129)  eines  mittels  Metallring  am 
Objektiv  befestigten  Platinbleches  mit  spitzwinkligem  Ausschnitt,  zum 
Anlegen  der  Platinnadel.  Für  die  Herstellung  brauchbarer  Platin- 
nadeln,-Schaufeln,  geaichten  Oesen  und  dgl.  gab  von  Sehlen  (O.  4. 
725)  Anleitungen. 

Der  zweckmäS8igste  Ersatz  der  einfachen  Platten  ist  in  den 
Petri'schen  Schalen  (0.  1.  279)   zu  erblicken;  diesen  Namen  be- 


1)  D.  m.  W.  87.  42.  914. 

2)  A.  f.  H.  XI.  4    867. 

3)  Zeitscbr.  f.  Med.-Beamte  90.  220. 


476  N*°*  Littoratnr. 

halten  sie  trotz  der  Prioritätsansprüche  von  Nicati  und  Rietsch 
(8.  397)  und  einer  ähnlichen  früheren  Angabe  von  Babes,  welcher 
sie  später  (O.  4.  26)  insofern  roodifizirte,  als  er  der  Wandung  der 
unteren  Schale  eine  schiefe  Richtung  nach  innen  gab.  Krön  ig1) 
demonstrirte  neuerdings  nach  seiner  Angabe  gefertigte,  das  sofortige 
Erhitzen  in  der  Flamme  vertragende  Glasschalen. 

Hauptsächlich  für  Wasseruntersuchungen  sind  Gefässe  in  Feld- 
flaschenform mit  oder  ohne  Aufbiegung,  Einkerbung,  Maasstheilong 
u.  s.  w.  angegeben  worden,  so  von  LipeZ  (O.  1.  401),  Rozsahegyi, 
Wilfarth  (2.359),  Schill  (6.339),  Petruschky  (O.  8.  609), 
Kamen  (0.  9.  165).  Kowalski*)  wählte  die  unpraktischste  Fora 
in  Gestalt  von  Kölbchen  mit  flachem  10  cm  im  Durchm.  haltenden 
Boden,  von  dem  aus  die  Glaswand  rechtwinkelig  etwa  1  cm  hoch 
aufsteigt,  dann  10  cm  hoch  trichterförmig  sich  fortsetzt,  um  bei  einer 
Höhe  von  20  cm  wie  ein  gewöhnliches  Reagenzglas  zu  endigen;  die 
Füllung  geschah  mit  60—75  ccm  Gelatine.  Kitasato3)  hat  die 
oben  erwähnten  flachen  flaschenförmigen  Kulturgefässe,  gegenüber 
der  Eingussöffnung  mit  einem  Ansatzröhrchen  versehen  lassen,  zur 
Züchtung  der  Anaörobier  H  durchgeleitet  und  dann  beide  Oeffhanges 
abgeschmolzen. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Neue  Litteratur 

xoMmmengef  teilt  von 

Da.  Abthub  Wübzbübo, 

Bibliothekar  in  KatoarUcheo  Gesundheltaamte  in  Berti*. 


Morphologie  und  Systematik. 

Godfrin,    Sur   l'Urocystis    primulicola.     Ustilaginee   nouvelle   pour  la   flore   de  France. 

(Ballet,  de  la  soc.  d.  scienc.  de  Nancy.)     8°.     2  p.     Nancy  1891. 
Banfelioe,  F.,   Contributo  alla  morfologia  e  biologia  dei  batteri  saprogeni  aerobi  ed  ao- 

aerobi.     (Atti  d.  r.  Accad.  med.  dl  Roma  1890/91.  Vol.  V.  ser.  2.  p.  879— 40«) 
Transtohel,  W.,  Uredinearum  speciea  novae  vel  minas  cognitae  (mont.  Ural  et  Turcme- 

niae).    4  p.     St.  Petersburg  1891.     [Russisch.] 

Biologie. 
(Gährung,  Fftulniss,  StoftVechselprodukte  usw.) 

Oulgnard  et  Gharrin,  Action  des  tozines  sur  un  microbe.     (Compt.  rend.  de  la  soc.  de 
biol.  1891.  No.  26.  p.  595—596.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  rar  unbelebten  Natur. 

Lufl,   Wasser,  Boden. 

Vigo,  6.  B. ,    L'aria   degli   ambienti   degli   ospedali   dal    lato    chimico   e  batteriologico. 
(Oiorn.  d.  r.  soc.  ital.  d'igiene.  1891.  No.  5/6.  p.  268—281.) 


1)  X.  Congr.  f.  inn.  Med.  Rf.  M.  m.  W.  91.   17.  310. 

2)  Wiener  kl.  Wochenschr.  88.  14.  307. 
8)  Z.  f.  H.  VII.  227. 


Neue  Litteratur.  477 


Nahrung*  und  OemtsewnUel^  Qtbrauchegtgenttande. 

Seala,  A.,  ed  Alessi,  0.,   Sulla  possibilitfc  di  trasmissione  di  alcune  malattie  per  messo 

del   barrcr  artifidale.     (Atti  d.  r.  Accad.  med.  di  Borna  1890/91.  Vol.  V.  Mr.  2.  p.  75 

-83.) 
ttr&fiiti,  A.,    Analisi  chimico-batteriologiche   di  alcune   carai   insaccate.     [Contribusione 

»llo   studio    deüe   conserre   alimentär!.]     (Atti   d.   r.  Accad.   med«   di  Koma  1890/91. 

Vol.  V.  ter.  2.  p.  226—256.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  aar  belebten  Natur. 

Krankheiieerrtyende  Bakterien  und  Paratüen  bei  Menschen. 
Ä,     InfeMiöu  Aügemeinkrankheüem. 

Bernabei,  C,  Sul  passeggio  dei  germi  patogeni  nella  bile  e  nel  coDtenuto  enterico  e 
sull'  asiooe  che  ne  risentono.  (Atti  d.  r.  Acead.  med.  di  Roma  1890/91.  VoL  V. 
»er.  2.  p.  527—573.) 

Flindt,  V.,  Bemaerkninger  om  lov  af  20.  April  1888  om  foranstaltninger  imod  udbre- 
delse  of  smitsomme  sygdomme.    (Ugeskr.  f.  laeger.  1891.  p.  145 — 154.) 

Meyer,  CK,  Zar  Statistik  der  Volksseuchen.  1.  Das  Verhalten  von  Masern  (und  Böthelu), 
Scharlach,  Diphtherie  (und  Croup)  und  Unterleibstyphus  in  Berlin,  Hamburg,  Breslau 
und  Mönchen  im  Jahre  1889.  (Berlin,  klin.  Wocbenachr.  1891.  No.  80,  31.  p.  758— 
760,  779—780.) 

Celli,  A.,   e  Marchiafava,  K.,    Sülle   febbri    malariche  predominanti   nell'  esute   e  nell* 

antunno  in  Borna.     (Atti  d.  r.  Accad.  med.  di  Borna  1890/91.  Vol.  V.  ser.  2.  p.  181— 

216.} 

freut,  W.  T.,  Malaria  on  the  Oold  Coast.     (Lancet.  1891.  Vol.  IL  No.  5.  p   226—228.) 

Zeri,  A.f  Acqua  potabile  e  malaria.     (Atti  d.  r.  Accad.  med.  di  Borna  1890/91.  Vol.  V. 

»er.  2.  p.  403 — 421.) 

Exanthematifche  Krankheiten. 

(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Böthein,  Scharlach,  Friesel,  Windpocken.) 

Juiewies,  La  Vaccine  animale  et  les  maladies  infectienses.     (Ballet,  de  la  soc.  de  me*d. 

pratique  de  Paris.  1891.  p.  325—327.) 
Xenard,  B.  Y.f  Pratique  de  la  Vaccine ;  vaccination.     (Rot.  prat.  d'obstetr.  et  d'hyg.  de 

l'enfance.  1891.  p.  81,  113.) 

Cholera,  Typhus,  Buhr,  Gelbfieber,  Peit 

fcouit,  A.,  Le  choleia  de  Mesopotamie,  de  Perse  et  de  Syrie,  en  1889  et  1890.  (Bul- 
let, de  l'acad.  de  med.  1891.  No.  29.  p.  136—154.) 

Report  on  typhoid  fever  in  Wynberg  District.  Cape  of  Good  Hope.  (Reports  on  Public 
Health.  Cape  Town.  1891.  p.  12—18.) 

Uffelmann,  J.,  Heber  den  Nachweis  des  Typbusbacillus.  (Berlin,  klin.  Wochenschr. 
1891.  Mo.  85.  p.  857—859.) 

Wnndinfektionikrankheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,   acutes  purulentes  Oedem,  Pyämie,  Septikimie, 

Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundilulniss.) 

Ulüaann,  *.,  Zur  Kenntniss  der  Aetiologie  von  Eiterungen  im  Verlauf  von  Abdominal- 
typhus.   (Centralbl.  f.  klin.  Medic.  1891.  No.  34.  p.  649—653.) 

Mektionfgetehwuuite. 

(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

hwill,  IL,  Observations  on  tuberculosis  and  the  diagnostie  value  of  the  tubercle  ba- 
cUlos.    (Med.  News.  1891.  Vol.  II.  No.  4.  p.  88—93.) 


478  Neue  Litteratnr. 

Bnow,  W.  V.,  On  the  treatment  of  consumption.  (Brit.  Med.  Journ.  No.  1596.  1891. 
p.  256—857.) 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  RflckfallBfleber,  Osteomyelitis. 

Dubmlle,    La  grippe   et   1«  caractere  pr4sume"  de  son  agent  pathogene.     (Gas.  hcbüom. 

de  med.  et  de  efair.  1891.  No.  31.  p.  872—374.) 
Emmerich,  B.,  u.  Fowitaky,  A.,   Die  künstliche  Erzeugung  von  Immunität  gegen  erat- 

pöse   Pneamonie   and   die   Heilang   dieser    Krankheit.     (Manch,   medic.  Wochenschr. 

1891.  No.  82.  p.  554—558.) 
Seraflni,  A.,   L'epidemia  d'inflaenza  del  1889/90  in  provincia  di  Roma.     [Contribozioa* 

all'    epidemiologia   di   qnesta  malattia.]     (Ballett,    d.   r.  accad.  med.  di  Borna.    1891 

No.  1.  p.  87-110.) 
Wachsmuth,  G.  F.,    Statistik  der  Diphtherie   für  Berlin  im  Jahre  1890  and  die  meteo- 
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Waltor,  22  Fälle  von  Cerebro-Spinal-Meningitis.     (Vereinsbl.  d.  pfälzischen  Aerzte.  1891 

No.  7.  p.  152—155  ) 

B.    Infektiöse  Lokalkrankheiten. 

Haut,  Muskeln,  Knochen. 

Frenkel,    Sar  an  staphylocoque  trouv4  dans  les  vesicules  d'un  herpes.     [Soc.  d.  sciccc 

med]     (Lyon  med.  1891.  No.  81.  p.  464—465.) 
Sarill,  Th.,  An  epidemic  of  eesema.     (Lancet.  1891.  Vol  II.  No.  5.  p  265—266.) 

Verdauungsorgane. 

Lowe,  €h  MM  Observation«  on  the  occarrence  of  an  epidemic  of  gas tro- intestinal  catarrb 
(Lancet.  1891.  Vol.  IL  No.  5.  p.  228—229.) 

Martinas  Vargas,  A.,  Estudio  qnimico  de  la  etiologia  de  las  ,,diarreas  de  verano'-  in- 
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Meutert,  Vorschläge  aar  Prophylaxis  und  Therapie  der  Cholera  infantum.  (Wiener 
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Bendu,  Deuz  css  d'angine  ä  pnenmocoques.     (Bullet  med.  1891.  p.  449.) 

0.     EnUmootitche  Krankheiten. 

(Finnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filaria,  Oestruslarve,  Ascaris, 

Anchylostomum,  Trichocephalus,  Oxyuris.) 

Blaaehsxd,  B.,  Note  sur  quelques  vers  parasites  de  l'homme.    (Compt.  rend.  de  1s  soc 

de  biol.  1891.  No.  26.  p.  604—615.) 
Brault,    Präsentation  d'un  cas   de  Bilharziose  contractu  en  Tunisie  et  obserree  ä  Lyoa 

en  jain  1891.     Lyon  med.  1891.  No.  31.  p.  449—453.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen  und  TTrieren. 

Aktinomyköse. 

Kdttnits,  A.,  Zur  Behandlung  der  Aktinomyköse.  (Deutsche  medic.  Wochenschr.  1891. 
No.  36.  p.  1047—1048.) 

Maul*  und  Klauenseuche. 

Mecklenburg-Schwerin.  Bundschreiben,  betr.  die  Maul-  und  Klauenseuche.  Vom  21.  April 
1891.     (Veröffentl.  d.  kais.  Gesundh.- Amtes.  1891.  No.  81.  p.  470.) 


Neue  Litteratnr.  479 

Krankheitserrigende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Säugetiere. 

A.     MfehtiOte  AUgenewbranhheüen. 

rhierseuchen   in   Portugal    während   des  4.  Vierteljahrs  1890.     (Veröffentl.  d.  kais.  Ge- 
sucdh.-Amtes.  1891.  No.  Sl.  p.  469.) 

Krankheiten  der  Vielhufer. 
(Rothlauf,  Schweineseuche,  Wildseuche.) 

Kllings,  P.  ß.,    The   awill    and   filth   diseases   of   swine.     (Times  and  Register.  1891. 
No  672.  p.  öl  —61.) 

Krankheiten  der  Hunde. 

Beweil,  A.  J.,    Canker   of  the  ear  in  dogs,    due  to  a  para&ite.     (Veterin.  Journ.  1891. 
Sept.  p.  164—168.) 

Vögel. 

Megnin,  F.,  Sur  U  diphterie  du  pigeon.     (Compt.  rend.  de  ia  soc.  de  biol.  1891.  No.  26. 
p.  593—596.) 

Wirbellose   Thiere. 

Giard,  A.,  Neuvelles  recherches  sur  le  champiguon  parasite  du  hanneton  vulgaire  (Isaria 
de lsä  Link).     (Compt.  rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  26.  p.  575—579.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Sommer,  Cü.,    Un   Champignon  pyrenomycete    se  developpant   sur   le   test  des  balanes 

(Ballet  de  la  soc.  beige  de  microscop.  1891.  p.  151.) 
Johow,  Ft.,  Die  phanerogamen  Schmarotzerpflanzen.     Grundlagen  und  Material  au  einer 

Monographie  derselben.     89  p.  m.  11  Holzscbn.     Santiago  1890. 
Xsssalongo,  C,    Acarocecidii   nella   flora  Veronese.     Ulteriori  osserrasioni  ed  aggiunte. 

(Nuoto  giorn.  boten,  ital.  1891.  Vol.  XXIII.  p.  469.) 
Sorokw,  V.,  Ueber  einige  Krankheiten  der  Kulturpflanzen  im  Süd-Ussurigebiete.     (Arb. 

d    Naturforscher-Gesellsch.    a.    d.    Kais.    Universität   Kasan.    Bd.  XXII.  Heft  8.)     8° 

32  p.    Kasan  1890.     [Russisch.] 
▼ermorel,  V.,    Traitement  pratique   de   la  maladie   des  pommes   de   terre.     8°.     75  p 

Micon  et  Paris  (Masson)  1891.  1,50  fr. 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwieke- 

tengshemmnng  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  Aber  das  KocITsche 

Heilrerfahren  gegen  Tnbereulose. 

Alexander,  Ueber  die  Wirkung  des  Tuberculin  auf- die  Impftuberculose  des  Kaninchen- 

"ges.    (Centralbl.  f.  prakt.  Augenheilk     1891.    Juni,  Juli.    p.  161—166,  193—198.) 
Büchner,   Ueber  Immunität,   deren    natürliches  Vorkommen    und   künstliche  Erzeugung. 

(Hyg.  Rundschau.  1891.  No.  16.  p.  658—678.) 
Ctdiot,  Gilbert  et  Boger,  Inoculation  auz  gallinaces  de  la  tuberculose  des  mammiferes. 

(Memoir.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  27.  p.  87—95  ) 
Ctarixi,  A ,  Glcy,  E.,  et  Lapieque,  L. ,    Note  sur  la  diminution   de  l'oxygene  du  sang 

arteriel  dans  la  maladie  pyoeyanique.     (Compt  rend.  de  la  soc.  de  biol.  1891.  No.  27. 

P  684-637.) 
framer,  E.,  Die  Ursache  der  Resistenz  der  Sporen  gegen  trockne  Hitxe.     (Arch.  f.  Hyg. 

Bd.  XIII.  1891.  Heft  1.  p.  70—112) 
01  Hatte!,  2.,  e  Scale,  A.,  Süll'  azione  disinfettante  di  aleuni  sali  mercuriali.     (Atti  d. 

r-  Acc«d.  med.  di  Roma  1890/91.  Vol.  V.  ser.  2.  p.  1—55.) 


480 


Neue  Litteratur. 


Ehrlich,  P.,    Experimentell«  Untersuchungen  Über  Immunität     (Deutsche  med.  Woth«- 

«ehr.   1891.  No.  82.  p.  976—979.) 
Fröhner,    Ueber   die  diagnostische  Bedeutung   des  Tnberculins  beim  Hunde.    (Moinui. 

f.  prakt.  Thierheilk.  Bd.  II.  1891.  Heft  12.  p.  642— 548.) 
Geiller,  T.,    Ueber   die  Wirkung   des  Koch'schen  Tuberrulins   auf  gesunde  Thiere  <  Ka- 
ninchen).    (Arch    f.  pathol.  Anat    u.  Physiol.  Bd.  CXXV.  1891.  Heft  3.  p  601— ^'1 
Geppert,  J.,  Die  Wirkung  des  Sublimats  auf  Mllsbrandsporen.     (Deutsche  med.  Woche* 

sehr.  1891.  No.  87.  p.  1066—1069.) 
,    Nochmals  sur  Desinfektionsfrage.     (Deutsche  medic.  Wocfaenschr.  1891.  Ko.& 

p.  979—980.) 
Gilbert  et  Boger,  Inoculation  de  la  tuberculose  aviaire  au  cobaye.    (Memoir.  de  la  sx. 

de  biol.   1891.  No.  27.  p.  81—86.) 
Lewasehow,  8.  W.,    Ueber   die  therapeutische  Bedeutung   des  Tnberculins  bei  Lango- 

und    Kehlkopftuberculose.    (Wratsch.    1891.    No.  80,    81.    p.  697—701,    llb-lti, 

( Kussisch.] 
Oboleniki,  J.  N.,  Ueber  die  Krgebnisse  der  Behandlung  der  Tuberculose  mit  dem  Kut- 
schen Mittel.     (Wratsch.  1891.  No.  30.  p.  701—705.)     [Russisch.] 
Bonx,  E.,    Ueber   Schutzimpfungen   gegen    Hunds wuth.    (Wiener   medic  Presse.   1691 

No.  85,  p.  1825—1829.) 
Bovigbi,  A.,    Suir  asione  microbidda  del  sangue  in  diverse  condisioni  delT  orgtaiüiu 

(Atti  d.  r.  Accad.  med.  di  Borna  1890/91.  Vol.  V.  ser.  2.  p.  423—438.) 
Sanarelli,  G.,  II  valore  delle  sostanze  gassose  impiegate  nella  disinfesione  degii  ambkni 

(Atti  d.  r.  Accad.  d.  fisioeritici  in  8iena.    Ser.  IV.  1891.  Vol.  HL   läse.  6/6.  p.  211- 

229.) 
Soul*,  A.,  e  Banfeliee,  F.,   Asione  dell'  aeido  carbonico,    disciolto  neue  acque  poubiii, 

su  aleuni   microrganismi   patogeni.     (Bullett.  d.  r.  accad.  med.  di  Roma.  1891.  No.  1 

„    74—86.) 
Bcheube,  B. ,    Akute  Ataxie  nach  Tuberculinein»pritsungen.     (Berlin,  klin.  Wochensck 

1891    No   86.  p.  889—890.) 
Staub,  A.,  Beitrag  sur  Anwendung  des  Tnberculins  bei  Lupus  erythematodes  und  Lop 

vulgaris.     (Arch.  f.  Dermatol.  u.  Syphilis.  1891.  No.  5.  p.  708—711.) 
Vaillaxd,  Sur  f  inoculation  aux  animaux  du  bacille  te*tanique  depounru  de  toxine.    (Com^ 

rend.  de  la  soc.  de  biol.   1891.  No.  27.  p.  623—628.) 
Wal  deck      Vertrieb  von  Tuberculinum  Kochii  betr.    Vom  2.  Juni  1891.     (VerönW  «• 

kais.  Gesundh- Amtes.  1891.  No.  32.  p.  488.) 


iüiiaiU 


Originalmittheüuugen. 

Braun,  H.,  Bericht  Aber  die  Fortschritte 
in  der  thierischen  Parasitenkunde.  (Orig.) 
( Fortsetsung),  p.  465. 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestüte  und  Über  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  (Schiusa), 
p.  464. 

Graesi,  B.,  und  Feletti,  B.,  Weitares  sur 
Malsriafrage.    (Orig.),  p.  449.      . 

Marpxnann,  Praktische  Mittheilungen.  Mit 
2  Figuren.    (Orig.),  p.  468. 

Beferate. 
OaUoway,  B.  T ,  and  Fairchüd,  D.  G.,  Ex- 
periments  in   the  treatment  of  plant  di- 
seases :  Treatment  of  pear  leafblight  and 
acab  in  the  orchard,  p.  471. 


Albert,  A  new  species  of  Tran* 
tode  infesting  Cattle  (Fasciola  cstd«*» 
p.  464. 

Lingelaheim ,  ¥.,  Experimentelle  Coterrt- 
chungen  Über  morphologische,  kulturell« 
und  pathogene  Eigenschaften  verschiede- 
ner Streptokokken,  p.  460. 

Schleien,  Infektion  und  GeschwuistbiM. 
p.  462. 

Untersiiehungtmethoden,  Instranantiitt- 

Heim,  L  ,  Die  Neuerungen  auf  dem  GeWsttl 
der   bakteriologischen   UntereuchuDpiw 
thoden    seit   dem   Jahre    1887.    (Orig 
(Fortsetsung),  p.  471. 

Neue  Littermtur,  p.  476. 


Fronmannache  Bucbdruokarel  (Hermann  Pohl«)  In  Jana. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

GetL  M.  Prot  Dr.  Leodort  m  Protesor  Dr.  Loefller 

t»  Ulpxif  te  Onifnnüd 

herougegeben  roxi 

Dr.  O.  TThlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band.        -o-        Jena,  den  24.  Oktober  189 1.       -*-         No.  15. 


Prei«  für  d«n  Band  (S6  Nummern)  14  lUrk. 

Jährlich  erscheinen  swei  Binde. 

— Hl    Za  beliehen  dnrch   alle  Buchhandlungen  and  Poetanstalten.    %*— 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde" richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf" 
*&tze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
<fe*  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
Ptosen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wunsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Weiteres  zur  Malariafrage. 

Note  der  Professoren  B.  Grassl  und  B.  Felettl  in  Catania. 

(Forttetsung.) 

Es  ist  uns  niemals  gelungen,  das  Hinzukommen  neuer  Genera- 
tionen (welche  durch  noch  kleine  Formen  angezeigt  werden  müssten), 
Joch  irgend  eine  andere  Reproduktionsandeutung  auffinden  zu  können. 
"an  findet  das  in  Bede  stehende  Drepanidium,  wenn  das  Blut 
ürkulirt,  im  rothen  Blutkörperchen  (ob  immer?). 
n  In  Fröschen  anderer  Lokalitäten  fanden  wir  nur  die  kleinen 
Urepanidien,  während  wir  in  denen  wieder  anderer  Lokalitäten  ausser 

uen  kleinen  Drepanidien  auch  die  oben  erwähnte  3.  Form  fanden, 
x.r  31 


482  Grassi  and  Feletti, 

und  zwar  waren  ungefähr  30%  der  Frösche  nur  von  kleinen  Dre- 
panidien,  ungefähr  4—5%  nur  von  der  3.  Form,  und  ungefähr 
6—7  %  zu  gleicher  Zeit  von  kleinen  Drepanidien  und  von  der  3.  Form 
infizirt.  Ein  sehr  sorgfältiges,  seit  vielen  Monaten  fortgesetztes 
Studium  an  vielen  in  Glasgefässen  lebendig  erhaltenen  Fröschen 
lässt  uns  glauben,  dass  jedweder  Beweis  für  den  vermutheten  Ueber- 
gang  aus  der  3.  Form  in  die  kleinen  Drepanidien  fehlt 1). 

Auf  Grund   dieser  Thatsachen  zögern  wir  nicht,  zu  behaupten, 
dass  wir  drei  verschiedene  Parasiten  vor  uns  haben: 
Drepanidium  ranarum  Lk.  (1.  Form), 
Drepanidium  magnum  n.  sp.  (2.  Form), 
Laverania  ranarum  n.  sp.  (3.  Form). 


Gehen  wir  nun  zu  den  Malariaparasiten  der  Vögel  über.  Celli 
und  Sanfelice  leugnen,  dass  die  verlängerten  Formen  mit  lang- 
samer Entwickelung,  die  in  der  Regel  sichelartig  sind,  einer  oeueo 
Art  der  Gattung  Laverania  (L.  Danilewsky)  angehören  könnten. 

Wir  bringen  nachstehend  ihre  Gründe,  welchen  wir  unsere  Recht- 
fertigung folgen  lassen  werden. 

„Die  Mondsicheln  (Laverania  malaria  Grassi  und  Feletti) des 
Menschen  sind  niemals  allein,  mithin  bilden  sie  nicht  einen  Cyclus  für 
sich,  sondern  schieben  sich  in  den  Cyclus  der  Formen  mit  rascher 
Entwickelung  ein,  von  welchen  sie  stets,  wenn  Fieber  vorhanden  ist, 
begleitet  sind.11 

Wir  haben  früher  schon  erklärt,  dass  diese  Behauptung  den  von 
uns  beobachteten  und  wie  es  scheint,  auch  den  früher  von  Celli 
und  Marchiafava  veröffentlichten  Thatsachen  widerspricht  Io 
nicht  wenigen  Fällen  begegneten  wir  nur  der  Laverania,  trotzdem 
wir  auch  das  Blut  der  Milz  ganz  kurz  vor  oder  bei  Beginn  des 
Fiebers  sorgfältig  untersuchten. 

Die  Verff.,  welche  es  kurz  vorher  nicht  für  unwahrscheinlich 
halten,  dass  die  Mondsicheln  des  Menschen  steril  seien 
fahren  folgendermaassen  fort:  „Auch  in  den  Steinkäuzen  mit  pur 
Formen  von  rascher  Entwickelung  schieben  sich  grosse  pigmentirte 
Formen  ein,  welche  augenscheinlich  an  die  Mondsicheln  der  Malaria 
erinnern,  sie  zeigen  niemals  weder  Segmentation,  noch  irgend  eine 
andere  Art  von  Reproduktion.  Dagegen  haben  die  verlängerten 
Formen  mit  langsamer  Entwickelung  einen  eigenen  und  vollständigen 
Entwickelungscvklus,  welcher  mit  kleinen,  runden,  oder  wie  „8"  gebil- 
deten Formen  beginnt  und  mit  grossen  Formen,  die  einen  grossen 
Theil  des  rothen  Blutkörperchens  eingenommen  haben,  endigt" 

1)  Diese  Note  wurde  schon  Ende  April  von  uns  geschrieben ;  seitdem  haben  wir 
in  einigen  Lokalitaten  Frösche  gefangen,  welche  Ausnahmen  von  der  oben  angegebenen 
geographischen  Verbreitung  der  Parasiten  machten.  So  fanden  wir  s.  B.  ein  Indiridaum, 
welches  von  grossen  und  kleinen  Drepanidien  su  gleicher  Zeit  infisirt  war ;  im  Grosses 
und  Gänsen  hatte  sie  sich  jedoch  nicht  wesentlich  verändert  und  die  in  Glasgeß*s*D 
gehaltenen  Frösche  bewahrheiteten  auch  im  Sommer,  was  wir  im  Winter  an  ihnen  be- 
obachtet hatten.  In  Fiumefreddo  bei  Acireale  sind  die  grossen  Drepanidien  sehr  selten, 
während  die  kleinen  sehr  gemein  sind.  Jedenfalls  haben  wir  niemals  eine  Toatstfbe 
gefunden,  welche  für  die  Transformation   einer  Form  in   eine  andere  gesprochen  hätte- 


Weiteres  snr  Malariafrage.  483 

Wir  kennen  sehr  wohl  die  von  den  Verff.  in  den  Steinkäuzen 
geschriebenen  Formen.  Wir  wiesen  auf  sie  hin,  als  wir  von  gewissen 
.averania  formen  sprachen,  die  stets  klein  bleiben,  and  studirten 
lieselben  in  verschiedenen  Vogelarten,  deren  Infektion  stets  beschränkt 
rar  und  blieb ;  gewöhnlich  sieht  man  sie  in  Begleitung  der  Häma- 
ooeben,  welch  letztere  jedoch  sich  niemals  in  Segmentation  zeigten. 

Obige  Formen  wurden  von  uns  als  in  ihrer  Entwickelung  zurück- 
[ebliebene  Formen  (vielleicht  bedingt  durch  ungünstige  Zustände 
les  von  ihnen  heimgesuchten  Wirtbes)  aufgefasst. 

Zuweilen  sahen  wir  ihnen  nach  Monaten  einige  erwachsene  Lave- 
anien  folgen.  Ganz  kürzlich  sahen  wir  in  einem  von  Haemarooeba 
iraecox  und  den  in  Frage  stehenden  Formen  infizirten  Steinkauz 
ene  verschwinden  und  diese  sich  vergrössern,  erwachsene  Mondsicheln 
Verden  und  so  der  Hämamöbeninfektion  eine  Laveraniainfektion 
blgen.  In  anderen  Steinkäuzen  fanden  wir,  wie  Celli  und  Sanfelice, 
nonatelang  Haemamoeba  praecox  begleitet  von  den  oben  er- 
mähnten Formen,  und  in  diesem  Fall  haben  wir  die  opportunen  Stadien 
inden  können,  um  folgende  drei  Vermuthungen  aufzustellen:  1)  dass 
iie  von  Celli  und  Sanfelice  mit  den  Mondsicheln  des  Menschen 
verglichenen  Formen  rund  werden  und  sieb  segmentiren  können,  2)  dass 
dieselben  manchmal  aus  der  Verschmelzung  zweier  oder  mehrerer 
Hamamöben  entstehen  können,  und  3)  dass  ihre  verlängerte  Form  von 
ihrer  seitlichen  Stellung  im  rothen  Blutkörperchen  abhängig  sein  kann. 

Mithin  halten  wir  uns  jetzt  für  berechtigt,  die  von  den  Verff. 
mit  menschlichen  Mondsicheln  verglichenen  Formen  manchmal  für 
Uverania,  manchmal  für  Haemamoeba  praecox  zu  halten 
(vielleicht  auch  manchmal  für  Haemamoeba  relicta),  und  zu  be- 
haupten, dass  dieselben  nicht  notwendiger  Weise  steril  sein  müssen. 

Dass  es  bis  jetzt  noch  nicht  gelungen,  die  Reproduktion  dieser 
Formen  zu  präzisiren,  ist  ein  Umstand,  welchem  wir  nur  wenig  Werth 
beilegen  können,  wie  wir  auch  die  Tbatsache,  dass  dies  bis  jetzt  auch 
Doch  nicht  für  die  La  v  er  an  ia  des  Menschen  hat  geschehen  können, 
nicht  für  sehr  wichtig  halten.  Hat  doch  bis  jetzt  auch  noch  Niemand 
den  Reproduktionsprozeß  derLaverania  Danilewsky  (gewöhnliche 
Mondsichel  der  Vögel)  determiniren  können,  und  trotzdem  leugnen 
vir  alle,  dass  dies  eine  sterile  Form  sei 1). 

Gewiss,  die  Segmentationsfiguren  der  Mondsicheln  der  Tauben 
müssen  existiren,  dies  behaupten  auch  Celli  und  Sanfelice, 
yamm  Btellt  man  nun  nicht  dieselbe  Behauptung  für  die  anderen  mit 
ihnen  verglichenen  Formen  (kleine  Mondsicheln  des  Steinkauzes,  Mond- 
sicheln des  Menschen)  auf?  Verff.  geben  zu,  die  Art  und  Weise  der 
^Produktion  der  gewöhnlichen  Mondsicheln  der  Tauben  und  des  Uhu 
nicht  entdeckt  haben   zu  können,  warum  wollen   sie  nun  dies  nicht 

1)  Celli  und  Sanfelice  beschreiben  für  die  Mondsichel  der  Vögel  (L»ve- 
r*n**  Danilewsky)  Vorginge,  welche  sie  für  Sprossfing  erklären.  Wir  können  keinen 
Wood  finden,  welcher  diese  ihre  Vermuthang  bekräftigen  könnte,  auch  scheinen  ihr 
.*  Verff.  selbst  nnr  wenig  Werth  beizulegen ;  vergleichen  sie  doch  später  die  Mond- 
sichel der  Vögel  mit  den  Hämiimöhen  der  Tertiana  and  Quartana,  welche  ganz  gewiss 
Dl«ht  sprossen. 

81* 


484  Grassi  und  Feletti, 

auch  für  die  Mondsicheln  des  Menschen  und  für  die  von  ihnen  mit 
diesen  verglichenen  Formen  der  Steinkäuze  zugeben? 

Unsere  Verfasser  antworten,  dass  die  Mondsicheln  des  Menschei 
und  die  kleinen  Mondsicheln  der  Steinkäuze  stets  von  H&mamöbee 
begleitet  sind.  Was  jedoch  die  Mondsicheln  der  Menschen  anbelangt 
so  ist,  wie  bereits  gesagt,  ihre  Behauptung  nicht  richtig  und  für  die- 
jenigen der  Steinkäuze  fehlen  bis  jetzt  hinreichende  Forschungen, 
um  dies  mit  Gewissheit  behaupten  zu  könne»/ 

Vielleicht  bemerken  nun  unsere  Verfasser,  dass  die  noch  sehr 
jungen  Laveranien  des  Menschen  von  den  sehr  jungen  Haemamoeba 
praecox  un unterscheidbar  seien  1).  Wir  fügen  hier  hinzu,  dass  sie 
auch  von  den  ganz  jungen  Hämamöben  der  Quartana  ununterscheid- 
bar  sind;  wenn  aber  dieser  Schluss  hinreichend  ist,  warum  erklärt 
man  alsdann  nicht  für  bewiesen,  dass  es  nur  eine  einzige  Art  tob 
Malariaparasiten  gibt ')? 

Weiter  schreiben  unsere  Verff. : 

„Die  verlängerten  Formen  der  Vögel  haben  Bewegungen;  diese 
Bewegung  zeigt  sich  in  den  kleinen  Formen  wie  mediane  Einschnürung, 
in  den  mittleren  und  den  grossen  durch  protoplasmatische  Fortsätze 
und  am  Saum  entlang,  hauptsächlich  an  den  Enden,  durch  regel- 
mässige Zähnchen,  von  welchen  sich  kleine  Körperchen  ablösen,  die 
Sporen  sein  könnten.    Die  Mondsicheln  zeigen  dies  niemals." 

Wir  verlangen  nun  von  unsern  Kollegen  den  Beweis,  dass  sich 
diese  Phänomene  auch  im  cirkulirenden  Blute  bewahrheiten.  Sicher 
ist,  dass  wir  in  verschiedenen  Vögeln  (Sperlingen  z.  B.)  niemals  die 
oben  angedeuteten  Fortsätze  sahen,  dass  wir  in  den  Tauben  nur  sehr 
selten  die  vorgeblichen  Sporen  (immer  ohne  eine  Spur  von  Kern!)  be- 
merkten, letztere  jedoch  sehr  häufig  in  St  rix  flammea  etc.  vor- 
fanden. Andererseits  können  sich  auch  von  den  Mondsicheln  der 
Menschen  kleine  Körperchen  ablösen,  welche  beim  ersten  Anblick  mit 
den  Sporen  verglichen  werden  könnten  (siehe  Fig.  12  u.  13  Tafel  III 
der  Abhandlung  Celli's  und  Guarnieri's,  1889),  aber  in  Wirk- 
lichkeit keine  Sporen  sind.  Auch  die  Mondsicheln  der  Menschen  können. 
wenn  auch  weniger  deutlich,  erkennbare  Fortsätze  aufweisen,  nod 
werden  wir  deren  Abbildung  in  unserer  ausführlichen  Arbeit  bringen. 

Unsere  Verff.  fahren  fort: 

„Die  Parasiten  mit  langsamer  Entwickelang  der  Vögel  nehmen 
die  verlängerte  Form  aus  Lebensthätigkeit  an,  sowie  diese  aufhört, 
werden  sie  sofort  rund.  Sie  besitzen  nicht  wie  die  Mondsicheln  ge- 
schärfte Enden,  die  schwarzen  Körnchen  sind  weder  kranzartig,  noch 
in  Centralhaufen,  sondern  unregelmässig  in  ein  oder  mehrere  Stück- 
chen vertheilt.  Schliesslich  entfärbt  die  Mondsichel  des  Menschen 
schon  von  Anfang  an  das  rothe  Blutkörperchen." 

1)  In  den  Figuren  der  Verff.  befindet  sieb  die  Haemamoeba  praecox  im Cen- 
trum  des  rothen  Blutkörperchens,  während  G r a 8 s i  und  Calandrneoio  beobachtet«». 
dass  sich  die  gani  jungen  Lav  e  r  an!  a  m  al  ari  a  e  des  Menschen  fast  immer  in  der  Nft* 
der  Peripherie  des  rothen  Blutkörperchens  befinden.  Sind  die  Zeichnungen  der  Verff 
schlecht  wiedergegeben,  oder  drückt  diese  Thatsaohe  ein  Differentialkenneeichen  swbcben 
den  beiden  in  Bede  stehenden  Formen  aus?   Die  erstere  Behauptung  scheint  die  richtig« 

S)  Im  Embryonalsustand  sind,  wie  bekannt,  viele  sehr  verschiedene  Wesen  ein«** 
gans  gleich. 


Weiteres  sur  Malariafrage.  4g5 

Mithin  nehmen  Celli  und  Sanfelice  an,  dass  die  verlängerten 
ormen  analog  mit  den  Formen  der  Quartana  und  Tertiana  seien. 

Wir  antworten :  Auch  die  Mondsicheln  des  Menschen  sind  durch 
ie  Lebenethätigkeit  verlängert,  wenn  wir  uns  so  ausdrücken  dürfen, 
^ach  die  Mondsicheln  des  Menschen  runden  sich  in  unseren  Pr&pa- 
iten  und  versehen  sich  häufig  mit  Geissein,  wie  die  Mondsicheln  der 
ögel  (die  der  Tauben  mit  inbegriffen),  und  gerade  in  allem  diesen 
eben  wir  intime  Aehnlichkeiten. 

Was  die  Verschiedenheiten  anbelangt,  so  sind  sie  von  geringer 
Bedeutung,  haben  spezifischen  Werth  und  weiter  nichts. 

Wir  können  diese  Diskussion  nicht  schliessen,  ohne  zu  bemerken, 
lass  die  Mondsicheln  des  Menschen,  sowohl  in  ihrer  so  charakteristi- 
chen  Form,  wie  durch  ihren  schönen  Kern  mit  einem  oder  mehreren 
lucleolusförmigen  Knoten  durchaus  nicht  den  Eindruck  sterbender 
SVesen   machen,  wie  dies  die  Schule  der  Hygiene  in  Rom  verlangt. 

Aber  ist  es  denn  wirklich  wahr,  dass  man  gar  nichts  von  der 
Reproduktion  der  Mondsichel  (Laver an ia)  des  Menschen  und  der 
Vögel  weiss? 

Ausser  dem,  was  wir  bereits  in  anderen  Noten  gesagt,  haben  wir 
pwi9se  Mondsicheln  des  Menschen  mit  zwei  Kernen  gefunden,  deren 
jeder  von  Pigment  umgeben  war.  Wir  haben  sowohl  im  Menschen 
ffie  in  den  Vögeln  rundliche  Mondsicheln  angetroffen,  welche  im  Centrum 
riüe  dichte  Pigmentanhäufung  aufwiesen  und  sich  scheinbar  auf  dem 
Wege  der  Segmentation  befanden.  Vielleicht  gehen  die  weiteren 
Stadien  der  Segmentation  mit  grosser  Geschwindigkeit  vor  sich  und 
ist  diese  Schnelligkeit  der  Grand,  dass  man  dieselben  nur  ausnahms- 
weise vorfindet.  Ein  Mal  ist  es  uns  gelungen,  eine  Figur  zu  färben, 
welche  wir  für  eine  segmentirte  Mondsichel  halten  dürfen ,  und  dies 
um  so  mehr,  da  sie  aus  dem  Blute  einer  Taube  herstammte.  In 
vielen  Fällen  bieten  sich  die  oben  erwähnten  Pigmentanhäufungen  frei 
in  Milz  und  Leber  dem  Auge  des  Beobachters  dar.  Wir  wollen  nicht 
verschweigen,  dass  wir  zuweilen  Figuren  angetroffen  haben,  welche 
fast  anzeigten,  dass  die  Mondsicheln  sich  transversal  theilen  und  sich 
dann  jede  ihrer  Hälften  wieder  theilt.  Jedenfalls  haben  wir  aber 
bis  jetzt  nur  Andeutungen  einer  Reproduktion  beobachten  können. 

Fassen  wir  Alles  zusammen,  so  ergibt  sich  daraus,  dass  die  ver- 
längerten Formen  der  Vögel  (unsere  Laverania  Danilewsky) 
den  Mondsicheln  des  Menschen  (unsere  Laverania  malariae) 
gleichen,  und  zwar: 

1)  vermöge  ihrer  charakteristischen  sichelartigen  Form; 

2)  durch  die  Thatsache,  dass  dem  Blute  entnommen,  sie  sich 
häufig  abrunden,  mit  Geissein  versehen  (letzteres  geschieht,  wenn  sie 
eine  gewisse  Dimension  erreicht  haben)  und  sich  in  Greisseikörper 
verwandeln,  welche  denjenigen,  die  aus  den  Mondsicheln  des  Menschen 
herrühren,  gleichen; 

3)  vermöge  ihrer  so  zu  sagen  versteckten  Reproduktion ; 

4)  vermöge  ihres  langsamen  (immer?)  Evolutionscyklus. 

l)  Dieses  Wort  „hauptsächlich"  findet  sich  auch  in  unserer  kleinen  Mittheilong 
Yom  Tcrg&ogenen  Jahr  und  scheint  unseren  Kollegen  entgangen  in  sein. 


486  Grassi  und  Feletti, 

Sie  unterscheiden  sich  hauptsächlich  l)  von  ihnen,  weil  die  er- 
wachsenen Mondsicheln  der  Vögel  dickere  Enden  haben,  als  wie  die 
der  Menschen,  einen  eiförmigen  Kern  besitzen  und  das  Pigment  oft 
fast  auf  die  beiden  Pole  des  Kernes  beschränkt  ist,  wo  sich  auch  das 
Protoplasma  in  grösserer  Menge  befindet l). 

Diese  Verschiedenheiten  sind  vielleicht  weniger  hervortretend, 
als  jene,  welche  zwischen  den  Hämamöben  der  Tertiana  und  der 
Quartana  existiren  *). 

Und  gerade  deshalb  haben  wir  die  Mondsicheln  des  Vogels  und 
des  Menschen  als  Arten  einer  und  derselben  Gattung  klassifizirt. 

Es  bleibt  uns  nun  noch  die  Klassifikation  anzudeuten,  welche  von 
unseren  Kollegen  vorgeschlagen  wurde. 

Sie  zeigen,  wenn  auch  mit  grosser  Vorsicht,  dass  sie  immer 
noch  der  Meinung  sind,  dass  eine  Form  sich  in  eine  andere  verwände]]] 
kann  und  dass  mithin  die  Malariaparasiten  des  Menschen  eise 
einzige  Art  ausmachen,  diejenigen  einer  jeden  Vogelvarietät  oder 
Art  eine  andere  Art  etc. 

Unter  Anderem  sagen  sie,  dass  man,  wenn  die  Haemamoeba 
praecox  nicht  allein  und  so  rein  im  Steinkauz  wäre,  in  der  Lerche 
nicht  leicht  die  Haemamoeba  praecox  von  der  Haemamoeba 
relicta  unterscheiden  können  würde. 

Sie  citiren  ausserdem  die  bereits  referirten,  mit  den  Lerchen 
gemachten  Experimente  und  schliesslich  auch  die  während  des  Winters 
stattgehabte  Veränderung  des  Blutbefundes  der  seit  dem  Sommer 
oder  Herbst  an  Malariafieber  Erkrankten. 

Mit  den  Experimenten  mit  den  Lerchen  beschäftigten  wir  uns 
schon  weiter  vorn,  was  den  Rest  anbelangt,  so  wenden  wir  ein: 

1)  Sieben  hier  in  Gatania  an  Menschen  gemachte  Experimente 
(zwei  von  Prof.  Di  Mattei  und  fünf  von  Dr.  Galandr  uccio);  in 
allen  sieben  Experimenten  wurde  nur  die  genaueste 
Reproduktion  der  injizirten  Form  erzielt  (Haema- 
moeba vi  vax  (Tertiana),  Laverania  malariae  (Quartana), 
Laverania  (quotidiana  und  unregelmässige  Fieber).  Die  Beobach- 
tungen dieser  künstlichen  Malariainfektioneu  wurden  monatelang 
fortgesetzt3); 


1)  In  den  noch  nicht  erwachsenen  Mondsicheln  des  Menschen  und  des  Vogels  itf 
das  Pigment  in  viele,  ofi  fast  gleichmassig  verstreute  Körnchen  vertheilt. 

2)  Ausnahmsweise  in  der  Taube,  fast  nie  im  Sperling,  jedoch  häufig  in  den  Schleier- 
eulen verlängern  sich  die  Mondsicheln  derartig,  dass  sie  die  Form  einer  Brezel  annehmen; 
der  Parasit  der  Tertiana  und  der  Quartana  könnte  mit  einer  ohne  Loch  gerstheoeB 
Breiel  verglichen  werden.  Auch  im  Menschen  sind  die  Mondsicheln  auweUen  sehr  ver- 
längert, so  dass  sie  in  einigen  seltenen  Fällen  drei  Viertel  eines  Ringes  bilden. 

8)  Diese  Experimente  wurden  s.  Z.  als  inhuman  hingestellt !  —  Aus  der  Arbeit 
Calandruccio's  wird  man  ersehen,  dass  derselbe  nur  mit  Personen  cxperimeflfrt«. 
welche  ganz  genau  wussten,  was  sie  thaten,  und  welche  sich,  sei  es  nun  aus  Liebe  itf 
Wissenschaft  oder  tum  Gelde ,  gern  die  Malaria  einimpfen  Hessen.  Wenn  es  gwtsttt 
ist,  dass  ein  Gutsbesitzer  hundert  Arbeiter  in  seine  Heisfelder  sum  Reisschneiden  schicken 
darf  und  mit  Sicherheit  weiss,  dass  mindestens  neunzig  der  Arbeiter  infolgedessen  *Q 
der  Malaria  erkranken  werden,  ohne  dass  er  durch  irgend  ein  Geseta  verpflichtet  ist,  die 
Kranken  wenigstens  wieder  heilen  au  lassen,  so  glauben  wir,  dass  auch  Dr.  Cal»n* 
d  r  u  c  c  i  o  berechtigt  war,  oben  erwähnte  Experimente  au  unternehmen  ;  Experimente, 
deren  erstes  Beispiel  in  Deutschland  von  Gerhardt  gegeben  wurde I 


Weiteres  zur  Malariafrage.  437 

2)  nicht  nur  einzelne  Individuen  einer  Art,  sondern  auch  einzelne 
\rten  (Tauben)  können  eine  einzige  der  oben  besprochenen  Formen 
larbieten; 

3)  in  allen  Fällen,  in  welchen  das  Studium  sorgsam  und 
rollständig  war,  sahen  wir  niemals  eine  Transformation  der  Para- 
siten stattfinden ;  wir  fanden  Individuen  (Menschen  oder  Vögel),  welche 
ron  ein,  zwei  oder  drei  Formen  infizirt  waren ;  in  jenen,  die  von  zwei 
>der  drei  Formen  infizirt  sind,  kann  sich  für  eine  gewisse  Zeit  fast 
msschiesslich  nur  eine  Form  und  für  eine  gewisse  andere  Zeit  fast 
msschliesslich  nur  eine  andere  zeigen.  Die  Mondsicheln  werden  oft 
ron  den  Formen  der  Tertiana  und  Quotidiana  begleitet. 

4)  Was  nun  in  den  gemischten  Fällen  das  Vorfinden  von  Exem- 
plaren anbelangt,  welche  man  nicht  mit  Bestimmtheit  einer  oder  der 
inderen  Form  zuschreiben  kann,  so  ist  das  etwas,  was  uns  nicht  sehr 
verwundern  kann,  handelt  es  sich  doch  um  sehr  niedere  Wesen.  Wir 
srionern  an  viele  analoge  Fälle  (Bakterien,  Blastomyceten,  Amöben). 

Schlussfolgerung:  Die  Malariaparasiten  sind  vielfältig:  Im  Men- 
schen existiren  deren  fünf  Arten  (siehe  weiter  unten);  wenn  man  will, 
kaon  man  sie  auch  Varietäten  nennen,  nur  ist  es  nothwendig,  fest- 
zustellen, dass  eine  Form  sich  nicht  in  eine  andere  ver- 
wandeln kann1).    (Grassi  und  Feletti  gegen  Golgi  etc.) 

In  Betreif  der  drei  Gruppen  (Haemogregarinen,  Haemo- 
proteus,  Plasmodium),  welche  von  Kruse  vorgeschlagen  und 
von  Celli  und  Sanfelice  mit  Hinzufügung  der  Varietäten  etc. 
acceptirt  wurden,  beschränken  wir  uns,  zu  bemerken,  dass  dieselben 
für  uns  künstliche  sind. 


Bei  der  Besprechung  der  Arbeit  Celli'*  und  Sanfelice 's 
haben  wir  schon  indirekt  in  vielen  wichtigen  Punkten  auch  die  Schluss- 
folgerungen von  Kruse  und  Danilewsky  kritisirt;  wir  müssen 
jedoch  hier  noch  ein  erst  kürzlich  von  Danilewsky  (Gentralblatt 
för  Bakteriologie  und  Parasitenkunde)  wieder  aufgenommenes  Argu- 
ment berühren. 

Danilewsky  behauptet  nämlich,  dass  die  Geissein  seines 
Polymitus  (Geisseikörper)  normale  organische  Bestand theile  seien. 

Wir  hatten  dagegen  eingewendet,  dass  der  Polymitus  nicht 
sofort  in  dem  aus  dem  Körper  des  Menschen  oder  des  Vogels  ent- 
nommenen Blute  erscheint,  sondern  erst  nach  einer  Pause  von 
meistens  mehreren  Minuten. 

1)  Im  Gentralblatt  für  allgemeine  Pathologie  etc.  beehrte  uns  Dr. 
Honti,  Assistent  des  Herrn  Prof.  Golgi  mit  einer  Kritik,  deren  Beantwortung  ans 
zu  einer  unnützen  Polemik  rubren  würde,  wir  beschränken  uns  daher  nur  darauf,  den 
*>ch  dafür  Iuteressirenden  freundlichst  au  ersuchen,  unsere  in  diesem  Blatte  s.  Z.  ver- 
öffentlichten Mittheilungen  nachzulesen,  und  fügen  nur  hinzu,  dass  noch  gans  kürzlich 
6<>}gi  in  der  Zeitschrift  für  Hygiene,  1891,  die  verschiedenen  Malariaparasiten  für 
"Abarten  ein  und  derselben  Parasiten  s  pecies"  und  in  den  Verhand- 
lQngen  des  Medizinischen  Kongresses  in  Berlin  1891  für  „une  variäte*  d'une 
*e°le  et  mäme  espece  parasi  taire**  ausgibt,  während  Monti  doch  be- 
btet, „die  Existenz  von  verschiedenen  Arten  von  Malariaparasiten  wurde  schon  vor 
*  Mren  durch  die  ausführlichen  Golgi 'sehen  Beobachtungen  festgestellt44. 


488  Grassi  und  Feletti,  Weiteres  aar  MaUriafrage. 

Danilewsky  antwortet,  dass  auch  die  Drepanidien,  um  im 
freien  Blute  erscheinen  zu  können,  dieselbe  Pause  nöthig  haben  und 
sie  desshalb  doch  Niemand  für  Zerfalls*  oder  AbsterbungsbildungeQ 
hielte.  Nun  wenden  wir  weiter  ein:  Man  kann  die  Drepanidien  in 
den  rothen  Blutkörperchen  gerade  so  sehen,  wie  dieselben  im  Blut- 
plasma erscheinen ;  anderseits  fehlt  die  Gewissheit,  ob  sie,  wenn  das 
Blut  circulirt,  aus  den  rothen  Blutkörperchen  .hervortreten  und  sich 
frei  im  Plasma  bewegen  können! 

Danilewsky  weist  auf  die  Geschwindigkeit  hiu,  mit  welcher 
sich  die  Geissein  zuweilen  entfalten,  und  schliesst  daraus,  dass  man 
zur  Erklärung  derselben  unumgänglich  ein  Vorbestehen  der  Geissela 
annehmen  muss.  Auch  macht  er  darauf  aufmerksam,  dass  die  Körper- 
form des  Polymitus  stets  ganz  regelmässig  kugelförmig  ist,  was 
nicht  mit  den  typischen  Degenerations-  und  Zerfallerscheinongeo  im 
Einklänge  steht.  Wir  haben  die  Geisseikörper,  die  aus  den  Mondsicheln 
(welche  unter  dem  Mikroskop  rundlich  werden  und  Geissein  ausaeodeo) 
herrühren,  wohl  gesehen,  niemals  aber  ein  Anzeichen  des  Vorher- 
bestehens der  Geissein  beobachten  können ;  die  Geschwindigkeit  der 
Entwickelung  ist  unserer  Meinung  nach  kein  genügender  Grund. 
Was  aber  die  Form  der  Geisseikörper  anbelangt,  so  haben  wir  sie 
ziemlich  oft  ganz  anders,  als  regelmässig  kugelförmig  gesehen  (quer- 
sackförmig). Auf  alle  Fälle  erinnern  wir  daran,  dass  andere  sterbende 
Protozoen  (Trichomonaden,  Amöben)  ebenfalls  eine  rundliche  Form 
annehmen. 

Danilewsky  ruft  auch  die  ungewöhnliche  Geschwindigkeit, 
Dauer  und  Energie  der  Bewegung  der  in  Rede  stehenden  Geissein 
an,  und  hält  deren  Vergleich  mit  den  von  den  rothen  Blutkörperchen 
ausgesandten  Geissein  für  vollständig  unbegründet  Gewiss  hatte 
Danilewsky  nie  Gelegenheit,  diese  letzteren  Geissein  im  Maximum 
ihrer  Entwickelung  zu  sehen,  wie  man  ihnen,  wenn  schon  selten,  zu- 
weilen begegnet.  Wir,  die  wir  unter  den  Wenigen  sind,  welche  bis 
jetzt  Gelegenheit  gehabt  haben,  sie  zu  beobachten,  halten  den  Ver- 
gleich mit  den  Geissein  des  Polymitus  für  begründet,  trotz  der 
verschiedenen  Geschwindigkeit  und  Energie  der  Bewegung. 

Es  ist  eine  Thatsache,  dass  die  Entfaltung  von  lebhaft  beweg- 
lichen Geissein  des  Polymitus  bisweilen  noch  innerhalb  des  rothen 
Blutkörperchens  vor  sich  gehen  kann ,  aber  auch  dies  spricht  nicht 
zu  Gunsten  der  Anschauung  von  Danilewsky,  da  wir  uns  immer 
nur  vor  einem  im  der  Circulation  entzogenen  Blute  bewahrheite 
Phänomen  befinden. 

Die  häufige  Aussendung  protoplasmatischer  Körperchen  (ver- 
muthliche  Sprossungen  oder  gemmulae  Celli 's)  gleichzeitig  mit 
der  Bildung  der  Geissein,  die  Ueisselentfaltung  der  Haemamoeba 
der  Quartana  (weniger  bewegliche  Geissein,  als  jene  der  Geisseikörper), 
was  gewiss  ein  Ägoniephänomen  ausdrückt,  das  Erscheinen  der  Geissein 
nur  extra  vitam,  d.  h.  ausserhalb  des  Blutkreises,  ihre  Unbeständig^ 
in  Zahl  und  Grösse,  deren  unregelmässige  Anschwellungen,  das  manch- 
mal Pigmentirtsein  etc.  bilden  eine  Summe  von  ThatsacheD,  welch* 
der  von  Danilewsky  aufrecht  erhaltenen  Hypothese  widerspricht. 

(ScMum   folgt.) 


Glhrung.  —  Boden  und  Bakterien.  489 


Referate. 


byser, K.,  Note  sur  les  ferments  de  l'ananas.  (Annales  de 
rinsütut  Pasteur.    Tome  V.  1891.  Nr.  7.  p.  456.) 

In  einer  spontanen  Gährung  von  Ananassaft  beobachtete  Verf. 
ine  Hefe  und  einen  Schimmelpilz,  welche  er  danach  isolierte  und 
nnem  genaueren  Studium  unterzog. 

Der  Hefepilz  vermochte  nicht,  Endosporen  zu  bilden.  Nach 
»nein  Aufwärmen  5  Minuten  hindurch  starb  derselbe  im  feuchten 
Zustande  bei  53°— 55°  C  und  im  trockenen  Zustande  bei  100°  bis 
105°  C  ab.  In  Nährflüssigkeit  entwickelte  er  im  Laufe  von  24  Stun- 
ien  eine  Hautbildung.  Sowohl  die  Nährflüssigkeit,  wie  auch  fester 
Nährboden,  worin  der  Hefepilz  gezüchtet  wurde,  empfingen  hierdurch 
eisen  eigentümlichen,  angenehmen  Aethergeruch.  Er  entwickelte  In- 
vertin  und  erregte  Alkoholgährung  in  Lösungen  von  Saccharose, 
Dextrose,  Galaktose  und  Maltose. 

Der  Schimmelpilz  bildete  im  Inneren  der  Hyphen  Reihen  von  bei- 
nahe rektangulären  Sporen,  10—16  Mikromillimeter  lang  und  3—5 
breit;  die  Sporen  sind  hyalin,  wie  die  Hyphen  selbst1).  Er  verleiht 
den  Nahrungssubstraten,  in  welchen  er  wächst,  einen  Geruch  nach 
Ananas  und  erregt  Alkoholgährung  in  Lösungen  von  Dextrose, 
Galaktose  und  Maltose,  nicht  aber  in  Saccharose,  es  fehlt 
ihm  auch  an  In  vertin.        Emil  Chr.  Hansen  (Kopenhagen). 

Reimers,  J.,  Ueber  den  Gehalt  des  Bodens  an  Bakterien. 
[Dias,  inaug.  aus  Jena.]    8°.  44  S.    Leipzig  1889. 
Auf  den  ersten  Seiten  seiner  unter  Leitung  von  Prof.  Gärtner 
angefertigten  Arbeit  giebt  Verf.  eine  sehr  übersichtliche  Zusammen- 
stellung   der  bis  jetzt  vorliegenden  bakteriologischen  Bodenunter- 
suchungen, unter  denen  er  mit  Recht  diejenigen  von  C.  Fränkel 
als  die  weitaus  besten  bezeichnet    Dessen  Methode  hat  R.  auch  im 
wesentlichen  befolgt,  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  er  jedesmal 
nicht,  wie  F.,  1/60  sondern  Vio  ccm  untersucht  und  sich  des  F.'schen 
Erdbohrers  wegen  des  felsigen  Untergrundes  von  Jena  nur  ausnahms- 
weise bedient  hat    Hierauf  ist  ja  auch  nur  wenig  Gewicht  zu  legen. 
Weniger  glücklich  erscheint  eine  andere  Abweichung,  die  B.  sich  er- 
laubt hat.    „Wir  vermischten  J/io  ccm  Erde  lu  einem  Achatmörser 
fflit  verflüssigter  erwärmter  Gelatine  und  verrieben  diese  Mischung 
bis  zur  feinsten  Zertheilung  mit  dem  Pistill War  alle  Flüssig- 
keit aus  dem  Mörser  entleert,  so  blieb  trotz  des  wiederholten  Um- 
rührens  mit  dem  Löffel  noch  ein  geringer  Bodensatz  zurück,  der  sich 
durch  Nachspülen  mit  Gelatine  so  gut  wie  vollständig  entfernen  liess.u 
Die  bo  verrührte  Gelatine  wurde  in  5—7  Gelatinegläschen  vertheilt, 

1)  Diese    merkwürdige  Sporenbildung    erinnert  an  die   Thiel* via    basicola 
z°pf'i-    (8iehe  das  Handbuch  dieses  Verfallen  „Die  Pilie".    Breslau  1890.   Fig.  61. 

Ref.) 


490  Boden  und  Bakterien. 

und  diese  zuEsmarch 'sehen  Rollröhrchen  verarbeitet.  Bei  diesem 
Verfahren  fehlt  diejenige  Vorsicht  gegen  das  Eindringen  fremdartiger 
Keime  aus  der  Luft,  die  wir  sonst  bei  bakteriologischen  Arbeiten  zu 
üben  gewohnt  sind,  weil  die  Kolonieen  von  Schimmelpilzen,  welche 
sich  in  der  Luft  in  Menge  aufzuhalten  pflegen,  sich  auf  den  Platten 
u.  s.  w.  sehr  störend  geltend  machen,  während  die  nur  in  minimalen 
Mengen  in  der  Luft  vorhandenen  Bakterienkeime  vielleicht  eher  ver- 
nachlässigt werden  können.  Freilich  hatte  sich  R.  durch  eine  Reihe 
von  Versuchen  überzeugt,  dass  die  Fehlerquelle,  welche  durch  dieses 
nicht  ganz  korrekte  Verfahren  bedingt  war,  gegenüber  den  zahllosen 
im  Boden  vorhandenen  Keimen  vernachlässigt  werden  konnte. 

R.  stellte  nun  3  Versuchsreihen  an,  erstens  auf  jungfräulichem, 
ausserhalb  der  Stadt  Jena  gelegenem  Acker-  und  Wiesenland,  zweitens 
auf  städtischem,  theilweise  stark  verunreinigtem  und  bis  zu  bestimmter 
Tiefe  aufgewühltem  Terrain,  endlich  drittens  auf  und  in  der  Umgebung 
von  Kirchhöfen. 

Auf  die  sehr  bedeutsamen  Versuche  kann  hier  im  Einzelnen  nicht 
eingegangen  werden.  Von  den  Ergebnissen  derselben  ist  vor  allem 
wichtig,  dass  R.  wie  Koch  und  Frank el  die  obersten  Bodenschichten 
äusserst  reich  an  Bakterien  fand,  jedoch  schon  zwischen  1  und  2  m 
unter  der  Oberfläche  eine  ziemlich  plötzliche  Abnahme  des  Bakterieo- 
gehalts  konstatiren  konnte  und  weiter  unten  schon  in  3 — 4  m  Tiefe 
mehrfach  die  Proben  ganz  steril  fand ;  einmal  war  dies  in  6,  mehr- 
mals schon  in  2  m  Tiefe  der  Fall.  Im  bereits  umgewühlten  Boden 
der  Stadt  sah  er  diese  keimarme  bezw.  keimfreie  Zone  tiefer  liegen, 
als  im  jungfräulichen. 

Ausserdem  machte  auch  R.  die  bemerkenswerte  Beobachtung, 
dass  die  in  Proben  aus  der  Tiefe  enthaltenen  Keime  auf  künstlichem 
Nährboden  langsamer  wachsen,  als  solche,  die  aus  oberflächlichen 
Bodenschichten  stammten.  Das  Grundwasser  fand  er  einige  Male, 
aber  nicht  immer  bakterienfrei ;  R.  glaubt  das  letztere  besonders  her- 
vorheben zu  sollen.  Nach  Ansicht  des  Ref.  ist  das  aber  garnicht 
so  auffällig.  Das  Grundwasser  verdankt  seine  Keimfreiheit  der  filtriren- 
den  Kraft  des  Bodens ;  daraus  folgt  aber  schon  von  selbst,  dass  man 
garnicht  erwarten  darf,  dasselbe  überall  bakterienfrei  zu  finden.  Wo 
der  Boden  zu  grobkörnig  und  zu  weitmaschig  ist,  da  lässt  die  fü- 
trirende  Kraft  desselben  im  Stiche,  und  alle  oder  ein  Theil  der  in  den 
oberen  Bodenschichten  vorhandenen  Keime  gehen  ungehindert  ins 
Grundwasser  über.  Daher  fand  R.  sogar  in  einer  Reihe  von  Ver- 
suchen „die  Grundwasser  führenden  Schichten  reicher  an  Keimen,  als 
die  Erdlagen  darüber".  Dann  aber  hat  R.  doch  wohl  nicht  mit  der 
peinlichen  Sorgfalt  das  Grundwasser  beim  Auffangen  vor  Verunreini- 
gungen mit  Erdpartikelchen  geschützt,  wie  es  G.  Frank  el  bei  seinen 
klassischen  Versuchen  gethan  hat 

Hoch  bedeutsam  sind  die  Ergebnisse  der  Untersuchungen  ß.s 
von  Kirchhofserde,  die  er  theilweise  aus  frischen,  theilweise  aus 
älteren,  bei  Exhumirungen  geöffneten  Gräbern  entnahm :  „Durch  Be- 
erdigungen erwies  sich  uns  der  Keimgehalt  des  Bodens  nicht  wesent- 
lich beeinflusst.  Weder  neben  noch  unter  dem  Sarge  war  die  Bak- 
terienmenge grösser,  als  an  den  entsprechenden  Stellen  der  Auigkicheß 


Parotitis.  —  Pyoseptische  Allgemeininfektionen.  4Q1 

Terrain  angelegten  Kontrollgruben.  Ohne  Einfluss  war  es  ferner,  ob 
die  Proben  aus  einem  Grabe  stammten,  in  welchem  vor  35,  oder  aus 
einem  solchen,  in  dem  efst  vor  l1/,  Jahren  die  Beerdigung  statt- 
gefunden hatte".  Die  Untersuchungen  v.  Esmarch's  und  Petri's, 
durch  die  die  alten  Bedenken  gegen  die  Kirchhöfe  recht  wesentlich 
erschüttert  wurden,  finden  hier  also  volle  Bestätigung,  ebenso  die 
Anschauungen  von  der  geringen  Bedeutung  des  Bodens  und  des 
Grundwassers  für  die  Verbreitung  der  Infektionskrankheiten,  wie  sie 
die  neuere  Hygiene  gewonnen  hat. 

Die  fleissige  und  klar  geschriebene  Arbeit  R.'s  verdient  alle 
Beachtung.  M.  Kirchner  (Hannover). 

Dittrich,  Ueber  einen  Fall  von  eiteriger  Parotitis  und 
deren  etwaigen  Zusammenhang  mit  äusseren  Ver- 
letzungen.   (Zeitschrift  für  Heilkunde.  Band  XII.  Heft  3.) 

Bei  einem  60  Jahre  alten  Manne  trat  6  Tage  nach  Zufügung 
leichter  äusserer  Verletzungen  eine  eiterige  Parotitis  auf.  Hierzu  ge- 
sellte sich  eine  diffuse  Bronchitis  und  lobuläre  Pneumonie.  Eine 
Woche  nach  dem  Auftreten  der  Parotitis  erfolgte  der  Exitus  letalis. 

Es  handelte  sich  nun  bei  der  Obduktion  um  die  Entscheidung 
der  Frage,  ob  die  eiterige  Parotitis  mit  den  multiplen  leichten  Ver- 
letzungen in  genetischem  Zusammenhange  stehe,  oder  nicht. 

Zunächst  erwies  die  bakteriologische  Untersuchung  den  Sta- 
pbylococcus  pyogenes  aureus  als  den  alleinigen  Erreger  der 
Parotitis. 

Bei  Berücksichtigung  der  rein  histologischen  Verhältnisse  ge- 
wann man  den  Eindruck,  es  handle  sich  um  eine  von  den  Drüsen- 
ausführungsgängen ausgehende,  peripher  vorschreitende,  eiterige  Paro- 
titis. In  keinem  der  zahlreichen  zur  Untersuchung  gelangten  Schnitte 
fand  man  mit  Eiter  erfüllte  Blut-  und  Lymphgefässe. 

Von  wesentlicher  Bedeutung  war  die  Lagerung  der  Bakterien 
im  Gewebe.  Nirgends  fand  man  dieselben  in  Blut-  und  Lymphge- 
fesen.  In  erster  Beihe  waren  sie  vielmehr  in  den  Drüsenausführungs- 
g&ngen  gelagert  Je  grösser  die  letzteren  waren,  um  so  grösser  war 
im  Allgemeinen  auch  die  Menge  der  in  denselben  enthaltenen  Mikro- 
organismen. 

Alle  diese  Momente  gestatteten  den  Schluss,  dass  die  eiterige 
Parotitis  hier  nicht  etwa  von  den  Verletzungen  aus  auf  dem  Wege 
der  Girkulation,  sondern  durch  Einwanderung  desStaphylococcus 
Pyogenes  aureus  von  der  Mundhöhle  aus  entstanden  ist 

Als  Erreger  der  Pneumonie  fand  man  ausschliesslich  den  Diplo- 
coccus  pneumoniae.  Sonach  konnte  auch  ein  ursächlicher  Zu- 
sammenhang zwischen  Pneumonie  und  Parotitis  ausgeschlossen  werden. 

Dittrich  (Prag). 

Karlinski,  Zur  Kenntniss    der  pyosep  tikämischen  All- 
gemeininfektionen.   (Prager  medicinische  Wochenschr.  1891. 
No.  20.) 
Im  Eiter  bei  einer  Phlegmone  des  Unterarmes  fand  Verf.  Trauben- 

tokken  und  spärliche  kleine,  feine  Stäbchen. 


492  Eitorkokken  im  Schweine  Pyimbcher.  —  Pemphigus  neonatorum. 

Kulturen  erwiesen  diese  Mikroorganismen  als  Staphylococcus 
pyogenes  aureus  und  als  Bacillus  pyoeyaneus.  Aas 
letzterem  konnte  Verf.  Pyocyanin  darstellen. 

Der  Fall  endete  letal  unter  dem  Bilde  einer  pyoseptikamischeo 
Allgemeininfektion. 

Im  Milzsaft,  im  Blute,  im  Gewebssafte  aus  den  vergrößerten 
Pey  er 'sehen  Drüsen  ergab  sich  die  alleinige  Anwesenheit  d&  im  In- 
halte der  Hautblasen  vorgefundenen  Bacillus  pyoeyaneus. 

An  Hunden  mit  diesem  Bacillus  vorgenommene  Impfungen  be- 
wirkten Eiterung.  Di tt rieh  (Prag). 

Eiseisberg,  A.  von,  Nachweis  von  Eiterkokkeo  im 
Schweisse  eines  Pyämi sehen.  (Aus  der  Klinik  Billroth 
in  Wien.  —  Berliner  klin.  Wochenschrift  1891.  No.  23.) 

Fall  von  Osteomyelitis  mit  Nekrose  des  Oberschenkelknochens. 
Lange  Dauer  des  Prozesses.  Neuerlich  akute  Eiterung  daselbst  and 
im  Kniegelenk.  Amputation  bei  schwerer  Pyämie  mit  Metastasen  im 
Schulter-  und  Sprunggelenke.  Vorübergehende  Besserung  mit  gleich- 
zeitiger sehr  starker  Schweisssekretion.  Tod  in  Folge  weiterer 
Metastasen  (Lungenabscesse,  Perinealabscesse  mit  folgender  circum- 
scripter  Peritonitis). 

Im  Eiter  des  Kniegelenkes,  der  Schultergegend,  des  Blutes  und 
des  Schweisses  konnte  Verf.  den  Staphylococcus  pyogenes 
aureus  nachweisen. 

Verl  ist  geneigt,  aus  dem  Befunde  von  Eiterkokken  im  Schweisse 
das  Vorkommen  von  septischen  Exanthemen  und  die  bei  schweren 
Eiterungen  zuweilen  auftretende  Furunkelbildung  zu  erklären. 

In  2  Fällen  gelang  Verf.  der  Nachweis  von  Eiterkokken  in  der 
Milch  von  Frauen,  wache  an  mit  Eiterung  einhergehenden  Krank- 
heitsprozessen erkrankt  waren.  Dittrich  (Prag). 

Almquist,  Pemphigus  neonatorum,  bakteriologisch  und 
epidemiologisch  beleuchtet  (Zeitschrift  für  Hygiene. 
Band  X.  Heft  2.) 

Verf.  untersuchte  bei  9  neugeborenen  Kindern  die  Pemphigus- 
blasen  bakteriologisch.  In  Gelatineplatten  entwickelten  sich  nach 
einigen  Tagen  eine  unendliche  Menge  sehr  kleiner,  deutlich  gelber 
Kolonieen,  die  die  Gelatine  bald  völlig  verflüssigten ;  andere  Kolonieen 
waren  grösser  und  isolirt  und  es  bildete  sich  um  jede  Kolonie  bald 
ein  centimetergrosser  Hof  von  verflüssigter  Gelatine.  Die  Kolonieen 
sind  unter  dem  Mikroskope  granulirt,  rundlich  und  besitzen  scharfe 
ebene  Kontouren.  In  Stichkulturen  wird  die  Gelatine  bei  20°  C  bald 
völlig  bis  zum  Boden  verflüssigt.  Auch  in  Bouillon  und  auf  Agar 
wächst  dieser  Mikroorganismus  gut. 

In  mikroskopischen  Präparaten,  die  von  dem  Blaseninhalte  an- 
gefertigt wurden,  fand  man  Eiterzellen  und  kleine  Häufchen  von 
Mikrokokken.    Letztere  färben  sich  sehr  leicht. 

Die  lebenden  Kokken  bilden  gewöhnlich  Diplokokken,  dazwiseneo 
kommen  sie  auch  vereinzelt  vor.    Die  Grösse  der  Kokken  L  '" 


Braun,  Berieht  Aber  die  Fortschritte  in  der  UderUehen  Paratitenkuide.     49g 

),5  bis  1  ix.    In  getrocknetem  und  gefärbtem  Zustande  sind  sie  etwas 
(deiner. 

Verf.  hat  mit  Reinkulturen  der  vorgefundenen  Kokken  Impfungen 
in  rieh  selbst,  und  zwar  am  Arme  vorgenommen.  An  den  Impfstellen 
abwickelten  sich  nach  2  bis  3  Tagen  wirkliche  Pemphigusblasen. 
Der  Prozess  hielt  sich  oberflächlich  in  der  Epidermis. 

Verf.  hält  diesen  Mikroorganismus  für  den  Pemphiguserreger  in 
ien  von  ihm  untersuchten  Fällen  und  nennt  ihn  Micrococcus 
pemphigi  neonatorum.  Derselbe  zeigt  eine  grosse  Lebens- 
fähigkeit und  bleibt  beim  Eintrocknen  lebensfähig. 

Dittrich  (Prag). 


Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thierisohen 
Parasitenkunde. 

Von 

M.  Braun 

in 

Königsberg  L  P. 

(Fortaetsung.) 

D.  Nematodes. 

0.  Hamann  (61)  gibt  einen  vorläufigen  Bericht  über  seine 
anatomischen  Untersuchungen  an  Nematoden,  besonders  an  Leca- 
oocephalus  aus  dem  Seebarsch  der  Adria.  Das  Thier  besitzt  nur 
ein  Exkretionsgefäss  in  der  rechten  Seitenlinie,  welches  unterhalb  des 
Nervenringes  nach  aussen  mündet  und  etwa  in  der  Körpermitte  durch 
einen  feinen  Porus  mit  der  Leibeshöhle  in  Verbindung  steht;  diesem 
Endabschnitt  soll  ein  Gl om er ulus -artiger  Körper  anliegen.  Zwei 
solcher  Qefässe,  welche  getrennt  in  die  Leibeshöhle  münden,  besitzt 
auch  Dochmius.  Eigenthümliche  Zellen  in  den  Seitenlinien  sollen 
eine  ähnliche  Rolle  spielen,  wie  die  Terminalzellen  im  Exkretionssystem 
<tar  Plathelminthen  —  es  geht  aus  diesen  Angaben  nicht  sicher  genug 
hervor,  ob  die  Exkretionsorgane  der  Nematoden  nähere  Beziehungen 
zu  denen  der  Platt-  oder  zu  denen  der  RingelwOrmer  haben. 

VonLinstow  (62)  veröffentlicht  Beobachtungen  über  O  o  r  d  i  u  s 
toi os an us  (cf.  d.  Centralbl.  IX.  1891.  pg.  760),  die  auch  die 
Anatomie  betreffen. 

Verschiedene  Autoren  haben  einen  Zahn  bei  den  Embryonen 
tarAscariden  beschrieben  und  darauf  hin  die  Vermuthung  aus- 
gesprochen, dass  dieser  Zahn  auf  das  Einbohren  in  einen  Zwischen- 
*vth  hinweise;  obgleich  die  letztere  Anschauung  durch  die  Versuche 
Qrassi'8  und  Calandruccio's  hinfällig  geworden  ist,  ist  es  doch 
nicht  ohne  Interesse,  zu  hören,  dass  nach  Ch.  W.  Stiles  (63)  dieser 
vermeintliche  Zahn  (bei  Asc.  lumbrieoides)  nur  die  Anlage  der 
drei  Mundpapillen  darstellt 


494  Braun, 

Drei  Fälle  der  cochiochinesischen  Diarrhöe,  welche  durch 
Rhabdonema  strongyloides  Lkt.  (=Anguillula  in testi- 
nalisBavay) verursacht  wird, beschreibt P. S o n s i n o (64)  vod Pisa : 

1.  P.  8.,  68  Jahr  alt,  Erdarbeiter,  tritt  in  das  Hospital  am  21.  YH 
1889  wegen  schwerer,  mehrmonatlicher  Diarrhöen  und  eines  Hodenaack- 
bruohes;  Pols  anregelmässig,  Fasse  oedematös,  es  besteht  Erbrechen 
and  Diarrhöe;  in  den  Faeces  Embryonen  von  Rhabdonema  and 
Ceroomonas  intestinalis.  Patient  starb  am  24.  Juli;  die  Sektion 
ergab  Atherom  der  Aorta  und  ihrer  Klappen,  kleine  Milz,  alte  pleorituehe 
Adhäsionen.  Darm  stark  hyperaemisch,  mit  Erosionen  der  Mueosa  so- 
wohl im  Dünndarm  als  im  Colon;  zahlreiche  Rhabdonema. 

2.  A.  M.,  25  Jahr  alt,  erst  Ziegeleiarbeiter,  seit  2  Jahren  Kärrner, 
leidet  seit  2  Jahren;  Patient  ist  sehr  anaemisoh,  klagt  über  Schmerzen 
auf  der  linken  Brustseite;  Husten  nicht  vorhanden,  doch  starkes  systoli- 
sches Geräusch.  Die  Diagnose  (IX.  1889)  wurde  zuerst  auf  Anchylo- 
stoma  gestellt  und  demgemäss  verfahren,  doch  kamen  nur  2  Ascarii 
lumbriooides  zum  Vorsohein.  Patient  trat  am  21.  IX.  ins  Spital, 
in  den  Faeces  wurden  die  Embryonen  der  Rhabdonema  oonstatirt, 
ebenso  Eier  von  Trichocephalus.  Der  Patient  erhielt  Liq.  ferr. 
sesquichlor.,  unter  welcher  Behandlung  der  Zustand  sich  besserte;  am 
5.  Oktober  wird  Thymol  gegeben,  worauf  am  6.  die  Embryonen  in  den 
Faeces  alle  abgestorben  waren ;  am  1 1 .  X.  sind  solche  nur  noch  ausser- 
ordentlich selten;  am  20.  X.  tritt  P.  in  bester  Gesundheit  ans. 

3.  S.  L.,  56  Jahr  alt,  erst  Schneider,  seit  einigen  Jahren  Fahrmann, 
kam  am  20.  III.  91  mit  Enteritis  ins  Spital;  sein  Leiden  ist,  wie  ei 
Sonsino  am  25.  April  erklärte,  über  ein  Jahr  alt;  nach  einem  durch- 
gemachten Inf  lue  n  za- Anfall  war  Husten  und  Diarrhöe  nachgeblieben; 
es  bestand  Bronchialkatarrh,  Eiterung  der  Axillardrüsen,  starke  Ab- 
magerung trotz  erhaltenem  Appetit;  profuse  Diarrhöen,  Oedem  an 
Händen  und  Füssen.  In  den  Fäoes  zahlreiche  Embryonen  von  Rhab- 
donema; die  eingeleitete  Kur  hat  keinen  Erfolg,  der  Kranke  starb  10 
Tage,  nachdem  ihn  S.  in  Behandlung  genommen  hatte.  Bei  der  Autopsie 
fanden  sioh  zahlreiche  Veränderungen  der  Organe,  die  hier  nicht  inter- 
essiren,  und  im  Darm  noch  lebende  Embryonen  der  Rhabdonema 

A.  Railliet  (65)  führt  den  Nachweis,  dass  der  in  den  Bronchien 
der  Pferde  vorkommende  Strongylus  nicht,  wie  man  bisheran- 
nahm, Str.  micrurus  Mehl,  ist,  sondern  Str.  Arnfieldi  Cobb. 

Neue  Arten: 

1.  Spiropterina   inflata  in  Soyllium  immoratum,  Ost- 
indien (L  in  stow  [29]). 

2.  Filaria  hyalina  in  Sorex  vulgaris  (ibidem). 

3.  F.   bhamoensis    ia  Aoido theres   albooinctus  (C.  P»- 
rona  [57]). 

4.  F.  maorophallus  in  Hydrosaurus  salvator  (ibidem). 

5.  F.  M  ontioelliana   in  Sylvia   atrioapilla    u.   Poecile 
palustris  (Stossich  [31]). 

6.  Asoaris  mioropapil  lata  in  Pelecanus  sp.  (ibid.). 

7.  A.  oy nonycteridis   in  Cynonyoteris  amplexioaudata 
(C.  Parona  [57]). 


Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thieriftchen  Parasitankunde.  495 

8.  A.  Gestri  in  Tropidonotus  qui  n  ounciatus  (ibid.). 

9.  A.  graoillima  (larva)  in  Cobitis  barbatula,   Phoxi- 
nus  laevis  u.  Gast  er  Ostens  aouleatus  (L  instow  [29]). 

10.  Oxjsoma  terdentatnm  in  Triton  oristatns  (ibii). 

11.  Triohosoma  spinnlo  sum    in   Fuligula    ferina   (ibid.). 

12.  Heterakis  Feae  in  Testudo  sp.  (C.  Parona  [57]). 

13.  Biotnlaria  Elvirae  in  Seiurus  rufigenis  (ibid.). 

14.  Physaloptera  yarani  in  Yaranns  bengalensis  (ibid.). 
Neue  Wirthe: 

Faloo  communis  fdr  Filaria  foveolata  Moli  n  (Stos- 
sich  [31]). 

TJmbrina  oirrhosa  u.  Mugil  cephalus  fdr  Leoanoo  epha- 
lus  annulatus  Mol.  (Sonsino.  [23]). 

Platessa  passer  für  Heterakis  fusiformis  Molin  (Stos- 
sich  [28]). 

Lyrurus  (Tetrao)  tetrix  für  Heterakis  oompar  Sobr. 
(Stossioh  [32]). 

Canis  familiaris  für  Filaria  aoutiusoula  Mol  (ibid.). 

Emys  lutaria  für  Cuoullanus  Dumerilii  Poir.  (Stos- 
aioh [33]). 

Nyotioorax  ardeola  für  Asearis  miero  cephala  (ibid). 

Cottus  soorpius   für  Asearis    soleae  Rud.   (Braun   [34]). 

E.  Acanthoeephala. 

Ueber  die  interessanten  Kratzer  liegen  zwei  grosse  Arbeiten  vor, 
die  allerdings  beide  noch  nicht  abgeschlossen  sind.  Das  Referat  über 
die  eine  von  Joh.  Kaiser  (66)  müssen  wir  uns  vorbehalten,  da  sie 
mitten  im  Text  abbricht,  wogegen  die  von  O.  Hamann  (67)  einen 
Abschluss  zeigt    Bei  der  grossen  Fülle  neuer,  wichtiger  und  wohl- 
begründeter Daten  ist  ein  knappes  Referat  unmöglich;  ein  ausführ- 
licheres  dürfte  aber  an  dieser  Stelle  um  so  weniger  erwünscht  sein, 
&ta  die  Arbeit  H  a  m  a  n  n  's  vorzugsweise  zoologisches  Interesse  bietet 
und  sowohl  die  Embryonalentwicklung,  als  besonders  die  Histogenese 
der  Organe  und  derqn  Struktur  behandelt,  ein  Kapitel,  das  für  den 
Morphologen  anziehend  genug  ist,  da  es  hier  relativ  leicht  gelungen  ist, 
die  Organe  bis  zu  der  ersten,  aus  einer  oder  mehreren  Zellen  bestehen- 
den Anlage  Schritt  für  Schritt  zu  verfolgen.    Der  noch  in  der  Ei- 
sehaie eingeschlossene  Embryo    besteht  aus  einer  peripheren  Masse 
Wasser  Zellen,  die  einen  centralen  Zellenhaufen  einschliessen;  aus 
letzterem  gehen,  wie  dies  R.  Leuckart  gefunden  hat,  fast  alle 
Organe  des  Körpers  hervor.    Die  periphere  Schicht  liefert  nur  die 
Haut  and  macht  eine  eigenthümliche  Metamorphose  durch,  indem 
die  Zellen  nach  Ueberführung  der  ausgebildeten  Eier  in  den  Zwischen- 
Jirth  unter  einander  verschmelzen  und  nur  einige  wenige,  aber  riesige 
Kerne  behalten  —  die  einzelnen  Phasen  sind  nicht  bekannt.    Bei  den 
meisten  Arten  zerfallen  diese  Kerne  in  eine  grössere  Anzahl  kleinerer, 
die  sich  mehr  in  der  Tiefe   der  immer  mächtiger  werdenden  Haut- 
schicht anordnen,  während  auf  dieser  eine  Cuticula  -und  innerhalb 
des  Syncytiums  Fasersysteme,  sowie  das  Kanal-  oder  Lakunen- 


Braun, 

System  auftritt  Nur  bei  Echinorhynchus  clavaeceps  bleibt 
die  Haut  während  des  ganzen  Lebens  auf  dem  Jugendstadium,  <L  h. 
als  Syncytium  mit  wenigen  Riesenkernen  bestehen. 

Die  rftthselhaften  Lemnisken  erweisen  sich,  wie  dies  bereits 
Leuckart  angab,  als  paarige,  nach  innen  sich  entwickelnde  Aus- 
wüchse der  Haut,  deren  Struktur  sie  besitzen;  sie  bleiben  auch  bei 
Ech.  clavaeceps  auf  dem  niedrigen  Zustande  der  übrigen  Haut 
und  besitzen  nur  je  zwei  Kerne,  obgleich  sie  fast  3  mm  lang  sind. 
Die  Funktion  der  Lemnisken  sieht  H.  darin,  dass  sie  die  in  ihrem 
Lakunensystem  enthaltene  Flüssigkeit  bei  Ausstülpung  des  Küsseis 
mit  nach  vorn  treiben  und  diese  bei  der  Zurückziehung  des  Orgaoes 
wieder  aufnehmen. 

Die  Körpermuskulatur  bildet  'sich  aus  der  peripheren  Schicht 
des  zentralen  Zellenhaufens,  die  sich  abspaltet,  damit  zugleich  die 
Leibeshöhle  entstehen  lftsnt  und  sich  der  Innenfläche  der  Haut  wie 
ein  einschichtiges  Epithel  anlagert;  nach  Art  der  Epithelmuskelzellen 
bildet  nun  diese  Schicht  zunächst  die  Ringsmuskulatur  des  Körpers, 
wahrend  später  durch  Zellen  derselben  Schicht,  die  sich  aber  von 
vornherein  an  der  Bildung  der  Riogsmuskeln  nicht  betheiligt  haben, 
sondern  nachträglich  aus  dem  Verbände  der  Epithelmuskelzellen  nach 
innen  rücken,  die  Längsfaserschicht  geliefert  wird. 

Alle  übrigen  Organe,  der  Rüssel  mit  seinen  Haken  und  Scheiden, 
das  Ganglion,  die  Genitalien  etc.  sind  Bildungen  der  zentralen  Zellen- 
masse, die  Hamann  als  Entoderm  anspricht.  Bemerkenswert  ist 
die  Angabe,  dass  um  den  tief  in  der  Darmwand  sitzenden  Rüssel, 
Bulla  und  Hals  von  Ech.  proteus  (Hecht  und  Aesche)  eine  Ver- 
kalkung in  der  Grundsubstanz  des  Bindegewebes  der  Darmwand 
eintritt. 

In  biologischer  Beziehung  ist  der  Nachweis  von  Interesse, 
dass  Ech.  proteus  unter  Umständen  zwei  Zwischen wirthe 
hat,  indem  die  aus  den  Embryonen  inGammarus  pulex  entstehen- 
den Larven  mit  ihren  Wirthen  in  verschiedene  kleine  Süsswasserfische 
(Phozinus  laevis,  Cobitis  barbatula,  Gobio  fluviatilis, 
Gasterosteus  aculeatus  und  punguitius)  gelangen,  dort  aber 
sich  nicht  im  Darm  ansiedeln,  sondern  diesen  durchsetzen  und  sich 
auf  der  Leber  ansiedeln.  Der  definitive  Wirth  ist  wenigstens  für  die 
untersuchte  Lokalität,  die  Leine  bei  Göttingen,  die  Bachforelle. 

In  systematischer  Hinsicht  ergab  die  Untersuchung  der 
Wiener  Sammlung,  dass  D i e s i n g  unter  dem  Namen  Ech.  proteus 
Westr.  zwei  ganz  verschiedene  Arten  vereinigt  hat;  nur  auf  die  Exem- 
plare mit  23—24  Hakenreihen  passt  die  Westr  um  b'sche  Beschrei- 
bung, die  anderen  mit  nur  10  Hakenreihen  gehören  zu  einer  neuen 
Art,  welche  Hamann  Ech.  Linstowi  tauft;  diese  letztere  war 
vorhanden  aus  dem  Darm  von  Abramis  ballerus,  Idus  mela- 
notus,  Alburnus  bipunctatus  u.  Acipenser  huso.  Ferner 
wird  beschrieben  Ech.  Lotzii  n.  sp.  aus  dem  Darm  von  Bufo 
agua  aus  Brasilien. 

P.  M6gnin  (68)  hält  noch  immer  an  seiner  Ansicht  fest,  dass 
die  Lemnisken  der  Acanthocephalen  Reste  eines  verloren  gegangenen 
Darmes  sind,  der  gegabelt  war,   wie   bei  den  Trematoden !    Er  ist 


Berieht  über  dia  Fortsehritte  in  der  thlerisehen  Parmsitenkonde.  497 

fernerhin  der  Meinung,  dass  die  Embryonen  von  Ecb.  proteus 
nicht  nur  in  Gammarus  pul  ex  sich  zur  Larve  entwickeln,  son- 
dern auch  im  Darm  der  Fischotter,  weil  er  n&mlich  auf  und  in 
Faeces  von  Lutra,  die  ihm  ein  Otternjäger  gesandt  hatte,  rothe 
Körperchen  fand,  die  sich  als  Entwickelungsstadien  von  Ech.  pro- 
teus herausstellten.  An  die  näher  liegende  Erklärung,  dass  diese 
Stadien,  die  sich  bei  Lutra  im  Darmlumen  (!)  entwickeln  sollen,  aus 
verzehrten  Gammariden  stammen,  scheint  M.  nicht  zu  denken. 
Ausser  den  bereits  angeführten  werden  noch  folgende  neue 
Arten  beschrieben: 

1.  Ech.  oroatioui  in  Syrnium  uralense  (Stossioh  [31]). 

2.  Eoh.  taeniaeformia  inCaranx  ap.  Ostindien  (v.  Linitow 
[28]). 

3.  Seh.  Ninnii  in  Putorius  vulgaris  (Stoaaioh  [83]). 
Neue  Wirthe: 

Ciroua  aeruginoaua  ffir  Eoh.  globooaudatui  Zed.  (Stos- 
sioh [31]). 

Himantopua  melanopterui   für  E.  lanoea  Weatr.  (ibid.). 

Corvua  cornix  für  Eoh.  terea  Weitr.  (ibid.). 

Thynnua  vulgaris  für  Eoh.  priatia  Rud.  (ibid.). 

Syrnium  uralense  für  Eoh.  globooaudatua  Zed.  (8toa- 
lich  [81]). 

Striz  lapponioa  für  Eoh.  tuba  Rud«  (Lö'nnberg  [27]). 

Balaenoptera  borealia    für  Eoh.   porrigena   Rud.  (ibid.). 

Crenilabrus  griseua  für  Eoh.  labri  Rud.  (Sonaino  [22]). 

Pagellus  erythrinua  u.  Raja  aateriaa  für  Eoh.  pro- 
pinquua  Duj.  (Stoaaioh  [28]). 

Box  boops  für  Eoh.  priatia  Rud.  (ibid.). 

Oobiua  ophiooephalua  für  Eoh.  propinquua  Duj. 
(Stoaaioh  [32]). 

Thymallua  vexillifer  u.  Barbua  plebejua  für  Eoh. 
Proteus  Weatr.  (ibid.). 

Emys  lutaria  für  Eoh.  anthuris  Ouj.  (ibid.). 

Abramis  brama  für  Ech.  Linstowii  Harn.    (Braun   [34]). 

F.  Anneliden 

Unter  den  Boratenwürmern  sind  schmarotzende  Arten  ausser- 
ordentlich selten,  weshalb  es  wohl  gerechtfertigt  ist,  mit  wenigen 
Worten  auf  einen  neuen  Fall  einzugehen,  den  deSaint-Joseph  (69) 
beschrieben  hat  Der  betreffende  Borstenwurm,  der  den  Namen 
Labrorostratus  parasiticus  n.  gen.  n.  sp.  erhalten  hat,  gehört 
zu  den  Lumbriconereiden  und  schmarotzt  in  der  Leibeshöhle  an- 
derer Anneliden,  so  bei  Odontosyllis  ctenostoma,  Eusyllis 
monilicornis,  Syllis  prolifera,  Pionosyllis  lamelligera 
und  Grub ea  clavata.  Oft  sind  die  Wirthe  nur  wenige  Millimeter 
länger,  als  ihr  Gast,  der  bis  8  mm  lang  wird,  aber  doch  geschlechts- 
reif ißt;  es  bleibt  fraglich,  auf  welchem  Wege  und  auf  welchem 
Stadium  der  Parasit  in  seinen  Wirth  eingedrungen  ist.  Andere  Fälle 
sind  das  Vorkommen  einer  Amphinome  bei  Lepas  anatifera, 
*••*•  82 


498  Balantidium  coli. 

ferner  Alciopina  parasitica,  deren  Larven  in  Cydippe  densa 
leben,  Oligognathus  bonelliae  bei  Bonellia,  Haemato- 
cleptes  terebellidis  bei  Terebellides  Stroemii  u.  Lum- 
briconereis  sanguinea;  viel  häufiger  ist  Raumparasitismus  unter 
den  Borstenwürmern. 

Qt.  Mollusca. 

Mit  Rücksicht  auf  unser  Referat  über  parasitische  Lamellibranchier 
(vgl.  d.  Centralbl.  V.  1889.  pg.  241)  führen  wir  noch  einen  weiteren 
Fall  an,  den  A.  Voeltzkow  (70)  vor  Kurzem  veröffentlicht  hat 
Im  Oesophagus  einer  Synapta  (von  Sansibar)  lebt  eine  kleine, 
2 — 3  mm.  lange  Muschel  (Entovalva  mirabilis  n.  gen.  n.  sp.) 
und  kriecht  mit  Hilfe  ihres  keilförmigen  Fusses  lebhaft  umher.  Rück- 
bildungen, die  in  Folge  des  Parasitismus  hier  aufgetreten  wären, 
sind  kaum  zu  nennen.  Die  Eier  des  Thieres  gelangen  in  einen  von 
den  Mantellappen  begrenzten  Brutraum  und  machen  dort  den  grössten 
Theil  ihrer  Entwickelung  durch;  von  hier  werden  sie  in  den  Dann 
des  Wirthes  entleert,  den  sie  per  anum  verlassen,  um  als  freischwim- 
mende Larven  im  Wasser  zu  leben.  Wahrscheinlich  dringen  die  jungen 
Thiere,  nachdem  sie  im  Freien  ihre  Metamorphose  durchgemacht 
haben,  direkt  durch  den  Mund  in  den  Darm  ihres  Wirthes  ein  — 
der  Autor  hat  wiederholt  aus  dem  Darm  herauspräparirte  Entovalven 
in  die  Synapten  hineinkriechen  gesehen.  Im  Darm  derselben  Synapten 
kommen  auch  noch  parasitische  Schnecken  von  2—3  mm  Lange  vor, 
die  wie  Stylifer  etc.  einen  sehr  langen  Rüssel  besitzen  (vgl.  d. 
Centralbl.  V.  1889.  pg.  444). 

(Schluss  folgt.) 


Ortmann,  K.,  üeber  Balantidium  coli.  (Berl.  klin.  Wchschr. 
1891.  Nr.  33.  S.  814.) 

Ein  Matrose  ging  der  Kieler  med.  Klinik  mit  den  Erscheinungen 
des  chronischen  Darmkatarrhs  (Verdacht  auf  Darmtuberculose)  zu. 
Die  Diarrhöen  trotzten  den  verschiedensten  Medikamenten,  wie  Tannin, 
Wismut,  Golombo,  Naphtalin,  Kreosot.  Erst  als  im  Stuhl,  und  zwar 
in  den  ihm  beigemischten  Schleimflocken  das  Vorhandensein  von 
Balantidium  coli  nachgewiesen  war  und  in  Versuchen  ausserhalb 
des  Körpers  u.  a.  Chinin  als  schädlich  für  diese  Mikroorganismen 
sich  erwiesen  hatte,  gelang  es,  durch  Ghininklysmen  mit  kombinirter 
Darreichung  von  Chinarindenpulver  in  keratinirten  Pillen  per  os  den 
Zustand  des  Kranken  erheblich  zu  verbessern  und  die  Diarrhöe  zu 
beseitigen.  Immerhin  liess  sich  nach  der  Entlassung  des  Patienten, 
dessen  Infektion  wahrscheinlich  in  Brasilien  erfolgt  war,  ein  einzelnes 
Exemplar  von  Balantidium  im  Darmschleim  auffinden. 

Die  Versuche  ausserhalb  des  Körpers  geschahen  an  dem  im 
Original  näher  beschriebenen  und  abgebildeten  Protozoen  in  der 
Weise,  dass  in  der  feuchten  Kammer  die  Zeit  des  Absterbens  nach 
Zusatz  von  Chlornatrium  (8///o)>  Karlsbader  Wasser,  Kaliumperman- 


Heim,  Die  Neuerungen  d.  bakt  ünteriuchungunethoden  seit  d.  Jahre  1887.    499 

ganat,  Salzs&ure,  Essigsäure,  Tannin  und  Chinin  in  verschiedenen 
Konzentrationen  beobachtet  wurde.  Die  meisten  der  Mittel  hatten 
den  Tod  der  bewimperten  Infusorien  binnen  Kurzem,  Chinin  in  1  °/00 
Lösung  z.  B.  schon  innerhalb  5  Minuten  zur  Folge.  Ohne  die  Zu- 
sätze blieben  sie  länger  am  Leben,  aber  nur  einmal  gelang  es,  sie 
in  der  feuchten  Kammer  bei  Z.  T.  24  Stunden  zum  Theil  lebend  zu 
erhalten;  auch  bei  K.  T.,  im  Stuhl  und  im  Darmschleim  war  ihre 
Lebensdauer  nur  eine  kurze.  Auffallend  erscheint  es,  dass  die 
Anaerobiose  keine  Berücksichtigung  fand,  z.  B.  mittels  des  Bu eb- 
ne r'schen  Pyrogallol- Verfahrens,  welches  nach  NikiforoffT)  beim 
hängenden  Tropfen  leicht  angewendet  werden  kann.  Naheliegend 
wäre  auch  die  Untersuchung  über  das  Verhalten  der  Thiere  gegen- 
über anderen  Mitteln,  wie  Salicylsäure ,  Sublimat  u.  dgl.  und  die 
innere  Verordnung  von  Kalomel  gewesen.         Heim  (WQrzburg). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Helm, 

k.  b.  StabMrit  und  Privatdosentan. 
(FortoeUung.) 

Zeitersparniss  und  Vermeidung  aller  Hilfsapparate  verband 
Soyka'),  wo  es  sich  nicht  um  Zählung,  sondern  Isolirung  der 
Keime  handelt,  mit  sehr  geringem  Verbrauch  an  Nährmaterial  durch 
Verwendung  flacher  Doppelschalen,  deren  untere  etwa  7 — 9  Aus- 
schlifie  besitzt  zur  Aufrahme  weniger  Tropfen  des  Nährmaterials; 
mittels  Platinöse  werden  die  Verdünnungen  vom  1.  Tropfen  aus  vor- 
genommen. Den  im  Beagenzröhrchen  zurückbehaltenen  Rest  der 
Nährgelatine  verwende  ich  zur  Anlegung  irgend  einer  Verdünnung 
als  Rollplatte.  Günther8)  beschickt  einen  sterilen  Objektträger 
oder  die  Innenwand  des  Deckels  einer  Petri'schen  Schale  mit  4—5 
isolirten  Tropfen  Bouillon  oder  sterilisirten  Wassers.  Sie  werden  der 
Reihe  nach  vom  ersten  aus  infizirt,  vom  letzten  Tropfen  kommt  eine 
Oese  in  ein  Röhrchen  mit  verflüssigter  Gelatine  oder  Agar,  welches 
in  die  Petri'sche  Schale  ausgegossen  wird.  Der  mit  den  Tropfen 
beschickte  Deckel  bleibt  während  der  ganzen  Beobachtungszeit  auf 
dem  Schalchen  liegen. 

1)  S.  Bef.  Bd.  IX.  8.  291. 
*)  D.  m.  W.  88  43.  876. 
3)  Einführung  etc.  S.  113. 


500  Hel,n' 

Bilder  von  Kulturen  auf  Platten  erhält  man  nach  de  Griaxa 
(O.  3.  700)  durch  Auflegen  auf  lichtempfindliches  Eiweisspapier  und 
Behandlung  des  letzteren  im  Tonfixirbad. 

Auch  das  y.  Esmarch'sche  Rollplattenverfahren  wurde  you 
Manchen  abgeändert  Schill  (0.  5.  337)  schob  zwei  Reagenzgläser 
in  einander,  zwischen  welche  die  besäte  Gelatineschicht  zu  liegen  kam, 
ferner  empfahl  er,  wie  Marpmann1),  Medizinflaschen  von  100  bis 
200  ccm  Inhalt  an  Stelle  der  Reagenzgläser.  Gleichmässiges  Aus- 
rollen erzielte  Hermann  (O.  7.  56)  durch  ein  kleines,  ein  Gestell 
im  Kreis  bewegendes  Mühlrad,  Prausnitz  (0.  9.  128)  durch 
einen  mit  Kurbel  drehbaren  Apparat.  Zur  leichteren  Zählung  zog 
Tayel  (O.  5.  652)  mit  einem  Glasstifte  Linien  auf  der  Aussenseite 
des  Reagenzglases. 

Zur  quantitativen  Einfallung  des  Nährmaterials  in  die  Gefasse 
hat  Wilfarth  (2.  369)  einen  eigenen  Scheidetrichter  fertigen  lassen. 
Derselbe  wird  jedoch  von  dem  sehr  brauchbaren  Treskow'schen 
Apparat s)  übertroffen.  Von  dem  mit  einer  rechtwinkeligen  Bohrung 
versehenen  Hahn  einer  Art  grossen  Scheidetrichters  geht  seitlich  ein 
kleines  Messgefäss  U-fÖrmig  nach  oben  ab,  in  welches  bei  der  ersten 
Stellung  des  Hahnes  das  Nährmaterial  einströmt,  während  eine  weitere 
Drehung  des  Hahnes  den  Ausfluss  der  abgemessenen  Menge  in  ein 
untergehaltenes  Oefäss  von  statten  gehen  Tässt. 

Die  Kulturgefässe  kann  man  mit  Wattepfropfen  versehen,  welche 
durch  Wasserglas  nach  Bartoschewitsch  (0.  4.  212)  form-  und 
feuerbeständig  gemacht  wurden. 

Flaschen  und  Gefässe  zu  verschiedenen  Zwecken. 
Zur  keimfreien  Aufbewahrung  von  Flüssigkeit  bei  gleichzeitiger  Mög- 
lichkeit, jederzeit  beliebige  Mengen  entnehmen  zu  können,  hat  Plaut 
(O.  3.  127;  4  152)  eine  gewöhnliche  Spritz flasche  gefüllt  steri- 
Usirt,  gut  gedichtet,  am  Einführungsrohr  mit  Ballon  und  kurz  vor 
der  Ausflussöffnung  mit  einem  Quetschhahn  versehen.  Die  Soyka- 
sche  Spritzflasche3)  theilt  mit  ihr  den  Nachtheil,  dass  die  Ausfluss- 
öffnung nicht  genügend  geschützt  und  einwandsfrei  steril  gehalten 
werden  kann.  Babes  (O.  4.  26)  versah  sie  deshalb  an  seiner  etwas 
komplizirten  Flasche  mit  einer  glockenartigen  Schutzvorrichtung. 
Eine  solche  wurde  mit  Watteverschluss  von  Forster4)  angegeben 
und  von  Hueppe6)  empfohlen.  Neuerdings  wurde  von  ELMuencke 
eine  leider  aus  sehr  dünnem  Glas  gefertigte,  ein  einheitliches  Ganze 
darstellende  Spritzflasche,  nach  dem  Forster-Hueppe "sehen  Prin- 
zip ausgeführt,  in  den  Handel  gebracht.  Noch  ist  der  von  Beyerinck 
(0,  9.  589)  beschriebenen  Modifikation  zu  gedenken,  mit  weicherer 
eine  mit  dem  weniger  kurzen,  als  inhaltsreichen  Namen  belegte 
„KapUlarhebermikroskopirtropfenflasche"  bezw.  ein  „Kapillarheber- 
bakterienkulturkölbchen"  zu  Wege  brachte. 


1)  Archiv  d.  Pharm.  XXVI.  16. 

%)  Repertorinm  der  analyt  Chemie.  87.  605. 

3)  s.  D.  m.  W.  88.  43.  876. 

4)  A.  f.  H.  III.  468. 
6)  Methoden.  S.  273. 


Die  Neuerungen  d.  beJUeriol.  üntersachungimethoden  seit  dem  Jahre  1887.    501 

Den  komplizirten  Apparat,  welchen  Bachner  bei  seinen  be- 
kannten Untersuchungen  Aber  den  Durchtritt  der  Infektionserreger 
durch  die  intakte  Lungenoberfläche  zur  Zerstäubung  infektiösen  Ma- 
terials verwendete,  hat  er  späterhin  wesentlich  vereinfacht  und  (O. 
6.  274)  beschrieben  und  abgebildet. 

Th.  Smith  (O.  7.  503)  empfiehlt  die  zur  qualitativen  und 
quantitativen  Bestimmung  des  Zuckers  im  Harn  gebräuchlichen  Gäh- 
rungskölbchen  für  bakteriologische  Untersuchungen,  namentlich  zur 
Bestimmung  der  Gasbildung  seitens  der  Ana£robier.  Für  ähnliche 
Zwecke  dürfte  sich  wohl  auch  die  höchst  einfache  Anordnung  von 
Moritz1)  verwenden  lassen:  „Ein  Reagenzröhrchen  wird  mit  der 
Mischung  von  Harn  und  Hefe  bis  zum  Band  gefüllt  und  dann  durch 
einen  Gummistopfen  geschlossen,  der  jn  einer  Bohrung  ein  (zweimal) 
kleieförmig  gebogenes  Glasröhrchen  trägt  Beim  Verstopfen  füllt  sich 
letzteres  mit  verdrängtem  Harn.  Der  Apparat  ist  nun  völlig  luftleer 
und  kann  umgedreht  werden,  ohne  dass  ein  Tropfen  ausfliegst.  Das 
Röhrchen  wird  in  ein  Glas  gestellt  und  an  einem  warmen  Orte  der 
Gährung  überlassen". 

Spritzen.  Die  Koch'sche  Spritze  wurde  mehrfach  zu  ver- 
bessern oder  zu  ersetzen  gesucht.  So  beschrieb  Tursini  einen  als 
Ersatz  für  sie  bestimmten  Apparat,  der  bei  seinen  geringen  Vortheilen 
so  komplizirt  ist,  dass  ich  auf  seine  Beschreibung  verzichte  *).  Hand- 
licher und  geeigneter  erweist  sich  die  Methode  von  Petri  (O.  4. 
785),  welcher  an  eine  Vollpipette  vorn  eine  Kanüle,  hinten  ein  mit 
Glashahn  versehenes  Ballongebläse  ansetzte.  Tavel  (O.  5.550)  er- 
setzte die  Kanüle  durch  ein  graduirtes  spitzes  Glasrohr;  mittelst 
verschliessbaren  Gummischlauches  wird  es  mit  einer  Spritze  in  Ver- 
bindung gesetzt.  Vorzüglich  ist  die  einfache,  leicht  sterilisirbare 
Spritze  von  Stroschein  (7.  746).  Den  Lederstempel  für  Spritzen 
liess  Strauss  (9.  737)  aus  hitzebeständigem,  komprimirtem  Hollun- 
dennark  fertigen.  Die  übrigen  Modifikationen  der  Pravaz 'sehen 
Spritze,  wie  sie  von  Schüller8),  Overlach4),  G.  Meyer5)  an- 
gegeben wurden,  sind  mehr  für  die  Praxis,  als  fürs  Laboratorium  be- 
stimmt. 

Aenderungen  an  der  Kanüle  nahmen  Hochstetter,  sowie 
Stevenson  und  Bruce  vor.  Ersterer  (2.  159)  Hess  für  seine 
speziellen  Zwecke  die  Ausflussöffnung  seitlich  unter  der  Nadelspitze 
anbringen,  letztere  (0.  9.  689)  verwandten  für  intraperitoneale  Injek- 
tionen gekrümmte  Kanülen,  deren  Durchbohrung  nur  bis  zur  Mitte 
reicht  und  hier  seitlich  nach  aussen  mündet. 

VH  Anlegung  von  bakteriologischen  Sammlungen  und  Museen. 

Zur  dauernden  Aufbewahrung  von  Kulturen,  so  dass  sie  jeder- 
zeit in  ihrer  charakteristischen  Form  besichtigt  werden   können,  hat 

1)  M   m.  W.  91.  2.  29. 

2)  i.  J.  B.  UI.  488. 

3)  B.  kl.  W.  88.  26.  29.  585 ;  595. 

4)  B.  kl.  W.  88.  28.  575;  D.  m.  W.  90.  40.  899.    • 

5)  D.  m.  W.  90.  8.  96. 


502  Heim, 

man  sie  entweder  in  einzelnen  Theilen  aus  festen  Nährböden  oder 
im  Ganzen  konservirt  In  ersterer  Beziehung  haben  schon  im  Jahre 
1886  Garrg  und  Plaut  aus  Platten  Kolonieen  ausgeschnitten. 
Garrä1)  trocknete  die  Gelatinestückchen  auf  dem  Objektträger  und 
schloss  sie  mit  einem  Tropfen  konz.  Glyceringelatine  unter  dem  Deck- 
glase ein,  Plaut2)  erwärmte  sie  mit  wenig  Wasser  bis  zur  Zäh- 
flüssigkeit und  umgab  das  aufgelegte  Deckglas  mit  einem  Lackring. 
Lipez  (0.  1.  402)  Hess  die  Kolonie  auf  einem  mit  dem  infizirten 
Nährboden  überzogenen  Deckglas  zur  Entwickelung  kommen,  trock- 
nete im  Ezsiccator  und  verfuhr  dann  wie  mit  gewöhnlichen  Deck- 
glaspräparaten. Jacobi  (O.  3.  536)  setzte  die  in  möglichst  dünner 
Schicht  ausgebreitete,  kolonieentragende  Gelatine  erst  der  Einwirkung 
von  1%  KaliumbichromatlösuRg  1 — 3  Tage  bei  Lichtzutritt  aus, 
härtete  sie  nach  Auswässerung  in  Alkohol  und  zerschnitt  sie  in 
Stücke,  um  diese  wie  Gewebsschnitte  zu  färben  und  einzuschliessen. 
Theilchen  von  Agarplatten  konservirte  Günther  (6.  247)  in  der 
Weise,  dass  er  sie  in  ein  auf  dem  Objektträger  befindliches  Tröpfchen 
Glycerin  brachte,  nachher  ein  zweites  Tröpfchen  und  schliesslich  das 
Deckglas  darauflegte;  dem  Absaugen  etwa  überschüssigen  Glycerins 
mit  Hülfe  eines  Kapillarrohres  liess  er  den  Lackverschluss  folgen. 
Der  Herstellung  von  Schnitten  aus  Stichkulturen  nach  Weigert, 
Fischl,  Neisser  wurde  schon  früher  gedacht. 

Um  die  Erzielung  von  Dauerpräparaten  ganzer  Stich-  und 
Strichkulturen  haben  sich  vor  Allen  Soyka  (0.  1.  542)  und  Kral 
verdient  gemacht.  Die  schönen  K  r  &  1  'sehen  Demonstrationsobjekte  wer- 
den jedem  Besucher  von  Ausstellungen  wohl  bekannt  sein.  Kr  AI  ver- 
folgte verschiedene  Methoden  zu  ihrer  Herstellung.  Für  Kulturen  auf 
Kartoffeln  oder  Milchreis  wählte  er 3)  cylindrische  Glasdosen  von  45  mm 
Durchm.  und  22—25  mm  Höhe,  einschliesslich  des  dicht  aufge- 
schliffenen Deckels.  Mit  einem  entsprechend  grossen  korkbohrer- 
ähnlichen  Instrumente  stach  er  aus  gekochten  Kartoffeln  Cylinder  i 
aus  und  zerlegte  sie  in  5—7  mm  dicke  Scheiben.  Die  damit  be-  i 
schickten  Dosen  wurden  in  einem  passenden  Glascylinder  überein- 
andergestellt  sterilisirt  und  nach  dem  Erkalten  die  Rinne  des  zuge- 
hörigen Deckels  mit  Glycerin  ausgegossen ;  also  vor  dem  Eintrocknen 
geschützt,  konnten  die  einzelnen  Dosen  beliebig  lange  bis  zur  Impfung 
aufgehoben  werden.  War  letztere  gemacht  (am  vortheilhaftesten  von 
Kulturen  aus  flüssigen  Medien),  so  erfolgte  der  keimdichte  Abschluss 
mit  Paraffin  und  Weingeistfirnis.  Die  Einzelheiten  dieser  technisch 
nicht  leichten  Prozedur  mögen  im  Original  eingesehen  werden.  In 
solchen  Kulturen  erwiesen  sich  die  Bakterien  noch  nach  21/«  Jahren 
entwickelungsfähig. 

Eine  Sammlung  von  jederzeit  mikroskopirbaren  Plattenkulturen 
legte  Kr  dl  in  runden,  flachen,  mit  Halskerbung  versehenen  Glasdosen 
an;  er  infizirte  sie  aus  dem  4.-6.  der  Bouillontropfen,  welche  auf 
eine  sterile  Platte  gegeben  vom  ersten  der  Reihe  nach  geimpft  wor- 

1)  F.  D.  M.  86.  392. 

2)  F.  D.  M.  86.  419/ 
8)  Z.  f.  H.  IV.  144. 


Die  Neuerungen  d.  bakteriol.  UnUrsuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887.     503 

den  waren.  Nach  erfolgter  Entwicklung  bewerkstelligte  K.  den  Ab- 
schluss  durch  Eintauchen  des  Dosenhalses  in  heisses  Paraffin. 

Stich-  und  Strichkulturen  konservirte  der  genannte  Autor  durch 
einfaches  Zuschmelzen  der  Reagenzgläser,  von  denen  er  runde  und 
flache  Formen  mit  Füssen  zum  Aufstellen  in  Anwendung  zog.  lieber 
die  Vorsichtsmassregeln  bei  der  Herstellung  der  Nährböden  und 
beim  Verschluss  muss  ich  gleichfalls  auf  das  Original ')  verweisen. 

Andere  Autoren  gaben  leichter  herzustellende  Abschlussmethoden 
an.  So  schützte  Plaut  (0.  5.  324)  die  Kulturen  durch  Ueber- 
schichtung  von  Oel  vor  dem  Austrocknen,  Gzaplewski  (O.  6.410) 
dichtete  zum  gleichen  Zwecke  die  Reagenzgläser  am  Wattestopfen 
und  die  Pe tri 'sehen  Schalen  im  Zwischenrandraum  durch  Eingiessen 
von  heissem  Paraffin,  und  Praussnitz  (O.  9.  131)  Hess  eine 
wässerige  Gelatinelösung  mit  Zusatz  von  5%  Essig-  oder  1%  Karbol- 
säure in  den  Hohlraum  der  Rollplatten  oder  auf  die  Stichkultur 
fliessen  und  vervollständigte  den  Korkverschluss  mit  Siegellack- 
überzug. 

Zur  Demonstration  hat  Babes  (O.  4.  25)  ein  verschliessbares 
Gestell  für  Reagenzgläser  angegeben. 

Nach  Duclaux  (5.  558)  lassen  sich  ausgewachsene  Kulturen 
gewisser  Mikroorganismen  eine  lange  Reihe  von  Jahren  entwickelungs- 
fähig  aufbewahren,  wenn  man  sie  mit  ihrer  schwach  alkalischen 
Nährlösung  in  sog.  Lymphröhrchen  einschliesst. 

Yllf.  Ausrüstung  für  Expeditionen. 

Gelegentlich  des  X.  intern.  Kongresses  hatten  das  kaiserliche 
Gesundheitsamt,  sowie  die  Medicinalabtheilung  des  k.  pr.  Kriegs- 
ministeriums verschiedene  Kasten  mit  den  für  wissenschaftliche  Un- 
tersuchungen auf  Reisen  notwendigen  Gebrauchsgegenständen  aus- 
gestellt. Expeditionen,  wie  sie  wiederholt  vom  kais.  Ges.- Amte  entsendet 
wurden,  hatten  zu  einer  immer  mehr  vervollkommneten  Ausrüstung  Ge- 
legenheit gegeben.  Eine  solche  hat  A.  H  e  y  r  o  t  h  zusammengestellt ;  ich 
werde  über  sie  an  anderer  Stelle  referiren,  da  die  genauere  Beschreibung 
zur  Zeit  des  Abschlusses  dieses  Berichtes  noch  nicht  erschienen  war. 
Während  die  von  der  genannten  Behörde  für  die  Reise  bestimmten  wis- 
senschaftlichen Apparate  u.  s.  w.  nicht  bloss  bakteriologischen,  sondern 
auch  chemischen  Zwecken  zu  dienen  haben  und  deshalb  umfang- 
reicher sind,  ist  der  sehr  kompendiöse  Kasten  der  M.  A.  des  k.  pr. 
K-  M.  lediglich  für  bakteriologische  Untersuchungen  eingerichtet. 
Derselbe,  jetzt  bei  den  sämmtlichen  hygienischen  Untersuchungsstellen 
der  deutschen  Armee  befindlich,  enthält,  mit  einer  von  Pfuhl  aus- 
gearbeiteten Gebrauchsanweisung  versehen,  alle  für  die  nöthigen  Unter- 
suchungen von  Organen,  Se-  und  Exkreten,  Boden,  Wasser  u.  s.  w. 
erforderlichen  Geräthschaften  und  soll  den  Arzt  begleiten,  wenn  ihm 
die  ätiologische  Erforschung  einer  ausserhalb  des  Ortes  der  Unter- 
suchungsstelle  ausgebrochenen  Epidemie  zufällt;  die  optischen  In- 
strumente werden  zur  Sicherheit  gegen  Beschädigung  durch  Reagentien 
in  einem  eigenen  Lederetui  verpackt  mitgenommen. 

1)  Z.  f.  H.  V.  497. 


504     Heim,  Die  Neuerungen  d.  bukt.  UnCersachangimethoden  seit  d.  Jahre  1887. 


IX.  Methoden  zum  Nachweis  und  zur  Gewinnung  Ton  Stoff- 
wechselprodukten  der  Bakterien  und  anderen  Stoffen  bakte- 
rieller Herkunft. 

Die  Trennung  der  Bakterien  von  den  durch  sie  gebildeten  los- 
lichen Stoffen  erzielte  man  entweder  durch  chemische  oder  durch 
physikalische  Mittel. 

So  hat  Fermi  (O.  7.  469)  verschiedene  desinfizirende  Sub- 
stanzen oder  höhere  Temperaturen  zur  Isolirung  von  tryptischen  und 
diastatischen  Fermenten  benutzt  Der  Nachweis  letzterer  wurde 
durch  Uebertragung  der  keimfreien  Kulturen  auf  Stärke  geführt, 
entere  wurden  mittelst  Thymol-  oder  Karbolwasser-Gelatine  erkannt. 
Die  Gelatine  empfahl  Fermi1)  als  das  sicherste  Reagenz  zum  Nach- 
weis des  Vorhandenseins  tryptischer  Fermente;  den  Zusatz  von  Thymol 
und  Karbolsäure  nahm  er  zum  Schutz  gegen  Verderben  und  stellte 
die  Proberöhrchen  zur  Vermeidung  des  Eintrocknens  während  der 
Aufbewahrung  umgekehrt  senkrecht  in  ein  Glas  Wasser.  Um  die 
durch  die  Fermente  bedingte  Verflüssigung  zu  markiren,  verwendete 
F.  entweder  graduirte  Reagenzgläser  oder  markirte  den  oberen  Rand 
der  Gelatinesäule  aussen  am  Glase  oder  innen  durch  Ausstreuen  von 
Thierkohlepartikelchen.  Lauder  Brunton  und  Macfadyen  (8. 
203)  isolirten  das  peptische  Ferment  gewisser  Bakterienarten  nach 
Abtödtung  derselben  durch  Temperaturen  von  nicht  über  60°  (wie  es 
Buchner  und  Bitter*)  schon  früher  zu  dem  gleichen  Zweck  bei 
Cholerakulturen  gethan  hatten)  dadurch,  dass  sie  die  Bouillonkulturen 
wiederholt  mit  absolutem  Alkohol  fällten  und  den  Niederschlag  mit 
Wasser  aufnahmen.  Ein  von  Leuchtbakterien  gebildetes  peptonisiren- 
des  Ferment  wies  Katz  (O.  9. 163)  sowohl  an  bei  55°  C  sterilisir- 
ten  Kulturen,  als  auch  an  solchen  nach,  welche  durch  Porzellan 
filtrirt  waren. 

Die  Anwendung  der  Ch am berl an  dachen  Filter  wurde  in  den 
letzten  Jahren  von  immer  grösserer  Wichtigkeit,  weil  sie  allein  ge- 
stattet, die  löslichen  Stoffe  ohne  Schädigung  von  den  Mikroorganis- 
men zu  trennen.  Ihr  häufiger  Gebrauch  hat  das  Bestreben  der  Ver- 
einfachung der  ursprünglichen  Konstruktion  herausgefordert;  diese 
ist  erfolgt  durch  die  Modifikation  von  Bujwid  (0.  9.  4),  Reich el 
und  Kitasato.  Der  Reichel'sche  Apparat8),  von  R.  Muencke 
ausgeführt,  ist  eine  Art  Erlenmeyer 'sches  Kölbchen  mit  verlänger- 
tem Hals ;  in  diesem  steckt  ein  Thoncylinder  mit  einem  vorspringen- 
den breiten  und  dicken  oberen  Rand,  welcher  dem  gleichfalls  ebenen, 
umgebogenen  Rand  des  Glasgefässes  aufliegt;  beide  werden  durch 
eine  überzogene,  central  durchbohrte  Gummikappe  gedichtet  Vom 
Hals  des  Kölbchens  geht  horizontal  das  Saugrohr  ab,  während  auf 
der  entgegengesetzten  Seite  vom  Boden  ein  für  die  Dauer  der  Fil- 
tration luftdicht  verschlossenes  Rohr  schräg  aufsteigt  und  zur  Ent- 
nahme  von  Proben    bezw.  Entleerung   des  Filtrates   dient    Einem 

1)  A.  f.  H.  XIL  238. 

2)  A.  f.  H.  V.  245. 

8)  Phys.-med.  Ges.  iu  Wttribnrg.  91.  8.  44. 


Bakteriologiflofaes  vom  VII.  internationalen  KoogroM  tu  London.  506 

möglichen  Zurückspritzen  von  Wasser  während  der  Thätigkeit  der 
Wasserstrahlluftpuinpe  begegnete  Reich el  durch  Einschaltung 
einer  Art  Spritzflasche,  deren  längeres  Bohr  sich  auf  der  Seite  der 
Pumpe  befindet  Das  Filter  selbst  wählte  Reichel  im  Interesse 
einer  schnelleren,  bequemeren  und  sichereren  Hantirung  grösser,  als 
gewöhnlich. 

Kitasato1)  benutzte  eine  engere,  durch  den  Gummistopfen 
einer  Saugflasche  bekannter  Sorte  geführte  Kerze.  Sie  ragt  mit 
ihrem  offenen  Ende  in  den  unteren  der  beiden  an  einer  Glaskugel 
angebrachten  Hälse,  deren  oberer  mit  Watte  verschlossen  wird;  die 
Kugel  dient  zur  Aufnahme  der  zu  filtrirenden  Flüssigkeit  Auch 
Kitasato  schaltete  zwischen  Wasserpumpe  und  Filter  eine  (Wulf  f- 
scbe)  Flasche  ein. 

Die  Porzellanfilter  haben  den  Nachtheil,  dass  sie,  wie  Si ro- 
tin in2)  zeigte,  nicht  alle  gelösten  Stoffe  durchlassen,  namentlich 
Dicht  zu  Anfang  der  Filtration ;  auch  nimmt  mit  der  Zeit  ihre  quan- 
titative Leistungsfähigkeit  ab.  Nun  hat  Bitter9)  diesen  Missstand 
beiden  neuen,  auf  Nordtmeyer's4)  Veranlassung  von  Berkefeld 
hergestellten  Filtern  aus  Kieseiguhr  nicht  mehr  beobachten  können, 
da  deren  innere  Oberfläche  durch  einen  Loofah-Wischer  zugleich 
mit  den  abgesetzten  festen  Bestandteilen  leicht  entfernt  werden 
kann  und  empfiehlt  sie  sehr,  weil  sie  mit  der  Sicherheit  der  Wirkung 
den  Vorzug  grösserer  Förderung  von  Filtrat  verbinden. 

(8chloM  folgt.) 


Originalberichte  über  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10.-17.  August  1891. 

Sektion  für  Bakteriologie. 

Es  waren  gewiss  ganz  besondere  Hoffnungen  und  Erwartungen, 
mit  denen  die  deutschen  Theilnehmer  am  VII.  internationalen  Hygiene- 
Kongress  sich  nach  London  auf  den  Weg  machten.  Nicht  nur  die 
meerbeherrschende  Stellung  des  stolzen  England,  seine  ruhmgekrönte 
Geschichte  und  sein  blutgetränkter  Boden,  seine  herrlichen  Bauten 
mit  ihren  herzbrechenden  Erinnerungen,  seine  grossen  Dichter  und 
Denker  sind  es,  die  uns  mit  dem  lebhaftesten  Interesse  für  den  uns  so 
Bähe  verwandten  Volksstamm  erfüllen ;  was  uns  Hygieniker  und  Aerzte 
dorthin  zieht,  das  ist  vor  allem  die  praktische  Hygiene,  die  das  so 
hervorragende,  auf  den  Zweck  und  den  Comfort  bedachte  und  dabei 

1)  Z.  f.  H.  X.  269. 
»)  Z   f.  H.  IV.  288. 

3)  Z    f.  H.  X.  156. 

4)  Z.  t  H.  X.  146. 


506  Bakteriologische«  vom  VII.  internationalen  Kongraas  an  London. 

über  so  reiche  Mittel  verfügende  Volk  schon  lange  Zeit  hindurch 
pflegte,  ehe  bei  uns  sich  überhaupt  erst  ein  Interesse  für  hygienische 
Fragen  in  breiteren  Schichten  des  Volkes  kundthat.  Die  Wohnungs- 
hygiene musste  ja  naturgemäss  in  einem  Volke  zuerst  und  am  sorg- 
fältigsten gepflegt  werden,  wo  das  ganze  Leben  im  Hause  sich  ab- 
spielt und  der  stolze  Ausspruch  „my  house  is  my  Castle"  nicht  nur 
leere  Redensart  ist  Die  Wasserversorgung  im  Grossen,  und  vor  allem 
die  Schutzimpfung,  jene  Grossthat  Jenner's,  verdanken  wir  ja  wie 
so  viele  andere  hygienische  Anregungen  England. 

Die  grossen  Erwartungen,  mit  denen  wir  nach  London  gingen, 
sind  theils  unerfüllt  geblieben,  theils  ganz  bedeutend  übertroffen 
worden.  Unter  uns  Deutschen  zumal,  wer  wollte  es  leugnen,  machte 
sich  zeitweilig  eine  unverkennbare  Enttäuschung  geltend,  die  ver- 
schweigen zu  wollen  weder  klug  noch  gerecht  wäre.  Vielleicht  ist  es 
gestattet,  mit  wenigen  Worten  auf  diese  auffällige  Erscheinung  ein- 
zugehen. 

Unbestritten  liegt  ein  Theil  der  Gründe  derselben  in  uns  selbst* 
Zwar  waren  zahlreiche  deutsche  Medizinalbeamten,  Hygieneprofes- 
soren, mehrere  hochgestellte  Militärärzte  und  eine  Anzahl  bedeutender 
Gesundbeitstechniker  erschienen.  Aber  mehrere  Koryphäen  der  deut- 
schen Wissenschaft  fehlten,  so  A.  Hirsch,  von  Pettenkofer, 
R.  Koch,  R.  Virchow,  auch  die  Mehrzahl  der  Hauptvertreter  der 
Koch1  sehen  Schule  und  die  gegenwärtigen  Assistenten  R.  Koch 's 
waren  abwesend.  Die  Erklärung  der  letzteren  Thatsache  ist  gegeben 
durch  den  Umstand,  dass  gerade  in  den  Tagen  des  Kongresses  das 
Koch1  sehe  Institut  für  Infektionskrankheiten  eröffnet  wurde,  aber  man 
kann  sich  über  dieses  Zusammentreffen  eines  gewissen  Bedauerns  nicht 
erwehren.  Die  Folge  davon  war,  dass  die  deutsche  Wissenschaft  auf  dem 
Kongresse  nicht  in  der  Weise  zur  Geltung  kam,  wie  sie  es  nach  dem 
Fleisse  und  dem  Erfolge,  mit  dem  bei  uns  gearbeitet  wird,  unstreitig 
verdiente.  Die  Franzosen  zumal  betheiligten  sich  an  den  Verhand- 
lungen entschieden  wärmer  und  traten  häufiger  und  glücklicher  her- 
vor, als  wir. 

Um  gerecht  zu  sein,  darf  nicht  verschwiegen  werden,  dass  die 
noch  ungelöste  Frage  der  Heilkraft  des  Tuberkulins  wie  ein  Alp  auf 
den  Gemüthern  der  Deutschen  lastete.  Die  Unsumme  dessen,  was 
im  Laufe  des  letzten  Jahres  über  diese  Frage  gesprochen  und  ge- 
schrieben worden  ist,  hat  unzweifelhaft  weder  zur  Erhöhung  unseres 
wissenschaftlichen  Ansehens  im  Auslande,  noch  zur  Steigerung  unseres 
eigenen  Selbstbewusstseins  beigetragen.  Anstatt  still  und  ernst  zu 
beobachten,  sich  und  der  Sache  Zeit  zur  Reifung  des  Urtheils  zu 
lassen,  hat  man  das  Papier  ballenweise  beschrieben  und  nicht  nur  das 
Vertrauen  des  Publikums  in  die  ärztliche  Kunst  erschüttert,  sondern 
auch  die  Achtung  des  Auslandes  vor  der  deutschen  Wissenschaft 
untergraben.  Es  wäre  unstreitig  würdiger  gewesen,  wenn  man  die 
gewaltige  geistige  That  R.  Koch 's  mit  weniger  Enthusiasmus  auf- 
genommen und  mit  mehr  Hingebung  und  Vertrauen  verfolgt  hätte, 
anstatt,  wie  es  vielfach  geschehen,  das  zuerst  für  eine  Panacee  gegen 
jede  Tuberkulose  und  noch  etwas  mehr  gehaltene  Heilmittel  nach 
vielfach   ungenügender  Prüfung  kurzweg  in  die  Rumpelkammer  zu 


BakteriologueLes  vom  VII.  internationalen  Kongraas  zu  London.  507 

werfen.  Diejenigen,  welche  die  Geschichte  der  Heilkunde  und  die 
Entwicklung  der  Bakteriologie  mit  aufmerksamem  Auge  verfolgt 
haben,  wissen,  dass  die  Auffindung  des  Tuberkulins  eine  Naturnot- 
wendigkeit war,  und  sind  überzeugt,  dass  die  Anerkennung  seiner 
Heilkraft  schliesslich  trotz  allem  und  allem  siegreich  aus  dem  Wust 
von  Tinte  und  Papier  hervorgehen  wird.  Und  sie  wissen  auch,  dass 
diejenigen  sich  irren,  die  da  meinen,  dass  die  deutsche  Wissenschaft 
durch  die  Arbeiten  des  letzten  Jahres  einen  unheilbaren  Stoss  erlitten 
hat.  Aber  leider  ist  diese  Ueberzeugung  für  den  Augenblick  nicht 
überall  verbreitet. 

Ein  Weiteres  aber,  was  zur  Erklärung  der  verhältnismässig 
geringen  Geltung,  die  die  deutsche  Wissenschaft  in  London  gefunden, 
dienen  kann,  war  der  Mangel  einer  einheitlichen  Vorbereitung.  Es 
will  uns  scheinen,  als  wäre  es  eine  schöne  und  dankenswerthe  Auf- 
gabe für  das  ja  auch  in  Deutschland  vorhandene  vorbereitende  Comitä 
gewesen,  wenn  es  sich  wegen  Uebernahme  von  Vorträgen  und  Referaten 
mit  den  hervorragendsten  Vertretern  der  Hygiene  in  unserem  Vater- 
lande in  Verbindung  gesetzt  und  so  eine  würdige  Vertretung  unserer 
Wissenschaft  im  Auslande  herbeigeführt  hätte.  Für  den  nächsten  Kon- 
greß der  im  Jahre  1894  in  Budapest  tagen  wird,  dürfte  sich  eine  der- 
artige planmässige  Zusammenfassung  unserer  Kräfte  gewiss  empfehlen. 

Aber  genug  der  bei  uns  liegenden  Mängel  1  Ein  grosser  Theil 
der  Enttäuschung,  die  wir  erfahren  haben,  liegt  ausser  uns  und  ist 
Schuld  des  englischen  Comit6s,  welches  die  Verhandlungen  nicht  um- 
sichtig vorbereitet  hatte.  Schon  die  Räumlichkeiten,  in  denen  die 
Verhandlungen  stattfanden,  waren  unzureichend.  Die  St.  James  Hall, 
in  der  die  Eröffnungssitzung  stattfand,  war  für  die  Menge  der  Theil- 
nehmer  viel  zu  klein,  so  dass  ein  grosser  Theil  der  Mitglieder  an  der 
Thür  wieder  umkehren  musste.  Das  Auskunftsbureau  war  zu  eng, 
und  die  darin  arbeitenden  Angestellten  nicht  sprachkundig  und  über- 
haupt ihrer  Aufgabe  nicht  gewachsen.  Die  „Public  health",  das 
offizielle  Tageblatt  der  Versammlung,  mussten  die  Theilnehmer  sich 
kaufen,  und  die  Redaktion  derselben  kam  ihrer  eingegangenen  Ver- 
pflichtung, das  bestellte  Blatt  in  die  Wohnung  zu  senden,  mehrfach 
gar  nicht  oder  erst  nach  sehr  deutlichem  Ersuchen  nach.  So  herrschte 
vielfach  Rathlosigkeit  und  ein  kopfloses  Durcheinander,  ein  Schicken 
von  Pontius  zu  Pilatus  und  ein  Auseinanderfahren  der  ohnehin  schon 
so  heterogenen  Elemente  des  Kongresses.  Gesteigert  wurde  dies  noch 
dadurch,  dass  man  es  bedauerlicher  Weise  unterlassen  hatte,  durch 
gemeinschaftliche  Vorträge  von  allgemeinem  Interesse  Ruhe-  und 
Sammelpunkte  für  die  Oesammtheit  zu  schaffen.  Wenig  angenehm 
für  uns  Deutsche  war  auch  der  Umstand,  dass  die  Veröffentlichungen 
nur  in  englischer  oder  in  dieser  und  der  französischen  Sprache  statt- 
fanden, obwohl  als  offizielle  Sprachen  des  Kongresses  Englisch,  Fran- 
zösisch und  Deutsch  festgesetzt  waren. 

Gegenüber  diesen  Unzulänglichkeiten,  die  ein  gerechtes  Urtheil 
nicht  verschweigen  darf,  trat  die  wahrhaft  grossartige,  für  die  Theil- 
nehmer unvergessliche  und  in  ihrer  Eigenart  unvergleichliche  Gast- 
freundschaft, welche  ihnen  erwiesen  wurde  seitens  der  königlichen 
Familie,  der  City,  der  grossen  ärztlichen  Körperschaften    und  von 


508  Bakteriologische«  vom  VII.  internatioualen  Kongrats  su  London. 

hervorragenden  Privaten,  um  so  schöner  and  wohlthuender  hervoi. 
Hier  hatte  man  vollauf  Gelegenheit,  persönliche  Beziehungen  anzu- 
knüpfen and  za  pflegen,  sich  darch  die  liebenswürdige  and  vornehme 
Aufnahme  erwärmen  za  lassen  und  interessante  Blicke  in  das  Leben 
und  Treiben  der  verschiedenen  Schichten  des  englischen  Volkes  zu 
thun.  Der  Empfang,  den  die  hervorragendsten  ausländischen  Dele- 
gaten im  SchlosB  Osborne  fanden,  das  Fest,  welches  der  Lordmayor 
and  die  Sherifls  der  City  of  London  dem  Kongregs  in  der  altberühmten 
Guildhall  gaben;  die  Abende,  die  wir  in  dem  gastlichen  Kreise  des 
R.  College  of  surgeons  und  R.  College  of  physicians  verlebten;  die 
Empfänge  im  Crystall  Palace  und  South  Kensington  Museum,  die  ge- 
meinsamen Ausflüge  nach  hygienisch  bedeutsamen  Einrichtungen  und 
all,  z.  B.  nach  Netley,  die  anderen  festlichen  Veranstaltungen  werden 
den  Theilnehmern  des  Kongresses  unvergesslich  sein. 

Das  Maags  der  wissenschaftlichen  Ausbeute  des  Kongresses  Iässt 
sich  heute  noch  nicht  übersehen.  Es  war  entschieden  nicht  alles  gut 
oder  auch  nur  neu,  was  dort  vorgetragen  wurde.  Aber  das  kann 
doch  schon  jetzt  gesagt  werden,  dass  eine  Fülle  wissenschaftlicher 
Anregung  zu  weiterer  Forschung  auf  zahlreichen  Gebieten  durch  die 
Verhandlungen  des  Kongresses  gegeben  worden  ist  Und  dies  gilt 
zumal  von  der  IL,  der  bakteriologischen  Sektion,  welche  sowohl,  was 
die  Leitung  und  Organisation,  als  was  die  Zahl  der  Theilnehmer  und 
die  Bedeutung  der  zur  Verhandlung  gestellten  Aufgaben  betrifft,  alle 
übrigen  Abtheilungen  bedeutend  überragte.  Das  Verdienst  dafür  ge- 
bührt zum  grossen  Theile  der  umsichtigen  Leitung  seitens  des  Präsi- 
denten Sir  J.  Lister  und  der  Sekretäre  VY.  Hunter,  A.  Ruf  fer  und 
C.  S.  Sherrington.  Dann  aber  konnten  wir  doch  wieder  mit  Freude 
und  Stolz  erkennen,  dass  die  treibende  und  führende  Disziplin  der 
Hygiene  jetzt  und  voraussichtlich  noch  für  lange  Zeit  die  bakterio- 
logische Wissenschaft  ist. 

Eine  wohl  beschickte  bakteriologische  Ausstellung,  in  der  hervor- 
ragende mikroskopische  und  mikrophotographische  Präparate  und 
mustergültige  Instrumente  und  Geräthe  zur  bakteriologischen  Arbeit 
zu  einem  wohl  geordneten  Ganzen  vereinigt  waren,  bildete  den  Glanz- 
punkt des  Kongresses. 

Am  Montag  den  10.  August  Vormittags  11  Uhr  fand  die  Er- 
öffnungssitzung statt.  An  den  nächsten  4  Tagen  von  9  bis  2  Uhr 
wurde  in  den  Sektionen  gearbeitet.  Die  Nachmittage  an  diesen  Tagen 
und  der  ganze  Sonnabend  waren  für  Ausflüge  und  gesellige  Veran- 
staltungen bestimmt.  Am  Montag  den  17.  August  fand  die  gemein- 
same Schlusssitzung  statt  Die  bei  der  Eröffnungs-  und  Schlusssitzuog 
gehaltenen  Reden  des  Prinzen  von  Wales,  der  Herren  des  Vor- 
standes und  der  auswärtigen  Delegirten,  die  ohnehin  schon  an  anderer 
Stelle  im  Wortlaut  veröffentlicht  worden  sind,  können  hier  nicht  wieder- 
gegeben werden.  Wir  müssen  uns  darauf  beschränken,  über  die  Ver- 
handlungen der  bakteriologischen  Sektion  und  die  bakteriologisch  bemer- 
kenswerthen  Themata,  die  in  den  übrigen  Sektionen  besprochen  wurden, 
zu  referiren,  und  soll  dies  in  möglichst  eingehender  Weise  geschehen. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Neue  Literatur.  QQQ 


Neue  Litteratur 


9b.  Abthub  Wübzbubo, 

im  KatetUelieii  QtwndhdtMmto  in  Berts, 


Allgemeines  ttber  Bakterien  nd  Faradten. 

XeWetney,  B.  J,  Ezhibit  of  iniero-organisms  with   soine    remarks.     (Transmet  of  the 
B.  Acad.  of  Med.  of  IreJand.  1890.  p.  372.) 

Biologie. 
(Glhrung,  Fäulnis»,  StoftVechselprodukte  usw.) 

Kaysar,  X.,  Not«  sar   las  ferments  de    l'ananas.    (Annal.  de  l'Institut   Pasteur.   1891. 

No.  7.  p.  456—468.) 
Landi,  D.  L.,   8ur  lee  substances   toxiqnee   prodaites   par    la   bactlridie    eharbonneuse. 

(Compt  rend.  de  la  soc.  de  Mol.  1891.  No.  27.  p.  682.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Faradten  rar  anbelebten  Katar. 

bnft,  Watter,  Boden. 

Urtet,  Mkrobos   pathogen©*  dea   vases  de   la  Mer  Morte.     (Lyon  med.  1891.  No    83. 

p.  519—522.) 
Sentori,  F   B,,  Sa   di  alcani  microorganfoml   somiglianti   a   quello   del  tifo    addominale 

riscontrati  in    alenne   aeqne  potabili  di   Roma.    (Atti  d.  B.  Aeead.  med.  di   Borna. 

1890/91.  Vol.  V.  Ser.  2.  p.  97—110) 

Nahrung»-  und  Qtnuttmittel,  Otbrauehegegenetände. 

Engelbreeht,  H.,  Anleitung  aar  Untersuchung  der  geschlachteten  Schweine  auf  Triebinen. 
8*.  24  p.  m.  Abbüdgn.    Braunschwelg  (Job.  Heinr.  Meyer)  1891.  0,75  M. 

Bedehangen  der  Bakterien  nd  Faradten  rar  belebten  Katar. 

K§  imAheütetvegende  Bakterien  und  Parasiten. 

Buavt,  J.,  et  Bordet,  Gh.,  Le  cbimlotaziame  des  leueocytes  et  l'infection  microbienne. 
(Annal.  de  l'Institut  Pasteux.  1891.  No.  7.  p.  417—444.) 

Kimtlktkiwrugendi  Batterien  und  Parasiten  bei   Menschen. 

A.    Infektiöse  AOgememkrankheiten. 

MalariakrankheHeiL 

Xvais,  J.  F.,  On  the  demonstration  by  staining  of  the  pathogenic  fungus  of  malaria, 
iti  urtineial  cnltiratlon  and  the  results  of  inocalation  of  the  same.  (Proceed.  of  the 
Boyal  soc.  of  London.  1891.  p.  199.) 

8*kkarofl;  BL  B\,  Beeherches  sur  le  parasite  des  fierres  paludeennes  irregulieres.  (Annal. 
de  llnstitut   Pastenr.  1891.  No.  7.  p.  445—449.) 

Ennthematüehe  Krankheiten. 

(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Böthein,  8charlach,  Friesel,  Windpocken.) 

öisnt,  0.,  Notes  on  an  oatbreak  of  typhus  fever.     (Transaet.  of  the  epidemiol.  soc.  of 

London  [1889/90]  1891.  p.  47—51.) 
fttam.  Ca.,  Inculationdelavaricelle.  (Medecine  moderne.  1891.  No.  32.  p.  583— 584.) 
viccination.    First,  second  and   third  reports   of  royal   commission,    with  eridence  and 

tppendices.  1889—91.     London  (P.  S.  King  &  Son)  1891.  17  sh. 

Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Pest 

'NJtt&i  F.  A.,  La  fierre  typhoide   et  l'eau  de   boisson  k  Amiens.    (Arch.  de  m4d.  et 
*•  pharm,  militair.  1891.  No.  8.  p.  118—122.) 


510  Neae  Littcratur. 

Fasquale,  A.,  Sal  tifo  a  Massaua ;  studio  clinico  ed  osserrasioni  batteriologiche.   (Giorn 

med.  d.  r.  esercito  e  d.  r.  mirini    1891.  No    7    p.  866—927.) 
PortMl,  M.  F.,    üeber   die   Statistik   des   Unterleibstyphus    in    8t    Petersborg.     (Journ. 

rnssk.  obsh.  ochran.  Dsrod  idravija    1891    No.  2.  p    18 — 87.)     [Bassisch.] 
Report  by  Board  of  health  of  New  South  Wales  od  oatbreak  of  typhoid  fever  at  Waverkr 

aod  RaDdwick.  fol.  13  p.  with  8  maps.  Sydney  (Charles  Potter)  1890.  ! 

Bandwith,  F.  M.,  Cholera  in  Egypt.     (Lancet.  1891.  Vol.  H.    No.  9,  18.  p.  602—604.  I 

660-652.) 

Wundinfektionskrankheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Pylmie,  Septiklmie, 

Tetanus,   Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundftulniss.) 

Buchanan,  B.  M.9  A  case  of  tetanus  in  wbieb  the  infection  was  traeed  to  a  chronic 
ulcer.     (Glasgow  Med.  Journ.  1891.  Aug.  p.  127—180.) 

Bobb,  H.  and  Ohriskey.  A.  A ,  Infection  through  the  drainage  tube,  the  result  of  tbe 
bacteriological  eiamination  of  drainage  tube  fluid«  in  sizteen  consecutive  cases  of 
coeliotomy.     (Johns  Hopkins  Hosp.  Bull.  Toi.  IL  No.  14.  1891.  p.  93— 95  ) 

hfektionegeechwulste. 
(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  renerUcbeo 

Krankheiten].) 

Biliotti,  A.,  Leprosy  in  Crete.     (Journ.    of  the  leprosy   investigation   committee.  1891. 

No.  3.  p.  48-62.) 
Hammer,  F.,  Ueber  Lepra  und  einen  Besuch  in    den  Leproserien  Borgens.    (Med.  Kor- 

respondsbl.  d.  wflrttemb.  Irttl.  Landesv.  1891    No.  28,  24.  p.  177—181,  185—188.) 
Hansen,    Leprosy   in   Norway.     (Journ.  of  tbe   leprosy   investigation    committee.    1891. 

No    3.  p.   15— 17  ) 
Müneh,   Leprosy  in  South  Bussia.     (Journ.  of  the  leprosy  investigation  committee.  1891. 

No.  3.  p.  17—47.) 
New  South  Wales.     An  Act  to  provide  for  the    notiih-ation  of  cases  of  leprosy ;  for  the 

detention  and  Isolation  of  lepers ;  the  appointment  of  laiarets ;  and  for  other  purposes. 

Assented  to  26.  November  1890.  fol.  3  p.     Sydney  (Charles  Potter)  1890. 
Bünon,  F.,  De  la  frequence  de  tuberculose  che«  les  enfants;  essai  de  statistique  raison- 

nie.     (Rev.  med.  de  l'est.  1891.  p.  225—229.) 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  Ruckfallsfleber,  Osteomyelitis. 

Bade,  Bir  F.,  Influensa  in  1891.     (Brit.  Med.  Journ.  No.  1597    1891    p.  808—310) 
Orant,  J.,  Observation  on  the  non-oecurrenee  of  influensa  in  dye-rooms.     (Practitiooer. 

1891.  Aug.  p.  159-160.) 
Farioni,  Report  to  the  Local  government  Board    on   the   influenca  epidemic  of  1889— 

1890.    Maps  and  Diagrams.  London  (P.  8.  King  &  Son)  1891.  2  sh.  6  & 

Fopovjans,  8,  Influeniaepidemie   im   151.  Infanterie-Regiment   im  Elisabethspol-Besirt 

(Protok.  aasaid.  Kavkassk.  Med   Obsh.  1891.  p.  441—465.     [Russisch.] 
Tchistovitch,  M   N.,  Etüde  sur  la  Pneumonie  flbrineuse.  2.  memoire.  (Annal.  de  Tlnstit. 

Pasteur.  1891.  No.  7.  p.  450—455) 
Thomson,  J.  A.,   Epidemi.  of  influensa   Report  on   in  New  South  Wales  during   1890 

15  p    with  1  map.     Sydney  (Charles  Potter)  1890.  1  sh.  6  d. 

Gelenkrheumatismus. 

Aohalme,  F.,  Examen  bacteriologique  d'un  cas  de  rhumatisme  articulaire  aign  mort 
de  rhumatisme  cerebral.     (Compt.  rend  de  la  soc  de  bioi.  1891.  No  27.  p.  651— 656  ( 

B.    Infektiöse  LokalkraniheiUn. 

Haut,  Muskeln,  Knochen. 

Hutchinson  jun,   J.,     Psorosperms    in   chronic   eciema    of    breast    (Paget's    disease). 

(Transact.  of  the  pathol.  soc.  of  London.  1889/90   p.  214—219.) 
Morris,  M.,    Bingworm   in    elementary  schools.     (Lancet.  1891.  Vol.  II.  No.  7.  p.  348.) 


Neue  Litteratur.  51 1 

Athmosgaorgane. 

Chanin  et  Boger,  Presence  da  beeilte  d'Äberth  dans  an  epenchement  pleural  hemor- 
rbagique.     (Bullet  et  memoir.  de  la  soc.  meU  d.  hfipit.  de  Paris,  p.  185—190.) 

YerdaanngBorgane. 

Keyer,  G,  Zur  Statistik  der  Volksseuchen  II.  Die  Sterblichkeit  an  Brechdurchfall, 
Darmkatarrh  (Enteritis)  nnd  Ruhr  in  Berlin,  Hamburg,  Breslau  nnd  München  im 
Jahre  1889.     (Berl.  klin.  Wochenschr.  1891.  No.  82.  p.  800— 802.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mensehen  und  Thieren 

Milzbrand. 

Bauarelli,  Cr,  Come  si  distrugge  il  virus  earbonchioso  nel  tessuto  sottoeotaneo  degli 
animali  non  immun i.  (Atti  d.  r.  Accad.  d.  fisiocriticl  in  Slena.  8er.  4.  1891.  Vol.  HL 
fasc.  5/6.  p.  281—246,) 

Tollwnth. 

Fleming,  0.,  The  propagation  and  prevention  of  rabies  (Lancet  1891.  Vol.  II.  No.  7. 
p.  842—848.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Saugethiere. 

A.     Infektiöse  Allgemeinkrankheiten. 

Tnbereulose  (Perlsucht). 

Coghill,  T.  D  ,  Early  recognition  of  tuberculosis  in  cattle.    (Brit  med.  Journ.  No   1597. 

1891.  p.  888.) 
Report  of  the  Board  of  health  of  New  South  Wales  on  bovine  tuberculosis  in  the  South 

Co**t  DUtrict.    fol.    8  p.    Sydney  (Potter)  1890. 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Rinderpest,  Lungensenche,  Texasseuche,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Kilber,  Rauschbrand,  entosootisches  Verkalben.) 

▼  frieker,  W.,  Vaccination  bei  Lungenseuche  des  Rindviehs.  (Medic.  Korrespondenabl. 
d-  Wurttemb.  trztl.  Landesver.   1891.  No.  24.  p.  188—189.) 

Wirbellose    Thiere. 

Httrmann,  G.,  et  Canu,  E ,  Sur  un  Champignon  parasite  du  talitre.  (Compt.  rend.  de 
U  soc.  de  biol.  1891.  No.  27.  p.  646-651.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Titeln,  K.,  Pflanzengallen  und  Oallenthiere.  (Zoologische  Vortrage,  hrsg.  von  W. 
M&rshall.  7.  und  8.  Hfl)  gr.  8°.  88  p.  mit  4  Taf.  Leipzig  (Richard  Freese) 
1891.  8  M 

Tirwiek,  B.,  Wucher-  und  Schmarotzerpflanzen,  deren  Vertilgung  behördlich  angeordnet 
ist    Fol      6  Taf.  in  Farbendr.     8  p.  Text     Düsseldorf  (F.  Wolfram)  1891.    6  M. 

Benschel,  G.,  Die  Seuche  der  Nonnenraupe.  Zeitgemässe  Winke  f.  die  Praxis,  gr.  8°. 
1*  p  mit  1  Abbildung.     Wien  (Deuticke)  1891.  0,75  M 

Delling,  J.,  und  Wuthrich,  B.,  Die  Bekämpfung  der  Kartoffelkrankheit  durch  Be- 
spritzung der  Stauden  mit  Kupfersalslösungen.  8°.  62  p.  Bern  (Wyss)  1891.    0,70  M. 

le  Kulan,  0.,  Notes  on  fongi  affecting  leaves  of  Saracenia  purpurea  in  Minnesota. 
(Ball,  of  the  Torrey  boten,  club  of  New  York.   1891.  Vol.  XVIII.  p.  214.) 

**thay,  E,  Der  Black-Rot.  (Sonderdr.)  gr.  8°.  XXXIV  p.  mit  19  Abbildgn  Wien 
»Emil  8oeding)  1891.  1  M. 

Thlmen,  J.  t,  Die  Black-rot- Krankheit  der  Weinreben  (Phoma  uvicola  Berk  etCort. 
-  Phyialotpora  Bidwellii    Sacc.)    (Sonderdr)    gr.  8».     29  p.     Wien   (Frick)    1891. 

1  M. 


512 


Neue  Litteratur. 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwieke- 

lungshemmung  und  Yernlehtnng  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  Aber  das  Koch 'sehe 

Heilyerfahren  gegen  Tuberculose. 

Arloing,   8.,    De    l'influence   des   produits   de   culture   da   stapbylocoque   dorc\    sar   ie 

Systeme   nerveax    vaso-dilatateur   et   sar   la    formation    da   pus.      (Compt.    read,   de 

l'Academie  des  sciences  de  Paris.  1891.  T.  CXIIl.  No.  10.  p.  362— »65.) 
Arndt,  B.,   Der   gegenwärtige   Standpunkt   der   Tabercalose    and    die   Anwendung  des 

Tabercalins   in    der   Thierbeilkande.      (Berl.  thierftrmtl.  Woehenschr.    1891.    No.  37. 

p.  881 -385.) 
Bauer,  J.,  Ueber  Tobercalin.    (Müncb.  medic.  Wochenscbr.  1891.  No.  32.  p.  558— 880.1 
Bonome,    A.,   Der   Diploeoeeas  pneamonicas    und    die   Bakterie    der   hämorrhagisches 

Kaninebenseptikimie.    (Portschr.  d.  Med.  1891.  No.  18.  p.  748—754.) 
Borgherini,  A.,   Primi    risaltati    della   cora   del  Koch    nelle   affesiooi  tnbercolari  degli 

organi  interni.     (Biv.  reneta  d.  sclenie  med.  1891.  p.  83 — 44.) 
Browne,  L.f    Cases   illostrating  tbe  effect  of  tabercalin  (Koch's  remedy)  and  of  canthi- 

ridinate  of  potasb  (Liebreich'»  remedj)  on   cases   of  lnpos  and  tubercalosU      (Josm 

of  laryngol.   1891.  p.  178—183) 
Buschuew,  W.  F.,    Die   Resultate   der   Koch'schen    Phtbisisbehandlnng  im  Kiew'schen 

Militarspital.     (Wratsch.  1891.  No.  84,  85.  p    761—788,  782—784.)    [Russisch.] 
Charrin,  A.,  et  Gley,  E.,   A    propos    de    l'action    exercee    par  les  produits  solubles  da 

bacüle   pyoeyanique    sar    le  Systeme  nerveax  vasomotear.      (Compt.  rend.  de  la  toe. 

de  biol.  1891.  No.  87.  p.  633-684.) 
Danielfsen,    D.    C,    Tabercalin,    im    Lungegaardsbospital    gegen    Lepra   angewendet 

(Monatsb.  f.  prakt.  DennatoL  Bd.  XIIL  1891.  No.  8,  4.  p.  85—100,  142—149.) 
Eichboff,  P.  J.,    Ueber   meine   bisherigen    Erfahrungen   mit    der   Taberculintherapie  bei 

Lupus  und  einigen  anderen  Dermatosen.     (Therapeut.  Monatsh.    1891.    No.  9.  p.  470 

—474.) 
Ernst,  H.  C,   Preliminary   report  on  tbe  clinical  use  of  tabercalin.     (Boston  Med.  and  j 

Sarg.  Joarn.  1891.    Vol.  II,  No.  1—6.  p.  5—7,  25—28,  55—58,  76—79,  105—109, 

131—135.) 
Pial*y»  C,   y  Delgado,  C,    Inrestigaciöo   ex  perimental    sobre    la   linfa   del   Dr.  Kocb. 

iCrön.  meVL-quir.  de  la  Habana.  1891.  p.  809—315.) 
Gareia  BolA,  E.,   Primeros    efectos   de   las    inyeeciones  de  linfa  Kocb  en  los  leproeos. 

(Bot.  de  med.  y  einig,  prict  1891.  p.  281—285.) 


Inhalt 


Originalmittbeilajigen. 
Braun,  M.,    Bericht  über   die  Fortschritte 

in  der  thieriseben  Parasitenkunde.  (Orig.) 

(Fortsetzung),  p.  493. 
Grassi,  B.,  and  Feletti,  B.,  Weiteres  aar 

Malariafrage.  (Orig.)  (FortseU.),  p.  481. 

Beferate. 

Almqnist,  Pemphigus  neonatorum,  bakte- 
riologisch and  epidemiologisch  beleuchtet, 
p.  492. 

Dittrioh,  Ueber  einen  Fall  von  eiteriger 
Parotitis  and  deren  etwaigen  Zusammen- 
hang mit  äusseren  Verletaangen,  p.  491. 

Eiseisberg,  A.  Ton,  Nachweis  ron  Eiter- 
kokken im  Schweisse  eines  Pyftmischen, 
p.  492. 

Karlinski,  Zur  Kenntniss  der  pyoseptikä- 
mischen  Allgemeininfektionen,  p.  491. 


Kayger,  E  ,  Note  sur  les  ferments  de  Tana- 

nas,  p.  489. 
Ortmann,    K. ,    Ueber    Balantidium   coli. 

p.  498. 
Beimers,  J.,  Ueber  den  Gehalt  des  Bodens 

an  Bakterien,  p.  489. 

üntersncbnngflniethoden,  Initrnmente  etc. 

Heim,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.) 
(Fortsetzung),  p.  499. 

Originalberiobte  über  Kongresse. 
Bakteriologisches  Tom  VII.  inter- 
nationalen Kongress  ffirHygiene 
und  Demographie  io  London, 
10.— 17.  Augast  1891,   p.  505. 

Neue  Litterator,  p.  509. 


Frommannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Pöble)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Ben.  M.  M  Dr.  Leuctot  m  Professor  Dt  Loefler 

in  LeJpilf  te  üielfrwal* 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TThlworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

»M^ — — — 1— 

X  Band«       -«-      Jen»,  den  31.  Oktober  1891.       -*-  ~  "HSo.  lft. 


Freie  fftr  den  Band  (96  Nummern)  14  Hark. 

Jährlich  erscheinen  «wei  Binde. 

-*|    Zu  beziehen  durch  alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten.    |e>- 

Die  Redaktion  des  „Centratblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
angehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original-  Mittbeilungen. 


Weitere  Mitteilungen  über  Gifttheorie  und 
Phagocytose. 

Von 

Dr.  Giuseppe  Sanarelli. 

Ich  habe  vor  einigen  Monaten  in  dieser  Zeitschrift  einige  Unter- 
suchungen über  die  „natürliche  Immunität  gegen  den  Milzbrand44 1) 
veröffentlicht 

Diese  Versuche  hatten  mir   festgestellt,  dass  die  Lymphe  des 

1)  Die  Ursachen  der  natürlichen  Immttnitit  gogen  den  Müsbrand.  (OentralbL  Ar 
"kl  *  Parte.  Bd.  IX.  1891.  No.  14—  16.) 

X.M.  00 


514  Stnarelli, 

Unterhautsackes  beim  Frosche  die  Eigenschaft  besitzt,  die  Milzbrand- 
keime  abzuschwächen,  gleichgültig,  ob  es  rieh  um  Sporen  oder  Bacillen 
handelt.  Id  der  That  verlieren  Milzstückchen  eines  an  Milzbrand 
verendeten  Thieres,  wenn  sie  sich  unter  der  Froschhaut  befinden  und 
yor  der  Einwirkung  der  Leukocyten  geschützt  sind,  oder  Milzbrand- 
kulturen selbst,  welche  mit  der  Lymphe  in  Eontakt  bleiben,  die 
gleichfalls  frei  von  Leukocyten  ist,  in  Kürze  gänzlich   ihre  Virulenz. 

Im  ersteren  Falle  ist  es  unmöglich,  genau  die  Zeit  anzugeben, 
in  der  sich  dieses  Verschwinden  der  Virulenz  kundthut,  weil  der 
Moment  nicht  genau  pr&zisirt  werden  kann,  in  dem  die  Lymphe, 
nachdem  sie  in  genügender  Menge  die  Wände  der  Kollodiumsäckchen 
durchpassirt  hat,  worin  sich  die  Milzfragmente  befinden,  diese  letz- 
teren durchtränkt  hat  und  ihre  Wirkung  auf  die  Milzbrandkeüne 
auszuüben  anfängt;  es  bleibt  endlich  das  Faktum,  dass  auch  nach  8 
oder  10  Tagen,  während  eine  Einimpfung  dieser  Fragmente  auf 
Thiere  ohne  Wirkung  ist,  die  Uebertragung  auf  Nährböden  noch  Ent- 
wickelung  von  Milzbrandkolonieen  produzirt 

Im  zweiten  Falle  hingegen  ist  jede  Ungewißheit  beseitigt,  indem 
sich  ergibt,  dass  die  Milzbrandsporen  ihre  Virulenz  in  den  Thieren 
3  oder  4  Tage  nach  der  Berührung  mit  der  reinen  Froschlymphe  zu 
verlieren  beginnen,  während  die  nicht  sporenhaltigen  Bacillen  bei 
Kaninchen  schon  nach  24  Stunden,  bei  Meerschweinchen  nach  2 — 3 
Tagen  ihre  Virulenz  verloren  haben. 

Alles  dies  ergibt  einen  ziemlich  erheblichen  Einfluss,  welchen 
die  Lymphe  auf  die  Virulenz  der  Milzbrandkeime,  nicht  aber  auf  j 
ihre  Lebensfähigkeit  ausübt,  da  mir  fortlaufende  Versuche  bewiesen 
haben,  dass  in  einer  Lymphe,  die  sehr  reich  an  Sporen  oder  sporen- 
haltigen Bacillen  ist,  sich  stets  zahlreiche  Kolonieen  erhalten  können, 
die  indessen  ihre  Virulenz  völlig  eingebüsst  haben. 

An  diesem  Punkte  angelangt,  glaube  ich  nicht,  dass  man  den 
Schluss  ziehen  kann,  der  pilztödtenden  Eigenschaft  der  Lymphe  sei 
gänzlich  die  Aufgabe  zugefallen,  die  Mikroben  im  lebenden  Organis- 
mus zu  zerstören  und  zu  eliminiren,  weil  wir  sehr  logisch  noch  eine 
ganze  Reihe  von  Fragen  stellen  können,  deren  Beantwortung  uns 
aber  nur  dadurch  ermöglicht  wird,  dass  wir  eine  Mitwirkung  der  Leu- 
kocyten annehmen. 

Nachdem  wir  zeigten,  dass  die  Milzbrandkeime,  wenn  auch  ab- 
geschwächt, dennoch  30  und  40  Tage  lang  in  der  Lymphe  am  Leben 
bleiben  können,  erübrigt  uns  zu  erforschen,  auf  welche  Weise  sie  aus 
dem  lebenden  Organismus  verschwinden,  in  welchem  sie  nach  einer 
so  langen  Zeit  natürlich  nicht  mehr  aufzufinden  sind. 

Bis  zur  Stunde  drehte  sich  der  Hauptstreit  um  die  Frage,  ob 
die  Leukocyten  sich  der  Bakterien  bemächtigen,  wenn  diese  bereits 
todt  sind,  die  Leukocyten  daher  nach  dem  Ausdrucke  Weigert's 
als  wirkliche  Krematorien  fungiren  könnten.  Meine  Unter- 
suchungen haben  in  der  subkutanen  Froschlymphe  ein  wahres  and 
eigentliches  Antiseptikum,  das  fähig  wäre,  die  Milzbrandkehne  rasch 
zu  tödten,  nicht  ergeben,  sie  haben  bloss  gezeigt,  dass  sie  ein  un- 
günstiger Nährboden  ist  und  diese  Keime  abzuschwächen  vermag. 
Dass  diese  Ungunst  des  Nährbodens  und    die  pihstödtende  Eigen- 


Weitere  Mittbeilnngen  Aber  Gifttheorie  und  Phägocytos*.  5]  5 

schaft  bei  längerer  Dauer  ausser  der  Virulenz  auch  noch  das  Leben 
der  Bakterien  beeinträchtigen  können,  ist  sehr  wahrscheinlich,  aber 
während  3—4  Tagen  bleiben  diese  stets  thätig  und  während  einer 
anderen  noch  nicht  genau  festgestellten,  aber  Jedenfalls  längeren  Zeit 
erhalten  sie  sich  am  Leben  und  können  ihre  Viralen»  wieder  erlangen, 
wenn  man  sie  auf  einen  andern  günstigeren  Nährboden  Überträgt. 

um  überdies  auch  Versuche  Anderer  zu  erwähnen,  so  hat  Nuttal 
Milzstückchen  von  milzbrandigen  Thieren,  welche  er  auf  Frösche 
impfte,  nach  16—17  Tagen  stets  virulent  gefunden. 

Arloing,  Cornevin  und  Thomas  haben  die  Sporen  nach 
12  Tagen  bei  Fröschen  immer  virulent  befunden,  Bitter  bei  immu- 
nen Schafen  nach  19  Tagen,  Roux  und  Chamberland  bei  geimpften 
Kaninchen  nach  6  Tagen  etc. 

Wann  beginnt  also  bei  den  refraktären  Thieren  Überhaupt  und 
den  Fröschen  insbesondere  die  phagozytäre  Thätigkeit  gegen  die  ein- 
geimpften Milzbrandkeime? 

um  diese  Frage  zu  beantworten,  haben  wir  nur  nöthig,  eine  der 
bereite  zahlreichen  Beobachtungen,  die  in  dieser  Richtung  gemacht 
worden  sind,  hervorzuholen,  weil  Alle,  welche  am  Frosche  den  Phago- 
cytismus  studirt  haben,  bestätigen,  dass  sich  die  Zellen  in  einer 
relativ  kurzen  Zeit  der  Bakterien  bemächtigen. 

Hess  fand  zahlreiche  von  Zellen  eingeschlossene  Bacillen  schon 
3  Standen  nach  der  Einimpftrag,  als  sie  noch  sehr  wahrscheinlich 
nicht  bloss  lebensfähig,  sondern  auch  virulent  waren.  Metschni- 
koff  und  unlängst  Trapeznikoff  fanden  in  mit  Milzbrand  geimpften 
Tauben  schon  4  Stunden  nach  der  Impfung  einige  Phagocjten,  und  trotz- 
dem behielten  in  den  refraktären  Tauben  die  Milzbrandbacillen  ihre 
Virulenz  durch  mehrere  Tage  hindurch.  W  a  gn  e  r  hat  wahrgenommen, 
dass  der  Einimpfung  des  Milzbrandes  auf  Hühner  eine  2— 3-tägige 
Fieberperiode  folgt,  was  mit  vieler  Wahrscheinlichkeit  zu  dem  Schlüsse 
berechtigt,  dass  die  Bakterien  während  dieser  Zeit  am  Leben  bleiben 
und  diejenige  toxische  Substanz  zu  sezerniren  fortfahren,  welche 
durch  Reizung  der  thermischen  Gentren  die  Temperaturerhöhung 
herbeifthrt 

Endlich  ist  es  Metschnikoff  selbst  gelungen,  mit  Sicherheit 
Bewegung,  die  doch  ein  Zeichen  des  Lebens  ist,  bei  Bacillen  zu  be- 
obachten, welche  von  Phagocjten  eingeschlossen  waren,  und  zwar  bei 
Ascidien,  bei  Bipinnarien  und  bei  Fröschen;  und  als  er 
diese  Phagocyten  isolirte,  sah  er,  dass  sie  nicht  bloss  die  virulenten 
Bacillen  in  sich  aufzunehmen  vermögen,  sondern  dass  die  theilweise 
aufgenommenen  Bacillen  auch  noch  wachsen,  sich  vermehren  und 
neue  virulente  Kulturen  bilden  können. 

Die  jüngsten  Untersuchungen  Trapeznikoff's  sprechen  sich 
ebenfalls  in  gleichem  Sinne  aus,  und  eine  bereits  ziemlich  grosse  Menge 
anderer  Forscher,  sowohl  Freunde  als  Gegner  der  Bedeutung,  welche 
Metschnikoff  dem  Phagocytismus  anweist,  stimmen  darin  überein, 
dass  das  Auftreten  der  Bakterien  im  Innern  der  Leukocyten  bei  den 
refraktären  Thieren  ziemlich  rasch  erfolgt. 

Gegenüber  einer  so  beträchtlichen  Anzahl  von  Thatsachen  habe 
ich  mich  einfach  gefragt,  welcher  Werth  ihnen  zukomme  gegenüber 


516        ßanarelli,  Weitere  MittheUuDgen  über  Gifttheorie  und  Phegocytoee. 

der  pilztödtenden  Eigenschaft  der  organischen  Flüssigkeiten  der  re- 
fraktären Thiere,  und  welche  Stellung  ihnen  in  der  Immunitätslehre 
gebühre. 

Hierauf  gab  ich  zur  Antwort:  Die  Milzbrandsporen  oder  -Bacillen, 
welche  mit  der  Lymphe  oder  dem  Blute  der  refraktären  Thiere  in 
Eontakt  gekommen  sind,  befinden  sich  alsbald  unter  dein  Einflüsse 
der  bestimmten  Substanzen,  welche,  wenn  sie  nicht  auf  dieselben  die 
Wirkungen  eines  kräftigen  Antiseptikums  unmittelbar  ausüben,  immer- 
hin genügen,  um  ihre  wichtigsten  Ernährungsprozesse  zu  modifiziren, 
ihre  weitere  Entwickelung  zu  verhindern  und  infolgedessen  ihre  Viru- 
lenz  und  schliesslich  ihr  Leben  zu  vernichten. 

Man  begreift  leicht,  dass  sich  die  Milzbrandbacillen,  anmittelbar 
nach  ihrem  Eindringen  unter  solche  Bedingungen  gestellt,  wenn  auch 
unter  Beibehaltung  ihrer  Virulenz,  gegenüber  den  Geweben  im  All- 
gemeinen und  den  Leukocyten  im  Besonderen  verhalten  müssen,  wie 
so  manche  andere  träge  und,  sei  es  mit  den  Produkten  ihres  Stoff- 
wechsels oder  auf  irgend  eine  andere  Weise  gegen  die  phagocytäre 
Eigenschaft  der  Zellen  lebhaft  zu  reagiren,  unfähige  Körper;  diese 
Eigenschaft  hätte  in  unserem  Falle  nichts  Besonderes  oder  Feind- 
liches an  sich,  der  Vorgang  gegen  die  virulenten  Bacillen  würde  nor- 
mal vor  sich  gehen,  wie  etwa  gegen  Karmin-  oder  Kohlenpartikelchen. 

Mit  anderen  Worten  ausgedrückt,  es  vollzieht  sich  die  Zerstö- 
rung der  Parasiten  in  den  refraktären  Organismen  kumulativ  von 
Seite  der  einen  wie  der  anderen  Faktoren;  es  ist  dabei  nicht  not- 
wendig, dass  die  Bakterien  todt  sind,  um  von  den  Zellen  einge- 
schlossen zu  werden,  sondern  letztere  können  sich  der  Bakterien  be- 
mächtigen, wenn  dieselben,  trotz  ihrer  Virulenz  und  Lebensfähigkeit, 
durch  bestimmte  Einflüsse  bereits  in  die  Unmöglichkeit  versetzt  sind, 
zu  schaden  oder  zu  reagiren. 

Ich  für  meine  Person  kann  nicht,  wie  die  bedingungslosen  An- 
hänger der  Gifttheorie  es  thun,  bestätigen,  dass  die  Leukocyten  sieb 
die  Bakterien  erst  aneignen,  wenn  diese  todt  sind;  gleicherweise 
schliesse  ich  mich  nicht  der  Meinung  der  bedingungslosen  Anhänger 
des  Phagocytismus  an,  dass  die  Leukocyten  gegen  die  Bakterien 
einen  wirklichen  Angriff  ausführen  und  einen  wahren  Kampf  um  Leben 
oder  Tod  des  bedrohten  Organismus  ausfechten;  ich  möchte  vielmehr 
bloss  behaupten,  dass  die  pathogenen  Bakterien  in  den  Geweben  oder 
im  Blute  der  refraktären  Thiere  nicht  im  Stande  sind,  die  Infektion 
besonders  durch  den  ungünstigen  Nährboden,  der  sich  ihrer  Vermeh- 
rung und  Entwickelung  entgegenstellt,  zu  begrenzen,  und  dass  die 
Leukocyten  ihrerseits,  indem  sie  dieselben  allmählich  einschliessen  und 
aus  dem  Organismus  entfernen,  auf  dieselbe  Weise  vorgehen,  wie  sie 
es  gegenüber  irgend  einem  andern  Fremdkörper,  der  zufälliger  Weise 
in  den  Körper  eingedrungen  ist,  thun  würden. 

Dies  hat  nichts  Befremdendes,  noch  mit  den  einfachsten  Grund- 
begriffen der  Physiopathologie  in  Widerspruch  Stehendes  an  sich,  and 
bis  zu  einem  Gegenbeweise  kann  man  bei  dieser  Auffassung  bleiben, 
die  nur  die  Synthese  der  jüngsten  Untersuchungen  in  der  Frage  Aber 
die  natürliche  Immunität  zu  sein  scheint  Ich  wünschte  daher,  von 
Neuem  diese  Auffassung  zu  wiederholen,  nicht  nur  um  einige  andere 


Grassi  und  Feletti,  Weiter««  aar  MaUriafr**©  517 

Thatsachen  zu  erwähnen,  die  sie  unterstützen  könnten  und  die  in 
meiner  Arbeit  nicht  aufgeführt  waren,  sondern  auch  um  sie  gegen- 
über dem  Zweifel  zu  rechtfertigen,  den  Dr.  Petruschky1)  unlängst 
kundgab,  indem  er  behauptete,  dass  die  augenscheinlich  pilztödtende 
Wirkung,  die  ich  bis  zur  Evidenz  in  der  subkutanen  Lymphe  der 
Frösche  nachgewiesen  habe,  aus  sich  selbst  und  ohne  die  geringste 
Mitwirkung  der  Leukocyten  die  Immunität  dieser  Thiere  gegen  den 
Milzbrand  erklären  könne. 

Manchen,  den  27.  August  1891. 


Weiteres  zur  Malariafrage. 

Note  der  Professoren  B.  Gtrassl  und  B.  Feletti  in  Catania. 

(Sehluu.) 

IL 

Verschiedene  Untersuchungen 

von  Prof.  Battista  Grassi. 

A.  Schon  in  einer  vorhergehenden  Note  findet  man  angedeutet, 
dass  Celli  und  Guarnieri  eine  Parasitenform  im  Menschen  be- 
schrieben haben,  welche  sich  sehr  frühzeitig,  bevor  auch  nur  die 
geringste  Spur  von  Pigment  existirt,  segmentirt.  Während  nun 
obige  Verfasser  diese  Form  mit  einer  anderen,  welche  sich  ebenfalls 
frühzeitig,  aber  erst  nachdem  sie  bereits  Pigment  erworben,  zusammen- 
werfen, stieg  in  mir  der  Zweifel  auf,  ob  sie  nicht  eine  Art  für  sich, 
verschieden  von  der  Haemamoeba  praecox,  repräsentiren 
könne.  Ich  hatte  seiner  Zeit  bereits  bemerkt,  dass  in  den  von  mir 
bis  dahin  untersuchten  Vögeln  obige  Form  gewiss  fehlte.  Kürzlich 
nun  ereignete  es  sich,  dass  ich  eine  gleiche  Form  in  einem,  sich 
noch  im  Dunenkleide  befindlichen  Thurmfalken  (Cherchneis 
tinnunculus)  vorfand.  Die  anderen  drei  kleinen  Thurmfalken, 
welche  sich  mit  ihm  zusammen  im  Nest  befanden,  waren  nicht  von 
dieser  Parasitenform  infizirt,  während  der  erste  es  derartig  war, 
dass  man  nur  mit  grosser  Mühe  ein  freies  rothes  Blutkörperchen 
vorfinden  konnte.  Dieser  Falke  lebte  acht  Tage  und  bot  mir  stets 
den  gleichen  Befund. 

Stets,  in  jedem  Augenblick,  fand  sich  in  den  rothen  Blutkörper- 
chen des  Blutes  eine  Haemamöbe,  welche,  wie  die  anderen  Haema- 
möben  der  Vögel,  durchaus  keine  amöboidische  Bewegungen  zeigte. 
Fast  in  jedem  Präparat  fand  man  zu  jeder  Stunde  Segmenta- 
tionsfiguren.  Die  Segmentation  fand  statt,  wenn  ein  grosser  Theil 
des  Blutkörperchens  noch  unversehrt  war  und  ohne  einen  Nu  eleu  s 
dereliquat  zu  hinterlassen.  Auch  diese  Haemamöbe  hat  einen 
^rn,  keine  kontraktilen  Vakuolen  etc.  Ich  schlage  vor,  derselben 
den  Namen  Haemamoeba  immaculata  zu  geben. 

1)  Hygienische  RtudjchftU,  16.  Juli  1891.  No.  14.  p.  666. 


518  Gras»!  and  Feletti, 

Der  in  Bede  stehende  Falke  wies  niemals  einen  anderen  Malaria- 
parasiten auf. 

Meine  vorhergehenden  Nachforschungen  and  die  nun  begründete 
Thatsache,  dass  der  in  Bede  stehende  Parasit  stets  ohne  Begleitung 
anderer  Malariaparasiten  vorgefunden  wurde,  rechtfertigen  vollständig 
meine  neue  Art. 

Bei  der  Autopsie  des  Falken  konnte  ich  bemerken,  dass  die 
Milz  bedeutend  vergrössert  war,  und  glaube  ich,  dass  er  an  der  Per- 
niciosa gestorben  ist 

Auf  Grund  engster  Analogie  muss  ich  annehmen,  dass  auch  im 
Menschen  die  kein  Pigment  besitzende,  sich  segmentirende  Haema- 
moeba  eine  Art  für  sich  ist,  lasse  jedoch  die  Frage  über  die  Iden- 
tität der  in  Bede  stehenden  Haemamoeba  des  Menschen  und  des 
Vogels  noch  offen,  wie  ich  dieselbe  auch  für  die  Haemamoeba 
praecox  offen  gelassen  habe. 

Ich  schlieee,  indem  ich  den  bereits  früher  gegebenen  Prospekt 
der  Malariaparasiten  des  Menschen  wie  folgt  vervoll- 
ständige: 

1.  Haemamoeba  malariae  (verursacht  einfache,  doppelte 
und  dreifache  Quartana). 

2.  Haemamoeba  vivax  (verursacht  einfache  oder  doppelte 
Tertiana). 

3.  Haemamoeba  praecox  (verursacht  perniciöse,  quoti- 
diane,  subkontinuirliche  und  kontinuirliche  Fieber). 

4.  Haemamoeba  immaculata  (id.  id.). 

5.  Laverania  malariae  (verursacht  unregelmässige  Fieber, 
welche,  wie  aus  meinen  in  diesem  Jahre  mit  Feletti  und  Calan- 
druccio  zusammen  gemachten  Studien  hervorgeht,  für  längere  Zeit 
den  Charakter  der  quotidianen  Fieber  annehmen  können). 

Die  Haemamoeba  praecox  wurde  in  Gatania  weder  im 
Winter,  noch  im  Frühling  vorgefunden.  Im  Sommer  dagegen  ist  sie 
zu  finden  und  leicht  zu  erkennen  (Feletti). 

Die  Haemamoeba  immaculata  wurde  im  Menschen  bis  jetzt 
nur  in  Born  angetroffen. 

Die  Formen  1,  2  und  5  wurden  zuerst  von  Oolgi  unterschieden, 
welcher  sie  für  eine  Varietät  ein  und  derselben  Art  hielt  und  auch 
die  Möglichkeit  eines  Ueberganges  von  einer  Form  in  eine  andere 
annahm. 

Die  Formen  3  und  4  wurden  zuerst  von  Celli  und  Marchiafava 
beschrieben,  welche  sowohl  diese  beiden,  wie  auch  die  Form  5  als 
eine  einzige  Varietät  auffassten. 

B.  Die  Malariaparasiten  werden  getödtet,  wenn  man  das  mit 
destillirtem  Wasser  zur  Hälfte  verdünnte  malarische  Blut  ungefähr 
eine  Stunde  lang  tüchtig  schüttelt  Dr.  Calandruccio  hat  durch 
eine  Reihe  sehr  sorgfältiger  Experimente  bewiesen,  dass  das  auf 
diese  Weise  behandelte  Blut  ungestraft  in  den  Menschen  eingeflösst 
werden  darf,  d.  h.  also  ohne  dass  sich  in  Folge  der  Einspritzung  in 
demselben  die  Malariaparasiten  entwickeln. 

Diese  Thatsache  bestärkt  meine  Behauptung,  dass  die  Malaria- 
parasiten durch  ihr  parasitäres  Leben  ausserordentlich  zart  geworden 


Weiteres  snr  AUlariafrftg*.  5jg 

und  mithin  im  freien  Leben,  in  welchem  sie  sich  mit  verschiedenen 
Charakteren  (besonders  mit  solchen  von  Amoeba  gracilis  etc.) 
finden  müssen,  nicht  gezüchtet  werden  können. 

C.  Viele  mit  Dr.  Calandruccio  zusammen  unternommene 
Beobachtungen  geben  uns  die  Berechtigung,  die  Hypothese  Lave- 
ran 's,  dass  die  Schnaken  die  Z wischen wirthe  der  Malaria  seien,  fQr 
unbegründet  zu  halten. 


IIL 

Ueber  einige  Ftrbungsmethoden  der  Malariaparasiten* 

Kleine  Note  der  Professoren  B.  Grasai  und  R.  Felettl. 

Die  von  uns  zur  Untersuchung  der  Struktur  der  Malariaparasiten 
angewandten  Methoden  sind  verschiedene: 

I.  Vor  allem  müssen  wir  bemerken,  dass  zuweilen  die  Malaria- 
parasiten infolge  von  Umständen,  welche  wir  nicht  bestimmen 
können,  schon  frisch  und  ohne  jedwedes  Kunstmittel  einen  sehr  deut- 
lichen Kern  mit  nucleolusförmigem  Knoten  und  Kernmembran  zeigen. 
Doch  konnten  diese  Ausnahmen  nicht  für  ein  genaues  Studium  ge- 
nügen und  mussten  wir,  um  zweifellos  die  Gegenwart  des  Kernes 
beweisen  zu  können,  Zuflucht  zu  den  färbenden  Substanzen   nehmen. 

II.  Wir  bewahrheiteten,  dass  der  nucleolusförmige  Knoten  der 
Malariaparasiten  mit  dem  grössten  Theil  der  gewöhnlich  in  der 
Histologie  gebräuchlichen  Fftrbsubstanzen  (Karmin,  Haematoxylin 
etc.)  gefärbt  werden  kann,  während  der  übrigbleibende  Körpertheil 
des  Parasiten  durch  sie  entweder  ganz  farblos  bleibt,  oder  nur  wenig 
gefärbt  wird. 

Aber  aus  Gründen,  welche  wir  vergebens  zu  erkennen  suchten, 
gelingt  die  Färbung  sehr  schwer,  hauptsächlich  wenn  das  Blut,  ohne 
vorher  getrocknet  zu  werden,  mit  den  gewöhnlichen  Substanzen 
(Osmiums&ure,  Pikrinessigsäure  von  Flem  ming,  Sublimat  etc.)  fixirt 
wird,  und  ist  sie  jedenfalls  niemals  sehr  deutlich.  Doch  genügt  sie 
immerhin,  unser  Urtheil,  dass  die  Malariaparasiten  einen  Kern  haben, 
zu  bestätigen. 

IIL  Gute  Präparate,  welche  den  Kern  ad  evidentiam  zeigen, 
erhält  man  mit  der  von  uns  etwas  modifizirten  Nikiforoff  sehen 
Methode.  Das  in  sehr  dünner  Schicht  auf  einem  Deckgläschen  aus- 
gebreitete Blut  wird  an  der  Luft  getrocknet  und  gleich  darauf  in  eine 
Flüssigkeit  getaucht,  welche  zu  gleichen  Theilen  aus  Alkohol  abso- 
lutes und  Aether  und  aus  einigen  wenigen  Tropfen  Eisessigsäure  be- 
steht. Das  Präparat  wird  alsdann  in  Haematoxylin  übertragen,  nach- 
her ihm  derüeberfluss  der  Farbe  genommen,  entwässert  und  schliesslich 
mit  .den  allbekannten  Vorsichtsmaassregeln  im  Kanadabalsam  fixirt 

IV.  Befriedigende  Resultate  erlangt  man  mit  folgender  Methode: 
Man  mischt  einen  auf  einem  Objektträger  gefassten  kleinen  Tropfen 
Malariablut  sehr  gut  mit  einem  Tropfen  destillirten  Wassers  und 
bringt  dann  das  Präparat  für  die  Dauer  von  15—20  Minuten  in  die 
feuchte  Kammer,  exponirt  es  darauf  30  Sekunden  lang  in  Dämpfen 
wn  Osmiomsäure  und  fügt  schliesslich  einen  Tropfen  Haematoxylin, 


520  Grassi  and  Feletti,  Weiteres  aar  ttalariafag*. 

Pikrokarmin  oder  Alaunkarmin  hinzu  und  bedeckt  es  mit  dem  Deck- 
gläsehen etc.  Nach  kurzer  Zeit  erlangt  man  auf  diese  Axt  und 
Weise  eine  genügende  Färbung  der  Malariaparasiten. 

Will  man  die  Parasiten  mit  dem  Brass'schen  Karmin  färben 
so  genügt  es,  dem  Malariablute  ein  wenig  von  dem  besagten  Karmin 
beizumischen  und  nach  einigen  Minuten  das  Präparat  mit  Dämpfen 
von  Osmiumsäure  zu  fixiren.  Wir  bemerkten,  dass  wenn  man  das 
Präparat  für  etwas  längere  Zeit  sich  selbst  überlässt,  das  Karmin 
die  Malariaparasiten  zerstört 

V.  Die  einfachste,  bequemste  und  Jedermann  zugänglichste  Me- 
thode ist  aber  folgende: 

Man  bereitet  eine  verdünnte  wässerige  Lösung  von  Methylenblau 
oder  von  Fuchsin.  (Um  diese  Lösung  zu  bereiten,  bringt  man  einen 
Tropfen  gesättigter  Lösung  von  Methylenblau  oder  Fuchsin  in  ein  gewöhn- 
liches Uhrglass  voll  destillirtem  Wasser.)  Dann  sammelt  man  einen,  aber 
kleinen  Tropfen  Malariablut  auf  ein  Deckgläschen  und  lässt  letzteres  als- 
dann, nachdem  man  es  umgekehrt,  rasch  auf  einen,  sich  auf  einem  Objekt- 
träger befindenden  Tropfen  der  obenbeschriebenen  verdünnten  Losung 
fallen.  Um  das  Blut  mit  dieser  Farbflüssigkeit  zu  mischen,  genügt 
es,  das  Deckgläschen  auf  einer  Seite  ein  wenig  aufzuheben  und 
wieder  fallen  zq  lassen.  Erscheint  das  Präparat  ganz  transparent, 
so  ist  dasselbe  gut  gelungen. 

Mit  diesen  Mitteln  erhält  man  gewöhnlich  den  nucleolusformigen 
Körper  intensiv  gefärbt  und  ebenso  auch  die  Chromatinfaserchen, 
wenn  sich  deren  finden.  Die  Membran  des  Kernes  kann  gefärbt  er- 
scheinen oder  nicht,  und  so  auch  der  Zellleib.  Der  Kernsaft  (Grand- 
substanz) bleibt  ungefärbt.  Jedenfalls  ist  der  nucleolusförmige  Körper 
sehr  viel  intensiver  gefärbt,  als  der  Rest  des  Parasiten- 
körpers. 

Nach  den  Methoden  IV  und  V  werden  die  Malariaparasiten  mit 
dem  destillirten  Wasser  getödtet;  so  sehr  dies  beim  ersten  Anblick 
für  unvernünftig  gehalten  werden  kann,  ist  es  doch  eine  Thatsache, 
dass  durch  diesen  Prozess  dieselben  Resultate  erzielt  werden,  welche 
mit  allen  anderen  Methoden  erlangt  werden  können,  nur  ist  die 
Färbung  sehr  viel  deutlicher  und  sowohl  die  Kernmembran  wie  der 
Kernsaft  treten  weit  mehr  hervor.  Wir  können  nicht  erklären,  wie 
die  Flüssigkeit  auf  die  Malariaparasiten  wirkt,  welche  sich  bildet, 
wenn  dem  Blut  destillirtes  Wasser  beigemischt  wird.  Es  ist  jedoch 
gewiss,  dass  man  mit  Bestimmtheit  auf  diese  Methode  rechnen  kann, 
wenn  es  gilt,  den  Kern  eines  Malariaparasiten  zu  erkennen.  Dies 
beweisen  die  opportunen  Vergleiche 

1)  mit  den  Ergebnissen  der  frischen  Beobachtungen, 

2)  mit  vielen  anderen  Untersuchungsmethoden  (die  kürzlich  von 
Mannaberg  mit  inbegriffen), 

3)  mit  anderen  parasitischen  Protozoen  (z.  B.  denen  der  Ter- 
miten), oder  mit  anderen  Zellen,  welche  in  ähnlicher  Weise  behandelt 
wurden. 

Natürlich  wollen  wir  damit  durchaus  nicht  behaupten,  dass  an- 
ger?  Methoden  empfehlenswerth  seien  für  das  Studium  der  feinsten 


ttefearten  im  abnormen  feiere.  521 

Strnktureigenthümlichkeiten ,  wie  uns  deren  durch  die  neusten 
Forschungen  von  Boveri,  van  Beneden  etc.  bekannt  gemacht 
werden.  Wir  wollen  damit  nur  sagen,  dass  vermittelst  unserer  Me- 
thoden 4  und  5  es  möglich  ist,  die  Malariaparasiten  ebenso  gut  zu 
färben,  wie  die  Amöben.  (Siehe  z.  B.  die  Figuren  von  Grubner.) 
Ihr  Kern  verh&lt  sich  in  der  That  geradeso  wie  derjenige  der  Amöben, 
nur  färbt  er  sich  bedeutend  schwerer. 
11.  September  1891. 


Referate. 


Will,  IL,  Zwei  Hefearten,  welche  abnorme  Veränderun- 
gen im  Biere  veranlassen.     (Zeitschrift  für  das  gesammte 
Brauwesen.  1891.  No.  7.) 
In  Bieren,  welche  einen  unangenehmen  Geschmack  angenommen 
hatten,  wies  der  Verf.  durch  Anwendung  von  Hansen 's  Methoden 
zwei  Krankheitshefen  nach,  welche  er  eingehend  beschreibt,  und  deren 
Einwirkung  auf  die  Würze  durch  direkte  Experimente  mit  bekannten 
Mischungen  von  Reinkulturen  dieser  Hefen  und  in  der  Praxis  be- 
nutzten Kulturhefen  bestimmt  wurde. 

Die  erste  Hefeart  gehört  zu  der  ellipsoidischen  Gruppe  und  wird 
nach  den  Untersuchungen  des  Verf.'s  in  die  Nähe  von  Saccharomyces 
ellipsoideusllzu  stellen  sein.  In  Würzegelatine  stellen  die  jungen, 
sowohl  oberflächlichen  wie  eingebetteten  Kolonieen  ein  weitmaschiges 
Netz  dar,  später  werden  sie  in  der  Mitte  dichter,  mit  unregelmässig 
gefranzten  Umrissen ;  bisweilen  treten  aber  auch  kompakte  Kolonieen 
mit  regelmässigen  Rändern  auf.  Bei  der  Sporenbildung  zeigt  sich  als 
eigentümlich  eine  sehr  hohe  Maximaltemperatur  und  ein  verhältniss- 
massig  schnelles  Auftreten  von  Sporen  bei  der  Optimaltemperatur 
(34f  C).  Die  untere  Grenze  für  die  Sporenbildung  liegt  bei  4—5°  C. 
Das  Aussehen  der  Sporen  ist  dasselbe  wie  bei  den  von  Hansen  be- 
schriebenen wilden  Hefen.  In  sterilisirter  Würze  vertragen  die  Sporen 
ein  Vt-Btündiges  Erhitzen  bei  80°  C,  ohne  ihre  Keimfähigkeit  ein- 
zubüssen,  während  die  vegetativen  Zellen  unter  denselben  Verhältnissen 
bei  70°  C  getödtet  wurden. 

Für  die  Hautbildung  liegen  die  Grenzen  bei  41°  und  4°  C. 
Namentlich  in  alten  Häuten  treten  stark  verzweigte  Sprossverbände, 
aas  sehr  verlängerten  Zellen  bestehend,  auf. 

Bei  den  Gähningen  zeigt  sich  diese  Hefe  als  typisch  untergährig. 
In  Mischungen  mit  einer  in  der  Praxis  als  gut  befundenen  Bier-Unter- 
hefe in  absolut  reinem  Zustande  war  die  Gegenwart  dieser  Krank- 
heitshefe  selbst  in  Beimengungen  von  1/l0  °/0  bemerkbar  durch  den 
kratzenden  bittern  Nachgeschmack,  welchen  er  dem  Biere  verlieh; 
aach  zeigte  das  Bier  immer  keinen  Bruch.  Die  Gährungsenergie  und 
Schnelligkeit  der  Vermehrung  dieses  Pilzes  war  in  den  vergleichenden 
Versuchen  viel  grösser,  als  die  der  benutzten  Kulturhefen.    Die  K1&« 


522  Hefearten  im  abnormen  Biere.  —  Faulnl&i. 

rung  des  Bieres  war  sehr  schlecht,  und  der  Pilz  verursacht  gleich- 
zeitig mit  der  schon  beschriebenen  Krankheit  auch  noch  eine  Hefe- 
trübung. 

Die  zweite  Hefe  wurde  aus  hefentrüben  Bieren  gewonnen.  Sie 
gab  in  Würzegelatine  theils  scharf  begrenzte,  theils  in  der  Umgrenzung 
verschwommene  Kolonieen.  Die  Temperaturgrenzen  für  die  Sporen- 
bildung sind  32°  C  resp.  0,5— 1,0°  C;  das  Optimum  liegt  bei  24*  C 
Die  Lebensgrenze  für  Sporen  und  vegetative  Zellen  liegt  in  Würze 
bei  70°  C.  In  den  alten  Häuten  treten  sehr  reich  verzweigte  Spross- 
verbände auf. 

Bei  der  Gährung  in  Würze,  welche  von  ganz  eigentümlichen 
Erscheinungen  begleitet  ist  und  immer  träge  vor  sich  geht,  halteu 
sich  die  Zellen,  welche  sich  sehr  bald  von  den  Verbindungen  trennen, 
lange  schwebend  in  der  Flüssigkeit.  Die  gegohrene  Würze  nahm  eine 
hellere  Farbe  an;  der  Geschmack  war  süsslich  und  unangenehm  aro- 
matisch, der  Nachgeschmack  bitter,  adstringirend.  Die  abgesetzte 
Hefe  hatte  immer  eine  dunkle  Farbe. 

In  Gährungen  mit  Mischungen  von  Eulturhefe  und  dieser  Krank- 
heitshefe machten  sich  schwache  Beimischungen  weniger  geltend,  als 
bei  der  ersten  Art,  stärkere  Beimischungen  geben  immer  eine  aus- 
gesprochene Trübung.  Der  abnorme  Geschmack  war  bei  Proportionen 
von  5%  Krankheitshefe  ab  deutlich  wahrnehmbar. 

Jörge nsen  (Kopenhagen). 

Hoffa,  Weitere  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Fäulniss- 
bakterien. (Münchener  med.  Wochenschrift.  1891.  No.  14.) 
Bei  der  Untersuchung  einer  im  Vacuum  bei  35°  konzentrirten 
Bouillonkultur  des  verflüssigenden  fluorescirenden  Wasserbacillus,  welche 
durch  Filtration  keimfrei  gemacht  worden  war,  wies  der  Verf.  im 
Destillat  Ammoniak  nach;  ausserdem  fand  er  in  der  rückständigen 
Flüssigkeit  neben  Kreatinin  durch  Fällung  mit  der  10  fachen  Menge 
absoluten  Alkohols  einen  charakteristischen  Eiweisskörper,  welcher  sich 
anfänglich  als  gelbliches  Pulver  darstellte.  Nach  der  Reinigung  mit- 
telst des  B  r  i  e  g  e  r '  sehen  Verfahrens  —  Lösung  in  verdünntem  Alkohol, 
Fällung  mit  alkoholischer  Sublimatlösung,  Entfernung  des  Quecksilbers 
durch  Schwefelwasserstoff,  mehrmaliges  Auflösen  in  Wasser  und  Fül- 
len mit  absolutem  Alkohol  —  blieb  ein  weisslich-graues  Pulver  zurück, 
welches  sich  in  Wasser  leicht  löste  und  mit  Kupfervitriol  und  Kali- 
lauge deutliche  Biuretreaktion  erkennen  Hess.  Die  wässerige 
Lösung  des  Körpers  zeigte  bei  Zusatz  irgend  eines 
Alkalis  jedesmal  prachtvolle  grüne  Fluorescenz. 

Verf.  nimmt  auf  Grund  hiervon  an,  dass  die  Bacillen  durch  ihr 
Wachsthum  anfänglich  den  Eiweisskörper  und  später  auch  Ammoniak 
erzeugen,  und  dass  durch  das  Zusammentreten  dieser  chemischen  Sub- 
stanzen die  Fluorescenz  der  Kultur  bewirkt  wird.  Bei  längerem  Stehen 
der  Kultur  verdunstet  das  Ammoniak,  worauf  die  Fluorescenz  ver- 
schwindet. Dieselbe  kann  jedoch,  wie  der  Verf.  durch  den  Versach 
festgestellt  hat,  in  der  Nährflüssigkeit  durch  Zusatz  eines  Tropfens 
jAmmoDiak  wiederhergestellt  werden.  Kubier  (Berlin). 


tuberculose.  52ä 

Kugler,  Worin  sind  die  Hauptursachen  für  die  starke, 
immer  noch  wachsende  Verbreitung  der  Tuberculose 
zu  suchen  und  was  kann  und  soll  der  Staat  zur  Aus- 
rottung   bezw.   Eindämmung    dieser    verderblichen 
Krankheit  thun?  (Aerztl.  Mitth.  a.  u.  f. Baden.  1890.  No.  15  ff.) 
In  dem  vorliegenden  Vortrage  bat  Verf.  die  neueren  Forschungen 
auf  dem  Gebiete  der  Tuberculose  in  klarer,  gemeinverständlicher  Weise 
zusammengefasst  und  besonders  den  ätiologischen  Verhältnissen  seine 
Aufmerksamkeit  gewidmet.    Den  schönen  Arbeiten  Co  rn  et 's  lässt 
er  die  gebührende  Anerkennung  zu  Theil  werden,  betont  die  Gefahr 
tuberkelbacillenhaltiger  Nahrungsmittel  —  Milch,  Butter,  Fleisch  perl- 
süchtiger Thiere  — ,  wendet  sich  gegen  die  Annahme  eines  Einflusses 
geographischer  und  klimatischer  Verhältnisse  (Höhenklima)  auf  die  Ver- 
breitung der  Tuberculose  und  betont  die  Bedeutung  der  Wohnungs- 
hygiene.   Um  hier  klarer  zu  sehen,  hat  er  die  einzelnen  badischen 
Bezirke  nach  ihrer  Einwohnerzahl  geordnet  und  mit  dieser  die  Sterb- 
lichkeit an  Schwindsucht  verglichen.     Dabei  zeigte  sich,  dass  die 
Phthisismortalität  mit  der  Wohnungsdichte  wächst. 
In  Gruppen  vereinigt  ergibt  sich  folgendes  Bild: 

Auf  1000  Einwohner  Wohnräume  Tob.  Todte 
(nach  der  Volksithlvng  1885)               (auf  1000  Einw.  im  Dnrobiehn.  1881—87) 

1.  Gruppe  816  2,29 

II.        „       745  t,66 

III.  „       645  8,10 

IV.  „       647  8,80 
V.        „       470  8,28 

Um  zu  sehen,  ob  der  offenbar  hier  zu  Tage  tretende  mächtige 
Einfiuss  dieses  Faktors  auch  in  fast  rein  ländlichen  Bezirken  sich 
wirksam  erweise,  wurden  die  Gruppen  nochmals  ohne  die  8  grössten 
Städte ^d es  Landes,  bezw., die ~nach  ihnen  benannten  Bezirke  gebildet. 
Das  Resultat  ist  folgendes: 


Auf  1000  Wohnräume 

Tab.  Todte 

I.   Gruppe   mehr   alt   800 

MO 

M.         „           „        „     700 

8,66 

HI.         »            „        „     600 

8,78 

IV.         „            „       „     600 

8,08 

V.         „     weniger    „    600 

8,86 

Zum  Vergleich  stellte  Verf.  dieselbe  Berechnung  für  Diphtherie, 
Pneumonie  und  Typhus  auf,  konnte  jedoch  hier  einen  derartigen 
Einfiuss  nicht  nachweisen. 

Sehr  interessant  ist  die  weitere  Berechnung,  die  Verf.  über  die 
thierische  Tuberculose  angestellt  hat,  und  aus  der  hervorgeht,  dass 
auch  sie  eine  deutliche  Abhängigkeit  von  der  Wohnungsdichte  er- 
kennen lässt. 


Taberealöee  Todte 

im  Durchschnitt 

Perbucht  bei  den  Schlachtungen  1888. 

der  Jahre  1888—87  inkl. 

Gruppe  1  0,0  —0,10  Prosent 

2,68  Promille  d.  Einw. 

„     II  0,11—0,20 

it 

*,T6 

»t 

»t      »♦ 

„   III  0,21—0,80 

»t 

2,89 

it 

•i      »» 

„    IV  0,81—0,40 

1» 

2,96 

»i 

»?      ii 

„     V  0,41—0,70 

»t 

8,10 

t» 

It          t| 

„   VI  0,70—1,0 

1» 

8,82 

tt 

It          tt 

„  VII     ftber  1,0 

»» 

8,70 

n 

W       M 

624  ßrtüb, 

Verf.  geht  dann  des  weiteren  auf  die  Disposition  and  Heredität 
ein,  wobei  er  in  geschickter  und  überzeugender  Weise  gegen  die 
Ausführungen  Baumgarten's  Front  macht,  und  fasst  schliesslich 
seine  Anschauungen  in  16  kurze  Sätze  zusammen,  von  denen  5  die 
Aetiologie,  11  die  Prophylaxe  der  Tuberculose  betreffen.  Belehrung 
in  den  Schulen,  gefahrlose  Beseitigung  des  Auswurfs,  etwaige  Be- 
schränkung der  Phthisiker  in  ihrer  freien  Beweglichkeit  [gewiss  kaum 
durchführbar.  Ref.],  Desinfektion  der  Wohnungen,  Wohnungspolizei 
(Verhinderung  zu  grosser  „Wohnungsdichte"),  Phthisikerasyle ,  An- 
zeigepflicht, Ueberwachung  von  Milch,  Käse,  Butter  and  Fleisch 
tuberculdser  Thiere,  Regelung  der  Verhältnisse  in  Kurorten  sind  die 
Punkte,  auf  die  sich  seine  sehr  beherzigenswerthen  Vorschläge  be- 
ziehen.   Der  Vortrag  verdient  alle  Beachtung. 

M.  Kirchner  (Hannover). 


Bericht  über  die  Fortschritte  in  der  thierischen 
Parasitenkonde. 

Von 

M.  Braun 

in 

Königsberg  i.  Pr. 

(Schlau.) 

H.  Arachnoldea. 

Bei  dieser  Gruppe  wie  bei  anderen  Arthropoden  verzichten  wir 
von  vornherein  auf  Vollständigkeit,  da  die  Litteratur  viel  zu  aus- 
gedehnt ist,  als  dass  sie  ein  Einzelner  verfolgen  könnte,  das  Gebiet 
dem  Ref.  auch  fern  liegt  Wir  fahren  nur  eine  Arbeit  an,  die  von 
Ch.  W.  Stiles  (71),  welche  aus  dem  Leuckart' sehen  Laboratorium 
hervorgegangen  ist  und  sich  mit  dem  Bau  und  der  Entwicklung  des 
Pentastomum  proboseideum  beschäftigt.  Veranlassung  zu  der 
Untersuchung  gab  der  Fund  von  22  reifen  Exemplaren  in  der  Lunge 
einer  Boa  constrictor;  obwohl  es  unwahrscheinlich  war,  dass  ein 
aus  den  Tropen  Amerika's  stammender  Parasit  seine  Entwicklung 
auch  in  einem  Thiere  Mitteleuropa^  durchlaufen  würde,  wurden  reife 
Eier  an  einen  jungen  Hund,  ein  Meerschweinchen,  ein  Kaninchen,  eine 
Taube  und  an  mehrere  weisse  Mäuse  verfüttert.  Bei  den  drei  erst- 
genannten Thieren,  die  70,  82  resp.  83  Tage  nach  der  Infektion 
untersucht  wurden,  waren  die  Larven  alle  auf  einer  frühen  Ent- 
wicklungsstufe abgestorben  und  deren  Cysten  verkalkt;  in  der  Taube 
war  Nichts  zu  finden,  dagegen  hatte  die  Infektion  der  weissen  Mäuse 
sehr  gute  Resultate  geliefert  Eine  derselben  starb  32  Tage  nach 
der  Infektion  und  Leber,  Lungen,  Nieren,  das  Peritoneum  und  das 
Unterhautbindegewebe  enthielten  zahlreiche  eingekapselte  Pentastomen 
in  zwei  etwas  differirenden  Entwicklungsstadien;  zwei  andere  Mäuse 
Starben  45  Tage  nach  der  Infektion,  sie  lieferten  ein  drittes  Stadium,  und 


Bericht  aber  die  Portochritt«  in  der  thierischen  ParasitenkandV  525 

endlich  die  letzte  wurde  18 l/»  Woche  nach  der  Fütterung  getödtet 
—  sie  enthielt  tbeils  frei  in  der  Brust-  und  Bauchhöhle,  theils  ein- 
gekapselt in  verschiedenen  Organen  völlig  ausgebildete  Pentastomen- 
larven,  welche  der  von  Diesing  als  P.  subcylindricum  be- 
schriebenen Form  glichen,  die  demnach,  wie  schon  Leuckart  er- 
kannt hat,  als  der  Jugendzustand  von  P.  proboscideum  anzu- 
sehen ist,   wie  P.  denticulatum  der  von  P.  taenioides  ist. 

Vollkommen  negativ  fiel  die  Verfütterung  der  reifen  Larven  an 
einheimische  Schlangen  (Kreuzotter  und  Ringelnatter)  aus ;  zwar  hatten 
die  Larven  den  Darm  durchbohrt  und  waren  in  die  Leibeshöhle  ge- 
langt, waren  aber  in  dieser  abgestorben.  Die  Eier  von  P.  taenioi- 
des werden  bekanntlich  durch  den  Nasenschleim  nach  aussen  geführt 
und  durch  Pflanzen,  die  dem  Zwischenwirthe  —  Hasen,  Kaninchen  — 
zur  Nahrung  dienen,  in  diesen  übertragen;  wenn  dies  auch  bei  P. 
proboscideum  vorkommen  mag,  so  ist  dies  doch  nicht  der  ge- 
wöhnliche Weg,  die  Eier  gelangen  vielmehr  mit  dem  Lungenschleim 
durch  die  Bronchien  und  die  Trachea  in  den  Darm  und  von  hier  mit 
dem  Kothe  nach  aussen;  sie  waren  in  dem  Kothe  der  untersuchten 
Boa  so  häufig,  dass  ein  hirsekorngrosses  Stück  des  Mastdarmkothes 
mindestens  15—20  Eier  enthielt.  Dass  die  Eier  und  Embryonen  lange 
Zeit  im  Freien  leben  bleiben,  beweist  die  Thatsache,  dass  dem  Autor 
die  Infektion  andrer  Mäuse,  als  der  oben  erwähnten,  mit  dem  Kothe 
der  Boa  gelang,  der  49  Tage  in  einer  feuchten  Kammer  aufbewahrt 
worden  war.  In  Bezug  auf  die  Infektionen  der  Riesenschlangen  mit 
den  Pentastomen  darf  man  wohl  als  sicher  annehmen,  dass  diese 
durch  der  Genuss  der  Zwischenwirthe  stattfindet.  Wegen  der  Er- 
gebnisse der  anatomischen  Untersuchungen  wolle  man  das  Original 
vergleichen. 


Litteratur. 


1.  Ha  äse,  E.,  Schriften  d.  pbys.-öcon.  Gesellseh.  in  Königsberg  L  Pr.  XXXI. 
1890.  8«.  12  pg. 

2.  S  o  n  e  i  n  o ,  P.,  Lo  Spallaaeani,  Giorneie  della  capitata  per  le  sdense  biologiche. 
Part  II.  Ann.  XXIX.  Fase.  I.  II.  8°.  16  pg.  Borna  1891. 

3.  Ra  Uli  et,  A.,  Revue  des  sciences  naturelles  appliqaees.  No.  16.  Paris 
1890.  8°.  35  pg. 

4.  Blanchard,  R.,  Revue  dliygiene.    Paris  1890.  8°.  99  pg. 

5.  S olger,  B.,  Mitth.  d.  nat  Ver.  v.  Neuvorpommern  and  Rügen.  XXII.  1890. 
8°.  i  pg. 

6.  Wiersejski,  A.,  Note  präliminaire  sar  le  Blanchardia  cypricola.  (Bull,  de  la 
Jodete  soolog.  de  France.  Tom.  XV.  1890.  pg.  192—198.  Avee.  6  fig.) 

7.  Railliet,  A.,  La  maladie  des  barbeaux  de  la  Kerne.  (Ball,  de  la  soc  centr. 
daquicalture  de  France  pour  l'annee  1890.  Vol.  IL  pg.  117—120.) 

8.  Pfeiffer,  L.,  Ueber  einige  neue  Formen  von  Mieeeher'seben  Schlauchen  mit 
Kero-,  Myxo-  und  Sarcosporidieninhalt  (Virchow's  Arch.  Bd.  122.  1890.  pg.  562  bis 
57  J.  mit  Taf.  XU.) 

9.  Perugia,  A.,  Solle  Myxosporidie  dei  pesci  merini.  (Bollettino  scienÜfico.  Ann. 
JH.  No.  4.  e  ann.  XIII.  No.  1.  1.  tav.  Pavia  1890/91.) 

10.  Thal  oh  an,  P.,  Contributions  a  Feinde  des  Myxosporidies.  (Ann.  de  micro- 
P»pMe.  T.  IL  1890.  8°.  20  pg.  1  pl.) 

11.  The"  1  oh  an  ,  P.,  Rech,  sur  le  dlveloppement  des  spores  ches  les  Myxosporidies. 
ICompt  rend.  «>c  de  biol.  8.  XI.  1890.) 


526  Braun, 

IS.  Blanchard,  R.,  Evacuation  de  noyaux  cellulaires  simalant  une  helmiothiaM 
ou  une  coccidie.    (8uppl.  aux  compt.  rend.  Soc  de  Biologie.    16.  I.  1891.    pg.  17—18.) 

13.  Cadnot,  L.,  Protosoaires  commensaux  et  parasites  des  Echinodermes.  (Revue 
biolog.  da  nord  de  la  France.  Se.  ann.  No.  8.  Mai  1891.  1  pl.) 

14.  Stiles,  W.t  Note  preliminaire  sar  qaelqaes  parasites.  (Ball.  soc.  zoolog. 
France.  Paris  1891.  T.  XVI.  pg.  168—165.) 

15.  Setti,  E.,  Sülle  uova  dei  Trematodi.  (Atti  soc.  ligast.  d.  sc  nat.  Vol.  11 
Fase.  1.  1891.  8°.  7  pg.) 

16.  8aint-Remy,  6.,  Revue  biologiqae  du  nord  de  la  France.  3  e.  «an.  1391 
pg.  405.  ff.  1.  pl. 

17.  Saint-Remy,  G.,  Rech,  sur  la  stracture  de  l'appar.  genit  dans  le  geore 
Mierobothriam  Obs.     (Rev.  biol.  d.  nord.  d.  I  France.  T.  HI.  1890/91.   8°.   11  pg.) 

18.  Monti colli,  Fr.  8.,  Di  aleuni  orgaoi  di  tatto  nei  Tristomidi  etc.  (Bull. 
soc.  di  natur.  in  Napoli.  Ser.  I.  Vol.  V.  1891.  pg.  99—154.  2  tav.) 

19.  Goto,  8.,  On  the  conneettng  canal  between  the  oviduet  and  the  intestina  in 
some  monogenetie  trematodes.    (Zoolog.  Ans.  Jahrg.  1891.  pg.  105 — 104.) 

80.  Goto,  8.,  On  Diplosoon  nipponicum  n.  sp.  (Joarn.  Coli.  sc.  Imp.  Univ.  Japin 
Vol.  IV.  1890.  pg.  151—192.  2  pl.) 

21.  Sonsino,  P.v  Di  an  nnovo  trematode  raecolto  dal  Pagras  orphas.  (Proc- 
verb.  soc.  tose  sc.  nat  16.  nov.  1890.) 

22.  Sonsino,  P.,  Parassiti  animali  del  Mugil  cephalus  e  di  altri  pesci  delU 
collesione  del  Museo  di  Pisa.     (ibid.  10.  V.  1891.  pg.  253—264.) 

23.  8onsino,  P.,  Notisie  di  trematodi  e  nematodi  della  collesione  del  Museo  di 
Pisa.   (ibid.  16.  XI.  1890.) 

24.  Brandes,  G.,  Zoologisehe  Jahrbücher.  Abth.  f.  Syst.,  Geogr.  und  Biol.  der 
Thiere.    Bd.  V.  pg.  549—604  mit  8  Taf. 

25.  Monticelli,  Fr.  S.,  Osservasioni  intorno  ad  alcane  forme  del  gen.  Apoblem» 
DuJ.     (Att  R.  Accad.  d.  so.  di  Torino  Vol.  XXVI.  1891.  8°.  32  pg.  1  tav.) 

26.  Honies,  R.,  Sar  les  differenoes  exterieures  que  peuvent  präsenter  les  Nemato- 
bothrinm,  a  propos  d'une  espece  noavelle.  (Rev.  biol.  da  nord.  France.  3  e.  ann.  1891. 
pg.  184—187  u.  Compt.  rend.  Ac.  Paris.  XU.  1.  1890.) 

27.  LÖnnberg,  E.,  Mittheilungen  Aber  einige  Helminthen  aas  dem  sool.  Museum 
der  Univ.  sa  Christiania.     (Verh.  d.  biol.  Ver.  Stockholm.  III.  1891.  8°.  14  pg.  1  Tai} 

28.  8  tos  sich,  H.,  Brani  di  elmintologia  tergestina.  Ser.  VII  a.  (Boll.  soc.  adriat 
sc  natur.  in  Trieste.  Vol.  XII.  1890.  8°.  9  pg.  c.  1  tav.) 

29.  t.  L  in  stow,  Beitr.  s.  Kenntn.  d.  Vogeltaenien  nebst  Bemerkungen  Sber 
neue  und  bekannte  Helminthen.  (Arch.  f.  Naturgesch.  Jahrg.  1890.  pg.  171—188. 
1  Taf.) 

80.  Megnin,  P.,  Sur  l'Holostomum  platycephalum,  parasite  de  la  mouette  rieoi« 
(Compt  rend.  soc.  bioL  Paris.  V.  9.  1891.  pg.  323.) 

81.  Stossich,  M.,  Elminti  della  Croasia.  (Soc.  bist -nat.  croatica.  V.  Agram 
1890  pg.  129—186.  c  IL  tav.) 

32.  8  tos  sich,  M.,  Elminti  venett  raecolti  dal  Dr.  AI.  conte  de  Ninni.  (Boll. 
soc.  adriat.  sc.  nat.  Trieste.  Vol.  XII.  1890.  8°.  11  pag.) 

88.  Stossich,  M.,  Elminti  veneti  etc.  8er.  II.  (ibid.  Vol.  XIII.  1891.  8  pg.  «• 
1  tav.) 

34.  Braun,  M.,  Verseichniss  von  Eingeweidewürmern  aus  Mecklenburg.  (Arch. 
d.  Ver.  d.  Frde.  d.  Naturg.  i.  Meckl.  Jahrg.  1891.  pg.  97—117.) 

85.  Railliet,  A.,  Sur  le  pretendu  Monostoma  Setteni  Num.  (Bull.  soc.  zool. 
1891.  pg.  26—28.) 

36.  Blanchard,  R.,  Note  sur  quelques  vers  parasites  de  l'homme.  (Compt. 
rend.  soc.  de  biologie  Paris.  VII.  18.  1891.) 

87.  Sagarra,  V.,  Un  caso  di  distoma  hepatico  en  el  hombre.  (Revista  de  medi- 
cina  y  cirurgia  practicas.  XIV.  1890.  pg.  505.) 

38.  H  o  g  g ,  J.,  Embryo  of  a  parasitic  entosoa  from  a  human  tooth.  (Joarn.  of 
microscopy  and  nat.  science  I.  (2)  1888.  pg.  170.) 

89.  Villeneuve,  Note  sur  un  eas  de  Bilharsia  haematobia.  (Marseille  m^dicil 
annee  28.  1891.  pg.  821.) 

40.  Sonsino,  P.,  III.  Casi  di  tenia  nana  nei  dintorni  dt  Pisa.  (Rivista  generale 
ital.  di  Clinica  medlca.  Ann.  III.  1891.  No.  8—9.) 

41.  Wernieke,  O.,  Tenia  nana.-  (Anal  del  c»rcult  medioo  argentino.  T.  XIII. 
1890.  pg.  849.) 


Bericht  Aber  die  Fortschritte  in  der  thieriscfaen  Paraaitenkunde.'  527 

42.  Blanchard,  E.,  Nouveau  cas  de  Tenia  nain  (Hymenolepis  nana)  en  Ame>- 
riqne.    (Compt.  reud.  soc    biol.  Paris.  84r.  IX.  T.  III.  6.  VI.   1891.  pg.  441—443.) 

43.  BUnchtrd,  R.,  Histoire  zoologique  et  mldicale  des  Täniades  du  genre 
Hymenolepis  Wein].  Paris  1891.  8°.  112  pg.  av.  21  fig. 

44.  Leocktrt,  R.,  Ueber  Taenia  madagascariensis  Dav.  (Verh.  der  deutsch, 
sool.  Ges.  I.  Jahresvers.  1891.  Lpsg.  1891.  pg.  68— -71.) 

45.  Chevrean,  P.,  Le  Taenia  madagascariensis.  (Ball.  soc.  mädic.  de  l'ile  Mau- 
rice. Ann.  IX.   1891.  pg.  528.) 

46  Blanchard,  R.,  Anomalie  des  organes  genitaux  chez  un  Taenia  saginata 
Götze.    (BalL  soc.  sool.  France.  T.  XV.  1890.  pg.  166—168.) 

47.  Blanchard,  R.,  Sar  les  helminthes  des  Primates  anthropoides;  I.  note  Ces- 
todes.     (Mem.  soc.  Zoolog.  France  1891.  pg.  186—196.  avec   3  fig.) 

48.  Crety.  C.,  Cestodi  della  Coturnix  communis  Bonn.  (Boll.  Mus.  Zool.  Anat. 
comp.  R.  Univ.  Torino.  Vol.  V.  No.  88.  7.  X.  1890.  8°.  16  pg.    1  Tav.) 

49.  Mrasek,  M.,  Prispevky  k  vyvqjezpytu  nekterych  tasemnic  ptacich.  Recherches 
sur  le  developpement  de  quelques  Tenies  des  oiseaux.  (Verh.  der  Kgl.  Böhm.  Ges. 
d.  Wiss.  1891.  pg.  97—131.  2  Taf.t  mit  Resumä  in  franz.  Sprache.) 

50.  Hamann,  O.,  Neue  Cysticercoiden  mit  Schwansanh&ugen.  (Jen.  Zeitsch.  f. 
Nahinr.  XXV.  N.  F.  XVIII.   1890.  pg.  553—564.  1  Taf.) 

51.  Blanchard,  R.,  Note  sur  les  migrations  du  Taenia  gracilis  Kr.  (Bull.  soc. 
Zool.  France,  XVL  1891.  pg.  119—122  und  Compt.  rend.  soc.  biol.  Ser.  IX.  T.  III. 
1891.  pg.  330—382.) 

52.  Scott,  Th.,  Notes  on  a  small  collection  of  f r es h «water  Ostracoda  from  the 
Edinburgh  district     (Proc  R.  phye.  soc.  Edinburgh.  X.  1890/91.  pg.  813.) 

53.  Monticelli,  F.  8.  e  Crety,  C,  Ricerche  intorno  alla  sottofamiglia  Soleno- 
pborinae  H.  e  C.  Torino.  1891.  4°.  pg.  24.  1  Tav.  (Mem.  R.  Accad.  sciena.  Torino. 
S«r.  n.  T.  XLI.  1891.) 

54.  v.  Li n stow,  Ueber  den  Bau  u.  d.  Entwicklung  von  Taenia  longicollis  Rud., 
'in  Beitrag  aar  Kenntniss  von  Flschtaenien.  (Jen.  Zeitsch.  f.  Naturwiss.  XXV.  N.  F. 
XVIII.  1890.  pg.  565—576.  1  Taf.) 

55.  Moniea,  R.,  Sur  la  bifurcation  acci  den  teile  que  peut  präsenter  la  chaine  des 
Cestodes  et  sar  les  anneaux  surnumeraires.  (Rev.  biol.  du  nord  de  la  France.  Ann.  III. 
1890/91.  pg.  135—142.  avec  1.  pl.) 

56.  Parona,  C.f  Sopra  alcuni  elminti  di  vertebrati  birmanf,  raccolti  da  L.  Fea. 
(Ann.  Mus.  civ.  stör.  nat.  di  Genova.  Ser.  IIa.  Vol.  VII.  [XXVII]  1890.  pg.  765—780. 
c  1  tav.) 

57.  Barrois,  Th.,  Notes  de  voyage  d'un  naturaliste  a  la  mer  morte.  (Rev. 
biol.  Nord.  France.  Ann.  IIL  1890/91.  pg.  54.  note.) 

58.  Railliet,  A.,  Developpement  explrimental  du  Cysticercus  tenuicollis  ches  le 
chevrean.     (Bull.  soc.  zool.  France.  Tom.  XVL  1891.  pg.  157—158.) 

59.  Railliet,  A.,  Sur  la  duree  de  la  vie  des  Cenures.    (ibid.  pg.   159 — 160.) 

60.  Hamann,  0.,  Zur  Kenntnfcs  des  Baues  der  Nemathelminthen.  (Stsgsber.  d. 
Kgl.  Preusa.  Akad.  d.  Wiss.  Berlin.  V.  1891.  pg.  57—61.) 

61.  v.  Linstow,  Weitere  Beobachtungen  von  Gordius  tolosanus  und  Hermis. 
(Arch.  f.  mikr.  Anat  Bd.  XXXVII    1891.  pg.  239—249.  1  Taf.) 

62.  Stiles,  Ch.  W.,  Notes  sur  les  parasites.  I.  Sur  la  dent  des  embryons  d'A- 
scaris.    (Bull.  soc.  soolog.  France.  T.  XVI.  1891.  pg.   162—168.) 

63.  S  o  n  s  i  n  o ,  P.,  Tre  casi  di  malattia  da  Rhabdonema  intestinale  o  Rhabdone- 
miasi.     (Supplemento  della  Revista  gener.  ital.  di  Clin.  med.  20.  luglio  1891.) 

64.  Railliet,  A.,  Sur  la  strongylose  bronchiale  du  cheval  et  sur  le  ver,  qui  la 
dtormine.     (Compt.  rend.  soc.  biol.  Paris.  8e>.  IX.  T.  III.  1891.  pg.  105—108.) 

65.  Kaiser,  Joh.,  Beiträge  sur  Kenntniss  der  Anatomie,  Histologie  und  Ent- 
wickelunffsgeschichte  der  Acanthocephalen.  (Biblotheca  soolog.  Hrsg.  von  R.  Leuckart 
and  C.  Chun.  Hft.  VII.  Lief.  3.  1891.) 

66.  Hamann,  P.t  Die  Nemathelminthen.  Beitrage  sur  Kenntniss'  ihrer  Ent- 
wickelang, ihres  Baues  und  |  ihrer  Lebensgeschichte.  Hft.  I.  Monographie  der  Acan- 
thocephalen, ihre  Entwicklung,  Histogenie,  Anatomie  nebst  Beiträgen  sur  Systematik 
und  Biologie.  Tbl.  I.  8°.  119  pg.  mit  10  Taf.  (Jen.  Zeitschr.  für  Naturw.  XXV.  N. 
F.  XVHI.  1891.) 

67.  Hlgnin,  P.,  Sur  I'embryogenie  de  l'Echinorhynchus  proteus.  (Compt  rend. 
»oc  biol.  Ser.  IX,  T.  III.  Paris  1891.  pg.  324—325.) 


528  Kematodenkrankheiten  der  Erdbecrpnanse. 

68.  Saint-Joseph,  de.  Les  anneüdes  polycbetes  de«  cotes  de  Dinard.  (A.ao 
sciene.  nat.  Zoologie.  8er.  VII.  T.  V.  Paris  1888.  pg.  218—224.) 

69.  Voeltskow,  A.,  Entovalva  mirabilis,  eine  schmarotzende  Muschel  ao&  des» 
Darm  einer  Holothurie.  (Zoolog.  Jahrbücher,  Abth.  f.  System.,  Geogr.  und  BioL  der 
Thiere.  V.  1881.  pg.  619—628.  1  Taf.) 

70.  Stiles,  C  h.  W.,  Bau-  und  Entwicklungsgeschichte  von  Pentastomum  pro- 
boscideam  Bad.  and  P.  sabcylindricam  Dies.  In.  Diss.  Leips.  1891.  8°.  pg.  76.  2  Taf. 
(Ans  Zeitseh.  f.  wiss.  ZooL  Bd.  LH.) 

Unbekannt  sind  dem  Referenten  geblieben: 

Leidy,  Jos.,  Notices  on  Entoioa.  (Proc.  Acad.  nat  se.  Philadelphia.  1890.  P. 
IIL  pg.  410—418.) 

Sacaypiorski,  S.  B.  F.,  Des  entosoaires  de  l'encephale.  4°.  106  pg.  Pin* 
(Steinheil)  1891. 

Haswell,  W.  H.,  Jottings  from  the  biol.  Labor,  of  Sydney- Univ.  XIV.  Ca  & 
remar.  flat-worm  parasitic  in  the  golden  frog.  (Proc.  Linn.  Soc.  N.  S.  Wales.  (2)  Vol. 
V.  P.  4.  pg.  661—666.) 

Cobb,  N.  A.,  Arabian  nematodes.    (ibid.  Vol.  V.  P.  3.  pg.  449—468) 

Mo  nies,  B.,  Sur  rAUantonema  rigida  v.  Sieb,  parasite  de  diflferent  Coleoptere* 
coprophages.     (Compt  rend.  Ac.  Paris.  T.  CXLL  pg.  60—62.) 

Baldeschi  Oddi,  6.,  Stadi  statistici  delli  Anchilostomiasi  nelle  provincie  m«ri- 
dionali  del  continente  italiano.     (Giorn.  interna«,  sc.  med.    Ann.  XII.    Fase.  22.  Nspoli 

1890.  pg.  869—884.) 

Stossieh,  Mich.,  Ugenere  DipharagaB  Daj.,  lavoro  monographico.    Triette 

1891.  8°.  28  pg.  8  tav.    (Btül.  soc  adr.  sc.  nat.  Vol.  XIIL  1891.) 

B  an  er  oft,  T.  L.,  Filariae  of  birds.  (Proc.  B.  soc.  Queensland.  VI.  [1889].  pg 
58—62.) 

Velo,  G.,  Caso  di  Filaria  medinensis.  (Biv.  venet.  sc.  med.  Ann.  VIII.  T.  XIV. 
1891.  Fase.  1.  pg.  50—54.) 

Camerano,  Lor.,  I  primi  momenti  della  evoluzione  dei  Gordii.  (Mem.  B.  Aecsd- 
Sc.  Torino  (2)  T.  XL.  1890.  c  2  Ut.) 

C  h  a  1 1  n ,  J.,  Sur  1'aigaiUon  de  l'Heterodera  Schachtii.  (Compt  rend.  Ac.  sc 
Paris.  T.  CXIL  pg.  1516—1518.) 

Cobb,  N.  A.,  Oxyoris-larvae  hatehed  in  the  human  stomach  ander  normal  con- 
ditions.     (Proc.  Linn.  soc.  N.  S.  Wales.  (2)  Vol.  V.  1891.  P.  1.  pg.  168—186.) 

Pas  quäle,  A.,  Le  Tenie  dei  polli  di  Massaaa.  (Giorn.  internal,  sc.  med.  Adb. 
XII.  Napoli  1890.  pg.  905—910.) 

Cuneo,  G.,  Cenni  statistici  e  eorologiel  sulP  Echinococco  delT  nomo.  8°.  19  pg 
Pavla  1891. 

Maggiora,  A.,  Di  un  caso  di  Taenia  inerme  fenestrata.  (L'osserTatore.  Gaze 
med.  Torino.  Ann.  XLI.  Ott.  1890.  pg.  689—692.) 

Perroneito,  E.,  Gli  Abissini  e  la  Taenia  mediocanellata.  (ibid.  Vol.  XU1 
1891.  pg.  265—267.) 

Saint-Bemy,  G.,  Sur  les  organes  glnitaux  des  Tristomiens.  (Compt.  rend.  Ac. 
sc  Paris.  T.  CXII.  pg.  1072—1074.) 

Bell,  F.  Jeffrey,  Deseription  of  a  new  species  of  Tristomam  from  Histiophoru 
brerirostris.    (Ann.  and  Mag.  of  nat.  bist.  [7  ser.]  Vol.  VU.  1891.  pg.  584—535.) 

Neu  mann,  G.,  Obsenrations  sur  les  Tenias  da  moaton.  (Soc.  d'hist  nat.  de 
Toulouse,  Compt.  rend.  seance  da  18.  Mars  1891.) 


Bitzema  Boa,  J.,  Zwei  neue  Nematodenkrankbeiten  der 

Erdbeerpflanze.    Vorläufige  Mittheilung.    (Zeitschrift 

für  Pflanzenkrankheiten.  I.  1891.  p.  1—16.  Mit  1  Taf.) 

Die  durch  Arten  aus  der  Kematodengattung  Aphelenchus 

verursachten  Erdbeerkrankheiten  stammen  aus  der  Grafschaft  Kent 

in  England,  wo  sie  seit  1890  vereinzelt  beobachtet  worden  sind. 


Beim,  Die  Neuerungen  d.  bakt.  Untersucbungsmethoden  seit  d.  Jahre  1887.    529 

Die  erste  derselben,  vom  Verf.  als  „Blumenkohlkrankheit 
der  Erdbeeren"  benannt,  wird  hervorgerufen  durch  Aphe- 
lenchus Fragariae  n.  sp.,  einen  sehr  beweglichen,  0,57 
—  0,85  mm  langen  Nematoden,  dessen  Körper  bei  beiden  Ge- 
schlechtern bei  der  analen  Oeffnung,  also  bei  Beginne  des  Schwanzes, 
sich  plötzlich  etwas  verschmälert.  In  dem  abnorm  entwickelten 
Theile  der  Erdbeerpflanze  finden  sich  die  Nematoden  in  grosser 
Anzahl,  und  zwar  im  Mai  und  Juni  im  Larvenstadium.  Die  Fort- 
pflanzung scheint  erst  in  der  zweiten  Hälfte  des  Sommers  statt- 
zufinden. Verf.  ist  es  noch  nicht  gelungen,  die  Lebenseigentbümlich- 
keiten  der  neuen  Aphelenchus-  Art,  z.  B.  die  Zahl  der  Generationen 
in  einem  Jahre,  Fortpflanzungsvermögen,  Zustand  der  Ueberwinterung, 
Verbreitungsweise  im  Boden  und  in  den  Pflanzen,  das  Ueberdauern 
von  Austrocknen,  Kälte  u.  s.  w.  zu  studiren.  An  den  Erdbeerpflanzen 
bewirkt  der  Schmarotzer  unter  Hypertrophie  der  parenchymatischen 
Gewebe  Verdickung,  Verbreiterung  und  Verwachsung  der  Stengel- 
organe nebst  Ausbildung  zahlreicher  verkümmerter  Knospen,  welche 
dem  Kamme  aufsitzen,  so  dass  die  Pflanze  einem  Stücke  Blumenkohl 
nicht  unähnlich  wird. 

Die  zweite  Krankheit  der  Erdbeere  ist  äusserlich  ganz  ähnlich; 
auch  hier  sind  die  Stempeltheile  dick  und  angeschwollen,  von  heller 
Farbe.  Es  fand  sich  bei  derselben  aber  eine  andere,  weniger  beweg- 
liche Art,  Aphelenchus  Ormerodis  n.  sp.,  welche  0,55--0,65  mm 
lang,  aber  doppelt  so  breit,  als  A.  Fragariae  ist,  deren  Körper 
sich  nicht  plötzlich  beim  After  verschmälert,  sondern  nach  beiden 
Enden  hin  allmählich  und  langsam  dünner  wird  und  deren  äusserstes 
Schwanzende  in  eine  sehr  feine  Spitze  endigt.  Sehr  häufig  wurden 
auch  in  den  kranken  Pflanzen  Arten  von  Cephalobus  gefunden. 
Da  dieselben  sich  aber  nicht  in  allen  erkrankten  Pflanzen  vorfanden, 
wie  es  beim  Aphelenchus  Ormerodis  der  Fall  war,  so  sind  sie 
nicht  als  die  Urheber  der  eigentümlichen  Krankheit  anzusehen,  son- 
dern sind  erst  nachträglich  hineingekommen.     Brick  (Hamburg). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

von 

Dr.  L.  Helm, 

k.  b.  Stabsarzt   and  Privatdoxenten. 
(Schiusa.) 

D'Arsonval  (9.  831)  empfahl  neben  der  Filtration  die  Be- 
nutzung des  starken  Druckes  flüssiger  Kohlensäure  zur  Erzielung 
sterilisirter  Flüssigkeiten. 


J>3Ö  Helm, 

Mit  Hülfe  von  Thonzellen  gewonnene  Filtrate  von  Kulturen  oder 
Gewebssaft  hat  nun  (Roux  und  Chamberland  \3.  769],  Wool- 
dridge  [4.  881,  Roux  und  Yersin  \b.  348],  Emmerich1)  n. 
A.)  entweder  direkt  zu  Studien  der  giftigen,  immunisirenden  oder 
heilenden  Wirkungen  genommen,  oder  erst  weiter  chemisch  verar- 
beitet, in  der  Absicht,  die  wirksamen  Körper  daraus  möglichst  rein 
darzustellen.  Derartige  Verfahren  sind  von  Brieger  und  Fraenkel 
(8.  142),  Wassermann  und  Proskauer*)  des  Näheren  mitge- 
theilt  und  haben  zur  Gewinnung  eiweissartiger  Giftstoffe,  der  sog. 
Toxalbumine,  geführt,  von  denen  es  nach  Wassermann  und  Pros- 
kauer aber  noch  nicht  erwiesen  ist,  ob  sie  das  Gift  chemisch  ge- 
bunden enthalten,  oder  ob  es  ihnen  beim  Niederschlagen  nur  mechanisch 
beigemengt  wurde.  Dm  bei  den  dabei  nöthigen  Abdampfungen  die 
auf  die  Gifte  zersetzend  wirkenden  höheren  Wärmegrade  zu  umgehen, 
hat  Brieger  einen  Vakuuraapparat  für  konstante  niedrige  Tempe- 
raturen durch  Lautenschläger  konstruiren  lassen,  hinsichtlich 
dessen  Beschreibung  ich  auf  das  Original 3)  verweisen  muss. 

Ohne  Filtration  gewann  Scholl4)  aus  Cholerakulturen  in 
Hühnereiern  ein  Toxopepton  auf  folgende  Weise:  Das  von  den  Bak- 
terien verflüssigte  Eiweiss  wurde  in  die  zehnfache  Menge  absoluten 
Alkohols  eingegossen,  der  Niederschlag  mit  Alkohol  ausgewaschen, 
mit  Wasser  digerirt  und  filtrirt.  Die  wässerige  Lösung  wurde  wieder- 
holt in  mit  Essigsäure  schwach  angesäuerten  Aetherspiritus  einge- 
tragen, vom  Rückstand  abgegossen  und  dieser  in  alkalisch  gemachtem 
Wasser  aufgelöst.  Letztmalige  Eintragung  in  reinen  Aether,  welcher 
verdampft  wurde,  führte  zur  Gewinnung  einer  weissen  voluminösen 
Masse,  von  der  geringe  Mengen  intraperitoneal  applizirt,  Meerschwein- 
chen in  kurzer  Frist  tödteten. 

Während  .bislang  hauptsächlich  die  von  den  Bakterien  erzensten 
Stoffwechselprodukte,  sei  es  nun,  dass  sie  direkt  von  ihnen  geliefert 
oder  unter  ihrem  Einfluss  aus  dem  Eiweiss  und  eiweissähnlichen 
Stoffen  des  Körpers  oder  der  Kulturen  gebildet  waren,  das  Interesse 
der  Forscher  beschäftigten,  hat  man  in  neuerer  Zeit  auch  die  Stoffe, 
welche  aus  dem  Bakterienleib  selbst  sich  darstellen .  lassen,  in  den 
Bereich  des  Studiums  und  der  Versuche  gezogen. 

Nachdem  Buchner5)  gesehen  hatte,  dass  die  aus  Kartoffelkul- 
turen der  Friedl&n  der 'sehen  Pneumoniebakterien  durch  Auf- 
schwemmen in  physiologischer  Kochsalzlösung  Kochen  und  freiwillige 
Sedimentirung  gewonnenen  ProteYnstoffe  mikroorganismenfreie  Ent- 
zündung, Eiterung  und  Fieber  zu  erzeugen  im  Stande  seien,  versuchte 
dieser  Forscher  die  Albuminste  des  Bakterieninhaltes  in  Lösung  über- 
zuführen. Es  gelang  ihm  (O.  8.  321  \  nach  Nencki's  Methode  bei 
verschiedenen  Bakterien  eine  "mehr  oder  weniger  reichliche  Ausbeute 
an  Protein  zu  gewinnen,  am  meisten  vonBac.  pyocvaneus.  Nach 
Buchner6)  verfährt  man  dabei  folgendermassen :  Die  von  gut  ent- 

1)  M.  m.  W.  91.  19.  Sil. 
*)  D.  m.  W.  91.  17.  686. 
8)  Z.  f.  kl.  M.  XVII.  Snppl. 
4)  B.  kl.  W.  90.  41.  984. 
6)  B.  U.  W.  90.  80.  678. 
6)  B.  kl.  W.  90.  47.  1084. 


Die  Neuerungen  d.  bakUriol.  üntersuchongtmetJboden  aalt  dem  Jahre  188T.    531 

wickelten  Kartoffelkultaren  abgestreifte  Bakterienmasse  wird  in  einer 
[leibschale  mit  etwas  Wasser  gleichmässig  verrieben,  das  fünfzigfache 
Polum  0,5  °/0  Kalilauge  zugesetzt,  bis  zur  möglichst  vollständigen 
Verflüssigung  im  Wasserbad  digerirt  und  durch  mehrere  kleinere 
Filter  filtrirt.  Das  klare  grünliche  Filtrat  wird  mit  verdünnter  Essig- 
)der  Salzsäure  bis  zur  eben  deutlichen  saueren  Reaktion  unter  Ver- 
meidung von  Säureüberschuss  versetzt,  das  ausgefällte  Pyocyaneus- 
protein  auf  dem  Filter  gesammelt,  ausgewaschen  und  in  schwach 
alkalischem  Wasser  aufgelöst.  Den  Nachweis,  dass  derartige  Pro- 
teine eine  chemotaktische,  leukocytenanlockende  Wirkung  ausüben, 
erbrachte  Buchner,  indem  er  sie  in  spindelförmige,  einige  Milli- 
meter weite  Glasröhrchen  einschmolz,  durch  Kochen  sterilisirte  und 
anter  aseptischen  Vorsichtsmassregeln  unter  die  Rückenhaut  von  Ka- 
ninchen einschob,  um  sie  nachher  subkutan  abzubrechen.  Nach  eini- 
gen Tagen  fanden  sich  in  den  freien  Enden  der  Röhrchen,  welche 
Doch  flüssiges  Protein  enthielten,  stets  Pfropfe  von  faserstoffigem, 
sterilem  Eiter. 

Die  weittragendste  Bedeutung  erlangten  die  aus  den  Bakterien 
ausziehbaren  Stoffe  durch  die  Darstellung  des  Tuberculins.  Koch 
(9.  64)  gewann  dieses,  den  tuberculösen  Krankheitsprozess  in  so 
eminenter  Weise  beeinflussende  Mittel  durch  Extraktion  aus  den 
Reinkulturen  der  Tuberkelbacillen  mittelst  Glycerin,  wodurch  sich 
die  eitererzeugende  Substanz  ausschalten  Hess. 

X.  Untersuchungsmethoden  hinsichtlich  der  entwlckelungs- 
hemmenden  und  bakterlentödtenden  Eigenschaften  von  Chemi- 
kalien und  der  Hitze. 

Die  von  Koch  zur  Prüfung  eingeführten  Seidenfäden  mit  ange- 
trocknetem Bakterienmaterial  haben  sich  als  eins  der  zweckmäßigsten 
Mittel  bis  jetzt  erhalten,  wenn  auch  vereinzelte  Stimmen  dagegen 
laut  geworden  sind.  So  wollte  Braatz  (O.  8.  8)  bei  Untersuchungen 
mit  Sublimat  Baumwollenfäden  als  Ersatz,  und  Geppert  erklärte 
sie  für  ungeeigneter,  als  die  von  ihm  verwendete  Sporenemulsion 
(s.u.).  Behring 's  eingehende  Untersuchungen  Hessen  aber  weder 
einen  zwingenden  Grund  finden,  von  der  Seide  abzugehen,  noch  die 
Verwendung  der  Fäden  aufzugeben,  da  sie  einerseits  das  geeignete 
Mittel  seien,  um  die  Bakterien  in  sehr  grossen  Mengen  auf  einen 
kleinen  Raum  zusammenzubringen,  andererseits  den  Verhältnissen 
der  Praxis  besser  entsprächen,  wo  die  zu  vernichtenden  Keime  zu- 
meist an  festen  Partikelchen  oder  Körpern  haften.  Folgen  wir 
BehringV)  Vorschriften,  so  gestaltet  sich  das  Verfahren  der  Zu- 
richtung bei  Verwendung  von  das  Austrocknen  ertragenden  Mikro- 
organismen folgendermassen : 

Seidenfäden  mittlerer  Dicke  werden  in  etwa  1  cm"  lange  Stücke 
geschnitten  und  mit  heissem  Wasserdampf  keimfrei  gemacht.  Dem- 
nächst schabt  man  die  auf  schräg  erstarrtem  Agar  gut  entwickelte 
Kultur  (Milzbrandsporen  hält  man  noch  3  Tage  nach  ihrem   ersten 

l)  *  f.  Q.  I*.  39Q, 


632  Heim, 

Erscheinen  im  Brutschrank)  mit  einer  Platinöse  ab,  schwemmt  sie 
in  sterilisirtem  Wasser  zu  einer  gleichmäßigen,  bis  zur  Undurchsich- 
tigkeit  dicken  Emulsion  auf  und  giesst  diese  über  die  in  Doppelsch&l- 
chen  befindlichen  Seidenfäden.  Sind  sie  gleichmäßig  damit  getränkt, 
so  werden  sie  herausgenommen,  in  Abständen  auf  den  Boden  einer 
Pet riechen  Schale  gelegt  und  unter  Vermeidung  von  zufälligen 
Verunreinigungen  und  möglichster  Abhaltung  des  direkten  Sonnen- 
und  diffusen  Tageslichtes  getrocknet  und  aufbewahrt 

Mit  sporenfreien,  das  Austrocknen  nicht  vertragenden  Bakterien 
(Streptokokken)  imbibirte  v.  Lingelsheim1)  die  Seidenfäden  in 
der  Weise,  dass  er  sie  1  Stunde  lang  in  den  Bodensatz  einer  24 
bis  36  Stunden  alten  Bouillonkultur  legte,  nachdem  die  überstehende 
Flüssigkeit  zuvor  bis  auf  V6  ihres  Volumens  (2  ccm)  abpipettirt  war. 

Schon  früher  hat  Fisch P)  bei  seinen  Versuchen  mit  dem 
Soorpilz  die  F&den  nach  2—3  Minuten  langem  Aufenthalt  in  der  in 
einer  sterilisirten  Reibschale  hergestellten  Aufschwemmung  mittelst 
einer  an  den  freien  Branchenenden  mit  Platinblechen  versehenen 
Pinzette  auf  schräg  erstarrtes  Agar  übertragen  und  wieder  abge- 
nommen, wenn  im  Brutschrank  charakteristisches  Wachstiram  er- 
folgt war. 

Die  imprägnirten  Seidenfäden  werden,  wenn  es  sich  um  Prüfung 
löslicher  Mittel  handelt,  nach  Behring  in  mit  10  ccm  der  Lösung  , 
beschickte  Doppelschälchen  gelegt  und  dafür  Sorge  getragen,  dass  sie 
sich  rasch  mit  der  Flüssigkeit  imbibiren  und  zu  Boden  sinken.    Zum  j 
Schluss  gelangen  sie  zur  Ueberimpfung  aufs  Thier  oder  auf  brutbe-  j 
ständige  Nährböden,   am  besten  Bouillon.    Letztere  sind  deshalb  als 
ein  feineres  Reagenz  für  erfolgte  Abtödtung  der  Kultur  gegenüber  dem 
Thierkörper  anzusehen,  weil,  wie  Behring  fand,  die  Bakterien  durch 
die  Einwirkung   des  Mittels  nicht  ihre  Entwicklungsfähigkeit  ver- 
loren haben  können,  wohl  aber   ihre  Virulenz,   welche   sie   auf  dem 
neuen  Nährboden  wieder  gewinnen. 

Ehe  man  aber  die  dem  zu  prüfenden  Mittel  ausgesetzt  gewesenen 
Mikroorganismen  zur  Aussaat  bringt,  muss  man  dafür  sorgen,  dessen 
letzte  Spuren  zu  entfernen,  um  nicht  in  den  Nährboden  entwicke- 
lungshemmende  Stoffe  zu  übertragen,  welche  sich  um  so  mehr  geltend 
machen  können,  als  die  Bakterien,  bezw.  deren  Sporen,  in  einem  mehr  oder 
weniger  geschwächten  Zustand  befindlich,  nicht  mehr  die  nöthige 
Kraft  zum  Auskeimen  haben  und  so  den  Eindruck  machen,  als  wären 
sie  abgestorben.  Darauf  hat  Geppert  die  Aufmerksamkeit  gelenkt 
und  die  Entfernung  durch  für  die  Bakterien  unschädliche  Gegen- 
mittel bewirkt,  bei  Sublimat  z.  B.  mit  Schwefelammoniumlösoog 
(1:3),  bei  Karbolsäure  mit  warmem  Wasser,  bei  Chlor  durch  Ammo- 
niak, unterschwefligsaurem  Natron  u.  dergl.  Geppert8),  dessen  Be- 
streben dahin  ging,  die  absolute  Widerstandsfähigkeit  der  Keime 
unabhängig  von  dem  Material,  an  welchem  sie  haften,  kennen  zu 


1}Z. 
2)  P. 


f.  H.  X.  861. 
_ .  d.  M.  S7.  »0.  665. 
3)  B.  kl.  W.  89.  36.  789;  90.  11.  846. 


t>ie  tfeuerangen  i.  baktetioL  ÜntersactitiÄgimetiiodeti  seit  dem  Jahre  lÖ8f .    533 

lernen,  stellte  seine  Untersuchungen  mit  Bakterien-  bezw.  Sporen- 
emulsionen an,  etwa  in  folgender  Weise: 

Die  auf  festem  Nährboden  gewachsene  Kultur  wurde  mit  sterili- 
sirtem Wasser  abergossen,  mit  der  Platinnadel  darüber  gefahren,  so 
dass  sie  sich  im  Wasser  vert heilte  und  die  Mischung  in  ein  anderes  Re- 
agenzglas gegossen,  worin  sie  bis  zur  Entstehung  einer  Trübung  ge- 
schüttelt wurde.  Die  folgende  Filtrirung  durch  ein  gröberes  und 
schliesslich  durch  engere  Filter  aus  der  leicht  sterilisirbaren  Glas- 
wolle lieferte  ein  trübes,  von  Flöckchen  freies  Filtrat.  Davon  wurde 
'/s  ccm  mittelst  sterilisirtem  Platinlöffel  entnommen  und  mit  25  ccm 
des  in  einem  mit  ausgekochtem  Deckel  versehenen  Krystallisirschäl- 
chen  befindlichen  Desinfektionsmittels  vermischt;  nach  bestimmten 
Zeiträumen  kam  */2  ccm  der  Mischung  in  steriles  Wasser,  worauf 
die  Ausfällung  des  Desinfektionsmittels  (Sublimat  durch  Schwefel- 
ammonium) erfolgte.  Einige  Tropfen  davon  wurden  dann  in  einem 
frischen  Sch&lchen  mit  8  ccm  einer  zur  Erleichterung  der  Manipula- 
tion nur  Vj  prozentiget]  Agargelatine  Übergossen,  welche  dem  Brüt- 
schrank anvertraut  wurde,  5  Beobachtungstage  reichten  jedesmal 
zur  Entscheidung  des  Versuches  aus. 

Kann  oder  will  man  sporenfreie  Bakterien  nicht  an  Seidenfäden 
haftend  der  Wirkung  des  zu  prüfenden  löslichen  Mittels  aussetzen, 
so  verttaeilt  man  sie  nach  Behring  in  5  ccm  Bouillon,  welcher 
jenes  in  verschiedenen  Abstufungen  zugesetzt  wird,  worauf  in  be- 
stimmten Zeitabschnitten  Uebertragungen  auf  frische  Bouillon  gemacht 
werden.  Es  hat  sich  bei  den  Untersuchungen  von  Boer1)  heraus- 
gestellt, dass  grössere  Mengen  des  Desinfektionsmittels  zur  Abtödtung 
der  Bakterien  nöthig  sind,  wenn  sie  sich  in  der  Bouillon  erst  einige 
Zeit  entwickelt  haben.  Handelt  es  sich  um  Prüfung  von  Desinfek- 
tionsmitteln zu  bestimmten  Zwecken,  so  wird  sich  selbstredend  die 
Versnchsanordnung  in  jedem  einzelnen  Falle  diesen  anzupassen  haben. 
So  hat  Jäger  (7.  362)  bei  seinen  Studien  über  die  Desinfektion 
von  Thierställen  mit  chemischen  Mitteln  u.  a.  die  mit  den  Bakterien  im- 
pragnirten,  auf  Bretter  befestigten  Seidenfäden  mit  Kalk  oder  Chlor- 
kalklösung übertüncht. 

Die  anders,  als  in  gewöhnlichen  Nährsubtraten  sich  gestaltende 
entwickelungshemmende  Wirkung  von  Chemikalien  im  Blute  durch 
eine  neue  Methode  klar  gelegt  zu  haben,  ist  eines  der  Verdienste 
Behring 's  um  die  Förderung  unserer  Kenntnisse  auf  dem  Gebiete 
der  Desinfektionslehre.  Der  genannte  Forscher  (O.  3.  27;  7.  106)*) 
stellte  mit  Hülfe  einer  geeigneten  Pipette  beliebige  Konzentrationen 
des  zu  prüfenden  Mittels  in  10  ccm  sterilisirtem  Blutserum  her,  nach- 
dem zuvor  ein  Tropfen  davon  zur  Kontrolle  auf  ein  Deckgläschen  ge- 
geben war;  das  Gleiche  geschah  jedesmal,  wenn  eine  neue,  bestimmte, 
in  der  Dosis  allmählich  gesteigerte  Menge  des  Mittels  demselben 
Serum  zugesetzt  war;  schiesslich  wurde  die  ganze  Reihe  der  auf  den 
Deckgläschen  befindlichen  Tröpfchen  mit  den  Bakterien  infizirt,  in  be- 
kannter Weise  auf  den  hohlgeschliffenen  Objektträger  gelegt  und  der 
Brutschrankwärme   ausgesetzt    Die  Konzentration,   bei  welcher  die 

1)  Z.  f.  H.  IX.  486. 

I)  D.  m.  W.  87.  87.  805« 


5$4    Beim»  t>i«  tteaernngen  cL  bakt  Üntersactiungtinctiiodeii  Mit  i.  Jahre  l&ftt.* 

Entwicklungshemmung  eintrat,  stand,  so  ergaben  Vergiftungsversuche 
am  Thier,  in  einem  bestimmten  Verhältniss  zur  tödthcben  Dosis. 

Die  Prüfung  von  schwer  oder  nicht  im  Wasser  löslichen  Sub- 
stanzen, z.  B.  ätherischen  Oelen,  hinsichtlich  ihrer  entwickeluogs- 
hemmenden  bezw.  baktcrientödtenden  Eigenschaften  ermöglichte 
Behring  im  Blutserum  durch  vorgängige  Losung  in  Alkohol 
Cad6ac  und  Meunier  (6.  282)  tauchten  lediglich  einen  mit  dem 
Kulturmaterial  beladenen  Platindraht  für  kürzere  oder  längere  Zeit 
in  die  Essenzen  und  stachen  dann  in  Agar  ein.  Omcltschenkt 
(O.  9,  815)  bediente  sich  zum  Studium  der  Dämpfe  solcher  Gelt 
eines  eigenen  kleinen  Apparates,  während  Buchner  (2.  360;  6.366 
in  ebenso  einfacher  wie  anschaulicher  Weise  die  Wirkung  der  Dämpfe 
von  Jodoform,  Formaldehyd,  Kreolin  und  Chloroform  auf  in  Eut 
Wickelung  begriffene  Kulturen  durch  Einhängen  eines  kleineren  m\\ 
der  Substanz  gefüllten  Röhrchens  in  das  grössere  Reagenzglas  sicht- 
bar machte.  Sehr  praktisch  untersuchte  Löffle r  J)  die  entwicke 
lungshemmende  Wirkung  einer  grossen  Anzahl  ätherischer  Oele  aui 
Diphtheriebacillen :  Die  Wattepfropfe  der  mit  Löffler'schem  Seme 
(4  Theile  Rinderblutserum  und  1  Theil  genau  neutralisirter  Bouillon 
welcher  1  °/0  Pepton,  1  °/0  Traubenzucker  und  0,5  °/0  Kochsalz  zuge- 
setzt wird)  beschickten,  kurz  zuvor  beimpften  Kulturröhrchen  wurden 
mit  dem  betr.  Oel  befeuchtet,  aufgesetzt  und  mit  Gummikappe  über 
zogen;  von  festem  Thymol  kam  ein  Stück  unter  die  letztere. 

Die  Wirkung  von  als  Gargarisma  verwendbaren  Mitteln  aal 
Diphtheriebacillen  prüfte  der  genannte  Forscher,  indem  er  Aber  <to 
frische  Aussaat  oder  die  auf  dem  Serum  gewachsene  Kultur  IC 
— 15  cem  der  Lösung  des  Mittels  schüttete  und  nach  1  — 30  Se- 
kunden wieder  abgoss. 

Untersuchungen  über  das  Verhalten  der  Hitze  gegenüber  den 
Mikroorganismen  wurden,  wie  bei  den  Chemikalien,  zumeist  mit 
Seidenfäden  angestellt  Sie  kamen  für  kurze  Zeit  in  die  beisst 
Flüssigkeit.  Geppert8)  benutzte  auch  hier  die  filtrirten  Spore* 
emulsionen,  welche  er  in  Mengen  von  etwa  5  cem  in  einem  kleinen 
Porzellantiegel  kochte,  dann  die  doppelte  Menge  kalten,  sterilisirtes 
Wassers  zusetzte  und  von  dem  Gemisch  etwa  l1/,  cem  zur  Aussaat 
auf  Agar  verwandte. 

Oder  die  Seidenfäden  wurden  dem  Dampf  ausgesetzt,  indem  sie 
in  Packetchen  eingeschlossen  in  den  Dampfentwickler  versenkt  war« 
den.  v.  Esmarch  (5.  140)  hat,  was  für  die  Vergleichung  der  ß* 
sultate  von  Desinfektionsergebnissen,  die  zu  verschiedenen  Zeiten 
oder  von  verschiedenen  Autoren  gewonnen  wurden,  wichtig  ist,  zuerst 
darauf  aufmerksam  gemacht,  wie  ungleichmässig  sich  die  Wider- 
standsfähigkeit verschiedener  Milzbrandsporen  gegenüber  dem  Dampf 
(und  auch  chemischen  Mitteln)  verhält  Man  wird  deshalb  bei  allen 
ähnlichen  Versuchen  den  Rath  C.  Fraenkel's  (7.  384)  beherzigen 
müssen,  sich  über  den  Resistenzgrad  seines  Materials  vorher  da 
näheren  zu  orientiren.  Die  Packetchen,  in  welche  die  Probeobjekte 
kommen,  können  nach  v.  Es  m  a r  c  h  aus  gleich  grossen  Stückchen  FiJtrir- 

1)  D.  m.  W.  91.  10.  86S. 
%)  D.  m.  W.  91.  96.  6*7. 


ftakterioiogbciies   vom  Vit.  Liter  nationalen  ftongress  m  London.  [jSo 

papier  hergestellt  und  zu  niehreieu,  iu  Gazebeatelchen  zusammengethan, 
ao  Fäden  in  den  Apparat  gehängt  werden;  ich  fand  es  vorteilhaft, 
die  Papierumhüllung  wegzulassen  und  die  4  Enden  der  kleinen  Gaze- 
stückchen, auf  welche  die  tieidenfäden  gelegt  worden  waren,  mit 
einer  kleinen  federnden  Klemme  zusammenzufassen. 

Sporenlose  Bakterien  hat  man,  falls  man  sie  nich  feucht  an 
Seidenfäden  haftend  der  Hitze  aussetzte,  in  einem  Reagenzglase 
sammt  dem  Nährmaterial,  in  welchem  sie  gewachsen  waren,  ins 
Wasserbad  von  bestimmter  Temperatur  möglichst  tief  eingetaucht. 
Koch  sicherer  werden  die  Resultate,  wenn  man,  wie  ich  es  bei  Er- 
wärmungsversuchen mit  Bakterien  der  blauen  Milch,  des  Schweine- 
rothlaufes  u.  s.  w.  (8.  46;  10.  135)  machte,  Kulturen  in  flüssigen  Medien 
in  sog.  Lymphröhrchen  füllt,  in  welchen  beim  Abschmelzen  noch  ein 
kleiner  Raum  frei  bleiben  muss.  Diese  Röhrchen  werden,  an  Fäden 
befestigt,  für  eine  bestimmte  Zeit  neben  die  Qutcksilberkugel  eines 
Thermometers  in  eine  möglichst  grosse  Wassermenge  von  konstanter 
Temperatur  gelegt.  

In  dem  vorliegenden  zusammenfassenden  Bericht  glaube  ich  eine 
Uebersicht  über  die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 
Intersuchungsmethoden  gegeben  zu  haben,  welche,  das  vielfach  zer- 
streute Material  sammelnd,  zur  Orientirung  in  der  Litteratur,  wie 
zur  Unterstützung  bei  praktischen  Arbeiten  dienlich  sein  kann.  Hin- 
sichtlich der  in  diesem  Centralblatt  erschienenen  Originalarbeiten  und 
Referate  konnte  ich  mich  oft  mit  dem  Hinweis  zufrieden  geben,  mit- 
unter aber  erheischte  der  Zusammenhang  eine  kurze  Darstellung  des 
ganzen  oder  theilweisen  Inhaltes  der  ersteren,  oder  eine  Ergänzung 
der  letzteren.  Anderweitig  veröffentlichte  Arbeiten  habe  ich  ein- 
gehender berücksichtigt,  wenn  es  sich  um  die  Schilderung  eines  neuen 
Untersuchungsverfahrens,  Apparates  o.  dgl.  handelte,  da  ich  von  der 
Ansicht  ausging,  dass  das  Centralblatt  nicht  nur  ins  Studirzimmer, 
sondern  auch  ins  Laboratorium  gehöre,  wo  das  Nachlesen  der  Origi- 
nalartikel gewöhnlich  mit  grösseren  Unbequemlichkeiten  verknüpft  ist, 
wie  dort 

Würzburg,  den  30.  Juni  1891. 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VE.  internationalen  Eongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10—17.  August  189L 

(FortMtiung.) 

Sektion  för  Bakteriologie. 

Dienstag,  den  11.  August  1891. 
Lister  eröffnete  die  Sitzung  mit  einigen  einleitenden  Worten, 
in  denen  er  seinem  Bedauern  über  die  Abwesenheit  von  Pasteur 


536  Bakteriologisches  vom  Vit.  Internationalen  Kongress  m  Lon<foiL 

und  Koch  Ausdruck  gab,  von  denen  jener  durch  Krankheit,  dieser 
durch  Geschäfte  am  Erscheinen  verhindert  sei.  L.  ging  dann  auf 
die  bedeutenden  Fortschritte,  welche  die  Wissenschaft  seit  1881  ge- 
macht, ein:  Koch 's  neue  Kulturmethode,  die  Entdeckung  des  Tu- 
berkelbacillus,  die  Darstellung  des  Tuberkulins,  „das  als  von  grossem 
pathologischem  Interesse  angesehen  werden  muss,  selbst  wenn  seine 
Heilwirkung  nicht  bewiesen  ist";  Pasteur's  Werk  über  die  Hands- 
wuth,  gleichfalls  eine  Frucht  der  letzten  10  Jahre ;  die  Phagocyten- 
theorie,  die  Erzeugung  von  Immunität  gegen  Tetanus  und  Milzbrand, 
entere  durch  Einspritzung  einer  chemischen  Substanz,  letztere  durch 
Einführung  von  Rattenblut  bei  Mäusen.  Nach  einer  Aufforderung 
zum  Besuch  der  bakteriologischen  Ausstellung  ertheilte  L.  das  Wort  an 

Prof.  Layeran  aus  Paris  über  „die  Aetiologie  der  Ma- 
la riau,   der  sich  etwa  folgendermassen  äusserte: 

„Der  thierische  Blutbewohner,  den  ich  1880  bei  den  Kranken,  die 
vom  Sumpffieber  befallen  sind,  beschrieben  habe,  ist  von  einer  grossen 
Zahl  von  Beobachtern  wiedergefunden  worden,  und  sein  Vorhandensein 
wird  nicht  mehr  ernstlich  bestritten.  Von  den  zahlreichen  Arbeiten,  die 
im  Laufe  der  letzten  10  Jahre  veröffentlicht  sind  und  meine  eigenen 
Arbeiten  bestätigen,  führe  ich  an  die  von  E.  Richard,  Stern- 
berg,  Councilman,  W.  Osler,  James,  Marchiafava  und 
Celli,  Guarnieri,  P.  Canalis,  Grassi  und  Feletti,  An- 
tolisei  und  Angelini,  Terni  und  Gardina,  Bignami,  V. 
Carter,  Evans,  Metschnikoff,  Saccharoff,  Khenzinsky, 
Romanowsky,  Souli6,  Paltauf,  Bamberger,  Hochsin- 
ger, Pleh  n,  Quincke,  Pfeiffer,  E.  Morado  und  F.  Coranado. 

„Die  morphologischen  Eigenschaften  des  Blutparasiten  des  Wechsel- 
fiebers sind  heute  wohlbekannt,  ich  werde  mich  darauf  beschranken, 
die  Hauptformen,  unter  denen  er  sich  darstellt,  kurz  ins  Gedächtnis 
zurückzufahren.  Diese  Formen  sind  auf  dieser  Abbildung  (Verf.  zeigte 
seine  Präparate  vermittels  des  Projektionsapparates)  dargestellt. 

„1.  Runde  Körperchen.  Diese  Elemente,  deren  Durchmesser 
zwischen  1  bis  8  oder  10  p  wechselt,  sind  frei  im  Serum  oder  hangen 
an  Blutscheiben  an,  welche  verblassen  in  dem  Grade,  als  die  Para- 
siten an  Grösse  zunehmen ;  sie  zeigen  lebhafte  amöboide  Bewegungen 
und  enthalten,  ausser  in  der  ersten  Zeit  ihrer  Entwickelung,  Pigment- 
körnchen. 

„2.  G  e  i  s  s  e  1 1  r  ä  g  e  r.  An  der  Oberfläche  der  runden  Körperchen, 
die  zu  ihrer  vollständigen  Entwickelung  gelangt  sind,  beobachtet  man 
zuweilen  im  frischen  Blute  Geissein  in  verschiedener  Anzahl  und  w? 
sehr  lebhafter  Beweglichkeit;  diese  Geissein  fallen  schliesslich  von 
den  runden  Körperchen  ab,  werden  frei  und  verlieren  sich  zwischen 
den  Blutscheiben. 

„3.  Halbmondförmige  Körperchen.  Diese  Elemente  sind 
cylindrisch,  an  den  Enden  mehr  oder  weniger  spitz  ausgezogen  und 
gewöhnlich  halbmondförmig  eingebogen ;  sie  messen  8—9  p  in  der 
Länge;  gegen  die  Mitte  hin  unterscheidet  man  einen  von  Pigment- 
körnchen gebildeten  schwärzlichen  Fleck.  Diese  Elemente  können  Ei- 
pder  Kugelform  annehmen;  sie  sind  nicht  beweglich. 


Bakteriologisches  vom  VTL  internationalen  Kongress  sn  London.  537 

4.  „Rosettenförmige  Körperchen.  Regelmässig  segmen- 
tirte  Elemente  mit  einer  kleinen  Pigmentanhäufnng  in  der  Mitte ;  die 
Segmente  nehmen  nach  Verlauf  einiger  Zeit  Kugelform  an,  und  das 
Element  fällt  aus  einander.  Die  rosettenformigen  Körperchen  scheinen, 
wie  Golgi  gesagt  hat,  einer  Weise  der  Vermehrung  der  Blutparasiten 
zu  entsprechen.  Schliesslich  findet  man  im  Blute  der  Malariakranken 
melaninhaltige  weisse  Blutkörperchen.  Die  Melanämie,  so  ausge- 
sprochen bei  den  Leuten,  die  von  perniciösen  Zufällen  betroffen  wer- 
den, hatte  schon  lange  die  Aufmerksamkeit  der  Beobachter  auf  sich 
gezogen,  aber  man  wusste  sich  den  Vorgang  der  Pigmentbildung  nicht 
zu  erklären.  Der  Nachweis  pigmentirter  Schmarotzer  hat  die  Lösung 
dieses  Räthsels  gegeben ;  die  weissen  Blutkörperchen  bemächtigen  sich 
der  Schmarotzer  und  nehmen  auf  diese  Weise  das  Melanin  in  sich  auf. 

„Die  Geisseiträger  können  nur  in  frischem  Blute  beobachtet  wer- 
den, während  die  andern  Elemente  im  konservirten  Blute  wohl  zu 
sehen  sind.  (Verf.  zeigt  einige  Präparate  der  Malariaparasiten.) 

„Das  schnelle  Austrocknen  und  Fixiren  durch  die  Hitze  ist  für 
das  Studium  des  Malariabluts  sehr  zweckmässig,  man  färbt  vermittels 
einer  gesättigten  Methylenblau-  und  Gentianaviolettlösung ;  man  kann 
eine  Doppelfärbung  herstellen,  indem  man  nach  einander  eine  gesättigte 
wässerige  Eosinlösung,  welche  die  Blutscheiben  rosa  färbt,  und  die 
gesättigte  wässerige  Methylenblaulösung,  welche  die  weissen  Blut- 
körperchen und  die  parasitären  Elemente  blau  färbt,  auf  das  ge- 
trocknete Blut  einwirken  lässt. 

„Einige  Beobachter  geben  an,  in  den  runden  und  auch  in  den 
halbmondförmigen  Körperchen  Kerne  nachgewiesen  zu  haben. 

„Golgi  und  P.  Canalis  nehmen  3,  Grassi  und  Feletti  2 
verschiedene  Malariaparasiten  an.  Die  verschiedenen  Formen,  unter 
denen  sich  der  Malariaparasit  darstellt,  scheinen  ein  und  derselben 
vielgestaltigen  Sporozoe  anzugehören,  so  wie  ich  neuerdings  nachzuweisen 
versucht  habe  (Du  paludisme  et  de  son  h6matozoaire.    Paris  1891). 

„Hämatozoen,  die  dem  Parasiten  der  Malaria  ähnlich  sind,  kommen 
bei  verschiedenen  Thieren  vor.  Dahin  gehört  das  Drepanidium 
ranarum,das  Gaule  und  Ray  Lankester  beschrieben  haben, da- 
hin gehören  vor  allem  gewisse  Hämatozoen  bei  Eidechsen,  bei  der 
Sumpfschildkröte  und  bei  Vögeln,  deren  Kenntniss  wirDanilewsky 
verdanken. 

„Man  findet  im  Blute  mehrerer  Vogelarten  einHaemotozoon, 
das  demjenigen  der  Malaria  so  nahe  steht,  dass  mehrere  Beobachter 
haben  behaupten  können,  es  handle  sich  um  einen  und  denselben 
Schmarotzer. 

„Grassi  und  Feletti,  Celli  und  Sanfelice  haben  nach 
Danilewsky  diesen  Vogelblutbewohner  studirt;  mir  ist  es  ge- 
lungen, ihn  im  Blute  der  Elster  und  der  Lerche  zu  finden. 

„Dieser  Schmarotzer  findet  sich  am  häufigsten  in  den  Blutscheiben 
eingeschlossen ;  er  stellt  sich  im  ersten  Stadium  seiner  Entwickelung 
dar  in  Form  kleiner,  kugeliger,  durchscheinender  Gebilde  von  etwa 
1  fi  Durchmesser,  welche  helle  Flecke  bilden  in  den  Blutscheiben, 
deren  Form  sich  erhalten  hat;  man  unterscheidet  gewöhnlich  im 


538  Bakteriologisch**  rom  VII.  ioternatioDalen  Koograst    n  London. 

Gentrum  eines  jeden  parasitären  Gebildes  ein  oder  mehrere  Farbstoff- 
körnchen  (Demonstration  einer  zweiten  Tafel).  Diese  kleinen  Körper- 
chen werden  grösser  und  die  Pigmentkörnchen  im  Innern  nehmen  zu 
Bald  behält  das  Haematozoon  im  Laufe  seiner Entwicklung  Kugd- 
gestalt,  bald  nimmt  es  längliche  Form  an ;  dann  gewährt  es  das  Bild 
eines  Würmchens,  dessen  grösster  Durchmesser  dem  grössten  Durch- 
messer der  Blutscheibe  gleich  gerichtet  ist,  in  der  es  eingeschlossa 
ist,  und  dessen  Enden  sich  auf  beiden  Seiten  um  den  Kern  umbiegen. 
Die  Blutscheibe  verliert  ihre  Gestalt,  bläht  sich  auf,  der  Kern  wirf 
bei  Seite  gestossen  und  verschwindet  zuweilen. 

„Ist  das  Haematozoon  zu  seiner  vollen  Entwicklung  gelangt, 
so  wird  es  frei ;  es  stellt  sich  nun  dar  in  der  Gestalt  eines  länglichen 
oder  kugeligen,  pigmentartigen  Körperchens  von  der  Grösse  etwa  eines 
weissen  Blutkörperchens.  Die  Farbstoff  körnchen  befinden  sich  stets 
in  lebhafter  Eigenbewegung,  und  die  kugeligen  Körperchen  erzeugen 
Geisseiträger,  die  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  den  Flagellaten  des 
Malariablutes  haben ;  endlich  beobachtet  man  zuweilen  rosettenförmige 
oder  segmentirte  Körperchen. 

„Die  Aehnlichkeit  dieses  Schmarotzers  mit  dem  Malariablutbe- 
wohner ist  sehr  gross;  doch  gibt  es  bemerkenswerte  Unterschiede: 
man  beobachtet  im  Vogelblute  keine  halbmondförmigen  Körper,  die 
parasitären  Gebilde  beim  Vogel  befinden  sich  innerhalb  der  Blut- 
körperchen bis  zum  letzten  Abschnitte  ihres  Daseins,  während  man 
sie  im  Malariablute  häufig  in  freiem  Zustande  findet ;  die  amöboides 
Bewegungen  der  kugeligen  Körperchen  sind  viel  ausgesprochener  bei 
dem  Malariaparasiten,  als  bei  dem  Haematozoon  des  Vogels. 

„Auf  der  andern  Seite  beobachtet  man  den  eben  beschriebenen 
Blutbewohner  bei  Vögeln,  welche  aus  nicht  von  Malaria  heimgesuchten 
Gegenden  stammen,  und  häufig  gibt  es  bei  den  Thieren,  in  denen  ei 
haust,  zu  keinerlei  krankhaften  Störungen  Veranlassung. 

„Endlich  aber  und  hauptsächlich  mdsste,  wenndas  Haematozoon 
der  Vögel  mit  demjenigen  der  Malaria  identisch  wäre,  es  gelingen, 
Vögel  mit  dem  letzteren  erfolgreich  zu  impfen,  allein  bis  jetzt  hat 
dieser  Versuch  nur  negative  Ergebnisse  gehabt.  1889  und  1890  habeich 
mehrmals  Malariablut  in  die  Blutadern  der  Elster  gespritzt,  und  das 
Ergebniss  dieser  Versuche  ist  negativ  gewesen;  Celli  und  Sanfelice 
haben  mit  ebensowenig  Erfolg  verschiedene  Vögel  mit  Malariablat 
geimpft. 

„Die  von  Danilewsky  beschriebenen Vogelhämatozoen scheinen 
also  einer  anderen  Art  anzugehören,  als  das  Malariahaematozoon; 
das  Studium  dieser  Schmarotzer,  der  nächsten  Verwandten  derjenigen 
der  Malaria,  die  man  kennt,  ist  deswegen  nicht  weniger  interessant; 
man  kann  hoffen,  dass  es  dasjenige  des  Malariaparasiten  erleichtern 
und  ermöglichen  wird,  einige  Punkte,  die  in  der  Geschichte  dieses 
Parasiten  noch  dunkel  sind,  aufzuklären/1 

Nach  diesem  sehr  beifällig  aufgenommenen  Vortrage  erhielt  das 
Wort  Prof.  Celli  aus  Rom  aber  „Die  Parasiten  der  rothen 
Blutkörperchen11. 

Prof.  Celli  beginnt  damit,  dass  er  daran  erinnert,  wie  Mar- 


Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Rongress  zu  London«  539 

chiafava  and  er  nach  Auffindung  neuer  Thateachen  und  nachdem 
sie  dem  durch  Frerichs,  Kelsch  und  hauptsächlich  Laveran 
bekannt  gewordenen  eine  abweichende  Auslegung  gegeben,  im  Jahre 
1885  die  Theorie  des  endoglobulären  Malariaparasitismus  begründeten, 
wie  sie  damals  darauf  ausgehen  mussten,  analoge  Beispiele  im  Pflan- 
zenreiche zu  suchen,  wo  der  endocelluläre  Parasitismus  zuerst  be- 
kannt war. 

Bald  darauf  jedoch  lieferte  Danilewsky  Beispiele  von  engeren 
Analogieen,  indem  er  in  den  rothen  Blutkörperchen  von  Reptilien  und 
Vögeln  weit  verbreitete  Parasiten  fand. 

Seitdem  hat  sich  einerseits  die  Kenntniss  dieser  Parasiten  bei 
Thieren  vervollkommnet,  andererseits  wurde  in  Betreff  des  Malaria- 
parasiten erwiesen,  dass  die  von  Laveran  und  Danilewsky  für 
vollkommen  ausgebildete  Parasiten  angesehenen  geisseltragenden  For- 
men nichts  anderes,  als  agonische  Formen  sind;  was  die  Halbmond- 
formen,  d.  h.  diejenigen  Körper  betrifft,  welche  Laveran  wegen  der 
Bedeutung,  die  er  ihnen  zuschrieb,  No.  1  nannte,  so  lässt  alles  darauf 
schliessen,  dass  es  sterile  Formen  sind;  man  erkannte  die  grosse 
Wichtigkeit  des  endoglobulären  Lebens  des  Parasiten  von  den  amö- 
boiden Formen  an  bis  zur  Sporulation  und  die  degenerirende  Natur 
der  freien  Formen  im  Plasma.  Man  stellte  ferner  klar,  dass  man  in 
Hinsicht  auf  die  verschiedenen  Jahreszeiten  und  Gegenden,  in  denen 
die  Malaria  auftritt,  respektive  in  Hinsicht  auf  die  hauptsächlichsten 
klinischen  Formen  drei  parasitäre  Hauptformen  unterscheiden  kann: 
eine  kleine  mit  schnellem,  manchmal  sehr  schnellem  Entwickelungs- 
cyklus,  entsprechend  den  schweren  Formen  (Sommer-Herbstfieber, 
Quotidiana,  Subintrans,  Subcontinua,  Perniciosa);  andere  in  Hinblick 
auf  das  rothe  Blutkörperchen  grosse,  mit  relativ  langsamem  Ent- 
wickelungscyklus,  d.  h.  mit  einem  solchen  von  2  respektive  3  Tagen, 
sie  entsprechen  also  den  leichten,  in  Rom  im  Frühling  und  Winter 
vorherrschenden  Formen,  wie  es  die  Tertiana-  und  Quartanaformen 
sind.  Ueber  alle  Parasiten  des  rothen  Blutkörperchens  bei  den  Thieren 
wie  beim  Menschen  beabsichtigt  Prof.  Celli  einen  synthetischen  Be- 
richt abzustatten,  indem  er  das  Debrige  der  Demonstration  überlässt. 
Demgemäss  hebt  er  hervor,  dass  zwischen  allen  Parasiten  des  rothen 
Blutkörperchens  beim  Menschen  und  bei  den  Thieren  verschiedene 
Analogieen  und  Differenzen  vorkommen,  die  man  kurz  folgender- 
masöen  zusammenfassen  kann: 

1.  Form. 

Die  Form  der  Parasiten  steht  in  Bezug  zu  ihrer  Bewegung 
und  gewöhnlich  auch  zur  Form  und  Struktur  des  rothen 
Blutkörperchens,  in  dem  sie  sich  entwickeln. 

Beim  Menschen  ist  die  amöboide  Bewegung  in  allen  jungen  Pa- 
rasiten lebhaft,  mehr  oder  weniger  lebhaft  in  den  in  der  Entwicklung 
begriffenen  vor  der  Sporulation,  d.  h.  lebhafter,  je  kleiner  der  Parasit 
Qp4  je  schneller  die  Entwicklung  ist.  In  diesem  letzteren  Sinne  ist 
die  Bewegung  lebhafter  bei  der  Tertiana,  als  bei  der  Quartana.  Die 
zur  Ruhe  gelangten  Parasiten,  wie  auch  die  auf  dem  Wege  zur 


540  Neue  Utteratur. 

Sporulation  begriffenen  und  häufig  auch  die  auf  dem  Wege  zur 
Degeneration  befindlichen  haben  runde  Form.  Die  Parasiten  mit 
graduell  fortschreitendem  Entwickelungscyklus  gestalten  sich  während 
der  ganzen  Zeit  ihres  endoglobul&ren  Lebens  nach  der  Form  des 
rothen  Blutkörperchens. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Neue  Litteratur 

xonmmtngettent  ron 

De.  Abthüb  Würzbtjbg, 


Biologie. 
(Glhxung,  Flnlniss,  8toffwechselprodukt«  usw.) 

Bard,  L.,  et  Anhext,  P.,  De  rinfluence  de  1*  fievre  sar  les  micro-organismes  des  mstfo* 
fecales.     2.  art.     (Gas.  hebdom.  de  med.  et  de  chir.  1891.  No.  30.  p.  418— 411.) 

Malerba,  P.,  Untersuchungen  über  die  Natur  der  von  dem  Gliscrobacterium  gebildet» 
schleimigen  8ubstanz.    (Zeitschr.  f.  physiol.  Chem.  Bd.  XV.  1891.  Heft  6.  p.  539— W5 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  unbelebten  Katar. 

Nahrung*-  und  GemistwutUL,  Gebrauchsgegenstände. 
Tower,  F.  J.,  Milk  infection.     (Med.  News.  1891.  Vol.  II.  No.  6.  p.  151—153.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Natur. 

Knuücheüserrtgends  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mensehen. 
A.     Infektiöse  Aügemeinkrankheiien. 

Me  Collom,  J.  H.,  Observation  on  the  suppression  of  infectious  diseases.     (Boston  >M 

and  Surg.  Journ.  1891.  Vol.  IL  No.  6,  7.  p.  128—131,  160—168.) 
Müler,  W.  D. ,    The    human    mouth    as    a  focus    of  infection.     (Lance!    1891.  VoJ  H 

No.  7.  p.  340—342.) 
Piras-Pinna,  A.,  Salle  malattie  dominanti  a  Villacidro  nel  1888  e  sulle  misore  igienieN 

che  si  dovrebbero  adottare  nell'  interesse   della   salute  pubblica.     (Spallansaoi.  l^1 

p.  24—87.) 
Stockfleth,  J.,   Om  forholdsregler   mod  smitsomme  sygdomme.     (Tidsskr.  f.  Norske  ^ 

gefor.  1891.  No.  8.  p.  840—345.) 

Makriftkrankheitea 

Outierrea  Lee,  B.}    Consideraciones  sobre  la  fiebre  de  borras.     (Congr.  m&L.  region.  M 

Cuba,  Habana  1890.  p.  119—188.) 
Moore,  Sir  W.,  The  preyention  of  fever  in  India,    (Lancet.  1891.  Vol.  II.  No.  8.  p  *21- 

422.) 

Exanthematische  Krankheiten. 
(Poeken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Rothein,  Scharlach,  Friese],  Windpocken-) 

Plschhof,  K.,  Eine  neue  Vaccinationsmethode.     (Gyogyassat.  1891.  No.  84.)    [Ungarisch.! 
Riva,  M.,  y  Bnuon,    Una  epidemia    de  rubeola   en  el  presidio    de  Im  Habana    (&*& 
med.-quir.  de  la  Habana.  1891.  p.  285—294.) 


Neue  Litteratar.  54J 


Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Peet 

Brown,  8.  J.,  Milk  as  a  medium  of  oontagion  in  typhoid  fever.  (Med.  and  Sorg.  Re- 
porter. 1891.  VoL  IL  No.  6.  p.  210— Sil.) 

Harris,  J.,  Epidemie  of  Asiatic  cholera  in  Tripoli,  Syria.  (Albany  Med.  Annale.  1891. 
No.  5.  p.  183—186.) 

Wundinfektionskrankheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Pyamie,  Septiklmie, 
Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundftulniss.) 

foehisr,  A.,  Tberapeutique  des  infeetions  pyogenes  generalisles.  (Lyon  med.  1891. 
No.  34.  p.  566—567.) 

Infektionsgeschwfllsta 

(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Aihmead,  A.  B.,  Tuberculosis  and  leprosy  in  Japan.    (Journ.  of  the  Amer.  Med.  Assoc. 

1891.  Vol.  IL  No.  7.  p.  254—263.) 
Cabells  Cahro,    Preocupaciones  acerca  de  las  enfermedades  venlreas.    (Crdn.  me*d.,  Va- 

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Diday,  P. ,    I/immunite*    de   la   mere   dans   la   syphilis   hlrädo-paternelle.     (Lyon  med. 

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Dixon.  J.  F.,    Leprosy   in   the   Cape.     (Journ.   of  the  leprosy  inrestigation  committee. 

1891.  No.  8.  p.  68—61.) 
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Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  Bückfallsfieber,  Osteomyelitis. 

Ballovay,  G.  X.,  The  epidemies  of  diphtheria,  scarlet  ferer  and  la  grippe  at  O.  S.  &  S.  O. 

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544 


Neu«  Litterator. 


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Paris.  1891.  p.  191—200.) 
Metsehnikoif,   E.v   Etudes   tar    rimmunite   (4«  memoire).      (Annal.  de  llnstit  Puter. 

1891.  No.  8.  p.  460—478.) 
Ortigosa,  A.,  Las  inyecciones  de  suero  de  sangre  de  perro  en  los  tuberemlosos.   (Cr6a 

med.  1891.  p.  142—146.) 
Petrcecu,  Z.,  Actione*  microbicida  a  eucaliptolului,    a   creosotului,    galaeolului,  eteati 

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Belchcl ,   P.,    Ueber   Immunität   gegen    das   Virus    von    Eiterkokken.      (Arch.  I  klia 

Chir.  1891.  Bd.  XUL  No.  2   p.  287—981.) 
Bobelf,  Apoplexie  foudroyante,  consecutive  *  llnoculation  de  la  penpneumonie.    (Sk 

de  med.  vitfrin.  1891.  No.  14.  p.  874—878.) 
Boberts,  S.  L,,  Klinische  Beobachtungen  ftber  die  Wirkung  von  Tuberculin  auf  Lspai 

Uebers.   von  Philipp L    (Monatsh.  f.  prakt  Dermatol.    Bd.  YITT.    No.  35.  p.  187 

— 1930 
Bode,    Bericht   Aber   die  Impfungen  mit   dem  Koch'schen  Mittel  im  Seehospis  Kaisern 

Friedrich  in  Nordcrney.    (Archiv  f.  Kinderheilk.  Bd.  XIII.  1891.  No.  8.  p.  174-1641 
Truhart  K.v    Ein   Beitrag  sur  Leprabehandlung  mittelst  Tuberculin.     (Deutsch«  medk. 

Wochenschr.  1891.  No.  88—88.  p.  1064—1068,  1078—1076,  1091—1094.) 
Vogl,   Weitere  Mittheilungen    über  die  bisherigen  Ergebnisse  der  Koch'schen  Thenpk 

im  Munehener  Oarnison-Laaareth.     (Manch,  modle.  Wochenschr.    1891.   No.  16,  3". 

p.  626—661,  648—647.) 
Washbourn,  J.  W.,    A  case   of  glanders  with  the  results  of  eultivation  aad  tnocoltn« 

experiments.     (Guj*s  hosp.  rev.  1890.  p.  127 — 148.) 
Wiekham,  L.,  Oummatous  tubercular  lymphangitis.     A  case  of  death  following  the  ase 

of  Koch's  tuberculin  etc.     (Brit.  Journ.  of  Dermatol.  1891.  p.  142 — 146.) 
Zatadeeki,  W.f  Bericht  Aber  die  Wirksamkeit  des  Koch'schen  Heilmittels  gegen  Taber- 

culose.     (Oesterr.  SrstL  Vereinsitg.  1891.  No.  16,  17.  p.  862—884,  891—391) 


Inhalt 


OrlgiasJmifttbelliiagan, 

Braun,  X.,   Bericht  über   die  Fortschritte 

in  der  thieriseben  Parasitenkunde.  (Orig.) 

(8chluss),  p.  624. 
Orassi,  B.,  und  Feletti,  B.,    Weiteres  zur 

Malariafrage.    (Orig.)    (Schluss),  p.  617. 
Banarelli,  CHuseppe,  Weitere  Mittheilungen 

Aber  Gifttheorie  und  Phagocytose.  (Orig.), 

p.  618. 

Beferate. 

Hofft,  Weitere  Beitrage  aur  Kenntniss  der 
Flulnissbakterien,  p.  622. 

Kugler,  Worin  sind  die  Hauptursachen  für 
die  starke,  immer  noch  wachsende  Ver- 
breitung der  Tuberculose  su  suchen  und 
was  kann  und  soll  der  Staat  aur  Aus- 
rottung besw.  Eindämmung  dieser  ver- 
derblichen Krankheit  thun?  p.  628. 

Bitaema  Boa,  J.,  Zwei  neue  Nematoden- 
krankheiten  der  Erdbeerpflanse,   p.  628. 


Will«  H.,  Zwei  Hefearten,  welche  sbsont 
Veränderungen  im  Bier  vennliw» 
p.  621. 

üntertuehuiigsmet&ode&,  Instrumente«* 

Heim,  L.,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiet« 
der  bakteriologischen  Untenuchanguit*1 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig! 
(Schluss),  p.  629. 

Originalberichte  über  Koogresst 

Bakteriologisches  vomVILinter- 

nationalen  Kongress  fürHygiene 

und  Demographie  su  London, 

10.— 17.  August  1891.   (Fortsetsong.) 

OtUi,  Die  Parasiten  der  rothen  Blutkörper- 
chen, p.  688. 
Layeran,  Die  Aetiologie  der  Malaria,  p  W6. 

Heue  Litteratur,  p.  640. 


Buohdrucknrttl  (H< 


Fohle)  in  Jen«. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geh.  M  Prof.  Dr.  Lenckart  m  Professor  Dr.  Loeffler 

In  Ldpzif  In  üwtfiwtld 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TThlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band.        -—       Jena,  den  7.  November  1891.       -o-         No.  17. 

Prell  für  den  Band  (26  Hummern)  14  Mark. 
Jährlich  erscheinen  swei  Bände. 
""Hi    Zu  beziehen  durch    alle  Buchhandlungen  und  Postanstalten.    %o 


Die  Redaktion  des  „CentralMatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde«  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrucken  ihrer  Auf- 
9ätze  entweder  bei  der  Binsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
«ten  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
to*#en.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
angehende  Wunsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Untersuchungen  über  die  Wirkungen  der  Inokulation 
des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra. 

[Anatomisch-pathologisches  Institut  der  Königl.  Universität  Siena.] 

Von 

Prof.  Giovanni  Martinottl  und  Dr.  Alessandro  TedeschL 

kr  tu  .UD8erm  sichersten  Wissen  in  der  Lehre  von  den  Infektions- 
un?H-  ten  8ehört  das  über  den  Einfluss,  welchen  auf  den  Verlauf 
natri  ^were  e*ner  Infektion  der  Weg  ausübt,  auf  welchem  das 
patüogene  Agens  in  den  Organismus  eingeführt  wurde.  Dieser  Ein- 
8S  ist  so  stark,  dass  einige  Infektionen  nur  dann  zu  Stande  kommen, 


546  Martinotti  and  Tedeschi, 

wenn  das  Virus  in  einen  gewissen  Körpertheil  eingeführt  wird,  und 
der  Charakter  anderer  bedeutend  abgeändert  wird,  wenn  sich  die 
Verhältnisse  des  Ortes,  wo  die  Impfung  stattfand,  ändern. 

Wir  haben  uns  vorgenommen,  zu  untersuchen,  was  in  Folge  der 
direkten  Inokulation  des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra  vor  sich 
geht,  und  haben  zu  diesem  Zwecke  Versuche  angestellt,  deren  Resul- 
tate wir  hier  darlegen. 

Die  Thiere,  an  welchen  wir  experimentirt  haben,  waren  Hunde, 
Katzen,  Kaninchen,  Meerschweinchen,  Ratten  (Mus  decumanos, 
var.  albino),  Mäuse  (Mus  musculus,  var.  albino),  Tauben, 
Frösche,  Schildkröten. 

Als  Material  zur  Infektion  benutzten  wir  Reinkulturen  auf  Kar- 
toffel, in  Fleischbrühe,  Gelatine,  Agar,  Emulsionen  in  sterilisirtem 
Wasser,  von  diesen  letzteren  Blut,  Eingeweidesaft  und  Stückchen  von 
Eingeweiden  milzbrandkranker  Thiere. 

Die  Methode  der  Impfung  bestand  bisweilen  in  Durchbohrung 
des  Schädels  oder  der  Wirbelsäule  vermittelst  eines  Trepaos  und 
darauf  folgender  Einführung  des  Ansteckungssaftes  in  die  Nerven- 
zentra,  nach  vorhergehender  Eröffnung  der  Hüllen;  bisweilen  wurde 
eine  kleine  Oeffnung  in  die  Knochenwand  gemacht  und  durch  eine 
feine  Glasröhre  die  infizirende  Flüssigkeit  eingespritzt. 

Dabei  gebrauchten  wir  vorzugsweise  folgende  Vorsichtsmuss- 
regeln : 

Die  Läsion  so  gering  wie  möglich  zu  machen,  um  die  Resultat« 
der  Versuche  nicht  zu  kompliziren. 

Die  Inokulation  beim  Gehirn  in  den  Stirnlappen,  und  beim  Rücken- 
mark in  der  Lumbargegend  auszuführen,  um  wichtige  Lebenszentn 
zu  vermeiden. 

Nach  den  strengsten  Regeln  der  Asepsis  zu  verfahren,  um  se- 
kundäre Infektionen  auszuschliessen  und  zugleich  den  Gebrauch  der 
Antiseptica  zu  vermeiden,  um  nicht  die  Wirkung  der  Milzbrand- 
bacillen  abzuschwächen  oder  zu  zerstören. 

Soviel  als  möglich  Blutungen  zu  vermeiden,  sowohl  um  das  Thier 
nicht  zu  schwächen,  als  auch  um  zu  verhindern,  dass  das  ausge- 
tretene Blut  eine  (je  nach  der  Thierart)  günstige  oder  nachtheilige 
Wirkung  auf  die  Entwickelung  der  Bacillen  ausübe. 

Die  Operationen  wurden  grösstentheils  unter  Narkose  ausgeführt 
hervorgebracht  durch  subkutane  Einspritzung  einer  Lösung  ™a 
Chloral  und  Morphium  in  Dosen,  welche  zu  dem  Gewichte  des  Thieres 
in  Verbältniss  standen.  Da  es  uns  bekannt  war,  dass  einige  Be- 
obachter den  Widerstand  gegen  gewisse  Infektionen  unter  der  Wir- 
kung der  Narcotica  vermindert  gefunden  haben,  so  operirten  wir 
auch  einige  Thiere  ohne  Narkose ;  da  jedoch  die  Resultate  konstant 
blieben,  kehrten  wir  wieder  zu  der  Methode  zurück,  die  Thiere  wäh- 
rend der  Narkose  zu  operiren 1). 

Sobald  das  Thier  gestorben  war,  untersuchten  wir  mit  den  ver- 
schiedenen bakteriologischen  Färbemethoden  das  Blut,  die  Gehirn-  und 


1)  Bei  allen  Versuchen,  wo  ans  daran  gelegen   war,   anch   diese  mögliche  Urstc" 
des  Irrtbums  auszusehliessen,  operirten  wir  ohne  Narkose. 


Ueber  die  Wirkungen  der  Inokulation  des  Milzbrandes  in  die  Neivensentra;    547 

Rückenmarksfifissigkeit,  den  Saft  der  Milz,  und  machten  auch  damit 
Kulturen  und  Inokulationen  in  andere  Thiere.  Wenn  die  Prüfung 
des  Blutes  negativ  ausfiel,  setzten  wir  (unter  allen  Vorkehrungen 
der  sorgfältigsten  Asepsis)  das  Blut  bei  Seite,  um  Sporen  zu  treiben, 
und  machten  nach  24  Stunden  Präparate  davon.  Von  der  Milz  und 
dem  Gehirn  wurden  Theile  zur  histologischen  Untersuchung  aufbe- 
wahrt, besonders  zur  Inokulation  in  andere  Thiere  verwendet. 

Die  Untersuchung  der  Eingeweide  wurde  vorzugsweise  durch 
Härtung  und  Fixirung  in  absolutem  Alkohol  bewirkt;  von  den  ver- 
schiedenen gebrauchten  Färbungsmethoden  zu  sprechen,  scheint  uns 
Oberflüssig. 

Die  hauptsächlichsten  Folgerungen,  welche  wir  aus  unseren  Ver- 
suchen ziehen  können,  lassen  sich  auf  folgende  Weise  zusammen- 
fassen *): 

Die  für  Milzbrand  sehr  empfänglichen  Thiere,  wie  Kaninchen 
und  Meerschweinchen,  unterliegen  der  Inokulation  in  die  Nervenzentra 
schneller,  als  der  in  andere  Theile  ausgeführten. 

Wir  haben  Meerschweinchen  in  weniger  als  12,  und  Kaninchen 
in  weniger  als  24  Stunden  in  Folge  der  Inokulation  des  Milzbrandes 
in  die  Nervenzentra  sterben  sehen. 

Die  Thiere,  welche,  wenn  auch  nicht  ganz  immun,  doch  gegen 
die  Milzbrandinfektion  sehr  widerstandsfähig  sind,  wie  der  Hund  und 
die  weisse  Ratte  (Mus  decumanus),  sterben  schnell,  wenn  sie  auf 
die  genannte  Weise  geimpft  werden. 

Mehrere  kräftige  Hunde  starben  in  weniger,  als  24  Stunden,  und 
ebenso  scheinen  sich  nach  unsern  bisherigen  Beobachtungen  die  Katzen 
zu  verhalten. 

Thiere,  welche,  wie  die  Tauben,  sich  nur  einer  relativen  Immu- 
nität gegen  das  Milzbrandvirus  erfreuen,  erliegen  beständig  der  In- 
okulation in  die  Nervenzentra  mit  einem  Virus,  welches  die  unter 
die  Haut  geimpften  Vergleichsthiere  nicht  tödtet.  Der  Tod  tritt  je- 
doch ziemlich  langsam  ein. 

Wenn  die  Gehirne  der  auf  die  oben  angegebene  Weise  infizirten 
Thiere  in  kleinen  Stücken  unter  die  Haut  von  Kaninchen  oder  Meer- 
schweinchen eingeführt  werden,  so  tödten  sie  Thiere  von  derselben 
oder  von  verschiedener  Art  schneller,  als  Milzbrandkulturen  oder  mög- 
lichst virulentes  Blut,  und  bringen  Hunden  und  grossen  Ratten  den 
Tod,  welche,  besonders  die  ersteren,  gegen  Unterhauteinspritzung  von 
gewöhnlichem  Milzbrandvirus  fast  ganz  unempfindlich  sind.  Mit  andern 
Worten :  man  erhält  so  eine  Verstärkung  der  Virulenz  des  infektiven 
Agens. 

Dasselbe  Resultat  erhält  man,  wenn  man  unter  die  Haut  eine 
wässrige  Emulsion  der  genannten  Gehirne  einspritzt,  während,  wenn 
man  die  Emulsion  sterilisirt,  keine  schädliche  Wirkung  eintritt,  sobald 
die  Injektion  unter  die  Haut  gemacht  wird. 

Bei  Schildkröten  brachten  wir  die  Milzbrandinfektion  nach  dieser 
Methode  öfter  zu  Stande,  aber  nicht  immer;  die  Versuche  an  Fröschen 


1)  Diese  Besaitete  sind  zum  Theil  schon  in  einer  vorläufigen  Mittheilung  veröffent- 
licht worden,  abgedruckt  in  der  Gassetta  medica  dl  Torino  vom  15.  Juli  1891. 

36* 


548     «  Martinotti  und  Tedeschi, 

können  wir  nicht  in  Rechnung  bringen,  denn  sie  wurden  an  Tagen 
angestellt,  an  welchen  die  Temperatur  des  Laboratoriums  sich  um 
30°  bewegte,  und  an  Fröschen,  welche  lange  Zeit  gefangen  gehalten 
worden  waren.  Nun  ist  es  bekannt,  dass,  wenn  man  Frösche  bei  so 
hoher  Temperatur  hält,  man  ihre  Widerstandskraft  gegen  den  Milz- 
brand abschwächt,  und  wir  fanden,  dass  uns  nicht  nur  die  operirten 
starben,  sondern  auch  ein  Theil  der  andern,  welche  zum  Vergleich 
unter  die  Haut  inokulirt  worden  waren.  Darum  glaubten  wir,  dea 
unter  solchen  Umständen  erhaltenen  Resultaten  keine  Wichtigkeit  bei- 
legen zu  dürfen. 

Der  Mäuse  (Mus  musculus)  haben  wir  uns  nur  bedient,  um  die 
Virulenz  von  thierischen  Flüssigkeiten  und  Kulturen  zu  erproben 

Die  Veränderungen,  welche  man  in  Folge  dieser  Infektionsart  in 
den  Nervenzentren  antrifft,  sind  verschiedenartig,  aber  im  Allgemeines 
ziemlich  bestimmt. 

Vor  allem  ist  bemerkenswerth  die  starke  Vermehrung  der  Ba- 
cillen sowohl  bei  Thieren,  welche  man  als  unempfänglich  für  Milz- 
brand zu  betrachten  pflegt,  als  auch  bei  solchen,  die  für  denselben 
sehr  empfänglich  sind,  und  diese  Erscheinung  zeigt  sich  vorwiegend 
in  der  Höhlung!  der  Gehirnventrikel  und  in  den  Subarachnoidalräumeo; 
auch  im  Centralkanale  des  Bückenmarks  finden  sich  Bacillen  in  Menge. 

Bei  einigen  Meerschweinchen,  bei  denen  eine  massige  Blutung 
eingetreten  war,  haben  wir  eine  üppige  Sprossung  der  Bacillen  in 
dem  ausgetretenen  Blute  bemerkt. 

Zugleich  mit  den  Bacillen  findet  man,  sowohl  in  den  Ventrikeln, 
als  in  den  Meningen  eine  reichliche  Menge  von  weissen  und  rothen 
Blutkörperchen  in  verschiedenen  Verhältnissen.  Bisweilen  erhält  man 
den  Eindruck  einer  eignen,  hämorrhagischen  Form ;  andre  Male  sind 
die  rothen  Blutkörperchen  äusserst  selten.  Wir  haben  in  der  Flüssig- 
keit, welche  diese  Elemente  enthält  und  die  Charaktere  eines  achten 
Exsudats  zeigt,  die  Reaktion  auf  Fibrin  versucht,  aber  mit  negativem 
Resultat. 

Das  Epithel,  welches  die  Seitenventrikel  auskleidet,  erscheint » 
vielen  Stellen  in  mehr  oder  weniger  grossen  Schichten  abgehoben,  die 
Gehirnhautgefässe  sind  immer  sehr  stark  kongestionirt  Spärliche 
Bacillen  finden  sich  im  Nervengewebe,  und  nur  da,  wo  dieses  deut- 
liche Zeichen  von  Nekrose  darbietet.  Diese  zeigt  sich  vorzöglicn 
an  der  von  der  Läsion  betroffenen  Stelle,  oder  in  ihrer  Nähe,  also 
da,  wo  die  Inokulation  stattgefunden  hatte,  oder  an  den  Stellen  zu- 
nächst den  Bacillen-Anhäufungen.  Vorzüglich  in  den  Seitenventrikeln, 
wo  sich  starke  Vermehrung  der  Bacillen  und  ausgedehnte  Abbebungen 
des  Epithels  vorfinden,  sieht  man  die  subepitheliale  Zone  von  Nekrose 
ergriffen,  und  in  dieser  Zone  nervöser  Substanz  bemerkt  man  Bacillen, 
aber  immer  in  geringer  Menge.  ,  . 

Ausser  in  den  Fällen,  wo  die  Bacillen  ins  Blut  eingedrungen  sind, 
sich  in  demselben  stark  vermehrt  haben  und  daher  in  v  den  Geßfc* 
Verzweigungen  des  ganzen  Körpers  sichtbar  sind,  bemerkt  man  u» 
Allgemeinen  in  den  Hirngefässen  keine  Bacillen,  auch  wenn  sieb  di& 
in  ungeheurer  Zahl  in  den  Meningen  und  Ventrikeln  vorfinden.  J|a" 
gegen  beobachtet  man  die  Verbreitung  und  Vermehrung  der  Bfflm 


Ceber  die  Wirkungen  der  Inokulation  des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra.     549 

den  Lymphwegen  der  Adventitia  der  Gefässe,  and  diese  Thatsache 
t  besonders  deutlich,  wenn  in  dem  Durchschnitt  einer  jener  kleinen 
efässzweige  eingegriffen  ist,  welche  aus  der  Hirnhaut  in  die  Rinden- 
ibstanz  hinabsteigen.  Im  Querschnitt  erscheinen  diese  Gefässe,  deren 
»raphscheide  von  einer  kreisförmigen  Zone  nekrotischen  Gewebes 
ngeben  ist,  wie  Inseln  von  Nekrose,  deren  Erklärung  man  bisweilen 
cht  finden  zu  können  glaubt.  Erst  wenn  man  bei  stärkerer  Ver- 
össerung  untersucht,  findet  man  das  zentrale,  meist  bacillenleere, 
1er  durchschnittene  Gefäss!  Diese  nekrotischen  Zonen  der  Hirn- 
ibstanz  werden  besonders  deutlich  bei  Färbung  mit  Safranin  und 
ethylblau ;  ihre  diffuse  Färbung  unterscheidet  sie  dann  von  der  der 
onnalen  Elemente.  Sie  machen  den  Eindruck,  als  ob  die  Nerven- 
abstanz  von  einer  ätzenden  Flüssigkeit  durchdrungen  wäre,  und  man 
aon  wohl  annehmen,  dass  der  Entartungsprozess  durch  die  Wirkung 
er  Flüssigkeit  hervorgebracht  wird,  in  welcher  die  Milzbrandbacillen 
:ben  und  in  welches  sie  die  Produkte  ihrer  Lebensfunktionen  er- 
iessen. 

Die  Nervenzellen  sind  die  ersten,  welche  die  Wirkung  dieses 
chädlichen  Einflusses  erfahren;  sie  werden  schnell  verändert,  wäh- 
end  die  Elemente  des  Bindegewebes  und  die  Gefässe  noch  ein  dem 
lormalen  ähnliches  Aussehen  zeigen. 

Ausser  diesen  Veränderungen  finden  sich  noch  andere,  welche  zu 
lern  Eindringen  der  Bacillen  in  weniger  direkter  Beziehung  stehen, 
insofern  sie"  nämlich  sich  in  einiger  Entfernung  von  den  Bacillenhaufen 
befinden;  aber  sie  hängen  ebenfalls  von  ihrer  Wirkung  ab. 

Vor  allem  erwähnen  wir  das  Oedem.  Dasselbe  ist  eine  von  den 
Erscheinungen,  welche  am  häufigsten  in  Folge  der  Milzbrandinfektion 
m  verschiedenen  Körpertheilen  entstehen.  Jedermann  kennt  das  Oedem, 
welches  bei  der  Inokulation  des  Milzbrandes  unter  die  Haut  entsteht 
und  sich  bisweilen  über  den  ganzen  Körper  ausdehnt.  Das  Hirnoedem 
tritt  mit  einer  eigenthümlichen  Opazität  der  nervösen  Substanz  auf, 
gerade  als  wäre  sie  von  einer  Flüssigkeit  durchdrungen,  welche  dann 
durch  Einwirkung  von  Reagentien  koagulirt  wäre,  mit  Erweiterung 
der  die  Nervenzellen  umgebenden  Räume,  welche  mit  den  Lymph- 
bahnen in  Verbindung  stehen. 

In  schwereren  Fällen  findet  man  ein  Auseinanderweichen  der 
nervösen  Elemente,  bisweilen  beobachtet  man  auch,  dass  das  Proto- 
plasma einen  grossen  Tropfen  durchsichtiger  Flüssigkeit  enthält,  so 
dass  man  einen  mehr  oder  weniger  grossen  Hohlraum  im  Körper  der 
Zelle  zu  sehen  glaubt. 

Wir  bemerken  sogleich,  dass  wir  nicht  behaupten  wollen,  dieser 
vaknoläre  Zustand  sei  nur  der  Ausdruck  einer  hy dropischen  Entartung 
der  Nervenzellen,  und  machen  darauf  aufmerksam,  dass  wir  uns  des 
absoluten  Alkohols  zum  Fixiren  der  Oewebe  bedienen  mussten,  um 
die  Mikroorganismen  deutlich  zu  machen,  also  eines  Agens,  welches 
zur  Fixirung  und  Erhaltung  der  Nervenzentra  nicht  sehr  geeignet  ist. 
Niemals  war  es  uns  möglich,  in  der  Nervensubstanz,  wie  man  es 
ln  den  Meningen  findet,  kleine  Gefässe  mit  ausgetretenen  Leukocyten 
zu  beobachten,  und  nur  in  einem  einzigen  Falle  sahen  wir  eine  massige 
/aM  von  Mitosen  in  den  Nervenzellen  und  Gefässendothelien  einer 


550  Martinotti  und  Tedesebi, 

Ratte  (M.  decumanus),  welche  mit  sporifizirtem  Milzbrand  auf  Kar- 
toffel inokulirt  worden  und  ziemlich  langsam  gestorben  war.  Diese 
Mitosen  befanden  sich  an  Stellen,  die  von  der  Läsion  entfernt  waren. 

Bei  den  in  der  Milz  angetroffenen  Alterationen  wollen  wir  uns 
nicht  lange  aufhalten,  da  sie  einer  von  uns  schon  zum  Gegenstand 
einer  besondern  Arbeit  gemacht  hat1). 

Auch  hier  fanden  wir  konstant  Anschwellung  der  Malpigbi- 
schen  Follikel  und  Freisein  derselben  von  eingedrungenen  Bacillen. 

Die  Yergrösserung  aber  hängt  von  der  Dauer  der  Infektion  und 
von  der  Art  des  Thieres  ab.  In  Fällen,  wo  die  Infektion  nur  wenige 
Stunden  gedauert  hat,  ist  die  Anschwellung  gering,  sie  ist  sehr  be- 
deutend, wenn  der  Toi  mit  verhältnissmässiger  Langsamkeit  eintritt. 
Die  Schwellung  tritt  schnell  auf  und  erreicht  ihren  höchsten  Grad 
beim  Meerschweinchen,  etwas  geringer,  aber  immer  noch  sehr  ausge- 
sprochen ist  die  Erscheinung  beim  Kaninchen,  beim  Hunde  noch 
weniger,  und  am  geringsten  bei  M.  decumanus,  bei  welcher  es  bis- 
weilen scheinen  kann,  als  fehlte  die  Anschwellung  ganz. 

Ausserdem  haben  wir  eine  direkte  Beziehung  wahrgenommen 
zwischen  der  Schwellung  der  M alpig hi'schen  Follikel  und  der 
Menge  der  Leukocyten,  welche  in  dem  Exsudate  der  Meningen  ent- 
halten ist;  diese  Beziehung  scheint  uns  keiner  Erklärung  zu  be- 
dürfen. 

In  der  Milzpulpa  sind  die  Pigment  und  Kügelchen  fahrenden 
Zellen  konstant  vorhanden,  aber  ihre  Zahl  ist  verschieden  bei  den 
verschiedenen  Experimenten.  In  Menge  fanden  wir  sie  bei  Thieren, 
denen  wir  Stackchen  von  Gehirn,  welches  direkt  mit  Milzbrand  in- 
okulirt worden  war,  unter  die  Haut  gebracht  hatten.  In  einigen 
Milzen  von  Mus  decumanus  zeigten  sich  jene  Erscheinungen,  welche 
unter  dem  Namen  des  Phagocytismus  besprochen  worden  sind:  Pig- 
ment- und  Kügelchenzellen,  welche  Bacillen  oder  Stücke  von  Bacillen 
enthielten.  Einige  von  diesen  Bacillenformen  färbten  sich  intensiv, 
andere  fast  gar  nicht;  bisweilen  geschieht  e3,  dass  in  derselben 
Zelle  ein  Bacillus  sich  stark  färbt,  während  ein  anderer  fast  farblos 
bleibt.  Einige  Bacillen  zeigen  stark  gefärbte  Stellen,  abwechselnd 
mit  andern,  farblosen.  Dieses  Aussehen  (ganz  anders,  als  das  der 
sporifizirten  Bacillen,  an  die  man  übrigens  in  diesen  Fällen  nicht 
denken  konnte)  bemerkte  man  sowohl  an  in  Zellen  enthaltenen  Ba- 
cillen, als  an  anderen,  welche  deutlich  von  jedem  Zellkörper  frei 
waren.  Man  sieht  hintereinander  stehende  Bacillen,  so  dass  sie  eine 
bedeutend  längere  Kette  bilden,  als  der  Körper  einer  pigmentführen- 
den Zelle  beträgt,  und  kann  also  nicht  annehmen,  dass  sie  in  eine 
Zelle  eingeschlossen  sind  oder  gewesen  sind;  bisweilen  zeigt  jeder 
Bacillus  der  Reihe  abwechselnd  farbige  und  farblose  Streifen.  Nach 
unserer  Meinung  rührt  dieses  Aussehen  von  einem  Degenerations- 
prozesse her,  und  da  man  es  auch  an  Bacillen  findet,  welche  nicht 
in  den  Zellen  enthalten  sind,  so  sind  wir  geneigt  zu  "glauben,  dass 


1)  Martinotti  e  Barbacci,  La  tamefazione  acuta  della  milza  nelle  malattie  in- 
fettive.  (Morgagni.  1890.)  —  üeber  die  Physiopathologie  des  Milzbrandes.  (Fortschritte 
der  Medizin.     1891.     No.  9,  10,  11.) 


«TJeber  die  Wirkungen  der  Inokulation  des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra.    55  J 

sie  in  der  Milz  einen  für  ihr  Leben  ungeeigneten  oder  schädlichen 
Boden  finden  l),  absterben  und  von  den  Zellen  zugleich  mit  Pigment- 
körnchen, in  Auflösung  begriffenen  rothen  Blutkörperchen  und  mit 
Detritus  der  chromatischen  Substanz  aufgenommen  werden. 

Ferner  haben  wir  beobachtet,  dass  bei  eben  den  Thieren,  bei 
welchen  die  Milz  die  Erscheinung  der  Phagocytose  darbot,  in  den 
Seitenventrikeln  eine  sehr  grosse  Menge  von  Leukocyten  mit  Bacillen 
gemischt  vorhanden  war;  aber  umsonst  hätte  man  einen  in  eine  Zelle 
eingeschlossenen  Bacillus  gesucht. 

Soll  man  in  solchen  Fällen  der  Ansicht  sein,  dass  nur  die  Zellen 
der  Milzpulpa,  die  Makrophagen,  die  Phagocytose  auszuüben  vermögen, 
die  Mikrophagen  aber  nicht?  Und  warum,  da  im  Gehirne  der  ge- 
fährlichste Kampf  stattfindet  und  sich  daselbst  eine  grosse  Zahl  von 
Leukocyten  versammelt  hat,  zeigen  diese  nicht  eben  da  ihre  Zer- 
störungskraft? 

Wir  wollen  uns  nicht  weiter  bei  dieser  Besprechung  aufhalten, 
aber  es  scheint  uns,  dass  die  von  uns  angeführten  Thatsachen 
für  die  allgemeine  Lehre  von  der  Phagocytose  nicht  ohne  Wichtig- 
keit sind. 

Die  wichtigsten  unserer  Experimente  fahren  wir  hier  an: 

Experiment  96.     1.  Juli  1891,  4l/8  Uhr  Nachmittags. 

Kräftiger  Hand  im  Gewicht  von  19700  Gramm. 

Durch  Abtrennung  der  Processus  spinosi  und  Trepanation  des  Wir- 
belbogens  dringt  man  in  der  Lendengegend  in  die  Eüokenmarkshöhle 
ein.  Die  Operation  gelingt  vollkommen,  der  Blutverlust  ist  unbedeutend. 
Man  macht  eine  Oeffnung  in  die  Dura  xnater  und  führt  durch  dieselbe 
eine  spitze  Glasröhre  ein.  Man  suoht  in  das  Innere  des  Bückenmarks 
einzudringen  und  injizirt  ungefähr  1  ocm  einer  Milzbrandkultur  in  Pleisoh- 
brtihe.  Beim  Erwaohen  aus  der  Narkose  zeigt  das  Thier  nur  einen 
leichten  Grad  von  Parese  in  den  Hinterbeinen. 

Am  folgenden  Morgen  ist  das  Thier  ziemlioh  sohwer  erkrankt,  die 
Hinterbeine  sind  fast  vollständig  gelähmt,  so  dass  es  umsonst  versucht, 
eich  von  seinem  Lager  zu  erheben;  es  gibt  Zeiohen  von  heftigen 
Schmerzen,  das  Athmen  ist  mühsam,  das  Gesicht  verzerrt. 

Die  Symptome  werden  nach  und  nach  heftiger,  und  um  ein  Uhr 
Nachmittags,  also  20  V,  Stunde  nach  der  Operation  stirbt  der  Hund. 

Bei  der  Sektion  findet  sich  akute  Gerebro-spinal-meningitis. 

Die  histologische  Untersuchung  zeigt  in  dem  Exsudat  eine  grosse 
Menge  von  Leukooyten  und  eine  ungeheuere  Anzahl  von  Milzbrand- 
bacillen.  Ein  ähnliches  Exsudat  und  Bacillen  (aber  in  geringerer  Menge) 
finden  sich  im  Zentralkanale  des  Rückenmarks  und  in  den  Hirnventrikeln. 

An  der  der  Injektion  entsprechenden  Stelle  zeigt  sioh  eine  nekroti- 
sche Zone  an  den  Hinter  strängen  des  Rückenmarks.  Wenige  Gentimeter 
von  der  Verletzung  entfernt  bemerkt  man  in  der  grauen  Substans  (und 
dies  lässt  sioh  auoh  in  der  Dorsal-  und  Gervikalgegend  beobachten) 
akute  Degeneration    der    Nervenzellen.     Weder    in    den    Gelassen    des 


1)  Hankin  hat  aus  der  Milz  von  Mos  decumanus  eine  Substanz  isolirt,  welche 
die  Milzbrandbadllen  tu  tödten  vermag.  (Centralbi.  ftr  Bakteriologie  u.  s.  w.  Bd.  IX. 
1891.  Mo.  10—11.) 


552     Martinotti  and  T  e  d  e  8  c  h  i ,  Ueber  die  Wirkungen  der  InokaUtioa  etc. 

Bückenmarks,  Doch  in  der  weissen  Substanz  bemerkt  man  Alterationen. 

In  dem  Exsudate,  welches  in  den  Hirnventrikeln  nnd  der  Pia  mater 
des  Hirns  enthalten  ist,  befinden  sich  auch  massenhafte  Bacillen,  eben*o 
wie  in  den  mikroskopischen  Durchschnitten  der  Milzpulpa. 

Ein  Stückchen  von  dem  Bückenmarke  dieses  Hundes  wird  unter 
die  Bückenhaut  eines  Meerschweinchens  eingebracht»  und  dieses  stirbt 
nach  zwanzig  Stunden  an  Milzbrand. 

Experiment  66. 

a)  Hund  im  Gewicht  von  13500    Gramm. 

Am  24.  Juni  1891,  um  4  Uhr  Nachmittags  wird  mit  dem  Treptn 
ein  Bundstück  aus  der  Frontalgegend  des  Schädels  weggenommen  and 
die  Dura  mater  bloßgelegt.  Mit  einer  sterilisirten  Nadel  durchbohrt 
man  diese  Haut,  sowie  die  Pia  und  dringt  in  die  Dicke  des  linken 
Frontallappens  ein.  Dann  wird  mittelst  einer  kanülenartig  zugespitzten 
Glasröhre  iu  die  Hinispalte  */t  ccm  einer  Milzbrandkultur  in  Oelatioe 
injizirt. 

Naehdem  die  Wunde  vernäht  und  das  Thier  freigelassen  worden 
ist,  bemerkt  man,  dass  es  frei  herumläuft  und  keinen  Unterschied  gegen- 
über seinem  Zustande  vor  der  Operation  zeigt 

Am  folgenden  Morgen,  um  6  Uhr,  liegt  das  Thier  auf  der  Erde 
ausgestreckt,  sehr  matt  Es  reagirt  nicht  auf  Beize,  zeigt  kleine  krampf- 
hafte Bewegungen,  winselt  von  Zeit  zu  Zeit  schwach,  die  Athmung  ist 
oberflächlich  und  frequent  Um  8  Uhr  hat  sich  der  Allgemeinzustand 
verschlimmert.  Die  Bespiration  zeigt  das  Phänomen  von  Cheyne- 
8tokes.     Um  9  Uhr  Tod. 

Bei  der  Sektion  bemerkt  man  eine  starke,  diffuse  Böthung  der 
ganzen  Pia  mater,  aber  weder  an  dieser  Membran,  noch  im  Gehirn 
konnte  man  die  Stelle  erkennen,  wo  die  Einspritzung  gemacht  wurde, 
wenn  man  nicht  auf  die  Oeffnung  im  Schädel  achtete. 

In  dem  Safte  der  Milz  und  im  Blute  des  Herzens,  welche  zur 
Sporenbildung  angesetzt  werden,  finden  sich  Milzbrandbacillen.  Bei  der 
histologischen  Untersuchung  der  Hirnrinde  und  der  Pia  findet  man  ein 
leukocyten  reich  es  Exsudat  und  eine  ungeheure  Menge  von  Bacillen. 
Die  Hirn subetanz  zeigt  die  Charaktere  des  akuten  Oedems. 

b)  Man  führt  unter  die  Bückenhaut  eines  3800  g  schweren 
Hundes  ein  Stückchen  von  dem  Gehirn  (aus  der  Nähe  des  Einstichs 
entnommen)  des  vorigen  Hundes  ein.  Die  Wegnahme  dieses  Gehirn- 
stüokchens  und  seine  Einführung  unter  die  Haut  des  andern  Hundes 
werden  mit  durch  Hitze  sterilisirten  Instrumenten  vorgenommen,  um 
jede  Nebeninfektion  zu  vermeiden. 

Das  Thier  zeigt  anfangs  kein  Uebelbefindcn,  dann  wird  es  schwächer 
und  stirbt  nach  ungefähr  70  Stunden. 

Bei  der  Sektion  findet  man  starkes  Unterhautoedem  in  der  Gegend, 
wo  die  Impfung  stattgefunden  hatte. 

Die  Flüssigkeit  dieses  Oedems,  sowie  der  Saft  der  Milz  und  das 
Blut  des  Herzens  enthalten  Milzbrandbacillen  in  grosser  Menge. 

Bei  der  histologischen  Untersuchung  der  Milz  findet  man  zahlreiche 
Bacillen  in  der  Milzpulpa  und  leichte  Schwellung  der  M alpig hi^chen 
Follikel.  In  dem  Gehirn  zeigen  sich  Bacillen  innerhalb  der  Blut- 
gefässe. 


Kostjnrin  and  Krai'mky,  Ueber  Heilung  des  Milzbrandes  etc.  553 

o)  Bin  Theil  des  Gehirns  dei  Hundes  a  wird  im  Mörser  mit  destillirtem 
Wstser  zerkleinert»  die  daraus  entstandene  Flüssigkeit  filtrirt  und  in  einer 
Wärme  von  55°  sterilisirt.  Diese  Flüssigkeit  wird  unter  die  Haut 
eine«  Kaninchens,  eines  Meerschweinchens,  einer  Ratte,  einer  Maus  und 
in  das  Gehirn  eines  Meerschweinchens  injizirt.  Keines  dieser  Thiere 
stirbt 

d)  Andere  Stückchen  von  dem  Gehirn  desselben  Hundes  werden 
unter  die  Haut  eines  970  g  schweren  Kaninchens,  eines  360  g  wie- 
genden Meerschweinchens  und  einer  weissen  Hatte  (Mus  deoumanus) 
eingeführt.  Das  Kaninchen  stirbt  nach  33,  das  Meerschweinchen  naoh 
24,  die  Hatte  nach  27  Stunden,  alle  drei  Thiere  mit  den  Symptomen 
des  Milzbrandes. 

(FortsetmiDg  folgt.) 


Heber  Heilung  des  Milzbrandes  durch  Fäulnisstonne 
(Extrakte)  bei  Thieren. 

(Aus  dem  Laboratorium  der  Allgemeinen  und  Experimentalpathologie 
von  Prof.  Kostjnrin  an  der  Universität  zu  Charkow.) 

Von 

Prof.  S.  Kostjurin  und  Stud.  N.  KraXnsky. 

In  der  im  Anfang  dieses  Jahres  von  uns  im  „W ratsch"  veröffent- 
lichten Abhandlung  „Ueber  die  vergleichende  Wirkung  der  Fäulniss- 
and Tuberkeltoxine  auf  Thiere  und  den  Einfluss  derselben  auf  den 
Verlauf  der  experimentalen  Tuberculosen )  ist  bereits  auf  die  in  un- 
serem Laboratorium  angestellten  Versuche  hingewiesen,  eine  Methode 
zu  finden,  mittelst  welcher  es  möglich  wäre,  die  weitere  Entwickelung 
der  Tnberculose  zu  hemmen  oder  Immunität  für  dieselbe  zu  erhalten. 
Unserer  Arbeit  wurde  hierbei  die  chemische  Theorie  von  der  Unem- 
pfänglichkeit  des  thierischen  Organismus  gegen  infektiöse  Erkran- 
kungen zu  Grunde  gelegt.  Schon  damals  erzielten  wir,  neben  nega- 
tiven Resultaten,  auch  positive  Fälle  von  Heilung  der  Thiere  von 
der  Tuberculose.  Die  weitere  Untersuchung  dieser  Frage  wurde 
von  uns  mit  noch  grösserer  Sicherheit  fortgesetzt,  nachdem  aus  Prof. 
Koch' 8  Veröffentlichung  der  Zusammensetzung  seiner  Flüssigkeit, 
zur  Zeit,  als  unsere  Arbeit  von  der  Zusammensetzung  und  Wirkung 
der  Tuberkelextrakte  zum  Druck  im  „Wratsch"  gesetzt  war,  sich 
herausstellte,  dass  die  wirksame  Substanz  seiner  antituberculösen 
Flüssigkeit  mit  der  unserigen  identisch  ist.  Gleichzeitig  mit  diesen 
Ergebnissen,  welche  uns  vollkommen  von  der  Möglichkeit  überzeugten, 
aof  dem  bezeichneten  Wege  Immunität  und  Heilung  der  Thiere  von 
der  Tuberculose  zu  halten,  erwuchs  eine  ganze  Reihe  von  Schwierig- 
keiten bei  dem  Gedanken,  die  genannte  Heilungsmethode  der  Tuber- 

1)  Vergl.   auch    Referat   im    Centralblatt    für   Bakteriologie    und    Parasitenkunde. 
Bd-  tt.  No.  18. 


554  Kostjorin  und  Krainskj, 

culose  auf  den  Menschen  zu  übertragen.  Diese  Schwierigkeiten  er- 
gaben sich  hauptsächlich  aus  der  von  uns  studirten  physiologischen 
Wirkung  der  Tuberkeltoxine  auf  den  thierischen  Organismus,  wovon 
bis  zur  Veröffentlichung  unserer  Arbeit  gar  nichts  bekannt  war,  aus- 
genommen die  Thatsache,  dass  diese  Extrakte  Temperaturerhöhung 
erzeugen.  Die  Tuberkeltoxine,  wie  darauf  bereits  von  uns  hinge- 
wiesen, zeigen  sehr  heftige  giftige  Eigenschaften,  indem  dieselben 
einerseits  auf  den  Stoffwechsel  Oberhaupt  wirken,  denselben  bedeu- 
tend verändernd  (Temperaturerhöhung,  Körpergewichtsverminderung, 
Athemfrequenzerhöhung  etc.),  andererseits  auf  das  Herz  als  eines  der 
heftigsten  Herzgifte.  Letztere  Wirkung  muss  als  eine  für  die  Tu- 
berkeltoxine spezifische  bezeichnet  werden,  welche  dieselben  scharf 
von  der  Wirkung  der  Fäulnisstoxine  unterscheidet  und  daher  ans 
nicht  das  Recht  gibt,  die  Wirkung  der  Fäulniss-  und  Tuberkeltoxine 
auf  den  Organismus  zu  identifiziren  (Pawlowsky,  „W  ratsch" 
No.  13  a.  c). 

In  Anbetracht  dieser  giftigen  Eigenschaften  der  Tuberkeltoxine 
und  der  Schwierigkeit,  dieselben  zur  Heilung  des  erkrankten  Organis- 
mus, aufweichen  dieselben  viel  heftiger  wirken,  als  auf  den  gesunden, 
zu  verwenden,  stellten  wir  uns,  noch  bevor  unsere  Arbeit  im  Druck 
erschien  (nämlich  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahres  1890),  die  Frage, 
ob  es  nicht  möglich  wäre,  die  im  gegebenen  Falle  so  heftig  wirkenden 
Produkte  der  Lebensthätigkeit  der  Tuberkelbacillen  durch  ebensolche 
Produkte  der  Fäulnissmikroben  zu  ersetzen,  welche  zwar  ebenso  be- 
deutend den  physiologischen  Zustand  und  Chemismus  des  thierischen 
Organismus  verändern,  jedoch  viel  schwächer  auf  die  Herzthätigkeit, 
Athmung  und  das  Nervensystem  wirken.  Dieser  Gedanke  erschien 
um  so  wahrscheinlicher,  als,  wie  bereits  in  der  Litteratur  darauf  hin- 
gewiesen (Pierre  de  Toma1),  Cantani*),  Muffuci  et 
Flora8),  Zenkowsky>),  Kostjurin  und  Kralnsky5)  u.  A.), 
die  Fäulnissmikroben  in  vielen  Fällen  schwächend  auf  die  spezi- 
fischen Mikroben  einwirken.  So  also  das  Factum,  auf  welches  früher  von 
anderen  Forschern  hingewiesen,  ferner  die  ungeheuere  Verbreitung 
der  Fäulnissmikroben  in  der  Natur,  wie  bereits  früher  von  uns  be- 
merkt, und  die  Fähigkeit  derselben,  sich  in  den  verschiedensten  Nähr- 
medien bei  bedeutenden  Schwankungen  der  Temperatur,  der  Licht- 
stärke, Sauerstoffgehalt  der  Luft  zu  vermehren  und  endlich  ihre 
ungeheuere  Lebensenergie  —  dies  Alles  leitete  unwillkürlich  auf  den 
Gedanken,  die  Fäulnissmikroben  zur  Vernichtung  oder  Schwächung 
der  schädlichen  Wirkung  der  spezifischen,  z.  B.  Tuberkel-,  Diphtberie- 
und  anderer  Mikroben  zu  benutzen.  Und  in  der  That,  die  in  dieser 
Richtung  angestellten  Untersuchungen  von  Falk8),  Baumgarten7), 


1)  Pierre  de  Toma,    s.  Etudes  expeVimentales    et  cliniques  sur  la  tubercolose. 
T.  II.  pag.  89 

2)  Canttni,  Deutsche  M edicinaUeitung ,  1886.    15.  Mfira 
8)  Muffuci  et  Flora,  Rivista  internationale,   1886. 

«)  IleHKOBeKiÄ,  Mpyxu  BoMHO-3KOHOMiraecKaro  06mecTB&  sa  1888  r. 

5)  KocTJopHHi  u  KpaHHOKiu,  Bparo  1891.    r.    No.  2  u.  8. 

6)  Falk,  Deutsche  Medicinalzeitung    1888. 

7)  Baumgarten,  Üentralbl.  f.  klin.  Medicin.  1889. 


Ueber  Heilang  d.  Milzbrandes  durch  Fialoisstoxine  (Extrakte)  bei  Thieren.     555 

Kostjurin  und  Kralnsky1)  u.  A.  haben  darauf  hingewiesen, 
dass  eine  Beimengung  von  Fäulnissmikroben,  resp.  der  Produkte  ihrer 
Lebensthätigkeit  unter  gewissen  Bedingungen  in  bedeutendem  Grade 
die  Tuberkelinfektion  zu  schwächen  im  Stande  ist.  Freilich  gibt 
es  Autoren,  welche  die  obengenannte  Wirkung  der  Faul niss toxi ne 
leugnen;  diese  Meinung  kann  jedoch,  wie  wir  bereits  früher  be- 
merkten, durchaus  nicht  in  Betracht  gezogen  werden,  da  die  in  den 
Organismus  eingeführten  Fäulnissmikroben  nicht  im  Stande  sind,  im 
lebenden  Gewebe  zu  vegetiren,  und  somit  Produkte  ihrer  Lebens- 
thätigkeit zu  bilden. 

Indem  wir  uns  hauptsächlich  auf  diese  Erwägungen  stützten,  theils 
aber  auch  in  Anbetracht  der  gleichzeitig  erschienenen  Arbeit  über  die 
Wirkung  der  spezifischen  Toxine  auf  die  Tuberculose  von  R.  Koch9), 
welchem  unvergleichlich  mehr  die  Möglichkeit  der  weiteren  Bearbei- 
tung der  zuerst  von  uns  unternommenen  Methode,  die  spezifischen 
zur  Heilung  tuberculftser  Thiere  zu  verwenden,  und  in  Anbetracht 
endlich  der  heftigen  Giftigkeit  der  Tuberkeltoxine  entschlossen  wir 
uns  schon  damals  endgültig,  zum  Studium  des  Einflusses  der  Produkte 
der  Lebensthätigkeit  der  Fäulnissmikroorganismen  auf  den  Verlauf 
der  experimentaleu  Tuberculose  überzugehen. 

Die  von  uns  in  dieser  Richtung  angestellten  Versuche  an  Ka- 
ninchen erlauben  uns  den  Schluss  zu  ziehen,  dass  auf  diesem  Wege 
die  weitere  Entwickelung  der  Tuberculose  bedeutend  gehemmt  werden 
kann.  Leider  mussten  wir,  bevor  es  gelang,  einigermaassen  positive 
Resultate  zu  erhalten,  die  Fortsetzung  dieser  Arbeit  einstellen,  einer- 
seits wegen  völligen  Mangels  an  Mitteln  im  Laboratorium  für  allgem. 
Pathologie  an  der  Charkower  Universität,  andererseits  wegen  der  ab- 
soluten Unmöglichkeit,  hier  am  Orte  entsprechende  Thiere  (Meerschwein- 
chen) zu  erbalten.  Bei  Kaninchen  jedoch  dauert  der  tuberculose 
Prozess,  wie  kannt,  Monate  lang.  Abgesehen  davon  und  in  Anbe- 
tracht der  Schwierigkeit,  beständig  und  in  genügender  Menge  über 
lebenskräftige  Reinkulturen  der  Tuberkelbacillen  zu  verfügen,  da  wir 
in  unserem  Laboratorium  nicht  genügend  genaue  Apparate  und  In- 
strumente besitzen  und  endlich  den  Umstand  in  Betracht  ziehend, 
dass  die  unternommene  Arbeit  zur  Erreichung  endgültiger  Resultate 
sehr  viel  Zeit  braucht,  entschlossen  wir  uns,  eine  Reihe  von  Ver- 
suchen über  den  Einfluss  der  Fäulnisstoxine  auf  Thiere,  die  von 
Milzbrand  infizirt  worden,  anzustellen.  Letzterer  bietet  in  ge- 
gebenem Falle  sehr  grosse  Vorzüge,  sowohl  wegen  der  geringen 
Schwierigkeit,  Reinkulturen  desselben  zu  erhalten,  ferner  wegen  der 
schnellen  Erkrankung  und  des  raschen  Todes,  als  auch  wegen 
der  Leichtigkeit,  wit  welcher  sich  das  Faktum  des  Unterganges  der 
Thiere  durch  eine  spezifische  Ursache  konstatiren  lässt.  Zugleich  er- 
wachte folgender  Gedanke :  Wenn  es  gelänge,  die  Entwickelung  des 
Milzbrandprozesses,  welchem  ein  im  hohem  Grade  akuter  Charakter, 
rascher  Verlauf  und  absolute  Tödtlichkeit  der  infizirten  Thiere  eigen 
sind,  zu  hemmen  oder  vollständig  anzuhalten,  so  müsste  der  in  dieser 


l)  KocTiopHH'i  h  KpaHHeKiÄ,  Bpaii.  1891.    No.  2  n.  8. 
*)  Deutsche  medie.  Wochenschrift.  1891.     No.  3.  pag.  101. 


556         Kostjnrin  and  Krai'niky,  Ueber  Heilung  des  Milibrmnde*  etc. 

Richtung  unternommene  Kampf  mit  anderen  Infektionserkrankungen, 
welche  mehr  chronisch  verlaufen,  vielleicht  weit  weniger  Schwierig- 
keiten darbieten. 

Die  von  uns  im  laufenden  Semester  angestellten  Versuche  haben 
gezeigt,  dass  Kaninchen,  die  von  Milzbrand  infizirt 
worden  und  denen,  unter  Beobachtung  aller  weiter 
unten  angegebenen  Bedingungen,  F&ulnisstox  ine  sub- 
kutan applizirt  wurden,  am  Leben  und  vollständig 
gesund  blieben,  wobei  der  Milzbrandprozess  vollstän- 
dig aufgehalten  wurde.  Bemerkenswert^  war  dabei  der  Um- 
stand, dass  Reinkulturen  des  Milzbrandes,  welche  durch 
eine  bestimmte  Quantität  von  Fäulnisstoxinen  ver- 
giftet wurden,  ganz  wie  normale  vegetiren,  sich  in  ihrem  äussern 
Aussehen  in  Nichts  von  denselben  unterscheiden,  jedoch  voll- 
ständig ihre  giftigen  Eigenschaften  verlieren. 

Mit  frappanter  Deutlichkeit  gelang  es  uns,  zu  beweisen,  dass 
durch  Hinzufügung  gewisser  Fäulnissextrakte  selbst  in  sehr  geringen 
Mengen  die  Vermehrung  der  Milzbrandbakterien  etwas  gehemmt  wird. 
hauptsächlich  aber,  dass  durch  die  Einwirkung  derselben  lebens- 
kräftige Mikroben  vollständig  ihre  Giftigkeit  verlieren. 

Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  die  Einführung  von  Fäulniss- 
extrakten  in  den  Körper  von  mit  Milzbrandbakterien  infizirten  Thiereo 
den  Charakter  des  Nährmediums,  resp.  des  Thierkörpers  verändern 
und  zugleich  mit  einigen  anderen  im  lebenden  Organismus  Platz 
habenden  Bedingungen  solche  Verhältnisse  schafft,  unter  welchen  die 
Entwickelung  der  genannten  Bakterien  entweder  vollständig  unmög- 
lich wird  oder,  wenn  dieselben  sich  auch  entwickeln,  neue  Generationen 
derselben  in  Folge  der  oben  angeführten  Bedingungen  in  den  Ge- 
weben unschädlich  werden. 

Zu  denjenigen  Momenten,  welche  dem  Organismus  im  Kampfe 
mit  den  pathogeneh  Mikroben  wesentliche  Dienste  leisten,  ist  haupt- 
sächlich die  erhöhte  Körpertemperatur  zu  nennen,  welche  den  er- 
höhten Oxydationsprozessen  zuzuschreiben  ist.  Unter  solchen  Be- 
dingungen kann,  wie  bereits  bekannt,  sowohl  die  erhöhte  Körpertem- 
peratur an  sich,  als  auch  Aenderung  der  Reaktion,  zum  Theil  aber 
auch  vielleicht  der  chemischen  Natur  unserer  Körpersäfte  in  der 
Weise  auf  die  Mikroben  einwirken,  dass  eine  weitere  Entwickelang 
desselben  unmöglich  wird.  Diese  Ansicht  findet  ihre  Bestätigung  in 
der  bei  fieberhaften  Prozessen  stets  zu  beobachtenden  Erscheinung 
—  Erhöhung  des  Säurecoöffizienten  im  Harn  und  eine  Aenderung  im 
Vergleich  zu  dem  normalen  quantitativen  Gehalte  verschiedener  Stoffe 
in  demselben  (K,  Na,  Harnsäure,  Kroatin  etc.). 

Metschnikow's  Theorie  (Phagocy  tosis),  mit  welcher  gedachter 
Autor  die  Unempfänglichkeit  und  Heilung  des  Thierorganismus  von 
Infektionserkrankungen  zu  erklären  sucht,  sowie  auch  die  schwache 
Nachahmung  dieser  im  hohen  Grade  geistreichen  und  wahrschein- 
lichen Theorie  seitens  einiger  anderer  Autoren,  welche  die  Bedeutung 
der  Phagocytose  fast  leugnen  und  alles  auf  die  stabilen  GewebseJe- 
mente  zurückführen  wollen  (Wyssokowicz),  hat  eine  grosse  Be- 
deutung in  den  Anfangsstadien  der  Erkrankung  des  Organismus,  wo 


Gfihrung.  557 

in  denselben  noch  eine  geringe  Menge  von  Mikroben  eingedrungen  sind. 
Id  solchem  Falle  werden  die  letzteren  von  den  Phagocyten  und  den- 
selben ähnlichen  Elementen  des  Thierkörpers  ergriffen,  im  Sinne 
Metschnikow's  verändert  und  auf  diese  Weise  unschädlich  ge- 
macht In  denjenigen  Fällen  jedoch,  wo  unter  Einfluss  irgend  welcher 
Krankheitsbedingungen  im  Organismus,  welche  die  Lebensenergie  der 
Phagocyten  schwächen,  oder  wo  in  den  Organismus  eine  so  unge- 
heure Menge  von  pathogenen  Mikroben  eingedrungen  ist,  dass  die 
letzteren  mit  denselben  selbständig  nicht  fertig  werden  können,  da 
tritt  ein  anderer  Faktor  auf  —  nämlich  Erhöhung  der  Oxydations- 
prozesse in  den  Geweben  und  Temperaturerhöhung,  welche  den  Che- 
mismus der  Gewebe  fOr  das  Leben  der  Mikroben  ungünstig  gestalten 
und  auf  diese  Weise  es  dem  Organismus  möglich  machen,  unter  Mit- 
wirkung der  übrigen  ungünstigen  Bedingungen  sich  von  der  Infektion 
zu  befreien.  Das  Hungern  bei  infektiösen  Fiebern  erscheint  ebenfalls 
als  ein  in  demselben  Sinne  wirkendes  Moment,  indem  dasselbe  den 
Säuregehalt  des  Harns  auf  Kosten  des  Zerfalles  der  Organeiweissstoffe 
des  Körpers  erhöht. 

(Schluss  folgt.) 


Referate. 


Hansen,  Emil  Chr.,  Qu'est-ce  que  la  levüre  pure  de  M. 
Pasteur?  Une  recherche  expärimentale.  (Compte  rendu 
des  travaux  du  laborat  de  Carlsberg.  Vol.  III.  Livr.  1.  Kopenhagen 
(Hagerup's  Buchhandlung)  1891. 
Die  folgenden  Untersuchungen  sind  durch  die  Angriffe,  welche 
von  Duclaux  und  Veiten  in  den  letzten  Jahren  gegen  die  Ar- 
beiten des  Ref.  gerichtet  worden  sind,  veranlasst. 

Duclaux  hat  in  den  Annales  de  T Institut  Pasteur..  Bd.  III. 
p.  375  versucht,  nachzuweisen,  dass  die  von  Pasteur  vor  mehr,  als 
14  Jahren  angegebenen  Methoden  zur  Darstellung  von  Reinkulturen 
von  Hefenzellen  Genügendes  leisten,  was  er  namentlich  von  demjenigen 
Verfahren  behauptet,  welches  darin  besteht,  dass  man  eine  Reihe 
Kulturen  der  betreffenden  Hefeprobe  in  einer  Lösung  von  10  Proz. 
Saccharose,  mit  ein  wenig  Weinsäure  versetzt,  vornimmt.  Später 
räumt  Duclaux  zwar  ein  (La  Gazette  du  Brasseur.  1890.  p.  447), 
dass  die  Methode  des  Ref.  einen  wirklichen  Fortschritt  bezeichnet 
und  dass  die  Untersuchungen  des  Ref.  eine  Reform  in  der  Brauerei- 
gäkrung  hervorgerufen  haben,  jedoch  nur  in  Betreff  der  Untergährung, 
während  er,  was  die  Obergährung  anbelangt,  für  die  Einführung  der 
alten  Pasteur' sehen  Methoden  eintritt. 

Veiten  geht  in  seinen  Angriffen  so  weit,*  dass  er  behauptet, 
dass  Ref.  sich  vollständig  geirrt  habe,  indem  derselbe  im  Brauerei- 
betrieb eine  aus  einer  einzigen  Art  oder  Rasse  bestehende  Hefe  ein- 
führte; der  Ansicht  Velten's  nach  soll  die  Brauereihefe  nämlich 


558  Gährung. 

im  Gegentheil  aus  mehreren  bestehen.  Zur  Reinigung  der  Hefe  em- 
pfiehlt er  das  oben  erwähnte  Verfahren  von  Pasteur  und  verwirft 
das  vom  Ref.  angegebene. 

Bei  den  vom  Ref.  und  seinen  Mitarbeitern  angestellten  Versuchen 
über  das  Verhalten  verschiedener  Saccharomyces- Arten,  wenn  sie  in 
einer  mit  etwas  Weinsäure  versetzten  Rohrzuckerlösung  gezüchtet 
werden,  wurden  namentlich  diese  beiden  Hauptfragen  gestellt:  Ist 
es  möglich,  auf  d  i  e  s  e  m  Wege  mit  einiger  Sicherheit  eine  wirkliche  Rein- 
kultur darzustellen?  Und  wie  wird  eine  auf  diese  Weise  behandelte 
Hefe  sich  verhalten,  wenn  dieselbe  in  den  Brauereibetrieb  eingeführt 
wird? 

Die  Versuche  wurden  mit  absoluten  Reinkulturen  der  vom  Ref. 
früher  beschriebenen  Arten  („Untersuchungen  über  die  Physiologie 
und  Morphologie  der  Alkoholgährungspilze".  Kopenhagen  (Hagerup's 
Verlag)  —  und  „Untersuchungen  aus  der  Praxis  derGährungsindustrie". 
München  (Oldenbourg's  Verlag):  Saccharomyces  cerevisiae  I 
(Oberhefe von  Edinburgh),  zwei  Brauerei-Unterhefen,  Saccharomyces 
Pastorianus  I,  Sacch.  Pas  tili,  Sacch.  ellipsoldeus  II  ange- 
stellt :  Die  drei  letztgenannten  Arten  rufen  Krankheiten  im  Biere  hervor. 
Es  ergab  sich  als  Resultat,  dass  dieses  Verfahren  gar 
keine  Sicherheit  dafür  giebt,  eine  Reinkultur  zu  er- 
halten. 

Von  9  Kolben  enthielten  nämlich  3  am  Schlüsse  der  Versuche  je 
2  Arten.  Bei  einem  derartigen  Züchten  kann  man  natürlich  nur 
diejenigen  Arten  unterdrücken,  welche  unter  den  gegebenen  Verhält- 
nissen es  nicht  vermögen,  die  Konkurrenz  mit  den  begünstigten  zu 
bestehen.  Wenn  mehrere  dieser  letzteren  da  sind,  wird  man  sogar 
nach  sehr  lange  fortgesetztem  Züchten  keine  Reinkultur  erlangen; 
aber  selbst  wenn  der  glückliche  Fall  eintritt,  dass  alle  Arten  bis  auf 
eine  einzige  aussterben,  so  weiss  man  doch  niemals,  wann  dieser 
Zeitpunkt  gekommen  ist,  und  die  Methode  selbst  giebt  kein  Kenn- 
zeichen, durch  welches  man  entscheiden  könnte,  ob  es  in  dem  be- 
treffenden Kolben  eine  oder  mehrere  Spezies  giebt. 

Kur;  nach  dem  Erscheinen  von  Pasteur 's  „fitudes  sur  la  biere" 
1876  wurden  in  mehreren  Brauereien  Versuche  mit  den  darin  an- 
gegebenen Verfahrungsweisen  zur  Reinigung  der  Brauereihefe  ange- 
stellt, aber  ohne  günstigen  Erfolg,  und  sie  wurden  deshalb  vollstän- 
dig aufgegeben ;  selbst  in  Frankreich  konnten  sie  nicht  Boden  fassen. 
Veiten  ist  zur  Zeit  der  einzige  Zymotechniker,  welcher  sich  zum 
Fürsprecher  dafür  gemacht  hat. 

Die  in  der  Abhandlung  des  Ref.  ausführlich  beschriebenen  Ver- 
suche zeigten,  dass  das  von  Veiten  empfohlene  Pasteur'sche 
Verfahren  keine  Reinigung  bewirkt,  wenn  es  sich  um 
die  Krankheitshefen  handelt,  sondern  dass  dasselbe 
im  Gegentheil  zur  Folge  hat,  dass  diese  sich  stärker 
verbreiten.  Dieses  Verfahren  ist  demnach  in  Braue- 
reien ganz  und  gar  unbrauchbar. 

Daraus,  dass  Pasteur  und  seine  Mitarbeiter  ein  Verfahren, 
welches  gerade  Krankheiten  im  Biere  erregt,  empfehlen  konnten,  geht 
zur  Evidenz  hervor,  dass  man  damals  noch  nicht  auf  den  Kernpunkt 


Gährung.  —  Allgemeines  über  Bakterien  etc.  559 

des  Problems  aufmerksam  geworden  war  und  namentlich  über  das 
Verhalten  der  Hefen  zu  den  Krankheiten  des  Bieres  noch  gar  keine 
Klarheit  gewonnen  hatte.  Wenn  Pasteur  in  seinem  genannten 
Werke  eine  Uebersicht  über  die  Mikroorganismen  giebt,  welche  nach 
seinen  Untersuchungen  Krankheiten  im  Biere  erregen  können,  ist  da- 
her nur  von  Bakterien  und  gar  nicht  von  Alkoholhefenpilzen  die  Rede. 
Kur  als  ein  Mittel  zur  Unterdrückung  der  Bakterien  hat  die  beschrie- 
bene Behandlung  mit  Weinsäure  ihre  Bedeutung.  Ein  genaueres 
Studium  von  Pasteur's  Werk  weist  übrigens  darauf  hin,  dass  er 
selbst  die  Begrenzung  seiner  Methoden  erkannt  hat. 

Ref.  ging  bei  seinen  Studien  von  anderen  Gesichtspunkten  und 
anderen  Methoden  aus,  als  sein  berühmter  Vorgänger.  Da  Ref. 
1883  gezeigt  hatte,  dass  einige  der  allgemeinsten  und  gefährlichsten 
Krankheiten  untergähriger  Biere  nicht  durch  Bakterien,  sondern  durch 
gewisse  Sa ccharomyces-  Arten  verursacht  werden,  so  folgte  schon 
daraus,  dass  eine  Reinigung  der  Hefe,  wie  die  von  Pasteur  ange- 
gebene, nicht  zum  Ziele  führen  konnte,  sondern  dass  eine  wirkliche 
Reinkultur  erforderlich  war.  Und  nachdem  die  Untersuchungen  des 
Ref.  ferner  das  Resultat  gebracht  hatten,  dass  unter  dem  systema- 
tischen Namen  Sacch.  cerevisiae  sich  eine  ganze  Reihe  in  ihren 
Wirkungen  sehr  verschiedener  Ober-  und  Unterhefenarten  und  -Rassen 
verbirgt,  so  trat  auch  noch  die  Forderung  hervor,  dass  eine  plan- 
massige  Auswahl  der  passendsten  Art  oder  Rasse  vorgenommen 
werden  musste.  Diese  Untersuchungen  sind  nicht  nur  im  Laborato- 
rium theoretisch  durchgeführt,  sondern  auch  in  der  grossen  Gährungs- 
industrie  praktisch  verwerthet  worden.  Ganz  dieselben  Prinzipien 
sind  es,  welche  im  Garten-  und  Ackerbau  seit  langer  Zeit  beim 
Anbau  der  höheren  Pflanzen  angewendet  worden  sind. 

Ref.  8chliesst  seine  Abhandlung  mit  einer  Anerkennung  der  grossen 
Bedeutung,  die  das  Werk  Pasteur's  für  seine  Untersuchungen  gehabt 
hat.  Emil  Chr.  Hansen  (Kopenhagen). 

Parkes,  E.  A.,  A  manual  of  practical  hygiene.    8.  Edition, 

ed.  by  J.  L.  Notter.     8Ü.  769  p.    10  Tfln.     Londou   (J.   u.  A. 

Churchill)  1891. 

Die  vorliegende  8.  Auflage   der  berühmten   Militärhygiene  von 

Parkes  ist  besorgt  worden  von  seinem  Nachfolger  in  der  Professur 

der  Militärhygiene  an  der  Arroy  medical  school  in  Netley.    Obwohl 

das  Werk  hauptsächlich  militärische  Verhältnisse  im  Auge   hat  und 

besonders  ausführlich  von  den  Tropenkrankheiten  und  den  Einflüssen 

des  Dienstes,  des  Kriegs-  und  Lagerlebens  auf  den  Soldaten  handelt, 

so  ist  doch  keine  allgemeinhygienische  Frage  unerörtert  geblieben. 

Auch  der  Bedeutung,  welche  die  Mikroorganismen    in   den   letzten 

Jahren  gewonnen  haben,  ist  überall  gebührend  Rechnung  getragen. 

Die  bakteriologischen  Methoden    der  Boden-,   Luft-,    Wasser-    und 

Nahrungsmitteluntersuchung  werden  besprochen,  und  auch  bei  den 

Infektionskrankheiten   und  der  Lehre  von   der  Desinfektion  sind  die 

neueren  bakteriologischen  Forschungen  überall  berücksichtigt  worden. 

Dies  hätte  freilich  in  etwas  genauerer  Weise  geschehen  können. 

In  unserer  Zeit  sollte  in  einem  Lehrbuche  der  Hygiene  den  Mikroor- 


560  Allgemein*  Über  Bakterien  etc. 

ganismen  ein  besonderes  Kapitel  gewidmet,   es  sollten  ihre  Lebens* 
Verhältnisse  und    die   Erkennungsmerkmale  der  Hauptarten  im  Zu- 
sammenhange eingehend  erörtert,  die  Untersuchungsmethoden  und 
die  zur  biologischen  Forschung  erforderlichen  Instrumente  and  Ge- 
räthe  genau  beschrieben   werden.    Dies  ist  in  dem  N.'schen  Werke 
nur  unvollkommen  geschehen.    Bei  der  Phtbisis   z.  B.  erfahren  wir 
wohl,  dass  es  Koch  gelungen  ist,  sie  auf  einen  Bacillus  zurückzu- 
führen, aber  wie   derselbe  aussieht,  wie  er  w&chst,  sich  im  Körper 
des  Wirths  verhält  und  abstirbt,  bleibt  ungesagt.    Dasselbe  ist  beim 
Cholera-,  Typhus-,  Milzbrandbacillus  der  Fall.    Das  Vorkommen  der 
Bakterien  in  der  Luft,  im  Wasser  und  im  Boden  und  ihre  Auffin- 
dung darin  werden  zwar  ziemlich  eingehend  besprochen,  aber  ihre 
hygienische  Bedeutung  in  denselben  und  die  Wege,  auf  denen  sie  in 
den  Körper  eindringen,  nicht  mit  der  wünschenswerten  Deutlichkeit 
dargelegt.    Bei  der  Wasseruntersuchung  wird  gleichfalls  nicht  hervor- 
gehoben, was  die  chemische,  mikroskopische  und  bakteriologische  Un- 
tersuchung vergleichsweise  für  einen  hygienischen  Werth  haben.  Den  mi- 
kroskopischen Süsswasserbewohnern  sind  4,  den  Bakterien  ist  eine  Tafel 
gewidmet,  und  diese  Tafel  enthält  zu  schematische  und  zu  wenig  natur- 
getreue Bilder,  um  den  Kenner  befriedigen  zu  können.  Bei  der  heutigen 
Vollendung  der  Technik  sollte  man  den  Büchern  die  besten  oder  gar 
keine  Illustrationen  und  von   Bakterien  jedenfalls  nur  Mikrophoto- 
gramme  geben.    Es  ist  für  den  Herausgeber  eines  fremden  Werkes, 
dem  die  Hände  ja  nach  mehr  als  einer  Richtung  hin  gebunden  sind, 
viel  schwieriger,  den  richtigen  Weg  zu  finden,   als  für  den,   der  ein 
eignes  Buch  zu  schreiben   hat.    Hieraus  erklären  sich  gewiss  zum 
grössten  Theile  die  Ausstellungen,   die  Ref.  an   dem  Werke  machen 
zu  müssen  glaubte,  und  denen  bei  einer  etwaigen  9.  Auflage  leicht 
abzuhelfen  wäre.    Vielleicht  ist  die  etwas  stiefmütterliche  Behandlung 
der  Mikroorganismen  auch  dadurch  veranlasst,  dass  Netley,  wovon 
Ref.  gelegentlich  des  VII.  internationalen  Kongresses  für  Hygiene  und 
Demographie  sich   aus  eigner  Anschauung  überzeugen  konnte,  mit 
einem   vorzüglichen  bakteriologischen   Laboratorium  ausgerüstet  ist, 
wo  den  Militärärzten  demonstrative  Kurse  gehalten  werden.    Da  sie 
hier  selbständig  bakteriologisch  arbeiten,  so  hielt  N.  vielleicht  ein  ge- 
naueres Eingehen  auf  die  Mikroorganismen  in  seiner  Hygiene  nicht 
für  erforderlich. 

Abgesehen  von  diesem  Umstände  ist  die  vorliegende  neue  Auf- 
lage des  berühmten  Werks  ihren  Vorgängerinnen  durchaus  würdig. 
Alle  Kapitel  der  Hygiene  sind  klar,  kurz  und  doch  erschöpfend  be- 
sprochen und  durch  zahlreiche  Bilder  im  Text  erläutert.  Bei  den  Nah- 
rungsmitteln, der  Milch,  dem  Fleisch  und  bei  der  Desinfektion,  na- 
mentlich auch  der  tuberculösen  Sputa,  sind  die  neuesten  Forschungen 
berücksichtigt.  Das  Werk  kann  daher  auch  deutschen  Lesern  und 
unter  diesen  auch  den  Nicht-Militärärzten  warm  empfohlen  werden.  Der 
Preis  von  20  Mark  ist  bei  der  guten  Ausstattung  ein  massiger  zu 
nennen.  M.  Kirchner  (Hannover). 


Allgemein««  über  Infektionskrankheiten.  5ßl 

Cabadti,  Le^ons  sur  les  maladies  microbiennes  profes- 
sees  a  l'ecole  de  m6decine  de  Toulouse.  8°.  642  p. 
Paris  (G.  Masson)  1890. 
Das  vorliegende  Kompendium  giebt  eine  ziemlich  vollständige 
Geschichte  der  pathogenen  Mikroorganismen  in  geschickter  Zusammen- 
fassung des  Wesentlichen  und  in  eleganter  Sprache.  In  den  ersten 
Kapiteln  wird  eine  historische  Einleitung  gegeben  und  dann  die 
Natur,  die  Einteilung,  das  Vorkommen  und  die  allgemeinen  Eigen- 
schaften der  Bakterien  kursorisch  besprochen.  Auch  die  Wirkungen 
derselben,  die  Gährung,  Fäulniss  und  Erregung  von  Krankheiten,  die 
Immunität,  die  Abschwächung,  Schutzimpfung  und  die  Erblichkeit 
finden  eine  ziemlich  eingehende  Würdigung.  Die  Eintheilung  der 
Infektionskrankheiten,  die  C.  giebt,  ist  keine  ganz  glückliche,  auch 
wird  sie  nicht  einmal  streng  durchgeführt,  sondern  tritt  nur  hier  und 
da  andeutungsweise  zu  Tage.  So  führt  er  Croup  und  Diphtherie  unter 
den  Krankheiten  des  Circulations-  und  Respirationsapparats  auf  und 
handelt  die  Malaria  hinter  der  Cholera  nostras  und  vor  der  Hunds- 
wuth  ab;  die  Blennorrhagie  wird  bei  den  Pocken  besprochen,  das  Ery- 
sipel beim  Puerperalfieber,  anstatt  diese  Krankheiten,  wo  sie  hinge- 
hören, zur  Eiterung  und  Septikämie  zu  stellen.  Solange  wir  ein 
klares  System  der  Infektionskrankheiten  nicht  haben,  müssen  wir  sie 
nach  den  verwandtschaftlichen  Eigenschaften  der  sie  erzeugenden 
Mikroorganismen  gruppiren,  und  ganz  besonders  ist  eine  solche 
Gruppirung  nothwendig  in  Vorlesungen,  welche  für  Studenten  be- 
stimmt sind. 

Der  Deutsche  kann  das  Cache  Buch  nicht  ohne  Kopfschütteln 
lesen.  Unter  den  in  den  geschichtlichen  Abschnitten  aufgeführten 
Namen  finden  wir  fast  ausnahmslos  französische;  unzweifelhafte  Ver- 
dienste deutscher  Forscher  werden  theils  nicht  erwähnt,  theils  nur 
schüchtern  angedeutet.  Selbst  der  Tuberkelbacillus ,  dessen  Ent- 
deckung durch  R.  Koch  C.  nicht  wohl  hin  wegleugnen  kann,  ist  „bei- 
nahe14 von  Toussaint  entdeckt  worden:  „II  a  entrevu  la  Solution, 
il  Fa  en  quelque  sorte  touch6e,  sans  arriver  compl&tement  au  but.u 
Vielleicht  würde  Herr  C.  unsere  deutschen  Forscher  besser  zu  wür- 
digen lernen,  wenn  er  sie  ebenso  eingehend  läse,  wie  wir  es  mit  den 
französischen  zu  thun  pflegen.  Dass  er  das  bisher  nicht  in  wün- 
schenswerthem  Maasse  gethan  hat,  beweist  der  Index  bibliographique, 
welcher  von  zahllosen  Druckfehlern  wimmelt  und  kaum  ein  richtiges 
deutsches  Wort  enthält  So  lässt  C.  die  Herren  Loeffler  und 
Schulz  über  den  „Kotzpiitzu  (Rotzpilz),  Liborius  über  „den 
Sauerstoff  bidur  fungier  der  (bedürfenden)  Bakterien"  schreiben.  Er 
zitirt  Werke  von  A.  Fränkel,  B.  Fränkel,  C.  Fränkel  und 
E.  Franke  1  unter  dem  einen  Namen  „Fränkel";  die  Arbeit  von 
Obermeier  wird  angeführt  unter  dem  Titel :  „Vor  kommen  fenoster 
eigene  Bewegung  Zeig.  Pa.  in  Blutte  von  recurrent.  Kranken  (Central, 
raed.,  1873)";  die  Angabe  der  Zeitschriften,  in  denen  die  zitirten 
Artikel  zu  finden  sind,  fehlt  oder  ist  falsch  u.  s.  w.  lief,  gibt  zu, 
bei  dem  mächtigen  Anwachsen  der  bakteriologischen  Litteratur  ist  es 
nicht  leicht,  •  alles  zu  lesen  oder  auch  nur  zu  verfolgen.  Wer  aber 
ein  Lehrbuch  erscheinen  lässt,  zumal  ein  solches,  welches  für  Stu- 

*-B4.  36 


562  Bakterien  und  Parasiten  im  Wasser. 

dirende  bestimmt  ist,  sollte  es  Dicht  unterlassen,  die  Veröffentlich  äugen, 
die  er  zitirt,  im  Original  kennen  zu  lernen,  zum  mindesten  aber  sich 
den  richtigen  Wortlaut  des  Titels  zu  verschaffen.  Dies  ist  er  nach 
Ansicht  des  Ref.  seinen  Schülern  schuldig,  C.  wird  es  hoffentlich 
nachholen  und  dadurch  den  Werth  seines  Buches  nicht  unwesentlich 
erhöhen,  indem  er  so  den  Lesern  ermöglicht,  sich  in  den  Quellen 
selbst  weitere  Belehrung  zu  suchen. 

Im  Uebrigen  können  wir  uns  mit  dem  Werke  im  Grossen  und  Ganzen 
einverstanden  erkl&ren,  und  wir  bezweifeln  nicht,  dass  es  auch  ohne 
die  empfehlende  Vorrede  Cornil's  sich  viele  Freunde  erwerben 
würde.  Diese  und  jene  kleine  Unrichtigkeit  wird  in  einer  neuen 
Auflage  beseitigt  werden.  So  schreibt  C.  auf  S.  327,  dass  es  noch 
nicht  gelungen  sei,  den  Tetanusbacillus  in  Reinkultur  zu  gewinnen, 
während  dies  doch  Kitasato  schon  1889  gelungen  ist  (Zeitscbr.  f. 
Hyg.  Bd.  VII.  1889.  S.  225).  Mit  der  Auffassung  der  Erblichkeit 
der  Tuberculose,  nach  der  der  Bacillus  im  Mutterleibe  von  den  El- 
tern auf  den  Foetus  übergehen  und  mit  geboren  werden  soll  (Baum- 
garten 's  Ansicht),  während  in  anderen  Fällen  die  Kinder  tubercu- 
löser  Eltern  nur  eine  Zusammensetzung  der  Oewebe  erben,  die  der 
Entwickelung  der  Bacillen  günstig  ist,  können  wir  uns  auch  nicht 
befreunden.  Wo  ist  das  gesehen  oder  bewiesen  worden  ?  —  Dass  dem 
Werkchen  keine  Abbildungen  beigegeben  sind,  ist  im  Interesse  des- 
selben zu  bedauern.  Wenn  wir  auch  heute  von  jedem  Studenten  ver- 
langen müssen,  dass  er  wenigstens  die  Hauptrepräsentanten  der  pa- 
thogenen  Mikroorganismen  durch  eigene  Präparate  kennen  lernt,  so 
würden  doch  gute  Abbildungen  auch  in  diesem  für  Studenten  be- 
stimmten Buche  von  Nutzen  sein,  da  sie  zum  Vergleiche  dienen  können 
und  die  Erinnerung  an  früher  Gesehenes  auffrischen. 

M.  Kirchner  (Hannover). 

Zacharlas,  0.,  Die  Thier-  und  Pflanzenwelt  des  Süss- 
wassers.  Einführung  in  das  Studium  derselben. 
Bd.  I.  8°.  380  p.  Mit  79  in  den  Text  gedruckten  Abbildungen. 
Leipzig  (J.  J.  Weber)  1891.  Preis  12  Mark. 

Das  vorliegende  Werk,  welches  Verf.  im  Verein  mit  einer  Reihe 
hervorragender  Fachgelehrter  herausgiebt,  wendet  sich  vorwiegend  an 
solche  Leser,  welche  sich  wissenschaftlich- praktisch  mit  der  pflanz- 
lichen und  thierischen  Bewohnerschaft  unserer  Gewässer  beschäftigen 
wollen.  Es  ist  daher  allgemeinverständlich  in  der  Fassung  und  doch 
das  Ergebniss  gründlicher  wissenschaftlicher  Studien,  und  es  legt 
weniger  Gewicht  auf  systematische  Vollständigkeit  als  auf  Weckung 
des  Verständnisses  für  das  Leben  und  die  Eigenart  der  einzelnen 
geschilderten  Thier-  und  Pflanzenfamilien.  Die  Infusionstbiere,  die 
Hydren,  die  höheren  Würmer  und  die  Bryozoen  werden  nicht  ge- 
schildert. 

In  dem  vorliegenden  1.  Bande  schildert  zunächst  E.  A.  Forel 
die  allgemeine  Biologie  eines  Süsswassersees  in  ihren  verschiedenen 
Abschnitten:  am  Ufer,  in  der  tiefen  Region  und  im  freien  Wasser. 
Die  wichtigsten  in  den  einzelnen  Regionen  vorkommenden  Thier-  und 
Pflanzenarten  werden  nach  Zahl  und  Art  aufgezählt*   und   versucht, 


Bakterien  and  Wasser.  563 

ein  Bild  des  Stoffwechsels  in  dieser  Welt  im  Kleinen  zu  entrollen. 
Dann  bespricht  W.  Higula  die  Algen,  ihre  Fundstätten  und  ihr 
Vorkommen  in  den  verschiedenen  Jahreszeiten  und  die  den  Algen 
nahestehenden  Gharaceen.  Fr.  Ludwig  setzt  die  allgemeinen  Be- 
dingungen des  höheren  Pflanzenlebens  im  Wasser  auseinander  und 
beschreibt  einzelne  Beispiele  von  untergetauchten  und  schwimmenden 
Wasserpflanzen  und  ihre  Parasiten.  Es  folgen  die  Rhizopoden  von 
A.  Gf  ruber,  die  Flagellaten  von  W.  Higula,  die  Sasswasser- 
schw&mme  von  W.  Weltner,  die  Strudelwürmer  von  0«  Zacha- 
rias,  die  Bäderthiere  von  H.  Plate  und  die  Krebsfauna  unserer 
Gewässer  von  J.  Vosseier.  Jedem  Kapitel  ist  ein  genaues  Litte- 
raturverzeichniss  und  eine  Anzahl  vorzüglicher  Abbildungen  beige- 
geben,  welche  nicht  die  landläufigen  Bilder  reproduziren ,  sondern 
nach  Originalzeichnungen  nach  dem  Leben  entworfen  sind.  Besonders 
lehrreich  und  packend  sind  die  Zeichnungen,  die  das  Treiben  der 
WurzelfOssler  an  Algenfäden  und  ihre  Vermehrung  durch  Kernthei* 
long  zur  Anschauung  bringen.  Seit  dem  schönen  Werke  von  O.  Kirch- 
ner und  Blochmann  ist  das  vorliegende  das  beste,  welches  Qber 
das  Leben  im  Sflsswasser  erschienen  ist.  Die  fesselnde  Darstellung 
und  die  nach  jeder  Richtung  hin  vorzügliche  Ausstattung  werden 
ihm  unzweifelhaft  viele  Freunde  zuführen. 

M.  Kirchner  (Hannover). 

Despeignes,  V.,  ßtude  exp6ri mentale  sur  les  microbes 
des  eaux  avec  applications  k  l'hygiöne  sanitaire  de 
la  ville  de  Lyon.    8°.    126  p.   Paris  (J.  B.  Bailltere  et  fils) 
1891. 
Ueber  die  Ergebnisse  der  unter  Leitung  L  o  r  t  e  t '  s  vorgenommenen 
Arbeit  D.'s  ist  schon  in  den  Comptes  rendus  de  l'Acad&nie  des  sciences 
de  Paris.  Tome  CX.  1890.  p.  360  ff.  kurz  berichtet  worden  (s.  das 
Referat  in  dieser  Zeitschrift.  Bd.  VII.  1890.  p.  610).    Beim  Lesen  der 
Arbeit  selbst  muss  man  staunen  über  die  Fülle  von  Fleiss  und  Scharf- 
sinn, die  D.  aufgewendet  hat,  um  zu  dem  wenig  tröstlichen  Ergebniss 
zu  gelangen,  dass  das  Wasser  des  Rh6ne  —  auch  nach  der  Filtration 
durch  Sandfilter  — ,  der  Brunnen  und  natürlichen  Quellen  Lyons 
schlecht  und  nicht  zulässig  zum  Gebrauch  als  Trinkwasser  ist.    Die 
Arbeit  verdient  eingehende  Besprechung. 

Uns  berührt  zunächst  befremdlich,  dass  D.  den  Bakteriengehalt 
von  Wässern  nicht,  wie  wir  es  gewohnt  sind,  auf  den  cem,  sondern 
auf  das  1  berechnet.  Die  Zahlen  erscheinen  daher  viel  grösser,  als 
sie  sind.  So  fand  er  im  Januar  in  der  Mitte  des  Rhone  50000,  am 
Her  100000,  im  März  am  Ufer  100000  bezw.  12190000  Keime  in 
1  1,  d.  h.  nach  unserer  Schreibweise  50,  100,  100  bezw.  12190  in 
1  ccm.  Die  Untersuchungen  des  filtrirten  Rbönewassers  (nach  G.  R  o  a  x) 
ergaben  im  März  1890  85,  171,  42  bezw.  27,  im  August  72,  73,  70 
bezw.  79,  im  September  19,  26  bezw.  99  Keime  in  1  ccm.  Diese 
Zahlen  sind  in  der  That  nicht  gross,  und  es  werden  bei  allen  Leitun- 
gen mit  Sandfiltration,  z.  B.  in  Berlin,  Hannover  u.  a.  a.  O.,  ebenso 
grosse  gefunden. 

Sodann  möchte  Ref.  seiner  Verwunderung  Ausdruck  geben,  dasr 

36* 


564  Bakterien  und  Wasser. 

D.  sich  zur  Wasseruntersuchung  nicht  des  Plattenverfahrens  bedient, 
sondern  das  Wasser  tropfenweise  in  Boiüllonkölbchen  gibt  und  be- 
obachtet, in  wie  vielen  Entwickelung  vor  sich  geht,  und  wie  viele 
steril  bleiben.  Als  Grund  für  die  Anwendung  dieses  ebenso  müh- 
samen als  unzuverlässigen  Verfahrens  führt  er  die  Aeusserung  vod 
M.  Duclauxan1):  „teile  bactärie,  qui  paraitra  morte,  lorsqu'on  l'en- 
semencera  sur  plaques,  parce  quelle  n'y  fournit  pas  de  colonie,  se 
d^veloppera  tr&  bien  dans  un  bouillon  de  meme  composition,  mais 
sans  g&atine".  Dass  die  Gelatine  die  Bakterien  an  der  Entwicklung 
hindern  sollte,  ist  ebenso  neu  als  unbewiesen«  Bewiesen  dagegen  ist, 
dass  es  nicht  möglich  ist,  durch  Aussäen  verschiedener  Keime  in 
Bouillon  Reinkulturen  zu  erhalten  oder  gar  alle  in  einem  Wasser- 
quantum enthaltenen  Keime  der  Zählung  zugänglich  zu  machen,  selbst 
wenn  die  Tropfen  noch  so  klein  gewählt  werden.  Wenn  daher  D., 
indem  er  in  30  Bouillonkölbchen  je  Vis 9  ccm  Wasser  der  Quelle  de 
la  mont6e  des  Chazeaus  aussäet,  111633  Keime  im  Liter  berechnet, 
so  hat  er  nach  Ansicht  des  Ref.  eher  zu  wenig  gefunden,  als  zu  viel. 
Es  ist  in  der  That  gar  nicht  zu  begreifen,  weshalb  es  dem  so  be- 
quemen und  so  überaus  sicheren  Koch 'sehen  Plattenverfahren  nicht 
gelingen  will,  in  Frankreich  festen  Fuss  zu  fassen.  Dabei  stösst  D. 
bei  jeder  Gelegenheit,  wo  es  gilt,  irgend  einen  pathogenen  Mikro- 
organismus in  Reinkultur  zu  gewinnen,  auf  die  unüberwindlichsten 
Schwierigkeiten  und  gibt  es  mehrmals  als  unmöglich  auf;  andermal 
führt  er  z.  B.  als  Erkennungszeichen  des  Bacillus  subtilis  die 
auf  der  Oberfläche  der  Bouillonkultur  sich  bildende  Kahmhaut  an,  als 
wenn  eine  solche  nicht  auch  von  anderen  Mikroorganismen  — -  Ref. 
erinnert  nur  an  den  Cholera-Vibrio,  an  den  Vibrio  Metschni- 
kovi  u.  a.  m.  —  gebildet  würde.  Wie  Jemand,  ohne  das  Wachsthum 
auf  der  Platte  zu  kennen,  Bakterien  überhaupt  bestimmen  will,  ist 
nach  dem  heutigen  Stande  unseres  Wissens  schwer  zu  begreifen. 

Nun  aber  legte  sich  D.  die  Frage  vor,  ob  unter  den  zahlreichen 
Bakterien  des  filtrirten  Rhönewassers  auch  pathogene  sich  befinden 
möchten.  Die  Antwort  darauf  lautete  natürlich  bejahend,  aber  wie 
wurde  diese  Antwort  gefunden? 

D.  liess  das  filtrirte  Wasser  durch  Chamberland'sche  Filter 
laufen,  und  zwar  nicht  etwa  eine  Stunde  oder  einen  Tag,  sondern 
viele  Tage  und  selbst  Monate  lang;  den  an  der  Aussen  wand  der  Filter 
sich  absetzenden  Schlamm  schwemmte  er  mit  sterilisirtem,  destillirtem 
Wasser  auf  und  —  verfütterte  ihn  Versuchsthieren  ?  Das  hätte  man 
meinen  sollen,  da  ja  das  Trinkwasser  in  den  Magen  gelangt  Dies 
that  aber  D.  nicht  oder  nur  zweimal  —  „pour  röpondre  au  däsir 
d'un  des  membres  de  la  soci&6  de  mädecine"  — ,  in  den  übrigen 
zahllosen  Experimenten  spritzte  er  den  Versuchsthieren  diese  Auf- 
schwemmung unter  die  Haut  oder  in  die  Bauchhöhle  oder  gar  ins 
Auge.  Die  Mengen,  die  er  dazu  verwandte,  betrugen  bei  den  beiden 
Fütterungsversuchen,  zu  denen  er  übrigens  die  Meerschweinchen 
chloroformiren  zu  müssen  glaubte  (1),   x/io   bezw.  1/14    des  Körper- 


1)  Annales  de  l'Institut  Pftsteur.    25.  2.  1890:    „Action  de  l'eau  sur   les  bictiries 
pathogenes.   DX." 


Bakterien  and  Wasser.  535 

gewichte.  Trotzdem  blieb  ein  Thier  am  Leben.  Man  denke  nur,  man 
hätte  einem  Menschen  von  70  kg  Gewicht  5  1  Filterwasser  in  den 
Magen  gebracht  1  Wer  bliebe  da  am  Leben?  Bei  den  Einspritzungen 
unter  die  Haut  wendete  D.  weniger  an,  in  der  Regel  1I90  —  V10o> 
einige  Male  zwischen  1/100  und  Vlo0  des  Körpergewichts;  aber  auch 
das  sind  ja  noch  ganz  enorme  Mengen,  das  Messe  z.  B.  einem  Men- 
schen von  70  kg  Gewicht  700  cem  ins  Unterhautzellgewebe  spritzen. 
In  einem  Falle  injizirte  D.  sogar  einem  Meerschweinchen  von  362  g 
Gewicht  4  cem,  also  21/90  des  Gewichts,  ins  Herz,  und  doch  blieb  es 
gesund.  Diese  Experimente  sind  in  der  Tbat  wenig  beweiskräftig, 
sie  beweisen  höchstens,  dass  im  Filterschlamm  sich  lebende  pathogene 
Keime  finden;  Ober  ihre  Menge  im  filtrirten  Wasser  beweisen  sie 
nichts,  denn  wenn  ein  Filter  3  Monate  in  Gebrauch  ist,  so  kann  sich 
ein  pathogener  Keim,  der  am  Filter  haften  blieb,  während  dieser 
langen  Zeit  hier  so  vermehren,  dass  schon  ein  Minimum  des  Schlamms 
tödtlich  wirkt  Diesem  Einwurf  aber  entgegnet  D.,  dass  es  nicht  ge- 
nagt, dass  nur  wenige  Keime  da  sind,  sondern  dass  man  verlangen 
muss,  dass  überhaupt  keine  vorhanden  seien. 

Irgend  Jemand  —  D.  nennt  seinen  Namen  nicht  —  hat  über 
seine  Arbeit  gesagt,  solche  Untersuchungen  scheinen  „ein  plumper 
Scherz"  zu  werden,  und  diese  „Mikrobien-Invasion41  sei  nichts  weiter 
als  „eine  Mode- Orgel14.  Dieses  Urtheil  ist  ja  gewiss  nicht  richtig, 
denn  jede  wissenschaftliche  Untersuchung,  auch  die  vorliegende  D.'s, 
hat  ihren  unzweifelhaften  Werth.  Aber  vielleicht  trägt  er  mit  seinen 
Resultaten  doch  mehr  Beunruhigung  ins  Publikum,  als  nothwendig 
oder  auch  Dur  berechtigt  ist? 

Dies  scheint  z.  B.  auch  aus  seinen  Brunnenuntersuchungen  her- 
vorzugehen. Wenn  seine  Befunde  richtig  sind  —  allerdings  wurde 
dies  schon  oben  mit  Fug  und  Recht  bezweifelt  — ,  so  fand  D.  in  ver- 
schiedenen Brunnen  Lyons  37,  20,  28,  43,  35,  45,  81,  98,  101,  100, 
4,  51  bezw.  56  Keime  in  1  cem.  Dies  sind  nach  unseren  Begriffen 
ja  wahrhaft  glänzende  Ergebnisse,  während  D.  auf  Grund  dieser  Be- 
funde die  Brunnen  in  Pausch  und  Bogen  für  schlecht  erklärt,  und 
dies  um  so  mehr,  als  er  aus  dem  Wasser  eines  Brunnens  eine  Bak- 
terienart züchtete,  von  deren  Reinkultur  Vi  cem,  einem  Meerschwein- 
chen von  582  g  unter  die  Haut  gespritzt,  dieses  Thier  in  22  Tagen 
todtete. 

Dies  heisst  in  der  That  das  Kind  mit  dem  Bade  ausschütten. 
Wenn  wir  so  vorgehen,  müssen  wir,  wie  D.  auch  schliesslich  räth, 
nur  gekochtes  oder  künstlich  filtrirtes  Wasser  geniessen.  Wer  aber 
gibt  uns  tadellose  Filter?  Die  von  D.  gerühmten  Chamberland- 
schen  sind  ja  nach  den  Untersuchungen  von  Kubier  u.  a.  nichts 
weniger  als  bakteriendicht,  und  ob  es  die  Berkefeld'schen  Kiesel- 
guhrfilter  auf  die  Dauer  sind,  muss  sich  doch  auch  erst  noch  aus- 
weisen. Wenn  D.  den  Ausspruch  von  Duclaux1)  anführt:  „Une 
wu  est  pure,  quand  eile  est  pure,  c'est  ä  dire,  quand  eile  ne  con- 
sent pas  de  germes  du  tout",  so  soll  ein  solches  Wasser  auf  unserem 
Stern  erst  noch  gefunden  werden ! 

1)  Annale*  de  Tlnstitot  Pasteur  25.  10.  1889. 


566  Bakterien  und  Waaaer. 

Zum  Schluss  fahrt  D.  einige  Quellwasseruntersuchungen  an,  die 
er  gemacht  bat.  Die  beiden  Quellen,  die  Lyon  besitzt  —  eine  ent- 
hielt 112,  die  andere  8  Keime  in  1  cem  —  werden  gleichfalls  als 
gesundheitsschädlich  verworfen. 

Nach  diesen  Ausführungen  darf  der  Leser  gespannt  sein,  was  D. 
schliesslich  seinen  Mitbürgern,  die  doch  gern  Wasser  trinken  wollen, 
für  einen  Rath  ertheilt.  Man  höre!  Er  schlägt  vor,  die  Filter  be- 
stehen zu  lassen  und  nach  wie  vor  filtrirtes  Rhönewasser  zu  liefern, 
jedoch  nur  für  den  Haus-  und  Wirthschaftsgebrauch ;  zum  Trinken 
soll  eine  zweite  Leitung  angelegt  werden,  die  völlig  bakterienfreies 
Wasser  aus  beliebig  weiter  Ferne  herbeischafft.  Nun  weiss  jeder 
Hygieniker,  dass  es  so  verkehrt  wie  möglich  ist,  zweierlei  Wasser  zq 
liefern,  da  Unkenntniss  und  Unvernunft  oft  genug  dazu  führen,  dass 
das  schlechte  Wirthschaftswasser  getrunken  oder  das  gute  Trinkwasser 
zu  allen  möglichen  anderen  Zwecken  gebraucht  wird.  Man  soll  unter 
allen  Umständen  eine  Stadt  nur  mit  einem  Wasser  versorgen,  and  das 
soll  gut  sein.  Sodann  aber  gestattet  sich  Ref.  an  Herrn  D.  die  Frage, 
wo  er  denn  absolut  bakterienfreies  Wasser  zu  finden  gedenkt?  Wie 
er  anführt,  haben  C hau veau  undArloing  1885  in  den  3  Quellen 
de  l'Ain  keinen  einzigen  Keim  gefunden.  Ob  ihnen  das  heute  auch 
noch  gelingen  würde? 

Ref.  konnte  nicht  umhin,  diesen  und  jenen  Punkt  in  DJs  Arbeit 
anzugreifen,  er  möchte  daher  zum  Schluss  nochmals  den  enormen 
Fleiss,  mit  dem  die  Arbeit  gemacht  ist,  rühmend  hervorheben.  Auch 
dass  D.  die  Rolle,  welche  die  Bakterien  im  Wasser  spielen,  klar 
erkannt  und  ihre  Bedeutung  als  ausschlaggebend  hingestellt  hat,  soll 
ihm  nicht  vergessen  sein.  Aber  wir  dürfen  doch  nicht  Unmögliches 
verlangen.  Anstatt  so  weit  zu  gehen,  wie  D.,  und  alles  —  Wasser- 
leitung, Brunnen,  Quellen  —  zu  verwerfen  und  dann  doch  wieder  un- 
konsequenter Weise  die  Quellwasserleitung  zu  empfehlen,  sollten  wir 
uns  daran  erinnern,  dass  doch  nicht  alle  Bakterien  schädlich  sind; 
dass  es  schon  genügt,  wenn  wir  unsere  Wasserbezugsquellen  vor  der 
Verunreinigung  mit  pathogenen  Bakterien  schützen.  Sollte  es  denn 
in  der  That  keine  Brunnenkonstruktion,  keine  Art  der  Wasserleitung 
geben,  die  dies  ermöglicht?  M.  Kirchner  (Hannover). 

Pokrowsky,  M.  A.,  Mikroorganismen  aus  dem  Wasser  des 
Kura-Flusses    und     der    Tifliser     Wasserleitung    im 
Zeitraum  vom  Februar  bis  Mai  1891.    (Protokolle  der  Kau- 
kasisch. Medic.  Gesellsch.   1891.  No.  4.  pp.  61.  u.  ff.)    [Russisch.] 
Es  ist  erst  eine  Errungenschaft  der  letzten  Jahre,  u.  z.  seit  dem 
VI.  Wiener  internationalen  Kongress  für  Hygiene  und  Demographie 
1887,  dass  man  das  Hauptgewicht  nicht  auf  die  Zahl  der  im  Wasser 
gefundenen  Mikroorganismen  legt,  sondern  auf  die  Qualität,  die  Art 
In  Russland  ist  in  dieser  Beziehung  besonders  Lunkewitsch  zu 
nennen.    Ausgehend  von  diesem  Standpunkt,  hat  P.  nun  aus  dem 
Kura-Fluss-  und  Leitungswasser  (in  Tiflis)  folgende  Mikroorganismen 
rein  gezüchtet  und  der  oben   erwähnten  Aerztegesellschaft   in  Rein- 
kulturen und  mikroskopisch  demonstrirt:  Micrococcus:  agilis, 
cinnabareus,    aurantiacus,    und     flavus    liquefaciens. 


Bakterien  und  Wasaer.  —  Typhus.  —  Tnbercnlose.  5g7 

Bacillus:  radificans  (Wurzelbacillus),  subtilis,  typhusähnlicher 
(^Kolonie  von  Dr.  Kupidouoff,  >))  violaceus,  aquatilis 
liquefaciens,  grüngelber;  Proteus  Zenkeri,  mirabilis 
und  Bulforeus.  L.  Heydenreich  (Wilna). 

Lortet,  M.,  Mi  crobes  pathognes  des  vases  dela  Mer  Morte. 
(Lyon  m&l.  1891.  No.  33.) 
Verf.  hatte  Gelegenheit,  den  Schlamm  des  todten  Meeres  bakterio- 
logisch zu  untersuchen  und  fand  in  demselben  den  Mikroben  der 
gasigen  Gangrän  und  den  des  Tetanus.  Sofern  Verunreinigungen 
ausgeschlossen  sind,  ist  dieser  Befand  deshalb  schon  von  hohem 
Interesse,  weil  bisher  das  Wasser  des  todten  Meeres  als  frei  von 
jedem  Lebewesen  galt  und  der  hohe  Salzgehalt  desselben  (spec.  Ge- 
wicht 1162)  einem  organischen  Wachsthum  sehr  hinderlich  ist. 

Limbeck  (Prag). 

Destrte,  A  propos  de  quelques  cas  de  suppuration  com- 

pliquant  lafifcvre  typhoide.  (Journal de M6decine  deBruxelles. 

1891.  5  Aout.) 

Verf.  hat  verschiedene  Patienten  aus  der  medizinischen  Klinik 

des  Prof.  Stiänou  bakteriologisch  untersucht,  welche  an  Typhus 

abdominalis  litten,  und  ist  zu  folgendem  Resultate  gekommen: 

4  mal,  bei  verschiedenen  Abcessen  der  rechten  und  linken  Mamma, 
der  linken  Axilla  und  der  Ereuzbeingegend,  wurde  nur  die  Anwesen- 
heit des  Staphylococcus  pyogenes  aureus  konstatirt.  Bei 
einem  fünften  Kranken,  der  im  Rekonvalescenzstadium  an  linksseitiger 
Otitis  purulenta  acuta  erkrankte,  konnte  nur  der  Eberth'sche 
Bacillus  entdeckt  werden.  Durch  diese  höchst  interessanten  Unter- 
suchungen kommt  D.  zu  dem  Schlüsse,  dass  zwar  solche  Eiterungen 
meist  durch  gewöhnliche  pyogen e  Kokken  verursacht  sind,  der 
Bacillus  typhi  abdominalis  aber  auch  Eiterung  erzeugen 
kann.  R.  Verhoogen  (Brüssel). 

Cnffer,  P.,  Recherches  cliniques  sur  la  pöriode  d'incu- 
bation    des    maladies    infectieuses  en   gänäral   et  en 
particulier  sur  la  päriode  d'incubation  de  la  tuber- 
culose.      Essai  de  thärapeutique.     (Revue  de  mädecine. 
1890.  10  Juin.) 
Die  Inkubationsperiode  der  Infektionskrankheiten  zu  diagnosciren 
ißt  vom  therapeutischen  Standpunkt  aus  sehr  wichtig.    Dieselbe  ist 
durch  folgende  Erscheinungen  erkennbar:   Fieber,  Anämie,  Milzer- 
weiterung. 

Fieber  tritt  sehr  unregelmässig  auf,  meistentheils  am  Abend,  ist 
mit  dem  Thermometer  kaum  wahrnehmbar,  scheint  aber  dem  Patienten 
sehr  heftig  zu  sein,  und  wird  immer  von  schwerer  Mattigkeit  be- 
1  "  t.    Dazu  kommen  Milzerweiterung   und    hochgradige  Anämie, 

1)  Kupido n off,    W,    Bakteriologische   WaMer-Untersnoh.  d.  Kabansees   u.  d. 
K**ftn'schen  Wasserleitung,  Dissertat.  Sil.  pp.  u.  17  Ulum.  Tafeln.    Kasan  1890. 


568  TubercnloM.  —  Pseadotaberoalosa. 

letztere  dadurch  bedingt,  dass  die  Tuberkelbacillen  aerob  sind   und 
den  Blutkörperchen  den  Sauerstoff  entziehen. 

In  diesem  Stadium  (päriode  prögranulique)  ist  die  Lungentuber- 
culose  viel  leichter  beilbar.  R.  Yerhoogen  (Brüssel). 

Klippel,  Paralysie  g6n6rale  et  tuber cu lose  pulmonal re. 
(Annales  de  psychiatrie  et  d'hypnologie.    1891.  Juillet.) 

Bei  31  Fällen  von  Dementia  paralytica,  die  zur  Sektion  kamen, 
wurden  5mal  tuberculöse  Alterationen  der  Lungen  gefunden,  welche 
aber  ältere  und  chronische  Läsionen  waren,  z.  B.  kleine  Höhlen- 
bildungen, deren  Wände  dick  und  fibrös  geworden  waren.  Die 
Meningen  aber  waren  immer  tuberkelfrei.  Roch9 sehe  Bacillen  wurden 
jedesmal  bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  entdeckt. 

Auf  ein  reichliches  klinisches  Material  gestützt,  hält  es  Verf.  für 
sicher,  dass  die  Lungenschwindsucht,  wenn  sie  so  langsam  und  heim- 
lich sich  ausbreitet,  sowie  die  Lues  eine  Prädisposition  für  die 
Dementia  paralytica  bilden.  Wenn  die  Krankheit  schnell  verläuft  und 
es  zur  Phthisis  kommt,  tritt  natürlich  der  Tod  zu  schnell  ein,  um 
den  prädisponirenden  Kinfluss  der  Krankheit  erkennen  zu  lassen. 

R.  Verhoogen  (Brüssel). 

Gulnard,  H.,  Sur  un  mode  possible  de  transmission  de 
la  tuberculöse  chez  les  animaux.  (Lyonm6d.  1891.  No.20.) 
Die  Beobachtung  des  Verf.'s,  dass  es  in  manchen  Gegenden,  be- 
sonders den  wasserarmen,  Gewohnheit  sei,  dem  Rindvieh  das  Wasser, 
in  welchem  Wäsche  gewaschen  wurde,  zur  Tränke  zu  geben,  bewogen 
ihn,  diesbezügliche  Versuche  an  Kaninchen  und  Meerschweinchen  an- 
zustellen, welche  lehrten,  dass  der  Tuberkelbacillus  auch  im  Seifen- 
wasser seine  Virulenz  bewahrt.  Limbeck  (Prag). 

Prefsz,  H.,  A  pseudotuberculosisnak  juhnäl  äszlelt  egy 

esetäröl  6s  a  pseudotuberculosisröl  ältaläban.  [Deber 

einen  Fall  von  Pseudotuberculose  beim  Schafe  und 

über    Pseudotuberculose    im    Allgemeinen.]      (Veten- 

narius.  1891.  No.  9.) 

Preisz  erhielt  die  Nieren  eines  Lammes  zur  Untersuchung,  die 

mikroskopisch  der  Tuberculöse  vollkommen  ähnliche  Veränderungen 

zeigten.    Die  eine  enthielt  zwei,  die  andere  mehrere  bis  nussgrosse 

Knoten  von  ziemlich  fester,  stellenweise   bröckeliger  Konsistenz  und 

grünlich-gelber  Farbe;  die  Schnittfläche  zeigte  mehrfach  weisse  Punkte 

und  Streifen,  an  der  Peripherie  war  eine  bindegewebige  Kapsel  gut 

zu  unterscheiden. 

Unter  dem  Mikroskope  konnten  an  dem  Durchschnitte  eines  solchen 
Knotens  drei  Schichten  deutlich  unterschieden  werden.  Aussen  ist 
die  käsige  Masse  von  einer  aus  atrophischen  Harnkanälchen  und 
hypertrophischem  Bindegewebe  bestehenden  Kapsel  umgeben.  Inner- 
halb derselben  und  von  ihr  scharf  abgegrenzt  befindet  sich  eine 
Schicht,  in  der  die  Struktur  des  Nierengewebes  noch  gut  zu  erkennen 
ist,  doch  befinden  sich  zwischen  den  Harnkanälchen  zahlreiche,  zum 
Theil  im  Zerfall  begriffene  Zellenkerne,  offenbar  ausgewanderte  weisse 


Psendotubercolose.  569 

Blutkörperchen.  Diese  Schicht  wird  durch  Hämatoxylin  stark  ge- 
färbt Weiter  nach  einwärts  befindet  sich  die  Hauptmasse  des  Pseudo- 
tuberkels, die  durch  Hämatoxylin  intensiv  gefärbt  wird  und  aus  einer 
körnigen,  zum  Theil  verkalkten  Substanz  besteht.  Die  mittlere,  jüngste 
Schicht  des  Knotens  enthält  zahlreiche  Bacillen,  die  gewöhnlich  inner- 
halb der  Epithelzellen  der  Harnkanälchen  mehr  oder  minder  grosse 
Haufen  bilden  und  in  nach  der  6  r  a  m'schen  Methode  behandelten  Schnit- 
ten intensiv  gefärbt  erscheinen.  Dieselben  sind  sehr  klein,  l1/* — 3- 
mal  länger,  als  breit,  gerade  oder,  sehr  selten,  etwas  gebogen,  zuweilen 
aus  mehr  und  minder  intensiv  gefärbten  Theilchen  zusammengesetzt 
Einzelne  Bacillen  zeigen  an  dem  einen  Ende  eine  kolben-  oder  birn- 
förraige  Anschwellung  und  sind  zuweilen  zu  zweien  mit  einander  ver- 
bunden. 

Mit  der  Substanz  dieser  Nierenknoten  ausgeführte  Impfungen 
hatten  stets  ein  positives  Resultat  zur  Folge.  In  die  Venen  geimpfte 
Kaninchen  und  Meerschweinchen  starben  am  3.-5.  Tage,  und  die 
Sektion  wies  in  den  meisten  inneren  Organen,  namentlich  aber  in  der 
Leber,  Milz  und  den  Lungen  massenhafte  Miliar-Pseudotuberkel  nach. 
Impfung  in  die  Bauchhöhle  hatte  eine  rapide  Entwickelung  einer  all- 
gemeinen, der  akuten  tuberculösen  Peritonitis  vollkommen  ähnlichen 
Bauchfellentzündung  zur  Folge,  nur  waren  die  bis  stecknadelkopf- 
grossen Knötchen  farblos,  durchscheinend  und  weniger  fest,  als  wirk- 
liche Tuberkel.  Impfung  unter  die  Haut  bewirkte  einen  lokalen  käsigen 
Äbscess  an  der  Impfstelle,  in  welchem  z.  Th.  auch  die  unmittelbar 
benachbarten  Muskeln  untergingen;  im  Anschlüsse  an  die  lokale  Er- 
krankung entwickelte  sich  später  eine  ausgebreitete  Pseudotuberculose 
der  benachbarten  Organe  und  serösen  Höhlen. 

Ganz  frische,  2—3  Tage  alte  Pseudotuberkel  zeigen  unter  dem 
Mikroskope  das  Bild  einer  zirkumskripten  Entzündung,  indem  zwischen 
den  normalen  Gewebselementen  zahlreiche  Rundzellen  eingestreut 
lagen,  nur  ist  es  auffallend,  dass  bereits  in  einem  solchen  frühen 
Entwickelungsstadium  an  den  normalen  Gewebselementen  durch  Fär- 
bung mit  Eosin  und  Hämatoxylin  Zeichen  einer  beginnenden  Nekrose 
zu  erkennen  sind.  Etwas  ältere  Knötchen  sind  in  ihrer  Mitte  bereits 
zu  einer  feinkörnigen  Masse  zerfallen.  In  den  Nieren  sind  an  der 
Peripherie  der  Knötchen  die  Harnkanälchen  erweitert  und  mit  un- 
gleich grossen  Zellen  ausgefüllt,  die  fast  ausnahmslos  die  oben  er- 
wähnten Bacillen  in  grosser  Zahl  enthalten ;  ausserhalb  der  Knötchen 
enthalten  einzelne,  sonst  noch  ganz  normal  aussehende  Epithelzellen 
ebenfalls  solche  Bacillen.  Ein  bezeichnender  Unterschied  zwischen 
dem  wirklichen  und  dem  Pseudotuberkel  ist,  dass,  während  im  ersteren 
die  Verkäsung  erst  in  einem  späteren  Entwickelungsstadium  in  Folge 
der  mangelhaften  Ernährung  des  gefässlosen  Gewebes  sich  einstellt, 
in  dem  Pseudotuberkel  die  Nekrose  von  allem  Anfange  an  zu  kon- 
»tatiren  ist  und  offenbar  durch  ein  von  den  sich  rasch  vermehren- 
den Bacillen  entwickeltes  chemisches  Gift  bewirkt  wird. 

Preisz  glaubt,  dass  der  von  ihm  gefundene  Bacillus  sowohl 
hinsichtlich  seiner  morphologischen  Eigenschaften,  als  auch  hinsicht- 
lich seines  Verhaltens  den  Färbungsverfahren  gegenüber  von  den  bis- 
her beschriebenen  sonstigen  Pseudotuberculose-Bakterien  vollkommen 


570  Malaria. 

verschieden  ist,  und  stellt  die  nähere  Begründung  dieser  Ansicht  for 
später  in  Aussicht.  Schliesslich  plädirt  er  für  die  Beibehaltung  des 
von  Baumgarten  beanstandeten  Namens:  Pseudotuberculose  für 
die  Bezeichnung  der  hier  in  Frage  kommenden  Krankheitsprozesse. 

Hutyra  (Budapest). 

Blgnami,  Sülle  febbri  intermittenti  malariche  alunghi 
intervalli.  (Riforma  medica.  1891.  No.  165.  p.  169.) 
Bignami  beschreibt  einen  Fall  von  Malariafieber  mit  durch 
lange  (14—16  Tage)  fieberfreie  Perioden  getrennten  Anfällen,  bei 
welchem  die  Untersuchung  des  Blutes  die  Parasitenvarietät  der 
Tertiana  mit  ihrem  von  Golgi  beschriebenen  charakteristischen  Eot- 
wickelungscyklus  darthat. 

Während  der  Intervalle  ergab  die  Untersuchung  des  Blutes  ein 
negatives  Resultat  und  nur  wenige  Tage  vor  jedem  Fieberanfall  wur- 
den spärliche  Formen  der  Tertiana  wahrgenommen. 

B.  meint,  dass  diese  Fieberform  das  Produkt  einer  Heike 
von  in  fast  gleichen  Intervallen  stattgehabten  Rückfallen  sei  und  das 
man  die  unregelmässigen  Fieber  mit  langen  Intervallen  bei  der  Klassi- 
fikation der  Malariafieber  nicht  zu  einer  besonderen  Gruppe  vereini- 
f[en  könne;  denn  diese  Formen  werden  nicht  allein  durch  die  semi- 
unare  Varietät  des  Malariaparasiten  bedingt,  wie  Golgi  beobachtet 
hat,  sondern  können  auch  durch  die  Parasiten  der  Tertiana  erzeugt 
«ein,  wie  eben  der  vorliegende,  von  B.  beschriebene  Fall  darthat 

Bordoni-Uffreduzzi  (Turin). 

Schellong,  0.,  Die  Malariakrankheiten  unter  spezieller 
Berücksichtigung     tropenklimatischer     Gesichts- 
punkte.    Auf  Grund   von   in   Kaiser-Wilhelms-Land 
(Neu-Guinea)   gemachten   Beobachtungen.    8°.  166  p. 
9  Tfln.    Berlin  1890. 
In  einer  sehr  anziehend,  halb  populär  geschriebenen  Arbeit  legt 
Verf.  die  Erfahrungen,  die  er  in  den  Jahren  1886—88  in  Neu-Guinea 
über  Malaria  zu  sammeln  in  der  Lage  war,  nieder.    Seine  Beobach- 
tungen machte  er  vorwiegend  in  Finschhafen,  glaubt  jedoch,  dass  sieb 
dieselben  auf  das  ganze  Inselgebiet  verallgemeinern  lassen.  Die  Häufig- 
keit der  Malaria  in  jenen  Landen  veranlasst  ihn  zu  dem  Aasspruche, 
dass  die  Frage  von  der  Akklimatisationsfähigkeit  des  Europaers  für]die 
Tropen  nahezu  zusammenfällt  mit  der  Frage  von  der  Akkommodations- 
möglichkeit  desselben  für  die  Malaria.    In  Kaiser-Wilhelms-Land  er- 
krankten in  den  Jahren  1836—88  99%  der  Europäer  an  Malaria,  und 
es  starben  daran  von  den  Malayen  14,  von  den  Europäern  9%.  »Ich 
habe  in  K.-W.-L.  gesehen,  wie  das  Leben  mancher  Europäer  doch 
nicht  viel  Anderes,  als  eine  ununterbrochene  Kette  fortwährender  Er- 
krankungen darstellte."   „Ein  gewisses  gesundheitliches  Risiko  besteht 
für  jeden,  der  sich  an  den  Schauplatz  einer  kolonisatorischen  Th&tig- 
keit  begiebt."    Die  meisten  der  Bewohner  Finschhafens  erkranken 
wiederholt  an  Malaria.    Nach  der  sehr  sorgfältigen  Tabelle,  in  der 
S.  die  Krankheitsverhältnisse  von  37  genauer  beobachteten  Europäern 
zusammengestellt  hat,  bei  denen  die  kürzeste  Beobachtungszeit  7,  die 


Miilari*,  571 

längste  26  Monate  betrag,  hat  der  Europäer  in  Finschhafen  die  Aus- 
sicht, alle  55  Tage  einmal  einer  Fiebererkrankung  anheim  zu  fallen. 
Mit  der  Häufigkeit  der  Anfälle  wächst  die  Gefahr  für  den  Einzelnen. 
Frauen  erkranken  nicht  häufiger,  als  Männer.  Die  sehr  eingehende 
Schilderung  einiger  Fälle  mag  im  Originale  nachgelesen  werden.  Im 
Allgemeinen  lassen  sich  nach  S.  die  tropischen  Malariafieber  eintheilen 
in  fieberhafte  und  fieberlose;  erstere  wieder  in  typische  (Wechselfieber- 
Typus),  atypische,  in  Malaria  biliosa  haematurica  und  endlich  in 
Malaria  comatosa;  letztere  in  Anämie,  Kachexie  und  Neurosen.  Jede 
dieser  Formen  wird  eingehend  geschildert  und  durch  Mittheilung  von 
Krankengeschichten  erläutert.  Schliesslich  werden  die  Komplikationen : 
Pneumonie,  Dysenterie,  Diphtherie,  Furunculosis  und  einige  andere  im 
Anschluss  an  Malaria  zur  Beobachtung  gelangende  Erkrankungen 
und  der  chronische  Milztumor  besprochen. 

Demnächst  wendet  sich  S.  zur  Aetiologie,  die  auch  er  auf  die 
Marchiafava -Celli 'sehen   Plasmodien  zurückführen   zu  müssen 
glaubt,  wenngleich  sie  in  Fällen  von  tropischer  Malaria  noch  nicht 
nachgewiesen  seien.  Nach  der  landläufigen  Ansicht  wird  das  Malaria- 
virus  im  Erdboden   produzirt,  gelangt  vorzugsweise  Nachts  oder  in 
den  Morgen-  und  Abendstunden  aus  dem  Boden  in  die  Luft  und  mit 
dieser  in  die  Wohn-  und  Schlafräume,  und  zwar  in  den  Tropen  am 
häufigsten  zu  Beginn  und  gegen  Ende  der  Regenzeit ;  es  vermag  sich 
nur  bis  zu  einer  gewissen  Höhe  über  den  Erdboden  zu  erheben  und 
nicht  über  das  Wasser  fortzubewegen,  daher  man  auf  Bäumen  und 
Schiffen  vor  Ansteckung  geschützt  ist    S.  hält  dies  alles  für  im  all- 
gemeinen richtig,  macht  aber  noch  auf  einige  Punkte  besonders  auf- 
merksam.   Vor  allem  wendet  er  sich  gegen  die  Annahme,  dass  der 
Genuss  schlechten  Trinkwassers  Malaria  erzeuge  (wofür  er  den  Be- 
weis freilich  schuldig  bleibt.    Denn   das  in  Finschhafen  zum  Genuss 
dienende  Regenwasser  kann  man  doch  nicht  als  gut  bezeichnen).  Dem- 
nächst suchte  er  den  Einfluss  der  Bodenluft  durch  Messungen  fest- 
zustellen und  fand,  dass  in  allen  6  Monaten,  in  denen  die  Unter- 
suchungen stattfanden,  Tendenz  zu  abwärts  gerichteten  Luftströmun- 
gen im  Boden  während  der  Nachtzeit  vorhanden  war,   besonders  in 
den  ungünstigsten  Monaten  Mai  mit  60°/0  und  Juni  mit  54°/0  Er- 
krankungen ;  „dies  spricht  also  keineswegs  für  die  Annahme,  dass 
das  Malariavirus  vorzugsweise  zur  Nachtzeit  aus  dem  Boden  frei 
werde.    Dagegen  glaubt  S.  gefunden  zu  haben,  dass  grosse  Regen- 
mengen die  Entwickelung  des  Malariavirus  hemmen.    Ferner  zeigte 
sich,  dass  enge,  ungenügende  Wohnungen,  Zelte  u.  s.  w.  der  Infektion 
förderlich  sind,  und  mangelhafte  Ernährung  und  ungenügende  Kost 
«inen  sehr  grossen  Antheil  an  derselben  haben.    Strapazen,  Exzesse 
u-  8.  w.  setzen  die  Widerstandsfähigkeit  herab.   Kleidung  und  Lebens- 
alter schien  ohne  Einfluss  zu  sein,  wohl  aber  das  Geschlecht  und  vor 
&]lem  die  Rasse.    Frauen  erkrankten  seltener,  als  Männer.    Die  per- 
niziösen Formen  der  Malaria  biliosa  und  comatosa  entfielen  ausnahms- 
los auf  Europäer  und  Malayen.    In   einem   eigenen  Kapitel   spricht 
Verf.  dann   seine  Theorie  über  die  Malaria-Infektion  aus,   die  mehr 
oder  weniger  hypothetisch  ist  und  im  Originale  nachgelesen  werden 
^e.    Die  Besprechung  der  Prophylaxe  und  Therapie  bildet  den 


572  Malaria. 

SchlußS  der  inhaltreichen  Arbeit  Gute  Kost,  gesunde  Wohnung,  Bäder 
regelmässige  Beschäftigung,  Trockenlegung  von  Sümpfen,  Gebraud 
von  Eisen  und  Cbinin  werden  in  erster  Beziehung  empfohlen 
Therapeutisch  empfiehlt  er  Chinin,  und  zwar  nach  Ablauf  des  Fiebers 
und  bemerkt,  dass  die  zur  Heilung  erforderliche  Chininmenge  fü 
jeden  Fall  verschieden  sei.  Ausserdem  sah  er  gute  Erfolge  vom  Opiat 
und  Chloralhydrat.  Der  Situationsplan  von  Finschhafen  und  9  Tafeli 
Fieberkurven  sind  dem  Werkchen  beigegeben,  das  zwar  nur  wem; 
Neues  für  den  Mikrobiologen,  aber  eine  Reihe  interessanter  Gesichts 
punkte  für  den  Tropenhygieniker  bringt. 

M.  Kirchner  (Hannover). 

Plehn,  F.,  Aetiologische  und  klinische  Malariastudien 
8°.  47  p.  Mit  2  Tfln.  Berlin  (A.  Hirschwald)  1890. 

Verf.  ist  bekanntlich  der  Erste  gewesen,  dem  es  in  Deutschland 
gelang,  die  spezifischen  Malariamikrobien  im  Blute  Intermittensj 
kranker  nachzuweisen.  In  seiner  1.  Veröffentlichung  (Zeitschr.  f.  Hve 
Bd.  VIII.  p.  78  fl.)  berichtete  er  von  3  Fallen,  bei  denen  er  positivj 
Befunde  erhob.  Inzwischen  ist  die  Zahl  derselben  auf  17  angewachsen 
und  Verf.  hat  so  vielseitige  Erfahrungen  in  der  Untersuchungsmethodj 
gesammelt,  dass  die  vorliegende  Arbeit,  welche  das  Ergebniss  diese! 
Arbeiten  enthält,  allseitig  mit  Dank  begrüsst  werden  wird. 

Im  Ganzen  stammte  sein  Material  von  18  Kranken.  Von  4  der 
selben  konnte  er  nur  das  von  anderer  Seite  gesandte  Blut  unter 
suchen,  die  übrigen  14  beobachtete  er  selbst;  von  diesen  18  Kranka 
ergaben  17  ein  positives  Resultat;  der  eine,  an  dem  das  nicht  dei 
Fall  war,  war  ein  mit  grossen  Dosen  Quecksilber  behandelter  Lue 
tiker,  bei  dem,  wie  P.  wohl  richtig  annimmt,  keine  reinen  Verhält 
nisse  vorlagen.  Auf  Grund  dieser  Beobachtungen  behauptet  der  Verf. 
dass  bei  Debung  und  Sorgfalt  in  der  Untersuchung  die  Mikrobiefl 
in  keinem  Falle  von  Malaria  vermisst  werden  würden,  und  dass  dei 
negative  Ausfall  der  Untersuchung  gegen  das  Vorliegen  von  Malaria 
spreche.  In  den  14  Fällen  handelte  es  sich  übrigens  llmal  um 
typische  Intermittens  —  5  mit  quotidianem,  4  mit  tertianero, 
2  mit  quartanem  Typus  — ,  während  die  3  übrigen  mit  unregel- 
mässiger Fieberbewegung  verliefen. 

Seinen  eigenen  Untersuchungsergebnissen  schickt  P.  eine  kurze 
Besprechung  des  jetzigen  Standes  der  Malariafrage  vorauf,  deren 
Verständniss  durch  ein  sehr  vollständiges  Litteraturverzeichniss  am 
Schluss  der  Arbeit  wesentlich  erleichtert  wird.  Schon  in  seiner 
ersten,  oben  zitirten  Arbeit,  ist  diese  Litteratur  aufgeführt 

Mit  grossem  Eifer  Hess  Verf.  es  sich  angelegen  sein,  die  Mikrobien 
zu  züchten  und  Versuchsthiere  —  Hunde,  Kaninchen,  Meerschwein- 
chen, Tauben,  Ratten  und  Frösche  —  mit  Malariablut  zu  impfen, 
aber  alle  diesbezüglichen  Versuche  hatten  keinen  Erfolg. 

P.  musste  sich  daher  darauf  beschränken,  die  Entwickelung  der 
Parasiten  im  menschlichen  Blute  selbst  zu  verfolgen.  Als  beste  Methode 
ergab  sich  für  diesen  Zweck  die  Einbettung  des  Blutes  in  flüssigem 
Paraffin,  in  dem  es  sich  Tage  lang  flüssig,  und  seine  Formelemente 
sich  unverändert  erbalten.    „Um  das  in  dieser  Weise  konservirte  Blut 


MalarU.  573 

lirekt  der  mikroskopischen  Untersuchung  zugänglich  zu  machen,  be- 
mtzte  ich  einen  gewöhnlichen  Objektträger,  welcher  mit  einem,  etwa 
lie  Breite  eines  Deckgläschens  im  Durchmesser  haltenden  flachen 
liog  von  Spirituslack  versehen  war,  als  modifizirten  hohlen  Objektträger. 
£s  wurde  dann  das  wohlgereinigte  Deckglas  aus  einem  Tropfgläschen 
uit  einem  Tropfen  flüssigen  Paraffins  beschickt,  ein  gleicher  auf 
lie  Mitte  der  Objektträgerhöhlung  gethan.  Die  wohlgereinigte  Finger- 
nippe, aus  welcher  ich  das  Blut  entnahm,  bestrich  ich,  um  dein- 
«)ben  keinerlei  Gelegenheit  zu  geben,  an  einem  Fremdkörper  zu 
laften  .  .  .  .,  mit  reiner  Vaseline.  Durch  diese  hindurch  wurde  der 
Nadelstich  geführt,  der  austretende  Blutstropfen  sofort  auf  dem 
Paraffintropfen  des  Deckgläschens  aufgefangen  und  durch  Ueberdecken 
der  ebenfalls  paraffinbedeckten  Objektträgerhöhlung  zwischen  beiden 
Paraffintropfen  in  dünner  Schicht  vertheilt  .  .  .  ."  Die  Untersuch- 
ungen wurden  in  dem  nach  P.'s  Angaben  von  F.  u.  M.  Lautenschläger 
in  Berlin  konstruirten  Heizkasten  vorgenommen.  (S.  diese  Zeitschr. 
Jahrg.  1889.  Bd.  V.)  Zur  Untersuchung  des  Blutes  im  gefärbten 
Deckglaspräparat  bewährte  sich  ihm  am  besten  ein  Gemisch  von 
tiOccm  konzenL  wäss.  Methylenblaulösung,  20  ccm  lV/zo  Eosinlösung 
in  75%  Alkohol,  40  ccm  Aq.  dest.  und  12  Tropfen  einer  20%  Kali- 
lauge. Das  Blut  wurde  vermittelst  eines  schmalen  Glimmerblättchens 
auf  dem  Deckglase  ausgestrichen  und  nach  dem  Trocknen  durch  Be- 
handlung mit  absol.  Alkohol  (6—7  Min.  lang)  fixirt. 

Nach  Schilderung  seiner  Methode  geht  P.  dazu  über,  den  Ent- 
wickelungskreislauf  der  Malariaparasiten  und  die  einzelnen  Parasiten- 
formen zu  beschreiben.    Bei  einem  typisch  verlaufenden  Tertianafall 
findet  man   2—3  Stunden   nach  Abfall  des  Fiebers   im   Blute   eine 
ziemlich  reichliche  Anzahl  kleiner,   weniger  lichtbrechender,  blasser 
Körpereben  von  nicht  ganz  scharfem  Kontour  und  ziemlich  schneller 
Beweglichkeit,   ausgerüstet  mit    1—3,   ihren   Durchmessar   um   das 
3—  6fache  an  Länge  übertreffenden  Geissein  von  äusserster  Feinheit, 
welche  jedoch  an  den  endoglobulären  Parasiten  nicht  deutlich  erkenn- 
bar sind.    Am  Morgen  des  folgenden  —  des  fieberfreien  —  Tages 
sind  die  Parasiten  zum  grössten  Theil  in  die  rothen  Blutkörperchen 
eingedrungen,  erheblich  gewachsen,  bis  zur  halben  Grösse  des  Blut- 
körperchens, und  mit  glänzenden,  dunkeln,  braunrothen,   stark  licht- 
brechenden Körnchen  und  Stäbchen  angefüllt.    Im  Laufe  des   Tages 
und  den  folgenden  Tag  wird,  während  der  Parasit  wächst,  der  Blut- 
körper blasser  und   blasser;   im   Parasiten  entstehen   ein   bis   zwei 
scharf  kontourirte  helle  Flecken  —  Kern  mit  Kernkörpereben.  Mit  dem 
Beginn  der  Theilung  —  nach  48  Stunden  —  tritt  ein  Fieberanfall 
ein.    Die  Pigmentkömer  im  Innern  werden  beweglicher  und  begeben 
sich  an  die  Peripherie,  während  im  Innern  eine  Menge  heller,  stark  licht- 
brechender und  allmählich  mit  immer  deutlicherem  ovalem  Kontour  sich 
^gebender  Körperchen  sichtbar  werden,  die  nach  einiger  Zeit  frei  werden 
und  in  das  Blutplasma  ausschwärmen  (Sporen),  die  dann  ihrerseits 
wieder  in  die   amöboide  Form  übergehen.    Ausser  der  Sporulation 
kommt  auch   Theilung  vor.     Nach  den  Beobachtungen  von  P.  sind 
die  Amöben-Formen  sehr  empfindlich  gegen  mannigfache  äussere  Ein- 
flüsse chemischer  und  thermischer  Natur. 


574  Malaria. 

Golgi  bat  bekanntlich  angegeben,  dass  man  im  Stande  sei,  aus 
der  sich  dem  Auge  darbietenden  Form  der  Parasiten  nicht  nur  die 
Krankheit  zu  diagnostiziren ,  sondern  auch  die  Phase,  den  Typus, 
die  Prognose  und  die  Intensität  des  nächsten  Anfalls  zu  bestimmen 
P.  hält  dies  für  sehr  schwer  und  traut  es  sich  nicht  zu,  auch  bat  er 
sich  von  dem  von  Golgi  behaupteten  Unterschied  zwischen  den  Para- 
siten der  tertianen  und  der  quartanen  Fieber  nicht  tiberzeugen  kdooeo. 

Die  Parasitenformen,  in  deren  Entwickelungskreislauf  grosse,  mit 
äusserst  stark  entwickelten  Geissein  und  eigenthümliche  halbmond- 
und  spindelförmige  Körperchen  gehören,  betrachtet  P.  aus  Granden, 
die  im  Original  nachzulesen  sind,  als  nicht  zu  den  eigentlichen  Malaria- 
parasiten gehörig,  sondern  als  Ausdruck  einer  Mischinfektion.  Während 
die  Malariaparasiten  auf  Chinin  prompt  reagiren,  war  dies  bei  jenen 
andern  Formen  gar  nicht  der  Fall. 

Nach  seinen  Untersuchungen  ist  P.  der  Ansicht,  dass  die  amö- 
boide Form  der  Malariaparasiten  obligat  parasitisch  ist,  dass  die 
Sporen  dagegen  auch  ausserhalb  des  Körpers  zu  existiren  vermögen. 
Ihre  Klassifizirung  im  Thierreich  hält  er  bei  dem  jetzigen  Stande 
unserer  Kenntniss  für  noch  nicht  möglich. 

Sehr  warm  spricht  P.  für  die  prophylaktische  Anwendung  des 
Chinins.  Therapeutisch  empfiehlt  er  während  des  Froststadiums 
wiederholte  Gaben  von  0,5  g  Antipyrin  und  beisse  Bäder  von  32  bis 
35°  R,  kurze  Zeit  nach  dem  Ablauf  des  Anfalls  Chinin,  und  zwar 
bei  Darniederliegen  der  Magenfunktion  in  Form  von  subkutanen  oder 
intravenösen  Injektionen,  und  zwar  solange,  bis  keine  Parasiten  mehr 
im  Blute  nachweisbar  sind. 

Die  fleissige  und  überaus  inhaltreiche  Arbeit  gehört  zu  dem 
Besten,  was  über  Malaria  geschrieben  worden  ist  und  sei  eingehen- 
derem Studium  warm  empfohlen.  Vier  farbige  Bilder  —  Blut  5 
Stunden  nach  der  Entfieberung,  Blut  gegen  Abend  des  fieberfreien 
Tages,  Blut  kurz  vor  dem  Schüttelfrost  und  endlich  Blut  mit  Spindel- 
und  Halbmondformen  —  tragen  zum  Verständniss  in  vorzüglicher 
Weise  bei.  M.Kirchner  (Hannover). 


Spener,  C,  Ueber  den  Krankheitserreger  der  Malaria. 
Zusammenfassender  Bericht.  (S.-A.  aus  „Biolog.  CentraM" 
Bd.  XI.  1891.  No.  12—14.)  8°.  46  p.  Leipzig  (Eduard  Besold)  1891. 
In  der  vorliegenden  Arbeit  gibt  Verf.  eine  üebersicht  über  die 
gesammte  bis  zum  1.  4.  1891  erschienene  Litteratur  zur  Frage  des 
von  La  vor  an,  Marchiafava  und  Celli  entdeckten  Malariapara- 
siten.  Im  I.  Tbeil  bespricht  er  die  chronologisch  geordneten  Arbeiten 
in  ihrer  gegenseitigen  Beziehung,  im  II.  Theil  macht  er  den  Versuch 
einer  genauen  systematischen  Schilderung  des  Parasiten  auf  Grund 
der  angegebenen  Arbeiten.  Er  schildert  zunächst  das  amöboide 
Stadium  in  seinen  einzelnen  Formen  und  Entwicklungsstufen,  sodann 
den  sichelförmigen  Typus  mit  seinen  verschiedenen  Abarten;  er  be- 
spricht dann  die  Beziehung  der  einzelnen  Formen  zu  den  verschie- 
denen Fiebertypen,  giebt  die  als  Degenerationsformen  gezeichneten 
Gestaltsveränderungen  an,   kennzeichnet  die  Wirkung  des  Parasiten 


Nachträge  su :  Die  Neuerungen  auf  d.  Gebiete  d.  b*kt.  Untersuchangsmeth.  etc.  57{> 

auf  den  Körper  des  Menschen  im  allgemeinen,  auf  das  Blut  im  be- 
sondern, erwähnt  die  Kultur-  und  Impfversuche  und  schliesslich  noch 
die  Untersuchungsmethoden.  Autoreferat. 

Langer,  Ueber  die  Häufigkeit  der  Entoparasiten  bei 

Kindern.    [Aus  Prof.  E  p  s t  e  i  n  's  Kinderklinik  in  Prag.]    (Prager 

medizinische  Wochenschrift  1891.  No.  6.) 

Die  Dorfkinder  sind  nach  der  Zusammenstellung  des  Verf.'s  weit 

mehr  (57,31  °/0)  mit  Helminthen  behaftet,  als  Stadtkinder  (16,66  °/0). 

Der  häufigste  Parasit  der  Landkinder  ist  Ascaris  lumbri- 

coid es  (52,03 °/o)»  dann  folgt  Trichocephalus  dispar (14,63 °l?)> 

Oxyuris  vermicularis  (7,31  °/0).     Bei    den    Stadtkindern    ist 

der  häufigste  Darmparasit  Oxyuris  vermicularis  (11,11  °/0). 

Dittrich  (Prag). 


Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Nachträge  zu: 

Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete  der  bakteriologischen 

Untersuchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 

Zusammenfassender  Bericht 

▼on 

Dr.  L.  Heim, 

k.  b.  Stabsarzt  und  Privatdoaenten. 

Zu  Abschnitt  IV  (3.  Absatz  v.  h.)  Reagenzkulturen  auf  festen 
Nährböden  werden  auf  einfache  Weise  mit  Wasserstoff  gefallt,  indem 
man  sie  umgekehrt  kurze  Zeit  über  die  Ausströmungsöffnung  des 
Gases  hält.  Fuchs  (8.  11)  bat  dies  mit  Kulturen  auf  Loeffl er- 
schein Rinderblutserum  gemacht  und  den  Verschluss  mit  Gummi- 
stopfen und  Paraffin  hergestellt,  Blücher  (9.  292)  tauchte  die  ge- 
impften Agar-  oder  Gelatineröhrchen  mit  der  Mündung  unter  ver- 
dünntes Glycerin  und  leitete  5  Minuten  lang  H  ein. 

Zu  Abschnitt  VI.  Sterilisirungsapparate;  1.  Abs.  Nach  einem 
ähnlichen  Prinzip  wie  der  Ostwalt'sche  Apparat  ist  der  bewährte 
Dampfcylinder,  welchen  Settegast1)  und  in  verbesserter  Form 
C. Schimmelbusch f)  beschrieben,  von  F.  &  M.  Lautenschlä- 
ger konstruirt.  Durch  die  im  Laufe  der  Zeit  angebrachten  Vervoll- 
kommnungen (zweckmässige  Konstruktion  der  Heizschlange,  Ausführung 
des  Dampfes  durch  eine  in  Mitte  des  Bodens  gelegene  Oeffnung, 
Znrückführung  des  Kondenswassers  in  den  Apparat)  ist  er  als  das 
beste  Instrument  seiner  Art  anzusehen.  Zunächst  für  chirurgische 
Zwecke  bestimmt,  lässt  er  sich  auch  in  bakteriologischen  Laboratorien 

1)  Centralbl.  f.  Chirurgie  90.  6. 

2)  Arb.  a.  r.  Bergmann'»  chir.  Klinik.  V.  S.  A.  16. 


576      Schutzimpfung,  künstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelnngsbemmung  etc. 

vcrwendcu,  auch  haben  ihn  F.  &  M.  Lauten  seh  läger  jetzt   in 
kleineren  Dimensionen  ausgeführt. 

Zu  Abschnitt  IX.  2.  Abs.  Loeffler1)  stellte  aus  Diphtherie- 
kulturen auf  Fleischbrei  ein  für  Meerschweinchen  bei  interperitonealer 
Applikation  tödtliches,  subkutan  beigebracht  zu  Hautnekrose  führendes 
Gift  folgendermassen  dar :  4—5  Tage  alte  Kulturen  wurden  mit  reich- 
lich Glycerin  übergössen,  geschüttelt  und  24  Stunden  im  Brutschrank 
belassen ;  der  Glycerinauszug  wurde  mit  dem  5  fachen  Volum  absoluten 
Alkohols  gefällt,  der  Niederschlag  nach  24  Stunden  abfiltrirt,  mit 
Alkohol  ausgewaschen,  unter  Vermeidung  höherer  Temperaturen  ge- 
trocknet und  in  wenig  Wasser  aufgenommen ;  die  Lösung  wieder  mit 
Alkohol  versetzt  unter  gleichzeitiger  Durchleitung  von  COt,  der  weisse 
Niederschlag  abermals  abfiltrirt,  getrocknet  und  in  Wasser  gelöst. 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Tlzzonl,  G.,  e  Cattanl,  G.,  LMmmunitä  contro  il  tetano 
studiata  negli  animali  molto  recettivi  per  questa 
infezione  (cavia,  coniglio,  topo).  (La  Ri forma  med.  1891. 
No.  183,  184.  p.  385,  397.) 

Verff.  vervollständigen  ihre  früheren  Mittheilungen1)  über  das 
Wesen  der  Immunität  gegen  Tetanus  bei  wenig  empfänglichen  Thieren 
(Hund,  Taube)  durch  weitere  Untersuchungen  an  sehr  empfänglichen 
Thieren  (Meerschweinchen,  Kaninchen,  Ratte)  und  suchten  gleichzeitig 
die  Identität  oder  Verschiedenheit  der  immunisirenden  Stoffe  im  Blut- 
serum der  beiden  Thiergruppen  festzustellen.  Sie  benützten  bei  diesen 
Versuchen  wiederum  dieselben,  unter  H  bei  37  °  entwickelten  Tetanus- 
Gelatinekulturen,  die  durch  Porzellan  filtrirt  und  im  Vacuum  bei  40  ° 
auf  Vs  ihres  ursprünglichen  Volumens  eingedampft  worden  waren. 
Deren  Toxizität  wurde  durch  Kontrollimpfungen  an  den  erwähnten 
T hierar teu  sichergestellt. 

Kaninchen,  die  mittelst  abgeschwächter  Tetanuskulturen  hervor- 
gebrachte, mehr  oder  minder  leichte  lokale  Formen  des  Tetanus  über- 
standen hatten,  unterliegen,  wie  Verff.  andern  Orts  ■)  anführten,  einer 
nachfolgenden  Injektion  von  1/8  — 1/8  cem  der  filtrirten  Kultur  gerade 
so  wie  die  Kontrollthiere,  weil  diese  Dose,  wie  sich  nunmehr  heraus- 
stellt, zum  Nachweise  der  erreichten  relativen  Immunität  zu  gross 
war.  Ebensowenig  vermochten  Jodtrichlorürinjektionen  eine  nachfolgende 
Tetanusintoxikation  zu  hindern;  es  muss  eine  spezifische  Wirkung 
des  Jodtrichlorürs  bei  der  Erzeugung  von  Immunität  gegen  Tetanas 
ausgeschlossen  bleiben. 


1)  D.  m.  W.  90.  6.  109. 

2)  Dieses  Central bl.  Bd.  IX.  p.  189,  685 ;  Bd.  X.  p.  33 ;  auch  La  Riforma  med. 
1891.  No.  10,  102,  126. 

8)  Untersuchungen    über  das  Tetauusgift.    (Arch.  f.   exper.    Palhol.    u.   Pharmak. 
XXVII.  p.  432,  auch  d.  Ceutralbi.  Bd.  IX.  p.   190.)  I 


Sehntsunpfang,  kfiastl.  Infektionskrankheiten,  EntwickdangtheinmuDg  etc.      577 

Bei  den  vorliegenden  Versuchen  lösten  Verff.  an  den  Kaninchen 
zunächst  leichte  Tetanusformen  aus,  indem  sie  die  erste  Intoxikation 
der  Versuchstiere  mit  filtrirten  Tetanuskulturen  bewerkstelligten, 
deren  Toxizität  durch  Einwirkung  von  Blutegelextrakt  oder  Tetanus- 
Antitoxin  herabgesetzt  worden  war.  Als  die  tetanischen  Erscheinun- 
gen verschwunden  waren  und  der  allgemeine  Ernährungszustand  der 
Thiere  sich  wieder  gehoben  hatte,  erhielten  diese  einen  Tropfen  nicht 
abgeschwächter  Tetanuskultur  injizirt,  auf  welchen  sie  nicht  mehr 
reagirten,  während  frische  Kontrollthiere  prompt  an  Tetanus  zu  Grunde 
gingen.  Hierauf  wurde  mit  den  Injektionen  nicht  abgeschwächter 
Tetanuskulturen  in  steigenden  Dosen  mit  2tägigen  freien  Intervallen 
fortgefahren,  bis  die  Thiere  1  ccm  filtrirter  Kultur  ohne  Störung  ver- 
trugen, demnach  das  500 fache  jener  Menge,  welche  hinreicht,  ein 
Kaninchen  in  79  Stunden  zu  tödten.  Diese  übertragene  und  nahezu 
absolute  Immunität  dürfte  ihren  Grund  in  der  vorangegangenen  leichten 
Intoxikation  haben,  durch  welche  im  Organismus  eine  grössere  Wider- 
standsfähigkeit gegen  die  später  applizirten  tödtlichen  Kulturmengen 
geschaffen  wird.  Denn  erhält  ein  frisches  Kaninchen  Injektionen  mit 
Blutserum  von  einem  derart  immunisirten  Kaninchen  und  lässt  man 
Dach  einigen  Tagen  einen  Tropfen  filtrirter  Kultur  folgen,  so  kann  es 
dann  nach  dem  Verschwinden  der  erzeugten  tetanischen  Erscheinungen 
durch  ansteigende  Dosen  von  Tetanuskultur  ohne  neuerlich  auftretende 
KraDkheitssymptome  gleichfalls  absolut  immun  gemacht  werden.  Mit 
durch  Wärme  (15  Minuten  lange  Einwirkung  von  60°  C)  abge- 
schwächten filtrirten  Tetanuskulturen  gelang  es  nie,  bei  Kaninchen 
irgend  einen  Grad  von  Immunität  zu  Stande  zu  bringen. 

Der  weissen  Ratte  kann  durch  Injektionen  von  Blutserum  eines 
gegen  Tetanus  immunisirten  Hundes,  bezw.  mit  dem  alkoholischen 
fräcipitate  aus  demselben  eine  gewisse  Immunität  verliehen  werden, 
die  indes  sowohl  in  Bezug  auf  deren  Zeitdauer,  als  auf  die  Höhe  der 
zu  vertragenden  Kulturmengen  eine  sehr  begrenzte  ist.  Lässt  man 
jedoch  nach  der  Erzielung  dieser  relativen  Immunität  eine  ähnliche 
Behandlung  wie  bei  dem  Kaninchen  nachfolgen,  so  vertragen  die 
Thiere  schliesslich  ohne  jede  Störung  15—20  Tropfen  der  filtrirten 
Kultur. 

Das  Meerschweinchen  kann  ebenfalls  nach  demselben  Verfahren 
einen  höheren  Grad  von  Immunität  gegen  Tetanus  erlangen,  nur  ist 
<*  bei  diesem  Thiere  seiner  grossen  Empfänglichkeit  halber  nöthig, 
den  ersten  Grad  der  Immunität  mittelst  Blutserum  vom  immunen 
Kaninchen  oder  Hunde  hervorzubringen. 

.  Um  demnach  Immunität  gegen  Tetanus  bei  sehr  empfänglichen 
Ihieren  zu  erzeugen,  genügt  es  nicht,  wie  beim  Hunde  und  bei  der 
Taube  mit  Injektionen  von  Tetanuskulturen  in  ansteigenden  Dosen  zu 
beginnen,  sondern  es  muss  bei  dieser  Thiergruppe  vorher  erst  jener 
("ad  relativer  Immunität  hervorgerufen  werden,  wie  er  bei  den  weniger 
empfänglichen  Thieren  bereits  normalerweise  vorhanden  ist 

Das  Blutserum  von  gegen  Tetanus  immunisirten  Kaninchen  be- 
sitzt je  nach  dem  Immunitätsgrade  ein  verschieden  hohes  an ti toxisches 
und  immunisirendes  Vermögen.  War  die  Immunität  des  Kaninchens 
au*  jene  Höhe  gebracht  worden,  dass  es  4  Tropfen  der  eingedampften 


578      Schutzimpfung,  kfinstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelungshemmoug  etc. 

Kultur  ungeschädigt  vertragen  konnte,  so  vermochte  dessen  Blut- 
serum in  vitro  die  Giftigkeit  filtrirter  Tetanuskulturen  zu  vermindern 
und  im  Organismus  anderer  Thiere  eine  gewisse  immunisirende  Wir- 
kung gegen  dieselben  Kulturen  zu  entfalten.  Letztere  steht  in  Be- 
ziehung mit  der  verschiedenen  Empfänglichkeit  der  Thiere,  sie  ist 
grösser  bei  der  weissen  Ratte,  kleiner  beim  Kaninchen  und  tritt  beim 
Meerschweinchen  gar  nicht  auf.  Als  das  immunisirte  Kaninchen  1  ccm 
Kultur  ohne  Reaktion  vertragen  konnte,  zerstörte  dessen  Blutserum  in 
vitro  die  Toxizität  der  filtrirten  Kulturen  gerade  so,  wie  das  Serum  des 
immunen  Hundes,  während  die  immunisirende  Wirkung  eine  noch 
höhere,  als  jene  des  letzteren  war,  allerdings  mit  den  erwähnten  Ein- 
schränkungen in  Bezug  auf  deren  Zeitdauer  und  die  Höhe  der  nicht 
reagirenden  Kulturdosen. 

Versuche  über  die  Heilwirkung  des  Blutserums  von  immunen 
Kaninchen  führten  nur  bei  der  weissen  Ratte  zu  positiven  Resultaten 
Als  nach  dem  Auftreten  der  ersten  Tetanussymptome  endoperitoneale 
Injektionen  mit  dem  Blutserum  vorgenommen  wurden,  gelang 
es,  die  vollständige  Entwickelung  der  Krankheit  zu  verhindern  und 
die  Erscheinungen  nach  und  nach  aufhören  zu  machen.  Der  Verlauf 
des  experimentellen  Tetanus  wurde  jedoch  durch  die  Seruminjektionen 
nicht  beeinflusst,  wenn  entweder  die  verimpfte  Kulturmenge  ein  be- 
stimmtes Mass  überschritten  hatte  oder  die  Behandlung  mit  Blut- 
serum erst  in  einem  späteren  Stadium  der  Krankheit  begann. 

Zwischen  dem  Blutserum  vom  immunisirten  Hunde  und  von  der 
Taube  und  jenem  des  immunisirten  Kaninchens  bestehen  demnach  be- 
züglich ihrer  immunisirenden  und  kurativen  Wirkungen  bemerkens- 
werte Unterschiede.  Mit  ersterem  kann  nur  die  Ratte,  mit  letzterem 
auch  das  Kaninchen  und  das  Meerschweinchen  immunisirt  werden; 
jenes  besitzt  gar  kein  kuratives  Vermögen,  dieses  übt  eine  solche 
Wirkung  bei  Ratten  aus.  Hieraus  kann  gefolgert  werden,  dass  das 
von  für  Tetanus  sehr  empfänglichen  Tbieren  stammende  Antitoxin 
mit  einer  viel  höheren  Wirksamkeit  versehen  ist,  als  das  von  weniger 
empfänglichen  Thieren  gebildete. 

Das  Tetanus-Antitoxin  aus  dem  Blute  immunisirter  Kaninchen 
(gleich  jenem  des  Hundes)  dialysirt  nicht  und  wird  durch  absoluten 
Alkohol  ausgefällt,  wobei  es  seine  antitoxischen,  immunisirenden  und 
kurativen  Eigenschaften  beibehält,  gleichviel,  ob  das  Präcipitat  mit 
Wasser  aufgenommen  oder  mit  Glycerin  extrahirt  wird.  Es  lässt  sich 
auch  mit  Magnesiumsulfat  niederschlagen,  muss  daher  als  ein  Globulin 
angesehen  werden  und  besitzt  die  wesentlichsten  Merkmale  der  Enzyme. 
Das  Antitoxin  aus  Kaninchenblutserum  differirt  von  jenem  aus  Hunde- 
blutserum  durch  seine  höhere  Widerstandsfähigkeit  gegen  die  Ein- 
wirkung chemischer  und  physikalischer  Agentien,  namentlich  von 
Säuren  und  Wärme.  Das  Hundeserum-Antitoxin  verliert  seine  anti- 
toxische  Wirkung  durch  Kontakt  mit  Milch-  oder  Salzsäure,  das  Ka- 
ninchenserum-Antitoxin behält  unter  den  gleichen  Versuchsbedingungen 
seine  volle  Wirksamkeit  bei.  Letzteres  widersteht  einer  halbstündigen 
Einwirkung  von  68  °  C  sehr  gut,  wird  bei  75  °  kaum  merklich  ab- 
geschwächt und  verliert  bei  80°  noch  nicht  alle  Wirkung,  während 
das  erstere  nach   halbstündiger  Erhitzung  auf  68  °  alle  seine  Wirk- 


Bftktoriologuchea  vom  VII.  intornatioiuJen  Kongrcss  in  London.  579 

samkeit  eiogebüsst  hat  Das  Tetanus-Antitoxin  ist  auch  beim  Ka- 
ninchen (wie  beim  Hunde)  nur  im  Blute,  nicht  aber  in  den  Organen 
oder  Geweben  vorhanden. 

Verff.  halten  dafür,  dass  mit  dem  Blutserum  oder  dem  Antitoxin 
von  gegen  Tetanus  immunisirten,  sehr  empfänglichen  Thieren,  wie 
z.  B.  des  Kaninchens,  auch  beim  Menschen  Tetanus  lokalisirt  und 
die  noch  nicht  befallenen  Theile  gewissermassen  gegen  Tetanus  im- 
munisirt  werden  könnten.  Kräl  (Prag). 

ftnntz,   J.,    Ueber     die     Chromwasserbehandlung    der 
Syphilis.  (Mediz.  Wander- Vorträge.  Hft.  XIII.)  Berlin  (Fischers 
med.  Buchhandlung)  1889. 
Das  zuerst  von    Puche,    später  von    Robin   und  Vincent 
empfohlene  Chrom  als  Mittel  gegen  die  Syphilis,  das  später,  nament- 
lich nach  ungünstigen  Beobachtungen  von  Heyfelder,  Boeck  u.  a., 
ganz  fallen  gelassen  worden  ist,  wird  vom  Verf.  als  Spezifikum  gegen 
Syphilis  warm  empfohlen  und  in  seinen  physiologischen,  therapeuti- 
schen und  prophylaktischen  Wirkungen  beschrieben.    Als  beste  Form 
hat  er  ein  nach  seinen  Angaben   von  0.  Li  sc  he  in  Plauen-Dresden 
hergestelltes   kohlensaures  Chromwasser  erprobt     Der   mit  grosser 
Vorliebe  für  dieses  Mittel  geschriebene  Aufsatz  hat  kein  bakteriologi- 
sches Interesse.  M.  Kirchner  (Hannover). 

Chelmonskl,  Ueber  den  Einfluss  akuter  fieberhafter  Er- 
krankungen auf  den  Verlauf  der  chronischen  Lun- 
gentuberculose.    (Dtsch.  med.  Wochenschr.  1891.  No.  14) 

Verf.  theilt  2  Krankheitsfälle  aus  seiner  Beobachtung  mit,  in 
denen  eine  sicher  festgestellte  Lungentuberculose  anscheinend  unter 
dem  Einfluss  einer  hinzugetretenen  akuten,  fieberhaften  Erkrankung 
geheilt  oder  wenigstens  bedeutend  gebessert  war. 

Im  ersten  Falle  handelte  es  sich  um  eine  Frau,  welche  durch 
eine  rechtsseitige  Pneumonie,  deren  tuberculöse  Natur  durch  den 
Befund  von  Bacillen  im  Auswurf  sichergestellt  war,  schon  sehr  viel 
Kräfte  verloren  hatte.  Ein  hinzugetretenes  Gesichts-  und  Kopferysipel, 
welches  von  einem  wahrscheinlich  gleichfalls  tuberculösen  Rachen- 
geschwür ausging  und  6  Tage  anhielt,  hatte  den  üben  aschenden  Er- 
folg, dass  die  Bacillen  im  Auswurf  gänzlich  und  die  physikalisch 
nachweisbaren  Krankheitszeichen  über  deu  Lungen  fast  vollkommen 
verschwanden,  und  dass  die  Kranke  das  Gefühl  der  Gesundheit  wieder- 
erlangte. 

Im  zweiten  Falle  bekaiq  ein  Arzt,  welcher  an  rechtsseitiger 
Spitzenaffektion  litt  und  mit  seinem  Auswurf  täglich  grosse  Massen 
von  Tuberkelbacillen  expek torirte ,  einen  Flecktyphus.  Im  Verlaufe 
dieser  Krankheit  verschwanden  die  Bacillen  aus  dem  Auswurf,  und 
3  Monate  später  war  weder  Husten,  noch  Schweiss,  noch  Frösteln  mehr 
vorhanden.  Der  Auswurf  beschränkte  sich  auf  ganz  spärliche  Reste, 
über  der  erkrankten  Spitze  liess  sich  nur  noch  eine  „sehr  leichte 
narbige  Verdichtung44  nachweisen,  und  das  Körpergewicht  nahm  inner- 
halb eines  einzigen  Monats  um  20  Pfund  zu  (nachdem  es  allerdings 
während  des  Typhus  um  30  Pfund  gefallen  war). 

37* 


580  Bakteriologisch  es  Tom  V1L  internmUon*len  KoogreM  sa  London. 

Verf.  glaubt  aus  diesen  Beobachtungen  schliessen  zu  dürfen,  das 
das  Fieber  die  Tuberkelbacillen  zu  vernichten  im  Stande  ist.  Er 
beruft  sich  auf  die  von  Fehleisen  und  Schwimmer  mitgetheilteii 
Fälle  einer  günstigen  Beeinflussung  des  Lupus  durch  Erysipel  und 
sieht  in  der  durch  Ga  male  Ja  berichteten  Zerstörung  der  Milzbrand- 
bacillen  im  fiebernden  Körper  (diese  Zeitschrift.  1888.  S.  213)  eine 
ähnliche  Erscheinung.  Auch  erwähnt  er,  dass  nach  Fodor  (diese 
Zeitschrift.  1890.  No.  24)  das  Blut  bei  einer  Temperatur  von  38-40°  C 
die  grösste  Fähigkeit  besitzt,  Bakterien  zu  tödten. 

Den  Einwand,  dass  ähnliche  Fälle  einer  günstigen  Beeinflussung 
der  Tuberculose  durch  akute  fieberhafte  Krankheiten  noch  wenig  be- 
obachtet sind,  weist  er  mit  der  Behauptung  zurück,  dass  Schwind- 
süchtige nur  selten  von  solchen  Krankheiten  befallen  werden;  eine 
Annahme,  welche  er  durch  statistische  Daten  zu  stützen  sucht.  Den 
nichts  weniger  als  günstigen  Einfluss  des  hektischen  Fiebers  bei 
Phthise  erklärt  er  dadurch,  dass  der  Körper  derartiger  Kranken  Dicht 
mehr  genug  Lebensenergie  besitzt,  um  die  für  die  Bekämpfung  des 
Fiebers  nöthige  Reaktion  hervorzurufen.  Deswegen  wirkt  in  solchen 
Fällen  das  Fieber  nur  schädlich,  indem  es  die  Resistenzfähigkeit  des 
Organismus  herabsetzt  Kubier  (Berlin). 


Originalberichte  über  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10.— 17.  August  1891. 

(Fortsetiung.) 

Sektion  für  Bakteriologie. 

Bei  den  Vögeln  haben  die  Parasiten,  auch  die  mit  schnelle® 
Entwickelungscyklus,  keine  amöboide  Bewegung.  Eine  Erinnerung 
an  sie  ist  in  den  Fortsätzen  oder  Pseudopodien,  welche  die  Parasiten 
des  langsamen  Cyklus  ausstossen,  vorhanden.  Diese  werden  durch 
lebendige  Aktivität  verlängert ;  hört  letztere  auf,  so  werden  sie  rund. 
Während  des  Wachsthums  gestalten  sich  die  Parasiten  auch  nach 
der  Form  des  rothen  Blutkörperchens,  seitlich  zum  Kerne  oder 
um  diesen  herum.  Die  zur  Ruhe  gekommenen  Parasiten  baben 
runde  Form. 

Bei  den  kaltblütigen  Thieren  sind  in  langsamer  amöboider  Be- 
wegung nur  die  Parasiten  von  einer  kurzen  endoglobulären  Pb*se 
und  in  wurmähnlicher  Bewegung  die  extraglobulären.  Die  verlängerte 
Form  ist  ziemlich  vorherrschend ;  rund  ist  sie  nur  in  der  kurzes 
Phase,  welche  mit  der  Sporulation  endigt.  Speziell  die  Parasiten  der 
Frösche  gestalten  sich  nicht  nach  der  Form  des  rothen  Blutkörper- 
chens, indem  sie  stets  kleiner  bleiben  und  sich  hakenförmig  um  sich 
selbst  und  nicht  um  den  Kern  biegen,  wie  bei  den  Vögeln. 


Bakteriologisches  rom  VII.  intcrnatloDalen  Kongrass  in  London.  ggj 

2.  Struktur. 

Bei  allen  endoglobulären  Parasiten  ist  ein  mehr  konsistentes  und 
mehr  färbbares  Ektoplasma,  ein  mehr  flüssiges  und  weniger  färbbares 
Eütoplasroa  und  in  diesem  ein  Kern,  manchmal  mit  Kernkörperchen 
und  Kerngerüst  vorhanden.  Man  kann  auch  das  ganze  Entoplasma 
als  Theil  des  Kernes  und  diesen  als  blasenähnlich  ansehen. 

Beim  Menschen  jedoch  ebenso  wie  bei  den  Vögeln  wird  diese 
Struktur  durch  die  Färbungen  (z.  B.  am  frischen  Präparat  mit  Me- 
thylenblau, aufgelöst  in  Ascitesflüssigkeit)  zur  Anschauung  gebracht ; 
am  frischen  Präparat  ist  sie  häufig  ohne  Färbung  bei  den  auf  dem 
Wege  zur  Degeneration  befindlichen  Formen  sichtbar.  Nur  bei  den 
Reptilien  und  selten  bei  den  Fröschen  ist  sie  am  frischen  Präparat 
auch  in  den  jungen,  auf  dem  Wege  zur  endoglobulären  Entwicklung 
begriffenen  Formen  sichtbar. 

Protoplasmatische  färbbare  Körnchen  im  Ektoplasma  kommen 
beim  Menschen  nur  manchmal  bei  den  degenerativen  Formen  vor. 
Sie  beginnen  zu  erscheinen,  sind  aber  selten  bei  den  langsam  sich  ent- 
wickelnden Parasiten  derColumbalivia,  wachsen  bei  einigen  Vögeln 
(Strixflammea  etc.),  sind  häufig  bei  den  Fröschen  und  sehr  zahlreich 
bei  einigen  Reptilien  (Cestudo  europaea),  bei  welchen  das  ganze 
Protoplasma  der  Parasiten  um  den  Kern  körnig  ist. 

Ausser  den  protoplasmatischen  Granulationen  kann  man  hämo- 
globinartige oder  schwarze  durch  Umwandlung  von  Hämoglobin  er- 
balten.   Diese  führen  uns  zur  näheren  Betrachtung  der 

3.  Beziehungen  zum  rothen  Blutkörperchen. 

Die  Parasiten  des  Menschen  und  die  der  Vögel  führen  ein  enges 
parasitär-endoglobuläres  Leben,  d.  h.  sie  ernähren  sich  auf  Kosten 
des  Hämoglobins,  welches  sie  in  Melanin  umsetzen,  wodurch  die  Mela- 
nämie  und  die  Zerstörung  des  rothen  Blutkörperchens  entsteht  Bei 
einigen  Vögeln,  nämlich  in  den  Formen  mit  langsamem  Entwicke- 
lungscyklus,  sind  die  Melaninkörnchen  nicht  geradezu  schwarz,  son- 
dern nur  dunkel;  bei  anderen  sind  sie  spärlich  und  zwischen  die 
obengenannten  protoplasmatischen  Formen  eingestreut. 

Beim  Menschen  und  bei  den  Vögeln  sind  andere  Zerstörungs- 
arten des  rothen  Blutkörperchens  die  vorzeitigen  Entfärbungen  und 
die  Faltung  mit  Verwandlung  in  die  Farbe  alten  Messings. 

Bei  den  kaltblütigen  Thieren  kommen  gar  keine  schwarzen  Körn- 
chen vor.  Meist  wird  das  Hämoglobin  nicht  berührt,  das  rothe  Blut- 
Körperchen  nicht  zerstört,  selten  entfärbt.  Das  endoglobuläre  Leben 
lst  nicht  mehr  eng,  sondern  symbiotisch. 

Ferner  invadiren  beim  Menschen  und  bei  den  Vögeln  die  Para- 
siten, eine  je  langsamere  Entwickelung  und  eine  je  verzögertere  Spo- 
fnlation  sie  haben,  um  so  mehr  das  rothe  Blutkörperchen,  bis  sie 
*?ine  Grösse  erlangen.  Bei  den  Vögeln  jedoch  invadirt  selten  ein 
einziger  Parasit,  selbst  mit  langsamem  Entwickelungscyklus,  das 
ganze  rothe  Blutkörperchen.  Bei  den  kaltblütigen  Thieren  und  ganz 
speziell  bei  den  Fröschen,  die  auch  eine  langsam  sich  verlängernde 
Entwickelung  haben,  invadiren  sie  schliesslich  nicht  mehr  das  ganze 


582  Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress  in  London. 

rothe  Blutkörperchen  and  bleiben  stets  von  einer  geringeren  Grösse, 
als  dasselbe. 

4.  Entwickelt! Dgscyklus. 

Bei  jeder  Thierklasse  sind  verschiedene  Typen  der  Entwickelungs- 
schnelligkeit  vorhanden. 

Beim  Menschen  kann  sich  der  Entwickelungscyklus  schliefen: 

A.  Im  Verlaufe  etwa  eines  Tages,  wie  bei  den  Sommer-Herbst- 
fiebern, manchmal  auch  schneller,  wie  bei  Perniciosa  subcontinua  oder 
coroitata  und  auch  sehr  schnell,  nämlich  ohne  Pigmentbildong,  wie 
bei  gewissen  Sommerperniciosen. 

B.  In  zwei  Tagen,  wie  bei  der  Tertiana,  resp.  schneller,  wie  beim 
anteponirenden  Tertiantypus  oder  langsamer,  wie  beim  postponirenden 
Tertiantypus. 

G.  In  drei  Tagen,  wie  bei  der  Quartana,  und  dieser  Typus  ist 
feststehender,  als  die  beiden  vorgenannten. 

Dem  analog  gibt  es  bei  den  Vögeln  einen  Cyklus  von  schneller. 
beschleunigter,  langsamer  Entwickelung ;  jedoch  ist  jeder  dieser 
Gyklen  im  Vergleich  zum  Menschen  verlangsamter.  So  dauert  z.  B. 
der  demjenigen  der  Quartana  entsprechende  langsame  Cyklus  wenig- 
stens 7—8  Tage;  der  schnellste  Cyklus  oder  der  ohne  Pigmentbil- 
dung fehlt. 

Bei  den  kaltblütigen  Tbieren  ist  der  Entwickelungscyklus  eio 
sehr  langsamer,  in  gewissen  Fällen  dauert  er  Monate  lang;  manch- 
mal jedoch  ist  er  bedeutend  weniger  langsam,  indem  die  Sporulation 
verbältnissmässig  vorzeitig  eintritt. 

5.  Reproduktion. 

Bei  allen  diesen  Parasiten  findet  sie  durch  Gymnosporen  ohne 
vorangehende  Encystirung  statt.  Die  Sporulation  ist  das  physiologi- 
sche Ende  der  endoglobulären  Lebensphase.  Ausser  der  Sporulation 
kennen  wir  mit  Sicherheit  keine  andere  Reproduktionsweise.  Di* 
künstlichen  Kulturen  auf  den  verschiedensten  bakteriellen  Nährböden 
sind  nicht  gelungen. 

6.  Freies  Leben  im  Plasma. 

Es  führen  viele  Parasiten,  die  während  ihrer  Entwickelung  das 
rothe  Blutkörperchen  verlassen  oder  zur  höchsten  Entwickelung  ge- 
langen, ohne  jedoch  bis  zur  Sporenbildung  fortschreiten. 

Kaum  sind  beim  Menschen  die  Parasiten  (ausgenommen  ihre 
Sporen)  im  Plasma  frei,  d.  h.  ohne  rothes  Blutkörpereben  um  sich, 
so  degeneriren  sie.  Die  höchst  aktive  Bewegung  der  Körnchen,  die 
Ausstos8ung  von  Massen  oder  Geissein  sind  Zeichen  von  Degene- 
ration, wie  die  Hydrops  und  die  Vakuolisation.  Auch  die  sogenannten 
Halbmonde  leisten  im  Plasma  Widerstand,  bis  sie  eine  hämoglobinÄff 
Cuticula  haben.  Aber  sie  haben  keine  Bewegung,  nur  während  der 
Degeneration  werden  ihre  Konturen  missgestaltet.  Die  Halbrooflde 
zeigen  niemals  einen  Kern  beim  frischen  Präparat  und  auch  mit  der 
erwähnten  Färbung  kann  man  ihn  nicht  leicht  sehen. 


Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongresi  in  London.  583 

Bei  den  Vögeln  leben  die  freien  Parasiten  im  Plasma  ein  wenig 
reiter  darin  fort,  einige  Zeit  hindurch  bleiben  sie  noch  in  verlänger- 
em Zustande,  aber  dann  werden  sie  rund  und  entarten.  Manchmal, 
renn  sie  verlängert  sind,  haben  sie  auch  transversale  Verschnürungen, 
reiche  an  wurmähnliche  Bewegung  erinnern.  Sie  zeigen  den  Kern 
tets  nach  der  Färbung  und  manchmal  auch  einfach  am  frischen 
'räparat. 

Bei  den  kaltblütigen  Thieren  sind  die  Parasiten  während  des 
reien  Lebens  im  Plasma  so  üppig,  dass  sie  für  vollkommene  Wesen 
ehalten  wurden  (Drepanidium).  Ja  da  sie  sich  nicht  von  Hämo- 
lobio  zu  nähren  brauchen,  leben  sie  auch  gut  im  Plasma,  vermehren 
ich  dort,  bewegen  sich  wurmähnlich  und  zeigen  den  Kern  auch  ohne 
"ärbung. 

7.  Parasitäre  Wirkung. 

Indem  sich  so  bei  jeder  Thierk lasse,  wenn  man  vom  Menschen 
;u  den  niederen  Wirbelthioren  herabsteigt,  die  Schnelligkeit  der  Ent- 
fickelung,  resp.  das  Reproduktionsvermögen  vermindert  und  die  Grösse 
les  Parasiten  vermehrt,  vermindert  sich  die  parasitäre  Wirkung.  So 
;eht  man  von  derFebris  perniciosa,  subcontinua,  subintrans  zur  wahren 
Juotidiana,  von  dieser  zu  dem  abgeschwächten  Tertian-  und  Quar- 
taafieber  mit  ihren  verschiedenen  Kombinationen. 

Die  Vögel  leben  mit  den  Parasiten  von  langsamem  Entwicke- 
lungscyklus  vortrefflich;  die  mit  Parasiten  von  beschleunigtem  Ent- 
ffickelungscyklus  bleiben  nicht  lange  am  Leben  und  bald  sterben  die 
mit  zahlreichen,  sich  schnell  entwickelnden  Parasiten. 

Bei  den  kaltblütigen  Thieren  ist  die  parasitäre  Wirkung  an- 
scheinend gleich  Null. 

Schwer  ist  es,  den  Mechanismus  dieser  Wirkung  zu  erklären. 
Wir  kennen  kaum  einige  Elemente  davon,  z.  B.  die  Zerstörung  der 
rothen  Blutkörperchen,  die  parasitären  Stauungen  und  die  von  plas- 
modientragenden  Blutkörperchen.  Wenig  noch  sind  uns  die  in  den 
Blutgefässen  und  den  Geweben  durch  diese  parasitäre  Invasion  er- 
zeugten Veränderungen  bekannt.  In  den  Blutgefässen  sind  die  Ver- 
änderungen der  Endothelien  (Pigmentirung,  Degeneration,  Nekrose), 
wodurch  diese  sich  von  den  Wänden  ablösen  und  in  den  Blutkreis- 
lauf eintreten,  bekannt.  In  den  Geweben  wiegen  die  degenerativen 
Veränderungen  oder  die  Nekrosen  vor,  wie  man  z.  B.  bei  den  Nieren, 
«er  Leber  und  auch  manchmal  beim  Darme  (Perniciosa  cholerica) 
weht.  Von  den  Veränderungen  der  Blutgefässe  hängen  die  Hämor- 
rhagieen  ab,  welche  manchmal  von  den  Schleimhäuten,  häufiger  vom 
Gehirn  (Haemorrhagiae  punetiformes)  herkommen. 

Erzeugen  nun  ebenso  wie  die  pathogenen  Bakterien  so  auch  die 
Parasiten  des  rothen  Blutkörperchens  Toxine?  Man  kann  darauf 
D.lcht  mit  Sicherheit  antworten.  Wir  wissen  jedoch,  dass  die  Inten- 
sität des  Fiebers  häufig  der  Anzahl  rother  Blutkörperchen,  die  man 
aTn  Anfang  des  Fiebers  von  den  Parasiten  invadirt  sieht,  nicht  pro- 
portional ist.  Manchmal  entspricht  auch  kaum  merklichen  Temperatur- 
v^hungen  ein  relativ  reichlicher  parasitärer  Befund.  Wir  haben  auch 
*aHe  von  Perniciosa  comatosa  beschrieben,  die  tödtlich  vcrlieten,  trotz 
aer  durch  Chinin  erlangten  progressiven  Verminderung  der  Parasiten. 


3)34  Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress  sa  London. 

Demnach  ist  es  nicht  unwahrscheinlich,  dass  seitens  der  Parasiteo 
selbst  und  durch  die  Zerstörungsprodukte  der  rothen  Blutkörperchen 
etwas  Malariatoxin  gebildet  wird,  um  so  mehr,  als  auch  die  Tempe- 
raturerhöhung und  eventuell  der  Frost  nicht  ganz  einfach  noch  tos 
den  rothen  Blutkörperchen,  welche  die  Parasiten  invadirt  haben  und 
eben  so  wenig  von  der  Sporenbildung  abhängen.  Denn  sie  sind 
auch  in  der  Apyrexie,  die  dem  Paroxysmus  einige  Zeit,  manchmal 
auch  um  einige  Stunden  vorangeht,  vorhanden. 

Dem  analog  beobachtet  man,  wie  viel  rothe  Blutkörperchen  auch 
«ingedrungen  sind  und  wie  aktiv  auch  die  Sporenbildung  bei  den 
Thieren  ist,  gewöhnlich  keine  anormale  Temperaturerhöhung. 

S.  Uebertragbarkeit  der  Parasiten   mittelst  Impfung 
von  Blut,  welches  sie  enthält. 

Sie  gelingt  nur  von  Individuum  zu  Individuum  derselben  Gattung 
und  Varietät ;  sie  gelingt  daher  auch  nicht  einmal  von  Varietät  zu 
Varietät  derselben  infizirbaren  Gattung. 

Auch  unter  diesen  Bedingungen  muss  man  fernerhin  beachten, 
dass,  während  die  Impfung  von  Mensch  zu  Mensch  stets  gelang,  sie 
hingegen  von  Vogel  zu  Vogel,  auch  wenn  sie  von  derselben  infizir- 
baren Gattung  und  Varietät  sind,  nicht  leicht  gelingt,  und  es  sehr 
zweifelhaft  ist,  ob  sie  von  Frosch  zu  Frosch,  von  Schildkröte  zu 
Schildkröte  gelingt. 

9.  Verhalten  der  Parasiten  gegen  das  Chinin. 

Beim  Menschen  hindert  das  vor  dem  Fieberanfall  (Quartana,  Ter- 
tiana etc.)  gegebene  Chinin  die  Parasiten  nicht  an  ihrer  Entwickelang 
bis  zur  Sporenbildung.  Letztere  findet  trotzdem  statt  und  dann  tritt 
der  manchmal  auch  starke  Anfall  ein,  jedoch  nicht  der  folgende  An- 
fall. In  ähnlicher  Weise  hält  bei  den  Vögeln  das  Chinin  weder  die 
neuen  Generationen  der  Parasiten  noch  die  regelmässige  Dauer  des 
Cyklus  auf. 

Beim  Menschen  paralysirt  das  Chinin  häufig  die  amöboide  Be- 
wegung der  Parasiten. 

Ebenso  lässt  es  bei  den  Vögeln  die  verlängerten  Formen  rupd 
werden.  Es  übt  jedoch  keine  vernichtendere  Wirkung  aus  wie  beiffl 
Menschen,  da  es  nicht  dahin  gelangt,  das  Blut  von  den  Parasiteo 
zu  befreien. 

Bei  den  kaltblütigen  Thieren  zeigt  das  Chinin  anscheinend  keine 
Wirkung  auf  die  Parasiten. 

10.  Immunität. 
Die  Versuche,  künstliche  Immunität  zu  erzeugen,  sind  bisher 
weder  beim  Menschen  noch  bei  den  Thieren  von  Erfolg  gewesen. 
Jedoch  kennen  wir  Beispiele  natürlicher  Immunität  sowohl  beim  Men- 
schen (z.  B.  bei  der  schwarzen  Rasse  und  bei  den  Tamils  der  Coro- 
mandelküste),  wie  bei  den  Thieren ;  z.  B.  haben  wir  bei  den  Reptilien 
der  römischen  Campagna  niemals  Parasiten  in  den  rothen  Blutkörper- 
chen gefunden,  während  die  der  venetianischen  Lagunen  und  der 
toskanischen  Marcmma  häufig  damit  infizirt  sind.    Bei  den  mensch- 


Zweiter  Tuberculose-Kongress.  585 

lieben  Rassen  jedoch  ist  die  Immunität  keine  absolute,  sondern  eine 
relative,  d.  b.  sie  äussert  sich  speziell  als  Widerstandsfähigkeit  gegen 
die  schweren  Infektionen.  Liegt  ferner  eine  infizirbare  Rasse  oder 
Varietät  vor,  so  ist  der  individuelle  Widerstand  beim  Menschen  gleich 
Null  oder  fast  gleich  Null,  bei  den  Thieren  hingegen  ist  er  sehr  stark; 
es  gibt  nämlich  stets  unter  den  Thieren  derselben  Lokalität  einige 
immune,  die  in  der  Immunität  verharren  auch  nach  wiederholten 
Impfungen  mit  Parasiten  enthaltendem  Blute. 

Alle  die  oben  beschriebenen  Unterschiede  zwischen  den  Parasiten 
des  rothen  Blutkörperchens  nicht  nur  bei  den  verschiedenen  Thier- 
klassen,  sondern  auch  bei  ein  und  derselben  Klasse  gestatten  uns 
nicht  einmal,  diejenigen  zweier  benachbarter  Klassen,  z.  B.  (wie  es 
Danilewsky  thut)  die  des  Menschen  und  die  der  Vögel  mit  ein- 
ander zu  vergleichen. 

Jedoch  sind  der  Analogieen  so  viele,  dass  wir  mit  vollem  Recht 
alle  endoglobulären  Parasiten  der  verschiedenen  Thiere  in  eine  Gruppe 
zusammenfassen  können.  Letztere  muss  man  nach  dem  gegenwärti- 
gen Stande  unserer  Forschungen  und  der  Ansicht  fast  aller  Beob- 
achter (Met  schnikoff,  L.  Pfeiffer,  Kruse,  Danilewsky  etc.) 
der  Sporozoenklasse  zurechnen,  jedoch  kann  man  sie  im  eigentlichen 
Sinne  keiner  der  drei  Unterklassen  (Gregaridi  na,  Myxosporidia, 
Sarcosporidia)  zutheilen.  Mingazzini  schlägt  eine  vierte  Unter- 
klasse (Haemosporidia)  vor.  Von  dieser  haben  wir  bisher  drei 
Genera,  welchen  man,  um  die  Zahl  der  Namen  nicht  unnütz  zu  ver- 
mehren, die  von  Kruse  beigelegten  belassen  könnte,  obwohl  keiner 
der  drei  ihnen  eigenthümlich  ist.  Die  drei  besagten  Genera  würden 
sein:  Haemogregarina  (Reptilien  und  Frösche),  Haemopro- 
teus  (Vögel),  Plasmodium  (Mensch). 

(Fortsetzung  folgt.) 


Zweiter.  Tuberculose-Kongress. 

Nach  den  Berichten  der  „Semaine  ro6dicale"  und  des  „Bull.  m6d." 

referirt  Ton 

Dr.  M.  T.  Schnfrer, 

In 

Wien. 

(Fortsetzung.) 

Ueber  Bakterienassociationen  bei  Tuberculose. 
Babes  (Bukarest)  fand  bei  seinen  zahlreichen  Sektionen  von  an 
Tuberculose  verstorbenen  Individuen  sehr  selten  Bacillen  in  den  innern 
Organen.  Gewöhnlich  fanden  sich  bei  den  verschiedenen  Formen  der 
Tuberculose  folgende  Associationen  von  anderen  Bakterien  mit  dem 
Tuberkel bacill us :  Bei  Lungentuberculose  findet  man  häufig  in  den 
Bronchien  und  in  den  Kavernen  den  Staphylococcus  aureus  und 
den  Streptococcus  pyogenes  sowie  saprogene  Bakterien. 
Ebenso  findet  man  in  Kavernen  den  Fränkel-Weichselbaum- 
schen  Diplococcus  pneumoniae.  Bei  tuberculoser  Arthritis 
findet  man  ebenfalls, gewöhnlich  den  Streptococcus  und  den  St a- 


586  Zweiter  Tuberculose-Kongrett. 

phylococcus  aureus.  Bei  ulceröser  Tuberculose  der  Haut  trifft 
man  gewöhnlich  den  Staphylococcus,  bei  der  der  Schleimhäute 
hauptsächlich  den  Streptococcus.  Bei  Tuberculose  des  Urogeniul- 
apparates  findet  man  häufig  Fäulnissbakterien,  welche  mit  Recht  be- 
schuldigt werden  können,  die  ammoniakalische  Gährung  des  Urins 
hervorzurufen.  Nicht  selten  sind  dieselben  vom  Staphylococcus 
aureus  begleitet.  Experimentelle  Untersuchungen  mit  diesen  ver- 
schiedenen Mikroorganismen  haben  gelehrt,  dass  selbst  diejenigen 
Bakterien,  welche  in  Kulturen  die  Entwickelung  des  Tuberkelbacillos 
stören  und  die  an  und  für  sich  bei  Thieren  keine  allgemeine  Infektion 
hervorrufen,  den  Boden  für  die  Ansiedlung  des  Tuberkelbacillos  vor- 
bereiten und  die  Entwickelung  des  letzteren  begünstigen  können.  So 
entwickelt  sich  z.  B.  die  experimentelle  Tuberculose  viel  rascher  und 
in  höherem  Grade  bei  Thieren,  denen  zuvor  eine  leichte  Injektion 
mit  Streptokokken  gemacht  worden  ist.  Weiter  geht  ans  den 
Untersuchungen  hervor,  dass  fast  alle  Komplikationen  der  Tuberculose 
durch  andere  Bakterien,  als  den  Tuberkelbacillus  hervorgerufen  werden; 
schliesslich  fand  B.9  dass  die  vofa  Tuberkelbacillus  erzeugten  löslichen 
Substanzen  die  Entwickelung  der  mit  ihm  associirten  Bakterien  zu 
begünstigen  scheinen.  In  praktischer  Beziehung  geht  nun  aus  diesen 
Untersuchungen  hervor,  dass  es  von  grosser  Wichtigkeit  ist,  die  des 
Nährboden  für  den  Tuberkelbacillus  vorbereitenden  Bakterien  zu  be- 
kämpfen. 

Hallopeau  berichtet  über  Untersuchungen,  die  er  zu  dem  Zwecke 
angestellt  hat,  um  festzustellen,  ob  die  bei  Tuberculose  vorkommen- 
den Eiterungen  durch  den  Tuberkelbacillus  allein  oder  durch  das  Hin- 
zutreten von  Eiterkokken  erzeugt  werden.  Es  stellte  sich  heraas,  dass 
die  kalten  Abscesse,  die  eitrigen  Adenitidcn  und  Empyeme 
ohne  Hinzutreten  von  eigentlichen  Eiterkokken  entstehen  können.  Auch 
die  Eiterung  bei  Lupus  ist  durch  den  Tuberkelbacillus  hervorgerufen. 

Yerneull  hat  im  Vereine  mit  Beretta  die  Frage  der  Bakterien- 
associationen der  Tuberkelbacillen  studirt,  und  gefunden,  dass  die  Um- 
wandlung der  kalten  Abscesse  unter  dem  Einflüsse  einer  akuten  Ent- 
zündung in  heisse  durch  Hinzutreten  der  Eiterkokken  bedingt  ist,  and 
zwar  sind  es  zumeist  Streptokokken,  seltener  Staphylokokken, 
die  hier  in  Frage  kommen.  Diese  Association  ist  für  den  Kranken 
von  Nutzen,  da  die  so  umgewandelten  kalten  Abscesse  durch  ihre 
Eröffuung  rasch  heilen,  ohne  Fistelgänge  zurückzulassen.  Es  scheint, 
dass  die  Eiterkokken  auf  die  Tuberkelbacillen  einen  schädigenden  Ein- 
fluss  ausüben.  So  hat  V.  einen  Tuberkelherd  eröffnet,  und  das  Vor- 
handensein von  Tuberkelbacillen  in  demselben  konstatirt,  hierauf  den 
Streptococcus  pyogenes  injizirt,  worauf  eine  akute  Entzündung 
entstand,  die  Tuberkelbacillen  verschwanden  und  der  Abscess  ausheilte. 

Arlolng  ist  ebenfalls  der  Ansicht,  dass  der  Tuberkelbacillus, 
namentlich,  wenn  er  abgeschwächt  ist,  eitererregende  Eigenschaften 
hat.  Die  Anschauung,  dass  die  chirurgische  Tuberculose  durch  eine 
Infektion  mit  einer  geringeren  Anzahl  von  Tuberkelbacillen  bedingt 
ist,  theilt  er  nicht,  vielmehr  scheint  der  Unterschied  in  der  Abschwä- 
chung  der  Bacillen  zu  liegen.  Durch  Injektion  von  durch  Hitze  abge- 
schwächten Tuberkelbacillen  konnte  er  bei  Meerschweinchen  Eiterung 
ohne  Allgemeintuberculose  erzeugen. 


Zweiter  Tuberculose-Kongreas.  5§7 

Dieser  Ansieht  ist  auch  Corull,  der  dieselbe  im  Einklänge  findet 
mit  dem  allgemeinen  Gesetze,  dass  die  pathogenen  Mikroorganismen 
bei  ihrem  Eintritte  in  den  Körper  einen  raschen  Zufluss  von  L  e  u  k  o  - 
cyten  and  Eiterung  hervorrufen,  dadurch  aufgehalten  werden  und 
den  Organismus  nicht  infiziren.  Betrachtet  man  eine  Reihe  von  bak- 
teriellen Erkrankungen,  so  kann  man  sich  überzeugen,  dass  die  Eite- 
rung nur  ein  sehr  abgeschwächter  Grad  der  Bakterienwirkung  ist  und 
dass  dieselbe  entweder  die  Folge  einer  Abschwächung  des  Virus  oder 
der  grösseren  Widerstandsfähigkeit  des  Individuums  ist. 

Lelolr  hat  mit  Tavernler  die  Frage  der  Bakterie  na  ssocia- 
tion  bei  Lupus  vulg.  studirt.  Bekanntlich  enthält  der  Lupus 
non  exedens  keine  Eiterkokken,  während  der  ulceröse  Lupus  eine 
um  so  grössere  Zahl  enthält,  je  rascher  sein  Verlauf  ist.  Auch  durch 
die  Therapie  ist  die  Mitbetheiiigung  der  Eitererreger  bei  der  As- 
sociation des  Lupus  auf  das  deutlichste  erwiesen,  indem  antiseptische 
Mittel  wie  Salicylsäure,  Borsäure,  Salol,  Aristol  den  Verlauf  der 
Eiterung  binnen  24—48  Stunden  aufhalten  und  rasch  zur  Ver- 
narbung fähren,  während  die  direkt  gegen  den  Lupus  angewendeten 
zerstörenden  Mittel  eine  immer  weitere  Ausdehnung  des  Geschwüres 
bedingen.  Es  ergeht  daraus,  dass  diese  Ulcerationen  nicht  durch  den 
eigentlichen  Erreger  des  Lupus,  sondern  durch  unabhängig  von  iöm 
eingedrungene  Eiterkokken  hervorgerufen  werden.  In  der  That  ist  die 
Zahl  der  Staphylokokken  in  solchen  Ulcerationen  eine  ungemein 
grosse,  so  dass  sie  in  Reinkulturen  gezüchtet  werden  können. 

.  Auf  die  Natur  des  Lupus  erythem.  wirft  folgender  Fall, 
den  Hallopeau  und  Janselme  beobachtet  haben,  ein  gewisses  Licht 
Es  handelt  sich  um  einen  35jährigen  Mann,  der  seit  seinem  14.  Jahre 
an  Lupus  eryth.  litt  und  der  in  der  letzten  Zeit  zu  husten  begann, 
stark  abmagerte,  einige  leichte  Haemoptoeanfälle  hatte  und  an  den 
Lungenspitzen  die  Zeichen  von  Tub3rculo3e  ersten  Grades  zeigte. 
Diese  Veränderungen  blieben  fast  stationär  bis  zum  Ende  dieses  Jahres, 
zu  welcher  Zeit  der  Kranke  einer  akuten  Miliartuberkulose  erlag. 
Die  Sektion  ergab  Myriaden  von  Tuberkelknötchen  in  den  Lungen  und 
zählreiche  käsige  Drüsen  entlang  der  Wirbelsäule,  die  alle  Tuberkel- 
bacillen  enthielten.  Einige  Stunden  nach  dem  Tode  wurden  mehrere 
Hautstückchen  aus  der  erkrankten  Partie  excidirt  und  die  mikro- 
skopische Untersuchung  derselben  erwies,  dass  es  sich  in  der  That  um 
einen  Lupus  eryth.  handelte.  Es  fand  sich  eine  diffuse  Infiltration 
mit  Embryonalzellen,  eine  kolossale  Ektasie  der  Gefässe  der  Cutis, 
welche  die  tiefblaurothe  Färbung  der  erythematösen  Flecke  aufklärte. 
Riesenzellen  und  Knötchen  fehlten.  Fragmente  von  diesem  Lupus 
wurden  nun  4  Meerschweinchen  theils  in's  Peritoneum,  theils  subkutan 
eingeführt  Eines  von  diesen  Thieren  starb  kurz  nach  der  Operation 
hinter  septikämischen  Erscheinungen,  die  drei  anderen  blieben  am 
Leben  und  würden  190  Tage  nach  der  Operation  getödtet;  bei  der 
Sektion  fanden  sich  keinerlei  Veränderungen  der  inneren  Organe. 

Betrachtet  man  die  Krankengeschichte  dieses  Falles,  so  ist  man 
geneigt,  sein  Hautleiden  als  tuberculö3  anzusehen,  da  der  Pat.  von 
seiner  Kindheit  an  tuberculös  war  und  an  Miliartuberculose  gestorben 
j*-  Trotzdem  fehlten  Bacillen  im  Lupusgewebe  und  auch  das  Resultat 
der  Impfung  blieb  ein  negatives.     Dennoch  wagen  die  Verff.  nicht, 


58g  Nene   Litteratur. 

zu  schliessen,  dass  der  Lupus  eryth.  nicht  tuberculöser  Natur  ist. 
Die  Nichtüberimpfbarkeit  auf  Thiere  ist  noch  kein  genügender  Beweis, 
da  ja,  wie  Arloing  bewiesen  hat,  abgeschwächte  Tuberkelprodukte 
schwer  überimpfbar  sind;  es  könnte  demnach  sein,  dass  auch  der 
Lupus  eryth.  oder  eine  seiner  Varietäten  eine  abgeschwächte  Form 
der  Tuberculose  darstellt. 

(Fortsetzung  folgt) 


Neue  Litteratur 

witimmengettellt  von 

Dr.  Abthüb  Würzbubo, 

Bibliothekar  im  KalMrHchcn  GwmdhdUamU  in  Berlin. 

Allgemeines  Aber  Bakterien  und  Parasiten. 

Baumgarten,    Ueber  Wandlungen    in    den  pathologisch-anatomischen  Anschauungen   seit 

dem  Erscheinen  der  Bakteriologie.     (Deutsche  med.  Wchschr.  1891.  No.  42.  p.  1168— 

1178.) 
Lefort,  P.,  Aide-memoire  de  pathologie  gtnlrale  et  de  bactenologie.     18*.     Paris  (J.  B. 

Bailiiere  &  fils)  1891.  3  fr. 

Xeyer,  O.,    Das  Koch'sche   Institut   für  Infektionskrankheiten   zu  Berlin.     (Berlin,  klin. 

Wochenschr.  1891.  No.  86,  87.  p.  902—904,  926—927.) 

Morphologie  und  Systematik. 

EUis,  J.  B.y    and  Tracy,  8.  X. ,    New   species   of  uredineae.     (Journ.  of  Mycol.    1891. 

Vol.  VII.  No.  1.  p.  43.) 
Koch,  A.,    Jahresbericht  über  die  Fortschritte  in  der  Lehre  von  den  Gährungs-Organis- 

men.     1.  Jahrg.    1890.     gr.  8°.     VIII,    190  p.     Braunschweig  (Harald  Brnhn)    1891. 

6  M 
Lagerheim,  O.,    Observation»   on  new  species  of  fungi  from  North  and  South  Ameriea. 

(Journ.  of  Mycol.  1891.  Vol.  VII.  No.  1.  p.  44-50.) 

Biologie. 
(Gtthrung,  Fäulnis»,  8toffwechselprodukte  usw.) 

Geissler,  F.  K.,  Ueber  die  Wirkung  des  Lichts  anf  Bakterien.  (Wratsch.  1891.  No.  3& 
p.   793—797.)     [Russisch.] 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  unbelebten  Natur. 

Luft,   Waster,  Boden. 

Monti,  A.,  I  bacilli  del  tifo  nelle  acque  potabili  della  cittä  di  Pavia.  (Riv.  d'igiene  e 
sanita  pubbl.  1891.  No.  17.  p.  629—643.) 

Nahrung*-  und  Oenuismittel,  Gebrauchsgegenstände. 

B6ohamp,  A.,  Considlrations  physiologiques  sur  les  globales  et  les  microzymas  laitesx 
de  laiU  de  vache  anormaux.     (Bullet  de  l'acad.  de  med.  1891.  No.  34.  p.  262—278.) 

Serafini,  A.,  Chemisch-bakteriologische  Analyse  einiger  Wurstwaaren.  (Arch.  f.  Hyg. 
Bd.  XIII.  1891.  Heft  2.  p.  178—206.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Katar. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten. 

Netschajeff,  F. ,  Ueber  die  Bedeutung  der  Leukocyten  bei  Infektion  des  Organismus 
durch  Bakterien.  (Arch.  f.  pathol.  Anat.  u.  Physiol.  Bd.  CXXV.  1891.  Heft  3. 
p.  415—462.) 


Nene  Literatur.  5g9 

Krankkeüserrtgende  Bakterie*  und  Parasüm  bei   Mensehen. 

A.     Infektiöse  AUgemeinkrankheiten. 

Malarakrankheiten. 

öattmann,  P.,  und  Ehrlich,  P. ,  Ueber  die  Wirkung  des  Methylenblau  bei  Malaria. 
(Berlin.  Uin.  Woehensehr.  1891.  No.  89.  p.  958— 956.) 

Exanthematuche  Krankheiten. 

(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Böthein,  Scharlach,  Friesel,  Windpocken.) 
Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Pest 

Deutsches  Seich.     Schreiben  des  Reichskanzlers,  betr.  den  Unterricht  in  der  Impftechnik 

Vom  9.  August  1891.     (Verdffentl.  d.  kmis.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  87.  p.  566.) 
Xolitor,  Rapport  sur  les  Operations  de  Vaccine  pratiquees  sur  les  recrues  et  sur  d'anclens 

soldats  en  1890.     (Arch.  med.  beiges.  1891.  Sept.  p.  146—164.) 
Kuller,   A.,    On   small-pox,    vaccination   and    certain   reforms   required    in   the    latter. 

(Australas.  med.  gas.  1890/91.  p.  185—190.) 
Pfeiffer,  L.,    Ueber   Impfkrankheiten   und  antiseptische  Impfung.     (Korrespondenzbl.  d. 

all*,  arstl.  Ver.  v.  Thftringen.  1891.  No.  9.  p.  278—298.) 
,   Regelmässiger   und   abnormer   Verlauf  der   Impfpocken.      (Korrespondenzbl.   d. 

allg.  Iratl.  Ver.  v.  Thüringen.  1891.  No.  9.  p.  298—800.) 

Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Pest. 

Du  Mesnil,  0.9  Les  eaux  consommees  k  Toulon,  Lorient,  Rochefort  et  la  flirre  typhoide 
dans  l'armee  de  mer.     (Annal.  d'hyg.  publ.   1891.  Octobre.  p.  318 — 834.) 

fislay,  0.,  Inoculations  for  yellow  fever  by  means  of  contaminated  mosquitoes.  (Amer. 
Journ.  of  the  Med.  scienc.  1891.  Sept  p.  264—268.) 

Shakespeare,  B.  0.,  Report  on  cholera  in  Europe  and  India.  XXIV.  945  p.  Washington 
(Government  priating  office)  1890. 

Wujidinfektionskrankheiten. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purulentes  Oedem,  Pylmie,  Septik&mie, 

Tetanus,   Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundf&ulniss.) 

Deiehmann,  L.,  Ueber  einen  merkwürdig  verlaufenen  Fall  von  Infection  nach  Abreissen 
der  Nabelschnur.     (Deutsche  med.  Woehensehr.  1891.  No.  37.  p.  1072.) 

Gärtner,  F.,  Versuch  der  praktischen  Verwerthung  des  Nachweises  von  Eiterkokken  im 
Scbweisse  Septischer.     ( Central bl.  f.  Gynttkol.  1891.  No.  40.  p.  804—808.) 

Torsellini,  D.,  Sulla  trasmissibilitk  della  febbre  puerperale  per  mezzo  delle  ievatrici. 
(Riv.  d'igiene  e  sanitk  pubbl.  1891.  No.  17.  p.  648—645.) 

Infektionsgeschwfllste. 
(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Behrens,  Th.,  Ueber  die  in  neuerer  Zeit  zur  Verhütung  der  Tuberculose  vorgeschlagenen 

&anit&tspolizeilichen    Massregeln.     8°.     38  p.     Hildesheim   (Franz  Borgmeyer)    1891. 

0,60  M. 
Beiträge   zur   Kenntniss   der   Tubereulose.     Mittheilungen   aus    der    Dr.    Brehmer'schen 

Heilanstalt  f.  Lungenkranke  in  Görbersdorf.     Hrsg.  v.  F.  Wolff.   gr.  8°.    V,  124p. 

Wiesbaden  (J.  F.  Bergmann)  1891.  2,80  M. 

feibes,  £.,   Ein    Fall    von    syphilitischer   Reinfeetion.     (Berl.   klin.  Woehensehr.  1891. 

No.  40.  p.  988—989.) 
Henenstain,  0.  X.,   Neue    officielle  Daten    über   die  Syphilis  in  Bussland.     (Meditsina. 

1891.  p.  149—153.)     [Russisch.] 
laagsrhaas,  R.,  Ueber  Phthisis  und  Tuberculosis  pulmonum.    (Berl.  klin.  Woehensehr. 

1891.  No.  42.  p.  1084—1038.) 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  BückfalMeber,  Osteomyelitis. 

Abbott,  A.  0.,  The  relation  of  the  pseudo-diphtheritic  bacillus  to  the  diphtheritic  bacillus. 
(Ballet,  of  the  Johns  Hopk.  hosp.  1891.  No.  15.  p.  110—111.) 


592 


Neue  Litteratur. 


Dahmen,  IC,  Neues  Verfahren  aar  Auffindung  der  Tuberkel  bacillen  im  Spat  am.   (Manen. 

medicin.  Wochenschr.   1891.  No.  38.  p.  667-668.) 
Hankin,  E.  E,  On  immun ity.     (Lancet.  Vol.  II    1891.  No.  7.  p.  339—540.) 
Hemmeter,   J.  C,    Crystallina    forms   occurring   in    Koch'*    tuberculin.     (Med.  Reeord. 

Vol.  II.  1891.  No.  6.  p.  150—152.) 
Jakseh,  B.  ▼.,  Diagnostische  und  therapeutische  Besultate  des  Koch'schen  Heilverfahrens. 

(Sonderdr.)  gr.  8°.  45  p.  m.  19  Abbildungen.    Wiesbaden  (Bergmann)  1891.     1,20  M. 
Losano,  O.  G.,  Las  inyecciones  de  Koch.    8°.    29  p.    Madrid  (E.  Maroto  &  Herrn.)  1891. 
Mo  Connell,  J.  B ,    Synopsis   of  reports   of  cases    treated    with  tuberculin.     (Montreal 

Med.  Journ.  Vol.  II.  1891.  No.  2    p.  91-99  ) 


Inhalt. 


Originalmittheilungen. 

Xos^jurin,  8. ,  und  Krainsky,  9. ,  Ueber 
Heilung  des  Milzbrandes  durch  Fäulniss- 
toxine  (Extrakte)  bei  Thieren.  (Orig ), 
p.  553. 

Martinotti,  Giovanni,  und  Tedeschi,  Ales 
sandro,  Untersuchungen  Ober  die  Wir- 
kungen der  Inokulation  des  Milzbrandes 
in  die  Nervenzentra.    (Orig),  p.  545. 

Beferate. 

Bignami,  Sülle  febbri  intermittenti  mala- 
riche  a  lunghi  Intervall!,  p.  670. 

Cabade,  Lecons  sur  les  malad  ie*  micro- 
biennes  professees  a  l'ecole  de  me'decine 
de  Toulouse,  p.  561. 

Cuffer,  F.,  Becherches  cliniques  sur  la  Pe- 
riode d'incubation  des  maladies  infectieu- 
ses  en  gänlrai  et  en  particulier  sur  la 
perlodo  d'incubation  de  la  tuberculose, 
p.  567. 

Despeignes,  V.,  Etüde  expenmentale  sur 
les  mtcrobes  des  eaux  avec  applications 
k  l'hygiene  sanitaire  de  la  ville  de  Lyon, 
p.  563. 

Oestree,  A  propos  de  quelques  cas  de  sup- 
puration  compliquant  la  fievre  typhoide, 
p.  567. 

Guinard,  X.,  Sur  un  mode  possible  de 
transmission  de  la  tuberculose  ches  les 
animaux,  p.  568. 

Hansen,  Emil  Chr.,  Qu'est-ce  que  la  levüre 
pure  de  M.  Pasteur?  p.  557. 

Klippel,  Paralysie  generale  et  tuberculose 
palmonaire,  p.  568. 

Langer,  Ueber  die  Häufigkeit  der  Eutopa- 
rasiten  bei  Kindern,  p.  575. 

Lortet,  X.,  Microbes  pathogenes  des  vases 
de  la  mer  Morte,  p.  567. 

Parkes,  E.  A.,  A  manual  of  practical  hy- 
giene,  p.  559. 

Plehn,  F.,  Aetlologische  und  klinische  Ma- 
lariastudien, p.  572. 

Pokrowsky,  X.  A. ,  Mikroorganismen  aus 
dem  Wasser   des  Kura-Flusses   und  der 


Tifliser  Wasserleitung  im  Zeitraum  vom 
Februar  bis  Mai  1891,  p.  566. 

Preiaa,  H.,  Ueber  einen  Fall  von  P&eodo- 
tuberculose  beim  Schafe  und  überPaeedo- 
tuberculose  im  Allgemeinen,  p.  568. 

SohoUong,  0.,  Die  Malariakrankheiten  unter 
spezieller  Berücksichtigung  tropenklina- 
tischer  Gesichtspunkte,  p.  570. 

Spener,  C,  Ueber  den  Krankheitserreger 
der  Malaria,  p.  574 

Zacharias,  0.,  Die  Thier-  und  Pflanzes- 
welt des  Süßwassers,  p.  562. 

Untersuchungimethoden,  Instrumente  ete. 

Heim,  L.t  Nachtrage  su:  Die  Neuerungen  auf 
dem  Gebiete  der  bakteriologischen  Unter- 
suchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887. 
(Orig.),  p.  575. 

Schutzimpfung,   künstliche  Infektions- 
krankheiten, Entwioklungeaenunumg 
und  Verniohtung  der  Bakterien 
and  Parasiten. 

Ohelmonski,  Ueber  den  Einfluss  akuter 
fieberhafter  Erkrankungen  auf  den  Ver- 
lauf der  chronischen  Lungentuberculos«, 
p.  579. 

Gnnta,  J.,  Ueber  die  Chromwasserbeband- 
lung  der  Syphilis,  p.  579. 

Tinoni,  G.,  e  Cattani,  G.,  L'immuaiU 
contro  il  tetano  studiata  negli  aninuli 
molto  recettivi  per  questa  infezione  (es* 
via,  coniglio,  topo),  p.  576. 

Originalberichte  Über  Kongresse. 
Bakteriologisches  vom  VII.  inter- 
nationalen Kongress  fürHygiene 

und  Demographie  su  London, 
10.— 17.  August  1891.    (Kortsetz),  p.  580 

Zweiter    Tubercu  lose -Kongress. 
(Fortsetzung),  p.  585. 

Nene  Litteratur,  p.  588. 


Froinmannsehe  Buchdruckoroi  (U ermann  Polile)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

tot  Holt.  Prot  Dr.  Leuctart  m  Professor  Dr.  Lnfer 

In  Ldptif  In  QralfmM 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJhlworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  In  Jena. 

X*  Band«        -o-     Jen»,  den  13.  November  1891.     -o-  NO.  18« 


Frei«  für  den  Band  (96  Hummern)  14  Merk. 

Jährlich  erscheinen  swei  Bände. 

-*|    Zu  beliehen  durch  alle  Buchhandlangen  and  Postanstalten.    |*- 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde" richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf' 
sütae  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können* 


Original -Mittheilungen. 


Untersuchungen  über  'die  Wirkungen  der  Inokulation 
des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra. 

[Anatomisch-pathologisches  (Institut  der  Königl  Universität  SienaJ 

Von 

Prof.  CtioYftnni  Martlnottl  und  Dr.  Alessandro  Tedeschi. 

(Fortsetzung.) 

Experiment  40.     Männlicher  Hund,  11500  g  schwer. 

Um  41/,  Uhr  Nachmittage,  am  18.  Juni  1891  wird  in  das  Gehirn 
•»  sehr  kleines  Stückchen  Kartoffel  eingeführt,  worauf  eine  Milzbrand* 
Wtur  gewachsen  war. 

X,Bd.  Oft 


594  Martinotti  und  Tedeaehi, 

Das  Thier  stirbt  am  folgenden  Tage  um  4  Uhr  Nachmittags. 

Bei  der  histologischen  Untersuchung  der  Milz  findet  sich  bedeutend* 
Schwellung  der  Follikel  und  eine  gewisse  Menge  von  Milzbrandbacilleo 
Ton  typischer  Form  in  der  Pulpa. 

Im  Gehirn  besteht  akute  Entzündung  in  den  Meningen  und  im 
Ependym  der  Ventrikel  mit  enormer  Sprossung  der  Bacillen.  Auch  in 
der  nekrotischen  Zone  zunächst  der  Oeffnung  finden  sieh  zahlreiche 
Bacillen. 

Experiment  98.  Hund  von  einem  Gewichte  von  4900  g.  Am 
30.  Juni,  4  Uhr  Nachmittags. 

Die  Kultur,  welche  zur  endooerebralen  Einspritzung  des  Hundes  in 
Experiment  66  gedient  hatte,  wird  sterilisirt,  indem  man  sie  Tier  Tage 
lang  bei  der  Temperatur  yon  55°  erhält,  und  dann  werden  5  com  davon 
diesem  Hunde  ins  Gehirn  injizirt,  in  derselben  Weise,  wie  es  bei  dem 
Hunde  in  Exp.  66  geschehen  war. 

Weder  unmittelbar  nach  der  Operation,  noch  in  den  folgenden 
Tagen  zeigte  das  Thier  irgend  eine  Störung.  Dieser  Hund  befand  sieh 
schon  lange  im  Institute  und  war  in  schlechtem  Zustande;  man  hatte 
ihn  schon  viermal  mit  Zwischenräumen  yon  einigen  Tagen  Wunden  am 
Herzen  gemaoht. 

Am  12.  Juli  um  11  Uhr  Morgens  injizirt  man  in  sein  Gehirn  un- 
gefähr 1  ocm  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe. 

Nach  der  Operation  soheint  das  Thier  sich  ganz  in  seinem  gewöhn- 
lichen Zustande  zu  befinden ;  am  Nachmittag  aber  zeigt  es  sich  ermattet, 
unsicheren  Ganges,  mit  reiohliohem  Speichelfluss.  Um  5  Uhr  Abend» 
ist  die  Temperatur  des  Bcctums  40,5°,  um  7  Uhr  39,4. 

Um  6  Uhr  am  folgenden  Morgen  findet  man  den  Hund  am  Bodeo 
ausgestreckt,  er  reagirt  nioht  auf  Reize,  athmet  schnell  und  oberfläch- 
lich. Um  7  Uhr  beobachtet  man  das  Phänomen  yon  Cheyne-8toke«, 
um  8  Uhr  tritt  der  Tod  ein. 

Bei  der  Sektion  findet  man  Meningitis  oerebralis,  ähnlich,  wie  in 
den  analogen  Fällen. 

Sobald  die  Injektion  bei  diesem  Hunde  gemaoht  war,  nahm  man 
die  Kultur,  welche  dazu  gedient  hatte,  filtrirte  sie  durch  ein  Cham- 
berland'sohes  Filter  und  injizirte  yon  dieser  Flüssigkeit  mehr  als 
das  Doppelte  (2  ocm)  in  das  Gehirn  eines  Hundes  yon  einem  Gewicht« 

12  400  g,  unter  genauer  Befolgung  desselben  Verfahrens,    wie    bei  den 
vorhergehenden  Versuche. 

Weder  unmittelbar  nach  der  Operation,  noch  in  den  folgenden 
Tagen  zeigte  das  Thier  irgend  eine  Störung. 

Von  derselben  filtrirten  Flüssigkeit  werden  mehrere  Eubikoentioeter 
unter  die  Bückenhaut  einer  erwachsenen  Maus  (Mus  musculue)  ein- 
gespritzt Die  Matfs  erscheint  ein  wenig  matt,  aber  nach  wenigen 
Stunden  erlangt  sie  ihre  vollkommene  Gesundheit  wieder. 

Experiment  72.     Am  25.  Juni  1891,  4  Uhr  Nachmittags.    Hund, 

13  200  g  schwer. 

Nach  der  bei  Experiment  66  befolgten  Methode  wird  in  das  Gehirn 
ungefähr  1/s  com  destillirten,  sterilinirten  Wassers  eingespritzt,  welches 
über  einer  Agarkultur  von  Milzbrandbacillen  geschüttet  war. 


Ueb«r  die  Wirkungen  der  Inokulation  des  Milzbrandes  in  die  Nervensentra.    595 

Das  Thier  stirbt  in  der  Nacht  vom  25.  cum  26.  Man  findet  eine 
Meningitis  cerebralis  mit  zahlreichen  Bacillen  im  Exsudate. 

Experiment  62. 

Um  11  Uhr  Morgens,  am  18.  Juni  1891,  werden  in  das  Gehirn 
einer  Batte  einige  Tropfen  einer  MilzbrandkuJtur  in  Fleischbrühe  in- 
jizirt. Um  2  Uhr  Nachmittags  des  folgenden  Tages  findet  man  sie  todt 
In  den  mikroskopischen  Schnitten  der  Milz  erscheinen  Bacillen  in  der 
Pulpa,  Eine  grosse  Menge  derselben  zeigt  sich  in  den  Hirnventrikeln 
nnd  in  den  Meningealränmen. 

Experiment  138.     Am  8.  Juli  1891,  um  61/»  Uhr  Kachmittags. 

In  die  Bücken markshöhle  einer  Batte  (Mus  decumanus)  injizirt 
man  wenige  Tropfen  einer  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe. 

Um  11 V«  Ühr  am  folgenden  Tage  wird  sie  todt  gefunden. 

Meningitis  oerebro-spinalis.     Bacillen  im  Blut  und  in  der  Milz. 

Experiment  126.     Am  6.  Juli  1891,    um  lO1),  Uhr   Morgens. 

In  das  Gehirn  einer  Batte  (Mus  decumanus)  werden  wenige 
Tropfen  einer  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe  eingespritzt.  Am  folgen- 
den Morgen  um  6  Uhr  findet  man  sie  todt,  mit  zahlreichen  Bacillen  in 
Blut  und  Milz,  und  mit  Meningitis  cerebralis. 

Experiment  120.     Am  4.  Juli  1891. 

Man  nimmt  sieben  Tauben  aus  demselben  Nest  Zweien  von  ihnen 
macht  man  unter  die  Bückenhaut  eine  Einspritzung  einer  Milzbrand- 
kultur in  Fleischbrühe,  Tieren  davon  maoht  man  die  Einspritzung  in 
das  Gehirn,  und  einer  in  das  Büokenmark  mit  derselben  Kultur. 

Die  beiden  unter  die  Haut  injizirten  Tauben  sterben  nicht,  wohl 
aber  nach  fünf  Tagen  die  in  das  Bückenmark  inokulirte,  und  Ton  den 
ins  Gehirn  eingespritzten  starbt  die  eine  in  55,  eine  andere  in  44  Stun- 
den, und  die  beiden  letzten  in  4  Tagen. 

Alle  gestorbenen  Thiere  führen  zahlreiche  Bacillen  im  Blute. 

Experiment  61.     Meerschweinchen,     Gewicht  720  Gramm. 

Um  11  Uhr  Vormittags  am  18.  Juni  1891  injizirt  man  in  den 
Schädel  duroh  eine  Oeffnung  ungefähr  '/4  cm  einer  Beinkultur  Ton 
Milzbrand  in  Fleischbrühe. 

Das  Thier  stirbt  um  7  Uhr  Abends  desselben  Tages.  Es  finden 
sich  Milzbrandbaoillen  im  Safte  der  Milz  und  den  Schnitten  dieses  Or- 
gans. Im  Gehirn  besteht  Leptomeningitis  und  akute  Ependymitis  mit 
üppiger  Entwickelung  Ton  Bacillen.  Die  Hirnsubstanz  im  Ganzen  zeigt 
die  Charaktere  des  akuten  Oedems. 

Experiment  49. 

Am  4.  Juni  1891  um  Mittag  wird  in  das  Gehirn  eines  Meerschwein- 
chens von  570  g  Gewicht  ein  Stückchen  Ton  der  Milz  eines  andern 
Meerschweinchens  eingebracht,  welches  nach  Inokulation  ins  Gehirn 
einer  Milzbrandkultur  auf  Kartoffel  in  24  Stunden  gestorben  war.  Um 
6   Uhr  Abends  desselben  Tages  betrug  die  Temperatur  im  Bectum  40,1  °. 

Am  folgenden  Tage  um  6  Uhr  Morgens  wurde  das  Tbier  todt  auf- 
gefunden. 

Bei  der  histologischen  Untersuchung  der  Milz  fand  sich  Anschwel- 
lung der  Follikel,  intensWe  Kongestion  der  Pulpa,  Gegenwart  Ton  Ba- 
cillen in  derselben. 


5%  Martinotti  und  Tadaeehi, 

In  der  der  Verwundung  entepechenden  Hirnwand  findet  sieh  das 
Stück  Milz  nicht  mehr,  sondern  ein  Blutgerinnsel,  um  welches  die  Ba- 
cillen sich  ungeheuer  vermehrt  haben.  Die  zunächst  liegende  Herren* 
Substanz  zeigt  eine   schwere  Nekrose. 

Experiment  50.     Meerschweinchen,  Gewicht  500  g. 

Um  11  Uhr  Morgens  am  14.  Juni  1891  bringt  man  mit  aller  asep- 
tischen Vorsicht  unter  die  Bückenhaut  ein  Stück  von  dem  Gehirn  eines 
Meerschweinchens  ein,  welchem  Milzbrandkultur  auf  Kartoffel  (Experi- 
ment 41)  direkt  in  das  Gehirn  eingespritzt  worden  war. 

Um  6  Uhr  Morgens  am  folgenden  Tage  wird  es  todt  gefunden. 

Die  Milz  ist  geschwollen,  die  inokulirte  Gegend  stark  ödematos,  die 
Hirnhäute  einigermaasen  kongestionirt 

Das  Blut  des  Herzens,  zur  Sporenbildung  angesetzt,  liefert  nach 
24  Stunden  eine  Beinkultur  von  Milzbrandbacillen. 

In  der  Milz  finden  sich  einige  Bacillen,  Schwellung  der  Follikel, 
Kongestion  der  Pulpa. 

Ein  Stückchen  vom  Gehirn  dieses  Meerschweinchens  wird  unter 
die  Haut  eines  andern  —  Gewicht  635  g  —  eingebracht  Daa  Thier 
stirbt  in  weniger,  als  15  Stunden.  Die  Durchschnitte  der  Milz  zeigen 
Bacillen  in  der  Pulpa. 

Experiment  58. 

Um  11  Uhr  Vormittags  am  15.  Juni  1891  wird  unter  die  Haut 
eines  Meerschweinchens  vom  Gewicht  von  740  g  ein  Stückchen  von 
dem  Gehirn  einer  Ratte  (M.  de  cum.)  gebracht,  welche  in  Folge  direkter 
Inokulation  von  Milzbrand  ins  Gehirn  an  Milzbrand  gestorben  war. 

Um  4  Uhr  Nachmittags  zeigt  das  Thier  eine  Temperatur  von  39*. 

Am  folgenden  Morgen  findet  man  es  todt 

In  den  mikroskopischen  Schnitten  der  Milz  findet  man  Milzbrand- 
bacillen, 

Experiment  60.     Graues  Kaninchen,  Gewioht  1200  g. 

Um  11  Uhr  Morgens  am  18.  Juni  1891  injizirt  man  ins  Gehirn 
ungefähr  1/4  ccm  einer  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe.  Es  stirbt  in 
der  folgenden  Nacht. 

In  der  Milz  findet  man  Anschwellung  der  M alpig hi 'sehen  Fol- 
likel, Milzbrandbacillen  in  der  Pulpa. 

Im  Gehirn  Meningo-Ependymitis  mit  reichlicher  Entwiokelung  von 
Bacillen. 

Experiment  78.     Kaninchen,  Gewicht  1250  g. 

Um  4  Uhr  Nachmittags  am  25.  Juni  1891  wird  in  den  Schädel 
ungefähr  x/4  °°m  destillirten,  sterilisirten  Wassers  eingespritzt,  welches 
mit  einer  Milzbrandkultur  auf  sohief  gelagertem  Agar  geschüttelt  wor- 
den war. 

In  der  trüben  Flüssigkeit  schweben  viele  Milzbrandbacillen. 

Das  Thier  stirbt  während  der  Nacht 

Im  Safte  der  Milz  finden  sich  Bacillen;  dieselben  sind  reichlich 
im  Exsudate  der  Pia  mater  und  im  Ependym  der  Ventrikel  vorhanden. 

Die  Hirnsubstanz  hat  das  Ansehen  des  akuten   Oedems. 

Experiment  184.     Kaninohen,  Gewioht  970  g. 

Um  4  Uhr  Nachmittags  am  8.  Juli    1891    wird   in   die    Dicke  des 


Ueber  die  Wirkungen  der  Inokulation  dei  Milzbrandes  in  die  Nervenaentra.    597 

Rüekenmarke  ungefähr  1  com  einer  Milsbrandkultur  in  Fleiichbrühe  ein« 
spritzt. 

Das  Thier  stirbt  während  der  Nacht 

Es  finden  sieh  Milcbrandbacillen  im  Safte  der  Milz   und   im    Blute 
les  Herzens.     Dieselben  sind  sehr  reichlich  in  der  Gebirn-Rückenmarks- 
flüssigkeit  vorhanden. 
Experiment  140. 

Am  11.  Juli  1891  zwischen  3  und  5  Uhr  Nachmittags  nimmt  man 
eine  MiJzbrandkultur  in  Fleischbrühe,  welche  zwei  Tage  lang  bei  38°  C 
gehalten  worden  war,  und  injizirt  davon  in  das  Gehirn  eines  Kaninchens 
von  1000  g,  eines  Meerschweinchens  von  540  g  und  einer  Hatte 
(Mus  decumanus). 

Der  Best  der  Kultur  wird  durch  ein  C h am berland  'sch.es  Filter 
gegossen  und  die  klare  Flüssigkeit  in  das  Gehirn  eines  Kaninchens  von 
870  g,    eines  Meerschweinchens   Ton    640  g  und  einer  Hatte  injizirt. 

Bei  der  Operation  der  drei  ersten  wie  der  drei  letzten  wird  das- 
selbe Verfahren  eingehalten,  nur  versucht  man,  den  drei  letzten  Thieren 
wenigstens  das  Doppelte  von  dem  einzuspritzen,  was  die  drei  ersten  er- 
halten haben. 

Um  6  Uhr  Morgens  am  folgenden  Tage  werden  die  drei  mit  der 
wirksamen  Kultur  in jizirten  Thier e  todt  gefunden;  die  drei  letzten,  denen 
die  steriüsirte  Kultur  beigebracht  wurde,  sterben  nioht  und  geben  kein 
Zeichen  von  Unwohlsein. 

Experiment  154.     13.  Juli  1891. 

Man  nahm  einen  Hund,  4900  g  sohwer,  ein  Kaninchen  von  850  g, 
ein  anderes  von  1110  g,  ein  drittes  von  1  kg,  ein  Meerschweinchen 
Ton  315,  ein  anderes  von  1040  g,  und  ein  drittes  von  600  g. 

An  jedem  dieser  Thiere  wird  die  Trepanation  des  Schädels  ausge- 
führt und  durch  eine  feine  Oeffhung  in  das  Gehirn  eines  jeden  wenige 
Tropfen  einer  Beinkultur  von  Milzbrand  in  Fleischbrühe  eingeflösst 
Der  Hund  stirbt  nach  42  Stunden,  das  erste  Kaninehen  nach  16,  das 
zweite  nach  20,  das  dritte  nach  14  Stunden,  das  erste  Meerschweinchen 
nach  19,  das  zweite  in  weniger   als  14,  das  dritte  nach  24  Stunden. 

Alle  diese  Thiere  zeigen  eine  Meningitis  cerebrospinalis  und  die 
Symptome  der  Septikämie  des  Milzbrandes. 

Mit  derselben  Kultur  wird  ein  Meerschweinchen  von  665  g  unter 
die  Haut  inokulirt  und  stirbt  nach  30  Stunden  am  Milzbrand. 

Auf  das  bisher  Vorgetragene  lassen  wir  einige  Betrachtungen 
Q,  denn  es  scheint  uns,  dass  die  Thatsachen  deutlich  genug 
sprechen.  Zuerst  bemerken  wir,  dass  man  bei  unsern  Experimenten 
weder  der  Wirkung  des  Trauma,  noch  der  von  toxischen  Substanzen, 
welche  in  den  von  uns  gebrauchten  Milzbrandkulturen  enthalten  ge- 
wesen wären,  eine  Schuld  beimessen  kann.  Die  Experimente  93  und 
140  sind  allzu  entscheidend,  um  darüber  einen  Zweifel  zuzulassen. 
Ausserdem  ist  es  allen  Experimentatoren  bekannt,  dass  die  Thiere  viel 
schwereren  Hirnwunden  widerstehen,  und  was  die  Gegenwart  von 
toxischen  Stoffen  in  den  Milzbrandkulturen  betrifft,  so  ist  schon  längst 
weh  Nencki1)  nachgewiesen,  dass  in  den  Kulturen  auf  Kartoffel 

!)  AI.  Nencki,  Ueber  das  Eiweiss  der  Milzbrandbacillen.  (Berichte  der  deutschen 
^«mischen  Gesellschaft   1884.  p.  2608.) 


593    Martinotti  and  Tedeschi,  Ueber  die  Wirkungen  der  Inokulation  etc. 

und  in  Gelatine  der  Milzbrand  keine  toxischen  Produkte  erzeugt: 
wir  haben  aber  mit  eben  diesen  Kulturmitteln  dieselben  virulenten 
Wirkungen  erhalten,  wie  mit  den  andern. 

Bei  unsern  Versuchen  hatten  wir  es  nicht  mit  Intoxikationen  zu 
thun,  sondern  mit  echten  Injektionen,  in  denen  alle  Stadien  des  In- 
fektionsprozesses zur  Erscheinung  kamen:  Vervielfältigung  von  Mi- 
kroorganismen an  der  Stelle  der  Inokulation,  örtliche  Reaktion  der 
Gewebe,  Eindringen  von  Mikroorganismen  ins  Blut,  Milzanschwellung. 
Es  bleibt  nur  noch  die  Schnelligkeit  zu  erklären,  mit  der  diese 
Stadien  auf  einander  folgten  und  besonders  der  Grund,  warum  gegen 
Milzbrand  so  widerstandsfähige  Thiere,  wie  der  Hund  und  Mus  de- 
cumanus,  so  leicht  dem  Krankheitsprozesse  erlagen. 

Da  wir  beobachteten,  dass  unter  die  Haut  anderer  Thiere  ein- 
gebrachtes Gehirn  eine  stärkere  Wirkung  äusserte,  als  gewöhnliches 
Milzbrandvirus,  so  kam  uns  der  Verdacht,  dass  Milzbrandbacilleo, 
wenn  sie  sich  in  Berührung  mit  Nervensubstanz  entwickeln,  darin 
die  Entstehung  von  toxischen  Substanzen  veranlassen  könnten,  welche 
fähig  wären,  den  Widerstand  des  Organismus  gegen  die  Infektion  zu 
vermindern.  Diese  unsere  Idee  wurde  durch  der  Wissenschaft  schon 
bekannte  Thatsachen  bestätigt. 

Wir  erwähnen  zuerst,  dass  zu  Ende  d.  J.  1886  Hoffa1)  aus 
Milzbrandkulturen  auf  zerfallendem  Fleische  (aber  nicht  auf  andern 
Kulturböden)  ein  Toxin  isolirte,  welches  grosse  chemische  Verwandt- 
schaft und  viel  Aehnlichkeit  in  der  Wirkung  mit  dem  Neurin s)  hatte, 
das  B  r  i  e  g  e  r  zusammen  mit  C  h  o  1  i  n  unter  den  Ptomalnen  der  Faul- 
niss8)  aufgefunden  hatte.  Ferner  hat  dieses  Toxin  in  chemischer 
und  physiologischer  Beziehung  grosse  Aehnlichkeit  mit  dem  Mus- 
carin  (Oxyneurin),  dem  Produkte  eines  Schwammes  höherer  Ordnung, 
welches  aber  auch  bei  der  Fäulniss  gewisser  Fleischarten  auftritt. 

Ferner  wissen  wir,  dass  das  Gehirn  von  allen  Organen  am  reich- 
sten an  Lecithin  ist,  einem  sehr  leicht  zersetzbaren  Körper,  welcher 
unter  seinen  Zersetzungsprodukten  auch  Colin  und  Neurin  liefert 

Dies  Alles  Hess  uns  vermuthen,  dass  die  Milzbrandbacillen,  wenn 
sie  auf  verschiedenen  Nährböden  wachsen,  auch  die  Entstehung  ver- 
schiedener chemischer  Körper  veranlassen  könnten,  dass  die  Nerven- 
substanz durch  Einwirkung  von  Mikroorganismen  leicht  toxische 
Stoffe  hervorbringen  könnte.  Wir  dachten  ferner,  diese  toxischen 
Substanzen  könnten  entweder  identisch  oder  nahe  verwandt  mit 
Colin  und  Neurin  sein,  und  dass  es  eben  diese  Produkte  seien,  welche 
den  Verlauf  der  Infektion  erschweren. 

In  dieser  Richtung  versuchten  wir,  eine  Lösung  zu  finden.  Nach- 
dem wir  in  18  Experimenten  den  Verlauf  der  Infektion  durch 
Einbringung  unter  die  Haut  von  milzbrandkranken  Gehirnen  und 
wässerigen  Emulsionen  dieser  Gehirne  studirt  und  deren  konstante 
Virulenz  festgestellt  hatten,  versuchten  wir,  diese  Emulsionen  durch 
Wärme  zu  sterilisiren  und  unter  die  Haut  verschiedener  Thiere  ein- 


1)  Hoffa,  Die  Natur  des  Milsbrandgiftes.     Wiesbaden  1886. 

S)  Hoffa,  1.  c.  pag.  48. 

3)  Brieger,  Ueber  Ptomai'oe.    Th.  I.    Berlin  1889.  pg.  19  flg. 


Kostjurin  und  Krainsky,  Ueber  Heilung  des  Milsbrandea  etc.  599 

uspritzen.  Das  Resultat  war  immer  negativ.  Es  konnte  noch  folgender 
Zweifel  entstehen:  Brieger  und  Fraenkel,  hatten  gesehen,  dass 
las  von  ihm  isolirte  Toxalbumin  der  Diphtheritis x)  sich  bei  60°  zer- 
etzt.  Da  wir  bei  der  fraktionirten  Sterilisation  durch  Wärme  diese 
Temperatur  aberschritten  hatten,  so  war  es  möglich,  dass  das  Ter* 
Duthete  Toxin  sich  zersetzt  habe.  Darum  wählten  wir  eine  andere 
Methode:  die  Sterilisation  des  wässerigen  Extrakts  der  inokulirten 
Jehirne  durch  das  Filter  von  Chamberland,  da  Brieger  und 
fraenkel  auf  diese  Weise  ihr  Milzbrand  toxin  durch  Filtration  aus 
lern  wässerigen  Extrakt  der  Eingeweide  milzbrandkranker  Thiere 
solirt  haben.    Wir  schritten  daher  zu  folgenden  Experimenten: 

(Fortsetzung  folgt.) 


Ueber  Heilung  des  Milzbrandes  durch  Fäulnisstozine 
(Extrakte)  bei  Thieren. 

[Aus  dem  Laboratorium  der  Allgemeinen  und  Experimentalpathologie 
von  Prof.  Kostjurin  an  der  Universität  zu  Charkow.] 

Von 

Prof.  S.  Kostjurin  und  Stud.  N.  Krainsky. 

(SehluM.) 

In  der  sogenannten  Inkubationsperiode  der  fieberhaften  Infektions- 
krankheiten ist  unserer  Meinung  nach  die  Hauptrolle  der  Entgegen- 
wirkung  wider  die  Infektion  den  Phagocyten  im  Sinne  Prof.  Metsch  - 
nikow's  zuzuschreiben;  in  der  weiteren  Entwickelung  der  Krank- 
heit tritt  dann  ferner  Erhöhung  der  Oxydationsprozesse  im  Körper, 
Temperatursteigerung,  Hunger  etc.  in  Kraft,  wobei  auch  hier  die 
Phagocytose  Metschnikow's  augenscheinlich  eine  hervorragende 
Holle  spielen  muss,  indem  nämlich  die  bedeutend  geschwächten  oder 
vollständig  unschädlich  gewordenen  Mikroben  ergriffen  und  auf  dem 
einen  oder  anderen  Wege  aus  dem  Organismus  eliminirt  werden« 
Letzterer  Umstand  wird  durch  das  allbekannte  Faktum  der  Milz- 
typerplasie  in  den  Anfangsstadien  infektiöser  Erkrankungen  bestätigt, 
desgleichen  auch  durch  die  bei  unseren  Versuchen  beobachteten  be- 
deutenden Veränderungen  der  Milz  in  Fällen,  wo  die  Heilung  an  Milz- 
brand schwer  erkrankter  Thiere  durch  Fäulnissextrakte  misslang. 
Die  Milz  solcher  Thiere  zeigte  bedeutende  Vergrösserung,  cyanotische 
Färbung  und  bei  mikroskopischer  Untersuchung  eine  ungeheure  Menge 
von  Bakterien ;  die  Milzzellen  erschienen  von  unregelmässiger  ge- 
knüllter Form  mit  deutlich  ausgeprägter  Granulirung,  einer  grossen 
Zahl  von  Kernen  und  ausgesprochenen  Erscheinungen  der  Hyper- 
plasie. 

*)  Brieg«r  und  Fraenkel,  Untersuchungen  über  Bakteriengifte.  (Berlin.  Klin. 
Wochenschr.  1890.  No.  11.) 


QOO  Kostjurin  und  Krainsky, 

Indem  wir  somit  in  den  Organismus  gewisse  chemische  Sub- 
stanzen, resp.  Produkte  der  Lebensth&tigkeit  gewisser  Mikroorganismen 
einführen,  welche  den  normalen  physiologischen  Zustand  stören,  ver- 
ändern wir  den  Chemismus  der  Gewebe  und  Säfte  in  einer  für  das 
normale  Leben  und  Vermehrung  pathogener  Mikroben  ungünstigen 
Weise,  so  dass  dieselben  zu  Grunde  gehen  und  aus  dem  Körper  heraus- 
geschafft werden.  Im  lebenden  Organismus  kommt,  abgesehen  tod 
den  in  denselben  eingeführten  Fäulnissextrakten,  welche  die  Intensität 
der  Giftigkeit  der  pathogenen  Mikroben  entschieden  beeinflussen,  noch 
die  aktive  Thätigkeit  der  Gewebselemente  selbst  hinzu,  und  zwar 
solcher  lebender  Gebilde,  welche  fähig  sind,  selbständig  den  Kampf 
ums  Dasein  zu  führen. 

Die  Summe  der  ungünstigen  Bedingungen  für  die  Entwicklung 
der  pathogenen  Mikroben  ist  daher  im  lebenden  Organismus,  im  Ver- 
gleich mit  dem  Reagenzglase,  unvergleichlich  grösser. 

In  Anbetracht  des  deutlichen  Einflusses  der  Aenderung  der 
chemischen  Zusammensetzung  der  Nährmedien  auf  die  Intensität  der 
Giftigkeit  pathogener  Mikroben  —  erscheint  die  chemische  Theorie 
von  der  Entgegenwirkung  und  Unempfänglichkeit  des  Thierkörpers 
gegen  infektiöse  Erkrankungen  als  eine  der  am  meisten  wahrschein- 
lichen und  wahrheitsgemässen. 

Unsere  Versuche  wurden  in  folgender  Weise  ausgeführt:  Die 
Benutzung  einer  stark  wirkenden  Mutterkultur  von  Milzbrandbakterien 
wurde  uns  in  liebenswürdiger  Weise  vom  Direktor  des  Charkower : 
Veterinär-Institutes,  Prof.  A.  Rajewsky1),  für  unsere  Arbeit  über- 
lassen. Alle  weiteren  Kulturen  wurden  von  dieser  letzteren  gewonnen. 
Dieselben  wurden  in  Fleisch-Pepton-Agar  gezüchtet,  darauf  in  steri- 
lisirter  Fleischbrühe  lange  geschüttelt,  bis  eine  deutlich  trübe  Flüssig- 
keit entstand,  welche  dann  in  einer  Menge  von  0,21  ccm  den  Thieren 
eingespritzt  wurde.  Eine  solche  Dosis  tödtete  Kaninchen  nach  mi- 
nimum  30  und  maximum  56  Stunden. 

Die  Fäulnissextrakte  wurden  in  folgender  Weise  bereitet :  Frisch 
bereitete  Fleischbrühe  oder  ein  Infus  aus  frischem  Fleische  wurde  an 
der  Luft  bis  zur  deutlich  erkennbaren  Fäulniss  stehen  gelassen,  worauf 
das  Gefäss  mit  einem  Wattepfropf  bedeckt,  von  Zeit  zu  Zeit  geschüt- 
telt und  14—40  Tage  der  Fäulniss  weiter  überlassen  wurde.  Die 
Flüssigkeit  wurde  darauf  filtrirt  und  bei  einer  Temperatur  nicht  über 
65°  abgedampft. 

Die  erhaltene  dunkelbraune  klebrige  Masse  wurde  sodann  in  gut 
verschlossenen  (mittelst  Paraffin)  Gefässen  aufbewahrt.  Diese  Ex- 
trakte riefen  bei  Kaninchen,  unter  die  Haut  eingespritzt,  eine  be- 
deutende Temperaturerhöhung  (maximum  40,8)  hervor,  welche  40— 
48  Stunden  anhielt.  (Ueber  den  allgeni.  Zustand  der  Thiere  vergl 
„Wratsch".  1891.  No.  2  und  3.) 

Erste  Versuchsreihe. 
22.  Febr.  1891:  4  Kaninchen  werden  mit  einer  gleichgrossen 
Menge  (0,5)  derselben  Anthraxkultur  infizirt.    Kaninchen  No.  1  und 

1)  Wir  erlauben  ans,  demselben  bei  dieser  Gelegenheit  unseren  innigsten  Dank 
Aaszusprechen. 


lieber  Heilnog  d.  Milzbrände«  durch  Fäulnisstoxine  (Extrakte)  bei  Thieren.     ßOl 

2  dienen  zur  Kontrolle.  Bei  No.  1  erfolgt  der  Tod  nach  40,  bei 
No.  2  nach  42  Stunden  post  infectionem.  Die  Autopsie  ergibt  An- 
thrax. Dem  Kaninchen  No.  3  und  4  wird  5  Stunden  nach  der  In- 
fektion k  0,1  g  des  Extraktes  (No.  I)  aus  der  Fleischbrühe,  welche 
6  Wochen  faulte,  eingespritzt.  In  den  ersten  2  Tagen  ist  die  Tem- 
peratur bei  beiden  Kaninchen  erhöht  (40,2).  Gegen  Ende  des  dritten 
Tages  fällt  die  Temperatur  und  die  Thiere  verhalten  sich  augen- 
scheinlich normal  bis  zum  12.  Tage.  Am  12.  Tage  nach  der  Infek- 
tion sind  beide  Kaninchen  Morgens  matt,  sitzen  unbeweglich  da,  die 
Haare  des  Fells  aufgerichtet,  die  Augen  halb  verschlossen,  perio- 
disches Frösteln;  Temperatur  bei  No.  3  —33,0°,  bei  No.  4  —36,4. 
In  Anbetracht  des  abnormen  Zustandes  der  Thiere  wird  beiden  ä  0,05 
desselben  Extraktes  (No.  J)  eingeführt.  Bei  Kaninchen  No.  3  steigt 
die  Temperatur  nach  der  Einspritzung  von  33,0°  bis  36,0°,  Nachts 
jedoch  krepirt  das  Thier.  Bei  Kaninchen  No.  4  steigt  die  Tempe- 
ratur bis  40,0°,  am  anderen  Tage  39,5,  und  das  Thier  bleibt  darauf 
normal  bis  zum  23.  Tage.  Am  24.  Tage  Nachts  —  Tod.  Autopsie: 
Keine  Anthraxbakterien ;  Milz  bedeutend  verkleinert,  von  blass-gelb- 
licher  Färbung;  in  der  Bauchhöhle  blutig-seröses  Exsudat.  Die 
übrigen  Organe  zeigen  keine  besonderen  Veränderungen.  Alle  Ka- 
ninchen wurden  in  ein  und  demselben  Käfig  gehalten. 

Diese  Versuche  zeigen,  dass  in  den  Organismus  von  Milzbrand 
infizirter  Kaninchen  eingeführte  Fäulnisstoxine  den  Krankheitsprozess 
bedeutend  aufzuhalten  vermögen. 

Zur  Aufklärung  der  Frage,  ob  im  gegebenen  Falle  von  irgend 
welchen  bestimmten  Mikroorganismen  produzirteStoffe 
oder  ein  Gemenge  derselben  eine  Rolle  spielten,   wurden  weitere 

3  Kaninchen  mit  derselben  Menge  derselben  Kultur  (ausgenommen 
Kaninchen  No.  2,  welches  0,1  ccm  erhielt)  infizirt.  Kaninchen  No.  1 
wurde  6  Stunden  post  infectionem  0,1  g  von  dem  obigen  Extrakte 
(No.  1)  eingeführt;  Kaninchen  No.  2  —  0,1  g  eines  Extrakts  aus 
der  Beinkultur  der  gelben  Sarcine,  welche  aus  der  vorigen  faulenden 
Flüssigkeit  erhalten  wurde;  No.  3  —  0,1  g  eines  Extrakts  aus  der 
Reinkultur  einer  Fäulnissbakterie  (morphologisch  nicht  bestimmt), 
welche  ebendaher  gewonnen  wurde.  Kaninchen  No.  1  ging  nach  80, 
No.  2  nach  88  und  No.  3  nach  40  Stunden  zu  Grunde.  Autopsie  — 
Anthrax. 

Diese  Versuche  zeigten,  dass  die  Einführung  von  Produkten  der 
Lebensthätigkeit  genannter  Mikroorganismen  den  Verlauf  der  Er- 
krankung in  der  Entwicklung  des  Krankheitsprozesses  nicht  aufzu- 
halten vermochten.  Der  aufgehaltene  Exitus  bei  Kaninchen  No.  2 
ist  höchstwahrscheinlich  durch  die  geringe  Menge  der  Anthrax- 
kultur,  bei  No.  1  durch  die  Fortwirkung  des  vorherigen  Extrakts  zu 
erklären. 

Wegen  der  günstigen  Resultate,  welche  bezüglich  der  Aufhaltung 
des  Milzbrandprozesses  durch  Extrakte  aus  faulender  Flüssigkeit,  als 
durch  Extrakte  aus  Reinkulturen,  die  aus  den  in  letzterer  befindlichen 
Mikroben  gewonnen  wurden,  bedienten  wir  uns  bei  unseren  weitereu 
Versuchen  ausschliesslich  der  ersteren. 


ßQ2  Kostjurin  und  Kraimkj, 

Zweite  Versachsreihe. 

8.  M&rz  1891 :  6  Kaninchen  werden  mit  einer  gleichgrossen  Menge 
(1,0  ccm)  einer  Anthraxkultur  infizirt  Kaninchen  No.  1  (Kontroll- 
thier)  krepirt  nach  30  Stunden;  Autopsie  —  Anthrax.  Kaninchen 
No.  2  wird  6  Stunden  post  infectionem  0,1  von  dem  obigen  Extrakt 
(No.  I)  injizirt.  Tod  nach  66  St.;  Autopsie  —  Anthrax;  Milz  4 mal 
so  gross,  als  normal,  enthält  eine  ungeheure  Menge  von  Bacillen. 
Kaninchen  No.  3  wird  0,1  g  eines  Extrakts  (No.  II)  aus  einem  Infos 
frischen  Fleisches,  welches  2  Wochen  faulte,  injizirt  Tod  nach  88  St ; 
Autopsie  —  Anthrax.  In  Anbetracht  des  raschen  Todes  dieser  drei 
Kaninchen  wurden  bei  den  übrigen  drei  Kaninchen  die  Injektionen 
wiederholt  Kaninchen  No.  4  wird  6  St  post  infectionem  0,07  g  vom 
Extrakt  (No.  I),  nach  48  St  0,05,  nach  72  St.  abermals  0,05  vom 
selben  Extrakt  injizirt.  Tod  nach  100  St;  Autopsie  —  Anthrax. 
Kaninchen  No.  5  erhält  6  St  post  infect  0,1  g  vom  Extrakt  (No.  I), 
nach  48  St  noch  0,05  und  nach  72  St  noch  0,07.  Tod  nach  168 St.; 
Autopsie  —  Anthrax.  Kaninchen  No.  6  erhält  dieselben  Mengen 
in  denselben  Zeiträumen  wiederholt  wie  No.  5  und  bleibt  am 
Leben. 

Diese  Versuche  zeigen,  dass  in  allen  Fällen  die  Anwendung  der 
Fäulnissextrakte  den  Prozess  im  Vergleich  mit  dem  Kontrollkaninchen 
mehr  oder  weniger  bedeutend  verzögerte,  wobei  in  einem  Falle  voll- 
ständige Heilung  erzielt  wurde.  Der  Grund,  weswegen  nicht  alle 
behandelte  Thiere  am  Leben  blieben,  kann  in  dreifacher  Weise  er- 
klärt werden:  1)  durch  eine  überaus  grosse  Dosis  des  infektiösen 
Stoffes,  welche  unter  den  gewöhnlichen  Bedingungen  der  Infektion 
ganz  und  gar  undenkbar  ist;  2)  durch  toxische  Dosen  der  Fäulniss- 
extrakte; 3)  durch  nachfolgende  Infektion  von  Seiten  der  kranken 
Kaninchen,  mit  welchen  dieselben  in  einem  gemeinsamen  Käfig  ge- 
halten wurden,  indem  die  gesund  gewordenen  Thiere  offenbar  nicht 
immun  bleiben.  Um  diese  Voraussetzungen  zu  verifiziren,  wurde 
folgende 

Dritte  Versuchsreihe 
am  15.  März  1891  unternommen:  3  Kaninchen  werden  mit  Anthrax 
infizirt.  Kontrollkaninchen  No.  1  erhält  eine  sehr  geringe  Dosis 
(0,1  ccm),  die  übrigen  zwei  eine  mittlere  Dosis  (0,5  ccm)  von  der  Kul- 
tur. Kaninchen  No.  1  krepirt  nach  96  St.;  Autopsie  —  Anthrax. 
Kaninchen  No.  2  erhält  ö  St.  post  infection.  0,1  g  vom  Extrakt 
(No  I).  Am  5.  Tage  wird  die  Einspritzung  wiederholt  Das  Thier 
bleibt  am  Leben.  Kaninchen  No.  3  erhält  6  St  post  infection. 
0,1  g  vom  Extrakt  (No.  II)  und  bleibt  am  Leben.  Die  Thiere 
wurden  apart  in  neuen  Käfigen  gehalten. 

Somit  wurde  durch  diese  Versuchsreihe  die  von  uns  geäusserte 
Voraussetzung  von  der  Ursache  des  ungünstigen  Ausganges  bei  der 
Behandlung  der  Versuchsthierc  in  der  vorigen  Versuchsreihe  voll- 
ständig bestätigt. 

Vierte  Versuchsreihe. 

Zur  Aufklärung  der  Frage,  ob  ähnliche  Resultate  auch  bei  an- 
deren Thieren  erhalten   werden  können,  wurden  am  22.  März  zwei 


Ueber  HcUnng  d.  Milzbrandes  durch  Fftulnisstoxtae  (Extrakte)  bei  Thiereo.     ß03 

Kaninchen  und  zwei  Schafe  mit  Anthrax  infizirt.  Eontrollkaninchen 
No.  1  krepirt  nach  60  St.  Kaninchen  No.  2  erhält  3  St.  post  in« 
fection.  0,1  g  vom  Extrakt  (No.  III)  aus  einer  Fleischbrühe,  welche 
2  Wochen  lang  faulte.  Tod  nach  136  St.  Die  Autopsie  bei  beiden 
Kaninchen  ergab  Anthrax;  beide  Thiere  wurden  zusammen  gehalten. 
Schaf  No.  1  erhält  3  St.  post  infection.  0,5  vom  Extrakt  (No.  II); 
Tod  nach  68  St.  Schaf  No.  2  bekommt  nach  3  Stunden  0,5  vom 
Extrakt  (No.  III);  Tod  nach  100  St.  Autopsie  bei  beiden  Schafen  — 
Anthrax. 

Somit  genügte  die  bei  den  Schafen  angewandte  Dosis  nicht,  um 
den  Prozess  aufzuhalten.  Kaninchen  No.  2  ging  wahrscheinlich  in 
Folge  nachträglicher  Infektion  durch  Kaninchen  No.  1,  mit  welchem 
es  in  einem  Käfig  sass,  zu  Grunde. 

Fünfte  Versuchsreihe. 

Um  den  Zeitraum  zu  bestimmen,  innerhalb  welchem  es  noch 
möglich  ist,  bei  Kaninchen  durch  Einführung  von  Fäulnissextrakten 
die  Entwicklung  des  Milzbrandprozesses  aufzuhalten,  wurden  am 
21.  März  3  Kaninchen  mit  Anthrax  infizirt. 

No.  1.  Kontrollkaninchen.  Tod  nach  48  Stunden.  No.  2.  5  St. 
post  infection.  0,1  g  vom  Extrakt  (No.  I)  eingeführt.  Tod  nach 
130  St  Autopsie  in  beiden  Fällen  Anthrax.  No.  3.  24  St.  post 
infectionem  0,1  g  eingeführt  vom  Extrakt  (No.  III).  Am  4.  Tage 
wird  noch  0,05  vom  selben  Extrakt  eingeführt.  Das  Thier  bleibt 
am  Leben.    Alle  drei  Kaninchen  wurden  appart  gehalten. 

Aus  diesen  Versuchen  wurde  unter  Anderem  offenbar,  dass  das 
Extrakt  No.  I,  welches  in  den  ersten  Versuchsreihen  (No  6  der 
zweiten,  No.  2  der  dritten  Versuchsreihe)  schon  bei  einmaliger  Ein- 
führung in  einer  Menge  von  0,1  g  vollständige  Heilung  beim  Kanin- 
chen ergab,  nach  längerem  Stehen  in  einem  zwar  durch  Paraffin 
luftdicht  verschlossenen  Gefässe,  welches  jedoch  oft  eröffnet  wurde, 
nunmehr  selbst  bei  zweimaliger  Einführung  den  Prozess  bloss  be- 
deutend zu  verzögern  vermochte.  Diese  Erscheinung  kann  nur  da- 
durch erklärt  werden,  dass  das  wirksame  Prinzip  in  dem  Fäulniss- 
extrakte unter  dem  Einflüsse  von  Zeit,  Luft,  Licht  etc.  geschwächt 
wurde.  Um  diese  letztere  Annahme  zu  begründen,  wurde  von  uns 
noch  eine  Reihe  von  Versuchen  unternommen,  bei  welchen  den  in- 
fizirten  Thieren  Extrakte  injizirt  wurden,  welche  verschieden  lange 
Zeit  bei  Luftzutritt  und  ohne  denselben  aufbewahrt  wurden. 

Sechste  Versuchsreihe. 

Am  5.  April  werden  sieben  Kaninchen  mit  Anthrax  injizirt. 

No.  1  Kontrollobjekt  krepirt  nach  50  St. 

No.  2  und  3  wird  5  St.  nach  der  Infektion  0,1  g  vom  Extrakt 
No.  I  injizirt,  welches  2  Monate  lang  in  einem  öfters  geöffneten 
Gefässe  aufbewahrt  wurde.  No.  2  krepirt  nach  60,  No.  3  nach  90 
Stunden. 

No.  4  und  5  wird  5  St  post  infection.  0,1  vom  Extrakt  No.  II 
eingespritzt,  welches  1  Monat  lang  aufbewahrt  und  nach  24  stündigem 


604  Kostju  rin  und  Krainsky,  Uetor  Heilung  de«  Milibrandes  etc. 

Offenstehen  an  der  Luft  angewandt  wurde.     No.  4  krepirt  nach  70, 
No.  5  nach  136  St. 

No.  6  und  7  wird  5  St.  post  infection.  0,1  g  vom  Extrakt  No.  III 
injizirt,  welches  1  Monat  lang  in  einem  gut  verschlossenen  Gefis* 
aufbewahrt  wurde.  No.  6  erscheint  am  5.  Tage  nach  der  Infektion 
matt;  Temperatur  =  37,0.  Es  werden  demselben  noch  0,05  vom  selben 
Extrat  eingespritzt.  Die  Temperatur  steigt  nach  der  Injektion  (38,ä;. 
Das  Kaninchen  geht  am  9.  Tage  zu  Gründe.  Die  Autopsie  ergab 
bei  allen  Anthrax.     No.  7  blieb  am  Leben. 

Diese  Versuche  zeigen,  dass  die  Fäulnissextrakte  im  Laufe  der 
Zeit,  besonders  aber  unter  Lufteinwirkung  allmählich  die  Fähigkeit 
verlieren,  den  Milzbrandprozess  bei  Kaninchen  zu  hemmen,  und  dass 
am  einflussreichsten  diejenigen  Extrakte  sind,  welche  nicht  länger, 
als  vor  30  Tagen  zubereitet  und  von  der  Luft  vollständig  abgeschlossen 
wurden. 

Parallel  mit  diesen  Versuchen  an  infizirten  Thieren  wurden  Ver- 
suche über  den  Einfluss  der  Fäulnissextrakte  auf  die  Vegetation  und 
Infektiosität  der  Anthraxbacillen  ausgeführt,  welche  sich  in  Nähr- 
medien entwickelten,  denen  verschiedene  Mengen  von  Fäulnissextraktec 
hinzugefügt  wurden. 

Den  28.  März  wurden  sechs  Reagenzgläschen  mit  Nähr- Agar- Agar 
versehen.  Die  ersten  drei  dienten  zur  Kontrolle,  zu  den  drei  letz- 
teren wurde  1—3°/«  eines  stark. wirkenden  Fäulnissextraktes  hinzu- 
gefügt Alle  6  Gläschen  wurden  mit  Anthrax  inokulirt.  Nach 
2  Tagen  zeigte  sich  in  allen  Reagenzgläschen  eine  üppige  Vegetation  von 
Anthraxbacillen.  Um  die  Intensität  der  Giftigkeit  der  erhaltenen 
Kulturen  zu  prüfen ,  wurden  2  Kaninchen  mit  einer  gleichen  Menge 
der  Kultur  No.  1  infizirt,  welche  ohne  Zusatz  und  No.  2,  welche 
unter  Hinzufügung  von  Fäulnissextrakten  erhalten  wurden.  Kaninchen 
No.  1  ging  nach  50  St.  zu  Grunde,  No.  2  blieb  am  Leben. 

Am  8.  April  wurden  vier  Kölbchen  mit  100  ccm  Fleischbrühe 
versehen.  No.  1  diente  zur  Kontrolle;  zu  No.  2  wurde  0,1  %,  zu 
No.  3  0,5  °/0,  zu  No.  4  1,0  °/0  Fäulnissextrakt  hinzugefügt.  Nach 
2  Tagen  konnte  man  in  allen  Kölbchen  deutliche  Vegetationen  er- 
kennen, am  stärksten  in  No.  1',  am  schwächsten  in  No.  4.  Am 
10.  April  wurden  3  Kaninchen  mit  gleichen  Kulturen  —  No.  1  aus 
dem  Kölbchen  No.  1,  No.  2  aus  No.  2,  No.  3  aus  No.  3  infizirt. 
Das  Kontrollkaninchen  No.  1  ging  nach  56  St  zu  Grunde.  Die  beiden 
anderen  blieben  am  Leben  und  bis  jetzt  ganz  gesund  (8.  Mai). 

Aus  dem  oben  Gesagten  lassen  sich  folgende  Schlussfolge- 
rungen machen: 

1)  Zur  rechten  Zeit  in  den  Organismus  von  Thieren  (Kaninchen), 
die  mit  Anthrax  infizirt  wurden,  eingeführte  Fäulnisstoxine  sind  im 
Stande,  die  Entwickelung  des  Krankheitsprozesses  vollständig  aufzu- 
halten. 

2)  Die  geheilten  Thiere  erlangen  keine  Immunität  für  weitere 
Infektion  mit  Anthrax. 

3)  Nur  frisch  zubereitete  und  gut  gegen  Einflüsse  von  Licht-, 
Luft-  etc.  geschützte  Fäulnissextrakte  (nicht  später  als  nach  1  Monat) 
dürfen  angewandt  werden,  da  sonst  bloss  bedeutende  Hemmung  in 
der  Entwickelung  des  Prozesses,  nicht  aber  Heilung  erreicht  wird. 


ErklÄrung.  605 

4)  Die  Injektion  von  Fäulnissextrakten  muss  6 — 8  Stunden  nach 
der  Infektion  gemacht  werden,  obgleich  in  einigen  Fällen  der  Prozess 
bei  Einführung  des  Extrakts  selbst  nach  24  Stunden  noch  aufge- 
halten werden  kann.  Man  erreicht  sicherere  Resultate  bei  Wiederho- 
lung der  Einspritzung  am  3.  oder  4.  Tage.  Die  Dosis  für  erstmalige 
Injektion  ist  0,1  g,  für  wiederholte  Einspritzungen  wird  die  Hälfte 
(0,05  g)  angewandt. 

5)  Kaninchen,  welche  der  Heilung  unterworfen  werden ,  müssen 
sorgfältig  vor  der  Möglichkeit,  nachträglich  dusch  Nebenumstände  in- 
fizirt  zu  werden,  geschützt  werden. 

6)  Das  wirksame  Prinzip  im  Extrakt  wird  augenscheinlich  nicht 
von  einem  bestimmten  Mikroben,  sondern  von  einem  Gemenge  der- 
selben gebildet. 

7)  Selbst  in  geringen  Mengen  (0,1—1  °/0)  zu  Nährmedien  hin- 
zugesetzte Fäulnisstoxine  vernichten  vollständig  die  Giftigkeit  der 
Milzbrandbakterien,  ohne  die  Vegetation  der  letzteren  zu  verhindern. 

8)  Die  von  uns  für  Kaninchen  bewiesene  Heilmethode  des  Milz- 
brandes dürfte,  wenn  sich  durch  dieselbe  bezüglich  anderer  Thiere 
(Schafe)  ebenso  günstige  Resultate  erreichen  Hessen,  eine  ungeheuere 
praktische  Bedeutung  gewinnen. 

9)  In  Anbetracht  der  Leichtigkeit,  mit  welcher  pathogene  Mi- 
kroben ihre  Giftigkeit  unter  dem  Einflüsse  von  Fäulnisstoxinen  ver- 
lieren, wäre  es  von  Interesse,  die  Anwendung  dieser  Methode  zur 
Erhaltung  von  Anthraxvaccine  zu  versuchen,  indem  letztere  bei  den 
jetzigen  Methoden  mit  grossen  Schwierigkeiten  und  unter  grossem 
Kostenaufwand  erhalten  wird. 

10)  Angesichts  der  Möglichkeit,  den  Milzbrandprozess,  welcher 
sich  durch  so  grosse  Intensität  auszeichnet,  durch  Fäulnisstoxine 
aufzuhalten,  wäre  es  von  Interesse,  die  Anwendung  der  genannten 
Heilmethode  bei  anderen  Infektionskrankheiten  zu  versuchen,  umso- 
mehr  als  die  bisherigen  Resultate  der  von  uns  augenblicklich  weiter 
fortgesetzten  Versuche  in  Bezug  auf  die  Tuberculose  uns  das  Recht 
geben,  zu  hoffen,  dass  auf  diesem  Wege  eine  bedeutende  Verzögerung 
in  der  Entwickelung  des  tuberculösen  Prozesses  zu  erreichen  möglich 
sein  wird. 

Charkow,  8.  Mai  1891. 


Erklärung. 

Vor  nicht  langer  Zeit  erschien  in  vorliegender  Zeitschrift  vom 
Privatdocenten  der  Botanik,  Herrn  Rothert,  ein  Referat  über  meine 
Doktordissertation1);  dieselbe,  in  russischer  Sprache  abgefasst,  war 
in  Folge  dessen  vielen  Lesern  im  Original  nicht  verständlich,  was 

1)  Podbielsky,  A.,  Untersuchung  der  Mikroben  der  Mundhöhle  von  Erwach- 
senen und  Kindern  im  gesunden  Zustande.  Mit  8  Taf.  (Doktor-Dissertation.)  8.  124 
pag.  Kasan  1890.  (Centralblatt  für  Bakteriologie  und  Parasitenkunde.  1891.  No.  18/19. 
617-622.) 


606  Erklärung. 

auch  die  einzige  Ursache  ist,  dass  ich  mir  die  Zeit  nehme,  auf  be- 
wusstes  Referat  des  Herrn  Rothert  zurückzukommen  und  einige 
Worte  der  Erklärung  zu  geben. 

Jeder,  der  sich  eingehend  mit  bakteriologischen  Studien  und 
Untersuchungen  befasst  hat,  kennt  zur  Genüge,  welche  Arbeit,  Geduld 
und  Zeit  es  erfordert,  Reinkulturen  von  Mikroben  zu  erzielen  and  sie 
zu  bestimmen,  besonders  wenn  man  es  mit  Materien  zu  thun  hat, 
die  viele  verschiedene  Arten  von  Mikroorganismen  enthalten.  Ebenso 
schwierig  erscheint  es  mir,  alle  Leser  in  gleicher  Weise  befriedigen 
zu  können,  besonders  wenn  sich  dieselben  kaum  oberflächlich  mit 
der  Sache  beschäftigt  haben. 

Es  gelang  mir,  von  54  Personen  beiderlei  Geschlechts  und  ver- 
schiedenen Alters  34  Reinkulturen  verschiedener  Mikroorganismen 
zu  erlangen.  Ein  Theil  dieser  Mikroorganismen  stellte  sich  als  iden- 
tisch mit  bereits  bekannten  und  von  andern  Forschern  in  der  Mund- 
höhle und  an  andern  Orten  gefundenen  und  genügend  beschriebenen 
Arten  heraus;  den  andern  Theil  jedoch  konnte  ich,  aus  Mangel  an 
litterarischen  Daten,  nicht  —  schon  bekannten  Arten  —  hinzufügen 
und  bezeichnete  ich  deshalb  dieselben,  um  ihnen  keine  neue  Namen 
zu  geben,  einfach  mit  Buchstaben. 

Die  Formen,  welche  sich  gleichzeitig  auf  den  Kultur-  and  auf 
den  Kontrollplatten  bildeten,  habe  ich  „nicht  immer41,  aber  „gewöhn- 
lich" ausgeschlossen,  weil  sie  sich  auf  den  Kulturplatten  zuweilen 
zahlreicher  vorfanden,  als  auf  den  Kontrollplatten  und  auch  von  mir 
in  den  gefärbten  Massen  der  Objekte  beobachtet  wurden.  Hätte  ich 
anders  gehandelt,  so  hätte  ich  alle  die  verschiedenen  Arten  von  Bak- 
terien, welche  aus  der  Luft  in  die  Mundhöhle  gelangen,  ausschliessen 
müssen ;  denn  in  der  Luft  der  Räume,  in  denen  die  Untersuchungen 
vorgenommen  werden  und  in  den  Wohnungen  der  Leute,  von  denen 
die  Objekte  herstammten,  fanden  sich  bisweilen  ein  und  dieselben 
Formen  von  Mikroben. 

In  seiner  Kritik  über  die  von  mir  festgestellten  und  beschrie- 
benen Formen  vertrat  Referent  den  Standpunkt  eines  Morphologen. 

Bei  der  nun  folgenden  Erklärung  werde  ich  mich  der  Nume- 
rirung  des  Referenten  bedienen. 

21)  Bacillus  s  üb  tili  8.  Ich  fand  denselben  vollkommen 
identisch  mit  der  von  Escherich  in  seiner  Arbeit1)  beschriebenen 
Form,  auf  welche  Arbeit  ich  in  meiner  Dissertation  speziell  hinwies, 
weshalb  ein  jedes  Missverständniss  des  Referenten  ausgeschlossen 
sein  musste. 

34)  Cladothrix  dichotoma  (Cohn).  Referent,  nicht  ein- 
verstanden seiend  mit  der  von  mir  aufgestellten  Bestimmung  der 
Form,  ändert  plötzlich,  aus  mir  ganz  unbegreiflichen  Gründen,  seinen 
sich  bisher  vollkommen  in  den  Grenzen  der  ruhigen  Kritik  bewegen- 
den Ton  und  stellt  die  mehr  denn  eigentümliche  Behauptung  auf, 
dass  ich  sicherlich  nicht  einmal  eine  genaue  Beschreibung  der 
Cladothrix  dichotoma  gelesen  habe,  geschweige  denn  sogar  ein 
Präparat  derselben  gesehen. 

1)  T.  Escherich,  Die  Dannbakterien  des  Säuglings.  Stnttg.  1886. 


Bemerkung  u  dar  „Erklärung"  des  Herrn  Dr.  A.  Podbielsky.  607 

36)  Saccharomjces  chromogenes.  Die  Bestimmung  der- 
»elben  ruft  wiederum  beim  Referenten  Zweifel  hervor,  besondere  beim 
Vergleich  der  Beschreibung  der  Form  im  hängenden  Tropfen  mit 
ier  Zeichnung  des  gefärbten  Präparates.  Der  hier  gerügte  Unter- 
schied ist  einzig  und  allein  auf  die  technische  Unvollkommenkeit 
unserer  hiesigen  Kasanschen  Lithographie  zurückzufahren. 

37)  Bacillus  butyricus.  Kritisirend  die  Beschreibung  dieser 
Form  im  hängenden  Tropfen,  kommt  Referent  zu  dem  eigenartigen 
Schluss,  dass  ich  Prazmowski's  Clostridium  butyricum  ge- 
meint haben  müsse;  „falls  Verf.  Prazmowski's  Clostridium 
butyricum  gemeint  hat,  so  ist  er  hier  wieder  im  Irrthum";  hierüber 
ein  Wort  zu  verlieren,  halte  ich  für  überflüssig;  denn  der  Unterschied 
zwischen  der  von  mir  beschriebenen  Form  Bacillus  butyricus 
und  dem  Clostridium  butyricum  (Prazmowski)  ist  mir 
mehr  denn  zur  Genüge  bekannt. 

Zum  Schluss  beanstandet  Referent  7  Punkte  des  R6sum6  meiner 
Dissertation  und  sagt:  „Mehrere  von  diesen  Sätzen  —  dabei  aber 
nur  auf  ganze  zwei  Punkte  hinweisend  (eigentümlicher  Begriff 
des  Wortes  „Mehrere")  —  betreffen  Fragen,  die  ausser  in  dem 
R6sum6  überhaupt  nicht  berührt  sind." 

Ich  bin  fest  überzeugt,  dass  Referent,  betreffs  seines  Punktes  5. 
„Peptonisirende  Wirkung41,  weniger  leichthin  geurtheilt  haben  würde, 
wenn  ihm  überhaupt  die  Bedeutung  dieses  technischen  Aus- 
drucks —  Peptonisirende  Wirkung  der  Mikroben1)  —  in  der  Bak- 
teriologie bekannt  gewesen  wäre. 

Ich  hoffe,  dass  diese  meine  Erklärung  nur  eine  Vervollständigung 
des  Referats  des  Herrn  Rothert  bildet  und  ihr  folglich  in  keinem 
Falle  eine  andere  Bedeutung  beizulegen  sei.      Dr.  A.  P  o  d  b  i  e  1  s  k  y. 


Bemerkung 
zu  der  „Erklärung"  des  Herrn  Dr.  A.  Podbielsky. 

Mein  Referat,  gegen  welches  sich  obige  „Erklärung"  richtet 
ist,  wie  der  Verf.  seibat  anerkennt,  in  sachlichem  Tone  gehalten,  und 
hoffentlich  wird  kein  Leser  desselben  den  Eindruck  empfangen  haben, 
&ls  wollte  ich  die  unzweifelhaft  fieissige  und  mühsame  Arbeit  des 
Verf.'s  herabsetzen ;  ich  glaube  den  wesentlichen  Inhalt  derselben  ge- 
wissenhaft wiedergegeben  zu  haben,  hielt  mich  aber  auch  für  berech- 
tigt, auf  die  Schwächen  und  Unklarheiten  derselben  aufmerksam  zu 
machen. 

Ich  kann  nicht  zugeben,  dass  meine  Ausstellungen  durch  obige 
Entgegnung  des  Autors  entkräftet  worden  seien.  Wer  die  in  der 
Bakteriologie  ohnehin  bereits  herrschende  Konfusion  nicht  noch  ver- 
mehren will,  muss  sich  durchaus  streng  an  die  Regel  halten,  keinen 
Speziesnamen   zu   nennen,    ohne  sich  auf  den  Autor  zu  beziehen, 

1)C.  Fraenkel,  Grundriss  der  B*kteri«nkund«.  1887.  p.  28. 


608  Bemerkung  zu  der  „Erklärung"  des  Herrn  Dr.  A.  Podbielsky. 

welcher  diese  Spezies  aufgestellt  und  beschrieben  hat  Nun  ist  Ba- 
cillus  subtilis  von  Cohn  und  von  Brefeld  morphologisch  ge- 
nau beschrieben  worden ;  niemand  ist  fortan  berechtigt,  ein  Bakterium 
als  Bacillus  subtilis  zu  bezeichnen,  ohne  sich  von  der  Identität 
desselben  mit  dem  von  diesen  Autoren  gemeinten  Bakterium  überzeugt 
zu  haben;  es  genügt  keineswegs,  in  der  Einleitung  zu  seiner  Schrift 
eine  Arbeit  von  Escherich  genannt  zu  haben.  —  Ebenso  darf 
nach  den  allgemein  üblichen  Nomenclaturregeln  nur  die  von  Prai- 
mowski  beschriebene  Form  auf  den  Namen  Bacillus  butyricus 
Anspruch  machen ;  hätte  der  Verf.  unter  seinem  wieder  ohne  jede 
Autorencitation  angeführten  Bacillus  butyricus  diese  Form  ge- 
meint (was  ich  keineswegs  behauptet  haben  wollte),  so  wäre  er  im 
Irrthum  gewesen;  da  er  aber,  wie  er  jetzt  sagt,  wissentlich  eine  an- 
dere Form  gemeint,  so  hatte  er  Unrecht,  denn  das  ist  wieder  Kon- 
fusionsmacherei.  Ich  verbreite  mich  über  diese  Dinge  nicht  wegen 
blosser  Polemik,  sondern  weil  es  sich  hier  um  eine  nicht  unwichtige 
Prinzipienfrage  handelt. 

Das  stärkste  in  dieser  Richtung  hat  aber  der  Verf.  unstreitig 
mit  seiner  Cladothrix  dichotoma  geleistet  Während  es  noch 
allenfalls  einigermassen  entschuldbar  gefunden  werden  kann,  wenn 
Jemand  die  verschiedenen  Bacillen  verwechselt  oder  schlecht  identi- 
fizirt,  so  ist  hingegen  Cladothrix  dichotoma  eine  dermassen 
charakteristische  Form,  dass  eine  Verwechselung  völlig  ausgeschlossen 
ist;  ich  muss  bei  meiner  Behauptung  bleiben:  wer  jemals  diese  Bak- 
terie nach  der  Natur  oder  auch  nur  nach  einer  guten  Abbildung 
kennen  gelernt  hat,  der  erkennt  sofort,  dass  der  von  Herrn  Dr. 
Podbielsky  so  bezeichnete  Organismus  etwas  himmelweit  ver- 
schiedenes ist;  ich  bedauere  nur,  nicht  die  von  dem  Verf.  gegebene 
Abbildung  hier  reproduziren  zu  können,  dieselbe  wäre  das  sprechend- 
ste corpus  delicti.  Ich  habe  mich  hierüber  in  meinem  Referat  etwas 
scharf  ausgedrückt,  doch  kam  es  mir  auch  hier  keineswegs  auf  einen 
persönlichen  Ausfall  gegen  den  Verf.  an,  sondern  darauf,  an  diesem 
eklatanten  Beispiel  zu  zeigen,  wie  leider  Viele  beim  Bestimmen  von 
Bakterien  verfahren.  Es  würde  wohl  schwerlich  Jemandem  einfallen, 
über  irgend  welche  andere  Gruppe  des  Pflanzen-  und  Thierreiches 
zu  schreiben,  ohne  sich  vorher  eine  genügende  Kenntniss  ihrer  Mor- 
phologie und  Systematik  angeeignet  zu  haben ;  nur  die  Bakterien  ge- 
messen eine  Ausnahmestellung:  sehr  Viele  glauben,  wenn  sie  sich 
mit  den  schablonenmässigen  Kultur-  und  Färbungsmetboden  derselben 
vertraut  gemacht  haben,  sich  mit  einer  ganz  oberflächlichen  Kennt- 
niss ihrer  Morphologie  und  Physiologie  begnügen  zu  dürfen,  und 
fördern  deshalb  nur  allzu  häufig  botanische  Horrenda  zu  Tage.  Es 
ist,  wie  mir  scheint,  nicht  nur  das  Recht,  sondern  die  Pflicht,  vor- 
kommenden Falls  gegen  diesen  Zustand  der  Dinge  Protest  zu  er- 
heben. 

Um  diese  Bemerkung  nicht  ungebührlich  in  die  Länge  zu  ziehen, 
lasse  ich  die  übrigen,  weniger  wesentlichen  Punkte  der  Erklärung 
meines  geehrten  Opponenten  unberührt.  W.  RotherL 


Bakterien  im  Munde.  gQ^ 


Referate. 


David,   Th.,   Les  microbes  de  la  bouche.   8°.   302  p.    Mit 
113  Figuren  im  Text.    Paris  (F.  Alcan)  1890. 
Das  vorliegende,  auch  äosserlich  vorzüglich  ausgestattete  Werkchen 
löst  die  Aufgabe,  die  es  sich  gestellt  hat,  in  ausgezeichneter  Weise.  In 
klarer  Darstellung  und  unter  Zuhfilfenahme  sehr  gut  ausgeführter,  theil- 
weise  farbiger  Zeichnungen,  werden  die  Mikroorganismen  im  Allgemeinen, 
ihre  Formen,  ihre  Färbung  und  Züchtung  besprochen,  und  dann  alle  die 
eingehend   geschildert,   die  im  Munde  leben,   von   dort  aus  in  den 
Organismus  eindringen  und  örtliche  oder  allgemeine  Störungen  er- 
zeugen.   Dem  allgemeinen  Theil  ist  das  erste  Kapitel  gewidmet,  in 
dem  u.  a.  auch  die  Herstellung  der  Farblösungen,  die  Bereitung  der 
Nährböden,  das  Giessen  von  Platten  u.  s.  w.  genau  beschrieben  wird.  Im 
zweiten  Kapitel  werden  die  wichtigsten  Sapropbyten  geschildert  und 
die   Gährungsvorgänge  eingehend   besprochen.     Im   dritten   Kapitel 
werden  die  pathogenen  Mikroorganismen  beschrieben,  denen  man  ge- 
legentlich im  Speichel  begegnet:   Bacillus  der  Sputumseptikämie, 
Pneumococcus,  Friedländer 's  Bacillus,  Streptococcus 
pyogenes,  Staphylococcus  pyogenes  aureus  und  albus. 
Im  Kapitel  IV  folgen  die  Mikrobien,  welche  Mund-  und  Zahnkrank- 
heiten erzeugen,  deren  Aufzählung  über  den  Rahmen  des  Referats 
hinausginge.    Praktische  und  therapeutische  Massnahmen,  die  sich 
aus  den  vorhergehenden  Ausführungen  ergeben,  dringende  Empfehlung 
der  Antisepsis  in  der  Zahnheilkunde  u.  s.  w.  bilden   den  Inhalt  des 
V.  Kapitels.    Ein  sehr  sorgfältiges  Inbaltsverzeichniss  erhöht  den 
Werth  des  D.'schen  Buchs,  das  der  französischen  Zahnheilkunde  alle 
Ehre  macht. 

In  einer  lobenden  Vorrede  spricht  Pasteur  dem  Verf.  seine 
Anerkennung  aus.  Wir  können  dem  grossen  Bakteriologen  darin  in 
allem  beipflichten,  nur  in  einem  Satze  nicht:  „Votre  livre,  qui  est 
le  premier  livre  de  vulgarisation  sur  un  tel  sujet,  rendra  de  vöritables 
seivices."  D.  ist  nicht  der  Erste,  der  über  die  Bakteriologie  des 
Mundes  gearbeitet  hat,  diese  Ehre  gebührt  nach  Ansicht  des  Ref. 
dem  Berliner  Professor  der  Zahnheilkunde,  Miller,  den  auch  D. 
vielfach  zitirt.  Uebrigens,  wie  nebenbei  bemerkt  sein  mag,  zeichnet 
*ich  das  D.'scheWerk  dadurch  sehr  vortheilhaft  aus,  dass  die  Littera- 
turangaben,  auch  die  deutschen,  sehr  vollständig  und  genau  sind. 

Im  therapeutischen  Theile  werden  zahlreiche  Rezepte,  zum  Theil 
8ehr  komplexer  Natur,  als  Muster  angeführt,  die  sich  gewiss  sehr  ver- 
einfachen liessen.  Unter  den  Mundwässern  vermisst  man  das  von 
Salkowski  und  vom  Ref.  so  warm  empfohlene  Chloroformwasser. 
Das  Buch  D.'s  verdient  auch  in  Deutschland  gelesen  und  be- 
achtet zu  werden.  Der  Preis  von  10  Frank  ist  bei  der  guten  Aus- 
stattung billig  zu  nennen.  M.  Kirchner  (Hannover). 


€10  Tabercalowi 

Frisch,  A.  t.,  Zur  Diagnose  der  tuberculösen  Erkran- 
kungen des  Urogenitalsystems.  (Intern,  klin.  Rundschau. 
1891.  No.  28—30.) 
Innerhalb  weniger  Wochen  hatte  Verf.  Gelegenheit,  bei  T 
jugendlichen  Individuen  (von  2l/i  bis  16  Jahren)  mit  Hülfe  des  Kach- 
weises von  Tuberkelbacillen  im  Harne  die  Diagnose  auf  Tubercalose 
des  Urogenitalsystems  festzustellen.  Dieser  Nachweis  ist,  wie  be- 
kannt, nicht  immer  ein  leichter.  Die  Tuberkelbacillen  kommen  näm- 
lich im  Harne  in  zweierlei  geradezu  extremen  Erscheinungsweisen 
vor.  Entweder  massenhaft,  in  förmlichen  Reinkulturen  —  und  daoo 
bietet  deren  Nachweis  keinerlei  Schwierigkeiten  —  oder  nur  vereinzelt, 
und  gelingt  ihr  Nachweis  in  diesem  Falle  nur  durch  Anfertigung 
zahlreicher  Präparate,  welches  Verfahren  ebenso  mühsam  wie  zeit- 
raubend ist  Hier  leisten  schon  die  von  Kir stein  (Filtration  des 
Harnes),  Biedert  (Sedimentirungsmethode)  und  Sohlen  und  Wen- 
drin  er  (Zusatz  von  je  12  %iger  Borax-Borsäurelösung)  angegebenen 
Methoden  Gutes;  das  beste  jedoch  leistet  die  Anwendung  der  Centn- 
fuge  von  Stenbeck,  welche  in  Kombination  mit  der  Sedimentirunga- 
oder  v.  Sehlen-Wendriner's  Methode,  wenn  der  Harn  stark 
eiter-  oder  urathaltig  ist,  sowohl  den  Nachweis  der  etwa  vorhandenen 
Bacillen,  als  auch  den  Werth  der  negativen  Befunde  sichert  Diese 
Kombination  bietet  auch  ausserdem  den  Vortheil,  dass  die  Smegma- 
bacillen  bei  der  Behandlung  mit  Aetznatron  die  derjenigen  der 
Tuberkelbacillen  ähnliche  Farbbarkeit  einbflssen  und  man  dadurch 
vor  Irrthümern  geschützt  ist 

Das  vom  Verf.  erprobte  Verfahren  ist  daher  folgendes:  „Relativ- 
klare  Harne  werden  mittelst  der  Centrifuge  rasch  sedimentirt;  stark 
eitrige  Harne  werden  nach  Biedert's  Methode  behandelt  und  dann 
centrifugirt,  an  Uraten  reiche  Harne  werden  nach  v.  Sohlen- 
Wendriner  behandelt  und  hierauf  ebenfalls  der  raschen  Sedimen- 
tation mit  der  Centrifuge  unterworfen.1'         Kamen  (Czernowitz). 

Eisenhardt,  E.,  Ueber  Häufigkeit  und  Vorkommen  der 
Darmtuberculose.  (Inaug.  Dissert)  München  1891. 
Verf.  hat  sein  statistisches  Material  aus  den  Protokollen  von 
1000  Sektionen  tuberculöser  Individuen,  die  im  MQnchener  pathol.  In- 
stitute in  den  Jahren  1886—1890  ausgeführt  wurden,  gewonnen.  Kinder 
unter  16  Jahren  sind  von  dieser  Statistik  ausgeschlossen.  Von  diesen 
1000  Fällen  war  nur  ein  einziger  sicherer  Fall  von  primärer  Darm- 
tuberculose; in  566  Fällen  war  sekundäre  Darmtuberculose  vorhanden, 
wobei  bemerkt  werden  muss,  dass  alle  tuberculösen  Erkrankungen, 
(nicht  nur  Lungenphthise)  in  Rechnung  gezogen  wurden.  In  dreien 
dieser  566  Fälle  lagen  von  Seiten  der  Lungen  keine  spezifischen  Ver- 
änderungen vor;  die  übrigen  zeigten  Lungentuberculo.se  in  verschie- 
denen Graden  und  Stadien.  In  427  Fällen  waren  ausser  den  Langen 
in  anderen  Organen  keine  spezifischen  Veränderungen  nachweisbar. 
Kavernenbildung  war  in  489  Fällen  vorhanden,  davon  war  sie  400 
Mal  eine  ausgedehnte.  Beim  Zustande  kommen  der  Darmtuberculose 
kommt  in  erster  Reihe  die  Infektion  durch  das  Sputum  in  Betracht; 
erst  in  zweiter  Linie  eine  hämatogene  oder   lymphogene  metasUti- 


Tuberculose.  ßll 

sehe  Infektion  der  Darmfollikel.  Bezüglich  der  Lokalisation  der 
Darmtuberculose  ergab  die  Statistik,  dass  das  Ileum  die  Prädilektions- 
stelle für  die  Ansiedelung  der  Tuberkelbacillen  ist,  dann  folgen  Coe- 
cum,  Bauhin 'sehe  Klappe,  Colon  ascendens,  Processus  vermiformis, 
Colon  transversum  und  descendens,  Jejunum,  Rectum,  S.  Bomanum,  Duo- 
denum. Eine  sichere  tuberculose  Affektion  der  Magenschleimhaut 
war  nur  einmal  nachweisbar.  Was  die  Heilung  der  tuberculösen 
Darmgeschwüre  betrifft,  so  war  nur  in  10  Fällen  eine  vollkommene 
Ausheilung  einzelner  Geschwüre,  in  weiteren  25  Fällen  nur  eine  un- 
vollkommene Vernarbung  vorhanden.  Tuberculose  des  Peritoneums 
resp.  tuberculose  Peritonitis  war  21  mal  vorhanden;  einmal  tuber- 
culös  hämorrhagische  Pelveoperitoniüs.  Komplete  Darmperforation 
wurde  in  28  Fällen  beobachtet.  Tan  gl  (Tübingen). 

Jensen,  C.  0.,Tuberculose  beim  Hund  und  bei  der  Katze. 
(Deutsche  Zeitschrift  für  Thiermedizin.  Band  XVII.  1891.  Heft  4.) 
Die  Arbeit  bietet  fast  ausschliesslich  anatomisches  Interesse  und 
gibt  Aufschlüsse  über  die  Häufigkeit  der  Tuberculose  bei  Hund  und 
Katze  und  über  die  Verbreitung  des  tuberculösen  Prozesses  im  Körper 
dieser  Thiere.  Dittrich  (Prag). 

(bracher  et  Ledoux- Lebard,  ßtudes  sur  la  tuberculose 
expörimentale  du  lapin.   (Archives  de  m6decine  exp&imen- 
tale  et  d'anatomie  pathologique.    1891.  No.  2.) 
Die  Tuberkelbacillenkulturen,  mit  denen  diese  Versuche  angestellt 
wurden,  stammten  sämmtlich  von  Vögeln  her. 

Einfluss  der  überimpften  Kulturmenge.  Impfung  in 
die  Ohrvene  von  Kaninchen.  Die  Dosis  der  getrockneten  Kulturen, 
welche  f&hig  ist,  Kaninchen  von  2  Kilo  Gewicht  zu  tödten  (Typus 
Yersin  mit  den  hauptsächlichsten  Veränderungen  in  Leber  und 
Milz)  zeigt  im  Allgemeinen  weite  Grenzen,  die  zwischen  0,02  und 
I  mg  liegen. 

0,01—0,0001  mg  tödten  Kaninchen  in  93-218  Tagen.  Man 
findet  dann  mehr  oder  weniger  begrenzte  und  oft  nicht  sehr  bedeutende 
Lungentuberculose.  Dabei  kann  auch  Tuberculose  in  entfernteren 
Organen  (Leber,  Milz,  Gelenke  u.  s.  w.)  vorkommen.  Nach  spontaner 
Ausheilung  der  Affektion  von  Leber  und  Milz  kann  bei  langsamem 
Verlaufe  eine  Ablagerung  und  Vermehrung  der  Tuberkelbacillen  an 
der  Peripherie  erfolgen,  und  beispielsweise  eine  eiterige  und  tuberculose 
Gelenksaffektion  sich  entwickeln. 

Einfluss  steigender  Dosen  auf  die  experimentelle 
Tuberculose.  Immunisirungsversuche.  Der  Versuch,  Kaninchen 
durch  Impfung  mit  allmählich  steigenden  Dosen  von  Tuberkelbacillen* 
kulturen  gegen  tödtliche  Dosen  zu  immunlsiren,  misslang;  doch  änderte 
sich  der  Typus  der  Krankheit  und  es  zeigten  sich  mehr  oder  weniger 
umschriebene  periphere  Veränderungen,  sobald  Leber  und  Milz  eine 
normale  Beschaffenheit  haben. 

Einfluss  des  abgeschwächten  Virus.  Die  Abschwächung 
nahmen  Verff.  mittelst  Wärme,  Eintrocknung  und  Lichtes  vor.  Die 
mit  abgeschwächtem  Virus  geimpften  Kaninchen  blieben  längere  Zeit 


ß!2  Cysticerken.  —  Reiffäule  der  Trauben  und  AepfeJ. 

am  Leben,  und  zwar  war  die  Lebensdauer  im  geraden  Verhältnisse 
zum  Grade  der  Abschwächung.  Je  nach  dem  Grade  der  Abschw&chung 
des  Virus  ist  aber  auch  das  Krankheitsbild  ein  verschiedenes. 

Dittrich  (Prag). 

Siebter,  Max,  Ueber  einen  Fall  von  racemosen  Cysticer- 
ken   in    den    inneren    Meningen    des    Gehirnes     und 
Rückenmarkes.    [Aus  Prof.  Chiari's  pathol.-anatom.   Insti- 
tute an  der  deutschen  Universität  in  Prag.]    (Prager  medizinische 
Wochenschrift.  1891.  No.  16.) 
Die  Sektion  ergab  in  den  Subarachnoidealräumen  an  der  Gehirn- 
basis grosse,  vielfach  verzweigte,  stark   hydropische  Exemplare  von 
Cysticercus  racemosuB,  ferner  in  den  Sylvi'schen  Spalten  ein- 
zelne, bis  bohnengrosse,  abgestorbene  Cysticerken.    Ausserdem  fand 
sich   an   der  linken   Seite  der  Medulla  spinalis  in   der  Höhe   des 
4.  Hals-  und  des  10.  Brustwirbels  je  ein  bohnengrosser,  verzweigter, 
hydropischer  Cysticercus  unter  der  Arachnoidea. 

Die  Blasen  waren  theils  mit  Kalkkrümeln  und  Detritus  erfüllte, 
wurstähnliche  Blasen,  theils  an  dem  einen  Ende  sich  zu  einer  Art 
Stiel  verjüngende  und  mit  spärlichen  Ausbuchtungen  versebene  Blasen, 
die  mit  dem  Inneren  des  grossen  Blasenraumes  weit  kommunizirten 
(buchtige  Form  nach  Zenker),  theils  endlich  racemose  Cysticerken 
in  ihrer  ausgebildeten  Form. 

Nirgends  waren  Finnenköpfe  oder  Haken  nachzuweisen ;  doch  Hess 
die  Untersuchung  der  Blasenwand  die  Diagnose  auf  Cysticerken  stellen. 

Dittrich  (Prag). 

Southworth,  E.  A.,  Ripe  rot  of  grapes  and  apples  (Gloeo- 
sporium  fruetigenum  Berk.).  (Journal  of  Mycology.  VI. 
1891.  p.  164—173  u.  Taf.  XVI.) 
Von  Gloeosporium  fruetigenum  Berk.  (Ascochyta 
rufo-maculans  Berk.)  war  bisher  bekannt,  dass  er  dem  von  ihm 
ergriffenen  Fruchtfleisch  des  Apfels  einen  bitteren  Geschmack  ver- 
leiht, eine  Bitterfäule  in  demselben  veranlasst  1888  beschrieb  ferner 
Scribner  eine  Fäule  der  Weintrauben,  welche  sich  nun  durch  wechsel- 
seitige Infektionsversuche  als  durch  obengenannten  Pilz  herausgestellt 
hat,  ohne  aber  eine  Bitterfäule  und  bitteren  Geschmack  der  Trauben  zu 
bewirken.  Als  gemeinsame  Bezeichnung  für  beide  Krankheitsformen 
ist  von  der  Verfasserin  der  Name  „Reiffäule"  gewählt  worden,  da 
nur  die  reifenden  Früchte  davon  ergriffen  werden.  Auf  dem  Apfel  er- 
scheinen braune,  etwas  eingesunkene  Flecke,  welche  sich  aber  schnell 
vergrössern  und  bald  die  ganze  Oberfläche  bedecken ;  auf  der  grünen 
Weintraube  erscheint  ein  rothbrauner  Fleck,  welcher  sich  über  die 
Hälfte  derselben  ausbreitet,  dabjji  schliesslich  im  Centrum  purpurn 
wird  und  einen  schmalen,  braunen  Band  besitzt,  während  die  rothen 
Beeren  nur  vertrocknen,  ohne  ihre  Farbe  zu  verändern.  Auf  diesen 
Flecken  treten  dann  bald  zahlreiche,  kleine,  schwarze  Pusteln  auf. 
Das  septirte,  anfangs  farblose  und  erst  später  dunkler  gefärbte 
Mycel  des  ausserordentlich  variirenden  Pilzes  wächst  intra-  und  be- 
sonders intercellular  und  bildet  beim  Apfel  zuweilen  unter  der  Epi- 


Schutzimpfung,  käostl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangshemmang  etc.      ßl3 

dermis  zusammenhängende  Häute.  Das  Stroma  wird  in  der  Epidermis 
angelegt,  durchbricht  dann  dieselbe,  färbt  sich  dabei  äusserlich  dunkel 
und  erzeugt  einzellige,  verschieden  grosse  und  verschieden  gestaltete, 
uuregelmässig  längliche,  farblose,  in  Masse  fleischfarben  erscheinende 
Sporen  entweder  auf  der  ganzen  Oberfläche  gleichmässig,  oder  aber 
es  sinken  die  centralen,  anfänglich  aus  grösseren,  durchscheinenden 
Hyphen  bestehenden  Partieen  ein,  und  in  der  entstehenden  Höhlung 
entstehen  auf  Basidien  ebenfalls  Sporen,  so  ein  Pseudopyknidium  dar- 
stellend. Auch  braune,  septirte,  verschieden  lange  Setae  treten  zu- 
weilen in  den  Pusteln  auf.  In  manchen  Fällen  ist  das  Stroma  sehr 
dünn,  besitzt  lange  Basidien  und  verschwindet  fast  vollständig,  nach- 
dem die  Cuticula  durchbrochen  ist,  wie  beim  typischen  Gloeospo- 
rium.  Die  Sporen  können  bei  der  Keimung  zwei-  oder  dreizellig 
werden ;  ihr  Keimschlauch  entwickelt  häufig  sekundäre  Sporen,  welche 
als  einfache,  farblose  Ausbreitung  der  Endigung  desselben  entstehen, 
sich  durch  eine  Scheidewand  abtrennen,  ihre  Wände  verdicken  und 
sich  schwach  olivbraun  färben.  Pykniden  und  Konzeptakeln  konnten 
nur  unvollkommen  beobachtet  werden. 

Die  Krankheit  tritt  auf  dem  Apfelbaum  ausserordentlich  häufig 
und  schädlich  in  Nordamerika  auf,  und  ist  Gefahr,  dass  sie  von  hier 
aus  sich  auch  weiter  auf  die  Weintrauben  verbreiten  würde.  In  den 
in  Körben  oder  Vorratskammern  aufgehäuften  Früchten  pflegt  sich 
auch  ferner  der  Pilz  schnell  von  infizirten  Exemplaren  den  benachbarten 
mitzutbeilen.  Sorgfältiges  Auslesen  aller  Früchte,  welche  der  Krankheit 
verdächtig  sind,  ist  eine  Gegenmassregel.  Die  Krankheit  kann  aber 
auch  ganz  vermieden  werden  durch  Bespritzung  der  erkrankten  Pflanzen 
mit  den  bekannten  Kupfersalzlösungen.  Brick  (Hamburg). 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Langlols.  P.,  Le  traitement  de  la  tuberculose  du  Dr.  R» 
Koch.    8°.  82  p.    Mit  Koch 's  Bildniss.    Paris  1890. 
Das  im  Dezember  v.  J.  erschienene  Schriftchen  ist  für  das  Laien- 
publikum bestimmt;  es  will  die  Natur  der  Tuberculose  populär  darstellen 
und  die  Koch'sche  Behandlungsmethode  dem  allgemeinen  Verstand- 
es näher  führen.    Für  uns  Deutsche  interessant  [ist  der  Eifer,  mit 
dem  die  grosse  Leistung  unseres  berühmten  Landsmannes  zwar   an- 
erkannt, aber  im  Wesentlichen  als  eine  Frucht  der  Arbeiten  Pasteur's 
hingestellt  wird.    Diese  Auffassung  muthet  uns   ebenso  originell  an, 
wie  das  im  Anhang  des  Schriftchens  abgedruckte  Telegramm  des  In- 
stituts in  St.  Petersburg,  voran  des  Prinzen  Alexander  von  Olden- 
burg, in  dem  man,  entzückt  über  die  Entdeckung  Kochs,  sich  beeilt, 
Pasteur  seine  Bewunderung  und  seine  Glückwünsche  auszusprechen. 
Den  Hauptinhalt  des  sehr  elegant  abgefassten  Schriftchens  bildet 
die  Uebersetzung  der  Veröffentlichung  R.  Koch's  vom  13.  11.  1890, 


514     Schutzimpfung,  künsÜ.  Infektionskrankheiten,  Entwickelnngshemmimg  etc. 

der  Verhandlungen  der  Berliner  freien  chirurgischen  Vereinigung 
vom  16. 11.  1890  und  des  Berichts  von  O.  Fraentzell  und  Rank- 
witz. Eine  kurze  Biographie  und  ein  sehr  gut  getroffenes  Bildniss 
Koch 's  erhöht  den  Werth  des  Schriftchens. 

Vorangeschickt  sind  kurze  und  doch  erschöpfende  Auseinander- 
setzungen Qber  die  Natur  der  Tuberculose,  die  Symptome  der  Langen-, 
Knochen-  u.  s.  w.  Tuberculose  und  des  Lupus,  über  die  Ansteckangs- 
weise  der  Krankheit,  die  Morphologie  und  Biologie  des  Tuberkel- 
bacillus  und  die  experimentelle  Tuberculose.  Werthvoll  ist  besonders, 
dass  die  von  einer  zu  diesem  Zwecke  eingesetzten  Kommission  der 
Akademie  der  Medicin  verfassten  prophylaktischen  Sätze  im  Wort- 
laut zum  Abdrucke  gelangen.  Ferner  werden  der  Koch'scben  Ver- 
öffentlichung noch  die  bekannten  Mittheilungen  von  Grancher  and 
Martin  sowie  von  Rieh  et  und  H6ricourt  Ober  die  Behandlung 
der  Tuberculose  mit  Hundeblut,  sowie  Qber  Impfung  gegen  Tuber- 
culose vorangeschickt  und  die  Natur  der  Virus  und  Vaccins  im  All- 
gemeinen besprochen. 

Eine  kurze  Mittheilung  über  die  ersten  Impfungen  mit  Tuber- 
culin  in  Paris,  vorgenommen  von  P6an  und  Gornil,  eine  Aensse- 
rung  des  Missbehagens  Qber  die  nicht  vollsändige  Freigabe  des  Mittels 
(unter  Hinweis  auf  das  Verbot  von  Geheimmitteln  durch  den  Code 
Napoleon [I] ),  und  ein  Drtheil  über  den  Werth  des  Koch'scben 
Heilverfahrens  bilden  den  Beschluss  des  interessanten  Schriftcbens. 
Dieses  Urtheil  lautet  natürlich  reservirt,  wie  es  alle  Urtheile  in  jenen 
ersten  Wochen  des  Staunens  und  der  Erregung  hätten  thun  sollen. 

Die  Schrift  L.'s  bringt  ebensowenig  Neues,  wie  so  viele  andere 
aus  der  Unzahl  von  Büchern  und  Broschüren,  welche  der  Koc ti- 
schen Veröffentlichung  ihre  Entstehung  verdanken,  aber  sie  verdient 
tiefer  gehängt  zu  werden,  weil  sie  das  Urtheil  wiedergibt,  welches 
unsere  Nachbarn  jenseits  des  Rheins  sich  während  und  kurz  nach 
jenen  denkwürdigen  Novembertagen  über  die  Arbeit  unseres  grossen 
Forschers  gebildet  haben,  hierin  liegt  sogar  ein  nicht  geringer  histo- 
rischer Werth.  M.  Kirchner  (Hannover). 

Aberg,E.,De  la  curabilit6  de  la  phthisie  pulmonaire  et 
de  quelques  autres  maladies  chroniques   de   la  poi- 
trine    par    l'eau  d'une    basse   tempörature.      8°.  63  p» 
Buenos-Aires  1890. 
Das  mit  einem  grossen  Schwall  von  Worten   abgefasste  Schrift- 
chen, das  in  einer  hochtrabenden  Einleitung  dem  Prof.  A.  V erneu il 
gewidmet  ist,   enthält  im  Wesentlichen  nichts  weiter,   als   die  fran- 
zösische Uebersetzung  eines  1880  in  Stockholm  gehaltenen  Vortrages, 
in  dem  A.  als  Heilmittel  der  Phthisis  ein  von  ihm  ersonnenes  Wasser- 
heilverfahren anpreist.    Dasselbe  besteht  in  drei  Anwendungen  (man 
entschuldige  das  Kneipp 'sehe  Wort,  aber  es  drängt  sich  unwillkür- 
lich  auf),    Waschungen,    Uebergiessungen,  beide    mit     Wasser  von 
0°,    und  Vollbäder  von  7—13  °  R,   die  bis   zu  höchstens  2  Minuten 
Dauer  gegeben  werden.    Eine  Reihe  von  Beobachtungen,  welche  die 
günstige  Wirkung  dieser  Behandlungsmethode  bezeugen  sollen,  bilden 
den  Beschluss.    Ein  näheres  Eingehen   auf  die  Arbeit  verbietet  die 
Richtung  des  „Centralblatts".  M.  Kirchner  (Hannover). 


kfinstl.  Infektionskrankheiten,  Entwiekelnngsfaemmang  etc.     (Jl{> 

Enud  and    Hugounenq ,    Action    de   certaines   couleurs 
d'aniline  sur   le  dövelopp emen t  et  la  virulence  de 
quelques  microbes.    (Lyon  m£d.  1891.  No.  14.) 
Behufs  theoretischer  Prüfung  des  von  Stilling  betreffs  des 
Pyoktanin  and  anderer  Anilinfarben  gemachten  Angaben  unternehmen 
die  Verft,  ebenso  wie  früher  schon  Bachner  für  den  Pneumobacillusr 
neuerdings  eine  Prüfung  des  Verhaltens  verschiedener  Anilinfarben 
gegen  Milzbrand,  Staphylococcus  pyogenes  aureus  und  den 
Gonococcus.    Sie  kamen  zu  dem  Schlüsse,  dass  unter  den  geprüften 
Farbstoffen  das  Methylenblau  und  das  Saffranin  in  sehr  verdünnten 
(2*/oo)  Lösungen  nicht  so  sehr  das  Wachsthum,  als  die  Virulenz  der 
betreffenden  Mikroorganismen  schädigt,  dass  jedoch  durch  konzen- 
triere Losungen  oder  längere  Einwirkung  verdünnterer  auch  das 
Wachsthum  derselben  leide.  Limb  eck  (Prag). 

Zagarl,  6k,  Sul  meccanismo  dell'attenuazione  del  virus- 
rabico.  (Oiorn.  intern,  delle  scienze  med.  1890.  Fase.  17.  p.  669.) 

Der  von  Protopopoff  (s.  d.  Centralbl.  Bd.  VI.  p.  129)  ge- 
lieferte Nachweis,  dass  die  Abschwächung  des  Wntbgiftes  allein  durch 
die  Einwirkung  höherer  Temperaturen  bewerkstelligt  werde,  veran- 
lassten Verf.  zu  eingebenden  Untersuchungen  über  die  Ursachen,  welche 
bei  der  Abschwächung  des  Wuthgiftes  nach  der  Methode  Pasteur's- 
mitbeteiligt  sein  könnten. 

Das  Rückenmark  von  Kaninchen  (256.-259.  Passage)  wurde  bei 
Luftzutritt  im  luftleeren  Räume  unter  Kohlensäure  und  unter  Sauer- 
stoff, in  8terilisirten  Reagenzröbrchen  ohne  und  mit  Aetzkali  am 
Boden  derselben,  dann  in  Glycerinbouillon  und  in  sterilisirtem  destil- 
lirtem  Wasser  untergetaucht  bei  35°  und  20°  G  gebalten  und  von 
Zeit  zu  Zeit  an  frische  Kaninchen  verimpft.  Wir  müssen  es  una 
versagen,  über  die  Einzelergebnisse  der  verschiedenen  Versuchsreihen 
ausführlicher  zu  berichten  und  beschränken  uns  auf  die  Wiedergabe 
der  Gesammtresultate. 

Das  fixe  Wuthvirus  wird,  wenn  es  einfach  bei  freiem  Luftzutritt 
einer  Temperatur  von  35°  G  ausgesetzt  bleibt,  nach  50—52  Stunden 
genügend  abgeschwächt  und  dessen  Virulenz  nach  56  Stunden  ver- 
nichtet Bei  der  Hinzufügung  von  Aetzkali  behufs  Austrocknung  unter 
sonst  gleicher  Versuchsanordnung  erlischt  die  Wirkungsfähigkeit  des 
Virus  nahezu  in  derselben  Zeit.  Die  raschere  Austrocknung  durch 
Aetzkali  trägt  nicht  oder  doch  nicht  wesentlicher  zur  Attenuation  des 
Virus  im  Rückenmarke  bei,  als  die  spontane  Austrocknung.  Da  die 
Virulenz  des  Wuthgiftes  in  GlyceriDÜeischbrühe  und  in  Wasser  bei 
einer  Temperatur  von  35°  eine  lange  Zeit  (118  Stunden)  erhalten 
bleibt,  kann  —  entgegen  Protopopoff  —  angenommen  werden, 
dass  die  Austrocknung  an  der  Abschwächung  und  Zerstörung  des 
Giftes  ebenfalls  theilnimmt. 

Im  Vakuum  bedarf  es,  um  die  Virulenz  des  Rückenmarkes  auf- 
zuheben, einer  viel  längeren  Zeit,  als  bei  freiem  Luftzutritt  Während 
das  Rückenmark  in  Berührung  mit  atmosphärischer  Luft  bei  einfacher 
oder  mit  Hilfe  von  Aetzkali  bewerkstelligter  Austrocknung  seine  Viru- 
lenz nach  64  Stunden  verloren  hat,  behält  es  sie  im  luftleeren  Räume 


giß  Bakteriologisches  vom  VII.  internaiioDalen  Kongress  sa  London. 

unter  sonst  gleichen  Bedingungen  121  Stunden  bei.  Unter  Glycerin- 
bouillon  und  unter  Wasser  erlischt  bei  Luftzutritt  die  Virulenz  des 
Virus  nach  118 — 125  Stunden,  unter  gleichen  Umstanden  im  Vakuum 
wird  eine  Abschwächung  erst  nach  192  Stunden  beobachtet.  Das 
Virus  konservirt  seine  Virulenz  unter  Kohlensäure  eine  noch  länger? 
Zeit  als  im  Vakuum.  Einfach  getrocknetes  Kückenmark  unter  Kohlen- 
säure ist  noch  nach  168  Stunden  virulent,  während  es  im  Vakuum 
unter  den  gleichen  Bedingungen  nach  144  Stunden  alle  Wirkungs- 
fähigkeit eingebüsst  hat.  Das  Rückenmark  verliert  unter  Sauerstoff 
bei  35°  seine  Virulenz  in  einer  viel  kürzeren  Zeit,  als  bei  freiem  Luft- 
zutritt. 

Da  das  Wuthvirus  seine  Virulenz  in  trockenen  Oefässen  und  bei 
höherer  Temperatur  in  Berührung  mit  Sauerstoff  oder  Luft  in  sehr 
kurzer  Zeit  verliert,  sie  dagegen  in  feuchten  Gefässen  und  bei  niedriger 
Temperatur  im  Vakuum  oder  unter  Kohlensäure  sehr  lange  konser- 
virt, so  geht  hieraus  hervor,  dass  die  Abschwächung  und  fortschreitende 
Vernichtung  des  Wuthgiftes  im  Rückenmark  enge  verbunden  ist  mit 
einem  Oxydationsprozesse,  der  durch  Wärme  und  Aas- 
trocknung begünstigt  wird.  Kräl  (Prag). 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 
für  Hygiene  und  Demographie  zn  London, 
10-— 17.  August  1891, 

(ForUeUung.) 

Sektion  für  Bakteriologie. 

Zur  Unterscheidung  der  Gattungen  könnte  man  als  Kriterium  die 
Verschiedenheit  des  Wohnsitzes  wählen.  Einige  Gattungen,  z.  & 
Athene  noctua,  Alauda  arvensis,  haben  2— 3  Varietäten,  die 
mau  nach  der  Schnelligkeit  des  Entwickelungscyklus,  d.  h.  langsam,  be- 
schleunigt, schnell  sowohl  beim  Menschen  (Quartana,  Tertiana,  Quoti- 
diana)  als  bei  den  Vögeln  unterscheiden  könnte. 

Ist  auch  diese  Klassifikation  vielleicht  nur  eine  provisorische,  so 
wird  sie  doch  dazu  dienen  können,  neu  aufzufindende  Hämoparasiten 
zu  klassifiziren,  denn  alles  lässt  darauf  schliessen,  dass  diese  Gruppe 
endocellulärer  Mikroorganismen  mit  dem  weiteren  Fortschritt  der 
Wissenschaft  stetig  wachsen  wird. 

Prof.  Crookshank,  London,  beglückwünschte  Prof.  Laveran 
zu  seinem  glänzenden  Vortrage  und  stimmte  ihm  bei  in  der  Annahme, 
dass  die  Malaria  wahrscheinlich  die  Wirkung  der  thierischen  Parasiten 
sei ;  der  Augenschein  spräche  dafür,  dass  die  von  L  a  v  e  r  a  n  beschriebe- 
nen Körper  die  Ursache  seien,  indessen  dürfe  man  nicht  vergessen, 
dass  sie  auch  in  gesunden  Thteren  gefunden  seien. 


Bakteriologisches  Tom  VII.  internftttonaleii  Kongreu  in  London,  Q\J 

W.  North,  London,  sagte,  es  sei  nicht  zweifelhaft,  dass  eigen» 
thümliche  Veränderungen  im  Malariablute  zu  sehen  seien,  aber  er 
könne  nicht  annehmen,  dass  die  Malaria  allein  die  Folge  dieser  Ver- 
änderungen Bei.  Das  Plasmodium  sei  noch  niemals  in  der  Luft,  der 
Erde  oder  dem  Wasser  entdeckt  worden,  und  auch  die  Impfung  mit 
zweifellosem  Malariaboden  noch  niemals  von  Erfolg  gewesen.  Er  meint» 
die  Malaria  möchte  einem  höheren  Organismus,  als  einem  Bacillus  im 
Blute  zuzuschreiben  sein.  Einfache  chirurgische  Operationen  in  tropi- 
schen Gegenden  würden  oft  von  intermittirendem  Fieber  gefolgt.  Er 
dächte  nicht,  dass  die  Ursache  ein  parasitisches  Wesen  sei,  vielmehr 
sei  dies  die  ununterbrochene  Einwirkung  gewisser  klimatischer  Ver- 
hältnisse auf  das  wärmeregulirende  Nervensystem. 

Prof.  Hueppe,  Prag,  stimmt  in  toto  mit  Laver  an  überein. 
Anderson,  Mauritius,  wendete  sich  sehr  energisch  gegen  die 
Annahme,  dass  die  Malaria  klimatischen  oder  Kälteeinflüssen  unter- 
liege, und  beschrieb,  wie  Mauritius  zuerst  mit  Malaria  infizirt  wurde» 
und  wie  die  Infektion  Schritt  für  Schritt  verfolgt  werden  konnte  von 
dem  zuerst  infizirten  Orte  aus. 

Nach  einigen  Worten  Prof.  Laveran's  erhielt  das  Schlusswort 
Prof.  Celli,  welcher  bemerkte,  dass  er  auf  die  genaue  Geschichte 
der  Frage  aus  Zeitmangel  nicht  eingehen  könne,  abgesehen  davon,  dass 
hier  nicht  der  Ort  dazu  sei;  jedoch  verweise  er  Alle,  die  sich  dafür 
interessiren,  auf  das  Studium  der  Quellen.  Hier  werde  man  finden, 
dass  die  Geschichte  von  den  Laver  an' sehen  Angaben  bedeutend 
abdeicht.  • 

Ihm  kommt  es  nur  darauf  an,  die  Differenzen  zwischen  Laver  an 
ond  der  italienischen  Schule  in  ein  klares  Licht  zu  stellen.  Und 
deshalb  will  er  von  den  eigenen  Worten  eines  französischen  Autors, 
des  Dr.  Doulet,  Gebrauch  machen,  welcher  kürzlich  eine  unpartei- 
liche fitude  critique  (Paris,  Henri  Jouve,  1891),  Sur  Ätiologie  du 
paludisme  veröffentlicht  hat.  Nachdem  dieser  auseinandergesetzt  hat, 
was  er  Theorie  italienne,  Systeme  Marchiafava-Gelli  nennt» 
fahrt  er  S.  68  ff.  fort: 

On  peut  voir  .  .  .  que  les  idäes  de  Laveran  et  Celles  de  Mar- 
chiafava  et  Celli  sont  loin  de  concorder.  Ge  qu'elles  ont  de 
commun,  c'est  qu'elles  portent  sur  des  formes  6galement  vues  de  part 
et  d'autre,  savoir :  formes  libres  dans  le  särum  primitivement  döerites 
par  Laver  an:  corps  sph&iques  avec  ou  sans  flagelles,  flagelles  libres, 
corps  semi-lunaires,  formes  adbärentes  ou  incluses  dans  les 
Wmaties,  corps  en  rosace  de  Golgi. 

Mais  elles  diff&rent  en  ce  que  les  auteurs  Italiens  ont  encore  vu 
ffautres  formes:  formes  pigment6es  k  bord  ondulä,  formes  pig- 
ment6es  dans  les  divers  6tats  de  d6sagr6gation  jusqu'ä  la  formation 
<ta  jeunes  corpuscules,  formes  non  pigmentöes  en  voie  de  segmen- 
tation  dans  de  capillaires  cäräbraux,  par  exemple. 

Cependant,  la  diflförenee  ne  serait  pas  grande  s'il  ne  s'y  ajoutait 
Qne  Interpretation,  aboutissant  k  des  räsultats  opposäs  de  part  et 
d'autre. 

1°  Pour  Laveran,  le  parasite  parfait,  c'est  lef  lag  eile  libre. 
Les  corps  sph&riques,  petita  ou  grands,  ne  sont  que  des  kystes» 


gl  8  Bakteriologische»  ▼om  VIL  internationalen  Kongresi    so  London. 

c'est-a-dire  des  sacs  enfermant  le  parasite.  Pour  les  auteurs  Italiens, 
des  corps  flagellte  ne  sont  que  des  formes  d6g6n6ratives,  steriles, 
nullement  des  kystes:  les  mouvements  de  ces  flagelles  ne  sont  que 
des  phänomönes  agoniques. 

2°  Pour  Laveran,  le  parasite  n'est  pas  endo-globulai re, 
tout  au  plus  dans  les  premi&res  phases  de  son  döveloppement  est-il 
accolö  aux  hämaties,  mais  k  F6tat  parfait  il  s'en  dätache  pour  vivre 
d'une  vie  propre  dans  le  särum. 

3°  Pour  les  auteurs  italiens,  le  parasite  estessentiellement 
endo-globulaire:  il  natt  et  se  d6veloppeä  Fint^rieur  du  globale 
rouge:  s'il  en  sort  avant  la  sporulation  il  est  sterile.  .  .  . 

4°  II  est  assez  difficile  de  se  faire  une  id6e  sur  l'opinion  qu'i 
Laveran  du  röle  des  corps  en  rosace  de  Golgi:  dans  tous  les  cas 
ils  ne  sont  pour  lui  que  quelque  cbose  d'accessoire. 

On  voit  au  contraire,  que  les  corps  en  rosace  de  Golgi  sont  le 
pivot  de  la  thäorie  Italienne :  ils  reprdsentent  la  pbase  de  sporulation 
des  h6matozoaires  k  l'intärieur  des  globules  rouges:  La  sporulation 
est  le  critärium  de  la  vie  des  parasites,  et  de  leurs  chances  de  nuire: 
toutes  les  formes  qui  ne  passent  pas  par  la  pbase  des  corps  en  rosace 
sont  steriles. 

5°  Le  mode  enfin  de  reproduction  des  hämatozoaires  est  different 
suivant  que  Ton  consulte  les  ouvrages  de  Laveran  ou  des  Italiens. 
Pour  ces  derniers  nous  venons  de  voir  qu'ils  n'admettent  que  la  sporu- 
lation endoglobulaire :  on  a  vu  que  Laveran  admettait  la  multipli- 
cation  des  corps  sphäriques,  soit  par  la  segmentation  en  trois  oa 
quattre  616ments  semblables  mais  de  volume  moindre,  soit  par  la 
production  de  boules  sarcodiques  ä  leur  p6riph6rie. 

6°  Autant  il  est  facile  de  trouver  toutes  les  pbases  successives 
du  cyclo  ävolutif  dans  les  ouvrages  des  auteurs  Italiens  präcitäs,  autant 
la  chose  semble  malaisäe  ä  la  lecture  des  oeuvres  de  Laveran. 
Yoyons  la  chose  de  prös: 

Quelle  que  soit  la  variätä  d'h6matozoaires,  on  a  pour  les  Italiens 
les  phases  suivantes: 

1°  Gorpuscules  sph6riques  endoglobulaires  d'abord  non  pigmenti; 
2°  puis  pigmenti  en  devenant  plus  volumineux;  3°  ils  suivent  alors 
deux  chemins  diflterents:  Les  uns  vont  „sporuler"  et  les  sporules  | 
deviennent  libres  dans  le  plasma.  Les  autres  ne  subissent  pas  la 
sporulation,  restent  par  consäquent  steriles,  mais  continuent  k  grandir, 
et  tantöt  deviennent  libres  dans  le  plasma  (formes  sph6riques  flagell£es), 
tantöt  restent  inclus  dans  les  hämaties  qui  continuent  k  d6g6n£rer  j 
(corps  en  croissant). 

On  voit  donc  l'homogän&tä  de  la  thäorie  Italienne. 

Prof.  Celli  schloss  damit,   dass  er  sich  glücklich  schätze,  diese 
Theorie  jetzt  von  Allen,  die  sich  mit  der  Malariaätiologie  beschäftigen,   j 
trotz  Laveran' s  Widerspruch,  anerkannt  zu  sehen. 

Der  Präsident  hob  in  einem  kurzen  Schlusswort  hervor,  der 
Augenschein  spreche  zu  Gunsten  von  Prof.  Laveran1 s  werth vollem   I 
Vortrage.  M.  Kirchner  (Hannover).      I 


Bakteriologische«   ▼om  VII.  inlemAtionalen  Kod gross  su  London.  619 

Als  zweiter  Gegenstand  der  Tagesordnung  folgte  ein  Vortrag  von 
Prof.  Hueppe,  Prag: 

„Ueber  asiatische  Cholera  und  Untersuchungen  über 
den  Kommabacillus". 

Er  beschrieb  seine  Kultivirung  auf  verschiedenen  Nährböden  und 
sein  Verhalten  unter  verschiedenen  Bedingungen,  wobei  er  auch  auf 
die  von  ihm  angenommene  Sporenbildung  einging.  Er  zeigte  dann, 
dass  die  Gholerabacillen  bei  aerobem  Wachsthum  auf  unsern  gewöhn- 
lichen Nährböden  viel  weniger  Gift  absondern,  als  man  nach  den 
schweren  Erscheinungen,  die  die  Krankheit  beim  Menschen  hervorruft, 
erwarten  sollte.  Dies  beruht  seiner  Ansicht  nach  darauf,  dass  die  Cholera- 
bacillen  im  menschlichen  Darme  ein  anaerobes  Leben  fristen.  Und  diese 
Ansicht  führte  ihn  auf  den  Versuch,  die  Gholerabacillen  auch  künstlich 
anaerob  zu  züchten.  Dies  gelang  vorzüglich  im  frischen  geschlossenen 
Hühnerei,  in  dem  sie  nicht  nur  gut  wachsen,  sondern  auch  so  be- 
deutende Mengen  von  Gholeratoxin  absondern,  dass  schon  kleine  Gaben 
davon  in  kurzer  Zeit  für  Versuchstiere  tödtlich  waren.  Hueppe 
glaubt  durch  diese  Entdeckung  ein  sehr  wichtiges  Glied,  das  in  der 
Kette  der  Koch9 sehen  Schlussfolgerungen  noch  fehlte,  gegeben  und 
damit  die  ätiologische  Bedeutung  des  Kommabacillus  ausser  Zweifel 
gestellt  zu  haben. 

Prof.  Klein,  London  legte  dem  gegenüber  dar,  dass  seine  Er- 
fahrungen mit  Hueppe's  Anschauungen  nicht  im  Einklänge  ständen. 
Die  Kommabacillen  finden  sich  nicht  immer  in  genügender  Menge, 
uiu  die  Krankheitserscheinungen  erklären  zu  können,  fehlen  zuweilen 
sogar  gänzlich,  wie  sie  z.  B.  Gunningham  in  10  sehr  sorgfältig 
untersuchten  Fällen  von  Cholera  vermisst  habe.  Auch  würden  bei 
Cholera  nicht  immer  dieselben  Bacillen  gefunden.  Gunningham  habe 
8  verschiedene  Arten  von  Kommabacillen  gezüchtet,  die  ihre  Ver- 
schiedenheiten in  den  weiterhin  angelegten  Kulturen  bewahrt  hätten. 
Klein  zeigte  mikrophotographische  Präparate  derselben  vermittelst 
des  Projektionsapparates.  Die  Verschiedenheiten  in  ihrem  Wachsthum 
seien  auch  bei  Züchtung  auf  denselben  Nährböden  zu  Tage  getreten, 
üie  Plattenkulturen,  die  Schnelligkeit  der  Verflüssigung  etc.  seien 
afferent.  Endlich  sind  Kommabacillen  auch  in  der  Schleimhaut  ge- 
sander Affen  und  Meerschweinchen  gefunden  worden. 

Prof.  Max  Gruber,  Wien:  So  gross  die  Formenunterschiede  sind, 
welche  die  schönen  Photogramme  Gunningham9 s  bei  verschiedenen 
Vibrionenkulturen  nachweisen,  so  ist  dadurch  doch  nicht  bewiesen, 
dass  der  Choleravibrio  eine  Mehrheit  von  Arten  umfasse.  Nur  Die- 
jenigen haben  Ursache,  in  Verlegenheit  zu  sein,  welche  die  Formkon- 
stanz der  Bakterien  behaupten.  Gerade  die  Vibrionen  zeigen  grosse 
Variabilität  der  Form,  wie  Buchner  und  ich  für  den  Koch' sehen 
und  den  Fink ler- Prior' sehen  Vibrio  nachgewiesen  haben;  und 
z*ar  nicht  nur  in  Kulturen  verschiedenen  Alters,  sondern  auch  bei 
verschiedenen  Krankheitsfällen,  Unterschiede,  die  sich  durch  sehr  lange 
Zeit  bei  fortgesetzter  Kultur  erhalten.  Trotzdem  lassen  sich  diese 
verschiedenen  Formen  schliesslich  in  einander  überführen.  Hueppe's 
Methode  der  Eikultur  habe  ich  angewendet,  in  der  Hauptsache  mit 


620  Nea*  LHteratar. 

demselben  Resultat.  In  der  That  erzeugen  die  Choleravibrionen  uoter 
diesen  Bedingungen  reichlich  Gift,  und  die  mit  der  Einlasse  infizirtec 
Thiere  gehen  rasch  zu  Grunde.  Hueppe  hat  meines  Erachtens  durch 
diesen  Nachweis  der  Abhängigkeit  der  Giftwirkung  von  Anaerobiose 
einen  wesentlichen  Fortschritt  in  der  Cholera- Aetiologie  angebahnt. 
Bezüglich  der  Isolirung  und  Natur  der  Gifte  kann  ich  die  Angaben 
von  Hueppe  nicht  ganz  bestätigen;  doch  will  ich  hier  darauf  nicht 
eingehen. 

Dagegen  möchte  ich  die  Aufmerksamkeit  der  Versammlang  auf 
die  Präparate  hinlenken,  welche  ich  ausgestellt  habe  und  welche  von 
Meerschweinchen  herrühren,  die  Hueppe' sehe  Reinkultur  ins  Peri- 
toneum erhalten  hatten  und  in  deren  Körper  die  Choleravibriooen 
während  des  Lebens  des  Thieres  zu  massenhafter  Wucherung  gelangt 
sind.  [Peritonealexsudat  mit  massenhaften  Kommata,  Sigmata  und 
Schrauben  theils  frei,  theils  in  Phagocyten;  Pleuraexsudat  mit  Vi- 
brionen; Bauchwand  bis  ins  Unterhautzellgewebe  von  den  Vibrionen 
nach  Art  der  Anaerobiose  durch  wuchert;  subkutanes  Oedem  mit  Vi- 
brionen; Schenkelmuskulatur  ebenso;  Zwerchfell,  der  ganzen  Dicke 
nach  durchwuchert;  Leber  mit  Wucherung  von  Vibrionen  auf  und  im 
serösen  Ueberzuge  und  tief  ins  Parenchym  hinein.]  In  diesen  Falles 
haben  die  Choleravibrionen  parasitisch  gelebt.  Eine  parasitische  Fort- 
züchtung von  Thier"  zu  Thier  gelingt  aber  nur  in  beschränktem  Masse. 
Mit  dem  Peritonäalexsudat  des  ersten  Thieres  konnte  man  ein  zweites, 
von  diesem  aus  manchmal  noch  ein  drittes  Thier  tödten.  Weitere 
Erfolge  wurden  niemals  erzielt  Offenbar  muss  gleichzeitig  mit  den 
Vibrionen  viel  Gift  einverleibt  werden.  Nur  wenn  durch  das  Gift 
die  Organe  geschädigt  sind,  vermag  der  Vibrio  darin  zu  wuchern.  - 
Hueppe  hat  bei  seinen  Versuchen  von  diesen  Erscheinungen  nichts 
gesehen.  Seine  Thiere  gingen  rascher  zu  Grunde  als  meine,  die  nie 
früher  als  16  Stunden  nach  der  Injektion  starben.  Vermuthlich  röhrt 
dies  davon  her,  dass  ich  von  Kulturen  ausging,  welche  bereits  durch 
Jahre  im  Laboratorium  fortgezüchtet  waren  und  daher  nicht  mehr 
volle  Befähigung  zur  Gifterzeugung  hatten. 

(Fortsetzung  folgt.) 


Neue  Litteratur 

mtunmtiigMtent  tob 

Db.  Abthüb  Wübzbubg, 

BJWkrfhekar  im  KtistrUchea  Ottottdhdtwmto  in  Berila, 


Morphologie  und  SyiUmatik. 

Dietel,  F.,  Notes    on  some   uredineae  of  the    United  States.     (Journ.  of  MyooL  Mu  ' 

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Härtet,  F.,   Contributions  a  la  flore  des  ustUaginees  et  urtdinees  de  rAiiYerg™-    (ße* 

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Hateh,   J.  L.,   A   study  of  the  bacillus  subtilis.     (Philad:  hosp.  reports.   1890.  P  *8» 

—260.) 


Nene  Utteratur.  621 

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Biologie. 
(G8hrung,  Fäulnis* ,  StohVechselprodukte  usw.) 

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Wehmer,  C,    Ueber  den  Einflnss  der  Temperatur  auf  die  Entstehung  freier  Oxalsäure 

in  Culturen  von  Aspergillus  niger  Tan  Tiegh.     (Ber.  d.  deutsehen  boten.  Ges.  Bd.  IX* 

1891.  p.  163.) 

BeziehwDgen  der  Bakterien  und  Parasiten  rar  unbelebten  Katar. 

Nahrung*  umd  Oemtttmittol,  Otbrauchegegmttändi. 

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Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  rar  belebten  Katar. 

Krankkexteerrtgende  Bakterien  und  Paratste»  bei  Menschen. 
A.     Infektion  ABgememkrankheiten. 

Belgien.  Anweisung  sur  Bekämpfung  der  Infektionskrankheiten  betr.  (Veröffentl.  d. 
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Exantbematiache  Krankbeiten. 

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Vom  28.  Oktober  1890.    (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  85.  p.  531.) 

Cholera,  Typhus,  Bohr,  Gelbfieber,  Peet 

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Bonardi,  F.,  e  SÜTeatrini,    Qsserraaloni  cliniehe,   anatomo-patologiche  e  batteriologiche 

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ß22  N*n*  Lltteratnr. 

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[Baasisch.] 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Genickstarre, 
Mumps,  Rückfallsneber,  Osteomyelitis. 

Fasano,  A ,  La  difterite ;  stato  presente  delle  qaistioni  relative  alla  etiologia,  patogenes, 

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(Rev.  m4d.  de  Test   1891.  p.  289—800.) 
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B.    fa/ektiöee  Lokalkrankheüen. 
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1891.  No.  3/4.  p.  298—814  ) 
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Erankheit&trregendt  Bakterie*  und  Poratüm  bei  Meneekm  %md  Tkieren. 

Milzbrand. 

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1891.  No.  80.  p.  714.)     [Rassisch] 

Maul-  und  Klauenseuche. 

Baden.  Erlasse  des  Ministerium»  des  Innern,  betr.  die  Bekämpfung  der  Maul-  und 
Klauenseuche.  Vom  30.  Juni,  3.  Oktober,  8.  November  1890,  16.  Januar,  11.  Febr. 
1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesund  h- Amtes.  1891.  No.  84.  p.  515—517.) 

Tollwut*. 

Fleming,  G. ,  Propagation  and  prevention  of  rabies.  (Provine.  Med.  Journ.  1891. 
No.  117.  p.  526—529.) 


Neu«  Litteratur.  623> 

Kraniheüeerregende  Bakterien  und  Parasüen  bei  TTUeren. 

BäugeOäere. 

Infektiös*  JUgemetnhranhheüen. 

Stand    der  Tbierseucben  in  Ungarn   während   der  Zeit   vom  9.  April  bis  2.  Jnni  1891. 

(Veröffent).  d.  kaiserl.  Gesundh.- Amtes.  1891.  No.  84.  p.  518.) 
Sund    der    Tbiersenchen   in   Rumänien   im  8.  und  4.  Vierteljahr    1890.    (Veröffentl.  d. 

kaiserl.  Gesundh  -Amtes.  1891.  No.  87.  p.  665.) 
Debersicbt  über   die   Verbreitung    der    ansteckenden   Thierkrankheiten   in    Oetterreieh 

während   des   iweiten   Vierteljahrs    1891.      (Veröffentl.   d.   kaiserl.    Gesundh.- Amtes. 

1891.  No.  82.  p.  487—488) 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

(Rinderpest,  Lungenseuche,  Texasseache,  Genickstarre,  Ruhr  und  Diphtherie  der 

Kälber,  Rauschbrand,  entosootisches  Verkalben.) 

Baden.     Erlasse  des  Ministeriums  des  Innern,   die   Bekämpfung   der   Schafräude    betr. 

Vom  22.  Januar   und   5.  Juni    1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh.- Amtes.  1891. 

No.  84.  p.  617—618.) 
Württemberg.     Erlass   des  Ministeriums  des  Innern,    betr.  die  Erstattung  einer  Ameige- 

bei  gesteigertem  Auftreten  des  Milzbrands  und  Rauschbrands.     Vom  9.  Januar  1891. 

(Veröffentl.  des  kaiserl.  Gesundh.- Amtes.  1891.  No.  88.  p.  502.) 

Krankheiten  der  Einhufer. 
(Typhus,  Influensa,  Beschälkrankheit,  Septikämie,  Druse.) 

Württemberg.     Erlass   des   Ministeriums   des   Innern ,   betr.    die  Influensa   der   Pferde^ 
Vom  17.  Januar  1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh.-Amtes.  1891.  No.  88.  p.502.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

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Frank,  B.,   Ueber  den    Verlauf  der   Kirschbaum-Gnomonia- Krankheit   in    Deutschland. 

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Haxiot,  F.,  et  Poirault,  0.,   Une   nouvelle  urWinde    des   cruciferes.     (Journ.  de  botan. 

T.  V.  1891.  p.  272.) 
Huet  et  Louise,   Note    sur   la  Phalena  hyemata,    parasite   du  pommier.     (Bullet  de  la 

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Jone,  L.,  Maladies,  parasites,  animaux  et  yegltaux  nulsibles  a  la  vigne,  accidents  qu'ils 

entrainent,    moyeus   de   les   prevenir   ou   de  les  combattre.     8°.     86  p.     Draguignan 

(Impr.  Olivier  et  Rouvier)  1891.  50  e. 

Jonseon,  B.,  Om  brätinfleckar  a  yäxtblad.     (Botan.  notiser.  1891.  Heft  1/2.) 
Kirchner,  0.,   Braunfleckigkeit  der  Gerstenblätter.     (Zeitschr.  f.  Pflanienkrankh.    Bd.  L 

1891.  No.  1.  p.  24-26.) 
Kagnni,  P.,   üeber   den   Rost  der  Weymouthkiefern ,   Pinus  Strobus  L.     (Gartenflora. 

1891.  p.  452.) 
Ritsema-Bos,   J.,    Zwei    neue   Nematodenkrankheiten  der  Erdbeerpflanie.     (Zeitschr.  f.* 

Pflansenkrankh.  Bd.  I.  1891.  No.  1.  p.  11—16.) 
Smith,  E.  F.,  Peach  blight     (Journ.  of  Mycol.  1891.  Vol.  VII.  No.  1.  p.  86—88.) 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwleke- 

lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koeh'sche 

Heilverfahren  gegen  Tuberculose. 

Barrler,  G ,  Reeherches    expe>imentales  sur   les   effets  de   la  tuberculine    de  R.  Koch. 

(Rec.  de  m4d.  ▼e'te'rin.  1891.  No.  15.  p.  469—490.) 
Campana,  R.,  e  Degola,  N.,  Alcune  osservaiioni  sugli  effetti  della  linfa  del  Koeh  sopra 


624 


Nene  Litteratnr. 


animali   con   tubereolosi   sperimentale.     (Bollett.  d.  r.  Aeead.  med.  di  Genova.   1891. 

No.  4.  p.  193—204.) 
Capraniea,  8.,  Sul  potere  battericida  del  siero  di  sangue.  Nota  prevenL   (Gasz.  d.  ospiL 

1891.  No.  70.   p.  670.) 
Colin,  GK,  La  che  vre  n'est  pai  refractaire  a  la  tuberculose.    (Bec,  de  med.  Täterin.  1891 

No.  17.  p.  533— 535.) 
Crisafulli,  G.,    Modificaaioni    della   nrina  e  del  potere  uro-tossico   negti    iniettaü  eoEU 

linfa  Koch.     (BW.  clin.  arch.  iUl.  di  clin.  med.  1891.  No.  3.  p.  »58— 17*.) 
Dochmann,  A,   Behandlung   der  Lungentuberculoee   durch  Impfung.     (Meditsina.  1891 

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Du  Mesnil,  Le  Service  de  desinfection  de  la  nie  des  Becollets  et  le  refdge  de  amt  d* 

quai  Valmy  en  1891.     (Annal.  d'hyg.  publ.  T.  IL  1891.  No.  3.  p.  285—991.) 
Metachnikoff,  E.  et  Bonx,  E.,  Bor  la  propriete"  bactlricide  du  sang  de  rat     (Annal.  d» 

rinstit.  Pastenr.  1891.  No.  8.  p.  478—486.) 
Potermann,  Sur  la  substanee  baeteiieide  du  sang  decrite  par  le  professeur  Ogata.    (Anssl. 

de  l'Instit.  Pastenr.  1891.  No.  8.  p.  506—514.) 
Sehrwald,  E.,   Hautnekrose    nach    Tuberculininjektion.      (Deutsche  medic  Wochensehr. 

1891.  No.  39.  p.  1112-1114.) 
Stiokler,   J.  W.,   The   truth   about   „tuberculin".     (Med.  Becord.  VoL  IL  1891.  No  5. 

P   126.) 
Strubing,   Heilung  eines  Felles  von  Kehlkopftuberkulose  unter  Behandlung  mit  Tuber- 

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Inhalt. 


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Heilung  des  Milzbrandes  durch  Fäul- 
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gin.)    (Schlnss),  p.  599. 

JLartinottt,  Giovanni,  und  Tedesehl,  Ales- 
sandro,  Untersuchungen  Ober  die  Wir- 
kungen der  Inokulation  des  Milsbrandes 
in  die  Nervensentra.  (Orig.)  (Fortsets.), 
p.  593. 

Podbielsky,  A.,  Erklärung.    (Orig.),  p.  605. 

Bothert,  W. ,  Bemerkung  zu  der  „Erklä- 
rung" des  Herrn  Dr.  A.  Podbielsky. 
(Orig.),  p.  607. 

Beformte. 

David,  Th.,  Les  microbes  de  la  bouche, 
p.  609. 

Eisenhardt,  E  ,  Ueber  Häufigkeit  und  Vor- 
kommen  der   Darmtuberculose,    p.  610. 

Frisch,  A.  ▼.,  Zur  Diagnose  der  tubercu- 
lösen  Erkrankungen  des  Urogenitalsy- 
stems, p.  610.  , 

•Crraneher  et  Ledonx-Lebard ,  Etudes  sur 
la  tuberculose  explrimentale  du  lapin, 
p.  611. 

Jensen,  CO.,  Tuberculose  beim  Hund  und 
bei  der  Katze,  p.  611. 

Siebter,  Max,  Ueber  einen  Fall  von  race- 
mosen  Cysticerken  in  den  inneren  Me- 
ningen des  Gehirnes  und  Bückenmarkes, 
p.  612. 


8outhworth ,  E.  A.,  Bipe  rot  of  grapes 
and  apples  (Oloeosporium  fructxgenom 
Berk.),  p.  612. 

8chutaimpfung,  künstliohe  Infektions- 
krankheiten, Entwiekluiigahemmung 
und  Vernichtung  der  Bakterien 
und  Parasiten, 

Aberg,  E.,  De  la  curabilite'  de  la  phthisw 
pulmonaire  et  de  quelques  antres  mals- 
dies  chroniques  de  la  poitrine  par  Tess 
d'une  basse  temperature,  p.  614. 

Eraud  und  Hugonnenq,  Action  de  certai- 
nes  couleurs  d'anüine  sur  le  dereloppe- 
ment  et  la  yirulenee  de  quelques  micro- 
bes, p.  615. 

Langlois,  F.,  Le  traitement  de  la  tnbercu- 
lose  du  Dr.  B.  Koch,  p.  613. 

Zagari,  G.,  Sul  meccanismo  dell'  attcous- 
zione  del  virus  rabico,  p.  615. 

Originalberiohte  über  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  inter- 
nationalen Kongress  für  Hygiene 
und  Demographie  zu  London, 
10.— 17.  August  1891.  (Fortsetzung.) 
Hueppe,  Ueber  asiatische  Cholera  und  Un- 
tersuchungen über  den  Kommabacilloj. 
p.  619. 

9«m  Litteratur,  p.  620. 


Fromm&nntohe  Buchdruck«  rei  (Hermann  Pohl»)  in  Jena* 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Beb.  M.  Prot  Dr.  Lenciart  nt  Professor  Dr.  Loefller 

In  UJpzfe  te  GnlfrwaU 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  In  Jena. 

X.  Band«       -o-      Jena»  ai.  den  November  1891.     -o-         No.  19« 

Preis  fftx  den  Band  (M  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  ericheinen  swei  Bftnde. 

—Hl    Zu  besehen  durch   eile  Buchhandlungen  und  Pottanstalten,    g*- 


Original  -MlttheHungen. 


Beitrag  zur  Aetiologie  der  katarrhalischen 
Ohrentzündnngen. 

Bakteriologische  Beobachtungen 

Ton 

Dr.  Amoldo  Magglora,      und    Dr.  Giuseppe  Gradenlgo, 

beaaftragtem  Profeaeor  der  Hygiene  beantragtem  Professor  der  Ohrenheilkonde 

an  der  k.  Universität  an  Turin. 

#  Wir  haben  im  verflossenen  Jahre  in  einer  Notiz  1)  die  Resultate 
einer  Reihe  von  Untersuchungen  mitgetheilt,  die  wir  in  Fällen  von 
chronischer  oder  sklerosirender  katarrhalischer  Ohrentzündung  zu 
dem  Zwecke  veranstalteten,  um  festzustellen,  ob  diese  Erkrankungs- 
formen von  pathogenen  Mikroorganismen  abhängig  seien  oder  nicht 
in  den  Schlussfolgerungen  unserer  Arbeit  haben  wir  uns,  nachdem 
*h  erkannten,  dass  wenigstens  im  trockenen  Stadium  der  Ohrent- 
zündung diese  nicht  von  einer  mit  Hülfe  der  gegenwärtigen  Unter- 

*)  CentralbUtt  für  Bakteriologie  u.  Paruitenk.  Bd.  VI1L  1890.  S.  682. 

^  40 


626  Maggiora  und  Qradenigo, 

suchungsmittel  nachweisbaren  Infektion  abhänge,  zu  der  Annahme 
geneigt  erklärt,  dass  dieselbe  im  akuten  und  subakuten  Stadium  dod 
von  pathogenen  Mikroorganismen  abhängig  sein  könne,  und  wir  hatte: 
auf  eine  andere  Reihe  von  Untersuchungen  hingewiesen,  die  von  ue 
zur  Entscheidung  der  Frage  angestellt  wurden. 

Heute  sind  wir  in  der  Lage,  die  von  uns  damals  ausgesprochen 
Hypothese  zu  beweisen. 

Klinische  Beobachtungen  der  neuesten  Zeit  haben  ganz  zweifellos 
erwiesen ,  dass  das  Mittelohr  in  der  grossen  Mehrzahl  der  Fälle  ia 
Folge  eines  infektiösen  Prozesses  erkrankt,  der  sich  ursprünglich  m 
der  Nasen-Bachenhöhle  abspielt  und  von  hier  durch  die  Eustachi- 
sche Ohrtrompete  hindurch  auf  die  Trommelhöhle  übergreift  Bd 
den  akuten  und  subakuten  Formen  ist  in  der  Nasen -Bachenhoh^ 
das  Vorhandensein  von  entzündlichen  Affektionen  verschiedenen  Chi- 
rakters  nachweisbar:  Hypertrophie  der  Schleimhaut  der  Naset- 
muscheln,  Stenosis  der  Nasenschleimhaut,  adenoide  Vegetationen  in 
der  Nasen-Rachenhöhle,  Hypertrophie  der  Maudeln;  bei  den  chroö- 
sehen  Formen  lassen  die  Anamnese  und  die  objektive  Prüfung  oft  mü 
aller  Wahrscheinlichkeit  auf  ähnliche  vorangegangene  Krankheitspw 
zesse  schliessen:  Narben  in  der  Nasenhöhle,  trockene  RacbeneDtzüD 
düng,  Atrophie  der  Nasenmuscheln.  Die  Erkrankungen  des  Mittelohrs 
können  vom  klinischen  Standpunkte  aus  in  zwei  Hauptgruppen  unter 
schieden  werden;  und  zwar  ist  der  eine  von  diesen  hauptsächlich 
durch  eiterige  Sekretion  mit  schweren  Symptomen  lokaler  und  zu- 
weilen auch  allgemeiner  entzündlicher  Reaktion  cbarakterisirt,  des 
andere  hingegen  zeichnet  sich  je  nach  den  Stadien  durch  eiterig* 
schleimige  oder  einfach  schleimige  Exsudation  oder  durch  den  Mangel 
eines  freien  Exsudates  aus.  Die  Symptome  der  entzündlichen  Reaktion 
sind  in  der  zweiten  Gruppe  gewöhnlich  leicht  oder  fehlen  ganz  und 
die  Kranken  werden  auf  ihre  Krankheit  oft  bloss  durch  die  progressive 
Abnahme  ihrer  Hörschärfe  aufmerksam  gemacht 

Die  bakteriologischen  Untersuchungen  verschiedener  Autoren  babes 
mit  Sicherheit  festgestellt,  dass  die  Erkrankungen  der  ersten  Gruppt 
infektiöser  Natur  seien  und  dass  das  spezifische  Agens  verschieden  sein 
kann;  es  handelt  sich  dabei  bald  um  den  Diplococcus  von  Fraen- 
kel,  bald  um  pyogene  Staphylokokken  oder  um  den  Strepto- 
coccus. Diese  Formen  sind  entweder  in  reiner  Kultur  vorhanden 
oder  sie  sind  anderen  Formen  beigemischt. 

Die  Beobachtungen  bezüglich  der  Aetiologie  der  zweiten  Gruppe 
von  Ohrentzündungen  sind  nach  unserem  Dafürhalten  noch  an  ZaW 
sehr  gering  und  auch  unvollkommen. 

Scheibe1)  und  wir  *)  erhielten  negative  Resultate;  Kanthack3 
hat  in  sieben  Fällen  von  Exsudatansammlungen  in  der  Trommelhöhle 
das  Vorhandensein  von  pathogenen  Mikroorganismen  (Staph.  pyoge- 
nes  albus,  Bacillus  saprogenesRosenbach  I,  Diplococcus 
pneumoniae)  nachgewiesen,  obgleich  die  Erkrankung  nicht  zoi 


1)  Zeitschrift  f.  Ohrenheilkunde.  1887. 

2)  Loc.  dt. 

8)  Zeitschrift  f.  Ohrenheilkunde.  VoL  *XI.  1890.  8.  iL 


Beitrag  rar  Attlologi*  dar  katarrhalischon  OtrentiÜndungen.  627 

Eiterung  führte.  Die  Ursache  dieser  Differenz  in  den  Resultaten  muss 
wohl,  nach  unserer  Meinung,  darin  gesucht  werden,  dass  Scheibe 
eher  Fälle  von  einfacher  Tubenstenose  und  nicht  von  wirklicher  Mittel- 
ohrentzündung untersuchte,  dass  wir  uns  hingegen,  wie  oben  ange- 
deutet wurde,  im  vorigen  Jahre  bloss  mit  rein  chronischen  Formen 
beschäftigten,  und  schliesslich,  dass  Kant  hack  akute  und  subakute 
Fälle  vor  sich  hatte. 

Die  klinische  Beobachtung  erlaubte  auch  für  diese  Affektionen 
eine  infektiöse  Ursache  ähnlich  derjenigen  anzunehmen,  die  bei  den 
eiterigen  Ohrentzündungen  im  Spiele  ist.  Hierfür  sprechen  die  Fälle 
von  eiteriger  Ohrentzündung,  welche  als  Komplikation  einer  vorhan- 
denen katarrhalischen  Erkrankung  auftreten,  ferner  das  Vorhandensein 
von  Entzündungen,  die  der  Symptomatologie  nach  eine  Art  vou  Ueber- 
gang  zwischen  den  beiden  oben  aufgestellten  Gruppen  repräsentiren 
und  hauptsächlich  die  Erkrankungen  der  Nasen- Rachenhöhle,  welche 
als  Grundlagen  für  beide  Erkrankungsformen  erkannt  wurden.  Es  ist 
wohl  wahr,  dass  von  verschiedenen  Autoren  auch  in  der  Nasenhöhle 
gesunder  Leute  pathogene  Mikroorganismen,  und  zwar  speziell  pyogene 
Formen  —  die  eben  öfters  im  Staube  von  Wohnungen  vorkommen 
—  nachgewiesen  wurden;  es  scheint  uns  aber,  dass  noch  Niemand 
ihrem  wirklichen  Werthe  nach  die  Bedeutung  zu  schätzen  ftusste, 
welche  die  Anwesenheit  solcher  Keime  in  der  Nasenhöhle  für  die 
Aetiologie  der  Erkrankungen  der  eigentlichen  Nasen-Rachenhöhle  und 
des  Mittelohres  haben  könnte. 

Nach  diesen  Betrachtungen  lassen  wir  hier  die  Thatsachen  folgen, 
welche  sich  aus  unseren  neuen  Untersuchungen  ergeben.  Es  lassen 
sich  dieselben  in  3  Kategorieen  eintheilen: 

a)  Bakteriologische  Prüfung  des  Sekrets  der  Nasenhöhle,  der 
Nasen- Rachenhöhle  und  der  Eustachi 'sehen  Ohrtrompete  in  Fällen 
von  akuter  und  subakuter  katarrhalischer  Mittelohrentzündung. 

b)  Prüfung  des  Sekrets  der  Nasenhöhle,  der  Eustachischen 
Ohrtrompete  und  der  Trommelhöhle,  erhalten  durch  Paracenthese  des 
Trommelfells  in  Fällen  von  katarrh.  Mittelohrentzündungen. 

c)  Prüfung  des  Sekrets  von  Wunden,  welche  konsekutiv  nach 
galvanischer  Kauterisation  der  Nasenschleimhaut  entstanden  sind. 

Die  Untersuchungstechnik,  welche  wir  bei  Sammlung  des  Materials 
anwendeten,  war  dieselbe,  welche  schon  in  unserer  vorhergehenden 
Arbeit1)  angeführt  wurde.  Wir  fügen  nur  hinzu,  dass  —  wie  es  ja 
selbstverständlich  ist  —  die  Asepsis  der  Instrumente  für  die  Para- 
centhese des  Trommelfells  mittels  des  Wasserdampfes  und  ohne  Ge- 
brauch von  antiseptischen  Mitteln  chemischer  Natur  bewerkstelligt 
wurde. 

Kategorie  A. 

Erste  Beobachtung. 

Q.,  Giovanni,  44  J.  alter  Tischler.  Seit  vielen  Jahren  beiteht  pro* 
SresuTe  Taubheit;  beide  Trommelfelle  sind  gerölhet,  nioht  zurückgezogen; 

1)  Loc  cit  S.  6*4. 

40» 


g28  Maggiora  und  Qradenigo, 

die  unteren  Nasenmuscheln   sind    leioht  hypertrophisch;   chronische  ka- 
tarrhalische Nasen-Raohenentzündung  vorhanden. 

Nasensekret:  S taphylocooeus  pyogenes  aureus;  Micro* 
cooous  luteus;  Mioroeoocus  cinnabareus;  Aspergilli 
glaucus.  Ohrtrompete:  Staphy lococcus  pyogenes  aureus, 
2  Kolonieen. 

Zweite    Beobachtung. 

D.  N.,  Luoia,  12  J.  alt,  8chneiderin.  litt  seit  ihrer  frühesten  Jugend 
häufig  an  Schnupfen ;  die  Erscheinungen  am  Gehörorgane  datiren  seit  Tier 
Jahren  und  bestehen  hauptsächlich  in  progressiver  Taubheit  und  sub- 
jektiven Geräuschen;  bei  der  objektiven  Prüfung  sind  Otitis  media 
katarr.,  hypertrophische  Rhinitis  und  polypenartige  Granulationen  —  die 
hauptsächlich  von  der  Sohleimhaut  der  mittleren  und  unteren  Naseo- 
muschel  beider  8eiten  herstammten  —  nachweisbar ;  ferner  ist  reichliche 
schleimig-eiterige  Sekretion  ohne  Krustenbildung  nachweisbar.  Hörschärfe: 
Linkes  Ohr:  Uhr  36/ß0o  un^  De^  Kontakt;  Flüstersprache,  in  der 
Nähe.     Hechtes  Ohr:  Uhr  *6/öo0>   Flüstersprache,  in  der  Nähe. 

Nasensekret:  Staphy  lococcus  pyogenes  albus;  Saccha- 
romyces  roseus;  Microoocous  oandioans. 

Ohrtrompete:  Staphy  lococcus  pyogenes  albus,  2  Kolonieea. 
Miorococous  oandioans. 

Dritte   Beobachtung. 

F.,  Giovanna,  16  J.  alt,  Schneiderin.  Leidet  seit  ihrer  Kindheit  an 
Anginaanfällen  von  anscheinend  kroupösem  Charakter;  im  zwölften  Lebens- 
jahre hatte  sie  Abdominaltyphus,  und  seit  zwei  Jahren  bestehen  pro- 
gressive Taubheit  und  subjektive  Geräusche,  ferner  beträchtliche  Hyper- 
trophie der  8ohleimhaut  der  unteren  Nasenmuscheln  auf  beiden  Seiten, 
Granulationen  an  der  oberen  Wand  der  Nasen-Bachenhöhle ;  beide  Trom- 
melfelle sind  geröthet  und  massig  retrahirt  P.  ist  seit  mehr  als  zwei 
Monaten  in  Behandlung,  und  zwar  ist  an  ihr  eine  erhebliche  Besserung 
nachweisbar.  Rechtes  Ohr:  Hörschärfe  60/$00;  Flüstersprache  auf 
60  cm  Entfernung.  Linkes  Ohr:  Uhr  10/öoo>  Flüstersprache,  in  der 
Nähe. 

Nase:  Staphylooooous  pyogenes  albus;  Staphylo coc- 
ous  cereus  albus;  Proteus  vulgaris;  Diplooooous  oitreus 
liquefaoiens;  Miorococous  fluidificans  albus1),  Oidium 
albicans. 

Ohrtrompete:  Staphylooooous  oereus  albus,  2  Kolonieen; 
Miorocooous  fluidificans  albus. 

Yierte  Beobachtung. 
A.,  Tere9a,  10  J.  alt,  Schülerin.    Leidet  an  reoidivirenden  Otorrhöen 
auf  beiden  Seiten.     Es  besteht  gegenwärtig   eine    katarrhalische  Mittel- 
ohrentzündung beiderseits   und  starke  Retraktion    des  Trommelfells.    P. 
leidet   oft  an   Nasenblutung,     an    Angina    lacunaris    mit  Fieber»  und 


1)  Maggiora,  Contribnto  allo  studio  de!  microfiti  della  pell«  nmana  normale. 
(Gioroale  della  R.  Societa  Italiana  dlgiene.  1889.) 


Beitrag  rar  Ätiologie  der  katarrhalisehen  Ohrentittndangen.  529 

Copfsohm  erzen.  Die  Hörsohärfe  ist  auf  beiden  Seiten  über  5  Meter  für 
'lüstersprache.  Die  unteren  Nasenmuscheln  sind  wenig  entwickelt,  nicht 
erothet;  es  besteht  chronische  Bachenentzündung ,  die  Tonsillen  — 
lamentlich  aber  die  rechte  —  sind  vergrössert. 

Nase:  Miorocooeus  oandidus;  Bacillus  albus;  Micro- 
ooons  roaeus;  8aroina  lutea. 

Ohrtrompete:  2  Kolonieen  yon  Miorooooous  eandidus.  Nichts 
frthogenea. 

Fünfte  Beobaohtung. 
T.v  Bosa,  28  J.  alte,  wohlhabende  Frau.  Vor  8  Jahren  hatte  sie 
tinige  Monate  lang  Schnupfen,  der  dann  chronisch  worde ;  leidet  gegen- 
wärtig an  schweren  fieberhaften  katarrhalischen  Angina-Anfällen,  seit  6 
fahren  an  beiderseitigen  subjektiven  Geräuschen.  Es  sind,  abgesehen 
ron  einem  gewissen  Grade  yon  Hypertrophie  der  unteren  Nasenmusoheln, 
Keine  namhaften  Störungen  in  der  Nasen-Bachenhöhle  vorhanden;  die 
rrommelfelle  sind  opak  und  massig  retrahirt.  Uhr  wird  bloss  bei  Kon- 
iakt gehört,  Flüstersprache  beiderseits  auf  40  cm;  die  Prüfung  des  8e- 
bets  der  Nasenhöhle  und  der  Ohrtrompete  ergibt  mit  Bezug  auf  patho- 
gne Formen  negatives  Besultat. 

Seehste   Beobaohtung. 

B.,  Giooonda,  15  J.  alt,  Dienstmädchen.  Links  Taubheit  seit  unge- 
fähr 6  Jahren,  rechts  angeblich  seit  wenigen  Tagen;  adenoide  Vegeta- 
tionen in  der  Nasen-Bachenhöhle,  Hypertrophie  der  Schleimhaut  an 
beiden  unteren  Nasenmuscheln;  rechterseits  sind  Zeichen  einer  subakuten 
katarrhalischen  Mittelohrentzündung  vorhanden;  ebenso,  aber  von  ge- 
ringerer Dauer,  links,   nebst  namhafter  Verminderung   der   Hörsohärfe. 

Nichts  Pathogenes. 

Siebente  Beobaohtung. 

M.,  Giulia,  20  J.  altes,  wohlhabendes  Frauenaimmer.  Seit  6  Jahren 
bestehen  subjektive  Geräusche  an  beiden  Ohren;  Hörsohärfe  beiderseits 
50  cm,  für  Flüstersprache. 

Nase:  8taph  yloooocue  pyogenes  albus;  Bacillus 
albus;  Bacillus  fluidificans  parvus1);  Miorooooous  oan- 
dioans;  Miorooooous  einnabareus;  Saroina  alba. 

Ohrtrompete:  3  Kolonieen  von  Staphy lococcus  pyogenes 
ftlbas;  Miorooooous  eandioans. 

Achte  Beobachtung. 
F.,  Giulio,  32  J.  alt,  Advokat.  Leidet  seit  mehreren  Jahren  an 
chronischem  Schnupfen  mit  Asthmaanfällen,  an  Kopfsohmerien  und  sub- 
jektiven Ohrgeräuschen.  Die  Hörsohärfe  ist  beiderseits  leicht  vermindert; 
üe  Trommelfelle  sind  retrahirt,  nicht  opak,  Bachenschleimhaut  stark  ge- 
rfthet  Im  Inhalte  der  Nasen-Baohenhöhle  und  der  Ohrtrompete  sind 
*ur  8aprophyten  vorhanden. 

M  Hagglora,  loco  citato. 


g30  Maggiora  and  Gradsnlgo, 

Nennte  Beobachtung. 

R.,  Giulio,  Hörer  der  Mediain.  Seit  einigen  Jahren  Symptome  von 
subakuter  katarrhalischer  Mittelohrentzündung  nnd  katarrhalische  Naaen- 
Baohenentzündung   vorhanden.     Flüstersprache   links   2  m,  rechts  4  m. 

Nase:  Stsphy locooous  pyogenes  albus;  Merismo- 
paedia  aurantiaoa  *);  Sarcina  lutea;  Bacillus  fluorescens 
putidus;  Aspergillus  glaucus. 

Ohrtrompete:  3taphy loooocus  pyogenes  albus,  3  Kalo- 
nieen;  Bacillus  fluorescens  putidus,  2  Kolonieen. 

Kategorie  B. 

Prüfung  des  Sekrets  der  Nase,  des  Inhalts  der  Ohrtrompete 

und  der  Trommelhöhle« 

Zehnte   Beobachtung. 

B.,  Margherita,  34  J.  alt,  Krankenwärterin,  leidet  an  recidmrender 
Angina  tonsillaris;  vergangenen  Winter  hatte  sie  Schmerzen  am 
linken  Ohre,  ohne  Otorrböe;  seit  20  Tagen  bestehen  solche  reeuieraeita. 
Gegenwärtig  ist  das  Trommelfell  rechts  ein  wenig  geröthet,  nicht  per- 
forirt  (subakute  katarrh.  Mittelohrentzündung);  Hörschärfe  für  Fluster- 
spraohe  beiderseits  über  5  m;  ei  wurde  die  Paracenthese  ausgeführt, 
und  es  entleerte  sich  eine  Schleimflocke,  von  weloher  Kulturen  bereitet 
wurden ;  naoh  zwei  Tagen  klagte  P.  auch  über  Sehmensen  auf  der  linken 
Seite;  das  Trommelfell  ist  hier  nicht  geröthet;  es  wurde  auoh  hier  die 
Paracenthese  gemacht  und  eine  sterilisirte  Platinschlinge  in  die  Trommel- 
höhle geleitet,  um  etwas  von  deren  8ekret  aufzufangen. 

Nase:  Fast  reine  Kultur,  reich  an  Staphylococcus  pyo- 
genes aureus. 

Ohrtrompete.  Bechtes  Ohr,  Trommelhöhle  8taphyloooeoQi 
pyogenes  aureus;  eine  Art  von  Bacillus  subtilis. 

Linkes  Ohr.  8taphy lococcus  pyogenes  albus;  Mioro- 
cocous  fluidifioans  albus;  Miorocoocus  oandioans. 

Elfte  Beobachtung. 

B.,  Giovanni,  32  J.  alt,  Mechaniker,  leidet  seit  einigen  Jahren 
an  progressiver  Taubheit.  Bei  der  funktionellen  Hörprüfung  bietet  ex 
Zeichen  katarrh.  Mittelohrentzündung  und  gleichzeitig  von  professioneller 
Otitis  interna.  Beide  Trommelfelle  sind  opak  und  leicht  retrahirt 
Es  besteht  katarrh.  Nasen-Baohenentzündung  mit  bedeutender  Hyper- 
trophie der  vorderen  Enden  der  unteren  Nasenmuscheln. 

Sekret  der  Nasenhöhle:  Staphyloooocus  pyogenes  aureus, 
bloss  8  Kolonieen;  eine  Art  von  Bacillus  subtilis,  Mioroooc- 
ous  roseus;  Miorococous  citreus  conglomeratus.  —  Drei 
Kolonieen  von  Microooccus  oitreus  oonglomeratus. 

Linksseitige  Trommelhöhle:  Eine  Kolonie  von  Miorocoocne 
oitreus  oonglomeratus;  zwei  Kolonieen  von  Miorococous 
fluidifioans  albus. 


X)  Maggiora,  loc  dt 


Beitrag  aar  Aetsologie  der  katarrhalischen  Ohrentsündungen.  ß31 

Zwölfte  Beobachtung. 

B.,  Anna,  23  J.  alt,  Modistin.  Leidet  oft  an  fieberhafter  Angina 
tonsillaris.  Es  besteht  katarrh.  Nasen  -  Rachenentzündung  mit  Hyper- 
trophie der  Nasenmuscheln  in  ihrem  unteren  Abschnitte;  ungefähr  seit 
einer  Woche  klagt  sie  über  Taubheit  und  Schmerzen  am  rechten  Ohre ; 
Trommelfell  retrahirt»  leicht  geröthet,  sein  hinteres  Segment  erscheint 
gelblich  in  Folge  katarrh.  Exsadatansammlung  in  der  Trommelhöhle. 

Nase:  Staphyloco  eous  pyogenes  aureus;  Mioroooc- 
ous  fluidifioans  albus;  Bacillus  epidermidis;  Proteus 
vulgaris;  Bacillus  fluidifioans  parvus. 

Ohrtrompete :  Zwei  Kolonieen  von  Staphylooooous  pyog. 
aureus;  Bacillus  fluidifioans  parrus. 

Trommelhöhle:    Staphylooooous  pyogenes  aureus. 

Dreisehnte  Beobachtung. 

F.,  Angelo,  18  J.  alt,  Täschner,  klagt  über  Taubheit  seit  einigen 
Jahren ;  gegenwärtig  besteht  katarrh.  Nasen-Bachenentzündung ;  die  Ton- 
sillen und  die  unteren  Nasenmuscheln  sind  hypertrophisirtf  beide  Trom- 
melfelle leicht  gelblich  und  nicht  retrahirt.  Uhr  bloss  rechts,  bei  Eon- 
takt mit  der  Regio  praeaurioularis,  Flüstersprache  auf  gar  keiner  Seite 
gehört;  Konversationsspraohe  in  der  Nähe  links,  reohts  auf  1,50  m. 

Bachen  und  Nase:  5  Kolonieen  von  Staphylooooous 
pyogenes  albus;  Bacillus  luteus  putidus1);  Mioroooocus 
albus  fluidifioans;  Saooharomyoes  roseus;  Mioroooocus 
oandicans;  Muoor  mucedo. 

Ohrtrompete  uud  Trommelhöhle:  8taphy locoocus  pyogenes 
albus;  Microoooous  oandicans. 

Kategorie  G. 

Prüfung  des  Sekret«  von  Wunden,  die  konsekutiv  nach  galvanokaustischer 
Aetzung  der  Nasenschleimhaut  entstanden  sind. 

Wir  haben  bei  intrauasalen  Operationen  in  Fällen  von  Nasen- 
Rachenentzündung  und  katarrh.  Ohreotzünduog  beobachtet*),  dass 
sich  die  mit  der  kalten  Schlinge  und  mit  dem  galvanokaustischen 
Messer  gemachten  Wunden  zuweilen  durch  Bildung  von  Pseudomem- 
branen und  eines  eiterigen  Exsudats  kompliziren. 

Diese  Komplikationen  können  sich  auch  dann  manifestiren,  wenn 
die  Instrumente  mit  Sicherheit  sterilisirt,  und  zuweilen  auch  dann, 
wenn  die  zu  operirende  Region  vor  dem  operativen  Akte  so  gründ- 
lich wie  möglich  desinfizirt  wurde.  Wir  zitiren  einige  von  unseren 
Beobachtungen : 

Pseudomembranen.     Vierzehnte  Beobachtung. 
Pseudomembran  von  einem  Mädchen,   das   mit  ohronischer  katarrh« 
Nasen-Baehenentzündung  behaftet  war,  24  St  nach  der  Operation : 


1)  Maggiora,  loc.  dt. 

2)  Maggiora  und  Gradenigu,  Bakteriologische  Beobachtungen  Aber  Kroupmem- 
branen  auf  der  Naeensehleimhaut  nach  galvanokaustitcben  Aetiungen.  (Centralbl.  t 
Baktex.  a.  Par.  Bd.  VIII.  8.  641.) 


632  Magglora  und  Gradanigo, 

Btaphyl ooocoug  pyogenes  albus;  Baoillua  fluidifi- 
oibs  parvus;  eine  Art  yon  Bacillus  subtilis;  Iticrocoecui 
oandioans. 

Fünfzehnte  Beobaohtung. 
Pseudomembran    yon    einer  Frau  mit  trockener  Ohr-  und  katarrh.  | 
Nasenentzündung :  Staphylocoeeus  pyogen  es  albus« 

Sechzehnte   Beobaohtung. 
0.  0.f  Hörer  der  Medizin.    8ubakute  katarrh.  llittelohr-  und  Nasen- 
Raohenentzündung.     Pseudomembran    nach    24    8tunden:    8taphylo- 
oooous  pyogenes  aureus  in  fast  reiner  Kultur. 

Siebzehnte   Beobaohtung. 
Ausgedehnte  Pseudomembran   von   einem  16  J.  alten  Mädchen  mit 
katarrh.  Ohr-  und  Nasenentzündung,  bei  welchem  der  hintere  Abschnitt 
der    rechten     unteren     Nasenmuschel    galyanokaustisch    geätzt    wurde: 
Btaphylooo  ocus  pyogenes  aureus. 

Purulentes   Exsudat     Achtzehnte  Beobaohtung. 

FräuL  Irma  M.9  32  J.  alt,  leidet  an  ohronisoher  katarrh.  Mittelobr- 
und katarrh.  Nasen-Baohenentzüudung.  In  Folge  der  galvanokaustischen 
Zerstörung  der  hypertrophischen  linken  unteren  Nasenmusohel  entstand 
trotz  aller  Massregeln  eine  mit  diffuser  Böthang  verbundene  Eiterung 
der  gesammten  Nasenschleimhaut  und  eine  leichte  Tonsillitis  mit  24  St 
lang  dauerndem  Fieber  yon  38,5°. 

Die  mikroskopische  Prüfung  des  Eiters  bot  nichts  Besonderes. 

Bakteriologische  Prüfung:  Staphylo  oooous  pyogenes  al- 
bus in  grosser  Quantität  Das  Exsudat  der  Tonsillen  prodasirt  zahl- 
reiche Kolonieen  yon  Bacillus  fluorescens  putidus  und  nur 
wenige  Kolonieen  yon  8taphyiooooous  pyogenes  aureus. 

Neunsehnte  Beobaohtung. 
C.v  Bice,  87  J.  alt  Progressive  Taubheit  in  Folge  yon  katarrh. 
Mittelohr-  und  hypertrophischer  Nasen-Rachenentzündung;  nebst  einer 
beträchtlichen  Verdickung  der  vorderen  Enden  der  unteren  Muscheln 
bemerkt  man  links  einen  kleinen  Polypen  an  der  unteren  MuscheL  Die 
Prüfung  des  Exsudats  der  durch  galvanokaustische  Aetzung  entstandenes 
Wunde  in  der  Nasenhöhle  liess  zahlreiche  Kolonieen  von  Staphylo- 
oooous  pyogenes  albus  erkennen. 

Zwanzigste  Beobaohtung. 
G.,  Antoniette,  42  J.  alt  Chronische  katarrh.  Mittelohr-  und  Nasen- 
Baohenentzündung ;  intranasale  galvanokaustisohe  Aetzung.  Es  entstand 
rechts  eine  lakunäre  Tonsillitis,  eiteriges  Wundsekret  Vom  Exsudate 
der  Nasenhöhle  und  der  Tonsille  wurden  Kulturen  gemacht:  8ta- 
phylooooous  pyogenes  albus;  Proteus  vulgaris;  Saccha- 
romyoes  roseus. 

Es  geht  aus  den  mitgetheilten  Beobachtungen  hervor,  dass  wir 
16  mal  UDter  20  Fällen  in  der  Nasen-Rachenhöhle  oder  im  Mittelohr 


Beilrag  *ur  Aetiologie  der  katarrhalischen  Ohrentiflndungen.  633 

die  Existenz  von  pathogenen  Formen  nachweisen  konnten,  und  zwar 
in  der  Kategorie  A  einmal  Staphylococcus  pyogenes  aureus, 
viermal  Staphylococcus  pyogenes  albus;  in  der  Kategorie  B 
dreimal  Staphylococcus  pyogenes  aureus,  einmal  albus; 
in  der  Kategorie  C  fünfmal  Staphylococcus  pyogenes  albus, 
zweimal  aureus.  Nur  in  4  Fällen  der  Kategorie  A  konnten  mit 
Agar-  und  Gelatinekulturen  keine  pathogenen,  sondern  nur  saprophyte 
Formen  isolirt  werden.  Wenn  wir  jene  vier  Beobachtungen,  in  wel- 
chen keine  pathogene  Form  demonsthrt  werden  konnte,  in  Augen- 
schein nehmen,  dann  ergibt  sich,  dass  es  sich  in  einer  derselben,  und 
zwar  in  der  fünften,  um  eine  relativ  alte  Mittelohrentzündung  han- 
delte, wo  das  Mittelohr  und  die  Nasenhöhle  eher  die  Spureu  voraus- 
gegangener entzündlicher  Prozesse,  als  solche,  die  noch  im  Gange 
waren,  zeigten.  Dieser  Fall  würde  deshalb  eine  Uebergangsform 
von  der  trockenen  zu  der  akuten  und  subakuten  Otitis  repräsentiren. 

Verschieden  ist  —  unserer  Meinung  nach  —  die  Ursache  des 
negativen  Befundes  in  den  Beobachtungen  4,  6  und  8,  die  sich  auf 
Personen  beziehen,  bei  welchen  der  Krankheitsprozess  der  Nase  und 
der  Ohren  noch  in  der  subakuten  Periode  war,  d.  h.  durch  Hyperämie, 
Hypertrophie  und  reichliches  Nasensekret  sich  auszeichnete.  Wir 
heben  die  vierte  Beobachtung  hervor  und  diese  mag  für  alle  anderen 
gelten.  Sie  betrifft  ein  Mädchen  von  10  Jahren,  bei  welchem  man 
wegen  des  Auftretens  von  Otorrhöe,  von  fieberhafter  Angina  ton- 
sillaris, kurz  von  akuten  Symptomen  die  Existenz  von  pathogenen 
Keimen  in  der  Nasen-Bachen-Trommelhöhle  naturgemäß  erwarten 
musBte.  Es  erscheint  uns  bei  Erwägung  solcher  Fälle  richtiger,  statt 
den  infektiösen  Charakter  der  erwähnten  drei  Beobachtungen  zu 
leugnen,  anzunehmen,  dass  die  pathogenen  Keime  in  den  bezüglichen 
Räumen  in  so  kleiner  Menge  vorhanden  waren,  dass  sie  bakteriologisch 
nicht  nachgewiesen  werden  konnten.  Und  wir  müssen  ihre  Anwesen- 
heit umsomehr  zugeben,  als  wir  nachwiesen,  dass,  wenn  durch  irgend 
einen  Umstand  —  traumatische,  rheumatische  Ursachen,  allgemeine 
infektiöse  Krankheiten  des  Organismus  —  der  Ernährungszustand  der 
Schleimhaut  roodifizirt  wird,  sich  nicht  schwer  akute  Prozesse  ein- 
stellen, in  welchen  die  bakteriologische  Prüfung  des  Nasensekrets  fast 
eine  reine  Kultur  der  oben  erwähnten  Mikroorganismen  ergibt. 

Ein  Beispiel  dieser  Eventualität  finden  wir  in  den  angeführten 
Iufektionen,  welche  die  lokal  ausgeführten  Operationen  kompliziren 
köonen.  Derartige  Komplikationen  kommen  in  der  Praxis  bei  solchen 
Personen,  deren  Nasenschleimhaut  gesund  ist,  nicht  vor.  Wir  haben 
gesehen,  dass  sich  in  Folge  einer  Infektion  von  intranasalen  Wunden 
zuweilen  eine  fibrinöse  Pseudomembran,  andere  Male  wirklicher  Eiter 
sich  bildet;  es  gelang  uns  nicht,  eine  Differenz  des  infizirenden  Mikro- 
organismus in  diesen  Fällen  nachzuweisen,  und  wir  köunen  uns  des- 
halb nicht  mit  Sicherheit  über  die  Ursachen  aussprechen,  welche  die 
beiden  Arten  von  Exsudaten  zu  Staude  bringen. 

Bedeutend  seltener  betreffen  die  erwähnten  Komplikationen  die 
acciden teilen  Traumen  und  die  operativen  Akte  am  Trommelfelle. 
Obgleich  bei  Personen  mit  katarrh.  Nasen-  und  Ohrentzündungen 
auch  in  der  Trommelhöhle  pathogene  Keime  vorkommen  können,  ohne 


634      Maggiora  a.  Grade nigo,  Aetiologie  der  katarrh.  Ohrentaündungeo. 

dass  auch  nach  längerer  Zeit  eine  intensive  lokale  Reaktion  entstände, 
so  lehrt  doch  die  Erfahrung,  dass  Traumen  und  mehr  oder  weniger 
schwere  operative  Akte  am  Trommelfelle  gewöhnlich  keine  akuten 
Entzündungen  hervorrufen,  wenn  das  Eindringen  von  neuen  Keimes 
von  aussen  her  behindert  wird1).  Es  könnte  diese  Thatsache  nad 
unserem  Dafürhalten  von  der  sehr  geringen  Zahl  von  Keimen,  welche 
in  der  Trommelhöhle  vorhanden  sind,  und  vielleicht  auch  von  einer 
partiellen  und  temporären  Abschwächung  derselben  abhängen;  auch 
dürfte  man  nicht  den  Einfiuss  der  anatomischen  und  physiologisches 
Verhältnisse  der  Gegend  ganz  in  Abrede  stellen. 

Das  Wiederakutwerden  der  Infektion  in  subakuten  Fällen  kaso 
durch  den  Gebrauch  von  irritirenden,  wenn  auch  antiseptisch  wirken- 
den Substanzen  erfolgen,  wenn  diese  nach  dem  operativen  Akte  an- 
gewendet werden.  Diese  verändern  die  Schleimhaut  durch  Modifi- 
kation ihres  Substrats  in  der  Weise,  dass  sie  zu  geeignetem  Nähr- 
boden der  wenigen  in  ihr  existirenden  Keime  wird. 

Dass  die  Anwendung  von  antiseptischen  Mitteln  irritirend  wirken 
und  die  Entstehung  einer  Entzündung  des  Mittelohres  —  die  mm 
vermeiden  will  —  verursachen  könne,  kann  uns  nicht  Wunder  nehmen, 
wenn  wir  der  äusserst  zarten  Struktur  der  Trommelhöhlenschleimhaut 
den  zahlreichen  Falten  derselben  Rechnung  tragen,  welche  den  all- 
seitigen Kontakt  mit  den  desinfizirenden  Lösungen  sehr  erschweren 
und  deshalb  die  Antisepsis  zu  einer  unvollständigen  machen. 

Aehnliches  kann  man  auch  an  der  Nasenschleimhaut  bei  Anwen- 
dung zu  energischer  antiseptischer  Mittel  beobachten. 

Aus  den  mitgetheilten  Beobachtungen  geht  das  interessante,  schon 
im  Beginne  dieser  Arbeit  angedeutete  Faktum  hervor,  dass  die  klinisch 
berechtigte  Eintheilung  der  Mittelohrentzündungen  in  eiterige  w\ 
katarrhalische  vom  bakteriologischen  Standpunkte  aus  nicht  gerecht- 
fertigt ist,  weil  beide  Arten  von  Erkrankungen  von  denselben  patho» 
genen  Mikroorganismen  bedingt  zu  werden  pflegen.  Die  Erscheinung, 
dass  das  Exsudat  in  einem  Falle  katarrhalisch,  in  einem  anderen 
eiterig  ist,  hängt  wohl  von  Differenzen  im  Zustande  des  Substrats 
und  von  der  individuellen  Konstitution  ab. 

Es  ist  leicht  einzusehen,  dass  es  schwer  ist,  die  Richtigkeit  dieser 
Hypothese  mit  Exaktheit  zu  beweisen ;  aus  der  pathologischen  Be- 
obachtung jedoch  können  zu  Gunsten  derselben  einige  Beweisgründe 
angeführt  werden. 

Es  kommen  in  der  That  Uebergangsformen  vor,  in  welchen  ro*6 
nicht  zu  entscheiden  vermag,  ob  es  sich  um  eiterige  oder  akute 
katarrhalische  Ohrentzündung  handelt,  und  welche  für  die  Ansicht  w 

1)  Zauf  al  hat  die  Anwesenheit  einer  sehr  kleinen  Zahl  von  saprophrten  K«aw8 
in  der  Trommelhöhle  des  Kaninchens  unter  normalen  Verhältnissen  nachgewies« 
Dieser  Autor,  obgleich  er  die  Notwendigkeit  der  Bekräftigung  seiner  Experiment«  *>fi 
anderer  Seite  her  einsah,  ist  geneigt  anzunehmen,  dass  der  Mechanismus  der  Ohrtrom- 
pete wohl  den  Uebertritt  einer  grossen  Quantität  von  Keimen,  die  gewöhnlich  in  dir 
Nasenhöhle  vorhanden  sind,  in  die  Trommelhöhle  za  verhindern  vermag,  aber  ^f 
dazu  aasreicht,  nm  das  Eindringen  einer  gewissen  Zahl  derselben  ganz  unmöglich |3 
machen.  Wenn  es  erlaubt  wäre,  diese  Meinung  als  Kriterium  zur  Aufstellung  «* 
Analogie  zu  verwenden,  dann  konnte  man  dieselben  Schlussfolgerungen  für  den  Meo*1* 
und  die  pathogenen  Mikroorganismen  formuliren. 


Martlnotti  and  Tedeschi,  Ueber  die  Wirkungen  der  Inokulation  etc.     635 

sprechen  scheinen,  dass  die  Mittelohrentzündungen  im  Allgemeinen 
ein  gemeinsames  infizirendes  Agens  zur  Grundlage  haben.  Anderer- 
seits ist  im  ersten  Stadium  einer  ganz  akuten  Otitis  oft  schwer  zu 
entscheiden,  ob  diese  eine  eiterige  oder  katarrhalische  Form  an- 
nehmen wird. 

Man  kann  ausserdem  aus  unseren  Untersuchungen  schliessen, 
welch  eine  grosse  Bedeutung  für  die  Verhütung  und  Behandlung  der 
katarrhalischen  Mittelohrentzündung  eine  zweckmässig  modifizirte  anti- 
septische Methode,  wobei  eine  überflüssige  Reizung  der  Schleimhäute 
vermieden  wird,  haben  könne,  und  schliesslich  geht  aus  denselben 
die  Notwendigkeit  einer  ärztlichen  Hülfe  in  den  ersten  Stadien  der 
Krankheit  hervor. 

Turin,  29J9.  1891. 


Untersnchungen  über  die  Wirkungen  der  Inokulation 
des  Milzbrandes  in  die  Nervenzentra. 

[Anatomisch-pathologisches  Institut  der  Eönigl.  Universität  Siena.] 

Von 

Prof.  CtioYanni  Martlnotti  und  Dr.  Alessandro  Tedeschi. 

(Schiaas.) 

Experiment  156.     Am  14.  Juli  1891. 

Man  inokulirt  ein  Kaninchen  und  ein  Meerschweinchen  ins  Gehirn 
mit  derselben  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe.  Das  Kaninchen  wiegt 
ein  Kilo,  und  stirbt  nach  14  Stunden;  das  Meerschweinchen  wiegt  400  g 
und  stirbt  naoh   16  Stunden. 

Man  nimmt  die  betreffenden  Gehirne  und  macht  mit  kaltem  Wasser 
eine  Emulsion  daraus,  filtrirt  sie  durch  das  Filter  Ton  Ghamberland 
and  injizirt  die  des  Kaninchens  unter  die  Haut  eines  andern  Kaninchens 
von  1110  g  und  in  das  Gehirn  zweier  andern  von  830  und  2800  g, 
und  die  des  Meerschweinchens  unter  diu  Haut  von  einem  ebensolchen 
Ton  320  g  und  in  das  Gehirn  eines  andern  von  665  g. 

Das  unter  die  Haut  injizirte  Kaninchen  und  Meerschweinchen  er- 
litten keine  Störung;  das  in  das  Gehirn  injizirte  Meerschweinchen  und 
eines  der  betreffenden  Kaninchen  starben,  dieses  in  3  Stunden,  jenes 
in  10.  Das  zweite  ins  Hirn  injizirte  Kaninchen  war  sehr  kräftig  und 
blieb  am  Leben ,  nachdem  es  Symptome  dargeboten*  hatte ,  wie  bei 
den  verstorbenen  Thieren.  Diese  letzteren  vorfielen  sogleich  nach  der 
Operation  in  einen  Zustand  von  starker  Abgeschlagen  hei  t,  worauf  tonische 
und  klonische  Krämpfe,  gezwungene  Zusammenziehungen  und  Streckungen, 
besonders  der  Hinterbeine  und  Beugungen  und  Drehungen  des  Kopfes 
naoh  links  folgten.  Wir  bemerken  ausdrücklich,  dass  während  der  Ope- 
ration jede  Narkose  vermieden  worden  war. 

Bei  der  Sektion  dieser  Thiere  konnte  man  sich  vergewissern,  dass 
die  Verletzungen  des  Gehirns  so  gering  waren,  als  das  Experiment 
irgend  erlaubte,   dass    keine   Verletzungen   von   grössern    Gefässen   vor- 


636  Ifartiaotti  und  Tedescki, 

banden  waren.  Eine  Maus,  welcher  eine  geringe  Menge  der  filtrirten 
Emulsion  aus  dem  Gehirn  des  Kaninchens  injisirt  wurde,  starb  nach 
36  Stunden  mit  einem  akuten  Milztumor,  der  keine  Bacillen  enthielt 
Eine  andere  mit  dem  Ältrirtem  Extrakte  de»  Meenchweinohengehins 
injizirte  Maus  blieb  am  Leben. 

Experiment  202. 

Man  nimmt  das  Gehirn  des  Hundes,  welcher  zu  Experiment  154 
gedient  hatte.  Sobald  das  Thier  todt  ist,  macht  man  daraus  eine  wisse- 
rige  Emulsion,  filtrirt  sie  durch  den  Apparat  von  Chamberland 
und  injizirt  von  der  filtrirten  Flüssigkeit  1,5  oem  in  das  Gehirn  eines 
Hundes  yon  3,600  g  Gewicht  und  3  ccm  in  das  Gehirn  eines  andern 
Hundes  von  11  kg. 

Das  erste  Thier  zeigt  nichts  Besonderes,  das  zweite  ist  sehr  abge- 
schlagen und  wird  yon  Krämpfen  befallen,  ist  aber  am  folgenden  Tage 
wieder  ganz  hergestellt. 

Nach  diesen  Versuchen  kann  ee  also  scheinen,  dass  in  einem 
direkt  mit  Milzbrand  inokulirten  Gehirn  sich  eine  Substanz  yon  ge- 
ringer toxischer  Kraft  bildet,  weil  sie,  unter  die  Haut  eingeführt  and 
also  langsamer  aufgesaugt  und  nach  und  nach  ausgeschieden,  nur 
auf  kleine  Thiere  eine  Wirkung  ausübt,  während  sie,  unmittelbar  ins 
Gehirn  gebracht,  starke  giftige  Eigenschaften  zeigt,  besonders  gegen 
weniger  starke  Thiere. 

Es  blieb  noch  übrig,  zu  untersuchen,  ob  diese  Substanz  iahig 
ist,  den  Verlauf  der  Milzbrandinfektion,  unabhängig  von  ihrer  direk- 
ten Wirkung  auf  das  Gehirn,  zu  erschweren,  und  dieser  Zweifel  ent- 
stand aus  der  Beobachtung,  dass  direkt  inokulirte  Gehirne,  wenn 
sie  unter  die  Haut  eines  gesunden  Thieres  eingebracht  werden,  eine 
viel  stärkere  virulente  Wirkung  äussern,  als  das  gewöhnliche  Milz- 
brandvirus.   Deswegen  stellten  wir  das  folgende  Experiment  an: 

Experiment  161. 

Am  15.  Juli  1891  nimmt  man  ein  Meerschweinchen,  665  g  schwer, 
und  injizirt  ihm  eine  Milzbrandkultur  ins  Gehirn. 

Das  Thier  stirbt  naoh  11  Stunden. 

Mit  dem  Gehirn  desselben  macht  man  eine  Emulsion  in  destillirtevi 
Wasser,  welche  dann  durch  das  Chamber  lau  d'sche  Filter  aterilisirt 
wird.  Von  dieser  sterilen  Flüssigkeit  injisirt  man  ungefähr  2  ccm  unter 
die  Haut  eines  280  g  wiegenden  Meerschweinchens,  welchem  zugleich 
an  einem  andern  Körpertheile  ungefähr  1/8  ccm  Milzbrandkultur  in 
Fleischbrühe  unter  die  Haut  gespritzt  wird.  Mit  derselben  Kultur  in- 
fizirt  man  durch  Unterhautinjektion  zwei  andere  Meerschweinchen,  von 
denen  das  eine,  240  g  schwere,  gesund  war,  das  andere,  vom  Gewicht 
von  290  g,  ungefähr  12  Stunden  vorher  einer  intraoerebralen  Einspritzung 
von  ud geführ  1/8  ccm  destillirten,  sterilisirten  Wassers  erhalten  hatte 
Bei  der  Operation  hatte  man  genau  ebenso  verfahren,  wie  bei  den  in- 
traoerehralen  Injektionen  mit  den  andern  Substanzen. 

Das  erste  Meerschweinchen  starb  nach  22  Stunden,  das  zweite  nach 
89  8tunden,  das  dritte  nach  46  Stunden ;  alle  drei  mit  den  Zeichen  der 
typischen  Milzbrandinfektion. 


Ueber  die  Wirkungen  der  Inokulation  des  Milzbrände*  in  die  Nei  venzentra.     637 

Diesen  Versuch  bestätigt  das  oben  Gesagte,  dass  nämlich  die 
Hirnwunde  den  Verlauf  der  Infektion  nicht  erschwert,  wenigstens 
wenn  man  nicht  annehmen  will,  dass  die  dem  Gehirn  12  Stunden 
vorher  zugefügte  Verwundung  keine  Spur  zurückgelassen  habe. 

Vor  allem  scheint  es  uns,  dass  derselbe  die  Richtigkeit  des 
Zweifels  begründet,  welcher  in  uns  aufgestiegen  war,  nämlich  dass 
die  Gegenwart  eines  Stoffes,  welcher  sich  durch  die  Entwickelung  des 
Milzbrandes  in  den  Nerrenzentren  bildet,  im  Thierkörper  den  Verlauf 
der  Milzbrandinfektion  schwerer  macht.  Dies  scheiut  auch  durch  die 
folgenden  Experimente  bestätigt  zu  werden. 

Es  scheint  durch  ältere  UnterBuchungen  von  Eberth  und 
Frisch,  sowie  durch  neuere  und  genauere  von  G.  Frank1)  be- 
wiesen zu  sein,  dass  die  in  die  vordere  Augenkammer  des  Kanin- 
chens und  Meerschweinchens  eingebrachten  Milzbrandbacillen  keine 
allgemeine  Infektion  hervorbringen.  Von  diesem  Faktum  ausgehend, 
schreiten  wir  zu  folgendem  Experimente: 

Experiment  176. 

Um  4  Uhr  Nachmittags  am  15.  Juli  1891  injizirt  man  unter  die 
Haut  eines  Kaninchens  von  1100  g  ungefähr  4  com  einer  duroh  das 
Chamberland'sohe  Filter  sterilisirten  wässerigen  Emulsion  von  dem 
Gehirn  eines  direkt  ins  Gehirn  mit  einer  Milzbrandreinkultur  in  Fleisch- 
brühe inokulirten  Kaninchens,  welches  in  weniger  als  14  Stunden  an 
Milzbrandiufektion  gestorben  war. 

Das  Thier  erfährt  keine  Schädigung. 

Um  5  Uhr  Nachmittags  am  17«  Juli  injizirt  man  ihm  in  die  reohte 
vordere  Augenkammer  drei  Tropfen  einer  Beinkultur  von  Milzbrand  in 
Fleischbrühe  vermittelst  einer  feinen  sterilisirten  Röhre  nach  allen 
Regeln  dar  Asepsis,  und  ohne  die  Iris  oder  die  Giliarfortsätze  zu  verletzen. 

Das  Thier  stirbt  um  1  Uhr  Nachmittags  des  folgenden  Tags  an 
allgemeiner  Milzbrandinfektion. 

Experiment  187. 

Um  7  Uhr  Abends  am  15.  Juli  1891  injizirt  man  unter  die  Haut 
eines  Meerschweinchens  von  320  g  Oewioht  4  ocm  von  der  wässerigen, 
durch  das  Filter  von  Ohamberland  sterilisirten  Emulsion  des  Ge- 
hirns eines  Meersohweinoheus  vom  Gewicht  von  400  g,  welchem  ins  Ge- 
hirn eine  Beinkultur  von  Milzbrand  inokulirt  und  nach  16  8tunden 
gestorben  war.  Das  Meerschweinchen  scheint  keine  Wirkung  zu  spüren. 
Um  5  Uhr  Nachmittags  am  18.  Juli  injizirt  man  in  die  rechte,  vordere 
Augenkammer  nach  derselben  Verfahrungsweiae,  wie  im  vorigen  Expe- 
rimente wenig  mehr  als  einen  Tropfen  einer  Reinkultur  von  Milzbrand 
in  Fleischbrühe.  Um  6  Uhr  am  folgenden  Morgen  findet  man  das  Thier 
todt  an  allgemeiner  Milzbrandaffektion. 

Es  war  natürlich,  dass  in  uns  der  Gedanke  aufstieg,  diese  toxi- 
sche Substanz  bilde  sich  auch  durch  das  Wachsthum  des  Milzbrandes  in 
dem  dem  Thiere  entnommenen  Gehirn.  Daher  schreiten  wir  zu  fol- 
gendem Experimente: 

1)  G.  Frank,  üeber  den  Untergang  der  Milzbrandbacillen  im  Thierkörper.  (Cen- 
tralblatt  Ar  Bakteriologie  u.  Paraaitenk.    Bd.  IV.  1888.  Ko.  88,  84). 


63$  Martinotti  und  Tedeschi, 

Experiment  168. 

Unter  die  Haut  eines  Kaninchens  wird  Milzbrandkultur  in  Fleisch- 
brühe eingespritzt.     D&s  Thier  stirbt  an  Milzbrand  nach  68  Standen. 

Man  entnimmt  mit  aller  Vorsieht  das  Gehirn,  die  Milz  und  einig« 
Stücken  vom  Muskelgewebe,  bringt  diese  Theile  in  ebenso  rielen  P  e  t  r  i- 
sohen  Zellen  in  die  Wärmekammer  bei  38°  0.  Nach  24  Stunden  ennd 
diese  Organe  ebensoviel  Heinkultaren  yon  Milzbrand. 

Mit  einem  Stück  dieser  Organe  inokulirt  man  unter  die  Haut  drei 
Kaninohen  von  derselben  Grösse  und  Farbe. 

Das  mit  Gehirn  inokulirte  stirbt  nach  41  Stunden  am  Milzbrand 
das  mit  dem  Muskel  nach  53  8tunden,  das  dritte  lebt  heute  noeh 
(nach  15  Tagen). 

Mit  den  übrig  gebliebenen  Theilen  der  Organe  macht  man  eine 
Emulsion,  filtrirt  und  injizirt  sie  ins  Gehirn  yon  drei  Kaninchen,  welche 
alle  die  unmittelbare  Wirkung  der  Verwundung  empfinden,  nämlich  Ab- 
geschlagenheit  und  einige  leichte  konvulsive  Bewegungen,  aber  diese  Er- 
scheinungen sind  am  deutlichsten  bei  demjenigen  ausgesprochen,  welche« 
die  Hirninjektion  erhalten  hatte,  besonders  durch  auffallende  tonisch« 
und  klonische  Krämpfe.  Nach  einigen  Stunden  erholen  sich  die  Thiere 
fast  vollständig. 

Experiment  169. 

Man  injizirt  unter  die  Haut  zweier  Meerschweinchen  ungefähr 
0,7  com  einer  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe.  Die  Meerschweinchen 
starben  nach  36  und  39  Stunden.  Von  jedem  von  beiden  entnimmt 
man  das  Gehirn,  die  Milz  und  ein  Muskelstück  und  setzt  diese  in  Petri- 
sohe  Zellen  bei  38°  C  an.  Naoh  24  8tunden  sind  diese  Organe  eben- 
soviel Reinkulturen  von  Milzbrandbaoillen. 

Man  macht  aus  ihnen  filtrirte  Emulsionen  und  injizirt  davon  in  die 
Gehirne  von  drei  Meerschweinchen.  Diese  zeigen  die  bekannten,  vom 
Trauma  abhängenden  Wirkungen  der  endooerebralen  Injektion,  und  das 
mit  dem  Gehirn  inokulirte  sehr  heftige  Zusammenziehuniren»  tonisehe 
und  klonische  Krämpfe,  Streckung  der  Hinterbeine,  dann  Goma  mit  be- 
schleunigter oberflächlicher  Athmung  und  Neigung  zur  Manegebewegung. 
Nach  ungefähr  einer  halben  Stunde  fangt  das  Thier  an,  sieh  zu  regen, 
bleibt  aber  noch  sehr  matt. 

Man  nimmt  die  Organe  des  andern  Meerschweinchens  und  inokulirt 
damit  drei  Meerschweinchen  unter  die  Haut  Das  mit  dem  Gehirn  in- 
okulirte stirbt  in  30  8 tun  den,  das  mit  dem  Muskel  in  36  ßtunden,  dss 
mit  der  Milz  nach  51  Stunden. 

Experiment  204. 

Man  nimmt  mit  aller  Vorsicht  das  Gehirn  des  Kaninchens  (175), 
welches  an  gleichzeitiger  Inokulation  einer  sterilisirten  Emulsion  von 
Milzbrandgehirn  und  Milzbrandkultur  in  Fleischbrühe  gestorben  war, 
bringt  es  in  ein  Glasgefäss  und  lässt  es  24  Stunden  lang  in  der 
Wärmekammer  bei  38°  C. 

Dann  injizirt  man  davon  einen  kleinen  Theil  unter  die  Kaut  einer 
Mus  deoumanus,    welche  naoh  29  8tunden  an  Milzbrand  stirbt. 

Mit  dem  Ueberrest  des  Gehirns  maoht  man  eine  wässerige  Emulsion, 
welche  durch  den   Chamberland'schen   Apparat  filtrirt    wird.     Yon 


Ueber  die  Wirkungen  dar  InokoUtion  des  Milsbrandes  in  die  NervenMotra.     Q39 

lieser  Flüssigkeit  injiiirt  man  eine  massige  Menge  (über  1  com)  in  das 
lehint  einer  Ratte,  welche  dadurch  nicht  geschädigt  wird. 

Von  der  naoh  29  Stunden  gestorbenen  Hatte  entnimmt  man 
itückchen  vom  Gehirn  und  den  Muskeln  und  bringt  sie  unter  die  Haut 
on  drei  Hatten.  Die  mit  dem  Gehirn  inokuürte  stirbt  naoh  24  Stall- 
en am  Milzbrand,  die  beiden  andern  bleiben  am  Leben. 

Diese  Experimente  beweisen,  dass  auch  in  dem  der  Lebensthätig- 
;eit  entzogenen  Gehirne  sich  die  Substanz  bildet,  von  welcher  oben 
lie  Rede  war,  während  sie  sich  in  den  andern  Organen  nicht  bildet, 
n  denen  sogar  der  Milzbrand  sich  abzuschwächen  scheint. 

Aber  könnte  das  Gehirn  nicht  auch,  abgesehen  von  der  Gegen- 
wart des  Milzbrandbacillus,  Stoffe  enthalten,  welche  fähig  wären,  die 
Widerstandskraft  des  Organismus  zu  schwächen? 

Um  diesen  Zweifel  zu  beseitigen,  versuchen  wir  folgendes  Expe- 
riment: 

Experiment  235. 

Einem  Kaninchen  von  einem  Gewicht  von  1270  g  injizirtman  ins  Gehirn 
ungefähr  2  oem  einer  wässerigen,  duroh  Filtriren  sterilisirteu  Emulsion 
von  dem  Gehirn  eines  gesunden  Kaninchens.  Das  Thier  zeigt  sich  zu 
Anfang  ein  wenig  matt,  erhält  sich  dann  aber  vollständig. 

Man  konnte  den  Verdacht  hegen,  die  schädliche  Substanz  bilde 
sich  im  Gehirne  nach  dem  Tode  durch  freiwillige  Zersetzung  der 
Nervensubstanz,  um  so  mehr,  da  dasselbe  bei  thierischer  Wärme  ge- 
halten wurde.  Zur  Prüfung  dieser  Idee  stellten  wir  folgendes  Ex- 
periment an: 

Experiment  286. 

Man  nimmt  einem  gesunden  Kaninehen  das  Gehirn  und  bringt  es 
mit  aller  aseptischen  Vorsicht  in  eine  sterilisirte  Glaskapsel,  welohe  24 
Standen  lang  bei  der  konstanten  Temperatur  von  38°  erhalten  wird. 
Bann  macht  man  daraus  eine  Emulsion  auf  die  gewohnte  Weise,  filtrirt 
sie  und  injizirt  davon  ungefähr  2  oom  in  das  Gehirn  eines  Kaninchens 
von  einem  Gewichte  von  1150  g. 

Das  Thier  erleidet  keinen  Sohaden. 

Aus  dem  Zusammenhange  dieser  Experimente  scheint  uns  her- 
vorzugehen, dass  während  der  Entwickelung  des  Milzbrandes  im  Ge- 
hirn, sei  diese  lebend  oder  vom  Körper  getrennt,  eine  Substanz 
entsteht  von  nicht  sehr  bedeutender  toxischer  Kraft,  welche  aber, 
wenn  sie  sich  im  Körper  anhäuft,  den  Verlauf  der  Milzbrandinfektion 
zu  erschweren  vermag,  wie  es  die  Versuche  beweisen,  in  denen  wir 
unter  die  Haut  des  Thieres  sterilisirte  wässerige  Emulsionen  von 
Milzbrandgehirn  und  zugleich  in  andere  Theile  des  Körpers,  immer 
unter  die  Haut,  Milzbrandvirus  einbrachten,  wobei  die  Thiere  schneller 
zu  Grunde  gingen,  als  nach  einfacher  Inokulation  desselben  Virus 
unter  die  Haut. 

Wenn  wir  nach  der  etwaigen  Natur  dieser  Substanz  fragen,  so 
^ermuthen  wir,  ohne  eine  Behauptung  aussprechen  zu  wollen,  dass 
sie  Cholin  sein  könne. 

Wir  wissen  aus  den  Untersuchungen  Brieger's  und  Anderer, 


$40  Martinottl  und  Tedescbl, 

dass  dies  eine  in  Wasser  leicht  lösliche,  wenig  giftige1)  Substanz 
ist,  welche  leicht  durch  Zersetzung  des  Lecithins  entsteht,  woran 
das  Gehirn  reich  ist*),  und  welches  in  der  Reihe  der  Ptomalne  zu- 
erst auftritt,  welche  während  der  Fäulniss s)  oder  unter  dem  Einfloss 
von  Mikroorganismen  entstehen.  Seine  toxische  Wirkung  nähert  sich 
der  des  Neurins4). 

Die  Entwicklung  der  Milzbrandbacillen  im  Gehirn  würde  die 
Entstehung  dieser  Substanz  hervorrufen,  welche  durch  ihre  Anhäufung 
eine  Vergiftung  des  Gentralnervensystems  hervorriefe,  and  diese  Ver- 
giftung wäre  im  Stande,  die  Widerstandskraft  des  Organismus  gegen 
die  Infektion  herabzusetzen. 

Andererseits  aber  zeigen  die  klinische  Beobachtung  und  das  Ex- 
periment deutlich,  dass  jede  Verminderung  der  Th&tigkeit  der  Ner- 
venzentren den  Verlauf  der  Krankheitsprozesse  im  Allgemeinen  und 
der  infektiven  insbesondere  zu  erschweren  vermag6). 

Wir  wollen  nicht  leugnen,  dass  auch  das  Oedem  der  Gehirnsub- 
stanz, die  Hyperämie  der  Meningen,  der  durch  das  Exsudat  nnd  die 
schnelle  Vermehrung  der  Bacillen  ausgeübte  Druck  dazu  beitragen 
können,  die  Depression  der  Nerventhätigkeit  zu  vermehren,  aber  ab- 
gesehen davon,  dass  diese  Symptome  verhältnissmässig  spät  auftreten 
und  nicht  immer  mit  der  Schwere  der  Infektion  im  Verhältniss  stehen, 
so  haben  wir  die  Resultate  der  andern  Experimente,  wo  wir  unter 
die  Haut  Theile  von  Milzbrandgehirnen,  oder  ihre  nicht  sterilisirten 
Emulsionen,  oder  sterilisirte  Emulsionen  von  Milzbrandgehinien  unter 
die  Haut  gespritzt  und  gleichzeitig  Milzbrandkulturen  inokulirt  hatten, 
und  viel  heftigere  Wirkungen  eintraten,  als  bei  Inokulation  des  ge- 
wöhnlichen Milzbrandvirus. 

Wir  haben  bisher  von  dem  üppigen  Wachsthum  der  Milzbrand- 
bacillen in  den  Nervenzentren  gesprochen,  und  man  begreift  diese 
Thatsache  sehr  leicht  bei  Thieren,  welche  für  Milzbrand  sehr  empfäng- 
lich sind,  wie  Kaninchen  und  Meerschweinchen.  Aber  man  kann  für 
Hund  und  Ratten  einige  Zweifel  hegen,  weil  sie  für  unempfänglich 
oder  wenigstens  sehr  widerstandsfähig  gegen  Milzbrandinfektion  gelten. 

Aber  man  muss  bedenken,  dass  die  Immunität  eine  sehr  relative 
Erscheinung  ist,  und  weniger  von  der  Thierspezies,  als  von  der  Art 
der  Einführung  des  infizirenden  Stoffes,  von  der  Menge  des  Virus, 
von  dem  Zustande  des  Thieres  u.  s.  w.  abhängt. 

Die  Hunde  sind  im  Allgemeinen  sehr  widerstandsfähig  gegen 
Milzbrand,  besonders  wenn  er  durch  die  Haut  eingebracht  wird ;  nur 
durch    Einspritzung    grösserer    Mengen    von   Kultur   in    das   Blut 

1)  Brieger,  Uober  Ptomaine.  Theil  h  pg.  58. 

2)  Brieger,  ebenda,  pg.  68. 

8)  Ist  die  vitale  Kraft  des  Menschen  erloschen,  so  löst  sich  am  ehesten  Lecithin, 
dieser  so  komplex  gebaute  Körper,  in  seine  Komponenten  auf:  ein  Faktum,  das  bei  der 
bedeutenden  Fragilität  dieses  Körpers  au  erwarten  stand  .....  Jedenfalls  ist  es 
merkwürdig,  das«  in  den  von  dem  eigentlichen  Zersetsungsvorgange  sehr  wenig  oder  gar 
nicht  betroffenen  Organen  das  Choliu  einsig  und  allein  nachweisbar  war.  Brieger, 
1.  c.  Tbeil  II.  pg.  83,  84. 

4)  Brieger,  1.  c.  Theil  I.  p.  88,  89. 

6)  8awtschenko  hat  geseigt,  dass  Tauben  nach  Durehschneidung  deaBfickea- 
mark«  dem  Milabraud  leichter  erliegen.  (Centralblatt  für  Bakteriologie.  Bd.  IX.  1891. 
No.  14  u.  18.) 


Martin  otti  und  Tedescbi,  Ueber  die  Wirkungen  dar  Inokulation  etc.    641 

var  es  bisher  gelangen,  und  nicht  ohne  Mühe,  die  Milzbrandinfektion 
terorzubrinpen. 

Aach  Mas  decumanus,  obgleich  nicht  ganz  widerstandsfähig 
wie  man  Anfangs  glaubte),  zeigt  einen  hohen  Grad  von  Widerstand 
;egen  Milzbrand.  Doch  soll  es  Frank  gelungen  sein,  diese  Infek- 
ioo  durch  Einspritzung  von  Milzbrandvirus  in  die  Bauchhöhle  her- 
orzabringen;  in  Wahrheit  aber  erlauben  die  nur  an  drei  Thieren 
tngestelHen  Versuche  dieses  Forschers  keine  bestimmten  Schlosse '). 
Aber  es  gibt  eine  Besonderheit,  welche  nach  unserer  Meinung 
licht  genug  in  Betracht  gezogen  worden  ist,  dass  nämlich  sowohl 
>eim  Hunde,  wie  bei  der  Ratte  sehr  oft  eine  sehr  bedeutende  Ver- 
mehrung der  Bacillen  an  der  Stelle  der  Impfung  eintritt,  während 
iann  auf  dieses  Stadium  selten  die  allgemeine  Infektion  des  Organis- 
mus folgt1). 

Hier  machen  wir  darauf  aufmerksam,  dass  die  intensive  Bacillen- 
vennehrung,  welche  wir  besonders  in  den  Hirnventrikeln,  im  Central- 
kanale  des  Rückenmarks,  in  den  Lymphscheiden  der  Geftsse,  in  den 
Lymphr&umen  der  Nervensubstanz  beobachten,  zu  der  Annahme 
fahren,  die  Milzbrandbacillen  fänden  einen  ihnen  sehr  günstigen  Nähr- 
boden in  den  darin  enthaltenen  Flüssigkeiten,  oder  auch  in  der  Hirn- 
Rückenmarksfiflssigkeit,  welche  nicht  eine  serftse  Ausschwitzung  dar- 
stellt, sondern  eine  besondere  Flüssigkeit,  welche  vielleicht  von  den 
als  Drüsen  funktionirenden  Plexus  choroidei  abgesondert  wird3)  und 
aach  eine  besondere  chemische  Zusammensetzung  besitzt4). 

Es  ist  glaubhaft,  dass  die  Milzbrandbacillen  in  der  Cerebrospinal- 
flüssigkeit  der  für  gewöhnlich  widerstandsfähigen  Thiere  einen  gün- 
stigen und  bei  den  empfänglichen  einen  ausserordentlich  günstigen 
Boden  für  ihre  Vermehrung  finden.  Durch  ihre  stürmische  Vermeh- 
rung veranlassen  dieselben  in  den  Nervenzentren  die  Entstehung  und 
Anhäufung  von  Substanzen,  welche  als  Gifte  auf  die  wichtigsten  Or- 
gane wirken,  aus  denen  sie  entsprungen  sind  und  so  die  Entwickelung 
der  allgemeinen  Infektion  möglich  machen  und  beschleunigen. 

Dies  scheint  der  gerechtfertigtste  Schluss  zu  sein,  den  man  aus 
unsern  Experimenten  ziehen  kann.  Wir  bekennen  jedoch,  dass  wir 
durch  die  gegenwärtige  Arbeit  zunächst  die  Thatsachen  haben  bekannt 
machen  wollen,  welche  wir  gefunden  haben,  und  welche  uns  werth  schie- 
nen, den  Forschern  bekannt  zu  werden ;  was  die  Erklärung  betrifft,  die 
wir  zu  geben  versucht  haben,  so  sagen  wir  gerne  mit  dem  Dichter: 

.  .  .  .  Si  quid  novisti  rectius  istis, 
Candidas  imperti;  si  non,  bis  utere  mecum. 

Hör.  Epist  I.  6. 
Siena,  den  15.  August  1891. 

1)  G.  Frank,  Ueber  den  Untergang  der  Milsbrandbacillen  im  Körper  der  weissen 
Btton.    (Centrslblstt  für  Bakteriologie  u.  Parasitenkunde.    Bd.  VIII.  1890.  pg.  298.) 

2)  Diese  Tbatsaebe  wurde  von  Frank  (1.  o.)  bei  der  Hatte  festgestellt,  und  wir 
Konnten  sie  mehrmals  bei  diesem  Thiere  sowie  beim  Hunde  bestätigen. 

8)  Obersteiner,  Anleitung  beim  Studium  des  Baues  der  Centralorgane.  Wien 
18**.  p.  388. 

4)Hammar9ten.  Lehrbuch  der  physiologischen  Chemie.  Wiesbaden  1891. 
W  104. 


642  Mikroorganismen  der  Eiterung. 


Referate. 


Levy,  E.,  Ueber  die  Mikroorganismen  der  Eiterung. 
Ihre  Spezifität,  Virulenz,  ihre  diagnostische  und 
prognostische  Bedeutung.  (Archiv  f.  exper.  Pathol.  und 
Pharmakol.  Bd.  XXIX.  1891.  Heft  1/2.) 

Verf.  hatte  in  einer  mehrjährigen  Thätigkeit  als  Assistent  der 
Strassburger  medizinischen  und  chirurgischen  Klinik  Gelegenheit, 
zahlreiche  Fälle  von  Eiterungen,  entzündlichen  Prozessen  u.  s.  w. 
bakteriologisch  zu  untersuchen.  Die  Ergebnisse  dieser  Untersuchungen 
—  zum  kleineren  Theil  bereits  froher  veröffentlicht  —  bilden  den 
Gegenstand  der  vorliegenden  Arbeit 

Zunächst  bespricht  Verf.  die  pyogenen  Kokken.  Am  häu- 
figsten unter  allen  Eiterungserregern  fand  er  den  Staph  y  lococcus 
pyogenes  albus  (in  Panaritien,  Abscessen,  bei Osteomyelitiden, Oti- 
tiden,  Empyemen  u.  s.  w.).  Die  Ansicht  einzelner  Autoren,  daß 
derStaph.  pyogenes  albus  weniger  bösartig  sei,  alsderaureas, 
vermag  der  Verf.  nicht  zu  theilen.  In  vier  Fällen  von  Pyäxnie  und 
Puerperalfieber  konnte  er  den  Staph.  albus  im  Blute  der  lebenden 
Patienten  nachweisen.  In  neun  Fällen  von  Eiterung  fand  er  den 
Staph.  pyog.  cereus  alb.  (Passet),  darunter  achtmal  in 
Reinkultur. 

Den  FraenkeTschen  Diplococcus  fand  Verf.  u.a.  auch  in  se- 
rösen metapneumonischen  Exsudaten,  ferner  in  drei  Fällen  von  Con- 
junctivitis crouposa.  Den  Micrococcus  tetragenus  erhielt 
Verf.  einmal  aus  einer  Eiterung  des  Processus  mastoid.  nach  Otitis 
media,  in  Gemeinschaft  mit  Staphyl.  pyogenes  albus. 

Unter  den  pyogenen  Bacillen  führt  Verf.  an  erster  Stelle 
den  Typhusbacillus  an;  eigene  Beobachtungen  über  die  —  bekannt- 
lich noch  von  vielen  Autoren  für  fraglich  erachtete — pyogene  Wirkung 
desselben  stehen  ihm  nicht  zu  Gebote.  Ferner  erwähnt  er  u.  a.  einen  von 
ihm  schon  früher  (Centralbl.  f.  klin.  Med.  1890.  No.  4)  beschriebenen  Ba- 
cillus, den  er  bei  einem  Fall  von  Otitis  media  nach  Cholesteatom 
sowohl  aus  dem  Sekret  des  Mittelohrs  als  auch  aus  dem  Eiter  des 
Proc.  mastoid.  und  aus  dem  Blute  intra  vitam  erhielt  Dieser  Bacil- 
lus bewirkte  bei  Kaninchen,  in  das  Auge  eingebracht,  heftige  Iritis, 
später  Vereiterung  des  Glaskörpers. 

Weiterhin  bespricht  Verf.  u.  a.  auch  das  Bacterium  coli 
commune  als  Eiterungserreger;  er  fand  dasselbe  zweimal  bei  Patien- 
ten mit  eingeklemmten,  gangränösen  Hernien,  die  beide  in  Folge  von 
Peritonitis  und  Bronchopneumonie  starben,  im  Bruchwasser,  in  den 
peritonitischen  Belägen  und  in  den  bronchopneumonischen  Herden. 
Einmal  fand  er  denselben  Bacillus  bei  einer  Lymphangoitis  des  Ar- 
mes, einmal  in  einem  Leberabscess.  Im  Anschluss  hieran  wird  der 
Naunyn'sche  Bacillus  erwähnt  (vergl.  Referat  in  diesem  Centralbl. 
Bd.  X.  S.  92). 


Eiterung.  —  Septische  Erkrankungen.  §43 

Zweimal  fand  Verf.  in  gashaltigen  A bscessen  ana&robe  pyogene 
Bacillen;  einen  derselben,  welcher  zu  den  fakultativen  Anaeroben  ge- 
hört, hat  Verf.  näher,  auch  bezgl.  der  von  ihm  gebildeten  Oase,  un- 
tersucht Derselbe  erwies  sich  als  pathogen,  z.  Th.  auch  pyogen  für 
weisse  Mäuse  und  für  Meerschweinchen. 

An   den  speziellen  Theil  seiner  Arbeit,  aus  welchem  wir  hier  nur 
einige  Punkte  hervorheben  konnten,  schüesst  der  Verf.  noch  allgemeine 
Betrachtungen  Aber  die  Spezifität  der  Eiterungserreger  sowie  über 
ihre  Bedeutung  für  Diagnose  und  Prognose.    Nach  seiner   Ansicht 
hat  die  A  r  t  der  Mikroorganismen,  ob  Staphylokokken,  Streptokokken, 
Pneumokokken,  ob  Bacillen,  auf  die  Symptomatologie  der  betr.  Eite- 
rung, auf  ihre  Dauer,  auf  die  Beschaffenheit  des  Eiters  keinen  Ein- 
floss.    So  wendet  er  sich  u.  a.  auch  gegen  die  von  Zaufal,  Netter 
und  Moos  vertretene  Anschauung,  dass  das  Auffinden  von  Strepto- 
coccus pyog.  bei  Otitis  media  eine  ungünstigere  Prognose  bedinge, 
als  der  Nachweis   des  Fraenkel'schen  Pneumococcus;  ebenso 
verwirft  er  die  Ansicht  Nett  er 's,  dass  Pneumokokken-Empyeme  eine 
besonders  günstige  Prognose  böten  und  durch  einfache  Punktion  geheilt 
werden  könnten.  „Die  Prognose  des  Prozesses,  dessen  Ursache  in  einem 
Mikroorganismus  zu  suchen  ist,  hängt  ab  von  dessen  Virulenz ;  und  der 
Virulenzgrad  der  pathogenen,  in  Besonderheit  der  pyogenen  Mikro- 
organismen ist  ausserordentlichem  Wechsel  unterworfen/4    Dies  lässt 
sich  durch  das  Thierexperiment  beweisen :    Die  Mikroorganismen  ein 
und  derselben  Art,  welche  von  leichten,  gutartigen  Eiterungen  stam- 
men, entfalten  auch  bei  den  Versuchstbieren  ungleich  schwächere  Wir- 
kungen, als  die  aus  Fällen  schwerer  Pyhämie   gezüchteten.    Jedoch 
können  auch  die  weniger  virulenten  Mikroorganismen  dadurch,  dass 
man  sie  durch  den  thierischen  Organismus  hindurchführt,  auf  einen 
höheren  Grad  der  Virulenz  gebracht  werden. 

R.  Stern  (Breslau). 

Denutg,  Adolf,  üeber  septische  Erkrankungen  mit  be- 
sonderer Berücksichtigung    der   kryptogenetischen 
Septikopyämie.  213  p.    Mit  3  farbigen  Tafeln  u.  11  Kurven. 
Leipzig  1891. 
Verf.  beschäftigt  sich  vorwiegend  mit  derjenigen  Gruppe  sep- 
tischer Erkrankungen,  welche  zuerst  von  Leube  (1878)  als  „krypto- 
genetische Septikopyämie"  bezeichnet  und  in  den  letzten  Jahren  be- 
sonders von  Jürgensen  —  dessen  Assistent  Verf.    ist  —  näher 
8tudirt  wurde.    Die  Abhandlung  ist  naturgemäss  vorwiegend  klinischen 
Inhalts:   In  einer  historischen  Einleitung  wird  die  Entwickelung  des 
Krankheitsbegriffs,  alsdann  eine  Darstellung  des  Krankheitsbildes  in 
seinen  vielgestaltigen  Formen  gegeben;   zahlreiche    charakteristische, 
z.  Th.  sehr  ausführliche  Krankengeschichten  (meist  aus  der  Tübinger 
medizinischen  Poliklinik  stammend)  sind  in  die  Darstellung  eingefügt. 
Intra  vitam  wurde  mehrfach  versucht,  aus  den  sich  öfters  bei  sep- 
tischen Prozessen  bildenden  Hauthämorrhagieen  Mikroorganismen   zu 
züchten,  jedoch  mit  negativem  Erfolge.    Post  mortem  fanden  sich  in 
den  bei  der  Sektion  gefundenen   Eiterherden,   öfters    auch  in  den 
ttavebssäften    der   inneren    Organe,  verschiedene    Mikroorganismen, 

41» 


$44  BaptisdM  Erkrankungen. 

meist  Streptokokken;  näher,  bes.  durch  das  Thierexperiment,  scheinen 
dieselben  nicht  untersucht  worden  zu  sein. 

In  dem  Kapitel:  „Diagnose14  bespricht  Verf.  im  Einzelnen  die 
bekanntlich  oft  recht  schwierige  Differentialdiagnose  zwischen  sep- 
tischen Prozessen  unbekannten  Ursprungs  und  einer  ganzen  Reihe 
anderer  Infektionskrankheiten.  Manche,  namentlich  die  leichteren 
Formen  der  kryptogenetischen  Septikopyämie,  haben  mit  dem  akuten 
Gelenkrheumatismus  grosse  Aehnlichkeit;  ja,  Verf.  ist  der  Ansicht, 
dass  „sicher  eine  nicht  unerhebliche  Zahl  von  Fällen  gewöhnlich  als 
akuter  Gelenkrheumatismus  diagnostirt  wird,  welche  wir  jetzt  nach 
unseren  Untersuchungen  als  septische  Erkrankungen  glauben  bezeichnen 
zu  mfls8enu.  Verf.  stellt  dann  noch  die  Hypothesen  auf,  dass  die 
so  häufig  den  akuten  Gelenkrheumatismus  komplizirenden  Erkrankungen 
des  Herzens,  bei  denen  bekanntlich  die  Salicyls&ure  unwirksam  bleibt, 
deshalb  vielleicht  stets  durch  Eiterkokken  bedingt  wären,  ebenso 
wie  diejenigen  Falle  von  Gelenkrheumatismus,  welche  durch  Salicyl- 
säure  nicht  gebessert  würden.  Eine  andere  Begründung,  als  eben 
die  Unwirksamkeit  der  Salicylsäure  vermag  Verf.  für  diese  etwas 
weitgehenden  Vermuthungen  nicht  beizubringen.  Nach  Ansicht  des 
Ref.  wäre  es  von  Wichtigkeit,  bei  Fällen  von  kryptogenetischer 
Septikopyämie  zu  untersuchen,  ob  und  wie  oft  sich  Eitererreger  im 
zirkulirenden  Blute  des  Kranken  —  die  ja  bei  anderweitigen 
pyämischen  Prozessen  schon  mehrfach  nachgewiesen  sind  —  auf- 
finden lassen.  Hierüber  erfahren  wir  leider  aus  dem  Buche  des  Verf.'s 
nichts.  Dies  wäre  auch  der  Weg,  auf  welchem  die  eben  erwähnten 
Hypothesen  des  Verf.'s  bezüglich  ihres  Werthes  untersucht  werden 
könnten. 

Weiterhin  bespricht  Verf.  der  Reihe  nach  die  Differentialdiagnose 
zwischen  Sepsis  einerseits,  Tuberculose,  Pneumonie,  Influenza,  Erysipel, 
Scarlatina,  Variola,  Typhus  abdominalis  und  Malaria  andererseits. 
Bei  der  Diagnose  des  Typhus  gedenkt  Verf.  der  bakteriologischen 
Untersuchung  nicht,  und  doch  kann  gerade  diese  in  zweifelhaften 
Fällen  äusserst  werthvoll  sein.  So  konnte  z.  B.  Ref.  erst  kürzlich 
bei  einem  auf  der  Breslauer  medizinischen  Klinik  beobachteten  Falle, 
bei  welchem  die  Differential-Diagnose  zwischen  Typhus  abdominalis 
und  kryptogenetischer  Septikämie  grosse  Schwierigkeiten  bot,  die 
Diagnose  Typhus  dadurch  intra  vitam  sicherstellen,  dass  es  ihm 
gelang,  aus  dem  Roseola- Blut  —  nach  dem  Vorgange  von  Ne  ti- 
li auss  —  Typhus-Bacillen  zu  züchten.  (Die  Diagnose  wurde  später 
durch  die  Autopsie  bestätigt)  —  Ferner  wäre  erwähnenswerth  ge- 
wesen, dass  für  die  Diagnose  der  Malaria  das  Vorhandensein  oder 
Fehlen  von  Plasmodien  im  Blute  von  Ausschlag  gebender  Bedeutung  ist. 

Im  Ganzen  bietet  die  Monographie  des  Verf.'s  eine  fleissige  und 
sorgfältige  Zusammenstellung  des  vorliegenden  klinischen  Materials 
und  kann  Jedem,  der  sich  hierüber  näher  unterrichten  will,  warm 
empfohlen  werden. 

Die  beigegebenen  farbigen  Tafeln,  welche  verschiedene,  im  Laufe 
septischer  Erkrankungen  auftretende  Hautaffektionen  darstellen,  sind 
sehr  gut  ausgeführt  R.  Stern  (Breslau). 


Diphtherie.  Q45 

Wassermann  und  Prookauer:  Überdie  von  den  Diphtherie- 
bacillen  erzeugten  Toxalbumine.    (Dtsch.  med.  Wochen- 
sehr.  1891.  No.  17.) 
Zur  Darstellung  der  Toxalbumine  der  Diphtheriebacillen  bedien- 
ten sich  die  Verff.  der  Methode  von  B rieger  und  Fraenkel: 

3  1  einer  ganz  schwach  alkalischen,  durch  Kitasato'sche  Ker- 
zen filtrirten  Bouillonkultur  wurden  im  Vacuum  bei  27—30°  C 
bis  auf  f/s  eingeengt,  dann  mit  der  lOfachen  Menge  eines  schwach 
mit  Essig  angesäuerten  absoluten  Alkohols  versetzt.  Der  Mieder- 
schlag wurde  so  oft  in  Wasser  gelöst  und  mit  Alkohol  gefällt,  bis 
seine  Lösung  klar  blieb;  nachdem  letztere  dann  3mal  24  Stunden 
dialysirt  war,  wurde  der  Niederschlag  nochmals  durch  Alkohol 
ausgefällt  und  demnächst  getrocknet. 

Die  Verff.  machten  bei  diesem  Verfahren  die  Beobachtung,  dass 
ein  Theil  des  Niederschlags  sich  in  Alkohol  löste,  wenn  dieser  etwas 
Wasser  aus  der  Luft  angezogen  hatte,  und  dass  dieser  Theil  des  Nieder- 
schlages, sobald  er  aus  seiner  Lösung  mittelst  absoluten  Alkohols 
wieder  ausgefallt  war,  sich  durch  seine  mehr  gelbliche  Farbe  von 
dem  ursprünglichen  weissen  Niederschlag  unterschied  und  daher  wahr- 
scheinlich einen  besonderen  Körper  darstellte.  Um  diesen  Körper 
von  vornherein  zu  trennen,  änderten  die  Verfi.  daher  das  bisherige 
Verfahren.  Zur  Abspaltung  der  Peptone  und  Globuline  wurde 
die  eingeengte  Kulturbouillon  24  Stunden  gegen  destillirtes  Wasser 
dialysirt.  Das  klare  Filtrat  des  Rückstandes  wurde  zunächst  mit 
60— 70prozentigem,  durch  Essig  schwach  angesäuerten  Alkohol  ver- 
setzt und  hierauf  24  Stunden  später  durch  Filtration  vom  Nieder- 
schlag abgezogen.  Aus  dem  Filtrat  liess  sich  dann  ein  zweiter  Nie- 
derschlag durch  absoluten  Alkohol  ausfällen.  Die  beiden  in  Gestalt 
der  Niederschläge  gewonnenen  Substanzen  wurden  durch  Behandlung 
ihrer  wässrigen  Lösung  mit  Ammoniumsulfat,  Lösung  des  Nie- 
derschlags, Dialyse  in  strömendem  Wasser  bis  zum  Verschwinden 
alles  NUS  und  HXS,  Ausfällen  in  absolutem  Alkohol  und  Trocknen 
bei  37°  von  allen  Peptonresten  gereinigt.  Hierauf  stellte  sich  der 
durch  verdünnten  Alkohol  ausfällbare  Körper  als  feinkörniges,  weisses, 
der  im  verdünnten  Alkohol  lösliche  als  grobkörniges,  gelbes  bis  brau- 
nes Pulver  dar.  Beide  Körper  lösten  sich  leicht  in  Wasser  und  ga- 
ben typische  Eiweissreaktion.  Die  Elementaranalyse  des  weissen  Kör- 
pers gab  fast  genau  dieselben  Werthe  für  C,  U,  N,  S  und  O,  welche 
schon  Brieger  und  Fraenkel  gefunden  hatten. 

Während  der  gelbe  Körper  für  Thiere  nicht  giftig  war,  erwies 
sich  denselben  die  weisse  Substanz  in  hohem  Grade  verderblich. 
Ausgewachsene  Kaninchen  starben  nach  der  Injektion  von  10  mg  in 
3—4  Tagen ;  bei  Einverleibung  geringerer  Mengen  des  Körpers  gingen 
8ie  erst  nach  längerem,  bis  3  Monate  währendem  Siechthum  zu  Grunde. 
Bei  der  Obduktion  fanden  sich  jedesmal  die  für  Diphtherie  charak- 
teristischen parenchymatöse  Erkrankungen  der  inneren  Organe  und 
serösen  pleuritischen  Ergüsse.  Dagegen  fehlten  lokale  Reizerschei- 
nungen  an  der  Impfstelle,  wie  hämorrhagisches  Oedem,  Pseudomem- 
branen und  dergl. 

Die  Verfi.  haben  dann  ferner  das  Glycerinextrakt  des  Blutes  und 


g46  Diphtherie.  —  Tetanus 

der  inneren  Organe  von  Thieren,  welche  an  Diphtherieknlturen  za 
Grunde  gegangen  waren,  in  ähnlicher  Weise  wie  die  Bacillenkulturen 
behandelt  und  dabei  nur  den  weissen,  nicht  aber  den  gelben  Körper 
darzustellen  vermocht.  Die  weisse  Substanz,  welche  aus  den  Thier- 
körpern  gewonnen  war,  übertraf  diejenige,  welche  aus  der  Bacilleo- 
kultur  stammte,  weitaus  an  Giftigkeit;  es  genügte  bereits  weniger 
als  1  mg  davon,  um  die  Thiere  zu  tödten.  Allerdings  ging  dem 
Tode  der  Thiere  auch  nach  Aufnahme  dieser  Substanz  erst  ein  kürzeres 
oder  längeres  Siechthum  voraus. 

Eine  Immunisirung  von  Versuchsthieren  gegen  Diphtherie  durch 
Injektion  geringer  Dosen  der  Substanz  haben  die  Vera,  nicht  er- 
reicht 

Nach  der  Ansicht  der  Verf.  sind  die  Toxalbumine  nicht  ohne 
Weiteres  als  Eiweisskörper  anzuerkennen;  sie  unterscheiden  sich  von 
diesen  dadurch,  dass  sie  sich  in  Wasser  leicht  lösen  und  in  der 
Siedehitze  nicht  gefällt  werden.  Es  wäre  dagegen  denkbar,  dass  die 
Toxalbumine  Mischsubstanzen  darstellen,  welche  aus  Albumosen  und 
den  spezifischen  Giftkörpern  bestehen,  und  dass  letztere  bei  der 
Fällung  der  ersteren  mit  niedergerissen  werden.  Es  spricht  dafür  die 
Verschiedenheit  der  Giftwirkung  des  aus  der  Bouillon  und  des  aus 
dem  Thierleibe  hergestellten  Toxalbumins  und  die  Erscheinung,  dass 
die  Toxalbumine  durch  geringfügige  Eingriffe,  wie  Alkoholbehandlung 
oder  Einengen  im  Vacuum  leicht  ihre  Giftwirkuug  einbüssen,  ohne 
doch  nachweisbaren  chemischen  Veränderungen  dadurch  zu  unterliegen. 

Kubier  (Berlin). 

Helnzelmann,  Ueber  die  Verbreitung  des  Tetanus- 
erregers in  Fehlbodenfüllungen  Münchener  Häuser. 
(Münchener  med.  Wochenschr.  1891.  No.  10  u.  11.) 

Unter  der  Leitung  Emmerich's  hatte  der  Verf.  Untersuchungen 
begonnen,  durch  welche  er  den  Gehalt  der  Fehlböden  an  pathogenen 
Bakterien  prüfen  wollte.  Da  die  mit  dem  Inhalt  der  Fehlböden  ge- 
impften Versuchsthiere  häufig  an  Tetanus  zu  Grunde  gingen,  be- 
schränkte der  Verf.  seine  Untersuchungen  auf  die  Prüfung  des  Gehalts 
der  Fehlbödenfüllungen  an  Tetanuskeimen.  Er  ging  dabei  in  der 
Weise  zu  Werke,  dass  er  das  Probematerial  an  Ort  und  Stelle  unter 
den  üblichen  Vorsichtsmassregeln  entnahm,  nachdem  die  Dielen,  be- 
züglich die  Parquetschichten  unter  seinen  Augen  vorsichtig  etwas 
emporgehoben  waren,  und  berücksichtigte  vorwiegend  diejenigen 
Stellen  der  Füllung,  welche  den  Dielenritzen  entsprachen.  Später 
wurden  Theile  des  Materials  in  Bauchtaschen  von  Kaninchen  und 
Meerschweinchen  verimpft;  gingen  die  Thiere  hierauf  an  Tetanus  zu 
Grunde,  so  wurde  das  Sekret  der  Impfstellen  unter  dem  Mikroskop 
sowie  durch  Kultur-  und  Uebertragungsversuche  mittelst  Anwendung 
der  Kitasato 'sehen  Methode  auf  den  Gehalt  an  Tetanuskeimen 
geprüft. 

Verf.  untersuchte  auf  diese  Weise  14  Fehlbodenfüllungen  und 
konnte  in  9  derselben  bestimmt  die  Tetanuskeime  nachweisen. 

Im  Anschluss  an  die  Mittheilung  seiner  Versuche  bemüht  sich 
Verf.,  durch  Berichte  aus    der  Litteratur  nachzuweisen,   dass  die 


Bakfteriologisehes  vom  VII.  internationalen  Kongreu  su  London.  647 

Tetanusbacillen  zwar  keineswegs  überall,  indessen  doch  sehr  häufig 
im  Erdboden  vorkommen,  und  dass  die  angesichts  dieser  Thatsache 
merkwürdige  Erscheinung  eines  seltenen  Vorkommens  der  Krankheit 
bisher  nicht  erklärt  sei.  Er  sieht  in  den  Fehlböden  besonders 
günstige  Entwickelungsplätze  für  die  Keime,  weil  in  diesen  einer- 
seits die  Behinderung  des  Sauerstoffzutritts,  andererseits  die  Er- 
wärmung durch  Heizanlagen  dem  Wachsthum  der  Bacillen  förderlich 
sei  Er  fordert  deshalb,  dass  das  Fehlbodenmaterial  frei  von 
organischen  Bestandteilen  und  steril  sein  müsse,  und  dass  Be- 
deckung und  Untergrund  der  Fehlböden  einen  keimdichten  Ver- 
schluss zu  erhalten  hätten.  Kubier  (Berlin). 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 

für  Hygiene  nnd  Demographie  zu  London, 

10.— 17.  August  1891. 

(Forttetiung.) 

Sektion  fflr  Bakteriologie. 

Dr.  Bruce,  Netley,  gelang  es,  Meerschweinchen  durch  Injektion 
von  Cholera-Reinkulturen  zu  tödten,  während  Ratten  diesem  Eingriffe 
flicht  erlagen.  Die  Ansicht  Hueppe's,  dass  die  Cholerabacillen 
Sporen  besitzen,  kann  Bruce  nicht  theilen.  Er  fand,  dass  die  Komma- 
bacillen  im  Innern  von  Eiern  wohl  gedeihen  und  darin  länger  lebens- 
fähig bleiben  als  irgendwo  anders.  Er  konnte  feststellen,  dass  5  ccm 
dieser  Eikultur  Meerschweinchen  in  40  Minuten  tödten,  einige  Meer- 
schweinchen gingen  allerdings  erst  nach  einigen  Tagen  zu  Grunde. 
Er  fähre  dies  nur  an,  um  zu  zeigen,  wie  sich  verschieden  ausfallende 
Experimente  verschiedener  Autoren  erklären  konnten.  Er  schloss  mit 
der  Bemerkung,  wie  selten  es  sei,  dass  andere  Forscher  von  den  von 
Koch  veröffentlichten  Experimenten  abweichende  Resultate  erhielten. 

Prof.  Hueppe  erwiderte,  er  habe  die  von  Klein  erwähnten 
Punkte  wohl  beachtet,  glaube  aber,  dass  wir,  wenn  wir  auch  noch 
mehr  Klarheit  haben  mttssten,  doch  auf  dem  besten  Wege  zur  Er- 
kenntmss  wären. 

Klein  betonte  nochmals  die  Verschiedenheiten,  die  zwischen  ver- 
schiedenen Kulturen  beständen. 

Hierauf  trug  Prof.  Miller- Berlin  in  englischer  Sprache  einen 
vorzüglichen  und  mit  grossem  Beifall  aufgenommenen  Aufsatz  über 
das  Thema:  „The  Mouth  as  a  Focus  of  Infection"  vor. 
Er  beschrieb  die  verschiedenen  saprophytischen  und  parasitischen 
Mikroorganismen,  die  im  Munde  zu  finden  sind,  und  ihre  verschiedenen 
Wirkungen,  unter  anderen  die  Mikrokokken  in  den  Zahnkanälen,  Lep- 
tothrix,  den  Bacillus  der  Sputumseptikämie  u.  s,  w.,  ging  auf  die  aus 


048  Bakteriologisch©»  vom  VII.  internfttionaleii  KongreM  so  London. 

der  Erkeontni88  von  dem  reichen  Bakteriengehalt  der  Mundhöhle  sich 
ergebenden  Schlussfolgerangen  für  eine  rationelle,  auf  Antisepsis  be- 
ruhende Mundhygiene  ein  und  zeigte  eine  grosse  Anzahl  von  Mikro- 
organismen vermittelst  des  Projektionsapparates. 

Sehr  zweckmässig  schloss  sich  an  den  Vortrag  Miller9  8  eine 
Arbeit  von  Dr.  Henry  Sewrül,  London  über  „dental  Cariea",  die 
er  auf  Druck,  Saure  oder  Mikroorganismen  zurückführte.  Die  Bak- 
terien der  Zahncaries  wurden  gleichfalls  in  mikrophotographischen 
Präparaten  gezeigt. 

Hierauf  demonstrirte  Prof.  IL  Graber,  Wien  eine  neue  pa- 
thogene  Mikrobienart  „Micromyces  Hoffmanni",  welche 
von  dem  verstorbenen  G.  von  Hofmann-Wellenhof  und  Th. 
von  Genserin  seinem  Institute  untersucht  worden  ist  und  grosse 
Aehnlichkeit  mit  dem  Actinomyces  zeigt  Sie  bildet  verzweigte  Fäden 
und  Mycelien,  die  rasch  in  Bruchstücke  von  Stern-  und  Hirschgeweih- 
gestalt zerfallen.  Junge  Fäden  zeigen  keine  Bildung  von  Querscheide- 
wänden. Nach  Einstellung  des  Spitzenwachsthums  schwellen  die 
Fadenenden  kolbig  an  und  können  verkalken.  Früchte  oder  Dauer- 
formen wurden  nicht  beobachtet.  Die  Hyphen  vertrugen  das  Aus- 
trocknen gut,  besonders  wenn  die  Membranen  stark  entwickelt  sind. 
Das  Mikrobium  gedeiht  am  besten  bei  37°  G,  nicht  bei  Zimmertem- 
peratur, und  auf  zuckerhaltigen  Nährböden,  auf  denen  es  Essigsäure 
bildet.  Anaärobiose  ist  möglich.  Bei  Kaninchen  ruft  es,  subkutan 
injizirt,  eitrig-tibrinöse  Bindegewebsentzündung  mit  Abscedirung  her- 
vor, doch  endigt  dieselbe  in  Heilung.  Im  Eiter  finden  sich  häufig 
Vegetationen,  die  völlig  kleinen  Actinomycesdrusen  gleichen. 

Sir  J.  Lister  sprach  seine  Zustimmung  und  den  Dank  an  Gru- 
ber aus. 

Dr.  Allen  Mm  Fadyen,  London  ging  in  seinem  Vortrage 
„The  behaviour  of  bacteria  in  the  small  intestine"  auf 
das  Verhalten  der  Bakterien  im  Dünndarme  ein,  und  legte  dar,  dass 
sie  alle  ohne  Ausnahme  Alkali  produzirten. 

Prof.  Crookshank:  „On  Streptococcus  pyogenes"  be- 
schrieb einen  neuen  Mikroorganismus,  den  er  in  einer  akuten  Eiterung 
gefunden,  und  der  mit  dem  von  Klein  im  Eiter  bei  Scharlach  und 
Diphtherie  gefundenen  grosse  Aehnlichkeit  habe. 

Prof.  Crookshank  schloss  an  diese  Mittheilung  einen  zweiten 
kurzen  Vortrag  „On  thequestion  of  the  identity  of  Strepto- 
coccus pyogenes  with  Streptococcus  erysipelatosus" 
an,  in  dem  er  die  Unterschiede  zwischen  dem  Str.  pyog.  des  Men- 
schen und  demjenigen  der  Rinder  zeigte  und  sich  dahin  aussprach, 
dass  der  StnpyogenesdemStr.  Erysipelatos  zwar  ähnlich,  aber 
mit  demselben  nicht  identisch  sei. 

Es  folgte  eine  Diskussion  über  den  Krebs  als  Infektionskrankheit, 
die  durch  einen  Vortrag  von  Bailance ,  London,  eröffnet  wurde: 
„Considerations  printing  to  Cancer  as  an  infective 
disease".  Er  beschrieb  Transplantationsversuche,  die  er  zusammen 
mit  Shattock  gemacht,  uud  die  von  Mensch  zu  Thier  negativ,  da- 
gegen von  Hund  zu  Hund  positiv  ausgefallen  sind.  Er  ging  auf  die 
geographische  Verbreitung  des  Krebses  ein,  der  besonders  häufig  längs 


Bakteriologisches  vom  TU.  internationalen  Kongreai  zu  London.  ß49 

des  Laufes  von  Flüssen  vorkäme,  welche  über  ihre  Ufer  zu  treten 
pflegten.  Der  Krebs  habe  in  den  letzten  5  Jahren  bedeutend  zage* 
nommen.  Nach  Ansicht  von  B.  and  S.  ist  der  Krebs  eine  durch  einen 
Mikroparasiten  erzeugte  Krankheit 

Dr.  Sheridan  Deläpine,  London  trug  im  Anschluss  daran 
einen  Vortrag  über  „Psorospermosis  and  its  relation  to 
malignant  epithelial  tumoursu  vor,  den  er  durch  Demon- 
stration vorzüglicher  Mikrophotogramme  erläuterte.  Psorospermien  sind 
am  besten  zu  sehen  bei  einer  malignen  Leberkrankheit  der  Kaninchen, 
aber  ihre  Züchtung  ist  noch  nicht  gelungen.  Es  sind  eiförmig  ge- 
staltete Körperchen,  die  in  ihrer  Grösse  schwanken.  Der  Beweis,  dass 
sie  die  Ursache  des  Krebses  sind,  konnte  nicht  erbracht  werden,  zu- 
mal sie  sich  nicht  überall  und  zu  jeder  Zeit  finden. 

Da  die  Zeit  bereits  zu  weit  vorgeschritten  war,  so  musste  auf 
eine  Reihe  von  Vorträgen,  die  noch  auf  die  Tagesordnung  gesetzt 
waren,  verzichtet  werden.  Doch  mögen  wenigstens  die  Themata  ge- 
nannt sein.  Es  waren  das:  „Investigation  sur  la  nature 
parasitaire  du  Cancer"  von  Prof.  Duplay  und  Dr.  Cazin, 
Paris;  „On  bacterial  necrosis  of  the  liver"  von  Pro!  D.  J. 
Hamilton,  Aberdeen;  „Sur  l'infection  h6morrhagique" 
von  Prof.  V.  Babes,  Bukarest;  und  „The  morphology  of 
Actinomyces"  von  Prof.  Crookshank,  London. 

Zum  Schluss  der  Sitzung  wurde  Herrn  Pringle,  welcher  eine 
grosse  Anzahl  der  während  der  Vorträge  demonstrirten  Mikrophoto- 
graphieen  nach  mikroskopischen  Präparaten  hergestellt  hatte,  seitens 
der  Versammlung  lebhafte  Anerkennung  bezeugt 

M.  Kirchner  (Hannover). 

II.  Sitzung  vom  12.  Aug.  1891. 

Thema:  Ueb er  Immunität,  deren  natürliches  Vorkommen 

und  künstliche  Erzeugung. 

Professor  Roux,  Institut  Pasteur  (offizieller  Berichterstatter) 
beginnt  mit  der  Bemerkung,  dass  die  Fortschritte  in  der  vorliegen- 
den Frage  in  den  letzten  Jahren  alle  ihren  Ausgang  von  der  Ent- 
deckung der  abgeschwächten  Krankheitserreger  und  der  Schutz- 
impfungen genommen  haben.  Pasteur  habe  hauptsächlich  2  Me- 
thoden zur  Abschwächung  angewendet:  Die  verlängerte  Einwirkung 
von  Luft  auf  die  Kulturen  bei  passender  Temperatur,  und  ferner  die 
Passage  durch  andere  Thierspezies.  Zum  gleichen  Zweck  hat  man 
ausserdem  die  Wirkung  der  Hitze,  der  Antiseptika,  der  komprimirten 
Luft,  der  Austrocknung  und  des  Sonnenlichtes  angewendet,  wobei 
immer  wesentlich  bleibt,  dass  die  Abschwächung  langsam  stattfinde, 
da  nur  auf  diese  Weise  eine  erbliche  Veränderung  erzielt  wird. 

Ausserdem  kennt  man  in  neuerer  Zeit  auch  eine  sogen,  ch  e mische 
Schutzimpfung  durch  die  von  dem  betreffenden  Krankheitserreger  erzeug- 
ten Produkte.  Demnach  beruht  die  immunisirende  Wirkung  einer  Vegeta- 
tion von  abgeschwächten  Krankheitserregern  im  Körper  offenbar  auf  Bil- 
dung der  nämlichen  Stoffe,  die  wir  in  den  Kulturen  in  vitro  antreffen. 
Um  letztere  in  ihrer  Wirksamkeit  zu  erforschen  und  ihrer  Natur 


650  Bakteriologisch«  vom  VII.  internationalen  Koagress  n  London. 

nach  überhaupt  kennen  zu  lernen,  müssen  die  lebenden  Mikroben 
ausgeschlossen  werden,  was  am  besten  durch  Behandlung  mit  Senf- 
geist geschieht,  der  die  sporenfreien  Bakterien  rasch  tödtet  Letztere 
Substanz  ist  chemisch  inaktiv  und  kann  nachher  bei  ihrer  Flüchtig- 
keit durch  Evakuiren  wieder  aus  der  Lösung  entfernt  werden.  In 
der  That  gelingt  es,  mit  Anthraxblut  oder  Milzpulpa,  die  mit  Senf- 
geist  behandelt  sind,  Schafe  und  Kaninchen  zu  immunisiren ;  ebenso 
mit  Milch  und  Blut  von  Kaninchen,  die  mit  Pneumokokken  infizirt 
waren,  andere  Thiere  gegen  die  gleiche  Krankheit 

Was  die  Natur  der  hierbei  wirksamen  Stoffe  anbetrifft,  so  han- 
delt es  sich  nicht  um  Ptomalne, '  sondern  in  der  Mehrzahl  der  Fälle 
um  eiweissartige  Körper,  welche  sich  den  Enzymen  oder  angeformten 
Fermenten  anreihen1). 

Eine  Kultur,  die  von  lebenden  Mikroben  befreit  ist,  kann  aber 
nicht  nur  immunisirend  wirken.  In  grösseren  Dosen  wirkt  dieselbe 
krankheitserregend  und  kann  den  Tod  des  Thieres  zur  Folge  haben. 
Sind  nun  die  tödtenden  Stoffe  dieselben  wie  die  immunisirenden? 
Wenn  dies  nicht  der  Fall  wftre,  wie  Bouchard  vermuthet,  so 
wäre  dies  ein  grosses  Glück,  da  dann  die  immunisirenden  von  den 
giftigen  Substanzen  getrennt  und  letztere  allein  angewendet  werden 
könnten. 

Welches  sind  nun  die  Veränderungen,  die  ein  empfängliches 
Thier  zu  einem  immunen  umgestalten?  Die  Thatsache  der  chemischen 
Schutzimpfung  scheint  jene  Vorstellung  zu  unterstützen,  wonach  ge- 
wisse Bakterienprodukte,  die  in  den  Geweben  zurückbleiben,  auf 
spätere  Vegetationen  der  gleichen  Bakterienart  hindernd  einwirken. 
Allein,  da  die  AnthraxbaciJlen  in  der  Vorderkammer  des  Auges  eines 
immunisirten  Thieres  sich  kräftig  entwickeln,  —  ohne  dass  allerdings 
eine  Generalisation  möglich  ist  —  so  kann  der  Körper  des  immunen 
Thieres  nicht  im  Allgemeinen  als  ein  für  den  spezifischen  Krank- 
heitserreger ungeeignetes  Medium  betrachtet  werden. 

Warum  aber  vermag  sich  der  Anthraxbacillus  im  Körper  nicht 
weiter  auszubreiten?  Viele  erblicken  die  Ursache  in  der  schädigen- 
den Wirkung  gewisser  Körpersäfte  auf  die  Mikroben.  Die  Anthrax- 
bacillen  gehen  in  der  That  in  grossen  Mengen  zu  Grunde,  wenn 
man  sie  in  defibrinirtes  Kaninchenblut  aussät,  eine  Wirkung,  die  nach 
Buchner  und  Anderen  auf  das  Serum  zu  beziehen  ist  Immerhin 
gibt  dies  keine  Erklärung  für  die  Immunität,  weil  schon  das  Blut 
der  nicht-immunen  Kaninchen  die  nämliche  Eigenschaft  besitzt 
Behring  und  Nissen  haben  sogar  einige  Infektionsprozesse  auf- 
gefunden, in  denen  gerade  das  Serum  immuner  Thiere  fast  gar  keine 
schädigende  Wirkung  auf  die  betreffenden  Infektionserreger  ausübte, 
während  in  andern  Fällen  allerdings  eine  Uebereinstimmung  zwischen 
immunem  Zustand  und  bakterienfeindlicher  Wirkung  konstatirt  wer- 
den konnte.  Letzteres  war  der  Fall  bei  den  gegen  VibrioMetschni- 
kovi  immunisirten  Meerschweinchen,  deren  Serum  in  hohem  Grad 
auf  den  genannten  Infektionserreger  wirkt,  was  beim  Serum  intakter 


1)  Nach  C.  Fraenkel  ersengt  im  Gegensatse   hierin   das  Diphtherie-Toxalbunin 
kein«  Immunität,  wlfcrend  die  giftfreie,  gekochte  Kultur  dies  Yeraag.    (Ann.  d.  Ref.). 


Bakteriologisches  vom  VU.  intarnationtion  Kongreu  su  London*  ß5J 

hiere  nicht  der  Fall  ist.  Man  sollte  denken,  dass  dieser  Erfolg, 
er  in  vitro  so  präcis  eintritt,  im  Körper  des  refraktären  Thieres 
och  schneller  sich  einstellen  müsste.  Allein  Pfeiffer  fand  den 
ibrio  onter  der  Haut  des  immunen  Thieres  noch  nach  90  Tagen 
ibend,  und  Metschnikoff  hat  sogar  oftmals  noch  Vermehrung 
esselben  im  Zellgewebe  sehr  refraktärer  Meerschweinchen  gesehen, 
ie  bakterienfeindliche  Wirkung  funktionirt  somit  nur  schlecht  innerh- 
alb des  Organismus. 

Die  Beweise  ferner,  welche  man  aus  der  kräftigen  bakterien- 
ändlichen  Wirkung  des  Battenblutes  und  Rattenserums  ableitet, 
edieren  dadurch  an  entscheidender  Bedeutung,  dass  nach  Loeffler, 
»traus,  Lubarsch  u.  s.  w.  die  weissen  Ratten  gar  nicht  als  un- 
mpfanglich  gegen  den  Milzbrand  betrachtet  werden  können.  Wenn 
aan  ferner  die  Anthraxbacillen  in  den  Körper  der  Ratte  gerade  dort 
inführt,  wo  die  bakterienfeindliche  Wirkung  am  stärksten  sein  sollte, 
ämlich  ins  Blut,  so  erliegt  das  Thier  meistens  an  Milzbrand,  wie 
ler  Vortragende  gemeinschaftlich  mit  Metschnikoff  konstatirt 
iat.  Aus  allem  diesem  ergibt  sich,  dass  die  bakterienfeind- 
iche  Wirkung  der  Körpersäfte  die  Immunität  nicht 
:u  erklären  vermag.  Man  könnte  noch  an  eine  Art  von  ab- 
schwächender Wirkung  denken,  welche  der  Aufenthalt  in  den 
Sewebssäften  nach  der  Ansicht  einiger  Autoren  auf  die  Krankheits- 
erreger ausüben  soll.  Allein  die  Erfahrung  lehrt  im  Gegentheil,  dass 
abgeschwächte  Infektionserreger  ihre  Virulenz  gerade  bei  Passage 
durch  unempfängliche  Thiere  wieder  gewinnen. 

Es  bliebe  noch  die  Möglichkeit,  dass  etwa  ähnliche  Gegengifte 
auch  für  andere  Infektionskrankheiten  existiren,  wie  sie  von  B  e  h  r  i  n  g 
und  Kitasato  im  Blut  und  Serum  von  Thieren  nachgewiesen 
wurden,  die  gegen  Tetanus  (resp.  Diphtherie)  immunisirt  sind.  Allein 
auch  hierauf  lässt  sich  keine  befriedigende  Erklärung  der  Immunität 
begründen,  da  einerseits  Tetanus  und  Diphtherie  Infektionskrank- 
heiten von  ganz  eigentümlichem  Typus  sind,  während  andererseits 
Vaillard  gezeigt  hat,  dass  das  gegen  Tetanus  natürlich  immune 
Huhn  keineswegs  giftzerstörende  Substanzen  in  seinem  Serum  besitzt. 
Aach  beim  Kaninchen  hängt  übrigens  letzteres  von  der  Art  der 
Immunisirung  ab;  die  giftzerstörende  Wirkung  des  Serums  ist  vor- 
handen, wenn  die  Immunisirung  durch  Injektion  der  auf  60°  er- 
wärmten Giftflüssigkeit  bewirkt  wurde,  oder  durch  Behandlung  mit 
Jodtrichlorid,  oder  auch  nur  mit  Jod  allein ;  dagegen  nicht,  wenn  die 
Immunisirung  durch  Inokulation  von  giftfreien  Tetanussporen  unter 
die  Haut  des  Schwanzes  unter  Hinzufügung  von  Milchsäure  bewirkt 
wurde. 

Die  bisher  berücksichtigten  Erklärungsversuche  der  Immunität 
stützen  sich  hauptsächlich  auf  Experimente  ausserhalb  des  Kör- 
pers, untersuchen  wir  jetzt,  was  im  Körper  selbst  vorgeht,  und  be- 
obachten wir  vergleichend,  was  aus  den  eingeführten  Infektionserregern 
*ird,  einerseits  im  Gewebe  eines  empfänglichen,  andererseits  eines 
immunen  Thieres.  Beim  enteren  haben  die  inokulirten  Milzbrand- 
bacillen  schon  nach  einigen  Stunden  sich  vermehrt,  es  bildet  sich 
em  Oedem,  das  klare  Flüssigkeit  mit  Bacillen  und  Leukocyten  ent- 


652  Neoe  Utteratur. 

hält  Dasselbe  nimmt  allmählich  zu,  die  benachbarten  Lymphdrüsen 
schwellen  an,  die  Bacillen  wandern  in  den  Kreislauf  ein,  and  der 
tftdtliche  Ausgang  naht  heran.  Beim  vacdnirten  Kaninchen  vermehren 
sich  auch  die  Bacillen  Anfangs,  das  zuerst  klare  Exsudat  trübt  ach 
aber  dann,  die  darin  enthaltenen  Wanderzellen  werden  immer  zahl- 
reicher, wahrend  die  freien  Bacillen  verschwinden,  indem  der  grösste 
Theil  derselben  von  Leukocyten  aufgefressen  wird,  in  deren  Innerm 
sie  bald  Degenerationserscheinungen  zeigen.  Das  Thier  bleibt  dabei 
ganz  gesund.  Genau  in  der  nämlichen  Weise  erfolgt  der  Vorgang, 
namentlich  die  Leukocytenanhäufung  und  die  Aufnahme  der  Badlleo 
bei  dem  natürlich  immunen  Hunde. 

(Fortaetiung  folgt) 


Neue  Lltteratur 

gniMunracettelH  Toa 

De.  Abthüb  Wübzbubo, 


Viecher,  A.,  Pilse.    IV.  Abth.  Phycomyoetes.    p.  1—64,  m.  Abbildgn.   (L. 

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Nahrung*-  tauf  GemunmtUl,  Gebrauchsgegenstände. 

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Wohnhaften. 

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schwämme»,  nebst  einem  Vorschlage  aum  Eraatae  der  LnftcirculationBanlagen.  [9.  Aufl.] 
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Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  aar  belebten  Katar. 

Kranhheitierrtgende  Bakterien  md  Paraeüen  hm   Menschen. 
A.    Infektiöse  AUgemeinkramkheiten. 

Bayern.  Kgl.  Allerhöchste  Verordnung,  die  Verpflichtung  der  Xedisinalpereonen  sv 
Auselge  ansteckender  Krankheiten   unter   Mensehen    betr.     Vom  99.  Juli  1891.  — 


Neue  Literatur.  ß53 

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WxmdmfesidonskrsjikheiteiL 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  pnrulentes  Oedem,  Pylmie,  Septlklmie, 

Tetanus,   Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wundfsulniss.) 

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Inlektionsgeechwüiste. 
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Mumps,  Röckfallsfleber,  Osteomyelitis. 

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267,  285-286,  299—800,881-882,  848—848,  858—859.  1891.  No.  1,  5,  8—11, 
13.     p.  12—14,  89—70,  119-122,  184—188,  154—156,  170—178,  208—204. 


654  Keae  tittermtnr. 

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B.    M/Mose  Lökaarahkfinten. 

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Verdawingeorgane. 
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Hera-  nnd  Geeehlechteorgane. 

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Guyon,  F.,  et  Albarran,  J.(   Sur  la  gangrene   urinaire  d'origine  microbienne,     (Congrfe 

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Würzburg  (Stahel)  1891.  0t50  IL 

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Andere  Organe. 

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Paris  1891.  p.  268—270.) 

O.    Entouootüehe  Krankheiten. 

(Finnen,  Bandwurmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filarie,  Oestruslarve,  Ascaris, 

Anchylostomum,  Trichocephalus,  Ozyuris.) 

Carsten,  B.,    Trichinosis   in  Kederland  bty   mensch  en  dier   van  1886—90.    (Qeneok 

courant  Tiel.  Mo.   17). 
Dangers  permanente  des  vers  intestinaux   et  untres  ches  l'homme  et  les  animaux.    6*. 

Brüssel  (Uaneeauz)  1891.  5  fr. 

Du  Gasal,    Evacuation   par   un    möme  malade    et   en   une   fois   de  vingt-cinq  taeoiss. 

(Bullet,  et  mem.  de  la  soc  med.  d.  höpit  de  Paris.  1891.  p.  244.) 
Laboulbene,  A.,    Deuz   observations  de   nombreuz   tlnias   rendus  par  des  malades,  u 

nombre  pour  le  premler  de  vingt-cinq  helminthes.  (Bullet,  et  memoir.  de  la  soc  mei 

d.  höpit.  de  Paris.  1891.  p.  259—261.) 


Heue  Litteratar.  656 


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BotL 
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Km  imletsf isi  i  e^mth  Bakterien  «ad  Hawessha  km  Tkwrem. 


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Unterrachiwggmetliodeii,  Instrumente  et«. 

*•*»>  t„  Zwei  Apparate  für  bakteriologische  Arbeiten.  Untersuchung  des  Auswurfs 
«rf  Tuberkelbadllen.  (Sonderabdr.)   gr.  8°.  6  p.  Wunburg  (Stahel)  1891.    0,60  M. 

***tser,  P.9  Das  8putum  und  die  Technik  seiner  Untersuchung.  3.  Aufl.  VIU.  12*. 
106  p.  m.  24  Pig.    Wiesbaden  (Bergmann)  1891.  2  M. 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwicke- 
lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 
Berücksichtigung  der  Arbeiten  Aber  das  Koch 'sehe 
Heilverfahren  gegen  Tuberculosen 

A**d«to,  P.f  L«  iniesioni  di  linfa  Koch  quäle  mesxo  di  diagnosi  nella  pleurite  tuber- 

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656 


Neue  LHtcratur. 


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handlung der  Tubercnloae  mit  der  Flüssigkeit  im  Rothen  Krem-Hospital  an  Kieff  er- 
aielten  Ergebniaae.    (Roaskaja  med.  1891.  p.  185,  161,  167,  186,  199,  816.)     [Russista/* 

Paten  und  Feilsch,  Beitrag  an  den  Impfversachen  mit  Prensse'scher  Rotslympbe  (Malkm) 
bei  Pferden.     (Berliner  thieriratt  Wchschr.  1891.  No.  89.  p.  849—860.) 

Corrigendnm: 
In  No.  15,  8.  486    in  der  Tieften  and  dritten  Zeile  von  unten 
malariae  mos»  es  heissen  Hamnamoeba  malarme  and  anstatt  Larerania 
so  dasa  mithin  die  beiden  Zeilen   folgende 

(Quotidiana)  mad  wtrtgehmdsno*  Fieber. 


Lewersnii 

ea  betsscn 

müsstes: 


Inhalt 


Originnlmittheih 

Maggioru,  A.t  und  Gradenigo,  J.,  Beitrag 
aar  Aetiologie  der  katarrhalischen  Ohr- 
entaündungen.    (Orig.),  p.  685. 

MarÜnotU,  Giovanni,  und  Tedeeohi,  Alee- 
•andro,  Dntersnchnngen  Qber  die  Wir- 
kungen der  Inokulation  des  Milsbrandes 
in  die  Nerrenaentra.  (Orig.)  (Schloss), 
p.  685. 


Referate. 

Bannig,  Adolf,  Ueber  septische  Erkran- 
kungen mit  besonderer  Berücksichtigung 
der  kryptogenetischen  Septicopyäinie, 
p.  648. 

Hein  sei  mann,  Ueber  die  Verbreitung  des 
Tetanuserregers  in  Fehlbodenfüllungen 
Münchner  Haaser,  p.  646. 

Levy,  B-»  Ueber  die  Mikroorganismen  der 
Eiterung.  Ihre  Speaifitlt,  Virulens,  ihre 
diagnostische  und  prognostische  Bedeu- 
tung, p.  648. 

Wassermann  und  Proskauer,  Ueber  die 
an  den  Diphtheriebasillen  erieugten  Tox- 
albaminen,  p.  646. 


Originalberichte  Über 

Bakteriologisches  rom  VII.  inter- 
nationalen Kongress  fürHygione 
and  Demographie  au  London, 

10.— 17.  Augast  1891.   (Fortset*  )f  p.  «47 

Ballanoc,  Considerations  printing  to  easetr 
as  an  infectire  disease,  p.  648. 

Orookshank,  On  Streptococcus  pyogen*K 
p.  648 

— ,  On  the  question  of  the  identfy  oi 
Streptococcus  pyogenes  with  Strepto- 
coccus erysipelatosus,  p.  648. 

Delepine,  Sheridan,  Psorospermoeis  ssd 
its  relation  to  malignant  epithelial  tu- 
moars,  p.  649. 

Gruber,  M.,  Micromyees  Hoffmenni,  p.  648. 

Hueppe,  Ueber  asiatische  Cholera  und  Un- 
tersuchungen über  den  Konunabacillu. 
p.  647. 

Km  Fadyen ,  Allen,  The  beharioar  of 
bacteria  in  the  small  intestine,    p.  648. 

Miller,  The  Mouth  as  a  Focus  of  Infeesoa. 
p.  647. 

Boux,  Ueber  Immunität,  deren  natürlich« 
Vorkommen  und  künstliche  Erseugonft 
p.  649. 

Sewill,  Dental  Caries,  p.  648. 

Marne  Littaratur,  p.  656. 


lftommannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Pökle)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Od  M.  Prot  Dp.  Lenckart  ni  Professor  Dr.  Lotion 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  Uhlworm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena* 

X.  Band,       -o-     Jen»,  den  28.  November  1891.     -o-  No.  90» 

Prell  ftr  den  Band  (26  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  twei  B&nde. 

—Hl    Zu  bestehen  durch  alle  Buchhandlongen  and  PosUnsUlten.     f*>- 

Die  Redaktion  des  „Centratblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde«  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  IAeferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Eineendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  spater 
angehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Beitrage  zur  bakteriologischen  Technik. 

Von 

Dr.  Schul, 

Stabserst 
In 

Dresden. 

Hit  S  Figuren. 

1)  Ersatz  des  Wattepfropfens. 

Der  allgemein  übliche  Verschluss  der  Reagenzgläser  mit  Watte 

nat  mancherlei   Unbequemlichkeiten.     Es    erfordert    die   gründliche 

Desinfektion  des  Wattepfropfens  selbst  weit  mehr  Zeit,  als  die  des 
LH.  48 


668 


Schill, 


Fig.  1. 


Reagenzglases  für  sich ;  die  Anfertigung  des  Pfropfens  nimmt,  wenn 
er  bakteriensicher  abschliessen  soll,  Zeit  and  Mühe  in  Ansprach; 
auf  der  Oberfläche  des  Pfropfens  lagern  sich  aas  der  Luft  Bakterien- 
und  Schimmelkeime  ab,  welche  letztere,  besonders  wenn  die  Watte 
etwas  feucht  geworden  ist,  hindurchwachsen  und  den  Inhalt  des 
Reagenzglases  verunreinigen,  bei  Entnahme  von  Inhalt  aus  dem  Glase 
aber  ein  jedesmaliges  Absengen  der  Oberfläche  nothwendig  machen ; 
die  Gelatine  bez.  Agar  trocknet  relativ  bald  ein;  bei  Anfertigung 
der  Esmarch'schen  Rollkulturen  wird  der  Wattepfropf  leicht  von 
Gelatine  durchtränkt,  was  zu  ungenauen  Resultaten  führt  und  einen 
Ersatz  des  Wattepfropfens  nothwendig  macht  Alle  diese  Nachtheile 
werden  nach  meinen  Erfahrungen  vermieden  durch  Verwendung  von 
Doppel-Reagenzgläsern,  d.  h.  Reagenzgläsern,  auf  welche  ein  zweites, 
etwas  weiteres  als  Deckel  aufgestülpt  ist.  Ich  verwende  seit  21/3 
Jahren  dieselben  mit  sehr  zufriedenstellendem  Erfolge.  Die  Reagenz- 
gläser sind  aus  etwas  stärkerem  Glase,  als  die  gewöhnlichen  gefertigt 
und  haben  keinen  umgebogenen,  sondern  gerade  auslaufenden,  glatten 
Rand.  Das  untere  Reagenzglas  erhält  als  Deckel  ein  zweites,  welches 
im  Verhältniss  zum  unteren  am  so  viel  weiter  gearbeitet  ist,  dass 
es  sich  leicht  über  das  untere  herüberschieben  lisst,  dass  aber  zwischen 
Aussenwand  des  untern  und  Innenwand  des  oben 
Glases  nur  ein  papierdicker  Zwischenraum  bleibt, 
wie  aus  nebenstehender  Zeichnung  ersichtlich  ist   Das 

nals  Deckel  dienende  Reagenzglas  hat  s/5  der  Länge 
des  untern.  Ich  benutze  Gläser  in  2  Grössen :  16  cm 
Länge  bei  15  mm  innerer  Weite  and  18  cm  Länge 
bei  25  mm  Weite;  eretere  zu  Stich-  und  Strich- 
kulturen auf  Gelatine  und  Agar  und  kleineren  Mengen 
Nährflüssigkeit,  die  grösseren  zu  Kartoffelkulturen, 
Aufbewahrung  grösserer  Mengen  (Inhalt  50  ccm)  von 
festen  und  flüssigen  Nährböden,  sowie  zur  Reinigung 
des  Nähragars  durch  Absitzenlassen  im  Dampfstrom. 
Der  Verschluss  ist  durchaas  bakteriensicher.  Beim 
Sterilisiren  im  Dampfstrom  vermag  die  sieh  aus- 
dehnende Luft  zu  entweichen,  beim  Erkalten  dringt 
Luft  allmählich  in  dem  engen  Spaltring  in  der  Rich- 
tung von  unten  nach  oben  ein,  wobei  in  der  Luft 
enthaltene  Keime  an  den  Glaswänden  abgelagert  wer- 
den. Bei  dem  längeren  Aufbewahren  von  Nährböden 
ist  die  Verdunstung  eine  sehr  geringe,  andererseits 
dringt  für  aerobe  Bakterien  eine  genügende  Luft- 
menge ein.  Eine  grosse  Bequemlichkeit  bieten  die 
Gläser  bezüglich  des  Signirens  der  Nährböden  wäh- 
rend der  Sterilisation.  In  der  trocknen  Hitze  wie 
im  Dampfstrom  fallen  mit  Gummi  aufgeklebte  Papier- 
etiketten leicht  ab,  Aufschriften  mit  Fettbuntstift 
verwischen  sich.  Hier  wird  ein  dünner,  nicht  gum- 
mirter  Papierstreifen  mit  Bleistift  beschrieben,  ring- 
förmig zwischen  Reagenzglas  und  Glasdeckel  eingefügt  oder  ein 
schmaler  bandförmiger  Pergamentpapierstreifen,  dessen  oberes  Eude 


Bdtrlg«  snr  bakteriologisch«!  Toehnik.  659 

ier  grössere  Sicherheit  wegen  hakenförmig  in  das  Reagenzglas  ein- 
geknickt  werden  kann. 

Sollen  Dauerkulturen  durch  Unterbrechung  des  Wachsthums 
hergestellt  werden,  so  giesst  man  in  den  Zwischenraum  flüssiges 
Paraffin. 

Sehr  bequem  sind  die  Gläser  auch  für  die  Kultur  von  Anaäroben. 
Man  füllt  das  geimpfte  Reagenzglas  in  bekannter  Weise,  es  mit  der 
Oeflhung  nach  unten  in  eine  genügend  tiefe  Quecksilberschale  ein- 
tauchend, mit  Wasserstoff,  schiebt  dann  von  unten  her  den  gleich- 
falls mit  Quecksilber  gelullten  Deckel  auf  und  bringt  dann  da?  Glas, 
umgekehrt  stehend,  in  den  Brutofen  oder  auf  ein  Reasenzglasgestell. 
Jedes  geimpfte  Glas  hat  so  seinen  eigenen  Abschluss  durch  den  nun 
als  Quecksilberwanne  dienenden  GlasdeckeL 

Will  man  zu  bestimmten  Zwecken  den  Wattepfropf  beibehalten, 
60  dient  der  Glasdeckel  weit  besser  zum  Schutz  desselben,  als  Gum- 
mihütchen, welche  beim  Erhitzen  der  Gläser  im  Dampfstrom  abzu- 
springen pflegen,  und  wenn  zur  Vermeidung  dieses  Umstandes  auf 
bereits  erhitzte  Gläser  aufgesetzt,  nach  dem  Erkalten  sich  in  das  Glas 
einstülpen. 

Rollkulturen  lassen  sich  leicht  anfertigen,  wenn  man  entweder 
den  Glaadeckel  1  cm  hoch  hebt  und  dann  über  einen  aufgelegten 
Gummiring  zurückschiebt,  oder  indem  man  einen  passenden  breiten 
Bandring  aus  Gummi  am  untern  Ende  des  Glasdeckels  so  umlegt,  dass 
er  halb  das  untere  Glas,  halb  den  Glasdeckelrand  umfasst 

2)  Filter-Apparate  für  Nähr-Gelatine. 
Das  Filtriren  von  Gelatine  nimmt,  selbst  wenn  die  Vorbedingung 
zur  Erlangung  klarer  Gelatine,  das  sorgfältige  Ausfällen  aller  durch 
Hitze  koagulirbaren  Substanzen  er- 
füllt ist,  beträchtliche  Zeit  in  An-  Fig.  *. 
Spruch,  ganz  besonders,  weil  die  fil- 
trirende   Fläche    in   den    gebräuch- 
lichen Filtertrichtern  eine  sehr  kleine 
ist  uud  sich  eigentlich  nur  auf  die 
unterste  Spitze  des  Papiertrichters 
beschränkt    Man  kann  das  Filtriren 
durch  Vergrösserung  der  Bodenfläche 
bedeutend  beschleunigen,  indem  man 
sich  eines  Trichters  bedient,  in  wel- 
chen in  etwa  Vi-Höhe  vom  obern 
Band  eine  siebartig  durchlochte  Glas- 
platte eingelegt  ist,  auf  welche  das 
Filtrirpapier  tellerförmig  ausgebreitet 
*ir<L    Noch  einfacher  ist  folgender 
Apparat,    welchen    man    sich    mit 
Leichtigkeit  aus  einer  Konservebüchse 
selbst  herstellen  kann.    Der  obere  Rand  der  Büchse  wird  glatt  ab- 
geschnitten und  der  Boden  mittelst  einer  Ahle  oder  eines  Pfriemens 
(von  aussen  nach  innen  bohrend)  in  konzentrischen  Ringen  dicht  mit 
Löchern  versehen.    Ueber  den  nun  fertiggestellten  Trichter  wird  ein 

42* 


li 


660 


Schill,  Beiträge  sur  bakteriologischen  Tochmik. 


den  Boden  nach  jeder  Richtung  um  ca.  2  cm  überragendes  Filtrir- 
papier,  auf  dieses  der  grossem  Haltbarkeit  wegen  eine  doppelte  Lage 
entfetteten  Mulls  gelegt  and  diese  Auflagerangen  nach  Anstreichen 
der  Ränder  gegen  die  Seitenwände  der  Büchse  mittelst  eines  breiten, 
straff  umgelegten  Gummibandrings  festgehalten.  Nach  Anfeuchtung 
filtrirt  Nährflüssigkeit  in  ununterbrochenem  Strom,  Nährgelatine  aber 
bedeutend  rascher,  als  durch  den  gewöhnlichen  Glastrichter. 

Eine  noch  weit  bedeutendere  Beschleunigung  der  Filtration  kann 
man  aber  durch  folgenden  Apparat  erzielen,  bei  welchem  Luftdruck 
als  treibende  Kraft  wirkt.  Als  Grundlage  dient  eine  Blechflascbe 
(besser  wäre  die  Herstellung  aus  Glas  oder  Porzellan),  welche  am 
Boden  ebenso  wie  der  oben  beschriebene  Apparat  mit  zahlreichen, 
nicht  zu  kleinen  Löchern  versehen  wird.  Ueber  den  Boden  wird 
gleichfalls  eine  Lage  Filtrirpapier  und  doppelte  Lage  entfetteten  Malt 
gelegt  und  durch  ein  Gummiband  befestigt.  Der  Flaschenhals  trägt 
einen  durchbohrten  Stöpsel,  durch  welchen  ein  nicht  zu  weites  Glas- 
rohr bis  fast  unmittelbar  zum  Boden  der  Flasche  herabreicht,  welches 
oben  durch  ein  Stück  Gummirohr  mit  einem  kleineren  Trichter  ver- 
bunden ist.  Nach  Anfeuchtung  der  Filterlagen  wird  Gelatine  durch 
den  Trichter  eingegossen.  Sobald  eine  dünne  Schicht  der  zu  filtriren- 
den  Gelatine  den  Boden  bedeckt,  drückt  die  in  der  Flasche  nun  gänz- 
lich abgesperrte  Luft,  welche  unter  dem 
Druck  der  in  dem  Glasrohr  enthaltenen  Flüs- 
sigkeitssäule steht  und  zudem  noch  in  Folge 
der  Erwärmung  der  Gefässwände,  sowie 
direkt  von  unten  durch  die  heis&e  Gelatine 
sich  ausdehnt,  auf  die * ganze  Oberfläche 
der  im  Apparat  enthaltenen  Gelatine  und 
treibt  sie  rasch  durch  das  Filter.  Zu  be- 
achten bleibt,  dass  man  den  Druck  nicht 
zu  rasch  durch  unausgesetztes  Nachgiessen 
steigert,  da  er  sonst  so  heftig  werden  kann, 
dass  die  Filterlagen  sammt  Gummiring  ab- 
gerissen werden.  Nach  ganz  kurzem  Ge- 
brauch des  Apparats  gewinnt  man  durch 
das  Gehör  an  der  Stärke  des  Gelatineab- 
strömens  einen  Massstab,  in  welchem  Grade 
man  Gelatine  durch  den  Fülltrichter  zu- 
giessen  darf.  In  etwa  5—7  Minuten  kann 
man  1  1  5°/0ige  Gelatine  klar  filtriren. 
Bei  Anfertigung  des  Apparats  aus  Glas  hat 
man  den  Vortheil,  dass  man  die  Starke 
des  Drucks  auch  mit  dem  Auge  nach  der 
Höhe  der  eingegossenen  Schicht  beurtheilen 
kann. 

In  beiden  beschriebenen  Apparaten  wird 
die  ablaufende  Flüssigkeit  durch  einen  ge- 
wöhnlichen G  lastrieb ter  in  das  zur  Auf- 
nahme bestimmte  Gefäss  geleitet. 


Flg.  3. 

v 


Klage,  Chemotaktische  Wirkungen  des  Tubercnlins  auf  Bakterien.  661 


3)  Die  einfachste  Injektions-  and  Aspirationsspritze. 

Ein  Glasrohr  wird  an  einem  Ende  zu  einer  Spitze  ausgezogen, 
am  andern  mit  einem  Wattepfropf  versehen,  durch  trockene  Hitze 
sterilisirt  und  im  Gebrauchsfalle  am  hintern  Ende  mit  einem  etwa 
1/4  m  langen  Stück  Gummirohr  von  danner  Wandstärke  versehen. 
Wenn  man  nun  das  Glasrohr  an  der  Gummiansatzstelle  mit  der  linken 
Hand  hält  und  die  Spitze  in  die  aufzunehmende  Flüssigkeit  eintauchen 
lässt,  sodann  aber  mit  rechtem  Zeigefinger  und  Daumen  vom  Glas- 
rohr weg  den  Gummischlauch  unter  gleichzeitigem  Zusammendrücken 
auszieht,  so  wird  die  Flüssigkeit  schnell  in  das  Rohr  eingesogen.  Bei 
der  Injektion  macht  man  dieselbe  Bewegung  am  Gummischlauch  in 
entgegengesetzter  Richtung. 


Chemotaktische  Wirkungen  des  Tubercnlins 
auf  Bakterien. 

[Aus  Marpmann's  Hygienischem  Laboratorium  in  Leipzig.] 

Von 

R.  Kluge 

in 

Leipzig. 

Durch  die  Pf  effer'sche  Untersuchung  über  die  chemotaktischen 
Bewegungen  der  Mikroorganismen  angeregt,  wurden  folgende  Versuche 
mit  Tuberculinlösungen  angestellt 

Pfeffer  fand,  dass  verschiedene  chemische  Verbindungen  auf 
die  Bewegung  anderer  Organismen  in  ganz  charakteristischer  Weise 
einwirkten.  Pf.  füllte  Kapillarröhrchen  mit  den  zu  untersuchenden 
Lösungen,  schmolz  die  Röhrchen  an  einem  Ende  zu  und  legte  sie  in 
Flüssigkeiten,  welche  Mikroorganismen  enthielten.  Nach  einiger  Zeit 
zeigte  sich,  dass  je  nach  der  Anziehungskraft  der  chemischen  Ver- 
bindungen entweder  Organismen  in  grosser  Zahl,  oder  nur  vereinzelte, 
oder  gar  keine  Organismen  in  den  Röhrchen  vorhanden  waren. 

Diese  Versuche  wurden  zuerst  von  Massart  und  Bord  et  und 
später  von  Gabritschewski,  Buchner  und  A.  Schmidt  auf 
die  Leukocyten  im  thierischen  Organismus  ausgedehnt  und  erweitert. 

Aehnliche  Versuche  in  Bezug  auf  die  Leukocyten  stellten  Leber, 
Metschnikoff,  Lubarsch,  Hess  und  Andere  an. 

Durch  die  neusten  Versuche  von  A.  Schmidt  wurde  festgestellt, 
dass  das  Pyocyaneus  protein  selbst  in  Verdünnungen  im  Verhältnis 
von  1 :  3000  noch  deutlich  positiv  chemotaktisch  auf  Leukocyten 
wirkte. 

Die  nachstehenden  Versuche  mit  Tuberculinlösung  und  einer  ge- 
mischten Kultur  von  Spirillen  und  verschiedenen  Bacillen  wurden  von 
mir  angestellt,  um  zu  sehen: 


662  Klage, 

1)  In  welcher  Weise  und  nach  welcher  Zeit  die  Einwanderang 
der  einzelnen  Bakterien  stattfand. 

2)  Um  nachzuweisen,  ob  durch  das  Aufsteigen  der  Bakterien  in 
den  Röhrchen  eine  Trennung  der  einzelnen  Spezies  möglich   wäre. 

Um  zu  beweisen,  dass  das  Aufsteigen  der  Bakterien  nicht  durch 
Diffusion  der  beiden  Flüssigkeiten  vor  sich  ging,  wurden  Kapillär- 
röhrchen  mit  einer  Lösung  von  übermangansaurem  Kalium  gefallt,  an 
einem  Ende  zugeschmolzen  und  in  eine  bakterienfreie  spirituöse 
Flüssigkeit  gesetzt;  es  zeigte  sich,  dass  Diffusion  nur  in  Äusserst  ge- 
ringem Grade  stattgefunden  hatte,  denn  nach  Verlauf  von  acht  Tagen 
war  die  Lösung  nur  im  untersten  Theile  des  Röhrchens  entfärbt; 
bakterienhaltende  Flüssigkeiten  entfärbten  das  übermangansaure 
Kalium  nach  einigen  Tagen  erst  bis  nur  Höhe  von  V*  cm« 

Erster  Versuch. 
Zur  Ausführung  dieses  Versuches  wurden  Kapillarröhrchen  von 
3—5  cm  Länge  mit  einer  durch  eine  Marpmann'sche  Filterzelle 
filtrirten  l°/0  Lösung  von  Tuberculin  gefüllt,  an  einem  Ende  zuge- 
schmolzen und  in  eine  gemischte  Kultur,  bestehend  aus 

Bacillus  aquatilis  Weichselbaum,  Bacillus  subtilis, 
Bacillus  lactis  acidi  Hueppe  und  einer  neuen  halbkreis- 
förmigen Spirille  gelegt 

Es  fanden  sich  nach  Verlauf  von  einer  Stunde  nur  einzelne 
Stäbchen  des  Bacillus  aquatilis  in  den  Röhrchen. 

Nach  Verlauf  von  2 — ö  Stunden  fanden  sich  dieselben  Bacillen 
in  steigender  Anzahl  und  erst  nach  sechs  Stunden  waren  auch  die 
übrigen  in  der  Kultur  vorhandenen  Spaltpilzspezies  eingewandert 

Man  sieht  aus  diesem  Versuch,  dass  das  Tuberculin  auf  die 
genannten  Spaltpilzarten  positiv  chemotaktisch  einwirkt  und  ausserdem, 
dass  die  verschiedenen  Arten  der  Bakterien  auf  noch  nicht  aufgeklärte 
Weise  verschieden  schnell  in  die  Röhrchen  einwanderten.  Merkwürdiger 
Weise  fanden  sich  die  wenig  beweglichen  Spaltpilze  zuerst  in  den 
Böhrchen  vor. 

Zweiter  Versuch. 
Zu  diesem  Versuche  wurden  Kapillarröhrchen  von  30-50  cm 
Länge  gewählt,  mit  einer,  wie  oben  angegeben,  filtrirten  0,1  °/0  Lösung 
von  Tuberculin  gefüllt,  an  einem  Ende  zugeschmolzen  und  in  die  ge- 
mischte Kultur  gestellt 

Nach  Verlauf  von  7  Stunden  wurde  das  erste  Böhrchen  im  Ab- 
stand von  5  zu  5  cm  in  der  Weise  untersucht,  dass  die  in  den  5  cm 
langen  Röhrchen  befindliche  Tuberculinlösung  auf  einem  Deckgläschec 
gesammelt,  nach  dem  Eintrocknen  gefärbt  und  in  Cedernöl  unter- 
sucht wurde. 

Es  fanden  sich  in  der  Höhe  von 
5  cm    sämmtliche  in  der  Kultur  vorhandenen  Bakterien, 
10   „     Bacillus    aquatilis    mit  vereinzelten  Stäbchen  von 

Bacillus  lactis  acidi, 
15   „     nur  wenige  Stäbchen  von  Bacillus  aquatilis, 
20   „1 

25   „  j    "        "  w  w  *  * 

30   „     keine  Bakterien. 


Chemotaktische  Wirkungen  des  Tabercnlin»  auf  Bakterien.  663 

Nach  48  Stunden  wurden  zur  Eontrolle  zwei  Röhrchen  mit  über- 
stimmendem Resultat  untersucht. 
Es  fanden  sich  in  der  Höhe  von 
5  cm    sämmtliche  Bakterien, 
10    „      Bacillus  lactis  acidi  und  Bac.  aquatilis, 

£*:  M  n  19  ,9  ))  19  99 

^  »f  »  99  99  99  99*  99 

~  »  W  n  99  99  9t  91 

™  »  M  9»  J9  f»  99  99 

ÖV  V  »'.,-»»  99  99  99  99 

40    „      nur  Bacillus  aquatilis, 
£5    "  )  keine  Bakterien. 

Diese  Vereuchelbeweisen,  dass  wir  in  dem  Tuberculoproteln  einen 
ehr  stark  positiv  chemotaktisch  wirkenden  Körper  besitzen,  der  die 
erschiedensten  Spaltpilze  stark  anzieht. 

Durch  einen  weiteren  Versuch  wurde  nachgewiesen,  dass  die 
jeukocyten  des  Frosches  in  derselben  Weise  beeinflusst  werden.  Einem 
p-ossen  Frosch  wurden  zwei  Kapillarröhrchen  mit  0,1  °/o  Tuberculin- 
ösung  unter  die  Rückenhaut  gebracht  und  wurde  durch  Untersuchung 
ler  Röhrchen  festgestellt,  dass  die  Leukocyten  in  grosser  Anzahl  schon 
iach  einer  Stunde  eingewandert  waren. 

Diese  Versuche  beweisen  ausserdem,  dass  wir  in  der  Chemotaxis 
ein  Mittel  besitzen,  um  verschiedene  Bakterien  mehr  oder  weniger  in  den 
Flüssigkeiten  anzusammeln. 

Hat  man  eine  gemischte  Kultur  mit  grossen  Mengen  einer  Spezies 
und  wenigen  Exemplaren  einer  anderen  Spezies,  so  dürfte  eine  Platten- 
kultur unter  Umständen  die  vereinzelt  vorhandenen  Exemplare  nicht 
zur  Entwickelang  bringen. 

Für  solche  Fälle  ist  die  Kapillarröhrenkultur  zu  empfehlen. 
Salomonsen,  der  schon  im  Jahre  1877  ähnliche  Versuche  ange- 
stellt hat,  glaubte  in  den  Kapillarröhrchen  direkt  Reinkulturen  er- 
halten zu  haben. 

Selbstverständlich  genügen  die  älteren  Versuche  den  heutigen 
Ansprüchen  nicht  mehr,  es  ist  aber  nicht  zu  leugnen,  dass  die  ge- 
eignete Anordnung  einer  derartigen  Kultur  von  verschiedenen  Er- 
folgen begleitet  sein  muss,  denn  durch  Plattenkulturen  von  verschie- 
denen Röhrchenabschnitten  wurden  auf  einer  Platte  fast  nur  Bac. 
lactis  acidi,  auf  einer  anderen  fast  nur  Bac.  aquatilis  er- 
balten. 

Man  kann  also  mit  Hülfe  der  KapillarrOhrchen-Plattenkulturen 
die  einzelnen  Spaltpilzarten  bequem  trennen. 

Weitere  Versuche  lassen  hoffen,  dass  man  mit  Hülfe  der  Kapillar- 
röhrchenkultur  die  sonst  nicht  kultivirbaren  Spirillen  züchten  kann. 

Leipzig,  11.  10.  1891. 


664  T  r  o  m  b  e  1 1  * , 


Die  Fäulnissbakterien  und  die  Organe  und  das  Blat 
ganz  gesund  getodteter  Thiere. 

[Aus  dem  hygienischen  Institut  der  Universität  Berlin1).] 

Von 

Dr.  Sergi  Trombetta 

in 

Messina. 

Die  epochemachenden  Untersuchungen  von  L.  Pasteur 
haben  bewiesen,  dass  die  Fäulniss  von  der  Entwickelung  einiger 
Bakterien  abhängig  ist.  Dieselbe  hängt  auch  von  der  Feuchtigkeit, 
Temperatur  und  Anwesenheit  des  Sauerstoffes  ab.  Die  Fäulniss  findet 
nach  dem  Tode  statt,  und  die  Bakterien,  welche  sie  hervorrufen, 
stammen  grösstenteils  aus  dem  Darmkanal,  breiten  sich  durch  dessen 
Wände  aus,  vermehren  sich,  dringen  in  die  Organe,  das  Blut  und  die 
Gewebe  ein  und  verursachen  alle  jene  Erscheinungen ,  die  wir  mit 
dem  Namen  „Fäulniss14  bezeichnen.  Sie  tritt  also  nach  dem  Tode 
ein,  und  wir  sagen,  dass  die  Fäulniss  schon  begonnen  hat  oder  aus- 
gebreitet ist,  entsprechend  den  grösseren  oder  geringeren  Veränderungen, 
die  wir  mit  blossem  Auge  in  den  Geweben,  dem  Blute  und  den 
Organen  finden. 

Dass  diese  Mikroorganismen  während  des  Lebens  im  Blute  and 
den  Organen  nicht  vorbanden  sind  und  erst  nach  dem  Tode  dahin 
gelangen,  ist  von  Haus  er  (25),  W.  Zahn  (28),  J.  v.  Fodor  (32) 
erwiesen  worden.  Es  bleibt  also  zu  bestimmen,  zu  welchem  Zeit- 
punkte diese  Einwanderung  beginnt,  wie  lange  Zeit  nach  eingetretenem 
Tode  Blut  und  Organe  von  Fäulniss  befreit  bleiben. 

Zu  bestimmen,  wann  die  Einwanderung  erfolgt,  wird  um  so 
wichtiger  erscheinen,  wenn  man  berücksichtigt,  dass  diese  kleinen 
Organismen  pathogenetisch  und  biologisch  mit  anderen  Bakterien 
verwechselt  werden  können.  Wir  können  zum  Beispiel  in  dem  Falle 
sein,  Organe  und  Blut  zu  untersuchen  und  Bakterien  darin  zu  finden, 
die  mit  dem  Krankheitsprozesse  nichts  zu  thun  haben,  und  erst  nach 
dem  Tode,  der  eingetretenen  Fäulniss  wegen,  da  vordringen.  Dm 
diesen  Fehler  zu  vermeiden,  ist  es  nöthig,  zu  bestimmen,  wie  lange 
nach  dem  Tode  Organe  und  Blut  von  Fäulnisskeimen  frei  bleiben. 

Die  nachstehenden  Fragen  nun  soll  die  vorliegende  Arbeit  lösen: 

Gibt  es  einen  Zeitpunkt,  bis  zu  welchem  man  sagen  kann,  dass 
weder  die  Organe  noch  das  Blut  von  den  Mikroorganismen  der  Fäulniss 
heimgesucht  sind? 

Und  welches  ist  dieser  Zeitpunkt  bei  den  verschiedenen  Thieren? 


1)  Ich  ergreife  diese  Gelegenheit,  dem  Herrn  Geheimrath  Prof.  R.  Koeh,  sowie  d« 
Herrn  Stabstrsten  Pfeiffer  und  Behring  meinen  wärmsten  Dank  anasnspreehen  fflr 
die  mir  rar  Zeit  meinet  dortigen  Aufenthaltes  erwiesenen  Freundlichkeiten. 


Piolnissbakterien,  Organe  and  das  Bist  gans  gesund  getesteter  Thiere.       (J65 

Haben  Temperatur,  das  Gewicht  und  Volumen  des  Thieres  dabei 
inen  Einfiuss? 

Um  diese  Fragen  za  beantworten,  experimentirte  ich  mit  Mäusen, 
tatten  und  Kaninchen,  Tbieren,  die  vorzugsweise  in  den  bakteriologischen 
ostituten  angewandt  werden.  Das  Verfahren  ist  das  folgende  gewesen: 

Jedes  Thier  wurde  durch  Schläge  auf  den  Kopf  getödtet  und 
achher  während  einer  gewissen  Zeit  bei  Brut-  oder  Zimmertemperatur 
der  im  Eisschranke  aufbewahrt  Es  wurde  zunächst  sezirt  und  vom 
tlute  und  den  Organen  wurden  Agar- Stichkulturen  angelegt.  Ein 
Mick  auf  die  folgende  Tabelle  genügt,  um  eine  deutliche  Idee  des 
;anzen  Verfahrens  zu  geben.  Ich  hielt  es  für  überflüssig,  den  Tabellen 
lie  Kontrollversuche  hinzuzufügen.  Das  Zeichen  (+)  bedeutet,  dass  die 
Cultur  eine  positive,  das  Zeichen  (— )  dagegen,  dass  sie  eine  negative 
;ewesen  ist. 


Tabelle  L 
Getödtete  und  bei  Zimmertemperatur  gelassene  Mäuse. 


No. 

Zeit  der 

Sektioo  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich- 
kultur  ans 

Blut 

Leber 

Mils 

Niere 

Lange 

88  8t 

so  „ 

«8    „ 
86    „ 

*0    „ 
1»    „ 

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+ 
+ 

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+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

Tabelle  IL 
Getödtete  und  im  Eisschranke  ')  gelassene  Mäuse. 


No. 


Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 


Agar-Stich- 
kultur  ans 


Blut 

Über 

Milz 

Niere 

+ 

.+ 

+ 



+ 

+ 

+ 

+ 

~~ " 

+ 

+ 

+ 

— 

— 

+ 

+ 

— 

— 

— 

+ 

— 

— 

— 

— 

*~~ 

Lange 


S9  St 

87  „ 

M  „ 

W  w 

8«  „ 

»  v 

88  „ 


:l)  Unter  Eissehrank   Terstehe   ich    einen  solchen,    wie  er  in  den  bakteriologischen 
«»«taten  in  Deutschland  angewandt  wird,  dessen  Temperatur  iwischen  0°  and  4°  veriirt. 


666 


Trombetta, 


Tabelle  III. 
Getödtete  and  im  Bratschranke  gelassene  Mause. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich-       R 
kaltur  ans        BInt 

i 

Leber      Mils 

Niere 

Lunge 

1 
2 
S 
4 
5 
6 

8      St. 
7       „ 

•V,  ,. 
«       „ 

5       „ 

»     !  + 

i»         '    — 

!    + 
♦»       i   — 

..    i  -• 

+++++ | 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

Tabelle  IV. 
Getödtete  und  bei  Zimmertemperatur  gehaltene  Ratten. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

A  gar-Stich- 
kalt ar  ans 

1 

Blut    |  Leber 

I 

Hill 

Niere 

Lnnge 

1 
2 
3 

4 
5 
6 
7 

24       St. 
22        „ 
21         ,, 
20        „ 
19        „ 

18V.    M 
18        „ 

II 
II 
II 

♦  f 

II 
II 

+ 
+ 

+ 

+ 

+ 

- 

+ 

+ 

+ 
+ 



+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

Tabelle  V. 
Getödtete  und  im  Eisschranke  gehaltene  Ratten. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich- 
knltnr  am 

Blnt 

Leber 

Milz     Niere 

Longe 

1 
2 

3 

4 
6 
6 
7 

29  St. 
27    „ 
26    „ 
25    „ 
23    „ 
21    „ 
20    „ 

ii 

»i 
i« 
»i 
ii 
»i 
ii 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 
+ 

+ 

+ 

Tabelle  VI. 
Getödtete  und  bei  Bruttemperatur  gelassene  Ratten. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich- 
knltnr  ans 

Blut 

Leber 

Mils 

Niere 

Lnnge 

1 
2 
3 

4 
5 

7       St 

•V,  .. 

ö         „ 

»i 

ii 
ii 
»i 
n 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 
+ 
+ 

— 

+ 
+ 

Fftulnissbakterien,  Organe  und  da*  Blut  ganz  gesund  getödteter  Thiere.       667 

Tabelle  VII. 
Getödtete  und  bei  Zimmertemperatur  gelassene  Kaninchen. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich- 
knltnr  ans 

Blat 

Leber      Milz 

Niere 

Longe 

1 
2 
S 
4 
5 
6 
7 

26       St 
88         „ 
21         „ 
19        „ 
17         „ 

16V,    » 
16        ., 

»i 
»i 
fi 
f» 
f> 
»f 

+ 
+ 

+ 

-f 
+ 
+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 

+ 
+ 

Tabelle  VIII. 
Getödtete  und  bei  Eisscbranktemperatur  gelassene  Kaninchen. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 
dem  Tode 

Agar-Stich- 
kultur  aas 

Blut 

Leber 

Milz 

Niere 

Lange 

1 

I 

4 

5 

24  St. 
23    „ 
22    „ 

21    „ 

20    „ 

ff 
ti 

f» 
ti 
»f 

+ 
+ 

— 

— 

Tabelle  IX. 
Getödtete  und  bei  Bruttemperatur  gehaltene  Kaninchen. 


No. 

Zeit  der 

Sektion  nach 

dem  Tode 

Agar-Stich- 
kaltor  aas 

Biat 

Leber 

Mils 

Niere 

Lange 

1 
2 
3 
4 

9       St. 
7        „ 

•Vt  » 

tf 
ff 
ff 
»» 

+ 
+ 
+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 

+ 
+ 

+ 
+ 

Wenn  wir  nun    die  vorige  Tabelle  in  eine  einzige  resumiren 
sollen,  so  ergeben  sich  die  folgenden  Ziffern: 


Ar  die  Mause  .  . 
Ar  die  Ratten  .  . 
Ar  die  Kaninchen 


bei  Zimmer- 
temperatur 


19  St. 
18  „ 
16    „ 


b.  Eisscbrank- 
temperatur 


22  St 
20  „ 
20    „ 


bei  Brut- 
temperatur 


6  St. 

5  „ 

6  „ 


Man  schliesst  daraus ; 

1.  Es  gibt  eine  Grenze,  unter  welcher  das  Blut  und  die  Organe 
ganz  gesund  getödteter  Thiere  frei  von  F&ulnissbakterien  bleiben. 

2.  Diese  Grenze  ist  nach  den  Beobachtungen  für  die  Mäuse: 
*)  bei Zimmertemp.  19  St.  nach  dem  Tode;  bei Eisschranktemp.  22 St.; 


663  Trombetta, 

c)  bei  Brattemp.  5  St.    Für  die  Ratten :  a)  bei  Zimmertemp.  18  St 
b)  bei  Eisschranktemp.  20.  St ;  c)  bei  35°  5  St    Für  die  Kaninchen 
a)  bei  Zimmertemp.   16  St;  b)  bei  Eisschranktemp.  20  St;  c)  bei 
86°  6  St. 

3.  Diese  Grenze  gilt  für  die  A&robien  und  die  ganz  gesund  ge- 
tödteten  Thiere.  Dass  Anaerobien  nach  dem  Tode  in  das  Blut  und 
die  Organe  gelangen,  ist  seit  lange  festgestellt  worden;  aber  diese 
haben  keine  pathogene  Bedeutung.  Ebenso  beschleunigen  einige 
Krankheiten  den  Fäulnissprozess;  andere  dagegen  hemmen  denselben 
bedeutend. 

4.  Die  Eisschranktemperatur  verzögert  die  Einwanderang  der 
Fäulnissbakterien  in  sehr  geringer  Weise,  die  Bruttemperatur  be- 
schleunigt sie  sehr. 

5.  Der  Fäulnissprozess  ändert  sich  mit  der  Grösse  des  Thieres, 
aber  nicht  im  Yerhältniss  mit  derselben;  die  Mäuse  erhalten  nur 
während  der  ersten  19  St  Blut  und  Organe  frei  von  Fäulnissbakterki. 
und  diese  Grenze  vermindert  sich  wenig  bei  Ratten,  18  8t,  noch 
weniger  in  Verhältniss  der  Grösse  des  Thieres  bei  Kaninchen,  16  St 
So  verhält  es  sich  bei  Zimmertemperatur.  Fast  das  Gleiche  gilt  bei 
Eisschranktemperatur.  Bloss  bei  Bruttemperatur  tritt  die  Fäulnis* 
in  den  kleinen  Thieren  rascher  auf;  die  Verschiedenheit  ist  trotzdem 
keine  bedeutende. 

6.  Die  Fäulniss  tritt  unregelmässig  auf.  Bald  sind  die  Abdominil- 
Organe  zuerst  von  den  Bakterien  ergriffen,  während  das  Blut  von 
denselben  frei  bleibt  (Tab.  I).  Unter  den  Organen  ist  bald  die  Mik 
zuerst  zersetzt,  bald  ist  es  die  Leber,  bald  Milz,  Leber  und  Niere 
zugleich;  zuweilen  auch  Organe  und  Blut  gleichzeitig.  Manchmal 
kann  man  auch  zuerst  in  der  Lunge  das  Vorhandensein  von  Mikro- 
organismen konstatiren.  Es  ist  also  wahrscheinlich,  dass  diese  sich 
in  derselben  schon  während  des  Lebens  einfanden  (28).  Das  Blut  ist 
bloss  ein  einziges  Mal  als  letztes  von  der  Fäulniss  ergriffen  worden. 

7.  Die  Thiergattung  übt  auf  den  Prozess  der  Fäulniss  keinerlei 
Einfluss  aus. 

Litteratar. 

1)  Ptitaor,  M.  L.,  Recherche*  rar  la  patrefaction.  (Comp!  rendos.  1863  I 
slmestre.  p.  1198.) 

2)  Hei  Her ,  E.,  Gfthrangsorscheinungen.  Ueber G&hrang,  Fäulniss  and  Verwes«  c 
mit  Berücksichtigung  der  Miasmen  und  Kontagien  sowie  der  Desinfektion.  (Jahresbericht* 
f.  d.  gesammt.  Med.  1866.  I.) 

8)  Reichardson,  Joseph  O.,  Experiments  showing  the  occurence  of  ▼egeUbl* 
organisms  in  human  blood.  (American  Journal  of  med.  se.  —  Jshresb.  f.  die  gesammt  de 
1868.  I.  p.  205.) 

4)  Bettelheim,  Carl,  üeber  bewegliche  Körperchen  im  Wate.  (Wiener  med 
Presse.  No.  18.) 

6)  Bechamps,  A.  et  Estor,  A.,  DeTorigine  et  da  deVeloppement  des  baetene»- 
(Compt.  rend.  LXVI.  No.  181.) 

6)  Bennett,  J.  H.t  The  atmospherie  germs  theory.  (Edinb.  med.  Jooro. 
Vol.  XIII.  p.  811.) 

7)  F  enger,  E.v  Om  det  Virksomme  ved  Gyiringen  Forraadnelsen  og  viase  Arter 
of  Sigdomesmitte.     (Higieiniske  Meddelelser.  V.  Bd.  p.  127.) 

8)  Hoppe-Seyler,  üeber  Fftalnissprosess  and  Desinfektion.  (Med.  Cbem 
Untersaohangen.  Tübingen.  Hft.  4.  p.  561.  Jshresber.  1871.  B.  I.) 


Faulnissbakterien,  Organ«  und  das  Blut  gans  gesund  getödteter  Thiere.       gß9 

9)  Bichardson,  On  certain  human  parasitic  fang!  and  their  relation  to  disease. 
(Philadelph.  med.  Times.  1872.  Febr.  15.  188-187.) 

10)  Lex,  R.,  Ueber  Faulniss  und  verwandte  Proiesse.  (VierteUahresschr.  f.  Öffentl. 
GeeandheiUpflege.  IV.  Heft.  47.) 

11)  Pasteur,  L,  New  contributions  to  the  theory  of  fermentation.  (Quarterly 
Jon»,  of.  Mio.  8c.  New.  8.  63.  p.  352.  Compt  rend.  187S.  p.  784—790.) 

15)  Paschutin,  V.,  Einige  Versuche  Aber  F&ulniss  and  Fftulnissorganismen. 
(Vir eh.  Aren    Bd.  L1X.  S.  490.  —  Jahresber.  f.  d.  g.  Med.  1874.  B.  I.  p.  321.) 

18)  Tyndall,  John,  On  the  optical  departement of  the  atmosphere  in  reference 
to  the  phenomena  of  putrefaetion  and  infeetton.  (Abstract  of  part  of  a  Paper  read  before 
the  Boyal  Society.  Janoary  18.  Jahresb.  f.  d.  g.  Med.  Bd.  I.  1876.  p.  847.) 

14)  Salomonsen,  C.  J.,  Stadier  over  Blodets  Forradnelse  B^öbenhavn.  172  p. 
(Jahresb.  f.  d.  g.  Med.  X877.) 

16)  Lewis,  T.  R.,  The  microphytes  which  bare  been  found  in  the  blood  nnd 
their  relatfons  to  disease.  (Quarterly  Journal  of  mieroscopical  seJence.  Jaly.  —  Jahrb. 
1879.  Bd.  I.  p.  848.) 

16)  Madeuf,  F.,  De l'action du  froid  avec ou  sans  pression  sur  les  eties  inferieurs. 
These.  88  p.  Paris  (imprim.  Beipff)  1889. 

17)  Bordoni-Uffrednssi,  Die  biologischen  Untersuchungen  des  Eises  in  seiner 
Beziehung  sur  Öffentlichen  Gesundheitspflege.  (Centralblatt  für  Bakter.  u.  Par.  Bd.  II. 
1887.  No.  17.) 

18)  Franke],  Ueber  den  Bakteriengehalt  des  Eises.  (Zeitschrift  für  Hygiene. 
Bd.  I.  1886.  Heft  2.) 

19)  Die  chemischen  und  bakteriologischen  Untersuchungen  beifiglieb  der  Wasser- 
versorgung ron  Petersburg.  (Wratsch.  1844.  No.  9.) 

20)  Janowski,  Tb.,  Ueber  den  Bakteriengehalt  des  Schnees.  (Centralblatt  f. 
Bakteriologie  u.  Par.  Bd.  IL  1888.  No.  4.  p.  647.) 

21)  Fischer,  Ueber  Bakterienwachsthum  bei  0°.  (Centralblatt  f.  Bakteriol.  u.  Par. 
Bd.  U.  1888.  No.  4.  p.  92.) 

22)  Zweifel,  P.,  Untersuchungen  über  die  wissenschaftliche  Grundlage  der  Anti- 
sepsis und  der  Entstehung  des  septischen  Giftes.  (Zeitschrift  für  physiolog.  Chem.  VL 
p.  886—421.  —  Jahresber.  a.  d.  ges.  Md.  Bd.  II.  1882.  p.  245.) 

28)  Ingenkamp,  C,  Die  geschichtliche  Entwickelang  unserer  Kenntniss  von 
Fiulniss  und  Gfthrung.  (Inaug.  Diss.  Bonn).  8.  43  p. 

24)  Colemann,  J,  and  Kend  wieek  ,  G.  M,  On  aecount  of  some  recent  experi- 
ments  on  the  effects  of  very  low  temperatures  on  the  putrefactlve  process  aod  some 
vital  phenomena.  (Journ.  of  anat  and  physiol.  Vol.  XIX.  p.  4.  —  Jahresb.  d.  g.  Med. 
1886.  Bd.  L  p.  232.) 

26)  Haus  er,  H,  Ueber  das  Vorkommen  von  Mikroorganismen  in  den  lebenden 
Geweben  gesunder  Thiere.    (Aren.  f.  exper.  Pathol.  and  Pharm.  1886.  p.  162.) 

26)  Hildebrandt,  G,  Experimentelle  Untersuchungen  Aber  das  Eindringen 
patbogener  Mikroorganismen  von  den  Luftwegen  und  der  Lunge  aus.  (Beiträge  aur 
pathologischen  Anatomie  u.  Physiologie.  Bd.  II.  p.  411.  —  Jahrb.  f.  die  g.  M.  1889.  I.  p.  266.) 

27)Strassmann,F.  u.  Strecker,  C,  Bakterien  bei  der  Leichenfltalniss. 
(Zeitschrift  für  Medisinaibeamte,  p.  66.  —  Jahresber.  1888.  p.  466.) 

28)  Zahn,  F.  W  i  1  h. ,  Untersuchungen  im  Blute  gesunder  Thiere.  (Virchow's 
Archiv.  Bd.  XCV.  p.  401.) 

29)  Wigand,  Albert,  Das  Protoplasma  als  Fermentorganismus.  Marburg  1888. 
90)  Hauser,  G.,  Ueber  F&ulnissbakterien  und  deren  Beaiehung  aur  Septiklmie. 

Leipzig  1886. 

81)  H  neppe,  Ferdinand,  Ueber  Besiehung  der  Fiulniss  su  den  Infektions* 
Krankheiten. 

32)  Fodor,  J.  v.,  Bakterien  im  Blute  lebender  Thiere.  (Archiv  für  Hygiene. 
Bd.  IV.  p.  129.) 

26.  8ept.  1891. 


ß70  Grundrits  der  Müitlrgesiindheitspflege. 


Referate. 


Kirchner,  Martin,  Grundriss  der  Militärgesundheits- 
pflege.  Lieferung  1.  Braunschweig  (Harald  Bruhn)  1891. 
Kirchner 's  Grundriss  der  Militärgesundheitspflege  dürfte 
wohl  weit  über  die  militärärztlichen  Kreise  hinaus  mit  Befriedigung 
begrüsst  werden.  Denn  wenn  schon  die  Zahl  der  hygienischen  Hand- 
und  Lehrbücher,  welche  dem  modernen  wissenschaftlichen  Standpunkt 
wirklich  entsprechen,  nicht  eben  gross  ist,  so  fehlte  es  bisher  voll- 
kommen an  einer  derartigen  grösseren  Veröffentlichung  aus  R.  Koch\ 
Schule.  Dass  gerade  Kirchner  die  geeignete  Person  war,  um  die 
Gesundheitspflege  auf  Grund  der  neuen  Lehren  und  von  den  neu  ge- 
schaffenen Gesichtspunkten  seines  Meisters  aus  zu  bearbeiten,  daför 
zeugt  die  Reichhaltigkeit,  die  Vielseitigkeit  des  Inhalts  und  die  anziehende 
Darstellung  in  seinen  bisherigen  zahlreichen  selbständigen  und  referiren- 
den  Arbeiten,  die  Gründlichkeit  und  Gewissenhaftigkeitseiner  eigenen 
mannigfachen  hygienischen  Untersuchungen,  und  nicht  am  wenigsten 
seine  hervorragende  Lehrgabe,  welche  von  allen  seinen  Zuhörern  aus 
den  in  weiten  Kreisen  bekannt  gewordenen  Kursen  des  hygienischen 
Instituts  zu  Berlin  gerühmt  wird. 

Es  darf  nicht  befremden,  dass  Kirchner  seine  Thätigkeit  ge- 
rade auf  das  von  der  allgemeinen  Hygiene  scheinbar  etwas  abge- 
grenzte Gebiet  der  Militärgesundheitspflege  gerichtet  hat.  Ein  gutes 
Handbuch  der  Militärgesundheitspflege  ist  heutzutage  ein  Handbuch 
der  Gesundheitspflege  überhaupt,  nur  vervollständigt  durch  die  auf 
das  Militärsanitätswesen  bezüglichen  Gesichtspunkte.  Denn  es  giebt 
einerseits  wenige  Kapitel  der  Hygiene,  welche  nicht  auch  das  Militär- 
sanitätswesen  berühren;  auf  der  anderen  Seite  aber  bietet  kein 
sonstiges  Verwaltungsgebiet  eine  ähnliche  Möglichkeit  zur  Durchfüh- 
rung und  Erprobung  hygienischer  Massregeln  im  Grossen.  Die  straffe 
Organisation  des  Sanitätsoffizierkorps  lässt  die  beste  Gewähr  einer 
werthvollen  Sammelforschung  zu,  und  die  im  Heeresbudget  gebotene 
Sparsamkeit,  welche  nur  das  wirklich  Gediegene  und  Branchbare 
unter  Vermeidung  jeder  Verschwendung  zur  allgemeinen  Einführung 
gelangen  lässt,  gibt  eine  so  gute  Bürgschaft  für  die  Zweckmässigkeit 
der  hier  als  nothwendig  erkannten  Massnahmen,  dass  diese  oft  schon 
deshalb  allgemein  empfehlenswerth  erscheinen,  weil  sie  in  der  Armee 
zur  Ausführung  gelangt  sind. 

Der  gewaltige  Aufschwung,  welchen  die  hygienische  Wissenschaft 
in  den  letzten  beiden  Jahrzehnten  genommen  hat,  ist  auf  das  Medizinal- 
wesen der  deutschen  Armee  von  bedeutendem  Einfluss  gewesen. 
Viele  von  den  unmittelbaren  Schülern  Koch 's  gehören  dem  Stande 
der  Sanitätsoffiziere  an ;  aus  diesen  ist  eine  nicht  unbeträchtliche  Zahl 
der  Universitätslehrer  hervorgegangen,  während  andere  von  ihnen 
aus  dem  hygienischen  Institut  zu  Berlin  in  die  Armee  zurücktraten, 
um  dort  die  gewonnenen  Kenntnisse  zu  verwerthen  und  anregend  auf 


Grundriss  der  MiJitärgesundbeiUpflege.  ß7^ 

ihre  Kameraden  zu  wirken.  So  konnte  es  nicht  fehlen,  dass  die  An- 
forderungen, welche  gegenwärtig  bezüglich  des  hygienischen  Wissens 
und  Könnens  an  jeden  Militärarzt  gestellt  werden,  gegen  früher  be- 
deutend zugenommen  haben,  und  dass  das  Bedürfniss  jedes  Einzelnen, 
sich  auf  diesem  Gebiete  zu  unterrichten  und  fortzubilden,  grosser 
geworden  ist. 

In  dieser  Beziehung  hilft  der  Kirchner'sche  Grundriss  einem 
wirklichen  Mangel  ab;  denn,  wie  der  Verf.,  welcher,  selbst  preußischer 
Sanitätsoffizier,  als  Vorstand  der  hygienischen  Untersuchungsstelle  des 
X.  Armeekorps  zu  Hannover  wirkt,  in  der  Vorrede  mit  Recht  be- 
merkt, genügen  die  älteren  vortrefflichen  Lehrbücher  der  Militär- 
hygiene von  Roth  und  Lex  und  von  0.  Kirchner  den  heutigen 
Bedürfnissen  nicht  mehr.  So  mag  denn  M.  Kirchner 's  Unter- 
nehmen auch  an  dieser  Stelle  herzlich  willkommen  geheissen  werden. 

Von  dem  Werke,  welches  in  8  Heften  zum  Preise  von  je  2  Mark 
erscheinen  und  bis  Anfang  1892  vollendet  sein  soll,  liegt  bisher  die 
erste  Lieferung  vor.  Sie  behandelt  2  Abschnitte  der  „N  a t  ü  r  1  i  c  h  e  n 
Hygiene",  welche  in  das  Gebiet  jeder  Gesundheitswissenschaft,  also 
auch  der  militärischen,  fallen. 

In  dem  ersten  Abschnitt:  „Die  Mikroorganismen"  gibt  der 
Verf.  zunächst  eine  geschichtliche  Darstellung  der  Lehre  von  den 
kleinsten  Lebewesen.  Er  schliesst  daran  eine  Schilderung  der  Methoden 
mikroskopischer  Untersuchung,  der  Züchtung  und  Uebertragung  und 
erörtert  endlich  im  Einzelnen  die  wichtigeren  Arten  der  Schimmel- 
und  Sprosspilze,  der  Bakterien,  Algen,  Mycetozoen  und  Protozoen. 
Der  ganze  Abschnitt  ist  mustergültig  gearbeitet.  Vollständigkeit  und 
fesselnde  Darstellung,  knappe  und  präzise  Ausdrucksweise  sind  ihm 
eigen.  Eine  grosse  Anzahl  vorzüglicher  Abbildungen  fördern  das 
Verständniss,  reichhaltige  Litteraturangaben  geben  dem  Leser  die 
Möglichkeit,  sich  etwa  gewünschte  weitere  Belehrung  zu  verschaffen. 

Der  zweite  Abschnitt,  welcher  über  das  Wasser  handelt,  ist  noch 
nicht  vollständig  erschienen;  er  enthält  eine  grosse  Menge  von 
Tabellen,  welche  aus  den  Koch 'sehen  Vorlesungen  an  der  Berliner 
Universität  zum  Theil  schon  bekannt  sind.  Auch  hier  erfreut  die 
fliessende  und  klare  Darstellung  des  Verf.'s  und  der  reiche  Gehalt  an 
interessantem  wissenschaftlichen  Stoff. 

Die  späteren  Lieferungen  sollen  noch  folgende  Abschnitte  ent- 
halten. 

I.  Natürliche  Hygiene:  3)  Luft,  Witterung  und  Klima. 
4)  Boden  und  Grundwasser.    5)  Infektionskrankheiten.   6)  Desinfektion. 

II.  Künstliche  Hygiene:  7)  Kleidung  und  Ausrüstung. 
8)  Wohnung  im  Allgemeinen.  Bauhygiene,  Grund  und  Boden,  Material. 
Ventilation  und  Heizung.  Beleuchtung.  Beseitigung  der  Abfallstoffe. 
Leichenbestattung.  9)  Militärische  Unterkunft.  Kasernen  und  Bürger- 
quartiere. Festungen.  Biwak.  Lager  und  Kantonnement.  Lazarethe. 
Arresthäuser  und  Gefängnisse.  Militärwaisenhäuser,  Unteroffizier- 
schulen, Kadettenhäuser.  10)  Hygiene  des  Dienstes.  11)  Armee- 
krankheiten.   12)  Ernährung.    13)  Register. 

Es  wird  darüber  berichtet  werden,  sobald  das  Werk  vollständig 
«schienen  ist.  Kubier  (Berlin). 


€74  Eiter.  Gelenkientzfindting.  —  Purpura.  —  Ekzem. 

Boulloche,   Note   sur  un   cas  de  polyarthrite  suppuree 

et    de    niyosite8    d6termin6es    par   le  pneumocoque. 

(Archives  de  m6decine  exp6rimentale  et  d'anatomie  pathotogique. 

1891.   No.  2.) 

Primäre  multiple  eiterige  Gelenksentzündung  mit  Abscessbildung 

in  mehreren  Skeletmuskeln.    Exitus  letalis  an  einer  hinzugetretenen 

Pneumonie. 

In  mehreren  Gelenken,  in  den  Muskelabscessen,  im  pleuritischec 
Exsudate  sowie  in  den  pneumonisch  erkrankten  Lungenpartieen  fand 
sich  der  Diplococcus  Fraenkel- Weichselbaum  in  grosser 
Menge. 

Bemerkenswerth  ist  hier  das  primäre  Auftreten  der  Gelenksent- 
zündungen, deren  Erreger  der  Diplococcus  pneumoniae  war. 

Di tt rieh  (Prag). 


Claisse,    Note  sur  un   cas  de   purpura  k  pneumocoque. 
(Archives  de  mädecine  expärimentale  et  d'anatomie  pathologique. 
1891.  No.  3.) 
Fall  von  frischer  Endocarditis  mit  Nephritis  und  Purpura. 
Befund   von  Mikroorganismen  in  den  nach  Ansicht  des  Autors 
von  der  Endocarditis  aus  embolisch  entstandenen  Purparaflecken,  in 
der  Niere,    in    den   oberflächlichen   Schichten  der  endocarditischen 
Auflagerungen  und  in  der  Milz. 

Durch  mikroskopische  Untersuchung,  Kulturen  und  Experimente 
wurde  die  Identität  der  vorgefundenen  Mikroorganismen  mit  dem 
Diplococcus  pneumoniae  Fraenkel- Weichselbaum  festgestellt. 

Terminal  gesellte  sich  eine  Pneumonie  hinzu,  in  deren  Exsudate 
der  Diplococcus  pneumoniae  in  grosser  Menge  sich  vorfand. 

Dittrich  (Prag). 


Unna,  Natur  und  Behandlung  des  Ekzems.  (Berliner  Klinik. 
Heft  27.)  Berlin  (Fischer's  med.  Buchhandlung)  1890. 
Die  vorliegende  kleine  Arbeit  ist  ein  Vortrag,  den  U.  auf  der 
Jahresversammlung  der  British  med.  Association  in  Birmingham  am 
1.  August  1890  gehalten  hat.  Er  gibt  in  der  Einleitung  eine  lesen* 
werthe  Geschichte  von  der  Entwickelung  des  Begriffs  Ekzem  im 
Laufe  des  Jahrhunderts  und  spricht  sich  dann  sehr  energisch  für 
die  parasitäre  Natur  dieser  Krankheit  aus.  Und  zwar  ist  er  der 
Ansicht,  dass  den  verschiedenen  Formen  des  Ekzems  verschiedeoe 
(wahrscheinlich  meist  pflanzliche)  Keime  zu  Grunde  liegen,  die  einst- 
weilen noch  unbekannt  sind.  Therapeutisch  empfiehlt  er  eine  lokale 
(Salben,  Salbenmehl,  Pflastermulle,  wasserdichte  Verbände  u.  s.  w.) 
und  allgemeine  Behandlung  (Arsen)  unter  sorgfältiger  Berücksichtigung 
des  individuellen  Falles.  Besonders  warnt  er  vor  allzu  reizender  Be- 
handlung, durch  die  die  Krankheit  verschlimmert  werde.  Auf  die 
Einzelheiten  der  Behandlung  geht  er  nicht  ein. 

M.  Kirchner  (Hannover). 


Favus.  —  Läuse.  —  Krankheit  der  Apfelbaumblätter.  ß75 

tahweninger  und  Buzzl,    Notizen   über  Favus  Iupinosus 
am  Rumpfe.    (Charitä-Annalen.  Jahrgang  XV.) 

Die  Verff.  beschreiben  einen  Fall  von  Favus  bei  einem  jungen 
Mädchen  von  12  Jahren,  der  nicht  auf  dem  behaarten  Kopfe,  sondern 
mf  der  Brust  seinen  Sitz  hatte.  Gelatineplatten  mit  dem  Inhalt 
»ines  frischen  Bläschens  blieben  steril,  während  sich  aus  dem  Saft 
anter  einer  grossen  Borke  die  charakteristischen  Pilze  züchten  Hessen. 
Die  erwähnte  Borke  sass  nur  in  der  Epidermis  und  reichte  nicht 
in  die  Cutis  hinein,  die  nach  dem  Abfall  der  21/«  cm  breiten  und 
2  cm  hohen  Borke  biossliegende  feuchte  Hautstelle  heilte  unter  ge- 
nügender Behandlung  ohne  Hinterlassung  einer  Narbe.  Die  Behandlung 
bestand  in  weisser  Präzipitatsalbe.         M.  Kirchner  (Hannover). 

Osbnrn,    Herbert,    The  Pediculi  and  Mallophaga  affec- 

ting  Man  and   the  Lower  Animals.  (U.  S.  Department  of 

Agriculture.  Division  of  Entomology.   Bulletin  No.  7)  1890.  56  pgs. 

with  42  figures.    Washington  1891. 

Verf.  beschreibt  die  Läuse,  welche  die  Menschen  und  Hausthiere 

heimsuchen,  mehr  vom  ökonomischen,  als  vom  zoologischen  Standpunkte. 

Eine  Anzahl  nützlicher  Anweisungen  über  die  Behandlungsweise  der 

betreffenden  Parasiten  sind  bei  jeder  Spezies  angegeben. 

Etwa  65  Ektoparasiten^ —  darunter  folgende  6   neue  Arten  — 
werden  je  nach  ihrer  ökonomischen  Bedeutung  beschrieben: 
Neue  Spezies:  Pediculadae. 

1)  Haematopinus  sciuropteri.  H.  Osburn,  1890.  Wirth: 
Sciuropterus  volucella  (flying  squirrell).  Fundort:  Jowa, 
ü.  S.  A. 

2)  H.  attenuatus,  Osb.  1890.  Sciurus  cinereus  var. 
ludovicianus  (fox  squirrel).    Jowa. 

3)  H.  hesperomydis,Osb.  1890.  Hesperomysleucopus 
(white  footed  mouse).    Jowa. 

4)  H.  suturalis,  Osb.  1890.  Spermophilus  franklini, 
Sp.  13-lineatus  (ground  squirrels),  Tamias  striatus  (chip 
munk).    Jowa. 

Haematopinoides,  Osb.,  nov.  gen.,  1890.  „Antennae  com- 
posed  of  three  joints,  terminal  Joint  deeply  excavated  on  the  posterior 
side;  abdominal  Segments  at  lateral  margins  broadly  chitinous  with 
a  strong  tubercle  and  a  semicircular  plate  above  and  below  lapping 
over  the  chitinous  portion  of  the  sueeeeding  segment." 

5)  Haematopinoides  squamosus,  Osb.  1890.  Geomys 
bursarius  (pocket  gopher). 

Liotheidae. 
6.  Trichodectes  geomydes,  Osb.  1890.    Geomys  bur- 
sarius, Thomomys  sp.?  Stiles  (Washington,  D.  C). 

Thümen,  Felix  von,  Ueber  einige  besonders  beachtens- 

werthe,    durch   parasitische   Pilze    hervorgerufene 

Krankheiten  der  Apfelbaumblätter.   Wien  1891. 

Verf.  bespricht  zunächst  eine  Krankheit,  welche  das  eine  Mal 

*uf  dem  Laube  auftritt  und  dann  „Blattbrand41  oder  kurzweg  „Brand14 

43* 


ß76  Krankheiten  der  Apfelbaumblitter. 

genannt  wird,  das  andere  Mal  aber  (in  nur  wenig  abweichender  Form) 
die  Früchte  heimsucht  und  dann  „Rost"  oder  „Rostflecken"  heisst. 
Der  wissenschaftliche  Name  ist Fusicladi um  dendriticum  Fuckl, 
und  zwar  wird  insbesondere  die  laubbewohnende  Form  so  genannt, 
während  die  auf  der  Apfelfrucht  vorkommende  als  var.  Soraneri 
Thüm.  bekannt  ist.  Der  „Blattbrand"  bildet  auf  dem  Laube 
rundliche,  fast  sammetartig  zu  nennende,  gegen  den  Rand  hin  sich 
strahlig  verästelnde  Flecke,  deren  Färbung  anfangs  hellolivenbraunt 
später  dunkler  und  im  Herbst  beinahe  schwarz  wird.  Oft  sind  diese 
Flecken  ganz  klein  und  dann  in  großer  Zahl  vorhanden,  oder  sie  sind 
ziemlich  gross,  l1/» — 2  cm  im  Durchmesser  und  dann  in  geringerer 
Zahl  anwesend.  Meist  besetzen  sie  nur  die  Oberseite  der  Blätter,  aus- 
nahmsweise kommen  sie  aber  auch  auf  der  Unterseite  vor.  Sehr 
häufig  befallen  sie  auch  die  einjährigen  Zweige  und  Triebe,  woran  sie 
freilich  sehr  schwer  zu  erkennen  sind.  Da  sie  nach  den  Beobach- 
tungen der  Pomologen  sich  immer  zuerst  nach  einem  Regen  zeigent 
hat  man  sie  „Regenflecken14  ,  „Wasserflecken",  „Baumflecken", 
„Eisenmale"  genannt.  Aus  diesem  Auftreten  lässt  sich  schliessen, 
dass  die  Sporen  zum  Keimen  eine  unmittelbare  Benetzung  nöthig  haben, 
und  nach  Göthe  tritt  der  Pilz  auch  nur  auf  denjenigen  Theilen  der 
Blattfläche  und  der  Früchte  auf,  die  vom  Regen  oder  von  abfliessen- 
den  Tropfen  getroffen  resp.  benetzt  wenlen.  Unterständige  Bl&tter 
bleiben  immer  davon  frei,  und  an  den  Früchten  sind  die  Pilzflecken 
meist  nur  um  die  nach  oben  gerichtete  Kelchwölbung  zu  finden. 
Göthe  glaubt  auch,  dass  während  des  Sommers  und  Herbstes  die  Ver- 
mehrung der  Pilzflecke  nur  nach  Regen  stattfinde,  woher  die  um  die 
Zeit  der  Herbstregen  wahrnehmbare  starke  Zunahme  der  Flecke 
sich  erkläre.  Das  Mycel  wächst  unter  der  Oberhaut,  breitet  sich  hier 
aus  und  sendet  eine  grössere  Anzahl  kurzer,  gerade  aufgerichteter, 
fädiger  und  büschelig  verzweigter  oder  gegabelter  Fäden  an  die  Ober- 
fläche. Dieselben  sehen  ebenso  olivenbräunlich  aus,  wie  die  Sporen, 
die  sich  an  ihren  Spitzen  abschnüren.  Die  Sporen  sind  sehr  ver- 
schiedengestaltig,  meist  etwas  schmal  keulenförmig  oder  verschmälert 
eirund,  am  vorderen  Ende  zugespitzt,  einzellig,  nur  zuletzt  durch  eine 
Scheidewand  zweizeilig.  Das  Eindringen  des  farblosen  Keimschlauches 
in  die  Blattoberhaut  wurde  noch  nicht  beobachtet,  doch  sah  man  an 
Blättern,  deren  Oberhaut  durch  zu  grosse  Trockenheit  aufgerissen  war, 
die  Keimschläuche  unmittelbar  in  die  blossgelegten  Zellschichten  hin- 
einwachsen. Während  man  früher  dem  Blattbrand  eine  grosse  Be- 
deutung nicht  beimass,  hat  sich  gegenwärtig  doch  herausgestellt,  dass 
er  den  Obstbau  ganz  bedeutend  schädigen  kann.  Tritt  er  auf  den 
Früchten  auf,  sp  kann  die  ganze  Ernte  entwerthet  werden,  und  findet 
er  sich  nur  auf  den  Blättern,  so  wird  das  Allgemeinbefinden  der 
Pflanze  in  der  nachtheiligsten  Weise  beeinflusst,  da  das  Laub  funktions- 
los wird,  also  nicht  im  Stande  bleibt,  den  für  das  Gedeihen  und 
Wachsen  der  Pflanze  unerlässlichen  Gasaustausch  zu  vermitteln.  Die 
jungen  Zweige  bleiben  dünn,  reifen  nicht  aus;  es  bilden  sich  nur  un- 
genügend Reservestoffe  etc.  Auf  Entstehung,  Ausbreitung  und  Wir- 
kung des  Uebels  haben  Bodenbeschaffenheit  und  Klima  einen  grossen 
Einfluss.   In  schwerem  Boden  tritt  die  Krankheit  heftiger  auf,  als  in 


Krankheiten  der  Apfelbarnnblfttter.  ß77 

leichtem,  ferner  wirkt  ungünstig  regnerische  Witterung,  dichter  Stand 
-der  Bäume  etc.  Als  Massregeln  vorbeugender  Art  siod  zu  nennen : 
Drainage  des  zu  nassen  und  zu  wenig  durchlässigen  Bodens,  offene 
Pflanzung,  Auswahl  widerstandsfähiger  Sorten,  Schutz  der  Bäume 
gegen  Frühlingsregen,  Beseitigung  bez.  Vernichtung  der  vom  Pilze 
befallenen  Blätter  und  Früchte,  Anwendung  von  Abtrittdung,  ver- 
mengt mit  Holzasche  und  Thomasphosphatmehl  in  reichlichen  Gaben. 
Direkt  hat  man  mit  Erfolg  die  Bestäubung  der  Blätter  mit  Schwefel- 
blüthe  mittelst  eines  einfachen  billigen  Schwefelblasebalges  und  Be- 
sprengung  derselben  mit  Bordelaiser  Brühe  angewendet. 

Eine  weitere   für's  Laub    der  Apfelbäume   gleich   verderbliche 
Krankheit  ist  der  „Mehlthau",  hervorgerufen  durch   das  Oidium 
farinosum  Gooke.    Das  Uebel  zeigt  sich  bereits  im  Frühjahr,  und 
zwar  zur  nämlichen  Zeit,  da  die  ersten  jungen  Blättchen  aus  der 
umseUiesseBden  Knospenhülle  hervortreten  und  sich  aufzurollen  be- 
ginnen. An  ihnen  erscheint  der  Mehlthau  in  Gestalt  eines  zuerst  ziem- 
lich dicken,  anfangs  schneeweissen,  später  gelblichhellgrauen,  lockeren, 
abwischbaren  Ueberzugs  von  mehlartiger  Beschaffenheit.     Das   auf 
der  Oberfläche  der  Blätter  gleichmäßig  vertheilte  Pulver  färbt  ab 
und  zeigt  deutlich  einen  Schwammgeruch.     Es  werden    aber   nicht 
bloss  die  jungen,  zarten  Laubblättchen,  sondern  auch  die  jungen,  in 
der  Entwickelung  begriffenen,  noch  grünen  und  krautartigen  Triebe, 
wie  nicht  minder  kurze  Zeit  später  die  Blüthenknospen  vom  Mehlthau 
befallen.    Die  Blätter  bleiben  in  Folge  dessen  im  Wachsthum  zurück, 
werden  verkrüppelt  und  missgestaltet,  zeigen  nicht  selten  auch  eine 
nicht  unbeträchtliche  Hypertrophie.    Die  bepilzten  jungen  Triebe  sind 
widerstandsfähiger,  doch  wird  ihr  Wachsthum   allmählich  schwächer 
und  erreicht  bald  ein  Ende.    Gewöhnlich  bricht  aber  dann  statt  des 
absterbenden  seitlich  ein   anderer  Trieb  hervor,  dem  oft  noch  ein 
dritter  folgt    Die  Blüthen  entfalten  sich  gar  nicht  normal,  sondern 
vertrocknen  und  fallen  ohne  Fruchtansatz  ab.    Durch  die  Mehlthau- 
kraokheit  wird  nicht  bloss  die  zeitweilige  Ernte  vernichtet,  sondern 
der  Baum  durch  den  fortwährenden  Anreiz  zur  Bildung  neuer  Blätter 
und  Triebe  und  durch  die  dieser  Neubildung  auf  dem  Fusse  folgende 
Vernichtung  derselben  so  geschwächt,  dass  auch  spätere  Ernten  un- 
möglich werden  und  er  abstirbt.    Das  Oidium  farinosum  Cooke  ist 
verschieden  von  dem  echten  Apfelmehlthau  (SphaerothecaCastag- 
neiL6v.  f.  Mali)  und  hat  noch  niemals  Schlauchfrüchte  beobachten 
lassen.    Es  bildet  auf  der  Oberfläche  der  ergriffenen  grünen  Pflanzen- 
theile  ein  reich  verzweigtes,  farbloses  Fadengeflecht,  auf  dem  senk- 
recht  oder   schräg   zahlreiche  Co  nid  ien  träger,   aus    breitelliptischen 
Zellen  zusammengesetzt,  aufsteigen,  von  denen  die  oberste,  die  Schei- 
telzelle, als  Gonidie  abgeschnürt  wird.    Durch  gelappte   oder  finger- 
artige Ausstülpungen  heftet  sich  das  Geflecht  fest  an  die  Unterlage 
An.    Gleichzeitig  dienen  diese  Ausstülpungen  (Haustorien)  der   Er- 
nährung des  Pilzes,  da  sie  die  Zellen  der  unmittelbar   befallenen 
Theile  ihres  Zellsaftes  berauben.    Unter  ihrer  Einwirkung  werden  die 
betreffenden  Organe  braun,  welk  und  sterben  schliesslich  ab.    Die 
Verbreitung  des  Uebels  ist  eine  sehr  weite.    Dasselbe  tritt  in  Öster- 
reich, Ungarn,  Siebenbürgen,  im  südlichen  und  mittleren  Deutsch- 


678  Krankheiten  der  Apfelbaamblitter. 

land,  Nordfrankreich  und  England  auf.  Es  ergreift  mehr  oder  we- 
niger alle  Apfelsorten,  am  heftigsten  die  feinsten  und  werthvollsten 
(in  Tirol  z.  B.  den  Rosmarinapfel).  Zur  Bekämpfung  des  Uebels  wird  wie 
bei  Bekämpfung  des  Mehlthaues  der  Reben  Schwefelpulver  und  Borde- 
laiser  Brühe  angewandt. 

Eine  dritte  Krankheit  des  Laubes  der  Apfelbäume,  der  „echte 
Mehlthau",.  wird  durch  einen  andern  Mehlthaupilz  hervorgerufen,  die 
Sphaerotheca  Gastagnei  L6v.,  der  aber  nicht  bloss  Conidiensporen, 
sondern  auch  Früchte  mit  Sporenschläuchen  erzeugt.  Anfänglich  er- 
scheint derselbe  in  Gestalt  kleiner,  leichter,  weisslicher  Tupfen  auf 
der  Oberseite  der  Apfelbaumblätter.  Bei  fördernder  Witterung  ver- 
größern sich  die  Tupfen  bald,  verschmelzen  mit  einander  und  bilden 
schliesslich  einen  zusammenhängenden  Ueberzug,  in  welchem  Falle 
die  Bildung  von  Sporen  eine  so  reichliche  werden  kann,  dass  das 
Blatt  ganz  dick  mit  Mehl  überpudert  scheint.  Das  Wachsthum  der 
Blätter  und  Triebe,  die  Streckung  der  Internodien  bleiben  zurück, 
Blätter  und  Triebe  sterben  in  schweren  Fällen  wohl  auch  ab,  die 
Blüthen  vergrünen  u.  s.  w.  Schlauchfrüchte  hat  man  bis  jetzt  nur  an 
den  jungen  Trieben  und  Blattstielen  im  Glashause  zurückgehaltener 
Apfelbäumchen,  nicht  im  Freien  gefunden.  Sie  scheinen  nur  an  durch 
Kultur  schwächlich  gewordenen  Nährpflanzen  aufzutreten.  Der  Schäd- 
ling überwintert,  indem  an  den  stark  vom  Pilze  umsponnenen  Trieben 
schwächlicher  (etiolirter)  Apfelbäumchen  sich  das  Fadengeflecht 
zwischen  den  äussern  Knospenschuppen  ansiedelt  und  entwickelt 
Auf  der  Aussenseite  erscheinen  die  Knospen  dann  gänzlich  von  dem 
reichlich  Conidien  abschnürenden  Geflecht  überzogen.  Die  ketten- 
förmig verbundenen  Conidien  der  ersten  Entwickelungsstufe  des  Pilzes 
sind  breit  eirund,  am  Grunde  etwas  verbreitert  abgeplattet,  farblos 
und  6tehen  auf  gerade  aufrechten,  langen  und  dünnen,  septirten 
Trägern.  Die  auf  den  Trieben  und  an  den  Blattstielen  erscheinend«! 
Schlauchfrüchte  (Perithecien)  sind  von  dunkelbrauner  Farbe,  fast 
kugelig,  von  oben  nach  unten  etwas  zusammengedrückt,  ziemlich 
klein,  aber  unter  sich  von  gleicher  Grösse  und  treten  immer  gesellig 
auf.  Innerhalb  der  Perithecien  findet  sich  nur  ein  derbwandiger, 
hellbrauner  Schlauch  mit  8  eirunden  bis  cllipsoidischen,  einzelligen, 
farblosen  Sporen.  Am  Grunde  der  Perithecien  entspringen  meist 
sechs  (selten  mehr)  cylindrische,  aufstrebende,  ziemlich  lange,  zellig 
abgetheilte,  zuweilen  etwas  geknickt  wellige,  unten  tiefbraune,  gegen 
die  kegelförmige  gerade  Spitze  hin  farblos  werdende  Stützfäden, 
zwischen  denen  zuweilen  noch  kurze,  braune,  haarförmige  Aus- 
stülpungen der  fünfseitigen  Kapselfelder  erscheinen. 

O.  E.  R.  Zimmermann  (Chemnitz). 


Institute  (Tollwuth).  579 

Institute. 


Finkelstebi,  J.  M.,  Bericht  für  das  Jahr  1890  aber  die 
Pasteur'sche  antirabische  Station  am  Militär-medi- 
cinischen  Laboratorium  des  Kaukasischen  Militär- 
kreises zu  Tiflis.  (Protokolle  d.  Verh.  d.  Kaiserl.  Med.  Kaukas. 
Gesellsch.  1891.  Nr.  19.  S.  607  u.  ff.)  [Russisch.] 

Im  Jahre  1890  wurden  94  Patienten  aufgenommen,  1889  waren 
88  und  1888  (das  erste  Jahr  des  Bestehens  der  Station)  31. 

Von  diesen  94  waren  gebissen:  von  notorisch  wuthkranken 
Thieren  23,  von  Thieren,  die  zur  Sektion  kamen,  19,  von  verdächtigen 
Thieren  60,  endlich  von  ganz  gesunden  Thieren  2.  Eine  erfolgreiche 
Kauterisation  mit  Ferrum  candens ,  Acidum  nitricum ,  oder 
starker  Karbolsäurelösung,  ausgeführt  im  Verlaufe  der  ersten  Stunde 
nach  dem  Bisse  —  fand  8  mal  statt,  erfolglose  Kauterisation  (später 
als  nach  1  Stunde)  —  24 mal,  und  ohne  jegliche  Kauterisation  blie- 
ben 62  Fälle.    Aehnliche  Zahlen  gab  das  Jahr  1889. 

Die  gebissenen  Wunden  waren  in  58  Fällen  multipel,  in  36  ein- 
fach. Dieselben  nahmen  folgende  Stellen  ein:  Kopf  und  Gesicht 
J5  mal,  Hände  33,  Extremitäten  42  und  den  Rumpf  4  mal.  Im 
Ganzen  wurden  51  Personen  in  die  entblössten  Körpertheile  ge- 
bissen. 

Das  Alter  der  Gebissenen:  von  6!/j  Monaten  bis  18  Jahre 
27  Personen,  von  19—45  Jahre  58,  von  45—47  9.  Männer  waren 
76,  Frauen  18. 

Die  Kranken  kamen  zur  Station,  nachdem  seit  dem  Bisse  folgende 
Zeiträume  verflossen  waren: 

Nach  1—4  Tagen  20  Personen,  5—7  Tagen  29  (also  in  der 
ersten  Woche  nach  dem  Biss  49),  in  der  zweiten  Woche  33,  der 
dritten  7,  der  vierten  4,  der  fünften  1.  Unter  den  beissendcn 
Thieren  waren  75  mal  Hunde,  15  mal  Wölfe,  1  Schakal,  1  Katze, 
1  Pferd  (und  1  ?  Ref.).  Nicht  uninteressant  ist  es,  dass  das  meiste 
Kontingent  der  Soldatenstand  lieferte:  35  (darunter  5  Offiziere  und 
1  Kind),  darauf  Bauern,  vertreten  mit  31  Fällen,  Bürger  mit  9  Fällen, 
Beamte  und  deren  Kinder  mit  5,  Edelleute  mit  4,  verabschiedete 
Soldaten  nebst  deren  Kindern  3,  Kolonisten  3,  Kaufleute  2,  und  Sohn 
eines  Geistlichen  1  Fall. 

Am  meisten  wurden  aus  dem  Tifliser  Gouvernement  aufgenom- 
men, 24  Personen,  sodann  aus  dem  Kutafe'schen  22,  dem  Kars'schen 
Kreise  16,  dem  Erivan'schen  6,  aus  dem  übrigen  Kaukasus  20  und 
von  ausserhalb  6.  Nach  der  Nationalität  waren  am  meisten  vertreten 
Russen  39,  Grusier,  Emeretiner,  Mingrelier,  Gurier  und  Lasen  25, 
Armenier  12,  Lesginer  6,  Polen  4,  Esthen  3,  Juden  2,  Deutsche, 
Lithauer  und  Kurden  je  1.  Hierbei  wiederholt  sich  also  dasselbe 
wie  im  Vorjahr,  dass  namentlich  aus  dem  östlichen  mohamedanischen 
Kaukasus  weit  weniger  Gebissene  ankommen,  trotzdem  daselbst  so- 
wohl an  wuthkranken  Hunden  wie  an  Wölfen  kein  Mangel  ist.   Sehr 


<}80  Institut«  (Tollwttth). 

zahlreich  Tertreten  ist  das  Kutals'sche  Gouvernement  und  in  diesem 
weder  der  Osurget'sche  Kreis. 

Die  am  meisten  unglückbringende  Jahreszeit  war  der  Sommer 
mit  29  Fällen,  hierauf  das  Frühjahr  sowie  der  Herbst  mit  je  24  Fällen 
und  der  Winter  mit  17.  Die  einzelnen  Monate  gaben  folgende  Ziffern: 
Der  I.  Monat  gab  5  Fälle,  der  II.  7,  der  HL  10,  der  IV.  7,  der  V. 
7,  der  VL  16,  der  VII.  11,  der  VIII.  2,  der  IX.  9,  der  X.  9,  der  XL 
6,  und  der  XII.  5  Fälle. 

Was  die  Injektionsmethode  anbelangt,  so  ist  F.  von  der  über- 
grossen Furcht  vor  kräftigen  Emulsionen,  sowie  von  grösseren  Zahlen 
der  Einspritzungen  and  Einbringung  eintägigen  Marks  abgekommen 
So  wurden  im  ersten  Jahre  des  Bestehens  der  Station  ca.  20  In- 
okulationen pro  Patient  gemacht,  später  aber  30—32  und  bei  schweren 
Bissen  bis  zu  45.  Auch  nimmt  F.  auf  1  ccm  Emulsion  1li  cm 
Rückenmark.  Trotz  alledem  wurde  die  Beobachtung  gemacht,  dass 
-das  Allgemeinbefinden  der  betreffenden  Patienten  zum  Ende  der  Kar 
und  bald  darauf  sich  bedeutend  besserte,  namentlich  bei  vorher 
anämischen  und  schlecht  genährten.  Die  1890  geübte  Spritzmethode 
war  folgende: 


I.  Serie. 

IL  Serie. 

1. 

Tag 

12- 

tägiges  Mark 

10. 

Tag  8-tägiges  Mark 

11 

10 

99 

91 

91 

7 

ii 

91 

n 

8 

11 

99 

11. 

»9 

6 

19 

W 

2. 

99 

6 

99 

99 

99 

5 

91 

19 

99 

5 

19 

91 

12. 

99 

5 

91 

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99 

4 

99 

11 

99 

4 

91 

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3. 

99 

4 

99 

»9 

13. 

19 

4 

11 

W 

99 

3 

99 

91 

19 

3 

11 

11 

99 

2 

99 

19 

14. 

11 

3 

11 

99 

4. 

99 

2 

99 

11 

91 

2 

19 

91 

•9 

1 

9» 

11 

15. 

99 

2 

99 

91 

5. 

91 

1 

99 

11 

16. 

11 

1 

99 

99 

6. 

19 

5 

91 

11 

17. 

11 

ö 

19 

91 

7. 

91 

4 

99 

11 

11 

4 

11 

99 

99 

3 

91 

19 

18. 

19 

3 

11 

99 

8. 

91 

2 

11 

91 

91 

2 

11 

11 

91 

1 

19 

99 

19. 

11 

1 

1» 

91 

9. 

99 

1 

9) 

«1 

Es  wird  also  32— 36  mal  gespritzt,  u.  z.  26— 28  mal  mit  intensivem 
5—1- tagigen  Mark.  In  ernsten  Fällen  (Wolfsbisse  etc.)  wird  in 
den  ersten  3  Tagen  3  mal  gespritzt,  und  darauf  2  mal  täglich  bis 
zu  Ende;  zusammen  40 — 45 mal.  Es  kommt  noch  zu  einer  III.  Serie, 
und  damit  die  Kur  statt  18—19  Tage  25—30.  Ja  F.  ist  nicht  ab- 
geneigt, in  Zukunft  bei  schweren  Fällen  6  Einspritzungen  am  Tage 
zu  verabfolgen,  wie  es  bereits  in  der  Odessaer  Station  ausgeführt  wird. 

Gestorben  sind  von  94  Personen  5  (hierunter  3  Kinder,  11,  12 
und  14  Jahre),  von  denen  1  nach  Hundebiss,  1  nach  Schakalbiss 
und  3  nach  Wolfsbiss.  Bei  4  waren  die  Wunden  am  Kopf  und  Ge- 
sicht und  bei  einem  an  der  Handwurzel.  Die  Wuthkrankheit  war 
bei  einem  noch  während  der  Behandlung  ausgebrochen,  bei  3  aber 


Institute  (ToUwuth.)  681 

noch  bevor  15  Tage  nach  der  Kar  verstrichen  waren,  d.  h.  also  noch 
ehe  die  Injektionen  volle  Zeit  hatten  (nach  Pasteur  nicht  vor  25 
Tagen)  ihre  Wirkung  zu  entfalten.  Ausserdem  waren  alle  5  zur 
Station  12—14  Tage  nach  stattgehabtem  Biss  angelangt 

So  sind  also  gestorben  in  Folge  von  manifester  Wirkungslosig- 
keit der  Kur  blos  einer. 

Seit  Bestehen  der  Station,  also  im  Zeiträume  von  1888  bis  1890 
inkl.  (21/»  Jahre)  wurden  beinahe  200  von  tollen  Hunden  gebissene 
Personen  behandelt,  von  denen  blos  einer  starb,  was  0,5%  ausmacht. 
Dieses  Resultat  ist  nicht  besser  und  nicht  schlechter,  als  in  den  anderen 
Stationen.  Rechnet  man  aber  alle  stattgehabten  Todesfälle,  so  steigt 
die  Sterblichkeit  innerhalb  21/,  Jahren  auf  3,7%. 

Schliesslich  wurden  35  Sektionen  verdächtiger  Hunde  gemacht, 
und  40  Personen  wurde  eine  antirabische  Behandlung  verweigert, 
weil  sich  keine  Hautwunde  nachweisen  Hess. 

L.  Heydenreich  (Wilna). 

Perdrlx,   Les   vaccinations  antirabiques  k  l'Institut 
Pasteur   en     1890.      (Annales    de    llnstitut    Pasteur.    1891. 
No.  5.  p.  344.) 
Im  Jahre  1890  wurden  1546  Personen  im  Institut  Pasteur  mit 
antirabischen  Schutzimpfungen   behandelt,  von   denen   11  nach  Be- 
endigung der  Behandlung  verstarben  =  0,71  °/0.    Unter  diesen   11 
Personen  erlagen  6  innerhalb  der  nächsten  15  Tage  nach  dem  Ende 
der  Injektionen  und  sollen  deshalb,  da  nach  Massgabe  der  Thier- 
vereuche  bei  ihnen  die  Infektion  der  Nervenzentren  bereits  während 
der  Behandlung  sich  ausgebildet  haben  musste,  nicht  zu  Lasten  der 
letzteren  gerechnet  werden  dürfen.    Es  verbleiben  somit  nur  5  Todes- 
fälle =  0,32  °/o- 

Die  Zahlen  der  letzten  Jahre  sind  folgende: 

1886  behandelt  2671,  gestorben  25  =  0,94  °/0 

1887  „  1770,  „  13  =  0,73  „    • 

1888  „  1622,  „  9  —  0,55  „ 

1889  „  1830,  „  6  =  0,33  „ 

1890  „  1540,  „  5  —  0,32  „ 

In  Bezug  auf  die  Oertlichkeit  des  Bisses  ergibt  die  Statistik 
pro  1890: 

Bisse  am  Kopf,  Mortalität  von  0,85  °/0 

„    an  den  Händen,  Mortalität  von  0,45    „ 

„    an  Gliedern  und  Rumpf,  Mortalität  von    0,0    „ 
Die  Statistik   der  Behandelten  lässt  ersehen,   dass   in   einigen 
Departements  von  Frankreich  die  Hundswuth  abgenommen  hat  (Seine, 
Finist&re  u.  s.  w.),  während  in  anderen  Gegenden  wahre  Epidemieen 
vorkamen  (Rhone,  Alpes-Maritimes).  Buchner  (München). 


Q82  BakteriologbebM  rom  VIL  JaUnutttowl—  Kongnta   in  Loadon. 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10.-17.  August  1891, 

(Fortsetzung.) 

Sektion  fflr  Bakteriologie. 

Diese  Vorgänge  sind  von  Metschnikoff  entdeckt  und  als 
Phagocytose  bezeichnet  worden.  Die  Phagocyten  (tbefls  weisse 
Blutkörperchen  verschiedener  Art,  theils  Endothelien)  haben  eines 
gemeinsamen  mesodermalen  Ursprung  und  besitzen  die  gemeinsame 
Fähigkeit,  aufgenommene  Körperchen  zu  verdauen.  Von  allen  Zellen 
der  höheren  Thiere  sind  sie  die  einzigen,  welche  noch  die  intracella- 
läre  Verdaunng  zeigen,  und  die  Veränderungen,  welche  wir  an  den 
aufgenommenen  Bakterien  im  Innern  der  Phagocyten  wahrnehmen, 
sind  in  der  That  eigenartige,  verschieden  von  denen  beim  Zagrunde- 
gehen der  Bakterien  in  den  Kulturen;  sie  quellen  auf,  dann  werden 
die  Kontouren  undeutlich,  und  es  erfolgt  wahre  Verdauung.  Ganz 
ebenso  erfolgt  der  Vorgang  bei  den  verschiedensten  Infektionskrank- 
heiten; je  widerstandsfähiger  die  Thierspezies  ist,  um  so  rascher 
werden  die  Mikrobien  von  Leukocyten  aufgenommen;  umgekehrt, 
wenn  das  Thier  empfänglich  ist  und  keinen  Widerstand  leistet,  so 
bleiben  die  Mikroben  frei  und  es  fehlt  die  Phagocytose.  Es  scheint 
demnach,  dass  die  Phagocyten  mit  der  Verteidigung  des  Körpers 
betraut  sind,  und  dass  sie  in  der  That  mit  den  Parasiten  in  Kampf 
gerathen.  Aber  es  fragt  sich,  ob  die  Immunität  in  der  That  auf  der 
Phagocytose  beruht,  ob  nicht  etwa  im  Gegentheil  das  Auffressen 
der  Infektionserreger  erst  durch  den  schon  vorher  bestehenden 
immunen  Zustand  ermöglicht  wird? 

Man  weiss,  dass  die  Leukocyten  geneigt  sind,  todte  Körperchen, 
Karmin,  Kohle  u.  dgl.  aufzunehmen.  Wenn  sie  also  im  immunen 
Organismus  die  Infektionserreger  auffressen,  so  geschieht  dies  viel- 
leicht nur,  weil  letztere  sich  unter  ungünstigen  Bedingungen  befinden 
und  sich  deshalb  gleichsam  wie  todte  Körperchen  verhalten.  Diese 
Meinung,  welcher  der  Vortragende  selbst  früher  beigepflichtet  hatte, 
wurde  von  demselben  wieder  aufgegeben  angesichts  der  zahlreichen 
Beweise  dafür,  dass  die  Bakterien  keineswegs  in  degenerirtem  Zu- 
stand, sondern  noch  in  voller  Lebensfähigkeit  aufgefressen  werden. 
Beispielsweise  beim  Frosch  gibt  es  eine  Septikämie,  verursacht  durch 
sehr  bewegliche  Bacillen;  man  kann  die  letzteren  ihre  Bewegungen 
noch  im  Innern  des  Protoplasmas  der  Phagocyten  fortsetzen  sehen, 
was  beweist,  dass  die  Bacillen  lebend  aufgenommen  werden.  Metsch- 
nikoff gelang  es  sogar,  von  einem  bereits  aufgefressenen  Milz« 
brandbacillus  noch  eine  Kultur  herzustellen,  und  diese  Kultur  war 
virulent 


Bakteriologisches   vom  VII.  roternfttionftlea  Kongress  in  London.  gg3 

Ein  anderer  Beweis  für  die  Wichtigkeit  des  Phagocytismus  liegt 
darin,  dass  auch  beim  immunen  Thier  die  Mikroben  sich  vermehren, 
wenn  sie  nur  vor  den  Angriffen  der  Leukocyten  geschützt  sind;  z.  B. 
bei  Verimpfung  in  die  Vorderkammer  eines  immunisirten  Kaninchens, 
wo  die  Fresszellen  mangeln,  wachsen  die  Milzbrandbacillen  anfangs 
sehr  gut,  und  ihre  Vermehrung  cessirt  erst,  wenn  die  in  genügender 
Zahl  zugewanderten  Zellen  sie  aufgenommen  haben.  Und  die  Milz- 
brandsporen keimen  in  der  Subcutis  immunisirter  Kaninchen,  wenn 
man  dieselben  durch  Einschluss  in  ein  kleines  Papiersäckchen  oder 
durch  Umhüllung  mit  etwas  Watte  vor  den  Angriffen  der  Leukocyten 
beschützt  Alle  Bacillen  aber,  die  ausser  die  schützende  Umhüllung 
gerathen,  werden  aufgefressen  und  an  ihrer  Weiterentwickelung  ver- 
hindert. 

Die  Phagocytose  ist  demnach  eine  sehr  allgemeine  und  für  den 
Schutz  des  Organismus  sehr  wirksame  Einrichtung.  Aber  welche  ge- 
heimnissvolle Kraft  lenkt  die  Zellen  nach  den  Mikroben  hin?  Warum 
sind  die  Leukocyten,  die  sich  beim  immunisirten  Thier  der  Mikroben 
so  leicht  bemächtigen,  hierzu  unfähig  beim  empfänglichen  Thier? 
Metschnikoff  dachte  ursprünglich  an  taktile  Reizung,  aber  es 
handelt  sich  sicherlich  um  Chemotaxis,  ausgeübt  durch  Produkte 
der  Bakterienthätigkeit,  von  denen  einige  anlockend,  andere  dagegen 
negativ,  d.  h.  abstossend  auf  Leukocyten  wirken.  Sobald  ein  In- 
fektionserreger sich  im  Körper  vermehrt,  bildet  er  auch  anlockende 
Substanzen ;  aber  je  virulenter  er  ist,  um  so  energischer  sind  auch 
die  Gifte,  die  er  erzeugt;  daher  kommt  es,  dass  die  Zellen,  welche 
hinznwandern,  in  ihrer  Wirksamkeit  gelähmt  und  zum  Auffressen  der 
Mikroben  unfähig  werden.  Bei  einem  durch  Schutzimpfung  künst- 
lich immunisirten  Thier  dagegen  existirt  eine  gewisse  Angewöhnung 
der  Zellen,  welche  dieselben  befähigt,  die  Mikroben  aufzufressen, 
bevor  letztere  noch  bemerkenswerte  Mengen  von  Toxin  gebildet 
haben. 

Im  Beginn  der  Infektion  also  findet  der  Kampf  statt;  wenn  die 
Leukocyten  nicht  sofort  ihre  Wirksamkeit  entfalten  können,  so  ist  es 
zu  spät,  weil  dann  die  Mikroben  genügend  Gift  gebildet  haben,  um 
die  Wirksamkeit  derselben  zu  unterdrücken.  Deshalb  befördert  jede 
Einwirkung,  welche  die  Leukocyten  von  der  Inokulationsstelle  fern 
hält,  andererseits  die  Infektion;  z.  B.  die  Milchsäure  die  Rausch- 
brandinfektion bei  dem  sonst  immunen  Kaninchen.  Andererseits  er- 
klärt sich  der  merkwürdige  Einfluss  des  Rattenserums,  welches  bei 
Mäusen,  gleichzeitig  mit  Anthraxsporen  injizirt,  die  Entwickelung  des 
Milzbrandes  verhindert,  durch  die  chemotaktische  Wirkung  dieses 
Serums,  welches  sowohl  die  Keimung  der  Sporen  verhindert,  als  auch 
zahlreiche  Leukocyten  anlockt. 

(FortseUnog  folgt.) 


684  *•«•  Lltterator. 

Neue  Litteratur 

De.  Abthub  WOrzbübo, 


Morphologie  und  Systematik. 
Oiard,  A.,  Sur  risaria  densa  (Link)  parasite  da  yer  blanc.    (Compt  read.  T.  CXm.  1891. 

No.  6.  p.  269—872.) 
Kairos ,   B.  9    Le  baeteriam    coli   commune.     (Aren,    de  mW.  expeüm.    1891.    No.  5. 

p.  698—614.) 

Biologie 
(Glhrung,  Faulniss,  StonVechselprodukte  usw.) 

Boutronx,  L.,  8ar  le  fermentation  panaire.     (Compt.  rend.  T.  CX1IL  1891.  No.  4.  p.  105 

—206.) 
Trental,   8nr   la   yariabQiM  dee  proprietes  pathogenet   des  microbes.     (Soc   d.  sdenc. 

mtd.  de  Lyon.)    (Lyon  mM.  1891.  No.  88*  p.  94—96.) 
Hugounenq  et  Brand,   Sur  une  toxalbamioe  schritte  par  an  mierobe   da  pns  bleuer- 

rhsgique.     (Compt.  rend.  T.  CX1II.  1891.  No    8.  p.  146—147.) 
Liboriat,    P.  F.,    Ueber   phosphoresdrende    Bakterien.     (Protok.   sasaid.   obah.  Morsk. 

yrach.  r  Kronstadt.  1890.  p.  161—167.)    [Rastisch.] 
Sigmund,  W.9  Ueber  fettspaltende  Fermente  im  Pflanzenreiche.   (II.  MittheiL)    (Sonderdr.) 

Lex.-8°.    8  p.    In  Comm.  Leipsig  (Freytag)  1891.  0,80  M. 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  rar  «belebten  Katar. 

Luft,  Wasser,  Boden. 

Fratini,  F.,  8al  potere  patogeno  del  saolo  dl  Padora.    (Giorn.  d.  r.  soc.  itaL  dlgiene. 

1891.  No.  7/8.  p  401—460.) 
Lortet,  L.9  Recherche«  sur  les  microbes  pathogenea  des  vases  de  la  mer  Horte.     (Compt 

rend.  T.  CXITJ.  1891.  No.  4.  p.  821—228.) 

Nahrung*-  und  Oenusswuttel,  Gebrauehsgsgenttande. 

Vinay,  C ,  Da  lait  stenHsd.     (Annal.  d'hyg.  pabl.  Vol.  II.  1891.  No.  8.  p.  926—287.) 
Weigmann,  H.,   Zar   Beseitigung  von  Batterfehlern    durch  Anwendung  yon  Bakterien- 

Beinkaltaren   bei  der  Bahmsftaerang.    (Landwirthsehaftl.  Thlenaeht.    1891.     No.  17. 

p.  627—628.) 

Bedehangen  der  Bakterien  nnd  Parasiten  rar  belebten  Kater. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Menschen. 

A.    Infektiöse  AOgemeinkiankMeiten, 

Baymond,  F.,  Sur  les  rapports  de  certaines  affections  da  foie  avec  les  infections  miero- 
biennes,  k  propos  de  deux  cas  d'ictere  termine*  par  la  mort  (ictere  ealouleux,  ictere 
de  la  grossesse).     (Semaine  mW.  1891.  No.  88.  p.  806—808.) 

Malariakrankheiten. 

Moore,  Sir  W.f  Malaria  yersos  more  recogniaable  caotes  of  dlsease.  (Transaet  of  tbs 
epidemiol.  soc  of  London  [1889/90].  1891.  p.  28—46). 

Exanthematische  Krankheiten. 
(Poeken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Böthein,  Scharlach,  Friesel,  Windpocken.) 

Chanvean,  Bar  les  rapports  de  la  yaecine  et  de  la  variole.  (Bee.  de  möd.  yttenn.  1891. 
No.  14.  p.  876—888.) 


Neue  Litterataf.  ß85 

Desplats,  &,  Efllcacite  de  la  revaednation  pour  arreter  une  epldemle  de  variole.   (Joarn. 

d.  scienc.  mW.  de  Lille.  1891.  p.  677— 58S.) 
Jaeooud,  Des  forme«  attenuees  de  la  scarlatine;  scarUtioe  et  Erysipele.    (Gas.  d.  höpit. 

1891.  p.  658—660.) 
ltareschal,  Syphilis  et   vaccination   animale.    (Ballet  de   la  soc.  franc.   de    dermat.   et 

syphiligr.  1891.  p.  11—18.) 
Musatti,  0.,  Contribusione  alla  profilassi  della  scarlattina.     (Arch.  ital.  di  pediatr.  1891. 

p.  74.) 
Perna  da  Salomo,  L ,   Observaciones  hechas  en  la  epidemia   de  viruelas    qae   sufriö   la 

poblaciön  de  Cienfnegos  durante  los  anos   de  1887    ä  88.     (Crön.    med-quir.    de   la 

Habana.  1891.  p.  410—413.) 
Btieker,  A.,  8charlach-Epidemie  und  Enterkrankheit     (Arch.  f.  animal.  Nahrnngsmittelk. 

1891.     Bd.  VII.  p.  4—7.) 

Cholera»  Typhus,  Ruhr,  Gelbfieber,  Pest 

Attimont,   8tatistique  des   cas   de   fievre   typhoide   admis  a  l'Hötel-Dieu  de  Nantes  de 

1849  a  1888.     (Gas.  med.  de  Nantes.   1890/91.    p.  98—101.) 
Consta*  ,   A. ,    et  Dubrulle ,   A.,   Geographie   medicale  de   la  fievre  typhoide.    (Annal. 

d'hyg.  pnbl.  1891.  Vol.  II.  No.  3.  p.  209—225.) 
Hills,  H.  F.,   Typhoid  fever  in  its  relation  to  water-supplies.    (Jonrn.  of  the  N.  Engl. 

water  works  as»oc.,  West  Newton.  1890/91.  p.  149— 160 ) 
Pasquale,  A.,   Ricerebe  batteriologiche  sul  colera  a  Massaoa  e  considerasioni  igieniche. 

(Giorn.  med.  d.  r.  esercito  e  d.  r.  marina.  1891.     No.  8.  p.  1009—1031.) 
Poincare,  Historique  de  la  fievre  typhoide  dans  les  departements  de  l'fiat.     (Bev.  me'd. 

de  l'est,  Nancy.  1891.     p.  198,  230,  261,  327,  858.) 
Pringle,  R.,   Enteric   fever  in  India;  its  increase,  cause«,  remedies  and  probable  con- 

seqnenees.     (Transact   of  the   Epidemiol.    soe.  of  London    [1889/90].  1891.     p.  111 

-132.) 

WnnöWektionskrajikheiteii. 

(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acutes  purnlentes  Oedem,  Pyämie,  8eptikamie, 

Tetanns,  Hospitalbrand,  Pnerperalkrankheiten,  Wundfftulniss.) 

Labadie-Lagrave,  F.,  et  Gonget,  A.,  La  fievre  puerperale  d'autrefois  et  la  fievre  puer- 
perale d'aigoard'hoi.     (Aonal.  de  gynecol.  Oct  1891.     p.  244—288.) 

Kaubrae,  Trois  cas  de  septiclmie  aigue.  (Bullet,  de  la  soc  anat  de  Paris.  1891.  No.  17. 
p.  519—522.) 

InfektioDsgetohwulste. 
(Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulose],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

De  Bonie,  T.,  Serofolosi  e  tubercolosi.    (Arch.  ital.  di  pediatr.  1891.    p.  49—65.) 
Candler,   0.,   The   etiology  of  tuberculosis.    (Lancet.  1891.     Vol.  II.     No.  12.     p.  684 

—685.) 
Davesae,  J.,  Deuzieme  congres  pour  l'eiude  de  la  tuberculose,  tenu  a  Paris  du  27  jaulet 

au  2  aoüt  1891.    (Journ.  de  me'd.  de  Bordeaux.    1891/92.     No.  6,  7.     p.  68 — 56,  61 

—68) 
Brand,  J.,   Des   raisons  qul  semblent  militer  en   faveur  de  la  non  specifieit4  du   gono- 

coqae.     (Bullet  de  la  soc  frane.  de  dermatol.  et  syphiligr.  1891.  p.  231—235.) 
Holmes,   B.,    An  argument  for  the  infeetious  and  parasitie  nature   of  Carcinoma.     (New 

Amer.  Practit.  1891.  p.  289—305) 
Kleiner,  IL,  A  unique  case  of  Syphilide  infection.     (Med.  Becord.  1891.  Vol.  II.  No.  11. 

p    802—808.) 
Payne,  J.  F.  etc.,  A  dlscusslon  on  lupus.  (Brit  med.  Journ.  1891.  No.  1606.  p.  788—789.) 
Williams,  W.  B.,   Bemarks  on  the  pathogeny  of  cancer,    with  special  reference  to  the 

microbe  theory.    (Lancet  1891.  Vol.  II.  No.  11.  p.  606—607.) 

Diphtherie  und  Croup,  Keuchhusten,  Grippe,  Pneumonie,  epidemische  Qenickstarre 
Mumps,  Bflckfsllsfleber,  Osteomyelitis. 

Bowle,  J.,  Case  of  diphtheria  or  eronp  in  Central  Africa.     (Lancet.  1891.  Vol.  II.  No.  12. 

p   661—662.) 
Oornil,  De  la  diphUrie.    (Semaine  m4d.  1891.  No.  48.    p.  868—854.) 


ßgß  Hm«  Uttcrator. 


B.    In/Möe*  LokaOrnnkksken. 

Haut,  Muskeln,  Knochen. 

Peeoo,  G.,  8cabbiosi  stati  earmti  nel  1890.  (Giorn.  med.  d.  r.  esercito  e  d.  r.  msrici 
1891.  No.  8.  p.  1044—1061.) 

O.     EnUmootuche  Krankheiten. 

(Finnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filarie,  Oestraslarre,  Astarit, 

Anchylontornnm,  Trichocephalus,.  Oxyuris.) 

Bailliet,  M.,  Invasion  du  foie  et  da  poamon,  chex  an  porcelet,  per  im  nombre  imme&w 
de  lsnres  da  Uenia  marginauu     (Rec.  demM  vltlrin.  1891.  No.  14    p.  370—373) 

Bontino,  F.,  The  principal  and  most  efficaciou»  means  of  preventing  the  spretd  st 
entosoal  affections  in  man.     (Lancet.  1891.  Vol.  II.  Mo.  8.  p.  419—491,  480—483) 

Rot* 
Babec,  V.,  Observation«  aar  U  morre.    (Arch.  de  med.  experim.  1891.   No.  5.  p.  «13 

— 645.) 

Tollwuth. 

Jobert,  8ar  la  resistance  du  vires  rabiqoe  a  l'eetion  dn  froid  prolong*.     (Compt  n*L 

1891.  T    CXIIL  No.  6.   p.  977—978.) 
Biooehon,  Quelques  points  litigieox  de  la  rage  hnmaine.    (Gas.  hebdom.  de  med.  et  fe 

chir.  1891.  No.  88.  p.  455—456.) 

Ki  vuMu  kern  i  tymdg  Bakterien  und  Farasäen  bei  Tkierem. 


HfMön  Allgememkranuneüm. 

Noeard,  IL,  Snr  le  diagnostic  de  la  lymphangite  episootique ;  nne  lesion  rare  de  ee» 
affeeüon.     (Rec.  de  med.  veterin.  1891.  No.  14.  p.  887—870.) 

Stand  der  Thierseachen  in  Belgien  im  9.  Vierteljahr  1891.  (Veröflfentl.  d.  ksisert 
Gesundh.-A.  1891.  No.  39.  p.  595.) 

Krankheiten  der  Wiederkäuer.  | 

(Rinderpest,  Lungenseache,  Texassenche,  Genickstarre,  Ruhr  and  Diphtherie  der 
Kälber,  Raoschbrand,  entoaootisehes  Verkalben.) 

Froehnar,  B.,  Seuchenartiges  Auftreten  von  gangrinescireiidem  Oedem  unter  Bisdin 
nnd  Schafen.    (Dtsch.  Ztschr.  f.  Thiermed.  1891.  Bd.  XVIIL  No.  1.  p.  68—65.) 

Krankheiten  der  Vielhufer. 
(Rothlanf,  Schweineeenche,  Wildseache.) 

Bang,  B.,  Ueber  Bothlauf-Endocardina  bei  Schweinen.  (Dtsch.  Ztschr.  f.  Thiermed.  1691 
Bd.  XVIIL  No.  1.  p.  87— 48.) 

Krankheiten  der  Hunde. 

Bchantyr,  J.,  Untersuchungen  über  die  Mikroorganismen  der  Hundestaupe.  (P&*  | 
Zuchr.  f.  Thiermed.  1891.  Bd.  XVIII.  No.  1.  p.  1—80.) 

Nagethiere, 

Behaatyr,  J.,  Zur  Aetiologie  des  Gebärflebers  der  Meerschweinchen.  (Dtsch.  Ztoehr.  '• 
Thiermed.  1891.  Bd.  XVIIL  No.  1.  p.  91—96.) 

Wirbellose  Thiere.  ' 

Le  Moult,  Le  parasite  da  hanneton.  (Compt.  rend.  1891!.  T.  CXII1.  No.  5.  p-  *«s 
—874.) 


Heu  Litftentfax.  687 


KrtmkKnUmrr€gemd$  BatUrim  mmd  Paratitm  bm  Pjlamam. 

Armstrong,  L.  H.,  Smut  and  ruat  fungus.  (Florida  dispatch,  fanner  and  fruitgrower, 
Jeck»onviUe,  Fla.,  May  28.  1891.  Mo.  1165.  Vol.  ULI    Mo.  22.  p.  429) 

Arthur,  J.  C,  Loose  smut  of  oata.  (Bull.  85.  1891.  Vol.  II.  Hareh  80.  Purdue  üni- 
versity,  Lafayette.   Ind.  Ag.  Ex.  Sta.  p.  81—107.) 

Bjergaard,  J.  F.,  FreTention  of  rust  in  cereals.  (American  agriculturist,  Uarch  1891. 
Vol.  L.  Mo.  3.  p.  186.) 

De  Calnwe,  F.,  La  botüJlie  bordelaise  et  la  maladie  des  pommes  de  terre.  Experiences 
feite*  dans  la  region  des  Flandres  en  1890.  8°.  87  p.  Bruxelles  (P.  Weiasenbach) 
1891-  1,50  fr. 

Halited,  B.  D.,  Black  rot  of  the  sweet  potato.  (Pop.  Oardening,  April  1890.  Vol.  VI. 
No.  7.     p.  188.) 

>   Tbe  black  knot  of  plnm  and  cherry  trees.     (American  Agriculturist,  May  1891. 

Vol.  L.  Mo.  5.  p.  281.) 

Xunokal  d'Heroulalj,  J.,  et  8ablla,  Fr.,  Contribations  a  l'histoirc  naturelle  d'nne  Coche- 
nille, le  Rhisoecus  falcifer  Kttnck.,  decouverte  dan»  let  serres  da  Museum  et  vivant 
sur  les  meines  de  la  Tigne  en  Algerie.  (Compt.  rend.  1891.  T.  CX1IL  Mo.  4.  p.  297 
-230.) 

Beritaar,  F.  L. ,  Fungous  diseases  of  the  grape  and  other  plante.  12°.  184  p. 
J.  T.  Lovctt  &  Co.     Little  Silver,  M.  J.,  1890  (issued  in  1891). 

,   Leaf-spot  of  the  India-rnbler  tree.     (Orehard  and  Garden,  Little  Silver,  M.  J., 

Jan.  1891.     Vol.  XIII.     No.  1.  p.  6.) 

,  Leaf-spot  of  screw  palm.     (Orcbard  and  Garden,  Little  Silver,  M.  J.,  Jan.  1891. 

Vol.  X1IL    Mo.  1.    p.  6.) 

,  Plnm  Isaf  of  ahothole  fungus.  (Canadian  Horticnltarist,  Grimsby,  Ontario,  Not. 

1890.     VoL  XIII.     Mo.  11.     p.  815—816.) 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwicke- 

lungshenimung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berfleksiehtigung  der  Arbeiten  über  das  Koeh'sche 

Heilverfahren  gegen  Tuberculose, 

Barneh,  8.,   Obserrations   on   tubercolin   at  the  Montefiore  home  for  chronic  invalide. 

(New  York  med.  journ.  1891.     VoL  IL     Mo.  7.     p.  178—182.) 
Ceeeherelli,   A-,    Conti  Ibato   allm   cura  del  Koch  nelle  forme  di  tubercolosi  chirurgica. 

(Morgagni  1891.     Mo.  8.     p.  468 — 196.) 
Xd8n&»  J.  G.,  Termpeutiska  försök  med  det  Kocheka  modlet  mot  tuberkulös.     (Hygiea. 

1891.    p.  448-495.) 
**8«.  J.  B.,  Allgemeine  Untersachang  Aber  die  Frage  der  Behandlung  der  Tuberculose 

nach  Koch»»  Methode.     (Meditsina.  1890.  p.  609,  625,  641,  665.)     [Bassisch.] 
u*  Giaxa,  V.,   et  Guaxnieri,  G.,   Contribution  a  la  connaissance  da  poavoir  bacterieide 

du  Bang.     (Annal.  de  Microgr.   1891.     Mo.  10/H.     p.  474—488.) 
^•^opeau,  H.,  Bor  un  cas  de  mort  et  an  cas  d'ophthalmie  grave  consecutlfs  k  l'emploi 

*•  la  lymphe   de  Koch.     (Ballet,   de    la   soc.    franc.  de  dermatol.  et  syphiligr.  1891. 

p.  89— 98.) 
—  —  i    Sur   l'emploi   de   therapentique   de   la   lymphe  de  Koch.     (Ibid.    1891.     p.  69 

He*meter,  J.  0.,  Acute  miliary  tuberculosis  treated  with  Koch's  tubercolin.     (Maryland 

med.  Journ.  1891.     p.  221—224.) 
Jemaa,  E.,  Süll'  asione  batterieida  del  sangae  di  coniglio.     (RIt.  clin.  e  terapeat.  1891. 

No.  9.    p.  488—492.) 
**g«lson,  X.,  A  case  of  lapas  of  eieren  years  standing  cared  by  the  tubercolin  treat- 

menu    ^Med.  News.  1891.     Vol.  IL     Mo.  12.     p.  826— 327.) 
Joeard,  &,   Sur   l'emploi   de    la   taberculioe  comme  moyen  de  diagnostic  de  la  tuber- 

«Hose  bovine.     (Bullet,  de  l'acad.  de  med.  1891.  Mo.  40.  p.  476—482.) 


688 


Neue  Lltteratuf . 


Pane,  V.,  8nll'  aaione  del  sioro  di  sangue  del  conigUo,   del  cane  e  dal  eolombo  coatro 

il  bacillo  del  carboncbio.     (Riv.  clin.  e  terapeut.  1891.     No.  9.     p.  481—  4M-) 
Petrolf,  V.  V.,  Ueber  die  pathologisch-anatomischen  Veränderungen  der  Organe  bei  tuber- 

culftser  Erkrankang  unter  Kocb'scher  Behandlung.    (Bolnitach.  gas.  Botkina.   1891.  IL 

p.  800.  889,  859,  879.)     [Russisch.] 
Port,   O  ,   Beobachtungen  Aber  die  Verwendbarkeit  des  Tuberculin.  Koebii   in  euratiw 

and  diagnostischer  Besiebung.    (Mfineb.  med.  Wchschr.  1891.  Mo.  89,  40.  p.  682—6*4. 

701—705  ) 
Pnedborski,  L.,  Wyniki  stosowania  piynu  Koch'a  w  sspitalu  starosakonjeh    w  LcdsL 

(Gas.  lekarska.  1891.  Mo.  84,  85.  p    669-876,  688—699.) 
Baimondi,  0.,  Sali'  asione  antisettica  dei  sali  d'idrossilamina.       (Atti  d.  acead.  d.  fis»- 

critici  in  Siena.  1891.     8er.  IV.  Vol.  III.  No.  7/8.   p.  867—977.) 
Banaehcraki,  J.,  Bebandlnng  der  Tuberculose  mit  Prof.  Koch's  Mittel.     (Wojenno-mtdk 

Journal.  1890    p.  86—109.)     [Russisch.] 
Thomson,  J.  8.,  Notes  on  tbe  u*e  of  Kocb's  tuberculin.  (Edinburgh  med.  journ.  1891/91 

Oct.  p.  884-887.) 
Wright,  A.  X.,  On  Wooldridge's  method  of  prodocing  immunity  against  anthrax  bj  tbe 

injeetlon  of  »olutions  of  tissae  fibrinogen.  (Brit.  med.  Journ  1891.  No.  1609.  p.  841— Wi^ 


Inhalt. 


Originalmittheilungen. 

Kluge  T  B. ,  Chemotaktische  Wirkungen 
des  Tnbercnlins  auf  Bakterien.  (Orig.), 
p.  661. 

Schill,  Beitrlge  snr  bakteriologischen 
Technik.  Mit  8  Figuren.  (Orig.),  p.  657. 

Trombetta,  Bargt,  Die  Fäuloissbakterien 
und  die  Organe  und  das  Blut  gans  ge- 
sund getftdteter  Thiere.    (Orig),  p.  664. 

Referate. 

Brentano  und  Tangl,  Beitrag  cur  Aetio- 
logie  der  Pseudoleukämie,  p.  678. 

Boulloehe,  Note  sur  un  cas  de  polyarthride 
suppuree  et  de  myosites  dltermine'es  par 
le  pneumocoque,  p.  674. 

ClaliM,  Note  sur  un  cas  de  purpura  a 
pneumocoqae,  p.   674. 

Kirchner,  Martin,  Orundriss  der  Militär- 
gesundheitspflege,   p.  669. 

Otburn,  Herbert,  The  Pediculi  und  Mallo- 
phaga  affecting  Man  and  tbe  Lower 
Animals,  p.  675. 

Paulus,  Ueber  septische  Allgemeinerkran- 
kung nach  chronischer  Endocarditla, 
p.  679. 


Sehweninger  und  Buni,  Notiaen  über  Feto 
lupiuosus  am  Rumpfe,  p.  675. 

Thumen,  Felix  tob,  Ueber  einige  besonders 
beachten»werthe,  durch  parasitische  Pilse 
hervorgerufene  Krankheiten  der  Apfel- 
baumblätter, p.  675. 

Unna,  Natur  und  Behandlung  de«  Eksem», 
p.  674. 

Institute, 

Finkclstein,  J.  M.,  Bericht  Ar  das  Jsfcr 
1890  ftber  die  Pasteur'sche  antirabbefc 
Station  am  Militär-mt-dicinitchen  Labo- 
ratorium des  kaukasischen  Militlrkreu« 
au  Tiflia,  p.  679. 

Perdrbt,  Les  TaecinarJons  antirabiqucs  » 
l'Institut  Pasteur,  p.  681. 

Originalberichte  aber  Kangrease. 
Bakteriologisches  vom  VII.  inter- 
nationalen Kongress  ffirHygiene 

und  Demographie  au  London, 
10.— 17.  August  1891.   (Fortaeta  ),  p.  66) 
Boux,  Ueber  Immunität,  deren  natürliches 

Vorkommen   und  künstliche  Erzeugung. 

p.  688. 

Heue  Utteratur,  p.  684. 


Frommaniuohe  Buchdrucker«!  (Hermann  Pohl«)  tn  Jen«. 


^  für  -< 

Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Gd  Holt.  Prot  Dr.  Leintet  nn  Profissor  Dr.  Loefler 

ta  Ulpztf  In  OraMmld 

herausgegeben  ton 

Dr.  O.  UMworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band.       -o-       Jen»,  den  5.  December  1891.      -0-         No.  21. 


Frei«  fax  den  Band  (96  Hummern)  14  Mark. 

Jährlieb  erscheinen  iwei  Binde. 

—Hl    Zu  beziehen  durch   alle  Bachhandlangen  nnd  Postanstalten.    %*— 

Die  Redaktion  des  „CentraMatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten'! 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
sätze entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
Ptosen,  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 

Ueber  den  Bau  der  Bakterien. 

Beiträge 

von 

Professor  E.  Zettnow 

in 

Berlin. 

Mit  1  Tafel. 

,1m  Frühjahr  1890  und  Winter  1890/91  habe  ich  mich  vielfach 
jjamit  beschäftigt,  die  Geissein  von  Bakterien  nach  Loeff  le  r  's  vortreff- 
licher Methode  zu  färben.    Bei  diesen  Versuchen  erhielt  ich  bei  einer 
"ix.  44 


690  ÄettnöW, 

Anzahl  von  Organismen  in  recht  deutlichem  Masse  eine  Hülle  gefärbt. 
von  welcher  die  Geissein  ausgehen.  Die  besten  Beispiele  für  dieselbe 
habe  ich  auf  dem  beiliegenden  Lichtdruck  zusammengestellt. 

Spirillum  serpens,  Fig.  1 — 4  in  lOOOfacher,  Fig.  5  in  15t» 
facher  Vergrößerung,  zeigt  die  Hülle  am  klarsten  und  deutlichsten. 
Nicht  nur  in  ein  und  demselben  Gesichtsfeld  liegen  Individuen  mi: 
deutlicher  Hülle  dicht  neben  solchen,  bei  welchen  sich  keine  Spur 
derselben  erkennen  lässt  und  bei  welchen  die  Geissein  dem  Anscheine 
nach  unmittelbar  vom  stark  gefärbten  Bacterium  abgehen,  sondern 
mitunter  zeigen  sogar,  wie  auf  Platte  119  meiner  Geisselaufnahmen, 
zwei  dicht  neben  einander  liegende  Exemplare  dieses  Verhalten.  Die 
Art  und  Weise  der  Präparation  und  Färbung  kann  daher  nicht  die 
Ursache  der  Erscheinung  sein;  ich  bin  der  Meinung,  dass  gewisse 
äussere  Umstände,  wie  solche  in  der  Ernährung,  im  Alter,  Krankheit 
u.  a.  m.  zu  suchen  sind,  den  Grund  zur  Ausbildung  der  Hülle  ge- 
geben haben.  Mit  Kleb 8  undBütschli  halte  ich  denjenigen  Theo 
der  Bakterien,  welcher  sich  mit  den  gewöhnlichen  Kernfarben  leicht  und 
kräftig  färbt,  für  den  eigentlichen,  scheinbar  das  ganze  Bacterium 
bildenden  Kern,  während  ich  den  schwer  und  nur  mit  Beizen  nach 
Loeffler's  Methode  zur  Anschauung  zu  bringenden  Theil  für  das 
Plasma  halte.  Das  letztere  ist  nicht  immer  von  gleicher  Färbbarkeit 
und  wahrscheinlich  von  ungleichmäßiger  Beschaffenheit ;  während  es  bei 
Fig.  1  und  3  ziemlich  gleichmäßig  die  Farbe  aufgenommen  bat, 
treten  bei  Fig.  2  und  4  bedeutende  Unterschiede  auf.  Die  Haupt- 
masse der  Farbe  hat  sich  an  den  äusseren  Rändern  abgelagert. 
während  die  nach  dem  Kerne  zu  liegenden  Theile  beinahe  ungefärbt 
erscheinen.  Eigentümlich  sind  bei  Fig.  1,  3  und  5  die  dem  Kerne 
angelagerten  Kugeln.  Als  ich  dieselben  zum  ersten  Male  erblickte,  hielt 
ich  sie  für  fremde,  zufällig  angelagerte  Organismen,  bin  jedoch  bald 
von  dieser  Vorstellung  zurückgekommen.  Das  Studium  derartiger 
Anlagerungen  bei  anderen  Mikroorganismen  zeigt  doch  ein  anderes 
Aussehen.  Sehr  starke  Vergrösserungen,  etwa  3000fach,  und  Anwen- 
dung von  Sonnenlicht,  um  das  kräftig  gefärbte  Bacterium  zu  durch- 
leuchten, haben  niemals  eine  doppelte  Kontour  an  der  scheinbares 
Anlagerungsstelle  gezeigt;  stets  war  der  Inhalt  des  Kernes  an  solchen 
Stellen  sowohl  bei  okularer  Beobachtung  im  Mikroskop  und  auf  der 
matten  Scheibe  des  photographischen  Apparates,  wie  auch  nach  sehr 
langer  Exposition,  in  Folge  deren  sich  die  Einzelheiten  des  Kernes 
im  Negativ  bereits  gut  markirten,  gleichmässig;  die  bei  so  starken 
Vergrösserungen  auftretende,  den  Kern  umgebende  Doppellinie  setzt 
sich  tadellos  in  den  kugeligen  Abschnitt  fort.  Meist  sieht  man  is 
der  Grösse  verschiedene  halbkugelförmige  Auftreibungen;  nur  einmal 
habe  ich  eine  volle  Kugel  angetroffen,  welche  bei  2000facher  Ver- 
grösserung  vom  Kern  gerade  abgetrennt  erscheint;  diese  Trennung 
ist  auf  dem  Originalnegativ,  sowie  auf  dem  Positiv  gut  zu  erkennen, 
bei  Herstellung  des  Lichtdruckes  und  Verkleinerung  auf  löOOfach 
Fig.  5  jedoch  verloren  gegangen.  Bei  manchen  Exemplaren  zeigte 
jede  Windung  sich  mit  einer  grösseren  oder  kleineren  kugeligen  Ab- 
treibung versehen.  Ich  bin  geneigt,  sie  für  Involutionsformen  zu  halten: 
sehr  schön  kann  man  diese  Erscheinung  bei  Proteus  vulgaris  be- 


ÜeW  den  Bau  der  Bakterien«  691 

obachten,  bei  welchem,  sei  es  in  der  Mitte,  sei  es  an  dem  einen  Ende 
eines  Fadens,  eine  einzige  Zelle,  noch  im  Verband  stehend  mit  den  übrigen, 
dem  Anschein  nach  völlig  gesunden,  sich  zu  einer  Kugel,  besetzt  mit 
Geissein,  umgewandelt  hat  Eine  Untersuchung  an  ungefärbten  Prä- 
paraten von  Sp.  serpens  derselben  Herkunft  ist  leider  unmöglich, 
da  ich  bei  Anfertigung  der  Geisseipräparate  auf  die  Kugelgebilde  nicht 
achtete  und  es  versäumte,  ungefärbte  Trockenpräparate  herzustellen. 
Während  bei  dem  Spirillum  serpens  das  Plasma  den  ganzen  Kern 
umgibt  und  gut  bei  Fig.  2,  schlechter  bei  Fig.  3  die  Theilungs- 
erscheinung  deutlich  zeigt,  ist  dasselbe  bei  vielen  Stäbchen  hauptsäch- 
lich an  den  Polen  angehäuft,  während  es  sich  an  den  Seiten  nicht 
bemerklich  macht  Ein  solches  Verhalten  zeigt  Proteus  vulgaris 
Fig.  6—8,  lOOOfach  vergrössert  Fig.  6  und  7  stellen  denselben  Faden 
vor,  nur  mit  verschiedener  Kraft  kopirt  Bei  Fig.  6  ist  der  Kern 
bereits  tief  dunkel,  während  Plasma  und  Geissein  sehr  hell  erscheinen ; 
versucht  man,  wie  bei  Fig.  7,  die  Geissein  besser  zur  Ansicht  zu 
bringen,  so  verschwindet  das  Plasma  immer  mehr;  auch  im  Negativ, 
in  welchem  die  Unterschiede  schöner  und  deutlicher  sichtbar  sind, 
ist  von  einem  selbst  sehr  geringfügigen  Plasma  an  den  Längsseiten 
nichts  zu  erkennen.  Die  Geissein  treten  gerade  beim  Proteus  in  solcher 
Menge  und  bei  einzelnen  Exemplaren  in  solcher  Fülle  und  Länge  auf, 
dass  sie  den  Kern  mitunter  um  das  Doppelte  an  Masse  übertreffen; 
ich  kann  mich  der  Ansicht  nicht  erwehren,  dass  das  Plasma,  vom 
Kern  bereitet,  sogleich  die  Gestalt  der  Geissei  und  zähere  Konsistenz 
annimmt,  anstatt  ziemlich  gleichmässig  den  Kern  zu  umgeben  und 
die  Geissei  erst  von  seiner  Oberfläche  auszusenden.  Fig.  8  zeigt  am 
oberen  Ende  des  Fadens  eine  kranke  Zelle  mit  viel  Plasma  von  ver- 
schiedenem Grade  der  Färbbarkeit,  ähnlich  wie  beim  Sp i r.  serpens, 
wahrend  am  unteren  Ende  das  Plasma  nicht  so  deutlich  in  der  Kopie 
wie  im  Negativ  hervortritt 

Chromatium  Okenii  oder  eine  ihm  sehr  nahe  stehende  Form 
ist  in  Fig.  9—11  abgebildet;  dasselbe  fand  sich  in  Präparaten  von 
pfirsichblütrothen  Fäulnissorganismen  und  hat  beim  Trocknen  die 
Gestalt  ziemlich  stark  verändert.  In  lebendem  Zustande  beobachtet, 
zeigten  die  Chromatien  eine  länglich  walzenförmige  Form  und  waren 
mit  hellen,  glänzenden  Schwefelkörnern  erfüllt;  die  kleineren  Exemplare 
zeigen  auch  noch  im  Trockenpräparat  eine  walzrunde  oder  bohnen- 
förmige  Gestalt,  die  Oberfläche  war  schwach  pfirsichblütroth.  B  ü  t  s  c  h  1  i 
bildet  in  seiner  Abhandlung  „Ueber  den  Bau  der  Bakterien"  das 
Chromatium  mit  1  Geissei  ab  und  habe  ich  bei  lebenden  Exemplaren 
ebenfalls  nur  1  Geissei  erkennen  können;  auch  im  Trockenpräparat 
zeigen  viele  der  kleineren  nur  diese  eine;  jedoch  spitzt  sich  dieselbe 
stets  zu,  mag  sie  nun  gerade  in  der  Mitte  entspringen  oder,  wie  in 
der  Mehrzahl  der  Fälle,  seitlich;  bei  dem  dritten  Theil  der  beobach- 
teten Chromatien  spaltet  sie  sich  in  mehrere,  3—6  Theile.  Die  Hülle 
gibt Büts chl i  als  ziemlich  schmal,  wenn  auch  völlig  deutlich  bei  leben- 
den Individuen  an ;  dementsprechend  ist  dieselbe  auch  in  den  gefärbten 
Exemplaren  schmal.  Fig.  10  und  11  zeigen  dasselbe  Chromatium 
bei  verschieden  langer  Exposition.  Fig.  10,  sehr  lange  exponirt,  um  die 
Hülle,  welche  sich  ziemlich  kräftig  mitgefärbt  hatte,  zu  zeigen,  lässt 

44» 


694  Zschokke, 

konvexen  Seite,  den  Kern  fast  bis  zum  Pol  überzieht;  an  anderen 
Stellen  berühren  sich  3  Stück  derselben  Gruppe  und  sind  in  ähn- 
licher Weise  getrennt,  nur  ist  die  Plasmazone  noch  deutlicher.  Bei 
allen  4  tritt  sie  nur  auf  der  konvexen,  nicht  auf  der  konkaven  Seite 
der  Spirillen  auf. 

Berlin,  d.  23.  Oktober  1891. 


Die  Parasitenfauna  von  Trutta  salar. 

Von 

Prof.  Dr.  F.  Zschokke 

in 

Basel. 

Die  Beziehungen  zwischen  der  Lebensweise  eines  Thieres  und 
der  Zusammensetzung  seiner  Schmarotzerfauna  sind  bis  heute  nur 
selten  der  Gegenstand  eingehender  Studien  gewesen.  Im  Allgemeinen 
dürfen  wir  allerdings  annehmen,  dass  die  Gewohnheiten  irgend  eines 
Geschöpfes  bestimmend  einwirken  auf  den  Charakter  der  dasselbe 
bewohnenden  Parasitenwelt.  Besonders  wird  mit  der  Frage:  wie  und 
von  was  ernährt  sich  ein  Thier?  gleichzeitig  auch  die  zweite  beant- 
wortet sein:  welche  Schmarotzer  suchen  es  heim?  Durch  die  Nahrung 
wird  die  Grosszahl  der  ungebetenen  Gäste  in  den  thierischen  Körper 
eingeschmuggelt;  mit  der  Natur  der  Nahrungsstoffe  wechselt  auch 
die  der  mit  ihnen  eingeführten  Parasiten.  Verschiedene  Kost  zu 
verschiedenen  Lebensaltern  bedingt  eine  Veränderung  im  Stande  der 
Schmarotzergesellschaft  nach  Vertretung  von  Arten  und  von  Indivi- 
duen. Neben  der  Nahrung  ist  es  die  Wohnung,  das  heimathliche 
Medium,  das  die  Parasitenfauna  eines  Thieres  beeinflosst.  Seine 
Bewegungsweise,  sein  mehr  oder  weniger  enges  Zusammenleben  mit 
verschiedenen  anderen  Wesen,  kurz  seine  Lebensgewohnheiten  im 
weitesten  Sinne  werden  den  Stand  seiner  Schmarotzerwelt  ebenfalls 
bedingen.  So  erscheint  uns  die  Natur  der  Parasitenbevölkerung  nicht 
als  etwas  Zufalliges;  die  Zusammensetzung  der  schmarotzenden 
Fauna  muss  das  Spiegelbild  der  Lebensweise  des  Wirthes  sein.  Ge- 
wohnheiten des  Parasitenträgers  und  Natur  der  Schmarotzer  stehen 
so  in  engster  Wechselbeziehung;  kennen  wir  nur  das  eine,  so  können 
wir  mit  einer  gewissen  Sicherheit  a  priori  auf  das  andere  schliessen. 

Wir  dürfen  wohl  mit  Recht  erwarten,  dass  die  Wanderfische 
Gelegenheit  haben  werden,  sich  mit  Parasiten,  die  sonst  nur  marinen 
Thieren  eigen  sind,  zu  infiziren,  und  daneben  gleichzeitig  Schmarotzern 
von  Süsswasserfischen  zur  Heimath  dienen.  Die  Gewohnheit  des 
Wanderns  wird  sich  in  der  Zusammensetzung  der  Parasitenfauna 
wiederspiegeln.  Es  wird  die  letztere  je  nach  Zeit  und  Art  der  Er- 
beutung des  Wanderfisches  mehr  aus  marinen  Formen  oder  aus  Süss- 
wasserelementen  zusammengesetzt  sein. 

Um  die  Abhängigkeit  der  Entozoenbevölkerung  von  der  Lebens- 


Die  P&rasitarfanna  von  Tratte  salif.  695 

weise  des  Wirthes  durch  ein  Beispiel  zu  beleuchten,  wurden  schon 
vor  zwei  Jahren  die  Resultate  von  Beobachtungen  an  45  Rhein- 
lachsen  veröffentlicht  und  damals  festgestellt  (42),  dass  die  Parasiten- 
fauna der  im  Rhein  gefangenen  Exemplare  von  Trutta  salar  einen 
sehr  scharf  ausgeprägten  marinen  Charakter  besitzt.  Reine  Süss- 
wasserformen  sind  in  ihr  nicht  vorhanden.  Es  entspricht  dieses 
Verhalten  der  von  His  (14)  und  Mie scher  (28)  nachdrücklich 
hervorgehobenen  Thatsache,  dass  „der  Rheinsalm  vom  Aufsteigen  aus 
dem  Meer,  bis  er  verlaicht  hat,  niemals  Nahrung  zu  sich  nimmt  und 
auch  nachher  in  der  Kegel  nicht".  Mit  dem  Aufhören  der  Nahrungs- 
aufnahme wird  auch  die  grosse  Hauptpforte  der  Parasiteninvasion 
geschlossen;  im  Rheinsalm  durften  also  wohl  aus  dem  Meer  mit  in 
den  Fluss  geschleppte  Schmarotzer  der  marinen  Fische,  nicht  aber 
typische  Gäste  der  SQsswasserbewohner  erwartet  werden.  Dies  traf, 
wie  bemerkt,  zu;  doch  schien  es  wünschenswerth,  den  vorläufig  er- 
brachten parasitologischen  Beweis  der  Richtigkeit  des  M  i  e  s  c  h  e  r  *  sehen 
Satzes  durch  Bearbeitung  reicheren  Materials  zu  kräftigen.  Wichtig 
für  die  Beurtheilung  der  Parasitenwelt  des  Rheinsalms  musste  der 
Vergleich  mit  derjenigen  im  Meere  erbeuteter  Lachse  sein.  In  diese  Ver- 
gleichung  mussten,  wo  immer  möglich,  auch  die  in  die  kurzen  Flüsse 
Schottlands,  Skandinaviens,  Finlands  etc.  aufsteigenden  Lachse  ge- 
zogen werden,  die  im  Süsswasser  nicht  so  strenge  dem  Fasten  zu 
huldigen  scheinen,  wie  ihre  rheinischen  Verwandten.  Schreibt  mir 
doch  Dr.  O.  Nordquist:  „Bei  uns  in  Finland  scheint  der  Lachs 
in  dieser  Beziehung  in  verschiedenen  Flüssen  sich  verschieden  zu 
verhalten.  In  einigen  nimmt  er  Nahrung  zu  sich,  in  anderen  nicht, 
was  beim  Angeln  deutlich  hervortritt,  da  er  in  einigen  Flüssen  an- 
beisst,  in  anderen  dagegen  nie  mit  der  Angel  gefangen  worden  ist.** 
Auch  in  Schottland  und  Irland  soll  der  Lachs  im  Süsswasser  an 
manchen  Orten  mit  der  Angel  gefangen  werden.  Für  den  Tay  fasst 
W.  C.  M*  I  n  t  o  s  h  (29),  auf  eingehende  Untersuchungen  sich  berufend, 
seine  Ansicht  in  dem  Satze  zusammen:  „The  true  State  of  matters 
would  seem  to  be  that  tho  salmon  when  in  fresh  water  feeds  rarely 
and  at  intervals,  but  not  from  want  of  voracity,  as  the  Contents  of 
the  stomachs  above  mentioned  show;  and  further,  that  such  food 
is  occasionally  found  in  its  stomach  February  tili  August."  M'  In- 
t o sh  steht  damit  im  Gegensatz  sowohl  mit  K  n  ox  (16),  der  behauptet, 
der  Lachs  nehme  im  Süsswasser  keine  Nahrung  mehr  auf,  nachdem 
er  erst  einmal  das  Meer  besucht  habe,  als  mit  Owen  (33),  der  an- 
nimmt, der  Süsswasserlachs  fresse  gierig,  habe  aber  die  Gewohnheit, 
bei  der  Gefangennahme  die  aufgenommene  Nahrung  wieder  auszu- 
brechen. 

Diese  von  den  Zuständen  im  Rhein  offenbar  abweichenden  bio- 
logischen Verhältnisse  mussten  bis  zu  einem  gewissen  Grade  wieder- 
um ihren  parasitologisehen  Ausdruck  finden.  Durch  die  Vergleichung 
der  Lachsschmarotzer  verschiedener  Lokalitäten  durfte  wohl  eine 
klarere  Beleuchtung  der  Frage  über  den  Zusammenhang  von  Lebens- 
weise des  Wirthes  und  Charakter  der  Entozoenfauna  von  Trutta 
salar  zu  erwarten  sein. 


696  fcschokke, 

Von  129  im  Rhein  gefangenen  Lachsen  worden  die  Eingeweide 
untersucht  Der  Danninhalt  bestand  in  allen  Fällen  ausschliesslich 
aus  jener  dickschleimigen,  gelben  oder  gelbbraunen  Masse,  die  schon 
M'  Intosh  (29)  erwähnt  und  die  von  Mi  escher  (28)  näher  ge- 
schildert wird.  Nahrungssubstanzen  Hessen  sich  nie  erkennen;  nur 
einmal  fanden  sich  im  Dünndarm  Pflanzenfasern  und  einmal  ein 
oberflächlich  verdauter  Gammarus  pulex.  Auch  Miescher 
konnte  in  den  Eingeweiden  der  zahlreichen  von  ihm  untersuchtes 
Rheinlachse  nie  etwas  anderes  konstatiren,  als  zufällig  mit  dem  Fluss- 
wasser geschluckte  Steinchen,  kleine  Stückchen  Grashalm  oder  Pflan- 
zenstengel. Einmal  fand  Miescher  im  Dünndarm  eine  vollkommen 
unverdaute  und  intakte  Insektenlarve,  die  wohl  ähnlich  wie  unser 
Flohkrebs  zufällig,  nicht  beim  Akt  der  Nahrungsaufnahme  mit  dem 
Wasserstrom  in  den  Darm  des  Fisches  gelangt  war.  Nur  einmal 
endlich  traf  der  "mehrmals  erwähnte  Forscher  Reste  von  zwei  Fischen 
—  wahrscheinlich  Leuciscus  —  im  Magen  eines  im  Rhein  gefan- 
genen Lachses.  Von  Zeit  zu  Zeit  soll  während  der  Laichmonate  im 
Gebiete  des  Oberrheins  ein  Lachs  an  der  Angel  gefangen  werden, 
doch  sind  die  darüber  zitirten  Fälle  nicht  verbürgt.  Als  eigenthüm- 
liches  Vorkommniss  sei  noch  erwähnt,  dass  nach  einer  gütigen  Mit- 
theilung von  Prof.  Th.  Studer  in  Bern  der  Magen  eines  in  der 
Aare  gewonnenen  Lachses  zwei  noch  erkennbare  Exemplare  von  Am- 
modytes  lanceolatus  oder  Atobianus  enthielt  Es  würde 
dies  mit  unseren  Vorstellungen  von  der  Wanderdauer  der  Lachse 
stromaufwärts  nicht  im  Einklang  stehen.  Doch  bemerkt  Studer 
selbst,  dass  die  Angaben  des  Fischers,  der  den  betreffenden  Lachs 
in  der  Aare  erbeutet  haben  will,  mit  Vorsicht  aufzunehmen  seien. 

Von  den  129  untersuchten  Rheinsalmen  erwiesen  sich  125  ab 
Parasitenträger,  vier  waren  frei  von  Schmarotzern.  Ueber  die  Natur 
und  das  Vorkommen  der  Entozoen  im  grossen  Wanderfisch  des 
Rheines  mag  die  nebenstehende  Tabelle  eine  vorläufige  Uebersicht  ge- 
statten. 

Die  Parasitenfauna  des  Rheinlachses  wäre  somit  aus  der  statt- 
lichen Zahl  von  mindestens  zwanzig  Arten  zusammengesetzt  Doch 
dürfen  aus  dieser  Menge  nur  etwa  vier  oder  fünf  Formen  als  häu- 
figere, theilweise  fast  regelmässige  Vorkommnisse  betrachtet  werden 
(Ascaris  capsularia,  Distomum  varicum,  Bothrio- 
cephalus  infundibuliformis,  Rhynchobothrium  palea- 
ceum  und  Tetrarhynchus  macrobothrius).  Die  übrigen 
Arten  suchen  den  Rheinlachs  relativ  selten  heim. 

Von  den  häufig  wiederkehrenden  Parasiten  können  wir  gleich- 
zeitig aber  auch  sagen,  dass  sie  in  ihrem  Träger  in  grösster  Indi- 
viduenzahl  schmarotzen.  Ascaris  capsularia  wurde  oft  sehr 
zahlreich  in  ein  und  demselben  Wirth  nachgewiesen;  20—40  Wür- 
mer in  einem  Fisch  waren  keine  Seltenheit;  manchmal  finden  sich 
indessen  auch  nur  vereinzelte  Exemplare  des  Parasiten.  Distomum 
varicum  war  häufig  in  der  Zahl  von  30—50  Individuen  im 
Schlünde  des  Wirthes  festgesogen.  Nach  Kerbert's  brieflicher 
Mittheilung  istD.  varicum  in  den  holländischen  Lachsen  keine  Sei; 
tenheit;  dagegen  fand  unser  Gewährsmann  dort  nie  D.  Miescheri 


bie  ^arftsitenfaunft  von  trutU  salair. 


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($98  Zschokke,  Die  ParmaitenfaiuiA  von  trntt»  salaf . 

oder  D.  reflexum.  Auch  von  Bothriocephalas  infun- 
dibuliformis  verzeichnen  meine  Listen  einzelne  Fälle  massen- 
haften Vorkommens,  meist  aber  handelte  es  sich  am  vereinzelte  oder 
wenige,  oft  schwache  und  abgemagerte  Exemplare.  Als  Mittelzahl 
der  vorhandenen  Individuen  dürfen  wir  6—8  annehmen;  wir  werden 
denselben  Werth  bei  den  Meerlachsen  sehr  viel  höher  zu  notireo 
haben. 

Rhynchobothrium  paleaceum  und  Tetrarhy nchos 
macrobothrius  brachten  es  auf  20 — 25  Individuen  in  ein  und 
demselben  Wirthe.  Alle  anderen  Parasiten  traf  man  aber  nur  in 
wenigen  Exemplaren  (wie  No.  3,  6,  7,  8,  11,  12,  14,  15,  16),  oder 
sie  traten  überhaupt  jeweilen  nur  in  der  Einzahl  auf  (No.  2,  5,  10, 
18,  19).  Erwähnenswerte  ist  eine  sehr  reichliche  Infektion  mit  As- 
caris adunca. 

Ein  Rheinlachs  war  häufig  die  Heimstätte  mehrerer  Formen  von 
Parasiten,  wie  das  am  besten  aus  folgender  Zusammenstellung  her- 
vorgeht : 

Von  129  untersuchten  Rheinlachsen  waren  parasitenfrei  4; 
1  Spezies  Schmarotzer  beherbergten  55  Fische. 

3  ,i  „  „  20       „ 

4  6 

"  1»  1»  •»  *  W 

Besonders  verdient  der  Umstand  hervorgehoben  zu  werden,  dass 
kein  einziger  Rheinlachs  einen  Schmarotzer  im  Darmkanal  unterhalb 
der  Appendices  pyloricae  aufwies.     Die  Parasiten  lagen  sämmtlich 
eingekapselt  in  und  an  den  verschiedensten  Organen,  oder  bewegten 
sich  frei  in  der  Leibeshöhle;  sie  bevölkerten  den  Magen,  bargen  sich 
in  den  weiten  Falten  des  Schlundes  oder  zwängten  sich  ein  in  die 
langen,  schmalen,  schützenden  Blindsäcke  des  Pylorus.    Das  eigent- 
liche Darmrohr  aber   blieb  vollkommen  parasitenfrei,  im  Gegensatz 
zu  den  Verhältnissen,  die  wir  bei  den  Meerlachsen  kennen  lernen 
werden.    Das  geht  sogar  soweit,  dass  Parasiten,  die  bei  anderen 
Wirthen  nur  den  Darm  bevölkern,  im  Rheinlachs  Magen  und  Schlund 
beziehen,  wie  die  folgenden  Beispiele  lehren  mögen.    Distomum 
reflexum  bewohnt  sonst  den  Darm  von  Cyclopterus  lumpus, 
Ascaris  adunca  befällt  den  Darm  von  Alosa  vulgaris,  A. 
finta,  A.  sapidissima,   Ascaris  angulata  denjenigen  von 
Lophius  piscatorius.    Echinorhynchus  acus  ist  im  hin- 
teren Abschnitt  des  Verdauungstraktus  sehr  zahlreicher  Meerfiscbe 
zu  Hause,  E.  agilis  findet  sich  an  derselben  Stelle  bei  Meer-  und 
Wanderfischen.    Air  diese  Darmbewohner  steigen  in  den  Magen  und 
Schlund  des  Lachses,  sobald  er  in  den  Rhein  zieht,  als  ob  sie  dort 
besser  geschützt  wären,  als  in  den  näher  der  Afteröffnung  gelegenen 
Abschnitten  des  Eingeweides.  Wie  das  offene  Darmrohr  des  Süsswasser- 
lachses,  so  ist  auch  dasjenige  der  im  Aquarium  hungernden  Meer- 
fische, speziell  der  Plagiostomen,  regelmässig  nach  kurzer  Zeit  frei 
von  den  Schmarotzern,  die  sich  dort  sonst  so  massenhaft  aufhalten. 
Diese  von  Monticelli  (30)  gemachte  Beobachtung  kann  ich  aas 


bn  ebner,    Zur  Nomenklatur  der  schattenden  Eiweisskörper.  g99 

eigener  mehrfacher  Erfahrung  bestätigen.  Der  Rheinlachs  verliert 
also  seine  Darmgäste,  wie  ein  beliebiger  hungernder  Meerfisch.  Mit 
dem  NahruDgsausschluss  ist  eine  Neueinfuhr  von  Würmern  verhindert 
Aus  der  Abwesenheit  der  Parasiten  unterhalb  der  Pylorusanhänge  kann 
indirekt  geschlossen  werden,  dass Trutta  salar,  nach Miescher's 
(28)  Annahme,  im  Rhein  wirklich  fastet.  Mit  Parasiten  beladen  zieht 
der  Lachs  in  den  Fluss,  wie  wir  dies  nachzuweisen  haben  werden. 
Sehr  bald  verliert  er  seine  Darmschmarotzer,  die  durch  keine  neue 
Zufuhr  ersetzt  werden.  Es  bleiben  ihm  nur  die  Bewohner  der  vor- 
deren Theile  des  Verdauungstraktus  und  die,  welche  sich  dorthin 
zurückzuziehen  vermögen.  Aber  auch  diese  im  Schutze  der  Schlund- 
falten oder  in  den  an  Nahrungsreserven  reichen  Pylorussäcken  liegenden 
Würmer  scheinen  in  dem  Masse  an  Zahl  von  Arten  und  Individuen 
abzunehmen,  als  der  Fisch  sich  längere  Zeit  im  Süsswasser  aufhält 
und  höher  in  den  Fluss  hinaufsteigt.  Zuletzt  beherbergt  der  Lachs 
nur  noch  die  eingekapselten  und  in  verschiedenen,  allseitig  geschlos- 
senen Organen  liegenden  Gäste.  Das  Wandern  in  den  Rhein  bildet 
also  gleichzeitig  eine  Abtreibungskur  für  die  Darmparasiten.  Einige 
Forscher  haben  ja  sogar,  allerdings  ohne  gerade  diese  Verhältnisse 
zu  kennen,  angenommen,  der  Wandertrieb  vieler  Fische  sei  aus  dem 
Bedürfniss  entstanden,  sich  der  im  Meer  erworbenen  Schmarotzer  zu 
entledigen ! 

(Fortsetzung  folgt) 


Zur  Nomenklatur  der  schützendeD  Eiweisskörper. 

Von 

H.  Buchner. 

In  einem  Aufsatz  „lieber  die  Nomenklatur  der  schützenden  Eiweiss- 
körper'1 in  Bd.  X.,  No.  11  und  12  dieses  Centralblattes  nimmt  H  a  n  k  i  n  mir 
gegenüber  als  „der  erste  Entdecker  der  schützenden 
Eiweisskörper  das  Recht, deren  Nomenklatur  zu  geben", 
für  sich  in  Anspruch.  Der  Vorwurf,  der  hierin  liegt,  als  hätte  ich 
durch  den  Vorschlag  des  Namens  „Alex in eM  für  „schützende  Eiweiss- 
körper" etwas  Unberechtigtes  gethan,  bedarf  der  Zurückweisung. 

Herr  Hank  in,  den  ich  persönlich  und  wegen  seiner  wissen- 
schaftlichen Verdienste  hochschätze,  scheint  meine  „Untersuchungen 
über  die  bakterienfeindlichen  Wirkungen  des  Blutes  und  Blutserums"1) 
nicht  zu  kennen,  deren  letzter,  25  Seiten  umfassender  Abschnitt  die 
von  mir  und  M.  Orthenberger  „über  die  Natur  der  bak- 
terienfeindlichen Substanz  imSerumu  ausgeführten  Experi- 
mente enthält8).  Aus  letzteren  geht  wohl  zur  Genüge  hervor,  dass 
ich  mich  nicht  mit  einer  Phrase  begnügte,  wie  es  nach  Hankin 's 


1)  Archiv  für  Hygiene.    Bd.  X.    p.  84—178. 

2)  Vgl.    auch    die  kurze  Mittheilung   hierüber   vom    14.  Oktober  1889    in   diesem 
Centralblett.     Bd.  VI.    No.  21. 


7 00  Bucher,   Zar  Nomenklatur  der  seh&tsenden  ttiweisskftrpet. 

Citat1)  den  Anschein  hat,  sondern  gesucht  habe,  die  zur  Zeit  meiner 
Untersuchungen  noch  sehr  dunkle  Frage  nach  den  wirkenden  Stufe 
experimentell  aufzuklären.  Die  bezüglichen  Bemühungen  waren  nicht 
ergebnisslos,' wie  Hank  in  zu  glauben  scheint,  sondern  sie  fuhrt® 
zu  dem  ganz  bestimmten  Resultat,  dass  nur  in  den  Ei  weiss- 
körpern  des  Serums,  and  zwar  in  einem  besonderen 
aktiven  Zustand  derselben  die  Ursache  der  bakterien- 
feindlichen Wirksamkeit  gelegen  sein  könne. 

Da  diese  Ergebnisse  bereits  um  */*  Jahre  früher,  als  jene  Han- 
kin's  veröffentlicht  wurden,  so  habe  ich  wohl  das  Recht,  dieselben 
als  mein  geistiges  Eigenthum  anzusehen.  Die  Idee,  dass  Eiweisskörperc 
eine  derartige  schützende  Rolle  gegenüber  von  Infektionserregers  zu- 
kommen könnte,  war  damals,  wo  man  noch  nichts  von  Toxalbumioen 
wusste  und  nur  die  Ptomalne  und  Toxine  kannte,  keineswegs  nahe- 
liegend, sondern  schien  den  Meisten  überraschend,  beinahe  unglaub- 
lich. Auf  der  Naturforscherversammlung  zu  Heidelberg  1889  begeg- 
nete dieselbe  bei  den  Fachgenossen,  trotz  meiner  bestimmten  Behaup- 
tung, vielfach  skeptischem  Zweifel. 

Einige  Berechtigung,  in  diesen  Dingen  mitzureden,  wird  mir 
demnach  gewiss  auch  Herr  Hankin  nicht  bestreiten,  wenn  er  sich 
von  der  wahren  Lage  der  Dinge  erst  einmal  überzeugt  hat.  Andern- 
falls mü8Ste  er  riskiren ,  dass  ich  den  Spiess  umdrehe  und  mir  seine 
juristische  Definition  etwas  näher  betrachte. 

Offenbar  ist  dieselbe  dem  internationalen  Gewohnheitsrechte  der 
reinen  Chemiker  entnommen.  Was  versteht  aber  die  heutige  Chemie 
unter  „ Entdeckung **  eines  neuen  Körpers ?  Doch  zum  mindesten, 
dass  die  Elementaranalyse  ausgeführt,  die  Konstitution  wenigstens 
annähernd  bekannt,  Schmelz-  und  Siedepunkt  bestimmt  und  die  wich- 
tigsten Reaktionen  angegeben  sind.  Keine  von  diesen  Aufgaben  ist 
bei  irgend  einem  der  schützenden  Eiweisskörper  erledigt,  und  auch 
Hank  in  besitzt  daher  streng  genommen  kein  Recht,  für  seine 
unvollständig  gereinigten  Substanzen  eine  Nomenklatur  vorzuschlagen. 
Zum  allermindesten  müsste  er  aber  die  Bezeichnung  „Phylaxina 
sofort  wieder  zurückziehen,  da  die  von  ihm  isolirten  Stoffe  sämmtiich 
nur  von  natürlich  immunen  Thieren  stammen,  daher  nur  unter 
die  Reihe  der„Sozine"  nach  seiner  Nomenklatur  eingereiht  werden 
könnten,  während  ein  „Phylaxin"  von  ihm  überhaupt  nicht  isolirt 
worden  ist. 

Letztere  Anmerkung  zeigt  nicht  nur,  dass  Herr  Hank  in  ein 
schlechterer  Jurist  als  Bakteriologe  und  physiologischer  Chemiker  ist, 
was  er  selbst  kaum  bestreiten  wird,  sondern  sie  lehrt  auch  das  Un- 
haltbare jeder  schematischen  Formulirung  in  diesen  Dingen.  Nach 
meiner  Ansicht  bleibt  es  sehr  gleichgültig,  von  wem  eine  neue 
Nomenklatur  ausgeht,  wenn  sie  nur  zweckmässig  ist  und  sich  allge- 
meiner Anerkennung  erfreut.  Wäre  Hankin  mit  der  Erfindung 
wissenschaftlicher  Namen   vorangegangen,  dann  hätte  ich  mir  die 


1)  Hank  in  entnimmt  dieses  Citat  meiner  ersten  Mfttheüang  über  die  bakterisn- 
tSdtende  Wirkung  des  seUenfreien  Blutserums  vom  IS.  Mai  18*9  in  diesem  Cestrtl- 
Watt.  Bd.  V.  No.  25  nnd  Bd.  VI.  No.  1. 


Allgemein««  aber  Bakterien.  701 

Mühe  sicherlich  erspart  So  aber  folgte  Hank  in  mit  seinem  detail- 
lirten  Vorschlage  erst  nach  dem  meinigen  und  kann  daher  nicht  ver- 
langen, dass  ich  meinen  Vorschlag  wieder  zurücknehmen  soll.  Letzteres 
wäre  um  so  weniger  angezeigt,  als  ja  beim  Lichte  betrachtet  die  beider- 
seitigen Vorschläge  sich  durchaus  nicht  ausschliessen,  sondern  vorläufig 
ganz  ruhig  neben  einander  existiren  können. 
w\    München,  d.  13.  Oktober  1891. 

Nachschrift.  Nach  Einsendung  des  Vorigen  geht  mir  eine 
schriftliche  Mittheilung  Herrn  Hank  in 's  zu,  worin  er  sich  auf 
Grund  meiner  unterdess  in  No.  38  der  Münchener  Medicinischen 
Wochenschrift  gegebenen  Motivirung  mit  der  Bezeichnung  „Alexine" 
für  „schützende  Eiweisskörper"  nunmehr  einverstanden  erklärt  und 
mich  zugleich  ermächtigt,  von  dieser  Erklärung  Gebrauch  zu  machen. 
Die  Kontroverse  ist  hiermit  als  erledigt  zu  betrachten.  B. 


Referate. 


Migula,  W.,  Die  Bakterien,  kl.  8°.  216  p.  Leipzig  (J.  J. 
Webert  Naturw.  Bibliothek.  No.  2.)  1891. 
Von  der  vorliegenden  Schrift  kann  man  im  Allgemeinen  sagen, 
dass  es  der  Verf.  verstanden  hat,  in  übersichtlicher  Anordnung  und 
verständlicher  Sprache  eine  für  weitere  Kreise  berechnete 
Uebersicht  über  das  Wissenswerteste  unserer  Kenntnisse  von  den  Bak- 
terien zu  geben.  Irrthümer  sind  dem  Ref.  bei  Durchsicht  des  Buches 
fast  keine  aufgestossen:  wenn  p.  157  der  Kefir  zn  den  berauschenden 
Getränken  gezählt  wird,  so  dürfte  wohl  eine  Verwechselung  mit 
Kumys  stattgefunden  haben,  denn  ein  Getränk  von  ca.  1  °/0  Alkohol- 
gehalt berauschend  zu  nennen,  geht  für  mitteleuropäische  Begriffe 
doch  nicht  recht  an;  p.  164  wird  B egg iato.a  nach  althergebrachter 
Weise  als  Produzentin  des  Schwefelwasserstoffgeruchs  der  Schwefel- 
quellen vorgeführt,  das  sollte  doch  heute  ein  überwundener  Stand- 
punkt sein,  der  nach  dem  Erscheinen  von  Winogradsky's  epoche- 
machenden Arbeiten  schwer  verständlich  erscheint.  Eine  Nichtberück- 
sichtigung gerade  dieser  Arbeiten  ist  in  einer  für  weitere  Kreise  be- 
stimmten Schrift  nicht  zu  billigen;  die  merkwürdigen  Lebensverhält- 
nisse der  Schwefel-  und  der  gänzlich  übergangenen  Eisenbakterien 
und  ihre  wichtige  Bolle  im  Haushalte  der  Natur  dürfen  hier  nicht 
fehlen ;  die  Arbeiten  Winogradsky's  über  die  Rolle  der  Bakterien 
bei  der  Nitrifikation  sind  gleichfalls  nicht  benutzt,  obwohl  die  erste 
derselben  doch  wohl  früh  genug  vor  der  Publikation  vorliegender 
Schrift  erschien.  Auch  in  den  historischen  Partieen  finden  sich 
einige  nicht  zu  billigende  Auslassungen  und  Ungenauickeiten.  Wenn 
es  auf  der  einen  Seite  nur  anzuerkennen  ist,  dass  die  hervorragenden 
und  in  unserer  raschlebigen  Zeit  vielfach  in  Vergessenheit  gerathenen 
Verdienste  Cohn's  um  die  botanische  Erforschung  der  Bakterien 


702  Allgemeines  ttber  Bakterien. 

genügend  in  den  Vordergrund  gerückt  werden,  so  ist  es,  zumal  bei 
der  eingehenden  Weise,  in  welcher  dies  geschieht,  auf  der  anderen 
Seite  um  so  weniger  zu  verstehen,  weshalb  wir  von  de  Bary  nichts 
weiter  erfahren,  als  dass  er  die  Halli  er 'sehen  Irrthümer  aufdeckt 
und  die  Bakterienformen  mit  einer  Billardkugel,  einem  Bleistift  uod 
einem  Korkzieher  verglich!  Auch  bei  der  „wichtigsten  Litteratur 
findet  sich  de  Bary 's  Name  nicht,  während  seine  Schriften  direkt 
oder  indirekt  ausgiebig  benutzt  sind ;  p.  52  bei  der  Keimung  der  Heu- 
pilzsporen muss  der  unbefangene  Leser,  was  gewiss  nicht  die  Absicht 
des  Verf.'s  war,  gar  den  Eindruck  gewinnen,  als  ob  dieser  Vorgang, 
den  „man"  früher  falsch  aufgefasst,  erst  vom  Verf.  richtig  gestellt 
worden  wäre!  Nicht  ganz  richtig  ist  ferner,  dass  Gohn  der  Erste 
war,  der  „in  lückenlosem  Zusammenhange  die  ganze  Entwickele 
von  der  Bildung  der  Spore  bis  zu  ihrem  Auskeimen  erfolgtet  Ge- 
meint ist  hier  B.  subtilis  und  da  hat  Cohn  allerdings  die  Sporeo- 
bildung  richtig  beobachtet,  nicht  aber  die  Keimung;  dieses  Ver- 
dienst gebührt  Bref  eld.  Bei  den  Hefereinkulturen  (p.  175)  ist  un- 
begreiflicher Weise  Hansen  nicht  einmal  genannt! 

Diese  Bemerkungen,  denen  sich  leicht  weitere  beifügen  Hessen, 
sollen  im  Uebrigen  das  oben  ausgesprochene  günstige  Gesammturtheil 
keineswegs  nachträglich  zerpflücken,  sie  sollen  den  Verf.  nur  darauf 
hinweisen,  dass  eine  hoffentlich  bald  nöthig  werdende  neue  Auflage 
durch  gleichmässigere  Benutzung  der  fundamentalen  Litteratur  nur 
gewinnen  kann.  L.  Klein  (Freiburg  i.  B.). 

Protopopoff,  Sur  la  question  de  la  strueture  des  bac- 
töries.    (Annales  de  l'Institut  Pasteur.  1891.  No.  5.  p.  332.) 

Verf.  hat  im  pathologisch-anatomischen  Institut  zu  Prag,  wo  er 
auf  Veranlassung  Cbiari's  von  einer  aktinomykotischen  Rinderzunge 
Kulturen  anlegte,  nebenbei  eine  Bakterienart  aufgefunden,  welche  bei 
Behandlung  mit  schwacher  Fuchsinlösung  eine  ungleichmässige  Fär- 
bung zeigte.  In  dem  blass  rosa  gefärbten  Bakterienkörper  zeigten  sich 
nämlich  intensiv  roth  gefärbte,  quer  zur  Längsaxe  verlaufende  zahl- 
reiche Streifen  oder  Bänder.  Bei  Cultur  dieser  Bakterienart  auf 
differenten  Medien  gelang  es  dann  noch  in  verschiedenster  Weise,  eine 
solche  distinkte  stärkere  Färbung  einzelner,  streifen-  oder  körnchen- 
förmiger  Theile  des  Plasmas  zu  erhalten.  Die  bezüglichen  Abbildungen 
und  Beschreibungen  sind  im  Original  einzusehen. 

Aehnliche  Körnerbildungen  hat  dann  Verf.  gemeinsam  mit  Ham- 
mer auch  beim  Actinomyces  beobachtet,  namentlich  bei  Kultur 
auf  Kartoffeln  bei  35°,  aber  auch  in  Bouillon  und  Glycerinagar. 
Hier  gelang  es  insbesondere,  durch  4tägige  Kultur  bei  40°  wieder 
Querstreifungen  in  den  Fäden  zu  erzeugen,  die  sich  intensiver,  als 
das  übrige  Plasma  färbten.  Abweichend  von  Ernst,  der  die  gleiche 
Erscheinung  bei  B.  pseudosubtilis,  typhi  abdom.  und 
cyanogenus  beobachtete  und  sie  als  eine  Art  von  Kerntheilung 
auffasste,  erklärt  Verf.  dieselbe  durch  unregelmässige  Anhäufung  des 
Ghromatins,  d.  h.  der  intensiver  färbbaren  Plasmapartie. 

[Die  vom  Verf.  beschriebenen  Erscheinungen  von  Körner-  und 
Querstreifenbildung  enthalten  für  denjenigen,  der  sich  viel  mit  mikro- 


Allgemeines  Aber  Bakterien  (Tuberenloee).  703 

skopischer  Untersuchung  von  Bakterien  beschäftigt  hat,  nichts  Ueber- 
raschendes.  Speziell  die  Bildung  chromophiler  Körner  habe  ich  bei 
den  Typhusbacillen  in  diesem  Centralblatt  —  Bd.  IV.  p.  353  — 
nachgewiesen.  Die  Hauptfrage  aber  ist,  ob  diese  Erscheinungen,  wie 
neuestens  A.  Fischer  will,  wesentlich  als  Plasmolyse,  bedingt  durch 
blosse  physikalische  Einwirkungen  des  umgebenden  Mediums,  aufzu- 
fassen sind,  oder  ob  es  sich  um  krankhafte,  degenerative  Zustände 
handelt    Ref.]  Buchner  (Manchen). 

Prudden,  T.Mitchell,  and  Hoden  pyl,  Eugene,  Studies  on  the 

action  of  dead  bacteria  in  the  living  body.    (New  York 

medical  Journal.    1891.  June  6  and  20.) 

Die  Wirkung  getödteter  Tuberkelbacillen  auf  den  Thier- 

körper  bei  intravenöser  Injektion  war  bisher  nicht  untersucht  worden. 

Die  Verff.  erbringen  den  Beweis,  dass  sich  dieselbe  von  derjenigen 

der  lebenden  Bacillen  prinzipiell  nur  durch  den  selbstverständlichen 

Mangel  des  progressiven  Charakters  in  den  gesetzten  pathologischen 

Veränderungen  unterscheidet    Im  Uebrigen  zeigen  die  Veränderungen 

genau  den  gleichen  Typus  wie  diejenigen,  die  durch  den 

lebenden  Infektionserreger  bedingt  sind. 

In  der  Einleitung  wird  die  Aufmerksamkeit  auf  die  reaktive  Be- 
tätigung der  Körperzellen  bei  den  infektiösen  Prozessen  hingelenkt 
Die  Aktion  der  Bakterien  ist  nur  die  eine  Seite  des  Problems,  und 
diese  ist  mit  der  Produktion  von  Ptomalnen  und  mit  deren  Wirk- 
samkeit noch  keineswegs  erschöpft,  obwohl  dies  Viele  gegenwärtig 
noch  glauben.    Eine  besonders  wichtige  Reihe  von  Erscheinungen,  die 
in  neuester  Zeit  erst  in  ihren  Bedingungen  klar  gelegt  wurden ,  sind 
die  Bewegungs-,  Wanderungs-  und  Anlockungsvorgänge  bei  den  Leu- 
kocyten.    Die  Verff.  erwähnen  der  Untersuchungen  über  Chemotaxis, 
und  geben  hierauf  eine  sehr  eingehende  Analyse  der  einschlägigen 
Arbeiten  vom  Ref.,  von  denen  sie  urtheilen:  „These  most  clever  and 
Btriking  researches  of  Buchner  would  seem  to  throw  much  light  on 
the  whole  subject  of  the  theory  of  suppuration,  and  to  promise  large 
accessions  to  our  knowledge  of  inflammation  when  the  many  lines  of 
thought  and  study  which  they  suggest  shall  have  been  followed  out" 
Eine  der  neuen  Thatsachen,  die  auch  für  Ref.  den  Ausgangspunkt 
weiterer  Forschungen  bildete,  die  eitererregende  Wirksamkeit  sterili- 
sirter  Bakterienzellen,  veranlasste  die  Verff.  dazu,  die  Wirkung  der 
Retödteten  Tuberkelbacillen  auf  das  lebende  Gewebe  zu  erforschen. 
Tuberkelbacillen  aus  den  verschiedenen  Bezugsquellen  wurden  theils 
auf  Glycerinpeptonagar ,  theils  in  entsprechender  Bouillon  zu  reich- 
licher Entwickelang  gebracht,  nachher  die  Kulturmasse  abgestreift 
TOp.  abfiltrirt,  bei  den  meisten  Versuchen  mit  Wasser  ausgewaschen 
und  in  wenig  Wasser  1 — l1/*  Stunden  gekocht.    Bei  anderen  Ver- 
suchen wurde  mit  viel  Wasser  gewaschen,  dann  2—4  Stunden  in 
50  °/0  Glycerin  gekocht,  hierauf  abfiltrirt  und  die  Eulturmasse  noch- 
mals ausgewaschen,  schliesslich  in  etwas  Wasser  zum  Zweck  der  In- 
jektion suspendirt. 

Die  Verff.  machen  hier  eine  Anmerkung,  wonach  das  Konden- 
sationswasser derGlycerinagarkulturen  und  auch  die  Glycerinbouillon, 


704  JkUgtmeines    über  Bakterie»  (Tubetculose). 

in  welcher  die  Tubelkelbacillen  kultivirt  wurden,  beim  Eintropfenlassen 
in  absoluten  Alkohol  einen  weissen  Niederschlag  gaben ,  welcher  ent- 
sprechend den  Forschungen  von  Koch  und  Hueppe  und  Scholl 
die  wirksamen  Substanzen  des  Koch 'sehen  Tuberculins  enthalt  Im 
Gegensatz  hierzu  konnten  sie  aus  der  Kulturmasse  selbst  auf  keine 
Weise  tuberculinhaltiges  Material  gewinnen  (?). 

Die  Bacillen  in  den  oben  erwähnten  Emulsionen  waren  in  der 
Regel  noch  färbbar,  obwohl  sicher  getödtet,  wie  eine  Reibe  von  Kon- 
trollexperimenten zweifellos  ergab.  Subkutane  Injektion*  dieser 
sterilisirten  Emulsionen  erzeugte  meist  kleine  Abscesse  innerhalb  2—6 
Wochen  mit  eitrigem  Inhalt  —  in  Bestätigung  der  Resultate  von 
Koch  und  Hueppe  und  Scholl.  Sterilisirte  Kulturen  des  Tuberkel- 
bacillus  in  Röhrchen  unter  die  Haut  von  Kaninchen  eingeführt,  be- 
wirkten innerhalb  6  Tagen  Bildung  von  Leukocytenpfröpfen  in  den 
offenen  Enden  der  Röhrchen  —  ein  Beweis  für  die  ausgesprochene 
positive  chemotaktische  Wirksamkeit  der  todten  Tuberkelbacillen.    & 

Intraperitoneale  und  intrapleurale  Injektionen  von  2 
bis  3  cem  dichter  Emulsion  von  sterilisirten  Tuberkelbacillen  ergab 
in  einigen  Fällen  Eiterbildung  und  ausgesprochene  tuberculöse  Gewebs- 
veränderungen. Weit  sicherer  erwies  sich  jedoch  die  intravenöse 
Injektion  von  kleinen  Quantitäten  sterilisirter  Emulsion  von  Tuberkel- 
bacillen. Wenn  die  letzteren  in  der  Flüssigkeit  gut  vertheilt  sind, 
vertragen  die  Thiere  die  Injektion  zunächst  ohne  Schaden.  Die  inji- 
zirten  Thiere  wurden  dann  in  den  verschiedensten  Zeiträumen  (vom 
1.— 60.  Tag  nach  der  Injektion)  getödtet,  die  Organe  sorgfältig  in 
Alkohol  gehärtet  und  die  Schnitte  theils  in  gewöhnlicher  Weise,  theils 
auf  Tuberkelbacillen  gefärbt.  Auf  diese  Weise  wurden  24  injizirte 
Thiere  untersucht. 

Bei  Untersuchung  nach  24  Stunden  fanden  sich  die  Bacillen 
massenhaft  in  den  Kapillaren  der  Lunge,  reichlich  auch  in  der  Leber, 
spärlich  in  der  Milz.  Während  der  ersten  und  zweiten  Woche  nach 
der  Injektion  sind  die  Bacillen  aus  den  grösseren  Gefässen  der 
Organe  vollständig  verschwunden.  Ihre  Lage  kann  am  leichtesten 
in  den  Leberkapillaren  erkannt  jrerden,  wo  sie  entweder  frei  an  der 
Gefässwand  liegen  oder  von  einer  kleinen  Masse  homogener  oder  fein- 
granulirter  Substanz  umgeben  sind  —  entweder  Fibrin  oder  Blut- 
plättchen —  oder  wo  sie  endlich  in  geringer  Zahl  in  verschieden  ge- 
formten Zellen  eingeschlossen  sind.  Am  5.  Tage  nach  der  Injektion 
wurde  bereits  in  der  Lunge  die  Bildung  feiner  weisslicher  Knötchen 
von  2—3  mm  Durchmesser  beobachtet,  welche  aus  einer  zentralen 
Anhäufung  von  epithelioiden  und  Riesenzellen  bestehen,  durchsetzt 
und  oft  umgeben  von  massenhaften  kleineren  Rundzellen  vom  Aus- 
sehen der  Leukocyten.  Kräftig  gefärbte  Tuberkelbacillen  sind  häufig 
in  grosser  Zahl  in  diesen  Lungenknötchen  enthalten,  besonders  in  und 
zwischen  den  epithelioiden  und  Riesenzellen.  Die  Verff.  geben  eine 
Anzahl  klar  gehaltener  Abbildungen  von  diesen  ihren  histologischen 
Befunden. 

Bei  später  getödteten  Thieren  zeigen  diese  Knötchen  dichtere 
Struktur  und  bestehen  aus  epithelioiden  Zellen  und  fibrösem  Gewebe 
mit  wenig  Tuberkelbacillen.    In  der  3.-5.  Woche  zeigen  sich  die- 


Allgemeines  Über  Bakterien.  —  Malaria.  706 

selben  Knötchen  in  grosser  Zahl  in  den  Lungen,  ganz  ähnlich  wie 
bei  akuter  Miliartuberkulose.  Die  Leber  zeigt  keine  makroskopischen, 
wohl  aber  histologische  Verändernngen ,  namentlich  Vergrösserung 
der  Eapillarendothelien  und  verschiedene  formative  Reizungserschei- 
nungen an  letzteren.  Allen  diesen,  den  echt  tuberculösen  morpho- 
logisch auffallend  ähnlichen  Neubildungen  fehlt  die  Neigung  zu  kä- 
siger Degeneration,  und  ausserdem  mangelt  auch  jede  Andeutung 
einer  Proliferation  von  Seite  der  Bacillen ;  eher  scheinen  die  letzteren 
an  Zahl  allmählich  etwas  abzunehmen.  Nach  Ansicht  der  Verff.  ent- 
stehen die  geschilderten  Gewebsveränderungen  durch  Proliferation  der 
Geftssendothelien  unter  dem  Einfluss  der  todten  und  zerfallenden 
Keime. 

Was  die  Ursache  der  geschilderten  Wirkungen  anbetrifft,  so 
wäre  es  zwar  möglich,  an  ein  Gift  zu  denken,  das  die  Bacillen  wäh- 
rend ihres  Lebens  bilden  und  das  weder  in  das  Kulturmedium  über- 
geht, noch  auch  durch  kochendes  Wasser  oder  verdünntes  Glycerin 
extrahirt  wird.  Weit  wahrscheinlicher  ist  es  jedoch  nach  den  Verff., 
in  Anbetracht  der  besonderen  Eigenschaften  der  Bakterienprotel'ne 
anzunehmen,  dass  es  die  spezifischen  Proteine  der  Tuberkel- 
ba eitlen  sind,  welche  beim  allmählichen  Zerfall  der  Keime  in  den 
Geweben  in  Wirksamkeit  treten.  Versuche  zur  Isolirung  der  Pro- 
teine der  Tuberkelbacillen  ergaben  den  Verff.  kein  positives  Re- 
sultat. Büchner  (München). 

Mannaberg,  J.,  Beiträge  zur  Morphologie  und  Biologie 
des  Plasmodium  malariae.     [Aus  der  mediz.  Klinik  des 
Hofrath   Prof.    Nothnagel  in  Wien.]     (Gentralbl.  f.  klin.  Med. 
1891.  No.  27.  p.  513  ff.) 
Im  Verfolg  der  von  Grassi  und  Feletti1)  begonnenen  Stu- 
dien   über    Struktur  und    Theilungsvorgänge   der  Malariaparasiten 
hat  M.  eine  neue  Methode  für  diese  Untersuchungen  in  Anwendung 
gebracht,  die  er  folgendermassen  beschreibt:  Das  lufttrockene  Prä- 
parat kommt  für  12—24  Stunden  in  eine  Mischung  von  konzentrirter 
Pikrinsäurelösung  und  destillirtem  Wasser  zu  gleichen  Theilen  mit 
3— 5°/0  Eisessigzusatz;  dann  Alkoh.  abs.  bis  zur  völligen  Entfärbung, 
Ueberfarbung    mit    Alaunhämatoxylinlösung    und    Differenzirung    in 
25°/ö  Salzsäurealkohol  und  schwachem  Ammoniakalkohol.    Die  Prä- 
parate zeigen  so  ungefärbt  die  rothen  Blutkörperchen  und  das  Proto- 
plasma der  weissen  Blutkörperchen ,  schwach  gefärbt  die  Hämato- 
blasten ,  gut  gefärbt  die  Leukocytenkerne  und  die  „Chromatinsub- 
stanzen  des  Plasmodiums". 

Mit  dieser  Methode  will  der  Verf.  gesehen  haben,  dass  das  junge, 
eben  in  das  Blutkörperchen  eingedrungene  „Plasmodium"  haupt- 
sächlich aus  einem  grossen,  bläschenförmigen  Kern  besteht,  der  keinerlei 
Chromatinsubstanz  und  nur  den  an  der  einen  Seite,  dicht  der  Kern- 
membran angehefteten,  tiefdunkel  tingirten,  rundlichen  „Nucleolus" 
enthält,  während  an  der  diesem  Nucleoluspol  entgegengesetzten 
Seite  des  Kernes  eine  ganz  dünne  Schicht  von  gefärbtem,  pigment- 

1)  CeDtralbi.  f.  Bakt.  Bd.  X.  No.  13  ff. 
X.M.  4Q 


t06  IM«!*. 

freiem  Plasma  aussen  an  dem  Kerne  liegt;  die  Gegenüberstellung  des 
Nucleolus  und  des  Plasmas  findet  sich  auch  in  den  anderen  Gestal- 
ten, die  der  Körper  annimmt.  Das  Wachsthum  trifft  die  Bestand- 
teile des  Parasiten  in  gleicher  Weise.  Das  Protoplasma  bildet  zwei 
Schichten:  eine  äussere,  dunkler  gefärbte,  pigmentreiche  und  eine 
innere,  der  Kernmembran  dicht  anliegende,  nicht  oder  schwach  pig- 
mentirte  („Ekto-  und  Endoplasma");  der  Kern  liegt  immer 
exzentrisch  zum  Plasma  und  zeigt  allmählich  in  der  Gegend  des  Nu- 
cleolus zarte  Spuren  von  Chromatinsubstanz ;  der  Nucleolus  endlieh 
bleibt  meist  während  der  Vergrösserung  an  der  Kernmembran  haften, 
soll  zuweilen  aber  auch  zentral  treten,  ohne  aber  den  Knotenpunkt 
des  Karyomitoms  zu  bilden.  Seine  Vergrösserung  bedingt  eine  Ab- 
nahme der  Färbbark  ei  t;  es  sollen  nun  dunkle,  punktartige  Einlagerun- 
gen und  kleine  Vakuolen  im  Nucleolus  auftauchen,  deren  Bedeutung 
aber  dem  Verf.  ebenso  wie  das  weitere  Schicksal  des  Nucleolus  an- 
klar ist.  Doch  ist  sein  Verschwinden  zugleich  mit  einer  Chromatin- 
zunahme  des  Kernes  der  Beginn  des  Theilungsvorgangs :  der  jetzt 
blauviolett  gefärbte  Kern  verliert  seine  Kernmembran  und  lässt  sich 
jetzt  als  „Kernhälfte14  des  Plasmodiums  von  der  „Plasmahälfte"  nur 
dadurch  unterscheiden,  dass  er  kein  Pigment  enthält  In  der  Kern- 
h&lfte  treten  nun  kleine,  anfangs  unscharfe,  später  schärfer  kontou- 
rirte,  dunkle  Körnchen  auf,  die  „Nucleoli  der  Sporen",  um  welche 
sich  erst  später  der  Kern  und  das  Plasma  differenziren.  Die 
„Plasmahälfte"  des  Mutterkörperchens  wird  zuweilen  in  diesen  Thei- 
lungsvorgang  hineingezogen,  zuweilen  als  Restkörper  zurückgelassen. 
So  die  Schilderung  des  Verf.'s,  welche  die  Theilung  der  Tertianapara- 
siten als  amitotische  darstellt  —  Die  genauere  Ausführung  der  Un- 
tersuchungen, die  Abbildungen  der  Präparate  sind  noch  zu  erwarten. 

C.  Spener  (Erlangen). 

Malachowskl,  E«,  Zur  Morphologie  des  Plasmodium  ma- 
la riae.  (Centralbl.  f.  klin.  Mediz.  1891.  No.  31.  p.  601—603.) 
Es  wird  hier  eine  andere  Methode  zur  Strukturf&rbung  der 
Malariaparasiten  angegeben :  Alkoholhärtung ,  Schwimmenlassen 
des  Deckgläschens  auf  einem  Gemisch  von  Eosinlösung  und  ver- 
dünnter wässriger  Boraxmethylenblaulösung.  Es  sollen  nun  die  rothen 
Blutkörperchen  grau-gelbroth,  die  Kerne  der  weissen  rothviolett,  das 
Plasma  der  einkernigen  Leukocyten  blau,  das  der  mehrkernigen 
schwach  violett,  die  Plasmodien  blau  und  gewisse  von  dem  Verf. 
gesehene,  in  den  Plasmodien  liegende,  zur  Spekulation  bezügliche 
Körner  rothviolett  gefärbt  sein.  —  Diese  Körner  sind  vielleicht  mit 
den  von  Mannaberg  beschriebenen  identisch,  doch  ist  ihre  Be- 
deutung nach  Meinung  des  Verf.'s  anders  zu  erklären.  Wie?  soll 
eine  versprochene,  ausführliche  Arbeit  sagen. 

G.  Spener  (Erlangen). 

Sakharoff,  Recherches  sur  le  parasite  des  fi&vres  palli- 
aren nes  irräguliöres.    (Annales  de  l'Institut  Pasteur.  1891. 
No.  7.  p.  446.) 
Verf.  hat  bereits  in  einer,   in   russischer  Sprache  erschienenen 

Arbeit  einen  besonderen,  im  Blute  bei  atypischen  Malariafällen  vor- 


KalarU.  —  Scbotiimpfhngen  u,  8.  w.  707 

kommenden  Parasiten  beschrieben,  der  sich  nach  Form  und  Entwicke- 
lung  yon  den  Parasiten  der  typischen  Fieber  unterscheidet.  Es  ist 
dies  ein  kleines,  blass  gefärbtes  Körperchen  im  Innern  der  rothen 
Blutzellen,  mit  amöboiden  Bewegungen  und  von  rundlicher  Form  im 
Zustand  der  Ruhe.  Bei  Färbung  mit  Methylenblau  stellt  sich  das- 
selbe als  ein  Ring  dar  mit  zentraler,  öfter  exzentrischer  Granulirung. 

Bei  eintretender  Entwickelung  erscheinen  Pigmentkörner,  die  Be- 
weglichkeit erlischt  und  die  Form  wird  rund.  Nach  einem  unbe- 
stimmten Zeitintervall  beginnt  die  Theilung  des  Parasiten,  die  hier  im 
Fingerblnt  sehr  gut  in  ihren  einzelnen  Stadien  zu  beobachten  ist, 
während  bei  der  typischen  Malaria  dies  nicht  gelingt,  weshalb  Mar- 
chiafava  und  Celli  annehmen  ,*  dass  die  Theilung  in  den  inneren 
Organen  erfolge.  Ein  weiterer  Unterschied  ist,  dass  die  Theilung  hier 
noch  innerhalb  der  rothen  Blutzelle  erfolgt,  von  der  ein  beträchtlicher 
Rest  persistirt.  Nach  der  Theilung  kommen  die  jungen  Elemente  aus 
dem  Blutkörperchen  heraus,  und  man  findet  sie  entweder  frei  im  Blute 
oder  eingeschlossen  mit  Pigmentmassen  in  Leukocyten. 

Angaben  über  weitere  Entwickelungsstadien  („corps  en  croissant") 
wollen  im  Originale  eingesehen  werden,  das  auch  einige,  zum  Theil 
wohlgelungene  Photogramme  enthält.  Züchtungsversuche  mit  dem 
Parasiten  blieben  erfolglos,  ebenso  Uebertragungsversuche  auf  Hühner. 

Bu ebner  (München). 


SchutzJmpfling,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Hang,  Da'sLyjsol  und  das  Naphthol  (ß)  in  der  Therapie 
der  Ohrenkrankheiten.  (Münchener  med.  Wochenschr.  1891. 
No.  11  u.  12.) 
Seitdem  das  Lysol  auf  Grund  bakteriologischer  Versuche  durch 
Schottelius  als  gutes  Antiseptikum  empfohlen  wurde  (vergl.  Referat 
in  dieser  Zeitschrift.  Bd.  VIII.  No.  15),  ist  dasselbe  in  der  Chirurgie 
and  in  der  Geburtshülfe  vielfach  mit  Vortheil  verwendet  worden. 
Haug  berichtet  wohl  als  der  Erste  über  die  Erfolge  des  Lysols  in 
der  Ohrenheilkunde.  Er  empfiehlt  es  nicht  zu  dauernder  Anwendung, 
da  schon  Einspritzungen  0,1  bis  0,25  prozen tiger  Lösungen  heftiges 
Brennen  im  Ohr  und  ekzematöse  Reizung  der  Gehörgangswand  ver- 
ursachten, und  da  das  Lysol  nur  mit  destillirtem  Wasser  klare  Lö- 
sungen gibt.  Bei  Otomykose  leistet  0,2—0,3  prozentiger  Lysolalkohol 
gleich  gute  Dienste,  wie  2—3  prozentiger  Salicylalkohol.  Bei  akuter 
Paukenhöhlenentzündung  erhöhte  0,3—0,5  prozentiges  Lysolglycerin 
in  einigen  Fällen  die  Schmerzen.  2  prozen tige  Lysolgaze  beschrankte 
die  Ohreneiterung  nicht  schneller,  als  andere  Gazen  und  hatte  als 
unangenehme  Nebenwirkung  eine  ekzematöse  Entzündung  der  Ge- 
hfrgangswandungen  zur  Folge.  Dagegen  wirkt  das  Mittel  wahr- 
scheinlich in  Folge  seiner  seifenartigen  Zusammensetzung  besonders 
kräftig  lösend  auf  Ceruminal-  und  Epithelpfröpfe ;  es  ist  daher  für 

45* 


708  Bakteriologisch«  tob  VII.  InternAtfondtn  Konfiws  m  London. 

die  Entfernung  derselben  und  ffir  die  Reinigung  des  Ohrs  vor  An- 
wendung anderer  Mittel,  wie  z.  B.  der  Kokafnlösuog,  sehr  geeignet 
Das  /9-Naphtbol,  ein  von  Schäfer  1869  zuerst  hergestelltes  Hj- 
droxylderivat  des  Naphthalins  ist  auf  Kaposi' s  Empfehlung  hin  in 
der  Dermatotberapie  bereits  mit  Erfolg  angewendet  worden.  Hang 
hat  zunächst  durch  Versuche  festgestellt,  dass  das  Präparat  als  Pul- 
ver ausserordentlich  vernichtend  aufStaphylococcus  pyo genes 
und  Streptococcus  Ery  sipelatoB,  entwicklungshemmend  auch  auf 
Tuberkelbadllen  wirkt.  Ferner  hat  Verf.  das  Naphthol  in  der  Otiatrie 
verwendet.  Parasitäre  Ohrenerkrankungen,  wie  Mittelohreite- 
rungen (selbst  tuberculöser  Natur),  Furunculose,  Mykose  wurden 
durch  das  gepulverte  Mittel  günstig-  beeinflusse  soweit  sie  nicht  durch 
Knochenerkrankung,  Perforation  der  Shrapnel'schen  Membran  und 
granulöse  Entartung  komplizirt  waren.  Doch  hatte  hier  neben  der 
desinfizirenden  Wirkung  des  Präparates  seine  Eigenschaft,  sich  nicht 
wie  andere  Pulver,  z.  B.  Borsäure,  in  Wasser  zu  lOsen  und  auch  nicht, 
wie  Jodoform,  fest  auf  der  Unterlage  zu  haften,  in  der  Weise  Eutins, 
dass  das  Naphthol  mit  dem  Ohrensekret  keine  Klumpen  bildete,  welche 
dem  Eiter  den  Abfluss  hätten  versperren  können.  Vergiftungserschei- 
nungen, welche  sich  sofort  durch  grünliche  Färbung  des  Urins  der 
Patienten  angezeigt  haben  würden,  traten  bei  Anwendung  des  Mittels 
niemals  hervor,  da  es  nur  in  sehr  geringer  Menge  von  der  Schleim- 
haut resorbirt  wird.  Eine  unangenehme  Nebenwirkung  des  Naph- 
thols  besteht  jedoch  darin ,  dass  es  zuweilen  Brennen  im  Ohr  verur- 
sacht Bei  seiner  Anwendung  ist  darauf  zu  achten,  dass  es  stets  anf 
die  vorher  (z.  B.  durch  Salicylalkohol)  gereinigte  Schleimhaut,  und 
zwar  möglichst  nur  auf  den  Ort  der  beabsichtigten  Wirkung  geblasen 
wird.  Uebrigens  lässt  sich  das  Naphthol  bei  den  erwähnten  Ohren- 
krankheiten auch  in  Form  einer  1,5— 3prozentigen  alkoholischen 
Lösung  oder  als  3prozentige  Gaze  erfolgreich  verwenden.! 

Kubier  (Berlin) 


Originalberichte  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  'Kongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zn  London, 

10.— 17.  Augast  1891. 

(FortMtaang.) 

Sektion  für  Bakteriologie. 

Nach  Buchner  wären  es  im  Körper  der  Mikroben  selbst  ent- 
haltene Proteine,  welche  die  Leukocyten  anlocken,  and  würden  die- 
selben erst  nach  dem  Tode  der  Bakterien  in  das  umgebende  Medium 
ausgeschieden,  w&hrend  die  übrigen  in  den  Kulturen  enthaltenen 


tfekterfotofirehct  rom  Vit.  foternatiooaUh  ttongrest  in  London.  7Ö9 

Stoffe  nicht  chemotaktisch  wirken  sollen.  Dem  gegenüber  ist  der 
Vortragende  der  Ansicht,  dass  die  spezifischen  Toxine  die  eigentlich 
lockenden  Substanzen  sind,  zu  deren  rigoroser  Trennung  von  den 
Proteinen  Büchner  bisher  keine  Methode  angegeben  habe.  Es  ge- 
nüge nicht  zu  zeigen,  dass  die  in  den  todten  Mikroben  enthaltenen 
Eiweisskörper  die  Leukocyten  anlocken,  es  mQsste  auch  bewiesen 
werden,  dass  die  lebenden  Mikroben  keine  derartigen  Substanzen 
ausscheiden. 

Aus  allem  Vorhergehenden  muss  geschlossen  werden,  dass  die 
erworbene  Immunität  in  der  Angewöhnung  der  Phagocyten  an  die 
Bakterienprodukte  besteht  Die  natürliche  Immunität  ist  uns 
weniger  zugänglich;  sie  hängt  oft  von  einfachen,  chemischen  oder 
physikalischen  Bedingungen  ab,  z.  B.  Körpertemperatur;  alkalische 
oder  saure  Reaktion  gewisser  Medien,  und  bei  den  Pflanzen  von  der 
grösseren  oder  geringeren  Dicke  der  Zellmembranen.  Immerhin  wird 
in  vielen  Fällen  diese  Immunität  ihre  Erklärung  in  der  natürlichen 
Resistenz  der  Leukocyten  gegen  die  Bakteriengifte  finden,  welche 
dieselben  zu  rascher  Beseitigung  der  Infektionserreger  befähigt.  Die 
Theorie  von  Metschnikoff  leugnet  nicht,  dass  ausser  der  Phago» 
cytose  noch  andere  Schutzmittel  des  Organismus  existiren,  aber  sie 
behauptet,  dass  die  Thätigkeit  der  Phagocyten  unter  all  diesen  Mitteln 
das  ausgebreitete  und  das  wirksamste  ist  Diese  Theorie  scheint 
uns  für  alle  Vorgänge  eine  Erklärung  zu  bieten,  und  muss  deshalb 
als  sehr  wahrscheinlich  bezeichnet  werden.  Die  Kenntniss  der  Bakterien- 
gifte und  die  chemische  Schutzimpfung  in  Verbindung  mit  der  Ent- 
deckung der  Chemotaxis  haben  nur  dazu  beigetragen,  die  dunkeln 
Seiten  mehr  aufzuhellen.  Weit  entfernt,  dass  die  Phagocytentheorie 
durch  das,  was  man  gegen  dieselbe  ins  Feld  geführt  hat,  gestürzt 
worden  wäre,  zieht  sie  vielmehr  Nutzen  daraus  —  wahrlich  ein  starker 
Beweis  ihrer  gesicherten  Grundlage  I    (Beifall) 

Büchner  (München)  hatte  als  offizieller  Berichterstatter  seine 
Anschauungen  über  den  gegenwärtigen  Stand  der  Immunitätsfrage 
in  einem  ausführlichen  Referate  niedergelegt,  welches  gedruckt  unter 
die  anwesenden  Theilnehmer  des  Kongresses  vertheilt  wurde.  Die 
für  die  Diskussion  wichtigsten  Punkte  dieses  Referates  und  der  münd- 
lichen Ausführungen  sind  folgende: 

Obwohl  es  etwas  sehr  Bestechendes  an  sich  hat,  die  Thätig- 
keit der  Phagocyten  als  Aeusserungen  zweckmässiger,  ererbter,  funk- 
tioneller Anpassung  aufzufassen,  so  trägt  nach  den  Arbeiten  von 
Kowalewski,  van  Rees,  sowie  nach  den  eigenen  Unter- 
suchungen des  Vortragenden  die  lokale  Ansammlung  von  Leukocyten 
doch  zunächst  nur  den  Charakter  eines  Resorptionsvorganges 
an  sich.  Keineswegs  nur  durch  Bakterien  und  Infektionsprozesse 
kommt  lokale  Leukocytose  zu  Stande,  sondern  auch  durch  ganz  härm- 
tose,  aseptisch  eingeführte  Substanzen  (z.  B.  Glutenkasein,  Alkali- 
albunünat  u.  s.  w.),  und  das  muss  uns  vorsichtig  machen  in  der 
Deutung,  d.  h.  in  der  mechanischen  Erklärung  der  Beobach- 
tengen Metschnikoff 8  über  Phagocytose,  deren  Richtigkeit  und 
Zuverlässigkeit  an  sich  nicht  im  mindesten  zu  bezweifeln  ist 


7 10  Bakteriologisches  rom  VlI   internAtionalrti  ftongrefts  ra  LonAött. 

Seitdem  von  Mets chnikoff  für  bestimmte  Fälle  die  Aufnahme 
lebender  und  virulenter  Bakterien  durch  Phagocyten  nachgewiesen 
wurde,  ist  die  Phagocytose  zwar  prinzipiell  als  ein  nützlicher  Vor- 
gang, als  eines  unter  den  vorhandenen  Abwehrmitteln  des  Körper* 
erwiesen;  aber  ihre  allgemeinere  und  entscheidende  Bedeu- 
tung für  den  Schutz  des  Organismus  gegen  die  Infektionsgefahr 
können  wir  deshalb  nicht  sofort  annehmen,  weil  ja  noch  andere, 
viel  unmittelbarer  wirkende  Einrichtungen  zu  diesem  Zwecke  vorhan- 
den sind,  nämlich  die  schützenden  Stoffe  in  den  Gewebssäfteo, 
die  keinesfalls  so  bei  Seite  geschoben  werden  dürfen,  wie  dies  Herr 
Boux  zu  thun  versucht  hat,  sondern  die  zur  Immunitat  zweifellos 
in  ursächlicher  Beziehung  stehen.  Diese  unter  dem  Mikroskop  aller- 
dings unsichtbaren  Faktoren  wirken  schon  im  empfänglichen  Thier, 
hier  aber  in  der  Begel  ungenügend  —  aus  sogleich  zu  erörternden 
Gründen  —  stärker  aber  im  natürlich  immunen  und  künstlich  im- 
munisirten  Thier,  und  da  wäre  es  denn  wohl  möglich,  dass  die  Pha- 
gocytose in  den  meisten  Fällen  nur  etwas  Sekundäres  ist,  nachdem 
die  Infektionserreger  vorher  bereits  durch  andere  Einwirkungen  ver- 
ändert wurden. 

Die  Schwierigkeiten,  welche  der  Annahme  einer  Beziehung 
zwischen  bakterienfeindlicher  Wirkung  der  Gewebssäfte  und  Immuni- 
tät entgegenstehen,  erklären  sich  theils  aus  der  grossen  Labilität 
der  wirksamen  Stoffe,  indem  letztere  gerade  durch  die  Bakterien 
selbst  lokal  im  Körper  zerstört  werden  können;  theils  durch  Auf- 
treten und  Beimengung  gewisser  paralysirender  (Bakterien-nährender) 
Substanzen,  worauf  der  Vortragende  schon  früher  hingewiesen ;  nament- 
lich aber  durch  den  Umstand,  dass  die  schützenden  Stoffe  in  den 
Säften  nur  nach  Massgabe  ihrer  Quantität  wirken  im  Verh&ltniss 
zur  Menge  von  Bakterien,  welche  damit  in  Kontakt  kommen.  Die 
letztere  Thatsache  ist  vom  Vortragenden  durch  neue  Versuche 
besonders  ins  Licht  gesetzt  worden,  und  sie  erklärt,  namentlich 
im  Zusammenhalt  mit  den  anderen  vorgenannten  Momenten  die  von 
Roux  hervorgehobene  Differenz  des  Verhaltens  in  vitro  und  im 
Körper. 

Die  betreffende  Versuchsanordnung  war  folgende:  in  einem  Thal 
der  Blut-  oder  Serumproben  wurden  die  Bakterien  wie  gewöhnlich 
ausgesät,  so  dass  sie  sich  frei  in  der  Flüssigkeit  vertheilen  konnten; 
in  einem  andern  Theil  der  Proben  dagegen  wurde  letzteres  verhindert, 
indem  man  den  als  Aussaat  dienenden  Tropfen  Kulturflüssigkeit  zu- 
erst von  einem  kleinen  sterilisirten  Päckchen  von  entfetteter  Watte 
aufsaugen  liess  und  dieses  dann  im  Blut  oder  Serum  versenkte.  Die 
Aussaatmenge  war  dabei  eben  so  gross  wie  in  den  ersterwähnten 
Proben,  aber  ein  beträchtlicher  Theil  der  Bakterien  wurde  zwischen 
den  Fasern  der  Baumwolle  zurückgehalten  und  konnte  sich  nicht  frei 
in  der  Flüssigkeit  vertheilen. 

Das  Resultat  dieser  Versuche  ist  nun,  wenn  alle  Verhältnisse 
richtig  getroffen  sind,  dass  in  den  Proben  mit  freier  Einsaat  die 
sämmtlichen  Keime  zu  Grunde  gehen,  während  andererseits  die  in 
den  tieferen  Schichten  der  Wattepäckchen  festgehaltenen  Bakterien 
grossentheils  der  Vernichtung   entgehen   und   nach  dem  Erlöschen 


bakteriologisches  rotn  VlL  lnteraaiiönAleb  Rongre4a  zu  London.  7ll 

der  bakterienfeindlichen  Wirkung  des  Blutes  oder  Serums  sich  wieder 
vermehren.  So  erwiesen  sich  in  einem  Versuch  mit  Kaninchenblut 
und  Choleravibrionen  nach  24  Stunden  die  Röhren  mit  freier  Einsaat 
definitiv  als  steril,  während  jene  mit  Wattepäckchen  eine  reichliche 
Menge  von  Choleravibrionen  enthielten.  Andere  Versuche  mit  Serum 
verschiedener  Thierspezies  und  Typhusbacillen  ergaben  wesentlich 
gleichartige,  wenn  auch  nicht  immer  gleich  prägnante  Resultate,  da 
die  völlige  Abtödtung  der  frei  ausgesäten  Keime  nur  unter  günstigen 
Bedingungen  gelingt  Aber  der  Schutz,  den  die  Wattepäckchen  den 
darin  befindlichen  Bakterien  gegenüber  der  Wirkung  des  Serums  ge- 
währten, und  der  günstige  Einfluss  auf  die  wieder  eintretende  Ver- 
mehrung waren  stets  unverkennbar. 

Diese  Erscheinung  ist  nicht  schwer  zu  erklären:  in  die  engen 
Räume  zwischen  den  Fasern  der  Baumwolle  kann  nur  sehr  wenig 
Blut  oder  Serum  eindringen,  welches  nicht  im  Stande  ist,  die  dort 
vorhandenen  Bakterien  definitiv  zu  vernichten.  Jede  Volumen- 
einheit eines  bestimmten  Blutes  oder  Serums  vermag 
nur  eine  beschränkte  Zahl  von  Bakterien  bestimmter 
Art  zu  tödten.  Steigt  die  Bakterienzahl  über  diese  Grenze,  oder 
ist  dieselbe  von  vornherein  eine  zu  grosse,  dann  findet  keine  oder 
nur  eine  geringe  Vernichtung  und  —  in  Folge  der  Labilität  der 
schützenden  Stoffe  —  bald  wieder  Zunahme  der  ausgesäten  Bakterien 
statt.  Diese  Fundamentalthatsache  geht  übrigens  schon  aus  den 
Versuchen  von  Nissen  und  den  vom  Vortragenden  gemeinschaftlich 
mit  Fr.  Voit  ausgeführten  Untersuchungen  hervor. 

Die  Anwendung  dieser  Ergebnisse  auf  die  Experimente  verschie- 
dener Autoren  mit  Päckchen  von  Papier  oder  Membranen,  in  welche 
eingeschlossener  Infektionserreger  unter  die  Haut  von  Thieren  einge- 
führt wurden,  liegt  nahe  genug.  Nur  diejenigen  Versuche  können 
Beweiskraft  beanspruchen,  bei  denen  trotz  möglicherweise  mangel- 
haften Eindringens  der  thierischen  Säfte  in  die  betreffenden  Päckchen 
Tödtung  der  Infektionserreger  erfolgte,  wie  z.  B.  jene  von  Pekel- 
haring.  Negative  Resultate,  wie  jene  von  Metschnikoff,  können 
dagegen  nicht  als  beweisend  angesehen  werden. 

Des  weiteren  geben  diese  Resultate  eine  Aufklärung  über  den 
Hergang  beim  Infektionsprozess.  Gelangen  irgend  welche  Infektions- 
erreger, z.  B.  Milzbrandbacillen,  in  den  Kreislauf,  so  verweilen  die- 
selben bekanntlich  nicht  lange  in  den  grossen  Gelassen,  sondern  wer- 
den sofort  im  Kapillargebiete  an  verschiedenen  Stellen  abgelagert; 
trifft  es  sich  nun,  dass  mehrere  Bacillen  gleichzeitig  an  eine  und 
die  nämliche  Stelle  gerathen,  so  wird  die  umgebende  geringe 
Quantität  von  Serum,  wenn  sie  nicht  fortwährend  rasch  erneuert  wird, 
sehr  leicht  ungenügend  sein  können  zur  Tödtung  virulenter  Bacillen. 
Die  Folge  ist  dann  umgekehrt  eine  Zerstörung  der  labilen 
Schutzstoffe  in  dem  zunächst  umgebenden  Serum  und  damit 
eintretende  Vermehrung  der  Anthraxbacillen.  Es  bildet 
sich  ein  lokaler  Infektionsherd,  und  von  da  aus  erfolgt  durch  weitere 
analoge  Vorgänge  unaufhaltsam  die  Infektion  des  ganzen  Organismus. 
Auf  diese  Weise  erklärt  sich  das  scheinbar  so  paradoxe,  von  Lu barsch 
erhaltene  Resultat,  dass  extravasculäres  Kaninchenblut 


7 IS  Bakteriologisches  Tom  Vtl.  international«!  ftongrtss  tu  London* 

weit  mehr  Anthraxbacillen  zu  vernichten  vermag,  als 
andererseits  zur  Tödtung  des  Thieres  bei  Injektion  in 
d.en  Kreislauf  erfordert  werden.  Auf  diese  Heise  erklärt 
sich  Jlberhaupt  der  scheinbare  Widerspruch  zwischen  der  Thatsacbe 
der  ^Empfänglichkeit  z.  B.  der  Kaninchen  gegen  Milzbrand  und  anderer- 
seits der  schädlichen  Einwirkung  ihres  Blutes  auf  den  nämlichen  In- 
fektionserreger. 

Für  die  in  den  Gewebssäften  enthaltenen  schützenden  Stoffe,  auf 
deren  Eiweissnatur  vom  Vortragenden  zuerst  hingewiesen  wurde,  und 
die  namentlich  durch  ihre  ausserordentliche  Labilität  charakterisirt 
sind  (Uebergang  aus  dem  „aktiven11  in  den  unwirksamen  Zustand) 
möchte  derselbe  die  allgemeine  Bezeichnung  „Alexine*4  (von  aXi&iy 
abwehren,  schützen)  in  Vorschlag  bringen.  Herr  Hankin,  der  die 
schützenden  Stoffe  bisher  als  „defensive  protelds"  bezeichnet  hat, 
meint  zwar  in  einem  dem  Kongress  vorgelegten  Referate,  die  neae 
Bezeichnung  könnte  zu  Konfusionen  Anlass  geben,  schlägt  aber  selbst 
sogar  vier  neue  Bezeichnungen  vor  (s.  unten)  fttr  Unterabteilungen 
in  der  Gruppe  der  schützenden  Stoffe,  wodurch  die  Notwendigkeit 
einer  Qesammtbezeichnung  erst  recht  bewiesen  wird. 

Wenn  nun  auf  diese  Weise  die  ursächliche  Beziehung  der 
bakterienleindlichen  Wirksamkeit  der  Gewebssäfte  zur  Immunität 
gegenwärtig  genügend  begründet  erscheint,  so  fragt  es  sich  doch 
andererseits,  was  wir  von  dem  Vorgang  der  Phagocytose,  der  in  vielen 
Fällen  regelmässig  und  mit  den  Ueilungsvorgängen  gleichzeitig  ein- 
tritt, eigentlich  zu  halten  haben.  Die  wirksame  Ursache  der  An- 
lockung der  Leukocyten  kann  nur  eine  chemische  sein,  es  kann 
sich  nur  um  Chemotaxis  handeln,  wie  Herr  Boux  sehr  richtig 
hervorhob.  Todte  Körperchen  werden  zwar  auch  von  Leukocyten 
aufgenommen;  allein  schon  die  Untersuchungen  Leb  er9  s  haben  er- 
geben, dass  dieser  taktilen  Reizung  gegenüber  der  chemischen  nur 
eine  untergeordnete  Rolle  zukommt,  und  neue  Versuche  des  Vor- 
tragenden gemeinschaftlich  mit  A.  Schmidt  zeigten,  dass  pulveri- 
sirte  Substanzen  verschiedener  Art  in  der  Subcutis  in  ausserordent- 
lich viel  geringerem  Grade  zu  Leukocytenansammlungen  Anlass  geben, 
als  dies  bei  sterilisirten  Bakterienkulturen  der  Fall  ist 

Die  von  den  Bakterienzellen  ausgehende  starke  Leukocytenan- 
lockung  muss  daher  zweifellos  auf  gewisse  chemische  Stoße  be- 
zogen werden,  aber  nicht  auf  Toxine  oder  Toxalbumine,  wie  Herr 
Roux  zu  glauben  scheint.  Für  diese  Annahme  liegt  gar  kein  Be- 
weis vor;  im  Gegentheil  ist  eher  vorauszusetzen,  dass  die  Toxine 
unter  Umständen  abschreckend,  negativ  chemotaktisch  auf 
Leukocyten  wirken  können,  während  als  die  eigentlich  anlockenden 
Stoffe  nach  den  UnterBuchungen  des  Vortragenden  die  eiweissartigen 
Bestandteile  des  Bakterienplasmas,  die  sog.  Bakterienproteine 
anzusehen  sind.  Dabei  muss  der  Meinung  entgegengetreten  werden, 
als  ob  nur  die  todten  Bakterien  solche  Proteine  auszuscheiden  ver- 
möchten ;  vielmehr  ist  anzunehmen,  dass  die  Ausscheidung  der  an- 
lockenden Proteine  aus  der  Bakterienzelle  beginnt,  sobald  letztere 
den  Höhepunkt  ihrer  Lebensenergie  überschritten  hat  und  in  Folge 
schädlicher  Einwirkungen,  z.  B.  durch  die  schützenden  Stoffe  der 


Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongrees  iu  London.  713 

Gewebssäfte,  zu  kränkeln  beginnt.  Bei  spezifisch  hochvirulenten 
Bakterien  fehlt  letztere  Einwirkung;  Hühnercholerabacillen  erfahren 
im  Gewebe  von  Kaninchen  keine  Schädigung,  sie  scheiden  demnach 
auch  keine  Proteine  aus  und  es  fehlt  bei  ihrer  Einführung  in  die 
Subcutis  fast  gänzlich  die  Leukocytenanlockung,  wie  schon  Gabri- 
tchevsky  fand  und  A.  Schmidt  im  Laboratorium  des  Vortragen- 
den bestätigte.  Aber  wenn  man  die  gleiche  Kultur  in  sterili- 
sirtem  Zustande  einbringt,  so  zeigt  sich  beträchtliche  chemotaktische 
Wirkung,  weil  jetzt  Proteine  aus  der  Bakterienzelle  ausgeschieden 
werden.  Und  ebenso  ist  es  ein  wesentlicher  Unterschied  beim  Diplo- 
coccus  pneumoniae,  ob  man  denselben  in  lebendem  oder  in  getöd- 
tetem  Zustande  in  die  Subcutis  von  Kaninchen  einführt,  während  bei 
weniger  oder  gar  nicht  virulenten  Bakterien,  welche  der  bakterienfeind- 
lichen Wirkung  der  Körpersäfte  unterliegen,  die  Leukocytenanlockung 
bei  Einbringung  lebender  oder  todter  Kulturen  ganz  die  gleiche  zu 
sein  scheint 

Man  könnte  demnach  sagen:  je  stärker  ein  Mikroorga- 
nismus durch  die  Körper  safte  des  betreffenden  Thier- 
organismus  geschädigt  wird,  um  so  mehr  muss  es  zur 
Proteinausscheidung  und  in  Folge  dessen  zur  Anlock- 
ung von  Leukocyten  kommen.  Das  bedeutet  thatsächlich  un- 
gefähr das  nämliche,  wie  der  von  M  et  sehn  iko  ff  aufgestellte  Satz: 
Je  virulenter  ein  Mikroorganismus,  um  so  seltener  ist 
seine  Anwesenheit  in  Phagocyten  —  aber  er  gibt  zugleich 
eine  Erklärung  des  ursächlichen  Zusammenhangs. 

Die  Bakterien proteine,  um  die  es  sich  hier  handelt,  hat  man 
bisher  bei  der  Erklärung  des  Infektionsprozesses,  des  Zustande- 
kommens der  Immunität  u.  s.  w.  gar  nicht  berücksichtigt  Aber  es 
wird  sich  bald  die  Ueberzeugung  allgemein  Bahn  brechen,  dass  wir 
es  hier  mit  Produkten  des  Bakterienlebens  zu  thun  haben,  die  mindestens 
ebenso  wichtig  sind,  wie  die  spezifischen  Toxine.  Um  ihre  Bedeu- 
tung zu  charakterisiren,  sei  auf  eine  ganz  neue  hochinteressante 
Arbeit  von  Prudden  und  Hoden pyl  hingewiesen,  der  zu  Folge 
getödtete  und  mit  kochendem  Wasser  extrahirte  Tuberkelbacillen 
in  den  Kreislauf  von  Kaninchen  injizirt,  vollkommen  typische  Tuberkel- 
bildung mit  genau  dem  gleichen  histologischen  Befund  wie  die  leben- 
den Bacillen  —  natürlich  ohne  Gefahr  für  das  Leben  der  Thiere  und 
ohne  progressive  Tendenz  —  erzeugen  können.  Hier  wirken  zweifel- 
los die  in  der  Bakterienzelle  zurückgebliebenen  Reste  von  Bakterien- 
proteinen ;  das  kann  um  so  weniger  überraschen,  als  vom  Referenten 
schon  früher  behauptet  worden  war,  dass  letztere  Stoffe  das  eigent- 
lich spezifische  Prinzip  des  Tuberkelbacillus  darstellen  und  dass  durch 
sie  die  Bildung  der  charakteristischen  pathologischen  Produkte  be- 
dingt ist  Analoge  Resultate  sind  in  nächster  Zeit  in  wachsender 
Zahl  zu  erwarten,  das  Studium  der  Bakterienproteine  aber  und  ihrer 
Eigenschaften  dürfte  um  so  rascher  voranschreiten,  als  im  Labora- 
torium des  Vortragenden  neuerdings  vereinfachte,  sozusagen  natür- 
liche Methoden  zur  Extraktion  derselben  aus  der  Bakterienzelle  auf- 
gefunden wurden. 


714  BaktarlologUclits  vom  VII.  internationalen  Kongras  in  London, 

Nach  den  offiziellen  Berichterstattern  erhält  das  Wort: 

Hanktng  (Cambridge):  Die  antibakterielle  Wirkung  des  Serums 
ist  bedingt  durch  die  Anwesenheit  gewisser  schützender  Eiweissstoffe 
(„defensive  proteids")  in  demselben,  die  ihrerseits  zur  Immunitat  in 
wesentlicher  Beziehung  stehen.  Letzterer  Zusammenhang  ist  wahr- 
scheinlich :  1)  weil  die  schützenden  Eiweisskörper  der  Ratte  im  Stande 
sind,  Mäuse  gegen  virulenten  Anthrax  zu  immunisiren,  während  die 
gleichen  Stoffe  von  empfänglichen  Thieren  viel  schwächer  bakterien- 
tödtend  wirken  und  auf  Mäuse  nicht  die  gleiche  schützende  Wirkung 
ausüben;  2)  durch  Ernährung  mit  Brot  können  wilde  Ratten  für 
Milzbrand  empfänglich  gemacht  werden,  während  gleichzeitig  die 
schützenden  Eiweisskörper  in  ihrem  Organismus  sich  nachweisbar 
vermindern ;  3)  sehr  junge  Ratten,  die  für  Anthrax  empfänglich  sind, 
enthalten  nur  Spuren  von  schützenden  Eiweisskörpern. 

Da  die  Charakterisirung  der  verschiedenen  schützenden  Eiweiss- 
körper auf  chemischem  Wege  kaum  möglich  ist,  so  müssen  die- 
selben nach  ihren  physiologischen  Merkmalen  unterschieden 
werden.  Demnach  gibt  es  zwei  Hauptgruppen,  indem  die  einen 
(„Sozio eu  von  oco^oj)  im  normalen  Thierkörper  vorkommend  die 
natürliche  Immunität  bedingen,  während  die  anderen  („Phy- 
1  a  x  i  n  e  u  von  <pvldoou>)  bei  der  erworbenen  Immunität  sich  finden. 
Jede  dieser  Hauptgruppen  zerfällt  wieder  in  je  zwei  Unterabthei- 
lungen, indem  die  Wirksamkeit  des  betreffenden  Eiweisskörpers  ent- 
weder auf  die  lebenden  Infektionserreger  (Myko-sozin,  Myko 
phylaxin)  oder  nur  auf  deren  Giftstoffe  sich  erstreckt  (Toio- 
sozin,  Toxo-phylaxin).  Für  jede  dieser  vier  Kategorieen  sind  bereits 
Beispiele  bekannt. 

Die  Phagocytenlehre  hält  H.  durch  die  Existenz  der  schützenden 
Stoffe  nicht  für  ausgeschlossen,  da  es  ihm  gelang,  gerade  auch  aus 
Leukocyten  derartige  Substanzen  darzustellen.  Die  Thatsache,  dass 
Sozine  im  Serum  gefunden  werden,  beweise  übrigens  nichts  für  deren 
freie  Anwesenheit  im  Plasma,  aus  welchem  das  Serum  gewonnen 
werde.  Es  wäre  möglich,  dass  die  schützenden  Eiweisskörper  die 
Waffen  sind,  deren  sich  die  Phagocyten  bei  ihrem  Kampfe  mit  den 
Mikroben  bedienen;  aber  die  Rolle,  die  sie  dabei  spielen,  muss  jeden- 
falls erst  näher  erforscht  werden. 

Prof.  Emmerich  (München)  berichtet  über  seine,  gemeinschaft- 
lich mit  Dr.  A.  Fawitzky  ausgeführten  Untersuchungen  über  di- 
künstliche  Erzeugung  von  Immunität  gegen  kroupöse 
Pneumonie  und  die  Heilung  dieser  Krankheit 

Durch  E.'s  Untersuchungen  über  „die  Ursache  der  Immunität 
und  die  Heilung  von  Infektionskrankheiten",  wurde  festgestellt,  das 
die  Ursache  der  künstlichen  Immunität  in  einem  antibakteriellen,  für 
die  Körperzellen  aber  ganz  unschädlichen  Toxin  besteht  Dieser  die 
Bakterien  tödtende  Stoff  kann  von  der  ersten  Schutzimpfung  her  im 
Körper  sein.  Es  ist  aber  auch  möglich,  dass  derselbe  erst  von  den 
durch  die  neuerdings  erfolgte  Bakterieninvasion  gereizten  Körper- 
zellen gebildet  wird,  oder  aber  er  kann  eine  lösliche,  chemische  Ver- 
bindung sein,  die  sich  durch  die  wechselseitige  Einwirkung  der  eigen- 


bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress  iu  London.  715 

thümlich  modifizirten  Zersetzungsprodukte  der  Körperteilen  und  der 
Stoffwechselprodukte  der  Bakterien  bildet. 

Das  hervorragendste  pathologisch -anatomische  Phänomen  bei 
illen  Infektionskrankheiten  ist  die  parenchymatöse  Schwellung  und 
fettige  Degeneration.  Bei  der  ersteren  füllen  sich  die  Zellen  mit 
riweissartigem  Material,  welches  zersetzt  und  theilweise  in  Fett  über- 
geführt wird.  Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  dass  bei  dieser  fast  alle 
Zellkomplexe  des  Organismus  betreffenden  abnormalen  Modifikation 
der  Zellthätigkeit  jene  Körper  gebildet  werden,  welche  als  Bakterien- 
gifte wirken  und  die  Immunität  bedingen.  Diese  Bakteriengifte  sind 
also  möglicherweise  intermediäre  Stoffwechselprodukte,  welche  beim 
Tebergang  von  Eiweiss  in  Fett  entstehen.  Nach  der  Erkenntniss 
dieser  Vorgänge  war  es  in  hohem  Grade  wahrscheinlich,  dass  das 
Blut  und  der  Gewebssaft  immunisirter  Thiere,  welcher  so  energisch 
wirkende  antibakterielle  Stoffe  enthält,  auch  bei  der  zum  Ausbruch 
gekommenen  Infektionskrankheit  als  Heilmittel  wirken  müsse,  wenn 
man  ihn  subkutan,  intraabdominell  oder  intravenös  dem  erkrankten 
Organismus  einverleibt.  Diese  Schlussfolgerung  hat  sich  bis  jetzt  bei 
zwei  Infektionskrankheiten:  beim  Rothlauf  der  Schweine  und  bei  der 
durch  den  Diplococcus  pneumoniae  Fraeokel  verursachten 
kroupösen  Pneumonie  als  vollkommen  richtig  erwiesen. 

Der  Rothlauf  und  die  Pneumonie  sind  heilbar,  sie  können  durch 
die  Injektion  des  Blutes  und  des  Gewebssaftes  künstlich  immunisirter 
Kaninchen  coupirt  werden.  Ja  man  kann  sogar  den  Ausbruch  dieser 
Krankheiten  ganz  verhindern,  wenn  man  den  Thieren,  kurze  Zeit  nach 
der  Infektion  mit  Reinkulturen  der  betreffenden  pathogenen  Bakterien, 
den  Gewebsaft  künstlich  immunisirter  Thiere  einverleibt. 

Der  Gewebsaft  und  das  Blut  der  künstlich  immunisirten  Kanin- 
chen entfalten  aber  eine  sehr  verschiedene  Wirksamkeit,  je  naclTder 
Methode,  welche  zur  Immunisirung  angewendet  wurde. 

Immunisirt  man  die  Kaninchen  durch  subkutane  Injektion  ab- 
geschwächter Kulturen,  so  erhält  man  eine  unvollständige  Immunität 
und  der  aus  den  immunisirten  Thieren  hergestellte  Gewebssaft  besitzt 
nicht  die  volle  und  grösstmögliche  Heilwirkung. 

Durch  Schutzimpfung  vermittelst  intravenöser  Injektion  hoch- 
gradig verdünnter,  vollvirulenter  Kultur  erhält  man  dagegen  komplete 
Immunität  und  einen  Gewebssaft  von  ganz  eminenter,  man  kann  fast 
sagen  von  idealer  Heilkraft. 

Dr.  Doenissen  hat  unter  R's  Leitung  festgestellt,  dass  Kanin- 
chen, welche  eine  Stunde  lang  eine  Bouillonkultur  von  Pneumonie- 
Diplokokken  inhaliren,  stets  ohne  Ausnahme  an  Pneumonie  erkranken 
und  binnen  2,  3  oder  4  Tagen  zu  Grunde  gehen. 

Injizirt  man  nun  Kaninchen,  welche  1,  2  oder  21/»  Stunden 
Bouillonkultur  von  Pnenmoniekokken  inhalirt  haben,  20  bis  25  ccm 
durch  Ghamberl and' sehe  Filter  filtrirten  Gewebssaft  oder  Blut  von 
durch  intravenöse  Injektion  stark  verdünnten  Diplokokkenkulturen 
immunisirter  Kaninchen,  so  erkranken  die  Thiere  nicht  an  Pneumonie, 
es  stellen  sich  nicht  einmal  irgend  welche  Krankheitserscheinungen 
und  keine  Erhöhung  der  Körpertemperatur  ein,  selbst  wenn  die  sub- 
kutane Injektion  des  Gewebssaftes  erst  12—15  Stunden  nach  der  In- 


716  *•*•  Llttoratar. 

halation  vorgenommen  wurde.  Da  es  nach  den  Versuchen  von  Dr.  Doe- 
nissen  höchst  wahrscheinlich  ist,  dass  der  Diplococcus  Fraen< 
kel  die  Ursache  der  kroupösen  Pneumonie  ist,  so  ist  die  Hoffnan 
berechtigt,  dass  es  gelingen  wird,  mit  dem  Gewebssaft  immunisirte 
Thiere  auch  die  Pneumonie  des  Menschen  zu  heilen,  oder  beim  Am* 
brach  einer  Epidemie  in  einem  Gefängnisse  etc.   die  Insassen  durch 
Schutzimpfung  mit  diesem  Gewebssaft  gegen  die  Krankheitserreger  no« 
empfänglich  zu  machen.    Diese  Erwartung  wird  um  so  sicherer  ii 
Erfüllung  gehen,  wenn  es  gelingt,  die  immunisirende  und   heilend! 
Substanz  aus  dem  Gewebssaft  in  st&rkerer  Konzentration  oder  chemisch 
rein  darzustellen,  so  dass  dieselbe  in  beliebig  grossen  Dosen  ange- 
wendet werden  kann,  was  deshalb  möglich  ist,  weil  der  Gewebssaft 
gegen  Pneumonie  immunisirter  Thiere,  welcher  ja  aus  einem  gesunde» 
Körper  stammt,  ganz  unschädlich  ist,  und  wie  das  Experiment  zeigt, 
keinerlei  Störung  im  Organismus  verursacht 

(Fortaetsung  folgt.)  I 

! 


Neue  Lltteratur 

De.  Abthub  Würzbum, 

BMMhskar  im  Ksnerlichra  Ownndhdtwmte  in  Berlin. 

Untenuehungsmethoden,  Instrumente  ete. 

Kiquel,  P.,  et  BerÜaux,  P.,  Sur  an  bain  häterotherme  pouvant  etre  utilisc'  dans  les 
laboratoires  de  bactlriologie.     (Annal.  de  microgr.  1891.  No.  10/11.  p.  601—509.) 

TaYel,  Les  seringues  et  lear  Sterilisation  dans  lafpratique  chlrurgicaJe  et  bacteriologique 
(Annal.  de  microgr.  1891.  No.  18.  p.  664—573.) 

Unna,  P.  6.,  Die  Färbung  der  Mikroorganismen  im  Horngewebe.  (8onderdr.)  gr.  8*. 
88  p.     Hamburg  (Voss)  1891.  0,80  M. 

Allgemeines  über  Bakterien  und  Parasiten. 

Braftld,  0.,  Untersuchungen  ans  dem  Gesammtgebiete  der  Mykologie.  Fortsetzung  der 
Sobimmel-  und  Hefenpilse.  IX.  u.  X.  Heft.  IX.  Hft.:  Die  Hemiasd  nnd  die  Asco- 
myceten.  Untersachnngen  aas  dem  königl.  botan.  Institute  in  Münster  i.  W.,  » 
Gemeinsehaft  ausgeführt  ra.  F.  ▼.  Tarel,  in  den  üntersnchgn.  über  Aseoidea  und 
Endomyces  m.  G.  L  i  n  d  a  u.  VIII,  1S6  p.  m.  4  Taf.  16  M.  —  X.  Hft. :  Ascomyceten  IL 
(Fortsetzung  des  IX.  Heftes.)  Untersuchungen  ans  dem  königl.  botan.  Institut  in 
Münster  i.  W.,  in  Gemeinschaft  ausgeführt  m.  F.  t.  Tavel.  IV  u.  p.  157—378 
m.  10  Taf.  26  M.     gr.  4°.     In  Comm.    Münster  i.  W.  (Heinrich  Sehöningh)  1891. 

48  M. 

Hanagirg,  A.t  Algologische  und  bakteriologische  Mittheilungen.  (Sonderdr.)  gr.  8*. 
p.  297—865.     Prag  (Fr.  Rivnac)  1891.  1,20  M. 

Bepetitorium,  kuraes,  der  Bakteriologie  (Methode,  Verfahren  und  Technik,  sowie  Syste- 
matik der  pathogenen  Mikroorganismen)  als  Vademecom.  Gearb.  nach  den  Werken 
und  Vorlesgn.  ▼.  Babes,  Baumgarten,  Eisenberg  etc.  8°.  VI  u.  52  p.  Wien  (M. 
Breitenstein)  1891.  1,10  M 

Morphologie  und  Systematik. 

Antoniotti,  P.,  Genera  alla  peronospora  e  ad  altri  parassiti.  2.  ed.  (Suppl.  al  Bollett 
d.  comiaio  agrario  blellese  1891.  No.  4.)  8°.  81  p.     Biella  (Tip.  Chiorino)  1891. 

Behuurmans  Steokhoren,  J.  H.,  Saccharomycea  kefyr.  Proefschrift  8*.  54  p.  Utrecht 
(G.  H.  £.  Broijer)  1891. 


Kette  Litkeratar.  717 

Biologie. 
(Qährang,  Fänlniss,  Stoflwechselprodakte  usw.) 

Hehir,  P.,  Life  history  of  the  haematozoon  of  malaria.  (iDdian  med.  Gaa.  1891.  No.  9. 
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Beziehungen  der  Bakterien  und  Paraalten  zur  unbelebten  Katar« 

Lu/l,   Waeser%  Boden. 

Marcantonio,  A.,  Ricerebe  batteriologiche  dell'  acqaa  del  golfo  di  Napoli.  (Giorn.  inter- 
nes, d.  scienze  med.  1891.  No.  14.  p.  689 — 646.) 

Well,  F.,  Bakteriologische  Untersuchung  der  Luft  in  Freibarg  i.  B.  and  Umgebung. 
(Ztschr.  f.  Hyg.  etc.  1891.  Bd.  XI.  No.   1.  p.  121—168.) 

Winogradsky,  8.,  Kecherches  aar  les  organismes  de  la  nitrification.  (Annal.  de  l'Instit. 
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Nahrungi-  und  Qenunvrittel,  Gebrauchsgegenstände. 
Schaffer,  De  l'action  du  mycoderma  vioi  aar  La  eompoaition  du  vin.     (Annal.  de  microgr. 
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Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Katar. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten. 

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Celli,  A.,  und  Marohiafava,  B.  Ueber  die  Parasiten  dee  rothen  Blutkörperchen*.  (Inter- 
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Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei   Menschen. 
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Smith,  E.  B.,  Om  sundhedskommissionerDe  paa  landet  og  trykte  forholdsregler  mod 
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Sommerfeld,  Th.,  Wie  schützen  wir  uns  und  unsere  Kinder  vor  Masern,  Scharlach, 
Diphtherie  and  den  Übrigen  ansteckenden  Krankheiten?  Nebst  den  polizeil.  Vor- 
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720 


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Lucas  Gräfe  &  Sülem)  1891.  4  M- 

Viglietto,  F.,  Come  combattere  la  peronospora  nel  1891.     8°.     7  p.     üdine  (Tip.  Seits) 

1891. 
Voglino,  F.,  I  ranghi  piu  dannosi  alle  piante  coltivate;    il  carbone  del  giantnrco,  üsti- 

lago  Maydis  Corda.     8  p.  1  tav.     Casale  (Tip.  Cassone)  1891. 
Zabriskie    J.  L.,   The    fangas  Pestaloszia  insidens,   n.    s.     (Joarn.    of   the  New    York 

Mio.  Soc,  Jaly  1891.  Vol.  III.  No.  8.  p.  101—108.) 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwlcke- 

lungshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koch9 sehe 

Heilverfahren  gegen  Tuberkulose. 

Babet,  V.,  et  Cerchea,  T.,  Explriences  snr  I'attenuation  da  virus  fixe  rabique.  (Annal. 
de  l'Instit.  Pastear.  1891.  No.  10.  p.  685—632.) 

Babinsky,  A.,  Taberkulose  innerer  Organe  bei  Behandlang  mit  Tuberkulin.  (Areh  £ 
KinderheUk.  1891.  Bd.  XIII.  No.  4/6.  p.  316-389  ) 

Baranowski,  J.,  Sprawozdanie  ze  spostrsezeri,  csynionych  w  Warszawie  nad  leeseniem 
chorych  gruzliczych  metoda  Prof.  B.  Koch'a  Pam.  (Towarz.  lek.  Warssaw.  1891. 
p.  1—270.) 

Boer  O  Ueber  die  Behandlang  diphthcrie-inficirter  Meerschweinchen  mit  chemischen 
Präparaten.     (Ztschr.  f.  Hyg.  etc.  1891.  Bd.  XI.  No.  1.  p.   164—164.) 

Boachard,  Co.,  Sur  les  pr&endues  vaccinations  par  le  sang.  (Internat  Beitr.  z.  Wissen- 
schaft!. Med.     [Pestschrift.     Berlin,  Hirschwald]  1891.     Bd.  III.  p.  1—27.) 


Inhalt. 


Originalmittheilungen. 

Büchner,  H.,  Zar  Nomenklatur  der  schützen- 
den Eiweisskörper.    (Orig.),  p.  699. 

Zettnow,  E.,  Ueber  den  Bau  der  Bakterien. 
Mit  1  Tafel.    (Orig.),  p.  689. 

Zschokke,  7.,  Die  Parasitenfauna  von  Trutta 
salar.    (Orig.),  p.  694. 

Beferate. 
Malachowskl,   E.,    Zur   Morphologie   des 

Plasmodium  malariae,  p.  706. 
Mannaberg,  J.,   Beiträge  aar  Morphologie 

and  Biologie   des  Plasmodium  malariae, 

p.  705. 
Migula,  W.,  Die  Bakterien,  p.  701. 
Protopopoff,  Sur  la  queation  de  la  stractare 

des  bactenes,  p.  702. 
Prudden,    T.     Mitchell,    and   Hodenpyl, 

Eugene,  Stadies   on   the  action  of  dead 

bacteria  in  the  living  body,  p.  703. 
Sakharoff,  Recherches  sar  le  parasite  des 

fievrea  paludäennes  irregalieres,  p.  706. 


und  das  Naphthol  {£) 
der  Ohrenkrankheiten, 


Schntaimpfang ,  künstliche  Infektions- 
krankheiten, Entwicklungahemmang 
and  Vernichtung  der  Bakterien 
and  Parasiten. 

Haag,  Das  Lysol 
in  der  Therapie 
p.  707. 

Originalberiehte  Aber  Kongresse. 
Bakteriologisches  vom  VTL  inter- 
nationalen Kongress  fürHygiene 
and  Demographie  zu  London, 
10.— 17.  August  1891.  (Forts.),  p.  708. 
Bachner,   Ueber  den  gegenwärtigen  Stand 

der  Immunitätsfrage,  709. 
Emmerich,  Ueber  die  künstliche  Erzeugung 
von  Immunität  gegen  kronpose  Pneu- 
monie und  die  Heilung  dieser  Krankheit, 
p.  714. 
Hankin,  Die  antibakterielle  Wirkung  des 
Serums,  p.  714. 

Heue  Litterator,  p.  716. 


jfromtnannscho  Baobdruckeroi  (Hermann  Pohlo)  In  Jena, 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

(tek.  M.  Prot  Dr.  Leselart  m  Protesor  Dr.  Loefter 

taLdpdf  to  GielfnrtU 

herausgegeben  Ton 

Dr.  O.  TThlworm  in  CaeseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X,  Band.       -«-     Jena,  den  18.  December  1891.     -o-  Jfo.  83  U. 


Preli  fflr  den  Band  (86  Nummern)  14  Hark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Binde. 

— »g    Zu  bestehen  durch  alle  Bachhandlangen  and  Postanstalten.    %*— 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
künde*'  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
Ȋtze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  sehreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen.  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nickt  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 


Apparat  zum  Abimpfen  von  Bakterien-Kolonien. 

Von 

Prof.  J.  Fodor 

in 

Budapest. 

Wenn  von  einer  Koch9 sehen  Plattenkultur  aus  Hunderten 
von  Kolonien  eine  oder  einige  Kolonien,  die  eine  spezielle  Wichtigkeit 
besitzen,  abzuimpfen  sind,  und  besonders  wenn  diese  Manipulation 
unter  dem  Mikroskope,  bei  50— 100-maliger  Vergrösserung,  auszufüh- 
ren ist,  belästigt  uns  oft  das  kaum  vermeidbare  Zittern  der  Hand, 
das  unsichere  Hinundhertasten  der  Impfnadel,  und  nur  zu  oft  miss- 


722  Fodor,  Apparat  tarn  Abimpfon  der  Bakterien-Kolonien. 

glückt  uns  das  Abimpfen,  weil  wir  mit  unsicherer  Hand  ausser  der 
gewünschten  Kolonie  auch  eine  knapp  daneben  liegende  streiften. 

Ich  liess  zum  Zwecke  des  Abimpfens  einen  kleinen  Apparat 
konstruiren: 

Auf  einem  Mikroskop-Gestelle  steht  senkrecht  eine  circa  10  cm 
hohe,  hohle  Säule,  in  welcher  mittelst  Schraube  ein  Metallzapfen 
einige  cm  weit  gehoben  oder  gesenkt  werden  kann.  —  Der  Zapfen 
trägt  eine  horizontal  befestigte  Stahlhülse,  in  welcher  ein  Stab  mit- 
telst Schraube  einige  cm  weit  hervorgestossen  oder  zurfickgezoges 
werden  kann.  Am  freien  Ende  des  Stabes  ist  eine  Stahlhülse,  horizon- 
tal und  unter  rechtem  Winkel  zum  Stabe,  befestigt,  welche  ein  kurzes, 
mittelst  Schraube  etwa  3—4  cm  weit  vorstreckbares  und  zurück- 
ziehbares  Stäbchen  trägt,  an  dessen  freiem  Ende  mittelst  Klammer 
der  die  Platinnadel  führende  Glasstab  festgehalten  wird. 

Um  abzuimpfen,  wird  der  Impfstab  durch  die  Klammer  fest- 
gestellt. Derselbe  liegt  horizontal;  das  Stielende  der  Platinnadel 
wird  nur  wenig,  die  Spitze  derselben  schroff  nach  abwärts  gebogen 
Der  Abimpfer  („Bakterien-Fischer44  könnte  man  ihn  nennen)  wird 
nun  ganz  nahe  an  das  Mikroskop  gerückt,  der  senkrechte  Zapfen 
soweit  emporgeschraubt,  dass  der  Impfstab  etwas  höher  liegt,  als  die 
Platte,  von  welcher  abzuimpfen  ist.  Mit  freiem  Auge  wird  nun  die 
Spitze  der  Impfnadel  in  die  Nähe  der  abzuimpfenden  Kolonie  gerückt, 
unter  dem  Mikroskope  dann  genau  über  die  Kolonie  eingestellt,  der 
Zapfen  mittelst  der  Schraube  so  weit  gesenkt,  dass  die  Spitze  der 
Platinnadel  in  die  Kolonie  eintaucht,  und  dann  der  Zapfen  wiederum 
hinaufgeschraubt.  Die  Nadelspitze  ist  nun  mit  Impfmaterial  umhüllt 
was  mittelst  des  Mikroskopes  genau  geprüft  werden  kann.  Dann 
schiebt  man  den  Apparat  vom  Mikroskope  weg  und  verimpft  das 
gefischte  Material 

Sowohl  die  Konstruktion  des  Apparates,  wie  auch  seine  Hand- 
habung ist  eine  so  einfache,  dass  eine  weitere  Erklärung  mir  ud- 
nöthig  erscheint.  Nur  will  ich  noch  bemerken,  dass  es  vermöge  des 
Abimpfers  in  unserer  Macht  steht,  nicht  nur  die  gewünschte  Kolonie 
sicher  und  ohne  Verunreinigung  abzuimpfen,  sondern  auch  Impf- 
material nach  Wunsch  von  der  Mitte  oder  vom  Rande  der  Kolonie, 
oder  aber  auch  von  der  scheinbar  steril  gebliebenen  unveränderten 
Umgebung  der  Kolonie  zu  holen. 

Den  Kolonien-Abimpfer  (Bakterien-Fischer)  liefert  die  Firma 
Calderoni  u.  C.  in  Budapest,  Deakgasse,  zum  Preise  von  25  Gol- 
den oder  40  Mark. 

Budapest,  81.  Oktober  1891. 


Beyarinek,    Qualitative  and  quantitative  mikrobtochemifche  Analyst.      723 


Qualitative  und  quantitative  mikrobiochemische  Analyse. 

Von 

M.  W.  Beyerinck. 

Unter  „mikrobiochemische  Analyse"  verstehe  ich  den  Gebrauch  von 
Mikroorganismen  für  Nachweis  und  Dosirung  bestimmter  Stoffe. 

Zweck  derselben  ist,  Aufschluss  zu  erhalten  Ober  die  Natur  orga- 
nischer Flüssigkeiten,  von  den  Extrakten  von  Pflanzentheilen,  von  den 
Produkten  von  enzymatischen  Umwandlungsprozessen;  ferner  Ober 
diejenigen  Bestandteile  sehr  verdünnter  Lösungen  im  Allgemeinen, 
welche  für  Mikrobienwachsthum  geeignet  sind.  Das  Verfahren  be- 
ansprucht nichts  Weiteres  zu  sein,  als  ein  Hülfsmittel  bei  physio- 
logisch-chemischen Untersuchungen;  nur  mit  diesen  zusammen  ist 
es  werthvoll  und  verbrauchbar. 

Für  die  qualitative  Analyse  ist  das  auxanographische  Verfahren 
mit  Vortheil  anwendbar. 

Das  Prinzip  der  quantitativen  Methode  beruht  auf  die  Ueber- 
führung  der  zu  bestimmenden  gelösten  Körper  in  Mikrobiensub- 
stanz  und  auf  der  quantitative  Bestimmung  der  letzteren  durch  Kolo- 
nienzählung. Die  Ausführung  der  Versuche  muss  mit  Reinkulturen 
geschehen.  Wünscht  man  dabei  zu  wahren  Gewichtsverhältnissen 
zu  gelangen,  so  muss  die  chemische  Zusammenstellung  der  verwen- 
deten Mikrobienarten  bekannt  sein.  Liegt  z.  B.  Hefe  vor,  so  kann 
man  ziemlich  genaue  Zahlen  aufstellen ,  welche  jedoch  bei  dem  «den 
verschiedenen  Nährböden  entsprechenden  ungleichen  Gehalte  der  Hefe- 
zellen an  Wasser,  Stickstoff  und  Glycogen  natürlich  nur  als  annähernd 
müssen  betrachtet  werden. 

Dagegen  kann  das  relative  Verhältnis«  zwischen  den  Zahlen  der, 
z.  B.  aus  zwei  Wasserproben  zu  kultivirenden  Hefezellen  bei  richtiger 
Versuchsanstellung,  zu  einer  sehr  genauen  Bestimmung  des  relativen 
Gehaltes  an  Mikrobiennährstoffen  in  den  untersuchten  Proben  Ver- 
anlassung geben,  und  das  ist  in  den  gewöhnlichen  Fällen  zureichend. 

Bei  dem  Gebrauch  von  Bakterien,  deren  chemische  Zusammen- 
setzung noch  unvollkommener  bekannt  ist,  wie  diejenige  von  Hefe, 
kann  die  gefundene  Gesammtzahl  der  organischen  Stoffe  nicht  weiter 
zergliedert  werden. 

!•  Qantitative  Bestimmung  der  organischen  Stoffe  in 

verdünnten  Lösungen  und   in  Trinkwasser  durch 

Mikrobienwachsthum. 

Die  klare  Lösung  oder  das  zu  untersuchende  filtrirte  Wasser 
*inl  durch  Sieden  oder  auf  irgend  eine  andere  Weise  durch  Hitze 
sterilisirt  In  ein  bestimmtes  Volumen  wird  dann  eine  Spur  irgend  einer, 
Je  nach  Umständen  kleinen  oder  sehr  kleinen,  nicht  in  Ketten  wach- 
senden, sondern  nach  jeder  Theilung  sofort  frei  kommenden  Bakterie 
uisgesät,  und  wenn  der  Höhepunkt  der  Vermehrung  erreicht  ist,  durch 

46* 


724  Beyertnek, 

KolonienzähluDg  in  irgend  einem  geeigneten  festen  Substrate,  der, 
als  Bakteriensubstanz  aus  der  Lösung  abgesetzte  Gehalt  an  orga- 
nischen Mährstoffen  festgestellt 

Verwendet  man  dabei  eine  Bakterienart,  welche  für  die  Ver- 
mehrung eine  gesonderte  Stickstoff-  und  Kohlenstoffquelle  verlangt 
so  wird,  bei  Gegenwart  einer  zureichenden  Quantität  Phosphate,  vos 
den  beiden  Körpergruppen  so  viel  als  Bakteriensubstanz  festgelegt, 
wie  dem  plastischen  Aequivalent  dieser  Stoffe  entspricht  *);  der  neben 
diesem  Aequivalent  in  Ueberschuss  vorhandene  Theü,  sei  es  der  Stick- 
stoffverbindungen ,  sei  es  der  Kohlenstoffsubstanzen,  bleibt  unver- 
wendet  zurück. 

Wird  dagegen  der  zu  analysirenden  Flüssigkeit  eine  Mikrobies- 
art  zugefügt,  welche  sich  nur  ausschliesslich  von  stickstoffhaltiges 
Stoffen  ernährt,  so  erhält  man  Einsicht  in  das  quantitative  Mass 
dieser  Körpergruppe  allein  f  und  zwar  soweit  dieselbe  für  Mikrobien- 
vermehrung  tauglich  ist  Echte  Peptonbakterien  werden  keine  Am- 
monsalze  und  ebensowenig  Nitrite  und  Nitrate  anzeigen. 

Als  sehr  geeignet  für  diese  Untersuchung  haben  sich  die  soge- 
nannten Wasserbakterien  ergeben,  das  heisst  diejenigen  Formen, 
welche  durch  ihre  ausserordentliche  Kleinheit  und  durch  einen  höchst 
merkwürdigen  Ernährungsmechanismus  selbst  in  destillirtem  Wasser 
zu  prodigiösen  Zahlen  sich  vermehren  können.  Dieselben  müssen 
zum  Zwecke  des  Zählens  in  sehr  verdünnte  feste  Substrate  ausgesät 
werden,  z.  B.  in  10°/0  Lösungen  reiner  Gelatine  in  Leitungswasser. 
Die  Hauptschwierigkeit  bei  der  Ausführung  der  Versuche  ist  die  Er- 
haltung einer  konstanten  Temperatur,  ferner  die  vollständige  Fern- 
haltung  flüchtiger  organischer  Körper,  sowie  schädlicher  Stoffe  von 
den  Kulturkolben. 

2.  Quantitative  Bestimmung  des  Gesammtsti ckstoffs 
Die  Hauptformen,  worin  der  Stickstoff  im  Wasser  und  in  den 
meisten  physiologisch  wichtigeren  Flüssigkeiten  gefunden  wird,  näm- 
lich als  Eiweiss,  Pepton,  Amid,  Ammonsalz,  Nitrit  und  Nitrat,  sind 
alle  der  biochemischen  Bestimmung  zugänglich,  das  heisst,  es  gibt 
bestimmte  Mikrobien,  welche  diese  Körper  als  Stickstoffquellen  ver- 
wenden können.  Wie  sich  in  dieser  Beziehung  die  Cyanverbindungeo 
verhalten,  das  heisst,  ob  es  überhaupt  lebende  Wesen  gibt,  welche 
dieselben,  zusammen  mit  einer  Kohlenstoffquelle,  assimiliren  können, 
ist  mir  noch  unbekannt.  Zahlreiche  Formen,  welche  ich  untersuchte, 
konnten  es  bestimmt  nicht  Stoffe  wieTyrosin,  Leucin  und  Ureum 
werden  dagegen  durch  viele  Arten,  bei  Gegenwart  eines  Kohle- 
hydrates, vollständig  assimilirt. 

Die  Methode  ist  eine  ausserordentlich  empfindliche.  Ja  die 
Empfindlichkeit  ist  eine  so  grosse,  dass  es  empfehlenswerth  ist,  Or- 
ganismen zu  gebrauchen,  welche  nicht  allzu  klein  sind  und  deshalb 
bei  der  Herstellung  jedes  individuellen  Keimes  eine  nicht  excessir 
kleine  Stickstoffmenge  absorbiren.    Es  sind  besonders  gewisse  Hefe- 


1)  Ueber   den  Ausdruck    „plastisches  Aequivalent"    findet  man  Näheres  in 
Aufsätze    Über   die    Ernährung    der   Leuchtbakterien,   Archive»   Neerlandaise* 
T.  S4.  pag.  898.  1880. 


Qualitative  and  quantitative  mikrobiochemische  Analyse.  725 

arten1),  welche  sich  deshalb  sehr  für  die  biochemische  Analyse 
empfehlen.  Bei  dem  Gebrauch  von  Hefen  muss  man  jedoch  durch 
das  Mikroskop  sicher  festgestellt  haben,  dass  die  Zellen  gänzlich 
lose  herum  schwimmen;  sind  dieselben  noch  zu  Verbänden  ver- 
einigt, so  ist  natürlich  Kolonienzählung  gänzlich  werthlos.  Ferner 
muss  hervorgehoben  werden,  dass  die  gewöhnlichen  Hefeformen  Pep- 
tone sehr  leicht,  Eiweisskörper  dagegen  nicht  oder  nur  sehr  unvoll- 
kommen assimiliren,  so  dass  diese  unbenutzt  in  den  Flüssigkeiten 
zurückbleiben.  Nitrite  werden,  so  viel  mir  bekannt,  nur  durch  das 
Nitratferment  verbraucht,  und  dieses  Ferment  ist  wegen  des  allzu 
langsamen  Wachsthums  für  die  Analyse  nicht  zu  verwenden.  Es  ist 
aber  leicht,  ohne  Einführung  irgend  einer  Fehlerquelle,  etwa  vorhan- 
denes Nitrit  zuvor  durch  eine  Spur  Permanganat  zu  oxydiren.  Das 
dabei  entstehende  Nitrat  kann  durch  gewisse  Hefen  assimilirt  werden. 

Das  hohe  Phosphatbedürfniss  der  Hefen  wird  in  manchen  Fällen 
die  Zufügung  einer  Spur  Kaliumbiphosphats  an  die  zu  untersuchende 
Flüssigkeit  erheischen. 

Ist  die  Stickstoffmenge  eine  äusserst  geringe,  handelt  es  sich 
z.  B.  um  die  Bestimmung  dieses  Körpers  in  destillirtem  Wasser  oder 
in  den  Verunreinigungen,  welchen  Rohrzucker  oder  Glykose  anhängen, 
so  ist  es  empfehlenswertb,  gewisse  Bakterienarten,  welche  sich  leicht 
vermehren  und  ein  nur  geringes  Stickstoffbedürfniss  haben,  für  die 
Analyse  zu  verwenden.  Bei  der  Aussaat  für  das  Kolonienzählen 
muss  dann  aber  mit  grösster  Vorsicht  vorgegangen  werden,  denn  die 
verschiedenen  individuellen  Keime  verhalten  sich  einer  bestimmten 
Konzentration  der  Nährstoffe  gegenüber  nicht  alle  gleich,  und  zwar  in 
der  Weise,  dass  die  älteren  Keime,  in  konzentrirteren  Nährmassen, 
worin  die  jüngeren  Keime  sehr  gut  zu  Kolonien  auswachsen,  nicht 
alle  zur  Entwickelung  gelangen  *). 

Man  hat  jedoch  für  solche  Versuche  eine  so  reiche  Auswahl 
von  Formen,  besonders  wenn  man  die  in  Wasser  oder  die,  neben 
dem  Nitrit-  und  Nitratferment,  bei  Nitrifikationsversuchen  auftreten- 
den Arten  anwendet,  dass  sich  vielleicht  die  genannte,  durch  das 
Alter  der  Keime  bedingte  Schwierigkeit  bei  weiterer  Ausbildung  des 
Verfahrens,  vollständig  wird  beseitigen  lassen.  Ich  erwarte  dieses 
besonders  deshalb,  weil  ich  viel  besser  übereinstimmende  Zahlen  er- 
hielt, als  ich  eine  von  mir  als  B>  nitrosophilus  bezeichnete  Art 
verwendete,  wie  mit  den  ebenfalls  an  verdünnte  Nährlösungen  ad- 
aptirten  Papilionaceenbakterien. 

Auch  muss  betont  werden,  dass  es  für  die  Genauigkeit  des 
Versuches  wichtig  ist,  wenn  die  individuellen  Keime  gleich  gross 
sind.  Auch  dieses  ist  bei  dem  stäbchenförmigen  B.  nitrosophilus 
viel  mehr  der  Fall,  wie  bei  den  Wurzelbakterien  der  Papilionaceen, 
welche  in  den  Kulturen  als  Stäbchen,  Sterne,  Bakteroide  und  sehr 
kleine  Schwärmer  auftreten. 

Auf  die  Möglichkeit,  die  Phosphate  in  Wasser  durch  die  bio- 

1)  Dm  Wort  „Hefe"  gebrauche  ich  hier  im  weitesten,  morphologischen  Sinne,  und  ver- 
stehe darunter  auch  die  rothen  Hefen,  welche  gar  nicht  verwandt  sind  mit  der  Alkoholhef«. 

2)  Diese  Erklärung  der  beobachteten  Thatsacho   geht  aus  den  vergleichenden  Ver- . 
suchen  mit  jungen  und  alten  Kulturen,  welche  für  die  Aussaaten  gebraucht  werden,  hervor. 


726     Beyerinck,   Qualitative  und  quantitative  nükrobiochemisehe  Analyse. 

chemische  Analyse  quantitativ  zu  bestimmen,  habe  ich  meine  An- 
dacht noch  nicht  gerichtet  Meine  auzanographischen  Versuche 
haben  mich  überzeugt,  dass  diese  ebenso  gut  ausfahrbar  erscheint 
wie  die  Stickstoffbestimmung. 

Dagegen  erachte  ich  die  Möglichkeit  des  Nachweises  von  Kalium 
als  fraglich,  diejenige  von  Schwefel,  Chlor,  Calcium  und  Magnesium 
als  nicht  ausführbar« 

3.  Hauptschwierigkeiten  des  Verfahrens. 

Diejenigen  Forscher,  welche  sich  mit  der  Bestimmung  des  Zucker- 
gehaltes organischer  Losungen  durch  Gährung  beschäftigt  haben 
und  die  grossen  Abweichungen  kennen,  welche  dabei  in  der  entwickeltes 
Kohlensäuremenge  auftreten,  werden  vielleicht  die  von  mir  vorge- 
schlagene physiologische  Methode  als  eine  a  priori  sehr  ungenaue  zo 
bezeichnen  sich  veranlasst  fühlen. 

Gegen  das  gewöhnlich  angewendete  Gährungsverfahren  habe  ich 
aber  viel  einzuwenden.  An  dieser  Stelle  genügt  es  zu  betonen,  dass 
aus  der  Ungleichheit  der  Kohlensäurequantitäten  bei  den  üb  liehen 
Gährungsversuchen,  welche  mit  roher  Press-  oder  Bierhefe  an- 
gestellt werden,  durchaus  nicht  auf  eine  Ungleichheit  in  der 
Anzahl  der  neugebildeten  Hefezellen  geschlossen  werden  kann,  wenn 
nach  meinem  Verfahren  gearbeitet  wird,  und  ich  behaupte,  dass  es 
durch  das  Zählen  der  Zellen,  welche  bei  übrigens  gleichenVersuchs- 
bedingungen  entstehen,  auch  möglich  ist  eine  sehr  genaue  Einsicht 
die  quantitativen  Zuckerverhältnisse  verschiedener  Nährlösungen  zu 
erreichen.  Es  ist  dabei  in  allererster  Stelle  nöthig,  den  Stickstoff 
immer  in  derselben  Form  —  z.  B.  bei  den  Mykodermen  als  Ammon Verbin- 
dung, bei  den  Maltosehefen  als  Pepton  *)  —  in  die  Flüssigkeiten,  welche 
auf  Zucker  untersucht  werden  sollen,  darzureichen.  Ferner  muss  die 
für  die  Aussaat  verwendete  Zahl,  sowie  die  Qualität8)  der  Zellen 
nahezu  identisch  sein,  was  leicht  durch  Abmessen  geschehen  kann, 
wenn  man  zuvor  die  Zellen  in  Wasser  aufschüttelt,  und  endlich  mass 
der  Zutritt  des  Sauerstoffs  in  die  Nährlösungen  auf  identische 
Weise  stattfinden.  Dieses  letztere  lässt  sich  sehr  vollkommen  erreiches, 
wenn  die  in  den  Versuchskölbchen  oberhalb  der  Kulturflüssigkeit  befind- 
liche Luft  durch  eine  Druck-  oder  Saugvorrichtung  sehr  langsam, 
aber  fortwährend  erneuert  wird.  Die  Schichten  in  den  Kultor- 
kölbcheü  sollen  dabei  sehr  [dünn,  die  zugeführte  Luft  filtrirt  und 
nicht  zu  trocken  sein. 

Als  von  besonderer  Wichtigkeit  bezeichnete  ich  die  chemische 
Bindungsform,  worin  der  Stickstoff  dargereicht  wird.  In  dieser  Be- 
ziehung kann  ich  nicht  auf  Einzelheiten  eingehen  und  betone  nur, 
dass  identische  Zuckermengen  sehr  verschiedene  Zahlen  von  Hefe- 
zellen erzeugen  mit  identischen  dargebotenen  Stickstoffmengen,  je 
nachdem  die  letzteren  als  Pepton,  Amid  oder  Ammoniaksalze  zur 

1)  Die  Zahl  der  Hefesellen,  welch«  ans  Pepton  mit  Nlhraalicn  allein  entsteht, 
ist  eine  äusserst  kleine,  und  kann,  wenn  der  Zacker  in  nicht  allia  geringer  Qaanti- 
tit  vorliegt,  vernachlässigt  werden. 

i)  Unter  Qualität  verstehe  ich  hier  die,  besonders  durch  das  Alter  beetunmU 
Quantität  der  in  den  Zellen  vorhandenen  Beservestoffe,  wie  Glykogen,  Protoplasma  und 
Extraktivkörper. 


Buch  Der,  Die  Forschnngsmethoden  in  der  Immunitfttsfrago.  727 

Verfügung  stehen.  Peptone  erweisen  sich,  z.  B.  bei  der  Vermehrung  der 
Maltosehefen  am  produktivsten,  bei  den  Mycodermen  dagegen  nicht  etc. 

Aehnliche  Verhältnisse,  wie  die  hier  beschriebenen  werden  gewiss 
auch  für  alle  anderen  Mikrobien  als  Fehlerquellen  des  Verfahrens  be- 
stehen. Dieselben  sind  jedoch,  bei  den  nicht  g&hrenden  Arten  von 
geringerer  Bedeutung,  und,  bei  der  Aufstellung  von  nur  relativen  Wer- 
then,  jedenfalls  kein  ernstes  Hinderniss. 

Auf  die  nicht  flüchtigen  löslichen  Stoffwechselprodukte  der  Mikrobien 
glaube  ich  ungefähr  die  nämlichen  Betrachtungen  anwenden  zu 
können,  wie  auf  die  Athmungs-  und  Oährungskohlensäure  der  Hefe, 
und  ich  meine,  dass  auch  dadurch  das  Erreichen  vollständiger  Ge- 
nauigkeit zwar  vereitelt  werden  muss,  allein,  dass  die  Grösse  der  sich 
daraus  ergebenden  Toleranz  die  Methode  nicht  erschüttert  In  anderen 
Aufsätzen  werde  ich  durch  Beispiele  das  hier  Gesagte  näher  begründen. 

Delft,  Mitte  Oktober  1891. 


Die  Foreohungsmethoden  in  der  Immunitatsfrage. 

Von 

H.  Büchner. 

In  der  erat  jüngst  beim  Londoner  internationalen  hygienischen 
Kongress  stattgefundenen  Verhandlung  über  Immunität  *)  wurde  die 
prinzipielle  Frage  der  anzuwendenden  Methodik  gar  nicht  zur  Dis- 
kusaion gestellt,  wohl  in  der  Voraussetzung,  dass  in  dieser  Beziehung 
keine  Divergenz  der  Meinungen  existire.  Die  Diskussion  hat  das 
Irrige  dieser  Annahme  ergeben,  und  noch  deutlicher  tritt  das  zum 
TheU  aus  den  seitdem,  im  August-Heft  (No.  8)  der  Annales  de 
rinstitut  Pästeur  publizirten  Arbeiten  von  Boux  und  Metschni- 
koff  und  ihren  Schülern  hervor8).  Insbesondere  auf  Grund  der 
letzteren  möchte  man  zu  der  Ueberzeugung  kommen,  dass  —  wenn 
beide  Parteien,  für  und  wider  die  Phagocytentheorie,  auf  ihrem  prin- 
zipiellen Standpunkte  verharren  —  eine  Verständigung  auch  für  die 
Zukunft  ausgeschlossen  ist.  Der  Wissenschaft  der  kommenden  Tage 
bliebe  dann  nichts  übrig,  als  über  die  eine  oder  die  andere  der  Par- 
teien —  nach  meinem  Sinne  ist  die  Wahl  nicht  zweifelhaft  —  zur 
Tagesordnung  überzugehen.  Ich  betone  ausdrücklich  die  wissen- 
schaftliche Methodik,  die  Art  der  Auflassung  des  ganzen  Problems, 
denn  um  diese  handelt  es  sich,  nicht  nur  um  einzelne  Experimental- 
aufgaben  oder  Reihen  von  solchen.  Nachdem  ich  auf  dem  Londoner 
Kongress  in  der  Immunitätsfrage  einmal  das  Wort  ergriffen  habe, 
scheint  es  mir  nöthig,  auch  dieses  noch  zur  völligen  Klarstellung 
meines  Standpunktes,  insbesondere  den  neuesten  Publikationen  von 
Roux  und  Metschnikoff  gegenüber,  hinzuzufügen. 

Die  Beweisführung  Metschnikoff  s  besteht  seit  geraumer 
Zeit  darin ,  in  immer  neuen  Spezialfällen  wiederholt  zu  zeigen ,  wie 

1)  Ref.  Aber  diese  Verhandlungen  s.  dies.  Centrtibl.  Bd.  X.  p.  649  ff. 

2)  8.  die  betr.  Referate  in  dieser  Nr.  des  Centrtibl. 


728  Bnehntr, 

beim  empfänglichen  Thiere  der  hochvirulente  Infektionserreger  sich 
ungehindert  vermehrt  und  Allgemeininfektion  bewirkt,  während  im 
Gegensatze  hierzu  beim  immunisirten  Thiere  sehr  bald  sich  Leuko- 
cyten  am  Inokulationsorte  einstellen,  die  als  Pbagocyten  wirken,  wo- 
mit gleichzeitig  unter  Entwicklung  entzündlicher  lokaler  Erschei- 
nungen der  Infektionsprozess  selbst  begrenzt  und  der  Heilang  ent- 
gegengeführt wird.  In  diesem  Sinne  ist  von  Metschnikoff  auf 
dem  Kongress  zu  London  neuerdings  die  Infektion  mit  Vibrio  M. 
bei  intakten  und  immunisirten  Meerschweinchen  geschildert  worden; 
im  gleichen  Sinne  sind  von  ihm  früher  die  verschiedensten  Infektions- 
prozesse bereits  behandelt  worden.  Der  Scharfsinn  in  der  Anord- 
nung und  Durchführung  der  Experimente,  die  Eleganz  der  mikro- 
skopischen Detailbeobachtung  bleiben  dabei  immer  in  gleichem  Masse 
bewundern8werth,  und  das  Interesse  für  die  geschilderten  Vorgänge 
verjüngt  sich  bei  jedem  neuen  Falle.  Aber  gerade  dieses  Interesse, 
das  durch  die  blosse  Beobachtung  nicht  befriedigt,  nur  erweckt 
wird,  drängt  den  Anhänger  mechanischer  Naturbetrachtung  immer 
ernstlicher  zur  Frage  des  Warum? 

Das  Verh&ltniss  beim  Vibrio  Metschnikovi,  das  Gegensätz- 
lichen) den  Vorgängen  beim  intakten  und  künstlich  immunisirten  Thier 
erscheint  ja  ganz  analog  jenem  anderen  Gegensatz,  wenn  der  näm- 
liche Infektionserreger  auf  zwei  verschiedene  Thierspezies  von  ver- 
schiedenem natürlichen  Empfänglichkeitsgrad,  z.  B.  der  Pneumonie- 
Diplococcus  oder  der  Anthraxbacillus  auf  das  Kaninchen,  anderseits 
auf  die  Species  Homo  übertragen  werden.  Wir  kennen  diese  Ver- 
schiedenheiten sehr  wohl,  wir  wissen,  dass  in  einem  Falle  rapide  Blut- 
infektion ohne  Leukocytose,  im  andern  entzündliche  Erscheinungen 
und  Beilungstendenz  die  Folge  sind.  Und  noch  eine  dritte  Parallele 
lässt  sich  gewinnen,  durch  künstliche  Abschwächung  eines  Krank- 
heitserregers, da  der  vollvirulente,  und  anderseits  der  abgeschwächte 
Keim  zur  nämlichen  Spezies,  zum  nämlichen  Thierindividuum  ähn- 
lich verschieden  stehen,  wie  der  virulente  Erreger  zu  zwei  Thieren 
von  verschiedener  Widerstandsfähigkeit. 

Das  Alles  wissen  wir  seit  einigen  Jahren,  und  es  ist  vorauszu- 
sehen, dass  sich  das  gleiche  Verhältniss  noch  in  zahlreichen  Einzel- 
fällen bestätigen  lässt.  Und  doch  hilft  uns  das  Alles  nicht  zur 
mechanischen  Erklärung  des  Zusammenhangs,  sondern  diese 
muss  erst  gesucht  und  gefunden  werden.  Ich  kann  daher  den  neuen 
„Beweis"  von  Metschnikoff  als  einen  Beweis  für  die  Phago- 
cytentheorie  im  ursächlichen  Sinne  nicht  gelten  lassen,  weil  derselbe 
in  meinen  Augen  vor  allem  selbst  der  Erklärung  bedarf.  Für  midi 
waren  die  soeben  geschilderten  drei  Kategorien  von  Erscheinungen 
seinerzeit  der  Anlass,  nach  den  eigentlich  wirksamen  Ursachen 
zu  suchen,  und  diese  glaubte  ich  einerseits  in  der  Ausscheidung  vod 
chemotaktischen  Proteinen  aus  der  Bakterienzelle,  wenn  sie  unter 
schädigende  Einflüsse  geräth,  anderseits  in  der  bakterienfeindlicheo 
Wirkung  des  Serums  gefunden  zu  haben. 

Für  die  Herren  Metschnikoff  und  Boux  existiren  diese 
beiden  Dinge  nicht,  oder  vielmehr  sie  existiren  zwar  theilweise  — 
da  man  sich  neuerdings  im  Institut  Pasteur  von  der  zuerst  bestrit- 


l>ie  frorscbungsmtthoden  in  der  tmmiinttJttafrtge.  ^29 

tenen  bakterienfeindlichen  Wirksamkeit  der  Säfte  überzeugt  hat; 
aber  sie  sind  nur  theoretisch,  nur  „in  vitro"  vorhanden,  für  den 
Organismus  und  die  Vorgänge  in  ihm  haben  sie  keine  Bedeutung. 

Dies  gerade  kennzeichnet  nun  den  abweichenden  prinzipiellen 
methodischen  Standpunkt«  der  eine  Verständigung  in  weite  Ferne 
rückt  Die  Physiologie  strebt  zwar  selbstverständlich,  die  Vorgänge 
im  Körper  so  zu  erkennen,  wie  sie  wirklich  dort  stattfinden,  aber 
sie  verzichtet  dabei  nicht  und  kann  nicht  verzichten  auf  das  Ex- 
periment „in  vitro",  ohne  dass  unsere  heutige  Physiologie  undenkbar 
wäre.  Allerdings,  die  Fehler  müssen  dabei  auf  das  geringste  mög- 
liche Mass  reduzirt,  und  die  Schlüsse  müssen  mit  Reserve  gezogen  wer- 
den. Aber  ohne  jede  experimentelle,  d.  h.  willkürliche  Gestaltung 
der  Bedingungen,  unter  denen  der  Vorgang  erfolgen  soll,  ist  es  uns 
eben  unmöglich,  zu  etwas  Anderem  zu  gelangen,  als  zu  einer  W  a  h  r- 
scheinlichkeit san nähme.  Und  das  ist  es,  wobei  die  Phago- 
cytentheorie  stehen  zu  bleiben  im  Begriffe  ist  Ihre  berufensten 
Vertreter  verzichten  darauf,  über  diesen  Standpunkt  hinauszugehen, 
sie  fühlen  nicht  das  Bedürfniss  nach  experimenteller  Gewissheit,  sie 
perhorresziren  den  Versuch  „in  vitro". 

Die  starke  tödtende  Wirksamkeit  des  Serums  immunisirter 
Meerschweinchen  gegenüber  dem  Vibrio  M.,  die  von  Behring  und 
Nissen  konstatirt  war  —  während  das  Serum  normaler  Thiere 
Vennehrung  gestattet  —  findet  Metschnikoff  neuerdings  selbst 
bestätigt.  Aber  trotzdem  soll  dieses  Verhältniss  keine  Bedeutung 
für  die  Immunität  der  Thiere  haben.  Es  gibt  nur  zwei  Gründe, 
auf  die  sich  ein  solches  Ablehnen  einer,  für  jeden  unbefangen  Ur- 
teilenden hochwichtigen  Thatsache  möglicherweise  berufen  könnte: 
Entweder  man  erklärt  die  im  Serum  wirksame  bakterientödtende 
Substanz  überhaupt  für  reines,  in  vitro  entstandenes  Kunstprodukt, 
das  beim  Absterben  des  Blutes  sich  bildet  Das  ist  hier  schon  des- 
halb unzulässig,  weil  ja  auch  das  Blut  und  Serum  des  intakten 
Meerschweinchens  in  vitro  „abstirbt",  demnach  ebenfalls  tödtend 
wirken  müsste  —  abgesehen  von  den  anderen,  allgemeineren  Grün- 
den gegen  diese  Absterbehypothese,  die  ich  bereits  in  meinem  Kon- 
gress-Referate  angeführt  habe. 

Oder  man  gibt  zwar  zu,  dass  die  bakterienfeindliche  Wirkung 
des  Serums,  d.  h.  der  darin  enthaltenen  Alexine,  auch  im  Körper 
vorhanden  sei,  aber  durch  andere,  paralysirende  Gegenwirkungen 
hier  verdeckt  werde.  Möglicherweise  ist  dies  die  Ansicht  von 
Metschnikoff,  und  hier  wäre  dann  vielleicht  bis  zu  einem  gewis- 
sen Grade  noch  ein  Boden  für  die  Verständigung  vorhanden.  Denn 
das  ist  zweifellos  zuzugeben,  dass  die  Wirkung  der  Alexine  im  Kör- 
per verdeckt  und  paralysirt  sein  kann.  Ich  konnte  selbst  das  erste 
Beispiel  für  ein  solches  Verbalten  liefern  durch  den  Nachweis,  dass 
gefrorenes  und  wieder  aufgethautes  Blut  nicht  mehr  schä- 
digend auf  Bakterien  wirkt,  während  beim  zellfreien  Serum  oft- 
maliges Gefrieren  und  Wiederaufbauen  die  Wirkung  nicht  beeinträch- 
tigt. Die  Alexine  bleiben  also  durch  das  Gefrieren  unbeschädigt, 
aber  die  Zerstörung  der  rothen  Körperchen  im  Blut  bringt  para- 
lysirende Stoffe  in  Lösung.    Analoges  kann  im  lebenden  Körper  ge- 


730  Bachner, 

wiss  eintreten,  aber  lokales  und  zeitweiliges  Verdecktaein  einer 
physiologischen  Wirkung  ist  nicht  gleichbedeutend  mit  gänzlichem 
Nichtvorhandensein. 

Ein  zweites  Beispiel  für  Hemmung  der  Alexinwirkung  in  Bha 
und  Serum  habe  ich  dann  neuerdings  in  meinem  Kongress-Beferate 
mitgetheiit  Wenn  man  die  Bakterien  im  Serum  nicht  frei  vertheiit 
sondern  den  Aussaat-Tropfen  zuerst  von  einem  kleinen  Päckchen 
steriler,  entfetteter  Watte  aufsaugen  lässt  und  dieses  im  Serum  ver- 
senkt, so  ist  die  tödtende  Wirkung  weit  geringer;  die  engen  Räume 
zwischen  den  Fasern  der  Baumwolle  erschweren  den  Zutritt  grosserer 
Mengen  von  Serum  zu  den  Keimen,  letztere  entgehen  der  tödtendea 
Wirkung  und  können  sich  nach  Erlöschen  der  bakterienfeindliches 
Aktion  des  Serums,  nachdem  die  labilen  Alexine  inaktiv  geworden 
sind,  im  freien  Serum  wieder  vermehren. 

Eine  Hauptschwierigkeit,  welche  der  Uebertragung  der  Blat- 
und  Serumresultate  auf  das  Immunitätsproblem  bisher  im  Wege  stand, 
scheint  mir  durch  dieses  Beispiel  beseitigt.  Man  konnte  nicht  be- 
greifen, wie  es  möglich  sei,  dass  auch  das  Blut  empfänglicher 
Thiere  bakterientüdtend  wirkt1);  man  kam  über  die  Schwierigkeit 
nicht  hinweg,  dass  nach  Lubarsch  das  extravaskuläre  Blut  eines 
Kaninchens  Hunderttausende,  ja  Millionen  von  virulenten  Anthrax- 
bacillen  zu  vernichten  vermag,  während  eine  relativ  geringe  Menge 
der  letzteren  ausreicht,  um  das  ganze  Thier  durch  Injektion  auf  dem 
Blutwege  zu  tödten.  Man  kann  das  jetzt  erklärlich  finden ,  wenn 
man  sich  das  Verhalten  der  Milzbrandbacillen  im  Kapillargebiet 
wohin  sie  rasch  gelangen,  ähnlich  vorstellt  jenem  der  in  den  Watte- 
päckchen abgelagerten  Bakterien.  Mehrere  Keime,  zufällig  an  einer 
Stelle  mit  geringerem  Serumzufluss  gleichzeitig  abgelagert,  können 
einen  lokalisirten  Infektionsherd  erzeugen ,  der  zur  allmählichen  Ent- 
stehung sekundärer  derartiger  Herde,  endlich  zur  Gesammtinfektioo 
führt,  unter  parallel  gehender  successiver  Zerstörung  der  im  Orga- 
nismus vorhandenen  Alexine.  Der  Vorrath  an  letzteren  im  Körper 
wäre  zu  Anfange  der  Infektion  weitaus  genügend,  um  die  wenigen 
Keime  zu  vernichten.  Aber  dieser  Vorrath  kann  nie  an  Ort  und 
Stelle  zur  Geltung  gebracht  werden,  wo  sich  die  Schlacht  entscheidet: 
in  Einzelkämpfen  wird  statt  dessen  die  Armee  aufgerieben,  einem 
Gegner  gegenüber,  der  durch  seine  Vermehrungsfähigkeit  aus  jedem 
gewonnenen  Scharmützel  neue  Kräfte  schöpft  Die  allein  rationelle 
Strategik  des  Zellenstaates,  genannt  Organismus,  seinen  Angreifern 
gegenüber  wäre  die  sofortige  Konzentration  aller  entbehrlichen  Säfte, 
des  ganzen  Alexin vorrathes  auf  den  bedrohten  Punkt.  Schade,  dass 
die  seit  Jahrtausenden  wirkende  Zweckmässigkeitsanpassung  einen 
derartig  raschen  Mechanismus  der  Mobilisirung  nicht  ermöglicht  hat 
Herr  Metschnikoff  stimmt  insofern  überein,  als  er  die 
Analogisirung  der  Verhältnisse  in  den  Wattepäckchen  mit  jenen  im 
Organismus  nicht  bestreitet    Aber,  weit  entfernt,  hierin  eine  Auf- 


1)  Hodx  and  Metschnikoff  finden  neuerdings  wieder  einen  unerklärliches 
Widerspruch  darin  v  dass  das  Serum  MiUbrand-empfftnglicher  Ratten  schldigeod 
und  schützend  gegen  Anthraxbecülen  wirkt.     8.  Ref.  in  dieser  Nummer. 


bie  Forschnngsmethoden  in  der  Tmmnnitfitsfrage.  73 1 

klärung  zu  erblicken,  welche  ans  die  „humorale"  Theorie  annehm- 
barer erscheinen  lässt,  beweisen  nach  ihm  die  angeführten  Versuche, 
indem  dieselben  die  Bedingtheit,  die  Abhängigkeit  der  Serumwirkung 
von  mancherlei  besonderen  Umständen  darthun,  nur  die  Unmög- 
lichkeit jener  Theorie1).  Herr  M.  übersieht  das  Ungerechte  und 
Irrthümliche  dieser  Folgerung.  Allerdings  haben  wir  im  lebenden 
Organismus  keine  so  massiven  Stoffe  und  Wirkungen  gegenüber  den 
Bakterien,  wie  etwa  in  einer  chemischen  Desinfektionsanstalt.  Man 
kann  nicht  verlangen,  dass  die  Alexine  im  Serum  so  unverwüstlich 
seien,  wie  manche  Metallgifte,  von  denen  möglicherweise  jedes  Mole- 
kül successive  auf  Millionen  von  Bakterien  einwirkt.  Aber  das  ist 
kein  Grund,  um  diese  Wirkungen  überhaupt  zu  leugnen,  am  wenig- 
sten für  einen  Forscher,  der  die  lebenden  Leukocyten  als  Kämpfer 
ansieht,  die  doch  ohne  allen  Zweifel  noch  viel  subtiler,  weit  abhän- 
giger von  den  verschiedensten  Bedingungen  in  ihrer  Wirksamkeit 
auf  Infektionserreger  sind,  als  die  Alexine  des  Serums.  Und  wenn 
wir  einsehen,  dass  diese  Schutzstofle  Körper  von  spezifischen  Eigen- 
schaften, aber  von  verschiedenem  Energiegrade,  bei  den  verschiedenen 
Spezies  wie  bei  den  verschiedenen  Individuen  sind,  und  dass  sie 
nach  Massgabe  ihrer  Quantität  wirken,  indem  den  Bakterien  ihrer- 
seits eine  Zersetzungsfähigkeit  für  die  labilen  Alexine  innewohnt, 
so  entspricht  gerade  diese  Komplizirtheit  der  Bedingungen  dem  na- 
türlichen Stande  der  Dinge.  Oder  wie  sollten  wir  je  begreifen,  dass 
eine  junge  Ratte  dem  Milzbrand  erliegt,  während  eine  ältere  refraktär 
bleibt,  wie  sollten  wir  den  Einfluss  von  Rasse,  von  Ernährung,  von 
zufälligen  individuellen  Bedingungen  auf  den  Verlauf  der  Infektion 
erklären  können,  wenn  es  sich  dabei  nur  um  grobe,  leicht  erkenn- 
bare und  nicht  vielmehr  um  feine  und  komplizirte  Vorgänge  und 
Unterschiede  handeln  dürfte?  Zweifelt  etwa  ein  Physiolog  an  der 
Bedeutung  der  Oxydationsprozesse  im  Körper,  obwohl  es  sehr  schwie- 
rig war  und  ist,  den  Wegen  des  Sauerstoffes  nachzugehen  und  die 
komplizirten  Bedingungen  zu  enträthseln,  unter  denen  er  mit  ge- 
wissen Bestandteilen  der  Gewebe  zuerst  in  Verbindung  tritt? 

Uebrigens  dürfen  die  Versuche  mit  den  Wattepäckchen  keines- 
wegs so  aufgefasst  werden,  wie  dies  Metschnikoff  thut,  als  ob 
die  bakterienfeindliche  Wirkung  des  Serums  durch  die  schützende 
Watteumhüllung  ganz  annullirt  worden  wäre,  Trotz  der  Watte 
zeigte  sich  in  mehreren  Versuchen,  bei  denen  besonders  wirksames 
Serum  zur  Verwendung  kam,  dass  die  eingeschlossenen  Keime  sämmt- 
lich  vernichtet  wurden.  Letztere  Versuche  wurden,  als  nichts  Neues 
lehrend,  in  meinem  Referate  nicht  angeführt  Bei  einer  ausführ- 
licheren Publikation  würde  der  vollen  Deutlichkeit  halber  es  nöthig 
sein,  auch  diese  zu  erwähnen  und  ferner  zur  Illustration  ver- 
gleichende Versuche  mit  inaktivem  (auf  55°  erwärmtem)  Serum  hin- 
zuzufügen. Dann  würde  man  deutlich  sehen,  einen  wie  grossen  bak- 
terienfeindlichen Einfluss  das  Serum  auch  bei  der  Watteumhüllung 
noch  ausüben  kann,  und  dass  die  Verhältnisse  für  die  Bakterien 
immerhin  weit  ungünstigere  sind,  als  bei  Aussaat  in  inaktives  Serum, 

1)  Ann.  de  Unat  Pasteur.  1881.  No.  8.  p.  587. 


732  fcüclmar, 

Ob  alles  dies  Herrn  Metschnikoff  überzeugen  wird,  weiss 
ich  nicht.  Ich  bezweifle  es,  denn  die  Frage  nach  dem  War  am, 
welche  mir  bei  den  verschiedenartigen  und  so  höchst  interessanten 
Vorgängen  im  empfänglichen  und  im  immunisirten  Thierkörper ,  die 
er  beschreibt,  immer  die  wichtigste  zu  sein  scheint,  liegt  für  ihn 
im  Hintergrunde  der  Diskussion ;  wenigstens  erwähnt  er  sie  in  seinen 
neuesten  Abhandlungen  nur  vorübergehend.  Ich  meine  die  Frage,  aus 
welchem  Grunde  im  einen  Falle  gar  keine,  im  anderen  eine  so 
starke  Leuko-  und  Phagocytose  zu  beobachten  ist.  Eigentlich  nur 
Herr  Roux  äussert  sich  hierüber,  indem  er  die  Anlockung  der 
Leukocyten  auf  Chemotaxis  zurückführt,  von  einer  Wirksamkeit 
der  Bakterien  auf  die  Leukocyten  durch  taktile  Reizung  —  wie 
sie  von  Metschnikoff  früher  angenommen  worden  war  —  dage- 
gen ganz  absieht,  ein  Standpunkt,  den  ich  vollkommen  theile. 

Entgegengesetzter  Meinung  bin  ich  dagegen  bezüglich  der  Na- 
tur der  anlockenden  Stofle.  Der  allgemeine  Ausdruck  „bakterielle 
Produkte"  oder  dgl.  genügt  uns  gegenwärtig  nicht  mehr.  Wir  müs- 
sen unterscheiden,  und  Herr  Roux  spricht  denn  auch,  im  direkten 
Gegensatz  zu  meinen  Untersuchungsresultaten,  die  Ansicht  aus,  dass 
die  „spezifischen  Toxine41  der  Bakterien  als  die  anlockenden 
Substanzen  zu  betrachten  seien  1).  Es  ist  dies  deshalb  bemerkens- 
wert]), weil  Metschnikoff  anderseits,  und,  wie  ich  glaube,  mit  viel 
grösserer  Berechtigung,  die  Toxine  der  Bakterien  umgekehrt  als 
negativ  chemotaktisch  wirkend  in  Anspruch  nimmt  and  ge- 
rade hierdurch  das  Ausbleiben  der  Leukocytose  bei  Inokulation  em- 
pfänglicher Thiere  mit  virulenten  Infektionserregern  zu  erklären 
sucht'). 

Möglich  wäre  nun  zwar,  dass  gewisse  Toxine  resp.  Toxalbumine 
positiv,  andere  dagegen  negativ  chemotaktisch  auf  Leukocyten  wir« 
ken,  aber  bevor  ein  Beweis  für  dieses  gegensätzliche  Verhalten  vor- 
liegt, —  und  bis  jetzt  ist  nicht  einmal  der  Versuch  zu  einem  Be- 
weise gemacht  worden  —  kann  ich  diese  Hypothese  absolut  nicht 
gelten  lassen.  Ich  bezweifle  durchaus ,  wenn  man  Glasröhrchen  mit 
reinen  Toxinlösungen  in  die  Subcutis  von  Warmblütern  einführt, 
dass  jemals  Leukocyten  hineinwandern;  denn  nach  meinen  Erfahrun- 
gen reagiren  diese  Wanderzellen  nur  auf  Nährstoff-artige  Beize, 
äussern  dagegen  nie  die  Tendenz,  zu  Giftstoffen  hinzuwandern,  durch 
welche  sie  beschädigt  und  getödtet  würden  —  ganz  in  Analogie  zu 
dem,  was  Pfeffer'  s  Untersuchungen  für  Flagellaten  und  Schwärm- 
sporen  ergeben  haben. 

Herr  Boux  wirft  mir  vor,  ich  hätte  bei  meinen  Versuchen  keine 
genügend  genauen  Methoden  angewendet,  um  die  Bakterienproteloe 
von  beigemengten  spezifischen  Toxinen  zu  befreien,  aber  er  scheint 
meine  Untersuchungen  nicht  zu  kennen.  Wenn  auch  wirklich  der 
Pneumobacillus  von  Friedländer,  von  dem  ich  zuerst  ausging,  bei 
Eultivirung  auf  Kartoffeln  spezifische  Toxine  liefern  sollte,  die  bei 
mehrstündigem  Kochen  mit  verdünnter  Kalilauge  Stand  halten  (da- 


8 


Ann.  de  I'InsUtnt  Pastaar.  1*01.  No.  8   p.  6*1 
Ann.  PMtanr.  18*1.  No.  8.  p   472. 


Die  Forschangsmethoden  in  der  ImmunlUUfrtge.  733 

malige  Methode  der  Proteingewinnung),  so  ist  dieser  Verdacht  doch 
ganz  sicher  ausgeschlossen  beim  Leim,  den  ich  mir  selbst  aus  fri- 
schen dekalzinirten  Knochen  bereitete,  beim  Alkalialbumina t, 
das  aus  Muskeln  gesunder  Thiere  gewonnen  wurde,  und  beim  Glu- 
tenkaseln,  das  ich  mir  selbst  aus  Weizenkleber  —  um  jede 
Möglichkeit  einer  Verunreinigung  durch  Fäulnissprodukte  auszuschlies- 
sen  —  hergestellt  habe.  Von  allen  diesen  Substanzen  aber  kon- 
statirte  ich  starke  chemotaktische  Wirksamkeit  auf  Leukocyten.  Wie 
kann  man  Oberhaupt  noch  schlagender  nachweisen,  dass  es  keiner 
spezifischen  Bakterien produkte  zur  Leukocytenanlockung  bedarf,  und 
dass  die  lokale  Leukocytose  in  der  That  eine  Erscheinung  von  ganz 
anderem  Charakter  ist,  als  man  bisher  dachte,  nicht  die  Folge  eines 
schädigenden  Reizes,  sondern  eher  eines  Reizes  nach  Art  der  Nah- 
rungsstofie? 

Wenn  man  nun  annimmt,  dass  von  den  Bakterien  fortwährend 
anlockende  Stoffe  gleichviel  welcher  Art  gebildet,  und  daher  kon- 
tinuirlich  Anreize  auf  Leukocyten  ausgeübt  werden  —  und  das  ist 
offenbar  die  Meinung  von  Metschnikoff  und  Roux  —  so  lässt 
sich  eine  mechanische  Erklärung  für  das  Fehlen  der  Leukocytose 
bei  akut  virulenten  Blutinfektionen  (Milzbrand  der  Nager,  Vibrio  M. 
bei  Meerschweinchen  u.  s.  w.)  nur  durch  die  negativ  chemotak- 
tische Wirkung  von  spezifischen  Toxinen  gewinnen.  Ich  gebe  zu, 
dass  letzteres  wahrscheinlich  ist,  obwohl  bis  jetzt  kein  direkter  Be- 
weis, d.h.  kein  Versuch  mit  reinen  Toxinen  vorliegt.  Massart  und 
Bord  et  haben  die  Milchsäure  als  einen  negativ  chemotaktisch  wir- 
kenden Stoff  erwiesen,  den  die  Leukocyten  fliehen,  und  bei  meinen 
Untersuchungen  haben  sich  Ammoniak,  Trimetbylamin,  buttersaures 
und  valeriansaures  Ammoniak  in  1— 2°/0  Lösung  ebenso  bewährt 
Natürlich  hängt  hier  sehr  viel  vom  Konzentrationsgrade  ab ;  bei  stär- 
kerer Verdünnung  würden  die  genannten  Stoffe  gewiss  keine  abstos- 
sende  Wirkung  erkennen  lassen.  Dagegen  ist  es  möglich,  dass  Toxine 
auch  bei  hochgradiger  Verdünnung  noch  lähmend  auf  Wanderzellen 
wirken,  ähnlich  wie  dies  beim  Ghloral  nach  Mas sart  und  Borde t 
der  Fall  zu  sein  scheint. 

Trotzdem  genügt  diese  Annahme  nicht  zur  mechanischen 
Erklärung  des  Unterschiedes  zwischen  dem  empfänglichen 
und  dem  immunisirten  Thierkörper,  weil  auch  in  letzterem 
—  wenn  der  Chemismus  der  Säfte  wirklich  in 
beiden  Fällen  der  nämliche  wäre,  wie  Metschnikoff 
und  Roux  voraussetzen  —  sofort  nach  der  Inokulation  von  den  In- 
fektionserregern negativ  chemotaktische  Toxine  gebildet  werden  mtiss- 
ten.  Die  genannten  Autoren  suchen  zwar  diese  Schwierigkeit  zu 
umgehen,  indem  sie  wiederholt  erklären,  der  Kampf  mit  den 
Leukocyten  entscheide  sich  schon  ganz  im  Anfang,  be- 
yornocb  die  Bakterien  Zeit  hatten,  spezifische  Toxine 
in  grösserer  Menge  zu  bilden.  Auf  diesem  logischen  Schleich- 
wege zu  folgen,  ist  mir  nicht  möglich:  entweder  äussern  die  Toxine 
ihre  abschreckende  resp.  lähmende  Wirkung  nur  in  stärkerer  Kon« 
zentration,  dann  sind  sie  überhaupt  werthlos  für  die  Erklärung  der 
Infektionsvorgänge;  oder  sie  wirken  schon  in  sehr  geringen  Mengen, 


734  Bucbntr, 

daon  müssten  sie  nothwendig  auch  beim  imraunisirten  Thier  und 
schon  gleich  Anfangs  in  Aktion  treten.  Da  der  Chemismus  der  Safte 
angeblich  immer  der  nämliche  bleibt,  da  der  Infektionserreger  auch 
im  iramuniairten  Tbier  nach  Metschnikoff  und  Roux  sich  — 
abgesehen  von  der  Intervention  der  Phagocyten  —  ganz  ungehemmt 
vermehren  kann,  so  begreift  man  absolut  nicht,  was  für  ein  Unter- 
schied sein  soll  zwischen  dem  Anfang  und  dem  späteren  Stadium 
der  Infektion ;  wenn  aber  auch  ein  solcher  Unterschied  in  der  Natur 
der  Dinge  begründet  wäre,  so  sieht  man  wieder  nicht  ein,  weshalb 
der  gleiche  Unterschied  mit  den  gleichen  Konsequenzen  nicht  auch 
beim  empfänglichen  Thierorganismus  ßich  geltend  machen  sollte. 

Im  Gefühle  der  Schwäche  des  soeben  erwähnten  Erklärungsver- 
suches haben  Roux  und  Metchnikoff  noch  eine  zweite  Hülfs- 
hypothese  in  Bereitschaft,  die  noch  weit  mehr  als  die  vorhergehende 
jeder  sicheren  Grundlage  ermangelt  Die  Leukocyten  des  immuni- 
sirten  Thieres  sollen  durch  die  vorhergehende  Schutzimpfung  an  die 
spezifischen  Toxine  angewöhnt  und  daher  gegen  deren  abschre- 
ckende oder  lähmende  Wirkung  unempfindlich  geworden  sein.  Wir 
wissen  aber,  dass  gerade  bei  Vibrio  Metchnikovi  die  immunisirten 
Meerschweinchen  gegen  die  Toxine,  d.  h.  gegen  die  sterilisirte  Kultur, 
nicht  unempfindlich  sind;  es  mflssten  also  die  Leukocyten  gegen- 
über den  sonstigen  Körperorganen  und  Zellen  eine  Ausnahme  machen, 
was  besonders  bei  diesen  vergänglichen  Wanderzellen  recht  unwahr- 
scheinlich und  vor  allem  durchaus  nicht  bewiesen  ist 

Wenn  man  trotzdem  für  die  künstliche  Immunität  zugeben 
wollte,  dass  es  sich  möglicher  Weise  so  verhält,  so  ist  dieses  Erklä- 
rungsprinzip doch  ganz  unbrauchbar  für  die  natürliche  Immunitat, 
bei  der  von  Angewöhnung  keine  Rede  sein  kann.  Für  das  ganze 
grosse  und  wichtige  Gebiet  der  natürlichen  Immunität  fehlt  daher 
bei  der  theoretischen  Auffassung  von  Roux  und  Metschnikoff 
jede  mechanische  Erklärung  für  das  Eintreten  der  nach  ihrer  Mei- 
nung die  Heilung  entscheidenden  Leuko-  und  Phagocytose.  Die 
gelegentlich  schüchtern  geäusserte  Hypothese,  man  müsse  eben  eine 
natürliche  Unempfindlichkeit  der  betreffenden  Leukocyten  gegen  die 
spezifischen  Toxine  annehmen,  bedeutet  weiter  nichts  als  eine  Um- 
schreibung des  thatsächlichen  Verhaltens,  welche  die  Notwendigkeit 
einer  erst  zu  erbringenden  Beweisführung  nur  um  so  deutlicher 
fühlen  lässt 

Diese  ganz  ungenügende  Auffassung  und  Würdigung  des  mecha- 
nischen Problems  bei  der  Phagocytose  ist  es,  was  mich  von  der 
Phagocyten theorie ,  der  ich  von  vornherein  durchaus  sympathisch 
gegenüberstand',  allmählich  mehr  und  mehr  entfernt  hat  Die 
eigentlich  wirksamen  Ursachen  der  Vorgänge  müssen 
aufgesucht  werden,  und  diese  können  nur  chemischer  Art  sein; 
ich  glaube,  wir  vermögen  diese  Ursachen  bereits  deutlich  zu  erkennen: 
es  sind  die  bakterienfeindlichen  Wirkungen  der  Säfte,  ausgeübt  durch 
gewisse  eiweissartige  Bestandteile  derselben,  anderntheils  sind  es  die 
Ausscheidungen  plasmatischer  Bestandteile  des  Bakterienzelleninhalts, 
welche  chemotaktische  Wirkungen  auf  Leukocyten  ausüben  und  da- 
durch die  Leuko-  und  Phagocytose  direkt  veranlassen. 


t>le  Forschungsmethoden  in  der  ImmunitÄUfrage.  735 

Beide  Arten  von  Wirkungen  stehen  unter  sich  in  kausalem  Zu- 
sammenhang, insofern  die  zweite  durch  die  erste  bedingt  wird  und 
ohne  dieselbe  überhaupt  nicht  eintreten  würde.  Es  ist  ein  verhäng- 
nissvoller lrrthum,  anzunehmen,  dass  die  Infektionserreger  im  immuni- 
sirten  Thi  er  kör  per  Anfangs,  d.  h.  bevor  die  Leukocyten  erscheinen, 
sich  genau  unter  den  gleichen  Bedingungen  befinden,  wie  im  empfäng- 
lichen Organismus.  Ich  will  nicht  bestreiten,  dass  sie  sich  in  sehr 
vielen  Fällen  Anfangs  im  immunen  Thier  vermehren,  aber  dies  beweist 
keineswegs  die  Abwesenheit  schädigender  Einflüsse  und  schliesst 
nicht  aus,  dass  ein  Theil  der  Individuen  bald  Erscheinungen  von 
Schwächung  und  Degeneration  zeigt.  Gerade  in  ihrer  neuesten 
gemeinschaftlichen  Arbeit  haben  sich  Roux  und  Metchnikoff 
davon  überzeugen  müssen,  dass  das  Rattenserum,  im  Körper  der 
Ratte  selbst,  die  gleichzeitig  mit  ihm  injizirten  Milzbrandsporen  am 
Auskeimen  verhindert  Aber  sie  gehen  über  diese  wichtigste 
Thatsache,  die  der  Ausgangspunkt  der  Erklärung  sein  müsste, 
hinweg,  um  ihre  Aufmerksamkeit  ausschliesslich  wieder  auf  die 
sekundär  eintretende  Erscheinung  der  Leuko-  und  Phagocytose  zu 
richten *). 

Hierbei  muss  ich  noch  entschiedene  Verwahrung  einlegen  gegen 
die  von  Roux  und  Metschnikoff  in  ihren  neuen  Publikationen 
vielfach  wiederholte  Behauptung,  als  hätte  ich  nur  den  bereits  ab- 
gestorbenen Bakterien  („cadavres  des  microbes")  die  Befähigung  zur 
Ausscheidung  chemotaktischer  Proteine  zugeschrieben.  Schon  auf 
der  Naturforscherversammlung  zu  Heidelberg  1889,  wo  ich  diese 
Ideen  zuerst  an  dem  speziellen  Beispiel  des  Anthraxbacillus  ent- 
wickelte, habe  ich  von  einem  „schwächeren,  zur  Involution  tendirenden 
Zustand"  der  Milzbrandbakterien  gesprochen,  der  die  Ausscheidung 
von  reizenden  Inhaltsbestandtheilen  der  Bakterienzelle  zur  Folge 
hat;  von  todten  Bakterien  war  damals  überhaupt  keine  Rede,  und 
seitdem  habe  ich  keinen  Anlass  vorübergehen  lassen,  ohne  immer 
wieder  zu  betonen,  dass  nach  meiner  Meinung  die  Ausscheidung  von 
plasmatischen  Inhaltsbestandtheilen  sofort  beginnt,  wenn  die  Bak- 
terien unter  ungünstige  Lebensbedingungen  gerathen.  Damit  sind 
sie  aber  nicht  gleichzeitig  schon  getödtet.  Jener  Standpunkt,  der 
nur  lebende  und  todte  Keime  kannte  und  nichts,  was  dazwischen  lag, 
ist  doch  hoffentlich  längst  überwunden.  Gerade  bei  M  e  t  s  c  h  n  i  k  of f, 
der  selbst  so  schöne  Beobachtungen  über  Degenerationserscheinungen 
an  theilweise  gewiss  noch  lebensfähigen  Bakterien  innerhalb  von 
Phagocyten  gemacht  hat,  darf  man  doch  sicher  in  diesen  Dingen 
eine  richtige  Auffassung  voraussetzen.  Wozu  dann  also  jene  Wider- 
legungen und  Gegengründe,  die  alle  auf  die  unrichtige  Annahme 
basirt  sind,  als  ob  Ich  nur  von  todten  Bakterien  gesprochen  hätte? 
In  meinen  Augen  ist  es  kein  Widerspruch,  dass  ein  Milzbrandbacillus 
lebend  und  vermehrungsfähig  sein  und  doch  bereits  unter  dem  be- 
ginnenden Einfluss  schädlicher  Wirkungen  stehen   kann,   die   eine 


1)  Ann.  de  l'lnjt.  Pastear,  No.  8,  p.  485.     S.  du  betr.  Ref. 


736  Schor, 

theilweise  Ausscheidung  plasmatischer  Inhaltsbestandtbeile  aus  ihm 
zur  Folge  haben1)  i 

Herr  Metschnikoff  und  seine  SchOler  geben  sich  viele  Mähe  i 
zu  beweisen,  dass  die  von  Phagocyten  aufgefressenen  Bakterien  in  i 
deren  Innerem  schädigenden  Einflössen  unterliegen  und  sehr  häufig 
vernichtet  werden.  Es  ist  nach  meinem  Dafürhalten  kaum  ein 
Zweifel  möglich,  dass  es  sich  so  verhält,  und  dass  die  Phagocyten 
in  der  That  diese  nützliche  Funktion  ausüben  können,  während  aller- 
dings in  gewissen  anderen  Fällen  der  Phagocyt  seinen  Raub  nicht 
zu  verdauen  vermag,  sondern  an  ihm  zu  Grunde  geht  Allein  mit 
dieser  Konstatirung  wird  nur  bewiesen,  dass  die  Phagocytose  über- 
haupt ein  nützlicher  Vorgang  sei,  was  ich  noch  niemals  bestritten 
habe.  Das,  was  indes  die  Phagocytentheorie  will,  ist  etwas 
ganz  anderes;  sie  begnügt  sich  nicht  mit  einer  bloss  nützlichen  Rolle 
der  amöboiden  Zellen,  sondern  sie  spricht  den  letzteren  Oberhaupt 
die  einzig  massgebende  Entscheidung  beim  Infektionsprozesse  zu, 
und  dies  muss  ich  durchaus  bestreiten.  Nach  meiner  Auffassung 
findet  vielmehr  die  erste  und  entscheidende  Beeinflussung  der  In- 
fektionserreger in  ungünstigem  Sinne  bereits  statt  vor  der  Auf- 
nahme durch  amöboide  Zellen;  ja  es  ist  diese  ungünstige  Beein- 
flussung, resp.  die  dadurch  bedingte  Ausscheidung  anlockender 
Substanzen  sogar  die  nothwendige  Ursache  der  nachfolgenden  Leuko- 
und  Phagocytose,  ohne  welche  die  letzteren  Vorgänge  gar  nicht  in 
die  Erscheinung  zu  treten  vermöchten. 

München,  5.  Oktober  1891. 


Ueber  die  fragliche  Immunisation  durch  Alkalisation 
mittelst  Natrium  bicarbonicum." 

V<m 

Dr.  Schor 

in 

Odessa. 

Prof.  Fodor  erklärt  in  der  No.  1  dieses  Bandes  dieses  Central- 
blattes  die  Widersprüche  meiner  Versuche  mit  den  seinigen  dadurch, 
dass  ich  mit  stärkerem  Virus,  als  er  experimentirte.  Darauf  muss 
ich  bemerken,  dass  es  in  der  That  nicht  so  ist:  denn  ich  bekam 
die  gleichen  Resultate  bei  Anwendung  schwachen  und  starken  Virus. 
So  in  Odessa,  wo  ich  zusammen  mit  Dr.  Diatroptoff  Versuche, 


1)  Wenn  ein  aufgefressener  Bacillus  noch  ▼ermehrungsflhig  ist,  so  kann  ans  dem- 
selben wieder  eine  Knitor  gewonnen  werden,  wie  dies  Metschnikoff  wiederholt 
gelang.  Wenn  letitere  dann  wieder  virulente  Eigenschaften  aufweist,  kann  mich  das 
nicht  wandern,  nachdem  bekanntlich  karsdanernde  schädliche  Einwirkungen  nur  selten 
su  einem  bleibenden  Verluste  der  Viralen«  fuhren. 


Ueber  df«  fraglich«  Tmmnnfoatloii  durch  AlkalUatfon  ete,  737 

auf  welche  ich  mich  schon  in  meiner  ersten  Abhandlung  berufen 
habe,  mit  schwachem  Virus  angestellt  habe,  bekam  ich  folgende  Re- 
sultate. 

Den  15.  September  1890  wurden  14  Kaninchen  infizirt.  Von 
diesen  wurden  dann  11  verschiedenartig  nach  Prof.  Fodor  mit 
Natrium  bicarbonicum  behandelt  Drei  blieben  als  Kontrollthiere. 
Von  den  Behandelten  erlagen  einige  an  Milzbrand  schon  den  16. 
Abends,  einige  des  Nachts,  einige  den  nächsten  Tag,  den  17.  Das 
letzte  behandelte  Kaninchen  fiel  den  18.  Morgens.  Von  den  Kontroll- 
thieren  fiel  eins  den  18.  am  Mittag,  Das  zweite  Nachts  vom  19. 
und  20.  (nach  41/*  Tagen).  Das  dritte  überlebte  sogar  die  Impfung 
7  Vi  Tage,  und  fiel  erst  den  22.  Nachts.  Kann  denn  hier  von 
einem  starken  Virus  die  Rede  sein? 

Die  zweite  Versuchsreihe  mit  den  Milzbrandkulturen,  welche  von 
den  Kontrollthieren  der  ersten  Versuchsreihe  gewonnen  waren,  wurde 
am  21.  September  angestellt.  Auch  hier,  mit  einer  einzigen  Aus- 
nahme, fielen  die  behandelten  Thiere  früher,  als  die  Kontrollthiere, 
und  zwar  einige  der  behandelten  schon  nach  28  und  30  Stunden, 
die  Kontrollthiere  erst  nach  36  und  40  Stunden.  Nur  ein  Kaninchen 
von  den  behandelten  fiel  erst  nach  72  Stunden. 

Was  die  Bemerkung  von  Prof.  Fodor,  dass  er  positive  Re- 
sultate bekommen  habe,  anbetrißt,  so  muss  ich  darauf  erwiedern, 
dass  es  eine  Frage  ist,  ob  seine  Resultate  positive  genannt  werden 
können.  Denn  das  Nichteintreten  des  Todes  bei  Impfung  der  Thiere 
ist  eher  ein  negatives  Ergebniss  und  hängt  von  einer  Menge  kora- 
plizirter  Ursachen  ab.  Ist  doch  die  Thatsache  bekannt,  dass  Milz- 
brandvirus von  einer  gewissen  Stärke  (zweite  Vaccine)  nicht  alle  Ka- 
ninchen tödtet,  und  auch  mit  dem  echten  Virus  bekommt  man  manches 
Mal  negative  Resultate.  Ich  erinnere  mich  folgenden  Versuchs  1), 
welcher  in  Gegenwart  einer  Kommission,  bestehend  aus  Professoren 
(unter  ihnen  Prof.  Metschnikoff).  Aerzten,  Thierärzten,  im 
Sommer  1888  ausgeführt  wurde.  Von  15  Kontrollschafen,  welche  mit 
demselben  Virus,  mit  derselben  Quantität  zur  selben  Zeit  infizirt 
waren,  fielen  6  nach  40  Stunden,  3  nach  48,  die  übrigen  4  bis  zum 
6.  Tage.    Zwei,  obwohl  erkrankt,  blieben  am  Leben. 

Wenn  man  die  37°/0  bei  Prof.  Fodor  überlebter  Thiere  (7  von  19) 
auf  die  Behandlung  mit  Natrium  bicarbonicum  schieben  könnte,  so 
bleiben  doch  63°/0,  welche  alkalisirt  waren  und  doch  der  Impfung 
erlagen. 

1)  8.  mein  Referat  in  Bd.  IV.  No.  19  dietee  Centralblattei.  1888  (Gamaleia  über 
Milibrandimpfang). 


*-B*.  47 


738  sscbokk«, 


Die  Parasitenfauna  von  Trutta  salar. 

Von 

Prof.  Dr.  F.  Zsehokke 

in 

Basel 

(Fortietiang.) 

Es  ist  gewiss  kein  Zufall ,  dass  alle  im  Unterlaufe  des  Rheines, 
in  Holland,  gefangenen  Lachse,  deren  Eingeweide  untersucht  wurden 
(etwa  15  Exemplare),  sehr  reichlich  mit  Parasiten  besetzt  erschienen. 
Regelmässig  waren  mehrere  Arten  in  zahlreichen  Individuen  zu  ver- 
zeichnen. Der  Schlund  beherbergte  häufig  eine  Menge  von  Disto- 
mum  varicum,  in  den  Appendices  pyloricae  lagen  fast  immer  20 
bis  30  Bothriocephalus  infundibuliformis,  deren  Länge 
oft  bis  zu  70  cm  ging.  Die  holländischen  Lachse  waren  auch  einzig 
die  Wirthe  von  Ascaris  angulata,  Echinorhynchus  agilis 
und  E.  acus.  Der  Parasitenbestand  erinnerte  meist  noch  lebhaft  an 
denjenigen  der  Meerlachse. 

Ein  ganz  anderes  Bild  zeigten  die  Fische  aus  den  oberen  Theilen 
des  Rheins.  Die  Bewohner  von  Schlund  und  Magen  werden  immer 
seltener.  Distomum  varicum  verschwindet,  der  Bothrio- 
cephalus tritt  nur  noch  in  vereinzelten,  schwachen,  abgemagerten 
Exemplaren  auf,  endlich  erscheinen  einzig  Bruchstücke  und  Fetzen 
des  Wurmes,  und  bei  Lachsen  aus  der  Gegend  von  Basel  und  Laufen- 
burg durchsucht  man  sehr  oft  den  gesammten  Verdauungstraktus, 
ohne  auf  Spuren  eines  Schmarotzers  zu  stossen.  Die  Parasiten- 
besetzung beschränkt  sich  hier  auf  die  allseitig  geschlossenen  Organe. 

Das  Protokoll  über  den  Schmarotzerbefund  bei  drei  holländischen 
Lachsen  lautet  z.  B.: 

3.  Mai:  Gut  genährtes  Thier.  An  Leber  und  Pyloranhängen 
30  lebende  Agamonema  capsulare.  Im  Oesopbag  20  vollkom- 
men reife  Distomum  varicum.  In  den  Appendices  pyloricae 
20  gewaltige  Bothriocephalus  infundibuliformis,  50  bis 
70  cm  lang,  7 — 10  mm  breit.    Im  Peritoneum  Ascaris  clavata. 

7.  März:  Agamonema  capsulare  zahlreich  auf  der  Leber. 
Viele  Distomum  varicum  im  Oesophagus.  Viele  und  wohlgenährte 
Bothriocephalus  infundibuliformis  in  den  Pyloranhängen. 
In  der  Darmwand  eingekapselt  Tetrarhynchus  macrobothrius. 

27.  Mai:  Bothriocephalus  infundibuliformis  zahlreich 
in  den  Pyloranhängen.  Vier  Exemplare  von  Echinorhynchus 
agilis  im  Schlund;  in  der  Darmwand  eine  Bothriocephalus- 
larve. 

Wie  ärmlich  nehmen  sich  daneben  die  Aufzeichnungen  über 
Lachse  des  Oberrheins  aus: 

21.  November:  Ein  Tetrarhynchus  macrobothrius 
eingekapselt  in  der  Darmwand. 

22.  November:  Agamonema  capsulare  vereinzelt  am 
Darm  eingekapselt 


Die  Paraaitenfaaaa  von  Trutta  aalar.  739 

12.  Dezember:  Wenige  Fragmente  von  Bothriocephalus 
infundibuliformis. 

So  dürfen  wir  wohl  sagen,  dass  die  Parasitenfauna  des  Rhein- 
lachses in  dem  Masse  verarmt,  als  der  Fisch  in  die  oberen  Theile 
des  Stromes  gelangt 

In  acht  aus  dem  Unterrhein  stammenden  Lachsen  verzeichnet 
mein  Register  die  massenhafte  Gegenwart  von  sehr  jungen  Individuen 
von  Bothriocephalus  infundibuliformis.  Die  0,5—3  mm 
langen  Würmer  bestanden  nur  aus  dem  charakteristischen  Scolex  und 
der  Andeutung  von  zwei  bis  drei  Proglottiden,  waren  also  noch  jugend- 
licher, als  die  von  Olsson  (32)  gezeichneten.  Offenbar  hatte  die 
Infektion  kurz  vorher  stattgefunden,  vielleicht  als  der  Fisch  durch 
eine  letzte  reichliche  Nahrungsaufnahme  im  Meer  sich  auf  die  bevor- 
stehende Hungerperiode  im  Süsswasser  rüstete.  Während  dieser 
Epoche  werden  die  jungen  Bothriocephalen  wohl  sehr  im 
Wachsthum  zurückbleiben.  Ceber  die  Saisonvertheilung  der  Rhein- 
lachsparasiten mag  zunächst  die  folgende  Tabelle  Aufschluss  geben: 

Es  wurden  untersucht: 


tfhe 

inlachie: 

Diron 

Mit  Parti 

iten: 

parasi  tenf  rei: 

I. 

II.        III. 

IV.         V. 

Im 

Arten  P 

arasiten: 

Janaar : 

15 

0 

* 

7           4 

3           0 

Februar : 

1 

0 

1 

0           0 

0           0 

Man: 

1 

0 

0 

0           0 

1           0 

April : 

0 

0 

0 

0           0 

0           0 

Mai: 

5 

0 

1 

3        3 

0           0 

Juni: 

3 

0 

3 

0            1 

0           0 

Juli: 

6 

0 

s 

8            0 

0           0 

Aoguat : 

5 

0 

1 

1            8 

0           0 

September : 

4 

0 

s 

1            0 

0           0 

Oktober: 

6 

0 

3 

3            1 

0            0 

November: 

43 

0 

26 

10           4 

1            1 

Dezember: 

tal: 

41 

4 

13 

17            5 

3            0 

To 

189 

4 

55 

43         30 

6            1 

Schon  aus  dieser  Zusammenstellung  kann  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  herausgelesen  werden,  dass  die  Artenzahl  der  im  Rheinlachse 
lebenden  Würmer  in  den  Wintermonaten  zurückgeht.  Doch  wird 
dieses  Verhältniss  besonders  klar,  wenn  wir,  die  nur  selten  vorkom- 
menden Parasitenspezies  bei  Seite  lassend,  die  wirklich  häufigen  ge- 
nauer ins  Auge  fassen.  Wir  erhalten  folgende  Prozentzahlen  von 
Fischen,  die  mit  den  drei  gewöhnlichsten  Lachsparasiten  behaftet  sind : 

Sind  besetzt  mit:       Bothriocephalus 

Im  infundibuliformis 

Januar  66,6  •/. 

Mai:  80       „ 

Juni:  100       „ 

Jnli:  100       „ 

August:  60       „ 

September:  60      „ 

Oktober:  38       „ 

November:  35       „ 

Detember:  23       „ 

Die  Monate  Februar,  März,  April  wurden  nicht  beachtet,  weil  in 
ihnen  keine  oder  nur  vereinzelte  Rheinlachse  untersucht  werden  konnten. 

47» 


Diitomum 

Ascaris 

varicum 

capsularis. 

*«   7. 

**% 

30      „ 

30    „ 

66      „ 

S8    „ 

öo  „ 

66      „ 

30    „ 

ss  „ 

16      „ 

100   „ 

M  » 

76    „ 

"      „ 

78    „ 

740  Ztchokk«, 

Der  Bothriocephalus  des  Lachses  nimmt  bei  den  im  Rhein 
gefangenen  Exemplaren  im  Frühjahr  und  Sommer  an  Häufigkeit  ge- 
waltig au,  um  vom  August  an  seltener  zu  werden  und  im  Dezember 
nur  noch  den  fünften  Theil  sämmtlicher  Fische  zu  infiziren.  Im  Juni 
und  Juli  sind  alle  Rheinlachse  Träger  dieses  Bandwurmes.  Aehn- 
lichen  Gesetzen  folgt  die  Saison vertheilung  von  Distomum  vari- 
cum,  wenn  auch  für  diesen  etwas  seltener  auftretenden  Parasiten 
noch  nicht  genügend  Material  gesammelt  werden  konnte,  um  eine 
vollständige  Tabelle  aufzustellen.  Um  diese  Thatsachen  noch  besser 
zu  beleuchten,  müssen  wir  beifügen,  dass  im  Winter  nicht  nur  die 
Zahl  der  infizirten  Fische,  sondern  auch  die  Individuenzahl  der 
schmarotzenden  Würmer  auff&llig  abnimmt.  Im  November  and  De- 
zember speziell  bevölkern  nur  vereinzelte  schwächliche  Exemplare  des 
Bothriocephalus  die  Pyloranhänge  des  Rheinlachses.  Oft  handelt 
es  sich  um  blosse,  kaum  noch  erkennbare  Bruchstücke  des  Parasiten. 
Im  Frühjahr  bis  im  Juli  erscheinen  Fische,  deren  Pyloranhänge  von 
grossen  Massen  wohl  ausgebildeter  Bandwürmer  strotzen  und  die  oft 
daneben  noch  Hunderte  ganz  jugendlicher  Grubenköpfe  tragen. 

Auch  für  Distomum  varicum  verzeichnen  meine  Listen  die 
reichsten  Ernten  im  Mai,  Juni  und  Juli.  Ebenso  scheinen  die  flbrigen 
Bewohner  von  Oesophag  und  Magen  im  Rheinlachse  am  sichersten  im 
Sommer  zu  treffen  zu  sein.  Es  kommen  deren  noch  sieben  in  Be- 
tracht, und  von  ihnen  wurden  fünf — Ascaris  adunca.  A.  angu- 
lata,  Echinorhynchus  agilis,  E.  acus  und  Schistocepha- 
1u8  dimorphus  —  überhaupt  nur  im  Mai  und  August  gefunden. 
80  dürfen  wir  wohl  den  Satz  aussprechen,  dass  die  Schmarotzer  des 
Schlundes  und  Magens  im  Rheinlachse  nach  Zahl  von  Individuen  und 
Arten  ihr  Minimum  im  November  und  Dezember,  d.  h.  in  den  Laich- 
monaten, erreichen.  Dann  hat  der  Lachs  den  längsten  Theil  des 
Aufenthalts  im  Süsswasser  hinter  sich  und  ist  am  weitesten  strom- 
aufwärts gedrungen;  er  hat,  wie  wir  dies  oben  entwickelten,  auf  der 
langen  Reise  seine  ungebetenen  Gäste  verloren.  Das  Maximum  des 
Parasitenreichtbums  in  den  vorderen  Theilen  des  Verdauungstraktus 
ist  in  den  Sommermonaten  (Mai  bis  Juli)  erreicht,  wann  zahlreiche 
Schaaren  von  Lachsen,  mit  Schmarotzern  beladen,  in  den  Fluss  ziehen. 

Ganz  anders  verhalten  sich  die  Würmer,  welche  geschlossene  Organe 
bewohnen.  Auf  sie  hat. die  Reise  ins  Süsswasser  keinen  Einflus*.  Für 
die  so  häufige  Ascaris  capsularis  lässt  die  vorstehende  Tabelle 
kein  regelmässiges  Zu-  und  Abnehmen  erkennen.  Das  Ansteisren  der 
Zahlen  im  Winter  ist,  wie  wir  sehen  werden,  nur  ein  scheinbares. 
Reiche  Infektionen  wechseln  für  diesen  Nematoden  mit  sehr  spärlichen 
ohne  jede  Gesetzmässigkeit  Bothriocephalu  s- Larven  finden  sich 
hin  und  wieder  während  des  ganzen  Jahres  an  und  in  den  verschiede- 
nen Organen.  Für  die  Tetrarhynchen  schien  es,  als  ob  sie  im 
Winter  (November  und  Dezember)  besonders  häufig  seien.  Doch  sind 
das  ja  rein  marine  Formen,  die  in  mancherlei  Organe  eingebettet,  den 
Fisch  auf  seiner  Stromwanderung  vom  ersten  bis  zum  letzten  Moment 
begleiten  müssen.  Ihr  Bestand  kann  im  Flusse  nicht 'vermehrt,  son- 
dern höchstens  —  durch  Absterben  einzelner  Exemplare  —  vermin- 
dert werden. 


Die  Parasitenfauna  von  fratta  salar.  741 

Die  scheinbare  grössere  Häufigkeit  im  Winter  mag  sich  daraus 
erklären,  dass  dann  nach  längerem  Aufenthalte  im  Wirtbe  sämmtliche 
Exemplare  des  Schmarotzers  eine  Entwicklung  uud  Grösse  erlangt 
haben,  die  sie  dem  Auge  leicht  erkennbar  machen.  Sie  sind  nicht 
häufiger,  sondern  nur  leichter  konstatirbar,  als  im  Frühjahr  und  Som- 
mer. Auch  die  stärkere  Vertretung  von  Ascaris  capsularis  ist 
wohl  nur  scheinbar  und  lässt  sich  auf  ähnliche  Weise  wie  die  der 
Tetrarhy neben  deuten. 

Doch  stellen  wir  nun  die  wichtige  Frage:  Aus  welchen  Elementen 
setzt  sich  die  nachgewiesene  Parasitenfauna  des  Rheinlachses  zu- 
sammen? Sind  es  Schmarotzer  von  See-  oder  Süsswasserfischen, 
die  die  Hauptmasse  der  Gäste  der  im  Khein  gefangenen  Salinen 
ausmachen,  oder  gehören  sie  indifferent  beiderlei  Geschöpfen  an. 
Die  Süsswasserfische  und  ihre  marinen  Verwandten  beherbergen 
eine  sehr  bedeutende  Anzahl  gänzlich  verschiedener,  recht  typischer 
Helminthen,  so  dass  mit  vollem  Recht  von  einer  speziellen  Schma- 
rotzerfauna der  einen  und  anderen  Gruppe  gesprochen  werden  kann. 
Es  wird  also  auch  möglich  sein,  die  eben  gestellte  Frage  zu  beant- 
worten. In  eine  Tabelle  gebracht,  lauten  die  bezüglichen  Verhält- 
nisse, wie  folgt: 

Tabelle  IL 

Findet  sich  in  wie  riel  SpemieB  von  : 
Name  der  Parasiten.  Wander  Aschen  ?     Meerfischen  ?     Bfisswasser  Äschen  ? 

1.  Ascaris  adnnca,  Rud.,      ....  4  0  0 

2.  Ascaris  angulata,  Und.,    ....  1  2  0 

3.  Ascaris  clavata,  Und.,      .     .     .     .  2  10  0 

4.  Ascaris    (Agamonema)    capsularis, 

Dies., 8  14  1 

5.  Ascaris    (Agamonema)     communis, 

Dies., 1  13  0 

6.  Kchinorhynchos  agilis,  Bad.,     .     .  2  2  0 

7.  Ecbinorhynchus  acas,  Rud.,       .     .  1  16  1 

8.  Kchinorhyncbus  proteas,  Westrnmb.,  6  11  29 

9.  Distomum  reflexam,  Zed.,  ...  1  1  0 
10.  Ditttoraam  varienm,  Crepl.,  ...  8  16  2 
11-  Distomum  Miescheri,  Zsch ,  .  .  1  0  0 
IS.  Schistocephalos  dimorphna,  Crepl.,  12  2 
18.  Bothriocephalns    infandibaliformis, 

Bad., 2  0  8 

14.  Botbriocephalas  Osmeri   (larra)  v. 

Linstow 2  0  0 

15.  Bothriocephalns  spec  1  (larra),     .1  0  0 

16.  Bothriocephalns  spec.  IL  (larva),    .1  0  0 

17.  Rbynchobothrium  paleacenm,  Rud.,             1  84  0 

18.  Tetrarhy nchns  solidus,  Drammond,             10  0 

19.  Tetrarhynchas  grosses,  Rad.,     .     .             1  2  0 

20.  Tetrarhynchas  macrobothrias ,  von 

8ieb 1  8  0 

Aus  dieser  Zusammenstellung  ergibt  sich  auf  den  ersten  Blick 
dass  der  Rheinlachs  acht  Parasiten  beherbergt,  die  noch  nie  in  Süss- 
wasserfischen  aufgefunden  worden  sind  und  wohl  auch  kaum  sich  dort 
werden  treffen  lassen,  da  sie  ihrer  Mehrzahl  nach  die  sehr  typische 
Gestalt  mariner  Schmarotzer  tragen.  Es  sind  die  No.  2,  3,  5,  6, 
9,17,19,20.  * 


742  Äsehokk*, 

Von  ihnen  kommen  Ascaris  clavata  und  Echinorhynchus 
agil i 3  je  noch  in  einem  anderen  Wanderfische  als  dem  Lachse  vor. 
Vier  der  angefahrten  Helminthen  (No.  11,  15,  16,  18)  sind  bis  jetzt 
nur  inTrutta  salar  bekannt  geworden;  wenigstens  zwei  davon 
tragen  marinen  Typus.  Das  bezieht  sich  auf  Tetrarhynchus 
solidus  und  Distomum  Mi.escheri,  zwei  Formen,  die  zu  sehr 
wohl  umschriebenen  kleinen  Gruppen  von  Seefischparasiten  zu  rechnen 
sind.  Für  Tetrarhynchus  ist  dieses  Verhältniss  wohl  bekannt, 
für  Distomum  Miescheri  werden  wir  es  noch  zu  besprechen 
haben;  11  und  15  gehören  nur  dem  Rheinlachs  an.  Mit  anderen 
Wanderfischen  theilt  der  Rheinlachs  die  Ascaris  adunca.  Von 
den  in  unserem  Fische  am  häufigsten  lebenden  Würmern  sind  Ascaris 
capsularis  und  Distomum  varicum  weitverbreitete  Gäste  sehr 
zahlreicher  mariner  Fische;  nur  selten  finden  sie  sich  in  ganz  wenigen 
Arten  von  Süsswasserbewohnern.  Bothriocephalus  infundi- 
buliformis  ist  ein  typischer  Schmarotzer  sämmtlicher  Salmoniden, 
sie  mögen  nun  das  süsse  Wasser  bewohnen,  oder  auf  ihren  Wande- 
rungen im  Meer  sich  aufhalten.  Besonders  häufig  befällt  er  die  Meer- 
forelle (siehe  auch  Braun  (2);  im  Meerlachs  trifft  man  ihn  viel 
häufiger,  massenhafter  und  kräftiger  entwickelt,  als  im  Rhein  lach*. 
Schis  tocephalus  dimorphus  ist  schon  wiederholt  in  Meerfischen 
angetroffen  worden,  seine  gewöhnlichen  Zwischenwirthe,  die  Stichlinge, 
sind  übrigens  nicht  reine  Süsswasserfische,  wie  dies  auf  der  Tabelle  II 
verzeichnet  worden  ist,  sondern  bewohnen  massenhaft  auch  die  Ostsee, 
aus  der  ßie  im  Frühjahre  in  Schwärmen  in  die  Flüsse  steigen.  Echi- 
norhynchus proteus  endlich  ist  wenig  wählerisch  in  Bezug  auf 
seine  Wirthe.  Er  bewohnt  sehr  zahlreiche  Süsswasserfische,  ohne  in 
manchen  Meer-  und  Wanderfischen  zu  fehlen.  Im  Rheinlachse  lag  er 
eingekapselt  im  Peritoneum,  ein  Vorkommniss,  das  wir  noch  zu  be- 
sprechen haben  werden.  Vielleicht  wird  der  Kratzer  mit  seinem 
Zwischenwirth,  demGammarus  pulex,  durch  den  Wasserstrom  in 
den  Rheinlachs  gespült,  ohne  dass  an  eine  eigentliche  Nahrungsaufnahme 
gedacht  werden  muss.  Wahrscheinlicher  gelangen  die  embryonenhal- 
tigen  Eier  von  E.  proteus  zufällig  in  den  Fisch.  Fassen  wir  alles 
zusammen,  so  ergibt  sich,  dass  der  Rheinlachs  in  seiner  Parasiten- 
fauna  kein  einziges  reines  Süsswasserelement  aufweist  Seine  häufig- 
sten Gäste  sind  sehr  typische  marine  Schmarotzer.  Der  Charakter 
der  gesammten  Wurmbevölkerung  ist  mindestens  ebenso  marin,  wie 
bei  einem  beliebigen  grösseren  Meerfische.  Trotz  seines  langen  und 
wiederholten  Aufenthalts  im  Flusse  infizirt  sich  der  Rheinlachs  mit 
keinem  einzigen  Süsswasserparasiten,  eine  Thatsache,  die  stark  für  die 
Annahme  spricht,  dass  Trutta  salar  im  Rhein  vollkommen  fastet. 

Wie  ganz  anders  gestaltet  ßich  die  Zusammensetzung  der  Para- 
sitenfauna anderer  Wanderfische  I  Die  marinen  Elemente  treten  hier 
mehr  oder  weniger,  oft  sogar  bis  zum  vollkommenen  Verschwinden, 
zurück.  Eine  Vergleichung  der  diesbezüglichen  Verhältnisse  mit  dem, 
was  für  den  Rheinlachs  konstatirt  wurde,  ist  geeignet,  die  uns  be- 
schäftigende Frage  in  viel  helleres  Licht  zu  rücken.  Zehn  der  be- 
kanntesten Wanderfische  beherbergen  nach  unseren  heutigen  Kennt- 
nissen 117  Spezies  parasitischer  Würmer  (28  Cestoden,  40  Trematoden, 


bie  ParftsitenÄraoa  tob  Tratt»  saW.  743 

34  Nematoden,  15  Acanthocephalen).  Die  Wirthe  sind  Trutta 
salar,  Trutta  trutta,  Osmerus  eperlanus,  Coregonus 
oxyrhynchus,  Alausa  vulgaris,  Alausa  finta,  Anguilla 
vulgaris,  Petromyzon  fluviatilis,  Acipenser  sturio, 
Acipenser  huso. 

Von  den  117  Schmarotzerarten  kommen  63  überhaupt  nur  in 
Wanderfischen  vor,  die  so  eine  reiche  eigene  Parasitenfauna  erhalten. 
Jeder  Wanderfisch  bezieht  aus  dieser  Masse  wieder  eine  relativ  grosse 
Zahl  von  Gästen,  die  nur  in  ihm  das  Leben  fristen.  So  besitzt  der 
Stint  12  von  21,  der  Aal  15  von  38  Parasiten,  welche  ihm  eigen- 
tümlich sind.  Der  Lachs  beherbergt  33  Helminthen;  20  davon 
haben  wir  bereits  in  der  Trutta  salar  aus  dem  Rheine  getroffen. 
Elf  von  33  gehören  ausschliesslich  dem  Lachse  an ;  2  weitere  hat  er 
mit  anderen  Wanderfischen  gemein.  Die  gesammte  Schmarotzerwelt 
der  Wanderfische  zählt  21  rein  marine  Formen,  19,  die  sich  ausser 
in  wandernden  Fischen  nur  noch  in  Bewohnern  des  süssen  Wassers 
finden,  14,  die  in  Fischen  beider  Medien  angetroffen  worden  sind. 
Der  Lachs  allein  ernährt  neun  ganz  marine  Schmarotzer,  so  dass 
für  alle  übrigen  Wanderfische  nur  noch  zwölf  solcher  bleiben. 
Zur  Parasitenfauna  der  Wanderfische  treten  somit  zusammen  53°/0 
ihr  eigentümliche  Formen,  18,2  °/0  rein  mariner  Gestalten,  16,5  °10 
Süss wasserparasiten,  12,3  °/0  Helminthen  des  süssen  und  salzigen 
Wassers.  Die  in  den  drei  verschiedenen  Fiscbgruppen  gleichzeitig 
vorkommenden  Formen  machen  also  den  kleinsten  Bruchtheil  der 
Parasitenbevölkerung  der  Wanderfische  aus. 

Abgesehen  von  den  für  Trutta  salar  in  dieser  Hinsicht  schon 
besprochenen  (20  Spezies)  oder  noch  zu  besprechenden  (13  Spezies) 
Schmarotzerarten  vertheilen  sich  die  übrigen  in  Wanderfischen  leben- 
den Würmer  (84  Spezies)  wie  folgt: 

Rein  marin  sind  davon  12  Arten:  Ascaris  constricta, 
Ascaris  labiata,  Echinorhynchus  lateralis,  Echino- 
rhynchus propinquus,  Distomum  commune,  D.  grandi- 
porum,  D.  mollissimum,  D.  rufoviride,  D.  fasciatum, 
Amphiline  foliacea,  Bothriocephalus  fragil  is,  Bothrio- 
cephalus  claviceps.    (Vom  Lachse  gehören  hierher  9  Arten.) 

Reine  Süsswasserformen  sind  16  Arten:  Ascaris  obtuso- 
caudata,  Ascaris  dentata,  Ancryacanthus  cystidicola, 
Filaria  echinata,  Filaria  solitaria,  Gor dius  aqua ticus, 
Ichthyonema  sanguineum,  Echinorhynchus  fusiformis, 
E*  globulosus,  Distomum  laureatum,  D.  globiporum, 
Tetracotyle  ovata,  Gasterostomum  fimbriatum,  Taenia 
longicol li 8 ,  Gyathocephalus  truncatus,  Bothrioce- 
phalus latus.    (Vom  Lachse  sind  beizufügen  3  Arten.) 

In  Meer-  und  Süss  wasserfischen  kommen  gleichzeitig  vor  6  Arten: 
Ascaris  acus,  Cucullanus  globosus,  Echinorhynchus 
angustatus,  E.  tuberosus,  Distomum  simplex,  Disto- 
mum ventricosum.    (Vom  Lachs  hierher  8  Arten.) 

Charakteristisch  für  Wanderfische  sind  60  Arten:  Ascaris  hir- 
Buta,  Ascaris  Osmeri,  A.  Acipenseris,  A.  Eperlani, 
ascaris   Petromyzontis,   Ancryacanthus  impar,  Dac- 


tu 


&achokke,  Di«  Paraaitenfaana  Ton  tratta  aaUf . 


nitis  sphaerocephala,  Cucullanus  papilliferus,  Nema- 
toxys  tenerrimus,  Nematoideum  Salmonis  Eperlani, 
N.  Salmonis  spirynchi,  N.Muraenae  anguillae,  Agamo- 
nema  Alausae,  Trichina  Anguillae,  Filaria  denticalata, 
F.  quin  que  tu  bereu  lata,  F.  quadri  tuber  culata,  F.  conoura, 
Echinorhynchus  Eperlani,  E.  spec.,  E.  subulatus,  E 
plagicephalus»  Distomum  conostomum,  D.  hispiduni, 
I).  spec,  D.  Carolinae,  D.  semiflavum,  D.  inerme,  D. 
truttae,  D.  microphylla,  D.  macrobothrium,  D.  tectum, 
D.  inflatum,  D.  Bergense,  D.  polymorphum,  D.  angu- 
latum,  D.  roseum,  Monostomum  gracile,  Octoplecta- 
Dum  lanceolatum,  Ophiocotyle  Fintae,  Glossocotyle 
Alosae,  Nitzschia  elegans,  Tylodelphis  Petromy- 
zontis,  Taenia  dilatata,  T.  Eperlani,  T.  macroce- 
phala,  T.  hemisphaerica,  Scolex  Alosae  fintae,  S. 
Petromyzontis,  Crypt obothrium  longicolle.  (Vom  Lachs 
hierher  2  Arten,  typisch  für  den  Lachs  11,  Gesammtzahl  117.) 

Gruppiren  wir  die  Parasiten  der  Wanderfische  tabellarisch,  so 
erhalten  wir  folgende  Vertretung  der  verschiedenen  faunistischen 
Elemente  in  den  einzelnen  Wirthen: 


Tabe 

lle  HL 

•5  o  s  a  ' 

«ja 

th 

»H 

*  s 

Auner  In  Waaderfiacsen 
noch  in: 

Wirth 

I     SZ 

s  ° 

8C 

.  * 

Trntta  trotte 

16 

i 

0 

1 

9 

6 

OsmeruB  eperlanua       .     .     . 

81 

18 

8 

1 

4 

8 

CoregonnB  oxyrhynchufl   .     . 

10 

1 

1 

0 

4 

4 

Alansa  ynlgaris       .... 

10 

8 

8 

8 

0 

8 

Alansa  finta 

10 

8 

8 

8 

0 

8 

Angnilla  yulgaria   .     .     .    • 

88 

15 

0 

9 

5 

9 

Petromyion  flaviatilis      .    . 

8 

6 

0 

0 

1 

1 

Acipenser  sturio     .... 

12 

8 

4 

4 

0 

8 

Acipenser  huso 

8 

0 

1 

0 

0 

1 

Die  hier  eingeschaltete  tabellarische  Uebersicht  lässt  ohne 
weiteres  erkennen,  dass  im  Gegensätze  zum  Rheinlachse  alle  übrigen 
Wanderfische  im  Süsswasser  mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen 
Parasiten  sich  infiziren.  Speziell  die  Lachsforelle,  die  nahe  Verwandte 
von  Trutta  salar,  birgt  fast  ausschliesslich  Süsswasserschina- 
rotzer,  obschon  gerade  dieser  Fisch,  wie  dies  jüngst  noch  von  Giard 
(12)  hervorgehoben  worden  ist,  seinen  Aufenthalt  im  Meere  sehr  ver- 
längert. In  anderen  Wanderfischen,  wie  dem  Schnäpel,  dem  Neun- 
auge, dem  Hausen,  verschwinden  die  rein  marinen  Elemente  der  Hel- 
minthenbevölkerung vollkommen.  Auch  der  Stint  ist  beinahe  in  dem- 
selben Falle,  während  der  Aal  ziemlich  gleichmässig  aus  den  ver- 
schiedenen Parasitenquellen  schöpft  und  Stör,  Maifisch  und  Finte 
neben  verhältnissmässig  zahlreichen  spezifischen  WanderfischwQrmeni 
recht  deutliche  marine  Beimengungen  aufweisen.  Aus  allen  ange- 
fahrten Zahlen  läset  sich  gar  manches  über  die  Lebens-  respective 


Grün«  Baktorfai.  745 

Ernährungsweise  der  angefahrten  Wanderfische  im  sQssen  und  salzigen 
Wasser  herauslesen.  Während  der  Lachs  vor  seinem  Eintritt  in  den 
Rhein  durch  gewaltige  Nahrungsaufnahme  sich  auf  die  nahende 
Hungerperiode  vorbereitet  und  sich  so  im  Meer  reichlich  mit  Para- 
siten belastet,  deren  Zahl  im  Strome  in  Folge  des  Aufhörens  der 
Speisezufuhr  nicht  vermehrt  wird,  holen  sich  die  übrigen  wandernden 
Salmoniden  —  Trutta  trutta,  Osmerus  eperlanus,  Core- 
gonus  oxyrhynchus  —  ihre  Gäste  fast  ausnahmslos  im  Süss- 
wasser.  Sie  scheinen  sich  im  Gegensatze  zum  Rheinlachse  auch  im 
Flusse  recht  ausgiebig  zu  ernähren.  Die  meisten  Wanderfische  be- 
sitzen eine  relativ  grosse  Zahl  spezieller,  nur  dem  betreffenden 
Wirthe  zukommender  Parasiten.  Eine  Ausnahme  machen  Lachs- 
forelle, Schnäpel,  Stör  und  Hausen.  Natürlich  ist  es  schwer  zu  ent- 
scheiden, ob  diese  für  jeden  Fisch  typischen  Würmer  im  süssen  oder 
salzigen  Wasser  erworben  werden.  Durch  eine  genaue  Prüfung  der 
einzelnen  Parasiten  nach  ihrem  Charakter,  ihrer  Verwandtschaft,  ihrer 
Herkunft,  ihrer  Verbreitung  müsste  es  indessen  immerhin  möglich  sein, 
für  jeden  Wanderfisch  ein  Spiegelbild  der  Lebensweise  in  der  Natur 
seiner  Schmarotzerwelt  zu  erhalten.  Die  Parasitenfauna  verräth  uns, 
dass  der  Lachs  im  Rheine  keine  Nahrung  aufnimmt,  dass  dagegen 
nahe  Verwandte  von  Trutta  salar,  vom  Meere  in  den  Strom  wan- 
dernd, im  neuen  Medium  sich  reichlich  ernähren. 

(FortMtaung  folgt.) 


Rofbrate. 


Dangeard,  P.A.,  Contribution  &l'6tude  des Bact6riac6es 
vertes  (Eubacillus  gen.  nov.).  (Le Botaniste.  1891.  p.  151— 160. 
Mit  1  Taf.) 

Grün  gefärbte  Bakterien  gehören  zu  den  grössten  Seltenheiten 
oder  wenigstens  zu  den  am  seltensten  beobachteten  Bakterien,  zum 
Theil  wohl  deshalb,  weil  die  grüne  Farbe  bei  dünnen  Fäden  zunächst 
nicht  an  Bakterien  denken  lässt.  In  vorliegendem  Aufsatze  beschreibt 
Verf.  nach  alten  Notizen  und  Zeichnungen  einen  sehr  merkwürdigen 
Organismus,  den  er  früher  selbst  für  eine  Alge  gehalten  und  als 
einen  aus  sehr  feinen  verfilzten  Fäden  bestehenden  Wandbelag  in 
alten,  zur  Algenkultur  benutzten  Glasgefässen  gefunden  hatte.  Leider 
untersuchte  Verf.  den  erwähnten,  nach  Art  der  Bakterien  endogene 
Sporen  bildenden  Organismus,  für  den  er  in  der  Litteratur  keinerlei 
Anknüpfungspunkte  fand,  seiner  Zeit  nicht  weiter,  und  erst  das  Er- 
scheinen des  kleinen  Aufsatzes  des  Ref.  „Ueber  einen  neuen  Typus 
der  Sporenbildung  bei  den  endosporen  Bakterien*4  *)  veranlasste  die 
nachträgliche  Publikation,  die  aus  diesem  Grunde  bedauerlicher  Weise 
so  mancher  sehr  erwünschter  Daten  entbehrt,  so  vor  allem  genauer 
Grtasenangaben;  solche  sind  nur  für  die  ovalen  Sporen  mitgetheilt, 

1)  CL  dteiN  CeotnJbl.  Bd.  TU.  1890.  p.  440. 


746  CMne  Bakterien. 

welche  die  für  Bakteriensporen  enorme  Grösse  von  3 : 6-8  p  erreichen 
sollen.  Soweit  die  beigefügten  Zeichnungen  einen  Schluss  gestatten, 
dfirften  die  vegetativen  Fäden  kaum  1  /i  als  Durchmesser  überschreiten. 
Diese  vegetativen  Fäden  sind  durchaus  einfach,  überall  gleich  dick, 
mit  vollkommen  hyalinem  und  gleicbmässig  schwach  grün  gefärbtem 
Inhalt  Die  chlorophyllgrüne  Farbe,  die  nicht  (wie  bei  den  Algen; 
an  ein  Chromatophor  gebunden  ist  und  an  einzelnen  Fäden  leicht 
übersehen  werden  kann,  tritt  da,  wo  jene  in  Menge  untereinander 
verfilzt  sind,  sehr  deutlich  hervor.  Scheidewände  sollen  in  den  langen 
vegetativen  Fäden  nicht  vorhanden  sein;  da  aber  solche  an  Sporen- 
tragenden  Fäden  und  selbst  schon  während  der  Sporenbildung  viel- 
fach  deutlich  zu  erkennen  waren,  glaubt  Ref.,  nach  dem  zn  urtheQeo, 
was  man  bei  anderen  fadenbildenden  Bakterien  über  diesen  Punkt 
weiss,  dass  sie  zwar  vorhanden,  aber  ohne  Anwendung  von  den  Zell- 
inhalt kontrahirenden  Mitteln  nicht  wahrnehmbar  waren,  and  er  hält 
darum  den  gewählten  Speziesnamen  Eubacillus  multisporus 
für  keinen  glücklichen;  macrosporus  wäre  sowohl  korrekter  wie 
charakteristischer.  Die  sporentragenden  Fäden  unterscheiden  sich 
von  den  vegetativen  durch  starke,  längliche  Auftreibungen  an  den 
Stellen,  wo  die  Sporen  liegen,  wie  das  bei  der  Grösse  der  Sporen  ja 
auch  nicht  anders  möglich  ist;  ausserdem  tragen  sie  nicht  seit® 
kurze,  keulenförmige  Seitenzweiglein,  deren  jedes  eine 
grosse  Spore  enthält/ sind, also  im  Gegensatze  zu  den  vegetativen 
Fäden  manchmal  verästelt,  oder  besser  gesagt,  die  Verästelang  tritt 
erst  bei  der  Sporenbildung  ein.  Ein  Faden  kann  bis  zu  10  und  mehr 
Sporen  führen,  die  theils  einzeln,  theils  in  Gruppen  von  2,  3  und  4 
beisammen  liegen.  Schickt  sich  ein  Faden  zur  Sporenbildung  an,  so 
schwillt  er  an  einzelnen  Stellen  zu  länglichen,  durch  dunkler  grüne 
Farbe  ausgezeichneten  Knoten  an.  Aus  dem  gesammten  Inhalt 
eines  jeden  solchen  Knotens,  der  mitunter  1  oder  2  glänzende  Körn* 
chen  führt,  bildet  sich  durch  leichte  Contraction  eine  deut- 
lich konturirte  Spore  von  ausgesprochen  grüner  Farbe,  gleich  als 
ob  das  gesammte  Chlorophyll  der  Fäden  hier  kondensirt  wäre;  die 
angeblichen  Sporen  der  bisher  bekannten  grünen  Bakterien,  Bacillus 
viridis  und  virens,  sollen  stark  glänzend,  aber  farblos  sein! 

Zur  Gattung  Bacillus  kann  dieser  höchst  interessante  Organismus 
der  Verzweigung  halber  nicht  gebracht  werden,  und  die  Aufstellung 
einer  neuen  Gattung  ist  darum  auch  am  Platze,  wenngleich  der 
Gattungsname  dem  Ref.  nicht  sonderlich  gefällt;  mit  der  Vorsilbe 
Eu-  will  man  doch  sonst  etwas  für  eine  grössere  Abtheilung  (also 
hier  Bacillus  im  weiteren  Sinne)  besonders  Typisches  bezeichnen, 
und  das  ist  hier  absolut  nicht  der  Fall.  Verf.  glaubt  ferner  die 
endosporen  Sumpfbakterien  des  Ref.  *),  allerdings  nur  provisorisch, 
zur  gleichen  Gattung  ziehen  zu  können;  das  ist  aber  sicher  unzulässig, 
denn  jene  unterscheiden  sich,  wenn  sie  auch  in  der  Art  und 
Weise  der  Sporenbildung  mit  Eubacillus  multisporus 
übereinstimmen,  doch  scharf  durch  die  stets  fehlende  Verzwei- 
gung und  vor  allem  durch  den  Charakter  ihres  Farbstoffes :  derselbe 
ist,  wie  Ref.  hier  nochmals  betonen  möchte,  an  vegetativen  Fädeo, 
auch  wenn  sie  in  grösserer  Menge  beisammen  sind,  nicht  wahrzu- 


Bakteriologische  Untersuchungen  der  Verbandbinden.  747 

nehmen,  jene  gleichen  vollkommen  beliebigen  anderen  farblosen  Bak- 
terien, er  ist  ferner  sicher  kein  Chlorophyll,  sondern  deut- 
lich bläulichgrün,  was  die  Nuance,  sehr  schwach,  was  die  Intensit&t 
der  Farbe  anlangt,  und  schliesslich  muss  es  Ref.  einstweilen  noch 
durchaus  in  suspenso  lassen,  ob  der  Farbstoff  dem  Inhalte  oder  der 
Membran  der  Sporen  angehört 

Vom  botanischen  Standpunkte  betrachtet,  dürfte  hier  ein  höchst 
wichtiges  und  eigenartiges  Glied  der  Bakteriengruppe  gefunden  sein, 
von  dem  man  nur  wünschen  kann,  dass  es  recht  bald  aus  dem  mysteriösen 
Dämmerscheine,  in  dem  es  zur  Zeit  noch  weilt,  hervortreten  und 
dann,  genau  bekannt,  neues  Licht  in  die  noch  so  dunklen  Ver- 
wandtschaftsbeziehungen der  Bakterien  zu  anderen  Organismen  bringen 
möge.  L.  Klein  (Freiburg  i.  B.). 

Finkelstein,  J.  H.,  mit  Nachtrag  vonM.  J.  Reich«  Bakterio- 
logische Untersuchung  von  Verband-Binden,  nament- 
lich   der   Jahre    1850,    1864  und  1868.    (Protokolle  d.  Verh. 
d.  Kais.  Kaukasisch.   Media  Gesellsch.    1891.  Nr.   19.    S.   592). 
[Russisch]. 
Zu  diesem  Behufe  wurde  1  g  fein  zerschnittener  Binden  (mittels 
geglühter  Scheere)  in  30  g  sterilisirter  Fleischbrühe  bei  Zimmertem- 
peratur auf  Vs  Stunde  eingeweicht,  durchrührt,    und   von  der  etwas 
trüben  Flüssigkeit  V.2  bis  */*  S  mit  Nährgelatine  auf  Platten   aus- 
gegossen.   Hierauf  wurden  die  Kolonien  gezählt.    Die  Pathogenität 
wurde  durch  Einspritzen  von  1  ccm  der  ursprünglichen  Einweichungs- 
flüssigkeit  unter  die  Haut  an  Kaninchen  und  Meerschweinchen  geprüft. 
Die  Resultate  waren  nun  folgende: 

Kolonien  auf  1  g  Ein-  folglich  in  1  g 

weichnngsflÜM.  berechnet  Gewebe 

Binde  1  vom  Jahre?  2688  80640  Kol. 

„      2     „        „        1864  2352  70560    „ 

„      3     „        „        1868  5760  172800    „ 

„      4     „        „        1850  2156  64680    „ 

„      5     „       „        1878        52—150  1560-4500    n 

Frisch  gewaschene  alte  Leinewand  10—12  300—660    „ 

Es  war  interessant,  diese  Zahlen  mit  den  Werthen  von  Hob  ein 

(Mikroorganismen  in  Unterkleidern,  Zeitschr.  f.  Hyg.  Bd.  IX.  1890.) 

in  Vergleich  zu  ziehen.    Durch  geeignete  Umrechnungen  von  Gramm 

in  Kubikcentimeter  ergab  sich  Folgendes: 

A)  H.obein:  ] 

nach  9-monatl.  nach  dem  Tragen 

neu      Aufbewahr,  in  Papier  auf  blosiem  Körper 

an  trocken.  Ort:  n.  lVt  Tg.      n.  41/,  Tg 

Leinwand                     24  Kol.  3  66  44 

Baumwollenes  Gewebe  63    „  4  114  83 

Wollenes              „       16    „  3  273  172 

Flanell                 ,,       43    „  3  365  465 

B)  Finkelstein: 

Binde  4  vom  Jahre  1850    436  Kol. 
„   3  „   n   1868    1393  „ 
„   5  „   „  1878   2895  „ 


748  Müibrand. 

Hieraas  ist  ersichtlich,  dass  Finkelstein  mehr  Mikroorganis- 
men in  den  Binden  vorfand,  als  Hobein  in  Geweben,  die  sogar  41;, 
Tage  lang  am  blossen  Körper  getragen  waren.  Dieses  ist  um  so  be- 
merkenswerther,  als  F.  nur  die  Mitte  (bis  auf  1  cm  vom  Rande)  der 
Binden  ausschnitt  und  nur  die  Touren  berücksichtigte,  welche  tob 
etlichen  Schichten  Binden  bedeckt  waren. 

Pathogene  Mikroorganismen  konnten  nicht  nachgewiesen  werden 
In  den  Kolonieenkonnten  Staphylo coccus,  Bacillus  subtilis. 
ein  Bacillus,  ähnlich  dem  B.  megaterium,  ein  anderer  dem  R 
typhi,  B.  mycoides,  2  Arten  von  Micrococcus  und  eine  Art 
ubiquitärer  Schimmelpilze  nachgewiesen  werden. 

L.  Heydenreich  (WUna). 

Goldschmidt,  Ein  Fall  von  Anthrax  intestinalis  beim 
Menschen.    (Mancher  med.  Wochenschr.  1891.  No.  6.) 

Ein  Pinselmacher  in  Nürnberg  erkrankte  mit  einer  Anschwellung 
am  Kinne,  welche  rasch  zunahm.  Es  traten  Fieber,  Kopfschmerzen, 
Delirien,  Blutbrechen  und  blutige  Diarrhöe  hinzu;  am  4.  Tage  er- 
folgte der  Tod.  Die  Sektion  ergab:  schlaffe,  blutreiche  and  rer- 
grtteserte  Milz,  Hyperftmie  der  Nieren,  der  Leber  und  des  Gehirns, 
Ekchymosen  in  den  serösen  H&uten,  blutige  Transsudate  in  den 
serösen  Höhlen,  Hämorrhagieen  in  der  Magen-  und  Dannschleim- 
haut, endlich  starke  hftmorrhagisch-ödematöee  Schwellang  der 
Mesenterial-  und  Halslymphdrüsen.  Im  Blute  und  im  Gewebesaft 
wurden  massenhafte  Milzbrandbacillen  in  der  gewöhnlichen  Anordnung 
mikroskopisch  nachgewiesen.  In  den  Nierengefässen  fanden  ach  da- 
neben auch  Eokkenembolieen. 

Dem  Verf.  erscheint  es  nicht  zweifelhaft,  dass  die  Infektion  tos 
den  Borsten,  mit  welchen  der  Pinselmacher  zu  arbeiten  hatte,  aus- 
gegangen ist;  vor  2  Jahren  wurde  einmal  (vom  Verf.?)  in  dem  Borsten- 
rohmaterial  einer  Pinselfabrik  eine  St&bchenart  gefunden,  welche  sich 
vom  Milzbrand  nur  dadurch  unterschied,  dass  sie  nicht  virulent  war. 

Kubier  (Berlin). 

Boger,  GL  IL,  Gontribution  k  l'ätude  expärimentale  du 
charbon    symptomatique.    (Revue  de  med.  1891.  Na  3.  et 
6.  pp.  169,  500.) 
Wir  müssen  es  uns  leider  versagen,  die  lesenswerthe  Arbeit  des 
Verf.  in  jenem  Umfange  wiederzugeben,  wie  es  ihrem  Gehalte  ent- 
sprechen würde,  und  beschränken  uns  daher  auf  die  summarische 
Anführung    der  hauptsächlichsten  Resultate,  zu  welchen  Verf.  im 
Laufe  seiner  ausgedehnten  Untersuchungen  gelangte. 

Die  natürliche  Immunität  der  Thiere  (Kaninchen,  Tauben)  gegen 
Rauschbrand  kann  leicht  überwunden  werden,  wenn  der  Erreger  dieser 
Krankheit  gleichzeitig  mit  einem  anderen  Mikroorganismus  verimpft 
wird,  sei  es  nun  ein  Saprophyt  (B.  prodigiosus)  oder  ein  pathogener 
Mikroorganismus  (Staphylococcus  p.  aureus,  Proteus  vul- 
gär i  8)  in  sonst  unschädlichen  Dosen.  Die  Wirkung  der  Hilfsmikroben 
ist  abhängig  von  den  Stoffen,  welche  sie  ausscheiden.  Die  wirksame  Sub- 
stanz des  B.  prodigiosus  ist  in  Glycerin  löslich,  in  Alkohol  unlöslich, 


ÜUabrand.  —  Dysenterie.  749 

sie  nähert  sich  demnach  dem  vom  B.  prodigiosus  produzirten  Fer- 
mente und  unterscheidet  sich  von  diesem  durch  ihre  grosse  Widerstands- 
fähigkeit gegen  Hitze.  Die  Wirkung  dieser  Substanz  ist  nicht  eine  lokale, 
wie  jene  der  Milchsäure;  sie  bringt  eine  allgemeine  Modifikation  des 
Organismus  zu  Wege.  Ihre  Wirkung  tritt  besonders  hervor,  wenn  sie 
direkt  in  den  Kreislauf  eingeführt  wird.  Ein  Tropfen  Kultur  genügt, 
um  die  Immunität  des  Kaninchens  gegen  Rauschbrand  aufzuheben, 
doch  ist  diese  übertragene  Empfänglichkeit  eine  rasch  vorübergehende. 
Gewisse  vegetabilische  Enzyme,  wie  das  Papain,  vermögen  die  Rausch- 
brandinfektion in  ähnlicher  Weise  zu  begünstigen,  ihre  Wirksamkeit 
wird  jedoch  durch  Hitze  zerstört.  Die  Immunität  des  Kaninchens 
gegen  Rauschbrand  kann  durch  wiederholte  intravenöse  Impfungen 
mit  Rauschbrand  derart  erhöht  werden,  dass  das  Thier  der  Ein- 
wirkung von  Bakterienassoziationen  zu  widerstehen  vermag.  Die 
natürliche  Immunität  kann  ferner  durch  Ueberbürdung  aufgehoben 
und,  in  einem  geringeren  Grade,  auch  durch  Temperaturschwankungen 
ungünstig  beeinflusst  werden.  Die  Verimpfung  von  Rauschbrand  in 
die  vordere  Augenkammer  von  Kaninchen  tödtet  die  Thiere  sehr 
rasch;  die  gesetzte  Läsion  begünstigt  die  Entwickelung  des  gleich- 
zeitig an  anderen  Stellen  desselben  Thierkörpers  verimpften  Virus. 
Der  Rauschbrandbacillus  produzirt  Stoffe,  welche  entgegengesetzte 
Wirkungen  hervorzubringen  scheinen.  Gleichzeitig  mit  dem  Virus 
eingeführt,  begünstigen  sie  dessen  Entwickelung;  einige  Tage  nach 
der  Impfung  applizirt,  machen  sie  das  Thier  refraktär.  Diese  Er- 
scheinungen lassen  sich  leicht  erklären.  Die  die  Infektion  begünstigen- 
den Stoffe  wirken,  indem  sie  momentan  die  Diapedese  verhindern. 
Nach  einigen  Stunden  ist  ihre  Wirkung  verschwunden  und  damit 
auch  die  Neigung  zur  Erkrankung.  Im  Gegensatze  hierzu  resultirt 
die  übertragene  Immunität  aus  einer  Ernährungsmodifikation,  die 
eine  gewisse  Zeit  zu  ihrer  Entstehung  bedarf  und  durch  eine  Ver- 
änderung der  Konstitution  der  Körpersäfte  und  der  Gewebe  erklärt 
werden  könnte.  Im  Serum  und  in  den  Geweben  von  getödteten, 
gegen  Rauschbrand  natürlich  refraktären  Thieren  entwickelt  sich  der 
Rauschbrandbacillus  recht  gut;  unter  dem  Einflüsse  der  Schutz- 
impfungen ändern  sie  sich  jedoch  derart,  dass  sie  für  denselben 
Mikroorganismus  nur  mehr  einen  schlechten  Nährboden  bilden.  Dieses 
Resultat  ist  für  die  Erklärung  des  Mechanismus  der  erworbenen 
Immunität  von  gewisser  Wichtigkeit.  Das  Serum  von  Thieren,  die 
gegen  Rauschbrand  vaccinirt  wurden,  besitzt  ein  höheres  bakterien- 
tödtendes  Vermögen  nicht  nur  gegenüber  dem  Rauschbrandbacillus, 
sondern  auch  gegenüber  dem  Streptococcus  des  Erysipels,  dagegen 
wirkt  es  manchmal  weniger  bakterientödtend  auf  den  Milzbrand- 
bacillus  ein,  als  das  Serum  im  normalen  Zustande.     Kräl  (Prag). 

Stengel,  Alfred,  Acute  dysentery  and  the  Amoeba  coli. 
(Philadelphia  Med.  News.  No.  931.  1890.  p.  600.) 
Verf.  untersuchte  eingehender  3  von  5  näher  mitgetheilten 
Dysenteriefällen.  Er  fand  in  allen  Theilen  der  Stuhlausleerungen, 
am  zahlreichsten  in  den  blutigen  Massen,  die  von  Loesch,  Lambl, 
Kartulis,  Hlava,  Massiutin,  Osler  u.  A.  beobachteten  Arno- 


750  Dysenterie.  —  Krankheit  der  Engerlinge. 

ben  vor.  Wegen  ihrer  beträchtlichen  Grösse,  ihres  namhaften  Litto- 
brechungsvermögen8  and  der  amöboiden  Eigenbewegung  lassen  sk 
sich  leicht  von  den  anderen  vorhandenen  Elementen  differenzm 
Das  scharf  konturirte  Protoplasma  enthält  eine  grosse  Anzahl  pig 
mentirter  Körnchen  mit  Eigenbewegung.  Im  Ruhezustände  habe: 
die  Amöben  eine  runde  oder  ovoide  Form  und  senden  fingerartigt 
Fortsätze  aus,  an  deren  Enden  sich  die  Pigmentkörnchen  vorzugs- 
weise anhäufen.  Bei  einigen  wurden  Kerne  und  Vakuolen  wahr- 
genommen. In  einem  Falle  hatte  nach  24  Stunden  die  Zahl  der 
Amöben  abgenommen ,  das  Protoplasma  und  die  Pigmentkörnck 
zeigten  eine  verzögerte  Eigenbewegung,  dagegen  waren  die  Vakuole* 
häufiger  vorhanden  und  mitunter  von  erheblicher  Grösse.  Tinginmgs- 
versuche  mit  Methylenblau  und  Fuchsin  misslangen ,  desgleichen 
Uebertragungsvereuche  auf  ein  Meerschweinchen. 

Kräl  (Prag). 

Le  Monlt,  Le  parasite  du  hanneton.  (CSomptes  rendusde 
l'Acad.  des  sc.  de  Paris.  T.  CXIIL  No.  5.  p.  272—274) 
Verf.  macht  Mittheilungen  Aber  Reinkulturen  des  Krankheits- 
erregers des  Maikäferengerlings,  die  sich  wider  Erwarten  leicht  her- 
stellen lassen.  Von  600  Röhren,  welche  mit  dem  Inhalt  der  kranke 
Engerlinge  beschickt  waren,  brachten  nur  2  einen  anderen  Pilz,  als  dk 
anderen,  nämlich  Penicillium  gl  au  cum,  zur  Entwicklang.  Verl 
wird  bald  2000  Röhrchen  mit  Reinkultur  zur  Verfügung  haben  und 
hat  bereits  150  in  die  verschiedensten  Gegenden  Frankreichs  verschickt 
Da  das  Jahr  1892  für  fast  ganz  Frankreich  ein  „Maikäferjahr"  seit 
wird,  schlägt  der  Verf.  den  Landwirthen  vor  bereits  jetzt  den  Boden  mi; 
dem  Engerlingspilz  zu  infiziren.  Es  werden  zweierlei  Sporen  beschrie- 
ben: eiförmige  Gonidien  und  rundliche  in  den  Mycelfiulen  gebildete 
Sporen.  Das  Kultursubstrat  wurde  theils  mit  den  exogenen  Sporen 
beschickt,  theils  mit  Stücken  der  bepilzten  Larve,  theils  mit  der 
(endogene  Sporen  bildenden)  Pilzmasse  aus  dem  Inneren  der  letz- 
teren. In  allen  3  Fällen  war  das  Resultat  dasselbe.  Die  Kultur 
nimmt  bereits  in  den  ersten  Tagen  eine  rosarothe  Färbung  an,  baW 
erhebt  sich  ein  Flaum  von  Mycelfäden  Ober  die  Kulturfläche,  <fe 
dann  bei  der  Sporenbildung  ein  mehliges  Aussehen  annimmt  D* 
zur  Kontrolle  gezüchtete  Pilz  der  Muscardine,  Botrytis  Bassiana 
der  Seidenraupe,  färbt  die  Bouillon  nicht  und  bildet  grosse  runde  Spo- 
ren, ist  auch  sonst  wesentlich  von  dem  Engerlingspilz  verschieden, 
so  dass  die  Befürchtung  unbegründet  ist ,  es  möchte  mit  der  Ver- 
nichtung  der  Engerlinge  durch  den  Pilz  ein  anderer  grösserer  Scha-  | 
den,  eine  Vernichtung  der  Seidenraupen,  herbeigeführt  werden. 

Ludwig  (Grefe). 

ftlard,  Alired,  Sur  Pisaria  den sa  (Link),  parasite  du  Ver 
blanc.     (CompL  rend.  de  l'Acad.  de  Paris.  T.  CXI1I.  No.  ^ 
p.  269—272.) 
Verf.  theilt  mit  Rücksicht  auf  einen  Aufsatz  vonPrillieni  «* 
Delacroix  in  den  Gompt.  rend.  vom  20.  Juli  ein  Resum6  seiner  be- 
reits früher  gewonnenen  und  veröffentlichten  Resultate  mit: 


Krankheit  der  Engerlinge.  751 

1.  Der  Pilz  des  Engerlings,  auf  den  Le  Moult  neuerdings  die 
Aufmerksamkeit  der  Landwirthe  gelenkt  hat,  ist  zuerst  als  Urheber 
einer  Epidemie  in  der  Normandie  von  J.  Reiset  1866  (Compt.  rend. 
30.  d&emb.  1867),  später  von  Bail  und  de  Bary  1869  beobachtet 
worden.  Seit  vorigem  Jahr  ist  er  mehr  oder  weniger  häufig  im 
ganzen  Nord-Frankreich,  und  zwar  in  dessen  ostlichem  (Aisne)  und  mitt- 
lerem Theil  (Seine-et-Oise),  ebenso  wie  im  westlichen  gefunden  worden. 

2.  Dieser  Pilz  ist  von  Ditmar  1809  entdeckt,  darauf  1820  von 
Link  als  Sporotrichum  densum  beschrieben  worden.  1832 
erkannte  Fries  seine  Zugehörigkeit  zu  I  s  a  r  i  a.  Nach  dem  Prioritäts- 
gesetz ist  daher  der  Name  Botrytis  tenella  Sacc.  in  Isaria 
d e n s a  (Link)  umzuwandeln. 

3.  Der  Pilz  wird  unter  natürlichen  Verhältnissen  von  einem 
Engerling  auf  den  anderen  übertragen,  kann  aber  auch  durch  Im- 
pfung oder  Bestreuung  anderer  Insekten  auf  letztere  übertragen  wer- 
den ;  jedoch  werden  auf  diesen  nur  Sporen  gebildet ,  wenn  sie  unter  der 
Erde  oder  an  feuchten  Orten  leben.  Sonst  erhält  man  nur  dann  Sporen, 
wenn  man  die  mumifizirten  Insekten  in  einen  feuchten  Raum  bringt. 

4.  Die  Kultur  des  Pilzes  gelingt  leicht  sowohl  auf  Fleisch  (ad 
carnes  mucidas,  wie  schon  die  alten  Beobachter  es  angeben),  als 
auch  auf  den  verschiedensten  künstlichen,  festen  und  flüssigen  Nähr- 
böden, und  zwar  in  jeder  Jahreszeit.  Im  Trockenen  bewahren  die 
Sporen  ihr  Keimvermögen  über  ein  Jahr. 

ö.  Die  1  saria  densa  lässt  sich  zwar  auf  die  Seidenraupe  über- 
tragen, doch  ist  es  nicht  zu  befürchten,  dass  sie  Epidemieen  in  den 
Seidenzüchtereien  verursacht,  da  die  mumifizirten  Seidenraupen  in- 
dem Sklerotienzustand  verharren,  bis  sie  in  die  feuchte  Kammer  ge- 
bracht werden ,  während  sich  der  Muscardinepilz  auf  ihnen  unter 
gewöhnlichen  Verhältnissen  entwickelt 

6.  Bonafous(1829),  Turpin  (1836),  Audouin  (1837),  Mon- 
tagne  haben  bereits  festgestellt,  dass  sich  der  Muscardinepilz,  Isaria 
Bassiana,  von  der  Seidenraupe  auf  die  verschiedensten  Insekten  im 
Larven-  oder  Imagozustand  übertragen  lässt.  Wenn  aber  P  r  i  1 1  i  e  u  x 
und  Delacroixals  Unterschied  der  I.  Bassiana  von  der  I.  densa 
das  Unvermögen  des  letzteren,  die  Insektenkörper  zu  färben,  hervor- 
heben, so  ist  das  unrichtig.  Schon  Audouin  führt  Insekten  der 
verschiedensten  Ordnungen  auf,  die  durch  den  Muscardinepilz  wein- 
roth  gefärbt  werden.  Es  dürfte  sich  aber  mit  ihm  verhalten  wie  z.  B. 
mit  Fusarium  aquaeductuum,  das,  wie  wir  kürzlich  in  dieser 
Zeitschr.  zeigten,  z.  B.  in  dem  Schleimflusse  lebender  Bäume  (Linden) 
häufig  völlig  farblos  auftritt,  während  es  auf  Nährgelatine  einen  leb- 
haft rosenrothen  Flaum  bildet  und  Moschusgeruch  entwickelt., 

7.  Verf.  hat  bereits  früher  nachgewiesen,  dass  eine  Infektion  der 
frei  lebenden  Engerlinge  durch  im  Wasser  vertheilte  Kulturen  des 
Pilzes  oder  durch  ein  Gemenge  seiner  Sporen  mit  Erde  sicher 
erreicht  wird,  wenn  diese  auf  die  Felder  gebracht  werden,  besonders 
zu  einer  Zeit,  wo  die  Engerlinge  zur  Oberfläche  kommen,  und  er  hat 
die  grOsste  Zuversicht,  dass  bei  Verwendung  der  Isaria  densa  die 
Verheerungen  seitens  der  Engerlinge  auf  ein  Minimum  reduziert 
werden.  Ludwig  (Greiz). 


752  KirMhbMm-OnoBOBUb-KnnklMlt 

Frank,  B«,  Ueber  den  Verlauf  der  Kirschbaum-Gnch 
monia-Krankheit  in  Deutschland  nebst  Bemerkungen 
über  öffentliche  Pflanzenschutzmassregeln  über- 
haupt. (Zeitschrift  für  Pflanzenkran  kheitea  I.  1891.  1.  p.  17-21 
Der  durch  die  im  Altenlande  hervorgerufene  Süßkirschen-Epi- 
demie bekannte  Pilz,  Gno.monia  erythrostoma  (Pers.)  FckL 
hat  sich  an  vielen  Orten  Deutschlands  als  schädlich  auftretend  er- 
wiesen. Ausser  auf  der  Süsskirsche  ist  jetzt  aber  auch  vollkommen 
übereinstimmend  bei  Guben  der  Pilz  auf  der  Sauerkirsche  aufgefun- 
den worden,  welche  derselbe  im  Altenlande  etc.  vollständig  gemiedec 
hatte.  Die  Erkrankung  geschieht  unter  den  gleichen  Symptomen 
und  die  befallenen  Bl&tter  bleiben  theilweise  ebenfalls  unter  Krüm- 
mung des  Blattstieles  den  Winter  über  an  den  Zweigen  sitzen.  Da- 
durch erhält  sich  die  Art,  welcher  ein  solches  schwer  verwesbares 
Stroma  fehlt,  wie  es  das  verwandte  auf  den  Pflaumenblattern  wach- 
sende Polystigma  rubrum  D.G.  in  seinen  rothen,  festen,  der 
Verwesung  der  abgefallenen  Bl&tter  widerstehenden  Blattpolstern  be- 
sitzt Die  Ursache  des  Haftens  des  Blattes  am  Zweige  ist  nicht 
wie  bisher  angenommen,  allein  nur  das  Ausbleiben  der  Bildung  einer 
trennenden  Korkschicht  in  dem  Blattstiel,  sondern  der  Pilz  kittet 
durch  seine  Hyphen  dasselbe  an  den  Tragzweig  an,  indem  er  den 
Stiel  mumifizirt  und  die  Entwickelung  jener  Korkschicht  hindert 
In  das  dem  Zweige  angehörende  Blattpolster  und  in  den  Zweig  geht 
das  Mycel  nicht  hinein,  so  dass  von  hier  aus  eine  Infektion  im 
nächsten  Jahre  nicht  stattfinden  kann.  Das  lebende  Blattpolster 
grenzt  sich  durch  eine  Korkschicht  gegen  das  verpilzte  Blattstiel- 
gewebe ab,  hängt  aber  mit  diesem  fest  zusammen.  Es  bleiben  nun 
aber  nur  diejenigen  Blätter  am  Baume  haften,  bei  denen  die  G Do- 
rn o  d  i  a  -  Flecken  mit  den  Spermogonien  und  Perithecien  nahe  der 
Blattbasis  sich  befinden,  von  wo  eine  Einwanderung  des  Mycels 
längs  der  Blattrippe  und  des  angrenzenden  Mesophylls  in  den  Blatt- 
stiel leicht  möglich  ist.  Die  Blätter,  welche  die  Flecke  weit  entfernt 
vom  Blattstiele  haben,  fallen  ab  und  können  nicht  zur  Verbreitung 
des  Pilzes  beitragen.  Die  Bevorzugung  der  basalen  Theile  der  Blatt- 
fläche scheint  eine  von  der  Gnomonia  erworbene,  zweckmässige 
Anpassung  an  ihre  Lebensbedingungen  zu  sein. 

Verf.  plaidirt  sodann  zur  Bekämpfung  verbreiteter,  parasitärer 
Pflanzen-Krankheiten,  gegen  welche  man  sicher  wirkende  und  prak- 
tisch anwendbare  Mittel ,  deren  Ausführung  auch  kontrollirbar  ist, 
für  die  Mithilfe  des  Staates  auf  dem  Wege  polizeilicher  Verordnun- 
gen, während  bei  anderen  Krankheiten  durch  verschiedenartige  Be- 
lehrung der  gute  Wille  der  Einzelnen  angeregt  werden  müsse. 

Brick  (Hamburg). 


Schutzimpfung,  kttnstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelungshemmung  etc.       753 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 

Enderlen,1  Versuche  über  die  bakterienfeindliche  Wir- 
kung normalen  und  pathologischen  Blutes.  (Münch. 
med.  Wochenschr.  1891.  No.  13.) 

Durch  Plattenkulturen  aus  dem  Blute  von  Hunden  und  Kaninchen, 
welches  mittelst  steriler  Glasröhre  aus  derfcCarotis  unter  antiseptischen 
Kautelen  entnommen,  bis  zur  Defibrinirung  mit  Glasperlen  geschüttelt 
und  endlich  mittelst  Staphylokokken  geimpft  worden  war,  stellte  der 
Verf.  fest,  dass  die  Zahl  der  genannten  Bakterien  im  Blute  anfänglich 
abnahm,  später  dagegen  sich  vermehrte.  Die  Zahl  der  in  den  un- 
mittelbar nach  der  Impfuug  gegossenen  Platten  aufgegangenen  Ko- 
lonieen  verhielt  sich  zu  denjenigen,  welche  in  den  nach  3  und  5 
Stunden  gegossenen  Platten  festgestellt  wurde,  wie  7:5:9. 

Auf  ähnliche  Weise  prüfte  der  Verf.  das  Verhalten  des  Blutes 
eines  durch  vorausgegangene  Blutentziehungen  anämisch  gemachten 
und  eines  anderen  nach  Injektionen  von  Toluilendiamin  ikterisch  und 
anämisch  gewordenen  Hundes  Typhusbacillen  gegenüber ;  er  gelangte 
zu  dem  Resultate,  dass  das  Blut  beider  Hunde,  solange  es  frisch 
war,  die  Bacillen  zu  vernichten  vermochte,  und  schliesst  daraus,  dass 
weder  die  Zahl  der  Blutkörperchen  noch  der  Hämoglobingehalt  des 
Blutes  von  Einfluss  auf  dessen  bakterienfeindliche  Wirkung  ist. 

Der  Verf.  injizirte  endlich  einem  Hunde  2  cem  einer  Typhus- 
kultur (1 :  365  der  Gesammt-Blutmenge  des  Versuchstiers)  in  die 
Jugularis  und  prüfte  hierauf  das  Carotiden-Blut  auf  seinen  Gehalt 
an  den  Bakterien.  Auch  in  diesem  Falle  wurde  durch  den  Einfluss 
des  zirkulirenden  Blutes  die  Zahl  der  Bakterien  vermindert. 

Sämmtliche  Versuche  wurden  im  pathologischen  Institut  der 
Universität  München  angestellt.  Kubier  (Berlin). 

Trapeznikoff,   Du  sort  des  spores  de  microbes  dans  l'or- 
ganisme  animal.    [Travail  du  laboratoire  de  M.  Metsch- 
ni  kofi,  a  PInstitut  Pasteur.]  (Annales  de  l'Institut  Pasteur.  1891. 
No.  6.  p.  362.) 
Durch  Untersuchungen  an  Daphnien,  wesentlich  in  Nachahmung 
der  früher  von  Metschnikoff  ausgeführten,   ferner  an  Fröschen, 
Hühnern,  Tauben,  grauen  Ratten  und  Kanindien  gelangt  Verf.  zu 
einer  Reihe  von  Resultaten,  welche  er  in  folgende  Schlusssätze  zu- 
sammenfasse 

1.  Es  gibt  Thatsachen,  welche  beweisen,  dass  die  amöboiden 
Zellen  in  gewissen  Fällen  fähig  sind,  die  von  ihnen  aufgenommenen 
pathogenen  Sporen  zu  tödten.  2.  Die  vom  Verf.  studirten  pathogenen 
Sporen  können  im  Körper  natürlich  oder  künstlich  immuner  Thiere 
keimen  und  in  vegetative  Zustände  übergehen.  3.  Unmittelbar  nach 
der  Einführung  pathogener  Sporen  in  den  Körper  immuner  Thiere 
beginnt  eine  Anhäufung  von  Leukocyten,  welche  die  Sporen  aufnehmen, 
xw.  48 


754     Schotalmpfong f  kttnrfl.  InfektUMkrukfciiiM,  Bntwidknl— gib— im^  «Ü. 

4.  Diejenigen  Sporen,  welche  Zeit  haben,  zu  keimen  und  sich  zu  ent- 
wickeln, ferner  ebenso  die  Stäbchen  und  die  Fäden  werden  in  gleicher 
Weise  von  Leukocyten  aufgenommen,   welche  dieselben   vernichten 

5.  Diejenigen  Sporns,  welch»  bei  ihrer  Keimuitg  von  Zelle«  aulge- 
nommen werden,  keimen  nicht  mehr,  solange  sie  sich  im  Innern  der 
Zellen  befinden,  vorausgesetzt  dass  letztere  lebend  und  nicht  ge- 
schwächt sind.  6.  Wenn  unter  dem  Einfluss  gewisser  Omst&ade  der 
Phagocyt  erlahmt  oder  stirbt,  so  entwickeln  sich  die  noch  lebenden 
Sporen,  welche  er  aufgenommen  hatte,  zu  Stäbchen  und  Fäden.  7. 
Diese  Stäbchen  und  Fäden  können  aufs  neue  von  Leukocyten  auf- 
gefressen und  vernichtet  werden.  8.  Die  in  Zellen  eingeschlossenes 
Sporen  können  durch  letztere  in  alle  Organe  des  Thieres  verschleppt 
werden,  wo  sie  dann  möglicher  Weise  sehr  lange  in  lebendem  um 
virulentem  Zustand  zurückbleiben.  9.  In  der  Mehrzahl  der  Falk 
werden  die  pathogenen  Sporen  durch  die  Zellen  nicht  getödtet,  son- 
dern nur  an  der  Keimung  verhindert.  10.  Die  Säfte  eines  lebendes 
Organismus  besitzen  keine  tödtende  Wirkung  auf  Sporen.  11.  Alk 
Sporen,  die  in  ein  Kulturmedium  ausgesäet  werden,  gelangen  nicht 
in  gleicher  Weise  zur  Keimung;  ebenso  verhält  es  sich  mit  patho- 
genen Sporen,  die  in  einen  lebenden  Organismus  eingeführt   werden. 

12.  Die  Sporen  keimen  und  liefern  Bacillen  ebensowohl  in  der  sof 
84 — 37°  erwärmten  Froschlymphe,  als  in  der  nicht  erwärmten  Lymphe. 

13.  Milzbrandsporen  keimen  unter  der  Haut  von  Fröschen  regel- 
mässig, auch  bei  Zimmertemperatur  (16— 22*).  14.  Bleiben  die 
Sporen  längere  Zeit  bei  niedriger  Temperatur  im  Körper  der  Frösche, 
so  entwickeln  sie  sich  nicht  und  werden  von  Zellen  aufgefressen: 
bringt  man  sie  dann  in  eine  genügend  hohe  Temperatur,  so  unter- 
bleibt trotzdem  die  Keimung  der  Sporen,  indem  die  ewscbliessendeo 
Zellen  dieselbe  verhindern.  15.  Eine  erstmalige  Infektion  macht  des 
thierischen  Organismus  nicht  ungeeignet  zur  Entwickeluog  von  Milz- 
brandsporen im  Falle  einer  neuen  Infektion.  Die  Sporen  keimen 
vielmehr  unter  diesen  Bedingungen,  und  das  Thier  kann  an  der  zwei- 
ten Infektion  erliegen.  16.  Die  pathogenen  Sporen,  welche  im  Organis- 
mus nicht  zur  Auskeimung  gelangen,  können  dort  lange  Zeit  ihre 
Lebensfähigkeit  bewahren.  17.  Bei  empfänglichen  Thieceo  werdas 
die  pathogenen  Sporen  in  gleicher  Weise  von  Phagocyten  aufgefressen, 
nur  finden  sich  letztere  in  geringer  Zahl,  die  Sporen  keimen,  geheo 
in  den  vegetativen  Zustand  über  und  bewirken  den  Tod  des  Thieres. 

Büchner  (München). 

Ogatft,  Üeber  die  lmnmniUtsfrage.  (ßtsch. med.  Wochenschr. 
1891.  No.  16.) 
In  ihrer  Mittheilung  über  das  Zusammenkommen  der  Diphtberi» 
und  Tetanus-Immunität  bei  Tfaieren  (Dtsch.  med.  Wochenschr.  189a 
No.  49  u.  60)  hatten  Behring  und  Kitasato  nachgewiesen,  dass 
das  zellenfreie  Blut  der  immunen  Tfaiere  die  Tenne  der  pathogeiet 
Bakterien  zu  vernichten  und  diese  seine  Fähigkeit  auch  nach 
Transfasion  in  den  Organismus  anderer  Thiere  beizubehalten  in 
Stande  ist  Sie  hatten  daran  die  Bemerkung  geknüpft,  da» 
jene   EiWftrung   der   Immunität   als   eine  Ewritfcung  das   filnto 


fidmtalmpfaog,  kttnst).  InfektfonikrankhtlUn,  ttntwtckfttiinfatttminuiig  etc.    765 

auf  die  Toxine  von  anderer  Seite  noch  nicht  in  Erwägung  gezogen 
worden  sei. 

Ogata  macht  dem  gegenüber  darauf  aufmerksam,  dass  er  schon 
im  Jahre  1890  in  den  Berichten  der  medizinischen  Fakultät  der  Uni- 
versität Tokio  einen  Aufsatz:  Ceber  die  Einflüsse  einiger 
Thierblutarten  auf  Milzbrandbacillen  veröffentlicht  hat, 
in  welchem  er  über  therapeutische  und  prophylaktische  Erfolge  durch 
Transfusion  des  Blutes  von  milzbrandimmunen  auf  milzbrandempfäng- 
liche Thiere  berichtete  und  zugleich  die  Hoffnung  aussprach,  dass  ähn- 
liche Resultate  sich  auch  bei  anderen  Infektionskrankheiten  erreichen 
lassen  dürften.  Abdrücke  dieses  Aufsatzes  seien  auch  R  Koch  und 
Kitasato  zugegangen.  Ogata  glaubt  daher  bezüglich  des  Grund- 
gedankens der  Be  hring-  Ei  tasato'schen  Mittheilungen  die  Priorität 
für  sich  in  Anspruch  nehmen  zu  dürfen. 

Ref.  kann  aus  den  Ausführungen  Ogata's  nicht  entnehmen, 
dass  er  die  oben  erwähnte  Erklärung  der  Immunität  bei  Infektions- 
krankheiten (Einwirkung  des  zellenfreien  Blutes  auf  die 
Toxine)  vor  Kitasato  und  Behring  gegeben  hat  Andererseits 
dürfte  jedenfalls  Behring  das  Verdienst  an  der  hochwichtigen  Ent- 
deckung gebühren,  durch  welche  die  Gründe  der  Milzbrandimmunität 
der  weissen  Ratten  aufgeklärt  sind.  Kubier  (Berlin). 

PetemaflH,  Sur  la  aubstance  bactäricide  du  sang  di- 
ente par  le  professeur  Ogata.    [Travail  du  laboratoire  de 
M.  Roux  k  rinstitut  Pasteur.]    (Annales  de  lTnstitut  Pasteur. 
1891.  No.  8.  p.  506.) 
Hunden  wurde  aus  der  Carotis  Blut  entzogen  und  das  Serum 
genau  nach  den  Angaben  von  Ogata  auf  Glycerinextrakt  verarbeitet. 
Kontrollimpfungen  bestätigten  die  Immunität  der  verwendeten  Hunde 
gegen  Milzbrand.    Das  erhaltene  Glycerinextrakt  wurde   dann    bei 
Mäusen  und  Meerschweinchen  theils  an  gleicher  Stelle  mit  Anthrax- 
virus,  theils  in  der  Nähe  oder  auf  der  entgegengesetzten  Seite  injizirt. 
Das  angewendete  Anthraxvirus  war  so  schwach  (L  und  II.  Vaccin), 
dass  ein  Theil  der  Kontrollthiere  am  Leben  blieb.    Trotzdem  waren 
die  Ergebnisse  der  ziemlich  zahlreichen  Versuche  durchaus  negativ. 
In  analoger  Weise  wurde  aus  dem  Blute  von  Hühnern  Glycerin* 
eztrakt  gewonnen  und  dieses  gleichzeitig  mit  Schweinerothlauf  von 
verschiedenem  Virulenzgrade  bei  Tauben  und  weissen  Mäusen  injizirt 
Die  Hühner  waren  vorher  auf  ihre  Unempfänglichkeit  für  Schweine- 
rothlauf geprüft  worden.    Auch  hier  wurden  nur  negative  Er- 
gebnisse gewonnen.  B  u  c  h  n  e  r  (München). 

Berafini  ed  Errlque«,  Süll1  azione  dell  sangue  di  ani- 
mali  immuni  inoeuhato  ad  animali  suscettibili  pel 
carbonchio.     [tstituto    d'Igiene  sperimentale   della  R.  Univer- 
ßitA  di  Roma.]    (Annali  dell1  Istituto  d'Igiene  sperimentale  della 
R.  Universit*  di  Roma.    Kuova  serie.  Vol.  i.  Fase.  IL  1891.) 
Angeregt  durch  die  Arbeiten  von   Behring  und   Kitasato 
sochten  die  Verft.  zu  erforschen,  ob  auch  beim  Milzbrand  eich  ähn- 
liche Verhältnisse  nachweisen  lassen,  wie  sie  von  jenen  Autoren  für 


756      8chnt*impfung,  kttnstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelrnngsbemmoii^  etc. 

Diphtherie  und  Tetanus  festgestellt  worden  waren.  Als  die  Arbeite 
von  Ogata  und  Jasuhara  bekannt  wurden,  hatten  die  Verff. 
bereits  negative  Resultate  erhalten,  welche  sie  dann  weiter  ver- 
folgten. Blut  von  Hunden,  weissen  Ratten,  Hühnern,  Fröschen, 
Kröten,  Eidechsen  und  Schildkröten  wurde  zum  Zwecke  der  Immo- 
nisirung  auf  Hausmäuse,  weisse  Mäuse,  Meerschweinchen  und  Ka- 
ninchen übertragen.  Von  121  in  dieser  Art  behandelten  Versuchs- 
tieren überstand  jedoch  kein  einziges  die  Inokulation  von  Milzbrand; 
nur  bei  einigen  intravenös  inokulirten  Kaninchen  wurde  eine  Ver- 
zögerung um  50—60  Stunden  beobachtet 

Da  diese  Ergebnisse  zu  jenen  von  Ogata  und  Jasuhara  in 
direktem  Gegensatze  stehen,  so  dachten  die  Verff.  an  mögliche  Fehler- 
quellen  und  suchten  solche  auf  jede  Art  zu  vermeiden,  jedoch  ohne 
Aenderung  des  Erfolgs.  Angewendet  wurde  theils  Serum,  theib 
frisch  gewonnenes,  defibrinirtes  Blut,  subkutan  oder  intraperitoneal, 
vielfach  in  wiederholten  bis  zu  8-maligen  Injektionen,  in  Quantitäten 
von  1  Tropfen  bis  zu  25  ccm  auf  einmal.  Bei  einigen  Kaninchen 
betrug  die  Quantität  des  gesammten  injizirten  Hundeserums  sogar 
bis  40  ccm.  Die  Injektionen  wurden  theils  nur  gleichzeitig  mit  der 
Milzbrandinokulation  ausgeführt,  theils  wurden  dieselben  wiederholt, 
manchmal  24  Stunden  lang  bis  zum  Tode  des  Tfaieres.  Die  Virulenz 
des  angewandten  Milzbrandes  war  eine  massige,  indem  Kontrollthiere 
in  40—50  Stunden  erlagen.  Buchner  (München). 

Metsehnikoff  et  Bonx,  Sur  la  propri6t£  bact6ricide  da 
sang  de  rat.    (Annales  de  l'Institut  Pasteur.  1891.  No.  8.  p.  479.) 

Die  von  Behring  zuerst  erwiesene  schädigende  Wirksamkeit 
des  Rattenserums  auf  Milzbraudbacillen  ausserhalb  des  Körpers  steht 
nach  diesem  Autor  in  ursächlicher  Beziehung  zur  Immunität  der 
Ratten  gegen  Anthrax.  Die  Verff.  suchen  diese  Anschauung  zu 
widerlegen. 

Nach  ihren  Versuchen  entwickeln  sich  Milzbrandbakterien,  wenn 
man  sie  als  Sporen  oder  als  Stäbchen  in  Rattenserum  aussät,  in 
manchen  Fällen,  während  in  anderen  jede  Entwickelung  ausbleibt 
Sicherer  zeige  sich  die  Wirkung  des  Serums,  wenn  man  in  Wieder- 
holung  der  Versuche  von  Ogata  und  Jasuhara,  Behring, 
Hankin  Milzbrandvirus,  mit  Rattenserum  gemischt,  unter  die  Haut 
von  Mäusen  bringt.  Verwendeten  die  Verff.  hierbei  Milzbrand  Stäb- 
chen, so  blieben  die  Mäuse  am  Leben,  während  eine  Mischung  von 
Sporen  mit  Battenserum  zwar  infizirend  wirkte,  aber  wesentlich 
langsamer,  als  bei  Kontrollieren,  Die  Menge  des  zugemischten 
Rattenserums  (einige  Tropfen  bis  0,5  ccm)  erschien  dabei  gleichgültig. 
Das  Serum  zeigte  die  schützende  Wirkung  übrigens  nur,  wenn  es 
mit  dem  Infektionserreger  in  direkten  Kontakt  kam,  nicht  bei  ge- 
trennter Einspritzung. 

Die  gegen  Milzbrand  der  Mäuse  schützende  Wirkung  des  Ratten- 
serums sei  nun  keineswegs  ein  Beweis  dafür,  dass  diese  Eigenschaft 
des  Serums  auch  die  natürliche  Immunität  der  Ratten  erklären 
könne.  Erstens  seien  die  von  den  Verff.  verwendeten  Ratten  ebenso- 
wenig refraktär  gegen  Anthrax  gewesen,  wie  jene  von   Loefflei 


Sehutsimpfung,  künstl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelungshemmung  etc.      757 

u.  s.  w.  Und  noch  dazu  zeigte  sich  speziell,  dass  auch  das  Serum 
einzelner  besonders  empfänglicher  Ratten  bei  Mäusen  schützend  gegen 
Milzbrand  wirkte1).  Ferner  äusserte  sich  die  schützende  Wirkung 
des  Rattenblutes  und  Serums  nicht  nur  im  Organismus  der  Maus, 
sondern  auch  in  jenem  der  Ratte.  Diejenigen  Ratten,  welche  von 
den  Verff.  mit  Milzbrand  allein  inokulirt  wurden,  erlagen  (von 
17  Thieren  alle  bis  auf  2),  während  bei  Inokulation  von  Milzbrand- 
virus,  gemischt  mit  Rattenserum,  alle  am  Leben  blieben2). 

Aus  diesen  Resultaten  gehe  hervor,  dass  die  bakterienfeindliche 
Wirkung  des  Rattenblutes  und  -Serums  zur  Immunität  dieser  Thiere 
in  keiner  Beziehung  steht  (1  ?). 

Hierauf  suchen  sich  die  Verff.  klar  zu  machen,  wodurch  die 
angeführte  schützende  Wirkung  des  Rattenserums  zu  Stande  kommt. 
Zu  diesem  Zwecke  wurden  wiederum  Ratten  und  Mäuse  mit  Emul- 
sion von  Sporen  im  Rattenserum  inokulirt,  und  von  dem  entstehenden 
Exsudat  zeitweilig  Proben  entnommen;  ebenso  geschah  bei  Kontroll- 
thieren,  die  nur  mit  reinen  Sporen  geimpft  waren.  Während  nun 
bei  letzteren  Thieren  bald  die  Auskeimung  erfolgte,  war  dieselbe  be- 
hindert bei  den  mit  'Emulsion  inokulirten,  „gerade  so  wie  bei 
den  Experimenten  in  vitro"8). 

Aber  nun  trat  etwas  Neues  auf,  nämlich  Ansammlung  von  Leuko- 
cyten an  der  Inokulationsstelle,  welche  später  die  Sporen  aufnahmen. 
Da  letztere  in  den  Phagocyten  wenig  günstige  Bedingungen  zur 
Keimung  fanden,  so  blieben  die  Mäuse  gesund.  In  einer  Anzahl 
von  Fällen  dagegen  traten  nach  kürzerer  oder  längerer  Zeit  wieder 
Stäbchen  auf,  und  die  Mäuse  erlagen,  was  die  Verff.  durch  Ruptur 
von  Leukocyten  erklären,  wodurch  die  Sporen  wieder  frei  wurden. 

Die  eintretende  Leuko-  und  Phagocytose  bedingt  nun  nach  An- 
sicht der  Verff.  den  Schutz  der  mit  Emulsion  inokulirten  Thiere. 
Die  Ursache  der  Leukocytose  erblicken  dieselben  in  einer  posi- 
tiven chemotaktischen  Wirkung  des  Rattenserums  auf 
Leukocyten,  die  durch  Einführung  von  mit  Serum  gefüllten  Kapillaren 
anter  die  Haut  von  Mäusen  leicht  nachgewiesen  werden  könne,  indem 
die  Kapillaren  schon  nach  wenig  Stunden  sich  mit  Leukocyten  er- 
füllt zeigen. 

[Obwohl  eine  chemotaktische  Wirksamkeit  von  Eiweisskörpern 
und  deren  ersten  Uniwandlungsprodukten  auf  Leukocyten  thatsäch- 
lich  existirt  und  von  mir  bewiesen  wurde  (Bakterienproteine,  Gluten- 
caseln,  Alkalialbuminat,  Leim  u.  s.  w.),  so  ist  es  doch  auffallend,  zu 
sehen,  dass  die  Verff.  nun  mit  einem  Male  das  Serum  als  eine  chemö- 

1)  Aach  Kaninchen  sind  empfänglich  für  Milzbrand,  und  doch  wirkt  ihr  Serum 
schädigend  auf  Milsbrandbacillen ;  warum  sollte  also  das  Serum  empfanglicher  Hatten 
nicht  die  analoge  Wirkung  haben?     [Ref.] 

2)  Dieses,  den  Verff.  gans  unbegreifliche  Resultat  ist  leicht  erklärlich,  nachdem 
einmal  bewiesen  wurde,  dass  Battenserum  überhaupt  milsbrandfeindlich  wirkt.  Die 
grössere  Quantität  von  solchem  schiltsenden  Serum  an  Ort  und  Stelle  der  Inokulation 
ist  es,  was  die  mit  Mischung  geimpften  Ratten  vor  der  Infektion  bewahrt.     [Ref.] 

3)  Trotz  dieses  Zugeständnisses,  womit  die  Sache  für  jeden  objektiv  UrtheUenden 
bereits  entschieden  ist,  erklären  die  Verff.  nicht  diese  von  ihnen  selbst  konstatirte  mils- 
brandfeindliche  Wirkung  des  Serums  für  die  Ursache  des  Schutxes,  sondern  die  augleieh 
su  erwähnende,  sekundär  eintretende  Leuko-  und  Phagocytose  1    [Ref.] 


758     BchaUfaBpfanf,  kfa»Ü.  Infekttonriurankbeiteii,  EntwickeloDgslwiniOTiif  «te 

taktische  Substanz  betrachten,  nachdem  Boax,  im  gleichen  Hefte 
der  Annales  Pasteur  an  anderer  Stelle  —  S.  531  —  im  ausge- 
sprochenen Gegensatz  zu  meinen  Resultaten  die  vpoisons  micro- 
bienB",  d.  b.  Toxine  der  Bakterien,  als  die  anlockenden  Substanzen 
erklärt  Ich  für  meinen  Theil  kann  nur  konstatiren,  dass  bei  meinen 
Untersuchungen  über  Leukocytose  seinerzeit  auch  intaktes  Blut  und 
Serum  von  Kaninchen  auf  ihre  anlockende  Wirkung  im  Kaninchen- 
körper geprüft,  aber  gänzlich  wirkungslos  befunden  wurden.  Es  wäre 
also  höchstens  denkbar,  dass  Rattenserum  im  Körper  einer  anderen 
Spezies,  der  Maus,  chemotaktisch  wirkt,  wie  das  die  Verff.  bei 
ihren  Versuchen  fanden.  Dagegen  halte  ich  für  ausgeschlossen,  dass 
das  Rattenserum  im  subkutanen  Gewebe  der  Ratte,  d.  h.  auf  die 
Leukocyten  der  Ra  1 1  e  s  el  bs  t  chemotaktisch  wirken  könne.  Letzteres 
scheint  mir  eine  biologische  Unmöglichkeit,  und  die  Verff.  haben 
auch  nichts  über  einen  derartigen  Versuch  mitgetheilt  In  Folge 
dessen  fehlt  im  Sinne  der  Verff.  jede  Erklärung  für  den 
schützenden  Einfluss,  welchen  das  Rattenserum  nach  ihren  eigenen 
Versuchen  bei  Ratten  ausübt,  die  mit  Emulsion  von  Sporen  in 
Serum  inokulirt  wurden,  und  die  bei  dieser  Prozedur  regelmässig  am 
Leben  blieben.  Ich  zweifle  gar  nicht,  dass  auch  hier  Lenko-  und 
Phagocytose  eintritt,  aber  diese  kann  unmöglich  durch  das  Serum 
an  sich  bedingt  sein,  sondern  nur  durch  etwas  Sekundäres:  durch 
den  Einfluss  nämlich,  welchen  das  Serum  auf  die  Milzbrandsporen 
ausübt,  und  die  dabei  auftretenden  chemotaktischen  Produkte,  oder 
anderseits  durch  die  Rückwirkung  der  Sporen  auf  das  Serum  und 
hierdurch  erzeugte  anlockende  Umwandlungsprodukte  von  Eiweiss- 
körpern.  In  jedem  Falle  ist  das  Primäre  und  Schutzverleihende  die 
bakterienfeindliche  Wirksamkeit  des  Serums,  während  die  Leuko- 
und  Phagocytose  nur  eine  Begleiterscheinung  darstellt,  die  niemals 
fehlt,  wo  es  sich  um  Ausheilung  eines.Infektionsprozesses  handelt.  Ref.] 

Buchner  (München). 

Gottstein,  A.,  Zusammenfassende  Uebersicht  über  die 
bakterienvernichtende  Eigenschaft  des  Blutserums. 
(Therapeutische  Monatshefte.  1891.    Heft  4.) 

Verfasser  bespricht  in  Kürze  die  neueren  Untersuchungen  über 
die  bakterienvernichtende  Wirkung  des  Blutserums,  wobei  er  auf  die 
Arbeiten  von  Wyssokowitsch,  Fodor,  Behring,  Nattal 
u.  A.  hinweist 

Nach  allen  diesen  Untersuchungen  liegt  für  die  bakterientödtende 
Kraft  des  Blutserums  beim  Menschen  die  Frage  so,  dass  sie  für 
jeden  einzelnen  pathogenen  Mikroorganismus  im  Besonderen  erst  zu 
erweisen  ist. 

Exsudate  und  Transsudate  wirken  ebenso  wie  defibrinirtes  Blut. 

Verschiedene  Ereignisse  allgemeiner  Natur,  wie  Abkühlung,  Er- 
hitzung, Vergiftung  durch  verschiedene  Stoffe,  wie  blutkörperchen- 
vernicntende  Gifte  und  Fermente  bakteriellen  Ursprungs,  heben  die 
Immunität  des  Blutes  gewisser  Tbiere  gegen  gewisse  Bakterien  intra- 
vital auf,  wodurch  sich  eine  neue  Bahn  für  weitere  Konsequenzen 
eröffnet 


ftcfmtifmpfang,  künstl.  Infektionskrankheiten,  Entwicklungshemmung  ete.     759 

Es  wird  dann  noch  der  Untersuchungen  von  Behring  und 
Kitas ato  Erwähnung  gethan  über  die  giftzerstörende,  antitoxischo 
Wirkung  des  Blutserums,  eine  bislang  nicht  gekannte  Eigenschaft 
desselben. 

Auf  Veranlassung  Liebreich 's  untersuchte  Verf.  das  Verhalten 
des  Serums  gegen  Tuberkelbacillen ,  hat  jedoch  diese  Frage  noch 
nicht  endgültig  entschieden.  Weiterhin  prüfte  er,  ob  das  durch  Can- 
tharidenpflaster  gewonnene  menschliche  Blutwasser  sich  prinzipiell 
gegen  Bakterien  ebenso  verhält,  wie  das  aus  defibrinirtem  Blute 
gewonnene,  wobei  sich  jenes  als  ebenso  bakterienvernichtend  er« 
wiesen  hat. 

Zum  Schlüsse  prüfte  der  Verf.  die  gewöhnlich  zur  Verwendung 
kommende  Cantharidenlösung  (auch  solche  in  stärkerer  Konzentration) 
auf  ihre  antiseptische  Eigenschaft,  und  fand,  dass  sie  keine  solche 
besitzt  Kronacber  (München). 

Gtaertner,  GL,  und  Boemer,  Fr.,  Ueber  die  Einwirkung  von 
Bakterienextrakten  auf  den  Lymphstrom.  (Wien.  Med. 
Blätter.  1891.  No.  42.  p.  654.) 

H  e  i  d  e  n  h  a  i  n  hat  vor  kurzem  nachgewiesen,  dass  gewisse  Stoffe, 
die  „Lymphagoga",  die  theils  krystallolder  Natur  sind,  thells  aus 
Krebsmuskeln,  Blutegeln,  Flussmuscheln,  Darm  und  Leber  von  Hunden 
gewonnene  Substanzen  u.  a.  m.,  wenn  sie  in  das  Blut  eingebracht 
werden,  den  Lymphstrom  im  Ductus  thoracicus  zu  beschleunigen  und 
die  Konstitution  der  Lymphe  zu  verändern  vermögen,  wobei  gleich- 
zeitig durch  die  erstere  Gruppe  von  Stoffen  der  Wassergehalt  des 
Gesammtblutes  erhöht,  durch  die  Einwirkung  der  letzteren  aber  ver- 
mindert wird. 

Aus  diesen  experimentellen  Erfahrungen,  sowie  aus  dem  Auf- 
treten von  Oedemen  in  der  Umgebung  entzündlicher  Herde,  der  häufig 
vorkommenden  Ausscheidung  grosser  Flüssigkeitsmengen  bei  Ent- 
zündungen seröser  Häute  und  Aehnlichem  glaubten  Verff.,  dass  die 
von  Bakterien  gebildeten  oder  in  ihnen  enthaltenen  Stoffe  ebenfalls 
die  Lymphabsonderung  beeinflussen  könnten,  und  fanden  diese  Ver- 
muthung  durch  die  Resultate  ihrer  Versuche  bestätigt 

Die  Bakterienextrakte  wurden  von  Roemer  aus  Kartoffelkulturen 
des  B.  pyocyaneus  und  des  Friedlaender'schen  Pneumo- 
bacillus  in  der  folgenden  Weise  bereitet.  Die  Kultur  wurde  mit 
10  Theilen  destillirten  Wassers  zu  einer  feinen  Emulsion  verrieben, 
der  Inhalt  des  Bakterienkörpers  durch  vielstündiges  Kochen  oder 
mehrwöchentliches  Stehenlassen  oder  durch  beides  zusammen  extrahirt, 
hierauf  durch  eine  Chamberlandkerze  filtrirt  und  so  das  Bakterien- 
extrakt, eine  klare,  bräunliche,  neutrale  Flüssigkeit  mit  sehr  ausge- 
sprochener Eiweissreaktion  erhalten.  Eine  andere  Flüssigkeit  wurde 
derart  hergestellt,  dass  die  frisch  bereitete  10  °/0  wässerige  Bakterien- 
emulsion  durch  eine  Chamberlandkerze  filtrirt  wurde,  wobei  das  Filtrat 
niemals  länger,  als  eine  Stunde  mit  den  Bakterien  in  Berührung  ge- 
blieben war,  letzteres  dann  gekocht  und  nochmals  filtrirt.  Diese 
Flüssigkeit  enthielt  demnach  vorwiegend  die  durch  Kochen  nicht 
zerstörbaren  Stoffwechselprodukte  des  betreffenden  Mikroorganismus, 


760      Schutzimpfung,  ktinatl.  Infektionskrankheiten,  Entwickelangshenrarang  etc. 

erstere  hingegen  ausser  diesen  die  aas  den  Bakterienleibern  durch 
Kochen  und  Stehenlassen  mit  Wasser  ausziehbaren  Stoffe.  Als  dritte 
Flüssigkeit  wurde  das  Koch'sche  Tuberculin  verwendet,  das  eben- 
falls als  Bakterienextrakt  gelten  muss. 

Die  erwähnten  Flüssigkeiten  wurden  tief  morphinisirten  Hunden 
in  die  V.  cruralis  injizirt,  nachdem  vorher  die  aus  den  Lymph- 
wegen am  Halse  abfliegende  Lymphmenge  eine  Zeit  lang  kontrollirt 
worden  war.  Zur  Präparation  der  Lymphgefässe  bedienten  sich  Verf. 
eines  von  einem  von  ihnen  (Gaertner)  vorgeschlagenen,  im  Origi- 
nale ausführlicher  mitgetheilten  Verfahrens,  das  sich  trefflich  bewährte 
und  gegenüber  der  älteren  G.  Lud wi g 'sehen  Methode  unter  anderem 
auch  jenen  Vortheil  bietet,  dass  das  Ausfliessen  der  Lymphe  jederzeit 
unterbrochen  und  dieselbe  wieder  auf  normalem  Wege  ins  Blut  zurück- 
geleitet werden  kann. 

Die  Bakterienextrakte  vom  B.  pyoeyaneus  und  vom  Fried- 
laender'schen  Pneumobacillus  als  auch  Koch's  Tuberculin 
erwiesen  sich  als  Lymphagoga  von  mächtiger  Wirkung.  So  sahen 
Yerff.  z.  B.  bei  ihrem  Versuche  II  die  im  Verlaufe  von  10  Minuten 
ausfliessende  Lymphmenge  unmittelbar  nach  Einspritzung  von  40  cem 
Pyoeyaneus -Extrakt  von  2  Gramm  auf  18  Gramm  steigen,  und 
noch  61/»  Stunden  später  flössen  nach  vorhergegangener  längerer 
Unterbrechung  des  Ausfliessens  im  gleichen  Zeiträume  5,5  g  Lymphe 
aus.  Im  V.  Versuche  betrug  die  Lymphmenge  in  10  Minuten  vor  der 
Injektion  2,5  g,  nach  der  Einspritzung  von  40  cem  Extrakt  14,5  g 
während  der  gleichen  Zeit  Im  Verlaufe  von  7  Stunden  lieferte  der 
11  kg  schwere  Hund  nicht  weniger  als  360  g  Lymphe.  Analog  ver- 
liefen alle  übrigen  Versuche  mit  den  Extrakten;  die  Steigerung  der 
Lymphabsonderung  schien  mit  der  Quantität  der  eingeführten  Extrakte 
im  geraden  proportionalen  Verhältnisse  zu  stehen.  Bei  einem  Ver- 
suche wurde  die  Trockensubstanz  der  Lymphe  und  die  Zahl  der 
rothen  Blutkörperchen  im  Blute  vor  und  nach  der  Injektion  bestimmt 
und  gefunden,  dass  erstere  konzentrirter  geworden,  und  die  Anzahl 
der  rothen  Blutkörperchen  von  6,6  auf  9,8  Millionen  pro  Kubikmilli- 
meter  angestiegen  war.  Demgemäss  gehören  die  injizirten  Bakterien- 
extrakte  in  dieselbe  Gruppe  von  Substanzen,  wie  die  Krebsmuskel- 
extrakte  von  Heidenhain. 

Hingegen  hatten  die  aus  denselben  Bakterienkulturen  durch 
kurz  dauerndes  Digeriren  erhaltenen  Flüssigkeiten  keinen  oder  nahm 
keinen  Einfluss  auf  die  Lymphabsonderung. 

Aus  den  Versuchen  der  Verfi.  geht  hervor,  dass  die  aus  dem 
plasmatischen  Inhalte  der  Bakterienzelle  abstammenden  Stoffe  einen 
Reiz  hervorbringen,  der  die  Lymphabsonderung  in  hohem  Masse 
anzuregen  im  Stande  ist,  und  dass  durch  diese  Thatsache  gewisse 
Begleiterscheinungen  der  Entzündung  möglicherweise  ihre  Erklärung 
finden  könnten.  Eine  ausführlichere  Publikation  ihrer  Versuche 
stellen  Verff.  in  Aussicht.  Kräl  (Prag). 

Chor,  8.,  Traitement  du  charbon  par  le  bicarbonate  de 
soude  d'aprfes  la  inäthode  de  M.  Fodor.  [Travail  da 
laboratoire  deM.  Metschnikoffä  l'Institut  Pasteur.j  (Annales 
de  Tlnstitut  Pasteur.  1891.  No.  5.  p.  S37.) 


BchaUimpfangt  kfinstl.  Infektionskrankheiten,  &Dtwtokelangshemmiiag  etc.      761 

Zunächst  berichtet  Verf.  summarisch  über  Versuche  mit  Alkali- 
satiorr,  die  von  ihm  auf  der  bakteriologischen  Station  in  Odessa  mit 
negativem  Erfolg  angestellt  worden  waren.  Ausführlicher  werden 
die  im  Institut  Paste  ur  angestellten  Versuche  mitgetheüt,  bei  denen 
die  Behandlung  der  Kaninchen  mit  Natriumbicarbonat  theils  vor, 
theils  nach  der  Milzbrandinfektion  eingeleitet  wurde.  Auch  diesmal 
waren  die  Resultate  negativ,  obwohl  Verf.  durch  spezielle  Versuche 
nachweisen  konnte,  dass  thatsächlich  die  Alkalioität  des  Blutes  durch 
die  Behandlung  wesentlich  erhöht  wurde.  Beim  infizirten  Thiere  er- 
schien die  Alkalinität  übrigens  wieder  geringer,  was  mit  dem  akuten 
Infektionsvorgange  selbst  zusammenhängen  dürfte. 

Buchner  (München). 

Du   Cazal  et  Vaillard,  Sur  une  maladie   parasitaire    de 
Thomme  transmissible  au  lapin.    (Annales  de  l'Institut 
Pasteur.  1891.  No.  6.  p.  353.) 
Bei    einem,    unter   eigenthümlichen  Erscheinungen    letal    ver- 
laufenen Falle  fanden  sich  bei  der  Sektion   konfluirende,   käsig  aus- 
sehende   Knötchen   beinahe    auf  der    ganzen    Peritonealfläche    und 
ausserdem  eine  Infiltration  des  Pancreas  von  ähnlicher  Beschaffenheit. 
Letzteres  Organ  scheint  den  Ausgangspunkt  gebildet  zu  haben;   die 
Leber  war  nur  wenig  ergriffen.     Die  Knötchen  enthielten  Bacillen, 
die  sich  nach  Gram  entfärbten  und  sich  leicht  auf  verschiedenen 
Nährböden  kultiviren  Hessen.     Die  Wuchsformen    waren    ungemein 
kurz,  öfters  in  Ketten  angeordnet,  mit  lebhafter  Eigenbewegung. 

Der  geschilderte  Bacillus  ist  fakultativer  Anaörobier,  verflüssigt 
langsam  die  Gelatine,  wächst  auf  Kartoffeln  als  dichter,  etwas  schlei- 
miger, gelblicher  Ueberzug  und  zeigt  in  sämmtlichen  Kulturen  einen 
Geruch,  der  an  fauligen  Harn  erinnert.  Derselbe  äussert  pathogene 
Eigenschaften  bei  Kaninchen  und  Mäusen,  wobei  die  Thatsache  be- 
inerkenswerth  erscheint,  dass  intravenöse  Injektion  beim  Kaninchen 
in  grösseren  Dosen  fötide  Diarrhöe  und  Parese  der  Extremitäten 
bewirkt,  mit  rasch  tödtlichem  Ausgang,  während  bei  mittleren  Dosen 
an  verschiedenen  Stellen  des  Körpers  genau  die  nämlichen,  käsig 
aussehenden  Knötchen  zur  Entwickelung  kommen,  wie  sie  beim 
Menschen  beobachtet  wurden.  In  diesen  Fällen  kommt  die  Krankheit 
beim  Kaninchen  häufig  zur  Ausheilung. 

Allem  nach  handelt  es  sich  somit  um  eine  neue  Art  von  Pseudo- 
tuberculose.  Buchner  (München). 

Fazto,  E.,  Concorrenza  vitale  fra  i  bacteri  della  putre- 
fazione  e  quelli  del  carbonchio  e  del  tifo.     (Rivista 
internazionale  d'igiene.    Anno  I.  No.  10—11.) 
Nach  der  gleichen  Untersuchungsmethode,  welche  der  Verfasser 
in  einigen  seiner  früheren  Versuche  über  die  Mikroorganismen  der 
in  frischem  Zustande  gebrauchten  Nahrungsmittel  aus  dem  Pflanzen- 
^iche  angewandt  hatte,  wo  er  in  denselben  die  konstante  Anwesen- 
heit dreier  charakteristischer  Bakterien  dargelegt  hat,  versuchte  er 
*  auch,  vorerst  das  Schicksal  der  Typhus-  und  Milzbrandbacillen 
in  den  Vegetabilien  näher  zu  studiren. 


?$g  B aktar iologfoehet  tom  VÜ.  infonuttionaUa  ttoogreM   u  LonAoft. 

Zu  diesem  Zwecke  wurden  zu  wiederholten  Malen  verschiedene 
kleine  Pflanzen  mit  Reinkulturen  der  oben  genannten  Mikroorganis- 
men vier  Monate  hindurch  begossen;  allein  nach  diesem  Zeiträume 
zeigten  die  bakteriologischen  Untersuchungen  nirgends  ihre  Gegen- 
wart ,  während  die  Kulturen  stets  positiv  in  Bezug  auf  die  drei 
charakteristischen  Mikroorganismen  der  Vegetabilien ,  nämlich  Bat 
putridus,  Bac.  fluorescens  und  Bac.  candidus  blieben. 

In  Folge  dessen  schreibt  der  Verfasser  diesen  letztgenannten  Bak- 
terien das  Verschwinden  des  Typhus-  und  Milzbrandbacillus  zu,  in- 
dem er  die  Hypothese  eines  Kampfes  ums  Dasein  aufstellt  und  zu 
diesem  Behufe  Versuche  mit  Reinkulturen  vornimmt 

Das  Ergebniss  dieser  letzteren  war,  dass  die  obgenannten  Sapro- 
phyten  einen  augenfälligen  Antagonismus,  den  beiden  pathogeoen 
Mikroorganismen  gegenüber  bekunden,  und  dass  dieser  Antagonismus 
endlich  eine  schnelle  Zerstörung  der  Typhus-  und  Milzbrandbacillen 
herbeiführe,  sobald  diese  letzteren,  wenn  auch  in  sehr  bedeutender 
Menge,  mit  den  Saprophyten  in  Kontakt  kommen. 

Sanarelli  (Pisa). 


Originalbericfete  Ober  Kongresse. 

Bakteriologisches  vom  VÜ.  internationalen  Eongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10.— 17.  August  1891, 

(Fortsettung.) 

Sektion  Ar  Bakteriologie. 

Arlolng,  Lyon,  glaubt,  dass  die  zelligen  Elemente  die  Hauptrolle 
bei  der  Immunität  spielen,  und  dass  das  Wesen  der  letzteren  in  einer 
progressiven  Angewöhnung,  einer  Toleranz  gegen  die  Bakteriengifte 
besteht  Die  erbliche  Uebertragung  der  Immunität  wäre  schwär  zu 
erklären,  wenn  man  die  Betheiligung  von  Zellen  ausschlieft 

Kitasato,  Tokio,  berichtet  Ober  seine  mit  Behring  ausgeführten, 
-später  von  ihm  fortgesetzten  Heil-  und  Im  munisirungs  versuche  bei 
Tetanus.  Injektion  von  Blut  eines  Kaninchens,  das  mittelst  Jod- 
trichlorid  gegen  Tetanus  immunisirt  worden  war,  machte  Mäuse  nicht 
nur  unempfänglich  gegen  diese  Infektion,  sondern  heilte  dieselben  so- 
gar, auch  wenn  bereits  die  Extremitäten  von  Starre  befallen  waren. 
Dies  erwecke  die  Hoffnung,  dass  es  gelingen  dürfte,  mittelst  des  Blutes 
immunisirter  Thiere  gegen  akute  Infektionskrankheiten  thatsächliche 
Heilerfolge  zu  erzielen« 

Adaml,  Cambridge,  versucht  zwischen  der  Phagocytentheorie  und 
den  Ober  die  schützende  Wirkung  der  Körpersäfte  erlangten  tbatsäch- 


ftaktettologiaeties  vom  Vit.  Internationalen  Kongress  an  London.  ?ß3 

liehen  Ergebnissen  zu  vermitteln,  indem  er  darthut,  dass  beide  Auf- 
fassungen sich  nicht  nothwendig  gegenseitig  ausschliessen. 

Prof.  Ehrlich,  Berlin,  hat  interessante  Versnche  angestellt  über 
die  Wirkungen  zweier  giftiger  Eiweisskörper,  des  Ricins  (Toxalbumin 
der  Ricinussamen)  und  des  Abrins  (wirksames  Prinzip  der  Jequirity- 
bohne)  auf  den  Thierorganismus.  Gegenwärtig  berichtet  E.  haupt- 
sächlich über  seine  Immunisirungs versuche  gegen  Ricin.  Der 
letztere  Stoff,  durch  Kohert's  Initiative  als  Handelsprodukt  in  ge- 
nügender Reinheit  zu  beziehen  (Merck,  Darmstadt),  löst  sich  in 
10%  Kochsalzlösung,  koagulirt  beim  Erhitzen  und  verliert  dabei 
seine  Giftigkeit.  Die  toxische  Wirkung  geht  in  erster  Linie  aufs 
Mut;  es  entsteht  Koagulation  der  rothen  Körperchen  und  dadurch 
Thrombosirung,  namentlich  der  Darmgefässe.  Die  je  nach  der  Species 
sehr  verschiedene  Giftigkeit  ist  bei  Meerschweinchen  so  gross,  dass 
1  g  käufliches  Ricin  genügen  würde,  um  l1/,  Millionen  Meerschwein- 
chen zu  tödten.  Subkutan  bewirkt  das  Ricin  heftige  .lokale  Entzün- 
dung mit  Nekrosirung.  Mäuse  sind  weniger  empfindlich,  als  Meer- 
schweinchen und  lassen  sich,  am  besten  durch  Verfütterung,  durch 
langsames  Steigen  mit  den  Dosen  immunisiren,  ricinfest  machen. 
Die  Prüfung  der  Immunität  geschieht  dann  durch  subkutane  Injektion. 
Wenn  ein  Thier  das  200-fache  der  Anfangs  tödUichen  Dosis  ohne 
Nachtheil  erträgt,  so  bezeichnet  E.  dies  als  einen  Immunitätsgrad  von 
200.  Bis  dahin  gelingt  die  Immunisirung  leicht  und  sicher,  während 
höhere  Immunitätsgrade  bis  zu  800  nur  schwer  zu  erzielen  sind. 
Sehr  evident  zeigt  sich  die  Ricinfestigkeit  am  Auge,  wo  sonst  Ricin- 
lösnngen  von  0,5—1,0  °/ö  intensive  Entzündung  hervorrufen,  während 
bei  ricinfesten  Thieren  hier  eine  absolute  Immunität  lokaler  Natur 
zu  beobachten  ist 

Das  Werden  der  Immunität  erfolgt  nach  E/s  Versuchen  nicht  in 
gleichmäßiger  Weise,  sondern  auffallenderweise  zeigte  sich  am  6. 
Tage  der  Ricindarreichung  eine  ausgesprochene  sprungweise  Zunahme 
der  Immunität  auf  das  13-fache  des  anfänglichen  Grades.  Unter 
günstigen  Umständen  kann  schon  am  21.  Behandlungstage  der  hohe 
Resistenzwerth  von  400  erreicht  werden.  Analog  den  Befunden  von 
Behring,  Kitasato  u.  A.  hat  der  Vortragende  nachzuweisen  ver- 
mocht, dass  das  Blut  der  ricinfesten  Thiere  ein  Antiricin  enthält, 
das  im  Stande  ist,  die  Giftwirkung  des  Ricins  völlig  aufzuheben. 
Dieses  Antiricin  hält  sich  im  Körper  der  immunisirten  Thiere  offenbar 
längere  Zeit  in  unverändertem  Zustand,  und  damit  sucht  E.  die  von 
ihm  gefundene  Thatsache  zu  erklären,  dass  zwar  nicht  die  Jungen 
ricinfester  Männchen,  wohl  aber  diejenigen  immunisirter  Weibchen 
die  Ricinfestigkeit  erben,  was  auf  direkter  Uebertragung  des  Anti- 
ricius  durch  das  Serum  beruhen  kann. 

ttueppe,  Prag:  Die  Immünitätsfrage  bringe  den  alten  Streit 
der  llumoral-  und  Solidarpathologie  wieder  zum  Aufleben.  Sehr 
wichtig  seien  die  Beobachtungen  über  Chemotaxis,  deren  Betheili- 
gung am  Tuberculoseprozess  Redner  nachgewiesen  hat  Seitdem 
wurde  neuestens  bewiesen,  dass  der  todte  Bacillus  auf  die  zelligen 


7ß4  BakteriologtobM  vom  Vit.  internationalen  Kongrete  tu  London. 

Elemente  die  nämlichen  Wirkungen  aasübt,  welche  die  Tuberculose 
im  Anfangsstadium  charakterisiren.  Bei  dieser  Gelegenheit  erinnert 
H.  daran,  dass  es  ihm  1887  gelang,  zu  zeigen,  wie  auch  ihrer  Virukaz 
beraubte  Bakterien  Immunität  zu  bewirken  im  Stande  sind,  woraas 
eine  Verschiedenheit  der  giftigen  und  der  immunisirenden  Substanz** 
hervorgeht 

Klein,  Leeds,  hat  bei  gemeinschaftlich  mit  Dr.  Coxwell  aus- 
geführten Untersuchungen  Frösche,  die  an  und  für  sich  gegen  Anthrax 
immun  sind,  stets  erliegen  sehen,  wenn  dieselben  mit  einem  Stückchen 
Milzbrandmilz  geimpft  und  dann  chloroformirt  wurden.  Die  Ursache 
dieses  abnormalen  Verhaltens  glaubt  der  Vortragende  nicht  io  irgend 
welcher  Alteration  der  zelligen  Elemente,  sondern  in  einer  chemi- 
schen Beeinflussung  der  Säfte,  einer  Zerstörung  der  schützende^ 
Stoffe  erblicken  zu  sollen,  da  es  nicht  gelang,  an  den  Leukocyte: 
und  ihrer  Befähigung  zur  Aufnahme  von  Bakterien  Veränderungen! 
nachzuweisen. . 

Prof.  Metschnikoff,  Institut  Pasteur  (mit  Beifall  begrttsst),  er- 
klärt  es  für  eine  Unmöglichkeit,  auf  alle  die  vorgebrachten  Angriffe 
gegen  die  Phagocytentheorie  bei  der  zugemessenen  Zeit  im  einzelne»! 
zu  antworten.  Statt  dessen  ziehe  er  vor,  in  einem  wichtigen  speziellen 
Falle,  der  bisher  gegen  seine  Theorie  ausgebeutet  wurde,  die  Hin- 
fälligkeit dieser  Auffassung  nachzuweisen  und  darzuthun,  dass  gerade 
dieser  spezielle  Fall  bei  genauer  Untersuchung  nur  Argumente  zc 
Gunsten  der  Phagocyteulehre  zu  liefern  im  Stande  sei.  Es  handele 
sich  um  den  von  Behring  und  Nissen  im  hygienischen  Institut 
zu  Berlin  erbrachten  Nachweis,  wonach  das  Serum  von  Meerschwein- 
chen, die  gegen  Vibrio  Metschnikovi  immunisirt  sind,  auf  diesen 
Infektionserreger  rasch  tödtend  einwirkt,  während  im  Serum  normaler 
Thiere  Vermehrung  stattfindet.  Diese  Uebereinstimmung  der  bak- 
terienfeindlichen Wirksamkeit  mit  der  Thatsache  der  Immunitat  er- 
scheint so  schlagend,  dass  man  das  wohl  als  die  Hauptstütze  der 
„humoralen"  Immunitätstheorie  betrachten  kann;  aber  gerade  hier 
liegen  die  Verhältnisse  in  Wirklichkeit  ganz  anders.  Zwar  die  rasch 
tödtende  Wirkung  des  Serums  vaccinirter  Meerschweinchen 
auf  den  Vibrio  M.  fand  der  Vortragende  durchaus  bestätigt,  w&hreod 
im  Serum  intakter  Meerschweinchen  bald  Vermehrung  eintrat  Allein 
diese  „in  vitrou  gewonnenen  Ergebnisse  dürfen  nicht  unmittelbar  auf 
den  lebenden  Körper  übertragen  werden,  sondern  es  ist  erforderlich, 
die  Verhältnisse  hier  direkt  zu  verfolgen. 

Zunächst  bei  Einimpfung  des  Vibrio  M.  in  die  Vorderkammer 
intakter,  andererseits  immunisirter  Meerschweinchen  zeigen  sich  grosse 
Verschiedenheiten,  indem  das  Exsudat  —  das  in  beiden  Fallen  gleich- 
massig  mit  Oedem  der  Conjunctiva  und  Trübung  der  Hornhaut  io 
den  ersten  Stunden  sich  bildet  —  beim  normalen  Meerschweinchen 
nur  Vibrionen  und  fast  keine  Leukocyten,  beim  vaccinirten  dagegen 
letztere  reichlich  enthält,  einige  bereits  mit  aufgenommenen  Vibrionen. 
Beim  normalen  Thier  entwickeln  sich  die  Vibrionen  nun  ohne  Hinder- 
niss,  und  dasselbe  erliegt  nach  24  Stunden;  das  immunisirte  dagegen 


fiaktoriologbeba»  vom  VE.  international«!!  Kongreu  zu  London.  766 

erliegt  nie,  trotz  stärkster  Entwickelung  der  Ophthalmie,  in  deren 
Exsudat  noch  nach  einer  Woche  lebende  Vibrionen  nachgewiesen 
werden  konnten,  was  einen  grossen  Unterschied  gegenüber  dem  Ver- 
halten „in  vitro"  bedeute.  Ganz  ähnlich  verlaufen  die  Dinge  bei 
subkutaner  Injektion,  wo  ebenfalls  ein  Exsudat  auftritt,  das  aber 
wieder  nur  beim  vaccinirten  Thier  reichliche  Leukocyten  enthält;  die 
letzteren  bemächtigen  sich  der  Vibrionen,  so  dass  nach  15  Stunden 
keine  freien  mehr  anzutreffen  sind,  während  gleichwohl  eine  Probe- 
kultur dieselben  als  lebend  erweist.  Auch  nach  48  Stunden  sind  noch 
lebende  Vibrionen  vorhanden,  also  jedenfalls  viel  länger,  als  bei  den 
Versuchen  „in  vitro". 

Die  Phagocytose  sei  bei  den  eben  besprochenen  Infektionsversuchen 
eine  sehr  ausgedehnte,  im  Gegensatz  zu  Pfeiffer's  Angaben;  bei 
normalen  Meerschweinchen  dagegen  fehlt  dieselbe.  Durch  Kultur  im 
hängenden  Tropfen  bei  30—39°  kann  man  sich  ferner  leicht  über- 
zeugen, dass  die  im  Exsudat  enthaltenen  Phagocyten  die  Vibrionen 
im  lebenden  Zustand  aufgenommen  haben,  denn  bei  einem  Theil 
derselben  bemerkt  man  später  ein  Anschwellen,  worauf  dieselben 
schliesslich  an  einigen  peripheren  Stellen  platzen  und  Haufen  von 
Vibrionen  austreten  lassen,  die  alsdann  ihre  Vermehrung  in  der 
Exsudatflüssigkeit  fortsetzen. 

Nach  alledem  müsse  man  den  Vibrio  M.  sogar  als  ein  besonders 
geeignetes  Objekt  zum  Studium  der  Befähigung  der  Phagocyten  zum 
Fressen  und  zur  Vernichtung  lebender  Vibrionen  bezeichnen.  Die 
Erklärung  sei  ganz  einfach:  der  flüssige  Antheil  des  Exsudates  bei 
vaccinirten  Meerschweinchen  besitzt  keinerlei  bakterienfeindliche  Eigen- 
schaften (?),  die  zelligen  Elemente  allein  sind  es,  die  Widerstand 
leisten.  Wenn  man  dagegen  intakte  Meerschweinchen  mit  dem  Vibrio 
inokulirt,  wobei  eine  rasch  tödtliche  Krankheit  entsteht,  so  finden 
sich  nur  wenig  Leukocyten  im  Exsudat,  und  diese  nehmen  keine 
Vibrionen  in  sich  auf.  Diese  Abwesenheit  von  Leukocyten  erklärt 
sich  nicht  etwa  durch  den  Mangel  an  Hyperämie,  Ge&sserweiterung 
und  Transsudation.  Alle  diese  Erscheinungen  sind  auch  bei  der 
Inokulation  intakter  Meerschweinchen  sehr  ausgeprägt,  das  Exsudat 
ist  hier  sogar  oft  hämorrhagisch.  Dies  Fehlen  der  Leukocyten  er- 
klärt sich  vielmehr  durch  die  negativ  chemotaktische  Wirkung  der 
bakteriellen  Toxine. 

Später  kommt  der  Vortragende  auch  auf  die  neuen  Versuche 
von  Buch ner  zu  sprechen.  Derselbe  habe  mit  seinen  Mitarbeitern 
gezeigt,  dass,  wenn  man  einen  Tropfen  Bakterienflüssigkeit  gleich- 
massig  in  einer  Serumprobe  vertheilt,  letzteres  seine  bakterienfeind- 
lichen Eigenschaften  in  voller  Stärke  äussert;  wenn  man  dagegen 
die  Mikroben  in  gleicher  Menge,  aber  eingeschlossen  in  ein  steriles 
Wattepäckchen  in  das  Serum  einführt,  so  zeigt  sich  die  bakterien- 
feindliche Wirksamkeit  nur  sehr  unvollständig,  und  die  Bakterien 
gelangen  leicht  wieder  zur  Vermehrung.  Durch  diese  Experimente 
sei  zunächst  nur  bewiesen,  dass  die  bakterienfördernde  Wirksamkeit 
der  Säfte  ein  sehr  subtiles  Ding  ist,  und  dass  man  sich  genau  von 
den  Bedingungen  Rechenschaft  geben  muss,  unter  denen  sie  in  Aktion 
tritt;  andererseits  aber  gehe  aus  denselben  auch  hervor,  wie  die  ge- 


766  BakUriologUdm  vom  V1L  Internationalen  KoagftM  m 

wohnliche  Versuchsanordnung  „In  vitro",  wobei  man  eine  kleine  Menge 
von  Kulturflüssigkeit  in  einer  grossen  FlQssigkeitsquantit&i  vertheilt 
mit  den  Bedingungen  der  natürlichen  oder  künstlichen  Infektion  eines 
Thieres  durchaus  nicht  übereinstimmt.  Von  den  beiden,  von  B  u  c  h  n er 
und  seinen  Mitarbeitern  angewendeten  Methoden  entspricht  nur  die- 
jenige mit  den  Wattepäckchen  der  Infektion  des  Organismus ;  sie  ver- 
mag auch  die  schon  öfter  erwähnte  Thatsache  zu  erklären,  dass  die 
in  vitro  so  deutlich  nachweisbare  bakterienfeindliche  Wirksamkeit 
im  lebenden  Thiere  fehlen  kann.  Nur  die  Verhältnisse  im  lebendes 
Organismus  aber  sind  es,  die  uns  interessiren.  Bu  ebner  suche  des 
Einwand  zu  entkräften,  der  darin  liegt,  dass  das  Serum  der  fir 
Milzbrand  empfänglichen  Kaninchen  dennoch  für  Anthraxbacillen 
schädlich  wirkt;  er  vergleiche  zu  diesem  Zwecke  die  in  den  Kreis- 
lauf gerat henen  und  in  den  Kapillaren  angehäuften  Milzbrandbakterien 
mit  den  Mikroben,  die  bei  seinen  Versuchen  in  Wattepäckchen  ein- 
geschlossen und  dadurch  dem  direkten  Einfluss  des  Blutes  entzogen 
sind.  Diesen  Vergleich  könne  man  wohl  gelten  lassen,  denn  er  be- 
weise nur  wiederum,  wie  sehr  die  Bedingungen  im  Organismus  ver- 
schieden sind  von  denjenigen,  die  in  den  gewöhnlichen  Versuchen 
über  die  bakterienfeindiiehen  Eigenschaften  des  Serums  angewendet 
werden,  und  hieraus  ergebe  sich  zugleich  die  Bedeutungslosigkeit 
der  soeben  erwähnten  Eigenschaften  für  die  Widerstandsfähigkeit  des 
Organismus  gegen  einen  Infektionserreger. 

In  einer  andern  Reihe  von  Einwänden  suche  Buchner  die  An- 
lockung der  Leukocyten  durch  Stoffe  zu  erklären,  die  aus  den  todteo 
Bakterien  eztrahirt  werden.  Hiergegen  führt  der  Vortragende  ver- 
schiedene Beobachtungen  und  Erfahrungen  an,  welche  aeigen,  dass 
auch  bei  lebenden  Infektionserregern  Leukozytose  und  Phagocytismos 
stattfinden  können 1). 

Nach  einigen  Bemerkungen  gegen  Emmerich1 s  Auffassung 
über  die  Phagocytose,  die  letzterer  wegen  der  Verschleppungsgefahr 
eher  als  eine  für  den  Organismus  schädliche  Einrichtung  betrachtet, 
schliesst  der  Vorsitzende:  die  Phagocytentheorie  sei  von  jeher  grossen 
Anfeindungen  ausgesetzt  gewesen,  aber  sie  habe  bisher  immer  triam- 
pbirt.  Dieselbe  behaupte  nicht,  dass  der  Schutz  des  Organismus 
ausschliesslich  durch  die  Phagocytose  bewirkt  wird;  man  könne  die 
übrigen  werthvollen  Unterstützungsmittel  recht  wohl  gelten  hissen. 
Die  Untersuchungen  in  dieser  Richtung,  deren  Resultate  der  Sektion 
mitgetheilt  wurden,  besitzen  ein  hohes  Interesse,  aber  die  Phagocyten 
sind  gleichwohl  stets  in  Thätigkeit  und  zwar  in  erster  Linie.  Wenn 
dieselben  unwirksam  bleiben,  so  ist  dies  ein  Zeichen  entweder  von 
der  Harmlosigkeit  des  betreffenden  Mikroben  oder  im  Gegen theil  ton 
seiner  ausserordentlichen  Virulenz.  Die  Phagocytenlehre  steht  in 
Beziehung  zu  den  Errungenschaften  des  Darwinismus;  sie  bedeutet 
eine  Allianz  zwischen  Medizin  und  Biologie,  aus  der  beiden  Dis- 
ziplinen nur  Vortheil  erwachsen  wird. 


l)  Von  meiner  Seite  wurde  nicht  behauptet,   des»   nar  die  todten  Bakterien  ta 
Stande  seien,  anlockende  Proteine  aneanscheiden,  (Anm.  d.  Befc) 


Bakteriologisches  vom  VII.  International«!*  Kongres*  ia  London.  767 

r.  Fodor,  Budapest,  erinnert  daran,  dass  es  ihm  zuerst  gelang, 
die  bakterientödtende  Wirkung  des  Blutes  ausserhalb  und  innerhalb 
des  Organismus  nachzuweisen.  Gewisse  chemische  Substanzen  sind 
im  Stande,  diese  Wirksamkeit  zu  steigern;  so  verlangsamt  Natrium  - 
Bikarbonat  die  Entwickelung  des  Milzbrandes  im  Körper,  Säuren  jene 
der  Mäuseseptikämie  und  vermuthlich  jene  der  Tuberculoso. 

Babcs,  Bukarest,  berichtet  über  experimentelle  Studien  betreffend 
die  Immunität  gegen  Hundswuth.  Es  gelang,  nach  der  Methode  von 
Krieger  einen  Körper  zu  extrahiren,  der  Temperaturerhöhung  be- 
wirkt. Erwärmung  auf  über  80  °  zerstört  die  immunisirende  Wirksam- 
keit, während  andererseits  bei  Einführung  in  den  Lymphsack  eines 
Frosches  das  Virus  seine  pathogene  Wirksamkeit  bewahrt.  Im  Gegen- 
satze hierzu  wirkte  das  Serum  eines  immunisirten  Hundes  abschwächend 
auf  das  Virus  ein. 

An  der  Diskussion  betheiligten  sich  ferner  die  Herren  Cart- 
wright-Wood  und  Wright-  London. 

Buchner,  München,  verzichtet  Angesichts  der  vorgerückten  Zeit 
in  seinem  Schlussworte  auf  nochmaliges  Eingehen  auf  die  Detailfragen, 
erklärt  übrigens,  um  allen  Missverständnissen  vorzubeugen,  ausdrück- 
lich seine  Hochachtung  vor  den  wissenschaftlichen  Verdiensten  M  e  t  s  c  h- 
nikoff'8  um  die  Immunitätsfrage.  Es  handle  sich  nur  um  die 
Deutung  des  Beobachteten,  um  die  Theorie;  die  letztere  Aufgabe  sei 
wenig  dankbar  in  einer  Zeit,  die  so  reich  ist  an  schwerwiegenden 
tbatsächlichen  Entdeckungen  im  Gebiete  der  Immunität.  Im  Augen- 
blicke könne  man  abweichende  theoretische  Auffassungen  bei  der 
Komplizirtheit  der  Erscheinungen  ganz  wohl  begreiflich  finden,  aber 
es  sei  zu  hoffen,  dass  schon  der  nächste  Kongress  uns  im  Besitze 
von  Thatsachen  antrifft,  die  mit  wesentlich  grösserer  Klarheit  auf 
die  Bestrebungen  des  heutigen  Tages  zurückzublicken  gestatten.  Die 
Entdeckungen  über  die  heilende  und  immunisirende  Wirkung  des 
zcllenfreien  Serums  gewährten  dazu  alle  Aussicht. 

Boux,  Paris,  resumirt  seine  Anschauung  dahin,  dass  die  Immu- 
nität durch  direkte  Wirkung  von  Zellen,  nicht  durch  chemische 
Aktion  bedingt  ist.  Behring  habe  in  einem  dem  Kongresse  vor- 
gelegten Berichte  behauptet,  die  Vorstellung  von  der  heilenden  Thätig- 
keit  der  Phagocytose  habe  etwas  Mysteriöses  an  sich.  Eher  könnte 
man  jedoch  sagen,  die  Wirkung  der  Körpersäfte  gegen  Bakterien 
gehöre  ins  Gebiet  des  Unbegreiflichen.  Jedenfalls  dürfe  man  die 
letzteren  Voststellungen  nicht  generalisiren. 

Der  Präsident  —  Sir  J.  Lister  —  schliesst  die  Sitzung  mit 
der  Bemerkung:  Wenn  irgend  etwas  im  Stande  ist,  den  Kongress 
zu  rechtfertigen,  so  seien  es  die  Verhandlungen  dieses  Tages.  Die 
ungeheure  Fülle  von  werthvollem  Material,  das  vorgebracht  wurde, 
müsse  von  Seite  aller  Theilnehmer  mit  Dank  anerkannt  werden  den- 
jenigen gegenüber,  welche  sich  an  den  Arbeiten  betheiligten. 


768  Bakteriologische!  Tom  Tu.  internationalen  Kongress  va  Londoo- 

Nachtrag1)-     *•  **  Chrlstmas  fitude  sur   les   sobstances 

microbicides  du  s6rum  et  des  organes  d'animaux  &  sang  chaud. 
[Travail  du  laboratoire  de  chimie  biologique  &  rinstitut  Pasteor] 
(Annales  de  rinstitut  Pasteur.  1891.  No.  8.  p.  487.) 

Die  Arbeit  von  Christmas  charakterisirt  sich  durch  die  „Ten- 
denz", den  bakterienfeindlichen  Einfluss  des  Serums  als  nicht  vor- 
handen oder  wenigstens  als  bedeutungslos  erscheinen  zu  lassen.  Die 
Erreichung  seines  Zieles  erleichtert  sich  Verf.  durch  Nichtberück- 
sichtigung der  einschlägigen  Litteratur,  wie  aus  Folgendem    erhellt 

In  der  Einleitung  wird  behauptet,  die  bisherigen  Beobachter 
hätten  den  Einfluss  der  wechselnden  Dichtigkeit  des  Mediums  bei 
Uebertragung  von  Bakterien  ins  Blut  oder  Serum  nicht  beachtet 
Ohne  Zweifel  sei  darin  die  Ursache  für  das  Zugrundegehen  eines 
Theiles  der  ausgesäten  Bakterien  zu  erblicken.  Es  ist  schwer,  sich 
dem  gegenüber  parlamentarischer  Ausdrücke  zu  bedienen,  nachdem 
schon  auf  einen  früheren  analogen  Angritt  hin  von  Ref.  über  diesen 
Punkt  ein  besonderer  Aufsatz  mit  experimentellen  Angaben  im  gegen- 
wärtigen Centralblatt  publizirt  wurde1).  Dort  wurde  gezeigt,  dass 
sogar  Uebertragung  von  Milzbrandbacillen  aus  1  %  Peptonbouillon 
in  40  °/o  Zuckerlösung  (mit  Blutzusatz)  nur  eine  ganz  vorübergehende 
Verminderung  der  Keimzahl  bewirkte.  Dort  wurde  aber  auch  bereits 
hervorgehoben,  dass  der  ganze  Einwand  Metschnikoff's  —  denn 
auf  diesen  ist  die  Idee  von  der  Schädlichkeit  schroffer  Konzentrations- 
änderungen des  Mediums  für  Bakterien  zurückzuführen  —  überhaupt 
haltlos  erscheint,  nachdem  in  meinen  Untersuchungen  stets  Kontroll- 
versuche mit  auf  55°  erwärmtem  Serum  angestellt  wurden.  Das 
letztere  tödtete  die  Bakterien  nicht,  vermindert  nicht  die  Keim- 
zahl, obwohl  die  Konzentration  die  nämliche  ist,  wie  diejenige  des  nicht 
erwärmten  Serums.  Wie  oft  wird  es  noch  erforderlich  sein,  diese 
einfache  leicht  zu  kontrollirende  Wahrheit  der  Schule  von  Metsch- 
nikoff  entgegenzuhalten  1 

Anstatt  nun  die  vorerwähnten  Versuche  nachzuprüfen,  hat  Verf. 
ueue,  sehr  wenig  zweckmässige  angestellt.  Im  Gegensatz  zu  dem, 
was  die  Verhältnisse  eigentlich  verlangen,  wurden  von  ihm  die  Milz- 
brandbacillen durch  viele  Generationen  zuerst  in  sterilisirtem  Rinder- 
serum herangezüchtet  und  alsdann  in  Bouillon  oder  in  destillirtes 
Wasser  ausgesät,  wobei  die  kontrollirende  Plattenkultur  eine  alsbaldige 
Verminderung  der  Keimzahl  erkennen  Hess.  Offenbar  bedeutet  nun 
diese  Versuchsanordnung  etwas  ganz  Neues,  was  mit  den  bisherigen 
Versuchen  über  bakterienfeindliche  Wirkung  der  Säfte  zunächst  gar 
nicht  in  Beziehung  gebracht  werden  kann.  Im  letzteren  Falle  handelt 
es  sich  stets  um  Uebertragung  der  aus  dem  Thierkörper  entnommenen 
oder  künstlich  vorgezüchteten  Bakterien  in's  Blut  oder  Serum.  In 
Verf.'s  Versuchen  dagegen  werden  die  Milzbrandbacillen  durch  10 
Umzücbtungen  in  Rinderserum  kultivirt,  und  dann  plötzlich  in  eine 

l)  Die  hier  referirte  Arbeit  von  Christmas  wurde  beim  Koogreu  ■war  nicht 
tum  mündlichen  Vortrag  gebracht,  aber  in  gedrucktem  Aassag  an  die  Mitglieder  ver- 
theilt,  gehört  also  an  den  Verhandlungen  über  Immunität 

l)  Ueber   den   Einfluss  höherer   Konaentration   des   Nfthrmediuma   auf  Bakterien. 
Eine  Antwort  an  Herrn  Metschnikoff.    (Centralblatt  f.  Bakt.  n,  Paras.  Bd.  VHL 
1890.  Ho.  8.) 


Bakteriologisches  vom  VII.  loternationalen  Kongresa  in  London.  769 

verdünnte  Lösung  ausgesät.  Es  wäre  wohl  möglich  und  bedarf 
erst  weiterer  Untersuchungen,  ob  unter  diesen  ganz  besonderen  Be- 
dingungen eine  Verminderung  der  Keimzahl  zu  Stande  kommen  kann. 
Mit  der  bakterienfeindlichen  Wirkung  des  Serums  jedenfalls  hat  diese 
Frage  nicht  das  mindeste  zu  thun. 

Nachdem  Verf.  auf  diese  Weise  seiner  Meinung  nach  bewiesen 
hat,  d&<*  der  Einfluss  des  Serums  auf  die  Keime  wesentlich  auf 
physikalisch- chemische  Ursachen  zurückgeführt  werden  müsse  *),  geht 
derselbe  merkwürdigerweise  zu  Versuchen  über,  die  Albuminate  des 
Serums  mittelst  Alkohol  auszufällen  und  den  Einfluss  der  wässrigen 
Lösung  dieses  Niederschlags  auf  Bakterien  zu  prüfen.  Es  fand  sich, 
dass  die  erwähnte  Lösung  für  pathogene  Keime  keine  assimilirbaren 
Stoffe  enthielt,  weshalb  letztere  allmählich  zu  Grunde  gingen  oder 
ßich  wenigstens  nur  langsam  entwickelten.  Schliesslich  versuchte 
Verf.  aus  den  Organen  von  Thieren,  die  gegen  Milzbrand  immunisirt 
waren,  wirksame  Stoffe  zu  extrahiren.  Er  gewann  einen  eiweiss- 
artigen  Körper,  der  in  wässriger  Lösung  auf  den  Milzbrandbacillus 
schädigend  einwirkte.  Aus  gesunden  oder  an  Milzbrand  verendeten 
Thieren  liess  sich  eine  derartige  Substanz  nicht  gewinnen. 

Buchner  (München). 


Dritte  Sitzung,  Donnerstag,  den  13.  August. 

Die  Verhandlungen  betrafen  die  Tuberculose  in  allen  ihren 
Beziehungen,  und  fand  zu  diesem  Zwecke  eine  gemeinsame 
Sitzung  von  Sektion  II  (Bakteriologie)  und  Sektion  III  (Beziehungen 
zwischen  Thier-  und  Menschenkrankheiten)  statt,  der  Sir  J.  Lister 
präsidirte.  Nach  einigen  einleitenden  Worten,  in  denen  dieser  be- 
merkte, dass  die  Tuberculose  einer  der  wichtigsten  Gegenstände  des 
Kongresses  sei,  erhielt  das  Wort 

Prof.  Burdon-Sanderson,  Oxford,  zu  dem  einleitenden  Referat: 
„Ich  habe  zu  sprechen  über  die  Aetiologie  der  Tuberculose,  was  Sie 
nicht  so  interessiren  wird,  wie  die  gestrige  Diskussion.  Es  sind  zwei 
Richtungen,  nach  denen  hin  sich  die  Forschung  bewegen  muss :  1)  die 
Pathologie  oder  Aetiologie;  2)  die  Behandlung  oder  die  Nutzanwen- 
dungen, die  wir  aus  der  durch  1)  gewonnenen  Erkenntniss  zu  ziehen 
haben.  Verschiedene  Punkte  müssen  wir  als  festgestellt  konstatiren, 
bevor  wir  weitergehen,  so  die  Existenz  des  Tuberkelbacillus,  die  Identität 
der  Rinder-  und  Menschentuberculose  und  die  Gefährlichkeit  des  Ge- 
nusses von  tuberculö8em  Fleisch.  1  a  sind  zwei  Fragen  aufzuwerfen : 
1)  die  der  Erblichkeit  und  ihr  Einfluss  auf  die  Entstehung  der  Tu- 
berculose; 2)  welches  sind  die  Eingangspforten  für  den  Tuberkel- 
bacillus? — 

Auf  die  erste  Frage  soll  jetzt  nicht  eingegangen  werden.  Was 
die  zweite  betrifft,  so  können  die  Bacillen  durch  die  Lungen  oder 


l)  Es  Ist  ein  seltsamer  Widerspruch  in  dem  eben  Gesagten,  wenn  Verf.  anderer- 
seits die  rasche  Vergänglichkeit  der  Wirkung  des  Serums  auf  die  Bakterien  als  bekannte 
Thaisache  anführt, 


770  Btkttrloloffabtt  vom  VII.  Inttrofttlocaltii  KonfroM  tu  Letdoa* 

durch  den  Dannkanal  eindringen.  Man  muas  darauf  rinnen,  das 
Individuum  und  die  Gesammtheit  vor  der  Ansteckung  zu  schütz®. 
Sprecher  ging  darauf  über  zu  den  Beschlüssen  der  jüngsten  Pariser 
Konferenz  bezüglich  des  tuberculösen  Fleisches.  Arloing  zeigte, 
dass  von  je  6  geschlachteten  Rindern  1  tuberculös  war,  so  dass  also 
angenommen  werden  muss,  dass  von  1000  zum  Genuss  zugelassenen 
Bindern  über  100  die  Gefahr  der  Infektion  in  sich  tragen.  Doch 
müsste  der  Beweis  geführt  werden,  dass,  wenn  wir  kein  tuberculfces 
Fleisch  ässen,  wir  von  Tuberculose  frei  blieben.  Chauveaa  und 
£.  Baumgarten  waren  die  Ersten,  die  die  Aufmerksamkeit  auf  die 
Gefahr  des  Genusses  von  tuberculösem  Fleische  hinlenkten.  Baum- 
garten zeigte,  dass  die  Tuberculose  zuerst  das  Lymphdrüsensystem 
befällt.   Doch  bedürfen  wir  noch  mehr  experimentelle  Untersuchungen. 

Man  darf  nicht  einwerfen,  dass  die  Gefahren  der  tuberculösen 
Ansteckung  übertrieben  werden.  Wenn  bewiesen  ist,  dass  sie  vor- 
banden sind,  so  können  sie  gar  nicht  übertrieben  werden.  Die  Sta- 
tistiker haben  den  Beweis  geführt,  dass  14%  der  Todesfälle  auf  Tu- 
berculose kommen.  Die  Todesfälle  kommen  am  häufigsten  im  Kindes- 
alter unter  5  Jahren  und  zwischen  20  und  30  Jahren  vor.  Gewöhnlich 
werden  die  Lungen  zuerst  befallen,  gleichgültig,  wo  der  Krankheits- 
keim eingedrungen  ist.  Bringt  man  beim  Thierexperiment  das  Impf- 
material unter  die  Haut,  so  werden  zuerst  die  Lungen  befallen  [?  R  t]. 
So  sieht  man  auch,  dass,  obwohl  die  Infektion  vom  Darmkanale  statt- 
findet, doch  die  Lungen  zuerst  befallen  werden.  Darmtubercolose 
entsteht  nicht  primär,  wohl  aber  sekundär  beim  Erwachsenen.  Man 
kann  sie  häufig  verfolgen  von  den  Lungen  längs  der  Luftröhre  zu  den 
Eingeweiden.  In  der  Kindheit  tritt  ein  verschiedenes  Verhalten  zo 
Tage,  doch  ist  diese  Frage  noch  nicht  genügend  erforscht.  Wo  bak- 
teriologische Untersuchungen  in  Kinderkrankenhäusern  stattgefunden 
haben,  haben  statistische  Berechnungen  ergeben,  dass  fast  jeder  dritte 
Todesfall  von  tuberculösen  Veränderungen  begleitet  ist  Die  Lymph- 
drüsen werden  zuerst  befallen,  hierauf  die  Knochen.  Der  Grund  da- 
für, dass  auf  Masern  und  Keuchhusten  so  häufig  Tuberculose  folgt, 
liegt  wahrscheinlich  darin,  dass  das  Kind  bereits  LymphdrQsentuher- 
culose  hatte,  und  die  hinzutretende  Bronchopneumonie  folglich  leicht 
zur  Tuberculose  wird.  Diese  kryptogenetischen  tuberculösen  Leiden 
muss  man  auf  Einflüsse  zurückführen,  die  vor  der  Geburt  in  Wirk- 
samkeit traten. 

Was  den  Genuss  von  tuberculösem  Fleisch  betrifft,  so  muss  fest- 
gehalten werden,  dass  er  gefährlich  ist,  aber  wenn  wir  morgen  ein 
Gesetz  hätten,  was  den  Verkauf  tuberculösen  Fleisches  verbietet  so 
würde  es  grosse  Ausgaben  bedingen,  denn  wir  roüssten  wissenschaftlich 
geschulte  Leute  haben,  die  im  Stande  wären,  die  Diagnose  sicher  za 
stellen ;  alles  hängt  von  der  Diagnose  ab.  Der  Thierarzt  ist  nicht  in 
der  Lage,  das  zu  machen,  was  der  Franzose  eine  präzise  Diagnose 
nennt.  Der  Sachverständige  müsste  eine  wissenschaftliche  Erziehung 
und  eine  spezielle  technische  Fertigkeit  haben,  genau  so,  wie  der 
Theeprüfer  eine  spezielle  Schulung  haben  muss. 

SchlusBfolgerungen.  Es  sind  noch  nicht  Thatsachen  genug 
bekannt,  um  zu  dem  Ausspruch  zu  berechtigen,  dass  tuberculose 


Bakteriofofisobe*  vom  VII.  inttrnfttUraalui  Kongren  in  London«  771 

Massen,  die  in  den  Darm  gelangen,  allgemeine  Tnberculose  hervor- 
bringen können;  aber  da  bei  Kindern  auf  Darmtuberculose  Drüsen- 
und  Knochentuberculose  foUt,  so  dürfen  wir  wohl  annehmen,  dass  dies 
auch  beim  Erwachsenen  der  Fall  ist;  doch  sind  wir  einer  grössern 
Anzahl  von  Experimentaluntersuchungen  dringend  bedürftig.  Wir 
müssen  mehr  Klarheit  haben  Ober  die  Ursachen  der  Tuberculose  im 
Kinrie*alter. 

Was  die  Verwaltungsmassregeln  betrifft,  so  ist  ein  System  strenger 
Fleischschau  zu  empfehlen,  das  sich  über  das  ganze  Land  zu  erstrecken 
und  gleich  massig  in  Wirksamkeit  zu  treten  hat.  Die  Tuberculose  muss 
unter  das  Gesetz  zur  Verhütung  der  Infektionskrankheiten  fallen. 

Wir  bedürfen  noch  der  genauen  Kenntniss  von  der  gegenwärtigen 
Verbreitung  der  Tuberculose.  Ueber  5  p,  m.  des  Rindviehstandes 
wird  in  der  Regel  als  tuberculös  verworfen.  Dies  erfordert  eine  Ent- 
schädigung, die  durch  eine  Extrasteuer  (die  ja  sehr  niedrig  sein  kann) 
aufgebracht  werden  muss." 

Nach  diesem  mft  grossem  Beifall  aufgenommenen  Vortrage  des 
Referenten  erhielt  der  Korreferent,  Prof.  Bang,  Kopenhagen,  das 
Wort  zu  seinem  Vortrage:  „Ueber  die  Gefahr  des  Genusses 
von  scheinbar  gesundem  Fleisch  und  der  Milch  tuber- 
culös er  Thiere",  dessen  Hauptinhalt  folgender  war: 

„Die  grosse  Mehrzahl  der  Forscher  nimmt  an,  dass  die  wesent- 
liche Quelle  der  menschlichen  Tuberculose  im  Menschen  selbst  zu 
suchen  sei ;  aber  nahezu  alle  geben  zu,  dass  man  die  Krankheit  durch 
den  Genusa  von  Fleisch  oder  Milch  tuberculöser  Thiere  erwerben  kann. 
Nur  über  die  Ausdehnung  dieser  Gefahr  gehen  die  Meinungen  aus 
einander.  In  Frankreich  ist  durch  Dekret  des  Präsidenten  der  Ver- 
kauf und  Gebrauch  der  Milch  von  tuberculösen  Kühen  verboten  wor- 
den; aber  ich  halte  die  Durchführung  dieser  Massregel  für  unmöglich 
in  Ländern,  wo  die  Tuberculose  vorherrschend  ist,  ausserdem  scheint 
sie  mir  auch  nicht  nothwendig  zu  sein. 

Ich  habe  in  dieser  Richtung  eine  Reibe  von  Experimenten  mit 
tuberculösen  Kühen  angestellt.  Unter  58  Kühen,  mit  deren  Milch 
Kaninchen  und  Meerschweinchen  geimpft  worden  waren,  war  die  Milch 
bei  9  virulent  [15,5%].  Im  Ganzen  bin  ich  der  Ansicht,  dass  die 
Milch  einer  Kuh  mit  augenscheinlich  gesundem  Euter  in  der  Mehr- 
zahl der  Fälle  nicht  gefährlich  ist,  aber  sie  ist  es  zeitweise  zweifellos 
und  ist  immer  verdächtig. 

Bezüglich  des  Fleisches  bin  ich  der  Meinung,  dass  man  nach  den 
von  Andern  angestellten  Experimenten  das  Muskelgewebe  für  einen 
80  ungünstigen  Nährboden  für  die  Tuberkelbacillen  ansehen  muss,  dass 
sie  sich  in  demselben  nicht  vermehren.  Die  Zahl  der  Bacillen,  die 
im  Fleische  tuberculöser  Thiere  sich  finden,  muss  immer  sehr  be- 
schränkt sein. 

Eine  Reihe  von  Versuchen,  die  ich  über  die  Virulenz  des  Blutes 
von  20  im  äussereten  Grade  tuberculösen  Kühen  angestellt  habe, 
gaben  negative  Resultate  in  18  und  positive  nur  in  2  Fällen  [10%]. 
Ich  meine,  die  Massregel,  das  Fleisch  jeden  tuberculösen  Thieres 
su  beschlagnahmen,  ist  zu  streng.  So  lange  die  Tuberculose  scharf 
lokalisirt  ist,  ist  das  Fleisch  keine  Quelle  der  Gefahr.  Wo  die  Krank* 

4»* 


772  BAktorlologitehM  rom  VII.  tnlenwHoiialan  Kongress  su  London. 

heit  allgemein  geworden  ist,  kann  der  Genuas  des  Fleisches  gefährlich 
sein,  ist  es  jedoch  nicht  immer.  Der  Genuas  ungekochten  Fleisches 
sollte  unterbleiben,  aber  der  beste  Weg,  die  Gefahr  für  die  mensch- 
liche Gesundheit  aus  dem  Wege  zu  räumen,  ist,  alle  möglichen  Mass- 
regeln zu  ergreifen,  um  die  Ausbreitung  der  Tuberculose  unter  unaera 
Haussieren  zu  verhüten." 

Prof.  Bang  fügte  noch  hinzu,  es  sei  unbedingt  nothwendig,  die 
Milch,  die  zur  Bereitung  von  Käse  oder  Butter  bestimmt  sei,  vorher 
so  stark  zu  erhitzen,  dass  die  etwa  darin  befindlichen  Tuberkelbadlien 
zu  Grunde  gehen. 

Zu  Bang 's  Vortrage  bemerkte  Pro!  Arlolng,  Lyon  die  Frage 
der  Cebertragbarkeit  der  Tuberculose  von  Thieren  auf  den  Menschen 
sei  von  sehr  grosser  Wichtigkeit,  aber  die  „präzise  Diagnose"  sehr 
schwierig.  Die  Milch  tuberculöser  Kühe  zu  trinken  sei  für  Kinder 
sehr  gefährlich.  Er  sei  ganz  entschieden  der  Ansicht,  dass  das  tu- 
berculose Fleisch  gänzlich  verworfen  werden  müsse,  und  könne  der 
entgegengesetzten  Meinung  Bang 's  durchaus  nicht  beipflichten.  Er 
hält  alle  tuberculösen  Thiere  für  gesundheitsgefährlicb,  und  das  Fleisch 
wird  oft  nicht  genügend  gekocht,  so  dass  die  Bacillen  virulent  bleiben, 
eine  Anschauung,  die  er  durch  einige  statistische  Angaben  bekräftigte. 
Zum  Schluss  befürwortet  er  eine  geordnete  Fleischschau,  nicht  nur  für 
grosse  Städte,  sondern  auch  für  alle  kleineren  Bevölkerungszentren. 

Hierauf  kam  eine  Arbeit  von  Prof.  Mc  Fadyean  und  Dr.  G. 
Sims  Woodhead;  „Ueber  die  Uebertragung  von  Tuber- 
culose von  Thieren  auf  Menschen  durch  Fleisch  und 
Milch  tuberculöser  Thiere"  zur  Verlesung. 

„Was  die  Uebertragung  durch  das  Fleisch  tuberculöser  Thiere 
betrifft,  so  widersprechen  sich  die  Ansichten  sehr,  augenscheinlich 
weil  die  angewandten  Methoden  sehr  verschieden  und  die  Bedingungen 
nicht  gleichmässig  sind. 

Erwerben  die  Menschen  immer  die  Tuberculose  durch  Aufnahme 
tuberculösen  Materials  von  niederen  Thieren?  Nach  dem  Ergebnis 
einer  grossen  Reihe  von  Beobachtungen  über  Tuberculose  bei  Kindern 
kann  diese  Frage  wohl  bejahend  beantwortet  werden. 

Ist  das  Fleisch  tuberculöser  Thiere  im  Stande,  Tuberculose  her- 
vorzurufen, a)  wenn  es  in  Masse  eingeführt;  b)  wenn  nur  der  aas- 
gedrückte Fleischsaft  angewendet  wird?  Unsere  Versuche  geben  den 
Beweis,  dass  der  Saft  allein  in  den  meisten  Fällen  nicht  die  genügende 
Anzahl  von  Bacillen  enthält,  um  Tuberculose  hervorzurufen,  selbst  bei 
der  Impfung  von  kleinen  Nagethieren ;  aber  durch  die  Thatsache,  dass 
wir  tuberculose  Massen  in  den  Muskeln  am  Hintertbeil  tuberculösen 
Rindviehs  beobachtet  haben,  müssen  wir  es  als  erwiesen  ansehen,  dass 
Tuberkelbadlien  zuweilen,  wenn  auch  selten,  in  beträchtlicher  Anzahl 
in  dieser  Gegend  vorkommen  können.  Unter  3  an  einem  Tage  und 
in  einer  Schlächterei  geschlachteten  Kühen  fanden  wir  bei  2  Thieren 
Tuberkel  in  der  Muskulatur  des  Hintertheils;  bei  einem  derselben 
fand  sich  Tuberculose  fast  aller  Organe  und  theilweise  auch  der 
Knochen ;  bei  dem  anderen  waren  nur  wenige  Knötchen  in  der  Lange 
und  in  einigen  Drüsen  vorhanden,  jedenfalls  bestand  weder  Brustfell* 


Bakteriologisches  vom  Vit.  internationalen  tCongrcss  in  London.  ^?3 

noch  Bauchfelltuberculose,  und  alle  anderen  Organe  waren  frei  —  ein 
sehr  bemerken8werther  Fall.  Die  Berichte  verschiedener  Beobachter 
über  eine  Anzahl  positiver  Fütterungsversuche  geben  weiter  den  Be- 
weis dafür,  dass  in  der  That  in  gewissen  Fällen  Tuberkelbacillen  in 
den  Muskeln  oder  im  Zwischenmuskelbindegewebe  anwesend  sind  und 
hier  eine  mögliche,  wenn  auch  vergleichsweise  seltene  Ansteckungs- 
quelle abgeben.  Ueberblicken  wir  unsere  eigenen  und  die  früheren 
Versuche  in  ihrer  Gesammtheit,  so  ergiebt  sich,  dass  diese  Gefahr 
nicht  häufig  vorbanden  ist,  dass  sie  jedoch  in  einem  gewissen  Ver- 
hältniss  von  Fällen  existirt 

Milch.  —  Bisher  ist  auf  diesen   Gegenstand  in  diesem  Lande 
zu   wenig   Aufmerksamkeit  verwendet  worden:  dies  war  die  Folge 
unserer  Unfähigkeit,  das  Vorbandensein  der  frühesten  tuberculösen  Sym- 
ptome beim  Bindvieh  mit  Sicherheit  zu  erkennen.  Wir  sind  der  An- 
sicht, dass  das  Verhalten  des  Euters  bei  tuberculösen  Kühen  und  die 
Bedingungen,  unter  denen  Tuberkelbacillen  in  der  Milch  gefanden 
werden,  sorgfältiger  erforscht  werden  müssen,  und  dass  es  nothwendig 
ist,  alle  Milchkühe  gründlich  und  häufig  zu  untersuchen,  wegen  der 
Schnelligkeit,  mit  welcher  die  Tuberculöse  auf  das  Euter  übergeht. 
Tuberkelbacillen  in  der  Milch.  —    Je  zahlreicher  sie  in  der 
Milch  zugegen  Bind,  um  so  virulenter  ist  dieselbe  für  die  damit  ge- 
impften Thiere.    Eine  bakterienfeindliche  Wirksamkeit  den  Tuberkel- 
bacillen gegenüber  ist  für  die  Milch  nicht  bewiesen.    Bang  legt  Ge- 
wicht darauf,  dass  von  verschiedenen  Beobachtern  in  verschiedenen 
Fällen  verschiedene  Resultate  erlangt  worden  sind,  weil  sie  an  ver- 
schiedenen Thieren  experimentirt  haben. 

Es  ist  nothwendig,  diesem  Gegenstande  spezielle  Aufmerksam- 
keit angedeihen  zu  lassen,  da  man  jetzt  allgemein  annimmt,  dass  die 
tuberculöse  Euterentzündung  zwar  in  den  letzten  Stadien  leicht  zu 
erkennen  ist,  dass  es  aber  eine  Periode  gibt,  in  der  es  klinisch  un- 
möglich ist,  dieselbe  festzustellen  (höchstens  durch  Impfung  kleiner 
Thiere);  in  diesem  Stadium  sind  Tuberkelbacillen  in  sehr  kleiner 
Anzahl  in  der  Milch  zugegen,  jedoch  in  genügender  Zahl,  um  den 
Genuss  solcher  Milch  für  Wochenkinder  gefährlich  zu  machen. 

Die  Gefahr  tuberculöser  Milch  wird  durch  Vermischung  mit  ge- 
sunder Milch  verringert.  Es  ist  ausserordentlich  nothwendig,  dass 
die  Milchkühe  alle  14  Tage  thierärztlich  besichtigt  werden.  Kein 
Phthisiker  darf  sich  in  einer  Meierei  aufhalten. 

Die  Frage  nach  der  Gefährlichkeit  des  Genusses  von  Fleisch 
tuberculöser  Kühe  muss  beantwortet  werden,  je  nachdem  man  denkt, 
dass  es  sich  noch  um  eine  lokale  Erkrankung  handelt.  Die  Haupt- 
quelle der  Tuberculöse  bilden  jedenfalls  die  Thiere.44 

Wegen  Mangel  an  Zeit  musste  der  Vortrag  abgekürzt  werden. 
Mc  Fadyean  bemerkte  nur  noch,  dass  er  in  der  Hauptsache 
Brit  Bang  übereinstimme,  doch  sei  die  Frage,  ob  das  Fleisch  gänz- 
lich zu  beschlagnahmen  sei  oder  nicht,  noch  nicht  spruchreif. 

Prof.  Hamilton,  Aberdeen:  „Es  gibt  zwei  Hauptansiedelungs- 
punkte für  die  Tuberkel  —  den  Darmkanal  und  die  Lungen,  ausser- 
dem örtliche  Tuberculöse. 


7?4  £w«!t«r  TntaculoM-ttongmit 

1)  Tuberculöse  Lungenentzündung,  wo  die  Luftbläßeben  der  pri- 
märe Sitz  der  wahrscheinlich  durch  die  Athmung  vermittelten  In- 
fektion sind; 
^^2)  Miliareruption; 

3)  Lymphgefässe. 

Die  Darintuberculose  ist  in  der  Regel  Begleiterscheinung  der 
Schwindsucht  oder  sie  kann,  entgegen  der  Meinung  Burdon- 
Sanderson's,  primär  sein,  wie  man  das  bei  Kindern  sieht  Es 
kommen  auch  isolirte  Tuberkelherde  vor.  Dass  in  den  Longen  ein 
vorbereitender  Katarrh  vorhanden,  ist  nicht  nothwendig,  aber  er  ist 
eine  prädisponirende  Ursache,  insofern  als  er  die  schätzende  Decke 
lockert.  Wenn  sich  Tuberculöse  an  Keuchhusten  anschliesst,  so  waren 
wahrscheinlich  schon  vorher  tuberculöse  Uerde  vorbanden;  oder  die 
durch  die  Krankheit  erweichten  Drüsen  fallen  der  Tuberculöse  als 
leicht  errungene  Beute  anheim.  Dringend  bedürftig  einer  Erklärung 
ist  die  Immunität,  deren  sich  der  Herzbeutel  und  der  Magen  gegen 
Tuberculöse  erfreuen." 

Prof.  Nocard,  Paris:  „Ich  meine,  es  gibt  keine  genügenden  Be- 
weise dafür,  dass  die  Einführung  tuberculösen  Materials  in  den  Ver- 
dauungskanal Tuberculöse  erzeugt;  ich  möchte  mehr  positive  Versuche 
sehen,  die  Mehrzahl  derselben  ist  negativ.  Für  Kinder  ist  tuberculfos 
Material  meiner  Ansicht  nach  gefährlicher  als  für  Erwachsene.44 

(SchlOM  folgt) 


Zweiter  Tuberculose-Kongress. 

Mach  den  Berichten  der  „Semaine  m£dicale"  und  des  „Bull  m&u 

referirt  von 

Dr.  H.  T.  Schnlrer, 

in 

Wien. 

(Schltia.) 

Ueber  Bakterienassociationen  bei  Tuberculöse. 
Leloir  berichtet  über  experimentelle  Untersuchungen  betreffend 
die  Impfung  skrophulös-tuberculöser  Produkte  na- 
mentlich des  Lupus  vulg.  auf  Thiere.  Die  Impfungen  w 
mehr  als  200  Lupusfällen  wurden  sämmtlich  an  Meerschweinchen 
intraperitoneal  oder  bei  Kaninchen  in  die  vordere  Augenkammer 
ausgeführt.  Die  Resultate  dieser  Versuche  sind  folgende:  Der  Lupus 
erzeugt  bei  Kaninchen  und  Meerschweinchen  eine  zweifellose  Tuber- 
culöse. Diese  Tuberculöse  ist  aber  von  geringer  Virulenz,  da  sie  nur 
dann  auftritt,  wenn  die  Impfung  in  ein  geeignetes  Medium  vorge- 
nommen wird  und  fehlschlägt,  wehn  sie  subkutan  ausgeführt  wird. 
Trotz  des  Durchganges  durch  einen  Thierkörper  nimmt  diese  Tuber- 
culöse sehr  schwer  au  Virulenz  zu.   Ausserdem  müssen  grosse  Stück 


2 wetter  tnbarculoMokongriii.  ??6 

roxi  Lupus  eingeimpft  werden,  um  Erfolge  zu  erzielen,  auch  ist  die 
Elitwickelung  der  durch  Lupus  hervorgerufenen  Tuberculose  eine 
äusserst  langsame.  Der  Lupus  muss  daher  als  eine  stark  abge- 
schwächte, an  Tuberkelbacillen  sehr  arme  Hauttuberculose  angesehen 
werden.  Entgegen  Arloing  ist  L.  der  Ansicht,  dass  die  Differenz 
von  der  Quantität  und  nicht  von  der  Qualität  der  Tuberkelbacillen 
abhängt,  da  sich  ähnliche  Resultate  auch  durch  Impfung  sehr  ver- 
dünnter Reinkulturen  von  Tuberkelbacillen  erzielen  lassen.  Die  skro- 
phulös-tuberculösen  Gummata  sieht  L.  als  tuberculose  Produkte  an, 
die  zwar  weniger  virulent  Bind,  als  die  wahren  Tuberkelbacillen, 
doch  mehr  als  der  Lupus.  Impft  man  Partikelchen  eines  solchen 
Gumma  in  das  Peritoneum  von  Meerschweinchen,  so  erhält  man 
rascher  eine  Tuberculose,  als  durch  Impfung  des  Lupus. 

Noeard  bemerkt,  dass  ähnlich  wie  beim  Lupus  auch  bei  der 
Skrophulose  des  Schweines  die  Gewebe  äusserst  wenig  Bakterien  ent- 
halten und  nur  sehr  langsam  Meerschweinchen  damit  getödtet  werden 
können.  Diese  Thatsache  stützt  die  Ansicht  von  Leloir  von  der 
Bedeutung  der  Quantität  in  der  Frage  der  Virulenz. 

Yerneuil  bekämpft  diese  Ansicht,  da  doch  bei  kalten  Abscessen 
und  bei  Gelenksfungis  fast  gar  keine  Bacillen  gefunden  werden  und 
dennoch  die  mit  diesen  Produkten  geimpften  Meerschweinchen  alle 
tuberculös  werden. 

Cornil  bemerkt  hierzu,  dass  die  Abwesenheit  von  Bacillen  noch 
nicht  jene  von  Sporen  involvirt. 

Behandlung  der  chirurgischen  Tuberculose 

mittels  Wärme. 
Clado  hat  6  Fälle  von  Gelenkstuberculose  auf  der  Klinik  von 
V  e  r  n  e  u  i  1  mittels  hoher  Temperaturen  behandelt  und  4  davon  voll- 
ständig geheilt.  Das  mit  einer  feinen  Watteschicht  bedeckte  kranke 
Glied  wurde  in  einen  ad  hoc  konstruirten  aus  heissen  Ziegelsteinen 
gebauten  Ofen  gesteckt  und  eine  Stunde  darin  belassen.  Die  an  der 
Haut  des  erkrankten  Gliedes  gemessene  Temperatur  zeigte  110°. 
Die  Kranken  vertragen  diese  Temperatur  ganz  gut  und  klagen  nur 
anfangs  über  ein  Gefühl  von  Hitze. 

Verbreitung  von  Tuberculose  durch  Nahrungsreste 
von  Phthisikern. 

Schonll  (Tunis)  hat  die  Entwickelung  der  Tuberculose  bei  2 
Katzen  beobachtet,  die  mit  Nahrungsresten  einer  jungen  phthisi- 
schen Frau  gefüttert  wurden  und  durch  diese  Beobachtung  angeregt, 
folgende  Versuche  angestellt:  Von  3  jungen  Katzen  wurden  2  mit 
den  Nahrungsresten  von  Phthisikern,  die  dritte  mit  solchen  von  ge- 
sunden Personen  genährt.  Die  ersteren  gingen  an  einer  allgemeinen 
Visceraltuberculose  zu  Grunde,  die  letztere  blieb  gesund.  Die  daraus 
sich  ergebenden  hygienischen  Folgerungen  liegen  auf  der  Hand. 

Mlgnin  und  Mosny:  Ueber  Pseudotuberculose  der 
Hasen.  Verff.  haben  tuberculose  Läsionen  in  den  verschiedensten 
Organen  bei  Hasen  beobachtet,  die  durch  eine  Epidemie  unbestimmter 
Art  dezimirt  wurden.    Es  handelt  sich  nicht  um  eigentliche  Tuberkel 


776  tf weiter  fuberculoM'ttongre** 

als  vielmehr  um  rein  entzündliche  Knötchen  ohne  Riesen-  und  Epithelial- 
zellen.  Auch  konnten  mit  den  gewöhnlichen  Färbemethoden  keine 
Tuberkelbacillen  nachgewiesen  werden,  hingegen  war  es  möglich,  eine 
Bacillus  herauszuzüchten,  der  bei  Meerschweinchen  genau  dieselbe 
Erkrankung  wie  bei  den  Hasen  hervorrief.  Dieser  Bacillus,  dessen 
Enden  sich  sehr  gut  färben ,  während  das  Centrum  die  Farbstoffe 
nur  schwer  annimmt,  ist  ein  obligater  Aerobe,  der  sehr  gut  auf  Agar 
Gelatine  und  Bouillon  gezüchtet  werden  konnte. 

Ueber  die  relative  Häufigkeit  der  verschiedenen  Arten 
der  Ansteckung  mit  Tuberculose. 
Arthaud  stellt  auf  Grundlage  von  genauen  UnterBuchungen  tn 
Hunderten  von  Fällen  die  Behauptung  auf,  dass  80  °/0  der  acquirirtat 
Tuberculosen  in  infizirten  Lokalen  Zustandekommen;  in  Lokalen,  wo 
viele  Arbeiter  sich  aufhalten,  fanden  sich  50  °/0  derselben  tnberculcs. 
wovon  60  °/n  durch  ihren  Aufenthalt  in  infizirten  Lokalen  es  geworden 
sind.  Die  fortgesetzte  Untersuchung  hat  ergeben,  dass  mindestens 
ein  Aufenthalt  von  einem  Monat  in  einem  Lokale  nothwendig  ist,  om 
eine  Haftung  der  Tuberculose  herbeizuführen.  Aus  seinen  Beobachtun- 
gen zieht  A.  den  Schluss,  dass  es  nothwendig  ist,  energische  prophy- 
laktische Massregeln  gegen  die  Verbreitung  der  Tuberculose  auf  diesem 
Wege  zu  ergreifen  und  schlägt  folgende  Resolution  vor: 

1)  Die  obligatorische  Anzeige  aller  Todesfälle  von  Tuberculose. 

2)  Die  obligatorische  Desinfektion  der  suspekten  Lokalitäten. 

3)  Die  spezielle  Ueberwachung  der  Hotels  in  den  Städten  uod 
in  Bädern  und  öftere  Desinfektion  solcher  Lokalitäten. 

4)  Die  Plakatirung  der  hygienischen  Vorschriften  in  den  der 
Ueberwachung  unterworfenen  Lokalen  und  Desinfektion  dieser  Lokale 
im  Falle  einer  konstatirten  Epidemie. 

Prophylaxe  der  menschlichen  und  thierischen 
Tuberculose. 

Arlolng  (Lyon)  bekämpft  die  von  den  Thierzüchtern  und  Land- 
wirthen  gegen  das  Verbot  des  Genusses  von  Fleisch  tuberculöser 
Thiere  erhobenen  Einwände.  Der  Einwand,  dass  die  Tuberculose 
des  Rindes  nicht  identisch  ist  mit  jener  des  Menschen,  ist  durch 
zahllose  Versuche  hinlänglich  widerlegt  worden.  Es  wurde  ferner 
behauptet,  dass  die  Virulenz  des  Fleisches  tuberculöser  Thiere,  bei 
Einführung  ins  subkutane  Zellgewebe,  eine  so  minimale  ist,  dass  sie 
bei  Ingestion  in  den  Darmtractus  ausser  Betracht  kommt.  Nun  ist  aber 
der  Darmkanal  für  die  Entwicklung  der  Tuberculose  sehr  geeignet, 
wenngleich  in  geringerem  Masse,  als  das  Peritoneum  oder  das  Binde- 
gewebe. Das  Kochen  des  Fleisches  ist  kein  radikales  Mittel,  wenn 
es  nicht  bis  zur  Gerinnung  des  Eiweisses  des  Saftes  in  allen  Theilen 
des  Muskels  getriebep  wird.  Nach  den  diesbezüglichen  Erfahrungen 
lässt  sich  berechnen,  dass  durch  Genuss  des  in  gewöhnlicher  Weise 
gekochten  Fleisches  tuberculöser  Thiere  jährlich  163300  Meerschwein- 
chen in  Baden,  156700  in  Paris  uud  23000  in  Lyon  tuberculös  ge- 
macht werden  können.  Man  kann  daraus  einen  Schluss  auf  die  Ge- 
fahr des  Genusses  eines  solchen  Fleisches  ziehen.    Was  nun  den 


Zweitor  Tnbercalose-Kongreas.  777 

cbaden  betrifft,  der  durch  das  Verbot  tuberculösen  Fleisches  den 
Besitzern  desselben  erwächst,  so  könnte  derselbe  zum  Theil  dadurch 
osgeglichen  werden,  dass  dieses  Fleisch  durch  Hitze  sterilisirt  und 
u  Konserven,  Fleischextrakt  etc.  verarbeitet  wird.  Der  noch  blei- 
ende Schaden  könnte  durch  eine  geringe  Steuer  für  jedes  geschlach- 
&te  Thier  ersetzt  werden. 

Nocard  (Paris)  hält  die  Zahl  der  tuberculösen  Rinder  für  viel 
löher,  als  sie  Arloing  angibt  (5°/00). 

Trasbot  fordert  die  Auflösung  der  bestehenden  Privatschlacht- 
läuser  und  Ersatz  derselben  durch  öffentliche,  einer  strengen  Eon- 
rolle unterworfene  Schlachthäuser. 

Laquerri&re  macht  auf  die  Notwendigkeit  behördlicher  Deber- 
rachung  der  Meiereien  aufmerksam. 

Espina  y  Capo  (Madrid)  schlägt  nächst  der  individuellen  Pro- 
)hylaxe  folgende  allgemeine  Massregeln  vor: 

1.  Isolirung  armer  Tuberculöser  in  eigenen  Etablissements. 

2.  Möglichste  Isolirung  der  Tuberculösen  in  Familien. 

3.  Vernichtung  der  Produkte  von  Phthisikern  durch  Feuer,  ins- 
besondere der  Sputa  und  Faeces. 

4.  Vernichtung  durch  Feuer  der  Effekten,  Wäsche  und  Kleider 
reicher  Phthisiker  und  Desinfektion  des  Efiektenmateriales  der 
Spitäler  mittelst  Wasserdampf;  Desinfektion  der  Wohnungen 
mittelst  Kalk  und  Sublimat,  wenn  möglich  auch  durch  Schwe- 
felräucherungen. 

5.  Verhinderung  der  Verehelichung  Tuberculöser  oder,  wenn  dies 
nicht  möglich,  Verbot  des  Stillens  durch  die  Mutter,  sorg- 
fältige Ammenwahl  und  möglichste  Isolirung  des  Neugeborenen 
von  den  Eltern. 

6.  Athmungsgymnastik  für  disponirte  oder  von  tuberculösen 
Eltern  stammende  Kinder. 

7.  Vernichtung  der  tuberculösen  Thiere  und  ihrer  Produkte. 

8.  Organisirung  internationaler  Comitäs  zur  Realisirung  der  be- 
schlossenen Massnahmen. 

Tison  macht  darauf  aufmerksam,  dass  die  geistigen  Getränke 
den  Boden  für  die  Ent Wickelung  der  Tuberkelbacillen  vorbereiten,  in- 
dem sie  Afiektionen  verschiedener  Organe  und  Zirkulationsstörungen 
verursachen. 

Landouzy  verliest  eine  Mittheilung  Bouland's  (Limoges) 
über  den  Einfluss  des  Kaoltn-Staubes  auf  die  Tuberculose  der 
Porzellan-Arbeiter.  Schon  seit  langer  Zeit  wurde  die  Häufigkeit 
von  Lungensklerosen  bei  Porzellanarbeitern  beobachtet.  Der  Kaolin- 
staub ruft  in  den  Lungen  einen  Reizzustand  hervor,  der  eine  Ein- 
trittspforte für  die  Bacillen  abgibt.  Interessant  ist  aber  der  lang- 
same Verlauf  dieser  Erkrankung,  indem  die  Gelegenheitsursache  der 
Tuberculose  auch  eine  Einschränkung  des  Prozesses  bildet  Um  den 
als  Fremdkörper  fungirenden  Staub  findet  ein  Zufluss  von  Lympho- 
zyten statt,  der  von  einem  sklerosirenden  Prozess  gefolgt  ist,  welcher 
*«  Ausdehnung  der  kleinen  bacillären  Herde  einschränkt. 


?78  V«m  Lttteraiar 

TuberculOse  Hydrocelen. 

Ttfler  (Paris)  hat  in  4  Fällen   tob  Hydrocele  vaginalis  m 

Folge  von  Hodentnbercnkme  die  Flüssigkeit  mikroskopisch  untersucht 

und  keine  Tuberkdbadllen  gefunden,  die  Dcfterirapfong  der  Flftssi?* 

heit  erzeugte  aber  bei  Meerschweinchen  eine  allgemeine  Tubercokee 

Hemilaterale  Tabercnlose. 

Clmdo  (Paris)  hat  6  F&Ile  von  Tnbercnlnse  beobachtet,  die  trotz 
langer  Daner  immer  nur  auf  eine  Körperhälfte  beschränkt  blieb. 
Er  hat  auch  2  Fälle  beobachtet,  in  welchen  die  hemilaterale  Tuber- 
culose  sich  mit  Fibrom  resp.  Adenom  der  'Mamma  der  entgegen- 
gesetzten Seite  vergesellschaftet  hatte. 

Von  den  verschiedenen  Mitteilungen  Aber  die  Behandlung  der 
Tnbercalose  ist  die  von  Gtlmbert  (Cannes)  Ober  die  Anwendung 
subkutaner  Injektionen  von  Kreosot  am  meisten  bemer- 
kenswerte. Er  gebraucht  eine  Lftsun*  von  1  g  Kreosot  in  20  e 
neutralem  Olivenöl.  Er  beginnt  mit  0,50  mid  steiet  Mb  m  3—4  * 
Kreosot.  Mit  dieser  Methode  will  G.  zweifellose  Heilengen  erzielt 
haben.  Schiirer  (Wien).  J 


Neue  Lltteratur 

■■■iiimmmHlti  m 

De.  Asraim  Wübzbui6, 

te  IiIwrHchro  G«Nindhettsaato  Ja  ] 


Allgemeines  Aber  Bakterien  «ad  Pamslfen. 

Arthur,  J.  O.,  Not««  oo  oredineae.  (BoUo.  gas.  1891.  VoL  XVI.  p.  M5.) 
Caaln,  «.,  Ui  «poroaoeJres.  (Seaatne  med.  18*1.  No.  45.  p.  8JM— 488) 
Xrikssom,   J.t    Noch   einmal   Ober   Aeeidlam  Astragali   Erika.    (Boten,    noftaer.    IM* 

Hüft  1.) 
Httaaoa,  Die  Schlafsucht  (Flaehorie)  der  Nonne  (Liparl*  roonecbe),  «»bat  e.  Aahuf : 

Vortrag  üb.  laeektentftdt.  Pilae.    gr.  %*.  IS  n.  16  p.  a.  10  Abblkdga.      ViankCaM. 

(Paol  Weber)  1891.  1  < 


(Gahrang,  FSalnis»,  8tonVeclirtprodakte  nsw.) 

Oonti,  A.f   SolU  poatlbUHa  dl  far  ereeeare  m  laflsaioa«  soHda  aleas*  «feeie   dl  betttr 

Uqueiacenti  e  relathro  earattere  differeniiale  fra  le  ▼arie  «pecie.    fftiv.  d*igient  •  «* 

pnbbL  1891.  No.  18.  p.  677—682.) 
Hainen,   S.  C,   Snr  Ia  gennination   des   sporee   che«   le«  saccharomyces.     (Ansal  *• 

ttricrogr.  1891.  No.  10/11.  p.  449—474.) 
KavMtli,  IT,  ParaaskUmo  e  modo  di  ripradnrsl  del  Cynomoriofli  eooelnena  L.    (JW- 

pighia.  Vol.  V.  1891.  p.  97.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  snr  unbelebten  Vater. 

Kral,  P.f  Ueber  bakteriologische  W«a««niAtenmohiingen.    (Präger  med.  Wcbjcat.  1891. 
No.  48.  p.  481—488.) 


Neue  Litteratur.  779 

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(Annal.  de  microgr.  1891.  No.  10/11.  p.  510—515.) 
Sspilman ,  J. ,    Proby   oezysxcsanla    wöd    s    crenothrix   i   oladothrix  sa  pomoca  wapna 

niegassonego.     (Idrowie.  1891.  No.  7t.  p.  823—396.) 

Nahrung»-  und  Genuismütel,  Gebrauehegtgenttände. 

Bang,  B.,  Die  Gefahr  des  Genusses  scheinbar  gebunden  Fleisches  and  ebensolcher  Milch 

von  tuberculftsen  Th leren.     (Wien.  med.  Presse.  1891.  No.  41.) 
Ootio.  B.,  Azione  dei  microfiti  sai  composti  arsenicali  fissi.     (Riv.  d'igiene  e  san.  pabbl. 

1891.  No.  19.  p.  715—719.) 
Ks^rgior*,  A,  Salla  composizione  dei  caci  stravecchi.     (Riv.  d'igiene  e  san.  pnbbl.  1891. 

No.  18.  p.  669—677) 
Oatertag,  Ist  Genera  lisation  der  Tnbercnlose   immer  gleichbedeatend   mit  Gesundheit»- 

Schädlichkeit  des   Fleisches?     (Ztsehr.   f.   Fleisch-    a.  Milchhyg.    1891/99.    No.  1.  p. 

1—6. 
Sachsen.     Erlass,    betr.  die   unschädliche   Beseitigung   tuberculöser    und    ungeniessbarer 

Tbeile  Ton  Schlaehtthieren.    Vom  16.  Januar  1890.    (Verftffeatl.  d.  kaistrl.  Gesuudh.- 

Amtes.  1891.  No.  88.  p.  585.) 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  snr  belebten  Katar. 

KntniKeüeerregende  Bakterie*  und  Paratüem.  bei  Menschen. 
A.    Mfehtit»*  Aügemiemkranhheüen. 

Bayern.     Minbterialentschllessung,    betr.    Morbiditätsstatistik    der  Infektionskrankheiten. 

Vom  5.  August  1891.     (Vcröffentl.  d.  kalserl.  Gesundh.-A.  1891.  No.  39.  p.  598.) 
Oesterreich.    Galizlen.    Erlass    der   Statthalters!,    betr.  Massnahmen   zur  Verhinderung 

einer  Weiterverbreitung  ansteckender  Krankheiten.     Vom  9.  August  1891.     (Veröffentl. 

d.  kaiserl.  Gcsnndh.-A.  1891.  No.  41.  p.  634.) 
Wolff,  X.,  Ueber  Vererbung  von  Infektionskrankheiten.    (Internat.  Beitr.    s.  wissensoh. 

Med.  [Festschrift.  Berlin,  Hirschwald]  1891.    Bd.  III.  p.  153—186.) 

Halariakrankheiten. 

Dioniai,  A.,  Variazioni  numeriche  dei  global!  rossi  e  dei  globuli  bianchl  in  rapporto  col 

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lhmemn,  A.,  Remarks  on  the  malarial  fever«  of  the  Peshawur  Valley  and  their  prophy- 

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Feltin,  IL  W.,  Observations  on  malaria  and  enteric  fever,  including  the  so-called  typho- 

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Toulmin,  BL,   On   the   diagnostic    value   of  Laveran's  organiams.     (Med.  News.     1891» 

Vol.  II.  No.  12.  p.  317—320.) 

Exanihematiicoe  Krankheiten. 
(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Röthein,  Scharlach,  Friese!,  Windpocken.) 

Fischer.  Worin  Hegt  die  Schwierigkeit  der  FortsHchtung  der  rein  anhusten  Lymphe 
ron  Thier  su  Thier  und  wie  lasst  sich  dieselbe  beseitigen?  (Mönch,  med.  Wchschr. 
1891.  No.  88.  p.  661—668.) 

Gaucher,  S.f  Observation  de  Vaccine  generalisle  snlvie  de  mort.  (Bullet,  de  la  soc. 
frane.  do  dermatol.  et  syphiligr.  1891.  p.  11—98.) 

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CromHe,  A.,  The  bacteriology  of  cholera.    (Praetitioner.    1891.  Nov.  p.  880—388.) 
Jefiriee,  J.  A.,  The  badilus  of  typhoid  fever ;  its  oecurrence  and  signifleance.    (Boston 
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780  *•*•  Literatur. 

WimdinfektionskrankheÜeiL 
(Eiterung,  Phlegmone,  Erysipel,   acutes  parolentes  Oedem,  Pyamie,  Septikimie, 
Tetanus,  Hospitalbrand,  Puerperalkrankbeiten,  Wandttulniss.) 

Motto,   U.t   Asione   dello   stafilococeo    piogeno    anreo  sni  eentri  termici.    (Boüett  d.  r 

Accad.  med.  di  Genova.  1891.  No.  4.  p.  «08—210.) 
Prenssen.     Beg.-Bes.  Münster.     Verhütung  des  Kindbettfiebers  betr.     Vom  24.  Noresnber 

1890.  (VeröffenU.  d.  kaiserl.  Gesundh.-A.  1891.  No.  40.  p.  617.) 

Iiiiektioiiigetehwlüfte. 
(Lepra,  Tnbercnlose  [Lnpus,  Skropholose],  Syphilis  [und  die  anderen  Teneriscbesi 

Krankheiten).) 

Ktukow,  M.,  Ueber  Falle  tod  acuter  Miliartnbercnlose  mit  Abwesenheit  der  Kochaeaca 
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Laut,  BL,  The  lepera  in  Siberia.     (Lancet  1891.  Vol.  II.  Mo.  18.  p.  736.) 

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Mwnpe,  Rfictfelkfieber,  Osteomyelitis. 

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soe.  de  med.  d'Anrers.     Juillet-Aoftt     1891.    p.  147—150.) 
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B.    JtyWMBM  Lcknlh'mtikheäe* 
Haut,  Muskeln,  Knochen. 

Morris,  M.,  Bingworm  in  elementary  sehools.    (Provinc.    med.  jonrn.    1891.     Mo.  118 

p.  581—584.) 
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(Mtsschr.  f.  prakt  Dermatol.  1891.  Bd.  XIII.  Mo.  8.?p.  819—325.) 
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1891.  Mo.  88—41.  p.  598—597,  609—615,  625—680,  641—646.) 

Augen  and  Ohren. 

Dianoux,  La  conjonctiyite  k  chalasion.    (Areh.  d'ophtalmol.  1891.  Mo.  4.  p.  802—309) 
Haab,  0.,  Weitere  HittheUnngen  über  Panophthalmie-BaoUlen.    (Fortschr.  d.  Med.  1891. 
Mo.  19.  p.  781—784.) 

O.    AtoattottMft*  Kramkkmtm. 

(Finnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  FUaria,  Oestrnslarra,  Asearis, 

Anchylostomnm,  Trlehoeephalos,  Oxyurls.) 

Driroa,  J.,  Les  parasites  enimaux   de   l'espeee   bnmalne.    (Lyon.  med.    1891.   Mo.  38. 

p.  78—86.) 
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wttrttemb.  ärstL  Landesv.  1891.     Mo.  29.  p.  227—280.) 
Silva  Lima,  Novas  filarias  no  sangne  hamano.     (Gas.  med.  da  Bahia.  1890/91.    p.  40«, 

445.) 


Kette  Litteratuf.  ^81 


Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Mensehen  und  Thieren. 
Milzbrand 

Sachsen.  Bundschreiben,  betr.  die  anschädliche  Beseitigung  von  Milzbrandkadavern. 
Vom  28.  Mars  1891.  (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesund h.-A.  1891.  No.  88.  p.  585 
—586.) 

Bob. 

Preussen.  Beg.-Be*.  Bromberg.  Verordn.,  betr.  die  Bekämpfung  des  Rotzes  (Wurmes) 
unter  den  Pferden.  Vom  25.  Juni  1891.  (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh.-A.  1891. 
No.  40.  p.  618—617.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 
•  SOugeÜäere. 

Infektiöse  Aügemeinkranhheiten. 

Vorman,  G.,    Parasitic  fungi  affecting  the  higher  animals.     (Internat,  journ.  of  microgr. 

1891.  p.   195—204.) 
Stand  der  bösartigen  ansteckenden  Krankheiten  unter  den  Hausthieren  in  Dänemark  im 

2.  Vierteljahr  1891.     (Veröffentl.  d.  kaiserl.  Gesundh-A.  1891.  No.  41.  p.  688.) 

Krankheiten  der  Einhufer. 
(Typhus,  Influensa,  Besehalkrankheit,  Septik&mie,  Druse.) 
Williami,  P.y  Influensa,     (Veterinary  Journ.  1891.  Aug.  p.  73—91.) 

Vögel 

Bakharoff,  H.,  Spirochaeta  anserina  et  la  septicemie  das  oies.  (Annal.  de  llnstit  Pasteur. 
1891.  No.  9.  p.  564—566.) 

Wirbellose   Thierc 

lehrotar,  üeber  Pilsepidemien  auf  Kaupen.  (Sitsgsber.  d.  Schles.  Ges.  f.  Vaterland. 
Coltur  in  Breslau.  1890.  p.  6.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Bonai,  ö.,  La  peronospora  viticola;  cenni  e  norme  pratiche  per  combatterla.     8°.  34  p. 

Alessandria  (Tip.  G.  M.  Piccone)  1891.  25  c. 
Cavara,  P.,  Un  altro  parassita  del  frumento,  la  Gibellina  cerealis  Pass.  8°.  7  p.  1  tav. 

Torino  (F.  Casanova)  1891.  50  c. 
Jreda,  P.f  Sui  rimedi  per  combattere  la  peronospora  della  vite.     8°.  24  p.     Borna  (Tip. 

nazion.)  1891. 
Heisinger,  E.,  Puccinia  malvacearum  mont     (Botan.  notiser.  1891.    Heft  1.) 
I*coeur,   E.,   L'anthonome   du  pommier,    Anthonomus    pomorum.     (Bullet,    de   la  soc. 

Linneenne  de  Normandie.  1891.  Ser.  IV.  Vol.  V.  fasc.  2.  p.  108.) 
HaTiata,  P.,  La  peronospora:   istrusioni  pratiche  per  combatterla.     17.  ed.    8°.     32  p. 

Torino  (E.  Barbero)  1891. 
TUenpont,  S„  Het  bestrijden  der  aardappelplag,   verslag  der  proefnemingen  gedaan  en 

Beigig  en  Holland  gedurende   het  jaar    1890.     8°.     52  p.  2  pl.  et  Üble.      Bruxelles 

(Polleunis  et  Ceuterick)  1891.  1  fr. 

Weed,  C.  X.,    Preventing  downy  mildew  or  brown  rot  of  grapes.     (Bull.   Ohio   Agric. 

Exper.  Stat  Vol.  IU.  No.  10.  Nov.  1890  (issued  1891).     Columbus  Ohio. 


782  #"»  Llttaratur 


Schutzimpfungen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Kntwieke- 

lnngsheinuiung  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koeh'scbe 

Ueiirerfahren  gegen  Tuberculosen 

Baumgarten,  P.y  Uebcr  die  Einwirkung  dei  Koch'echen  Mittel*  (Tuberculin)  auf  £< 
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Berlin,  Hirschwaid]  1891.  Bd.  III.  p.  81—104.) 
Besnier,  E ,  Kote  aur  la  mtthode  de  Koch  appliquee  an  treitement  dea  tubcreuloses 
tegumentaires  en  genlral  et  dea  lapus  en  parüculier.  (Bullet,  de  Ja  aoc  fran$.  de 
dermatol.  et  syphitigr.  1891.  p.  47 — 69.) 
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Palerme.     (Annal.  de  l'lnstit  Pasteur.  1891.  No.  10.  p   646—648.) 
Bordoni-Uffireduazi,  Statistique  de  l'Institut  antirabiqae  monicipal  de  Törin.     (Annal.  dt 

riosiit.  Pasteur.  1891.     No.  10.  p.  642—645.) 
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p.  681—688.)  * 

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No.  10.  p.  632—641.) 
de  Cbriatmaa,  J.y   Le  cantbaridate  de  potasse   dana  le   traitemeut  fle  la   tuberculose. 

(Annal.  de  l'lnsüt  Pasteur.  1891.  No.  10.  p.  668—672.) 
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,   Recent    experiencea   in   the   treatment   of  tuberculosis   (with    special    reference 

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di  Koch.     (äicilia  med.  1891.  p.  1587— ISO.) 
Sehaflranek,  1.  £in  Fall  von  skrophulösem  Augenleiden,  geheilt  durch  Yienrfeftientliche 

Behandlung  mit  Tuberkulin.     II.   Ein  Fall    von  Lupu»heUuug  durch  TuberkuliBugek- 

tionen  und  gleichzeitige  innerliche  Verabreichung  vou  Hydrargyrum  bichloratum  coxro- 

sivum.     (Dcacb.  med.   Wchschr.  1891.  No.  48.  p.  1199— 1200.) 
Bchmidt,  F.  W.,  A  few  Observation*  on  Kochine.    (Chicago  Med.  Record.  1891.  p.  124 

— 111.) 
Behüte,  Die  Lungenaenche-Impfnag  und  ihre  Antiseptika    (Internat  Beitr.  s.  wissenseh. 

Med.    (FeetachxiU.  Berlin,  tiirachvald]  1891.  Bd.  111.  p.  106—152.) 
Segawa,    Ueber    den  Kinfluss   de»  Tuberkulin   auf   den   Stoffwechsel  des  tuberkulösen 

Kindea.     (Areh.  f.  Ktuderbeilk.  1891.     Bd.  XUL  Mo.  4/6.  p.  880—888.) 
Bklifotowski,  W.  ▼.,   Endurtheil   Aber  die  Fälle   von  Kranken,  welche  mit  Injektionen 

mittelst  Koch'scher  Lymphe  behandelt  sind.     tLsitop.  khirurg.  obsh.  ▼.  Jtosfc.    1091. 

p.  208.)  *  [Russisch.] 
Sternberg,  OK  IL,  The  desinfection  of  excreta.    (Jon»,  of  the  Amer.  Med.  Assoo.  1891. 

Vol.  11.  Mo.  8.  p.  290—294.) 
Tissoni,   O.,    Ueber  experimentell©  Immonittt   gegen    den  Tetanus.    (Internat  Beitr.  s. 

wUsenacÄ.  Med.     [Festschrift.     Berlin,  Hirschwald]  1891.  Bd.  111.  p.  29—60.) 
Tsehistowitseh,   H.  J.,   Morphologische  Veränderungen  des  Blutes  bei   £inspritsui\gen 

Koch'scuer  Flüssigkeit    (Boinitsch.  gas.  Botkinn.  II.  1891.  p.  296—827.) 
Tusa,  ■ ,   8ulle   alteraaioni  istologicbe  riscontrate  in  un  caso  di  lupus  eritematosus  du- 
mme 1*  cura  dl  Koch.    (Biv.  clin.  arch.  ital.  di  clin.  med.  1891.  No.  8.  p..  868—871.) 
Warfvinge,  F.  W.,   Om  de   vid    behandling  med  toberkulin   a  äabhatsbctga  ajukhus' 

medicinske  afdelning  jakttagna  resulUten.     (Hygiea.  1891.  p.  508—686.) 
Welch,  W.  H.,  and  Plexner,  8.,  Tue  bistological  changes  in  experUnantal  d\phtheria. 

Prelimin.  oommuaie.    (Ballett  of  the  Johns  flopk.  Hosp.  1891.  No.  16.  p.  107—110.) 
Willems,  Notice  historique  concernaut  1'inoculation   de  la  Pleuropneumonie   contagieuse 

des  beiea  bovines.     (Annal.  de  m4d.  ▼e'ter.  1891.  p.  849 — 868.) 
Wilson,  T.  8.,  Koch'a  treatment  at  the  General  hospital.    [Cases  at  the  Jeffrey  subur- 

ban  hoapiteL]    (Birmingh.  med.  review.  1891.  p.  82—42.) 
Wright,  B.,  The  dosage  of  tuberculin.    (Ganadian  practit  1891.  p.  881.) 
de  Wyasokowies,  8tatistique  de  rinstitnt  Pasteur  de  la  societ*  medicale  de  Charkow, 

en  1890.    (Annal.  de  l'lnstit  Pasteur.  1891.    No.  10.  p.  649—660.) 


Durch  ein  Versehen  beim  umbrechen  der  Kummer  10  Ist  die  Figur  auf  der 
Seite  668  umgedreht  worden ,  so  das*  dieselbe  auf  dem  Kopf  steht.  Obgleich  der  Irr- 
thum  beim  Jüesan  des  Textes  sofort  auffallen  wird,  mochten  wir  doch  noch  ausiritakltan 
auf  denselben  hinweisen  und  die  Nachsicht  der  geehrten  Leser  erbitten. 

Bio  ▼erls^buchjiandluiig. 


Inhalt. 


Bai**,   J.f  Apparat  Mai   AWmnlsn   von 
Bakterien-Kolonien.    (Orig.),  p.  ff 21. 

.      .  ?ohor,    Ueber  die  fragliche  Immunisation 

UtiveinlkroWocneniiscks Analyse. (Orig),  darch  Alkalisation   mittelst  Natrium  M- 

P-  728.  carbonieum.   (Orig.),  p:  786. 


örtginalmittheiltuigen, 
fcorerinek,   W,    Qualitative   und  quanti- 


r,  EL,  Die  Porsehungsmetboden  in       ^sehokko,  F.,  Die  Parasitenfauna  Ton  Tratte 
der  Immunititefrage.    (Orig.),  p.  727.       ,       salar.   (Orig.)  (FortseU.),  p.  788. 


784 


Inhalt 


Dangeard,  F.  A.,  Contribution  k  l'etude 
des  Bactenacees  vertes  (Eubacillus  gen. 
nov.),  p.  745. 

Finkelstein,  J.  M. ,  mit  Nachtrag  von 
Baien,  K.  J.,  Bakteriologische  Unter- 
•nchnnfen  von  Verband-Binden  nament- 
lich der  Jahre  1850,  1864  und  1868, 
p.  747. 

Frank,  B.,  Ueher  den  Verlauf  der  Kirsch- 
baum-Gnomonia-Krankheit  in  Deutsch- 
land nebst  Bemerkungen  über  öffent- 
liche Pflansenschutzmassregeln  überhaupt, 
p.  75». 

Oiard,  Alfred,  Stur  l'Isaria  densa  (Link), 
parasite  du  Ver  blanc,  p.  750. 

Goldaehnüdt,  Ein  Fall  von  Anthrax  in- 
testinalis beim  Menschen,  p.  748. 

La  Hoult,  Le  parasite  du  hanneton,  p.  750. 

Boger,  O.  H.,  Contribution  k  l'ätude  ex- 
perimentale  du  charbon  symptomatique, 
p.  748. 

Stengel,  Alfred,  Acute  dysentery  and  the 
Amoeba  coli,  p.  749. 

Bchutnimpfttng,  künstliche  Infektions- 
krankheiten, Entwicklungshemmung 
and  Vernichtung  der  Bakterien 
und  Parasiten. 

du  Oasal  et  ValUard,  Sur  une  maladie 
parasitalre  de  l'homme  transmissible  au 
lapin,  p.  761. 

Chor,  ■.,  Traltement  du  charbon  par  le 
bicarbonate  de  soude  d'apres  la  methode 
de  M.  Fodor,  p.  760. 

Enderlen,  Versuche  über  die  bakterien- 
feindliche Wirkung  normalen  und  patho- 
logischen Blutes,  p.  753. 

Faaio,  E.,  Concorrenza  vitale  fra  i  bacteri 
della  putrefaxione,  e  quell i  de  carbonchio 
e  del  tifo,  p.  761. 

Gaertner,  0.  und  Boemer,  Fr.,  Ueber  die 
Einwirkung  von  Bakterienextrakten  auf 
den  Lymphstrom,  p.  759. 

Ctottsteln,  A.,  Zusammenfassende  Ueber- 
siebt  über  die  bakterieuvernichtende 
Eigenschaft  des  Blutserums,  p.  758. 

Xetiehnikoff  et  Boux,  Sur  la  proprio 
bacterieide  du  sang  de  rat,  p.  756. 

Ogata,  Ueber  die  Immunität sfrage,  p.  754. 

Fetennann,  Sur  la  substance  bacterieide  du 
sang  decrite  par  le  professeur  Ogata, 
p.  755. 

Beraflni  et  Erriquea,  Süll1  asione  dell 
sangue  di  animali  immuni  inoculato 
ad  animali  suscettibili  pel  carbonchio, 
p.  755. 

Trapeanikoff,  Du  sort  des  spores  de  mi- 
crobes  dans  l'organisme  animal,  p.  758. 


Originalberichte  über 

Bakteriologisches  vomVTLinu: 

nationalen  Kongress  fürHygi.i 

und  Demographie  zu  London 

10.— 17.  August  1891.  (Forts.),  p.  71! 


,    Ueber    schützende    Wirkung  c*r 

Körpersäfte,  p.  762. 
Arloing,  Ueber  erbliche  Uebertrsgung  :«r 

Immunität,  p.  762. 
Bang,     Uebertragbarkeit   der   TabercBk« 

von  Thieren  auf  den  Menschen,  p.  TT: 
Bnrdon-Sanderaon ,    Ueber  die  Aetio^ 

der  Tuberculosen  p.  769. 
I   de  Christina*,  J.,  Etüde  sur  les  subatisca 

microbieides    du   serum   et   des  orgiss? 

d'animaux  k  sang  chaud,  p.  766. 
Xe   Fadyean   und   Sims   Woodhead.  6 

Ueber  die  Uebertragung  von  TubercaLs* 

von  Thieren  auf  Menschen  durch  Flebd 

und  Milch  tuberculöser  Thiere,   p.  TT: 
Ehrlich,  Versuche  über  die  Wirkungen  ft> 
I        Ricins  und  des  Abrins,  p.  765. 
1   Hamilton,  Ueber  swei  Hauptansiedelu«> 

punkte  für  die  Tuberkel,  p.  773. 
Hueppe,  Die  ImmuoitäUfrage,  p.  763. 
Kitasato,  Heil-  und  Immuiusirungkversed« 

bei  Tetanus,  p.  762. 
Klein,  Ueber  chemische  Beeinflussung  de 

Säfte,  p.  764. 
:   Metachnikoff,     Ueber    die    Wirkung  dt» 

Vibrio  Metschnikovi,  p.   764. 


:    Zweiter    Tub ercu  lose -Kongreß 
(Fortsetxung),  p.  774. 

•   Arloing,  Prophylaxe  der  menschlichen  imi 

thierischen  Tuberculose,  p.  776. 
'    Arthand,  Ueber  die  relative  Häufigkeit  der 
verschiedenen  Arten  der  Ansteckung  mit 
I       Tuberculose,  p.  776. 
.   Bouland ,  Einfluss  des  Kaolin-Steubes  ssf 
die  Tuberculose    der  Porzellan-Arbeiter 
p.  777. 
Olado,  Behandlung  der  chirurgischen  Tuba- 

culose  mittels  Wärme,  p.  775. 
Clads,  Hemilaterale  Tuberculose,  p.  «T*. 
Espina    y   Capo,    Massregeln    gegen  fr 
!        Uebertragung  der  Tuberculose,  p  777. 
Leloir,    Ueber    die   Impfung    skropbolov 
tuberculöser    Produkte,    namentlich  dö 
Lupus  vulg  ,  p.  774. 
I   Megnin  und  Xoany,    Ueber  Pseudotub« 
culose  der  Hasen,  p.  775. 
Sohoull,  Verbreitung  von  Tuberculose  dnrd 
|        Nahrungsreste  von  Phthisikern,  p.  «1* 
Tuifter,  Tuberculose  Hydrocelen,  p.  778. 

Heue  Litteratur,  p.  778. 


Fromnuumsch«  Bachdrucker«!  (Hermann  Fohle)  in  Jena. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Ml  M.  Prot  Dr.  Leockart  m  Professor  Dr.  Lufler 

In  Ltfpilff  ta  OietfrwaM 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TThlvorm  in  CasseL 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band.       -©-      Jana,  den  22.  December  1891.     -*-         No.  84» 

PrtU  für  den  Band  (86  Hummern)  14  Hark. 

Jibrlieb  erseheinen  swei  Binde. 

—r|i     Zn  beziehen  dnreb   alle  Buchhandlungen  and  Poetanstalten.    I«— 

Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten- 
kunde" richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf' 
*ätze  entweder  bei  der  Binsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger  f  Herrn  QusUw  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen*  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original  -  Mittbeilungen. 


Ein  Fall  von  Heilung  des  Tetanns  tranmaticns  durch 

das  von  Prof.  Guido  Tizzoni  und  D™  Oattani 

bereitete  Antitoxin  des  Tetanns. 

Von 

Dr.  Rudolf  Schwarz, 

Assistenten  an  der  chirurgischen  Klinik 
in 

Padua. 

In  einer  Reihe  von  Aufsätzen,  welche  im  Laufe  dieses  Jahres  er- 
schienen sind,  haben  Prof.  Tizzoni  und  D*  Cattani  darüber 
*•*.  60 


786  Schwan, 

berichtet,  dass  es  ihnen  gelangen  sei,  zuerst  für  Tetanus  wenig 
empfängliche  Thiere,  und  sodann  solche  gegen  denselben  immun  zu 
machen,  welche  für  diese  Infektion  sehr  empfänglich  sind,  und  das 
sie  gefanden  haben,  dass  das  Blutserum  derselben  eine  antitoxische, 
immunisirende  and  heilende  Wirkung  auf  das  Tetanusgift  ausübe  >\ 

Nachdem  sie  die  Eigenschaften  des  Stoffes  untersucht  hatten,  wel- 
chem das  Serum  diese  Wirkung  verdankt,  gelang  es  ihnen,  denselben 
in  festem  Zustande  zu  erhalten,  indem  sie  ihn  durch  Alkohol  nieder- 
schlugen und  das  Präzipitat  im  leeren  Räume  austrockneten ;  dabei  erhielt 
es  seine  antitoxische,  immunisirende  und  heilende  Kraft  unverändert. 

Es  blieb  noch  übrig,  zu  untersuchen,  wie  dieser  Stoff,  den  wir 
der  Kürze  wegen  „Antitoxin  des  Tetanus"  nennen  wölk»,  sich  za 
der  Heilung  dieosr  Krankheit  beim  Menschen  verhielte. 

In  der  That,  wenn  man  bedenkt,  dass  der  Tetanus  beim  Mensches 
fast  immer  viel  langsamer  verl&uft,  als  der  bei  Thieren  durch  das 
Experiment  hervorgerufene,  und  dass  eine  spontane  Heilang  desselben 
beim  Menschen  möglich  ist,  was  bei  den  Thieren  niemals  oder  doch 
äusserst  selten  der  Fall  ist,  so  kann  man  glauben,  dass  der  Mensch 
sich  gegen  das  Antitoxin  des  Tetanus  wie  die  für  die  Tetanusinfeküon 
am  wenigsten  empfänglichen  Thiere  verhalten,  dass  sich  also  bei  ihm 
die  heilende  Wirkung  des  Antitoxins  zeigen  werde,  wenigstens  wenn 
man  beim  ersten  Erscheinen  der  tetanischen  Symptome  eingreift 

Erst  vor  kurzer  Zeit  hat  Dr.  Gagliardi  aus  Molinella  in  der 
Provinz  Bologna  in  einem  schweren  Falle  von  Tetanus  mit  Vortheü 
das  ihm  von  Prof.  Tizzoni  gelieferte  Antitoxin  in  Gebrauch  ge- 
nommen, und  zwar  das  aus  dem  Blutserum  eines  immunen  Hundes 
gewonnene.  Ein  Gramm  davon  hatte  hingereicht,  um  alle  Tetanus- 
erscheinungen aufzuhalten  und  zum  Verschwinden  zu  bringen,  und 
dem  Kranken  die  volle  Gesundheit  wiederzugeben.  Die  Geschichte 
dieses  Falles  ist  jedoch  noch  nicht  veröffentlicht  worden. 

Dagegen  mache  ich  den  zweiten  Fall  von  Heilung  des  Tetanus 
durch  dasselbe  vom  Hunde  stammende  Antitoxin  bekannt  und  thoe 
es  um  so  lieber,  da  ich  alle  darauf  bezüglichen  Experimente  verfolgt, 
und  als  Assistent  beim  Lehrstuhl  der  allgemeinen  Pathologie  in 
Bologna  selbst  mit  Prof.  Tizzoni  an  ähnlichen  Untersuchungen  über 
eine  andere  Infektionskrankheit  gearbeitet  habe,  wobei  ich  mich  völlig 
davon  überzeugte,  dass  man  auch  in  der  Praxis  günstige  Resultate 
damit  gewinnen  würde. 

Giansello  Luigi  aus  Villafranca  Padovana,  ein  Bauernknabe 
von  15  Jahren.  Seine  Eltern  und  Bruder  leben  und  sind  gesund. 
Nur  eine  Schwester  desselben  hatte  sich  vor  einigen  Jahren  bei  der 
Feldarbeit  verwundet,  wurde  nach  mehreren  Tagen  von  Tetanus  be- 
fallen und  starb  daran.  Er  hatte  früher  an  keinen  erwähnenswertheu 
Krankheiten  gelitten. 

1)  Tizzoni  e  Cattani,  Sul  modo  di  conferire  ad  alcuni  animali  rimmnnit* 
contro  il  tetano.  Letta  alla  R.  Accad.  delle  scienze  di  Bologna  addi  11  gennaio  1891. 
(Rif.  med.  No.  10.  Genn.  1891.)  —  Tizzoni  e  Cattani,  Sülle  proprieta  deir  anti- 
tossina  del  tetano.  Letta  alla  R.  Accad.  dei  Lincei  il  5  aprile  1891.  (Rif.  med.  No.  102 
Maggio  1891).  —  T  i  s  so  n  i  e  Cattani,  Ulteriori  ricerche  »alla  antitoasina  dal  tetano. 
Letta  alla  R.  Accad'  dei  Lincei  addi  10  Maggio  1891.  (Rif.  med.  No.  126.  1891.)  — 
Tissoni  e  Cattani,  L'immunitä  contro  il  tetano,  stndlata  negll  animali  molto 
recettWi  per  qnesta  infesione  (cavia,  conigllo,  topo).  (Rif.  med.  No.  188—84.  Agosto  1891 1 


Ein  Fall  von  Heilang  des  Tetanus  traumaticus  durch  Antitoxin  des  Tetanus.     787 

Gegen  den  20.  August  d.  J.  zerschnitt  er  eine  Nuss,  welche  er 
an  demselben  Orte  von  der  Erde  aufgenommen  hatte,  wo  sich  vor 
Zeiten  die  Schwester  verwundet  hatte,  und  verursachte  sich  dabei 
eine  Wunde,  ungefähr  einen  Centimeter  lang,  in  der  untern,  vordem 
Ulnargegend  der  linken  Seite,  welche  in  der  Längsrichtung  des  Glieds 
verlief,  tief  war  und  wahrscheinlich  die  Ulnararterie  mit  betraf1)-  ^ur 
Blutstillung  benutzte  man  in  der  Wohnung  des  Kranken  gesammelte 
Spinnweben  und  eine  Druckbinde.  Nach  einigen  Tagen,  nach  Ab- 
nahme der  letzteren,  trat  die  Hämorrhagie  wieder  auf,  was  die  Eltern 
zwang,  den  Burschen  nach  der  Klinik  des  Hospitals  in  Padua  zu  bringen, 
wo  der  Blutfluss  gestillt,  die  Wunde  nach  Vorschrift  behandelt  und 
mit  Jodoformpulver  bestreut  wurde.  Dieselbe  heilte  bald  vollständig  zu. 

Aber  am  4.  September  fing  der  Kranke  an,  Zusaromenziehungen 
der  Muskeln  des  linken  Vorder-  und  Oberarmes  zu  zeigen.  Am 
folgenden  Tage  trat  Erschwerung  des  Oeflhens  der  Kinnladen  auf, 
welche  am  6.  vollkommen  unmöglich  wurde,  während  die  Bewegungen 
der  Beine  sich  immer  schwieriger  gestalteten  und  alle  Muskelgruppen 
eine  gewisse  Steifheit  angenommen  hatten.  Der  Bursche  wurde  unter 
diesen  Umstanden  am  7.  in  das  hiesige  Hospital  aufgenommen,  und 
zwar  in  die  chirurgische  Abtheilung  unter  Prof.  Alessio's  Leitung. 

Hier  beobachtete  man  Zosammenziehungen  aller  Muskeln  des 
Gesichts,  besonders  der  Kaumuskeln,  so  dass  das  Gesicht  einen  be- 
sonderen Ausdruck  angenommen  hatte  und  das  Kauen  unmöglich 
war ;  Pupillen  gleich  gross,  ein  wenig  mydriatisch ;  verhältnissmässige 
Starrheit,  besonders  der  Muskelgruppen  des  Rumpfes  und  der  Glieder, 
aber  vorzüglich  des  verwundeten  Armes.  Keine  Uebertreibung  der 
Reflexe.  Untersuchung  der  inneren  Organe  negativ.  Man  diagnosti- 
zirte  Tetanus  traumaticus. 

Man  unternahm  sogleich  die  Behandlung  mit  Chloral  und  warmen 
Badern.  Der  beschriebene  Zustand  blieb  einige  Tage  lang  derselbe 
und  verschlimmerte  sich  dann. 

Die  Starrheit  der  Muskeln  nahm  zu,  der  Mund  öffnete  sich  nur 
7 2  Centimeter  weit,  so  dass  der  Kranke  nur  flüssige  Nahrung 
zu  sich  nehmen  konnte.  Bisweilen  bei  Tag,  häufiger  in  der  Stille 
der  Nacht,  wenn  er  ein  plötzliches  Geräusch  hörte,  hatte  er  Anfälle 
von  stärkerer  Muskelspannung,  welche  sich  bald  auf  den  verwundeten 
Arm  beschränkte,  bald  eine  grössere  Zahl  von  Muskelgruppen  einnahm 
und  Opisthotonus  hervorbrachte.  Dauernde  Erschwerung  des  Athmens. 

Am  16.  September  wird  jede  Behandlung  ausgesetzt.  In  der 
Nacht  hat  der  Kranke  8—9  Anfälle  von  tetanischen  Kontrakturen,  von 
kurzer  Dauer,  von  starker  Athmungsbeschwerde  und  leichtem  Opistho- 
tonus begleitet. 

Derselbe  Zustand  dauerte  den  17.  fort.  Am  18.  untersuche  ich 
den  Kranken  zugleich  mit  dem  Sekundärarzt  Dr.  Preto  und  dem 
Praktikanten  Dr.  Ars! an. 


1)  Eine  kleine  Menge  von  der  Erde  jenes  Feldes  wurde  unter  die  Rückenhaut 
»oes  Kaninchens  eingebracht  und  verursachte  nach  3  Tagen  das  Auftreten  der  ersten 
Symptome  des  Tetanus  und  den  Tod  des  Thieres  am  5.  Tage,  nachdem  es  das  klassische 
Bild  des  Tetanus  dargeboten  hatte.  Kulturen  derselben  Erde  in  Fleischbrühe  gaben 
ebenfalls  positive  Resultate  durch  das  Auftreten  des  bekannten  Tetanusbacillus. 

50* 


788  8ehwar»f 

Der  Bursche  zeigt  einen  massigen  Ernährungszustand.  Die  deut- 
liche Zusammenziehung  aller  mimischen  Gesichtsmuskelo  gibt  da 
Physiognomie  ein  ganz  besonderes,  starres  Ansehen.  Die  Masaetera 
zeigen  sich  bei  der  Berührung  hart,  resistent,  die  Kinnladen  öffsca 
sich  nur  1  Centimeter  weit  Die  Pupillen  sind  mydriatisch,  reagira 
aber  gut  Der  Geist  ist  munter,  die  Bede  etwas  schwerfällig.  Die 
Sterno-cleido-mastoidei  und  die  Nackenmuskeln  sind  gleicher  Weise 
zusammengezogen ;  der  Bauch  ist  gespannt,  die  Muskulatur  so  hart 
dass  sie  sich  wie  ein  Brett  anfühlt  Die  langen  Rückenmuskelo 
gleichen  starren,  gespannten  Strängen.  Die  des  linken  Oberarmes 
sind  stark  kontrahirt,  der  Vorderarm  ist  auf  den  Oberarm  zurück- 
gebogen, auch  die  Finger  sind  eingebogen,  die  nach  der  Hand  gehe* 
den  Sehnen  drängen  sich  stark  durch  die  Haut  hervor.  In  der  vor- 
dem, untern  Ulnargegend  befindet  sich  eine  schmale,  ungefähr  eine» 
Centimeter  lange  Narbe,  parallel  mit  der  Achse  des  Glieds.  Die 
Muskeln  des  linken  Armes  sind  weniger  zusammengezogen. 

Die  Muskulatur  der  Beine  ist  ebenfalls  missig  starr;  alle  passiv 
ausgeführten  Bewegungen  sind  gehemmt  Wenn  man  den  Kranken 
aus  dem  Bette  steigen  lässt,  so  kann  er  nicht  allein  stehen  and 
macht  mit  Mühe  einige  Schritte,  wenn  er  gehalten  wird.  Das  linke 
Bein  bewegt  sich  in  einem  Stück,  das  rechte  ist  etwas  beweglicher 

Der  Puls  ist  kräftig,  ein  wenig  frequent  (96),  der  Rhythmus  des 
Athems  ziemlich  regelmässig;  die  Temperatur  hat  während  seines 
Aufenthalts  im  Hospitale  zwischen  37  °  und  37,6  *  geschwankt. 

Da  die  bisherige  Behandlung  mit  Chloral  und  warmen  Baders, 
sowie  auch  Injektionen  von  Phenylsäure  nach  der  Methode  wo 
Bacelli  unwirksam  gewesen  waren,  so  beschloss  man,  an  demselben 
Tage  (18.)  um  3  Ohr  Nachmittags,  eine  erste  subkutane  Einspritzung 
einer  wässerigen  Lösung  von  16  cg  Antitoxins  zu  machen ,  welches, 
wie  gesagt,  aus  dem  Blutserum  eines  gegen  Tetanus  sehr  stark  im- 
mun gemachten  Hundes  stammte  und  mir  von  Prof.  Tizzom 
freundlichst  übersandt  worden  war. 

Ich  hatte  diese  Substanz  in  einem  durch  Hitze  sterilisirteo 
Mörser  zerrieben  und  sterilisirtes,  destillirtes  Wasser  hinzugefügt 
bis  ich  etwas  wie  eine  massig  flüssige  Gummiemulsion  erhielt,  was 
durch  ungefähr  3  ccm  Wasser  erreicht  wurde.  Die  so  erhaltene 
Flüssigkeit  wurde  vermittelst  einer  durch  Hitze  sterilisirten  Pra  v an- 
sehen Spritze  unter  die  Haut  injizirt,  nachdem  deren  entsprechende 
äussere  Oberfläche  gut  desinfizirt  worden  war.  In  Folge  der  Injek- 
tion beklagt  sich  der  Kranke  über  starkes,  örtliches  Brennen.  Dm 
7'/t  Uhr  bemerkt  man  noch  keine  Abnähme  der  Symptome,  aber 
der  Kranke  versichert,  er  befinde  sich  besser.  Er  ist  munterer,  be- 
hauptet freier  zu  athmen ,  auch  die  Gelenke  des  linken  Armes  seien 
freier.  Von  7—10  Dhr  liegt  er  in  reichlichem  Schweiss.  Puls  and 
Respiration  haben  nur  unmerklich  geschwankt,  nur  die  Temperatur 
fiel  ein  wenig  gegen  7  Uhr,  also  4  Stunden  nach  der  Injektion.  Von 
37,6  °  ging  sie  auf  37  °  herab,  um  dann  wieder  auf  37,3°  anzusteigen* 
Während  der  Nacht  hatte  er  zwei  Anfälle  von  kurz  dauernden  Kon- 
trakturen, welche  durch  Geräusche  im  Saal  verursacht  wurden. 

Am  19.  um  8  Uhr  Morgens  finde  ich  den  Kranken  ungefähr  in 
demselben  Zustande,  wie  am  vorhergehenden  Tage. 


Ein  Fall  Ton  Heilung  des  Tetanol  tramnatieus  durch  Antitoxin  des  Tetanus.     789 

Es  wurden  wieder  15  cg  Antitoxins  injizirt. 

Man  beobachtet  keine  merkliche  Veränderung  im  Pulse  und  in 
der  Temperatur,  noch  auch  in  dem  allgemeinen  Zustande. 

Um  3  Uhr  Nachmittags  wird  der  Kranke  in  den  Operationssaal 
geschafft  und  in  der  Chloroformnarkose  die  Entspannung  der  Wunde 
ausgeführt,  ein  Stück  davon  entfernt1),  mit  Sublimatlösung  zu 
3%  und  Höllensteinlösung  zu  4°/0  desinfizirt  und  die  Wunde 
verbunden.  Während  der  Kranke  noch  schläft,  werden  ihm  wieder 
20  cg  Antitoxins  injizirt. 

Beim  Erwachen  aus  dem  Ghloroformschlaf  beklagt  sich  der 
Kranke  über  starke  Schmerzen  in  der  Hand,  weint  lange  und  beruhigt 
sich  dann.  In  der  4.  bis  6.  Stunde  nach  der  Injektion  hat  er  stark 
geschwitzt  Die  Temperatur  von  38,1  °,  welche  um  4  Uhr  Nachmit- 
tags gefunden  wurde ,  fiel  allmählich  auf  36  °  um  7  Uhr  und  stieg 
wieder  auf  38,8  °  um  10  Uhr  Abends.  Während  der  Nacht  ruhiger 
Schlaf,  kein  Anfall 

Am  folgenden  Morgen  (20.  Sept.)  fand  ich  den  Kranken  merklich 
besser.  Das  Gesicht  ist  viel  weniger  kontrahirt,  die  Pupillen  weniger 
erweitert,  er  öffnet  einigermassen  den  Mund.  Die  Bewegungen  der 
Arme,  besonders  die  des  verwundeten  Gliedes,  sind  freier.  Die  ver- 
schiedenen Muskelgruppen  fühlen  sich  weniger  gespannt  an,  als  an 
früheren  Tagen.  Aufgefordert,  das  Bett  zu  verlassen,  geht  er  ein 
wenig  steif  einher,  aber  ohne  zu  wanken  oder  gestüzt  zu  werden. 
Der  Patient  selbst  versichert  auf  Befragen,  er  befinde  sich  viel  besser, 
was  auch  die  andern  Kranken  des  Saales  finden;  seine  Sprache  ist 
leichter. 

Trotz  dieser  merklichen  Besserung  wird  um  3  V*  Uhr  Nachmit- 
tags eine  neue  Einspritzung  von  25  cg  Antitoxin  ausgeführt.  Darauf 
folgt  die  gewöhnliche  Temperaturerniedrigung  von  38,1  °  auf  36,3  ° 
gegen  10  Uhr  Abends,  um  gegen  2  Uhr  Morgens  am  21.  wieder  auf 
36,9°  zu  steigen.  Leichter  Seh  weiss,  ruhige  Nacht  mit  ununter- 
brochenem Schlaf. 

Am  21.  bemerkte  der  Kranke  eine  auffallende  Besserung.  Die 
Spannung  aller  Muskelgruppen  ist  auffallend  vermindert,  er  beugt 
die  Glieder  mit  Leichtigkeit,  sein  Gang  ist  sicherer,  aber  ein  wenig 
krampfhaft. 

Um  5  Uhr  Nachmittags  mache  ich  wieder  eine  Injektion  mit 
25  cg  Antitoxins.  Ich  bemerke  die  gewöhnliche  Temperaturernied- 
rigung von  37,6  °  um  5  Uhr  Nachmittags  auf  36  *  um  9  Uhr  Abends, 
aber  keine  Schweissabsonderung. 

Am  22.  ist  die  Besserung  aller  Symptome  sehr  auffallend.  Das 
Aussehen  des  Gesichts  ist  normal,  Pat.  öffnet  den  Mund  massig  und 
führt  feste  Nahrung  ein,  welche  er  gut  kaut  und  verschluckt,  der  Ap- 
petit nimmt  zu,  die  Bewegungen  aller  Glieder  sind  schnell  und  aus- 
gedehnt, er  bewegt  mit  Leichtigkeit  den  verwundeten  Arm  und  die 
Finger  der  Hand,  welche  vorher  beständig  kontrahirt  waren.  Er 
geht,  ohne  zu  schwanken. 

Am  23.  befindet  sich   der  Kranke  wohl,   bringt  einige  Stunden 

1)  Es  war  mir  nicht  möglich,  durch  Kultur  in  Fleischbrühe  in  dem  abgetragenen 
Stackchen  die  Gegenwart  Ton  TetanoabacUlen  nachzuweisen. 


790  Schwärs,   Ein  Fall  von  HeUnnf  des  Tetanol  tnmnatieiis  etc. 

ausserhalb  des  Bettes  zu;  alle  Symptome  des  Tetanus  sind  ver- 
schwunden, und  es  besteht  nur  noch  ein  gewisses  Schwächegeföhl, 
besonders  in  den  Beinen. 

Der  Bursche  blieb  im  Hospital  bis  zum  1.  Oktober.  Er  wurde 
immer  besser,  und  die  Kräfte  nahmen  zu,  obgleich  das  Schwächege- 
fühl in  den  Beinen  noch  drei  oder  vier  Tage  dauerte,  nachdem  er 
das  Bett  verlassen  hatte.  Als  er  das  Hospital  verliess,  konnte  er 
gehen,  laufen  und  jede  Bewegung  ohne  Schwierigkeit  ausführen 
Die  Wunde  wurde  am  27.  September  und  wieder  am  1.  Oktober  ver- 
bunden und  war  am  7.  Oktober  vollkommen  vernarbt. 

Nun  noch  einige  Betrachtungen.  Die  Schnelligkeit,  mit  welcher 
die  Symptome  der  Krankheit  nach  der  dritten  Antitoxin  -lnjektioo 
verschwunden  sind,  beweist  schon  für  sich  die  hohe  Wirksamkeit 
desselben  in  diesem  Falle.  Da  die  tetanischen  Symptome,  wie  es  bei 
den  Mäusen  der  Fall  war,  nicht  nach  der  Injektion  alle  auf  einmal 
verschwanden,  sondern  allmählich,  so  ist  es  wahrscheinlich,  dass  die 
dritte  Injektion  zur  Heilung  hinreichte,  auch  ohne  die  beiden,  welche 
später  ausgeführt  wurden. 

Der  Entspannung  der  Wunde  und  ihrer  Desinfektion  ist  sicher 
die  darauf  folgende  Besserung  nicht  zuzuschreiben,  denn  wenn  diese 
auch  den  örtlichen  Infektionsherd  zerstören  und  die  Verschlimmerung 
der  vorhandenen  Symptome  verhindern  konnte,  so  konnte  sie  doch 
diese  nicht  aufheben  oder  zur  Rückbildung  bringen,  da  diese,  wie 
man  weiss,  ausschliesslich  von  der  allmählichen  Absorption  des  Tetanus- 
giftes und  der  durch  dieses  bedingten  Intoxikation  abhängen. 

Der  Unterschied  in  den  Wirkungen  der  Behandlung  mit  Anti- 
toxin und  der  früheren  Behandlung  spricht  ebenfalls  für  den  Werth 
der  ersteren. 

Ich  bin  dem  Prof.  Alessio,  Oberarzt  des  Saales  für  männliche 
chirurgische  Kranke,  welcher  die  Freundlichkeit  hatte,  mir  den 
Kranken  anzuvertrauen,  und  den  Doktoren  ]Preto  und  Arslan, 
welche  mich  bei  dieser  klinischen  Probe  auf  die  durch  das  Experiment 
erhaltenen  Resultate  unterstützt  haben,  vielen  Dank  schuldig  und 
hege  das  Vertrauen ,  dass  man  künftig  in  anderen  Fällen,  seien  sie 
auch  schwerer,  als  der  von  mir  beschriebene,  ebenfalls  die  Heilung 
wird  erreichen  können,  sei  es  durch  Anwendung  einer  grösseren  Menge 
des  Antitoxins  vom  Hunde,  sei  es,  indem  man  zu  grösserer  Sicherheit 
das  von  Thieren  bereitete  gebraucht,  welche  für  Tetanus  empfang- 
licher sind,  z.  B.  das  des  Kaninchens. 

Padua,  Oktober  1891. 


Nachtrag.  Durch  Privatmittheilung  habe  ich  vor  Kurzem  er- 
fahren, dass  in  der  letzten  Zeit  noch  zwei  Tetanuskranke  durch  Be- 
handlung mit  Tetanus-Antitoxin  geheilt  worden  sind.  —  Der  eine  io 
Hospital  von  Colle  di  Val  d'Elsa  (Toscana),  welcher  von  Dott  Pacini, 
der  andere  in  der  chirurgischen  Klinik  von  Innsbruck,  welcher  von 
Prof.  N  i  c  o  1  a  d  o  n  i  behandelt  wurde.  Hoffentlich  werden  die  Kranken- 
geschichten bald  veröffentlicht. 

December  1891. 


Hamann,  Die  kleineren  Sttsswasserfische  als  Haupt-  n.  Zwischenwirthe  etc.     791 


Die  kleineren  Süsswasserfische  als  Haupt-  und  Zwischen- 
wirthe des  Echinorhynchus  proteus  Westr. 

Von 

Dr.  Otto  Hamann, 

Privatdosenten  in 

Göttingen. 

Vor  kurzem  konnte  ich  die  interessante  Thatsache  bekannt  geben1), 
dass  Echinorhynchus  proteus  zwei  Zwischenwirthe  besitze, 
einen  Krebs,  Gammarus  pulex,  wie  wir  durch  Leuckart 
wissen,  und  ausserdem  die  kleineren  Fischarten  unserer  Flüsse,  wie 
Phoxinus  laevis,  Gobitis  barbatula,  Cottus  gooio, 
Gobio  fluviatilis,  Gasterosteus  aculeatus  und  G.  pun- 
gitius.  Es  ist  dieser  Wurm  der  einzige  Parasit,  der  Vertreter 
zweier  verschiedener  Typen,  Arthropoden  und  Vertebraten,  zu 
Zwischenwirthen  besitzt.  In  der  Leber  der  genannten  Fische 
trifft  man  zu  jeder  Jahreszeit  die  Larven  in  vollständig  ausgebildetem 
Zustande  an.  Am  meisten  ist  Phoxinus  laevis  von  ihnen  heim- 
gesucht, und  ich  habe  in  den  aus  dem  Leinefluss  stammenden  Thieren 
nicht  eins  ohne  die  Larven  getroffen. 

Wie  ich  bereits  nachgewiesen  habe,  stimmen  diese  Larven  aus 
den  Lebern  der  Fische  im  Bau  mit  denen  aus  der  Leibeshöhle  von 
Gammarus  vollständig  überein.  Nicht  nur  die  Haken,  ihre  Anzahl 
und  Gestalt,  sondern  auch  der  histologische  Bau  ist  bei  beiden 
ganz  der  gleiche. 

Das  gewöhnliche  Vorkommen  ist  nun,  dass  diese  Fische,  neben 
den  Larven  in  der  Leber,  die  geschlechtsreife  Form  des  Echino- 
rhynchus im  Darme  beherbergen.  Wie  die  Trichine,  die  als  unreife 
Larve  uud  geschlechtsreife  Form  in  ein  und  demselben  Wirthe  lebt, 
so  auch  dieser  Kratzer.  Ist  nun  auch  für  mich  jeder  Zweifel  an  der 
Identität  beider  Larvenformen,  der  aus  die  Leber  des  Fisches  und 
jeuer  aus  der  Leibeshöhle  des  Krebses,  dadurch  beseitigt,  dass  es 
mir  gelang,  aus  den  Leber-Larven  den  Debergang  in  die  geschlechts- 
reife Form  im  Darm  der  Forelle  nachzuweisen,  so  könnte  man  doch 
immer  noch  den  Einwurf  machen,  dass  es  sich  um  ein  zufälliges 
Verirren  der  Echinorhynchus  -Larven  in  die  Leber  der  Fische 
bandele.  Allein  ich  bin  jetzt  durch  weiteres  Untersuchen  der  Fische, 
Monat  für  Monat,  zu  dem  sicheren  Ergebnisse  gekommen,  dass  sich 
die  grösseren  Raubfische,  vor  allem  die  Forellen,  hauptsächlich  durch 
die  kleinen  Fische,  die  ihnen  zur  Nahrung  dienen,  mit  den  Larven 
mfiziren,  während  die  letzteren  vom  Gammarus,  der  für  sie  als 
Hauptnahrung  dient,  Eier  und  Larven  beziehen.  Wir  haben  uns  vor- 
zustellen, dass  Fische,  wie  Phoxinus  und  die  oben  genannten,  mit 
dem  Gammarus  Eier  des  Echinorhynchus  in  allen  Entwicke- 

1)  Hamann,  Die  Neinathelminthen.  Beitrage  sur  Kenntnis«  ihrer  Entwicklung, 
tores  Baues  and  ihrer  Lebensgeschichte.  Erstes  Heft:  Monographie  der  Echinorhynchen. 
J«na  1891. 


792  zsohokk«, 

lungsstadien  aus  seinem  Darme,  sowie  ausgebildete  Larven,  ans 
seiner  Leibeshöhle,  aufnehmen.  Die  Eier  wie  die  Larven  gelangen 
in  den  Fischdarm;  aber  nur  letztere  entwickeln  sieh  an  Ort  qd4 
Stelle  zu  geschlechtsreifen  Würmern,  während  aus  den  Eiern  die 
jungen  Embryonen  ausschlüpfen,  durch  die  Darmwand  hindurch  m 
die  Leibeshöhle  des  Fisches  gelangen  und  sich  endlich  in  der  Leber 
festsetzen  und  einkapseln.  So  kommt  die  Tbatsache  zu  Stande,  dass 
derselbe  Fisch  sowohl  die  geschlechtslose  Form,  wie  das  Geschlechts- 
thier  beherbergen  kann. 

Eine  Bestätigung,  dass  das  Vorkommen  in  der  Flachleber  nicht 
ein  zufälliges,  sondern  ein  normales  ist,  finde  ich  in  Folgendem. 
Das  hiesige  zoologische  Museum  besitzt  neben  der  aus  etwa  80C 
Nummern  bestehenden  Mehlis'schen  Parasitensammlung,  die  duret 
mich  vor  kurzem  aufgestellt  worden  ist,  Tagebücher  und  Manuscripte 
dieses  Forschers,  von  denen  der  grösste  Theil  aus  den  Jahren  1826 
bis  1830  stammt.  Herr  Dr.  von  Linstow,  der  diese  unedirt  ge- 
bliebenen Schriften  einer  Durchsicht  unterzog,  machte  mich  auf  eine 
kleine  beiläufige  Bemerkung  aufmerksam,  die  besagte,  dass  bereits 
Mehlis  diese  in  der  Leber  von  Phozinus  laevis  befindlichen 
Echinorhynch us -Larven  aufgefallen  waren,  zumal  sie  stets  in 
mehreren  Exemplaren,  ich  fand  bis  20,  auftreten.  Es  ist  diese 
Mehlis'sche  Bemerkung  deshalb  von  Wichtigkeit,  weil  sie  das  Er- 
gebniss  meiner  dreijährigen  Beobachtungen  in  schöner  Weise  bestätigt 
Das  Vorkommen  der  Larven  in  der  Fischleber,  das  zu  so  verschie- 
denen Zeiten  beobachtet  worden  ist,  ist  somit  nicht  ein  zufälliges, 
sondern  es  gehört  der  kleinere  Fisch,  als  Zwischenwirth  und  Nahrung 
für  den  Raubfisch,  in  den  normalen  Entwickelungskreis  des  Echino- 
rhynchus  proteus.  Dabei  ist  es  nicht  ausgeschlossen,  dass  die 
Raubfische  sich  ausserdem  durch  Verzehren  der  Krebse  auch  auf 
diese  zweite  Weise  mit  Würmern  infiziren. 

Göttingen,  30.  Oktober  1891. 


Die  Parasitenfauna  von  Trutta  salar. 

Von 

Prof.  Dr.  F.  Zsehokke 

in 

Basel. 

(Fortsetzung.) 

Stellen  wir  dem  Bilde  der  Parasitenfauna  aus  dem  Rheinlachse 
nunmehr  dasjenige  des  Helminthenbestandes  von  im  Meere  erbeuteten 
Exemplaren  der  Trutta  salar  entgegen.  Aus  der  Ostsee  konnten 
34  Lachse  untersucht  werden.  Es  waren  alles  wohlgenährte,  fette 
Individuen,  deren  Magen  oft  noch  mehr  oder  weniger  kenntliche  Reste 
mariner  Fische,  speziell  von  H&ringen,  enthielt.  Einmal  fanden  sich 
auch  Spuren  eines  Insekts. 

Sämmtliche  Ostseelachse  waren  Parasitenträger.  Folgende 
Schmarotzer  bewohnten  ihre  verschiedenen  Organe: 


Die  Parasiten faana*  ron  Trntta  salar. 


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794  2sobokke, 

Der  Reichthum  der  Ostseelachse  an  verschiedenen  Parasiten  ist 
ein  recht  bedeutender ;  er  übertrifft  denjenigen  der  Rheinlachse.  Beim 
Bewohner  des  Baltischen  Meeres  kommt  eine  Schmarotzerart  je  auf 
2,8  untersuchte  Exemplare  des  Fisches,  beim  Rheinsalm  erst  auf  6,45. 
Den  Lachsen  beider  Lokalitäten  sind  gemeinsam  7  Schmarotzer- 
formen, davon  beherbergt  der  Ostseefisch  bedeutend  häufiger  5 
(Ascaris  adunca,  Ascaris  communis,  Echinorhynchu* 
acus,  Bothriocephalus  infundibuliformis  und  Bothrio- 
cephaluslarve  spec.  II).  Distomum  varicum  ist  im  Rheine 
etwas,  Ascaris  capsularis  sehr  viel  häufiger,  als  in  der  Ostsee. 
Im  Rheinsalm  fanden  sich  nicht:  Ascaris  Aculeati,  Echioo- 
rhynchus  pachysomus,  Distomum  appendiculatum  und 
die  Larven  von  Bothriocephalus  spec.  IIL  und  Triaeno- 
phorus  nodulosus.  Echinorhynchus  pachysomus  ist 
ausser  im  Ostseelachs  bis  jetzt  nur  noch  in  schottischen  Exemplaren 
von  Trutta  salar  gefunden  worden.  (Siehe  M'Intosh.)  Die 
Individuenvertretung  der  einzelnen  Schmarotzerarten  in  der  Trutta 
salar  der  Ostsee  ist  oft  eine  recht  bedeutende,  und  zwar  sind  e> 
wiederum  die  häufigen  Parasiten,  die  auch  die  zahlreichsten  Indivi- 
duen stellen. 

Immer  zahlreich,  oft  in  gewaltiger  Menge,  befällt  der  Bothrio- 
cephalus  infundibuliformis  den  Ostseelachs.  Wiederholt 
wurden  in  den  prall  aufgetriebenen  Pyloranhängen  150 — 200  ausge- 
wachsene Exemplare  des  Wurmes  gefunden.  Auch  jüngere  und  jüngste 
Stadien  desselben  waren  oft  massenhaft  vertreten.  Solche  Massen- 
infektionen  blieben  uns  für  den  Rheinlachs  unbekannt  Dagegen  war 
Ascaris  capsularis  nicht  nur  der  Häufigkeit  des  Vorkommens 
nach,  sondern  auch  an  Zahl  der  gefundenen  Individuen  viel  seltener 
im  Ostseelachs,  als  in  dem  vom  Rheine.  Distomum  varicum 
zeigte  sich  immer  zahlreich,  oft  sogar  massenhaft.  In  mehreren  bis 
vielen  Exemplaren  bewohnten  den  Ostseelachs :  Distomum  appen- 
diculatum, Ascaris  adunca,  Ascaris  communis,  Echino- 
rhynchus acus  und  die  zwei  Bothriocephalenlarven;  in 
seltenen  oder  nur  einzelnen  Individuen  fanden  sich:  Ascaris  Acu- 
leati, Echinorhynchus  pachysomus  und  Triaenophoros 
nodulosus.  Auch  der  Ostseelachs  kann  gleichzeitig  mehrere  Para- 
sitenarten beherbergen. 

Von  34  untersuchten  Exemplaren  trugen :  keine  Parasiten  0,  eioe 
Parasitenart  17,  zwei  Parasitenarten  8,  drei  Arten  6,  vier  Arten  3  Fische. 

Mit  den  bezüglichen  Verhältnissen  beim  Rheinlachse  verglichen, 
ergibt  sich  folgendes  Bild: 

Parasitenfrei:  Infizirt  mit:  Parasiten: 

12  8  4  5  Spesies 

Rheinlachs:  8,1%  «2,6  %    82,5  0/0     16,5  0/0  4,6  °/0  0,77% 

Ostseelachs:  0      „  50      „     28,5  „      17,6    „  8,8    „  0        „ 

Aus  Allem  geht  hervor,  dass  die  Parasitenfauna  des  Ostsee- 
lachses reicher  ist  an  Arten,  als  die  'des  Rheinlachses,  und  dass  die 
sie  zusammensetzenden  Formen  im  Allgemeinen  häufiger  und  an  In- 
dividuen reicher  sich  einstellen.  Das  gleichzeitige  Auftreten  zahl- 
reicher Parasitenspezies  in  ein  und  demselben  Wirth  ist  beim  Meer- 


Die  PmrmaiUnfanna  Ton  TiutU  Mlar.  795 

lachse  gewöhnlicher  zu  verzeichnen.  Diese  Verhältnisse  würden  natür- 
lich besonders  klar  hervortreten  beim  Vergleiche  von  Meerlachsen  mit 
den  parasitenarmen  Individuen  aus  dem  Oberlaufe  des  Rheins.  Alles 
deutet  auf  eine  reichliche  und  ununterbrochene  Nahrungsaufnahme 
des  Ostseebewohners  im  Gegensatze  zum  Rheinfische  hin. 

Darauf  weist  auch  der  Umstand,  dass  beim  Lachs  der  Ostsee 
die  hinter  dem  Pylor  liegenden  Abschnitte  des  Darmrohrs  von  Wür- 
mern besetzt  sind,  während  sie  beim  Rheinlachs,  wie  bei  einem  hun- 
gernden Meerfische,  parasitenfrei  bleiben.  Die  Ascaris  adunca, 
in  der  Trutta  salar  des  Rheins  nur  im  Oesophag  gefunden,  be- 
völkerte den  hinteren  Darmtheil  des  Ostseefisches;  dort  fand  sich 
auch  der  Echinorhynchus  pachysomus.  Sogar  der  sonst  so 
streng  auf  die  Pyloranhänge  beschränkte  Bothriocephalus  in- 
fundibuliformis  setzt  sich  im  Ostseelachse,  besonders  in  Fällen 
reichlicher  Infektion,  hin  und  wieder  unterhalb  des  pylorischen 
Theils  an  der  Darm  wand  fest,  ein  Verhalten,  das  auch  Braun  (2) 
für  die  Bothriocephalen  der  Ostseelachse  kennt.  Sein  so  über- 
aus massenhaftes  und  regelmässiges  Vorkommen  in  den  Meersalmen, 
im  Gegensatz  zu  den  Rheinlachsen,  weist  übrigens  vielleicht  darauf 
hin,  dass  B.  infundibuliformis  ursprünglich  eine  marine  Form 
war,  die,  von  den  wandernden  Salmoniden  ins  Süsswasser  verschleppt, 
dort  günstige  Lebensbedingungen,  einen  passenden  Zwischenwirth 
and  in  den  nicht  wandernden  Salmoniden  die  gewünschten  Haupt- 
wirthe  fand. 

Die  Gegenwart  von  eigentlichen  Darmschmarotzern  im  Ostsee- 
lachse deutet  wieder  auf  seine  reichliche  Nahrungsaufnahme,  die   es 
wohl  ermöglicht,  dass  die  abgehenden  Parasiten  stets  durch  neue  Zu- 
fahr ersetzt  werden.    Doch  ist  die  Thatsache  bezeichnend,  dass  der 
Ostseelachs  unter  den  Darmparasiten  keine  richtigen  Süsswasserformen 
zählt.    Diese  liegen,  wie  Ascaris  Aculeati  und  Triaenopho- 
rus  nodu.losus,   eingekapselt  in   parenchymatösen  Organen   oder 
bergen   sich,   wieCucullanus   elegans,   in  den  Pyloranhängen. 
Süsswasserparasiten,   die   das  Verdauungsrohr   unterhalb  des  Pylors 
bewohnen,   gehen   im  Meer   wohl   ebenso  gut  verloren,   als   marine 
Dannschmarotzer  im  Rheine  und,  wie  wir  sehen   werden,  im  Tay. 
Die  Darmbewohner  des  Ostseelachses  sind  für  Trutta  salar  typische 
Formen  oder  Wanderfischparasiten  von  im  ganzen  marinem  Gepräge. 
Gerade  dieJAbwesenheit  von  Süsswasserschmarotzern  im  Darme  des 
Ostseelachses  spricht  für  die  Annahme,  dass  die  Infektion  mit  Gucul- 
lanus,  Triaenophor us   und  Ascaris  Aculeati   wirklich  in 
den  Flüssen  stattgefunden  hat.    Es  wäre  ja  denkbar,  dass  im  Bal- 
tischen Meer,  das  wenigstens  in  gewissen  Theilen  manche  Süsswasser- 
elemente  in  seiner  Fauna   zählt,   der  Lachs   sich  mit  Parasiten  des 
nicht  salzigen  Wassers  behaften  könnte.    Wäre  dies  aber  wirklich  der 
Fall,  so  dürften  wir  wohl  erwarten,  hin  und  wieder  einen  Süsswasser- 
parasiten  im   offenen  Darmrohr  zu  finden,    wie  wir  dies  z.  B.  im 
Lachs  des  Tay  konstatiren   werden.    Die  in  den  Flüssen  stattfin- 
dende Infektion  deutet  aber  auf  eine  Nahrungsaufnahme  im  süssen 
Wasser  hin. 

Mit  vielerlei>Parasiten  reich  beladen,  tritt  der  Lachs  seine  Reise 


796  Zsehokke, 

ins  süsse  Wasser  an,  das  zeigt  uns  der  parasitologische  Befund  der 
Ostseelachse  ebenso  gut,  als  der  der  im  untersten  holländischem 
Rheinlaufe  erbeuteten  Individuen.  Während  aber  die  Pansitenfanu 
des  Rheinlachses  in  dem  Masse  verarmt,  als  der  Fisch  in  die  höheren 
Theile  des  Stromlaufs  gelangt,  bereichert  sich  diejenige  der  viele 
andere  Flüsse  besuchenden  Lachse  um  zahlreiche  Süsswasserelememe 
Wir  werden  dies  zu  zeigen  haben  und  das  sonderbare  Verhältnis* 
nur  durch  die  Gewohnheit  des  Rheinlachses  erklären  können,  im 
Flusse  zu  fasten,  während  seine  Verwandten  in  anderen  Strömen  die 
Nahrungsaufnahme  nicht  einstellen.  Ins  Heer  zurückgekehrt,  verliert 
der  Ostseelachs  die  das  offene  Dannrohr  unterhalb  des  Pylors  be- 
wohnenden Sü8swa&serparasiten,  behält  dagegen  diejenigen  in  den 
Flüssen  erworbenen  Gäste,  die  geschützte  und  geschlossene  Organe 
besiedeln. 

Die  Saisonvertheilung  der  Parasiten  im  Ostseelachse  scheißt 
keine  regelmässigen  Schwankungen  erkennen  zu  lassen.  Allerdings 
ist  das  untersuchte  Material  etwas  zu  spärlich,  um  diese  Verhältnisse 
definitiv  zu  beurtheilen,  und  lagen  speziell  in  den  eigentlichen  Winter- 
monaten (Dezember  bis  Februar)  keinp  Lachse  aus  jener  Gegend  zur 
Prüfung  vor.  Doch  darf  bemerkt  werden,  dass  die  Parasitenfiinde 
sich  ohne  bestimmte  Regel  über  die  ganze  Untersuchungsperiode  ver- 
teilten und  reiche  mit  weniger  reichen  Ernten  ohne  erkennbaren 
Plan  wechselten.  Ein  allgemeines  Gesetz  scheint  hier  nicht  zu  existiren, 
alle  Schwankungen  im  Parasitenstande  sind  durch  individuelle  Verhält- 
nisse bestimmt.  Die  Ernährungsweise  des  Ostseelachses  geht  offen- 
bar während  des  ganzen  Jahres  keine  grossen  Veränderungen  eis. 
Bothriocephalus  infundibuliformis  bewohnt  unseren  Fisch 
in  allen  Monaten  in  derselben  Häufigkeit  und  Massenhaftigkeit  Es 
waren  von  ihm  infizirt  im: 

März:  100 °/o  August:        100  0/o 

April:  100  „  September:  100  „ 

Mai:     100  „  Oktober:      100  „ 

Juni:     87  „  November:   100  „ 

Juli:      71  M 
der  untersuchten  Fische. 

Prüfen  wir  nun  wiederum  die  Herkunft  der  verschiedenen  Be- 
standteile der  Parasitenwelt  des  Ostseelachses,  wie  das  für  den 
Rheinlachs  geschehen  ist.  Zu  den  12  selbst  nachgewiesenen  Parasiten- 
arten gesellen  wir  als  13.  und  14.  noch  den  Cucullanus  elegans 
Zed.  und  das  Distomum  ocreatum  Rud.  Den  ersteren  ver- 
zeichnet Greplin  (4),  das  letztere  Olsson  (32)  aus  Lachsen  des 
Baltischen  Meeres.  In  eine  Tabelle  gebracht  (s.  Seite  797)  stellen 
sich  die  Verhältnisse  dar  wie  folgt: 

Ein  Blick  auf  die  nebenstehende  Uebersicht  genügt,  um  uns  zu 
zeigen,  dass  die  Parasitenfauna  des  Ostseelachses  aus  viel  bunteren 
Elementen  zusammengesetzt  ist,  als  die  des  Rheinlachses.  Sie  ent- 
hält 3  für  Trutta  salar  typische  Gestalten  —  darunter  eine 
nur  im  Ostseelachs  gefundene  Bothriocephaluslarve  —  einen 
Schmarotzer,  der  sonst  nur  noch  in  Wanderfischen  vorkommt,  je  2 


Dia  ParuiUofknna  von  TrntU  ular.  797 

Tabelle  V. 

Findet  sich  in  wie  viel  Spezies  von 
Name  des  Parasiten.  Wanderfischen?  Meerfischen?  Sasswasserfischen? 

L.  Ascaris  adunca  Bad., 4  0  0 

\.  Ascaris  capsnlaris  Dies.,  ....  3  24  1 

L  Ascaris  commanis  Dies.,  ....  1  13  0 

,.  Ascaris  Aculeati  von  Linst.,      .     .  2  0  3 

>.  Cacnllanas  elegans  Zed., .     ...  4  1  11 

>.  Echinorhynchas  ac*s  Bad.,        .     .  1  16  1 
1.  Echinorhynchas   pachysomas 

Crepl., 1  0  0 

J.  Distommn  varicum  Zed.,  ....  8  16  2 

9.  Distommn      appendicalatam    Bad.,  8  40  6 

}.  Distommn  ocreatam  Bad.,     ...  8  5  0 

1.  Bothriocephalns     infandibaliformis 

Rad., 2  0  8 

2.  Bothriocephalas    spec.    II    flarva).  1  o  0 

3.  Bothriocephalas   spec.   III   (larva).  10  0 

4.  Triaenophorva     nodalosos       Bad. 

(larva) 2  3  15 

eine  Meer-  and  SQsswasserformen  and  6  in  beiden  Medien  aufge- 
ladene Arten.  So  ist  sie  sehr  gleichmässig  aas  den  verschiedenen 
nöglichen  Elementen  gemischt  and  schliesst  sich  etwa  an  die  für 
rodere  Wanderfische,  besonders  Aal  und  Stint,  festgestellten  Ver- 
hältnisse an.  Die  reinen  Meerparasiten  sind  auf  2  im  Lachs  zudem 
nicht  häufig  zu  findende  Arten  —  Distomum  ocreatum  und 
Ascari  s  commanis  —  zurückgegangen,  im  Gegensatze  zum  Rhein- 
lachs,  der  8  marine  Formen  aufweist  Ascaris  capsularis, 
der  Gast  so  zahlreicher  Meerfische,  erscheint  viel  seltener  und  weniger 
massenhaft.  Ein  reines  Süss  wasserelemen  t ,  Ascaris  Aeuleati, 
tritt  wiederholt  auf.  Daneben  spielt  der  Salmonidenparasit  Bo- 
thriocephalus  infundibuliformis  eine  Hauptrolle.  Auf  der 
einen  Seite  treffen  wir  allerdings  die  stark  marinen  Echinorhyn- 
chus  acus,  Distomum  varicum  und  D.  appendiculatum, 
doch  wird  ihre  Gegenwart  vollkommen  aufgehoben  durch  die  von 
Cucullanuß  elegans  und  Triaenophorus  nodulosus. 
Ereterer  ist  ein  ganz  typischer,  sehr  häufiger  Süsswasserschmarotzer, 
der  nur  in  einem,  zudem  nicht  genügend  verborgten  Falle  in  einem 
Meerfische  gefunden  worden  ist.  Ebenso  gehört  der  Triaenophorus 
nodulosus  in  den  Süsswasserfischen  zu  den  gewöhnlichsten,  in  den 
Meerfischen  zu  den  seltensten  Vorkommnissen.  Die  3  für  den  Ost- 
seelachs typischen  Parasiten,  2  Bothriocephalen -Larven  und 
Echinorhynchus  paehysomus,  sowie  der  Wanderfischbewohner 
Ascaris  adunca  können  mit  Sicherheit  weder  der  Meer-  noch 
der  Süsswasserfauna  definitiv  zugetheilt  werden. 

Sehr  auffallend  ist  der  Umstand,  dass  die  rein  marinen  Tetra - 
rhynchen  im  Rheinlachs  häufig  gefunden  werden,  in  den  Ostsee- 
lachsen dagegen  noch  nicht  nachgewiesen  werden  konnten.  Vielleicht 
fehlt  es  diesen  Larven  von  Rhynchobothrien  im  Baltischen  Meere 
an  den  nöthigen  Hauptwirthen ,  in  denen  sie  sich  zur  geschlechts- 
reifen  Bandwurmform  weiterentwickeln  könnten. 

Berücksichtigen  wir  die  gesammelten  Thatsachen,  so  sind  wir 
zur  Aufstellung  des  Satzes  berechtigt,  dass  der  Rheinlachs  eine  fast 


798  Zschokke, 

rein  marine  Schmarotzerwelt  beherbergt,  der  Ostseelachs  dagegen 
viele  Süsswabserelemente  als  parasitirende  Gäste  zählt  Man  ist  un- 
willkürlich versucht,  dieses  merkwürdige  Verhalten  dadurch  zu  er- 
klären, dass  der  Ostseelachs  auch  im  Flusse  Nahrung  aufnimmt ,  wie 
dies  ja  nach  der  brieflichen  Mittheilung  von  Nordquist  in  manches 
Flössen  Finlands  der  Fall  sein  soll,  und  in  Folge  dessen  mit  einer 
um  viele  SQsswasserformen  bereicherten  Parasitenwelt  ins  Meer 
zurückkehrt.  Wieder  wäre  der  Schmarotzerbestand  das  treue  Spiegel- 
bild  der  Lebensweise  des  Wirthes. 


Ueber  die  Parasitenbevölkerung  der  Lachse  aus  dem  Tayfluss  in 
Schottland  besitzen  wir  eine  Anzahl  Angaben  von  M'Intosh  (29), 
der  im  Februar  bis  September  über  hundert  Lachse  und  Salmlinge 
untersuchte,  um  sich  ein  Urtheil  über  die  Ernährungsverhältnisse 
dieser  Fische  im  Süsswasser  zu  bilden.  Im  Darmkanal  der  ganz 
jungen  Salme,  die  das  Meer  noch  nicht  bezogen  hatten,  fand 
M'Intosh,  auf  dessen  Arbeit  Prof.  M.  Braun  die  Gate  hatte  mich 
aufmerksam  zu  machen,  in  grösster  Menge  Käfer,  Fliegen,  Insekten- 
larven und  kleine  Crustaceen.  Der  Magen  der  aus  dem  Meere  zurück- 
kehrenden Lachse  enthielt  den  bekannten  zähen,  gelben  Schleim. 
Zehn  Mal  fanden  sich  Skelettstücke,  oft  in  grosser  Zahl  und  Stärke, 
die  Stinten  und  noch  grösseren  Fischen  anzugehören  schienen.  Auch 
Fragmente  kleiner  Süsswassercrustaceen,  ein  oder  zweimal  Fragment« 
von  Krabben,  und  ein  Stück  Insektenhaut  wurden  getroffen.  Der 
Darm  enthielt  häufiger,  als  der  Magen  Ueberreste  von  Knochen  und 
resistenten  Gewebetheilen,  Crustacöcnreste,  Diatomeen,  Sandpartikel, 
einmal  Bruchstücke  eines  Insekts  u.  s.  w. 

Wie  schon  einleitend  bemerkt  wurde,  zieht  M'Intosh  ans  diesen 
Funden  den  Schluss,  dass  die  Lachse  im  Süsswasser  nicht  gänzlich 
fasten,  sondern,  wenn  auch  selten  und  in  grossen  Zwischenräumen, 
Nahrung  aufnehmen. 

Wie  verhalten  sich  die  parasitologischen  Befunde  des  genannten 
Autors  zu  dieser  seiner  Annahme?  Es  ist  das  ein  Punkt,  den 
M'Intosh  nicht  genügend  durchgeführt  hat.  Soweit  seine  Angaben 
brauchbar  sind,  sollen  sie  hier  weiter  verwerthet  werden. 

Nur  seltene  Exemplare  der  untersuchten  Lachse  waren  voll- 
kommen parasitenfrei,  viele  zeigten  eine  massenhafte  Infektion.  Selten 
oder  nie  fehlte  im  Schleim  des  Duodenum  und  der  Pyloranhänge  ein 
kleines  gregarinenhaftes  Wesen,  das  M'Intosh  als  junges  Entwicke- 
lungsstadium  eines  höheren  Parasiten  ansieht. 

Vergleicht  man  Zeichnung  und  Beschreibung  dieses  Parasiten 
mit  den  Angaben  von  v.  Linstow  (25),  so  gelangt  man  sofort  zur 
Ueberzeugung ,  dass  M'Intosh  das  später  von  v.  Linstow  unter 
dem  Namen  Tetrabothrium  minimum  beschriebene  Gebilde 
sah,  ohne  es  richtig  zu  deuten.  Im  grösseren  Theil  der  untersuchten 
Fische  beherbergte  der  Magen  Distomum  varicum  CrepL,  in 
2 — 30  Exemplaren.  Ein  nicht  näher  bestimmtes  Distomum  fand 
sich  einst  im  Duodenum,   D.  tereticolle  Rud.  einmal  im  Darm. 

Ausserdem  verzeichnet  M'Intosh  Tetrarhynchus  macro- 


Die  Parasitenfaina  ron  Tratte  salar. 


799 


>othriu8  v.  Sieb,  aas  der  Magenwandung,  Tetrarhynchus 
ipec.  aus  dem  Rectum,  Echinorhynchus  pachysomus 
3repl.  aus  dem  Darm,  E.  proteus  Westrumb  aus  dem  Dünn- 
larm,  Bo th riocephalus  infundibuliformis  Rud.  in  Duo- 
lenum  und  Pyloranhängen.  Letztere  Art  fehlte  nur  in  wenigen  Fischen 
md  stellte  sich  meistens  in  sehr  zahlreichen  und  grossen  Exemplaren 
iin.  Ad  den  verschiedensten  Organen  eingekapselt  ruhten  fast  immer 
zahlreiche  Individuen  von  Ascaris  capsularis  Dies.  Auch 
indere,  nicht  näher  bestimmte  Ascariden  wurden  gesehen. 

Versuchen  wir  mit  diesem  Material  eine  Tabelle  zu  entwerfen, 
so  erhalten  wir  Folgendes. 

In  mehr  als  hundert  Lachsen  aus  dem ^ Tay  fanden  sich: 

Tabelle  VI. 


Name  des  Parasiten: 


Bewohnte  Organe: 


Häufigkeit  des 
Vorkommens : 


a)  Nematoden. 

1-  Ascaris     (Agamonema)    capsalaris 
Dies. 


b)  Acan  thocephalen. 

2.  Echinorhynchus  proteus  Westrumb. 

3.  Echinorhynchus  pachysomus  Crepl. 

c)  Trematode  n. 

4.  Distomum  varicum  CrepL 

5.  Distomum  tereticolle  Rud. 

6.  Distomum  spec. 

d)  Cestoden. 

7.  Bothriocephalus      infundibuliformis 
Rud. 

8.  Tetrabothrium   minimum   ▼.  Linst. 

S.  Tetrarhynchus    macrobothrius    r. 

Sieb. 
10.  Tetrarhynchus  spec 


Eingekapselt  an  und  in 
Leber,  Gallenblase,  Wan- 
dung d.  Verdauungstrak- 
tos,  Peritoneum. 


Dünndarm. 
Darm. 


Magen. 
Parm. 
Duodenum. 


Pyloranh&nge. 


Darm,  hauptsächlich  Pylor- 
anbange. 

Eingekapselt  in  Magen- 
wand. 

Rectum. 


In  weitaus  den 
meisten  Fäl- 
len. 


«mal. 
Imal. 


Ind.meistFäUen. 

Imal. 

Imal. 


Grosse  Mehrsahl 

der  Fälle. 
Fast  immer. 

Imal. 

Imal. 


Soweit  die  hier  gruppirten  Angaben  von  M'lntosh  es  erkennen 
lassen,  scheint  auch  die  Parasitenwelt  der  schottischen  Lachse  eine 
an  Arten  und  Individuen  reiche  zu  sein.  Besonders  häufig  und 
massenhaft  sind  die  3  überall  in  Trutta  salar  verbreiteten  Formen: 
Ascaris  capsularis,  Distomum  varicum  und  Bothrio- 
cephalus infundibuliformis.  Der  Reichthum  an  Bothrio- 
cephalus erinnert  an  die  Verhältnisse  beim  Ostseelachs,  die 
massenhafte  Besetzung  mit  Ascaris  capsularis  an  ähnliche 
Vorkommnisse  im  Rheinlachs.  Distomum  varicum  ist  im  Tay 
häufiger,  als  in  Ostsee  und  Rhein.  Sehr  verbreitet  tritt  die  Form 
Tetrabothrium  minimum  auf,  die  wir  bis  jetzt  nicht  zu  ver- 
zeichnen hatten.  Hit  dem  Ostseelachse  theilt  der  vom  Tay  den 
Echinorhynchus  pachysomus,  mit  dem  vom  Rheine  Tetra- 


800  Zsehokke,  Die  Parasitenfaiina  ron  Tratte  salar. 

rhynchus  macrobothrius  und  Echinorhynchus  proteus. 
Letztere  Art  ist  indessen  im  Rheinlachs  als  im  Peritoneum  eingekap- 
selte Larve,  im  Taylachs  als  geschlechtsreifer  Darmschmarotzer  auf- 
gefunden worden.  Distomum  tereticolle  fehlt  den  Lachsen 
anderer  Lokalitäten;  über  die  Verbreitung  und  die  Natur  von 
Distomum  spec.  und  Tetrarhynchus  spec.  sind,  wir  unge- 
nügend aufgeklärt.  So  vereinigt  der  schottische  Lachs  Elemente  der 
Parasitenfauna  seiner  Verwandten  vom  Rhein  und  aus  der  Ostsee. 
3  Formen  sind  ihm  speziell  eigen,  doch  neigt  er  sich  in  parasito- 
logischer  Beziehung  mehr  zum  Rheinlachse.  Das  spricht  sich  beson- 
ders klar  aus  in  dem  Auftreten  von  Tetrar hync he n,  Formen,  die 
ja  der  Trutta  salar  aus  dem  Baltischen  Meere  ganz  fehlen.  Es 
mag  hier  passend  daran  erinnert  werden,  dass  Tetrarhynchos 
solidus  Drummond  und  Tetrarhynchus  grossus  Rad.  von 
Drummond  (10)  und  Bellingham  (1)  in  irischen  Lachsen 
unter  ähnlichen  Umständen  wie  von  mir  im  Rheinlachs  wiederholt 
gefunden  worden  sind.  Fast  sämmtliche  Tetrarhynchen  des 
Rheinlachses  sind  also  auch  für  Trutta  salar  aus  Großbritannien 
bekannt 

Ist  die  Zusammensetzung  der  Parasitenfauna  der  Lachse  vom 
Rhein  und  Tay  eine  sehr  ähnliche,  so  liegt  ein  scharfer  Unterschied 
darin,  dass  beim  schottischen  lisch  der  Darm  unterhalb  des  Pylors 
stark  bevölkert  ist  6  von  10  Schmarotzern  leben  dort,  während 
dieser  Abschnitt  des  Verdauungsrohrs  bei  den  Rheinlachsen  ganz  un- 
besetzt bleibt.  Auch  hier  wird  durch  diesen  Befund  die  Annahme 
einer  ununterbrochenen  Nahrungsaufnahme  wahrscheinlich  gemacht 
Ueber  die  Saisonvertheilung  der  Schmarotzer  im  schottischen  Süss- 
wasserlachs  lässt  sich  leider  nichts  ermitteln;  dagegen  können  wir 
wieder  eine  Gruppirung  der  Helminthen  nach  ihrer  Herkunft  vor- 
nehmen. 

Tabelle  VH. 

Findet  sieh  in  wie  viel  Spezies  ron 
Name  des  Parasiten:  Wanderfischen?  Meerfischen?  Süßwasserfischen? 

1.  Asearis  capsularis  Dies.  8  24  1 

2.  Echinorhynchus  proteus  Westmmh.  6  11  29 
8.  Echinorhynchus  pachysomus  Crepl.             10  0 

4.  Distomum  varicum  Crepl.  8                        16  * 

5.  Distomum  tereticolle  Bad.  2                          0  10 

6.  Distomum  spec.  10  0 

7.  Bothriocephalas     infundihuliformis 

Bad.  2  0  8 

8.  Tetrabothrium  minimnm  von  Linst.  10  0 

9.  Tetrarhynchus   macrobothrius   von 

Sieb.  1  8  0 

10.  Tetrarhynchus  spec  10  0 

Abgesehen  von  4  nur  in  Trutta  salar  vorkommenden  Wür- 
mern und  dem  bekannten  Salmonidenschmarotzer  Bothriocepha- 
lus  infundihuliformis  gibt  der  schottische  Flusslachs  einer 
reinen  Meerform  und  2  fast  ausschliesslich  marinen  Parasiten  — 
Asearis  capsularis  und  Distomum  varicum  —  Nahrung 
und  Wohnung.  2  der  speziellen  Lachsparasiten  mindestens  tragen 
rein     marinen    Charakter    (Tetrabothrium     minimum     und 


Gährung.  gOl 

Tetrarhynchusspec).  So  schleppt  denn  der  Lachs  zahlreiche 
Meerschmarotzer  in  den  Tay.  Mindestens  50°/0  seiner  Gäste  im 
Süsswa88er  sind  rein  marinen  Ursprungs.  Zu  ihnen  gehören  die  am 
häufigsten  und  massenhaftesten  im  schottischen  Lachs  gefundenen 
Würmer.  Bezeichnend  ist  der  Umstand,  dass  von  diesen  Meerformen 
2  eingekapselt  im  Lachs  liegen,  eine  nur  Schlund  und  Magen  be- 
wohnt, eine  weitere  hauptsächlich  in  den  Pyloranhängen  gefunden 
wird,  und  dass  der  Darm  unterhalb  des  pylorischen  Theiles  nur  einmal 
einen  Meerparasiten,  einen  Tetrarhynchus,  barg.  Wahrscheinlich 
fiel  diese  eine  Cestodenlarve  aus  einer  Cyste  der  Darmwandung  in 
das  Lumen  des  Rectum.  Alle  diese  Verhältnisse  erinnern  lebhaft 
an  das  für  den  Rheinlachs  Besprochene.  Die  Darmschmarotzer  des 
Taylachses  sind  der  grossen  Mehrzahl  nach  nicht  Meer-,  sondern 
Süsswasser-  oder  für  den  Lachs  typische  Formen. 

(Schlius  folgt.) 


Referate. 


Koch,  Alfred,  Jahresbericht  über  die  Fortschritte  in 
der  Lehre  von  den  Gährungs-Organismen.  Jahr- 
gang I.  1890.  8°.  190  p.  Braunschweig  (Harald  Bruhn)  1891. 
Wenn  ein  neues  referirendes  Organ  in  unserer  mit  diesen  Ar- 
tikeln so  reichlich  gesegneten  Zeit  zum  ersten  Male  auf  der  Bildfläche 
erscheint,  dann  muss  die  nächste  Frage  die  nach  seiner  Existenzbe- 
rechtigung sein.  Diese  Bedürfnissfrage  ist  im  vorliegenden  Falle 
unbedingt  zu  bejahen  und  dies  um  so  mehr,  als  es  sich  hier  zumeist 
um  Fragen  handelt,  die  sich  theils  auf  den  Grenzgebieten  zweier 
oder  gar  dreier  Wissenschaften,  Botanik,  Chemie  und  Medizin,  be- 
wegen, theils  vorwiegend  der  Gährungsprazis  im  weitesten  Sinne  an- 
gehören und  dabei  Dinge  pflegen,  die  referirende  Blätter  der  einzelnen 
Wissenschaften  doch  immer  nur  stiefmütterlich  und  unvollkommen 
behandeln.  Dazu  kommt  noch  als  weiteres  sehr  wesentliches  Moment, 
dass  die  zum  Theil  recht  wichtige  Originallitteratur  in  all  den  Hopfen-, 
Brauer-  und  Brennerzeitungen  auch  dem  sich  für  solche  Fragen  in- 
teressirenden  Chemiker,  Botaniker  oder  Mediziner  der  Natur  der 
Sache  nach  in  vielen  Fällen  so  gut  wie  unzugänglich  bleibt  oder  nicht 
einmal  dem  Namen  nach  bekannt  wird.  Der  neue  Jahresbericht  schliesst 
sich  in  Einrichtung  und  Ausstattung  genau  dem  Bau  mg  arten' sehen 
Jahresbericht  an,  als  dessen  Ergänzung  er  betrachtet  werden  will 
und  kann.  Die  Inhaltsübersicht  zeigt,  dass  der  Stoff  dem  der  Kürze 
halber  gewählten  Ausdruck:  Gährungsorganismen  nicht  streng  ent- 
sprechend abgegrenzt  wurde,  was  jedenfalls  aus  praktischen  Gründen 
geschah  und  nur  zu  billigen  ist,  da  der  Jahresbericht  für  so  ver- 
schiedene Interessentenkreise  bestimmt  ist:  „auch  die  Fragestellung 
der  Untersuchungen  über  pathogene  Organismen  kann  nur  gewinnen, 
Bd.  x  61 


802  Glhrttng.  —  Infektion  bei  Geisteskranken. 

wenn  die  Mediziner  die  Ergebnisse  der  Forschungen  auf  dem  Gebiete 
der  Morphologie  und  Physiologie  der  nicht  krankheitserregenden,  nie- 
deren Organismen  berücksichtigen",  was  der  vorliegende  Bericht  zwei- 
felsohne sehr  erleichtert.  Das  Material  ist  mit  grossem  Fleisse  zu- 
sammengetragen ,  auch  die  Arbeiten  aus  der  Praxis  sind  eingehend 
berücksichtigt. 

Was  der  Bericht  alles  bringt,  davon  gibt  die  folgende  Inhalts- 
übersicht am  klarsten  eine  Vorstellung,  wie  er  berichtet,  davon 
möge  sich  jeder  Interessent  gefälligst  selbst  überzeugen,  Ref.  bemerkt 
hier  nur,  dass  er  ihn  vorzüglich  findet. 

Der  Inhalt  gliedert  sich  in  7  Hauptabschnitte:  I.  Lehrbücher, 
zusammenfassende  Darstellungen  etc.  II.  Arbeitsver- 
fahren, Apparate  etc.  III.  Morphologie  der  Bakterien 
und  Hefen.  IV.  Allgemeine  Physiologie  der  Bakterien 
und  Hefen:  Ernährung  und  Zusammensetzung  der  Bakterien  and 
Hefen.  —  Wirkungen  der  Bakterien  und  Hefen  auf  das  Substrat  — 
Bildung  von  Varietäten.  —  Wärmeentwickelung.  —  Mittel  zur  Hem- 
mung der  Entwicklung  von  Bakterien  und  Hefen.  V.  Gährungen 
im  Besonderen:  a)  Alkoholgährung:  Zusammenfassende  Dar- 
stellungen. —  Spezielle  Physiologie  der  alkoholbildenden  Hefen.  — 
Zusammensetzung  von  Würze  im  Bier.  —  Hefereinzucht,  Verunrei- 
nigung des  Bieres  durch  andere  Organismen.  —  Fluorwasserstoff- 
verfahren  nach  Ef front.  —  Alkoholgährung  durch  den  Soorpilz.  b) 
Milchsäuregährung,  Käsegährungen  und  andere  Gäh- 
rungen in  Milch:  Bakterien  in  Milch  und  Butter;  Kefir.  Links- 
drehende  Milchsäure  produzirender  Bacillus.  —  Milchsterilisation.  — 
Käsegährungen.  c)  Harnsäuregährungen,  Nitrifikation, 
Wurzelknöllchen  der  Leguminosen,  d)  Verschiedene 
Gährungen:  Cellulosegährung ,  Essiggährung ,  Brotgährung  etc. 
VI.  Fermente:  a)  Allgemeines,  b)  Diastase,  c)  Invertin,  d)  Pepsin, 
e)  Labferment,  f)  Harnstofffermen t.  VII.  Leuchtende  Bakterien. 
—  Referirt  sind  im  Ganzen  251  Nummern.  Den  Schluss  macht  ein 
Namen-  und  ein  Sachregister. 

Zum  Schluss  möchte  der  Ref.  dem  neuen  Jahresbericht  seine 
besten  Wünsche  für  frisches  und  kräftiges  Gedeihen  mit  auf  den 
Weg  geben ;  möge  im  Allgemeinen  stets  ein  günstiger  Stern  über  ihm 
walten  und  möge  er  im  Besonderen  von  der  mit  Recht  so  gefürch- 
teten Kinderkrankheit  der  Jahresberichte,  die  leider  sich  oft  als  chro- 
nisch und  unheilbar  herausstellt,  verschont  bleiben,  vor  der  Gefahr, 
erst  einige  Jahre  post  festum  zu  erscheinen! 

L.  Klein  (Freiburg  i.  B.). 

Klippel,  Des  infections  microbiennes  secondaires  an 
cours  des  affections  mentales.  (Annales  de psychiatrie  et 
d'bvpnologie.  1891.  Mai.) 

Verf.  berichtet  über  einen  50jährigen  Gärtner,  der  seit  10  Jahren 
an  Dementia  mit  leichter  Paresie  der  linken  Körperhälfte  litt  Plötz- 
lich trat  heftiges  Fieber  ein,  Appetit  ganz  verschwunden,  ausgedehnte 
Muskelstarre  und  konvulsive  Erscheinungen.  Pat.  wird  comatös  und 
stirbt  am  3.  Tage.    Sorgfältige  Untersuchungen  erwiesen  keinerlei 


SUphyfokokkeo.  —  Cholera  noctrat.  803 

Jlcerationen  oder  Schorfe,  welche  als  Eintrittsort  der  wahrscheinlich 
tinzugekommenen  Infektion  angesehen  werden  könnten. 

Bei  der  Sektion  ergab  sich  da*  Bild  einer  weitausgedehnten 
Meningitis  purulenta  acuta,  welche  am  meisten  an  dem  Erweichungs- 
ierd,  der  Ursache  der  Dementia,  entwickelt  war.  Die  mikroskopische 
Untersuchung  des  Eiters  ergab  Pneumokokken. 

Solche  sekundäre  Infektionen  sind  bei  Geisteskrankheiten  Verf. 
rft  zur  Behandlung  gekommen.  Daher  meint  K.,  dass  die  pathogenen 
Keime,  welche  durch  den  Blutstrom  getrieben  werden,  an  den  krank- 
haften Centren  einen  locus  minoris  resistentiae  finden,  wodurch  ihre 
pathogene  Wirkung  ermöglicht  wird.      R.  Verhoogen  (Brüssel). 

Herman,  H«,  De  l'influence  de  quelques  variations  du 
terrain    organique    sur    l'action    des   microbes   pyo- 
gen es.     (Annales  de  l'Institut  Pasteur.  1891.  No.  4.  p.  243.) 
Die  Versuche  wurden  mit  dem  Staphylococcus  pyogen  es 
albus  angestellt,  der  jeden  zweiten  Tag  regelmässig  in  frische  neutrale 
Kalbsbouillon  mit  2  Proz.  Pepton  und  1  Proz.  Kochsalz  bei  37°  über- 
tragen wurde,  um  immer  gleiche  Ausgangskulturen  zu  haben.  Wieder- 
holte  Zahlungen  mit  Platten  ergaben,  dass  nach  48  Stunden  1  ccm 
dieser  Kulturen  stets  ungefähr  gleichviel,  im  Mittel  520  Millionen, 
Keime  enthielt 

Die  erlangten  Resultate  fasst  Verf.  in  folgende  Sätze  zusammen : 
1.  Mindestens  eine  halbe  Milliarde  Staphylokokken  sind  erforderlich 
(2-tägige  Bouillonkultur  bei  37°),  um  bei  Kaninchen  subkutan  einen 
Abscess  zu  erzeugen.  2.  Gewisse  chemische  Substanzen  begünstigen, 
ohne  selbst  eiterer^ugend  zusein,  die  Wirkung  des  Staph.  albus, 
z.  B.  3°/0  Carbolsäure,  wässriges  Extrakt  von  Staphylococcus- 
kulturen  und  l°/oo  Sublimat.  3.  Die  Wirkung  einer  Inokulation  von 
Staphylococcus  ist  sehr  verschieden  je  nach  dem  gewählten  In- 
fektionswege; die  einzelnen  Körpergewebe  zeigen  in  dieser  Hinsicht 
eine  sehr  verschiedenartige  Widerstandsfähigkeit.  Nach  dem  Em- 
pfänglichkeitsgrade ordnen  sich  dieselben  in  folgender  Weise:  Vorder- 
kammer des  Auges,  Gefässsystem  des  Kaninchens,  subkutanes  Zell- 
gewebe des  Hundes,  Pleura,  Meningen,  subkutanes  Zellgewebe  und 
Peritoneum  des  Kaninchens.  4.  Die  Durchtrennung  des  N.  ischia- 
äicus  begünstigt  in  den  verschiedenen  Theilen  der  betreffenden  Ex- 
tremität (Gelenke,  Knochenmark,  Schleimhaut,  Gewebe  der  Operations- 
narbe)  die*Lokalisation  der  im  Blute  zirkulirenden  Staphylokokken. 

Buchner  (München). 

Mlbert,  A.,  et  Glrode,  J.,  Gontribution  ä  l'ätude  chimique 
et   bactäriologique   du  cholära   nostras.      (Le  Bulletin 
m&L  1891.  Nr.  11.  p.  119.) 
In  der  Sitzung  der  Soci6t6  m&iicale  des  höpitaux  zu  Paris  vom 
6.  Februar  d.  J.  machten  Verff.  Mittheilung  über  4  Fälle  von  Cholera 
nostras,  die  sie  im  Höpital  Beaujon  im  August  und  September  1890 
zu  beobachten  Gelegenheit  hatten.    Drei  der  Fälle  wurden  auch  bak- 
teriologisch untersucht  und  aus  den  Stühlen  von  zweien  fast  Reinkul- 

51« 


804  Cholera  nostras.  —  Typhus. 

turen  des  Bact.  coli  commune  gewonnen.  Beim  dritten  gaben  die 
zu  verschiedenen  Zeitperioden  und  auch  nach  dem  Tode  untersuchtes 
Stühle  6  mal  Beinkulturen  de&elben  Mikroorganismus»  ebenso  wurde 
er  in  Leber-  und  Milzblut  und  im  Pleura-Exsudat  allein  vorgefunden, 
während  in  den  Kulturen  aus  dem  Lungensafte  sich  noch  ausserdem 
Kolonieen  des  Pneumococcus  und  des  Staphyl.  pyog.  aureus 
entwickelten.  Die  bei  der  Autopsie  dieses  Falles  konstatirten  patho- 
logischen Veränderungen  müssen  dem  Bact  coli  commune  zuge- 
schrieben werden  und  berechtigen  zu  dem  Schlüsse,  dass  die  Mikro- 
organismen, welche  Cholera  nostras  verursachen,  unter  gewisses 
Bedingungen  die  Darmwandungen  passiren,  die  Invasion  des  Orga- 
nismus herbeiführen  und  somit  einen  neuen  Krankheitstypus,  dk 
„Cholera  nostras  infectans", auslösen  können.  Das  Bact  coli  com- 
mune, dieser  sonst  indifferente  Darmbewohner,  kann  entweder  im 
Organismus  selbst  spezielle  biologische  und  pathogene  Eigenschaften 
annehmen,  oder  diese  Eigenschaften  sind  bereits  ausserhalb  des  Or- 
ganismus, z.  B.  im  Wasser,  acquirirt  worden.  Die  letztere  Hypothese 
steht  in  gewissem  Einklänge  mit  dem  Umstände,  dass  der  betreffende 
Patient  vor  seiner  Erkrankung  täglich  grosse  Mengen  (3  —  4  Liter) 
Seinewasser  zu  sich  genommen  hatte. 

Durch  Einführung  von  Bouillonkulturen  des  Bact  coli  com- 
mune, das  aus  den  Reiswasserstühlen  des  letzten  Kranken  stammte, 
in  den  Digestionstraktus  von  Meerschweinchen  gelang  es  ausnahms- 
los, typische  Cholera  nostras  zu  erzeugen.  Dagegen  blieben  Kulturen 
aus  normalen  Stühlen  wirkungslos.  (Eine  grössere  Anzahl  von  Tier- 
versuchen wäre  wünschenswerth  gewesen.  Ref.)  Das  choleraerzeu- 
gende Vermögen  besass  daher  nur  das  aus  Cholerastühlen  gezüchtete 
Bact.  coli  commune,  und  es  handelt  sich  demnach  bei  Cholera 
nostras  einfach  um  eine  Virulenzfrage. 

Kr  41  (Prag). 

Bantl,  (J.,  L'epideniia  di  tifo  in  Firenze  nei  suoi  rap- 
porti  con  l'acqua  potabile.  (Lo  Sperimentale.  1891.  No.  4 
p.  85.) 
Bei  der  jüngsten  Typhusepidemie  in  Florenz  gegen  das  Ende 
v.  J.  konnten  vom  Verf.  bezüglich  ihres  Ursprungs,  trotz  des  nega- 
tiven Resultates  der  bakteriologischen  Untersuchung,  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  enge  Wechselbeziehungen  zwischen  der  Epidemie 
und  dem  Trinkwasser  als  Virusträger  festgestellt  werden.  Die  Epi- 
demie trat  plötzlich  und  gleichzeitig  entlang  einer  die  Stadt  von 
Nordwest  nach  Südost  durchschneidenden  Linie  auf,  die  dem  Röhren- 
netz der  Wasserleitung  von  Montereggi  entspricht.  Die  Epidemie 
blieb  auf  diese  Zone  beschränkt,  und  erst  gegen  das  Ende  der 
Epidemie  entwickelten  sich  kleine  sekundäre  Infektionsherde  an 
anderen  Punkten.  Sie  verschonte  die  ärmsten  Stadttheile  mit  der 
dichtesten  Bevölkerung  und  befiel  dagegen  die  schönsten  Strassen 
mit  vornehmen  Privatbauten,  wenn  diese  mit  dem  Leitungswasser 
von  Montereggi  versorgt  wurden.  Reiche  Familien,  die  unter  den 
besten  hygienischen  Verhältnissen  lebten,  wurden  von  der  Krankheit 
befallen.    In  derselben  Strasse  wohnende  arme  Familien  blieben  ver- 


Gelbfieber  (SchuUimpf.)  g05 

chont,  da  sie  auf  Brunnenwasser  angewiesen  waren,  während  in  den 
errschaftlichen  Palästen  das  gut  beleumundete  Trinkwasser  von 
lontereggi  im  Gebrauche  stand.  In  Mietshäusern  mit  vielen  Fand- 
en erkrankten  jene,  welche  Leitungswasser  genossen,  und  es  blieben 
esund  diejenigen,  welche  Brunnenwasser  benützten.  Bei  mehreren 
yphusfällen  in  anderen  Stadttheilen  stellte  es  sich  heraus,  dass  die 
irkrankten  während  des  Tages  in  innerhalb  der  befallenen  Zone 
elegenen  Arbeitsstätten  beschäftigt  waren.  Die  Zahl  der  Erkrank- 
ngen  nahm  rasch  ab,  als  das  Wasser  von  Montereggi  durch  ein 
nderes  substituirt  wurde. 

Die  bakteriologische  Untersuchung  des  verdächtigen  Wassers 
onnte  erst  einige  Zeit  nach  dem  Ausbruche  der  Epidemie  erfolgen 
ind  gab  in  Bezug  auf  das  Vorhandensein  des  Typhubacillus,  wie 
foen  erwähnt,  ein  negatives  Resultat  Das  Wasser  von  Montereggi 
vird  schon  in  der  Auffanggallerie  selbst  durch  Tagwässer  verun- 
einigt und  enthält  nach  Regentagen  bis  über  2000  Keime  pro  ccm. 

Kr  41  (Prag). 

Freire,     Mittheilung    über    Bakteriologie    im    Allge- 
meinen   und   über   das  gelbe    Fieber  im  Besonderen. 
(Dtsch.  med.  Wochenschrift  1891.  No  17.) 
Die   Freire'schen  Schutzimpfungen  gegen   das  Gelbfieber  sind 
mehrfach  einer  abfälligen  Kritik  unterzogen  worden    (vergl.  z.  B.  das 
Referat  in  dieser  Zeitschrift  über  Sternberg:  Dr.  F  r  e  i  r  e  's  Protecti  ve 
inoculations,  facta  versus  figures.     Bd.  IX.  S.  805).     Man  bestritt, 
dass  der  Mikroorganismus  des  gelben  Fiebers  überhaupt  entdeckt  sei, 
und  erklärte   daher   die   Herstellung  einer  Vaccine  durch  Abschwä- 
chung  seiner  Kulturen  für  ein  Unding. 

In  einem  Vortrage  vor  dem  Verein  für  innere  Medizin  vertheidigt 
nun  Freire  seine  Entdeckung.  Er  beginnt  mit  der  Darlegung  einiger 
allgemeiner,  bei  der  bakteriologischen  Forschung  zu  beherzigender 
Gesichtspunkte,  welche  er  neu  gefunden  zu  haben  glaubt,  während 
sie  doch  wohl  schon  seit  sehr  langer  Zeit  von  den  hervorragenden 
Bakteriologen  erkannt  und  beachtet  worden  sein  dürften,  z.  B.  dass 
ein  gegen  bestimmte  Bakterienarten  immuner  Organismus  durch  ver- 
änderte S&fteverhältnisse ,  wie  erhöhte  Alkalescenz  des  Magensaftes, 
Beeinflussung  des  Blutes  durch  irgend  eine  Unmässigkeit,  plötzlich 
ein  guter  Nährboden  für  jene  Mikroorganismen  werden  kann,  und 
dass  die  physiologischen  Bedingungen,  die  pathologischen  Läsionen, 
die  klinischen  Seiten  beim  Studium  der  Bakterienkrankheiten  nicht 
*ie  bisher  gänzlich  vernachlässigt  werden  dürfen  (I). 

Dann  geht  Freire  auf  das  gelbe  Fieber  selbst  über.  Der  Mi- 
kroorganismus desselben  gedeiht  nach  dem  Berichte  des  Verf.  nur  in 
den  Tropen  (vergl.  Pett  en  kof  er,  Ueber  Gelbfieber.  Münchener  neueste 
Nachrichten.  1889.  No.  161,  165)  und  ist  unter  den  dortigen  Ver- 
bältnissen durch  den  Verf.  selbst  entdeckt  worden.  Freire  beschreibt 
ihn  als  kleinen  Goccus,  welcher  sich  bald  in  häufen-,  bald  in  ketten- 
förmiger Anordnung  (wo?  Ref.)  findet.  Er  färbt  sich  leicht  mit  den 
gebräuchlichen  Anilinfarben  und  wächst  auf  allen  Nährböden.  Im 
Agar  gedeiht  der  Impfstich  in  der  Form  eines  weissen  Nagels,  dessen 


806  Materi*.  —   Diphtherie. 

Kopf  sich  später  auf  der  Oberfläche  wie  ein  weisser  Haken,  einer 
Ceruse  ähnlich,  ausdehnt  Der  Mikroorganismus  scheidet  ein  gelbes 
und  ein  schwarzes  Pigment  ab;  beide  werden  am  deutlichsten  in 
Gelatinekulturen  sichtbar.  Das  gelbe  Pigment  ist  löslich  und  bedingt 
die  gelbe  Hautfarbe,  das  schwarze  findet  sich  im  Erbrochenen  dar 
Kranken.  Der  Verl  will  auch  Toxine  aus  seinen  Kulturen  abge- 
schieden und  mit  jenen  sowohl  wie  mit  den  Kulturen  selbst  bei 
Meerschweinchen  die  Krankheit  erzeugt  haben. 

Das  abgeschwächte  Virus  für  Schutzimpfungen  hat  der  Verl 
einfach  durch  Ueberpflanzung  der  Kulturen  in  neue  Gelatine  erzeugt 
Schon  die  dritte  Oebertragung  gab  ein  brauchbares  Vaccin  ab.  Die 
Resultate  seiner  Schutzimpfungen  auf  Thiere  und  Menschen  be- 
schreibt Verf.  als  sehr  günstig.  Die  brasilianische  Regierung  habe 
ihm  in  der  Erkenntniss  von  der  Bedeutung  seiner  Entdeckung  die 
Vollmacht  zur  Begründung  eines  staatlichen  Instituts  behufs  Her- 
Stellung  des  abgeschwächten  Virus  des  Gelbfiebers  ertheilt  und  zu- 
gleich gestattet,  durch  die  Zeitungen  für  seine  Schutzimpfungen  Pro- 
paganda zu  machen.  Kubier  (Berlin). 

Bosenbach,  0.,  Zur  Konservirung  lebender  Malaria- 
parasiten. (Berl.  klin.  Wochenschrift  1891.  Nr.  34.) 
In  einem  Falle  von  typischer  Tertiana  applizirte  R.  in  der  Milz- 
gegend dem  Kranken  einen  Blutegel,  der  nach  48  Stunden  starb  and 
todte  „Plasmodien'4  in  Menge  zeigte;  von  zwei  weiteren,  an  einem 
anderen  Tage  mehrere  Stunden  vor  dem  Beginne  des  Anfalls  appli- 
zirten  Blutegeln  zeigte  der  eine,  24  Stunden  später  eröffnet,  eine 
grosse  Zahl  von  grossen,  lebenden  „Plasmodien4'  mit  reichlichem,  sehr 
lebhaft  beweglichem  Pigment,  eingeschlossen  in  sehr  wohlerhaltenen,  nur 
etwas  blasseren,  rothen  Blutkörperchen ;  auch  der  andere,  der  48  Stan- 
den nach  dem  Saugen  eröffnet  wurde,  zeigte  völlig  normale  rothe  Blut- 
scheiben und  zahlreiche  Parasiten  mit  vielem  tanzenden  Pigment 
Ein  am  Tage  nach  einer  Chinindosis  von  1,0  gesetzter  Blutegel  zeigte 
sehr  wenige  und  geschrumpfte  „Plasmodien"  mit  wenigem  unbeweg- 
lichem Pigment. 

Mit  diesen  Versuchen  von  dem  positiven  Ergebnisse,  dass  im  Ver- 
dauungskanale  des  Blutegels  die  Parasiten  mindestens  48  Stunden  am 
Leben  bleiben,  möchte  Verf.  die  Anregung  zu  weiteren  Untersuchungen 
geben,  die  namentlich  successive  eine  Anzahl  hinter  einander  zu  ver- 
schiedenen Zeiten  angesetzter  Blutegel  betreffen  müssen,  um  so  mög- 
lichst den  ganzen  Entwickelungsgang  des  Parasiten  in  den  Bereich 
der  Forschung  zu  ziehen.  Es  soll  ferner  der  Versuch  gemacht  werden, 
ob  eine  Impfung  mit  dem  dem  Blutegel  entnommenen  Blute  andere 
Thiere  infiziren  kann;  endlich  empfiehlt  er  den  Versuch,  das  durch 
Blutegelsubstanz  künstlich  gerinnungsunfähig  gemachte  Blut  eines 
Menschen  als  Nährboden  für  den  Malariaparasiten  zu  benutzen. 

C.  Spener  (Berlin). 

Baginsky,  A.,  Zur  Aetiologie  der  Diphtherie.  DerLoeff- 
ler'sche  Bacillus.  [Aus  dem  Kaiser-  und  Kaiserin -Friedrich- 
Krankenhause  zu  Berlin.]  (Archiv  für  Kinderheilkunde.  Bd.  XIV. 
Heft  8—5.    Festschrift  für  Rud.  Virchow.) 


Diphtherie.  —  Hflhnerdywnterie-  807 

B.  veröffentlicht  eine  Methode  zur  diagnostischen  Kultur  des 
Diphtheriebacillus:  Ein  Stückchen  des  Pharynxbelags  wird  mit  aus- 
geglühter und  abgekühlter  Pincette  entnommen  und  behufs  Abschwä- 
chung  der  Mikroorganismen,  die  den  Loeffl  er 'sehen  Bacillus  zu 
begleiten  pflegen,  in  2°/0  Borsäurelösung  einige  Minuten  gewaschen 
und  dann  auf  Loeffl  er'  schein  Blutserum  (das  in  Reagenzröhren  käuf- 
lich) ausgestrichen  und  in  den  Brütofen  gebracht.  (Kleine  Brütap- 
parate bei  Lautenschläger,  Berlin,  zu  haben.) 

Die  Vorzüge  der  Methode  sollen  darin  bestehen,  dass  die  den 
Loeffl  er' sehen  Bacillus  begleitenden  Bakterien  in  ihrem  Wachsthum 
so  gehemmt  werden,  dass  der  Diphtheriebacillus  für  fast  24  Stunden  in 
Reinkultur  wächst  und  so  in  dem  charakteristischen  Wachsthum 
schon  eine  makroskopische  Diagnose  bei  einiger  Uebung  ermöglicht 
ist,  oder  wenigstens  eine  mikroskopische  Untersuchung  oder  die  An- 
stellung eines  Thierversuches  sehr  erleichtert  ist. 

Mit  Hilfe  dieser  Methode  fand  B.  in  93  Fällen  von  Diphtheritis 
68 mal  den  Loeff ler' sehen  Bacillus;  25 mal  wuchsen  Strepto- 
und  Staphylokokken  auf  den  Kulturen.  Die  Fälle  wahrer  Di- 
phtherie ergaben  eine  Mortalität  von  40  °/0,  während  die  anderen 
Kiuder  alle  (bis  auf  einen  Fall  mit  erheblichen  Komplikationen)  geheilt 
wurden.  Auch  hatten  die  Fälle  der  Staphylokokken-  und  Strepto- 
kokken-Infektionen einen  ausnahmslos  glatten  und  schnellen  Heilungs- 
verlaaf;  schon  nach  wenigen  Tagen  konnten  die  Kinder  die  Anstalt 
verlassen.    B.  stellt  also  folgende  Sätze  auf: 

1)  Es  giebt  zwei  Krankheitsformen,  welche  eine  für  das  blosse 
Auge  des  klinischen  Beobachters  gleichartige  Veränderung  der 
Pharynxschleimhaut  bedingen.  Das  Charakteristische  dieser  Verän- 
derung sind  die  Einlagerungen  grauweisser  „Pseudomembranen'4. 
Beide  Krankheiten  gehen  mit  Fieber,  Kräfteverfall  und  Schwellung 
der  Submaxillardrüsen  einher.  Die  eine,  durch  den  Loeff  ler9  sehen 
Bacillus  erzeugte,  ist  hoch  lebensgefährlich,  in  fast  50  °/o  todtbringend ; 
die  andere,  von  Staphylokokken  und  Streptokokken  erzeugte  („wenig- 
stens sind  diese  Mikroorganismen  die  steten  Begleiter  der  Krankheit41) 
ist  unschuldig  und  verläuft  ohne  Lebensbedrohung. 

2)  Eine  Trennung  beider  Formen  ist  mit  voller  Sicherheit  erst 
durch  die  bakterielle  Kultur  möglich;  dieselbe  ist  nach  obiger  Me- 
thode leicht  anzustellen,  „erfordert  nicht  so  viel  Arbeit  als  der  Nach- 
weis des  Tuberkelbacillus",  ja  sie  kann  sogar  makroskopisch  nach 
dem  Kulturbefund  bestimmt  ausgesprochen  werden. 

Die  Bedeutung  der  Baginsky 'sehen  Mittheilung  wird  durch 
einige  treffende  Beispiele  näher  beleuchtet. 

C.  Spener  (Berlin). 

Lucet,  Dysenterie  epizootique  des  poules  et  des  dindes. 
(Annales  de  llnstitut  Pasteur.  1891.  No.  5.  p.  312.) 
Die  Hühnercholera  wird  in  der  Praxis  häufig  mit  anderen  Affektionen 
verwechselt,  die  hinsichtlich  der  Symptome  einige  Aehnlichkeit  haben. 
Verschiedene  solche  wurden  unter  der  Bezeichnung  als  Typhus,  dys- 
enterische Enteritis    und  Septikämie    von    Lemaistre,    B6nion 


808  BftfanerdyMDtorSe.  —  MmnMnkrftnkheiton. 

und  M6gnin,  zuletzt  von  Klein  beschrieben;  wahrscheinlich  ist 
die  vom  Verf.  geschilderte  „epizootische  Dysenterie  der 
HOhner  und  Truthühner14  mit  einer  dieser  Affektionen  identisch. 

Dieselbe  kommt  in  Courtenay  (Loiret),  dem  Wohnorte  des  Verl 
alljährlich  vom  Frühjahr  bis  Herbst  häutig  vor,  ergreift  hauptsäch- 
lich die  jungen  Hühner,  verschont  Gänse  and  Tauben,  ist  jedoch  auf 
Kaninchen  intravenös  übertragbar.  Der  Verlauf  ist  ein  relativ  lang- 
samer, nicht  immer  mit  ungünstigem  Ende.  Meist  bleibt  die  Krank- 
heit auf  ein  Gehöft  beschränkt,  kann  sich  aber  auch  weiter  aus- 
breiten. Die  Symptome  bestehen  hauptsächlich  in  rnhrartiger 
Diarrhöe;  die  Körpertemperatur  steigt  in  den  ersten  Tagen,  um  spater 
bedeutend  abzusinken. 

Die  Affektion,  deren  pathologische  Charaktere  eingehend  ge- 
schildert werden,  ist  von  Huhn  zu  Huhn,  von  Hühnern  auf  Truthüh- 
ner und  umgekehrt  übertragbar;  sogar  auf  dem  Nahrungswege  kann 
Infektion  bewirkt  werden.  Blut,  Leber,  Nieren,  Milz  und  Darm  der 
an  der  Infektion  erlegenen  Hühner  enthalten  einen  Kurzstäbchen 
bildenden  Bacillus.  Im  Intestinalschleim  findet  sich  derselbe  in 
grösster  Menge,  namentlich  bei  akutem  Verlaut  Dieser  Bacillus,  ein 
fakultativer  Anaerobe,  gedeiht  nicht  auf  der  Kartoffel,  wohl  aber  auf 
allen  sonstigen  Nährmedien.  Auf  Gelatineplatten  bildet  derselbe  kreis- 
runde, über  die  Oberfläche  prominirende  Kolonieen ,  ohne  jemals  zu 
verflüssigen.  In  allen  Kulturmedien,  auch  in  Pepton -Kalbsbouillon 
bei  öfterer  Uebertragung  verliert  der  Bacillus  rasch  seine  patholo- 
gischen Eigenschaften.  Die  Virulenz  äussert  sich  bei  Hühnern  bei 
subkutaner  Injektion ,  bei  Kaninchen  nur  auf  dem  Blutwege.  Meer- 
schweinchen sind  überhaupt  refraktär,  Tauben  können  wenigstens 
subkutan  nicht  infizirt  werden. 

Blosse  Veränderung,  resp.  Verbesserung  der  Ernährung,  überhaupt 
grössere  Pflege  und  Reinlichkeit  soll  nach  Verf.  genügen,  um  die 
noch  intakten  Bestände  eines  Geflügelhofes  vor  der  Affektion  zu  be- 
wahren. Buchner  (München). 

AtUnson,  Ct.  F.,  Anthracnose  of  Cotton.  (Journal  of  Myoo- 
logy.  Vol.  VI.  1891.  No.  4.  p.  173-178.  Tat  XVH— XVIIL) 
Colletotrichum  Gossypii  n.  sp.  befällt  die  Baumwollen- 
Staude,  und  zwar  nicht  nur  die  Blätter,  wo  es  als  eine  Art  Schorf  er- 
scheint und  dieselben  tödtet,  sondern  tritt  ganz  besonders  schädlich  auch 
an  den  Früchten,  den  Fruchtstielen  und  Fruchtschalen  auf  und  ruft 
auf  den  grünen  Kapseln  vertrocknete,  vertiefte  Flecke  anfänglich  von 
schwarzer,  später  grauer  und  dann  röthlicher  Farbe  hervor,  wodurch 
Hemmung  des  Wachsthums  und  vorzeitiges,  theilweises  Oeffnen  der 
Kapseln  stattfindet.  Schliesslich  stirbt  die  ganze  Pflanze  ab.  Der  Pili 
tritt  häufig  auch  neben  Cercospora  gossypina  Cooke  und  anderen 
Pilzen  des  schwarzen  Rostes  auf  den  Blättern  auf.  Die  Flecke  und  der 
Schorf  bestehen  aus  zusammengedrängten  Fruchthaufen,  in  denen 
sich  braune  Setae,  untermischt  mit  farblosen  Basidien,  finden.  Die 
letzteren  erzeugen  an  Grösse  und  Form  variireode,  längliche,  an  der 
Basis  etwas  zugespitzte  oder  an  beiden  Enden  abgerundete  und  mit 


Schutzimpfung,  kBnstL  Infektionskrankheiten,  EnUrickeltiügihemmang  etc.      809 

aner  seichten  Einschnürung  in  der  Mitte  versehene,  16—20  /a  lange 
ind  4,5 — 9  fi  breite,  einzellige  Sporen,  welche  in  Masse  eine  rosa 
Farbe  besitzen.  Die  dankelbraunen,  geraden  oder  gekrümmten,  selten 
verzweigten,  an  der  hyalinen  Spitze  ovale  Sporen  erzeugenden  Setae, 
welche  sich  besonders  auf  hartem  Substrat  oder  den  vertrockneten 
Theilen  der  Pflanze  zahlreich  finden,  entspringen  von  besonderen 
sklerotienähnlichen  Körpern,  welche  aus  einer  oder  mehreren  dunkel- 
braunen Zellen  bestehen.  Dieselben  liegen  entweder  im  Pilzgewebe 
oder  ragen  Aber  die  Oberfläche  des  Pflanzentheiles  hervor  oder  sind 
zwischen  den  Epidermiszellen  gelegen.  Die  einzelligen  Sklerotien 
entstehen  aus  Hyphenendigungen,  während  die  mehrzelligen,  unregel- 
mässig gestalteten  durch  einen  der  Sprossung  ähnlichen  Wachsthums- 
prozess  aus  den  einzelligen  hervorgehen. 

In  Agarpepton  mit  Abkochung  von  Baumwollenblättern  kultivirt, 
erzeugen    die  Sporen  meist  mehrere  Keimschläuche.     An  dem  ent- 
stehenden  Mycel  erscheinen    einerseits    zahlreiche  Basidien,    welche 
wiederum  eine  Anzahl   von  Sporen  abschnüren,   andererseits   bilden 
sich  an  gewissen  Mycelenden  besonders  grosse,   olivenbraune  Zellen. 
Dieselben   erzeugen  entweder  normales  Mycel  oder  durch  Sprossung 
ein  mehrzelliges,  ovales  oder  plattes,  unvollkommenes  Sclerotium.    In 
Wasser  bringt  der  Keimschlauch  der  Sporen  sofort  die  dunkelbraunen 
Zellen  hervor,   in  schwachen  Nährlösungen   ausser  diesen  auch  zu- 
weilen einige  wenige  Sporen.    Aehnliche  Sklerotienbildungen  hat  Verf. 
beobachtet  bei  Vermicularia  circinans  auf  der  Zwiebel.   Infek- 
tionsversache wurden  nur  in  der  Weise  angestellt,  dass  Keimpflanzen 
der  Baumwolle  mit  sporenhaltigem  Wasser  abergossen  wurden.   Nach 
einiger  Zeit  erkrankten  die  Kotyledonen  und  starben  ganz  oder  theil- 
weise  ab.  Brick  (Hamburg). 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 


Gtuttmann,   P.,  u.  Ehrlich,  P.,    Ueber    die   Wirkung    des 
Methylenblau  bei  Malaria.    [Aus  dem  st&dt.  Krankenhause 
Moabit  bei  Berlin.]    (Berl.  klin.  Wocbenschr.    1891.   No.  39.) 
Die  Verff.  haben  das  Methylenblau  in  chemisch  reinem  Fabrikat 
(von  der  chemischen  Fabrik  Meister,  Lucius  und  Brüning)  in 
2  Fällen  versucht,  deren  einer  eine  Febris  tertiana  mit  deutlichen  „Plas- 
modien" war.    Hier  verschwanden  die  Parasiten  aus  den  Fingerblut- 
präparaten  schon  nach  einer  zweimaligen  Gabe  von  0,5  g  Methylen- 
blau.   In  dem  zweiten  Fall,    einer  Quotidiana  mit  unregelmässigem 
Temperaturverlauf,  wo  durch  die  Blutuntersuchung  und  den  Befund 
der  Malariaparasiten  erst  die  Diagnose  gesichert  wurde,  verschwanden 
im  Verlaufe  des  siebenten  Tages  nach  der  ersten  Dosis  (von  0,5),  im 


310  Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress  an  London. 

Ganzen  nach  3,7  g  Methylenblau  die  Parasiten  aus  dem  Blute.  Eben» 
verschwanden  die  Fieberanfälle.  —  Etwaige  Urinbeschwerden  sind 
mit  Muskatnuss  zu  bekämpfen.  G.  S pener  (Berlin). 

Binz,  C,  Ueber   Chinin    und  die  Malariaamöbe.    Eine 
Erwiderung  an  Prof.  A.  Laveran  in  Paris.      (Berl.   Hin. 
Wochenschrift    1891.    No.  43.) 
Am    Ende   einer    längeren   Auseinandersetzung  über  Irrthümer, 
die  sich  in  Laveran's  Abhandlungen  hinsichtlich  der  Behauptung«! 
Binz9  Ober  das  Chinin  befinden,   stellt  Verf.  fest,   dass  durch  die 
Entdeckung  des  Parasiten  der  Malaria  der  schon  lange  von  ihm  auf- 
gestellte Satz  bewiesen  ist:  „Das  Chinin  heilt  die  Malaria  nicht  durch 
irgend  einen  Einfluss  auf  das  Nervensystem,  sondern  durch  Lähmung 
ihrer  Ursache/1  C.  Spener  (Berlin). 


Originalberichte  über  Kongresse. 


Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen  Kongress 

für  Hygiene  und  Demographie  zu  London, 

10.— 17.  August  1891. 

(Schluas.) 

Sektion  f&r  Bakteriologie. 

Dr.  Hirne,  Bradford:  „Es  freut  mich  zu  sehen,  dass  unsere 
Freunde  von  ausserhalb  sich  nicht  verlocken  lassen,  wenn  wir  Ver- 
suche machen,  in  der  Hauptsache  mit  uns  übereinzustimmen.  Es 
scheint  mir,  wir  rennen  wild  auf  die  gänzliche  Beschlagnahme  des 
tuberculösen  Fleisches  los.  In  keinem  Lande  existirt  die  Verordnung 
der  gänzlichen  Beschlagnahme,  wie  sie  hier  in  England  zur  Annahme 
empfohlen  ist.  Prof.  Lingard  spricht  in  seinem  amtlichen  Bericht 
nur  von  der  Uebertragbarkeit  der  Tuberculose  durch  käsige  Massen 
und  nicht  durch  Fleisch  einer  tuberculösen  Kuh.  Koch  sagt,  dass 
Gefahr  nur  vorhanden  ist,  wenn  tuberculöses  Fleisch  selbst  gegessen 
wird.  Die  Infektion  durch  Milch  ist  bewiesen.  Die  Schwindsucht 
ist  ansteckend  und  übertragbar  von  Mensch  auf  Mensch." 

Dr.  Barlow,  London :  „Ich  möchte  von  einem  klinischen  Gesichts- 
punkte aus  sprechen  und  bin  nicht  im  Stande,  experimentelle  Unter- 
suchungen vorzubringen.  Auf  die  Tuberculose  im  Kindesalter  müssen 
wir  unsere  ganze  Aufmerksamkeit  richten.  Die  Obduktionen  in  Kinder- 
krankenhäusern beweisen  die  enorme  Häufigkeit  der  Tuberculose.  Der 
Einfluss  von  Milch  und  Fleisch  auf  die  Erzeugung  der  Tuberculose 
ist  gering.  Wir  dürfen  nicht  andere  sanitäre  Vorsichtsmassregeln  ver- 


Bakteriologische«  vom  VII.  internationalen  Kongrese  an  London.  811 

gessen,  die  mir  von   hervorragender  Wichtigkeit  zu  sein  scheinen. 
Der  Genuss  von  rohem  Fleischsaft  ist  gefährlich.1' 

Dr.  Perroncito:  „Beim  Schwein  kommt  spontane  Tuberculose 
nicht  vor." 

Dr.  Burdon-Sanderson :  „Ich  bin  erfreut,  zu  sehen,  dass  die 
Verschiedenheit  der  Ansichten  so  gering  ist.  Alle  stimmen  in  der 
Notwendigkeit  der  Inspektion  und  in  der  Schwierigkeit  der  Diagnose 
überein.44 

Arloing,  der  mit  seinem  Vorschlage  der  totalen  Beschlagnahme 
allein  blieb,  empfahl,  „Die  Aetiologie  der  Tuberculose  des 
frühen  Kindesalters  zwischen  3Monatenund  5  Jahren44 
auf  dem  nächsten  Kongress  zur  Diskussion  zu  stellen,  ein  Antrag,  der 
von  Dr.  8.  Gibbon  unterstützt  und  von  der  Versammlung  einstimmig 
angenommen  wurde. 

Der  Präsident  führte  an,  dass  spontane  Tuberculose  beim 
Schaf  und  Schwein  nicht  vorkomme,  so  dass  wir  deren  Fleisch  ruhig 
gemessen  können. 

Dr.  Metechnikoff  verlas  nunmehr  eine  in  Gemeinschaft  mit  Dr. 
Roux  verfasste  Arbeit  und  begleitete  seinen  Vortrag  durch  Demon- 
stration einiger  Zeichnungen,  die  den  Grund  für  die  Widerstandsfähig- 
keit der  Tuberkelbacillen  erläutern  sollten.  Es  bilden  sich  nach  ihren 
Untersuchungen  konzentrische  Ringe  sich  verhärtenden  entzündlichen 
Gewebes  rings  um  die  Bacillen,  die  eventuell  dadurch  absorbirt  wer- 
den.   Diese  Indurationen  verkalken  mit  der  Zeit. 

Nunmehr  erhielt  Prof.  Ehrlich,  Berlin,  das  Wort  zu  seinem  Vor- 
trage: „Ueber  die  neuere  Behandlungsweise  derTuber- 
culose  nach  Koch44,  dessen  Inhalt  von  Ehrlich  selbst  dahin 
präzisirt  wird: 

„Nachdem  der  Vortragende  die  Bedeutung  der  Koch9 sehen  Ent- 
deckung für  die  Zukunft  der  Medizin  erörtert,  geht  er  an  der  Hand 
des  zur  Zeit  schon  vorliegenden  Materials  auf  die  praktisch  so  wichtige 
Frage  nach  der  zweckmässigsten  Art  der  Behandlung  ein. 

Wohl  allgemein  sieht  man  das  Prinzip  der  Heilung  in  der  lo- 
kalen Beeinflussung,  welche  das  Tuberculin  in  einzig  dastehender 
Weise  auf  das  spezifisch  erkrankte  Gewebe  ausübt.  Zur  Erzielung 
heilender  Effekte  sind  stürmische,  ausgedehnte  Entzündung  oder  Ne- 
krose bedingende  Reaktionen  weder  erforderlich  noch  wünschenswerth. 
Kleinere,  aber  dafür  stets  und  stets  wiederholte  Reizungen,  die  eine 
Vernarbung  tuberculöser  Herde  begünstigen,  sind  das,  was  jetzt  er- 
wünscht wird.  Der  Kernpunkt  dieser  Behandlungsform  besteht  also 
darin,  die  spezifische  Reizbarkeit  des  tuberculösen  Gewebes  möglichst 
lange  zu  erhalten  und  sie  nicht,  wie  das  bei  den  grossen  Dosen  und 
schnellen  Steigerungen  der  Fall  war,  vorzeitig  zu  vernichten.  In  dieser 
Richtung  bewegen  sich  eine  Reihe  von  Methoden,  die  von  Moritz 
Schmidt,  Biedert,  Guttmann  und  Referenten,  Langen- 
buch, angegeben  sind.  Allen  diesen  Verfahren  ist  gemeinschaftlich 
die  Verwendung  kleiner,  gerade  minimale  Reaktion  hervorbringender 


812  Bakteriologisches  rom  VIL  ioterafttioiialen  Koogrou  ra  London. 

Dosen.  Die  Vorzüge  derartigen  Vorgehens  bestehen  darin,  dass  bei 
Vermeidung  unerwünschter  Nebenwirkungen  die  Heilwirkung  ganz 
und  voll  zum  Ausdruck  kommen  kann.  In  dieser  Beziehung  ist  be- 
sonders zu  betonen,  dass  die  pathologisch-anatomischen  Befunde,  die 
dem  Tuberculin  zur  Last  gelegt  wurden,  ausschliesslich  aus  der  Zeit 
stammen,  wo  man  noch  mit  grossen  Dosen,  vielfach  auch  an  zu  weit 
fortgeschrittenen  Patienten,  operirte. 

Selbstverständlich  sollen  bei  der  Behandlung  alle  therapeuti- 
schen Hilfskräfte,  die  der  Hygiene  und  der  Diätetik,  der  Chirurgie 
und  der  Pharmakologie  voll  herangezogen  werden.  Im  Vordergrund 
dieser  Bestrebungen  stehen  die  sogenannten  kombinirten  Behandlungs- 
verfahren; Ziel  derselben  ist  es,  in  die  durch  das  Tuberculin  er- 
schlossenen erkrankten  Gewebe  heilkräftige  Potenzen  einzuführen. 
Auf  diesem  Wege  sind  schon  von  Marigliano  und  Langenbuch 
glänzende  Resultate  erzielt  worden,  die  eine  baldige  Verwirklichung 
aller  Hoffnungen,  welche  die  Koch9 sehe  Entdeckung  erweckt  hat, 
in  nächste  Aussicht  stellen.44 

Prof.  Cornil,  Paris,  erklärt  nach  seinen  Erfahrungen  das  Tuber- 
culin für  ein  heroisches  und  gefährliches  Mittel,  über  das  wir  bis  jetzt 
nur  wenig  wissen,  und  bei  dessen  Anwendung  wir  grosse  Gefahr  laufen, 
eine  Katastrophe  hervorzurufen.  Besonders  komme  dabei  die  Gefahr 
in  Betracht,  eine  lokalisirte  Tuberculose  durch  Aussaat  der  Keime 
zur  allgemeinen  zu  machen. 

Dr.  Bardach,  Odessa,  hat  gleichfalls  ungünstige  Erfahrungen  mit 
dem  Mittel  gemacht. 

Dr.  Hunter  weist  auf  die  grossen  Unterschiede  hin,  die  zwischen 
Koch' 8  und  den  Untersuchungen  Anderer  bestehen.  Hierauf  be- 
schreibt er  Versuche,  die  Natur  des  wirksamen  Prinzips  im  Tuberculin 
festzustellen.  Es  gelang  ihm,  drei  Stoffe  zu  isoliren :  1)  einen,  welcher 
Fieber,  jedoch  keine  lokale  Reaktion  hervorrief;  2)  einen,  welcher 
lokale  Reaktion,  aber  kein  Fieber  erzeugte;  3)  einen,  welcher  keines 
von  beiden  that,  aber  die  Heilwirkung  hervorbrachte. 

Prof.  Ehrlich  wies  darauf  hin,  dass  ein  Patient  nach  und  nach 
dahin  gebracht  werden  kann,  grosse  Gaben  ohne  jede  Gefahr  su  er- 
tragen. 

Nachdem  noch  Dr.  Ponflck  und  Prof.  Hueppe  ihre  Erfahrun- 
gen über  das  Tuberculin  mitgetheilt  hatten,  gab  der  Präsident  in 
einigen  Schlussworten  seiner  Hoffnung  Ausdruck,  „dass  wir  mit  der 
Zeit  im  Stande  sein  möchten,  die  wundervollen  Resultate  zu  erlangen, 
die  Prof.  Ehrlich  beschrieben  habe.14    M.  Kirchner  (Hannover). 


N«m  LittoMtar.  813 


Neue  Litteratur 

toMmmeafettellt  tob 

Db.  Abthub  Wübzbubo, 


Allgemeines  ttber  Bakterien  and  Faradten. 

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Andere  Organe. 

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Zamiko,  C,  Aspergillusmykose  der  Kieferhöhle.    (Dtich.  med.  Websebr.  1891.    No.  44. 

p.  1998.) 

(Finnen,  Bandwürmer,    Trichinen,    Echinokokken,    Filarie,  Oestruslanre,  Asearit, 
Anohylostomum,  Trichoeephalus,  Oxyuris.) 

Bruni,  C ,   II    terso  caso   di  anchtlostomissi   nelle   provlncle  meridionali    del  eontioente 
italisno.     (Biforma  med.  1891.     Tom.  IL  p.  793—726) 

Krankheü$errßgende  Bakterien  und  Paraekm  est  Pflaumen. 
Aktinomjkote. 

Legrain,  B.,  Sur  un  cas  d'actinomycose  de  la  face.    (Annal.  de  dermatoL  et  de  syphiüs. 

1891.    No.  10.  p.  779—776.) 
Van  der  Straeten,    Contribution   a   l'ltude  de   Tsctinomycose   de  Tbomme.     (Bullet  de 

l'acad.  r.  de  m4d.  de  Belgique.  1891.     No.  8.  p.  544—564.) 
Thlriar,  Un  cas  d'actinomycose.     (Clinique.  1891.    p.  417—495.) 

Tollwuth. 

Belgien.     Verordnung,  betr.  die  Tollwuth.     Vom  16.  Juni  1891.    (Veröffentl.  d.  ksiseii. 
Gesundh.-A.  1891.    No.  44.  p.  684—685.) 


Neue  Literatur.  815 


Maul-  und  Klauenseuche. 

essen.  Ausschreiben  dei  Ministeriums  des  Innern  und  der  Justiz,  betr.  Massregeln  gegen 
die  Mmol-  und  Klauenseuche.  Vom  19.  März  1891.  (VeröffentL  d.  k.  Gesundheit*- A. 
1891.    No.  49.  p.  651—662.) 

KrankheiUerrtgende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Thieren. 

Säugethiere. 

A.     Infektito*  ABgemembrankheüen. 

tand  der  Thierseuchen  in  Italien  während  der  18  Wochen  vom  80.  Mars  bis  28.  Juni 
1891.     (VeröffentL  d.  kais.  Gesund  hei  ts-A.  1891.    No.  42.  p.  647.) 

Wirbellose  Thiere, 

Jana,  E.,  Snr  quelques  copepodes  parasltes,  observes  dans  le  Boulonnais.  (Compt.  rend. 
1891.  Tom.  CXHI.  No.  14.  p.  436—487.) 


Krankhe&semgende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pflanzen. 

Sarlneei,  M.,  Si  deve  combattere  la  peronospora  anche  quest'  anno  ?  (Agricolt.  meridion. 

1891.  p.   181.) 
Decaux,    8or    un  moyen    de  destruction    des  insectes   nuisibles   a   Ja    betterave    et  aux 

cereales.     (Compt.  rend.   1891.    T.  CX1I1.  No.  17.  p.  668—569.) 
Humphxey,    J.  B.,   The   cucumber  mildew.   (8.  annusl   rep.  of  the  Massach.  State  Agr. 

Exp.  Stat.  Amtieret.  1890.  p.  210—212.) 

The  brown  rot  of  »tone  fruits.     (Ibid.  p.  813—216.) 

Potato  scab.    (Ibid.  p.  216—220.) 

The  mildew  of  spinach.     (Ibid.  p.  220—221.) 

The  grape-wine  mildew.     (Ibid.  p.  222.) 

Potato  rot.     (Ibid.  p.  228.) 

The  eider  rast.     (Ibid.  p.  223.) 

The  hollyhock  rust.     (Ibid.  p.  224—226.) 

Disease  of  oats.     (Ibid.  p.  226.) 


Schutzimpftangen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwlcke- 

lungshemmunff  und  Vernichtung  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koch' sehe 

Heilyerfahren  gegen  Tubereulose. 

Bereite,  C,    On  the  use  of  dog's  serum   in    the  treatment   of  tuberculosis.    (Brlt  med« 

journ.  1S91.    Vol.  XVI.  No.  11.  p.  1041—1042.) 
Chanin,    A. ,    Las   substances    solubles    du    bscille    pyoeyanique   produisent   la   flevre. 

(Compt.  rend.  1891.    T.  CXIII.  No.  17.  p.  559—660.) 
CogniU,  J.  6.  8.,  Observations  on  the  effect  of  the  injeetion  of  tuberculin  on  the  pulse. 

(Brit.  med.  journ.  1891.    Vol.  XVI.  No.  11.  p.  1087—1038.) 
Dönits,   W.,    Ueber  die  Wirkung    des  Tuberculins  auf  die   experimentelle  Augen  tuber- 
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Hurd,  B.  P.,   The  limitations  of  the  bacteriological  tberapeutics,   with  special  reference 

to  tuberculosis  of  the  lungs.     (Therapeut  gas.  1891.  No.   10.  p.  690—694.) 
Xalindero,  N.,  et  Bebet,  V.,    Resultats  obtenus  par  lea  injeetion»   de   lymphe  de  Koch 

aus  les  differentes  formes  de  lepre.     (Rev.  de  mtd.  1891.    No.  10.  p.  817—842) 
Hebt,  B.,  Die  Zusammensetsung  des  Tuberculins.    (Dtsch.  med.  Wchschr.  1891.  No.  45. 

p.  1238—1284.) 
KuagUeno,  B,    Sul  trattamento    nella  tisi  pulmonare  colla  linfa.     8°.    100  p.     Milano 

(Vallardi)  1891. 
Vassaxt,  J.,  De  l'Jnfluence  des  produits  microbiens  sur  la  circulation.  (Compt.  rend.  de 

1*  wc.  de  biol.  1891.    No.  20.  p.  705.) 


816 


Nene  Lhtoratur. 


Horau,  H.,  Note  complementaire  sor  les  inoculatlons  an  Serie  d'un  tpithelioma  eylindri- 

que  spontan*  de  la  souris  blanche.    (Compt  rend.  de  la  soc  de  biol.  1891.  No.  39» 

p    781—7«.) 
Moeard,   E.,    Emploi   de   la  tuberculine  comme  moyen  de  diagnostie  de  la  tabercak» 

bovine.     (Annal.  d*hyg.  publ.  1891.    T.  II.  No.  6.  p.  487-494.) 
Paam,   Ch.,    L'inoculasione   yaecioica   nella   tonte   convulsiva.     89.    17  p.     GatalbordsM 

(N.  de  Arcangelis)  1890. 
Bavment,  O.  J.  B.,  Tbe  Pasteur  system  of  protektive  inoculation.    (Veterin.  jomra.  1891- 

Nov.  p.  888—888.) 
Spengler,    A.,   Untersuchungen  Aber  Desinfektion  tuberculösen  Sputums.     (MAach.  med. 

Wchtehr.  1891.   No.  48.  p.  790—798.) 
Williame ,   P.   W. ,    On    tuberculin   in    larvngeal   tuberculosis.     (Provinc    med.  joura 

1891.  No.  119.  p.  849—844.) 
Zaaalcin,  T.,  La  eeorperta  del  Prof.  Koch  solle  guarigione  della  tubercalosi  e  in  ispeac 

della  tisi  esposta   in  modo  faeile  ed  adatto  a  tntti.     19°.  40  p     Gcnovn  (A.  DoasüY. 

1891. 


Inludt. 


OriginalmittheUmmcen. 

Otto,  Die  kleineren  SAsswasser- 
flsche  als  Haupt-  und  Zwischenwirthe 
des  Echinorhynchns  proteus  Westr. 
(Orig.),  p.  791. 

Schwan,  Budolf ,  Ein  Fall  von  Hailang 
des  Tetsnas  traamaticas  durch  das  von 
Prof.  Guido  Tissoni  nnd  Drin  Gattani 
bereitete  Antitoxin  des  Tetanus.  (Orig.)f 
p.  785. 

Zsehokke,  F.,  Die  Parasitenfanna  von 
Tratte  salar.   (Orig.)  (Fortseta.),  p.  798. 

Atttnnon,   G.  F.,   Antbracrose  of  Gotton, 

p.  808. 
Baginsky,   A. ,   Znr  Aetiologie  der  Diph- 
therie. Der  Loefflcr'sche  Bacillus,  p.  808. 
Banti,   B.,    L'epidemia  di  tifo  in  Firenae 

nei   suoi   rapporti  con  l'acqua    potabile, 

p.  804.  ' 
Freire,   Mittheiiang  über  Bakteriologie  im 

Allgemeinen  und  Aber  das  gelbe  Fieber 

im  Besonderen,  p.  806. 
Gilbert,  A.  et  Girode.,  J.t  Contribution  a 

rinde   cbimique  et    bacteriologique  da 

cholera  nostras,  p.  808. 
Serman,    De    l'influence   de  quelques  va- 

riations  da  terrain  organiqae  snr  l'action 

des  microbes  pyogenes,  p.  808. 
Klippel,  Desinfections  microbiennes  secon- 

daires  an  coars  des  sifections  mentales, 

p.  809. 


Koch,  Alirad,  Jahresbericht  Aber  die  Fort- 
schritte in  der  Lehre  von  den  G8hraar> 
Organismen.    I ,  p.  801. 

Looet,  Dysenterie  episootique  des  peeJei 
et  dee  dindes,  p.  807. 

Bosenbaeh,  0.,  Zu*  Koneervirung  lebeeder 
Malariaparasiten,  p.  808. 


8ohutaimpf uns; ,  künstliche 
krankheiten, 

nnd  Yerniehtnng  dar 
nnd  Pmimattam. 


0.,   üeber  Chinin   nnd  di«  Melam- 
am8be,  p.  810. 
Guttmann,  P.  nnd  Khrlinh,  PM  üeber  die 
Wirkung  des  Methylenblau  bei  Malern, 
p.  809. 

Orle^nalborichte  Aber  Fcnsjrsess 

Bakteriologisches  vom  VTI.  inter- 
nationalen Kongress  fArHygitoe 

nnd  Demographie  an  London. 
10.— 17.  August  1891.   (Schluss),   p.  810 
Arloing,    Die   Aetiologie   der  Tubereolosc 
des  frühen  Kindesalters  swiseben  3  Mo- 
naten nnd  5  Jahren,  p.  811. 
Barlow,    üeber    Tubercnlose   im   Kiadei- 

alter,  p.  810. 
Ehrlieh,    üeber   die   neuere  Behandleags- 
weise  der  Tubercelose  nach  Koch,  p.811. 

Neue  Litteratur,  p.  813 


rtommMinwiln  B— bdnMkwH  (ßmMmam  ItohU)  In  Jma. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geh.  M  Prof.  Dr.  Leuctart  u  Professor  Dr.  Loefler 

In  Leipxic  ,n  GieHInrald 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  trhlvorm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 

X.  Band.       -»-         Jena»  den  9.  Januar  1892.         -o-  No.  35. 

Preif  für  den  Band  (86  Hummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  swei  Bände. 

— r$     Zu  beziehen  durch    alle  Bachhandlangen  and  Postanstalten.     jf<— 


Die  Redaktion  des  „Centralblatts  für  Bakteriologie  und  Parasiten' 
künde"  richtet  an  die  Herren  Mitarbeiter  die  ergebene  Bitte,  etwaige 
Wünsche  um  Lieferung  von  besonderen  Abdrücken  ihrer  Auf- 
*  ritze  entweder  bei  der  Einsendung  der  Abhandlungen  an  die 
Redaktion  auf  das  Manuskript  schreiben  zu  wollen  oder  spä- 
testens nach  Empfang  der  ersten  Korrekturabzüge  direkt  an 
den  Verleger,  Herrn  Gustav  Fischer  in  Jena,  gelangen  zu 
lassen*  Die  Verlagshandlung  ist  leider  nicht  in  der  Lage,  später 
eingehende .  Wünsche  berücksichtigen  zu  können. 


Original -Mittheilungen. 

Der  menschliche  Speichel  und  die  pathogenen 
Mikroorganismen  der  Mundhöhle. 

Von 

Dr.  Giuseppe  Sanarelll 

aus 

Siena. 

(AusiufO 

Eine  ansehnliche  Reihe  von  Beobachtern  hat  bereits  über  die 
Mikroorganismen  berichtet,  die  habituell,  zufälliger  Weise  oder  von 
Zeit  zu  Zeit  gefährliche  Oäste  unserer  Mundhöhle  werden  können. 
Bd.  z.  52 


818  Sanarelli, 

Es  ist  leicht  begreiflich,  dass  diese  Aligaben  noch  bei  weitem 
nicht  genügen,  eine  auch  nur  halbwegs  vollständige  Klassifikation 
aller  Bakterien  zu  liefern,  die  sich  in  der  Mundhöhle  vorfinde 
können;  diese  variiren  ohne  Zweifel  bis  ins  Unendliche,  sie  Wechsel;. 
mit  der  Ernährungsweise,  der  umgebenden  Luft,  dem  Breitengrad 
den  Lebensgewohnheiten,  der  Jahreszeit  und  vielleicht  auch  mit  des 
Tagesstunden,  weshalb  die  beachtenswerten  Untersuchungen  Vig- 
nal's1),  Netter's»),  Miller's3),  Biondi's4)  und  Aller,  die 
es  versuchten ,  die  verschiedenen  Bakterienarten  der  Mundhöhle  zu 
bestimmen,  nicht  jene  Bedeutung  hätten,  die  sie  thatsächlich  besitzen, 
wenn  sie  nicht  in  anerkennenswerther  Weise  die  häufige  Anwesenheit 
von  wirklich  pathogenen  Mikroorganismen  im  Munde  sonst  gaiu 
normaler  Individuen  dargethan  hätten. 

In  der  That  wurden  zu  wiederholten  Malen  in  der  Mundhöhle 
gefunden:  Pneumococcus,  Streptococcus  pyogenes. 
Staphy lococcu8  pyogenes,  Micrococcus  tetragenus, 
Diphtheriebacillus,  Actinomyces  etc. 

Wenn  wir  indess  die  verhältnissmässig  häufige  Anwesenheit  aller 
dieser,  dem  Menschen  direkt  schädlichen  Mikroorganismen  in  der 
Mundhöhle  berücksichtigen,  so  ist  es  etwas  schwer,  sich  darüber 
Rechenschaft  zu  geben,  dass  nicht  viel  öfters  primäre  Verletzungen 
der  Weichtheile  der  Mundhöhle  zur  Erscheinung  kommen. 

Noch  schwieriger  wird  die  Erklärung,  wenn  man  bedenkt,  wie 
leicht  und  oft  sich  Kontinuitätsverletzungen  in  der  Mundschleimhaut 
bilden,  wenn  man  ferner  berücksichtigt,  dass  diese  Kontinuitätsver- 
letzungen,  weit  entfernt,  schwere  lokale  oder  allgemeine  Störungen 
zu  erzeugen,  trotz  der  ungünstigsten  Bedingungen,  in  den  meisten 
Fällen  dennoch  ausserordentlich  rasch  zur  Heilung  gelangen. 

Nach  Valude5)  besässe  die  Speichelflüssigkeit  ein  besonderes 
chemisches  Vermögen,  die  Thätigkeit  der  Tuberkelbacillen  vernichten 
zu  können,  wie  es  denn  auch  möglich  wäre,  dass  diese  Bacillen  von 
verschiedenen  im  Speichel  keimenden  Mikroorganismen  angegriffen 
und  zerstört  würden;  bloss  in  dieser  Weise  erklärt  sich 'Valude  das 
seltene  Auftreten  von  Tuberculose  in  der  Mundschleimhaut  und  in 
den  Speicheldrüsen,  welche  andererseits,  durch  direkte  Impfung,  der 
Tuberculose  leicht  zugänglich  sind. 

Auch  Miller6)  gedenkt  in  seiner  klassischen  Abhandlung  über 
die  Mikroorganismen  der  Mundhöhle  der  grossen  Schwierigkeit,  welche 
die  Mundschleimhaut  den  parasitären  Lokalisationen  entgegenstellt, 
aber  er  findet  eine  Erklärung  für  diese  höchst  interessante  That- 


1)  Recherches  sur  les  microorganismes  de  1*  bouche.  (Arcb.  de  phys.  norm.  '< 
pathol.  1886.     Ko.  6.) 

2)  Microbes  pathogenea  contenus  dans  la  bouche  de  sujets  sains,  maladies  qo'iH 
provoquent,  indications  pour  l'hygieniste  et  le  mädecin.  (Revue  d'hyg.  et  de  poli« 
sanit.  Vol.  XI.  1889.  Ko.  6.  p.  601.) 

3)  Die  Mikroorganismen  der  Mundhöhle,  die  Örtlichen  und  allgemeinen  Erkran- 
kungen, welche  durch  dieselben  hervorgerufen  werden.     Leipaig  1890. 

4)  Die  pathogenen  Mikroorganismen  des  Speichels.  (Zeitschr.  f.  Hyg.  Vol.  II.  p  192  < 

5)  Comptes  rendut  du  congres  de  la  tuberculose.     Paris  1888.  p.  268. 

6)  Loc.  cit. 


Der  menschliche  Speichel  and  die  pathogenen  Mikroorganismen  der  Mundhöhle.     819 

suche  nur  in  dem  kräftigen  Widerstands-  und  Regenerationsvennögen 
der  Gewebe  selbst. 

In  jüngster  Zeit  will  Dittrich1)  sogar  eine  Art  von  Kampf 
ums  Dasein  zwischen  den  verschiedenen  Bacillen  der  Mundhöhle  ent- 
deckt haben,  in  Folge  dessen  die  pathogenen  Bakterien  von  den 
Sapropbyten  gleichsam  überwunden  und  neutralisirt  würden. 

In  unseren  lagen,  wo  dem  forschenden  Blicke  der  Mechanismus 
des  organischen  Widerstandes  gegen  die  Infektionserreger  näher  ge- 
rückt ist,  wo  sogar  gefunden  wurde,  dass  auch  der  Urin,  sowie  die 
Milch  in  frischem  Zustande  eine  hervorragende  pilztödtende  Kraft 
besitzen,  wäre  es  Unrecht,  sich  nicht  genau  über  die  Speichelabson- 
derung zu  vergewissern  und  jene  immerhin  räthselhaften  Erschei- 
nungen in  Betreff  der  pathogenen  Bakterien  der  Mundhöhle  näher 
zu  erforschen. 

Aus  diesem  Grunde  hielt  ich  es  für  keine  ganz  nutzlose  Arbeit, 
die  Art  und  Weise  zu  untersuchen,  wie  sich  die  am  gewöhnlichsten 
in  der  Mundhöhle  findenden  Mikroben  der  Speichelsekretion  gegen- 
über verhalten. 

Zu  diesem  Zwecke  filtrirte  ich  den  von  verschiedenen  gesunden 
Individuen  genommenen  Speichel  mittelst  des  Cham  berl  and 'sehen 
Filters  und  sammelte  ihn  so  in  verschiedenen  Reagenzgläsern  zu  je 
10 — 15  cem  als  eine  wasserhelle,  neutral  oder  leicht  alkalisch  reagi- 
rende,  pilzfreie  Flüssigkeit. 

Die  weiteren  Operationen,  um  die  Einwirkung  "der  Speichel- 
flüssigkeit auf  die  verschiedenen  Mikroorganismen  zu  studiren,  deckten 
sich  mit  denen,  welche  andere  Forscher  bei  der  Untersuchung  der  pilz- 
tödtenden  Fähigkeit  des  Serums,  der  Milch  etc.  in  Anwendung 
brachten. 

Ich  führte  also  in  jedes  dieser  Reagenzgläser  eine  Platinöse  ein, 
die  mit  einer  frischen  Bouillonkultur  oder  mit  der  Kondensations- 
flüssigkeit einer  gleichfalls  frischen  Agar-  oder  Serumkultur  getränkt 
war,  und  verfertigte  hierauf  Rollplatten  (Esmarch)  in  verschiedenen 
Zwischenräumen,  woraus  sich  erkennen  liess,  ob  die  Zahl  der  Pilze 
sich  vermehre  oder  vermindere. 

Der  eben  in  den  Reagenzgläsern  gesammelte  und  mit  den  ver- 
schiedenen Bakterienarten  infizirte  Speichel  wurde  alsbald  in  den 
Brütofen  in  eine  konstante  Temperatur  von  37  •  C  gebracht 

Ich  beschränkte  mich  darauf,  bloss  in  Bezug  auf  jene  pathogenen 
Mikroorganismen  Untersuchungen  anzustellen,  die  am  gewöhnlichsten 
im  Munde  gesunder  oder  kranker  Individuen  angetroffen  werden, 
nämlich:  Staphylococcus  pyogenes  aureus,  Streptococ- 
cus pyogenes,  Diphtheriebacillus,  Micrococcus  tetra- 
genus  und  Diplococcus  pneumoniae,  sowie  einige  andere, 
welche  bei  ihrem  Eintritt  in  den  Organismus  gezwungen  sind,  mit  der 
Mundschleimhaut  selbst  in  Beziehung  zu  treten,  nämlich:  Typhus- 
bacillus  und  Chol eraspirillen. 

1)  Die  Bedeutung  der  Mikroorganismen  der  Mundhöhle  für  den  menschlichen  Orga« 
nismu.    (Prager  medic.  Wochenschr.  1890.  Nu.  88.  p.  476—477.) 


890 


SanareIH, 


Die  Resultate  meiner  Untersuchungen  sind,  ganz  kurz  gefasst 
folgende: 

Der  Speichel  besitzt  eine  pilztödtende  Fähigkeit,  welche  sich  in 
bestimmter,  wenn  auch  ungleicher  Weise,  über  den  grösseren  Theil 
der  dieser  vorliegenden  Untersuchung  als  Objekt  dienenden  Mikro- 
organismen ausdehnt. 

Doch  ist  diese  pilztftdtende  Eigenschaft  des  Speichels,  wie  die 
des  Blutserums,  des  humor  aqueus  des  Auges  etc.  nicht  unbegrenzt 
sondern  gewissen  Bedingungen  unterworfen,  welche  sie  modifiziren 
und  die  Flüssigkeit  selbst  sogar  zu  einem  sehr  guten  Nährboden 
machen  können. 

Diese  Bedingungen  stehen  meist  in  Beziehung  zu  der  Menge 
der  Pilze,  auf  welche  der  Speichel  einwirken  soll.  Wenn  die  Zahl 
derselben  eine  gewisse  Grenze  nicht  überschreitet,  gehen  alle  PQze 
ohne  Ausnahme  rasch  zu  Grunde;  wenn  jedoch  im  Gegentheile  ihre 
Menge  das  püztödtende  Vermögen  des  Speichels  augenscheinlich 
übersteigt,  so  zeigt  sich  bloss  anfangs  eine  Verminderung;  alsbald 
jedoch  beginnt  eine  rasche  und  konstante  Vermehrung  derselben  Pilze. 

So  werden  Staphylococcus  aureus,  Streptococcus 
pyogenes,  Microc.  tetragenus,  Typhusbacillus  und 
Cholerabacillen,  wenn  sie  in  nicht  sehr  bedeutender  Menge  mit 
der  Speichelflüssigkeit  in  Kontakt  kommen,  mehr  oder  weniger  rasch 
zerstört,  umgekehrt  tritt,  wenn  ihre  Zahl  eine  gewisse  Grenze  über- 
schreitet, jedesmal  reichliche  Vermehrung  und  Weiterentwickelung  ein. 

Die  Ergebnisse  der  nachfolgenden  Tabellen,  welche  ich  aus  vielen 
von  mir  erhaltenen  heraushebe,  werden  genügen,  um  augenblicklich 
den  Einfluss  zu  zeigen,  den  die  Anzahl  der  Pilzkeime  auf  die  püz- 
tödtende Fähigkeit  des  Speichels  ausübt: 

Staphylococcus  pyogenes  aureus. 
Zwei  Reagenzgläser,  je  10  ccm  (ungefähr)  Speichel  enthaltend, 
werden,  das  erste  mit  der  Spitze  eines  dünnen  Platindrahtes,  und 
das  zweite  mit  einer  grossen  Platinöse,  welche  mit  einer  frischen 
Bouillonkultur  des  erwähnten  Mikroben  getränkt  war,  geimpft  und 
werden  unmittelbar  darauf  in  den  Thermostaten  mit  einer  Temperatur 
von  37  °  C  gestellt 


Ansahl  der  Kolonieen 

1.  Glas 

S.  Glas 

1.  Platte 
8.        M 

«.       V 

7.       „ 

Sogleich  nach  der  Impfling. 
Nach  18  Standen. 

„       I  Tafcen. 

»t      3         »» 

M            ^                1» 

»»            •                »» 

*«6 
64 
0 
0 
0 
0 

o 

13840 

5S65 

132 

8 

165 

4900 

onsiblbar. 

Choleraspirillen. 
Zwei  Reagenzgläser,  enthaltend  je  ungefähr  10  ccm  Speichels, 
werden,  das  erste  mit  der  Spitze  eines  dünnen  Platindrahtes  und 


Der  menschliche  Speichel  and  die  pathogenen  Mikroorganismen  der  Mundhöhle.    g21 


das  zweite  mit  einer  grossen  Platinöse,  welche  wie  oben  in  die 
Kultur  getaucht  worden  war,  geimpft  und  sogleich  in  den  Thermostaten 
bei  37°  C  gestellt. 


Anzahl  der  Kolonieen 

1.  Glas   |    2.  Glas 

1.  Pleite 

Sogleich  nach  der  Impfung, 

360       !       660 

*•       „ 

Mach  1  Stunde. 

420       !       800 

3-      „ 

„     6  Standen. 

110       1       240 

4-       „ 

„  84        „ 

0 

360 

*•       „ 

„     2  Tagen. 

0 

4000 

6.       „ 

>»     3       »» 

0 

onaihlig. 

V.       „ 

»t     4       ff 

0 

»» 

Aber  wenn  meine  Untersuchungen  einerseits  dargelegt  haben, 
dass  der  menschliche  Speichel  eine  Wirkung  ausübt,  welche  in  vielen 
Fällen  als  eine  wahrhaft  providentielle  in  Bezug  auf  die  letzterwähn- 
ten Mikroorganismen  angesehen  werden  kann,  so  Hessen  sie  anderer- 
seits auch  erkennen,  dass  in  der  Speichelflüssigkeit  zwei  der  gefähr- 
lichsten Gäste,  der  Diphtheriebacillus  und  der  Pneumococ- 
cus,  lange  Zeit  leben  und  sogar  prosperiren  können. 

Die  bei  den  Untersuchungen  über  den  Diphtheriebacillus 
erhaltenen  Resultate  haben  ergeben,  dass  derselbe  unter  der  Wirkung 
des  Speichels  nicht  sehr  leidet,  aber  dennoch  in  letzterem  nicht  leben 
und  auch  sich  nicht  weiter  vermehren  kann,  sondern  thatsächlich 
nach  28 — 40  Tagen,  auch  wenn  er  in  grosser  Menge  eingeführt  wurde, 
gänzlich  vernichtet  war. 

Hingegen  zeigten  mir  die  bei  den  Versuchen  mit  dem  Diplo- 
coccus  pneumoniae  erhaltenen  Ergebnisse,  dass  für  diesen  Pilz 
der  Speichel  einen  sehr  günstigen  Nährboden  abgibt  In  der  That 
macht  sich  kurze  Zeit  nach  der  Impfung  mit  einer  ganz  geringen 
Menge  desselben  eine  rapide  Vermehrung  bemerkbar,  die  viel  reich- 
licher ist,  als  jene,  die  für  gewöhnlich  in  den  Kulturen  einzutreten 
Pflegt 

Indessen  bebalten  die  Pneumokokken  im  Speichel  nicht  lange  ihre 
Virulenz,  und  der  folgende  Versuch,  den  ich  als  Beispiel  heranziehe, 
bestätigt  dies  zur  Genüge. 

In  ein  15  ccm  frischen  Speichels  enthaltendes  Reagenzglas  giesse 
ich  5  Tropfen  Blut  von  einem  eben  an  Speichelseptikämie  verendeten 
Kaninchen.  Gleichzeitig  giesse  ich  5  Tropfen  desselben  Blutes  in  ein 
Bouillonglas  und  stelle  dann  beide  Gläser  in  den  Thermostaten  bei 
37°  C.  Die  primäre  Virulenz  des  Pneumococcus  tödtet  ein 
Kaninchen  innerhalb  24  Stunden. 

1.  April.  Einimpf,   vou   */,    ccm  des  Speichel*  einem  1.    Kaninchen  (1,000  kg),   stirbt 

nach  24  Standen  an  Speicheiseptikimie  (Kontrole). 

*•  April.  Eiuimpf.  vou  '/,  ccm  des  Speichels  einem  2.   Kaninchen   (1,550   kg),   bleibt 

am  Leben. 

3.  April  Einimpf,  von  '/,  ccm  des  Speichels   eiuem    9.  Kaninchen    (0,900  kg),   stirbt 

uach  2  Tagen  an  Speichelseptikämie 

*•  April.  Einimpf,  von  '/t  ccm  des   Speichels   einem   4.    Kanincheu    (0,720  kg),    stirbt 

nach  4  Tagen  an  Speichelseptikämie. 


822  Pen»o, 

5    April.     Einimpf,  von  */»  ccm  <*••  Speichels  »inem  5.    Kaninchen   (1,800   k|r),    bJeife 

am  Leben. 
7.  April.     Einimpf,  von  '/,  ccm  des  Speichels  einem  6.  Kaninchen   (1,0*0   kg),    Mei*.j 

am  Leben. 
12.  April.     Einimpf,  von  '/,  ccm  des  8peichels    einem  7.  Kaninchen  (1,000  kg),    stiri: 

nach  8  Tagen  an  Speicbelseptikftmie. 
15.  April.     Einimpf,  von  */»  ccm  der  mit  Pneumokokken   infisirten  Bouillon    am  selbe- 

Tage,   wo   der  Speichel   infisirt  wurde,   bei   einem   8.  Kaninehen  (1,150  kg).  «t;rfr-t 

nach  84  Standen  an  Speichelseptikftmie. 

Meine  bisherigen  Versuche  gestatten  mir  noch  nicht,  eine  ent- 
scheidende Antwort  auf  die  Frage  zu  geben,  die  natürlich  auf  solche 
Ergebnisse  hin  gestellt  werden  kann,  welcher  Substanz  nämlich  der 
Speichel  seine  pilztödtende  Fähigkeit  verdankt;  für  jetzt  halte  icb 
mich  bloss  berechtigt,  anzunehmen: 

1)  daßs  der  menschliche  Speichel  als  ein  durchaus  ungünsti- 
ger Nährboden  für  gewisse  pathogene  Mikroorganismen  betrachtet 
werden  muss; 

2)  dass  er  die  Fähigkeit  besitzt,  mehr  oder  weniger  rasch  die- 
selben zu  zerstören,  wenn  ihre  Zahl  nicht  zu  betrachtlich  ist; 

3)  dass  er  endlich,  auch  wenn  er  die  Entwicklung  gewisser 
Arten  (Pneumokokken)  zulässt,  trotzdem  im  Stande  ist,  den  normalen 
Typus  derselben  zu  ändern,  sie  abzuschwächen  oder  auch  gänzlich 
unwirksam  zu  machen. 

Die  Schlussfolgerungen  aus  diesen  Resultaten  und  ihre  Anwendung 
bei  den  verschiedenen  normalen  und  pathologischen  Zuständen  des 
Menschen,  in  welchen  der  Speichel,  wie  so  viele  andere  Sekrete, 
tiefen  qualitativen  und  quantitativen  Modifikationen  unterworfen  ist, 
könnten  daher  interessante  Beiträge  zur  Pathologie  und  nützliche 
Indikationen  für  die  Hygiene  und  die  Prophylaxis  der  Mundhöhlt 
liefern. 

Siena,  3.  November  1891. 


Beitrag  zum  Studium  der  biologischen  Verhältnisse 
des  Bacillus  des  malignen  Oedems. 

Vorläufige  Mittheilung 

von 

Dr.  Rudolf  Pcnzo, 

Assistenten  am  Laboratorium  f    allgem.  Pathologie  der  Univer>ünt 

sn 

Turin. 

Aus  meinen  Untersuchungen,  bei  welchen  die  Methode  G  ruber'« 
mit  der  von  Fraenkel  kombinirt  wurde,  und  bei  welchen,  in  samnit- 
lichen  Rezipienten  —  die  nicht  nach  der  gewöhnlichen  Weise,  <l.  h. 
durch  Gummipfropf  und  Paraffinumsäumung,  sondern  Ober  der  Flamme 
verschlossen  wurden   —  ein  gleicher  Druck  von  reinem,  verdünntem 


Stadium  der  biologischen  Verhältnisse  des  Bacillus  des  malignen  Oedems.      323 

WVasserstoff  ( 10  cm  über  0  der  Pumpe  von  A 1  v  e  r  g  n  i  a  1)  in  Anwendung 
kam,  gehen  die  folgenden  Resultate  hervor: 

Der  Bacillus  des  malignen  Oedems  entwickelt  sich  in  Agarplat- 
ten  ,  bei  +  38  °,  schon  nach  8—10  Stunden  zu  kleinen  Kolonieen, 
von  denen  die  oberflächlichen  punktförmig,  weisslich-opak  und  von 
nassem  Aussehen  sind  und  rasch  von  einem  zarten,  ebenfalls  opaken 
Ring  mit  unregelmässig  ausgezacktem  Bande  umgeben  werden.  Nach 
^20 — 30  Stunden  ist  die  Entwickelung  vollständig,  und  man  sieht  bei 
der  mikroskopischen  Prüfung  (Objekt.  4,  Okul.  3  Hartnack),  dass  die 
Kolonieen  aus  einem  dichten  Netz  fein  granulöser  Fäden  bestehen, 
die  hier  und  dort  in  kleinen  Haufen  angehäuft  sind.  An  den  tiefen 
und  gut  entwickelten  Kolonieen  entsteht  durch  Gasbildung  ein  linsen- 
förmiges Bläschen.  In  Gelatineplatten ,  bei  gewöhnlicher  Temperatur, 
erfolgt  die  Entwickelung  erst  nach  36 — 48  Stunden.  Anfangs  bieten 
•lie  Kolonieen  auch  hier  ungefähr  dieselben  Charaktere  wie  in  Agar, 
allein  sie  verflüssigen  rasch  die  Gelatine. 

In  den  Kulturen  durch  Einstich  in  Gelatine  (+18° h  22°) 

inanifestirt  sich  die  Entwickelung  nach  ungefähr  30  Stunden  durch 
eine  staubförmige    Trübung  des  oberen  Theiles  des  Impfstreifens; 
gleich  danach  verflüssigt  sich  die  Gelatine,  und  die  Kultur  sieht  wie 
ein  Wölkchen  von  konischer  Form  aus,  deren  Basis  gegen  die  Ober- 
fläche der  Gelatine  und  die  abgerundete  Spitze  nach  unten  sieht. 
Bei  fortschreitender  Entwickelung  nehmen  die  Dimensionen,  haupt- 
sächlich die  Höhe  des  verflüssigten  Gelatineconus  zu;  man  sieht  in 
dieser  kleine,   w  ei  sali  che  Flöckchen  herumschwimmen   und  Bildung 
von  kleinen  Gasbläschen.    In  einem  älteren  Stadium  klären  sich  die 
oberflächlichen  Schichten  der  Gelatine,  während  sich  in  der  Tiefe  ein 
weisslicher,  flockiger,  zum  Theile  auch  staubförmiger  Bodensatz  an- 
sammelt. 

Die  Sporenbildung  beginnt  erst  6 — 8  Tage  nach  der  Impfung 
und  gebt  langsam  vor  sich. 

In  den  Kulturen  durch  Einstich  in  Agar  bei  +  83°  erfolgt 
die  Entwickelung  schon  nach  6 — 8  Stunden,  und  zwar  beginnt  sie 
auch  hier  als  fein  granuläre,  weissliche,  opake  Umwandlung  des 
Impfstreifens,  die  sich  rasch  seitlich  mit  gefransten  Rändern  fort- 
setzt. Nach  12 — 18  Stunden  bilden  sich  längs  des  Impfstreifens 
Gasbläschen,  die  schnell  an  Umfang  zunehmen  und  den  Agar  in 
allen  Richtungen  zerspalten.  Diese  Gasentwickelung  ist  so  reichlich, 
dass  dicke  Agarschichten  gegen  den  oberen  Theil  der  Eprouvette 
geworfen  werden,  während  sich  am  Grunde  derselben  eine  beträcht- 
liche Quantität  einer  kondensirten,  trüben,  weisslichen  Flüssigkeit  an- 
sammelt. Nach  48 — 60  Stunden  befindet  sich  die  Sporenbildung  im 
Gange  und  geht  rasch  vor  sich. 

Auf  dem  klarinett-schnabelförmigen  Agar  erscheinen  die  mit  der 
Platinschlinge  gezeichneten  Streifen  rasch  weisslich  durch  Entwicke- 
lung von  kleinen  Kolonieen,  welcHe  die  Charaktere  der  an  der  Ober- 
.    fläche  der  Agarplatten  beschriebenen  haben. 

Nach  24—36  Stunden  ist  die  ganze  Oberfläche  des  Agar  von 
einem  dünnen,  weissen,  opaken  Schleier  bedeckt,  der  aus  der  Ver- 
schmelzung der  Ringe  hervorgeht,  welche  die  einzelnen  Kolonieen  um- 


824  p«b»o, 

geben.  Auf  Erdäpfel  geimpft,  entwickelt  sich  der  Bacillus  rasch  bti 
der  Temperatur  der  Inkubationsmaschine;  diese  Kulturen  haben  je- 
doch wenig  Charakteristisches,  da  der  Bacillus  nur  ein  leichtes  Opak- 
werden der  glänzenden  Oberfläche  des  Erdapfels  verursacht 

Die  geeignetste  Temperatur  zur  Entwicklung  des  Bacillus  ist 
zwischen  +  37  °  und  +  39  ° ;  bei  dieser  Temperatur  erzeugt  er 
eine  grössere  Quantität  giftigen  Stoffes,  als  bei  niederen  Temperaturen 
Der  Bacillus  entwickelt  sich  nicht  unter  +  16  °. 

Auf  Fleischbrühe  oder  Gelatine  bildet  er  oft  lange  Fäden;  dies 
erfolgt  seltener  und  in  weniger  gut  ausgesprochener  Form  in  Kul- 
turen auf  Agar  oder  Erdäpfeln. 

Er  färbt  sich  mit  allen  bekannten  Färbemitteln,  auch  du 
Gram' sehe  mit  inbegriffen. 

Wenn  sich  der  Bacillus  zur  Sporenbildung  anschickt,  verdickt 
er  sich  an  einem  Ende,  und  in  diesem  erscheint  kurz  nachher  eine  Spore, 
welche  ovoid  und  stark  lichtbrechend  ist  Man  erhält  leicht  die 
doppelte  Färbung  der  Bacillen  mit  Sporen  durch  ZiehTsche> 
Fuchsin  und  Methylenblau  in  wässeriger  Lösung:  die  Sporen  färben 
sich  roth,  der  Bacillus  blau  mit  einem  Stich  ins  Violette. 

Die  Sporen  sind  sehr  resistent;  sie  gehen  nicht  zu  Grande,  auch 
wenn  sie  10  Minuten  lang  heissem  Wasserdampfe  (ungefähr  H-  99  ,:> 
ausgesetzt  sind;  und  ausgetrocknet,  entwickeln  sie  sich  noch,  nach- 
dem sie  mehr  als  20  Stunden  lang,  und  zwar  12  Stunden  lang  fort- 
während dem  direkten  Sonnenlichte  ausgesetzt  waren. 

Der  Bacillus  des  malignen  Oedems  in  Reinkultur  bewahrt  lange 
Zeit  alle  seine  Eigenschaften,  wenn  er  streng  mit  Ausschluss  vol 
Sauerstoff  kultivirt  wurde;  ich  besitze  ihn  in  der  67.  Generation 
mit  denselben  Eigenschaften,  die  er  in  der  ersten  Kultur  hatte. 

Ich  konnte  bezüglich  des  Bacillus  des  malignen  Oedems  das- 
selbe Faktum  konstatiren,  welches  Vaillard  und  Vincent  für 
den  Bacillus  des  Tetanus  festgestellt  haben,  dass  nämlich  die  Thiere. 
wenn  sie  mit  der  Reinkultur  des  Bacillus  injizirt  werden,  bloss  durch 
den  Eingriff  des  schon  in  der  Kultur  enthaltenen  Giftes  —  welche 
gleichzeitig  mit  dem  Mikroorganismen  ihnen  einverleibt  wird  —  zu 
Grunde  gehen,  weil  einerseits  kleine  Dosen  der  Reinkultur  nicht 
pathogen  wirken,  und  weil  man  in  den  Thieren,  welche  nach  Injek- 
tion von  starken  Dosen  starben,  an  der  Impfstelle  keine  Yermehruii: 
der  eingeimpften  Bacillen  nachzuweisen  vermag.  Im  Gegentheil  erweist 
die  in  verschiedenen  Zeiträumen  nach  der  Impfung  ausgeführte  Prü- 
fung der  inokulirten  Gegend  eine  beträchtliche  und  rasche  Verminde- 
rung der  Menge  der  Bacillen.  Bei  den  Thieren,  welche  in  Folge 
der  Inokulation  von  starken  Dosen  einer  Reinkultur  zu  Grunde  gingen, 
fehlt  vollständig  der  gewöhnliche  pathoL-anatomische  Befund  (OedeiD 
und  Gasentwickelung  im  subkutanen  Bindegewebe),  den  man  bei 
Thieren  antrifft,  welche  in  Folge  der  subkutanen  Inokulation  von 
Gartenerde  starben. 

Die  verhältnissmässig  enorme  Menge  (4—6  cem)  von  Reinkultur, 
welche  zur  Tödtung  eines  Meerschweinchens  erforderlich  ist,  zeigt, 
dass  die  Produkte  dieses  Bacillus  in  Reinkultur  nicht  jenen  hohen 
Grad  von  Giftigkeit  besitzen,  der  den  Produkten   anderer  Bariließ 


fetodfam  der  biologischen  Verhältnisse  des  Bacillus  des  malignen  Oedems.    825 

eigen  ist.  Wenn  man  dagegen  die  Reinkultur  des  Bacillus  des  malignen 
Oedems  mit  der  Reinkoltur  des  Bacillus  prodigiosus  oder  des 
Proteus  vulgaris  mischt,  dann  wird  sie  auch  in  kleinsten  Dosen 
pathogen,  und  man  findet  an  der  Impfstelle  eine  starke  entzündliche 
Reaktion  mit  beträchtlichem  subkutanen  Oedem  und  starker  Gasent- 
wickelung, als  Zeichen  der  Entwicklung  des  eingeimpften  Bacillus, 
wie  dies  die  mikroskopische  Prüfung  bestätigt 

Der  Bacillus  prodigiosus  und  der  Proteus  vulgaris, 
vereint  mit  dem  Bacillus  des  malignen  Oedems,  ermöglichen  also  die 
Entwickelung  des  letzteren  in  den  geimpften  Thieren.  Io  Fällen  einer 
solchen  kombinirten  Impfung  lässt  sich  durch  die  mikroskopische 
Prüfung  und  durch  Kontrolkulturen  nachweisen,  dass  sich  der 
Bacillus  prodigiosus  und  der  Proteus  vulgaris  sammt 
dem  Bacillus  des  malignen  Oedems  in  den  Organen  des  infizirten 
Thieres  ausbreiten  und  vermehren. 

Diese  Resultate  der  kombinirten  Inokulation  machen  es  erklär- 
lich, dass  Gartenerde  in  geringer  Quantität  (Strassenstaub,  Flüssig- 
keit in  Mistgruben  u.  s.  w.  bewirken  dasselbe),  wenn  sie  subkutan 
einem  Meerschweinchen  eingeimpft  wird,  dasselbe!  in  24  Stunden  unter 
den  klassischen  Symptomen  des  malignen  Oedems  tödtet ;  und  dass  es 
schwierig  ist,  den  Bacillus  des  malignen  Oedems  in  Beinkultur  da- 
durch zu  gewinnen,  dass  man  die  Milz  eines  Meerschweinchens,  kurz 
nach  dem  Tode  in  Folge  von  Einimpfung  mit  Gartenerde,  einfach 
auf  den  Grund  eines  Röhrchens  mit  sauerstofffreiem  Agar  oder 
Gelatine  gibt. 

Wenn  man  in  ein  Röhrchen  mit  von  Sauerstoff  nicht  freiem  Agar 
oder  Gelatine  (gewöhnliche  Luftkulturen)  gleichzeitig  den  Bacillus 
des  malignen  Oedems  und  den  Bacillus  prodigiosus  oder  den 
Proteus  vulgaris  einimpft,  so  entwickelt  sich  mit  diesen  letzteren 
ganz  gut  auch  der  Bacillus  des  malignen  Oedems;  und  die  so  er- 
haltenen gemischten,  künstlichen  Kulturen  tödten  —  wenn  sie  in 
kleinster  Dosis  subkutan  inokulirt  werden  —  ein  Meerschweinchen  un- 
gefähr nach  24  Stunden,  wie  Gartenerde,  unter  den  typischen 
Symptomen  des  malignen  Oedems. 

Dieses  Verhalten  des  Bacillus  des  malignen  Oedems,  eines  rein 
apaärobischen  Bacillus,  in  gemischten,  künstlichen,  auf  von  Sauerstoff 
nicht  freiem  Nährboden  gemachten  Kulturen,  in  Gegenwart  der  Luft, 
erklärt  uns  sein  verbreitetes  Vorkommen  in  der  Natur,  in  den  ober- 
flächlichen Schichten  der  Erde  und  an  vielen  anderen  von  Sauer- 
stoff nicht  freien  Orten. 

Padua,  18.  Oktober  1891. 


826  *»•■!. 


Ueber  eine  neue  Karbolmethylenblau -Methode. 

[Aus  dem  Institute  für  allgemeine  und  experimentelle  Pathologie  in  Graz.] 

Von 

Fritz  Pregl, 

eand.   med. 
in 

Graz. 

Mit  der  Färbung  einer  grosseren  Anzahl  von  Organschnitten  nach 
der  Kühne1  sehen  Methylenblaumethode1)  beschäftigt,  machte  sich 
mir  die  Umständlichkeit  dieser  Methode  in  einzelnen  Fällen  besonders 
fühlbar.  Ich  war  deshalb  darauf  bedacht,  eine  für  meine  Zwecke 
einfachere  Färbemethode  zu  ersinnen;  thatsächlich  bin  ich  theils  auf  dem 
Wege  der  Ueberlegung,  theils  auf  dem  der  Empirie  zu  einem  Ver- 
fahren gelangt,  welches  sich  in  allen  von  mir  untersuchten  Fällen 
bewährte,  und  erlaube  ich  mir  dasselbe  hiermit  der  Oeffentlichkeit 
zu  übergeben. 

Um  näher  darauf  eingehen  zu  können,  will  ich  vorerst  die  ur- 
sprüngliche Methylenblaumethode  von  Kühne  in  ganz  kurzen  Zügen 
anführen. 

Nach  Kühne  färbt  man  den  Schnitt  durchschnittlich  */§  Stunde 
in  Karbolmethylenblau,  spült  ihn  in  Wasser  ab  und  überträgt  ihn 
behufs  Differenzirung  in  angesäuertes  Wasser,  woraus  er  je  nach 
seiner  Dicke  und  den  tinktoriellen  Eigenschaften  der  in  ihm  enthal- 
tenen Bakterien  entweder  sofort  oder  nach  längerer  Einwirkung  zu- 
erst in  reines  Wasser  und  darauf  in  Lithion  carbonicum  -  Lösung, 
behufs  Neutralisation  der  letzten  Säurespuren,  kommt  Nach  aber- 
maligem Abspülen  entwässert  man  den  Schnitt  in  Alkohol  absolutes, 
den  man  zweckmässiger  Weise  mit  Methylenblau  färbt,  um  besonders 
bei  feinen  Objekten  ein  stärkeres  Entfärben  zu  verhüten.  Nun  über- 
trägt man  ihn  vorsichtig  in  mit  Methylenblau  gefärbtes  Anilinöl,  auf 
dessen  Oberfläche  er  sich  schön  ausbreitet  und  auch  seines  letzten 
Wassergehaltes  beraubt  wird.  Das  gefärbte  Anilinöl  entfernt  man 
aus  dem  Schnitte  durch  Einlegen  in  reines  Anilinöl,  dieses  letztere 
wird  durch  Einlegen  in  Thymen  oder  Tereben  und  dieses  wieder  mit 
Xylol  entfernt,  worauf  der  Schnitt  in  Dammarharz  oder  Kanada- 
balsam eingeschlossen  wird. 

Schon  der  Umstand,  dass  eine  so  beträchtliche  Zeit  für  das 
Färben  erforderlich  ist,  macht  diese  Methode  etwas  langwierig;  wie 
ich  später  zeigen  werde,  kann  dies  leicht  umgangen  werden. 

Die  allerheikelste  Prozedur  ist  das  Differenziren  mit  ange- 
säuertem Wasser,  da  das  letztere  als  energisches  Entfärbungsmittel 
manche  Schnitte  nach  ganz  kurzem  Verweilen  darin  schon  verblassen 
macht;  einige  Präparate  vertragen  überhaupt  nur  ein  einmaliges, 
kurzdauerndes  Eintauchen.  Ich  suchte  daher  nach  einem  schonen- 
deren Differenzirungsmittel,  und  fand  es  sehr  bald  in  dem  50  °/0  AI-  , 
kohol,   welcher  zwar  etwas  langsam,    dafür  aber  sehr  schonend  dif- 

1)  Dr.  H.  Kühne,  Praktische  Anleitung  «um  mikroekopiaehen  Nachweis  der  Bak- 
terien im  tfaieriachen  Gewebe.     Leipalg  (Günther)  1888.  S.  16.  MethjlenblMmethode. 


Weber  eine  neue  forbolmewjlenblan-lleuoae.  fcj}^ 

ferenzirt,  welcher  Umstand  einerseits  von  Anfang  her  eine  schwache 
Färbung  des  Schnittes  erheischt,  anderseits  aber  ein  fortwährendes 
Kontrolliren  der  Entfärbung  zulässt. 

Besonders  umständlich  erschien  mir  die  Behandlung  der  in  ab- 
solutem Alkohol  entwässerten  Schnitte  mit  gefärbtem,  dann  mit 
reinem  Anilinöl  und  endlich  mit  Tereben.  Offenbar  bedient  sich 
Kühne  des  Anilinöls  erstens,  um  den  Schnitten  die  letzten  Spuren 
Wassere  zu  entziehen  (was  durch  Einlegen  in  mit  geglühtem  Kupfer- 
sulphat  sorgfältig  entwässerten  Alkohol  ebenso  gut  erreicht  werden 
kann),  und  zweitens  hauptsächlich,  um  die  Schnitte  an  der  Oberfläche 
des  letzteren  zum  Ausbreiten  zu  bringen.  Das  Einlegen  in  Tereben 
hat  nur  eine  schonende  Aufhellung  zum  Zweck.  Wenn  man  daher 
das  zu  untersuchende  Organstück  zuvor  in  Paraffin  einbettet  und  die 
Schnitte  aufklebt,  so  kann  man  auf  alle  auf  die  nachherige  Aus- 
breitung der  Schnitte  abzielenden  Prozeduren  verzichten  und  nach 
erfolgter  Färbung  und  Differenzirung  die  in  Alkohol  absol.  vollends 
entwässerten  Schnitte  sofort  in  Xylo!  aufhellen,  um  sie  in  Dammar- 
lack  oder  Kanadabalsam  einzuschliessen. 

Diesen  einleitenden  Betrachtungen  will  ich  nun  eine  übersichtliche 
Darstellung  der  von  mir  geübten  Karbolmethylenblau -Methode 
folgen  lassen: 

Bei  der  Anfertigung  der  Schnitte  bediente  ich  mich  hauptsäch- 
lich, aber  nicht  ausschliesslich,  der  Paraffin -Methode.  Ihr  Vorzug 
liegt  erstens  darin ,  dass  man  ohne  Mühe  verhältnissmässig  sehr 
dünne  (10 — 5  p)  und  dabei  ganz  gleichmässige  Schnitte  erzielt,  und 
zweitens,  dass  man  diese  in  zweckmässiger  Weise  auf  Objektträger 
oder  Deckgläschen,  am  besten  mit  Eiweissglycerin,  aufkleben  kann; 
zwei  umstände,  welche  die  geringe  Mühe  des  Einbettens  gewiss 
lohnen.  Die  mit  den  Schnitten  beklebten  Objektträger  oder  Deck- 
gläschen legt  man  in  der  gewöhnlichen  Weise  zur  Lösung  des  Paraffins 
auf  kurze  Zeit  in  Xylol ,  darauf  in  Alkohol  und  zur  Entfernung  des 
letzteren  in  Wasser. 

Man  kann  sich  auch  einer,  in  ihrem  Prinzipe  durchaus  nicht 
neuen,  Aufklebemethode  bedienen,  die  es  gestattet,  Schnitte  aufzu- 
kleben, welche  nicht  mit  der  Paraffinmethode  hergestellt  wurden. 
Den  Schnitt  bringt  man  in  der  Weise  zum  Haften ,  dass  man  ihn  in 
Alkohol  absol.  vollständig  entwässert  und  mit  dem  Deckgläschen 
derart  aus  dem  Alkohol  herausfängt,  dass  er  sich  schön  darauf  aus- 
breitet. Den  überfiiessenden  Alkohol  saugt  man  von  der  Seite  mit 
Filtrirpapier  ab  und  lässt  rasch  von  einem  Olasstabe  einen  Tropfen 
alkoholischer  Aceton -Celloidin- Lösung1)  zufliessen.     Nun  schwenkt 

1)  Man  bereite  sieb  zuerst  eine  konientrirte  Lösung  von  in  kleine  Stückeben  zer- 
»chnHtenem  und  sorgfältig  getrocknetem  Celloidin  in  Aceton  (Dimethjlketon  CHt  CO  CHa). 
Das  im  Handel  vorkommende  Aceton  ist  stark  wasserhaltig  und  muss  suvor  mit  ge- 
glühtem Kapfersulphat  vollends  entwässert  werden.  Nach  mehreren  Tagen  wird  sieh 
•ine  grosse  Menge  Celloidin  gelöst  haben.  Von  dieser  slhflfissigen,  trüben  Lösung  gibt 
man  einen  dicken  Tropfen  auf  5  com  Alkohol  absoluta«  und  bewahrt  diese  nun  tum 
Gebrauche  fertige  alkoholische  Aceton  -  Celloidin  -  Lösung  in  Flascbchen  mit  gut  einge- 
riebenem Glasstoppel  auf.  Mehr  als  5  com  der  alkoholischen  Lösung  auf  einmal  anzu- 
fertigen, ist  unsweckmassig ,  da  sie  mit  der  Zelt  Wasser  ansieht  und  verdirbt,  daher 
Öfter  erneuert  werden  muss. 


Pregl,   Uebar  eine  mm  tUrbolmethylenblau-ltetWe. 

man  das  so  beschickte  Deckglischen  einige  Male  in  der  Luft  bin 
und  her,  um  den  Alkohol  oberflächlich  zum  Verdunsten  zu  bringen, 
und  legt  es  in  Wasser.  Der  Schnitt  klebt  nun  fest  nnd  kann  da 
folgenden  Manipulationen  unterzogen  werden,  ohne  herunterzufallen; 
nur  ein  zu  langes  Verweilen  in  Alkohol  absolutus  vermag  das  Klebe- 
mittel zu  lösen. 

Die  mit  den  Schnitten  beklebten  Objektträger  oder  DeckgUaeheo 
nimmt  man  nun  aus  dem  Wasser,  saugt  letzteres  von  der  Seite  her 
ab  und  lässt  aus  einer  Pipette  so  viel  Karbolmethylenblau1)  zutropfen, 
dass  die  Schnitte  davon  reichlich  bedeckt  sind- 

Nach  Vi  —  1  Minute  spült  man  sie  in  Wasser  ab  und  legt  sk 
behufs  Differenzirung  in  60  °/0  Alkohol  Darin  verbleiben  die  Prä- 
parate so  lange,  bis  die  Schnitte  eine  blassblaue  Färbung  mit  einem 
Stich  ins  Grünliche  annehmen. 

Darauf  werden  die  Präparate  in  Alk.  absoL  vollständig  ent- 
wässert, wobei  sie  kaum  mehr  etwas  von  ihrer  Färbung  verlieren,  in 
Xylol  aufgehellt  und  in  Harz  eingeschlossen. 

In  der  Regel  reicht  diese  Art  der  Behandlung  vollkommen  aus; 
sollten  jedoch  die  Schnitte  aus  irgend  einem  Grunde  die  Farbe  nicht 
annehmen,  so  genügt  es,  das  Präparat  mit  dem  darauf  befindlichen 
Farbstoffe  über  einer  Flamme  sehr  vorsichtig  zu  erwärmen,  bis 
leichte  Dampfwölkchen  aufzusteigen  beginnen,  dann  abzuspülen  und 
wie  oben  weiter  zu  behandeln. 

Was  die  Leistungsfähigkeit  dieser  Methode  anbelangt,  so  hat  sie 
mich  in  jeder  Hinsicht  befriedigt  Bezüglich  ihrer  Anwendbarkeit 
wird  sie  wahrscheinlich  ebenso  universell  sein  wie  die  Kühne 'sehe 
Methylenblau -Methode;  Bestimmtes  kann  ich  darüber  nicht  sagen, 
da  ich  Rotz-  und  Lepra -Schnitte  zu  untersuchen  leider  nicht  Ge- 
legenheit hatte.  DafQr  wandte  ich  die  beschriebene  Methode  auf 
die  meisten  der  hier  im  Laboratorium  vorhandenen  Bakterienarten 
mit  bestem  Erfolge  an.  So  gaben  z.  B.  Organ -Schnitte  von  Thieren, 
die  an  einer  Infektion  mit  Bac  Fasching  (Bac.  capsulatus 
mucosus)*)  gefallen  waren,  sehr  hübsche  Bilder. 

Wie  Kühne  selbst  angibt,  gehört  der  Nachweis  der  Hühner« 
cholerabacillen  im  Gewebe  zu  den  schwierigeren  Färbungen,  und  stützt 
er  den  Werth  seiner  Methylenblau -Methode  auf  die  günstigen  Re- 
sultate, welche  sie  in  diesem  Falle  liefert.  Daher  machte  ich  viel- 
fältige Versuche  mit  Hühnercholera -Schnitten  und  kann  daraufhin 
die  Einfachheit  und  Sicherheit  dieser  Karbolmethylenblau -Methode 
hervorheben.  Besonders  interessant  und  wichtig  ist  dabei  der  Um- 
stand, dass  es  mir  sogar  gelungen  ist,  schön  gefärbte  Pr&parate  von 
Organen  an  Hühnercholera  gefallener  Tauben  zu   erhalten,    welche 

1)  Kühne  gibt  für  dos  Korbolmethylenblan  folgende  Formel  an:  „M  g  Me- 
thylenblau werden  In  einer  Beibechole  mit  10,0  g  absolutem  Alkohol  nbsrgnooeu,  damit 
nnter  Vermeidung  na  starken  Aufdrucken«  nnter  eilmlbliehem  Zasata  to»  100,0  g 
fi  %  Karbolwassers  Terrieben  nnd  geltet.  Bei  nicht  na  starkem  Gebrauche  empfiehlt 
es  sieh,  nur  die  Hälfte  davon  herzustellen,  well  mit  der  Zeit  die  Firbekraft  dar  LSsang 
abnehmen  könnte." 

t)Dr.  Morita  Fasohing,  Uebcr  einen  neuen  KapatlbaciUai  (Bac  eapsnlatns 
maoosas).  (Sitanngsbar.  d.  Kais.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien,  msthem -natarw.  Kl.  Bd. 
0.    Abth.  III.    Jnni  1891.) 


Zschokke,  Dto  Psnuitonfftno*  ron  TrutU  saUr.  829 

die  Kühne' sehe  Methylenblau -Färbung,  wahrscheinlich  ob  des 
jahrelangen  Iiegens  in  Alkohol ,  fast  gar  nicht  oder  Oberhaupt  nicht 
mehr  annehmen. 

Auffallend  ist  auch  der  Unterschied  zwischen  den  nach  Kühne 
und  den  nach  dieser  Karbolmethylenblau-Methode  gefärbten  Hühner* 
cholera-Präparaten.  Wahrend  man  in  den  ersteren  sehr  viele  Bacillen 
bipolar  gefärbt  findet,  sind  in  den  letzteren  die  Bacillen  in  der  bei 
weitem  grösseren  Mehrzahl  der  Fälle  in  toto  dunkelblau  gefärbt, 
wobei  die  Kerne  der  Gewebezellen  blassblau  und  das  Zellplasma 
farblos  erscheinen.  Dies  ist  ein  Beweis  dafür,  dass  die  Färbung 
intensiv  gewirkt  hat,  und  dass  man,  ohne  die  Güte  des  Präparates 
zu  schädigen,  die  Differenziruog  -vollkommen  zu  Stande  bringt. 

Schliesslich  gebe  ich  hier  eine  kurze  Debersicht  des  im  Vorher* 
gehenden  geschilderten  Ganges  dieser  Karbolraethylenblau-Methode. 

Die  auf  Objektträger  oder  Deckgläschen  aufgeklebten  und  in 
Wasser  liegenden  Schnitte  werden 

1)  1/s— 1  Min.  mit  Karbolmethylenblau,  eventuell  unter  Zuhilfe- 
nahme von  Wärme,  gefärbt, 

2)  in  Wasser  kurz  abgespült  und 

3)  in  50  °/o  Alkohol  so  weit  entfärbt,  bis  sie  blassblau,  mit  einem 
Stich  ins  Grünliche,  geworden  sind. 

4)  Entwässerung  in  absolutem  Alkohol. 

5)  Aufhellung  in  Xylol. 

6)  Einschlu88  in  Harz. 
Graz,  den  6.  November  1891. 


Die  Parasitenfauna  von  Tratte  salar. 

Von 

Prof.  Dr.  F.  Zschokke 

In 

Basel. 

(8ohlnM.) 

Wie  im  Rhein,  gehen  wohl  auch  im  Tay  die  marinen  Darm- 
bewohner nach  und  nach  verloren,  ohne  durch  neue  Zufuhr  ersetzt 
zu  werden.  Wohl  aber  werden  sie,  was  für  die  Trutta  salar  des 
Rheines  nicht  der  Fall  ist,  durch  Parasiten  vertreten,  die  offenbaren 
Süaswassercharakter  tragen.  So  nähert  sich  die  Parasitenfauna  des 
Taylachses  in  ihrer  Zusamensetzung  derjenigen  beliebiger  anderer 
Wanderfische.  (Siehe  Tabelle  III.)  Eine  Infektion  mit  dem  im  Darm 
schmarotzenden,  geschlechtsreifen  Echinorhynchus  proteus  ist 
nur  durch  den  Genuas  des  Süsswasserkrebses  Gammarus  pulez 
oder  durch  die  Aufnahme  von  Süsswasserfischen  möglich,  die,  wie 
dies  Hamann  (13)  ausführlich  erörtert,  gelegentlich  eingekapselte 
Echinorhynchus-Larven  umschliessen.  Auch  Distomum 
tereticolle  ist  eine  reine  Süsswasserform,    So  gelangen  wir  denn 


830 


Zschokkft, 


auf  para8itologischem  Wege  zu  dem  Schlüsse,  den  M'IntoBh,  ge- 
stützt auf  andere  Thatsachen,  gezogen  hat,  dass  der  Lachs  im  Tay 
wenigstens  von  Zeit  zu  Zeit  Nahrung  aufnimmt.  Die  Parasitenwelt 
lehrt  uns,  was  vielfach  noch  nicht  als  vollkommen  bewiesen  galt, 
dass  der  ins  Süsswasser  wandernde  Lachs  in  verschiedenen  Strom- 
gebieten eine  verschiedene  Lebensweise  führt.  Im  Rhein  fastet  er 
vollkommen,  im  Tay  nimmt  er  wenigstens  gelegentlich  Nahrung  auf, 
seine  reiche  Besetzung  mit  Süsswasserparasiten  in  der  Ostsee  beweist 
endlich,  dass  er  sich  dort  in  den  Flüssen  und  wohl  auch  den  bra- 
kischen Buchten  ununterbrochen  weiter  ernährt  Dafür  spricht  die 
Zusammensetzung  der  Parasitenfaunen  in  den  verschiedenen  Lachsen, 
sowie  die  An-  oder  Abwesenheit  und  Natur  von  Schmarotzern  im 
Darm  unterhalb  des  Pylors.  Eine  Vergleichung  der  Parasitenwelt 
der  3  verschiedenen  Lachse  ergibt  folgende,  eines  weiteren  Kommen- 
tars nicht  bedürftige  Tabelle. 

Tabelle  VIII. 


3  'S 
3 


1 


;Ji 


"IUI 

9  fl  5  • 

2   9   *  79 

'1*1 


Ausser  in  Wanderfisehen 
noch  in 


Meer- 


8fiss- 
wasser- 

fiscfaeo. 


S&ssw 
fischen 


Rheinisch*: 
Ostsselnchs : 
Schottischer  Lachs: 


SO 

1 

1 

1 

14 

1 

1 

1 

10 

8 

1 

0 

Durch  Auffinden  neuer  Arten  von  Lachsparasiten  und  neuer 
Wirthe  für  Schmarotzer  von  Trutta  salar,  sowie  durch  genaue 
Bestimmung  der  heute  noch  ungenQgend  bekannten  Formen  werden 
die  vorausgehenden  Auseinandersetzungen  und  Tabellen  etwelche 
Modifikationen  erleiden;  doch  dürften  voraussichtlich  die  für  Zusam- 
mensetzung und  Vertheilung  der  Parasitenwelt  des  Lachses  heute 
festgestellten  Thatsachen  nicht  erschüttert  werden.  Vielleicht  gelingt 
es  eher,  dieselben  noch  mehr  zu  festigen  und  besser  zu  beleuchten. 

Als  allgemeines  Resultat  darf  wohl  auch  hervorgehoben  werden, 
dass  der  Lachs  eine  der  reichsten  Parasitenherbergen  unter  den 
Fischen  ist  Ausser  den  in  vorliegender  Arbeit  schon  erwähnten 
31  Arten  von  Schmarotzern  sind  für  Trutta  salar  noch  angeführt 
worden  Bothriocephalus  cordiceps  von  Leidy  und  eine 
Art  Leuckartia  von  Moniez.'  Die  Gesammtzahl  der  für  den 
Lachst  bekannten  Helminthen  beläuft  sich  somit  auf  33  Spezies ,  7 
Nematoden,  4  AcanthocephaJen,  7  Trematoden,  15  Cestoden.  Ihre 
Liste  w&re^f olgende : 

1)  Ascaris  adunca  Rud.,  Darm,  Magen,  Schlund. 

2)  ABcaris  angulata  Rud.,  Schlund. 

3)  Ascaris  clavata  Rud.,  Darm,  Peritoneum. 

4)  Ascaris  (Agamonema)  capsularis  Dies.,  Darm, 
Peritoneum,  Leibeshöhle,  Leber,  Milz,  Nieren,  Geschlechtsorgane, 
Darmwand. 

5)  Ascaris  (Agamonema)  communis  Dies.,  Leber. 


Die  Pansitenfawft  von  TrntU  saUr.  831 

6)  Aecaris  Aculeati  v.  Linst.,  Schlundwand,  Leber. 

7)  Gucullanus  elegans  Zed.,  Pyloranh&nge. 

8)  Echinorhynchus  proteus  Westramb,  Peritoneum, 
Darm. 

9)  Echinorhynchus  pachysonius  Crepl.,  Magen,  Darm. 

10)  Echinorhynchus  acus  Rud.,  Schlund,  Magen,  Darm. 

11)  Echinorhynchus  agilis  Rud.,  Schlund. 

12)  Distomum  varicum  Zed.,  Schlund,  Magen. 

13)  Distomum  reflexum  Crepl.,  Schlund,  Magen. 

14)  Distomum  Miescheri  Zsch.,  Schlund. 

15)  Distomum  appendiculatum  Rud.,  Schlund,  Darm. 

16)  Distomum  ocreatum  Rud.,  Magen. 

17)  Distomum  tereticolle  Rud.,  Darm. 

18)  Distomum  spec.  M'Intosh,  Duodenum. 

19)  Bothriocephalus  infundibuliformis  Rud.,  Pylor- 
anhänge,  Darm. 

20)  Bothriocephalus  cordiceps  Leidy,  Darm. 

21)  Bothriocephalus  Osmeri  (larva)  v.  Linst.,  Darmwand. 

22)  Bothriocephalus  spec.  I.  (larva)  Zsch.,  Darmwand, 
Leibeshöhle. 

23)  Bothriocephalus  spec.  II.  (larva)  Zsch.,  Darmwand, 
Leibeshöhle. 

24)  Bothriocephalus  spec.  III  (larva)  Zsch.,  Darmwand. 

25)  Schistocephalus  dimorphus  Grepl.,  Magen. 

26)  Triaenophorus  nodulosus  (larva)  Rud.,  Leber. 

27)  Leuckartia  spec.  Moniez,  Darm. 

28)  Tetrabothrium  minimum  v.  Linst,  Darm. 

29)  Rhynchobothrium  paleaceum  Rud.,  Darmwand, 
Leber,  Peritoneum. 

30)  Te  t rar h y n chu s  boI i d u s , Darmwand, Rectum, Peritoneum. 

31)  Tetrarhynchus  grossus  Rud.,  Rectum,  Peritoneum. 

32)  Tetrarhynchus  macrobothrius  v.  Sieb.  (=Steno- 
bothrium  appendiculatum  Dies.)  Darmwand,  Leber,  Ovarium, 
Leibeshöhle. 

33)  Tetrarhynchus  spec.  M'Intosh,  Rectum. 
Nur  im  Lachs  kommen  vor   11  Arten. 

Ausser  im  Lachs  nur  noch  in  anderen  Wanderfischen  2  Arten. 
Ausser  in  anderen  Wanderfischen  nur  noch  in  Meerfischen  9  Arten. 
Ausser  in  Wanderfischen  nur  noch  in  Süsswasserfischen  3  Arten. 
Gleichzeitig  in  Wander-,  Meer-  und  Süsswasserfischen  8  Arten. 


Zum  Schlüsse  mögen  noch  einige  zum  Yerständniss  des  Vorher- 
gehenden nöthige  systematische  und  biologische  Bemerkungen  über 
einzelne  Lachsparasiten  angeführt  werden.  Ueber  das  Vorkommen 
von  Ascaris  (Agamonema)  capsularis  Dies,  in  Trutta 
salar  habe  ich  den  früheren  Angaben  nichts  beizufügen  (42),  ebenso- 
wenig der  anatomischen  Beschreibung  v.  Li  n  stow 's  (21,  23,  24), 
der  wohl  mit  vollstem  Recht  die  beiden  Formen  Agamonema 
capsulare   Dies,   und  Ascaris  capsularis  Dies,  vereinigt. 


832  fcsehokk«, 

Im  Lachs  war  der  Parasit  meistens  in  nissiger  Zahl,  seltener  sehr 
zahlreich  in  und  an  den  verschiedensten  Organen  zu  finden.  Schon 
Rudolphi  (34)  und  Wedl  (40)  ist  es  aufgefallen,  dass  die  aus 
ihrer  Kapsel  befreiten  Nematoden  sich  noch  lange  Zeit  im  Wasser 
lebhaft  bewegen.  Ueber  diese  Eigenschaft  des  Agamonemen  wurde 
eine  Reihe  Versuche  augestellt  mit  folgenden  Resultaten:  Es  gelingt, 
die  Warmer  in  Wasser  von  gewöhnlicher  Zimmertemperatur  18 — 21 
Tage  lebend  zu  erhalten.  Schon  Wedl  (40)  glückte  es  übrigens,  die 
Tbiere  8  Tage  lang  ausserhalb  des  Wirthes  leben  zu  lassen.  Bei 
siukender  Temperatur  erlischt  das  Leben  viel  früher.  Während  im 
August  Bewegungen  noch  während  21  Tagen  beobachtet  werden 
konnten,  trat  der  Tod  Ende  Oktober  und  im  November  in  6—12 
Tagen  ein.  Agamonemen,  die  man  langsam  vollständig  eintrocknen 
lässt,  sind  weder  durch  neue  Wasserzufuhr,  noch  durch  Temperatur- 
erhöhung in's  Leben  zurückzurufen,  v.  L instow  (24)  betrachtet 
Ascaris  incurva  aus  Xiphias  gladius  als  Geschlechtsform 
der  A.  caps ularis;  ich  traf  freilebende  Exemplare  des  Warmes 
im  Magen  von  Galeus  canis,  neben  Ueberresten  von  Conger, 
der  häufig  mit  Agamonema  capsularia  besetzt  ist  (42).  Ein- 
mal barg  auch  der  Magen  eines  Rheinlachses  2  freie  Exemplare 
des  Parasiten.  Ascaris  communis  Dies,  und  A.  Acileati 
v  Linst,  entsprachen  den  durch  v.  Li n stow  gegebenen  Schilde- 
rungen (21,  24);  letztere  Art  bewohnte  die  befallenen  Organe, 
Schlundwand  und  Leber,  sowohl  in  der  Embryonal-  als  Larvenform. 
Dass  im  Peritoneum  von  Barben  gelegentlich  eingekapselte 
Echinorhynchen  vorkommen,  hat  bereits  Köhler  (17) bemerkt 
Hamann  (13)  stellt  nun  in  seiner  schönen  Acanthocephalenarbeit 
fest,  dass  Kratzerlarven  in  grosser  Menge  in  der  Leibeshöhle  von 
Phoxinus  laevis  liegen.  Weniger  h&ufig  fand  er  die  vollkommen 
ausgebildeten  Larven  in  Gasterosteus  aculeatus,  G.  pun- 
gitius,  Gobitis  barbatula,  Gottus  gobio  und  Gobio 
fluviatilis.  Die  Würmer  liegen  hauptsächlich  in  Cysten  an  der 
Oberfläche  der  Leber.  Im  Peritoneum  des  Rheinlachses  begegnet 
man  ähnlichen  Gebilden,  die  bis  in  die  kleinste  Einzelheit  mit  der 
von  Hamann  (13)  gegebenen  Beschreibung  und  seinen  Zeichnungen 
übereinstimmen  und  somit  als  junge  Stadien  von  Echino- 
rhynchus  proteus  zu  betrachten  sind.  Hamann  zog  aus  den 
von  ihm  gefundenen  Larven  in  Forellen  den  typischen  E.  proteus 
gross.  So  dienen  denn  neben  dem  Gammarus  pul  ex  diesem 
Parasiten  gelegentlich  auch  manche  Fische,  unter  anderen  der  Lachs, 
als  Zwischen wirthe.  In  Trutta  salar  allerdings  gehören  die  er- 
wähnten Larven  nicht  zu  den  häufigen  Vorkommnissen ;  von  den  hier 
allein  in  Betracht  kommenden  Rheinlachsen  waren  nur  3,12  °/#  damit 
infizirt.  Doch  ist  ihr  Auftreten  vollkommen  festgestellt,  und  da  E. 
p r  oteu  8  geschlechtsreif  im  Darm  von  schottischen  Lachsen  gefunden 
worden  ist,  darf  behauptet  werden,  dass  der  Lachs,  wie  andere 
Fische,  dem  E.  proteus  als  Haupt-  und  Zwischen wirth  dient 
Hamann  erklärt  das  Vorkommen  von  Echinorhyncbus-Larven 
in  Fischen  dadurch,  dass  von  Gammarus  pul  ex  frisch  aufgenom- 
mene Eier  des  Parasiten  mit  dem  Krebs  in  den  Fischdarm  gelangen 


Die  Parasitonfauis  von  Tratte  baIät.  833 

und,  nachdem  derGammarus  pul  ex  verdaut  ist,  dort  ihre  Larven 
entlassen.  Diese  durchbohren  die  Darmwand  der  Fische  und  ge- 
langen in  der  Leber  und  den  Mesenterien  der  neuen  Zwischenwirthe 
zur  Ruhe. 

Für  den  Rheinlachs  wird  es  wohl  besser  sein,  anzunehmen,  dass 
zufällig  Eier  von  E.  proteus  mit  dem  Wasserstrom  in. den  Darm- 
kanal gelangen,  wo  die  Larven  ausschlüpfen  und  ihre  Wanderung 
beginnen.  Nur  einmal  trafen  wir  ja  im  Darm  des  Lachses  einen, 
zudem  kaum  oberflächlich  verdauten,  Flohkrebs.  Die  Erwerbung  einer 
grösseren  Zahl  von  Zwischenwirthen  wird  für  die  Verbreitung  von 
E.  proteus  nicht  ohne  Bedeutung  sein. 

Ueber  die  systematische  Stellung  des  seltenen  Distomum 
Miescheri  kann  jetzt  genügende  Auskunft  gegeben  werden.  Wenn 
wir  der  Klassifikation  von  Stossich  (37.  38)  folgen,  so  gehört  der 
Parasit  zu  der  kleinen  Gruppe  von  Diatomeen,  die  der  soeben  ge- 
nannte Autor  unter  dem  Namen  Gladocoelium  zusammenfasse  Sie 
vereinigt  die  3  Formen  D.  Paget li  Beneden,  D.  veliporum  Grepl. 
und  D.  macrocotyle  Dies.  Alle  sind  durch  die  Verzweigung  der 
Darmschenkel  ausgezeichnet  und  gehören  ausschliesslich  Meerfischen  an, 
eine  Thatsache,  die  auch  für  den  marinen  Charakter  von  D.  Miescheri 
spricht.  Unsere  Form  ist  nahe  verwandt  mit  dem  D.  veliporum 
Crepl.  sowohl,  als  mit  dem  D.  macrocotyle  Dies.  Immerhin 
unterscheidet  sie  sich  scharf  von  beiden  nicht  nur  durch  äussere 
Form-  und  Grössenverhältnisse,  sondern  durch  den  inneren  Bau,  so 
dass  ihre  Artberechtigung  nicht  anfechtbar  ist  Es  geht  unserem 
Trematoden  der  eigenthümliche  Bau  des  Bauchnapfes,  das  „aceta- 
bulum  velatumu  ab,  das  dem  Distomum  veliporum  seinen 
Namen  eingebracht  hat  (Siehe  Crepl  in  (5).)  Von  D.  macro- 
cotyle (siehe  Diesing  (8),  Bellingham  (1),  Olsson  (32) 
unterscheidet  sich  D.  Miescheri  scharf  durch  den  Bau  des  Darmes, 
indem  die  Eingeweideschenkel,  die  sich  bis  in  die  hintere  Leibesspitze 
fortsetzen,  bis  über  die  Mitte  ganz  unverzweigt  sind  und  erst  nach 
Beginn  der  zweiten  Hälfte  ihres  Verlaufs  kurze  ventrale  und  dorsale 
Blindsäcke  abgeben.  Dies  steht  sehr  im  Gegensatz  zu  D.  macro- 
cotyle, dessen  Darmverhältnisse  von  den  genannten  Autoren,  wie 
folgt,  charakterisirt  werden:  „Crura  tractus  intestini  nigrofusca,  in 
collo  ramis  numerosis  elongatis,  exterioribus  tantum  instrueta,  deinde 
per  plurimos  angulos,  singulos  ramos  alternatim  emittentes,  corpus 
percurrentia."  Die  Verzweigung  der  Darmschenkel  konnte  in  der 
früheren  Arbeit  (42)  wegen  des  ungenügenden  Materials  nicht  ver- 
zeichnet werden,  es  wäre  das  der  dort  gegebenen  Beschreibung  bei- 
zufügen. Ebenso  kann  erwähnt  werden,  dass  die  Guticula  an  leben- 
den Exemplaren  eng  und  schwach  geringelt  ist.  Die  eigenthümlichen 
äusseren  Form  Verhältnisse,  die  das  D.  Miescheri  scharf  von  den 
nächst  verwandten  Formen  unterscheiden,  traten  in  der  früher  ge- 
schilderten Weiße  auch  bei  den  frisch  gefundenen  Exemplaren  hervor; 
ebenso  die  Gestalt,  Lage  und  relative  Grösse  der  Saugnäpfe.  Das 
grOsste,  übrigens  noch  nicht  geschlechtsreife  Individuum  mass  15  mm. 
Ausgezeichnet  sind  die  Thiere  durch  ihre  Lebhaftigkeit,   hauptsäch- 


884  Z.chokk«, 

lieh  tasten  sie  fortwährend  mit  der  vorderen ,  den  Mundnapf  lippen- 
artig überragenden  Leibesspitze. 

Die  im  Lachs  gefundenen  Exemplare  von  Distomum  appen- 
diculatum  Rud.  schliessen  sich  in  der  inneren  Organisation  eng 
an  die  von  Monticelli  (31)  neuerdings  gegebene  Diagnose  an. 
Doch  bleiben  sie  kleiner  und  sind  nur  in  den  seltensten  Fällen  deut- 
lich geringelt,  auch  ist  der  Grössenunterschied  der  beiden  Saugnäpfe 
meistens  nicht  so  bedeutend,  wie  er  von  Monticelli  geschildert 
wird.  Sonst  treffen  die  kleinsten  Einzelheiten  zu;  es  herrscht  ferner 
Uebereinstimmung  mit  dem  D.  oereatum,  das  Olsson  (32)  be- 
schreibt, und  dem  D.  ventricosum  Wagener's  (39).  Beide 
Formen  aber  sind  identisch  mit  D.  appendiculatum  Rud.  So 
können  denn  die  fraglichen  Lachsdistomeen  sicher  zu  letzterem  ge- 
zählt werden. 

Ueber  die  Bothriocephalen-Larven  aus  Trutta  salar  ist 
schon  früher  berichtet  worden,  so  dass  heute  nur  noch  wenig  beizu- 
fügen bleibt.  Noch  einmal  fand  sich  im  Rheinlachs  die  schon  früher 
in  erster  Linie  abgebildete  und  beschriebene  Finne  (42,  44).  Sie 
scheint,  wie  das  vermuthet  wurde  (43),  mit  den  Bothriocephalus- 
Larven  übereinzustimmen,  die  v.  Li n stow  (21)  als  Bothrioce- 
phalus  Oameri  aus  dem  Stint  beschreibt.  Unter  diesem  Namen 
ist  der  Wurm  auch  in  vorliegende  Arbeit  aufgenommen  worden. 
Leuckart(18)  erwähnt  ähnliche  Finnen  aus  Osmerus,  Kerbert 
(15)  fand  sie  dort  ebenfalls  häufig  in  verschiedenen  Entwickelungs- 
stadien  in  Darm-  und  Magenwand,  im  Mesenterium,  in  der  Leibes- 
höhle und  unter  dem  parietalen  Blatt  des  Peritoneum.  Die  kleinsten 
(0,75  bis  1  mm)  lagen  in  der  Wandung  des  Darmrohrs  noch  ohne 
Kapseln,  ähnlich  wie  die  von  mir  zu  B.  Osmeri  v.  Linst  ge- 
rechneten Parasiten.  Aeltere,  8  bis  15  mm  lange  Exemplare  fanden 
sich  in  Kapseln  der  Darmwand.  Kerbert  nimmt  an,  dass  die 
Plerocercoiden ,  nachdem  sie  an  Grösse  zugenommen,  ihre  Kapseln 
verlassen  und  nach  der  Leibeshöhle  und  endlich  in  die  Muskulatur 
wandern.  Zum  En twickelungscyklus  vonBothriocephalus  latus 
rechnet  Kerbert  die  Larven  aus  dem  Stint  wegen  ihrer  Erschei- 
nung und  ihres  Baues  nicht;  auch  glückte  es  ihm  nicht,  aus  ihnen 
den  breiten  Bandwurm  in  Hunden  gross  zu  ziehen.  In  10  Lachsen 
fand  Kerbert  keine  Jugendstadien  von  Bothriocephalen. 

Nicht  auf  die  eben  besprochene  Finne  lässt  sich  die  zweite  Form 
aus  dem  Lachs  (44,  Fig.  II)  beziehen.  Sie  wurde  nur  einmal  massig 
häufig  gefunden.  Nach  Art  des  Vorkommens,  nach  Gestalt  und  Bau 
ist  sie  scharf  charakterisirt  (siehe  44)  und  weicht  so  in  jeder  Hinsicht 
von  allen  anderen  Larvenzuständen  aus  Trutta  salar  ab.  In  vor- 
liegender Arbeit  figurirt  sie  unter  dem  Namen  Bothriocephalus 
Bpec.  I  (larva).  Als  B.  spec  II  (larva)  sind  die  früher  als  III 
und  IV  beschriebenen  Formen  zusammengefaßt  worden,  indem  wieder- 
holte neue  Funde  theils  freier,  theils  eingekapselter  Plerocerken  sich 
zwischen  die  zuerst  isolirten  Gebilde  (III  und  IV)  einschoben.  Be- 
sonders wurden  für  Grösse  und  Gestalt  des  Körpers,  sowie  für  Zahl, 
Form  und  Anordnung  der  Kalkkörper  alle  wünschenswerthen  Deber- 
gänge  zwischen  den  früher  getrennten  Arten  entdeckt  Vielleicht  ge- 


Die  Pantsitenfauna  tod  Tratte  galar. 

lingt  es  später,  auf  genügendes  Material  gestützt,  auch  diese  Form  II 
an  den  Bothriocephalus  Osmeri  v.  Linst,  anzuknüpfen.  Die 
Angaben  Kerbe rt's  (15)  lassen  das  als  nicht  unwahrscheinlich  be- 
trachten; einstweilen  aber  fehlen  uns  die  zu  einer  solchen  Verknü- 
pfung nöthigen  Anhaltpunkte.  Ebensowenig  wissen  wir,  ob  die  letzte 
zu  besprechende  Larve  mit  den  übrigen  vereinigt  werden  kann.  Von 
dieser  früher  als  V  beschriebenen  Larvenform,  die  in  vorliegender 
Abhandlung  mit  Bothriocephalus  spec  III  (larva)  bezeichnet 
worden  ist,  fanden  sich  keine  neuen  Exemplare.  Ihrer  Beschreibung 
ist  nichts  beizufügen.  Mit  II  und  III  wurden,  wie  berichtet,  Ueber- 
tragungsvereuche  auf  den  Menschen  ohne  Resultat  gemacht.  Es  ge- 
hören die  Würmer  also  kaum  zum  Entwickelungsgang  von  Bothrio- 
cephalus latus;  auch  Gestalt  und  Bau  spricht  dagegen.  Trutta 
salar  scheint  zufälliger  oder  richtiger  Zwischen wirth  mehrerer  Bo- 
thriocephalen  zu  sein,  ohne  dass  die  Bandwurmlarven  als  häufige 
Gäste  des  Lachses  bezeichnet  werden  könnten.  K'e  r  b  e  r  t  (15),  Lö  n  n  - 
b er g  (26,  27),  M'Intosh  (29),  Braun  (2)  fanden  nie  ähnliche 
Gebilde. 

Zufällig  und  selten  wird  der  Lachs  auch  Larvenwirth  von 
Triaenophorus  nodulosus.  Die  so  typische  Finne  des  in 
manchen  Süsswasserfischen  häufigen  Bandwurms  fand  sich  einmal  in 
einem  24  mm  langen  Exemplare  in  der  Leber  eines  Ostseelachses 
eingekapselt  Als  zufälliger  Gast  darf  auch  der  einmal  in  2  Exem- 
plaren im  Magen  einer  Trutta  salar  aus  der  Ostsee  gefundene 
Schistocephalus  dimorphus  gedeutet  werden.  Offenbar  infi- 
zirte  sich  der  Lachs  mit  dem  Parasiten  durch  Genuss  eines  damit 
bereits  behafteten  Stichlings.  Einen  ganz  analogen  Fall  verzeichnet 
übrigens  Rudolphi  (34,  35). 

Von  2  grossen  Tetrarhynchen  wurde  der  eine  als  Tetra- 
rhynchus  solidus  Drummond,  der  andere  als  T.  grossus 
Rud.  bestimmt  Die  beiden  Formen  wurden  bei  früherer  Gelegen- 
heit (42)  einlässlich  besprochen.  Das  neue  Material  war  geeignet, 
mich  in  der  Ansicht,  dass  die  beiden  Arten  vereinigt  werden  sollten, 
zu  bestärken.  Die  etwa  existirenden  und  von  den  Autoren  (1,  10) 
hervorgehobenen  Unterschiede  sind  so  geringfügig  und  scheinen  so 
wenig  konstant,  dass  sie  eine  Trennung  in  zwei  Spezies  kaum  recht- 
fertigen. Beide  Exemplare  lagen,  wie  die  2  früher  gefundenen,  ohne 
spezielle  Kapsel  im  Peritoneum. 

In  Cysten  der  Darmwand,  hin  und  wieder  auch  frei  in  der 
Leibeshöhle  und  im  Ovarium,  wohnte  wiederholt  und  oft  in  ansehn- 
licher Zahl  eine  eigentümliche  Gestodenlarve,  die  sich  indessen  bald 
als  identisch  mit  dem  Tetrarhvnchus  macrobothrius,  wie 
ihn  v.  Siebold  schildert  (36),  und  Bremser  (3),  wenn  auch  etwas 
undeutlich,  abbildet,  herausstellte.  Schon  v.  Siebold  machte  es 
wahrscheinlich,  dass  der  fragliche  Tet rar hynchus  die  Jugendform 
des  Bothriocephalus  bicolor  Nordmann  aus  dem  Darmkanal 
von  Pelamys  sarda  sei.  Diesen  Bothriocephalus  beschreibt  D i e- 
sing  (7, 9)  unter  dem  richtigeren  Namen  Tetrar hynch  ob  othrium 
bicolor  und  zieht  als  Jugendstadium  definitiv  einen  Theil  des 
Tetrarhynchus  macrobothrius  v.  Sieb.  dazu.    Die  Larve 


886  Eachokk«, 

wird,  wie  folgt  charakterisirt:  „Caput  longissimum,  tetragouum,  in- 
crassatum ,  antice  attenuaturo ,  apice  truncatum ,  transverse  rugosnm, 
bothriis  quatoor  lateralibus,  binis  oppositis  parallelis  linearibus,  capite 
immersis,  subaequilongis.  Trypanorhynchi  breves  subcylradrici.  Col- 
lum breve  obconicum  depressiusculum.  Articalus  corporis  brerö- 
simus  depressus,  in  Collum  retractilis.  Long.  2—3'",  long,  colli  et 
capitis  llU—llU"\  latit.  */,—  Vt'".    Blastocystis  ignota.44 

Ans  dem  übrigen  Theil  des  Tetrarhynchus  macrobo- 
thrius  v.  Sieb,  macht  Diesing  das  nach  ihm  nur  in  Muskeln 
und  Leber  des  Lachses  vorkommende  Stenobothrium  appen- 
d  i  c  u  1  a  t  u  m.  Die  geschlecb tsreife  Form  ist  unbekannt  D  i  e  8  i  n  g  's 
(9)  Diagnose  der  Larve  lautet:  „Caput  longissimum  incrassatum,  sab- 
cylindricum  apice  rotundaturn,  bothriis  quatuor  lateralibus,  binis 
oppositis  parallelis  linearibus,  capiti  immersis,  subaequilongis.  Try- 
panorhynchi breves  subcylindricL  Collum  breve,  cylindricum,  basi 
rotundaturn.  Articulus  corporis  ovalis.  Blastocystis  ignota.  Longit. 
tot  3'";  longit.  capitis  cum  collo  2/";  lat  V4'";  lat  corp.  V*"'* 

Diese  Diagnose  gibt  zu,  dass  Stenobothrium  appendicu- 
latum  mit  der  Larvenform  von  Tetrarhy nchobothrium  bi- 
color  in  allen  wirklich  entscheidenden  Punkten,  speziell  in  Form 
und  Anordnung  der  Sauggruben  und  Rüssel  vollkommen  überein- 
stimmt Alle  angeführten  Unterschiede  beschränken  sich  auf  geringe 
Abweichungen  der  Masse  und  der  Gestalt,  die  sich  als  verschiedene 
Kontraktionszustände  leicht  erklären.  Im  Lachs  finden  sich  nun 
neben  einander  Larven,  die  theil  weise  dem  Stenobothrium  ap- 
pendiculatum  zugetheilt  werden  können,  theilweise  als  Jugend- 
form von  Tetrarhynchobothrium  bicolor  betrachtet  werden 
müssen.  Zahlreiche  Exemplare  aber  der  Würmer  lassen  sich  end- 
gültig weder  der  einen  noch  der  anderen  Form  anschliessen.  Sie 
bilden  alle  möglichen  Zwischenstufen ,  die  sich  je  nach  ihrer  Zusam- 
menziehung der  einen  oder  der  anderen  Diesing'schen  Diagnose 
mehr  n&hern.  So  kann  kaum  daran  gedacht  werden,  Stenobothrium 
appendiculatum  aufrecht  zu  erhalten.  Es  ist  diese  Form  iden- 
tisch mit  dem  Tetrarhy  nchus  macrobothrius,  der  seine  alte, 
ihm  durch  v.  Siebold  gegebene  Begrenzung  wieder  erhält  Wie 
dieser  in  zahlreichen  Meerfischen  wohnende  Parasit  ist  Stenobo- 
thrium appendiculatum  des  Lachses  die  Jugendform  von 
Tetrarhynchobothrium  bicolor  Dies. 

Bothriocephalus  infundibuliformis  Rud.  besitzt  rand- 
ständige und  nicht  flächenständige  Geschlechtsöffnungen ,  wie  ich 
früher  unrichtig  annahm  (41).  Damit  fällt  die  von  Lönnberg  (26) 
geschaffene  Art  B.  suecicus  dahin.  Das  Missverständniss  meiner- 
seits rührte  offenbar  von  einem  ungenügenden  Präparat  her  und  ist 
nunmehr  durch  Vergleich  zahlreicher  Exemplare  des  Bandwurms  aus 
Lachsen  und  aus  Fischen  des  Genfer  Sees  gehoben  worden. 

Basel,  9.  Oktober  1891. 

Litteratur. 
1)  Belli  ng  h  am,    O.  Bryen:   On   Irisch  Entoio»,    (AQflftU   «ad  If&guune  of 
OÄtural  history.    Vol.  XW  and  JJV.) 


bte  Parasitenlauna  von  f rutU  salar.  §£? 

2)  Braun,  M. :  Verzeichnis»  von  Eingeweidewürmern  ans  Mecklenburg.  (Archiv 
d.  Fr.  d.  Katarg.  i.  M.     Jahrg.  1891.) 

8)  Bremser,  J.  G.:  Iconee  Helminthum. 

4)  Creplin,  F.  C.  H. :  Observationes  de  Entosols. 

5)  —  — ,  Endoaoologische  Beiträge.  (Archiv  f.  Katarg.  Jahrg.  VIH.  1842.  Ko.  1.) 

6)  Die  sing,  C.  M.:  System*  Helmintbum. 

7) ,  Ueber  eine  naturgemssse  Vertheilung  der  Cephalocotyleen.  (Sitsongsber.  k. 

Akad.  Wien.  Bd.  XIII.) 

8) ,  Revision  der  Myshelmiothen.     (Ibid.  Bd.  XXXII.) 

9)  —  — ,  Revision  der  Cephalocotyleen,  Abtheilung  Paramocotyleen.  (Ibid. 
Bd.  XLVI1I.) 

10)  Drammond,  J.  L. :  Kotices  of  Irish  Entoioa.  (Magazine  of  natural  history. 
New  8eries.  Vol.  II.) 

11)  Duj ardin,  F.:  Histoire  naturelle  des  Helminthe«. 

12)  Giard,  A.:  Sur  quelques  particularites  tthologiques  de  la  Truite  de  mer. 
(Comptes  rendus  Acad.  Paris.  T.  CIX.  1889.) 

IS)  Hamann,  O. :  Die  Kemathelminthen.  Erstes  Heft.  Monographie  der 
Acanthocephalen.     (Jen.  Zeitsch.  f.  Katurw.  Bd.  XXV.  K.  F.  Bd.  XVIIL) 

14)  H  i  s ,  W. :  Untersuchung  über  das  Ei  und  die  Eientwicklung  bei  Knochen- 
fischen. 1878. 

15)  Kerbert,  C. :  Het  voorkomen  van  Bothr  iocephal  us  latus  in  Neder- 
land.  (Handelingen  van  het  tweede  Kederlandsch  Katuur  en  Geneeskundig  Congres. 
Leiden  1889.) 

18)  Rnox:  On  the  Food  of  certain  gregarious  Fishes.  (Annais  of  natural 
history.  ßeries  U.  Vol.  XVI.) 

17)  Köhler,  B. :  Becherches  sur  la  structure  et  le  developpement  des  cystes  de 
l'E  chinorhynchus  angustatus  et  de  l'E  ohinorhynohus  proteus. 
(Comptes  rendus  Acad.  Paris.  T.  CIV.) 

18)  Leuckart,  R.:  Die  Parasiten  des  Menschen  und  die  von  ihnen  herrühren- 
den Krankheiten.     2.  Auflage. 

19)  v.  L in  stow,  O. :  Compendium  der  Helminthologie. 

20) ,    Kachtrag    zum    Compendium    der    Helminthologie.       (Literatur    der 

Jahre  1878—1889) 

21) ,  Keue  Beobachtungen  an  Helminthen.  (Archiv  f.  Katurg.  Jahrg.  44.  I.) 

22) ,  Helminthologisobe  Studien.    (Ibid.  Jahrg.  45.  L) 

23) ,  Helminthologische  Untersuchungen.  (Ibid.  Jahrg.  46.  I.) 

24) ,  Helminthologisches.     (Ibid.  Jahrg.  50.  I.) 

25) ,  Helminthologische  Untersuchungen.     (Zoolog.  Jahrbücher.     Abtbeilung 

f.  Systematik,  Geographie  und  Biologie  der  Thiere.  Bd.  III.) 

26)Lönnberg,  E. :  Bidrag  tili  k&nnedomen  om  in  Sverige  foYekommande 
Cestoder.   (Bihang  k.  svenska  vet  Akad.  Handlingar.  Bd.  XIV.  1889.) 

27) ,   Helminthologische   Beobachtungen    von    der   Westküste    Korwegens. 

(Ibid.  Bd.  XVI.  1890.  8.) 

28)  Miesoher-Rüsch,  F. :  Statistische  und  biologische  Beitrage  sur  Kenntniss 
▼om  Leben  des  Rheinlachses  im  Süsswasser.  (Ichthyologische  Mittheilungen  a.  d.  Schweis 
nur  internal.  Fiscbereiaussteilung  au  Berlin  1880.) 

29)  M'Intosh,  W.,  C. :  Kotes  on  the  food  and  parasites  of  the  Salmo  salar. 
(Journ.  of  Linnean  Soc.  Vol.  VII.  1868.) 

80)  Monticelli,  F.  S. :  Contribusioni  allo  studio  della  fauna  elmlntologica  del 
golfo  di  Kapoll.  Ricerche  sullo  8c o lex  polymorphus.  (Mittheil.  a.  d.  aoolog. 
8Ution  Neapel.  Bd.  VIII.) 

51)  —  _,  Osservasioni  intorno  ad  aleune  forme  del  Gen.  Apoblema  Dujard. 
(Atti  R.  Accad.  sc  Torino.  Vol.  XXVI.  1891.) 

89)  Ol sso n,  P.:  Entosoa,  iakttagna  hos  skandinaviska  hafsflskar.  (Lunds 
Universitets  Ärskrift.  Bd.  III  und  IV.  1866—67.) 

88)  Owen,  R.,  Lectures  on  Comp.  Anat  Fishes. 

84)  R  u  d  o  1  p  h  i ,  C,  A. :  Entosoorum  seu  vermlum  intestinalium  historia  naturalis. 

95) 9  Entosoorum  Synopsis. 

36)  v.  Siebold,  O.  Tb.:  Ueber  den  Generationswechsel  der  Cestoden  nebst 
einer  Revision  der  Gattung  Tetrar hynchus.    (Zeitschr.  wlss.  Zool  Bd.  II.) 

87)  St os sich,  M.:  I  Distomi  dei  pesci  marinl  e  d'  acqua  dolce. 

38)  _  — ,  Appendice  al  mto  Uvoro  „i  Distomi  dei  pesci  marini  e  d'  aequa  dolce/1 


836  Bakterien  in  Muskeln.  —  Äettnomykoa*. 

89)  Wagentr,  O.  R.:  Ueber  Distoma  appen  dicnlat  um  R.  (Archrr  t 
Naturg.  Jahrg.  26.  I.) 

40)  W  e  d  1 ,  K. :  Helminthologische  Notiseo.  (Sitaungsber.  k.  Acad.  Wien  Bd.  XVL) 

41)  Zschokke,  F.:  Recherches  sw  1*  Organisation  et  la  distribntion  soologiqee 
des  Ters  parasites  des  poissons  d'  eau  donee.     (ArehWes  de  biologie.    Vol.  IV.) 

42) ,    Erster  Beitrag   aar  Parasitenfanna  ron  Trntta   salar.     (VerbandL 

natnrf.  Ges.  Basel.  Theil  VIII.  1889.) 

43)  —  — ,  Ein  weiterer  Zwischenwirth  des  Bot  hrio  c  ephalus  latus.  (Ceo- 
tralbl.  f.  Bakt.  und  Parasitenkde.  Bd.  IV.) 

44) ,  üeber  Bothriocepbalenlarren  in  Trntta  salar.    (Ibid.  Bd.  VII.) 


Referate. 


Mc  Weeney,  Edm.  J^  Preliminary  note  on  the  bacteria 
of  poisonous  mussels.    (British  Med.  Journ.  1890.  No.  1550 
p.  628.) 
Verf.  unterwarf  Muscheln,  die  aus  Seapoint  bei  Dublin  stammten, 
und  deren  Genuss  den  Tod  einiger  Personen  durch  Vergiftung  her- 
beigeführt hatte,  einer  bakteriologischen  Untersuchung.   Die  Byssus- 
ftden   und  das  zwischen  den  Schalen    eingeschlossene  Wasser  ent- 
hielten   eine    grosse  Anzahl  von  Mikroorganismen,    deren    weitere 
Untersuchung  mit  Recht  unterblieb.  Aus  der  Leber  isolirte  der  Verl 
5  verschiedene  Bakterienarten,   von  welchen   ein    kommaähnlicher 
Bacillus  identisch  mit  jenem  zu  sein  scheint,  welchen  Lustig  ans 
der  Leber  von  Mytilus  edulis  rein  züchtete.     Die  Frage,  ob 
einer  der  Mikroorganismen  Toxine  produzire,  lässt  Verf.,  da  Thier- 
versuche  bisher  nicht  angestellt  wurden,  vorläufig  offen. 

Kr41  (Prag). 

Koch,  Drei  Fälle  von  Actinomycosis  hominis.  (München, 
med.  Wochenschr.  1891.  No.  12  und  13.) 

Ueber  die  Beobachtung  von  Strahlenpilzerkrankungen  in  Süd- 
deutschland liegen  nach  den  Ausführungen  des  Verf.  bisher  nur 
wenige  Mittheilungen  vor.  Er  selbst  hat  während  einer  8-jährigen 
Praxis  in  Nürnberg  nur  3  bezügliche  Fälle  zu  behandeln  gehabt, 
deren  ausführliche  Krankengeschichten  er  nebst  Epikrise  veröffentlicht 

Einmal  war  das  subkutane  Zellgewebe  der  linken  Halsseite  dicht 
neben  dem  Kehlkopf,  am  vorderen  Rande  des  Sternocleidomastoideos 
der  Sitz  der  Affektion  gewesen,  im  zweiten  Falle  hatte  die  Erkran- 
kung im  hinteren  Mediastinum  begonnen  und  sich  auf  die  linke 
Lungenspitze,  später  auf  die  linke  Hals-  und  Gesichtsseite  ausge- 
dehnt, im  dritten  Falle  handelte  es  sich  um  Oberkiefererkrankung. 
Bei  dem  ersten  Patienten  konnte  der  oberflächliche,  dem  Messer 
leicht  zugängliche  Herd  durch  Operation  entfernt  werden,  so  dass  es 
zu  recidivfreier  Heilung  kam ;  in  den  beiden  anderen  Fällen  trat  trotz 
gründlicher  Operationen  nach  längerem  Siechthum  der  Tod  ein. 

Die  Diagnose  war  alle  3  Mal  aus  den  Aktinomyceskörnern,  welche 
sich  in  griesähnlicher  Form  im  Wundsekret,  im  Eiter  und  bei  dem 
zweiten  Falle  auch  im  Auswurf  fanden,  leicht  hergeleitet  worden. 


dchatarimpfang,  kön»tl.  Infektioiukrmnkheitoii,  EntwickelaogshemnaUng  fttc      8$9 

In  keinem  Falle  wurde  Metastasenbildung  beobachtet;  die  Krank* 
heit  verbreitete  sich  vielmehr  per  continuitatem  und  vernichtete 
dabei  alle  ihr  im  Wege  liegenden  Gewebe,  selbst  die  Knochen. 

Charakteristisch  für  die  aktinomykotischen  Herde  war  ihre 
grosse  Derbheit,  welche  von  einer  festen  Verwachsung  der  verschie- 
denartigsten Weichtheile  unter  einander  herrührte,  die  starke  ödema- 
töse  Schwellung  ihrer  Umgebung  und  nach  dem  Aufbruch,  beziehent- 
lich nach  der  operativen  Eröffnung  die  schmierige  Beschaffenheit 
der  durch  Einlagerung  vieler  gelblicher  Knötchen  ausgezeichneten 
Wundfläche. 

Eine  Eingangspforte  der  Pilze  hat  sich  im  ersten  Falle  gar  nicht 
nachweisen  lassen,  im  dritten  Falle  sind  dieselben  wahrscheinlich 
von  kariösen  Zähnen  aus  eingedrungen,  während  im  zweiten  eine 
durch  die  Sektion  festgestellte  Perforation  im  Oesophagus,  welche 
mit  dem  Eiterherd  im  Mediastinum  posticum  kommunizirte,  den 
Gedanken  an  die  Möglichkeit  nahe  legte,  dass  die  Pilze  mit  der 
Nahrung  aufgenommen  waren,  sich  zuerst  im  Oesophagus  angesiedelt 
und  nach  dessen  Durchbohrung  im  hinteren  Mittelfellraum  Gelegen- 
heit zur  Ausbreitung  gefunden  hatten.  Kubier  (Berlin). 


Schutzimpfung,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwick- 
lungshemmung und  Vernichtung  der  Bakterien  etc. 


Bernhelm,  Ueber  die  Desinfektionsgemische.  (Dtsch. 
med.  Wochenschr.  1891.  No.  8—9.) 

Die  Beispiele  des  Rotterin,  der  Karbolschwefelsäure  und  anderer 
Präparate  haben  bewiesen,  dass  unter  Umständen  durch  Mischung 
verschiedener  antiseptischer  Mittel  ein  Desinfektionswerth  erreicht 
werden  kann,  welcher  denjenigen  jedes  einzelnen  Mittels  übertrifft. 
Der  durch  diese  Erfahrung  erreichte  praktische  Vortheil  besteht 
darin,  dass  sich  Mischpräparate  (z.  B.  das  Rotterin)  herstellen  lassen, 
welche  bei  hoher  antiseptischer  Wirkung  dennoch  die  einzelnen  Mittel 
in  äusserst  geringer,  dem  Organismus  unschädlicher  Menge  enthalten. 

Der  Verf.  glaubt  diese  letzteren  Eigenschaften  vom  Arthmann- 
schen  Kreolin  rühmen  zu  können.  Nach  seinen  Ausführungen  sind 
die  Kreoline,  welche  bekanntlich  durch  Destillation  aus  dem  Theeröl 
gewonnen  werden  und  durch  Zusatz  eines  in  den  verschiedenen 
Präparaten  wechselnden  Mittels  die  Emulsionsfähigkeit  in  Wasser 
erbalten,  Gemische  von  Kohlenwasserstoffen,  Phenolen,  Säuren  und 
dem  Emulgens.  Die  Präparate  von  Hauff,  Frank  and  Brock- 
mann enthalten  die  Phenole  in  Gestalt  von  Karbolsäure  und  sind 
daher  nicht  ungiftig;  auch  das  Pearson'sche  Kreolin,  bei  welchem 
die  Karbolsäure  durch  einige  weniger  giftige  Kresole  ersetzt  wird, 
kann  nicht  als  unschädlich  angesehen  werden,  nachdem  He  nie  einen 
durch  das  Präparat  bewirkten  Vergiftungsfall  veröffentlicht  hat. 

Das  Arth  mann 'sehe  Präparat  enthält  nur  sehr  wenig  Phenole 


§40     Bakteriologisch«  AoMtoilang  4m  Vll.  InUrnAtioiuüea  ttoagntMs  ra  London« 

0,78:30,6  °/#  Pearson)  und  ersetzt  dieselben  durch  Theerölkehlen- 
wasseretoffe,  welche  durch  Sulfonirung  mittelst  konzentrirter  Schwefel- 
säure emulsionsfähig  gemacht  worden  sind  und  erhöhte  Desinfektkms- 
kraft  gewonnen  haben.  (Verf.  theiit  das  Herstellungsverfahren  aus 
der  Arth  mann  'sehen  Patentschrift  mit) 

Bernheim  empfiehlt  das  Arthmann'sche  Kreolin  besonders 
für  die  Dermatologie  and  für  Fälle  von  voraussichtlich  langwieriger 
Behandlung  alter  Geschwüre,  Fistelg&uge  u.  dergl.  Dem  durch  die 
bakteriologische  Forschung  geführten  Nachweis  einer  sehr  geringes 
antiseptischen  Wirkung  des  Präparates  gegenüber  beruft  er  sich  auf 
die  günstigen  Erfolge  der  Praktiker,  besonders  der  Veterinäre. 

Kubier  (Berlin). 


Ausstellungen. 


Die  bakteriologische  Ausstellung  des  VTL  internatio- 
nalen Kongresses  für  Hygiene  nnd  Demographie 
zn  London,  10. — 17.  August  189L 

Unter  der  Benennung  „Bakteriologisches  Museum  und 
Laboratorium4'  war  im  engen  Zusammenhange  mit  der  bakterio- 
logischen Sektion  des  vom  10.  bis  zum  17.  August  v.  J.  zu  London 
tagenden  VII.  internationalen  Kongresses  für  Hygiene  und  Demo- 
graphie eine  bakteriologische  Ausstellung  in  den  Bäumen  der  Lon- 
doner Universität  veranstaltet  worden,  die  in  der  That  als  eine  sehr 
gelungene  bezeichnet  werden  kann.  Sie  unterschied  sich  von  ähn- 
lichen Fachausstellungen  vortheilhaft  dadurch,  dass  nicht  solche 
Gegenstände  Zulass  gefunden  hatten,  welche  zur  Disziplin  in  keiner 
oder  nur  in  loser  Beziehung  stehen.  Die  Betheiligung  an  der  Aus- 
stellung von  Seite  des  nicht-englischen  Auslandes  und  bedauerlicher 
Weise  auch  von  Seiten  Deutschlands  und  Oesterreich-Ungarns  blieb 
eine  ziemlich  massige.  Um  das  Zustandekommen  der  Ausstellung  und 
die  systematische  Anordnung  des  Ganzen  hat  sich  der  Sekretär  der 
bakteriologischen  Sektion,  Armand  Buffer,  viele  Verdienste  er- 
worben. 

Das  Studium  der  pathogenen  Mikroorganismen,  insoweit  es  durch 
mikroskopische  Präparate  und  durch  Kulturen,  sowie  durch  Photo-  l 
gramme  und  Zeichnungen  von  denselben  etc.  zur  Darstellung  gebracht  I 
werden  kann,  trat  naturgemäss  durch  eine  besonders  grosse  Anzahl  j 
von  Ausstellungsobjekten  hervor,  unter  welchen  manches  neue  oder 
doch  weniger  bekannte  geeignet  war,  das  fachmännische  Interesse  zu  j 
erregen.     Crookshank  (King's  College,  London)    hatte  eine  Serie  ; 
von  Schnitt-  und  Ausstrichpräparaten  ausgestellt  von  Milzbrand  beim  ; 
Pferde   und  beim  Schweine,    Streptococcus    pyogenes    beim 
Menschen  und  Rind,  Tuberkelbacillen  in  käuflichem  Rahm,  Tuberkel-  i 


Bakteriologische  AoMtoUung  d«  VII,  inUnuUioaalen  Kongraaes  sa  London.     841 

bacillen  and  Phagocyten,  der  Uebertragung  der  menschlichen  Tuber - 
cuioBe  auf  das  Rind,  Aktinomykose  beim  Menschen  und  beim  Rind; 
ferner  Reinkulturen   des  Streptococcus   pyogenes  und  Ery- 
sipel, und  von  Tuberkelbacillen,  dann  Puotogramnie  von  denselben. 
Die  von  Crookshank  zur  Besichtigung  aufgelegten  alten,  mitunter 
kostbaren  Werke  präbakteriologischer  Forschung  bildeten  einen  Mittel- 
punkt allgemeinen  Interesses.    Wir  brauchen  hiervon  nur  zu  nennen 
Athanasius  Kircher  (1646),  welcher  schon  vor  mehr  als  2  Jahr- 
hunderten der  Yermuthung  Ausdruck  gab,  dass  Krankheiten  durch 
kleinste  Lebewesen  hervorgerufen  werden  könnten,   Leuwenhoek, 
Nicolas  Andry   (1701),   Lancisi    (1718),   R6aumur  (1737), 
Lesser  (1742),   Hill  (1752),   Pleuciz  (1762),  Bonnet  (1768), 
Spallanzani  (1769),  Baron  Gleichen  (1778)  u.  v.  a.  m.    Die 
reichhaltigste  Sammlung  von  Tuberkelbacillenkulturen   brachte  No- 
card  (Alfort).     Sie  umfasste  Kulturen  von  menschlicher,   Pferde-, 
Schweine-,  Geflügel-  und  Fasanentuberculose.    Letztere  stammt  von 
einer  1886  angelegten   und   seither   fortgeführten  Kultur,   dieselbe, 
welche    auch   Rivolta   und  Maffucci   zu    ihren   ersten   Unter- 
suchungen benützten.    Erwähnenswerth  sind  die  von  einer  spontanen 
Taubentuberculose  erhaltenen  Kulturen.    Der  Bacillus  der  Tauben- 
tuberculose  ist  leicht  kultivirbar,  die  Kulturen  haben  ein  trockneres, 
schuppigeres  Aussehen,  als  jene  der  Fasanentuberculose,  besitzen, 
jedoch  den  gleichen  Virulenzgrad.    Eine  grössere  Anzahl  von  Kul- 
turen  der  Streptothrix  des  Rinderhautrotzes  auf  verschiedenen 
Nährböden,  ein  Fragment  von  der  Lunge  eines  experimentell  hautrotz- 
krank  gemachten  Hammels,  Präparate  vom  Eiter  und  Schnitte  von 
Pseudotuberkeln  mit  schöner  Doppelfärbung  geben  ein  instruktives 
Bild  des  farcin  du  boeuf.    Die  ausgestellten  Stücke  von  mit  rotz- 
knotenartigen  Geschwüren  bedeckten  Nasensepta  von  Maulthieren,  die 
von  farcin  d'Afrique  befallen  waren,  sind  ihrer  Seltenheit  wegen  be- 
merkenswert;  ihnen   schliessen  sich   die  nach  Weigert  gefärbten 
Schnitte  von  den  Nasengeschwüren  an,  dann  Präparate  aus  dem  Eiter 
und   Photographieen.    Der  Parasit  dieser  Aflektion,   der  Crypto- 
coccus  farciminosus,  ist  ein  sehr  kleiner  Saccharomy  ces, 
welcher,  wie  aus  den  ausgestellten  Kulturen  zu  sehen  war,  am  üppig- 
sten   und   schönsten  auf  der  Rübe  gedeiht.    Eine  in   den  Gebirgs- 
gegenden Frankreichs  häufig  auftretende,  durch  Coccidien  bedingte 
Hammel-Enteritis  ist  durch   Weingeistpräparate,    Zeichnungen    und 
mikroskopische  Präparate  dargestellt.     Die  Tumoren  des  Dünndarmes 
enthalten  Coccidien  in  überaus  reichlicher  Menge.    Tuberkelbacillen- 
kulturen   auf  verschiedenen   Nährböden    brachte  auch  Sir  Beevor 
(London).     Das  Bureau  of  Aniinal  Industry   (Washington)  stellte 
eine  Anzahl    Kulturen    der  Mikroorganismen   von   Hogcholera    und 
hämorrhagischer   Septikämie,  mikroskopische  Präparate    von  Texas- 
fieber und    Mikrophotogramme  aus.     Klein  (London)  führte   Kul- 
turen   von    Diphtheriebacillen    vor,    die  er   vom    Menschen,    Rind 
und  Meerschweinchen  gezüchtet  hatte,  ferner  verschiedene  Arten  von 
Streptokokken   und  eine  Anzahl   von  Kulturen  anderer  pathogener 
Mikroorganismen.     Deläpine  (St.   George's  Hospital,  London)  stu- 
dirte  den  Einfluss  der  Temperatur,  des  Nährbodens  und  der  Raum- 


842     Bakteriologische  Ausstellung  des  VII.  internationalen  Kongresses  sa  London. 

konkurrenz  auf  die  Wachsthumsenergie  and  die  Formkonstanz  von 
Schimmelpilzen  und  brachte  die  Resultate  in  gelungenen  Rein-  und 
Doppelkulturen  zur  Ansicht.  Man  sah  den  Aspergillus  niger 
und  fumigatus  und  ein  dem  Oidium  lactis  nahestehendes,  bei 
einem  Falle  von  Bronchopneumonie  isolirtes  Oidium  einzeln  oder 
neben  einander  oder  gleichzeitig  mit  Penicillium  gl  au  cum  auf 
den  üblichen  Nährböden  und  auf  Amylum,  Cellulose,  Gummischleim, 
Paraffin ,  Hühnereiweiss ,  Hydroceleflüssigkeit  und  auf  Muskel ,  Fett 
und  Epidermis  von  Menschen  gezüchtet.  Eine  Reihe  von  Schnitt- 
präparaten aus  verschiedenen  Organen  eines  Falles  von  Lepra 
tuberosa  zeigte  die  Formverschiedenheiten  des  Leprabacillus  je 
nach  dem  Orte  seiner  Ansiedelung  und  die  Schwierigkeit  der  tinkto- 
riellen  Differential-Diagnose  des  Lepra-  und  des  Tuberkelbacillus- 
Eine  Serie  topographischer  Schnitte  durch  ganze  Organe,  zumeist 
Infektionskrankheiten  betreffend,  ein  improvisirter  Brütofen,  welcher 
auch  als  Dampfsterilisator  benützt  werden  kann,  und  das  von  Del  6- 
pine  (1880)  konstruirte  automatische  Mikrotom  wären  noch  zu  er- 
wähnen. Mac  Weeney  (Dublin)  brachte  Kulturen  von  23  Arten 
von  Mikroorganismen,  die  er  aus  dem  Dubliner  Trinkwasser  isolirt 
hatte.  Elf  Arten  hiervon  konnten  mit  bereits  bekannten  Mikroorga- 
nismen identifizirt  werden,  3  erwiesen  sich  als  fakultative  Ana&roben, 
die  Kaninchen  innerhalb  48  Stunden  tödten.  Hankin  (St.  John's 
College,  Cambridge)  stellte  Kulturen  seines  Ascococcus  Canta- 
bridgiensis  aus,  welchen  er  im  Munde  eines  Studenten  gefunden 
hatte.  Dieser  Ascococcus  bedeckt  schräg  erstarrten  Agar  rasch  mit 
einem  durchscheinenden,  schleimigen,  sehr  zähen  Ueberzuge  von  gelb- 
lich weisser  Farbe,  wächst  aber  ziemlich  langsam  in  Bouillon  und 
Gelatine.  Vom  Ascococcus  Billrothi  unterscheidet  sich  dieser 
Ascococcus  durch  die  längliche  Gestalt  seiner  Individuengruppen 
und  die  weniger  deutlich  sichtbare  Kapsel.  Washbourne  (Guy's  Hospi- 
tal, London)  zeigte  eine  hübsche  Sammlung  von  Kulturen  des  Fried- 
laender'schen  Pneumobacillus,  des  Milzbrandbacillus  und  des 
Fraenkel'schen  Diplococcus  auf  verschiedenen  Nährböden  und 
in  verschiedenen  Kulturformen,  ferner  gut  gefärbte  mikroskopische 
Präparate  der  erwähnten  Mikroorganismen,  die  aus  Kulturen,  Blut 
und  verschiedenen  Organen,  event.  auch  aus  Sputum  angefertigt 
waren.  Reichhaltig  an  Zahl  und  Arten  war  die  Ausstellung  von 
Kulturen  pathogener  und  nicht  pathogener  Mikroorganismen  von 
Heiige  (Oxford),  zum  grösseren  Theile  auf  schräg  erstarrtem  Agar, 
theils  als  gewöhnliche  Gelatine-  und  als  Rollröhrchenkulturen ,  die 
Anaeroben  in  hochgeschichtetem  Traubenzuckeragar.  Neben  den  be- 
kannten Arten  war  auch  ein  noch  nicht  beschriebener  Micrococcus 
(agilis  citreus)  vorhanden.  Aehnliche  Bakterienkulturen  hatten 
noch  Westhered  (London)  und  Adaml  (Jesus9  College,  Cambridge) 
ausgestellt,  letzterer  vorwiegend  chromogene  Arten,  an  welchen  er 
die  Veränderung  des  pigmenterzeugenden  Vermögens  unter  verschie- 
denen Lebensbedingungen  zeigte.  Bokenham  (St.  ßartholoraew's 
Hospital,  London)  führte  ebenfalls  Pigmentbakterienkulturen  neben 
Diphtherie-  uiid  Erysipelkulturen  und  Schnitten  von  einem  Lepra- 
knoten vor,  desgleichen  Boyee  (London),   welcher  ausser   Kulturen 


Bakteriologische  Ausstellung  des  VII.  internationalen  Kongresses  in  London.     343 

ron    chromogenen  und  pathogenen  Mikroorganismen  noch  solche  von 
^äulnisserregern    ausstellte;    Dowdeswell  (London)   brachte  Hefe- 
Kulturen  und  Shattock  (St.  Thomas1  Medical  School,  London)  Kul- 
turen von  Eiterkokken  und  von  Proteus  vulgaris,  dann  mikro- 
skopische Präparate,  welche  die  Impfwirkung  derselben,  wenn  sie  in 
gewissen    Körpersekreten    gezüchtet    werden,    darstellen.     HUlais 
London)  stellte  Kulturen  und  Ausstrichpräparate  des  Erregers  der 
Hundestaupe  aus,  als  welchen  er  einen  die  Gelatine  unter  Häutchen- 
bildung verflüssigenden,  nach  Gram  färbbaren  Bacillus  betrachtet, 
dann  Kulturen  von  2  Mikrokokkenarten ,  die  bei  einfacher  Hunde- 
staupe nicht  vorkommen,  dagegen  bei  der  pneumonischen  Form  ge- 
funden  werden,  ferner  eine  Anzahl  zugeschmolzener  Glasröhrchen, 
die   verflüssigte  Gelatinekulturen   5.  Generation   des   ersterwähnten 
Bacillus  enthalten.    Sie  werden  zum  Immunisiren  von  Hunden  gegen 
Staupe   verwendet,   bei   welchen  durch   Verimpfung   des  Röhrchen- 
inhaltes eine  milde  Form  nicht  pneumonischer  Staupe  ausgelöst  wird. 
Murray    (Newcastle  -  on  -  Tyne)    brachte    mehrere   Tetanuskulturen, 
unter  welchen  eine  Traubenzuckergelatinekultur  in  flachem  Fläschchen 
durch  besonders  schöne  charakteristische  Entwicklung  hervorragte. 
Weiters  wurden  mikroskopische  Präparate  von  Tetanusbacillen  mit 
Sporenfärbung  und  Präparate  von  Endocarditis  beim  Schweine  (mit 
violett  gefärbten  Bacillen  auf  blassrothem  Grunde)  vorgeführt.    Kräl 
(Prag)  hatte  sein  „bakteriologisches  Museum"  ausgestellt,  das  durch 
einige  neue  Dauerpräparate  (Cladoth  rix  asterioi'des  Eppinger, 
Achorion  Seh  oenleinii  Kräl  u.  a.  m.)  auf  verschiedenen  Nähr- 
boden eine  weitere  Vervollständigung  erfahren  hat.    Da  in  diesem 
Centralblatte    über    die  Kräl' sehen  Dauerpräparate    schon    früher 
(VI.  p.  251  und  X.  p.  203)  ausführlicher  berichtet  worden  ist,  be- 
schränken wir  uns  auf  die  Anführung  einer  Verbesserung  des  Ver- 
schlusses an  den  Dauerplatten,   welche  nun,   anstatt  des   früheren 
Paraffinverschlusses,  ebenso  wie  die  Reagenzglaskulturen  zugeschmol- 
zen werden.     Vaughan   (Michigan  University,   Ann  Arbor)    zeigte 
Kulturen  und  die  aus  ihnen  dargestellten  Toxine  eines  von  ihm  aus 
Wasser   isolirten  Bacillus,   Hunter  (London)  Ptomalne  und  Toxal- 
bumosen   von  Fäulnissbakterien.     Woodhead    (London)  hatte    150 
nach  seinem  Verfahren  (Brit.  Med.  Journ.  7.  April  1888,   s.  auch  d. 
Centralbl.  DL  p.   145)   angefertigte  Lungenschnitte  ausgestellt,  die 
die  verschiedenen  Formen  von  Phthise,  die  Tuberkel-  und  die  Kaver- 
nenbildung veranschaulichen ,   dann  Schnitte  von  Milz ,   Leber   und 
Nieren  mit  verschiedenen  pathologischen  Veränderungen,  ferner  eine 
Anzahl  von  Zeichnungen  und  Photogrammen,  die  von  diesen  Schnitten 
angefertigt  wurden.     Sewill    (London)   und  Pound   (Loudon)    er- 
zeugten experimentelle  Zahnkaries  dadurch,   dass  sie  extrahirte  ge- 
sunde Zähne   der  Einwirkung   von   nicht   sterilisirtem  Speichel   und 
organischen  Substanzen  eine  längere  Zeit  hindurch  bei  37  °   über- 
liessen  und  so,  wie  an  den  ausgestellten  Zahnschliffen  und  Mikro- 
photographieen  schön  zu  sehen  war,  eine  durch  Mikroorganismen  be- 
dingte extensive  Karies  erzeugten,  die  mit  der  spontanen  Zahnkaries 
identisch  ist.     Die  mikroskopischen  Präparate  von  Karg  (Leipzig) 
demonstrirten  die  Einwirkung  des  Koch1  sehen  Tuberculins  auf  Lupus 


844     Bakteriologische  Ausstellung  des  VIL  internationalen  Kongresses  an  London. 

verschiedener  Lokalisation.  Parkes  (London)  zeigte,  Schnitte  von 
Aktinomykose  des  Rindes,  ans  Australien  stammend,  Lodge  (Brad- 
ford)  Präparate  von  Anthrax  beim  Menschen.  Sir  Roseoe  und 
Lunt  hatten  sich  mit  schönen  Photogrammen  von  Bakterien  ao* 
Kanalwasser  und  ihrer  Kolonien  eingefunden,  die  mittelst  eines  von 
ihnen  improvisirten  mikrophotographischen  Apparates  angefertigt 
worden  waren,  Pringle  und  Bousfleld  brachten  ebenfalls  zahl- 
reiche Photogramme,  unter  andern  auch  von  8  Varietäten  des  Cholera- 
bacillus.  Die  von  Pound  (London)  angefertigten  und  ausgestellter 
Zeichnungen  und  Diagramme  von  verschiedenen  Mikroorganismen  und 
der  von  ihnen  gebildeten  Kolonieen  in  enormen  Vergrösserungen  ver- 
folgen ähnliche  didaktische  Zwecke,  wie  die  Eberth' sehen  Wand- 
tafeln. Hueppe  (Prag)  gelang  es,  wasserunlösliche  Theerprodnkte 
in  wasserlösliche  umzuwandeln  und  so  aus  Eresol,  Natriumsalicjlat 
und  Wasser  eine  neutrale  Lösung,  das  Salveol,  darzustellen,  die 
unter  gleichen  Verhältnissen  rascher  auf  die  Virulenz  von  Mikroorga- 
nismen einwirkt,  als  die  Phenole.  Eine  Anzahl  dieser  Präparate  war 
zur  Besichtigung  aufgestellt  worden. 

Unter  den  bakteriologischen  Hilfsapparaten  und  -Geräthen  fielen 
vor  allen  die  Mikroskope  durch  ihre  überaus  reiche  Anzahl  ins  Auge. 
Die  deutschen  und  österreichischen  Fabrikate  waren  durch  Mikroskope 
von  Zeiss,  Leitz  und  Reichert  würdig  reprasen tirt ,  die  C 
Baker  (London)  neben  seinen  eigenen  Mikroskopen  und  einem  mikro- 
photographischen Apparate  ausgestellt  hatte.  Die  meisten  Mikro- 
skope, mehr  als  150  Stück,  hatten  R.  und  J.  Beck  (London)  auf- 
gestellt, und  da  sie  der  freien  Benützung  zur  Verfügung  Standes, 
konnte  sich  der  Besucher  selbst  ein  Urtheil  über  das  Verhältnis 
zwischen  Leistungsfähigkeit,  technischer  Ausführung  und  Preis  bilden. 
Es  dürfte  wohl  in  den  meisten  Fällen  günstig  gelautet  haben. 
Dieselbe  Firma  brachte  auch  Nebenapparate  zum  Mikroskop,  Ein- 
bettungsmateriale  und  Tinktionsmittel  für  mikroskopische  Zwecke. 
Mit  Mikroskopen  und  deren  Accessorien,  Beleuchtungsapparaten  etc 
betheiligten  sich  noch  Powell  und  Lealand,  Swift,  Crouch. 
mit  einer  grösseren  Kollektion  von  Farbstoffen  für  Bakterienfarbung 
6|r übler  (Leipzig),  mit  Materiale  zum  Härten,  Fixiren,  Einbetten. 
Farbstoffen  für  Kern-  und  Plasmafärbungen  und  mit  einer  Reihe  von 
Desinfizientien  Squire  und  Sons  (London)  an  der  Ausstellung. 
Ausser  dem  an  anderer  Stelle  erwähnten  Mikrotome  von  Del 6p ine 
mögen  noch  die  Mikrotome  von  Bousfield,  R.  und  J.  Beck  and 
der  Cambridge  Scientific  Instrument  Co.  hervorgehoben 
werden.  tiabritechewsky  (München)  zeigte  seine  vor  kurzem  in 
diesem  Centralblatte  (Bd.  X.  p.  248)  beschriebene  graduirte  Kapillar- 
pipette zum  Abmessen  sehr  kleiner  Flüssigkeitsmengen  und  seine 
Kulturschalen  für  Anaeroben  vor.  Die  strebsame  Firma  F.  und  M. 
Lautenschläger  (Berlin)  hatte  sich  mit  mehreren  Thermostaten, 
worunter  auch  einer  mit  elektrischem  Thermoregulator,  mit  Dampf- 
sterilisatoren  für  Kleider,  SterUisirungsapparaten  für  Instrument* 
mittelst  Natriumkarbonatlösung  und  mit  verschiedenen  bakterio- 
logischen Utensilien  und  Glasgeräthen  eingefunden.  Thermostate 
brachten  ferner    Orlffln    und   Frazer  (Edinburgh)  und  Hearson, 


Neue  'Litteratur.  845 

letzterer  auch  einen  solchen  mit  Eiskammer  für  konstante  Tempera- 
taren in  heissen  Elimaten.  Arlolng  (Lyon)  stellte  seinen  Apparat 
für  bakteriologische  Wasseruntersuchungen  (s.  d.  Central!)].  Bd.  V. 
p.  257)  aus,  Despelgnes  den  von  ihm  konstruirten  Thermoregu- 
lator  für  Brütöfen  mit  Petroleumheizung  (s.  d.  Centralbl.  Bd.  IX. 
p.  24).  Aus  der  reichen  Sammlung  bakteriologischer  Geräthe  der 
P a st eur' sehen  Schule,  die  Alvergniat  Frferes  (V..  Chabaud, 
Paris)  vorgefahrt  hatten,  möge  ein  Autoklav  nach  Ghamberland 
und  der  Kuriosität  halber  der  Gayon  und  Dupetit' sehe  Apparat 
zur  Reinzucht  aus  Bakteriengemischen  auf  kapillarem  Wege  Erwäh- 
nung finden.  Kulturgefässe,  Gläser  zur  Luftuntersuchung  und  andere 
Behelfe  hatten  auch  Baird  und  Lothian  (Edinburgh)  ausgestellt. 

Kr  AI  (Prag). 


Neue  Litteratur 

zusammengestellt  von 

Db.  Abthub  Wübzbubg, 

KbttoOekir  im  Kaiserlichen  OMondbdtMmte  in  Bertin. 


Allgemeines  Aber  Bakterien  und  Parasiten. 

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Jahresbericht  üb.  die  Fortschritte  in  der  Lehre  v.  den  pathogenen  Mikroorganismen, 
umfassend  Bakterien,  Pilze  n.  Protozoen.  Unter  Mitwirkg.  v.  Fachgenossen  bearb. 
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III.  98  p.     Braunschweig  (Harald  Bruhn)  1891.  2,60  M. 

Krämer,  B.,  Die  Bakteriologie  in  ihren  Beziehungen  zur  Landwirtschaft  u.  den  landw.- 
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Vol.  II.    No.  17.  p.  506—509.) 
Fratini,   F.,    Ricerche  batteriologiche   sulle  supposte   acqae    gozsigene    del  Colmedm    iL 

provincia  di  Bellano.    8°    16  p.    Feltre  (P.  Ca&taldi)  1890. 
Karlinski,  J.f  Uutetsuchungen  Über  das  Verhalten  der  Typhusbacillen  im  Boden.    (Arch 

f.  Hyg.   1891.    Bd.  XIII.   Nr.  3.  p.  302—333.) 

Nahrung»-  und  GenussmitUl,  Gebrauchsgegenstände. 

Kramastyk,  JT.,  Nowe  przyrzady  do  sterylisaeyi  mleka.  (Zrowie.  1891.    No.  71.    p.  SlS 

—323.) 
Kronfeld,    K.,    Bakterien    im   Haushalte.      (Oekonomische   Bakterien.     Bietendes    Brut 

Leuchtendes  Fleisch.     Milchbakterien.     Essig  u.  Brotbackpils.)   gr.  8.    15  p.  m.  Fie 

Wien  (Perles)  1891.  0,60  M 

Weiss,  A ,  Lehrkursus  der  praktischen  Trichinen-  u.  Finnenschau  f.  angebende  u.  angestellte 

Fleischbeschauer.  12°.  69  p.  m.  31  Abbildgn.    Dusseldorf  (Schwann)   1891.      1,80  M 

Beziehungen  der  Bakterien  und  Parasiten  zur  belebten  Natur. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei    Menschen, 

A.     Infektiöse  AUgewteinkranhheüen. 

Baginsky,    A.,    Ueber    den  Bau    von  Kinderkrankenhäusern.     Isolirung    und  Verbüiui^ 

der    Uebcrtragung   von  Infektionskrankheiten.     Verpflegung  der   Kranken.     (Arch.    i 

Kinderheilk.  1891.    Bd.  XIII    No.  4/6.     p.  241—250.) 
Caatelli,  L.,    Movimento  delle  morti  per  tubercolosi,    ileo-tifo,  difterite,    vajuolo,  scarlst- 

(ina  e  morbillo  nella  citta  di  Firenze,    durante    il  venticinquennio  dal  1866   aJ   18SH> 

(Giorn.  d.  r.  soc   ital.  d'igiene.    1891.    No.  9/10.    p.  561—578.) 
Hutchinson,  J.,  On  the  laws  of  contagion,  from  a  clinical  Standpoint.     (Med.  chrooiefe 

1891.    Vol.  XV.  No.  2.  p.  73-88.) 

Malariakrankheiten. 

Evans,  G.,  and  Wesener,  J.  A.,  A  study  of  the  organism  in  a  case  of  malaria  in  tfcc 
hospital  and  laboratory  of  the  Post-Graduate  medical  school  of  Chicago.  (New  Aroer. 
Practit.  1891.    p.  353—360.) 

Typho-Malarialfieber. 

Pollard,  M.  B.,  Typho-malarial  fever.  (Alabama  med.  and  surg.  age.  [1890/91].  1891 
p.  260—266.) 

Exanthematißche  Krankheiten. 
(Pocken  [Impfung],  Flecktyphus,  Masern,  Röthein,  Scharlach,  Friesel,  Windpocken.) 

Brittain,  B.  F.,  Is  small-pox  contagious  during  the  initial  fever?  (Transact.  of  the  T*xa> 

med.  assoc    1891     p.   133 — 135.) 
Bütterlin,    Petite  epidemie  de    variole   dans   l'arrondissement  de  Baume;    son  Ätiologie-. 

»a  propagation ;  necessite'  d'assurer  par  une  loi  sanitaire,  des  mesures  prophylactiqoev 

(Gas.  d.  hßpit.    1891.    p.  800.) 

Cholera,  Typhus,  Ruhr,  Gelbfieber,  Pest 

Bertrand,   Une  epidemie  de  fievre  typhoide  a  Tauves  (Puy-de-D6me).    8°.  Paris  (Stein 
heil)  1891.  3  fr. 


Neue  Litteratur.  347 

C  och  ran,  J.,  How  to  prcvcut  Lhc  iiivusion  of  our  gulf  porU  by  ycllow  fever.    ( Alabama 
raed.  and  snrg.  age  [1890/91].     1891.    p.  867—277.) 

Wundinfektionskrankheiten. 

(Kiterung,  Phlegmone,  Erysipel,  acute«  purulentes  Oedem,  Pyämie,  SeptikÄmie, 

Tetanus,    Hospitalbrand,  Puerperalkrankheiten,  Wnndfäulniss.) 

Ca*sabianc&,  Erysipele  a  räpätitions.     (Marseille  med.    1891.    p.  391.) 

Infektionsgmchwülste. 
\ Lepra,  Tuberculose  [Lupus,  Skrophulosc],  Syphilis  [und  die  anderen  venerischen 

Krankheiten].) 

Co&ts,  J.,    On  the  spontaneous  healing  of   tnberculosis :    its  frequency  and   the  mode  of 

its  oecurence.     (Brit.  med   journ.    1891.    No.  1609.  p.   933  —  938.) 
Culvor,    S.  M..   and    Hayden,    J.  B ,    A    manual    of  venereal    diseases.     VIII.  294  p 

Illustr.  Philadelphia.     Lea  Brothers  &  Co.     1891. 
Fowler,  J.  K.f   Reroarks  on  arrested  pulmonary  tuberculosis.     (Brit.  med.  journ.     1891. 

No.    1609.  p    988—943.) 
Haupt,    A.,    Neue   Beiträge    zur    Bedeutung   der  Erblichkeit  der    Tuberculose.     (Dtsche 

Medizinal-Ztg.    1891.    No    88.  89.  p.  997—998,   1007—1010.) 
Kartin,  8.,  Notes  on  healed  or  retrograde  tubercle.    (Brit  med.  journ.  1891.  No.  1609. 

p.    948—946.) 
Küneh,  6.  N.t    Ist  Lepra  ansteckend?     Antwort  an  Prof.  Polotebnoff.    8°.  89  p.    Kieff 

(Zawadzki)  1891.     [Kussisch.] 
Thin,  G.  Leprosy.     IX.    280  p.     London  (Percival  &  Co.)  1891. 
Weriheim,    S. ,   Reinztichtung    des    Gouococcu*    Neisser    mittels    des    Platten  Verfahrens. 

(Dtsch.  med.  Wchschr.    1891.    No.  60.    p    1351—1852.) 
Winge,    P ,    En    liden    epidemi    of   tuberculose    med    et    antageligt   helbredet   tilfaelde. 

Norsk  magaz.  f.  laegeviden&k.    1891.    No.  11.    p.  941—948.) 
Zwickh,  N.,   Die  Mortalität  der  Tuberculose  nach  Alter  und  Geschlecht.     (Münch.  med. 

Wchschr.  1891.    Nr.  44    p.  777—778.) 

Diphtherie  und  Croup.    Keuchhusten.  Grippe,  Pneumonie,  epidemische 
Genickstarre,  Mumps,  EückfaUefieber,  Osteomyelitis. 

Babinsky,    A.,    Zur   Aetiologie    der  Diphtherie.     Der    Löffler'sche    Bacillus.     (Arch.    f. 

Kiuderheilk.  1891.    Bd.  XIII.  No.  4/6.  p    418—426.) 
Pestalossa,  F.,  Note  etiologiche  statistiche  sull'  infiuenza.    (Riv.  ital.  di  terap.  e  igiene, 

Piacensa.   1891.    p.   181—191.) 
Ripperger,  A ,    Die  Influenza.     Ihre  Geschichte,    Epidemiologie,  Aetiologie,    Symptoma- 
tologie und  Therapie,  sowie  ihre  Komplikationen  und  Nachkrankheiten.    XII.    338  p. 

M.  4  Taf.  u.  Litteraturverzeichniss.  gr.  8°.  München,  J.  F.   Lehmann.  10  M. 

Russell,  H.  IL,  The  spread  of  influenza,  its  supposed  relations  to  atmospheric  conditions. 

London  (P.  S.  King  &  Son)  1891  1  sh. 

Strelits,    B.,    Zur  Kenntnis»  der  im  Verlaufe  von  Diphtherie  auftretenden  Pneumonieen. 

[Bakteriologische  Untersuchungen]     (Arch.  f.  Kinderheilk.   1891.    Bd.  XIII.    No.  4/G. 

p.  468—481.) 
Uckmar,  V.,  L'influenza.    (Collez.  ital.  di  lett.  s.  med.,  Milano.    1891.    p.  489—608.) 

B,    Infektiöse  LokalhrankheiUn. 
Verdauungsorgane. 

Siegel,  Die  Mundseuche  des  Menschen  (Stomatitis  epidemica),  deren  Identität  mit  der 
Maul-  und  Klauenseuche  der  Hausthiere  und  beider  Krankheiten  gemeinsamer  Kr  reger. 
(Dtsch.  med.  Wchschr.  1891.    No.  49.  p    1328—1831.) 

Augen  und  Ohren. 

Bongaxts,  E.,  Ueber  die  Ausbreitung  der  tuberculösen  Infektion  im  Auge  auf  Grund 
pathologisch  -  anatomischer  Untersuchungen,  gr.  8°.  20  p.  m.  1  Taf.  Wiesbaden 
(J.  F.  Bergmann)  1891.  1  M. 


g^g  Nene  Lhteratur. 

C,     Entozootuehe  Krankheiten. 

(Pinnen,  Bandwürmer,  Trichinen,  Echinokokken,  Filarie,  Oestruslarve,  Ascaris. 

Anchylostomum,  Trichocephalus,  Oxyuris.) 

Heitimann,  0.,  Wie  gelangen  die  Trichinen  in  die  Muskeln?  (New  Yorker  med. 
Wchschr.  1891.    No    10.  p.  378—379.) 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Paratüen  bei    Tkieren. 

ßäugethiere. 

Krankheiten  der  Wiederkäuer. 

Minette,    De    la    p4ripneumonie    contagieuse    du  gros    Mtail.     12°.    16  p.     Comptegn* 

(H.  Lefebvre)  1891. 

Krankheitserregende  Bakterien  und  Parasiten  bei  Pfianam. 

Kessler,  H.  F.,  Die  Ausbreitang  der  Reblausk rankheit  in  Deutschland  und  deren  Be- 
kämpfung, unter  Benutzg.  v.  amtl.  Schriftstücken  beleuchtet  gr.  8°.  Hl.  50  p 
(Berlin,  R.  FriedlKnder  &  8ohn)  1891.  0,80  M. 

Fettl,  L.,  Die  Reblau»,  ihre  Ursache  u.  Verhütung.  12°.  8  p.  Wiei»er-N«i*tadt 
(Folk)  1891.  ^  „        _  °r*°  *\ 

Theater,  E.t  The  potato  scab.  (Report  of  M  ycologist  in  Uth  ann.  Rep.  Conn.  As^tc 
Exper.  Stat.  [1890]     p.  8—17)  1891. 

,  Diseases  of  tomatoes.    (Ibid.  p.  17.) 

,  Fungous  diseases  of  tomato  worms.     (Ibid.  p.  18.) 

,  Fungous  diseases  of  grape-leaf  hopper  and  cabbage  worms.    (Ibid.  p.  19.) 


Schntzfmpftingen,  künstliche  Infektionskrankheiten,  Entwfcke- 

Innffflhemmnnp  nnd  VernlchtnnR  der  Bakterien  mit  besonderer 

Berücksichtigung  der  Arbeiten  über  das  Koch9 sehe 

Heilverfahren  gegen  Tubercnlose. 

Abbott  A  C  A  review  of  some  of  the  more  important  contributions  to  our  knowledge 
upon  immunity  and  infection    (Med.  news.  1891.  II.  No    19     p.  534-640.) 

Belgien.  Cirkular,  Desinfektion  bei  ansteckenden  Krankheiten  betr.  Vom  19.  April 
1890      (Veroffentl.  d.  kaiserl.  Gesundheitamts  1891,  No.  47.  p.  740— 741.) 

Büchner,  H.,  Tuberculinreaction  durch  Proteine  nicht  speeiflscher  Bakterien.  (Mönch 
med.  Wochenschr.  1891,  No.  49.     p.  841—843.) 


Inhalt« 

Oririneimitthellungen.                  ,  *«  Weeney,  Bdm.  J.,  Preliminery  note  od 

the  bacteria  of  poisonous  museeis,  p.  838 
Penao,    Rudolf,    Beitrag  «um  Studium  der  : 

biologischen    Verhältnisse    des    Bacillus  |  Behutaimpfung ,  künstliche  Infektioas- 

des  malignen  Oedems.   (Orig.) ,    p.  822  krankheiten,  Bntwickelungihemmuns 

Pregl,   Frita,    üeber  eine   neue   Karbol-  m&  Verniehtena;  der  Bakterien 

methylenblau-Methode.    (Orig.),   p.  826.  ^d  Parasiten 

rÄ"TXÄS£Ä      *"***?>  «*-«■.»-"«*«■■•-"* 

men  der  Mundhöhle.    (Orig.),  p.  817.       |        p*  öö*' 
Zschokke,    F.,    Die   Parasitenfauna    von  {  Ausstellungen. 

Trutta  salar.    (Orig.).(Schluss),   p.  829:  ;    Die  bakteriologigche  AuS8tellllng   des  yn 

internationalen   Kongresses   für  Hygiene 
Referate.  und  Demographie  zu  London,   10.— 17. 

Koeh,   Drei  Fälle   von  Actinomycosis  ho-  Aa»U8t  1891'  *■  840 

minis,  p.  888.  1  Neue  Litteratur,  p.  845. 


f  romnuuuuouo  Bucbdrnokcrtl  (Hermann  Fohl«)  in  J«n&. 


Bakteriologie   und  Parasitenkunde. 

In  Verbindung  mit 

Geb.  Hofr.  Prof.  Dr.  Leackart  um  Professor  Dr.  Loefller 

In  Lelpzif  In  GreUswald 

herausgegeben  von 

Dr.  O.  TJhlworm  in  Cassel. 


Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena. 


X.  Band. 


Jena,  den  31.  Dezember  1891. 


No.  86. 


Frei«  für  den  Band  (26  Nummern)  14  Mark. 

Jährlich  erscheinen  zwei  Bände. 

— »f    Zn  beliehen  durch  alle  BuchbandluDgen  und  Postanstalten.    f<— 


Systematisches  Inhaltsverzeichniss. 


L    Original-Mittheüungen. 


AmtUmoff,  Ueber  die  Natur  des  Fisch- 
giftes. 113 

Babc$y  Erklärende  Bemerkungen  über 
„natürliche  Varietäten'4  des  Typhusba- 
cillos.  281 

Üeyerinch,  Qualitative  und  quantitative 
mikro biochemische  Analyse.  733 

BordonirüffreduMai,  Ueber  die  Widerstands- 
fähigkeit des  pneumonischen  Virus  in 
den  Auswürfen.  805 

braun,  Die  sogenannte  „freischwimmende 
Sporocyste".  215 

— ,   Bericht   ober   die  Fortschritte   in   der 

thierischen  Parasitenkunde.       889.  4SI. 

465.  493.  534 

fiuehner,  Zur  Nomenklatur  der  schützenden 
Ei  weisskÖrper.  699 

— ,  Die  Forschungsmethoden  in  der  Im- 
munitätsfrage. 737 

Cappareüi,  Beitrag  sum  Studium  der  Phago- 
cyten.  377 

G>An,  Zur  Geschichte  der  Leguminosen- 
knb'Uchen.  190 

Favrat  und  Chriitmann,  Ueber  eine  ein- 
fache Methode  zur  Gewinnung  bacillen- 

X.  Bd. 


reichen  Lepramaterials  zu  Versuchs« 
«wecken.  119 

Förmig  Weitere  Untersuchungen  Ober  die 
tryptischen  Enzyme  der  Mikroorganismen. 

401 

FiedeUr,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
LandgestUte  und  über  den  Krankheits- 
erreger derselben.     810.  341.  880.  408. 

454 

Fodor,  Zur  Frage  der  Immunisation  durch 
Alkalisation.  7 

— ,  Apparat  sum  Abimpfen  von  Bakterien- 
Kolon  ieen;  781 

GabriUchevjtky,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  von  In- 
fektionskrankheiten .  151 

— ,  Zur  Technik  der  bakteriologischen 
Untersuchungen.    Mit  3  Figuren.       348 

Oratsi  und  FeUtti,  Weiteres  zur  Malaria- 
frage. 449.  481.  517 

Hamann,  Die  kleineren  Süsswasserfische  als 
Haupt-  und  Zwischenwirthe  des  Echino- 
rbynchus  proteus  Westr.  791 

Hankin,  Ueber  die  Nomenklatur  der 
schützenden  Eiweisskörper.  387.  377 
54 


850 


Register. 


Heim,   Die   Neuerungen   auf  dem   Gebiete 

der  bakteriologischen  Untersuchungsme* 

tboden  seit  dem  Jahre  1887.     260.  288 

328.  856.  898    430.  471.  489.  629 

— ,  Nachträge  su:  Die  Neuerungen  auf 
dem  Gebiete  der  bakteriologischen  Unter- 
suchungsmethoden seit  dem  Jahre  1887. 

575 

Janton,  Versuche  sur  Erlangung  kunstlicher 
Immunität  bei  Variola  Vaccine.  40 

Kaufmann,  TJeber  einen  neuen  Nährboden 
für  Bakterien.  65 

Klein,  Ein  neuer  Bacillus  des  malignen 
Oedems.  186 

Kluge,  Chemotaktische  Wirkungen  des  Tu- 
bereulins  auf  Bakterien.  661 

Knouer,  Eine  bewährte  Methode  sur 
Reinigung  gebrauchter  Objektträger  und 
Deckgläsehen.  8 

Kostjurin  und  Kramtip,  Ueber  Heilung  des 
Milsbrandes  durch  Fäulnisstoxine  (Ex- 
trakte) bei  Thieren.  558.  599 

Zceft,  Ueber  einen  bei  Keratomalacia  in- 
fantum beobachteten  KapselbaeUlus.    869 

Lubartch,  Bemerkungen  su  R.  Stern's 
Referat  Ober  meine  „Untersuchungen  über 
die  Ursachen  der  angeborenen  und  er- 
worbenen Immunität14.  69 

Stern,  Erwiderung.  74 

Ludwig,  Der  Milch-  und  Rothfluss  der 
Bäume  und  ihre  Urheber.  10 

— ,  Ueber  das  Vorkommen  des  Moschus- 
pilses im  Saftfluss  der  Bäume.  214 

IM»,  Zur  Kenntniss  der  Amdben-Enteritis 
und  -Hepatitis.  241 

Maggiora  und  Oradenigo,  Beitrag  sur  Aero- 
logie der  katarrhalischen  Ohrentsfln- 
dungen.  625 

Maggiora,  Ueber  einen  Fall  von  Taenia 
inermis  fenestrata.    (Orig.)  145 

Marpmann,   Mittheilungen   aus  der  Praxis. 

122 

— ,  Praktische  Mittheilungen.  Mit  2  Figuren. 

458 

Martmotti  und  Tedetehi,  Untersuchungen 
über  die  Wirkungen  der  Inokulation  des 


Milsbrandes   in  die  Nerreuentra.    645. 

693.  635 

MoeUer,  Ueber  eine  neue  Methode  der 
Sporenfarbung.  273 

Pmmo,  Beitrag  mm  Studium  der  bio- 
logischen Verhältnisse  des  Bacillus  des 
malignen  Oedems.  822 

Pregi,  Ueber  eine  neue  Karbolmethylenblau- 
Methode.  826 

FodbuUbg,  Erklärung.  €05 

Bemech,  Zur  bakteriologischen  Untersuchuar 
des  Trinkwassers.  415 

Bothert,  Bemerkung  su  der  „Erklärung*- 
des  Herrn  Dr.  A.  Podbielsky.  607 

Sonorem,  Weitere  Mittheilungen  über  Gift- 
tbeorie  und  Phagozytose.  513 

— ,  Der  menschliche  Speichel  und  die  patho* 
genen  Mikroorganismen  der  Mundbohle 

81? 

Schäl,  Beiträge  sur  bakteriologischen 
Technik.     Mit  8  Figuren.  657 

Scher  y  Ueber  die  fragliche  Immunisatk» 
durch  Alkalisation  mittelst  Natrium  bi- 
carbonicum.  73$ 

Schult»,  Zur  Frage  von  der  BerettoBg 
einiger  Nährsubstrate.  5! 

Schwor»,  Ein  Fall  ron  Heilung  des  Tetanus 
traumatieus  durch  das  ron  Prof.  Guide 
Tissoni  und  D^n  Gattani  bereitete  Anti- 
toxin des  Tetanus.  785 

Sleskm,  Die  Kieselsäuregallerte  als  Nihr- 
substraL  209 

Smith,  Kleine  bakteriologische  Mittheilungen 
Mit  2  Figuren.  177 

Tangi,  Zur  Frage  der  ScharUchdipntheritis.  1 

Tuucm  und  OaUani,  Fernere  Untersuchung«] 
über  das  Antitoxin  des  Tetanus.  33 

Trombetta,  Die  Fäulnissbakterien  und  die 
Organe  und  das  Blut  gans  gesund  ge* 
tödteter  Thiere.  664 

Wyeeohowie»,  Zw  Frage  ron  der  Lokati- 
sation  des  Tollwuthrirus  im  Organismu> 
der  Thiere.  45 

Zettnow,  Ueber  den  Bau  der  Bakterie* 
Mit  1  Tafel.  689 

Zsehokhe,  Die  Parasitenfanna  von  TretU 
salar.  694.  738.  782   8?? 


II.  Zusammenfassende  Uebersichten. 


Braun,  Bericht  über  die  Fortschritte  in  der 

thierischen  Parasitenkunde.  (Orig.)   389. 

421.  465.  498.  524 

/fem,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden   seit   dem    Jahre    1887.      (Orig.) 


260.    288.    323.    356.    393.    430.    471. 

499.  5» 

Heim,  Nachträge  tu:  Die  Neuerungen  ml 

dem  Gebiete  der  bakteriologischen  Unter 

suchungsmethoden  seit  dem  Jahre  1887 

(Orig.)  575 


Register. 


851 


IIL    Pflanzliche  Mikroorganismen. 


Allgemeines     über    Bakterien    and 
andere  pflanzliche  Mikro- 
organismen. 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen 
Kongress  för  Hygiene  und  Demographie 
su  London,  10. — 17.  August  1891.     505 

Bernheim,  Taschenbuch  für  den  bakterio- 
logischen Praktikanten.  284 

lieyerinck,  Kulturr  ersuche  mit  Zoochlorellen, 
Lichenengonidien  und  anderen  niederen 
Algen.  75 

— ,  Qualitative  und  quantitative  mikrobio- 
ehemUche  Analyse.     (Orig.)  723 

Buehner,  Kurse  Uebersicht  über  die  Ent- 
wickelang der  Bakterienforscbung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.        849 

Cabadi,  Lecons  sur  les  maladies  micro- 
biennes  professees  a  l'ecole  de  mädecioe 
de  Toulouse.  561 

David,  Les  microbes  de  la  bouche.       609 

JSberth,  Wandtafeln  für  Bakterienkunde  für 
den  Gebrauch  bei  Vorlesungen.  251 

Fischer,  Die  Plasmolyse  der  Bakterien.    1 58 

Fodor,  Apparat  sum  Abimpfen  von  Bak- 
terien-Kolonieen.     (Orig.)  731 

Gabritechewky,  Zar  Technik  der  bakterio- 
logischen Untersuchungen.    {Orig.)     248 

Heim,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thodeo  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.) 
260.    288.    823.    856.    893.    430.    471. 

499.  529 

Holt,  Uebersicht  Aber  die  Bakteriologie 
für  Aerste  und  Studirende.  219 

Kau/mann,  Ueber  einen  neuen  Nihrboden 
für  Bakterien.     (Orig.)  65 

Kijanoxoeld,  Zur  Frage  Aber  die  anti- 
mikrobiellen  Eigenschaften  des  Magen- 
saftes. 285 

Kirchner,  Die  Bedeutung  der  Bakteriologie 
(fir  die  öffentliche  Gesundheitspflege.    125 

— ,  Bakteriologische  Untersuchungsmetho- 
den. 284 

— ,  Grundriss  der  Militirgesundheitspflege. 

669 

Maefadgen,  Nenehi  und  Bieber,  Unter- 
suchungen Über  die  chemischen  Vorginge 
im  menschlichen  Dünndarm.  82 

Marpmann,  Mittbeilungen  aus  der  Praxis. 
(Orig.)  122 

— ,  Praktische  Mittheilangen.  Mit  2  Fi- 
guren.    (Orig.)  458 

Migula,  Die  Bakterien.  701 

MoeÜer ,  Ueber  eine  neue  Methode  der 
Sporenfftrbung.     (Orig.)  273 

Naunyn,  Ueber  das  Vorkommen  von  Spalt- 
pilzen in  der  Gallenblase.  92 


Ogniannikow,  Ein   modifisirter  d'Arsonval- 

scher  Thermostat  mit  Benzinheizung.  182 
Parkes,  A  mannal  of  practical  hygiene.  559 
Pregi,  Ueber  eine  neue  Karbolmethylenblan- 

Methode.     (Orig.)  826 

Prudden,   Mitchell  and   Hodenbyl,    8tudies 

on   the   action   of  dead  bacteria  in  the 

living  body.  708 

Reimer;  Ueber  den  Gehalt  des  Bodens  an 

Bakterien.  489 

Rekueh,  Zur  bakteriologischen  Untersuchung 

des  Trinkwassers.    (Orig.)  415 

SchtUtm,    Zur    Frage    von    der    Bereitung 

einiger  Nfthrsubstrate.    (Orig.)  52 

Zettnote,    Ueber   den   Bau    der    Bakterien. 

Mit  1  Tafel.    (Orig.)  689 

Geschichte. 

Buchner,  Kurse  Uebersicht  Aber  die  Ent- 
wicklung der  Bakterienforschung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.        849 

Cohn,  Zur  Geschichte  der  Leguminosen- 
knöllcben.     (Orig.)  190 

Schriften  zur  Systematik  und  Bio- 
logie der  Bakterien   and  anderer 
pflanzlicher  Mikroorganismen. 

Almquitt,  Pemphigus  neonatorum,  bakte- 
riologisch und  epidemiologisch  beleuchtet. 

492 

Amthor,  Beobachtungen  Aber  den  Saccbaro- 
myces  apiculatus.  157 

Arustamof,  Ueber  die  Natur  des  Fisch- 
giftes.     (Orig.)  118 

Athinson,  Anthracnose  of  Gotton.  808 

Babet ,  Erklärende  Bemerkungen  Aber 
„natürliche  Varietäten"  des  Typhusba- 
dllus.     (Orig,)  281 

Bagmekff,  Zur  Aetiologie  der  Diphtherie. 
Der  Loeffler'sohe  Bacillus.  806 

Bardt  Les  selles  des  fäbricitants  au  point 
de  vue  bacteriologique.  105 

Beyerinck,  Kulturversuche  mit  Zoochlorellen, 
Lichenengonidien  und  anderen  niederen 
Algen.  75 

— ,  Qualitative  und  quantitative  mikrobio- 
chemische Analyse.     (Orig.)  723 

Biemacki,  Ueber  die  Eigenschaft  der  Anti- 
septica,  die  Alkoholgfthrung  su  be- 
schleunigen und  Aber  gewisse  Abhängig- 
keit Ihrer  Kraft  von  der  chemischen 
Baustruktur,  der  Fermentmenge  und  der 
Vereinigung  miteinander.  296 

Bombieei,  Della  disinfesione  degli  ambienti 
infetti  da  virus  tetanico.  22 

Bocker,  A  study  of  some  of  the  Bakterie 
54* 


852 


Register. 


(band  in  the  faeces  of  Infant»  affected 
witb  sammer  diarrhoea.  384 

Bordonirüfredmi,  üeber  die  Widerstands- 
fähigkeit des  pneumonischen  Virus  in 
den  Auswürfen.     (Orig.)  805 

Braat»,  Die  Bedeutung  der  Anaärobiose 
für  die  Wundheilung  and  für  die  allge- 
meine Pathologie.  868 

Brummer,  Ueber  Ausscheidung  pathogener 
Mikroorganismen  durch  den  Scbweiss.  368 

BrunUnctki,  Zur  Frage  über  die  Bolle  der 
Mikroorganismen  bei  der  Bildung  des 
Limanschlammes.  194 

Büchner,  Kurse  üebersicht  Ober  die  Knt- 
wickelung  der  Bakterienforschung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.        849 

— ,  Zur  Nomenklatur  der  schfitsenden  Ei- 
weisskörper.     {Orig.)  699 

— .  Die  Forschungsmethoden  in  der  Im- 
munitätsfrage.    {Orig.)  727 

du  Camal  et  VaiBard,  8or  une  maladie 
parasitaire  de  l'homme  transmissible  au 
lapin.  761 

Cazemeuve,  8ur  le  traitement  des  vignes 
phylloxerees  par  le  sulfare  de  earbone 
melange  de  raseline.  855 

Chor,  Traitement  du  charbon  par  le  bi- 
carbonate  de  soude  d'apres  la  methode 
de  M.  Podor.  760 

de  Chrittmae,  Etüde  sur  les  substanees 
microbicides  du  slrum  et  des  organes 
d'animaux  a  sang  chaud.  766 

Com»,  Bacteria  in  the  dairy.  858 

Qrookehank,  On  Streptococcus  pyogenes.  648 

— ,  On  the  question  of  the  identity  of 
Streptococcus  pyogenes  with  Strepto- 
coccus erysipelatosus.  648 

Dangeard,  Contribution  a  l'etude  des  Bac- 
teriacees   vertes   (EubacUlus  gen.  nov.). 

745 

David,  Les  microbes  de  la  bouche.      609 

Denmig,  Ueber  septische  Erkrankungen  mit 
besonderer  Berücksichtigung  der  krypto- 
genetischen Septixopyänfle.  643 

Detpeigne*,  Ktude  experimentale  sur  les 
microbes  des  eaux  avec  applications 
k  l'bygifene  sanitaire  de  la  ville  de  Lyon. 

563 

Eberth,  Wandtafeln  für  Bakterienkunde  fttr 
den  Gebrauch  bei  Vorlesungen.  951 

EtseUberg.  von,  Nachweis  von  Eiterkokken 
im  8ch weisse  eines  Pyämiscben.        492 

Eilt*  and  Anderton,  A  new  Ustilago  from 
Florida.  103 

Eüi*  and  EverhaH,  New  species  of  Ure- 
dineae  and  Ustilagineae.  104 

Enderlen,  Primäre  infektiöse  Pyelonephritis 
beim  Rind.  94 

— ,  Versuche  über  die  bakterienfeindliche 
Wirkung  normalen  und  pathologischen 
Blutes.  753 

Eraud  und  Hugounenq,  Action  de  certaines 


couleurs  d'aniline  sur  le  deVeloppemea: 
et  la  virulence  de  quelques  microbes.   615 

Famio,  Concorrensa  ritale  fira  i  bacteri 
della  patrefasione,  e  quelli  de  carbonchic 
e  del  tifo.  761 

Fermi,  Weitere  Untersuchungen  Aber  die 
trjptischen  Ensyme  der  MikroorganismeiL 

401 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestfite  und  Aber  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  810.  841.  880 

408.  464 

FinbeltUm,  mit  Nachtrag  von  Brich,  Bak- 
teriologische Untersuchungen  von  Ver- 
band-Binden namentlich  der  Jahre  1850. 
1864  und  1868.  747 

Fischer,  Die  Plasmolyse  der  Bakterien.    158 

Fodor,  Zur  Frage  der  Immuniaation  dnreb 
Alkalisation.     (Orig.)  7 

Frank,  Ueber  den*  Verlauf  der  Kirschbaum- 
Gnomonia  -  Krankheit  in  Deutschland 
nebst  Bemerkungen  Aber  fiflentfehe 
PflanaenschuUmassregeln8berhaa.pt.  752 

Fraenhet,  Ueber  peritoneale  Infektion.     160 

FranHand,  Stanley  and  Frew ,  Fennes- 
tations  induced  by  the  Pneumococcus  of 
Friedländer.  222 

Gabritsehemhy,  Ein  Beitrag  aar  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  von  Infek- 
tionskrankheiten.   (Orig.)  151 

Gaertner  und  Roemer,  Üeber  die  Einwirkung 
ron  Bakterienextrakten  auf  den  Lympb- 
strom.  759 

Gamaleia,  De  Timmunit^  pour  le  vibrioc 
de  Metschnikoff.  133 

Giard,  Lisaria,  parasite  de  la  larre  de 
hanneton.  230 

— ,  Sur  Tlsaria  densa  (Link),  parasite  da 
Ver  blanc.  750 

Gilbert  et  Girode,  Contribution  k  V&n&t 
chimique  et  bacteriologique  du  choltrs 
nostras.  80S 

Gottttem ,  Zusammenfassende  Üebersicht 
fiber  die  bakterienvernichtende  Eigen- 
schaft des  Blutserums.  753 

Gruber,  Micromyces  Hoffmanni.  64S 

Guinard,  Sur  un  mode  possible  de  tran*- 
mission   de  la  tuberculose  chea  les  asi- 

568 


Hanhin,  Ueber  die  Nomenklatur  der 
schütsenden  Eiweisskörper.  (Orig.)    337, 

377 

Hansen,  Qu'est-ce  que  la  levüre  pure  d« 
M.  Pasteur?  557 

Heim,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden seit  dem  Jahre  1887.  [Orig.)  260. 
288.  323.  356.  393.  430.  471.  499 
529.  575 

Herman,  De  l'influence  de  quelques  va* 
riations  du  terrain  organxque  sur  1'actioc 
des  microbes  pyogenes.  803 


Register. 


853 


Hotfa,  Weitere  Beiträge  rar  Kenntnis»  der 
Fäulniaebakterien.  522 

Höflich,  Die  Pyelonephritis  bacillosa  des 
Rindes.  94 

Hueppe,  Ueber  asiatische  Cholera  and  Un- 
tersuchungen   über  den  Kommabaeillas. 

619.  647 

KarUkski,  Znr  Kenntniss  der  pyoseptikä- 
mischen  Allgemeininfektionen.  491 

Kaufmann,  Ueber  einen  neuen  Nährboden 
für  Bakterien.     (Orig.)  65 

Kayeer,  Contribution  ä  Tetude  physiologique 
des  levüres  alcooliqnes  dn  lactose.     418 

— ,  Note  sur  les  formen ts  de  l'ananas.    489 

KijanoweJd,  Znr  Frage  Aber  die  antimikro- 
biellen  Eigenschaften  des  Hagensaftes.  235 

Kirchner,  Braun  fleckigkeit  der  Gersten - 
blÄtter.  259 

Kitasato ,  Experimentelle  Untersuchungen 
über  das  Tetanusgift.  438 

Klein,  Ein  neuer  Bacillus  des  malignen 
Oedems.     (Orig.)  186 

Kluge,  Chemotaktische  Wirkungen  des  Tu- 
ber culins  auf  Bakterien      (Orig)       661 

Koch,  Jahresbericht  über  die  Fortschritte 
in  der  Lehre  von  den  Gährungs-Orga- 
uismen.    I.  801 

Kolb,  Zur  Aetiologie  der  idiopathischen  Blut- 
fleckenkrankheit  (Purpura  haemorrhagica, 
Morbus  maculosns  Werlhofii).  17 

Kostjurin  und  Krahuky,  Ueber  Heilung 
des  Milzbrandes  durch  Fäulnisstoxine 
(Extrakte)  bei  Thieren.  (Orig.)  658.  599 

Krämer,  Ueber  einen  rothgefärbten,  bei  der 
Verg&brung  des  Mostes  mitwirkenden 
Sprosspilz.  124 

— ,  Bakteriologische  Untersuchungen  Über 
die  Nassflule  der  Kartoffelknollen.    164 

Kratter,  Ueber  die  Bedeutung  der  Ptoma'ine 
für  die  gerichtliche  Medicin.  26 

I^aechij  Die  Mycoderma  und  die  Praxis     192 

Le  Mouli,  Le  parasite  dn  hanneton    163.  750 

Lcroy,  A  biological  study  of  the  microbe 
of  erysipelas.  255 

Levy,  Ueber  die  Mikroorganismen  der  Eite- 
rung. Ihre  Spezifität ,  Virulenz ,  ihre 
diagnostische  und  prognostische  Bedeu- 
tung. 642 

Letoandowsky,  Ueber  Indol-  und  Phenol- 
bildung  durch  Bakterien.  220 

Lingelsheim,  t>. ,  Experimentelle  Untersu- 
chungen Über  morphologische,  kulturelle 
und  pathogene  Eigenschaften  verschie- 
dener Streptokokken.  460 

Linoeeier,  Action  de  l'acide  sulfureux  sur 
quelques  Champignons  inferieurs  et  en 
particnlier  sur  les  levüres  alcooliqnes.    23 

Loch,  Ueber  einen  bei  Keratomalacia  in- 
fantum beobachteten  Kapselbacillus. 
(Orig.)  869 

Lortet,  Mierobes  pathogenes  des  vases  de 
la  mer  Morte.  567 


Ludwig,  Der  Milch-  und  Rothfluss  der 
Bäume  und  ihre  Urheber.    (Orig.).       10 

— ,  Ueber  das  Vorkommen  des  Moschus- 
pilses   im  Saftfluss  der  Bäume.     (Orig.) 

214 

Maejadyen,  Nencki  und  Sieber,  Untersu- 
chungen über  die  chemischen  Vorgänge 
im  menschlichen  Dünndarm.  82 

Maggiora  und  Oradenigo,  Beitrag  sur  Aetio- 
logie der  katarrhalischen  Ohrentsün- 
dungen.     (Orig.)  625 

Magnus,  Verzeichniss  der  am  16.  Mai  und 
1.  Juni  1890  bei  Freienwalde  a.  O.  be- 
obachteten Pilse.  108 

Martmand  itRicUch,  Des  microorganismes 
que  Ton  rencontre  sur  les  raisins  mürs 
et  de  leur  developpement  pendant  la 
fermentation.  99 

MartmotH  und    Tedeechi,    Untersuchungen 

Über  die  Wirkungen  der  Inokulation  des 

Milzbrandes  in  die  Nervenzentra.   (Orig.) 

545.  593.  635 

Me  Weeney,  Preliminary  note  on  the  bac- 
teria  of  poisonous  mussels.  838 

MeUehmkoff  et  Roux,  Sur  la  proprio 
bactericide  du  sang  de  rat.  756 

Modler,  Ueber  eine  neue  Methode  der 
Sporenfärbung.     (Orig.)  278 

Oertel,  Ueber  das  diphtherische  Gift  und 
seine  Wirkungsweise.  220 

Ogata,  Ueber  die  Immunitätsfrage.         754 

Paeternaeki,  Eine  neue  Methode  der  Er- 
haltung und  Kultur  der  Obermeyer 'sehen 
Spirochaeten  in  Blutegeln  (Hirudo  medi- 
cinalis).  198 

Penao,  Beitrag  zum  Studium  der  biologischen 
Verhältnisse  des  Bacillus  des  malignen 
Oedems.     (Orig.)  822 

Betermann,  Sur  la  substance  bactericide  du 
sang  decrite  par  le  professeur  Ogata.    755 

Petri,  Versuche  über  das  Verhalten  der 
Bükterien  des  Milzbrands,  der  Cholera, 
des  Typhus  und  der  Tuberculose  in  be- 
erdigten Thierleichen.  125 

— ,  Ueber  die  Widerstandsfähigkeit  der 
Bakterien  des  Schweinerothlaufs  in  Rein- 
kulturen und  im  Fleisch  rothlaufkranker 
Schweine  gegen  Kochen ,  Schmoren, 
Braten,  Salzen,  Einpökeln  und  Räuchern. 

135 

Podbieltky,  Erklärung.     (Orig.)  606 

Rothert,  Bemerkung  zu  der  „Erklärung"  des 
Herrn  Dr.  A.  Podbielsky.    (Orig.)     607 

PoirauÜ,  Les  Ureclinäes  et  leurs  plante» 
nourricieres.  104 

Pokrowiky,  Mikroorganismen  aus  dem 
Wasser  des  Kura-Flusses  und  der  Tifliser 
Wasserleitung  im  Zeitraum  Tom  Februar 
bis  Mai  1891.  566 

Premdetberger,  Znr  Kenntniss  der  Bakte- 
rien des  Unternagelraumes  und  zur  Des- 
infektion der  Hände.  184 


854 


Register. 


PHUimm,  Le  Seigle  euivrant  100 

Prillitm*  et  Ddamm,  Le  Champignon  para- 
site  de  U  Unre  da  hanneton.  163 

Protopopof,  Bor  U  questton  de  U  streetare 
des  baeteric*.  70t 

Baum,  Zur  Morphologie  and  Biologie  der 
Sprosspilse.  79 

Betneeh,  Zur  bakteriologischen  Unterem- 
chong  des  Trinkwassers,    ((big.)       415 

ßanarelU,  Der  menschliche  8pcichel  und 
die  pathogenen  Mikroorganismen  der 
Mundhöhle.     (Orig.)  817 

SdmUm,  Zur  Frage  Ton  der  Bereitung 
einiger  Nihrsubstrate.     (Orig.)  6t 

Sera/Uü  et  Erriquem,  8ttlT  aaione  dell  sangne 
di  animali  immoni  inocalato  ad  animali 
snscetübili  del  carbonchio.  765 

Smith,  Tkeobald,  Kleine  bakteriologische 
Mittheilungen.  Mitt  Figuren.  {Orig.)  177 

— ,  The  Peach  Rosette.  192 

Sorokm,  Ueber  einige  Krankheiten  der 
Knltnrpflauaen  im  Sfid-Ussurischen  Ge- 
biet. 288 

SemVtwarth,  Ripe  rot  of  grapes  and  apples 
(Oloeosporiam  frnctigennm  Berk).     612 

Sproneh,  Zar  Kenntniss  der  pathogenen 
Bedeutung  des  Klebs-Loeffler'schen  Diph- 
theriebacillas.  419 

Tangl,  Ueber  das  Verhalten  der  Tuberkel- 
bacillen  an  der  Eingangspforte  der  In- 
fektion. 320 

Thümen,  ron,  Ueber  einige  besonders  be- 
achtenswertbe,  dnrch  parasitische  Pilse 
hervorgerufene  Krankheiten  der  Apfel« 
baumblfttter.  675 

Trapeznikoff,  Da  sort  des  spores  de  mi- 
crobes  dans  l'organisme  animal.         768 

TrombeUa,  Die  Ftulnissbakterien  and  die 
Organe  and  das  Blat  gern  gesund  ge- 
töteter Thiere.     {Orig.)  664 

Tvrrö,  Contribacion  ad  estadio  de  la  espo- 

rulacion  del  bacillas  anthracis.  91 

Vaülard  et    Vincent,    8nr   le   poison   tdta- 

niqae.  14 

Wasiermann  and  Protkamer,  Ueber  die  an 
den  Diphtheriebacillen  ansagten  Tox- 
albnmine.  645 

Werihem,    Zur  Lehre  ron  der  Gonorrhoe. 

886 

Weyl,  Zar  Chemie  und  Toxikologie  des 
Taberkelbacillas.  819 

Hill,  Zwei  Hefearten,  welche  abnorme  Ver- 
änderungen im  Bier  veranlassen.  621 
Wolf,  Ueber  Aktinomykose.  188 

Woronm,  Ueber  das  „Taumelgetreide"  in 
Sild-Ussurieu.  281 

Wortmann,  Ueber  die  neuesten  Unter- 
suchungen bezüglich  der  Organismen  der 
Nitrifikation  und  ihre  physiologische  Be- 
dentang. 76 

Zacharias,  Die  Thier-  and  Pflamenwelt 
des  SUtswassers.  562 


Ueber   den    Bau    der    Bakterien 
Mit  1  TafaL     (Orig)  68? 

Zweiter  Taberculose-KoDgress.  43* 

FlalniM. 

Bombied,  Salin  resistenza  alle,  pvcrefiuione 
del  virus  tetanico.  21 

Famo,  Coacorreaaa  vitale  fitm  i  bectari  delis 
potrefasione,  e  quelli  de  carbonehio  e  del 
tifo.  7S1 

Uofa,  Weitere  Beitrage  aar  Kenntniss  der 
Faulnissbakterien.  522 

Komjwrm  und  AVusnacy,  Ueber  Heilang  de» 
Milzbrandes  durch  Flulnititoxine  (Ex- 
trakte) bei  Thieren.    (Orig)       663.  59$ 

TrombeUa,  Die  Ffinlnissbekterien  und  die 
Organe  und  das  Blut  ganz  gesund  ge- 
testeter Thiere.     (Orig.)  6*4 

GähniDg. 

Amtkor,  Beobachtongen  über  den  Saecharo- 
myces  apicolatns.  157 

Biemacki,  Ueber  die  Eigenschaft  der  Antx- 
septica,  die  Alkoholganrung  an  be- 
schleunigen und  Über  gewisse  Abhängig- 
keit ihrer  Kraft  von  der  chemischen  Beo- 
struktur,  der  Fermentmenge  and  der  Ver- 
einigung miteinander.  296 

Fermi,  Weitere  Untersuchungen  ober  die 
tryptiseben  Enzyme  der  Mihroorganismcc. 
(Orig.)  401 

Franiiamd,  Stanley  and  Frew,  Farmentarioni 
induced  by  the  Pneumoeoceus  of  Fried- 
lftnder.  22S 

Hansen,  Qu'est-ce  que  la  lerüre  pure  de 
M.  Pasteur  ?  557 

Kayer,  Contribution  a  l'ltude  phyaiologiqce 
des  levüres  alcooHques  da  Uctoee.     41* 

— ,  Note  sur  les  ferments  de  l'ananas.    48? 

Koch,  Jahresbericht  Ober  die  Fortschritt« 
in  der  Lehre  von  den  Gthrungs-Orgs- 
nismen.   I.  SGI 

Kramer,  Ueber  einen  rothgeflrbten,  bei  der 
Verg&hraog  des  Mostes  mitwirkende; 
8prosspils.  114 

Latoki,  Die  Mycoderma  und  die  Praxis.   192 

Lmouier,  Action  de  l'acide  solforenx  ser 
quelques  Champignons  Interieurs  et  es 
partteulier  sur  les  levüres  aleoolique*    23  I 

Maefadyen,   Neneki  and    Sieber,    Untersc 
chungen  über  die  chemischen  Vorging  | 
im  menschlichen  Dünndarm  8:  | 

Marünand  et  BieUek,  Des  mieroorganismö 
que    Ton  renoontre  sur  les  ralains  mar» 
et    de   lear   developpement   pendant  U  j 
fermentation.  tf  I 

Baum,  Zar  Morphologie  und  Biologie  der 
Sprosspilse.  7! ; 

ViUiert,    Sur   la  fermentation  de  la  fec^l«  | 
par  l'action  du  ferment  butyrique.     2S3 


Register. 


855 


I  l  sl£p  Zwei  Hefearten,  welche  abnorme  Ver- 
änderungen im  Bier  veranlassen.       521 

Nitrifikation« 

SUeJkm,  Die  Kieselsäuregallerte  als  Nänr- 
snbatrat.     {Orig)  209 

HbrtauM»,  Ueber  die  neuesten  Unter- 
suchungen bezüglich  der  Organismen  der 
Nitrifikation  und  ihre  physiologische  Be- 
deutung. 76 

Beziehungen  der  Bakterien  und 

anderer  pflanzlicher  Parasiten 

zur  unbelebten  Natur. 

Bakterien  etc.  und  Wasser. 

Hanti,  L'epidemia  di  tifo  in  Firense  nei 
»uoi  rapporti  con  l'acqua  potabile.     804 

IJcyeHnck,  Qualitative  und  quantitative 
xnikrobiochemische  Analyse.  (Orig.)    723 

Jirtuüowihi,  Zur  Frage  Über  die  Rolle  der 
Mikroorganismen  bei  der  Bildung  des 
Limanschlammes.  194 

Z>cspeigne$,  Etüde  expenmentale  aar  les 
microbes  des  eauz  avec  applications 
&  l'bygiene  sanitaire  de  la  ville  de  Lyon. 

568 

Gxrinard,  Sur  un  mode  possible  de  trans- 
znisaion  de  la  tuberculose  ches  les  ani- 
maux.  568 

Lcrtet,  Microbes  pathogenes  des  vases  de 
la  mer  Morte.  567 

Malvoz,  Quelques  r&sultats  d'analyses  mi- 
crobiologiqaes  d'eaax  de  Liege.         197 

Pokrotesky ,  Mikroorganismen  aus  dem 
Wasser  des  Kura- Flusses  und  der  Tifliser 
Wasserleitung  im  Zeitraum  vom  Februar 
bis  Mai  1891.  566 

Bettuch,  Zar  bakteriologischen  Untersu- 
chung des  Trinkwassers.    (Orig.)      415 

Zachariae,  Die  Thier-  und  Pflanzenwelt 
des  Süss wassers.  562 

Bakterien  etc.  und  Boden. 

Bombicei,  Sulla  resistensa  alla  putrefaiione 
del  virus  tetanieo.  21 

BrusHowthy,  Zur  Frage  über  die  Bolle  der 
Mikroorganismen  bei  der  Bildung  des 
Limanschlammes.  194 

Hemzdmatm,  Ueber  die  Verbreitung  des 
Tetanuserregers  In  Fehlbodenfullungen 
Münchner  Häuser.  646 

Reimers,  Ueber  den  Gehalt  des  Bodens  an 
Bakterien.  489 

Wortmann,  Ueber  die  neuesten  Untersu- 
chungen besüglich  der  Organismen  der 
Nitrifikation  und  ihre  physiologische  Be- 
deutung. 76 


Bakterien  etc.    in    Nahrungs-   und 
Genussmitteln. 

Amthor,  Beobachtungen  Über  den  Saccharo- 
mycoe  apiculatus.  157 

Arloing,  Prophylaxe  der  menschlichen  und 
thierischen  Tuberculose.  776 

Aruetamoff,  Ueber  die  Natur  des  Fisch- 
giftes.    (Orig.)  118 

Bang,  Uebertragbarkeit  der  Tuberculose 
von  Thieren  auf  den  Menschen.         771 

Burdon- Sander son,  Ueber  die  Aetiologie 
der  Tuberculose.  769 

Ctmn,  Bacteria  in  the  dairy.  252 

Eicherieh,  Ueber  Milchsterilisirung  aum 
Zweck  der  Säuglingsernährung  mit  De- 
monstration eines  neuen  Apparates.     26 

Hansen,  Qu'est-ce  qae  la  levüre  pure  de 
M.  Pasteur?  557 

Hippins,  Ein  Apparat  zum  Sterilisiren  der 
Milch  im  Hause.  20 

Kayser,  Contribution  a  l'etude  physiologique 
des  levüres  alcooliques  du  lactose.    418 

Kramer ,  Ueber  einen  rothgefirbten,  bei 
der  Vergährung  des  Mostes  mitwirkenden 
Sprosspilz.  124 

KuqUt,  Worin  sind  die  Hauptursachen  für 
die  starke,  immer  noch  wachsende  Ver- 
breitung der  Tuberculose  zu  suchen  und 
was  kann  und  soll  der  Staat  zur  Aus- 
rottung beaw.  Eindämmung  dieser  ver- 
derblichen Krankheit  thun?  528 

Laeehi,  Die  Mycoderma  und  die  Praxis.    192 

Maefadyen,  Neneki  und  Sieber,  Untersu- 
chungen über  die  chemischen  Vorgänge 
im  menschlichen  Dünndarm.  82 

Mae  Fadyean  und  Sims  Woodhead,  Ueber 
die  Uebertragung  von  Tuberculose  von 
Thieren  auf  Menschen  durch  Fleisch  und 
Milch  tuberculöser  Thiere.  772 

Martinand  et  RieUeh,  Des  microorganismes 
que  Ton  rencontre  sur  les  raisins  mürs 
et  de  leur  dlveloppement  pendant  la 
formen  tation.  99 

Mo  Weeney,  Prelimiuary  note  on  the  bac- 
teria of  poisonous  mussels.  858 

Pttri,  Ueber  die  Widerstandsfähigkeit  der 
Bakterien  des  Schweinerothlaufs  in  Bein- 
kulturen und  im  Fleisch  rothlaufkranker 
Schweine  gegen  Kochen  t  Schmoren, 
Braten,  Salzen,  Einpökeln  und  Bäuchern. 

185 

Frühe**,  Le  Seigle  enivrant  200 

Renk,  Ueber  Marktmilch  in  Halle.         193 

SchouU,  Verbreitung  von  Tuberculose  durch 
Nahrungsreste  von  Phthisikern.         775 

Sorobm,  Ueber  einige  Krankheiten  der 
Kulturpflanzen  im  Süd-Ussurischen  Ge- 
biet. 28S 

Soxhlet,  Ein  verbessertes  Verfahren  der 
Milchsterilisirung.  203 


856 


Register. 


Wut,  Zwei  Hefearten,  welche  abnorme  Ver- 
Änderungen  im  Bier  veranlassen.       521 

Wcronin,  Ueber  das  „Tanmelgetreide"  in 
Süd-Ussurien.  231 

Bakterien  eto.   in  Gebrauchsgegen- 
ständen. 

Finkelttem,  mit  Nachtrag  von  Räch,  Bak- 
teriologische  Untersuchungen    von   Ver- 


band-Binden, namentlich  der  Jahre  1850, 

1864  und  1868.  747 

Klemm,  Ueber  Catgatinfektion  bei  troekner 

Wundbehandlung.  128 

Bakterien  eto.  in  Wohnungen. 

Hemmelmann,  Ueber  die  Verbreitung  des 
Tetanuserregers  in  Fehlbodenfullungen 
Münchner  Häuser.  646 


IV.    Thieriäohe  Parasiten; 


Bergmann,  Ueber  den  Befund  eines  Ascaris 
lumbricoides  in  der  Peritonealhöhle.    259 

Bignami,  Solle  febbri  intermittenti  mala- 
riebe  a  lunghi  Intervall!.  570 

Bin*,  Ueber  Chinin  und  die  Malariaamöbe. 

810 

Braun,  Die  sogenannte  „freischwimmende 
Sporocyste".     (Orig.)  215 

— ,    Bericht   über   die  Fortsehritte   in  der 

thierischen  Parasitenkunde.   (Orig.)    889. 

421.  465.  498.  524 

Celli,  Die  Parasiten  der  rothen  Blutkörper- 
chen. 588 

DtUpinc,  Psorospermosis  and  ita  relation 
to  malignant  epithelial  tumours.         649 

Di  MatUi,  Contributo  allo  studio  dell'  in- 
fezione  malarica  sperimentale  nell'  uomo 
e  negli  animali.  162 

Doch,  Observations  on  the  Amoeba  coli  in 
dyssentory  and  abscess  of  the  liver.    227 

— ,  Studies  in  the  etiology  of  malarial  in- 
fection  and  of  the  haematosoa  of  Laveran. 

254 

Fajarnis,  Nuevos  estudios  sobre  los  hema- 
tosoarios  del  palndismo.  254 

Graut  und  FeletU,  Weiteres  aur  Malaria- 
frage.    {Orig.)  449.  481.  517 

Guttmann  und  Ehrlieh,  Ueber  die  Wirkung 
des  Methylenblau  bei  Malaria.  809 

Hainann,  Die  kleineren  Sflsswasserflsche 
als  Haupt-  und  Zwischenwirthe  des  Echi- 
norhynchus  proteus  Westr.   (Orig.)     791 

HaeeaU,  A  new  species  of  Trematode  in- 
festing  Cattle  (Fasciola  carnosa).       464 

Hocheinger,  Zur  Diagnose  der  Malaria  in- 
fantilis.  253 

Langer,  Ueber  die  Häufigkeit  der  Ento- 
parasiten  bei  Kindern.  575 

Laveran,  Die  Aetiologie  der  Malaria.     586 

lAtcet,  Dysenterie  epliootique  des  poules 
et  des  dindes.  807 

Lustgarten,  On  Psorospermosis  follicularis. 

229 


Lutz,  Zur  Kenntnis*  der  Amöben- Enteritis 
und  -Hepatitis.     {Orig)  241 

Maggiora,  Ueber  einen  Fall  von  Taeeis 
inermis  fenestrata.     (Orig)  145 

Mdlaehowehi,  Zur  Morphologie  des  Plas- 
modium malariae.  706 

Mannaberg,  Beitrage  tur  Morphologie  und 
Biologie  des  Plasmodium  malariae.    705 

Ortmann,  Ueber  Balantidium  coli.         498 

Otbum,  The  Pediculi  und  Mallophag» 
affecting  man  and  the  lower  animals.   675 

PUhn,  Aetiologische  und  klinische  Malaria- 
studien. 572 

Richter,  Ueber  einen  Fall  von  raeemosen 
Cysticerken  in  den  inneren  Meningen 
des  Gehirnes  und  Rückenmarkes.      612 

Ritoema  Bot,  Zwei  neue  Nematodenkrank- 
heiten  der  ErdbeerpAauae.  528 

Romanototky,  Zur  Frage  Über  den  Bau  der 
Malariaparasiten.  163 

Rosenbach,  Zur  Konservirung  lebender 
Malariuparasiten.  806 

Saeharow,  Erhaltung  der  Malaria  -  Plas- 
modien in  lebendem  Zustande  in  Blut- 
egeln. 199 

Bahharoff,  Recherche*  sur  le  parasite  des 
tievrea  paludeennes  irregulieres,         706 

Scheüong,  Die  Malariakrankheiten  unter 
spesieller  Berücksichtigung  tropenklima- 
tischer  Gesichtspunkte.  570 

Smith,  The  Peaeh  Rosette.  392 

Spener,  Ueber  den  Krankheitserreger  der 
Malaria.  574 

Stengel,  Acute  dysentery  and  the  Amoeba 
coli.  749 

Thäohan,  Sur  la  Constitution  des  spores  des 
Myxosporidies.  S54 

— ,  Rechercbes  sur  le  deVeloppement  des 
spores  chez  les  Myxosporidies.  854 

Totti  ed  Angelini,  Infesione  malarica  cro- 
nica  coi  sintomi  della  sclerosi  a  placche. 

254 

Zechokke,  Die  Parasitenfauna  von  Trntts 
salar.     {Orig.)  694.  738.  782.  829 


Register. 


857 


Bakterien  und  andere  Parasiten  als  Krankheitserreger 
bei  Mensehen  und  Thieren. 


a.  Infektiöse  Krankheiten  im  Allgemeinen. 


Adam*  9    Ueber   schätzend«    Wirkung   der 

Körpersäfte.  762 

Arloing,    Ueber  erbliche  Uebertragung  der 

Immunität.  762 

Bakteriologisches     von     der    medisinisch- 

wissenschaftlicben    Ausstellung    des    X. 

internationalen  medizinischen  Kongresses 

zu  Berlin,  4.-9.  August  1890.  166 

Bakteriologisches  vom  VII.  internationalen 

Kongress  für  Hygiene  and  Demographie 

zu  London,  10—17.  August  1891.     506 

Bernheim,  Ueber  die  Desinfektionsgemische. 

839 

BHHngt,  Preventiye  inocnlation.  24 

Bireh-Hirecfydd ,  Ueber  die  Pforten  der 
placentaren  Infektion  des  Fötus.  85 

Braun,  Bericht  Über  die  Fortschritte  in  der 

thierischen  Parasitenkunde.   (Orig.)   889. 

421.  465.  493.  524 

Booker,  A  study  of  some  of  the  Bakterie 
found  in  the  faeces  of  infants  affected 
with  sammer  diarrhoea.  284 

Braatz,  Ueber  das  Verhältnis»  der  klini- 
schen Chirurgie  aar  chirurgischen  Bak- 
teriologie and  die  Bedeutung  der  Anaero- 
biose  für  beide.  188 

— ,  Die  Bedeutung  der  Anaerobiose  für  die 
Wundheilung  and  für  die  allgemeine 
Pathologie.  363 

Brunner,  Ueber  Ausscheidung  pathogener 
Mikroorganismen    durch    den    Schweiss. 

172.  862 

— ,  Betrachtangen  über  Antiseptik  und 
Aseptik  mit  Beziehung  auf  Lister's  Vor- 
trag in  Berlin.  297 

Büchner,  Kurse  Uebersicht  über  die  Ent- 
wickelung  der  Bakterienforschung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.         849 

— ,  Zur  Nomenklatur  der  schützenden  Ei- 
weisskdrper.    (Orig.)  699 

— ,  Ueber  den  gegenwärtigen  Stand  der 
Immunitätsfrage.  709 

— ,  Die  Forschungsmethoden  in  der  Im- 
manltätsfrage.     (Orig.)  727 

Cabadi,  Lecons  sur  les  maladies  micro- 
biennes  professees  ä  l'ecole  de  mddecine 
de  Toulouse.  561 

Christmai,  de,  ätude  sur  les  substances 
microbicides  du  seram  et  des  organes 
d'animaux  k  sang  chaud.  766 

Qitfer,  Recherches  cliniqnes  sur  la  periode 
d'incubation  des  maladies  infectieuses  en 
geneVal  et  en  particulier  sur  la  periode 
d'incubation  de  la  tuberculose.  567 

David,  Les  mlcrobes  de  la  boucbe.       609 


Deepeignet,  Etüde  experimentell  sur  les 
microbes  des  eaux  arec  applications 
a  l'hygiene  sanitaire  de  la  ville  de  Lyon. 

563 

Emmerich,  Die  Ursache  der  Immunität,  die 
Heilung  Ton  Infektionskrankheiten,  spe- 
ziell des  Rothlaufs  der  Schweine,  und 
ein  neues  SchutsimpfungsTerfahren  gegen 
diese  Krankheit  265 

Enderlen,  Versuche  über  die  bakterien- 
feindliche Wirkung  normalen  und  patho- 
logischen Blutes.  753 

Faulhaber,  Ueber  das  Vorkommen  ron 
Bakterien  in  den  Nieren  bei  akuten  In- 
fektionskrankheiten. 257 

Freirt,  Mittheilnng  über  Bakteriologie  im 
Allgemeinen  und  über  das  gelbe  Fieber 
im  Besonderen.  805 

OabriUchemhy,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  Ton  In- 
fektionskrankheiten.    (Orig.)  151 

Gamaleia,  De  l'immunitö  pour  le  ribrion 
de  Metschnikoff.  133 

OoUttein ,  Zusammenfassende  Uebersicht 
Über  die  bakterienvernichtende  Eigen- 
schaft des  Blutserums.  758 

Hanhin,  Ueber  die  Nomenklatur  der  schützen- 
den Eiweisskörper.     (Orig.)        337.  877 

— ,  Cures  of  infectious  diseases.  896 

— ,  Die  antibakterielle  Wirkung  des  Serums. 

714 

Heim,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.) 
260.  288.  823.  356.  398.  430.  471.  499. 

529.  575 

Holet,  Uebersicht  über  die  Bakteriologie 
für  Aerste  und  Studirende.  219 

Hueppe,  Die  Immunitätsfrage.  763 

Kijanowski,  Zur  Frage  über  die  anti- 
mikrobiellen  Eigenschaften  des  Hagen- 
saftes. 285 

Kirchner,  Die  Bedeutung  der  Bakteriologie 
für  die  öffentliche  Gesundheitspflege.    125 

— ,  Grundriss  der  Militärgesundheitspflege. 

669 

Klemm,  Ueber  Catgutinfektion  bei  trockner 
Wundbehandlung.  128 

Klippel,  Des  infections  microbiennes  secon- 
daires  au  cours  des  affections  mentales. 

802 

Kurz,  Ueber  trockene  aseptische  Opera- 
tions- und  Verbandsmethode.  268 


858 


freister. 


MHttknkqf  et  Boux,  8ur  la  proprio  bec- 
tlricide  da  sang  de  rat.  766 

— ,  lieber  die  Wirkung  des  Vibrio  Metaehni- 
kori.  764 

Mipda,  Die  Bakterien.  701 

JfiBsr,   The  Month  as  a  focos  of  infeetion. 

647 

Ogata,  Ueber  die  Immanit&tsfrage.        754 

AwiM,  A  mannt]  of  practical  hyglene.    559 

PtUrmann,  8ur  ia  sabstaoee  bactlricide  da 
sang  dlcrite  par  le  professeor  Ogata.   756 

Fttriy  Versuche  Über  das  Verhalten  der 
Bakterien  des  Mütbrands,  der  Cholera, 
des  Typhös  und  der  Tuberculose  in  be- 
erdigten Thierleichen.  126 

— ,  Bin  neuer  Apparat  sam  8terilisiren 
mit  strömendem  Wasserdampf  von  Atmo- 
sphirendnick.  181 

ftvmdeibtrger,  Zar  Kenntnis«  der  Bakterien 
des  Unternagelraomes  and  zur  Desinfek- 
tion der  Hände.  184 

Prwidtn  and  Hodnpyl,  8tadies  on  tbe 
action  of  dead  bacteria  in  the  liring  body. 

708 

Bafwumd,  Une  Observation  de  syphills  con- 
ceptionelle.  86 

Reimer;  Ueber  den  Gehalt  des  Hodens  an 
Bakterien.  489 


Btm$ch,  Zur  bakteriologischen  Unter»- 
chung  des  Trinkwassers.     (Orig.)      415 

Rokndmädtr ,  Experimentelle  Untere- 
ehangen  Über  die  bei  Fröschen  dareh 
Verweilen  in  höherer  Temperatur  er- 
zeugt* Disposition  für  Müsbrand.      17'.' 

BouXy  Ueber  Immunität,  deren  natürikb*» 
Vorkommen   and  künstliche  Erzeuguc? 

649.  «s* 

Rufer,  Notes  on  the  destraction  of  mkro- 
organismas  by  amoeboid  cell*.  232 

ßcmareüi,  Der  menschliche  8peJchel  and  dl* 
pathogenen  Mikroorganismen  der  Xsnd- 
höhle.     (Orig.)  817 

Schimmelkuch ,  Die  Durchführung  der 
Asepsis  in  der  Klinik  des  Herrn  Gehehx- 
rath  von  Bergmann  in  Berlin.  865 

ScMetcJu,  Infektion  and  Geaehwalstbildenc 

Schmort  and  Btrch-Büruskjeld,  Cebergaag 
▼on  Taberkelbecillen  ans  dem  matter- 
liehen  Blute  aal  die  Fracht.  68 

Serqfimiet  Errique*,  Sali'  asione  delT  sangsc 
dl  animall  immani  inocalato  ad  anhc*!'. 
soseettibili  pel  earbonchio.  75 1 

Trapewmkof,  Da  sort  des  spores  de  mi- 
crobes  dans  l'organisme  animal.         753 


b.  EinBeine  durch  Bakterien  und  andere  Paraalten  hervorgerufene 

Krankheiten. 


Absoesse. 

l>X$chert  Bakteriologische  and  anatomische 
Untersuchungen  Über  die  Lymphangitis 
der  Extremitäten.  172 

Btützzart,  Der  Diplococcus  von  Neisser  in 
den  periurethralen  blennorrhd'ischen  Ab- 
scessen.  886 

Aktinomykose. 

Jacher,  Beitrag  sur  Aetiologie  der  Aktino- 
mykose. 16 

Koch,  Drei  Fälle  von  Actinomycosis  ho- 
minis. 888 

Protopopoff,  Sur  la  question  de  la  struetore 
les  bscte>ies.  708 

Wolf,  Ueber  Aktinomykose.  188 


monie   arec   presenee    da   pneamocoq^ 
dans  le  pus.  3&s 

Blennorrhoe. 

BeUvmari,  Der  Diplococcus  von  Neisser  in 
den  periurethralen  blennorrhöiseben  AH- 


Brustseuohe. 

Fiedeler,  Ueber  die  Bnutsencbe  im  Kostier 
Landgestfite  and  Über  den  Krankheits- 
erreger derselben.     (Orig.)         310.  341 
SSO.  408.  4M 


Caroinom  (s.  Krebe!) 


Aneurysma. 

Buday,  Ein  Fall  von  Aneurysma  arteriae 
iliacse  communis,  verursacht  durch  einen 
septischen  Embolus.  856 


Arthritis. 

PicqtU  et  Veiäon,   Note   sur  an   cas   d'ar- 
thride  purulente  conseentire  k  ane  pneu- 


Caries. 
BewiU,  Dental  Caries. 

Cholera. 


648 


Güberi  et  Girode,  Contribation  k  l'etade 
chimique  et  bacteriologiqoe  da  cnolera 
nostras.  803 


Register. 


859 


Hueppey  Ueber  asiatische  Cholera  und  Un- 
tersuchungen  über   den  Kommabacillus. 

619.  647 

Pttri,  Versuche  Über  das  Verhalten  der 
Bakterien  des  Milzbrands,  der  Cholera, 
des  Typhus  und  der  Tnbercnlose  in  be- 
erdigten Thierleichen.  125 

ScLTuzreZli,  Der  menschliche  Speichel  und 
die  pathogenen  Mikroorganismen  der 
Mundhöhle.     (Orig.)  817 


Cholelithiasis. 

Aaimyn,  Ueber  das  Vorkommen  von  Spalt- 
pilzen in  der  Gallenblase.  92 

Chorea. 

IHanese,  Ricerche  batteriologiche  e  speri- 
mentali  in  an  caso  di  corea  da  Sydenhan. 

888 

Diarrhoe. 

Hochsinger ,   Ueber    Indicanurie   im   Säug- 

lingsalter.  90 

Ortmann,  Ueber  Balantidiam  coli.  498 

Diphtherie. 

Baginshy,  Zur  Aetiologie  der  Diphtherie. 
Der  Loeffler'sche  Bacillus.  806 

Barbier,  De  la  transmissibilite1  de  la  diph- 
therie  aviaire  a  l'homme.  93 

Cantani,  Cara  della  difteria.  134 

Moos,  Histologische  and  bakteriologische 
Untersuchungen  über  Mittelohrerkran- 
kungen  bei  den  verschiedenen  Formen 
der  Diphtherie.  19 

Oertel,  Ueber  das  diphtherische  Gift  and 
seine  Wirkungsweise.  220 

Sproneb,  Zar  Kenntniss  der  pathogenen  Be- 
deutung des  Klebs-Loeffler'schen  Diph- 
theriebacillos.  419 

Tangl,  Znr  Frage  der  8charlachdiphtheritis. 
(Orig.)  1 

Wassermann  nnd  Protkauer,  Ueber  die  an 
den  Diphtheriebacillen  erzeugten  Tox- 
alhamine.  645 


Dysenterie. 

Dock,  Obsenrations  on  the  Amoeba  coli  in 

dyssentery  and  abscess  of  the  liver.  227 
Lucet,  Dysenterie  epizootique  des  poales  et 

des  dindes.  807 

Lutz,  Zar  Kenntniss  der  Amöben-Enteritis 

und  -Hepatitis.     {Orig.)  241 

Stengel,   Acute  dysentery  and  the  Amoeba 

coli.  749 


Dyspepsie. 

Stocquart,  De  l'ichthyol  dans  le  traitement 
de  la  dyspepsie  et  des  troables  cepha- 
liques  et  nenreaz  qai  en  dependent.    862 

Eiterung. 

Boulloche,  Note  sur  un  cas  de  polyarthrite 
suppuree  et  de  myosites  de'termine'es  par 
le  pneumocoque.  674 

Orookshank,  On  Streptococcus  pyogenes.  648 

— ,  On  the  question  of  the  identity  of 
Streptococcus  pyogenes  with  Strepto- 
coccus erysipelatosus.  648 

Dennig,  Ueber  septische  Erkrankungen  mit 
besonderer  Berücksichtigung  der  krypto- 
genetischen Septikopyämie.  648 

Dcstrie,  A  propos  de  quelques  cas  de  sup- 
puration  compliquant  la  fievre  typhoide. 

567 

von  Eiselsberg,  Nachweis  ron  Eiterkokken 
im  Schweisse  eines  Pyämi sehen.        492 

Eraud  und  Hugounenq,  Actlon  de  certaines 
couleurs  d'aniline  sur  le  d6veloppement 
et  la  virulence  de  quelques  microbes.  615 

Fischer,  Bakteriologische  und  anatomische 
Untersuchungen  Über  die  Lymphangitis 
der  Extremitäten.  172 

Eraenkel,  Ueber  peritoneale  Infektion.    160 

Herman,  De  l'influence  de  quelques  va- 
riations  du  terrain  organique  sur  l'action 
des  microbes  pyogenes.  803 

KarUnakiy  Zur  Kenntniss  der  pyoseptikä- 
miachen  Allgenieininfektionen.  491 

Levy,  Ueber  die  Mikroorganismen  der  Eite- 
rung. Ihre  Spezifität,  Virulenz,  ihre 
diagnostische  und  prognostische  Bedeu- 
tung 642 

Reichet,  Ueber  Immunität  gegen  das  Virus 
▼on  Eiterkokken.  189 

Sanartlliy  Der  menschliche  Speichel  und 
die  pathogenen  Mikroorganismen  der 
Mundhöhle.     {Orig.)  817 

Ekzem. 

Unna,  Natur  und  Behandlung  des  Ekzems. 

674 

Endocarditis. 

Paulus,  Ueber  septische  Allgemein  erkran- 
kung  nach  chronischer  Endocarditis.    672 

Endometritis. 

Kötschau,  Kurzer  Beitrag  zur  Ichthyolthe- 
rapie bei  Frauenkrankheiten.  362 

Enteritis. 

Lutz,  Zur  Kenntniss  der  Amöben-Enteritis 
und  -Hepatitis.     (Orig.)  241 


860 


Register. 


Erysipel. 

Crookihanh,  Od  the  qoestion  of  the  identity  of 
Streptococcus  pyogenes  with  Streptococcus 
erysipelatosus.  648 

Hang,  Das  Lysol  und  du  Naphthol  (ß) 
in    der  Therapie   der  Ohrenkrankheiten. 

707 

Horwitz,  Apparent  antagonism  between  the 
Streptococci  of  Erysipelas  and  Syphilis.  21 

Jordan,  üeber  die  Aetiologie  des  Erysipels. 

172 

Leroy,  A  biological  study  of  the  microbe 
of  erysipelas.  265 

Ulrich,  Die  Resultate  von  8  verschiedenen 
Behandlungsweisen  des  Erysipelas  faciei. 

268 

Favus. 

Morris,  An  extensive  case  of  farus.        18 

Behwewmger  und  Biuzi,  Notizen  über  Favus 

lupinosus  am  Rumpfe.  675 

Wickham,  A  rare  case  of  favus  of  the  limbs 

enormous  patches  of  favus  covering  al- 

most  the  whole  of  the  lower  limbs.    129 


Fischgift. 

Ärustamoff,    Ueber   die   Natur    des   Fisch- 
giftes.    (Orig.)  118 


Gelbfieber. 

Fre&re,  Mittheilung  über  Bakteriologie  im 
Allgemeinen  und  über  das  gelbe  Fieber 
im  Besonderen.  805 


Gelenkentzündung. 

Buday,  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Ent- 
wickelang der  metastatischen  Gelenkent- 
zündungen und  zur  Aetiologie  der  Poly- 
arthritis rheumatica.  286 


Qoüy  üeber  die  Häufigkeit  des  Vorkom- 
mens von  Gonokokken  bei  chronischer 
Urethritis.  853 

Peüizzari,  Der  Diplococcus  von  Ne&sser  in 
den  periurethralen  blennorrhöischen  Ab- 
scessen.  386 

Botmtki,  Ueber  gonorrhoische  Erkrankung 
der  Mundhöhle  Neugeborener.  129 

Wertheim,   Zur  Lehre  von  der  Gonorrhoe. 

885 

Hepatitis. 

Lutz,  Zur  Kenntniss  der  Amdben-Enteritb 
und  -Hepatitis.     (Orig.)  241 


Hospitalbrand. 

von  Eerf,  Ein  Fall  von  Hospitalbrand  an 
der  Vulva  nebst  Bemerkungen  über  die 
Behandlung  dieser  Krankheit.  227 


Hühnercholera. 

Lueet,  Dysenterie  epizootique  des  poules 
et  des  dindes.  807 

Pregl,  Ueber  eine  neue  Karbolmethylenblau- 
Methode.     (Orig.)  826 


Icterus. 

Meinen,  Ergebnisse  der  Sammelforscbung 
Über  den  im  Königreich  Sachsen  1889/90 
beobachteten  epidemischen  Icterus.    887 


Indioanurie. 

Hocheinger,  Ueber  Indicanurie  im  Sf  uglings- 
alter.  90 

Keratomalacie. 

Loeb,  Ueber  einen  bei  Keratomalacia  infan- 
tum beobachteten  Kapselbacillus.  {Orig.) 

369 


Geschwülste. 

Schleich,  Infektion  und  Geschwulstbildung. 

462 

Gonorrhöe. 

van  Dort,  Gonokokken  infectie  bij  een  twee- 
jaarig  meisje.  129 

Eraud  und  Hugounena,  Action  de  certaines 
couleurs  d'aniline  sur  le  deVeloppement 
et  la  virulence  de  quelques  microbes.    615 


Keratosis. 

White,  Keratosis  follicularis  (Paorospermose 
folliculaire  vege taute).  130 


Krebs. 

Baüance,  Consideratious  printing  to  Cancer 
as  an  infective  disease.  648 

Bibbert,  Neuere  Arbeiten  zur  Aetiologie 
des  Carcinoma.  237 


Register. 


861 


Lepra. 

Uoifut^  La  Lepre  a  Hanoi  (Tonkin).       15 

Faxrrat  und  Christmann,  üeber  eine  einfache 

Methode  zur  Gewinnung  bacillenreichen 

Leprsunaterials      zu     Versuchszwecken. 

(Orig.)  119 

Leukämie. 

Brentano   und    TYuigrf,    Beitrag   zur   Aetio- 
logie   der  Pseudoleukämie.  673 


Spener,  Ueber  den  Krankheitserreger  der 
Malaria.  074 

Torti  ed  AngeUni,  Infesione  malarica  cro- 
nica  coi  sintomi  doli*  sclerosi  a  placche. 

254 

Malignes  Oedem. 

Klein ,  Ein  neuer  Bacillus  des  malignen 
Oedems.    (Orig.)  186 

Penxo,  Beitrag  zum  Studium  der  biologischen 
Verhältnisse  des  Bacillus  des  malignen 
Oedems.     (Orig.)  822 


Lymphangitis. 

Fischer,  Bakteriologische  and  anatomische 
Untersuchungen  über  die  Lymphangitis 
der  Extremitäten.  172 


Malaria. 

Bignami,  8ulle  febbri  intermittenti  mala- 
riche  a  lunghi  intervalli.  570 

Bin»,  Ueber  Chinin  und  die  Malariaamöbe. 

810 

Celli,  Die  Parasiten  der  rothen  Blutkörper- 
chen 588 

Di  MatUi,  Contributo  allo  studio  dell'  in- 
fezione  malarica  sperimentale  nell'  uomo 
e  negli  animali.  162 

Dock,  Studies  in  the  etiology  of  malarial 
infection  and  of  the  haematozoa  of  La« 
▼eran.  254 

Fajesmes,  Nuevos  estudios  sobre  los  he- 
matosoarios  del  paludismo.  254 

Orassi  und  Feletti,  Weiteres  zur  Malaria- 
frage.    (Orig.)  449.  481.  517 

Gi4tmann  und  Ehrlich,  Ueber  die  Wirkung 
des  Methylenblau  bei  Malaria.  809 

Hochsinger,  Zur  Diagnose  der  Malaria  in- 
fantilis.  253 

Laveran,  Die  Aetiologie  der  Malaria.    686 

Malachowiki,  Zur  Morphologie  des  Plas- 
modium malariae.  706 

Mannaberg)  Beitrage  zur  Morphologie  und 
Biologie  des  Plasmodium  malariae.    705 

FUhn,  Aetiologische  und  klinische  Malaria- 
studien. 572 
Romanotciky,  Zur  Frage  über  den  Bau  der 
Malariaparasiten.  163 

Rosenbach ,  Zur  Konservirung  lebender 
Malariaparasiten.  806 

Sacharaw,  Erhaltung  der  Malaria  -  Plas- 
modien in  lebendem  Zustande  in  Blut- 
egeln. 199 
Bahharof,  Recherche s  sur  le  parasite  des 
fievres  paludeennes  irregulieres.  706 
SchcUong,  Die  Malariakrankheiten  unter  spe- 
zieller Berücksichtigung  tropenklima- 
tischer Gesichtspunkte.                        570 


Meningitis. 

Klippel,  Des  infections  microbiennes  secon- 
ditires  au  cours  des  affections  mentales. 

802 

Milzbrand. 

Birch- Hirschfeld,  Ueber  die  Pforten  der 
placentären  Infektion  des  Fötus.  85 

Chor,  Traitement  du  charbon  par  le  bi- 
carbonate  de  soude  d'apres  la  me'thode 
de  M.  Fodor.  760 

de  Christmas,  Etüde  sur  les  substances 
microbieides  du  slrum  et  des  organes 
d'animaux  a  sang  chaud.  766 

Eraud  und  Hugowienq,  Action  de  certaines 
conleurs  d'aniline  sur  le  developpement 
et  la  yirulence  de  quelques  microbes.   615 

Faxio,  Concorrenza  vitale  fra  i  bacteri  della 
putrefasione,  e  quelli  de  carbonchio  e  del 
tifo.  761 

Fodor,  Zur  Frage  der  Immunisation  durch 
Alkalisation.     {Orig.)  7 

Qabritschcwsky,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  von  In- 
fektionskrankheiten.    (Orig.)  151 

Goldsehmidt ,  Ein  Fall  von  Anthrax  in- 
testinalis beim  Menschen.  748 

Hankin,  Cures  of  infectious  diseases.     396 

— ,  Die  antibakterielle  Wirkung  des 
Serums.  714 

Klein,  Ueber  chemische  Beeinflussung  der 
Säfte.  764 

Kostjurin  und  Krainsky,  Ueber  Heilung  des 
Milzbrandes  durch  Fäulnisstoxine  (Ex- 
trakte) bei  Thieren.    (Orig)       553.  599 

Latis,  Ueber  den  Uebergang  des  Milzbran- 
des von  der  Mutter  auf  den  Fötus  und 
über  die  Veränderungen  in  den  Gef&ssen, 
welche  der  Milzbrand  hervorbringt.    225 

Lubarich,  Bemerkungen  zu  R.  Stern*»  Re- 
ferat über  meine  „Untersuchungen  über 
die  Ursachen  der  angeborenen  und  er- 
worbenen Immunität".     (Orig.)  69 

Stern,  Erwiderung.     (Orig.)  74 

MartmotÜ  und  Barbacci,  Ueber  die  Physio- 
pathologie des  Milzbrandes.  224 


862 


Register. 


MartmoUi   und    Tedeechi,    Untersuchungen 

über  die  Wirkungen  der  Inokulation  des 

Milzbrandes  in  die  Nervensentra.    (Orig.) 

545.  595.  635 

MeUehmikoff  et  Boux,  Sur  la  proprilte' 
bactericide  du  sang  de  rat  756 

Ogata,  Ueber  die  Immunit&tsfrage.        754 

JFeUrwuum,  Sur  la  substanee  bactericide  du 
sang  decrite  par  le  professeur  Ogata.    755 

Petri,  Versuche  Aber  das  Verhalten  der 
Bakterien  des  Milzbrands,  der  Cholera, 
des  Typhus  und  der  Tuberculose  in  be- 
erdigten Thierleichen.  125 

Boger,  Contribution  a  l'eiude  experimentale 
du  charbon  symptomatiqae.  748 

Rohrschneider ,  Experimentelle  Untersu- 
chungen über  die  bei  Fröschen  durch 
Verweilen  in  höherer  Temperatur  er- 
zeugte Disposition  für  Milzbrand.       170 

Rouxy  Ueber  Immunität,  deren  natürliches 
Vorkommen    und  künstliche  Erzeugung. 

649 

Sanartüi,  Weitere  Mittheilungen  über  Gift- 
theorie und  Phagocytose.     (Orig.)      513 

Schor,  Ueber  die  fragliche  Immunisation 
durch  Alkalisation  mittelst  Natrium  bi- 
carbonicum.     (Orig.)  736 

Serafini  et  Erriquex,  Süll'  azione  dell' 
ssngue  di  animali  immuni  inoculato  ad 
animali  suscettibili  pel  carbonchio.     755 

Turrd,  Contribution  ad  estudio  de  la  espo- 
rulacion  del  bacillus  anthracis.  91 


Otitis. 

Maggiora  und  Gradenigo,  Beitrag  sur  Aetio- 
logie  der  katarrhalischen  Ohrentsün- 
dungen.     (Orig.)  625 

Mooi,  Histologische  und  bakteriologische 
Untersuchungen  über  Mittelohrerkran- 
kungen bei  den  verschiedenen  Formen 
der  Diphtherie.  19 


Paralyse. 

Kuppel,  Paralysie   generale  et  tuberculose 
pulmonaire.  568 


Parotitis. 

Dittrich,  Ueber  einen  Fall  von  eiteriger 
Parotitis  und  deren  etwaigen  Zusammen- 
hang mit  Süsseren  Verletzungen.        491 


Pemphigus. 

Almquist,    Pemphigus   neonatorum,   bakte- 
riologisch und  epidemiologisch  beleuchtet. 

492 


Faber,  Ueber  den  akuten  kontagfäsen  Pem- 
phigus. 18 


Peritonitis. 
Fraemkel,  Ueber  peritoneale  Infektion.     160 


Phthisis. 

Aberg,  De  la  curabilite'  de  la  phthiale  pul- 
monaire et  de  quelques  autres  «v^pi««« 
chroniques  de  la  poitrine  par  l'eau  d'une 
basse  temperature.  614 


Pneumonie. 

Bordoni^üffrtduazi,  Ueber  die  Widerstands- 
fähigkeit des  pneumonischen  Virus  in  den 
Auswürfen.     (Orig.)  305 

BouOoche,  Note  sur  un  cas  de  polyarthrite 
suppuree  et  de  myosites  däterminees  par 
le  pneumoeoque.  674 

Clause,  Note  sur  un  cas  de  purpura  k  pneu- 
moeoque. 674 

Dütrieh,  Ueber  einen  Fall  von  eiteriger 
Parotitis  und  deren  etwaigen  Zusammen- 
hang mit  Äusseren  Verletzungen.       491 

Emmerich,  Ueber  die  künstliche  Erzeugung 
von  ImmunitAt  gegen  kroupdse  Pneu- 
monie und  die  Heilung  dieser  Krankheit 

714 

Faulhaber,  Ueber  das  Vorkommen  von 
Bakterien  in  den  Nieren  bei  akuten  In- 
fektionskrankheiten. 257 

Foä  e  Oarbone,  8tudi  sul  prooesso  pneu- 
monico.  223 

Frankland,  Stanley  and  Frewy  Fermentation» 
induced  by  the  Pneumococcus  of  Fried- 
lander. 3*2 

Piequi  et  Ve&on,  Note  sur  un  cas  d'ar- 
thride  purulente  consecutive  k  une  Pneu- 
monie avec  presence  du  pneumoeoque 
dans  le  pus.  568 


Polyarthritis. 

Bouüoehe,  Note  sur  un  cas  de  polyarthride 
suppuree  et  de  myosites  dltenninees  par 
le  pneumoeoque.  674 


Polyarthritis  rheumatioa. 

Buday,  Beitrage  sur  Kenntniss  der  Ent- 
wicklung der  metastatischen  Gelenkent- 
zündungen und  sur  Aetiologie  der  Poly- 
arthritis rheumatica.  286 


Register. 


863 


Waybet,  Aetiologische  Beobachtungen  Über 
akuten  Gelenkrheumatismus.  285 


Pseudotuberculose. 

MegmtM  und  Jfosny,  Ueber  Pseudotuber- 
culose der  Hasen.  776 

Frei**,  Ueber  einen  Fall  von  Pseudotuber- 
culose beim  Schafe  und  Über  Pseudo- 
tuberculose im  Allgemeinen.  668 


Purpura. 

CZause,  Note  sur  an  cas  de  purpura  a  pneu- 
mocoque.  674 


Purpura  haemorrhagioa. 

Kolb,  Zur  Aetiologie  der  idiopathischen  Blut- 
fleckenkrankheit (Purpura  haemorrhaglca, 
Morbus  maculosus  Werlhofll).  17 


Psorospermose. 

Lustgarten,  On  Psorospermosis  follicularis. 

229 


Pyämie. 

Brunner,  Ueber  Ausscheidung  pathogener 
Mikroorganismen  durch  den  Schweiss.  362 

Buday,  Ein  Fall  von  Aneurysma  arteriae 
iliacae  communis,  verursacht  durch  einen 
septischen  Embolus.  266 

Dornig,  Ueber  septische  Erkrankungen  mit 
besonderer  Berücksichtigung  der  krypto- 
genetischen Septikopyftmie.  648 

von  EütUberg,  Machweis  von  Eiterkokken 
im  Seh  weisse  eines  Py  tauschen.        492 

EarUntki,  8ur  Kenntniss  der  pyoseptikl- 
mischen  Allgemeininfektionen.  491 

Paulus,  Ueber  septische  Allgemeinerkran- 
kuog  nach  chronischer  Endocarditis.    672 

Zmtgrodshi,  Ein  kasuistischer  Beitrag  sur 
Heilbarkeit  der  Pyämie.  882 


Bauachbrand. 

Qabrütchewtky,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  von  Infek- 
tionskrankheiten.    (Orig.)  151 

Boger,  Contribution  a  Katode  experimentale 
du  charbon  symptomatique.  748 


Beourrens. 

Pa*temachiy  Eine  neue  Methode  der  Er- 
haltung and  Kultur  der  Obermeyer'schen 
Spirocbaeten  in  Blutegeln  (Hlrndo  medi- 
cioalis).  198 

Scharlach. 

Bakteriologisches  von  der  medisintsch- 
wissenschaftlichen  Aasstellung  des  X. 
internationalen  medizinischen  Kongresses 
sn  Berlin,  4.-9.  August  1890.  166 

Tangl,  Zur  Frage  der  Scharlachdiphtheritis. 
(Orig.)  1 


Schweinerothlaut 

Emmerich,  Die  Ursache  der  Immunität,  die 
Heilung  von  Infektionskrankheiten,  spe- 
ziell des  Rotblaufs  der  Schweine,  und 
ein  neues  Schutsimpfungsverfahren  gegen 
diese  Krankheit  266 

Petri,  Ueber  die  Widerstandsfähigkeit  der 
Bakterien  des  Schweinerothlaufs  in  Bein- 
kulturen und  im  Fleisch  rothlaufkranker 
ochweine  gegen  Kochen,  Schmoren, 
Braten,  Salsen,  Einpökeln  und  Räuchern. 

186 

Schweineseuche. 

LetoatuUnoiky,  Ueber  Iodol-  und  Phenol- 
bildang  durch  Bakterien.  220 

Smith,  Kleine  bakteriologische  Mittheilungen. 
Mit  2  Figuren.     (Orig.)  177 


Skorbut 

Wieriuzkjj,  Untersuchung  des  Blutes  Skor- 
butkranker anf  Mikroorganismen.      862 


Pyelonephritis. 

Enderlen,  Primare  infektiöse  Pyelonephritis 
beim  Rind.  94 

Höflich,  Die  Pyelonephritis  bacillosa  des 
Rindes.  94 


Skrophulose. 

Leloir,  Ueber  die  Impfung  skrophulös* 
tnbercalöser  Produkte,  namentlich  des 
Lupus  vulg.  774 


864 


Register. 


Sommerdiarrhöe. 

Booker,  A  study  of  some  of  the  Bakterie 
found  in  the  faeces  of  infants  effected 
witb  summer  diarrhoea.  884 


Sykosie. 
Babraxlt,  Sycosis  generalis*.  257 


Syphilis. 

OtaUz,  Ueber  die  Chromwasserbehandlung 
der  Syphilis.  579 

Horwüa,  Apparent  antagonism  between  the 
Streptococci  of  Erysipels*  and  Syphilis.  2 1 

Raymond,  Une  Observation  de  syphilis  con- 
ceptionelle.  89 


Taubenmästerkraukheit 

Potain,  Un  cas  de  tuberculose  aspergillaire 
(maladie  des  gaveurs  de  pigeons).     822 


Tetanus. 

Bombiert,  O.,  Sulla  resistensa  alla  putrefa- 
lione  del  virus  tetanico.  21 

— ,  L.t  Della  desinfesione  dogli  ambienti 
infetti  da  virus  tetanico.  22 

BruscheUini,  Sulla  diflusione  nell'  organismo 
del  veleno  del  tetano.  15 

Eeinzdmann,  Ueber  die  Verbreitung  des 
Tetanuserregers  in  Fehlboden  fttllungen 
Münchner  Häuser.  646 

Eüatato ,  Experimentelle  Untersuchungen 
Aber  das  Tetanusgift.  488 

— ,  Heil-  und  Immunisirungsversuche  bei 
Tetanus.  762 

hortet,  Hicrobes  pathogenes  des  vases  de 
la  mer  Morte.  567 

Ha,  De  los  adelantos  que  en  la  patogenia 
del  tätanos  ha  realisado  la  teoria  para- 
sitaria. 14 

Sehtoar»,  Ein  Fall  von  Hellung  des  Tetanus 
tranmaticus  durch  das  von  Prof.  Guido 
TSzzonl  und  D^n  CatUni  bereitete  Anti- 
toxin des  Tetanus.     (Orig.)  785 

Tizzoni  und  CaUani,  Fernere  Untersu- 
chungen über  das  Antitoxin  des  Tetanus. 
(Oriy.)  88 

,  L'immunith  contro  il  tetano  studiata 

negli  animali  molto  recettivi  per  questa 
infesione  (cavia,  coniglio,  topo).         576 

VaSUard  et  Vincent,  Sur  le  poison  teta- 
niqne.  14 


Tollwuth. 

FmkeUtem,  Bericht  für  das  Jahr  1890  über 
die  Pasteur'sche  antirabische  Station  am 
Militär  -  medizinischen  Laboratorium  des 
kaukasischen  Militirkreises  zu  Tiflia.  679 

Perdrix,  Les  vaccinations  antirabiques  k 
llnstitut  Pasteur.  681 

Wpaokowicz,  Zur  Frage  von  der  Lokali- 
sation des  Tollwnthvirus  im  Organismus 
der  Tbiere.     (Orig.)  45 

Zagari,  Sul  meccanismo  dell'  attenuasione 
del  virus  rabico.  615 


Triehomykosis. 

PatUton,    Trichomycosis   nodosa:    A    cor- 
rectlon  and  a  note.  ISO 


Tuberculose. 

Abtrg,  De  la  curabilite  de  la  phtbisie  pul- 
monaire  et  de  quelques  autres  maladie« 
chroniques  de  la  poitrine  par  1'eaa  d'unc 
basse  temp6rature.  614 

Jriomg,  Prophylaxe  der  menschlichen  and 
thierisehen  Tuberculose.  776 

— ,  Die  Aetiologie  der  Tuberculose  des 
frühen  Kindesalters  twischen  8  Monaten 
und  5  Jahren.  811 

Arthaud,  Ueber  die  relative  Häufigkeit  der 
verschiedenen  Arten  der  Ansteckung  mit 
Tubereulose.  776 

Bang,  Uebertragbarkeit  der  Tuberculose 
von  Thieren  auf  den  Menschen.         771 

Bord,  Les  selles  des  flbricitants  an  point 
de  vue  hacteriologique.  105 

Barloto,  Ueber  Tuberculose  im  Kindesalter. 

810 

Borgherini,  Die  ersten  Resultate  der  Koch- 
schen  Behandlungsmethode  bei  tober- 
culösen   Erkrankungen   innerer  Organe. 

107 

Bouland,  Einfluss  des  Kaolin-S  taubes  auf 
die  Tuberculose    der  Porzellan-Arbeiter. 

777 

Brentano  und  Tangl,  Beitrag  zur  Aetiologie 
der  Pseudoleukamie.  678 

e.  Brunn  -  Lippspringe,  Ueber  die  progno- 
stische Bedeutung  des  Tuberkelbacülus. 

518 

Buohner,  Kurse  Uebersicht  Aber  die  Ent- 
wickelang der  Bakterienforschung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.        549 

Burdon-Sanderton,  Ueber  die  Aetiologie  der 
Tuberculose.  769 

Cabadi,  Lecons  sur  les  maladies  micro- 
biennes  professles  k  l'eeole  de  medeeine 
de  Toulouse.  561 


Register. 


865 


Chehnongki,  Ueber  den  Einfluss  akuter 
fieberhafter  Erkrankungen  auf  den  Ver- 
lauf der  chronischen  Lungentnhercnlose. 

579 

Chiari,  Ueber  den  pathologisch  -  anato- 
mischen Befand  in  drei  mit  Koch'schen 
Injektionen  behandelten  Fällen  von  schwe- 
rer Lungentuberculose.  380 

— ,  Weitere  pathologisch-anatomische  Mit- 
tbeilungen über  mit  Koch'schen  Injek- 
tionen behandelte  Fälle  von  Tuberculose. 

831 

Clado,  Hemilaterale  Tuberculose.  778 

— ,  Behandlung  der  chirurgischen  Tuber- 
culose mittels  Wärme.  775 

CrUafulüy  Modineaxioni  de  11'  uriua  e  potere 
urotossico  negU  injettati  con  la  linfa 
Koch.  170 

Cuffer,  Becherches  cliniques  sur  la  Periode 
d'incubation  des  maladies  infectieuses  en 
general  et  en  particulier  sur  la  päriode 
d'incubation  de  la  tuberculose.  567 

de  Vo$,  Ueber  den  diagnostischen  Werth 
des  ImpfVersuchs  bei  Tuberculose  und 
ein  neues  Verfahren  zum  mikroskopischen 
Nachweis  von  Tuberkelbacillen  im  Harn. 

105 

Ehrlich,  Ueber  die  neuere  Behandlungs- 
weise  der  Tuberculose  nach  Koch.     811 

Eisenhardt,  Ueber  Häufigkeit  und  Vor- 
kommen der  Damituberculose.  610 

Espina  y  Capo ,  Massregeln  gegen  die 
Uebertragung  der  Tuberculose.  777 

Foa  ,  Una  esperienza  negativa  sulla  im- 
munita  per  la  tuberculosi.  330 

Fraenkel,  Die  Qabbet'sche  Färbung  der 
Tuberkelbacillen,  eine  ,, unwesentliche" 
Modifikation  meiner  Methode.  284 

v.  Fritch,  Zur  Diagnose  der  tubercn lösen 
Erkrankungen  des  Urogenitalsystems.  610 

Oottstein ,  Zusammenfassende  Uebersicht 
Aber  die  bakterienvernichtende  Eigen- 
schaft des  Blutserums.  758 

Oraneher  et  Ledoux- Lebard,  Stades  sur  la 
tuberculose  explrimentale  du  lapin.    611 

Oraneher  et  Martin,  Ueber  antituberculöse 
Schutzimpfungen.  298 

Ouinard,  8ur  un  mode  possible  de  trana- 
mission  de  la  tuberculose  ches  les  ani- 
maux.  568 

Hamilton,  Ueber  zwei  Hauptansiedelungs- 
punkte für  die  Tuberkel.  773 

Jensen,  Tuberculose  beim  Hund  und  bei 
der  Katze.  611 

Klippel,  Paralysie  g6ne*rale  et  tuberculose 
pulmonaire.  568 

Kluge,  Chemotaktische  Wirkungen  des  Tu- 
berculins  auf  Bakterien.     (Orig.)        661 

Kostjurin  und  Krahuky,  Ueber  Heilung 
des  Milzbrandes  durch  Fäulnisstoxine 
(Extrakte)  bei  Thieren.  {Orig.)  553.  599 
Bd.  XI. 


Kraeke,  Ueber  einen  Fall  von  tuberculö'ser 
Erkrankung  der  Glans  penis  nebst  Be- 
merkungen über  die  Ueber  tragbar  keit 
der  Tuberculose  durch  den  geschlecht- 
lichen Verkehr.  822 

Kryntki,  Beitrag  sur  Kenotniss  des  Ver- 
haltens der  Tuberkelbacillen  bei  Lupus 
unter  dem  Einflüsse  der  Koch'schen 
Lymphe.  107 

Kugler,  Worin  sind  die  Hauptursachen  für 
die  starke,  immer  noch  wachsende  Ver- 
breitung der  Tuberculose  zu  suchen  und 
was  kann  und  soll  der  Staat  zur  Aus- 
rottung bezw.  Eindämmung  dieser  ver- 
derblichen Krankheit  thun?  523 

Langlois,  Le  traitement  de  la  tuberculose 
du  Dr.  B   Koch.  618 

Ldoir  y  Ueber  die  Impfung  skrophulös- 
tuberculö'ser  Produkte,  namentlich  des 
Lupus  vulg.  774 

Litten,  Die  Centrifuge  im  Dienste  der  kli- 
nischen Medicin.  20 

Lublintr,  Fünf  neue  Fälle  der  Tuberculose 
nach  Circumcision.  89 

Me  Fadyean  und  Sims  Woodhead,  Ueber 
die  Uebertragung  von  Tuberculose  von 
Thieren  auf  Menschen  durch  Fleisch  und 
Milch  tuberculöser  Tbiere.  772 

Mignin  und  Motny ,  Ueber  Pseudotuber- 
culose  der  Hasen.  775 

Mordhorst,  Ist  die  Lunge  Schwindsüchtiger 
grösser  als  diejenige  Gesunder?         821 

Petri,  Versuche  Über  das  Verhalten  der 
Bakterien  des  Milzbrands,  der  Cholera, 
des  Typhus  und  der  Tuberculose  in  be- 
erdigten Thlerleichen.  125 

Pleteer,  Ein  neues  wirksames  Heilverfahren 
bei  progressiver  Lungen-  und  Organ- 
tuberculose.  330 

Potain,  Un  cas  de  tuberculose  aspergillaire 
(maladie  des  gaveurs  de  pigeons).     322 

Prautnitz,  Ueber  die  Verbreitung  der  Tu- 
berculose durch  den  Personenverkehr 
auf  Eisenbahnen.  320 

Preisx,  Ueber  einen  Fall  von  Pseudotuber- 
culose  beim  Schafe  und  über  Pseudo- 
tuberculose  im  Allgemeinen.  568 

Prudden  and  Hodenpyl,  Studies  on  the 
action  of  dead  bacteria  in  the  living 
body.  708 

Puffer,  Notes  on  the  destruction  of  micro- 
organisms  by  amoeboid  cells.  182 

Schmort  und  Birch-Hir$chfeld,  Uebergang 
von  Tuberkelbacillen  aus  dem  mütter- 
lichen Blute  auf  die  Fracht  88 

Schoutt,  Verbreitung  von  Tuberculose  durch 
Nahrungsreste  von  Phthisikern.  775 

Sehrwald,  Die  Krull'iche  Methode  der  Tu- 
berculosenbehandlung  in  ihrer  thermi- 
schen Einwirkung  auf  die  Lunge.      828 

Stone,  Why  the  sputa  of  tuberculous  patients 
should  be  destroyed.  106 

65 


866 


Register. 


Tangl,  Ueber  das  Verhalten  der  Tuberkel- 
bacillen  an  der  Eingangspforte  der  In- 
fektion. 320 

Ttyfier,  Tubercnlöse  Hydrocelen.  778 

Weyl,  Znr  Chemie  und  Toxikologie  des 
Tuberkelbaeillus.  319 

Zweiter  Tuberculose-Kongress.      489.  585 


Typhus. 

Babei,  Erklärende  Bemerkungen  über  „na- 
türliche Varietäten"  des  Typhusbacillus. 
(Chig.)  281 

BanÜ,  L'epidemia  di  tifo  in  Flrense  nei 
suoi  rapporti  con  l'aequa  potabile.    804 

DeMrte,  A  propos  de  quelques  cas  de  sup- 
puration  compliquant  la  fierre  typhoide. 

567 

Enderlen,  Versuche  Aber  die  bakterien- 
feindliche Wirkung  normalen  und  patho- 
logischen Blutes.  753 

Fauthaber,  Ueber  das  Vorkommen  Ton  Bak- 
terien in  den  Nieren  bei  akuten  Infek- 
tionskrankheiten. 257 

Famo,  Concorrensa  vitale  fra  i  bacteri 
della  putrefasione,  e  quelli  de  carbonchio 
e  del  tifo.  761 


Fächer,  Die  Plasmolyse  der  Bakterien.     158 

Heim,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersnchungsine- 
thoden  seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.)    356 

HöUcher,  Ueber  die  Komplikationen  bei 
2000  Fällen  von  letalem  Abdominal- 
typhus.  384 

Petri,  Versuche  über  das  Verhalten  der 
Bakterien  des  Milsbrands,  der  Cholera, 
des  Typhus  und  der  Tubercnlöse  in  be- 
erdigten Thierleichen.  125 

Stepp,  Ueber  die  Chloroformbehandlung  des 
Typhus.  24 


Urethritis. 

Goü,  Ueber  die  Häufigkeit  des  Vorkom- 
mens Ton  Gonokokken  bei  chronischer 
Urethritis.  353 


Variola, 

Janeon,  Versuche  aur  Erlangung  künst- 
licher Immunität  bei  Variola  vaccina 
(Orig.)  40 


o.   Durch  Bakterien  und  andere  Parasiten  hervorgerufen© 
Krankheiten  einselner  Organe« 


Augen. 

Loebt  Ueber  einen  bei  Eeratomalacia  infan- 
tum beobachteten  Kapselbacillus.    (Orig.) 

369 


Blut. 

de  Chrietmat,  &ude  sur  les  substances 
microbieides  du  slrum  et  des  organes 
d'animauz  k  sang  chaud.  706 

Enderlen,  Versuche  Aber  die  bakterien- 
feindliche Wirkung  normalen  und  patho- 
logischen Blutes.  753 

Qaertner  und  Roemer,  Ueber  die  Einwir- 
kung von  Bakterienextrakten  auf  den 
Lymphstrom.  759 

Oottetem ,  Zusammenfassende  Uebersicht 
über  die  bakterienvernichtende  Eigen- 
schaft des  Blutserums.  758 

MeUehnücof  et  Boux,  8ur  la  propriete*  bac- 
tlricide  du  sang  de  rat  756 

Ogata,  Ueber  die  Immunitätsfrage.        754 

Petermann,  Sur  la  substance  bacteneide  du 
sang  decrite  par  le  professeur  Ogata.  755 

Sera/ini    et    Errique*,    Süll'    aslone    dell1 


sangue  dl  animali  immuni  inoculato  ad 
animali  suscettibili  pel  carbonchio.    755 

Trapeznikoff,  Du  sort  des  spores  de  mi- 
crobes  dans  l'organisme  animal.         753 

Trombetta,  Die  Fäulnissbakterien  und  die 
Organe  und  das  Blut  gans  gesund  ge- 
tödteter  Thiere.     (Orig.)  664 

Wieriuzkij,  Untersuchung  des  Blutes  Skor- 
butkranker auf  Mikroorganismen.       352 


Darm. 

Cantani,  Süll'  antisepsi  intestinale.  22 

Eüenhardt,  Ueber  Häufigkeit  und  Vor- 
kommen der  Darmtuberculose.  610 

Fraenhd,  Ueber  peritoneale  Infektion.    160 

Gilbert  et  Girode,  Contribution  k  l'etude 
chimique  et  bacteriologique  du  cholera 
nostras.  803 

Hamilton,  Ueber  swei  Hauptansiedelungs- 
punkte  für  die  Tuberkel.  773 

Hochsinger,  Ueber  Indicanurie  im  Säug- 
lingsalter.  90 

Lutz,  Zur  Kenntnis«  der  AmÖben-Enteriti* 
und  -Hepatitis.     (Orig.)  «41 

Macfddyen,   NencJri  und    Sieber,    Untersu- 


BagUtor. 


867 


chungen  Über  die  chemischen  Vorgänge 
im  menschlichen  Dünndarm.  82 

Me  Fadyen,  The  behaviour  of  bacterla  in 
the  small  intestine.  648 

Ortmann,  Ueber  Balantidium  coli.  498 


Fötus. 

Btrch  -  Wrichftld ,  Ueber  die  Pforten  der 
pl&centaren  Infektion  des  Fötus.  86 

Raymond,  Une  Observation  de  Syphilis  con- 
ceptionelle.  89 

Schmort  und  Birch-Hir$ch/eld,  Uebergang 
von  Tnberkelbacillen  ans  dem  mütter- 
lichen Blute  auf  die  Frucht.  88 


Galle. 

Naunyn,  Ueber  das  Vorkommen  von  Spalt- 
pilzen in  der  Gallenblase.  92 


Gehirn. 

Klippel*  Desinfections  microbiennes  secon- 
dairee   au  cours  des  affections  mentales. 

802 

Richter y  Ueber  einen  Fall  von  racemosen 
Cysticerken  in  den  inneren  Meningen 
des  Gehirnes  und  Rückenmarkes.      012 


Gelenke. 

Buday,  Beitrage  zur  Kenntniss  der  Ent- 
wickelung  der  metastatischen  Gelenkent- 
zündungen und  zur  Aetiologie  der  Poly- 
arthritis rheumatica.  286 


Geschlechtsorgane. 

v.  Fritch,  Zar  Diagnose  der  tuberculösen 
Erkrankungen  des  Urogenitalsystems.  610 

OoUy  Ueber  die  Häufigkeit  des  Vorkom- 
mens von  Gonokokken  bei  chronischer 
Urethritis.  858 

Kötschau,  Kurser  Beitrag  zur  Ichthyol- 
therapie bei  Frauenkrankheiten.         862 

Kraskc,  Ueber  einen  Fall  von  tuberculöser 
Erkrankung  der  Glans  penis  nebst  Be- 
merkungen über  die  Uebertragbarkeit 
der  Tuberculose  durch  den  geschlecht- 
lichen Verkehr.  822 

Lu&liner,  Fünf  neue  Fälle  der  Tuberculose 
nach  Circumcision.  89 

PeUizzari,  Der  Diplococcus  von  Neisser  in 
den  periurethralen  blennorrhöischen  Ab- 
scessen.  886 

Tufficr,  Tuberculose  Hydrocelen.  778 


Harn. 

OrisafuUi,  Modificazioni  dell'  urina  e  potere 
urotossico  negli  injettati  con  la  linfa  di 
Koch.  170 

v.  Frisch,  Zur  Diagnose  der  tuberculösen 
Erkrankungen     des     Urogenitalsystems. 

610 

Hochtinger,  Ueber  Indioanurie  im  Slug- 
üngsalter.  90 

Litten,  Die  Centrifuge  im  Dienste  der  kli- 
nischen Medicin.  20 

de  Vo$,  Ueber  den  diagnostischen  Werth 
des  Impfversuchs  bei  Tuberculose  und 
ein  neues  Verfahren  zum  mikroskopischen 
Nachweis  von  Tnberkelbacillen  im  Harn. 

105 


Haut. 

Bernheim,  Ueber  die  Desinfektionsgemische. 

839 

Clause,  Note  sur  an  eis  de  purpurn  a 
pneumocoque.  674 

Lustgarten,  On  Psorospermosis  follicularis. 

229 

PaUeson,  Trichomycosis  nodosa:  A  cor- 
rection  and  a  note.  180 

Preindeeberatr,  Zur  Kenntniss  der  Bakterien 
des  Unternagelraumes  und  zur  Desinfek- 
tion der  Hände.  184 

Sabraze»,  Sycosis  gäneralise*.  257 

Sehwemnger  und  Butzi,  Notizen  Über  Favus 
lupinosus  am  Rumpfe.  675 

Unna,  Natur  und  Behandlung  des  Ekzems. 

674 

White,  Keratosis  follicularis  (Psorospermose 
folliculaire  vegitante).  180 

Wickham,  A  rare  case  of  favus  of  the 
limbs  enormous  patches  of  favus  co- 
vering  almost  the  whole  of  the  lower 
limbs.  129 


Lange. 

Hamilton,  Ueber  zwei  Hauptansiedelungs- 
punkte für  die  Tuberkel.  778 

Mordhortt,  Ist  die  Lunge  ßchwindsüchtiger 
grösser  als  diejenige  Gesunder?         321 

Sehrtcald,  Die  Krull'sche  Methode  der  Tu- 
berculosenbehandlung  in  ihrer  thermi- 
schen Einwirkung  auf  die  Lunge.      828 


Magen. 

Kijanotciki,  Zur  Frage  Über  die  antimikro- 
biellen    Eigenschaften    des   Magensaftes. 

285 
55» 


868 


Register. 


Mond. 

David,  Las  microbes  de  U  booche.  609 
Miller,  The  Mooth  as  a  focus  of  infection.  647 
Podbielsky,  Erklärung.     (Orig.)  606 

Boewuki,  Ueber  gonorrhoische  Erkrankung 

der  Mundhöhle  Neugeborener.  129 

Rothtrt,    Bemerkung    su    der  „Erklärung" 

des  Herrn  Dr.  A.  PodbieUky.  (Orig.)  607 
Banareüi,    Der   menschliche    Speichel   und 

die     psthogenen    Mikroorganismen     der 

Mundhöhle.     {Orig.),  817 


Ohren. 

Saug,  Das  Lysol  und  das  Naphthol  <£) 
in    der  Therapie  der  Ohrenkrankbeiten. 

707 

Maggiora  und  Oradenigo,  Beitrag  sur  Aetio- 
logie  der  katarrhalischen  Obreotzüs- 
dungen.     {Orig.)  625 

Jfoos,  Histologische  und  bakteriologisch* 
Untersuchungen  über  Mittelobrerkran- 
kungen  bei  den  verschiedenen  Formen 
der  Diphtherie.  19 


Nieren. 

Enderlen,  Primäre  infektiöse  Pyelonephritis 
beim  Rind.  94 

FauOtaber ,  Ueber  das  Vorkommen  von 
Bakterien  in  den  Nieren  bei  akuten  In- 
fektionskrankheiten .  257 

BC/lieh,  Die  Pyelonephritis  bacillosa  des 
Rindes.  94 


Peritoneum. 

Fraenhel,  Ueber  peritoneale  Infektion.    160 

Backenmark. 

Bichter,  Ueber  einen  Fall  ron  rmcemoseo 
Cysticerken  in  den  inneren  Meningen 
des  Gehirnes  und  Rückenmarkes.      612 


VI.    Durch  pflansliohe  und  thierische  Parasiten  verursachte 
Krankheiten  der  Thiere. 


Arloing,  Prophylaxe  der  menschlichen  und 
thierischen  Tuberculose.  776 

Aruttamoff,  Ueber  die  Natur  des  Fischgiftes. 
(Orig.)  118 

Bang ,  Uebertragbarkeit  der  Tuberculose 
Ton  Thieren  auf  den  Menschen.         771 

Barbier,  De  la  transmissibilite  de  la  diph- 
therie  aviaire  ä  l'homme.  98 

Braun,  Die  sogenannte  „freischwimmende 
Sporocyste".     (Orig.)  915 

— ,    Bericht   über    die  Fortschritte    in  der 

thierischen  Parasitenkunde.    (Orig.)    889 

491.  465.  498.  524 

Burdon  -  Sonderten ,  Ueber  die  Aetiologie 
der  Tuberculose.  769 

Capparelli,  Beitrag  cum  Studium  der  Phago- 
cyten.     (Orig.)  877 

Celli,  Die  Parasiten  der  rothen  Blutkörper- 
chen. 538 

Di  Mattei,  Contributo  allo  studio  dell'  in- 
fezione  malarica  speri mentale  nell'  uomo 
e  negli  animali.  169 

du  Camal  et  Vaiüard,  Sur  une  maladie' 
parasitaire  de  l'homme  transmissible  au 
lapin.  761 

Enderlen,  Primäre  infektiöse  Pyelonephritis 
beim  Rind.  94 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestüte  und  über  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  310.  841 
380.  408.  454 

Gabrüachewtky,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 


Immunität  und  der  Heilung  ron  Infek- 
tionskrankheiten.    (Orig.)  151 

Oaertner  und  Roemer,  Ueber  die  Einwir- 
kung von  Bakterienextrakten  auf  des 
Lymphstrom.  759 

Giard,  L'Isaria,  parasite  de  la  larve  du 
Hanneton.  930 

— ,  Sur  Tlsaria  den&a  (Link),  parasite  du 
Ver  blanc.  ,  750 

Oraneher  et  Ledoux-Lebard,  Etudes  sur  la 
tuberculose  expeVimentale  du  lapin.    611 

Oraneher  et  Martin,  Ueber  antitoberculöse 
Schiitsimpfungen.  998 

Orasti  und  Feletti,  Weiteres  sur  Malaria- 
frage.    (Orig.)  449.  4SI.  517 

Hamann,  Die  kleineren  Susswasserfische 
als  Haupt-  und  Zwischenwirthe  des 
Echinorhynchus    proteus  Westr.     (Orig.) 

791 

Hankin,  Cures  of  infectious  diseases.     396 

Hanau,  A  new  species  of  Trematode  in- 
festing  Cattle  (Fasciola  carnosa).       464 

Herman,  De  l'influence  de  quelques  ts- 
riations  du  terrain  organique  sur  I'action 
des  microbes  pyogenes.  803 

Höflich,  Die  Pyelonephritis  bacillosa  det 
Rindes.  94 

Jensen,  Tuberculose  beim  Hund  und  bei 
der  Katse.  611 

Kitasato,  Experimentelle  Untersuchung«« 
über  das  Tetanusgift.  438 

Ko$tjvrin  und  Kramaky,  Ueber  Heilung  de» 


Register. 


869 


Milzbrandes  durch  Fftulnisstoxine  (Ex* 
trakte)  bei  Thieren.  (Orig.)  553.  599 
Xotii,  üeber  den  Uebergang  des  Milzbran- 
des von  der  Mutter  auf  den  Fötus  und 
über  die  Veränderungen  in  den  Gefassen, 
welche  der  Milzbrand  hervorbringt.    225 

Laveran,  Die  Aetiologie  der  Malaria.  536 
Le    ManU,  Le  parasite  du  Hanneton.      168 

lAtcet,  Dysenterie  episootique  des  poules 
et  des  dindes.  807 

Marttnotä  und  Barbaeci,  Ueber  die  Physio- 
pathologie des  Milzbrandes.  224 

Martinotti   und    Tedeschi,    Untersuchungen 

über  die  Wirkungen  der  Inokulation  des 

Milzbrandes  in  die  Nervenzentra.   (Orig.) 

545.  598.  685 

Metschnikoff  et  Roux,  Sur  la  propriäte*  bac- 
tlricide  du  sang  de  rat  756 

Mc  Fadyean  und  Sims  Wbodhead,  Ueber 
die  Uebertragung  von  Tuberculose  von 
Thieren  auf  Menschen  durch  Fleisch  und 
Milch  tuberculöser  Thiere.  772 

Mignin  und  Motny ,  Ueber  Pseudotabes 
culose  der  Hasen.  775 

Otbum,  The  Pediculi  und  Mallophsga 
affecting  man    and    the  Lower   animals. 

675 

Pasternacki,  Eine  neue  Methode  der  Er- 
haltung und  Kultur  der  Obermeyer'schen 
Spirochaeten  in  Blutegeln  (Hirudo  medi- 
cinalis).  198 

Potain,  Un  cas  de  tuberculose  aspergillaire 
(maladie  des  gaveurs  de  pigeons).     822 

Preiez,  Ueber  einen  Fall  von  Pseudotuber- 
culose  beim  Schafe  und  über  Pseudo- 
tuberculose  im  Allgemeinen.  568 

Prülieux  et  Deiaeroix,  Le  Champignon  para- 
site de  la  larve  du  Hanneton.  163 

Reichet,  Ueber  Immunität  gegen  das  Virus 
von  Eiterkokken.  189 


Baffer,  Contribution  a  l'etude  expenmentale 
du  charbon  symptomatique.  748 

Rohrachneider ,  Experimentelle  Untersu- 
chungen über  die  bei  Fröschen  durch 
Verweilen  in  höherer  Temperatur  erzeugte 
Disposition  für  Milzbrand.  170 

Rosenbach ,  Zur  Konservirung  lebender 
Malariaparasiten.  806 

Saeharow,  Erhaltung  der  Malaria  -  Plas- 
modien in  lebendem  Zustande  in  Blut- 
egeln. 199 

SanareUi,  Weitere  Mittheilungen  aber  Gift- 
theorie und  Phagocytose.     (Orig.)     518 

Serafini  et  Erriquez,  Süll'  azione  dell' 
sangue  di  animali  immuni  inoculato  ad 
animali  suscettibili  pel  carbonchio.    755 

Smith,  Kleine  bakteriologische  Mittheilungen. 
Mit  2  Figuren.     (Orig.)  177 

Thüohan,  Sur  la  Constitution  des  spores 
des  Myzosporidies.  854 

— ,  Recherches  sur  le  developpement  des 
spores  ches  les  Myzosporidies.  854 

Tivzoni  und  Oattani,  Fernere  Untersu- 
chungen über  das  Antitoxin  des  Tetanus. 
(Orig.)  38 

,  L'immunita  contro  il  tetano  studiata 

negli  animali  molto  recettivi  per  questa 
infezione  (cavia,  coniglio,  topo).        576 

Traptznikof,  Du  sort  des  spores  de  mi- 
crobes  dans  Torganisme  animal.         758 

Trombetta,  Die  Fäulnissbakterien  und  die 
Organe  und  das  Blut  ganz  gesund  ge- 
tödteter  Thiere.     (Orig.)  664 

WyasokowieM,  Zur  Frage  von  der  Lokali- 
sation des  Tollwuthvirus  im  Organismus 
der  Thiere.     (Orig.)  45 

Zogari,  Sul  meccanismo  dell'  attenuazione 
del  virus  rabico.  615 

Zeehokke,  Die  Parasitenfauna  von  Trutta 
salar.     (Orig.)  694.  788.  792.  829 


VII    Durch  pflanzliche  und  thierizohe  Parasiten  verursachte 
Krankheiten  der  Pflanzen. 


Atkinaon,  Anthracnose  of  Cotton.  808 

Btytrwcky  Kulturversuche  mit  Zoochlorellen, 

Lichenengonidien   und  anderen  niederen 

Algen.  75 

Caxeneuve,    Sur   le    traitement    des   vignes 

phylloxerees   par   le  sulfure  de  carbone 

ml  lange  de  Vaseline.  355 

Cohn,    Zur   Geschichte    der   Leguminosen- 

knöllchen.     (Orig.)  190 

EM*  and  Anderton,  A  new  Ustilago  from 

Florida.  103 

Ettis  and  Everhart,    New    species   of  Ure- 

dineae  and  Ustilagineae.  104 

Frank,  Ueber  den  Verlauf  der  Kirschbaum- 

Gnomonia- Krankheit     in     Deutschland 


nebst  Bemerkungen  Über  öffentliche 
Pflanseoschutzmassregeln  überhaupt.  752 

Oaüoway  and  Fairchäd,  Experiments  in 
the  treatment  of  plant  diseases:  Treat- 
ment  of  pear  leafblight  and  scab  in  the 
orchard.  471 

Kirchner  y  Braunfleckigkeit  der  Gersten- 
blätter.  259 

Kramer,  Bakteriologische  Untersuchungen 
über  die  Nassfaule  der  Kartoffelknollen. 

164 

Ludteig  y  Der  Milch-  und  Rothflusa  der 
Bäume  und  ihre  Urheber.    (Orig,)       10 

— ,  Ueber  das  Vorkommen  des  Moschus- 
pilses im  Saftfluss  der  Baume.  (Orig.)    2 14 


870 


Register. 


Magmn,  Sur  la  castration  parasitaire  de 
l'Anemone  ranunculoides  par  l'Aecidium 
leucospermum.  101 

Magnus,  Verzeichnis  der  am  16.  Mai  and 
1.  Juni  1890  bei  Freienwalde  a.  O.  be- 
obachteten Pilze.  108 
Herce,  Tuberculosis  of  the  Olive.          855 
Poirault,    Les   Urödinees    et   leurs  plantes 
nourricieres.                                            104 
JMOieux,  Le  seigle  enivrant.                   200 
Bämema  Bob,  Zwei  neue  Nematodenkrank- 
heiten  der  Erdbeerpflanze.                   528 


Smith,  The  Peach  Rosette.  392 

Sorohin,  Ueber  einige  Krankheiten  der 
Kulturpflanzen  im  Süd-Ussurischen  Ge- 
biet 233 

Southtoorth,  Ripe  rot  of  grapes  and  appies 
(Gloeosporium  fructigenum  Berk.).     812 

von  Thümen,  Ueber  eine  besonders  be- 
achtenswerthe,  durch  parasitische  Pilze 
hervorgerufene  Krankheiten  der  Apfel- 
baumblätter. 675 

Woronin,  Ueber  das  „Taumelgetreide -•  in 
Süd-Üssurien.  231 


VIII.    Untersuchungsmethoden,  Instrumente  etc. 


Amthor,  Beobachtungen  über  den  Saccharo- 
mjces  apiculatus.  157 

Die  bakteriologische  Ausstellung  des  VII. 
internationalen  Kongresses  für  Hygiene 
und  Demographie  zu  London,  10. — 17. 
August  1891.  840 

Baginsky,  Zur  Aetiologie  der  Diphtherie. 
Der  Loeffler'sche  Bacillus.  806 

Bakteriologisches  von  der  medizinisch- 
wissenschaftlichen Ausstellung  des  X. 
internationalen  medizinischen  Kongresses 
zu  Berlin,  4.-9.  August  1890.     166.  201 

Bernheim,  Taschenbuch  für  den  bakterio- 
logischen Praktikanten.  284 

Beyermch,  Qualitative  -und  quantitative 
mikrobiochemische  Analyse.  (Orig.)    723 

Buchner,  Die  Forschungsmethoden  in  der 
Immunitätsfrage.     (Orig.)  727 

Cabadi,  Lecons  sur  les  maladies  micro- 
biennes  profess6es  a  l'lcole  de  m£decine 
de  Toulouse.  561 

de  Vo8,  Ueber  den  diagnostischen  Werth 
des  Impfversuchs  bei  Tuberculose  und 
ein  neues  Verfahren  zum  mikroskopischen 
Nachweis  von  Tuberkel bacillen  im  Harn. 

105 

Despeignes,  Etüde  experimentale  sur  les 
microbes  des  eaux  avec  applications 
ä  l'hygiene  sanitaire  de  la  viile  de  Lyon. 

563 

Dock,  Observations  on  the  Amoeba  coli 
in   dysentery   and  abscess    of  the  liver. 

227 

Escherich,  Ueber  Milchsterilisirung  zum 
Zweck  der  Säuglingsernährung  mit  De- 
monstration eines  neuen  Apparates.     26 

Favrat  und  Christmann,  Ueber  eine  ein- 
fache Methode  zur  Gewinnung  bacillen- 
reichen  Lepramaterials  zu  Versuchs- 
zwecken.    {Orig.)  119 

Ftrmi,  Weitere  Untersuchungen  Ober  die 
tryptischen  Enzyme  der  Mikroorganismen. 
{Orig.)  401 

Fodor,  Apparat  zum  Abimpfen  von  Bak- 
terien-Kolonien.    (Orig.)  721 


Fraenhel,  Die  Gabbet'sche  Färbung  der 
Tuberkelbacillen ,  eine  „unwesentliche44 
Modifikation  meiner  Methode.  234 

v.  Frisch,  Zur  Diagnose  der  tuberculösen 
Erkrankungen     des    Urogenitalsystems. 

610 

Gabrittchewsky,  Zur  Technik  der  bakterio- 
logischen Untersuchungen.  Mit  2  Fi- 
guren.    (Orig.)  248 

Oraeti  und  Felctti,  Weiteres  zur  Malaria- 
frage.    (Orig)  449.  481.  517 

Hansen,  Qu'est-ce  que  la  levüre  pure  de 
M.  Pasteur?  557 

Heim,  Die  Neuerungen  auf  dem  Gebiete 
der  bakteriologischen  Untersuchungsme- 
thoden seit  dem  Jahre  1887.  (Orig.)  260 
288.  823.  856.  893.430.  471.  499.  529. 

575 

Hippins,  Ein  Apparat  zum  Sterilisiren  der 
Milch  im  Hause.  20 

Janton,  Versuche  zur  Erlangung  künstlicher 
Immunität  bei  Variola  vaccina.  (Orig.)  40 

Kaufmann,  Ueber  einen  neuen  Nährboden 
für  Bakterien.     (Orig.)  65 

Kirchner,  Bakteriologische  Untersuchungs- 
methoden. 234 

Kirchner,  Grundriss  der  Militärgesundheits- 
pflege.    Heft  1.  669 

Knauer,  Eine  bewährte  Methode  zur  Rei- 
nigung gebrauchter  Objektträger  und 
Deckgläschen.     (Orig.)  8 

Leroy,  A  biological  study  of  the  microbe 
of  erysipelas.  255 

Litten,  Die  Centrifuge  im  Dienste  der  kli- 
nischen Medicin.  20 

Marpmann,  Mittheilungen  aus  der  Praxis. 
(Orig.)  122 

— ,  Praktische  Mittheilungen.  Mit  2  Fi- 
guren.    (Orig.)  458 

MoelUr,  Ueber  eine  neue  Methode  der 
Sporenfärbung.     (Orig.)  273 

Ogniannikow,  Ein  modifizirter  d'Arsonval- 
scher  Thermostat  mit  BenEinheizung.  132 

Pasternachi,  Eine  neue  Methode  der  Er- 
haltung und  Kultur  der  Obermeyer'schen 


Eegi&ter. 


871 


Spirochaeten  in  Blutegeln  (Hirado  medi- 
cinaiis).  198 

Pttri^  Ein  neuer  Apparat  cum  Sterilisiren 
mit  strömendem  Wasserdampf  von  Atmo- 
sphftrendruck.  181 

Pleha,  Aetiologische  und  klinische  Malaria- 
stadien. 572 
Pregl,    Ueber    eine   neue   Karbolmethylen- 
blau-Methode.    (Orig.)  826 
Reimer^  Ueber  den  Gehalt  des  Bodens  an 
Bakterien.  489 
Reinsch,    Zur    bakteriologischen    Untersu- 
chung des  Trinkwassers.     (Orig.)      415 
Renk*  Ueber  Marktmilch  in  Halle.         198 
Rosenback,     Zur     Konservirung     lebender 
Malariaparasiten.  806 
SanareUi,    Der   menschliche    Speichel    und 
die     pathogenen    Mikroorganismen     der 
Mundhöhle.     (Orig.)  817 
Schill,      Beiträge      cur     bakteriologischen 
Technik.    Mit  8  Figuren.    (Orig.)      657 
Schimmelbusch,      Die     Durchführung     der 
Asepsis  in  der  Klinik  des  Herrn  Geheim- 
rath  von  Bergmann  in  Berlin.  266 


Schultz,  Zur  Frage  von  der  Bereitung 
einiger  Nährsubstrate.    (Orig.)  52 

Meskm,  Die  Kieselsäuregallerte  als  Nähr- 
substrat     (Orig.)  209 

Smith,  Kleine  bakteriologische  Mittheilungen. 
Mit  2  Figuren.     (Orig.)  177 

Soxhlety  Bin  verbessertes  Verfahren  der 
Milchsterilisirung.  203 

Tisszoni  und  Cattani,  Fernere  Untersu- 
chungen über  das  Antitoxin  des  Tetanus. 
(Orig.)  83 

Turrö,  Contribucion  ad  estadio  de  la  espo- 
rulaeion  del  bacillus  anthracis.  91 

Wassermann  und  Proskauer,  Ueber  die  an 
den  Diphtheriebacillen  erseugten  Tox- 
albumine.  645 

Wertheim,   Zur  Lehre  von  der  Gonorrhöe. 

385 

Wortmann,  Ueber  die  neuesten  Untersu- 
chungen bezüglich  der  Organismen  der 
Nitrifikation  und  ihre  physiologische  Be- 
deutung. 76 


IX.     Schutzimpfung,   künstliche  Infektionskrankheiten, 
Entwickelongshemmung  und  Vernichtung  der  Bakterien  und 

Parasiten. 


Aberg,  De  la  curabilite  de  la  phthisie 
pulmonaire  et  de  quelques  autres  mala- 
dies  chroniques  de  la  poitrine  par  l'eau 
d'une  basse  temperature.  614 

Adami,  Ueber  schützende  Wirkung  der 
Korpersäfte.  762 

Alm<pä*t,  Pemphigus  neonatorum,  bakte- 
riologisch und  epidemiologisch  beleuchtet. 

492 

Arlomg,  Ueber  erbliche  Uebertragung  der 
ImmunitÄt.  762 

— ,  Prophylaxe  der  menschlichen  und  thie- 
rischen  Tuberculose.  776 

Arthand,  Ueber  die  relative  Häufigkeit  der 
verschiedenen  Arten  der  Ansteckung  mit 
Tuberculose.  776 

Arustamoff,  Ueber  die  Natur  des  Fisch- 
giftes.    (Orig.)  113 

Bord,  Les  selles  des  febricitants  au  point 
de  vue  bacte'riologique.  105 

Bernheim,  Ueber  die  Desinfektionsgemische. 

889 

Biernachi,  Ueber  die  Eigenschaft  der  Anti- 
septica,  die  Alkoholgährung  zu  beschleu- 
nigen und  über  gewisse  Abhängigkeit 
ihrer  Kraft  von  der  chemischen  Bau- 
struktur ,  der  Fermentmenge  und  der 
Vereinigung  miteinander.  296 

Bütings,  Preventive  inoculation.  24 

Bin*,  Ueber  Chinin  und  die  Malariaamöbe. 

810 


Btrch-IHrsehfeld,  Ueber  die  Pforten  der 
plazentaren  Infektion  des  Fötus.  85 

Bombicci,  G.y  Sulla  resistenaa  alla  putrefa- 
sione  del  virus  tetanico.  21 

— ,  L.,  Della  disinfezione  degli  ambienti 
infetti  da  virus  tetanico.  22 

Bordoni-Ufreduvri,  Ueber  die  Widerstands- 
fähigkeit des  pneumonischen  Virus  in 
den  Auswürfen.     (Orig.)  805 

Borgherini,  Die  ersten  Resultate  der  Koch- 
schen  Behandlungsmethode  bei  tuber- 
culösen   Erkrankungen    innerer   Organe. 

107 

Braotx,  Ueber  das  Verhältniss  der  klini- 
schen Chirurgie  zur  chirurgischen  Bak- 
teriologie und  die  Bedeutung  der  Anaero- 
biose  für  beide.  188 

— ,  Die  Bedeutung  der  Anaerobiose  für 
die  Wundheilung  und  für  die  allgemeine 
Pathologie.  363 

Brunner,  Ueber  Ausscheidung  pathogener 
Mikroorganismen  durch  denSchweiss.  172 

362 

— ,  Betrachtungen  über  die  Antiseptik  und 
Aseptik  mit  Beziehung  auf  Lister's  Vor- 
trag in  Berlin.  297 

BruscheUmi,  Sulla  diffusione  nell'  organismo 
del  veleno  del  tetano.  15 

Buchner,  Kurze  Uebersicht  Über  die  Ent- 
wicklung der  Bakterienforschung  seit 
Naegeli's  Eingreifen  in  dieselbe.        849 


872 


Register. 


Buchner,  Zur  Nomenklatur  der  schützenden 
Eiweisskörper.    (Orig.)  699 

— ,  Ueber  den  gegenwärtigen  Stand  der 
Immunitätsfrage.  709 

— ,  Die  Forschungsmethoden  in  der  Im- 
munitätsfrage.    (Orig.)  727 

Cabadi,  Lecons  sur  les  maladies  micro- 
btennes  professöes  ä  l'ecole  de  medecine 
de  Toulouse.  561 

Cantani,  Süll'  sntisepsi  intestinale.  22 

— ,  Cura  della  difteria.  134 

CappareÜi,  Beitrag  aum  Studium  der  Phago- 
cyten.     (Orig.)  277 

Caneneuve,  Sur  le  traitement  des  vignes 
phylloxerees  par  le  sulfüre  de  carbone 
mllangö  de  vaseline.  865 

Chclmonttiy  Ueber  den  Einfluss  akuter 
fieberhafter  Erkrankungen  auf  den  Ver- 
lauf der  chronischen  Lungentuberculose. 

579 

Chor,  Traitement  du  charbon  par  le  bi- 
carbonate  de  soude  d'apres  la  methode 
de  M.  Fodor,  760 

Chiari,  Ueber  den  pathologisch-anatomischen 
Befund  in  drei  mit  Koch'schen  Injek- 
tionen behandelten  Fällen  von  schwerer 
Lungentuberculose.  880 

— ,  Weitere  pathologisch-anatomische  Mit- 
theilungen über  mit  Koch'schen  Injek- 
tionen behandelte  Fälle  von  Tuberculose. 

831 

Clado,  Behandlung  der  chirurgischen  Tuber- 
culose mittels  Warme.  775 

Criea/ulli,  Modificasioni  dell'  urina  e  potere 
urotossico  negli  injettati  con  la  linfa 
Koch.  170 

David,  Les  microbes  de  la  bouche.       609 

de  Christmai,  llitude  sur  les  substances  mi- 
crobicides  du  slrum  et  des  organes 
d'animaux  ä  sang  chaud.  766 

de  Vos,  Ueber  den  diagnostischen  Werth 
des  Impfversuchs  bei  Tuberculose  und 
ein  neues  Verfahren  sum  mikroskopischen 
Nachweis  von  Tuberkelbacillen  im  Harn. 

105 

du  Cazal  et  Vaülard,  Sur  une  maladie 
parasitaire  de  l'homme  transmissible  au 
lapin.  761 

Ehrlich^  Ueber  die  neuere  Behandlungs- 
weise  der  Tuberculose  nach  Koch.     811 

Emmerich,  Die  Ursache  der  Immunität,  die 
Heilung  von  Infektionskrankheiten,  spe- 
ziell des  Rothlaufs  der  Schweine,  und  ein 
neues  Schutzimpfungsverfahren  gegen 
diese  Krankheit.  265 

— ,  Ueber  die  künstliche  Eraeugung  von 
Immunität  gegen  kroupose  Pneumonie 
und  die  Heilung  dieser  Krankheit.     714 

Enderlen,  Versuche  über  die  bakterien- 
feindliche Wirkung  normalen  und  patho- 
logischen Blutes.  758 

Eraud  und  Hugounenq,  Action  de  certaines 


couleurs  d'aniline  sur  le  developpemeni 
et  la  virulence  de  quelques  microbes.  615 

Eicherich,  Ueber  MilchsterilUixung  zum 
Zweck  der  Säuglingsernährung  mit  De- 
monstration eines  neuen  Apparates.     26 

Etpina  y  Capo ,  Massregeln  gegen  die 
Uebertragung  der  Tuberculose.  777 

Famio ,  Concorrenaa  vitale  fra  i  bacferi 
della  putrefasione,  e  quelli  de  carbonchio 
e  del  tifo.  761 

Fermi,  Weitere  Untersuchungen  über  die 
tryptischen  Enzyme  der  Mikroorganismen. 
(Orig.)  401 

Finheletem,  Bericht  für  das  Jahr  1890  über 
die  Pasteur'sche  antirabische  Station  am 
Militär -medizinischen  Laboratorium  des 
kaukasischen  Militärkreises  zu  Tiflis.  679 

Fiedeler,  Ueber  die  Brustseuche  im  Koseier 
Landgestüte  und  über  den  Krankheits- 
erreger derselben.  (Orig.)  310.  341. 
380.  408.  454 

Fischer,  Die  Plasmolyse  der  Bakterien.   1 58 

Foh,  Una  esperiensa  negativa  sulla  im- 
munita  per  la  tuberculosi.  330 

Foh  e  Carbone,  Studi  sul  processo  pneu- 
monico.  223 

Fodor,  Zur  Frage  der  Immunisation  durch 
Alkalisation.     (Orig.)  7 

Freirt,  Mittheilung  über  Bakteriologie  im 
Allgemeinen  und  über  das  gelbe  Fieber 
im  Besonderen.  805 

Gabrütehewehy,  Ein  Beitrag  sur  Frage  der 
Immunität  und  der  Heilung  von  Infek- 
tionskrankheiten.    (Orig.)  151 

Gaettner  und  Boemer,  Ueber  die  Einwir- 
wirkung von  Bakterienextrakten  auf  den 
Lymphstrom.  759 

Galloway  and  Fctirchüd,  Experiments  in 
the  treatment  of  plant  diseases :  Treat- 
ment  of  pear  leafblight  and  scab  in  the 
orchard.  471 

Gamaleia,  De  Timmunite  pour  le  vibrion 
de  Metschnikoff.  133 

Gottstem ,  Zusammenfassende  Uebersicht 
über  die  bakterienvernichtende  Eigen- 
schaft des  Blutserums.  758 

Grancher  et  Ledoux-Lebard,  Etudes  aar  la 
tuberculose  experimentale  du  lapin.     611 

Grancher  et  Martin,  Ueber  antitubercuiöse 
Schutzimpfungen*  298 

Graset  und  FeletU,  Weiteres  sur  Malaria- 
frage.    (Orig.)  449.  481.  517 

Guntz,  Ueber  die  Chromwasserbehandlang 
der  Syphilis.  579 

Guttmann  und  Ehrlich,  Ueber  die  Wirkung 
des  Methylenblau  bei  Malaria.  809 

Hanhm,  Ueber  die  Nomenklatur  der 
schützenden  Eiweisskörper.    (Orig.)    337 

377 

— ,  Cures  of  infectious  diseases.  396 

— ,  Die  antibakterielle  Wirkung  des  Serums. 

714 


Register. 


873 


Haug,  Das  Lysol  und  das  Naphthol  (ß) 
in    der  Therapie   der  Obrenkrankheiten. 

707 
vor*  Iforf,  Ein  Fall  von  Hospitalbrand  an 
der  VulTa  nebst  Bemerkungen  Aber  die 
Behandlung  dieser  Krankheit.  SS  7 

Hertman,  De  l'influence  de  quelques  va- 
risvtions  du  terraiu  organique  aar  l*action 
des  mkrobes  pyogenes.  808 

HipptMy  Ein  Apparat  mm  Sterilislren  der 
Milch  im  Hanse.  80 

üönmtet,  Apparent  antagoniam  between  the 
Streptococci  of  Erysipel»  and  Syphilis.  8 1 

Huepptj  Die  Immunititsfrage.  768 

Janton,  Versuche  zur  Erlangung  künstlicher 

Immunität  bei  Variola  vaccina.  (Orig.)  40 

Kt/amotoeki,  Zur  Frage  über  die  antimikro- 
biellen  Eigenschaften  des  Ifagensaftes.  285 

Kirchner,  Die  Bedeutung  der  Bakteriologie 
für  die  Öffentliche  Gesundheitspflege.  186 

KiUuato,  Experimentelle  Untersuchungen 
über  das  Tetanusgift.  488 

— ,  Heil-  und  Immunisirungs  versuche  bei 
Tetanus.  762 

KUin,  Ein  neuer  Bacillus  des  malignen 
Oedems.     (Orig.)  186 

— ,  Ueber  chemische  Beeinflussung  der 
Slfte.  764 

Klemm,  Ueber  Catgutinfektion  bei  trockner 
Wundbehandlung.  128 

Kluge,  Chemotaktische  Wirkungen  des  Tu- 
berculins  auf  Bakterien.     (Orig.)        661 

Kolb,  Zur  Aetiologie  der  idiopathischen 
Blutfleckenkrankheit  (Purpura  haemor- 
rhagtca,  Morbus  maculosus  Werlhofii).  17 

KöUehau,  Kuraer  Beitrag  sur  Ichthyolthe- 
rapie bei  Frauenkrankheiten.  862 

Kotfrarin  und  Krameky,  Ueber  Heilung  des 
Milabrandes  durch  Fäulnisstozine  (Ex- 
trakte) bei  Thieren.     (Orig.)       668.  599 

Krynalci,  Beitrag  sur  Kenntniss  des  Ver- 
haltens der  Tuberkelbacillen  bei  Lupus 
unter  dem  Einflüsse  der  Koch'schen 
Lymphe.  107 

Kugler,  Worin  sind  die  Hauptursachen  ffir 
die  starke,  immer  noch  wachsende  Ver- 
breitung der  Tuberculose  su  suchen  und 
was  kann  und  soll  der  Staat  zur  Aus- 
rottung beaw.  Eindämmung  dieser  ver- 
derblichen Krankheit  thnn?  628 

Kur» ,  Ueber  trockene  aseptische  Opera- 
tions- und  Verbandsmethode.  268 

Langioie,  Le  traitement  de  ia  tuberculose 
dn  Dr.  B.  Koch.  618 

LatU,  Ueber  den  Uebergang  des  Milabran- 
des von  der  Mutter  auf  den  Fötus  und 
über  die  Veränderungen  in  den  Gefässen, 
welche  der  Milzbrand  hervorbringt.    225 

LeZoir,  Ueber  die  Impfung  skrophulös- 
tuberculöser  Produkte,  namentlich  des 
Lup.  vulg.  774 

9.    Lingdeheim,     Experimentelle    Untersu- 


chungen über  morphologische,  kulturelle 
und  pathogene  Eigenschaften  verschiede- 
ner Streptokokken.  460 

Lmotrier,  Action  de  l'acide  sulfureux  sur 
quelques  Champignons  inferieurs  et  en 
particulier  sur  les  levftres  alcooliques.  28 

Loeb,  Ueber  einen  bei  Keratomalacia  infan- 
tum beobachteten  Kapselbacillus.    (Orig.) 

869 

Lubarach,  Bemerkungen  su  R.  Stern's  Re- 
ferat Über  meine  „Untersuchungen  über 
die  Ursachen  der  angeborenen  und  er- 
worbenen Immunität14.     (Orig.)  69 

Stern,  Erwiderung.     (Orig.)  74 

Martmotti  und    Tedeaehi,    Untersuchungen 

über  die  Wirkungen  der  Inokulation  des 

Milsbrandes  in  die  Nervensentra.    (Orig.) 

646.  698.  688 

Metsckfiikof,  Ueber  die  Wirkung  des  Vibrio 
Metschnikovi.  764 

MeUchnikoff  et  Btm»,  Sur  la  propriete*  bac- 
tericide  du  sang  de  rat.  766 

Oertd,  Ueber  das  diphtherische  Gift  und 
seine  Wirkungsweise.  220 

Ogata,  Ueber  die  Immunitätsfrage.         764 

Berdrix,  Les  vaccinations  antirabiques  k 
Tlnstitut  Pasteur.  681 

PeUrmann,  Sur  la  sabstance  bactencide  du 
sang  decrite  par  le  professeur  Ogata.    766 

Petri,  Ein  neuer  Apparat  tum  Sterilislren 
mit  strömendem  Wasserdampf  von  Atmo- 
sphärendruck. 181 

— ,  Ueber  die  Widerstandsfähigkeit  der 
Bakterien  des  8chweinerothlaufs  in  Rein- 
kulturen und  im  Fleisch  rothlaufkranker 
Schweine  gegen  Kochen ,  Schmoren, 
Braten,  Saison,  Einpökeln  und  Räuchern. 

186 

Piamu,  Ricerche  batteriologiehe  e  speri- 
mentali  in  un  caso  di  corea  dn  Syden- 
han.  888 

PUseer,  Ein  neues  wirksames  Heilverfahren 
bei  progressiver  Lungen-  und  Organ- 
tuberculose.  880 

Preindesberger,  Zur  Kenntniss  der  Bakte- 
rien des  Unternagelraumes  und  sur  Des- 
infektion der  Hände.  184 

iVsis«,  Ueber  einen  Fall  von  Pseudotuber- 
culose  beim  Schafe  und  über  Pseudo- 
tuberculose  im  Allgemeinen.  668 

Raum,  Zur  Morphologie  und  Biologie  der 
Sprosspilse.  79 

Reiche!,  Ueber  Immunität  gegen  das  Virus 
von  Eiterkokken.  189 

Rein,  Asepsis  oder  Antisepsis  bei  Lapara- 
tomieen?  26 

Roger,  Contribution  e  l'etnde  expcrimentale 
dn  charbon  symptomatique.  748 

Rohrschneider ,  Experimentelle  Untersu- 
chungen über  die  bei  Fröschen  durch 
Verweilen  in  höherer  Temperatur  er- 
zeugte Disposition  für  Milzbrand.      170 


874 


Register. 


Boux,  Ueber  Immnnitil,  deren  natürliches 
Vorkommen  und  künstliche  Eraeugaag. 

649.  682 

Buffer,  Notes  on  the  destruetion  of  miero- 
organlsms  by  mmoeboid  eellt.  18t 

SamarcUi,  Weiten  MittbeUaiigeii  Aber  Gift- 
tbeorie  and  Pbagoeytoee.    (Orig.)     618 

— ,  Der  menschliche  8pelchel  und  die 
pethogenen  Mikroorganismen  der  Mund- 
höhle.    {Orig,)  817 

Schmmfibmtük  ,  Die  Durchführung  der 
Asepsis  in  der  Klinik  des  Herrn  Ge- 
heimrath  ron  Bergmann  in  Berlin.    886 

Sckor,  Ueber  die  fragliebe  Tmmnnisstion 
durch  Alkalisation  mittelst  Natrium  bi- 
carbonieum.    (Orig.)  786 

Schwan,  Ein  Fall  ron  Heilung  des  Tetanus 
traumatieus  dureb  das  ron  Prof.  Guido 
Tissoni  und  Drin  Cattani  bereitete  Anti- 
toxin des  Tetanus.    (Orig.)  786 

Sthncald,  Die  Krull'sche  Methode  der  Tu- 
berculosenbebandlung  in  ihrer  thermi- 
schen Einwirkung  auf  die  Lunge.     828 

Scrafini  et  Erriquez,  Soll'  asione  delT 
sangue  di  animali  immuni  inoculato  ad 
animali  suseettibili  pel  carbonchio.     755 

Southworth,  Bipe  rot  of  grapes  and  apples 
(Gloeosporium  fruetigenum  Berk.).    612 

Sozhlct,  Ein  verbessertes  Verfahren  der 
Milchsterilisirung.  208 

Spronck,  Zur  Kenntniss  der  pathogenen  Be- 
deutung des  Klebs-Loenler'schen  Diph- 
theriebacillus.  419 


An*?,  Ueber  die  ChJoroformbehandhuig  des 
Typhus.  24 

atoeqmmt,  De  ftchthyol  dans  le  trsJsnment 
de  la  dyspepsie  et  des  troubles  edpha- 
liques  et  nerveux  qul  en  depeadent.    862 

Stent,  Why  the  Sputa  of  tabercalous 
patients  sbould  be  destroyed.  106 

Tixmoni  und  CattoiM,  Pernere  Untersu- 
chungen über  das  Antitoxin  des  Tetanus. 
(Orig.)  33 

,  L'immunita  eontro  il  tetano  srndiafi 

negli  animali  molto  reeettrri  per  qoasts 
infeuione  (envia,  eoniglio9  topo).         576 

Traptmukof,  Du  sort  des  sporea  de  mi- 
erobes  dans  l'organisme  snimal  753 

Zweiter  Tuberculose-Kongress.  439 

Ulrich,  Die  Resultate  ron  8  verschiedenen 
Bebandlungsweisen  des  Erysipel«*  fiatieL 

268 

Unna,  Natur  und  Behandlung  des  Ekzems. 

674 

VatOard  et  Vmocnt,  Sur  le  poison  teu- 
nique.  14 

Wolf,  Ueber  Aktinomykose.  138 

IVyssokouxe*,  Zur  Frage  ron  der  L*okali- 
sation  des  Tollwuthvirus  im  Orgmnlsmiu 
der  Thiere.     (Orig.)  45 

Zagari,  8ul  meccanismo  delT  attenuaaione 
del  virus  rabieo.  615 

Zmigrodskij  Ein  kasuistischer  Beitrag  zur 
Heilbarkeit  der  Pyimie.  833 


X.   Kongresse. 


Bakteriologisches  vom  X.  internationalen 
medizinischen  Kongresse  su  Berlin,  4. 
—9.  August  1890.  26 

Bakteriologisches  von  der  medizinisch- 
wissenschaftlichen  Ausstellung  des  X. 
internationalen  medizinischen  Kongresses 
su  Berlin,  4.-9.  August  1890.    166.  201 

Bakteriologisches  vom  VIL  internationalen 

Kongress  für  Hygiene  und  Demographie 

su  London,  10.— 17.  August  1891.     605 

580.  647.  682.  708.  762.  810 


Die  bakteriologische  Ausstellung  des  VII. 
internationalen  Kongresses  für  Hygiene 
und  Demographie  su  London,  10. — 17. 
August  1891.  840 

Bakteriologisches  vom  XX.  Kongress  der 
deutschen  Gesellschaft  Ar  Chirurgie,  ab- 
gehalten vom  1.— 4.  April  1891  an  Berlin 

188.  173 


Zweiter  Tuberculose-Kongress. 


489.  565 
774 


XI.  Institute. 


FinkeUtem,  Bericht  über  das  Jahr  1890 
Ober  die  Pasteur'sehe  antirabische  Station 
am  Militär  -  medisinischen  Laboratorium 


des  kaukasischen  Milit&rkreiaes  su  Tiflis. 

67* 

Perdrix,   Les   vaccinations    antirabique«  » 

rinatitut  Pasteur.  681 


XII.   Neue  Litteratur. 


28.    108.    140.    173.    204.  287.    269    301.    882.  364.  397.    444.   476.    540.    588.    620. 
656.  684.  716.  778.  813.  845. 


Autorenverseichaifts. 


875 


XIII.    Autorenveraeichnifls. 


Aberg,  E.  614 

Adami  762  842 

Almqnist  492 

Alvergniat  846 

Amthor,  Carl  157 

Anderson,  F.  W.  103.  617 

Angetan,  A  254 

Arloing  448.  586.  762.  772.  776.  811.  845 

Arthaud  776 

AniBtamoff;  M.  118 

Atkinaon,  G.  F.  808 

Babee,  V.  169  281.  443.  585.  767 

Baginsky,  A  806 

BaSd  846 

Bailance  648 

Bang  772 

Bantt  G.  804 

Barbacci  224 

Barbier,  A.  93 

Bard  105 

Bardach  812 

Barlow  810 

Barrois,  Th.  527 

Beevor  841 

Bereite  586 

Bergmann,  v.  137. 

Bergmann,  W.  259 

Bernheim,  234.  441.  442.  839 

Bert  in  442 

Beyerinck,  M.  W.  75.  723 

Biernacki,  E.  296 

Bignami  570 

BiDings,  Frank  S.  24 

Binz,  C.  810 

Birch-Hirschfeld  85.  88 

Blanchard,  R.  525.  526.  527 

Boinet,  Edouard  15 

Bokenham  842 

Bombicci,  Q.  21 

Bombicci  L.  22 

Booker,  William  D.  284 

Bordoni-Uffreduizi  305 

Borgherini,  A  107 

Bouland  777 

Boulloche  674 

Bonsfield  844 

Boyce  842 

Braati  138.  363 

Brandes,  G.  526 

Braun,  M  215.  389.  421.  465.  493.  524. 

626 
Brentano  678 
Bruce  647 
Brunn,  t.  318 


Brunner,  Conrad  172.  297.  362 

Brnschettini,  A.  15 

Brnsilowski,  E.  194 

Bachner,  H.  349.  699.  709.  727.  767 

Baday  256..  286 

Burdon-Sanderson  769.  811 

Buiii  675 

Cabadd  561 

Cadiot  300 

Cantani,  A  22.  134 

Capparelli.  Andrea  277 

Carbone,  T.  223 

Cartwright-Wood  767 

Cattani  Gioseppina  83.  576 

Cazeneuve,  P.  355 

Celli  538,  617 

Chauveau  269 

Chantemease  442 

Chelmonski  579 

Chevreau,  P.  527 

Chiari,  H.  330.  331 

Christmann,  F.  1191 

Christmas  Dirckinck-Holmfeld,  J.  de  768 

CUdo  775.  778 

Claisse  674 

Cohn,  Ferd.  190 

Conn,  H.  W.  252 

Cornü  587.  776.  812 

Conrmont  300.  442 

Crety,  C.  627 

Crisafulli,  S.  170 

Crookshank  616.  648.  840 

Cuenot,  L.  526 

Cuffer,  P.  567 

Dangeard,  P.  A  745 

Dand,  Th.  609 

Delacroiz  163 

Delepine,  Sheridan  649.  841 

Dennig.  Adolf  643 

Despeignes.  V.  563.  845 

Destree  567 

De  Voe  105 

Di  Mattei.  E.  162 

Dittrich  491 

Dock,  George  227.  254 

Dör  300.  442 

Dowdeswell  843 

Du  Cazal  761 

Eberth,  C.  J.  251 

Ehrlich,  P.  763.  809.  811.  812 

Eiseisberg,  A  r.  138.  492 

Eisenhardt  E.  610 

Ellie,  J.  B.  108.  104 

Emmerich  265.  714 


876 


Autor  enTerseichniss. 


Enderlen.  E.  94.  753 

Erand  615 

Erriqaes  756 

Escherieh  26 

Espina  y  Capo  777 

Ererhart  B.  M.  104 

Faber,  Knud  18 

Fairchild,  D.  G.  471 

Fajarnei,  E  254 

Faulhaber,  E.  258 

Favrat.  A.  119 

Faxio,  E.  761 

Feletti.  R.  449.  481.  517 

Permi,  Claudio  401 

Fiedeler  310.  341.  380.  408.  454 

Finkelstein,  J.  M.  679.  747 

Fischer  168.  172 

Fischer,  A.  158 

Fischer,  W.  16 

Flügge  169 

Foa,  P.  223.  330 

Fodor,  J.  t.  7.  721.  767 

ForeL  F.  A.  562 

FraenkeL  A.  160 

Fraenkel  B.  234. 

Frank,  B.  752 

Frankland,  Percy  F.  222 

Fraier  8U 

Freire  805 

Frew,  W.  222 

Frisch.  A.  r.  610 

Gabritschewsky.  G.  151.  248.  844 

Gaertner.  G.  759 

Gaffky  168 

Galloway,  B.  T.  471 

Gamalela.  M.  133.  300 

Giard,  Alfred  230.  750 

Gibbon,  S.  811 

Gilbert  300.  803 

Gimbert  778 

Girode,  J.  803 

Goldschmidt  748 

Goll  353 

Goto,  S.  526 

Gottstein,  A.  758 

Graber,  A.  563 

Gradenigo, 

Grancher,  J. 

Grassi,  B.  449.  481.  517 

Griffln  844 

Graber.  Max  619.  648 

Gninard,  M.  668 

Gunts,  J.  579 

Gattmann,  P.  809 

Haase,  E.  552 

Hallopeau  586.  587 

Hamann,  Otto  527.  791 

Hamilton  773 

Hankin,  E.  H.  337.  377.  3J>6.  714.  842 

Hansen,  Em.  Chr.  557 

Hassall.  Albert  464 

Hang  707 


Hearson  844 

Heim,  L.  260.  288. 323.  356. 393. 43*  >  47: 

499.  529.  575 
Heinseimann  646 
Herff;  v.  227 
Hencourt  441 
Herman,  M.  808 
Hirne  810 
Hippins  20 

Hochßinger,  C.  90.  263 
HodenpyL  Eng.  703 
Höflich,  C.  94 
Hftlseher  384 
Hofe  522 
Hogg,  J.  526 
Hobt,  A.  219 
Horwits,  Orville  21 
Hneppe  617.  619.  647.  763.  811  844 
Hngoonenq.  615 
Hunter  812.  843 
Hntinel  440 
Jacobi  440 
Janselme  587 
Janson,  Carl  40 
Jensen,  C.  O.  611 
Jordan  172 
Kaiser,  Job.  527 
Karg  13a  843 
Karfinski  491 
Kaufmann,  P.  65 
Kayser,  E.  418.  489 
Kifanowski.  W.  235 
Kirchner,  Martin  126.  234.  670 
Kirchner,  O.  259 
Kirmisson  441 
Kitasato  167.  438.  762 
Klein  841 

Klein,  A.  619.  647.  764 
Klein,  E.  186 
Klemm,  Panl  128 
Kuppel  66a  802 
Klage,  R  f  61 
Knaaer,  Friedr.  8 
Koch,  Alfred  801.  838 
König  137 
Kttschaa  362 
Kolb,  M  17 
Kostjarin,  S.  568.  599 
Kralnsky,  N.  668.  699 
Kral,  F.  201.  848 
Kramer,  E.  124.  164 
Kraske  322 
Kratter  26 
Krynski,  L.  107 
Küflter  137 
Kogler  523 
Kan  268 
Lagaerriere  777 
Landoasy  441.  777 
Langer  676 
Langloie,  P.  613 
Lasch*,  A.  192 


Autorenrerseichniss . 


877 


Laos  225 

l*&uenstein  137 

^utenschlftger  844 

^averan  636.  617 

Le  Dantec  442 

[^edonz-Lebard  611 

Leloir  587.  774 

Le  Monlt  193.  750 

Leroy,  C.  255 

Leuckart,  R  527 

Levy,  E.  642 

Lewandowsky  220 

Lingelaheim,  v.  460 

Ldnosaier,  G.  23 

Ldnstow,  t.  626.  627 

Lister  535.  648.  767 

Latten,  M.  20 

Loeb  369 

Loeffler,  F.  167 

Lftnnberg,  E.  526 

Lodge  844 

Lortet,  M  567 

Lothian  845 

Lubarsch,  0.  69 

Lubliner,  L.  89 

Lucet  807 

Ludwig,  Fr.  10.  214.  563 

Lustgarten,  Sigismund  229 

Lutz,  A.  241 

Maggiora,  Arnaldo  145.  625 

Magnin,  Ant  101 

Magnus,  P.  103 

Malachowaki.  E.  706 

MalTOz,  E.  197 

Mannaberg,  J.  705 

Marpmann  122.  458 

Martin,  H.  298 

Martinaud,  V.  99 

Martinotti,  Giovanni  224.  545.  593.  636 

Me  Fadyen,  A.  82.  648.  772 

Mc  Weeuey,  E.  J.  838.  842 

Megnin,  P.  526.  527.  775 

Meinert  387 

Menge  842 

Metecbnikoff  756.  764.  811 

Migula,  W.  563.  701 

Millaiß  843 

Miller  647 

Moeller,  H.  273 

Moniez,  R.  526.  527 

Monticelli  F.  S.  526.  527. 

Moos,  S.  19 

Mordhorst  321 

Morris,  Malcolm  18 

Mosny  775 

Mräzek,  M.  527 

Murray  843 

Naunyn  92 

Nencki,  M.  82 

Netter,  J.  L.  559 

Neuhauss  168 

Nocard  299.  774.  776.  777.  841 


North,  W.  617 
Oertel  220 
Ogata  754 
Oguiannikow,  S.  132 
Ortmann,  E.  498 
Osburn,  Herbert  675 
Parkes,  E.  A.  559.  844 
Parona,  C.  527 
Pasternacki,  Th.  198 
Patteson,  B.  Glasgow  130 
Paulos  672 
Pellizzari,  Celso  886 
Peozo,  Rudolf  822 
Perdrix  681 
Perroncito  911 
Perugia,  A.  525 
Petermann  755 
Petri,  R.  J.  126.  131.  135 
Pfeiffer,  L.  525 
Pianese.  G.  388 
Picq  442 
Picque  388 
Pierce,  N.  B.  355 
Pinard  441 
Pia,  E.  F.  14 
Plate,  H.  563 
Plehn,  F.  672 
Plesser  330 
Podbielsky,  A.  605 
Poehl  168 

Poirault  Georges  104 
Pokrowsky,  M.  A.  566 
Ponfick  812 
Potain  322 
Pound  843.  844 
Prausnitz,  W.  820 
Prep],  Fritz  825 
PreFndesborger  184 
Preist,  H.  568 
Prillieux  163.  2(K) 
Pringle  844 
Proskauer  645 
Protopopoff  702 
Pruddeo,  T.  Mitchell  703 
Railliet,  A.  525.  526 
Raum,  Johannes  79 
Raymond,  M.  P.  89 
Reich,  M.  J.  747 
Reiche],  P.  139 
Reiher.  Oskar  219 
Reimers,  J.  480 
Rein  25 

Reinach,  A.  415 
Renk  193 
Ribbert  287 
Richter,  Max  612 
Rietsch,  M.  99 
Ritzema  Bos.  J.  528 
Rohmann  168 
Roemer,  Fr.  759 
Roger,  G.  H.  300.  748 
Rohrschneider  170 


878 


AutorenversclchnUc. 


Romanowsky,  D.  163 

Rotcoe  844 

Rosenbaeh,  0.  806 

Boriniki  189 

Eothert  607 

Rom  649.  756.  767.  811 

Buffer.  B.  Armand  182 

Sabrases,  M.  257 

Sacharow,  N.  199 

äagarra,  V.  526 

Samt-Joseph,  de  528 

Saint-Remy,  G.  526 

Sakharoff  706 

Sanarelli,  Giuseppe  513.  817 

Schede  137.  138 

Schellong,  0.  570 

Schill  657 

Schimmelbusch,  C.  266 

Schleich  462 

Schmorl  88 

Schnirer,  M  T.  439 

Scher  736.  760 

Schooll  775 

Schulte,  N.  K  52 

Schwan,  Rudolf  785 

Schweninger  675 

Scott,  Th.  527 

Sehrwald  828 

Semmola  441 

Serafilii  755 

Setti  E.  526 

SewiU,  Henry  64a  843 

Shattock  843 

Sieber,  N.  82 

Sleskin,  P.  209 

Smith,  £.  F.  892 

Smith,  Theobald  177 

Solger,  B.  525 

Solles  441 

Sonsino,  P.  525.  526.  527 

SoroUn,  N.  233 

Southworth  612 

Soxhlet  203 

Spener,  C.  574 

Spronck  419 

Stanley,  Arthur  222 

Stengel,  Alfred  749 

Stepp  24 

Stern,  Richard  74 

Stiles,  W.  526.  527.  528 

Stocquart  862 

Stone,  K.  Arthur  106 


Stossidi,  H.  526 

Straus  300 

Tangi,  F.  1.  820.  673 

Tavernier  687  §•-•'-■• 

Tedeschi,  Alessandro  545.  593.  635 

Thelohan,  M.  P.  353.  354.  525 

Thiersch  137 

Jhflmen,  Felix  v.  675 

Tison  777 

Tinoni.  Guido  33.  576 

Tortf,  A  254 

Trapeznikoff  753 

Trasbot  777 

Trombetta,  Sergi  664 

Tuffler  778 

Turrö,  R  91 

Ulrich,  Ch.  268 

Unna  674 

Vaillard  14.  761 

Van  Dort,  Broes  T.  129 

Vaughan  843 

Veülon  388 

Yerneuil  586.  776 

Vignal489 

YiDeneuTe  626 

Yilliers,  A.  283 

Vincent  14 

Voeltikow,  A.  528 

Votseier,  J.  563 

Waahbourne  842 

Wassermann  645 

Waybel  285 

Weathered  842 

Weltner,  W.  563 

Wernicke,  O.  626 

Wertheim,  E.  385 

Weyl  167.  319 

White,  James  C.  130 

Wickhain,  Louis  129 

Wieriuzskij,  D.  352 

Wieraejski,  A.  525 

Will,  Et.  621 

Wollt  M.ix  138 

Woodhead,  G.  Sims  772.  843 

Woronin,  M.  231 

Wortmann,  J.  76 

Wyssokowics,  W.  46 

Zacharias,  O.  562.  563 

Zagari,  G.  615 

Zettnow,  &  689 

Zmigradski  332 

Zschokke,  F.  694.  738,  792.  829 


Frommannsche  Buchdruckerei  (Hermann  Po  hie)  in  Jen*. 


Stoxt 


FOR   REFERENCE 


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